f 5 Pfennig) Ur. 65. flbonnementS'BedlngiinQen: Kionnemcntä• Btetä ptaittmifmnftai Bictteliätn 3�0 Ml. mon-m. 1,10 SKt, wöchentlich 25$tB. frei ins Hau», Einzelne Stuininei b'Btft. Sonnrng«- rummei mit llluitriener SonmagZ- Beilage.Die Neue Weit' 10 Pch Post« kiöonncrneM- i.10 Marl vro Monat. Einaeiragen w die Post> zeillinaS- Vrelsiiite llmer Kreuzband für Deulichland und Oesterreich- Unoarn Z£0 Marl für daS übrige Ausland « Mari vro Monat. Postabonnementt nehmen an: Belgien. Dänemarl. Holland, Italien. Luxemburg. Pornigcch tiumäuen, Schweden und die Schweis Montagsansgade m> f 5 Pfennig} 33. Jahrg. cnmctiu Sgna. Die TnlertlonS'GebQbr beträgt für die fechSgespattene Kolon ei- »eile oder deren Raum 80 Big. für politische und gewerkschaftliche Vereins« Und Lersammlnungs-Anzeigen SO Vtg. �Kleine Htisclgen". das icttgedrurkre Wort A Pfg. lzuiäfsig 2 fettgedruckte Worte), fedes wntere Wort w Pfg. Etellcngesuche und Schlafstellenan- »eigen das erste Wort 10 Pfg.. fedet weitere Wort öVfg. Worte über l»Buch- Itaben zählen für zwei Worte. Inscrau! fir die iiächste Nummer müssen biß 6 Uhr nachmittags in der Exredition abgegeben werdem Die Exvedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. relsgramm- Adresse: „EozialdcmoHrat Bcriia". Zentralorgan der fozialdeniokratifcben Partei Deutschlands. Reöaktion: Sw. 68, Linöenstraße Z. Kerniprecher: Amt Morinplatz, Nr. lSt SO— lot 97. Montag, den 6. März 1916. Expedition: SV. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplal«, Nr. l.-»1 90— 151 97. Heftiges Artilleneseuer zwischen Maas un* Mosel Mitteleuropa. Der Verein für Sozialpolitik hat ein großes zweibändiges Werk über„Die wirtschaftliche Annäherung zwischen dem Deutschen Reiche und seinen Verbündeten" herausgegeben, an dem 20 Autoren unter allgemeiner Leitung von H. H e r k n-e r mitgearbeitet haben.'» Da österreichische wie deutsche Gelehrte und selbst Vertreter der deutschen Arbeiterbewegung sowie eine Regierung daran beteiligt sind, so wird das Problem„Mittel- europa" hier besonders eingehend erörtert und auch zum Teil tiefgebend untersucht. Es werden hier die allgemeinen Gründe, die für eine Annäherung sprechen, vom Prager Professor Spicthoss behandelt sowie die allgemeinen Handels- politischen Probleme. wie„Meistbegünstigung und Zollunterscheidung"(Schumacher).„Meistbegünstigung und Vorzugsbehandlung"(Schüller), die einzelnen Formen des Wirtschaftsverbandes(Stolper) und die Währungsfrage lÄnapp) erörtert. Vier Abhandlungen sind den Problemen der Landwirtschaft und der Viehzucht gewidmet; Tyszka wirst die Frage auf, inwieweit die wirtschaftliche Annäherung zlvischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn im Interesse der Konsumenten liege, und Hämisch behandelt das Problem des Getreidemonopols. . Im zweiten Teil gibt Professor Eulenburg eins tiefgehende Analyse der Handelsbeziehungen zwischen den d>eütralmächteu und ihrer zukünftigen Aussichten, während tkobatich die Stellungnahme der österreichischen Industrie schildert. Ferner erörtern Schiff und Wissest die Fragen des Arbeiterschutzes und der sozialen Versicherung. Lehen die Ver- kehrsbezichungen und Winnig schreibt über die„Annäherung der Zentralmächte und die Arbeiter". Den Schluß bilden eine sehr interessante Untersuchung Wiedenfelds über die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen, die bekannte„Denk- schrift der bulgarischen Regierung" und eine Abhandlung von Dr. Rottmann über Rumänien und Mitteleuropa. schon diese Auszählung der Abhandlungen zeigt die Fülle der Probleme, die hier erörtert werden. In der Tat scheint uns diese Publikation die gründlichste Untersuchung des Problems zu sein, wie sie bis jetzt von der bürgerlichen Presse noch gar nicht geliefert wurde. Natürlich ist der Wert der einzelnen Arbeiten rocht verschieden; auch der Standpunkt der Autoren ist in bozug auf die Äardinalfrage kein eiicheitlicher. Zugleich mit warmen Befürwortern des wirtschaftlichen Zusammen- schlusses treten einige mst ihrer skeptischen Beurteilung des Wertes dieser Annäherung hervor oder verhalten sich ganz ablehnend dazu. Durch neue Angaben, die die Erörterung des Pro- blems vertiefen können, zeichnen sich drei Abhandlungen aus: die von Prof. Eßlen über die deutsche Landwirt- schaft und die schon hervorgehobenen Untersuchungen von Prof. Eulenburg und Wiedenfeld. Vielleicht ist es wert, noch besonders hervorzuheben, daß am meisten von Illusionen beherrscht ist— A. Winnig. Während die bürgerlichen Professoren mehr oder weniger die nackten Tatsachen sprechen lassen, die für Illusionen natürlich nur wenig Raum übriglassen, beherrscht bei Winnig der Wunsch die Gedanken, und je weniger er die realen Verhältnisse kennt, desto mehr läßt er seiner Phantasie Spielraum. Es ist natürlich unmöglich, die Fülle der Probleme hier auch nur streifend zu erörtern. Nur auf einige wirtschaftliche Fragen soll hier eingegangen werden. Es handelt sich ja doch in erster Linie um die wirtschaftliche Annäherung, von einem politischen Zusammenschluß sollte vorläufig gar keine Rede sein. Trotzdem trüben die politischen Fragen stets die wirtschaftlichen Ansichten, so vor allem bei Spiethoff. Ueberhaupt läßt sich leicht erkennen, daß die Befürworter der wirtschaftlichen Annäherung mehr politische als rein Wirtschaft- liche Ziele verfolgen, wie Rohrbach in bczug auf Mitteleuropa es offen zugesteht. Demgegenüber betont Eulenburg mit Recht. daß sür die Praxis nur eine solche Erörterung wirklich stucht- bar zu werden vermag, die ganz unbeeinflußt von der hohen Politik den Dingen vorausseyungslos zu Leibe geht.„Hier muß alles politische und gefühlsmäßige Sentiment ausscheiden. Es handelt sich in Wirtschastsdingen vielmehr um reine Zweckmäßigkeitsfragen". Nun erwarten ja die meisten Anhänger Mitteleuropas auch wirtschaftliche Vorteile daraus. So hofft Winnig. daß die österreichisch- ungarische Landwirtschaft infolge einer Ermäßigung der deutschen Agrarzölle lleberschüsse nach Deutsch- land werde liefern können, ohne doch der deutschen Landwirt- schaft(will sagen den deutschen Agrariern I) Schaden zu ver- MM»es SroBeii AAMkim. Amtlich. Großes Hauptquartier, de» S. März 1916.(33. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Gegen Abeud setzte lebhaftes sciudlichcs Feuer aus verschiedenen Stellen der Front ein» zwischen Maas und Mosel war die französische Artillerie dauernd sehr tätig und beschoß zeitweise die Gegend von Douaumont mit besonderer Heftigkeit. Jnfanterickämpsc fanden nicht statt. Um unnötige Verluste zu vermeiden, räumten wir gestern den bei der Försterei Thiaville(nordöstlich von Badonviller) den Franzosen am 28. Februar entrissenen Graben vor umfassend dagegen eingesetztem feindliche» Maffevfeuer. Oestlicher Kriegsschauplatz. In der Gegend von Jlluxt konnte ein von de» Ruf- scu im Anschluß an Sprengungen beabsichtigter Angriff in unserem Feuer nicht zur Durchführung kommen. Vorstöße feindlicher Erkuudungsaiteilungen auch au auderen Stellen wurden abgewiesen. Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleituug. Nr WemiDMe GelimWMW. Wie», 5. März.(W.T.B.) Amtlich wird verlautLart: Die Lage ist überall imverSubert. Der Stellvertreter des Chefs de? GeneralstabeS: von Hoefer, Feldmarfchalleutnant. *) Diese Publikation ist als lSS. Band der S-briften des Vereins lür Sozialpolitik bei Duncker u. Humblot, München und Leipzig, erschienen und umfaßt im L Teil 408 Seite« und im U. Teil 496 Seuen. Ursachen, b. h. Winnig will das Problem lösen: Wasch mir den Pelz, ohne ihn naß zu machen. Er stellt sich die Sache so vor, daß eine Ermäßigung der Zölle sür das Ge- treibe aus Oesterreich-Ungarn aus die deutschen Getreidepreise ohne Einfluß bleiben müsse. Winnig verweist auf die niedri- gen Ernteerträge in Oesterreich-Ungarn. Es ist aber fraglich, ob sich diese bei den herrschenden sozialen und politischen Verhältnissen, dem schweren Steuerdruck und dem tiefstehenden Kulturniveau bald heben lasten. Weiter ist die erste Vor- bedingurg einer intensiven Landwirtschaft ein naher Markt; sobald der sich aber entwickelt, sobald die Städte stark cm- wachsen, wird mehr Getreide ein- als ausgeführt, was schon heute in Oesterreich-Ungarn der Fall ist. Ueber die Erfahrungen, die man mit der Lebens- mittelversorgung gerade in Oesterreich während des Krieges gemacht hat, berichtet Ballod, und diese sind keines- Wegs ermutigend. Dort mußte man„im großen Umfange zum Teil schlecht gewordenes Maismehl zur Brotbereitung heranziehen, was seit Menschengedenken nicht vorgekommen". Kurz, die Illusion, daß Zentraleuropa, selbst nach Heran- ziehung Bulgariens und der Türkei, in seinem Getreidebcdarf etwa vom Weltmarkte unabhängig werden könnte, ist eine der vielen Kriegsillusionen, die durch die Publikation des Vereins für Sozialpolitik aufs gründlichste zerstört wird. Ebenso unwiderleglich beweist Eulenburg, daß die deutsche Industrie so gut wie gar kein Interesse an einer zollpolitischen Annäherung mit Oesterreich-Ungarn haben kann. Denn schon heute bildet die Einfuhr aus Deutschland in den wichtigsten Positionen des österreichischen Imports 66 bis 92 Proz., in den wenig wichtigen 26—60 Proz, Was aus anderen Ländern kommt, sind in der Hauptsache Rohstoffe, die Deutschland gar nicht erzeugen kann, Spezialartikel, die Deutschland selbst aus dem Auslände zu beziehen für vorteilhast hält, usw. Dabei denkt man in Oesterreich- Ungarn noch gar nicht daran, auf die jetzigen Jndustriezölle irgendwie zu verzichten. So kommt Eulenburg zum Schlüsse, daß„die Voraus- setzung des Zollbundes die Stärkung der österreich-ungarischen Volkswirtschaft selbst sein muß". Die Aenderung der Handelspolitik allein gibt aber noch gar keine Mittel sür eine innere Hebung der österreich-ungarischen Volkswirtschaft selbst, vielmehr muß die Aufgabe sein:„Steigerung der Bedürfnisse der Bevölkerung. Erhöhung der Produktivkräfte des Landes, Vermehrung der Kapitalien in den dortigen Gewerben und Hebung der Leistungsfähigkeit der ganzen Volks wir t- schaft". Das trifft nicht nur für Oesterreich-Ungarn zu. Nicht in der auswärtigen Zoll- und Weltmachtspolitik ist die Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung zu erblicken: vielmehr � erschwert die letztere eben die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Eulenburg meint darum, daß om näherer Zollanschluß keine Erfolge zeitigen und bald auf beiden Seiten eine schwere Enttäuschung ljervor- rufen wird, die„man sich lieber ersparcu sollte". Für die wirtschaftliche Annäherung schlägt er darum den Weg des„Tarifvertrages auf erweiterter Grundlage" vor, also mit gleicher Art der Zollverwaltung auf dem deutschen und österreichisch-ungarischen Gebiete, mög- lichst angepaßter TariMerung der Zollposstionen, mit gleich- mätzigen Frachttarifsätzen und Erleichterung des Durchgangs- Verkehrs sowie entgegenkommender Zollbehandlung. Vor allem muß die Grundlage der Handelsverträge, die Meistbegünstigungsklausel, aufrechterhalten bleiben und die äußeren Reibungen müssen vermindert iverden. „In der Politik gilt nun einmal nur die Kunst, daS Mögliche zu erstreben," und dieses Mögliche sieht Eulenburg m der Erleichterung der Handelsbeziehungen zu Oesterreich- Ungarn, ohne die Beziehungen zu den anderen Ländern zu verderben. Das gleiche, wenigstens den Hauptgedanken nach, führt Wiedenfeld in bezug aus die Türkei aus, für die er Zölle auf die Maffenkonsumartikel bei gleichzeitiger Erleichterung der Einfuhr von Maschinen empfiehlt. Ein geschlossenes Handelsgebiet Mitteleuropa bleibt also ein Phantasieprvdukt des Krieges._' Der französische Tagesbericht. Paris, S. März.(W. Z. 25.) Amtlicher Berich: vom Sonnabend nachmittag.. Die. �Beschießung wurde in der Gegend von Verdun im Lause der Nacht in verschiedenen. Ab, schnitten ziemlich lebhaft sortgesetzt, wurde aber von keiner Tatig- keit der feindlichen Jnsanierie begleitet. Sei Eparges haben wir den Feind an der Besetzung eines durch die Explosion einer seiner Minen gebildeten Trichters gehindert. Von der übrigeu Jront ist außer der üblichen Artillerietätigkeit nichts zu melden. Paris, B. März.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vgn Sonnabend abend. Im Artois wurde ein feindlicher Ver- such, uns aus dem Trichter zu vertreiben, den wir an der Straße von Neuville nach Lo Folie im Besitz haben, abgewiesen. In den Argonnen beschossen wir in der Gegend südöstlich von Baugois deutsche Anlagen und zerstörten mehrere Unterstände. In der Gegend von Verdun war den ganzen Tag über die Beschießung auf dem linken Ufer der Maas bei Cote 294 und Cotc Oie sehr heftig. Aus dem rechten User unternahm der Feind nach einem gegen den Wald von Haudremont östlich der Cote Poivrc gerichteten heftigen Feuer einen Angriff gegen unsere Stellungen, der durch unser Maschinen» und Jnfanteriefeuer angehalten wurde. Vormittags war es den Deutschen. geglückt, im Dorfe Douaumont, aus dem wir sie durch einen Gegenangriff am Abend vorher vertrieben hatten, wieder F-uß zu fassen; der Kampf um den Besitz des Dorfes, der mit Erbitterung geführt wird, wogt mit wechsebrdem Erfolge hin und her. Im Woevre mäßige Artillerietätigkeit auf beiden Seiten. In Lvth- ringen nahmen wir in der Gegend des Teiches von Thiaville nach Artillerievorbereitung mehrere feindliche Grabenstücke m Besitz und machten etwa 60 Gefangene, darunter einen Offizier. Zwei Ma, schinengewehre und sin Bombenwerfer blieben in unserer Hand." Belgischer Bericht. An der belgischen Front nichts von Bedeutung. Die englische Melüung. London, ß. März.(SB. T. B.) Amtlich er Heeres« bericht vom Sonnabend: In den Minentrichtern nordöstlich van Vermelles fand Nachts und in den frühen Morgenstunden ein scharfer Handgranatenkampf statt. Alle Trichter blieben in unseren Händen. Im übrigen ist die Lage normal. Einberufungen in England. London» 4. März.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bu- reans.) Die verheirateten Derbyrekruten von 19 bis 26 Fcch- ren wurden heute für den 7. April unter die Fahnen berufen. Die Meldung ües rusiischen Generalstabes. Petersburg» 5. März.(2S. T. B.) Amtlicher Bericht vom 4. März. Westfront: An der Düna, zwischen Dünaburg und Jakob- stadt und in der Nähe von Jlluzt erfolgreiche Tätigkeit unserer Auf- klärer. Weiter südlich und auf der galizischen Front daZ übliche beiderseitige Feuer. Wir besetzten m Persien nach Kampf BÄjar<1Hl> KTometru nordwestlich Hamadan). Melöung der italienischen Heeresleitung. Rom, 5. Mirrz.(3®. 5t. B.> Amtlicher Bericht von g e st e r n. Im Logarinatal schlugen wir kleine feindliche An- griffe in der Umgebung von Atovr zurück. Im Abschnitt von Görz ist die Tätigkeit der feindlichen Artillerie andauernd leibhaft. Unsere Artillevie erzielte gute Ergebnisse in den feindlichen Sckützengräben und bei Arbeitstruppen auf der Podgora und auf dem Monte Sobotino. Die feindliche Artillerie richtete mrr sehr geringen Schaden an. Cadorna. die türkische Hauptquartiersmelöung. Äonftauttnopel, i. MärZ.(23. T. 39.) Das Hauptquartier teilt mit: Bon den dcrfchiedenen Fronten liegt keine Meldung über eine wesentliche Aenderung der Lage vor. Zu den Kämpfen in Armenien. Petersburg, Ü. März.(23. T. B.) Ä m t l i ch.(Meldung der Petersburger- Telegraphen-Agentur.) Ergänzenden Meldungen zufolge haben die russischen Truppen in dem Kampfe bei B i t l i s die feindlicke Stellung nachts während eines Schnee- iturmS angegriffen, ohne einen Schutz abzufeuern. Gegen 3 llhi nachts wurde ein Bajonettsturm unternoni-meu und die Türken nach erbitterten! Widerstand geworfen. Die türkische Artillerie- fiellung wurde nach einem Nahkampf genommen, in welchem die mit verzweifeltem Mute kämpfenden Verteidiger der Stellimg bis auf een letzten Mann getötet wurden. In der Stellung und bei der Verfolgung nahmen wir 2» durchwegs perioendbare Krupp- Geschütze neuen Systems. Autzerdeni erbeuteten wir in der Stellung Patronen und Kartuschen sowie in Bitlis selbst ein großes Artilleripmunitions-Tapot. Im Laufe der Verfolgung wurden viele Türken niedergemacht. Die Zahl der Gefangenen stieg; die der gefangenen Offiziere allein beträgt vierzig. vom U-Sootskeiege. Stfie«, 4. März.(W. T. B.l Meldung des Nsuterfchen Bureaus: Ein britischer Dampfer kam im Piräns mit der aus 54 Mann bestehenden Besatzung des italienischen Dampfers „Java" an. der von einem österroichisch-ungarischen Ii-Boot ver- senkt worden ist. Tic Besatzung war auf hoher See aufgenommen worden. Notiz des 23. T. B.: Es wind sich um den bereits gemel- deten Dampfer„Gii av a" bandeln, da es nach Lloyds Register einen italienischen Dampfer„Java" nicht gibt. Amsterdam, 4. März.(23. T. 53.) Lloyds meldet: Der eng- tische Dampfer„Teutonia«"(4824 Br.-R.-T.) ist versenkt worden, die Besatzung ist gerettet. die Vorgänge im nordamerikanifthen Senat. Washington, 4. März.(Vorn Vertreter von 23. T. 58.) Im Anschluß an die Absetzung der Resolution Gore von der TageS- erdnung entstand im Senate eine neue lebhafte Auseinandersetzung. Mehrere Senatoren machten geltend, daß die Angelegenheit durch die 2rbstinimung nicht völlig erledigt sei. Als Senator James beantragte, daß die Resolution Gore und alle Eventualanträge von der Tagesordnung abgesetzt werden sollten, brachte Gore einen Zusatzantrag zu seiner Rc. solution ein, durch den als Meinung des Senats zum Ausdruck gebracht werden sollte, daß der Tod amerikanischer Bürger auf bewaffneten Handelsschiffen, die ohne vorherige Warnung versenkt würden, einen Krieg rechtfertigen würde. Darauf be- antragte Senator James, daß der Antrag aus?lbsetzung der ursprünglichen Resolution und der Eventualanträge von der Tagesordnung sich auch auf diesen Zusatzantrag erstrecken solle. Dadurch wurden die Senatoren genötigt, sich in einer und der- i eichen Abstimmung gleichzeitig über die Frage der Warnung und i'.ver die Frage, ob die Tötung von Amerikanern auf ungewarvten Handels schiffen einen Krieg rechtfertigen würde, auszusprechen. D-ckftalb stimmte Go r e selbst für die?lbsctzuug von der Tages- ordnüng, da er gegen seinen eigenen Wänderungsantrag war und ihn nur eingebracht hatte, um eine Meüiuitgsäutzerung des Senats Kriegsfahrt durch Salizien. ii- Dcr Rückvjeg führte uns weiter hinein nach Galizien und zeigte uns. daß dieses in der kulturellen Entwickelimg so unendlich zurückgebliebene Land Naturschönheiten in reichem Matze auszu- weisen hat. Prächtige Laubwälder, saftige Wiesen, sprudelnde Bache und Flüsse lioteu dem Auge eine überaus angenehme Ab- wcchselung. Am späten Abend kamen wir nach Stryj, einer Stadt von 23 000 Einwohnern, darunter die Hälfte Juden. Auch hier hatten die Heidelberger Schwestern für unser leibliches Wohl gc- sorgt. Unser Quartier sollten wir im Hotel„Imperial" beziehen. Der hochtrabende Name des Hotels entsprach aber ganz und gar nicht seinen inneren Einrichtungen. Je zwei Mann mutzten ein Zimmer beziehen, dos zwar groß war, aber sonst so ziemlich alles vermissen ließ, woraus der Kulturmensch Anspruch zu erbeben ge- wöhnt ist. Mit den Taschenlanrpen wurden die Betten einer ein- gehenden Untersuchung unterzogen, mit dem Resultat, daß der biedere„Hotelier" unter Androhung schwerer Zkachteile veranlaßt wurde, die Betten durchgängig frisch zu überziehen und auch wenigstens das zur Reinigung nötige Wasser bereitzustellen. Den Abend verbrachten wir in Gesellschaft der dort befindlichen beut- scheu und österreichischen Offiziere, und wir lernten erkennen, wie viel diese Serren dort zu entbehren haben und unter welchen schwierigen Umständen sie ihre Aufgaben, die wirtlich nickt klein sind, erfüllen müssen. Ueber die Rachtruhe in dem Hotel„Imperial" braucht nicht viel gesagt zu werden: man war froh, als die -ünste Morgenstunde schlug und man diesem„gastlichen" Heim Walet sagen konnte. Der Weg führte nun in ein Gebiet hinein, in dem unendlich viel Blut geflossen ist— in die Karpathen. 5Sald nach Strys erheben sich Hobe Berge unvermittelt aus der Ebene; nur mühsam vermag der Zug die Steigungen zu überwinden. Auf allen Stationen ist längerer Ausenthalt, der insofern angenehm emp- sunden wird, als man die Möglichkeit hat, sich die Gegend genau zu betrachten. Die Karpathen sind bisher in den weitesten Kreisen noch sehr wenig bekannt gewesen. Nach dem Kriege wird es ver« mutlich' anders werden. Viele werden hinausziehen, um die Gräber ihrer Lieben zu besuchen, und sie werden erstaunt sein über die überwältigende Fülle von Naturschönheiten, die sich dort bietet. Die Straße längs der Bahn war die Einsallsstratze der Russen. Auf dieser Straße zogen sie auch wieder zurück, gefolgt von den deutschen. ch'terreichischen und ungarischen Truppen. Links und rechts in den Seitentälern und auf den gewaltigen Bergen spielten sich unsagbar erbitterte Kämpfe ab. Wie dort gekämpft wurde, davon legen die zahllosen Ruinen ein beredtes Zeugnis ab. Schöne Gebäude sind bis aus die Umfassungsmauern niedergebrannt; eine groß« Mühle bietet ein Bild geradezu unsagbarer Zerstörung. Die Bevölkerung ist dort ditterarm. Industrie ist so gut wie nicht vertreten. Dem Boden wird nur schwer etwas abzugewinnen sein, so daß die Be- »ölkerung genötigt ist, im Sommer in der Ebene Brot und Arbeit zu suchen. Im 23m ter ziehen sie wieder hinaus in ihre 5Sehausun. gen in den Bergen. Auch hier armselige Hütten in großer Zahl, und dort, wo sie weggebrannt worden sind, stehen heute zum Teil schon hübsche weiße Häuschen aus!stein oder der Natur außerordentlich gut angepaßte Holzhäuschen, so daß dort-wenigstens aus . den Ruinen neues Leben entsprossen ist. Wer diese Frage herbeizuführen. Mehrere Senatoren erklärten, daß die Form einer doppelten Frage an dem Ausfall der Abstimmung schuld sei, da nur wenige Senatoren über dbe Frage der Be- rechtigung eines Krieges ihre Stimme ab- geben wollten. Mch der Abstimmung brachte der repWlika- nische Senator Maccumber eine Resolution ein, die fach- lich mit einer kürzlich von ibm als Evantualmürag zur Resolution Gore eingebrachten übereinstimmte, und die als Meinung des Senats zum Ausdruck bringen sollte, daß die Regeln des Völker- rechts der neuen Art der Kriegführung angepaßt werden müßten, und daß, solange Verhandlungen mit anderen Mächten schweben, die Amerikaner ersucht werden, ihr Leben nicht durch Reisen auf bewaffneten Schissen in Gefahr zu bringen. Bei Einbringung einer Resolution erhob Maccumber Einspruch dogegen, daß die luSsprache geschlossen werden sollte. Ter republikanische Senator Jones stellte fest, daß die Wsetzung der Resolution von der Tagesordnung die Frage eher noch mehr verwirrt als geklärt habe. Senator Borah erklärte, daß die Abitimmung als Meinungs- ciußerung des Senats für Präsident Wilson von keinem Werte sei. »* Die„Frankfnrter Zeitung" meldet aus New Jork vom 4. März: Senator Gore hat durch eine geschickte parlamentarische Taktik den Präsidenten Wilson im Senate des Sieges beraubt. Wilson wünsckte, daß der Senat seine Stellungnahme ohne Debatte bestätigte, well die letztere viele von Wllson abweichende Ansichten zutage gefördert und vor allem bewiesen haben würde, daß die Hal- tunf�des Präsidenten logisch nicht konsequent ist. Dessen Slnhänger im �scnat beantragten deshalb, daß Gores Resolution auf den Tisch des Hauses gelegt werde, ein Antrag, der nach der Geschäftsordnung des amerikanischen Parlaments eine Debatte uimiöglich macht. Gore überlistete sie jedoch, indem er feine Resolution so abänderte, daß sie nur besagte, die Versenkung eines Dampfers mit ameriia- nischen Passagieren durch ein deutsches Unterseeboot werde von den Bereinigten Staaten als Kriegsfall betrachtet werden. Hierauf stimmten 68 Senatoren dafür, den Antrag auf den Tisch zu legen, was die Ablehnung bedeutet, während 14 dagegen stimmten. Gore selbst stimmte dafür, die Resolution auf den Tisch zu legen. Er kann deshalb jederzeit wieder einen Antrag aus Erörterung der Frage einbringen. Sämtliche Nachnnttugsblätter sind der Mei- nung, daß Wilsons Haltung in der Unterseebootftage taffächlich gemißbilligt worden ist, besonders auch deshalb, weil die Debatte im Senat fortdauert, der Präsident also sein Ziel, die Erörterung der Frage zum Stillstand zu bringen, nicht erreichen konnte. Meine eigene Ansicht geht dahin, daß, wiewohl der Kongreß keinen 5Sruch mit Teutschland wünscht, es doch töricht sei« würde, zu verkennen, daß die Situation noch immer viele Elemente der Gefahr enthält. Die„Frankfurter Zeitung" bemerkt dazpr: Diese auf- schlußreiche Meldung unsere» Korrespondenten bestätigt im wesentlichen die von uns bereits im gestrigen Wendblatt ausgesprochene Vermutung, daß es sich bei der Senatsabstimmung unmöglich um einen— von Reuter ausposaunten— großen Sieg des Präsidenten gehandelt haben könne. Es wäre vorschnell, die weitere Entwicke- lung voraussehen � zu wollen. Jedenfalls haben aber die hitzigen Englandsfreunde in Washington eine Schlappe erlitten, die sie zu einer Verlangsamung des Tanzes nötigt.' Der Schweizer Spionageprozeß gegen englische Journalisten. Bern, 4. März.(23. T. 23.) In dem Spionage- Prozeß vor dem Divisionsgericht 3 wurden die Angeklagten freigesprochen. von der Serner Konferenz. Die it alten ncks Zensur hatte dem„Zlvanti" den gesamten Ar- tikel, der den Bericht über die Berner Friedenskonferenz enthielt, gc- strichen.-Dagegen ließen sich einige bürgelliche Blätter von Bern über die Konferenz berichten. Gegen die(Darstellung dos Korvespon- denken der„Tribuna" wendet sich in einer langen, briefliche:! Erklä- rnng da» Mitgfted des italienischen Partoivorstandes Wddmo Mor- g a r ü Der„?lvanti" druckt den Brief als Leitartikel unter dem Titel„Tie Berner Verschwörung" ab. Ilm Anklagen und Verdächtigungen zurückzuweisen, erklärt Morgari:„Wtr begaben uns nicht nach Bern„um deutsche Sozialisten zu treffen", sondern um eine Sitzung der im September auf der Zrnunerwalder Konferenz ge- Auf der Höhe des Kamme» liegt der Oll Tuchla, um den er- bittell gellllnpft wurde. Auf den umliegenden bohen Bergen hatten sich die. Russen eingenistet, und von diesen gewaltigen, BimmÄanstreVenden Gipfeln mußten sie durch unsere braven Truppen zumeist mit dein Bajonett vertrieben werden. Die vielen Gräber sind der beste Beweis dafür, wie blutig die Kämpfe gerade in dieser Gegend gewesen sind. Die Natur bietet dort ein Bild von überwältigender Pracht und Schönheit. Man fühlt sich versetzt in die herrlichen Hochtäler Tirols: Anten bei strenger Kälte klarer Sonnenschein, oben aus den Bergen starren die Bäume im Rauhfrost; ein Bild, wie es schöner und erhebender kaum gedacht werden kann. Den Berg hinauf sind eine riesige Anzahl 5Laracken gebaut; die Oesterreicher liaben dort ein großes Gefangenenlager errichtet, in dem wohl 20 000 Russen untergebracht sein mögen. Große Schneide sagen sind errichtet, und die Russen fällen in den dortigen ZFäldcrn die 5Säume, die dann wieder zu Brettern und Balken verarbeitet wer- den und damit das Rtaterial zum Wiederausbau der zerstörten Ortschaften liefern. Die mittleren 5Serge sind meist gekrönt von eigenartig geformten, hölzernen ruthenischen Kirchen. Neben der Kirche steht weit ausragend der Glockenturm und daneben die gleichfalls aus Holz errichtete Wohnung des Geistlichen. Die Bahn zieht nun abwärts, und hier finden wir bei einer Station einen äußerst stimmungsvollen Waldfriedhof. Direkt neben dem Bahnürang befindet sich eine große Anzahl Gräber. Die der Russen sind kenntlich an dem schräggestellten Querbalken des Kreuzes, die der anderen tragen das gewöhnliche Kreuz. Aus dem einen der Kreuze hängt eine österreichische Kappe, das andere trägt als Schmuck eine Pickelhaube— Freund und Feind liegen bier friedlich gebettet. Wieviel junges Menschenleben ist dort ver- nichtet; wie mancher schläft dort den ewigen Schlaf, um den seine Lieben in der Heimat so lange gebangt, den sie so sehnsüchtig wiedererwartet haben! Nirgends treten die Schrecken des Krieges so fühlbar an den Menschen heran, als gerade in jenen Gebieten, rn denen vor Jahresfrist so schwere Kämpfe getobt haben. Die 5öahn selbst ist reich an Kunstbauten aller Art, die heute provisorisch wieder hergestellt sind. Es ist ein eigene? Gefühl, über Brucken zu fahren, die in schwindelnder Höhe eine Kluft Wer- queren; tief im Tale liegen die Eisentrümmer der gesprengten Brücke, und auf einem durch die Pioniere hergestellten Holzbau zieht langsam der Zug vorüber. Bei Lawoczne am Beskidenpatz konnte eine Brücke noch nicht wieder hergestellt werden; die Reisen- den müssen deshalb den Zug dort verlassen, um auf einem großen Umweg die Bruchstelle zu umgehen und dort einen neuen Zug zu besteigen. In den elendesten, jänrmerlichsten Dörfern ftndet man viel- fach prunkvolle Kirchen, herrliche Steinbauten mit vielen Kuppeln, den bekannten Zwiebeltürmen. Geschenken, die der russische Klerus mit dem Geld der russischen Regierung den rutheniscken Bauern zu leicht erkenntlichen Zwecken gemacht hat. Ueberall aber regt sich neues Leben, überall wird der Llufbau wieder vollzogen; teilweise ist er bereits beendigt, und es sind die Russen, die diese Kulturarbeit zu verrichten haben.— Bei Lawoczne erhebt sich der Zwinin, der von der preußischen Garde erstürmt werden mußte. Das las sich so leicht in den Zeitungen, und doch, wenn man den ungeheuren Berg sieht und daran denkt, daß in diese gewaltigen Höhen hinauf deutsche Soldaten haben stürmen müssen, bekommt man einen kleme» Begriff von der ungeheuren Arbeit, die dort geleistet wer- gründeten Internationalen Sozialistischen Kommission abzuhalten. An dieser Sitzung nahmen„auch" deutsche Sozialisten teil..... Da die Berner Kommission nur zu den Parteien und Minoritäten Bc- ziehungen hat, die nicht den„nationalen Block»" angehören, trafen wir uns außer mit Sozialisten, von ungefähr einem Dutzend von Zkitkmalitäten, mit den Vertretern der Minrwität der deutschen Partei, der Liebknecht angehört und die 20 Abgeordneten, die im Reichstag gegen die Kredite stimmten. Die„Tribuna" hat kein großes Vertrauen auf d-iesc. Wir indessen, wir setzen viel in sie und glauben sie besser zu kennen als das römische-Blatt." Morgari erklärt darauf ausfiihllich, daß er keine Oesterreicher in Bern getroffen habe, aber mit Rakowski gesprochen habe. Er wundert sich sodann, daß die geschäftigen Korrespondenten der„Tribuna" in Bern nicht mehr von der öffentlichen Tätigkeit der Kommission berichtet haben, die in der Versammlung vom 18. Februar bestand, in der Rakowski, Grimm, Modigliani und Lenin die Ziele der Friedensbewegung klarlegten. Morgari schließt:„Noch rühmlicher wäre der Fleiß de» bevnischen Korrespondenten gewesen, wenn er dem Bericht Wer die Tätigkeit der Kommission beigefügt hätte, was vorher schon getan worden ist von feiten Robert Grimm», des Sekretärs und der Seele der besagten Konnnission, zugleich Jkedakteurs der„5Serner Tag- wacht". Vom„Secolo" herausgefordert, doch einmal unziveibentig und einfach die Friedensbedingungen zu nennen, die die Deutschen und in ihrem Auftrag die friedensfreundlichen Sozialisten pro- pagieren, antwortet der„A V« n t i":„Heißt das deutscher Friede, was wir nicht seit heute, sondern immer schon propagierten und ganz unabhängig von jeder militällschen Lage propagieren werden? Ist der deutsche Frieden die Sicherung des Selbst- bestimmungsrechts der'Völker, was ist dann der demokra- tische Flleden, den der„Secolo" vorschlägt? Welches demökra- tische Ziel dieses Krieges sieht und unterstützt der„Secolo"? Auch macht der„Avanti" verschiedene Blätter darauf aufmerksam, daß sie doch zu sehr auf die LeichtglaWigkeit ihrer Leser vertrauen. Er meint:„Das„Giornale d-Jtalia", das immer versichert, daß die deutsche sozialistische Minolltät die Massen beherrscht und mit ihnen gegen die Politik der Regierung geht, wenn es ihm nämlich gerade angenehm ist, Teutschland am 2!orabend der Revolution zu schildern, wie kann dieses selbe„Giornale" aufrichtig sein, wenn es jetzt wieder versichell, daß die Minorität nur einen wnbc- deutenden Teil des deutschen Volkes bertritt?"(z) Cm Zriedensmanifest des Papstes. Rom, ö. März.(T. II.) Ter Papst richtete an den Kardinal Pomplli einen Brief, der den Eharäkler eines aberinaligen Friedensmanifeste» tragt. Der Papst sagt darin, er stürze sich zwischen die kriegführenden Völker wie ein Vater zwischen seine in Kamps geratenen Söhne. Er beschwöre sie im Namen Gottes. mit Rücksicht aus das Recht ewiger Barmberzigkeit endlich mit der gegenseitigen Vernichtung aufzuhören. Der Krieg sei tatsächlich ein S« l b st m o r d Europas. Die Gründe der gegenseitigen Gegensätze müßten klargestellt und die Differenzen entsprechend ausgeglichen werden, selbst auf Kosten der Eigenliebe und der Sonderinteressen der Staaten. 5Oer Flleden dürft nicht eine Partei allein begünstigen, sondern er müsse allen gereckt werden. nur in diesem Falle könne er von 5Dauer sein. Bisher hätten seine väterlichen Mahnungen keinerlei Gebör gefunden, und des' halb rede er allen Söhnen in den kriegführenden wie in den neutralen Staaten erneut ans das eindringlichste ins Gewissen, ftir den Frieden zu beten und zu wirken. -Der„Corriere della Sera" meint im Anschluß an den päpstlichen Brief, wenn der Frieden gemäß den Wünschen des Papstes ein gerechter sein solle, so könnte eS kerneSsallS ein Frieden sein, wie rhu die Deutschen wünschten. -Der e c o I o" nennt das Manifest höchst inopportun, der Papst wiederhole damit die lKersuche, für die Kurie einen Einfluß zu gewinnen, der ihr für immer genommen worden sei. Eine Debatte über auswärtige Politik in Holland. Aus Amsterdam wird uns geschlleben: Am 29. Februar brachte die Debatte über die auswärtigen Angelegenheiten in der Ersten Kammer eine Intervention des den mußte. Und daß cS blutige Arbeit war, das beweisen wieder die ungemein zahlreichen Soldatengräber, die malerisch auf den Hängen angelegt sind, die weit hinein in das Land sehen und Zeug- nis ablegen für die Opfer, die dieser schrecklichste aller Kriege gc- fordert hat. Bis in die Ebene hinab waren die Russen gedrungen. und schwere Opfer hat eS gekostet, sie über diese wild zerklüfteten Gebirge wieder zurückzutreiben. v. Lt. Charlottenburger Schillertheater:»Romeo unü Julia' Das Schillertheater, das«n aus die Darstellung moderner Lust- und Schauspiele gut eingeschultes Ensemble besitzt, aber in seinen lNassikervoritellungen, bei trefflicker Besechuiig mancher Einzel- rollen, doch selten eine gleichmäßig durchgefeilte, abgeschlossene Wiedergabe des Gesamtwerkes zu erreichen vermochte, überraschte in dem TLagnio seiner Romeo-und-Jnlia-Aufführung durch un- gewöhnlich glückliches Gelingen. Da war(Franz B o n n o führte die Regie) auch im Detail der Nebenpersonen und Episoden- szenen eine Sorgfalt aufgewendet, die nirgendwo den Eindruck einer Störung, einer toten Stelle aufkommen, das Wort des Dichters ungebrochen strömen ließ. Auch die Aufmachung, Dekoration und Kostüme, paßte sich unter Vermeidung allen un- nützen Prunks der Stimmung des Milieus mit sicherem Geschmack an; und, was nicht weniger wichtig, die Bilder zogen mit Hilfe der die Hemmungen des Szenenwechsels überwindenden Dreh- bühne in steter Folge vorüber. So überschritt die Aufführung— mit einigen Zusammenlegungen und Kürzungen drei Stunden dauernd— kaum die Grenzen eines gewöhnlichen Theaterabends. die ungefähr ja auck ersahrungSmatzige Durchschnittsgrenzen für eine unverminderte Empfänglichkeit der Hörer sind. Josephine Klein, ein neues Mitglied, das kürzlich in den„Fünf Frankfurtern" debütierte, war eine Julia von ganz naiver Natürlichkeit, ein übet Nacht zur Liebe aufgeblühtes und unterm Zwange übermächtigen Gefühls ganz reflektionSlos auf der 'Bahn des Schicksals sortgetriebenes Kind. Gar keine einsam da stehende, heroisch oder sentimen talisch verklärte Hohepriesterin der Leidenschaft, ein typisches Geschöpf, das nur um einige Grade die Züge ihres Alters und Geschlechts überragt. Eine gewisse lächelnde Süßlichkett der Mienen, die in der ersten Szene mit der Mutter befremden mochte, verschwand dann später völlig. Die Höhen hingegebenen Empfindens, das grenzenlose Zutrauen zum Geliebten, Angst, Verzweiflung, Entschlossenheit, die innere Scheidung von denen, welchen sie bisher als Kind geglaubt, die List, die im Gefühl der Notwehr des LosgäbundenseinS von jeder anderen Pflicht als der der LiebeStreue die Eltern täuscht— das alles kam in farbigem ZSechsel einfach, lebendig und Überzeugung?- voll zum Ausdruck. Alfred Braun, sonst vor allem im Gebiete mokanter Lustspielliebhaberfiguren heimisch, bewies bei der Vcr- Wandlung in den schwärmerisch-weichen, geiswollen, in manchen Momenten noch so knabenhaft ungebärdigen Veroneser Aristokraten- jüngling, die kräftige Elastizität seiner Begabung. Kern und Grund ton Romeos traten in temperamentvoll farbiger Ausprägung hervor. Er stellte sich mit seiner Leistung ebenbürtig der Partnerin zur Seite. Die beiden alten Capulets gelangten durch Herrn Menzel und Hedwig Paulh, die Anne durch Fanny Wolf, der Mönch durch Richard Birth, Tybalt durch Willy Eberhardt zu ansprechend individualisierender Der- Genossen Van Kol. Unser Genosse forderte die Demo- kratisierung der Diplomatie, vor allem ihre Kontrolle durch die Volksvertretungen. Hätte sie überall be- standen, wäre 19!4 kein Krieg ausgebrochen. Ein erster schritt in dieser Richtung sei die Einrichtung parlamentarischer Ausschüsse, die vom Minister auf dem Laufenden gehalten würden. Etwas Derartiges bestehe schon in Frankreich, Nord- amerita, Oesterreich-Ungarn(?), Norwegen und Schweiz. Zum Schluß forderte Van Kol die Regierung zu einer Int er- vention zugunsten des Friedens auf. Im amerikanischen Senat sei jetzt der Plan vorgebracht, einen Kongreß der neutralen Mächte zur Beratung der Grundlagen des Friedens einzuberufen. Eine solche Formulierung werde das Friedensbedürfnis in den kämpfenden Völkern zum Sieg bringen. Holland dürfe sich von einer solchen Unter- nehmung nicht fernhalten. Auch die Internationale bemühe sich in der gleichen Richtung, wie die Konferenzen von Kopenhagen, Wien und London gezeigt hätten. Der Minister des Auswärtigen London lehnte den Vorschlag Van Kols ab: Er glaube nicht, daß eine solche Konferenz dem Ziel, das noch fernab liege, näher rühren könne. Ueber die Demokratisierung der Diplomatie schwieg er sich aus. Von Bedeutung war die Erklärung des Ministers, daß zivt scheu Holland und Deutschland kein Geheimvertrag bestehe noch bestanden habe. Der Minister legte dar. daß die Erklärungen der deutschen Regierung über die Achtung der holländischen Neu- tralität ohne jede Verbindlichkeit Hollands abgegeben worden seien. Die holländische Regierung habe ihre Freiheit nach keiner Seite preisgegeben.— Die entschiedene Erklärung macht den Treibereien des wohlbekannten„Tele- graaf" ein Ende, der wohl hauptsächlich, weil sich die Re- gierung von ihm nicht terrorisieren ließ, mehr oder minder deutlich behauptete, daß sie sich irgendwie der deutschen ver- pflichtet habe. Hierbei bediente sich der„Telegraaf" namentlich der Autorität eines aufgeregten Üniversitätsprofessors, Herrn Viermeijer— auch in Holland hat sich der be- kannte Unfug eingestellt, daß politische Kannegießer in akademischen Würden ihr Geschwätz mit ihrem auf wissen- schastlichcm Gebiet erworbenen Namen drapieren.„Het Volk" stellt mit Genugtuung fest, daß die Erklärung des Ministers den Kriegstreibern von der Sorte des„Telegraaf" eine Waffe aus den Händen geschlagen habe. Im übrigen kann man . wohl sagen, daß jegliche Kriegshetzerei in Holland heute, nach *20 Monaten des Weltkrieges, kein Fleckchen empfänglichen Bodens findet. Kriegsgewinne öer Neutralen. In einem Artikel des Genoffen W. H. Vliegen über den jüngsten außerordentlichen Parteitag der holländischen Sozialdemo- kratie lesen wir in der Monatsschrift der Partel«Do Loeiio- listische Gids"(„Der sozialistische Wegweiser'): »Ein Neuling für unsere Kongresse, Parteigenosse Nieboer, leitete das schwierige Thema(die soziale Bersichermig) auf solide Weise ein. Was sehr auffiel, war seine Mitteilung, daß aus den KriegZge'.vinnen wohl ein paar hundert Millionen zu holen sein werden. Er habe die Gewinne auf eine Milliarde schätzen gehört, welche Ziffer er nicht unmöglich zu finden ichejnt. Ehrlich gesagt, würde ich es nicht gewagt haben, diese Ziffer zu nennen. Aber Nieboer ist Mitglied der Staatskommiision, die diese Frage unter- lucht, und ich hoffe, daß seine Ziffer sich auf wirkliche Daten stützt. Dann stellt sich die finanzielle Zukunft erheblich schöner dar, als es sonst der Fall sein würde." Eine Milliarde Gulden sind nach heutigem Kurs erheblich über zwei Milliarden Mark. Für ein Land von der Größe Hollands in der Tat eine gewaltige Summe. ES ist dabei im Auge zu be- halten, daß sie sich auf eine verhältnismäßig kleine Zahl der Be- völkerung verteilt, während die große Maffe der Bevölkerung durch die Verteuerung der LebenSkoften in ihrer Lebenslage ver- schlechtert wird. Ein ähnliches Bild wie Holland bieten noch verschiedene neutrale Länder dar. Ueberall werden Kapitalisten um Riesensummen be- tretung. Sehr gut war Paeschkes munterer Plauderer und Flainpshahn Mercutio. Das Publikum, in offenbar ganz an- gespanntem Interesse folgend, dankte mit warmem Beifall, dt. Das achte Sonntagskonzert in öer Volksbühne. Deutsche Musiker und Minnesänger brachten von ihren Welsch- landwanderungen neue Weisen und neue Gesänge, so war es, als seit dem 11. Jahrhundert die Geige ihr Begleiter geworden. Und so blieb es ein halbes Jahrtausend lang. Aber der deutsche Geist gab sich nicht mit den überkommenen italienischen Formen zufrieden. Er durchtränkte sie mit deutscher Gemütsticfe.�erwei- tertc sie und befreite sie von der starren Gesetzmäßigkeit. So ent- stand, wie ja beim vorigen(Madrigal-) Konzert bemerkt wurde, das deutsche mehrstimmige Lied. Und so entftarrd auch die deutsche Kammermusik. Oeffent- liche Konterte, d. h. Vorführung welllicher Tonwerke— im Gegensatz zu geistlichen, die mau in den Kirchen zu hören ging—> gab es damals noch kaum. Alle Äunstpflege war vorwiegend höfisch; der Zuhörerkreis beschränkte sich auf Geladene. Sozusagen aus diesen Verhältnissen blldete sich die mehrstimmige Instrumental- musik, für die zunächst nur Slreichinstrunieme in Betracht kommen mochten. In sie legte der Kompomst, was er intim suhlte oder dachte. Es war gewissermaßen nur für ihn selber, bestenfalls noch mr wenige Äunstvertraute bestimmt. Die neue Gattung trat ins Dasein: von der(Konzert-)„Kammer" empfing sie den bezaich- nenden Namen. Ihre Ausgestaltung blieb vornehmlich dem Dreigestirn erster Ordnung am Himmel deutscher Musik: Hahdn, Mozart. Beethoven vorbehält an. Und je ein Wenk dieser drei stand auf dem gestrigen Programm. Das ihnen gemeinsame Zeitalter des ..aufgeklärten Despotismus" und des Rokoko ist natürlich für den Inhalt maßgebend. Ter Menuettsatz beweist es und die„göttliche" Heiterkeit, von der auch die anderen Satze umfangen sind. Dennoch wird eine Steigerung bemerkbar. Tem„Papa" Haydn bringen die weit jüngeren Tonmeister ihre Huldigung dar. Das Thema ist gegeben. Aber jeder hat seine eigene Weise. Man horche nur hin aus gewisse Klangfiguren: cm ihnen wird man Hahdn von Mozart und hinwiederum Beethoven von beiden unterscheiden. Bei Hahdn derbvolkstümliche Akzente; bei Mozart götllichheitere Sphären- klänge. Bei Beethoven— zumal im Andante cantabile— Ideen, die ausgreifen in die Weite und Tiefe des Menschheitslebens. Schon hier kündigt sich der Revolutionärismus des kosmopolitisch gerich- fiten Republikaners an, als den wir den späteren Schöpfer deS Fidelio und der Shmphonien erkennen. Ihn auf dem Anfcmgswege dorthin einträchtig mit Hahdn und dem großen Salzburger zu vernehmen: dies Glück dankten wir gestern dem Klingler-Ouariett. Die vier Instrumente sangen und klangen jedes für sich— und alle wieder in eins zu- sammcn. Das war bewunderungswürdige Kunstvollendung. Das Publikum hielt sich musterhaft. Es beachtete sehr rasch die vorgedruckte Weisung: den Beifall nicht störend mitten hinein, sondern erst nach Schluß jedes Werke? zu äußern. Man kann nur wünschen, daß immer so verfahren werde. Schließlich mag noch hingedeutet sein auf die Einsuhruogs- worte im Konzextprogramm, die. wie stets, ihren Verfasser: Pro- feffor?ldolf Weißmann als einen so geistvollen wie verläßlichen Dolmetscher im Reich der Musik erweisen. ek. reichert, von denen ein Teil vom eigenen Volk, der Rest aber vom Volk der kriegführenden Länder aufgebracht werden muß. Der Kampf gegen üen Dienstzwaag in Englanü. Am 3. Februar fand unter dem Vorsitz des Genoffen Robert S m i l l i e eine Sitzung des„Nationalrats gegen den Dienstzwang" statt, auf der die Frage erwogen wurde, ob der Notionalrat nach der Annahme der Wehrpffichlsbill im Parlament seine Tätigkeit fortsetzen oder einstellen solle. An der Sitzung nahmen bekannie Führer der Gewerkschaftsbewegung tell. wie Robert Williams, Generalselretär des Transportal beiterverbandes, führende Mitglieder der Jndepentent Labour Party, wie A y l e s. Stadtrat von Bristol und Difford Allen, ferner eine Reihe von Parteigenossinnen, unter ihnen Margaret Bondfield, sowie führende Männer und Frauen aus der Vereinigung für Demokratische Kontrolle. Die Sitzung beschloß einstimmig, den Kamp gegen die Konskription fortzusetzen. Die Aufgabe des Nationalrats gegen die Dienstpflicht soll darin bestehen, in die anschwellende Bewegung gegen das Wehrpflichtgesetz Einheit zu tragen und die Aktionen der verschiedenen Organisationen in Ein- klang mireiuander zu bringen. Insbesondere wurde beschloffen, denen, die sich an die Militärtribunale mit der Forderung der Be- freiung von der Wehrpflicht aus grundsätzlichen Erwägungen wenden, jegliche Unterstützung zuteil werden zu lassen. Auch die Jndependeiit Labour Party(Unabhängige Arbeiterpartei) hat der Tallik zugestimmt, sich zu demonstrativen Zwecken an die Tribunale zu wenden. Der„Labour Leader" polemisiert gegen diejenigen, die in diesem Appell an die Tribunale eine Verletzung des Prinzips sehen.„Wir glaube»— erklärt das Organ der Jndependent Labour Party— daß der Apparat der Tribunale eine vorzügliche Gelegenheit gibt, die Frage der Stellung zum Krieg vor der öffentlichen Meinung in ihrem ? ganzen grundsätzlichen Umfang aufzurollen. Er gibt uns die Möjj- ickkcit, unsere Sache in einer Weise klarzustellen, wie uns das nie zuvor möglich gewesen ist." AuS den Flugblättern, die der„Nationalrat gegen den Dienst- zwang" veibreilet, führen die englischen Blätter folgende Stellen an: »Sie sagen, daß sie sie wollen, um den Drücke- bergern einen Schlag zu versetzen. Sie wollen sie, um den Streikenden ewen Schlag zu versetzen. Sie sagen, daß sie sie wollen, um Deutschland niederzuringen. Sie wollen sie, um die Arbeiterklaffe niederzuringen. Sie sagen, daß sie sie wollen, um Europa zu befreien. Sie wollen sie, um England zu versklaven." Diese Probe zeigt jedenfalls, daß die Gegner des Dienstzwanges in England ihren Kampf mit aller Entschiedenheit fortsetzen und au' dem Boden des Wehrpflichtgesetzes eine umfassende Kampagne ein- zuleiten gedenken, deren Konseguenzcn weit über die Grenzen der Bekämpfmig des Dienstzwanges hinausgehen. Konferenz üer Kohlenarbeiter in Englanü. Am 8. und 9. Februar fand in Lancaster eine Konserenz des Großbritaimischen Kohlenarbeiterverbandes statt. Da die Sitzungen hinter geichloffenen Türen stattfanden, bringt die Presse nur unvoll- ständige Mitteilungen über die Tagung. Den linken Flügel bildeten die Delegierten aus Südwales, den rechten die Delegierten aus Mittelengland, wo der Einfluß der leitenden Kreise der Labour Party noch am stärksten erhalten geblieben ist. Die Delegierten aus der Graffchaft Durham, dem rück- ständigsten Kohlenarbciterbezirk. beantragten, sich einfach der Re- solution des Bristoler GewerkschaststongreffeS anzuschließen. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt. Annahme fand der Antrag der Dele- gierten von Northumberland, der bei aller Unklarheit doch ein Ab- weichen von dem Gsist des Bristoler Kongresses bedeutet. Der Be- schluß lautet:„Die Konferenz drückt ihre Gegnerschaft gegen den Geist des Dienstzwanges aus und beschließt für die Praxis eine ausmerlsame Wachsamkeit gegenüber den Anträgen auf Erweiterung deS AehrpfkichtgesetzeS." Indien und Dentfchlanö nach dem Kriege. ..Jndiaman"(London) beschäftigt sich in der Nummer vom 25. Februar aufS neue mit den späteren Beziehungen zwischen Teutschland und Indien und macht mit größter Schärfe gegen den Gedanken Front, Teutschland von dem indischen Handel aus- schließen zu wollen. Indien exportiert nach Teutschland jährlich für 4 499111 Pfd. Steel. Jute, für 4 001 ö28 Pfund Baumwolle. für 2121495 Pfund Häute, für 2 996 954 Pfund Reis, für 657 623 Pfund Kopra, für 959 734 Pfund Raps, für 537 999 Pfund Lein- samen usw., im ganzen für 17 579 514 Pfd. Sterl. Waren, dazu für 6 649 886 Pfund Waren nach Oesterrreich-Ungarn. Indien ist der Hauptfache nach ein Agrarland und braucht jeden Markt, den es für seine Rohprodukte nur finden kann. Und eine gemein- same Zollvereins Politik für sämtliche Verbandländer ist vollkommen ausgeschlossen, nicht einmal ein Zollverein zwischen England und seinen Kolo- nien ist möglich. Wohl ist es denkbar, daß die Kolonien ein- mal ihre Zölle herabsetzen, aber das ist nicht Sache der praktischen Politik für die nächste Zukunft, und noch viel weniger kann eine Abschaffung der kolonialen Schutzzölle in Frage kommen. In einem Leitartikel weist der„Jndiaman" in der gleichen Nummer darauf hin, daß gewiß England versuchen muß, auch Wirt- chaftlich durch den Krieg voranzukommen. Deutschland darf nicht im britischen Weltreich oder in anderen Staaten des Verbands- die beherrschende Stellung wieder einnehmen, die es vorher be- 'essen hat. Der englische Handel darf auch nicht wieder in Zu- kunst sich selbst überlassen bleiben, sondern man wird darauf sürnen müssen, durch bessere Organisation vorwärtszukommen. Aber eine Frage wird vor allem entschieden werden müssen, nämlich ob eine Atmosphäre des Friedens herrschen oder ob der Krieg weiter fort- gesetzt werden soll. Haben sich denn diejenigen, welche an die letztere Möglichkeit denken, die Folgen überlegt? Haben sie sich klar gemacht, daß eine solche Politik England fast ebenso schädigen muß wie die Nationen, gegen die sie sich in erster Linie richtet? Daß sie serner den Interessen Indiens direkt entgegengesetzt ist und die Saat der Zwietracht zwischen den Teilen des Weltreichs äen muß. die jetzt durch das heiligste aller Bande zusammen- gehalten sind?(z) politische Uebersicht. Eine mißlungene Aktion. Bor einigen Wochen hat der Leiter der„Deutschen I u- r i st e n z e i t u n g" die Anregung gegeben, Liebknecht aus dem Rechtsanwaltsstande auszuschließen. Diese Anregung ist sofort von den verschiedensten Seiten energisch bekämpft worden. In der neuesten Nummer der„Deutschen Juristenzeitung" tritt nun auch der Rechtsanwalt beim Reichsgericht, Haber, gegen diese Anregung auf und er teilt mit, daß ihm zahlreiche Zuschriften von Rechtsanwälten über den Fall zugegangen sind, die sich aber übereinstimmend gegen die Auffassung der„Deutschen Juristenzeitung" wenden. Er setzt dann auseinander, daß ein Rechtsanwalt genau so wenig lvie jeder andere Staatsbürger daran gehindert werden dürfe, innerhalb der gesetzlichen Schranken seine politische Ueberzeugung zu betätigen. Rechtsanwalt Haber führt aus: „Die verfehlteste Richtung der politischen Tätigkeit beweist noch nicht einen Mangel an Ehrenhaftigkeit, und es ist nicht ersichtlich, auch in dem Artikel nicht behauptet, daß für die Handlungsweise LL cm anderer Grund maßgebend gewesen sei als die Ueber- zeugung von der Richtigkest seiner Auffassung und von ihrer Mtz- lichkeit für das Staatswohl. Polstische Fragen sind durch Dis- ziplinar- und Strafgerichte nicht zur Entscheidung zu bringe::. Die Erfahrung, die man seit langen Zeiten mit politischen Pro- zessen gemacht hat, ermutigen nicht dazu, ohne zwingenden�Grund ihre Zahl zu oermehren. Das deutsche Volk wird die Sonder- bestrebungen L.s und seiner Anhänger auch ohne ein Einschreiten der Gerichte zu überwinden wissen.' Damit dürfte der Vorstoß des Leiters der„Deutschen Juristen- zeitung" gegen Liebknecht als völlig mißglückt angesehen werden. Eine Drohung. In der„De utsch en Tageszeitung" setzt eine„hoch- geschätzte Seite" auseinander, daß die Landwirtschast auch in dieser Kriegszeit unter allen Umständen verdienen muß, denn man könne keinem Landwirt zumuten, mit Verlust zu arbeiten. Unseres Wissens ist eine solche Zumutung auch von gar keiner Seite gestellt worden, wogegen sich die öffentliche Kritik wendete, das war die Tatsache, daß die landwirtschaftlichen Betriebe heute Getvinne er- zrelen, die weit über die Herstellungskosten ihrer Produkte hinaus- gehen. Die„hochgeschätzte Seite" der„Deutschen Tageszeitung" er- klärt nun ganz kurz und bündig: „Entweder läßt man der Landwirtschaft einen Gewinn, oder besser Reinertrag, der auch den kapitalistischen wie den unter ungünstigeren natürlichen Bedingungen arbeitenden Wirt- schaffen— und diese zusammen bilden jedenfalls die erhebliche Mehrheit aller ländlichen Betriebe— dis Aufrechterhaltung der Produktion ermöglicht; oder man führt eine steigende Einschrän» kung der landwirtschaftlichen Produktion noch bewußt herbei, neben der durch die Kriegsverhältniffe schon unvermeidlichem, In diesem letzteren Falle aber mutz in irgendeinem Zeitpunkt di« Nahrungsmittekdecke so kurz werden, daß an Stelle der Knapp- heit wirkliche Not intt, mit ihrer natürlichen Folge für den ganzen Kriegsausgang. Ein Drittes gibt es nicht. Diese Alter- native muß das deutsche Volk sich rückhaltlos klarmachen!" An Deutlichkeit läßt diese Drohung, die man in dieser Zeit nicht gebührend kennzeichnen kann, allerdings nichts zu wünschen übrig._ Rechtsgültigkeit von Testamenten im Felde. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Vor einigen Tagen ging die Mitteilung durch die Presse, daß ein eigenhändig geschriebenes und unter- schriebenes Testament, in dem die Angabe des Ortes der Niederschrift fehlt, der Rechtsgültigkeit entbehre, auch wenn das Testament„im Felde geschrieben" ist. Diese Nachricht, die geeignet ist, Beunruhigung in den Kreisen der Kriegsteilnehmer zu erregen, beruht auf einem Irrtum. Durch das Reichsmilitärgesotz vom 2. Mai 1874(Reichs-Gesetzbl. 1874 S. 45) ist in dieser Hinsicht ausreichend Vorsorge getroffen. Nach Z 44 dieses Gesetzes können in Kriegszeiten Angehörige des aktiven Heeres, von der Zeit, wo sie entweder ihre Standguarlicre oder, im Falle ihnen solche nicht angewiesen sind, ihre bisherigen Wohnorte im Dienste verlassen oder in denselben angegriffen oder belagert werden, Ictztwillige Verfügungen in erleichterten Formen gültig errichten. Eine wiche Erleichterung ist auch für das eigenhändige Testament vorgesehen. Dieses ist schon dann gültig, wenn eS von dem Testator eigenhändig geschrieben und unter- schrieben ist. Das Fehlen von Orts- und Zeitangabe beeinträchtigt daher die Gültigkeit des Testaments nicht. Zugunsten der Kaiserlichen Marine finden diese Vorschriften gleichfalls Anwendung._ Auflösung der Jugendorganisation i« Hamburg. Eine kombinierte. Versammlung der Landesorganisation Ham- burgs und des Gewerkschaftskartells von Hamburg-AItona und Umgegend beschäftigte sich am 3. März mit einem Antrag der Wahlkreisborftände und der Kartellkommission, wegen des Geld- mangels die Tätigkeit der Jugendorganisation vorläufig einzu- stellen. Die Jugendheime sollen gekündigt und sofort geschlossen werden, Die Wirtschaftslokale(die Hamburger Jugendorganisation ist in 49 Abteilungen gegliedert) sollen aufgegeben, das gesamte Inventar soll im Gewerkschaftshaus aufgespeichert werden. Be- gründend wurde vorgetragen, daß die übrigen Teile des Bildung:-- Wesens bereits aufgegeben feien, was aber nicht genügend Er- sparniffe gebracht habe, denn noch im Jahre 1915 hätten 29 999 M. ausgegeben werden müssen. Partei und Gewerkschaften könnten bei der großen Zahl der eingezogenen Mitglieder die Zuschüsse nicht mehr leisten. In der Diskuffion erklärten die Vertreter der Jugendorganisation, daß sie von dem Antrag überrascht gewesen seien. Dia für das gesamte Bildnngswesen zuständige Kommission, in der Partei und Gewerkschaften pari- tätffch vertreten sind, sei nicht gefragt. Wenn die Zuschüsse nicht mehr möglich seien, müsse ein anderer Weg gesunden werden. Von der Geldfrage sei die Existenz der Organisation nicht abhängig. Gelegentliche Vorträge, die, wie es in Aussicht gestellt wurde, von den Vorständen und der Kartellkommisfion veraifftatict würden, könnten die Organisation nicht ersetzen. Unter Hinweis auf die Stellung der jungen Arbeiter im Wirtschaftsleben und die Tatsache, daß die Jugendlichen jetzt besonders stark umworben wer- den, wurde ausgeführt, daß gegenwärtig die Zusammenfassung der Jugendlichen am notwendigsten sei. Am Schluß der Erklärung hieß eS:„Der Beschluß der Vorstände und der Kartellkommission erklärt sich nur aus der absoluten Unkenntnis der Verhältnisse der Arbeiterjugendbewegung. Wie die anderen Zweige der Arbeiter- bewegung, so hat sich die Arbeiterjugendbewegung, in Hanrvurg der Jugendbund, organisch entwickelt. Der Beschluß bricht diese organisch« Entwicklung gewaltsam ab, macht einen brutalen Strich über die mühselige Arbeit von zehn Jahren und mutz die Arbeiter- jugendbewegung zum Schaden der gesamten Arbeiterschaft aufs tiefste erschüttern." Eine Reihe weiterer Redner griff den Antrag der Vorstände scharf an. während zu seiner Verteidigung lediglich formale Gründe geltend gemacht wurden. Am Schluß der sehr erregten Versammlung wurden ZurückverweisungSanträgc und VermittlnngSvorschläge abgelehnt und der Antrag der Vorstände und der Kartellkommisfion gegen eine große Minderheit eng:- nommen. Kriegsbekanntmachungen. Keine Oster- und Pfingstkarte« für das Feldheer. A m t l i cd. Berlin, S. März.n Grab. Doch du Natur, die du freier bist wie wir, wir rufen dich:»Streu Blumen um ihn her.- Soziiüiieinokratisciier Wabhereiii !. dj. Berliner Reielistaissalillfr. Gürlitzer Viertel. Bezirk 159 II. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Tischler Robert Krüger Manleuffelstr. 72, gestorben ist. Buchhandlung vorwärt» vis Ware wird immer knapper! Versorgen Sie sich rechtzeilig mit unseren gestrickten Schuhwaren. Kein iSrevnend.Futze. k. Schwettzfüste, l goichwoll.(Lelente, l Krampfad.,? Denenent�., k.Hühnerauaen, k.Balleu, k. Druck a. empf. hochlieg. Lienen, Gicht, t. Rheumatismus mebr: an, fchmieaeud.weich.siaftifch.ansdünstun�s ah ig. Garantie für kichere, dauernde „Hlfe, mi et) m den verzweikettsten Füllen, -i absolute Brauchbarketl uns. sefN'ickten Tchuhlverkö.~ Telephon Königstadl 11SO. sieföjfjraltigeä Laae? m sehr warmen, mittel -armen und kühlen©uitfatttn. jeder rtierunq iorote jeder Eigenart der Püsse . ntsprechend. Hiastr. Preisliste KreL Strichschnh-FalKrih Winzer& Co,, 0., Krantsli, 62, tÄ"»!' Ä Ä Frankfurter Str. 94. Nähe Markusstr.. SO, Kottbuser Str. 21 I. Char- lottenburg, Kantstr. 125, Nähe Leibnizttr. Hamburg, Kaiser-Wilhelm-Str.Z. 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