Ur. 75.-33. Jahrg. fl bonncmcnts-Bcdingtmgcn: ilbormements< Preis vrämansrando! PierLeljährl. 3,L0 ÜXt, monatL 140 SDM, wöchentlich 26 Pfg. frei ins Haus. Einzelne iüuminsr ö Pfg. Sonntags- numiner mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Weist' 10 Pfg. Post- Slbonnement: 140 Marl pro Monat. Eingerragen in die Post-Zeitungs- Preislstste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2�0 Marl, für das übrige Ausland i Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemail, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Stumämen. Schweden und die Schweis Vlchewt tZgNid. Verlinev Volksblcrtk. f 5 Pfennig) Sic Tn{ertlon$'Gebü!)r beträgt für die sech-gespallcne Kolonel- seile oder deren Raum 60 Pfg.. für polirische und gewerl�chaftliche Vereins- und BcrsammlungS- Anzeigen 30 Pfg. „pllcine Znreigen", das feitzedrurlU! Wort 20 Pfg.(zuläsfig 2 fettgedruckts Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenau- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5Psg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste piunnner utüsseir bis k» Uhr nachmittags in der Expedition aögegeden werden. Die Expedition stt di- 7 Uhr abends geöffnet. reIrgtamiN-Adr-js er ,SMteiik!a»v>t Bulla*. Zentralorgan der Poz! aldem okrat» fchen Parte» Deutfchlanda. Neüaktion: SW. HS, Liuüenstraße Z. Fernsprecher: Amt«toritzplatz. Str.»S1 90—»5» 97. j Donnerstag, de« 16. März 1916. Expedition: Elv. HS, Lindenstraßc 2. Fernsprecher: Amt Morippla«. Str.»Zl 9V— läl 97. erbitterte finanzielle Kriegswirkungen. Uns wird geschrieben: In.der Einleitung zu einer sehr umfangreichen und ma- terialreichen Abhandlung über die Besteuerung der Ä r i e g s g e w i n n e") schreibt der Düsseldorfer RegieruNgs» rat Ludwig B u ck. daß„während die allerbesten unseres Volkes ihr Leben fiir unser Vaterland hingeben, einige wenige anders hinter den schützenden Mauern, mit denen unsere Heere das Deutsche Reich umgeben haben, es verstehen, ungeheure Reichtümer zu sammeln." Der Düsseldorfer Regie- rungsrat hatte während der ganzen Kriegsdauer in einen» der größten Veranlagungsbezirke Preußens Gelegenheit, in alle Verschiebungen der wirtschaftlichen und damit zugleich der steuerlichen Leistungsfähigkeit tiefen Einblick zu gewinnen. Er erzählt, daß er Gelegenheit hatte, unmittelbar die Vernich- .tung alter wohlhabender Familien zu beob- achten, die Not und die Schwierigkeiten, den .steuerlichen Verpflichtungen nachzukommen. Auf der anderen Seite aber das Auf st eigenein erneuen Gesellschaft infolge unermeßlicher Kriegs- gewinne zu beobachten, die steuerlich nicht genügend oder gar nicht herangezogen wurden. Die gewaltige Höhe mancher Kriegsgewinne wurde nur langsam bekannt. Es gibt Kriegsgewinne im engeren und im weiteren Sinne. Es � gibt zielklar ostenliegende Kriegsgewinne, z. B. die der Mtiengesellschafien, die. Kriegsmaterialien herstellen, wobei freilich die Bilanzierungskunst nicht unterschätzt werden soll, -während die Vorkämpfer der Landwirtschaft bemüht sind, Mehreinkünste überhaupt zu leugnen. Es gibt Beamte, Aerzte, Offiziere, die durch den Krieg zu starker Erhöhung, ja zur Ver- doppelüng ihres Einkommens gelangt sind. Die Opfer, die der Krieg gekostet hat, haben ein rascheres Avancement, haben aus- wärtige Vertretungen mit Bezug von Diäten zur Folge gehabt. In ihrer Gesamtheit dürsten diese Gewinne auch fiir die Heran- ziehung zur Kriegsgewinnsteuer nicht unerheblich sein, dem Gedanken der steuerlichen Gerechtigkeit ist auch hier Rechnung zu tragen. Die Gewinne der Landwirtschast werden als Ge- samtheit sehr beträchtlich sein, wenn freilich auch der Zugriff für den Ausführer der Kriegsgewinnsteuer erschwert sein wird. Aus der Kricgskonjunktur ist reichlicher Gewinn gezogen wor- den. Trotz der Schließung der Börsen hat es cm erfolgreicher börsenmäßiger Spekulation nicht gefehlt. Das weite Gebiet der Heereslicferungen der mittelbaren und der unmittelbaren, der normalen und der anormalen Gewinne hat auch im Hohen Maße zur Verschiebung der Vermögen beigetragen� Daß die Erbschaften während der Kriegszest viel häufiger sein müsien. und daß auch dadurch ein, so bitter es ist, es auszusprechen, Kriegsgewinn ausgelöst wird, steht für den Steuerpolitiker außer aller Frage. Tie Schwierigkeit der Erfassung des Kriegs- gewinnes, seiner Umschreibung hinsichtlich der Ursachen, führt selbstverständlich dazu, daß man jedes in der so opferreichen Zeit des Krieges übernormal gewordene Einkommen als Kriegsgewinn steuerlich behandeln soll. Buck hat auf Grund der Tagespresse während drei bis vier Tagen die Vielseitigkeit der Möglichkeit, während der Kriegszest auf andere Weife als durch der Hände Arbest zu Wohlstand zu kommen, schlagend bewiesen. Er führt da an Diebstahl und Hehlerei im Feindes- land, so in einem Falle eine Menge Gold- und Silbersachen, auch Wertpapiere, in der Höhe von 50 000 Franken, dann Sammlungsschwindcl, ferner Schwindel anderer Art in der Uniform eines Offiziersstellvertreters, zu der auch noch das Eiserne Kreuz gelegt wurde. Weiter Bitten um Geldsendun- gen für Angehörige von deutschen Kriegern, die in russischer Ge- fangenschaft sind. Aus dem Lebensmittelhandel werden ange- führt Butterfälschungen, gewässertes Hackfleisch, betrügerische Manipulationen beim Obsthandel, Verkauf von Kakaopastillen und Kakaotabletten ohne Kakao und ähnlichen Lebensmittelver- fälschungen, wie schamlosen Bettuges bei der Futtermittelher- stcllung. Dazu kommen noch Unterschlagungen, Schwindeleien bei Heereslieferungen, bei Warentransporten, Unterschleife infolge mangelnder Konttolle in den Geschäften, zu Unrecht erlangte Renten. Sehr viel schwerer faßbarer Kriegsgewinn hat sich beim Agentenwesen eingestellt: mancher Auftrag ging durch vier. fünf und mehr Hände: Vermittlungsgebühren wurden bezahlt für nichtgeleistete Arbeit. Im Schwitzsystem wurden zum Schaden des Reichs wie der Heimarbeiter wucherische Geld- gewinne erziell. Die. Erfassung dieser infolge der Kriegsgewmne sozial auf- steigenden Schickt ist und wird sehr schwierig sein. Mannigfache Verschwendung der leicht erworbenen Gewinne, schwer faßbare Vermögensanlagen in Juwelen, alten Spitzen, Kunstwerken, Gruppierung der Anlagen usw. sollen zeitweise die Ver- mögens st eigerung verhüllen. Tie Erfassung durch ») Finanz-Archiv, 33. Jahrgang(1916), 1. Band, S. 1—142, an der WWW des SWII SMlWMS. Amtlich. Großes Hauptquartier, deu IS. März 1916.(W. T. 33.) Westlicher Kriegsschauplatz. Lei Neuve Chapelle spreugteu wir eiue Vorgeschobeue euglische Berteidiguugsanlage mit ihrer Besatzung iu die Luft. Die englische Artillerie richtete schweres Feuer auf LeoS. Die französische Artillerie war sehr tätig gegen uusere neue Stellung bei Bille-aux-Bois und gegen verschiedeu« Abschnitte iu der Champagne, Links der Maas schoben schlefische Trappe«»fit kräftigem Schwuug ihre Liuie« aus der Gegend westlich des Rabeuwaldes auf die Höhe„Toter Mann" vor. Füufundzwauzig Offiziere und über tausend Manu vom Feiude wurden uuverwuudet gefangen. Viermal wieder- holte Gegenangriffe brachten den Franzosen keinerlei Er- folge, wohl aber empfindliche Verluste. Auf dem rechten Maasufer und au den Osthänge» der CotcS rangen die beiderseitigen Artillerien erbittert weiter. I» de« Logeseu»nd südlich davon unternahmen die Franzosen mehrere kleinere Erkuuduugsvorstöße, die a b- gewiesen wurden. Leutnant Leffers schoß nördlich von Bapaume sein viertes feindliches Flugzeug, einen englischen Doppeldecker, ab.— Bei Bimy(nordöstlich von Arras) und bei Sivrh (an der Maas nordwestlich von Verdau) wurde je ein frauzöfisches Flugzeug durch uusere Abwehrgeschütze her- uutergcholt. Üeber Haumout(nördlich von Verdau) stürzte ei» frauzöfisches Großflugzeug»ach Lustkampf ab. Seine Jasaffe» find gefangen, die der übrigen find tot. Oestlicher und Balkau-Kriegsschauplatz. Die Lage ist mwerändert. Oberste Heeresleitung. •« m llmeiWUt seimMMMl. Wie», 15. März. bis 10k) Proz. Außerdem sollen auch die Gebühren für Jagdscheine und die Hundesteuer er- höht werden. Die Tätigkeit des Reichsmilitärgerichts. Die Geschäftsübersicht deS Reichsmilitärgerichts für daS Jahr 1015 läßt erkennen, daß die Zahl der verhandelten Sachen, gegen das Vorjahr eine ganz erhebliche Steigerung ersahren hat. Anhängig waren 482 Fälle gegen 200 Fülle im Jahre 1014. Durch Verzichl wurden erledig» 14 Fälle; als unzulässig erklärt wurde die Revision in 100 Fällen, in 101 Fällen wurde die Revision der« lvorfen, 70 Fälle lvurden an. die Vorinstanz zurückverwicscu. In einem Fall» wurde das Versahren eingestellt und in jünf Fällen ist auf Freisprechung erkannt worden; 72 Fälle sind anhängig geblieben. Die Wiederaufnahme des Verfahrens wurde in 424 Fällen, gegen- über 154 Fällen im Borjahr beantragt: zwei Amräge wurden zurückgenommen, 317 Anträge als unzulässig verworfen, 18 An- träge als unbegründet verworfen, in 10 Fällen wurde die Wieder- aufnahm« des Verfahren» angeordnet, in 13 Fällen ist aus Frei» iprcchung erkannt worden. Rechtsbeschwerden waren eingegangen 83, von denen 11 für begründet erklärt wurden.— B e g n a d i g u n g ö- fälle hatte die Militäranwaltschaft zu bearbeiten für die Armee 784, für die Marine 54, für die Schutztruppen 1 und für Ausländer 170; außerdem wurden 107 Antrage auf Streichung von Slrafverrnerken dem Kaiser vorgelegt._(z) Warnung vor dem Bezüge ausländischer Butter. � Zur Einfiihcung.dcr Butterkarte wird in den Zeitungen viel- ffach betont, daß burch Sie- Butlerkartö der Bezug von Bulter von auswärts nicht gehindert sein solle. Diese Mitteilung bezieht sich selbstverständlich nur auf vom Lande bezogene deutsche Butter, ist aber vielfach dahin mißverstanden worden, daß auch der Bezug von Butter auS dem außerdeutschen Auslande freigegeben sei. Infolge- dessen haben sich m letzter Zeit wiederum die Bestellungen von Butter im Auslände vermehrt. Die Besteller erhalten dann von der Zöllbehörde die zutreffende Mitteilung, daß ausländische Butter nach wie bor sofort an die Zentral-Einkaufs- gesellschaft m. b. H. in Berlin abgeliefert werden muß, und haben zu dem Aerger über die Fortnahme der Butter auch noch in der Regel pekuniären Schaden. Es muß daher dauernd von dem Bezüge ausländischer Butter abgeraten werden. Die Zentral-Einkaufsgesellschaft m. b. H. ist auf Grund der in der letzten Zeit gemachten Erfahrungen genötigt, die Beschlag- nähme ausländischer Butter mit allem Rachdruck durchzuführen. (W. T. B.)__ Saatzwiebel« unterliegen nicht den Höchstpreisen. (Amtlich.) Die Bekanntmachung des Reichskanzler» über die Festsetzung von Preisen für Gemüse, Zwiebeln und Sauerkraut vom 25. Januar 1018(Reichsgesetzblatt S. 83) ist dahin ausgelegt worden, daß S a a tz w i e b e ln' nicht unter die Belamiimachung fallen. Diese Auslegung ist zutreffend, da es zweifellos im Sinne des Gesetzgebers lag. Höchstpreise nur für Zwiebeln festzusetzen, deren Verwendung als Nahrungsmittel in Frage konnnen. Saatzwiebeln unterscheiden sich von Eß�wiebeln durch ihre Größe so erheblich, daß ersteke- als Nahrungsmittel kaum verwendet werden dürften. Kriegsbekanntmachungen. Richtige Adressen ans Feldpostsendungeu. Amtlich. Berlin, 15. März.(W.T.B.) Die Adresse e. r u n g der F e l d p o st s e n d u n g e n ist in letzter Zeit wieder schlechter geworden. Nnverständliche Abkürzungeir, überflüssige und irreführende Ortsangaben auf Sendungen an Feldtruppen verursachen Postfehl- leitungen und Verzögerungen zum Nachteil der Empfänger. Die Heeresverwaltung hat»viederholt darauf hingewiesen, daß eine schlechte Adressierung der Hauptgrund für die Klagen über das Nichteintreffen von Nachrickten aus der Heimat bildet. Auf die genaueste Beachtung der von der Reichspostverwaltung herausgegebenen Merkblätter für den Feldpostbetrieb wird daher im eigensten Interesse der Briessender aufmerksam gemacht. Die Truppen sind ebenfalls auf richtige Adressenübermittelung in die Heimat hingewiesen worden. Privatpakete an Marinemanuschaften in der Türkei. Berlin, 15. März.(W. T. B.) Vom 15. März d. I. ab können durch Vermittelung der Paketia>mnelste,lle des ersten. Ersatzsee- bataillons in Kiel und der 2. Torpedodivision in Wilhelmshaven Privatpakete bis zum Höchstgewicht von zehn Kilogramm an Marineangehörige in der T ü r k e i gesandt werden. Das Gelvicht derartiger Pakete war bisher auf fünf Kilogramm beschränkt. Letzte Nachrichten. Ter Wechsel im französischen Kriegsministcrium. Bern, 1.5. März.(W. T.B.» Wie„Journal" meldet, wurde Admiral Lacasze mit der imerimistischeu.Geschäftsführung des .Kriogsminsteriuuro beaustragt, bis die ulchedevorstel>eude Bczeich- rnrng des endgültigen Inhabers des KriegSportefeutllcs erfolgen werde. Gewerkschaftliches. öerlin und Umgegend. Zur Arbeitsvermittlung für Kriegsteilnehmer refp. Kriegsbeschädigte. Im Anschluß an die in der am Montag, den 28. Februar d. I., erschienenen Ausgabe des„Vorwärts" gebrachten Notiz über die Für- sorge für Kriegsteilnehmer, insbesondere Kriegsbeschädigter, durch die geschaffenen paritätischen Albeitsgemeinschasten, welche ihrer Auf- gäbe gemeinsam mit den übrigen gemeinnützigen Stellen in ebenso segensreicher wie erfolgreicher Weise gerecht werden, bringen wir nachstehend die Grundsätze zum Abdruck, welche der Invaliden- dank, Berlin W., Unter den Linden 24, bei seiner Kriegsfürsorgetätigkeit zur Anwendung bringt. Der Jnvalidendank betreibt neben einem Theaterbilletlverkauf, einer Annoncenexpedition und seiner sonstigen geschäftlichen Tätigkeit in bezug auf Hypotheken- und Grundbesitz auch einen Stellennachweis und benutzt für letzleren die folgenden Vorschriften: Für die Stellungsbcwerbung durch den„Jnvalidendank" ist folgendes vorgeschrieben: 1. Der Stellungssuchende kann sich solange in unserem Bureau in der Zeit von S— 11 Uhr vormittags melden, bis er eine Stellung gefunden hat. 2. Falls er eine vom„Jnvalidendank" nachgewiesene Stellung erhalten hat, muß er persönlich in der Zeit von S— S Uhr nachmittags ins Bureau kommen und Unterschrift für die erhaltene Stellung leisten. 3. Falls ihm von anderer Seite eine Stelle nachgewiesen wird, so muß er dem„Jnvalidendank" schriftlich hiervon Mitteilung machen. 4. Der„Jnvalidendank" zieht über jeden, der Stellung sucht, durch die Polizei Auskunft ein. Es wird erwartet, daß eine genaue Auskunft gegeben wird. 5. Es wird verlangt, daß jeder Stellungssuchende angibt, ob er vorbestraft ist. Macht er falsche Angaben, so muß er gewärtig sein, daß der„Jnvalrdendanl" sich an feinen Arbeitgeber wendet und auf seine Entlassung dringt, wenn die polizeiliche Auskunft feine Borbestrafung erweist. 6. Sollte in der Zwischenzeit der Stellungssuchende ander- weitig Stellung gefunden baben, so sollte er. nicht die Auskunst der Polizei gegenüber verweigern, da es möglich ist, daß er später einmal wieder vom„Jnvalidendank" eine Stellung wünscht und derselbe ihm dann eine solche versagen muß, weil er seiner- zeit die gewünschte polizeiliche Auskunft verhindert hat. 7. Es wird erwartet, daß jede Stellung, die aufgegeben wird und von dem Stellungsuchenden hier im Bureau angenommen, auch aufgesucht wird und dem„Jnvalidendank" ein Bericht über den Bescheid des Arbeitgebers zugehr. Was an diesen Vorschriften zur Kritik herausfordert, sind die Bestimmungen der Z§ 4, 5 und 6. Es ist zum mindesten unver- ständlich, wie der Jnvalidendank unter dem Zeichen des Weltkrieges und des Burgfriedens bei Männern, welche im Interesse des Vater- lande? ihre Gesundheit geopfert haben, die Erlangung einer Existenz resp. Arbeitsstelle von der Einholung eines polizeilichen Führungsatte st es abhängig machen kann. Aber geradezu als beschämend muß es bezeichnet werden, wenn Männer unter den gegebenen Verhältnissen einem peinlichen Verhör über ihrem Vor- leben unterworfen sind, gleichviel, ob sie sich jemals irgend eines Vergehens schuldig gemacht haben oder nicht, und noch dazu mit der Androhung der Brotlosmachunq im Falle falscher Angaben. Wir 'erblicken in diesem Vorgehen einen schweren Verstoß gegen die Grundsätze der Arbeitsgemeinschaften und der Allgemeinen Kriegsbeschädigten-Fürsorge, wie solche vom Staat und den Gemeinden ms Leben gerufen worden sind, und nach welchen jedem Kriegsbeschädigten je nach seinen körperlichen Fähig- leiten unter allen Umständen Arbeitsgelegenheit verschafft werden soll, und zwar bei einem Lohne, der seinen Leistungen entsprechen muß, ohne daß die dem Betreffenden zugesprochene Rente dabei in Anrechnung gebracht werden soll. Leider werden die hier geschaffenen Einrichtungen von den Lazarettleitungen immer noch nicht genügend beachtet. Es wird unterlassen, die Kriegsbeschädigten, welche in Berlin heimats- berechtigt sind, zwecks Beschaffung einer passenden Arbeitsgelegenheit an die in Betracht kommenden Arbeitsgemeinschaften Berlins zu verweisen. Vielmehr find es gerade die Lazaretlleitungen, welche die beschädigten Arbeitsuchenden an den Jnvalidendank verweisen. dessen Einrichtung und Methode als durchaus ungeeignet bezeichnet werden muß. Andererseils ist es aber auch Sache der Kriegs- beschädigten selbst, daß sich dieselben um ihre Interessen kümmern und die für sie getroffenen Einrichtungen selbst kennen lernen und in Anspruch zu nehmen sich bemühen. se) Das Entlohnungssystem der Werkzeugmacher. Eine Branchenversammlung der Werkzeugmacher, Werkzeug- schleifer, Einrichter, sowie sämtlicher als Zigarettenmaschinenführer beschäitigten Kollegen setzte die Diskussion über das Akkordwesen fort, die in einer früheren Versammlung begonnen worden ist. Für die Gestaltung des Arbeitsverhältnisses der Werkzeugmacher gilt noch eine Resolution von 1906, die für die Werkzeugmacher die Lohnarbeit fordert. Tatsächlich müssen eine größere Anzahl Werk- zeugmacher in Akkord oder einem gemischten System arbeiten. Neuerdings wird von einzelnen Betrieben der Versuch gemacht, Akkord- arbeit neu einzuführen. Die Vertrauenleute haben sich darauf mit der Akkordarbeitssrage beschäftigt und sind einig geworden, die Akkordarbeit zu verhüten. In der Diskussion in beiden Versammlungen sprachen eine größere Anzahl Redner für die Aufrechterhallung des Prinzips der Lohnarbeit rni Sinne der Resolution von 1906.— Einzelne Redner aus einem bestimmten Betriebe, der den Werkzeugmachern Akkordarbeit angeboten hat, warfen dagegen die Frage auf, ob nicht ein gemischtes System, das kein reines Akkordsystem ist und trotz Berechnung garantierte Lohnhöhen kennt, möglich wäre. Der Grundgedanke ist, höhere Verdienste zu ermöglichen. Ein blankes Akkordsystem verwarfen auch diese Redner. Sie stellten durch Thielicke einen Antrag, durch eine Kommission Erhebungen über die Gestaltung der Grundlage der Arbeits- und LohnverhälMisse der Werkzeugmacher zu veranstalten, deren Resultat die Grundlage zur Ausarbeitung von Leitsätzen für später bilden soll. Diese Resolution wurde von der anderen Seite bekämpft, weil alle Erfahrungen für die Beibehaltung der alten Lohnarbeitsresolution von 1906 spräche». Die Resolution Thielicke wurde abgelehnt, dagegen fand ein An- trag einstimmig Annahme, der besagt: „Die Kollegen der Firma Stock haben keine Berechtigung, ein Akkord'hstem einzuführen. Es gilt nach wie vor die Resolution von 1906. Lohnerhöhungen sind nur auf Grund von Lohnzulagen zulässig."__ deutsches Reich. Die Klempner in Hamburg verhandeln seit einiger Zeit mit den Unternehmervertretern über eine Teuerungszulage, nachdem man sich über eine Verlängerung des Tarifs bereits einig geworden ist. Die Forderung einer Zulage von 10 beziehungsweise 13 Proz. war nicht durchzusetzen. Es wurde für Klempner über 21 Jahre eine tägliche Zulage von 50 Pf., für Klempner unter 21 Jahren von 25 Pf. aus die gegenwärtig gezahlten Löhne erzielt. Eine Zulage für Helfer und Helferinnen war nicht zu erreichen. fius Industrie und Handel. Kricgsgewinnc. Die Spinnerei- und Buntweberei Pfersee in Augsburg-Pfersee erzielte einen Reingewinn von 393 180 Mark(gegen 297 950 Mark), woraus 16 Prozent Dividende gezahlt werden(im Vorjahre 8 Prozent). Beim Essener Bergwcrksverein König Wilhelm wird die Verteilung einer Dividende von 12 Prozent auf die Stamm- aktien(im Vorjahre 7 Prozent) und 17 Prozent auf die Vorzugs- aktien(12) vorgeschlagen. Tie A.-G. für Strumpfwarenfabrikation vorm. Max Segall in Berlin verteilt 14 Prozent Dividende gegen 10 Pro- zent im Vorjahre. Die Dampf-Kornbrennerei und Preßhefe- Fa- briken?l.-G. in Wandsbek erhöhten die Dividende von 16 auf 26 Prozent. Ter Bruttogewinn stieg von 1,8 auf 2,3 Millionen Mark. Tic Norddeutschen Spritwerke in Hamburg er- zielten einen Bruttogewinn von 1,4(gegen IL) Millionen Mark. Tie Dividende deträgt 26(gegen 16) Prozent. Die Baumwollspinnerei Unterhausen verdoppelte ihre Dividende; sie zahlt aus dem von 163210 auf 571716 Mark gestiegenen Reingewinn 12 Prozent(gegen 6 Prozent) Dividende. Die Rheinisch-Nassaui s ch e Bergwerks- und H ü t t e n- A.- G. zu Stolberg steigerte ihren Betriebsgewinn von Ich auf 3,5 Millionen Mark. Nach wesentlich erhöhten Abschreibun- gen verbleibt ein Ueberschuß, der mit 2,27 Millionen Mark mehr als doppelt so hoch ist wie im Vorjahre(l Million Mark). Die Divi- dende wird von 6 auf 16>6 Prozent erhöht. Die Gesellschaft fördert Bleierze, Zinkblende, Galmei, Kupfererze, auch Silber. Die Edmund Müller und MannA.-G. in Berlin- Tempelhof erhöht ihre Dividende von 13 auf 18 Prozent. Die Hermannmühlen-A.-G. Posen erhöht die Dividende von 18 auf 32 Prozent. „Silesia", Verein chemischer Fabriken, Ida- und Marienhütte zahlt bei erhöhten Abschreibungen 9(gegen 8) Prozent Dividende. Die Optische Anstalt C. P. Gocrz, A. G. in Berlin-Friedenau, kann 30 Proz. Dividende verteilen(i. V. 18 Proz.). Sie hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr geringere Handlungsunkosten, dagegen einen wesentlich höheren Rohgewinn l3 653 140 gegen 4 211 220 M.). Die Abschreibungen sind von 913 945 auf 2 002 432 M. erhöht. Es bleibt ein Ueberschuß von 3 303 596 M.(i. V. 1 894 649 M). Die Eintracht-Braunkohlen-Werke undBrikett» f a b r i k e n verteilen 27 Proz. Dividende gegen 24 Proz. im Vorjahr. Die Lindener Eisen- und Stahlwerke, A. G. in Linden bei Hannover, baben 1915 einen fünfmal so hohen Fabri- kationsgewinn erzielt wie 1914(3 648 227 gegen 767 389 M.) Di« „Handlungsunkosten" sind nur halb so stark gestiegen; die Ab- sckireibungen find versechsfacht. Nach 1 375 000 M. Rück- stellungen usw. ist es gelungen, den„Reingewinn" auf 988 267 M. herunterzudrücken: er betrug im Vorjahre 369 602 M. Die Divi- dende wurde auf 25 Proz. bemessen(i. V. 10 Proz.). Die Hannoverschen Gummiwerke„Excelsior". A.-G. in Hannover-Linden, erhöhen die Dividende von 22 auf 24 Proz. Die Königsberger Walzmühle 2.-G. in Königsberg, ,ahlt 2V Proz. Dividende(i. V. 12 Proz). tUUcrthd Hl x*cl?ensiii Ittel Frisches Fleisch Donnerstag, sowait Vorrat Kalbskeule— pfundl.70 M-m Pfund 1,80 Kalbsrücken..Pfund 1,70 g«teat Pku-a 1,80 Kalbskamml.60 Kalbsbrust �1.80 Kalbshaxe pfundl m. Goulasch Pfund 1.80 Rinderschmorffleisch mit Knoden, Pfd. 2.10 Rinderkamm«--.2" Pökelzunge 2.20 Roastbeef mit Knoden........... Pfund 2.10 Gehacktes Rindfleisch...... Pfund 2 m Raucherwaren Donnerstag bis Sprotten....... Pid 55 Pk. i. ganz. Kisten ca. 20b 30 Pfd.. Pfd.l M. Kieler Bücklinge. stock 15 Pf. Räucnei beringe.. stock 40 Pk. Sardellen...... Ptd Im. 1.89 Oder-Aale.... Pkund 2.60 4.5V Geräucherter Lachs 1.10 in ganzen Seiten, Pfd. 3.80 Caviar-Ersatz wcm get, pw. 1.25 FiSCh-Sölze Dose ca. 4 Liter 4.80 Bratheringe Dose ca. 4 Liter 4.60 Rollmops Dose ca 4 Liter 5.50 Sonnabend: Hering 1. Gelee...* Pfd. SOpt. Muscheln I. Gelee..% Pkd 40 PL Thüringer Sauerkohl Pkd. 15 Pf. 10 Pfd. 1.35 Faß ca. 220 Pfd. 28 M Comlchonspfd.SOpf., ioFid.7.50 Hummer-Krabben.% Pfd 70 Pk Salzgurken..... s stock 70pf 4- und 8-Pfund-Dosen 3.50 7 M. Salzheringe in allen Preislagen. Fischwurst nach Fnnkt Art, PM. 1.80 Geflügel Donnerstag und Sonnabend: PommerscheBratgänse Pfd. 2.60 Junge und alte Tauben Mastputen Pfd. 2.60, 2.80, 3r Wildenten stock 1.80 2 m Suppenhühner Pid 2.30 c n.r Brathühner____... Pfd. 2.60 Or. Schneehühner st 2.45 Fische Donnerstag vis Sonnabend Grüne Heringe..... Pfd. 38 Pf. ZckelHische____ p» 55 n. 85 Pf. Kabüau �°°. pm. 55 Pf. Ostsee-Schohen.... Pfd. 40 pt ßrosmen.......... Pfd 50?f. Stinte............ Pfd 40 h. Kaulbarsch........ pfd. 75 pf. BetriGlin.KIIppfiSClli.ganz.Fisch.1Pfd. 70 Pf. Salztische.... Pfd. 45 55 60 pf Lebende Aale..... Pfd. 2.50 Nordsee-Müs ctieln s pfd 40 ioPfd. 75 pf IfSCA autlindlschei GellllnralS-KiSefürdieFeldpostStOck 2 M EoBeetkaler Nraaterkisi. stück 30 pf. Echter Edamer Käse in ganz. Kugeln, Pfd. 1.70 2 M. 2.20 Im Ausschnitt. Ptd 1.90 2.20 2.40 Holländer Vollfetl-Käse. 2.40 Edamer Vollfett-Käse.. 2.40 Holländer Käse pfd.2M. 2.20 2.3- Nur Leipziger StraBe: Alter Edamer Käse piand 1.40 Marmelade leicht gefSrbL Verkauf am Butteriager Gemischte Frischobst-pid 50 pl Apfel-Marmelade... Pfund 50 pf. Himbeer-Marmelade Pfund 60 pl Himbeer mit Apfel- piund 60 pl Orangen-Marmelade 1 Pfd. 80 Pf Pflaumenmus 1..... Pfd.80pf. Obst u. Gemüse Donnerstag soweit Vorrat: Boskop Aepfelpfd.42pf. n. 50 PL Delikatenf eigen Blut-Apfelsinen Dtz 90 Pf.. 1.20 1.40 Zitronen.... Dtz. 60 pl, 70 pt. Datteln....... Pfd. 1 m. 1.50 Kranzfelgen...... Pfd. 75 pl .. Pfd 1.10 Schnittlauch..... Topf 25pl Rhabarber...... Bund 17 pf. Treibhausgurken.. stück 70 pl Grüner Salat.... Kopf 25 pl Märkische Rübchen Pfund 20 PL Donnerstag bis Sonnabend: Hoselwein Rheinwein i/t M. bei 10 H. Obermoseler..... 72 pl 70 pl Wormeldinger____ 82pl 80pf 1913 Remlcher Riesling 95 Pf. 99 pf 1911 Senheimer... 1.25 ILO 19> 1 Meseii!c!>.Iliii:llue>lsI�1.45 1.40 191 1 ZeltiDgerJakobsberg 1.70 1.65 1911 Branoeb, Hasenläufer 2.10 2 m. Liköre„Erlenwein" Nur Leipziger StraBe: in Bozbeuteltlaschen Pomeranzen............. vm. 5.50 S m. Cherry Brandy............ 6 m.. 3.25 Ä: 1"°• 3-75 Schokoladen Coktall....... 5.50.— Pfefferminz„Cr 6me de Menthe*, 6 m,, 3.25 v.a 1.75 . 1.90 . 2 m. 2m. Stangenspargel mit grünen Köpfen Vorzüglich im Geschmack extra stark, 20— 24 Standen oll.58 sehr stark, 28— 34 Stangen 1.48 stark, 34— 38 Stangen Reis mit Tomaten Vi Dos« 1.38 ... 95 pf. t FL bei 10 FL 191 2 Dürkheimer.. 72 pl 70 pl 1912 Gaubikelheimer 1.05 Im 1912 Niersteiner.. 1.15 1.10 1911 Gutenberg. Lay 1.35 1.30 1910 Winkelar Staliiackar 1.55 1.50 1909 EraacherSteiainorgeo 1.80 1.75 1 909 UebfraDennillcli... 2.10 2 m. Lercmtw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Inst■ratenteil verantw. TH. Glscke. Berlin. Druck u. Lerlaa: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanual, Paul Singer ch Co., Berlin LW. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsbl. nt. 75. ZZ.MM-. Keilllge des„Wmiirjs" Kerliller Wldsdliltt. Ein konservativer Vorstoß gegen Ken Reichskanzler. Die».kleine, aber mächtige" Partei, die dank dem Drei- klassenwahlsystem in Preußen an der Herrschast ist und vom preußischen Landtage aus die Politik des Deutschen Reichs und doc Bundesstaaten zu beeinflussen sucht, unternahm heute in »er verstärkten Haus Haltskommission des Abgeordnetenhauses einen seit langer Zeit plan- mäßig vorbereiteten Vorstoß gegen Herrn v. Bethmann Holl- weg, mit dessen Amtsführung sie aus mehr als einem Grunde unzufrieden ist. Die Aktion hat eine interessante Vorgeschichte. Wie er- iunerlich, hat sich die Haushaltskommission Anfang Februar auch mit der Frage der Kriegführung beschäftigt, u. a. hat sie unsere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika erörtert. Obwohl der Staatsminister v. I a g o w am 7. Februar darauf hingewiesen hatte, daß diese Fragen Angelegenheiten der Reichspolitik und der Kriegführung seien und daß ihm deshalb eine sachliche Stellungnahme nicht möglich sei. hat die Kommission doch zwei Tage später ihren bekannten Beschluß gefaßt und der Oeffentlichkeit kundgetan. Es erfolgte darauf die Note der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", in der festgestellt wurde, daß die Leitung der auswärtigen Politik und der Kriegführung aus- schließliches verfassungsmäßiges Recht des deutschen Kaisers sei, daß die parlamentarische Behandlung aus- Wärtiger Fragen vor das Forum des Reichstages gehöre nnd daß die Oberste Heeresleitung parlamentarischen Ein- flössen überhaupt nicht unterliegen könne. Den gleichen Stand- Punkt hat der Reichskanzler in einem Schreiben an den Prä- sidenten des Abgeordnetenhauses und in einer vertraulichen Besprechung niit den Fraktionsführern vertreten. Im Plenum des Abgeordnetenhauses ließen hierauf sämtliche Parteien durch den Präsidenten erklären, daß das Haus zweifellos auch zur Erörterung auswärtiger Angelegenheiten des Reiches berechtigt ist und daß es gerade in der gegenwärtigen ernsten Zeit ein begreiflicher und berechtigter Wunsch aller Parteien sei, ihren Anschauungen über die auswärtige Lage Ausdruck zu verleihen, daß sie aber im Interesse des Landes auf eine öffentliche Erörterung verzichten. Namens der sozialdemokratischen Fraktion fügte Genosse Hirsch hinzu, daß seine Freunde zwar auf die Sache selbst nicht eingehen wollten, daß sie aber gegen den Beschluß der Kommission entschiedenste Verwahrung einlegen, da sie nichts zu tun haben mit den Ansichten und Absichten, die dort ausgesprochen sind, und daß sie es deshalb für ihre Pflicht halten, die verantwortlichen Stellen nachdrücklichst vor Unbesonnenheiten zu warmen. Die bürgerlichen Parteien einigten sich dahin, eine Er- örterung aller auswärtigen Angelegenheiten, insonderheit unserer Kriegszielc, unserer Kriegführung und unserer Beziehungen zu den kriegführenden und neutralen Staaten von der diesjährigen Etatsberatung auszuschließen. Damit hätte man die Angelegenheit als erledigt betrachten sollen. Um so überraschender ist es, daß die Kommission trotzdem das Schreiben des Reichskanzlers in einer besonderen Sitzung einer eingehenden Besprechung unterzog. Welchen Standpunkt der Berichterstatter, der preußische Abg. Dr. Jrmer eimümmt, geht aus der Resolution hervor, die er der Kommission zur Annahme empfahl: «DaS Haus der Abgeordneten hält gegenüber der in dem Schreiben de» Präfidenten des Staatsmimsteriuins vom 12. Febr. vertretenen Auffassung an seinein verfassungsmäßigen Rechte fest, der Regierung auch in auswärtigen Fragen seilte Ansicht auszu- sprechen und um Auskunft über die Stellung der preußischen Mit« glieder des Bundesrats in solchen Fragen zu ersuchen." An sich ist der Wortlaut dieser Erklärung durchaus harm- loS, ja man kann sich sogar über die Entschiedenheit freuen, mit der gerade von konservativer Seite die Rechte des Parlaments vertreten wurden. Schade nur, daß von dieser Entschiedenheit niemals etwas zu spüren ist, wenn es sich unr die Wahrnehmung der Rechte des Volkes handelt. Aber der Wortlaut verliert seine Harmlosigkeit, wenn man sich das, was vorausgegangen ist, ins Gedächtnis ruft. Es muß zugegeben werden, daß die Grenzen zwischen den Befugnissen des Reichstags und der Landtage mitunter ettvas verschwommen sind. Nach der Reichsversasfung ist der Bundesrat zuständig in Fragen der inneren Gesetzgebung des Reichs und in der Frage der Kriegserklärung, vorausgesetzt, daß die Kriegserklärung nicht auf einen Angriff von außen erfolgt. Dagegen ist die Leitung der auswärtigen Politik Sache des Kaisers. Allerdings besteht ein Ausschuß für aus- wärtige Angelegenheiten, aber dieser Ausschuß ist kein Organ des Bundesrats, es kommt darin ein gewisses Reservatrecht Bayerns zum Ausdruck. Preußen ist insofern rechtlich schlechter daran, als es in diesem Ausschuß nicht vertreten ist, es ist nur insoweit vertreten, als der Reichskanzler, der dem Ausschuß Informationen erteilt, zufällig auch preußischer Ministerpräsident ist. Aber der Reichskanzler braucht nicht unbedingt preußischer Ministerpräsident zu sein, und es hat Zeiten gegeben, wo eine solche Personalunion nicht bestand. Dazu kommt noch ein anderes: Der Reichskanzler ist nicht nur dem Reichstag und dem Kaiser, sondern auch dem Bundesrat verantwortlich. Sind die Acmter des Reichs- kanzlers und des preußischen Ministerpräsidenten vereinigt, so bat der Landtag also ganz zweifellos das Recht, ihn als Bevollmächtigten zum Bundesrat in seinem Sinne zu informieren. Würde es dem Abgeordnetenhause oder seiner Kommission nur darum zu tun sein, die Rechte der Volksvertretung der Regierung gegenüber zu wahren, so würde die Oeffentlich- keit unter den heutigen Verhältnissen den mehr oder minder akademischen Erörterungen ein allzu großes Interesse kaum entgegenbringen. Aber diese Kompetenzfrage ist nur die äußere Hülle, die den inneren Kern verbirgt. Worauf es dem Abgeordnetenhause ankommt, ist, dem Reichskanzler seinen Willen aufzuzwingen und den Landtag gegen den Reichstag auszuspielen. Es handelt sich vor allem unzweifelhaft um den Versuch einer Einwirkung auf die Kriegführung, einen Versuch, gegen den wir uns auf das entschiedenste wenden müssen. Umsomehr, als diese einseitige Stimmungsmache in der Dunkelkammer der S t a a ts h a u s h a lt s-K o m- Mission des Abgeordnetenhauses getrieben wurde, wo sie jeder öffentlichen Kontrolle entzogen war und wo ihre Wirkung Inach außen nicht durch den öffentlichen Appell mi die Auf- traggebcr der Abgeordneten, die Wähler, paralysiert werden konnte. /kbgeorönetenhaus. 26. Sitzung. Mittwoch, den IS. März, nachmittags 3 Uhr. Am Ministertisch; v. Trott zu Solz. Die zweite Beratung des Kultusetats wird bei den Kapiteln Wisienschaft, Kunst und höhere? Schulwesen mit den vorliegenden Anträgen fortgesetzt. Abg. Ad. Hoffman«(Soz.): Man hat verlangt, daß den Ausländern, namentlich den feind- lichen, nach dem Kriege der Zutritt zu unseren Universitäten versagt werde. Natürlich kommen auch für uns die Interessen der deutschen Studenten zuerst. Im übrigen verlangen wir aber, daß man auch den Ausländern gegenüber liberal verfährt. Hierfür dürfen allein wissenschaftliche Interessen maßgebend sein. Dann wird auch unfern Studenten im Auslande Gelegenheit geboten sein, zu studieren, und das wird z. B. auch für unsere zukünftigen Diplomaten von großem Vorteil sein. Es wurde in diesem Zusammenbang behauptet. von englischer Seite sei gesagt worden, Deutschland müsse mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Nun, es wird ja in diesem Kriege soviel gelogen, aber wenn wirklich ein englischer Kriegsfanatiker oder Kriegsidiot derartiges gesagt haben sollte, dann gibt es ja solche Kricgswahnsinnige und Kriegsidioten überall.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Kultusminister meinte, wir können in Zukunft nicht jedem Fremden zuerst die Hand hinhalten. Gewiß, vielleicht sorgt er dafür, daß man in Zukunft nicht mehr soviel auf Monarchenbegegnungen Wert legt mit den obligatorischen Bruder- und Vetteriüsien, die sich inzwischen allenthalben als Judasküsse enthüllt haben.(Heiterkeit und Sehr gut! b. d. Soz.) Als Rosa Luxemburg und ich seinerzeit gegen den Besuch des russi- schcn Zaren Protestversammlungen abhielten, wurden sie von Staats- anwalt und Polizei und von russischen Spitzeln verfolgt und drang- saliert. Dabei waren wir damals wirklich nicht so geschmacklos, gegen den russischen Zaren das zu sagen, was jetzt die Presse sagen darf, die immer Thron und Altar zu schützen behauptet.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Campe richtete bei der Frage des Studiums von Ausländern an deutschen llnivcrsitäten einen Appell an die Amerikaner deutscher Abstammung, ihr Deutschtum auch in Amerika, obwohl sie amerikanische Bürger geworden sind, hochzuhalten. Ich habe ihn als logisch denkenden Menschen kennen gelernt, und ich bin deshalb überzeugt, daß er bei der nächsten Polendebatte hier auch die Polen auffordern wird, obwohl sie deutsche Bürger geworden sind, ihr Polentum hochzuhalten.(Heiter- keit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Campe sprach auch von dem wissenschaftlichen Boykott, mit dem wir vom Ausland bedroht werden. Es würde kein Deutscher mehr zu wissen- schaftlichen Kongressen zugelassen werden. Auf solche blödsinnigen Anrempelungen sollten wir wirklich nicht soviel geben, die Wissenschaft ist imnrer international gewesen und wird es bleiben. Eine Ueberhebung aber war es, ivenn Herr v. Campe in diesem Zusammenhang davon sprach, daß dann die anderen Völker geistig verarmen würden. Dem Antrage, mehr zu tun für das Studium ausländischer Verhältnisse, stimmen wir zu. Wir glauben, daß man dann vor allem auch die Menschen im Auslände kennen, achten und lieben lernen wird. Das tvird gerade in Zukunft doppelt notwendig sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemotraten.) Ueber die Ausländer soll man auch die inländischen Studenten nicht ver- gesscn und ihnen vor allem volle Freiheit gewährleisten. Ich erinnere da an den Fall des Studenten Ernst Joel, der charakteristisch ist für die Art, wie man auf den Universitäten unbequeme Leute loS wird. Joel wurde aus den UniversitätSlisten gestrichen, angeblich weil er Herausgeber der Zeitschrist„Der Ausbruch" im Berlage von Eugen Diederichs war und deshalb als Gewerbetreibender nicht immatriku- lierter Student sein könne. Er protessierle dagegen, und schließlich wurde ihm vom Universitätsrichter eröffnet, von einer Rückgängig- machung der Streichung könne keine Rede sein, es könnte sich höchstens um eine Neuausttahme handeln und die würde abgelehnt, weil er durch sein sonstiges Verhalten Sitte und Ordnung des akademischen Lebens gestört habe, weswegen ein Disziplinarverfahren gegen ihn hätte eröffnet werden müssen, wenn nicht seine Streichung dazwischen- gekommen tväce. Der Unterschied ist nur, daß bei dem Disziplinarverfahren im ordentlichen Verfahren gegen ihn hätte entschieden werden müssen, wobei er jedenfalls mit einem Verweis davongekommen wären.— Herr v. Osten verlangte, die Kunst solle deutsch sein. Nach unserer Meinung ist Kunst und Wissenschaft international, alle Kulturvölker zehren heute noch an der griechischen Kunst. Herr v. d. Osten sprach auch über Theaterstücke mit niederziehender Tendenz; ich inkliniere gewiß nicht für den Schmutz auf der Bühne, aber auch Abschrecken- des und Häßliches kann in künstlerischer Fortn im höchsten Grade erzieherisch wirken. Das Schicksal beschütze uns vor einer Kunst, die von der Rechten und vom Zentrum diese? Hauses ab- gestempelt ist. Heute werden„künstlerische" Hindenburgs zur Ler- nagelung aufgestellt. Ich habe immer geglaubt, in Deutschland sei man schon vernagelt genug. (Rufe rechts: Au!) Ja, es tut weh, aber es ist berechtigt!(Große Heiterkeit.) In einem Feldartillerie-Regiment tverden die Leute kommandiert zum Nageln einer eisernen Tür— künstlerisch natürlich—, der eiserne Nagel kostet 50 Pfennig. In demselben Regiment verkauft eine kunstsinnige Dame Kunstpostkarten an die Soldaten in Begleitung des Wachtmeisters. Die Karten zeigen verzerrte Typen unserer Feinde. Gegen diese Art der Kunstsörde- rung erheben wir Einspruch.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.)— Der Minister sprach davon, welche» Anteil die Wissenschaft im Kriege habe. Gewiß, die Chirurgie besonders hat Großes geleistet. Ihr gebührt Dank ebenso wie den Kranken- schwestern für ihre aufopfernde Tätigkeit. Aber im übrigen ist es höchst bedauerlich, wenn die Wissenschaft benützt wird zur Ver- nichtung von Menschen und von Kulturwerken, die Jahrtausende alt sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Nationalliberalen haben erfreulicherweise einen Antrag be- treffend die Dissidentenkinder wieder eingebracht. Der Kultus- minister scheint aber in dieser großen Zeit, wo alles in Bewegung ist, der einzig ruhende Punkt zu sein. Der Neuorientierung gegen- über ist er kalt und teilnahmslos wie der in Stein gehauene Ramses n.(Große Heiterkeit.) Es bleibt bei der Unterdrückung der Gewissensfreiheit der Dissidenten trotz aller Kammergerichtsurteile. Ueber die schwankenden Urteile der Kammergerichtsurteile habe ich ja schon oft gesprochen und verweise darauf. Nach dem neuesten Kammer- gerichtsurteil ist nun kein Preuße verpflichtet, Religions- bücher für den Religionsunterricht in höheren Schulen zu kaufen, wenn er nicht der Kirche angehört. Aber der Kultusminister kümmert sich darum nicht. Auf Grund eines Erlasses vom Jahre 1316 werden noch immer Dissidentenkinder vor der Aufnahme in eine höhere Schule darauf hingewiesen, daß sie nur ausgenommen werden können, wenn ihrer Teilnahme am konfessionellen Unterricht nicht widersprochen wird,— falls nicht für genügenden Ersatzunterricht gesorgt ist, aber„genügend" natürlich im Sinne des Kultus- Ministers. Ein beim Heere Eingezogener wurde aufgefordert, obwohl fein Kind seitens der Schulleitung vom Religionsunterricht befreit war, es wieder in den Religionsunterricht zu schicken. Seinen Patriotismus wird das schwerlich fördern. In eineni anderen Falle mußte das Kind eines im Felde Stehenden von der Realschule fort-J genommen werden, weil das Schulgeld nicht bezahlt werden konnte, und wurde in die Volksschule gebracht. In der Realschule war c? vom Religionsunterricht dtspensiert, jetzt wurde die Dispensation abgelehnt. Das muß natürlich auf den Vater niederdrückend wirken. Unter solchen Verhältnissen bleibt den Eltern nichts übrig, als die Kinder darüber aufzuklären, was sie von dem halten, was in der Religionsstunde gelehrt wird. Glauben Sie etwa, daß das für die Kinder sehr vorteilhaft ist? Herr Kaufmann vom Zentrum meinte gestern, für den, der überzeugt ist von seiner religiösen Anschauung, gibt es kein Zurück. Das gilt aber auch für die Freireligiösen. Auch sie müssen das Recht haben, ihre Kinder in ihrem Geiste zu erziehen. In der Volksschule spielt beute noch der Religionsunterricht die Hauptrolle und der konfessionelle Memorier- stoff ist noch immer ungeheuer groß. Wenn Sie das von Ihren Kindern verlangen, mögen Sie es selbst verantworten, aber man sollte nicht auch die Dissidenten zwingen, das mitzumachen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ueber unseren Antrag auf Vereinheitlichung, Unengeltlichkeit und Weltlichkeit des Unterrichts sollte es eigentlich gar leinen Streit geben. Gerade bei der Schule sollte die Neuorientierung beginnen. DaS richtigste wäre die Regelung der Schulangelegenheiten durch «in Reichsschulgesetz. Nur dann können die Schulen von allen partikularistischen Schlacken befreit werden, die ihnen heute noch anhaften. Ein Volk, eine Schule, das entspricht der jetzigen Zeit. Das ist doch nicht etwa eine sozialdemokratische Forderung, sondern sie wird ebenso erhoben von den Kreisen der Lehrerschaft, z. B. vom Korrespondenz- blatt der Lehrervereine, das in bezug auf die Einheitsschule schreibt:„niemals war die Zeit für diese größte aller Schul- reformen günstiger als heute". Auch die Lehrcrversammlung 1914 hat sich für die Einheitsschule erklärt. Jin roten„Tag" hat ein Mitglied der Rechten in bezug auf die Einheitsschule es fertig bekommen, zu schreiben, solle etwa die Tochter des Ministers gezwungen werden, neben der Tochter des Zuchthäuslers zu sitzen. Run, wenn die Tochter des Arbeiters neben der Tochter des Zuchthäuslers sitzen kann, so kann das auch die Tochter des Ministers. Im übrigen sind die Kinder daran unschuldig, was der Vater getan hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Also wir verlangen, daß hier mit der Neuorientierung endlich Ernst ge- macht wird. Das Volk will Taten sehe», die beweisen, daß man von der Neuorientierung nicht nur immer redet.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wahrscheinlich allerdings wird es nach dem Kriege wieder heißen: der Mohr Hai seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen— wenn er noch gehen kann.(Unruhe.) Nun ja, wie viele liegen bereits in fremder Erde verscharrt, während Sie hier ruhig sitzen und daran nicht denken.(Erneute große Unruhe und Pfui I- Rufe.) Herr v. d. Osten hat gestern wieder meinen Freund Haenisch gelobt. H a e n i s ch läßt durch mich folgendes dazu erklären: Es soll und kann ntcht bestritten werden, daß in vielen und sehr wichtigen Fragen tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen meinem Fraklionskollcgen Haenisch und der Mehrheit unserer Fraktion bestehen. Haenisch bittet aber ausdrück- lich, hier festzustellen. daß er mit den Grundsätzen des von uns eingebrachten Antrages durchaus einverstanden ist und daß es in dieser Frage eine Meinungsverschiedenheit zwischen der Mehrbeit und Minderheit in unserer Partei überhaupt nicht gibt. Wenn Haenisch die praktische Durchführung solcher Re- formen jetzt im Kriege für sehr schwierig hält, so nur mit Rücksicht auf die schroffen Widerstände der Rechten selbst gegen solche eigentlich selhstverständlichen Reformen.— Ich glaube, das wird Herrn v. d. Osten genügen. Herr v. d. Osten meinte weiter, jede Kultur führe zu einer größere» Differenzierung. Wir aber wollten den Rückschritt. Die Differenziertmg zwischen Befähigten und Ilnbefähigten wird aber bei Durchführung unseres Au- träges noch viel größer werden als jetzt. Es werden dann die wirk- lich befähigten Kräfte aus dem Volke ohne Unterschied des Standes und Vermögens herausgeholt werden. Was jetzt an Unentgeltlich- keit des Unterrichts besteht, ist eine Gnade, wir wünschen aber gleiches Recht für alle Befähigten.— Die Abschaffung de? Religionsunterrichts aus der Schule wäre nicht ein Un« glück, wie Herr Kaufmann meinte, sondern ein Glück für Staat und Familie. Wir wollen keinen Gläubigen verhindern, seine Kinder in seinem Glauben erziehen zu lassen, dann soll er zu den Geistlichen seiner Kirche gehen.(Sehr wahr! b. d. Soziald.) Die Ablehnung des genteinsamen Unterrichts von Knaben und Mädchen hat der Zentrumsredner scharf unterstrichen. Und das in einer Zeit, wo die Gleichberechtigung der Frauen wie jetzt im Kriege bei allen Arbeiten zum Ausdruck komint. Da sollte nian auch an der gleichmäßigen Erziehung der Geschlechter keinen Anstoß mehr nehmen. Das Zentrum will freilich überall die Geschlechter trennen, eS ist sogar eingetreten für kottfessioncll getrennte Vadcanstaltcn und für konfessionell getrennte Klosette.(Heiterkeit.) Das Zentrum will durchaus die Religion in die Fortbildungsschulen bringen. Dazu müßte das Allgcmeittc Landrecht geändert werden. Gehen wir doch an diese Arbeit, es wird ein großes Auslüften geben. Daß unsere Anträge dem Zentrum besonders wehe getan haben, will ich gern glauben. In der jetzigen Zeit aber müßte eigentlich eine Be- gründung dieser Anträge überflüssig sein. Wir beantragen, die Staatszuschüsse für die Kirchen zu streichen. Das sind ctioa 35 Millionen Mark, weil wir noch nicht alles treffen. Im ganzen belaufen sich die Aufwendungen für die Kirchen auf über 49 Mil- lioncn. Diese 33 Millionen können doch jetzt gut gebraucht werden. Da wäre es doch sehr schön, wemi man sie auf einem Brett haben kann. Die Kirchen sind so reich, sie müßten sagen, aus Vaterlands- liebe, aus Patriotismus verzichten wir während des Krieges auf einen Zuschuß.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Traub sagte, 6,6 Millionen find an evangelischen Kirchensteuern mehr eingegangen, als man erwartet hatte. Wenn das der Fall ist, könnte man doch erst recht auf einen Staatszuschuß verzichten. Die Frommen müßten viel zu eifersüchtig darüber wachen, daß sie nicht abhängig vom Staate werden. Sie müßten so glaubensstark sein, ihre Kirche aus eigener Tasche zu be- zahlen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir im zweiten Antrage verlangen, die Steuerprivilegien der Geistlichen und Lehrer sofort aufzuheben, so liegt darin eine Beschränkung, denn wir wünschen eigentlich die Aufhebung aller Steuerprivilegien. Es wäre ganz hübsch, wenn die deutschen Fürsten während-der Dauer des Krieges auf die Zivilliste verzichten würden.(Lebhafte Zu- stimmuttg bei den Sozialdemokraten.) In dieser Zeit, wo jedes arnte Weib ihren von der Großmutter ererbten Kupferkessel, der für sie einen hohen Wert darstellt, auf dem Altar des Vaterlandes opfern muß, in einer solchen Zeit sollten doch auch andere Stellen Opfer bringen.(Erneute Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Minister meinte, dann müßten die Gehälter der Geistlichen erhöht werden. Ich habe nichts dagegen, wenn die Geistlichen noch so hohe Gehälter bekommen, aber diese mügen aus den Taschen der Gläu- bigen gezahlt werden. Wie kann man denn sagen, die Geistlichen müßten dann 42 Millionen Entschädigung verlangen, wenn sie auf ein Privileg verzichten. Traurige Patrioten, die in dieser Zeit eine solche Entschädigung für den Verzicht auf ein Vorrecht verlangen, wenn anderenfalls dem Staatssäckel viele Millionen zugeführt wer- den können, die sonst wiederum aus den Taschen der Armen in der Hauptsache geholt werden. Unser letzter Antrag verlangt, daß die Vermögen der Toten Hand zur Reichs-, Staats- und Kommunalsteuer herangezogen werden. Der Minister kommt da mit dem Einwand von rechtlichen Verpflichtungen. Wo liegt denn die rechtliche Ver- pflichtung vor, solche ungeheuren Vermögen von allen Opfern frei- zulassen in einer Zeit der bitteren Not, wo man überall bettelt und schnorrt. In dieser Zeit muß es auch die Pflicht der Kirchen sein, ihre ungeheuren Milliarden zur Versteuerung zu bringen. Daß dk Nrche wr Kriege der Erlösung der MensMeft nM Me Hilfe geleistet hat. die den ihr gezahlten Summen entsprechen würde, sollte doch jedermann klar geworden sein. Es wurde viel gesprochen davon, daß die Feldgeistlichen ihre Schuldigkeit täten. Manchmal wären Aerzte, Krankenschwestern und Sanitäter viel notwendiger als Geistliche, dort wo sie liegen und verenden. Der D i V i s i o n s- Pfarrer Schettler verbreitet an der Front Bücher, Wohl auch auf Staatskosten, deren eines heißt:„Im Namen Gottes— durch I Da heißt eS:„Unsere Schuld ist es nicht, wenn wir in der Blutarbcit des Krieges auch die dcS Henkers verrichten müssen. iHörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Dem Soldaten ist das kalte Eisen in die Hand gegeben, er soll ei führen, ohne Scheu, er soll dem Feinde das Bajonett zwischen die Rippen rennen(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten), er soll sein Gewehr auf ihre Schädel schmettern(Stürmisches Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten), das ist seine heilige Pflicht, da? ist sein Gottesdienst!"(Stürmisches Hört! hört! und Pfuirufe bei den Sozialdemokraten.) Dagegen müßten Sie doch protestieren! Weiter heißt es in dieser Schrift:„Gott hat zu- gelassen, daß diese Prüfung die Menschheit trifft. Ihr habt nichts zu verantworten, sondern nur jeder an seiner Stelle die Waffen mit Nachdruck zu gebrauchen gegen die Russen, die Franzosen, Belgier, vor allem gegen die englischen Kanaillen."(Erneute stürmische Pfui- rufe bei den Sozialdemokraten.) Ist da? christlich, ist das religiös? (Zuruf rechts: Ja!— Abg. Dr. Liebknecht: Sie lächeln da nach?— Heiterkeit rechts. Abg. Ströbel: Sie würde Christus zum Tempel hinaustreiben I— Zurufe rechts: Geht nach England!) Wenn ein Kommandeur einer Truppe so spricht, wie dieser DivisionSpfarree, so kann man das vielleicht verstehen, aber von einem Geistlichen sollte man es doch nicht für möglich halten. Derartige Broschüren gehen mir von allen Fronten zu, empörte Leute schicken sie mir, die immer gute Christen waren und niemals etwas mit uns zu tun gehabt haben! Und diese Leute fragen, wie kann der Staat Geld dafür geben, daß in dieser Weise unser Glauben verletzt wird?(Hört! hört! b. d. Soz.) Der Pfarrer Fritz Haun erklärt in den Deutsch- „Evangelischen Monatsblättern" ausdrücklich, daß gerade die feinen Seelen den Krieg als innere Not empfin- den, weil sie ihn mit ihrem Glauben nicht in Uebereinstimmung bringen können, und er verlangt, daß Religion und Kirche sich dem Krieg anpassen sollen I Der Divisionspfarrer Schettler sagt übrigens auch, fürchterlich sei das Todesgeschrei der Russen in den Masurischen Sümpfen gewesen, was man immer abgestritten hat und das natürlich manchen zum Denken bringen muß und er schreibt sogar:„Auch im Feuerschein brennender Städte offenbart sich Gottes Majestät." Dagegen müßten die Frommen zuerst aufmucken. Unter solchen Umständen wird es mit der Rückkehr des Volkes zur Religion nichts sein. In der „Christlichen Welt" schreibt Professor Rade, daß es eine Heuchelei ist, die Lehre vom Reich Gottes damit zu verbinden, daß man den Krieg predigt. Da muß man an die Worte des Dichters Bodenstedt denken: ,... nur schweigt von eurem Christentum, gepredigt aus Kanonenschlünden." Tie von dem Abg. v. d. Osten besprochene rasch zurückgekehrte Frömmigkeit ist doch höchstens eine Kriegs- Psychose und wird sich nachher verflüchtigen wie Nebel vor der Sonne. Der Krieg hat den Boden gedüngt für den Abfall von der Kirche und dagegen helfen die an der Front verbreiteten Traktät- lein nicht. Und auch nicht, daß ein Pfarrer, der die preußische Unduldsamkeit am eigenen Leibe erfahren hat, wie der Abg. Traub, als Helfer in der Not hier auftritt. Das Volk in allen Ländern wird aus diesem Krieg die richtigen Lehren ziehen. Diese Haltung der Feldgeistlichen ist aber gewiß eine Folge der finanziellen Ab- hängigkeit der Kirche vom Staat. Im vorigen Jahr sprach hier ein konservativer Abgeordneter von dem großen Auditorium bei den Feldgottesdiensten; das ist kein Wunder, wenn die Soldaten unter Strafandrohung dazu kommandiert werden. Sogar das Zen- trumsblatt„Schlcsische Voltszcitung" stellt fest, daß das religiöse Bedürfnis im Heere im zweiten Kriegsjahr lange nicht in dem Maße vorhanden sei, wie daheim angenommen werde, die erhoffte und ersehnte Wiedergeburt seS deutschen Volkes sei ausgeblieben! Die Abgeordneten, die eben dabei sind, ungeheure neue Steuern dem Volke aufzulasten, müßten doch darauf dringen, daß die Kirche so patriotisch sei, wenigstens für die Kricgszeit auf die staatlichen Millionen zu verzichten oder ihr Vermögen der Ver- steuerung zu unterwerfen. Da brauchte ein ganz Teil weniger auf die Schultern des Voltes gelegt zu werden. Preußen leistet für die Kirche Zuschüsse, ungefähr in der gleichen Höhe wie für die Universitäten und höheren Lehranstal- ten zusammen.(Abg. v. Pappenheim wendet sich zu einem seiner Nachbarn.) Herr v. Pappenheim, meinen Sie mich?(Abg. v. Pappenhcim: Ich habe mich geschämt, daß auf der Tribüne solche Worte gebraucht werden.) Ich freue mich zu bemerken, daß Sie sich noch schämen können!(Lärm rechts.) Wenn ein Pfarrer in der„Christlichen Freiheit" schreibt, daß er jetzt abends zum Wein nur noch ein Stück trockenes Brot bestelle und der Kellner dazu den Kopf schüttele, dann sollte dieser Pfarrer noch eigentlich sagen: Unser täglich Brot gib uns heute und einen guten Tropfen dazu.(Tosende Pfuirufe rechts und im Zentrum. Präsident Graf Schwerin: Ich kann Derartiges nicht dulden uiti rufe Sie zur Ordnung!— D i e Rechte und das Zentrum verlassen zum größten Teil den Saal unter Rufen wie:„Unerhört!",„Ekelhaft!",„Gemein!", „Skandal!" usw.) Die Tomherren könnten in der Kriegszeit wirklich auf ihre hohen Bezüge verzichten, für die sie weniger leisten als manche AufsichtsrÜte von Aktiengesellschaften Und sie sollten darauf verzichten im Interesse der Witwen, der Waisen, der Krüppel und der durch diesen Krieg wirtschaftlich Ruinierten. Der Gehaltsstreit zwischen Rom und Wittenberg, der wieder bei der Verlassenschaft des Kardinals Kopp aufflammte, beweist, daß der Staat hier zugreifen sollte gegen die Privilegierten, die den Namen dessen im Munde führen, der nicht hatte, wohin er sein Haupt legen sollte. Hier beweiset Eure Liebe zu denen, die Gc- sundheit und gerade Glieder für Euch hingegeben haben!(Zurufe rechts und im Zentrum: Schamlos! Gegenruf von den Sozial- demokraten: Von Ihnen!) Ich wiederhole, was ich hier schon einmal sagte: Der Krieg ist ein Hohn auf Gott, auf das Christentum und auf alle menschliche Kulwr! Warum tritt das Zentrum, das hier bis auf einige Streik- Posten ausgewandert ist, denn nicht für die Friedcnsbe- strebungen des Pap st es ein?(Sehr wahr! bei den So- zialdemokraten.) Noch 1S12 forderte die„Germania" von allen Gläubigen unbedingten Gehorsam für den Papst.(Der Präsident erklärt, daß dies nicht zum Kultusetat gehöre, und ruft den Redner zur Sache.) Der Papsterlaß ist im Ausschuß beim Kultus- etat besprochen worden, ich toar allerdings zu dieser Zeit im Senioreukonvent beim Präsidenten.(Heiterkeit.) Früher oder später werden Sie doch sich den Bestrebungen de? Papstes an- schließen müssen, von denen Pater Banz schreibt, daß sie schließlich zum Lawinendonner anschwellen, den Bann brechen und den ungeheuren Leiden der Mensch- heit ein Ende bereiten werden. Wir sind diesmal in der glücklichen Lage, uns mit den Worten des Papstes einver- standen zu erklären. Arbeiten Sie für Menschenliebe, statt für Völkerhaß und Vernichtung, sonst werden Perzweiflung und Hunger die Völker in allen Ländern zwingen, da, wo kein Herr- nott hilft, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Das Christentum steht zu hoch, als daß ich es gegen den Vor- redner in Schutz zu nehmen hätte. Ich erhebe aber nachdrücklich Protest gegen die Behauptung, die heimkehrenden Krieger würden nach dem Wort:„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen", behandelt werden und dagegen, daß der Vorredner dabei noch einen billigen Scherz z« machen versucht Hai.'(Wider- spruch bei den Sozialdemokraten.) Uns ist es heiliger Ernst mit dem Dank des Vaterlandes an seine Krieger. Und dieser Dank wird ab- gestattet werden.(Lebhafte Zurufe der Sozialdemokraten: Wahl- recht!) Auch das Wahlrecht wird so geregelt werden, wie es den Interessen des deutschen Volkes entspricht.(Beifall rechts.) Die sozialdemokratischen Anträge bitte ich abzulehnen. Im übrigen gehe ich auf die über sonstige Etatsplaudereien hinaus weitschweifige Rede des Abg. Hofftnann nicht ein.(Lebhafter Beifall.) Es folgt die zweite Beratungsgruppe: Höhere Lehranstalten. Nach einer Rede des Abg. Oclze(k.) über den ncugeregelten Ge- schichtsunterricht vertagt das Haus die Weiterberatung auf Donnerstag 11 Uhr. Präsident Graf Schwerin erklärt noch: Wie ich höre, ist vielfach Anstoß genommen worden an den Worten des Abg. Hofftnann:„Der Krieg ist ein Hohn auf Gott, das Christentum und alle Kultur."(Abg. Dr. Liebknecht: Sehr richtig!) Ich habe wegen der theoretischen und allgemeinen Fassung dieser Worte einen formalen Ordnungsruf nicht für begründet ge- halten, bedaure aber, daß durch diese Worte wie überhaupt durch die Rede des Abg. Hoffmann so vielfach die Gefühle des Hauses verletzt worden sind. Schluß der Sitzung gegen 7 Uhr. fius öer Partei. Stellungnahme zur Fraktionshaltung. Der erweiterte Kreisvorstand des sozialdemokratischen Verein? Essen nahm in einer Anzahl Sitzungen Stellung zu den Tiste- renzen in der Partei. In der vorletzten Sitzung fand eine Reso- lution, die die Haltung der zwanzig Fraktionsmitglieder billigt. Annahme mit 21 gegen 6 Stimmen bei etwa 1ö Stimmentbaltungen. Weil diese Sitzung bei der Abstimmung nicht mehr vollzählig war und weil versäumt worden war, festzustellen, ob die fünfzehn, die sich der Stimme enthielten, für die erweiterte Minderheit von 44 gestimmt haben würden, wiederholte die levte Sitzung die Ab- stimmung noch einmal. Die Abstimmung ergab folgendes Resultat: für eine Resolution, die das Verhalten der Zwanzig billigt, wurden W, dagegen 6 abgegeben, Eine Resolution zugunsten der erweiterten Minderheit von 44 erhielt 23. dagegen waren neun Stimmen. Eine dritte Resolution, die im Fall der Be- willigung der Kriegskredite die bisherige Haltung der Fraktionsmehrheit billigt, wurde mit 88 gegen 3 Stimmen ab- gelehnt. Vorher war über ein von einem Verteidiger der FraktionS- mebrbeit beantragtes Amendement abgestimmt worden, nach dem die Genossen unbeschadet ihrer Haltung zur Frage der Kredit- bewilligung prinziviell die Pflicht der Landesverteidigung anerkennen: mit einem Zusatzantrag: wenn ein von Deutschland nickt provoziertcr Angriff aus seine wirtsckaftliche oder politücke Selbständigkeit vor- liege, wurde dies Amendement bei einigen Stimmenthaltungen ein- stimmig angenommen. Erläuternd sei zu diesen Beschlüssen bemerkt, daß gegen die ersten Krcdiibcwilligungen im Kreisvorstand keine Opposiiion laut wurde. Dies geschah erst seit dem Frühjahr ISIS. Wenn es ermöglicht werden kann, in einer Parteivcrsammlung eine völlig freie Aussprache herbeizuführen, soll dies geschehen, nach- dem Frauenversommlungen und Versammlungen zur Stenerfrage vorausgegangen sind._ Aus den Organisationen. Die Parteiorganisation des 6. Hannoverschen Reichs- tags Wahlkreises(Hemelingen. Achim, Verden) hielt am Sonn- tag in Bremen eine Kreisgeneralversammlnng ab. Es wurden zu« nächst Agitationsangelegenheiten erledigt. Hierbei wurde die Heraus- gäbe der„Bremischen Korrespondenz" verurteilt. Die Wahlkreis- geschäfte wurden für die Dauer de? Krieges dem OrtSvcrein Verden übertragen, da im bisherigen Vorort Hemelingen fast alle tätiaen Mitglieder der Organisation einaezogen worden sind. Die Kredit« bewilliaung durch die ReichStagSfraktion wurde eingehend besprochen, jedoch kein Beschluß gefaßt._ Genosse Geyer, der Reichstagsabgeordnete jür den 13. sächsischen Wahlkreis, ist nach einer Mitteilung unseres Leipziger ParteiblatteS von einem leichren Schlaganfall betroffen worden. Er muß sich des- halb in der nächsten Zeit auf ärztlichen Rat von allen Anstrengungen und Aufregungen fernhalten. Dr. Pape unter Totschlags- anklage. Die Beweisaufnahme wurde gestern geschlossen. Heute um 10 Uhr beginnen die Plädoyers. Als erster Zeuge wurde gestern der jetzige Geh. expedierende Sekretär im Auswärtigen Amt Karl Zabel der» nommen. der 7 Jahre in Bangkok bei der Gesandtschaft tätig war und in den Zivilprozessen, sowie in der jetzigen Untersuchungssache viele Protokolle geftihrt hat. Zur Charakteristik der beiden Brüder bekundete er auf Befragen des Vorsitzenden, daß der Apotheker rechthaberisch, prahlerisch und sehr von sich eingenommen war, und daher eine lächerliche Rolle gespielt habe. Durch die ewigen Strei- tigkeiten zwischen den beiden Brüdern hatten sich diese in der deutschen Kolonie, welche etwa 200 Köpfe umfaßte, sehr unbeliebt gemacht. Bei Austrag der Streitigkeiten vor dem Konsular- gericht habe sich der Angeklagte stets maßvoller und ruhiger gezeigt, als der Apotheker; letzterer halte sich nie in der Gewalt, er fuhr immer gleich in die Höhe und war sehr heftig. Der Angeklagte machte sich dadurch lästig, daß er das Konsulargericht immerfort beschäftigte, indem er' bei jeder Bagatelle fortgesetzt Anträge auf Erlaß einer einstweiligen Ver- fügung usw. stellte. Er war sehr quenglich und setzte die Behörde fortgesetzt so in Bewegung, daß die Beisitzer, die aus deutschen Kauf- leuten gebildet wurden, Groll gegen die Behörde faßten und sogar mit einer Beschwerde beim Reichskanzler drohten. Nach der Er- innerung des Zeugen hat der Angeklagte, als er nach der Tat sich auf dem Konsulat stellte, erklärt, er habe«in der Notwehr" gehandelt. Die Protokolle seien sehr gewissenhaft geführt worden und es sei durchaus anzunehmen, daß auch das Protokoll, in welchem von der„Notwehr" die Rede ist, die eigenen Worte des Angeklagten wiedergibt. Wenn der An- geklagte etwas davon gesagt hätte, daß der verhängnisvolle Schuß „aus Versehen" losgegangen sei, wie er jetzt behauvtet, so wäre dies bei der Wichtigkeit der Sache sicher im Protokoll auf- genommen worden. Die siamesischen Zeugen haben ihre Aussagen recht bestimmt gemacht; die Versuche, aufgetauchte Widersprüche mit den Behauptungen deS Angeklagten zu beseitigen und aufzuklären, waren ohne Erfolg, denn die siamesischen Zeugen blieben bei ihren Bekundungen. Die Siamesen seien wohl imstande, ob- jektiv zu beobachten, wenn es sich um einfachere Sachen handelt; bei komplizierteren Fällen besitzen sie aber wohl nicht die Fähigkeit, alles richtig aufzunehmen und zu beurteilen.— Staatsanwalt Herbst stellte aus einer früheren Vernehmung des Zeugen fest, daß dieser damals sich bestimmter dahin geäußert habe:„Ich besinne mich mit aller Bestimmtheit, daß der Angeklagte gesagt hat: die ersten beiden Schüsse waren Schreckschüsse, die absichtlich fehl- gehen sollten, aber der dritte sollte sitzen. Ich fragte mich innerlich erstaunt, wie der Angeklagte sich so schwer selbst be- lasten konnte, wenigstens war dies meine Auffassung." Der Zeuge konnte näheres jetzt nicht mehr darüber bekunden.— Auf Anregungen von derGeschworenenbank erklärte der Zeuge. daß er dem Siamesen im allgemeinen das Zeugnis eines friedsertigen Menschen gebe» müsse. Ihm selbst sei Böses dort nicht passiert, er sei auch nur bei Tage mit einem Redokder ans- gegangen, aber nachts freilich in seiner Wohnung habe er auch einen solchen bereit gehalten, denn nachts werde man sehr viel von Dieben heimgesucht, die mit ungeheurer Gewandtheit in die Häuser ein- dringen, die Türen erbrechen usw. Er selbst habe bei einer solchen Gelegenheit auch einmal schießen müssen. ES sei vor- gekommen, daß ein Schweizer, bei dem mehrfach eingebrochen wurde, von Dieben ermordet wurde; allerdings sei er un- vorsichtig gewesen, denn er sei den Dieben, mit dem Säbel in der Hand, in eine enge Gasse gefolgt und dort sei er durch Sticke in die Arme, die Brust und den Hals ermordet worden. Sonst sei die Unsicherheit auf den Straßen nicht besonders groß; eS komme hier und da vor, daß einem der Panamahut vom Kopfe ge- stöhlen wird— das sei ein sehr gesuchter Artikel. Von einem vor- handelten großen Rowdytum könne man nicht sprechen.—- Auf Ve- fragen erklärte der Zeuge weiter, daß der Angeklagte mehrmals das ganze Gericht abgelehnt, Anzeigen wegen Rechtsbruch ge- stellt, Beschwerden an das Auswärtige Amt gerichtet, sehr viele schriftliche Eingaben gemacht. Beschwerden über angeblich nicht richtige Abfassung von Prolokollen erhoben hat ui'w usw.— Ein Geschworener sprach wiederholt seine Verwunderung dar- über aus, daß der Angeklagte eine Pistole mitnimint, wenn er zu seinem Sozius in das Geschäftslokal geht. Hiergegen verwiesen der Angeklagte und sein Verteidiger daraui, daß nach dem Urteil, welches die Auslösung der Handels« gesellschafl verfügte, festgestellt wordeu ist, daß der Bruder wieder- holt Augriffe am den Angeklagien gemacht hatte, die dieser mit dem Kolben seiner Pistole abwehren mußte.— Zeuge Zobel bestätigte noch dem Angeklagten, daß dieser immer darauf Gewicht gelegt habe, daß er einen Zeugen mitnehmen könne, wenn er in das Ge- schüft gebe. Der Zeuge hat nicht wahrgenommen, daß der Angeklagte nach der Tat irgendwie erregt gewesen; er hat sich im Gegenteil über die kolossale Ruhe, die der Angeklagte auch noch bei der Besichtigung der Leicke gezeigt hatte, gewundert. Bei der Besichtigung des Geschäfts« lokals fand der Zeuge auf einem Tisch einen von dem Apotheker verfaßten vollendeten und einen noch in der Schreibmaschine liegenden Brief vor. Der erste war an das Konsulat gerichtet und enthielt den Antrag, den Dr. Pape wegen versuchte Totschlags in Haft zu nehmen. Der Antrag war mit den Vorgängen am 21. Ol- tober begründet. Der zweite, nicht vollendete Brief enthielt den Antrag, dem Dr. Pape das Recht als Liquidator zu entziehen und einen anderen Liquidator zu bestellen. Aehnlich sagt der Zeuge Jürgens aus, der bei der StaaiS- bahn in Siam tätig war. Der Landwehrmann H i c r o n y- m u s war im Papeschcn Geschäft als Optiker beschäftigt. Er hält dcn Angeklagten für einen ruhigeren Mann als den Verstorbenen. Die Schießsach verständigen sind der Ansicht, der tödliche Schuß müsse aus nächster Nähe abgegeben sein, mit der Richtung, die die Kugel genomincn, stimmten beide Darstellungen, die des Angeklagten wie die der Zeugen überei». llnwabrschcinlich, aber nicht unmöglich sei es, daß der Schutz au» Verschen losgegangen sei. Ein Geschworener verlangt von dem Angeklagten eine präzise Antwort auf die Frage: ob er nicht nach den Erfahrungen, die er am 21. Oktober mit dem Bruder gemacht, am 22. mit der Absicht in das Geschäft gegangen sei, nunmehr sich seines Bruders bei nochmaligem Angriff zu entledigen, es koste was es wolle. Der Angeklagte lehnte dies entschieden ab: er habe nie daran gedacht, seinem Bruder an das Leben zu gehen oder auch nur ihn zu verletzen.— Ein anderer Geschworener erklärte es für psychologisch ganz unverständlich, daß nach all den Vorgängen am Tage vorher der Angeklagte am nächsten Tage wieder mit dem Revolver in das Geschäftslokal geht; da komme man an der Absicht schwer vorbei. Der alsdann als Zeuge vernommene E x z. v o n B u ri ist Gc- fandtcr in Siam mit dem Wohnort in Bangkok. Er bekundet u. a.: Es kamen sehr unangemessene Eingaben von dem Angeklagten; er beschwerte sich über Rechtsbeugung, und der Zeuge hatte Veran- lassung genommen, ihm anzudrohen, daß er von der Liste der Rechts- anwälte gestrichen werden würde. Als dann der Angeklagte eine Strafanzeige wegen Diebstahls an einem ihm gehörigen ununter- schriebenen Vollmachtsexemplar erstattete, wurde er von der Liste der Rechtsanwälte gestrichen, da eine solche An- zeige wegen einer solchen lächerlichen Kleinigkeit mit den Pflichten und der Stellung eines Rechtsamoalts nicht vereinbar erschien. Was die Zuverlässigkeit der Siamesen bei ihren Aussagen vor Gericht betrifft, so ließ sich der Zeuge auf Befragen �dahin aus: Allgemein lasse sich diese Frage nicht beantworten. Es gebe viele hochgebildete Siamesen, die eine sehr scharfe Auffassungsgabe haben, und was die einfachen Leute betrifft, so habe er nicht die Ansicht, daß sie grundsätzlich unzuverlässig sind. Der Zeuge glaubt, wie er auf Befragen des Staatsanwalts angab, nicht, daß die siamesischen Zeugen oder die Polizisten absichtlich zugunsten deS Apothekers ausgesagt haben. Die medizinischen Gutachter bekunden: Zweifellos zeige Angeklagter eine psychopathische Veranlagung, eine Neigung zum Querulieren, zur Rechthaberei, zur Selbstüberhebung, die aber noch nicht eine wirkliche Geisteskrankheit schon darstellten. Der Au- geklagte sei ohne Zweifel ein abnormer Charakter, er nimmt allerlei Kleinigkeiten zum Anlaß, erhebliche, der Sachlage absolut nicht ent- sprechende Beschwerden und Eingaben zu machen! Er habe nicht das genügende Verständnis für die Rechte und die Interessen der anderen Partei. Dadurch sei er in seiner früheren Stellung unmöglich geworden, und dadurch seien auch die Zwistigkeiten mit dem Bruder mit veranlaßt worden, die schließlich zu der Katastrophe gc- führt haben. Es liegen also entschieden abnorme Charaktereigeu- schaften vor, die ihn zu einem derjenigen Leute machen, bei denen man in der Tat mit der Entwicklung zu einem Ouerulantenwahn- sinn immerhin rechnen kann; ein solcher liege aber jetzt nicht vor, auch fiel der Angeklagte zur Zeit der Tat nicht unter Z 51 St.G.B. Zur Zeit der Tat habe er in einem chronischen Affektzustand gelebt, so daß eine verminderte Zurechnungsfähigkeit vorlag. Bus Groß-Serlin. Schluß öer Metallablieferung. Eine gestern bekanntgegebene Verordnung des Ober- kommandos vom 15. März 1910 über die Einziehung der be- schlagnahmten Kupfer-, Messing- und Nickel- gegenstände betont nochmals in Uebereinstimmung init der Bekanntmachung vom 8. Dezember 1915, daß die der Enteignung unterliegenden Gegenstände unbedingt an dem von der Gemeindebehörde festgesetzten Termin ab- zuliefern sind. Der Magistratskonimissar für Militärangelcgenheiten ist demnach nicht berechtigt, eine weitere Frist für die Ab- lieserung der der Enteignung unterliegenden Gegenstände zu gewähren und zwar selbst dann nicht, wenn es sich um an- geblich unentbehrliche Sachen handelt. Auch Asche- und Rusitüren müssen also nunmehr, soweit die Besitzer eine Enteignungsanordnung bereits erhalten hatten, bei der darin bezeichneten Sammelstelle schleunigst zur Ablieferung gebracht werden. Für die in Herden eingebauten Warmwasserbehälter, -blasen,-schiffe,-schlangen,-bereiter und Druckkessel sowie für R e i n n i ck c I einsähe von Kocheinrichtungen, wie Kessel, Deckelschalen, Jnnentöpfe nebst Deckeln an Kipptöpfen, Kar- toffrl-, Fisch- und Fleischeinsätze nebst Reinnickclarmaturen und für eingebaute Kessel aller Art und Wasch kessel, so- weit diese Kessel nachweislich zur Herstellung mensch- licher oder tierischer Nahrung dienen, ist der Magistrats- kommisiar für MMiärangelegenheitcn berechtigt, auf Antrag weitere Stundung zu gewähren. Weiter ist besonders zu beachten, dag die Ergänzungs- Verordnung eine neue Meldung für die N i ck e l- E i n s a tz- Kessel usw.(Z 2 Klasse B, Ziffer 2 der Verordnung) vorschreibt. Die Meldung ist auf Vordrucken, die im Militär- bnrcau des Magistrats(Metallabteilung), 0. 2, Stadthaus, Klosterstraße, Zimmer 39/40, in der Zeit von 9— 12 Uhr vormittags erhältlich sind, bis zum 1. Mai d. I. zur Vermeidung strafrechtlicher Verfolgung zu melden, soweit sie noch nicht ab- geliefert sind. Der Ersatz hierfür muß bis zum 1. April d. I. bestellt sein._ Ter Berliner Etat im Ausschutz. Zum ersten Male begannen am Dienstagabend im Berliner Rathause die �Etatsberatungen im Ausschuß und nicht wie sonst im Plenum der istadtverordnelenversammlung. Der Stadtverordneten- Vorsteher Michelet halte die Mitglieder des Ausschusses und die MagislratSde�crnenten eingeladen, in der Absicht, die kurze Zeit bis Ende dieses Monats zu benutzen, damit der umfangreiche Stadt- Haushaltsplan rechtzeitig unter Dach und Fach kommt. Der Stadt- kämmerer Büß war mir zahlreichen Stadträten erschienen. Einschränkung dcS Kaffeeverkaufs. Amtlich. Berlin, den 15. März 1910.(W. T. D.) Bekanntmachung! Auf Grund des Z 4 des Gesetzes über den Belagerungs- zustand und der ZZ 12, 17 der Bundesratsverordnungen über die Errichtung von Preisprüfungsstellen und die Versorgungs- regclung vom 25. September und 4. November 1915(R.-Ges.- Blatt S. 607, 628) bestimme ich hiermit für das Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg: 1. Rohkaffee darf im Kleinhandel nicht mehr der- kauft werden. 2. Von gebranntem l�affee darf im Kleinhandel n i ch t m e h r a I S ein h a l b e s P f u n d auf einmal an einen Käufer verkauft werden. Dies gilt auch für das Versandgefchäft an den Ver- braucher am Ort, für Groß-Bcrlin für das Versand. geschäst innerhalb des von der Post für den Nachbar- ortsverkehr von Bertin zugelassenen Gebietes: ausge- nommen bleibt der Versand an Betriebe zur Beher- bergung oder Bewirtung von Personen. 3. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft. ! Diese Verordnung tritt sofort in Kraft. Der Oberbefehlshaber in den Marken. von Kessel, Generaloberst. Aufhebung der Höchstpreise für ausländisches Gemüse. Der Magistrat hat eine Bekanntmachung erlassen, nach der die für die Abgabe im Kleinhandel bei ausländischem Weiß». Rot«, Wirsing- und Grünkohl bisher geltenden Höchstpreise zur Aushebung gelangen._ Immer neue Brotkartcndiebstählc. Brotkartendiebe haben in der Nacht zu gestern wieder einen Einbruch verübt. Auf dem Grundstück MarkuSstraße 4S ist in Räumen der Taubstummen- und Gemcindeschule die 63. städtische Brotkommission untergebracht. Das Eisentor, daS unmittelbar von der Straße auf den Schulhof führt, ist Tag und Nacht nicht ver- schlössen. Es wäre aber auch ein leichtes, über den niedrigen Zaun zu steigen. An der Eiugangstür zum Schulgebäude hatte der Ver- waller dcS Grundstücks erst in den letzten Tagen, nachdem er von den Brotkaricndiebstählen gelesen, noch ein besonderes Sicherheitsschloß anbringen lassen. Einbrecher jedoch, die das gewöhnliche Schloß mit einem Dietrich öffneten, drückten die Tür mit solcher Gewalt ein, daß das SicherheitS schloß nicht standhielt. In einem Raum der Brotkarten- kommission erbrachen sie einen Schrank und räumten ihn fast ganz aus. Sie erbeuteten 100 Hauptkarlen und 300 Zusatzkarten der 68. Woche Nummer 61 890—82 000, 800 Tageskarten der 82. Woche, 400 Tageskarten der 83. Woche, 300 Tageskarten der 64. Woche, gelbe Zettel, auf denen MehlhSndler ihren Bedarf verzeichnen, einen goldenen Kneifer eines Beamten der Brotkommission, Blei« und Blau- stifte, eine Kiste Radierguinmi, ein Paket Stearinlichte und für 1 M. kleines Geld. Die Brotkarten für die nächstfolgende Woche ließen sie liegen. 100 000 Karten, die einen Tag vorher angekommen waren, hatte man vorsichtshalber in einem anderen Räume unter- gebracht. Regelung der Kartoffelzuteilung für die AZirtfchafts« betriebe. Der Maginrat Berlin fordert alle diejenigen, welche in Berlin ein Hotel sGasrhof oder Fremdenlogis), em Hotel garni oder Pen- sionat, eine Gast- oder Schankwirtschost, eine Speiseanstalt oder einen PrivaimutagStisch, betreiben, auf, den Bedarf, den sie an Kartoffeln in ihrem Gewerbebetriebe sür die Zeit vom 20. bi» LI. März 1913 haben, und zwar berechnet nach dem im Geschäftsbetriebe durchschnittlich in zwölf Tagen üblichen Umsatz, bei dem Obmann der für den Stadtbezirk ihrer gewerblichen Niederlassung zuständigen Kommission und zwar spätestens bis zum 17. März anzumelden. Bei der Anmeldung des Bedarfs ist zugleich anzugeben, was von dem am 24. Februar 1916 angemeldeten Be- stände jetzt noch vorhanden ist. Ter Bedarf ist sorgfältig zu be- rechnen und wird von Sachverständigen nachgeprüft werden. Zu- schtäge sind unzulässig. Pünktliche Anmeldung ist die Voraussetzung für eme rechtzeitige Versorgung mit Kartoffeln sür die angegebene Zeit. Das Nähere ergeben die Bekanntmachungen an den öffent- tichcn Anschlagsäulen._ Ztziir das Jugendheim des 6. Wahlkreises. Nach der guten Aufnahme und dementsprechenden guten Besuch der voni 6. Wahlkreis im Januar veranstalteten Licht- bildervorträge ist der Wunsch laut geworden, auch Unter- Haltungsabende zur Pflege der Geselligkeit zu arrangieren. Der 6.' Wahlkreis konnnt diesem Verlangen gern nach, um so mehr, da gleichzeitig mit den Veranstaltungen auch ein guter Zweck verbunden ist. denn der Ueberschuß soll zum Besten des Arbeiter-Jugendheims verivandt werden. Unter Mitwirkung namhafter Kräfte finden folgende UnterhaltungSabende(bestehend in Konzert, Gesangsvorträgen und Rezitation) an nachstehenden Tagen statt: Am Sonntag, den 19. März, in der Brauerei Patzen- h o f c r, Turmslr. 25/26. Am Sonntag, den 26. März, in den Pharussälen, Müllerstr. 142. Desgleichen am Sonntag, den 26. März, in der B ö tz o w- Braerei, Prenzlauer Allee 242—247. Anfang 7 Uhr, Eintrittskarte 30 Pf. Billetts sind nur bei den Kassierern, Bezirksführern und Zahlstcllcninhabern zu haben. Ein Kassenverkauf findet nicht statt. Ein geisteskranker KricgSschwindler, der schon Monate hindurch eine große Anzahl Kriegerfrauen in verschiedenen Großstädten auf das empfindlichste geschädigt und namentlich in Groß-Berlin sein Unwesen getrieben hat, ist von der Schöueberger Krunmalpolizei in Wilmersdorf verhaftet worden. ES handelt sich dabei um den 30jährigen Unteroffizier Anton Bruckhuisen, der als Mitkämpfer von im Felde stehenden Kameraden von deren Frauen große Summen erbeutet bat. Er sllhrie sich bei den letzteren, deren Adressen er sich von ihren Männern, Verwundeten in deutschen Lazaretten, und auch auf der Straße hatte gebe» lassen, damit ein, daß er im Auftrage der betreffenden Ehemänner erschien und die Gattinnen bat, 100 bis 200 M. für einen Pelz oder 60 bis 100 M. für einen wasserdichten Anzug zu geben. Der Mann brauche diese Kleidungsstücke im Felde und habe ihn beauftragt, die Sachen zu kaufen und nach seiner Rückkehr an ihn abzuliefern. Da B. sich als Feldwebel, also als Vorgesetzter, ausgab und sogar stets den Namen des Hauptmanns und der übrigen Offiziere der Kompagnie kannte, so wurde ihm fast überall der Betrag ausgehändigt. In einem Falle verschleppte er sogar eine Kriegerfrau nach Leipzig, nachdem er ihr 200 M. abgeschwindelt hatte, um ihr eine Zusammen- kunft mit ihrem aus der Durchreise nach dem Osten befindlichen Manne zu verschaffen. Trotz aller Bemühungen der Kriminalpolizei gelang es nicht, B. zu fassen. Am gestrigen Morgen jedoch erschien der„Feldwebel" bei einer Schlächterfrau im Friedenauer Ortsteil, bei der er außer einer Summe von 100 M. eine Anzahl Würste und Schinken erhielt. Er erzählte der Frau, daß ihr Mann sein bester Freund geworden sei und daß er tief im Osten im Schützengraben läge. Um so erstaunter war die Frau, als kurz, nachdem sich der Feldwebel empfohlen, der Gatte in Person erschien, der auf Urlaub aus dem Felde gekommen war und nun erfahren mußte, daß seine Frau eben 100 M. an einen Schwindler los geworden sei. Während der em- pörte Schlächtermeister zur Polizei eilte, wurde der Urheber seines Aergers auf andere Art und Weise dingfest gemacht. Bei einer Ge- schäslsfrau in Wilmersdorf, deren Mann im Felde ist. erschien B. gleichfalls und bat um einen wasserdichten Anzug für den Mann oder um den Betrag dafür. Dies fiel der Frau, welche eine Zeitungsnotiz über den Schwindler gelesen, auf, und sie sah sofort, daß sie hier den gesuchten Schwindler vor sich habe. Sie bat den Herrn Feldwebel, ein wenig zu warten, da sie das Geld nicht im Hause habe und erst zur Bank schicken müsse. Statt deffen benachrichtigte sie die Schöneberger Kriminal- Polizei, deren Beamte bald darauf eintrafen und B. dingfest machten. Kaltblütig zeigte B. den Beamten de» sogenannten„Jagdschein", ein Attest einer Irrenanstalt, wonach er geistig unzurechnungsfähig, aber nicht gemeingefährlich sei. B., der in der Tat als Unteroffizier den Feldzug mitgemacht, ist aus einer rheinischen Irrenanstalt ent- sprungen. Er wohnte zuletzt in einer Pension in der Nähe de? Nollcndorfplatzes, wo er gestern noch 800 Mark vorzeigen konnte, von welchem Betrage er bei seiner Verhaftung nur noch 2 Mark bei sich hatte. Geschädigte können sich im Schöne'berger Polizeipräsidium melden. Konzert des Bezirksbildungsausschuffes Grotz-Bcrlin. Sonnabend, den 18. März, abends 81U Uhr, findet das dritte Winterkonzert des Bezirksbildungsausschuffes für Groß-Berlin in der Festhalle des Berliner Stadthauses statt. An dieser für die Berliner Arbeiterschaft bestimmten künstlerischen Veranstaltung ivcrdcn mitwirken: Herr Alfred Wittenberg(Violine), Herr Sidney B i d c n(Gesang), Herr Wilhelm Scholz(Klavier) und der Berliner Sängerchor unter Leitung des Dirigenten Herrn Franz B o t h c. Der Preis der Einlaßkarte beträgt 30 Pfennig. Da eine Abendkasse nicht stattfindet, müssen die Karten im Vor- verkauf erworben werden. * Die Billettvcrkaufsstellen befinden sich: a) Berlin: Restaurant Paersch, NW., Oldenburger Str. 10. Restaurant Schade, N., Cöslincr Str. 9. Restaurant Bähr, N., Badstr. 44. Restaurant Dobrohlaw, N., Swinemünder Str. 11. Restaurant DahmS, N., Schlegelstr. 9. ,VorwärtS"-Spedition Mars, Greifen- Hagener Str. 22. Restaurant Rochhaus, Schliemannstr. 39.„Vor- wärtS"-Spedition Zucht, Jmmanuelkirchsir. 12. Zigarrcngeichäst Weise, Georgenkirchstr. 81.„Vorwärts"-Spcdition Hanisch, Acker- straße 174. Restaurant Stein, An der Stralauer Brücke 3. Nestau- rant Reguhl, Bischofstr. 12. Restaurant Weihnacht, Grünstr. 21. Wahlvercinöbureau 4. KreiS, Stralauer Platz 10/11. Zigarrengeschäft Dietrich, Romintener Str. 43. Zigarrengeschäft Peters. Wilhelm- Stolze- Str. 8. Restaurant Mix. Slalitzer Str. 59o, Zigarrengeschäft Harsch, Engclufer 16. Restaurant Felsmann. Oranienstr. 180. Zigarrengeschäft Baier, Schönleinstr. 23 Zigarrengeschäft Lazarus, Steinmetzstr. 80. Zigarrengeschäft Schröder, Hagelberger Str. 63. b) In den Vororten: Steglitz-Friedenau: Fritz Hellmann, Steglitz, Schild- hornstr. 86. Scbönederg:„Vorwärts"- Spedition Bäumler, Martin- Luther» Str. 89. Charlottenburg: Hildebrand, Wallstr. 28(Konsumgeschäst). Neukölln: Bureau des Wahl- Vereins, Neckarstr. 3. Treptow- Baumschulen weg: Restaurant Scholz, Treptow, Graotzstr, 49. Lichtenberg: Bureau des Kreiswahlvereins, Neue Bahnhofstr. 31. Ober- schöneweide: W. Badelt. Edisonslr. 60(Konsumgeschäst). Pankow: W. Graßmann, Krcuzstr. 14. Weisensee:„Vor- wärts"-Spedition Roßkopf, Berliner Allee 11. Reinickendorf: „VorwäclS"-SpediIion Gurfch, Provinzstr. 66. Wilmersdorf: Koniumgeschäfl, Wilhelmsaue 25. Tempelhof: Konsumgeschäft. Dorfstr. 21/22. Bohnsdorf: Otto Oppenborn, Paradiesstr. 7. Ein Veteran. Ein Heil dem alten Genossen P lasse, der heute auf 70 Jahre zurückschaut. Genosse Plaste ist seit 1884 politisch und gewcrlschaft- lich organisiert und tätig. Während des Sozialistengesetzes war er Kreisvertrauensmann im Niederbarnimer Kreise. Am 14. Dezember 1884 war Genoffe Ewald, der damalige Vertrauensmann des Kreises, von der Polizei auf Grund des Sozialistengesetzes mit seiner Familie ausgewiesen. Schwierig war's, in dem weit aus- gedehnten Kreise eine Geheimorganisanon aufrecht zu erhalten. Es gelang über Erwarten. Nach dem Genossen Lange wurde im Jahre 1887 unser Plaste Kreisvertrauensmann und blieb es bis Ende 1890. Unter seiner ebenso vorsichtigen wie energischen Leitung gelang es, die Organisation zu einer wuchtigen Waffe zu gestalten. Die Sozialdemokratie stand bei der Wahl 1887 im Kreise Niederbarnim an dritter Stelle mit 6680 Wählern. Am 20. Februar 1890 rückte sie mit 13 362 Stimmen an die erste Stelle und errang den Sieg in der Stichwahl am 1. März mit 15 026 Stimmen. Die verhältnismäßig kleine, aber unendlich rührige Schar von Genossen hatte das zuwege gebracht, die opferwillig bis zum äußersten unter Plaste als Obmann die recht schwierige und gefahr» volle Organisation und Agitation trotz schlechtester Verkehrsmittel zum Sieg führle. Genosse Plaste verzog im Jahre 1390 aus dem Kreise, blieb aber stets auf gewerkschaftlickem und politischem Ge- biete rührig. Möge dem alten Kämpfer beschieden sein, noch lange für die sozialdemokratischen Grundsätze zum Heile der Arbeiterklasse zu wirken._ Ein tödlicher Unfall ereignete sich leider beim Vau des West« bafenS. Der 29 Jahre alte Arbeiter Otto Matur aus der Lehrter Straße 9, der dort beschäftigt war, versuchte kurz vor einer heran- rollenden Lore noch über das Gleis hinwegzukommen. Die Lore faßle ihn aber noch am Oberarm und traf ihn so heftig, daß er hinfiel. Der Unglückliche fiel mit dem Gesicht gerade auf eine Scdiene. Das Vorderrad ging zwar nicht über ihn hinweg, sondern schob ihn einige Meter vorwärts. Dann blieb die Lore stehen. Matur war aber an der Stirn und am Hinterkopse so schwer ver- letzt, daß er nach kurzer Zeit verschied. Ei» Menschenleben für ein Hundeleben! Bei der Rettung ihres Hundes tödlich verunglückt ist die 39jährige Ehefrau des Kaufmanns Goldweid aus der Kanlftr. 44/43 in Charlottenburg. Als Frau G. mit ihren beiden Hunden spazieren ging, sprang eines der Tiere ein aus entgegengesetzter Richtung kommendes Auto an. In der Meinung, der Hund würde über- fahren ivcrdcn, lief Frau G. ebenfalls auf die Straße und versuchte, das Tier aufzuheben. Während sie sich bückte, stieß sie gegen den Kraftwagen, wurde umgestoßen und überfahren. Frau G. erlitt so schwere Verletzungen, daß sie bereits auf dem Transport zur nächsten Unfallstation starb. Die Leiche wurde polizeilich beschlag« nahmt. Wer ist der Kranke? Aussehen erregte gestern morgen in der Beusselstraße ein unbekannter Mann, der dort, nur mir dem Hemde bekleidet, ohne Ziel umherging. Man erkannte bald, daß man es mit einem Geisteskranken zu mir halte, und ein Schutzmann brachte den Unglücklichen nach dem Virchow-Krankenhause. Wer er ist, ließ sich noch nicht feststellen. Er ist nngesähr 2b— SO Jahre all und mittelgroß, hat große dunkelblaue Augen, ein längliches Gesicht und einen blonden kurzgeschnittenen Schurrbart. Ertrug ein rotgcstreiftcs Hemd. Bierzehn Tage als Leiche im Zimmer gelegen hat der 47iährige Schrifrsteller Wilhelm Wawroncck, der aus Gram über den Verlust seiner Gattin Anfang dieses Rlonats sich das Leben genommen hatte. W. bewohnte mit seiner Frau eine Wohnung in der Neuen Wuiler- feldtstraße 2 und lebte rix glücklichster Ehe. Die Frau war Ansang dieses Jahres gestorben und seit dieser Zeit war W.. der sonst ein lebenslustiger Mann war, in tiefe Melancholie verfallen. E i fiel den Hausbewohnern auf, daß der Schriftsteller schon seit vierzehn Tagen die Wohnung nicht mehr verlassen halte und man benach- richligte am gestrigen Tage den Hanswirt, der die Wohnung durch Polizeibcamte öffnen ließ. Hier fand man W. auf einem in die Küche gerollten Ruhebette nahe dem Gasherd tot liegen, den Gummi- schlauch zum GaShahn noch im Munde hallend. Die Leiche des W. wurde nach der Halle in der Eylhsiraße geschafft. Im Konkurs der Weisteiisccr Bank haben sich die Aussichten der Gläubiger durch den günstigen Ausfall mehrerer Prozesse curms gebessert. Der Konkursverwalter hatte gegen eine Anzahl Banken und Einzelpersonen, die kurz vor Ausbruch des Konkurse? der Weißenscer Bank Geld erhoben hatten, Klage erhoben. DaS Land- gcricht hatte der Klage stattgegeben und diese Entscheidung, gegen die Berufung eingelegt worden mar. ist jetzt vom Kammergericht bestätigt worden. Danach haben z. B. Berliner Banken Beträge bis zu 60 000 Mark ziirückzuzahlen. Die Verurteilten stehen nun mit dem Konkursverwalter>n Vergleichsverhandlnngen. Infolge des günstigen Ausganges des Prozesses dürften die Gläubiger stall 3 Prozent etwa 10 Prozent ihrer Einlagen erhalten. Gcsulldcnc Leiche. Am 6. März wurde in Stahnsdorf au? dem Teltowkanal eine unbekannte weibliche Leiche im Alter von 30 bis 36 Jahren gelandet. Die Gefundene war zirka 1,75 Meter groß. von mittlerer Slatur und hatte starkes, blondes Haar mit langem starken Zopf. Bekleidet war sie mit grauem Jackcti mit Hornknöpsen, schwarzen, fast neuen Schnürstiefeln mit Lackspitzen, schwarzen Strümpfen, braunen Handschuhen, weißem Hemd mit Spitzeneinsatz, langem Reformkorsett, schwarzer Blule mit grünen Streifen und dilo Samteinsatz sowie grünen, dicht zusammenstehenden Knöpfen. Der Rock ist von demselben Sroff wie die Bluse. Die Tote hat acht bis zehn Wochen im Wasser gelegen, das Gesicht ist unkenntlich.— Mitteilungen über die Persönlichkeit der To'.cn nimmt jedes Polizeirevier entgegen. Straßensperrung. Das Halles che Ufer wird östlich der Möckernbrücke auf eine Strecke von ungefähr 100 Meter sür den Fahr- verkehr während 14 Tage wegen Pslasterarbeitcn gesperrt. #110 den Gemeinden. Der Haushaltsplan der Stadt Neukölln. Der den Stadtverordneten unterbreitete neue Haushaltsplan für 1918 schließt in Einnahme und Ausgabe mit je 41 637 510 M. und das Extraordinarium mit 2 688 476 M. ab. Bon den Kapiteln welche Zuschüsse erfordern, heben wir hervor: die Kämmerei- Verwaltung mit 6 638 900 M„ Armenpflege 708 000 M., Krankenpflege 731 800 M., öffentliche Straßen und Plätze 1 149 100 M., Volksschule 2 839 390 M., KanalisationSverwaltung 237 400 Bä und Kapital- und Schuldenverwallung 1 423 600 M. Die Steuern sollen einen Reinertrag von 7 226 700 M, bringen. Die gevlante Er- höhung der Gemeinde-Einkomincnstcucr von 126 ans ILO Prozent ist bereils in der obigen Summe berücksichtigt. Das Kapitel: Ge- werbliche Unternehmungen soll der Stadt einen Ueberschuß von 3 803 200 M. bringen, darunter der Ueberschuß vom Gaswerk mit 2 817 400 M. und der des Elektrizitätswerkes mit 899 300 Ai. In den Ueberschuß des Gaswerkes ist bereits die E r h ö h u n g des Gaspreises von 13 aus 13 Pfennige eingerechner. Wie ungerechtfertigt diese insgesamt 831000 M. betragende Erhöhung ist, geht daraus hervor, daß ohne dieie Erhöhung das Gaswerk im neuen Jahre einen um 669 800 M. höhere» Gewinn erzielen soll, als im vorhergegangenen. Von den im Extraordinarium vorgesehenen einmaligen Ausgaben sind bemerkenswert: 2 Millionen Mark für Grunderwerb und Baukosten sür das zu errichtende katholische Privatkrankenhaus. Regelung der Milchversorgung in Neukölln. Die bisher bestehende Regclung der Milchversorgung soll eine weitere Ausdehnung erfahren. Bisher bestand mit der Firma Meierei I. Schmidt Söhne ein Abkommen, nach dem diese verpflichtet war, denjenigen Personen, die im Besitze einer von dem Magistrat ausgestellten Milchkarte waren, Milch nach Maßgabe dieser Milch- karte zu verabfolgen. Mit Rücksicht auf die außerordentlich vermehrten Anrräge auf Ausstellung von Milchkarten ist es jetzt nicht mehr möglich, Milchkartcn allein auf den Namen dieser Firma auszustellen. Um nunmehr die für die Kinder, stillenden Frauen und Kranken erforderliche Milch sicherzustellen, ist es jetzt nötig geworden, alle vorhandenen Milckgeschäfte imd Molkereien. soweit sie ihren Geschäftsbetrieb in Neukölln haben, durch Ver- ordmmg zu verpflichten, die Inhaber der vom Magistrar ausgestellten Milchkarten vor allen übrigen Abnehmcrii zu berücksichtigen. Der Inhaber eines Betriebes, in dem Milch ini Kleinhandel gewerbsmäßig abgegeben wird, ist verpflichtet, so viel An- Meldungen auf Milchliefeuingcn an Milchlaneninbaber entgegen zu nehme», als ihm Milch hierzu tatsächlich zur Verfügung steht. Cr muß die Milchkarten in Haber vor allen seinen sonstigen Abnehmern berück sichtigen, und zwar auch vor solchen, denen gegenüber er sich zu MilchUefeumgen vertraglich verpflichtet hat, es sei denn, daß diese auch Mrlchkarlciiinhaber sind. Die Milchkartcn werden durch die Brolkommissionen ausgegeben, und zwar zunächst nur für den laufenden Monat. Wer die für ihn er- forderliche Milch im freien Handel nicht mehr erhalten kann, hat bei derjenigen Broikommission, in deren Bezirk er wohnt, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Für.diesen Antrag sind die zu Z 2 der Verordnung erlassenen Ausführungsbesiim- mungen genau zu beachten, da ohne Vorlegung der dort genannten Urkunden Milchkarlen nicht ausgehändigt werden können. Der Anirag auf Zllteilnng einer Milchkarte kann von dem Be- rcchligten selbst und bei Kindern von dem gesetzlichen Bcrtrclcr, der Mnller oder demjenigen, der sie verpflegt, gestellt werden. Für Kranke kann der Anirag ebenfalls von denjenigen gestellt werden, die sie verpflegen. Wer von den Milchkarlenberechtigen seine Milch noch im freien Handel laufen kann, braucht somit vorläufig einen Anrrag auf Zuteilung einer Milchkarte nicht zu stellen. Die Milch- kartenausgabe in den einzelnen Brotkorn- Missionen beginnt am Freitag, den 17. M ä r z d. J, und zwar stets nur während der NachmittagZ-Geschäftsstunden von 3—7 Uhr._ Abgabe von Saatkartoffeln in Schöneberg. Der Schöncberger Magistrat beabsichtigt, zur Förderung des tiartosfclanbaues Saalkartoffeln zum Selbstkostenpreis an die Bürger abzugeben. Anträge sind bis zum 20. März an die Lebensmittel- stelle im Schvncberger Rathaus zu richten. Der Antrag muß Menge und Sorte der gewünschten Saalkartoffel und Lage und Größe des Kartoffelackers angeben. Erhöbung der Krankenhauskosten in Weihensce. Das Kuratorium des Auguste-Biktoria-Krankenhauses sah sich veranlaßt, der Gemeindevertretung folgende Erhöhung der Tarifsätze vorzuschlagen: In der dritten Klasse für Einbeimische von 3 M. auf S.öO M., für Auswärtige von 3,ö0 M. auf 4,5k) M., in der zweiten Klane für Einheimische von 6 aus 7 M.. für Auswärtige von 7 auf 9 M., in der ersten Klasse für Einheimische von 9 auf 10 M., für Auswärtige von 10 auf 12 M. Die Gemeindevertretung hat den Vorschlägen zugestimmt._ Gemcindcwahlergebniffe. Friedrichshagen. Bei der am Sonntag ftattgefundenen Wahl der 3. Klasse wurde unser bisheriger Vertreter, Genosse Otto Barth, mit 170 Stimmen wiedergewählt. Gegnerische Kandidaten lvaren nicht ausgestellt. Die 2. Klasse wählte am Montag und die 1. Klasse am Dienstag. Während in der 3. Klasse der Burgfrieden zur Geltung kam, merkte man in den beiden anderen Klassen nichts davon. In der 2. Klasse wurde Herr Architekt Lehmann mit 230 Stimmen wiedergewählt und an Stelle des Herrn Direktors Harcke Herr Rentier Reinhold Lerche mit 172 Stimmen neugewähll. Ein dritter Kandidat, Herr Rechnungsrat Knappik, erhielt 75 St. Hermsdorf b. Berlin. Bei der kürzlich stattgefundenen Ge- meindewahl wurden die Genossen Bruno Hagen kAngesessener) und Rudolf Prießmeier mit je 105 Stimmen neu- resp. wiedergewählt. Der Geg enkandidat erhielt 8 Stimmen. Glienicke a. d. N o r d b a h n. In Glienicke wurde der Gen. Karl Pcthke sAngeseffener) mit 24 Stimmen gewählt. Durch diesen Mandatszuwachs ist nunmehr die 3. Abteilung ganz aus Vertretern der Sozialdemokratie zusammengesetzt. Johannisthal. Bei der stattgefundencn Ersatzwahl zur Ge- meindcvcrtretung tourden in der dritten Klasse die Genossen Radumke und Pirsich mit 151 bezw. 149 Stimmen iviedergewählt. Gegnerische Kandidaten waren nicht aufgestellt.— Die am Montag und Diens- lag vollzogenen Ersatzwahlen zur zweiten mid ersten Wählerklasse hatten folgendes Ergebnis: in der zweiten Klasse Herr Landwirt Wilhelm Mette und Herr v. Trütschler; in der ersten Klasse Ober- meistcr Laugwitz._ Gemcindevertrcterwahlcn. Marienfelde. Die diesjährigen Gemeindcwablen finden am Sonntag, den 19. März, im Lokal des Gastwirts Manntz, Berliner Straße 54, statt. Die dritte Klasse wählt von vormittags 10—1 Uhr. Es sind drei Vertreter zu wählen. Die bürgerlichen Vereine haben sich bereit erNärt, der Arbeiterschaft ein Mandat zu überlassen. Als Kandidaten find aufgestellt: vom Bürgerverein Wilhelm Manntz, vom Wahlverein F. Greulich und von, Ortsverein Lewerenz. Die Wähler sollen aufgefordert werden, die Namen in vorstehender Reihen- jolge zu nennen. Buchholz. Freitag, den 17. März, nachmittags von 4 bis 5 Uhr, sinder für den zweiten Bezirk der dritten Abteilung die Ergänzungswahl zum Gemeinderat statt. Das Wahllokal befindet sich Hauptstr. 21 bei Kindt kSchiitzenhauS). Kandidat ist Genosse Hermann Sooft, Metallarbeiter. Da nicht � bekannt ist, wie sich die Bürgerlichen zu der Wahl stellen, so ist eifrige Propaganda, vor allem pünktliches Erscheinen am Tage der Wahl notwendig. Stralau. Freitag, den 17. März, von 4— 7'/z Uhr, findet im Lindenpark, Alt-Stralau 18, die Gemeindevertretcrwahl für die dritte Klasse statt. Unsere Parteifreunde werden gebeten, eine eifrige Propaganda zu entfalten für die Wahl unseres bisherigen Vertreters, Genoffen Ferd. Aschendorf, Markgrafendamm 3. Tie Genossen und Genossinnen treffen sich Donnerstag, abends T'/s Uhr, bei Schulz, Markgrafendamm 6. Soziales. Ein Siibcl und ein verlorener Kunde. Diese beiden Diirgc sind es, tvegeu denen die Berliner ZSact,. und Schliesigesellschaft sich ineigertc, einem bei ihr bc- schästigt gewesenen Wächter den Lohn zu zahlen, den er für vier Tage zu fordern hatte. Tcr Wächter hatte— seiner Angade zufolge wegen Krankheit— die Stellung obne Kündigung, aufgegeben. Er klagte auf Aus- zahlung seiner Lohnforderung beim Gewevbegericht. Nun machte der Vertreter der Beklagten geltend, der Kläger habe den ihm für den Dienstgebrauch übergebeneu Säbel nebst Koppel nicht abge- liefert und außerdem der Wach- und Schließgesellfchaft dadurch er- Keblichen Schoden verursacht, daß die Fivma Spindler, in deren Betriebsanlagen in Spindlersfeld der Kläger feinen Drenst zu ver- sehen hatte, infolge des plötzlichen Wegbleibens des Klägers den Vertrag mit der Wach- und Schließgefellfchaft gekündigt habe. Die Beklagte habe also durch die Schuld des Klägers einen Kunden ver- loren. Den ihr dadurch entstandenen Schaden bemißt die Beklagte «ms 110 M. und erhob Widerklage in Höhe dieses Betrages. Zu dieser Forderung bemerkte der Vorsitzende, Magistrats- rat Dr. S ch a l h o r«: Da der Vertrag mit dem Kunden noch nicht abgelaufen sei, habe die Beklagte noch keinen Schaden gehabt. Einen zukünftigen Schaden könne sie dem Kläger gegenüber nicht geltend machen. Der Vertreter der B e k l ag t e n meinte dagegen: Wenn auch der Vertrag mit Spindler noch laufe, so müsse doch dieser Kunde durch einen Akquisiteur wiedergewonnen werden. Das koste der Beklagten etwa 300 M. Bezüglich des streitigen Säbels führte der Kläger aus: Jedesmal nach beendetem Dienst hängen die in Spindlersfeld tätigen Wächter ihre Säbel in einen Schrank, zu dem nur der Oheriontrolleur der Wach- und Schließgesellschast einen Schlüssel hat. Dorthin habe auch der Kläger seine Waffe gehängt. Der Säbel befinde sich im Gewahrsam des Oberkontrolleurs, also tatsächlich in Händen der Beklagten. Es sei nur kleinliche Recht- haberei, wenn verlangt werde, daß der Kläger die Waffe Person- lich abliefern solle.— Der Vertreter der Beklagten erwiderte: Der Schrank in Spindlersfeld, in dem außer den Säbeln auch Kaffee- topfe und andere i>en Wächtern gehörende Gegenstände verwahrt würden, sei eine private Einrichtung der Wächter. Die Gesellschaft habe damit nichts zu tun. Sie verlange, daß der Säbel in ihrem Bureau, wo ihn der Kläger empfangen habe, auch abgeliefert werde. Diese Forderung erkannte das Gericht an. Mit der Wider- klage wurde die Beklagte abgewiesen. Das Urteil lautet dahin, daß dem Kläger von seiner Forderung bedingungslos 8,21 Mark, die restlichen 6 Mark aber gegen Ablieferung des Säbels zu zahlen sind._ Anspruch des Schauspielers auf die städtische Beihilfe. Eine bemerkenswerte Entscheidung sprach das Berliner Landgericht I in der Klage eines bei Verteilung einer städti- schen Beihilfe übergangenen Bühnenkünstlers aus. In dem gegen die Schiller-Theater-Gesellschaft gerich- teten Prozesse erhebt der die Klage erhebende Schauspieler L. Anspruch auf entsprechenden Anteil an einer von der Stadt Eharlottenburg den: Schiller-Theater gewahrten Subvention von 39 000 M. für das Spieljahr 1914/13.' .Me 2. in der Slaac ausfuhr!, Habs auch er gleich den anderen Angestellten auf das Versprechen hin, daß bei Bcffermig der Verhältnisse wieder Gagenerhöhung eintreten werde, seit Kriegsaus- bruch mit der halben Gage gearbeitet. Trotz des Wiederauflebens des Theaters habe man jedoch feine Gage nicht erhöht und ihm zum Ende August das Engagement gekündigt. Acht Tage später beschloß der Aufsichtsrat der Gesellschaft, die städtische Beihilfe nur an das noch tätige Personal zu verteilen. Der Kläger ficht diesen Beschluß an, weil er ihn in Anbetracht der Tatsache, daß er ganz kurz vorher ausschied und unter Berücksichtigung der ganzen Sach- läge für überaus unbillig hält. Das Landgericht hielt den Anspruch des Klägers auf anteilige Zahlung der Beihilfe dem Grunde nach für berechtigt. In der Begründung sagt das Gericht u. a.: Schon an sich verstoße es gegen die guten Sitten, wenn bei Herabsetzung des Gehalts infolge des Krieges unerwartet größere Einnahmen für eigene Zwecke beiseite gestellt und den An- gestellten vorenthalten würden. Es sei nicht nur eine soziale, son- dern in solchen vertraglichen Beziehungen begründete Pflicht, der- artig größere Einnahmen den Angestellten zuzuführen. Die Stadt Charlottenburg habe die Summe zur Verbesserung des Loses der Angestellten der Beklagten zur Verfügung gestellt. Dürfe schon im allgemeinen ein Arbeitgeber einen Angestellten bei Verteilung von Extra einnahmen nicht übergehen, sofern nicht besondere Gegen- gründe vorliegen, so durfte es hier die beklagte Gesellschaft auf keinen Fall tun. lieber eine solche Gabe könne Beklagte nicht ein- fettig nach Gunst oder Ungunst verfügen. Sie mutzte vielmehr das Geld zum Vorteil der Angestellten verwenden, zu deren Gunsten es gegeben war. Daß Charlottenburg den Kläger von der Beihilfe ausgenommen wissen wollte, fei von der Beklagten nicht einmal de- hauptet worden. Aus der Art und Form der Zuwendung ergebe sich, daß sie eine Hilfeleistung für alle Angestellten des abgelaufenen Spieljahrcs sein sollte. Mus aller Velt. In der Zeit des Futtermangels. Wiener Blätter berichten: Auf den Fleischmarkt in Urfahr imirde von einein Fleischhauer eine Kuh in geschlachtetem Zustande gebracht. Im Magen dieser Kuh fanden sicki nachstehend angeführten Gegenstände vor: ein Löffel, drei Messer mit Griffen, drei 20 Zentimeter lange Eisen- nägel, sechs Schrauben, eine Patrone, eine Glocke, ein Trinkglas und ein Hmistorschlüsscl.— Weiter kann eine Kuh die Anpassungs- fähigkeit nicht treiben I Damcnhüte für einen Feldgrauen. Eine lustige Geschichte ist jüngst einem Geschäftsmann aus Uelzen, der als Feldgrauer im Osten kämpft, passiert. Er erhielt nämlich einen großen Karton zugesandt, in dem sich mehrere Damenhüte befanden, und hatte darob für den Spott seiner Kameraden nicht zu sorgen. Das sonderbarste war dabei für ihn die Tatsache, daß die Aufschrift des Kartons von der Hand seiner Frau herrührte. Wahrscheinlich ist von einem ihn, zugegangenen anderen Paket die Doppeladrcsse ab- gefallen und hat dann ihren Platz auf dem Karton, der seiner richtigen Adresse entbehrte, gefunden. Der so sonderbar Bedachte ist nun bemüht, während seines Urlaubs die richtige Empfängerin der Hute ausfindig zu machen. Durch flüssiges Esten verbrannt. Ein schweres Unglück er- eignete sich im Eisenwerk Gewebe bei Haspe. Eine Pfanne mit flüssigem Eisen floß über, wodurch acht Arbeiter Icbens- gefährliche Brandwunden erlitte». Drei weitere kamen mit leichteren Verletzungen davon. Bei fünf Arbeitern besteht Lebensgefahr. Mit dem Schlitten durchs Eis gebrochen. Ein gräßliches Un. glück, den, zwei Menschenleben zum Opfer gefallen sind, bat sich auf der Gilge bei L a b i a u ereignet. Ms der Besitzer Groß aus Tawellnin�ken mit seinem Neffen in einem Schlitten über die morsche Eisdecke der Gilge fuhr, brach dos Fuhrwerk ein und ver- sank in die Tiefe, ehe Hilfe gebracht werden konnte. Der Besitzer sowohl als auch der Neffe und auch das vor den«chlittcn gespannte Pferd fanden in den eisigen Fluten den Tod. Eisenbahnunglück. Mittwoch früh stieß em Triebwagen bei der Ausfahrt ans dem Bahnhof Elberfeld- Varresbeck nach Dortnap- Hahnenfurth mit einer Lokomotive zusammen. Ein Reifender wurde erheblich und 19 leichter verletzt. parteiveranftaltungen. Oberschöneweide. Heute Donnerstag, den IS. März, abend» S'/j Uhr, im Schloßpark, Wilhelmincnhoi: Mitgliederversammlung des Wahlvercins. Vortrag der Genossin Frau Mathilde Wurm. Jugenöveranftaltungen. Baumschulcnweg. Die sür Sonntag, den IV. März, geplante Zu- sammenkunst findet erst am Mittwoch, den 22. März, abends L Uhr, im Jugendheim statt. Für die Teilnehmer an dem Lichtbildervortrag am Sonntag, den 12. März, in den.Konkordia-Sälcn" find Billetts bei Müller zu haben. Sriefkaften öer Reüaktion. R. P. 14. Bemühen Sie sich nach dem Kuratornnn der städtischen Heimstätten, Stralauer Str. 44/15, 2. Hof, 2 Tr.— Frieden 1914 und Frida 30. Wir müssen Sie mit Jbrem Anliegen an den Arzt verweisen. — 31. Z. 99. Sie könnten nur Klage aus Ebeschcidung einreichen.— S. H. 100. 1. u. 2. New.— O. S. 7. 1. Eine solche Abmachung ist nicht rechtsverbindlich. 2. Ja. 3. Wenn Sic zum Heeresdienst eingezogen werden, erhält die Frau sür das Kind Unterstützung,� solange aber müssen Sie für den Unterhalt des Kindes sargen. 4. Fragen Sic wegen Erledigung Ihres Antrages bei der StaatSanwaiischast an.— K. K. 150. Wenden Sie sich an die Steucrvcranlagungskommission.— W. R. 17. Bruchleiden und Sprachfehler t landsturmvfiichtig.— C. S. 41. 1., 2. und 3. Wenden Sie sich an die betreffenden Friedbossverwaltungen� 4. Das Testa- mcnt ist rechtsgültig. 5. Nein— H. G. 9. 1. Wenden Sie sich au Frau v. Lehden, Vf. 10, Bendlersir. 30. 2. Ihre Ansprüche aus der Invalidität sind erloschen.— H. B. 17. Die Frau nmfi sich an die Lriskrankcn- lasse wegen der Familicliunicrstützung ivendcn.— Neukölln 1. Wir würden Ihrer Frau raten, sich an den Nationalen Frauendicust zu wenden. — F. 18. Das bezieht sich nicht auf kleine Sparer; Sie können das Geld ans der Sparkasse lassen.— Richter 10. 1. Nein. 2. Ja. 3. Aus dem Polizeirevier.— O. P. 33. Ihre Schwester kann sich an das Zcntrcklkomiice des Roten Kreuzes, Leipziger Straße 5, wenden.— G. L. 100. 1. und 2. Machen Sie dem Kriegsministermm davon Milteilung. 3. und 4. New.— F. Z. 100 Bemühen«ic sich mit Ihrem Kinde nach der Fürsorgestclle Blumenstr. 79. Sprechzeit 2— 3 Uhr.— K.(g. 80. Ja.— Papke Former. Nein.— 3l. B. 31. Kommt sebr viel auf die Vorbildung an. Wenden Sie sich an Frau Swienty. Eharloiicuburg, Siutigarier Platz 9, Gartenhaus IV.—(9.<0. 99. Läßt(ich so schlecht darstellen. Aber die Stelle, von der Sic Unterrichtsbriefe beziehen, würde Ihnen gewiß die nötige Anleitung geben.— D. 100. Lehrstellen- vermitteiungssielle Am Köllnischen Park 3.— 45. 41. Diese Adresse dürsten Sic erhalten durch Herrn Fr. Sicinwcg, Neukölln, Ncutcrsir. 34. ■— Z.(?. 10. Eine Beschwerde würde keine Aussicht aus Ersolg haben, die Unterstützung wird in diesem Falle nicht nachgezahlt,— N. W. 70. Das unterliegt der Beschlagnahme. Sie müssen das Metall abliefen:, WctterauSfiÄten für daS mittlere'Norddcutschland biS Freitag mittag. Ziemlich mild, im Süden zeitweise edvaS ansklnrend, in den übrigen Gegenden meist trübe und nebelig. Nirgends erhebliche Nieder« schlage. SozialdemokratiscberWalilvereiii !. 1 6, BefI. Reichstagswahlkreis. 13. Abt., Bez. 688. Am Munlag, den 13. März, verstarb unser Genosse, der Ma» schincnbaucr Oskar peikert (Zlvwglislr. 13). Ehre seinem Slndcnkcn l Die Becrdigm:g siudci beute Donnerstag, nachmittags i3/- Ubr, von der Leichenhalle des Phi- lipPus-ApoftebKirchhoses aus nach dem ftädtischcn Friedhofe, Müller- straßc 44/45, stall. Um rege Beteiligung ersucht 225/9 l>cr Vomtand. SozialilemokratisEherWahlveFEin Adlefshol. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonntag, den 12. März, unsere Genossin. Frau Katdsrine Lüderitz nach langem Leiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Mär», nachmittags 4 Uhr. von der Leichen- balle des Adlershoser Gemeinde- Friedhofes aus statt. 195/1 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. b DeotscherKetailaFbeiter-llerhanil Verwaltungsatelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maler tlermaoa ttaimix Schwedter Str. 52 gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindet heute, Donnerstag, den 16. März, nach- mittags S'l, Uhr von der Leichen- balle des Phllippus-Apostel-Knch- oses, Müllerstr. 44/45, aus statt. Um rege BeteUigung wird ersucht. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Werlzeugmacher OsLar Peikert Zwingliftr. 13 am 13. Marz gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 16. März nach- mittags 43/. Uhr. von der Leichen- balle des städtischen Friedhoses, Müllerstr. 44/45, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 113/15 Tic Lrtsverwaltung. VErbandd.Buch-D.SteindPiiEkErEi- Hilisarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsvcrwaltung Berlin. Ilm 12. d. M. verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied Hermalm Winkel im Aller von 58 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 17. März, nachmittags 3 Uhr, aus dem alten Stazaretb- Kirchhof, Seesttaße, statt. 27/5 Hie Ortarenvaitim)). AIS Opfer des Weltkrieges fiel am 27. 2. 16 mein lieber Mann, unser guter Sohn, der Ersatz- Zieseroist psul Molokivn im 30. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbetrübt an Witwe Hedwig Melchten nebst Schwiegermutter. Beutseber Bulzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler KusKsv Linke Gräsestr. 12 im Aller von 57 Jahren ge- siorbcn ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet morgen Freitag, den 17. März, nach- mittags 2 Uhr, im Krematorium in der Gcrichtftraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 31/3 Die LrtSverwaltung. Spezialarzt für Haut-, Harn-, Frauenleiden. nerv. Schwache, Beinkranke jeder �.Ehrliltj-Hata-Ktlren, Friedrichstr. 81, jrX" Sprchst. 10-2, 5-9, Sonntgs. U-2. Honorar mäßig, auch Tcillzahl. — Separat«, Bainsitzimmer.— Allgemeine Orts- Krankenkasse für den Stadtbez. Köpenick. Gemäß§ 24 der Wahlordnung werden die Versichertcnvcrtrcicr im Ausschutz hiermit benachrichtigt, daß bezüglich der ausgeschriebenen Borstands- Ergänzungswahlcn sür den Rest der Wahlperiode nur ein Wahlvorschlag, welcher soviel Bewerber benennt, als zu wählen sind, eingegangen ist. 267/7 Die vorgeschlagenen Bewerber gelten somit als gewählt. Der Wahloorschlag ist eingereicht durch das Ausschußmitglied Karl Röpke. Glasmacher, Glasfabrik Marienhüttc. und beginnt mit dem Namen Paul M a n t c u s s c l, Slrbeitcr, Charlottenstraße 18. Der Vorschlag resp. die Liste der nun- mehr gewählten Vorstandsmitglieder kann im Kasscnlokal Lcrlinerslr. 3, Eingang Gutenbergstraßc, während der Zeit von 8—1 Uhr mittags ein- gesehen werden. Elwaige Einsprüche sind innerhalb 2 Wochen, vom Tage dieser Bekannt- machung an gerechnet, bei dem Vor- stände oder bei dem Verficherungs- am! Köpenick einzureichen. Köpenick, den 15. März 1916. Der Vorstand. Otto Nickel, Fr. Murcken, Vorsitzender. Schriftführer. ttfestmnnn's Trauennajazin Größte AujwaliL Billigate Preise. L UohranstraSe 37a (Kolonnaden) IL Or. Frankfurter Stt 115 (nahe Andreasstr.) AMwahlsendungen sofort Amt Zentrum 7890. ttantai 12— 2 Uhr geCtlntt Stoff© tm feine DameQ-KostQme, Herren-inzOge usw. Mfr. 4,-, 6,-, 8,-, 10,-, 12,- M. Tuch-Lager Kocb& Seeland G.m.b.H., CertraudteDstr.2fl/2UeeBenflberi Petrlkircha. veranjworUjcher Redakteur: Alfred Wietepp, Reukölln. Lür de» Lnserakeuietl verantw,: Th- Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, VerlagSanstaÜ Paul Singer& Co, Berlin SW.