Die Inicrtiens-GefcüljT »«trügt für die fechSgespattene Kol,«-«» »eil« oder deren R-rum so Pfg, PK politische und gewertiodaftliche Ze«inS- und Versommlimgs-Änzcigen L0 Pfg> ..pileine?inr«lzcn", das icttizedrurfl« Wort 20 Pfg.(zulässig 2 scttgedruSte Worte), jedes weitere Wort 10 W«. Etellengcfuche Mtd Cchlii'slclleNiin- zeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort ZPsg. Worte üvcr 15 Buid» staben zählen iür zwei Worte. Jnferare für die uächjte.iumiuer mühen bis k> Uhr nachinittagS in der Expedition edgcgedcn werden. Die Exdeditiot» ijt bis 1 Uhr cveuds gcöljuet. äer tozxaidemökratxtfhen Neüaktion: Ew. öS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morttzplatz. Nr. 1S1 SV— 151 97. Sonnabend, de» 18. März 1916« Expedition: SW. 68, Linüenstraße 2. Fernsprecher: Amt Wtoritzplav. Nr. 151 30—151 37. Zlr.77.-33.Ilchrs. rckegrauuli-Wrcsie: Rcrün*. Partei Deutfchlands. H&onnemcnts-fjcdingungcn: AbonnenientZ• VreiS pränumerando! «ierteljährl. 3�0 Mk.. monatl. 1.10 TU!., wücherulich 25 Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nuinmer 5 Bfg. Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Kdonnemenit 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Poll- Zeitungs- PretSliste. Unter Kreuzband Iür Deutschland und Oesterreich- Unoarn 2Ä) Marl, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnenients nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Ftalien. Luxemburg. Portugal, Ihimiaticu, Schweden und die Schweis Ofärtut lZallch. Zentralorgan MW üet ilienlen AM na Ki MvWl. Die Sozialisten in öer Duma. Es hat fortgesetzter Attacken von sozialistischer Seite untz schließlich einer von der Duma fast einstimmig ange- nommenen Interpellation bedurft, ehe die russische Regierung sich dazu bequemte, die Rede des Genossen T s ch e i d s e in der Dumasitzung vom 23. Februar und die von ihm verlesene Deklaration der sozialdemokratischen Fraktion für die Presse freizugeben. Der Inhalt dieser Rede, die in Rußland großes Aufsehen erregte, ist in seinen wesentlichen Teilen durch die telegraphischen Berichte des„Berliner Tageblatts" und der „Frankfurter Zeitung" in Deutschland bekannt geworden. Sie bewegt sich in den Gedankengängen der sozialistischen Minderheiten Frankreichs, Englands, Teutschlands, begrüßt die Beschlüsse der Zimmerwalder Konferenz und die daran anknüpfenden parlamentarischen und außerparlamentarischen Aktionen in den kriegführenden Ländern und erklärt es als die vornehmste Pflicht der russischen Sozialisten, die Anti- kricgspropaganda und die Wiederherstellung der internatio- nalen Perbindungen mit der Fortführung des Klassenkampfes im Lande und der heftigsten Bekäinpfung der Negierung zu vereinigen. Namens der Fraktion erklärte Tscheidse, sie würde den„fortschrittlichen Block" unterstützen, soweit er für die politische Befreiung des Volkes kämpfen werde. Sie werde aber unerbittlich alle Halbheiten und Perständigungs- versuche des Blocks mit der Regierung entlarven und ihn vor die Wahl stellen: mit dem Volke gegen die Regie- rung oder mit der Regierung gegen daS Volk! Es ist ungemein bezeichnend für die politische Lage in Rußland, daß weder die heftigen Anklagen gegen die Regie- rung, noch die scharfe 5tritik ani fortschrittlichen Block in der führenden liberalen Presse auf Zurückweisung stoßen. Und was den gegen den Krieg und den Militarismus gerichteten Teil der Rede Tscheidses anbelangt, so bemerkt das führende liberale Organ„Retsch". diese Rede sei„die gemäßigste und korrekteste aller sozialdemokratischen Reden antimilitaristischen Charakters" gewesen. Eine Einschätzung, die für die Stim- mungen und Strömungen in Rußtand jedenfalls auch sehr bezeichnend ist. Es wäre verfehlt, wollte man diese Zurückhaltung seitens der liberalen Presse auf Geringschätzung gegenüber der kleinen sozialdemokratischen Fraktion zurückführen. Den bür- gerlichen Parteien Rußlands liegen die Folgen des Russisch- Japanischen Krieges und die darauf einsetzende Revolutions- Periode noch zu sehr in allen Gliedern, als daß sie es wagen würden, den politischen Einfluß einer Arbeiterklasse mit starkem revolutionärem Empfinden an der zahlenmäßigen Stärke ihrer(übrigens gewaltsam auf die Hälfre reduzierten) parlamentarischen Vertretung zu messen. Diesen Einfluß müssen die liberalen Parteien zurzeit um so mehr berück- sichtigen, als sie sich— zum Teil gegen ihren Willen— in eine scharfe Oppositionsstellung zur Regie- rung gedrängt sehen. Außerdem rechnen aber die Liberalen offensichtlich auf eine Wandlung innerhalb des russischen Sozialismus, die ihnen die politische Führung der Arbeiterklasse für absehbare Zeit in die Hand geben würde. Eine gewisse Berechtigung für diese Hoffnung liefern dein liberalen Bürgertum die im Ausland viel zu wenig be- achteten Vorgänge, die sich in den letzten Monaten in der russischen Arbeiterklasse ab'pielten. Es ist unverkennbar, daß die aktivislische Kriegspropaganda des Häufleins Emigranten um Plechanow in dem mit dem Vorrücken der feindlichen Armeen eng verknüpften Aufschwung nationalistischer Stim- mungen in einem Teil der russischen Arbeiterklasie einen günstigen Nährboden fand. Die opportunistische Taktik eines Teils sozialistischer„Praktiker", denen es um jeden Preis um die Erlangung neuer„Stützpunkte" für die Organisation zu tun war, leistete diesen Stimmungen Borschub. So konnte es kommen, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der organi- siertcn Arbeiterschaft, trotz aller Gegnerschaft gegen den Krieg und aller Ablehnung der Aufgaben der Landesverteidi- gung, wie die Herrschenden sie auffassen, in die„Kriegsindu- striekomitees" eintraten, denen diese Aufgaben obliegen. Ab- gesehen von einer Vertiefung der Spaltung in der sozial- demokratischen Partei mußte eine solche Taktik die Ver- wirrung in der Arbeiterklasse steigern und nach außen hin den Eindruck erwecken, als bereite sich eine„nationalistische Mauserung" auch der russischeu Sozialdemokratie vor. Diese Gegensätze in der russischen Sozialdemokratie haben zum ersten Male in der Sitzung vom 23.� Februar in der Duma Ausdruck gefunden. Zwar hatte bereits der inzwischen aus der Fraktion ausgeschlossene Abg. Manjkow im von- gen Jahre eine kurze Erklärung eingebracht� in der er sich gegen die Forderung des Friedens und für Stimmenthaltung bei der Kriegskreditabstimmung erklärte. Seine ausführliche Begründung fand aber den Ständpunkt der russischen Sozial- MlbM lies Mn SWWlklM. Amtlich. Großes Hauptquartier, deu 17. März 1916.(SS. T. B.j Westlicher Kriegsschauplatz. Sechs englische Spreuguogeo südlich von LooS bliebe» erfolglos. Ja verschiedeueu Abschuittcu der Champagne, sowie zwischen Maas und Mosel heftige Artilleriekämpfe. Im Maasgebiet trieb der Gegner eine frische Division, die als die siebenundzwanzigste feit Beginn der Kämpfe auf diesem verhältnismäßig engen Ranm in der Front er- schienenc gezählt wnrdc, wiederholt gegen nnsere Stellungen auf der Höhe„Toter Manu" vor. Bei dem ersten Überfall- artig ohne?lrtillerievorbereitung versuchten Angriff ge- laugten einzelne Kompagnien bis au unsere Linien, wo die wenigen von ihnen nnverwundet übriggebliebene« Leute gefangen wurden. Der zweite Stoß erstarb schon in un- serem Sperrfeuer. Oestlicher und Balkan-Kriegsschanplatz. Tic Lage ist. im allgemeinen onveräudert. Oberste Heeresleitung. •* Set DReneUMe SweMMMl. Wie», 17. März. Amtlich wird verlantLart: Russischer Kriegsschauplatz. An mehreren Stellen der Strypafront erfolgreiche Lorpopen- kämpfe; westlich von Tarnopol drangen hierbei unsere Truppe« in die russische Borstellung ein, machten einen Fähnrich und 67 Manu zu Gefangenen und erbeuteten ein Maschinengewehr und vier Mmcnwerfcr. Italienischer Kriegsschauplatz. Di« Italiener haben ihre fruchtlosen Angriffe an der Jsonzo» ftout eingestellt. Auch diesmal blieben alle unsere Stellungen fest in unserr« Besitz. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Stellvertreter de? Chef? des Gcncralstaded. von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Patrioten in der Rede des bereits vor dem Kriege auS der sozialdemokratischen Fraktion ausgetretenen Abg. Burja- n o w, dem sich in einer kurzen Rede auch Manjkow anschloß. In der inneren Politik erklärte sich Burjanow voll- kommen solidarisch mit den Forderungen der sozialdemokrati- schen Fraktion. Auch er erklärte sich für„hartnäckigen und unversöhnlichen Kampf" gegen die„lügnerische und verrate- rische Politik" der russischen Regierung. Aber, so erklärte er, dieser Kampf müsse geführt werden tmNamenderBcr- teidigung des Landes vor jedem Angriff auf seine Unabhängigkeit wie auf seine freie kulturelle, politische und ökonomische Entwicklung. Die Arbeiterklasse müsse den Triumph des deutschen Militarismus und Imperialismus über die westeuropäische Demokratie verhindern. Hierzu gebe es keinen anderen Weg als den der Organisation der Landesverteidigung. Zugleich damit falle dem russischen Proletariat die Aufgabe zu, die Demokratie zu organisieren, um die politische BefrMng des Lan- des von der Selbstherrschaft der Bureaukratie zu erzwingen. „Der Kampf für die politische Befreiung Rußlands"— führte er aus—„ist die Hauptbedingung für den Erfolg der Ver- teidigung vor der äußeren Gefahr, während die Beteiligung an der Abwehr deS feindlichen Einbruchs eine der Bedin- gungen der Rettung des Landes vor der völligen Zerstörung bildet." Es entspricht durchaus diesem Gedankengang, daß Burja- now der Zimmerwalder Konferenz jede Bedeutung absprach und sich heftig gegen die offizielle Stellung der sozialdemo- kratischen Fraktion wandte, die die Misfioii der internatio- nalen Sozialdemokratie nicht in der Fördernug der Granaten- fabrikation, sondern in deni Eintreten für sozialistische Grundsätze erblickte. In dieselbe Kerbe wie Burjanow schlug auch sein Gesinnungsgenosse Manjkow, der mit besonderer Genugtuung die Resolution der n o r d f r a n z ö s i s ch c n Föderation und der dänischen Parteileitung gegen die Zimmerwalder Beschlüste zitierte. War diese Art der„Rechtfertigung" des eigenen Standpunktes nichts weniger als originell, so war sie jedenfalls kennzeichnend für die Aehnlichkcit der Gedankengänge bei den Sozialpatrioteu aller Länder. Gleiche Brüder, gleiche Kappen! Diese Aehnlichkeit ist es aber gerade, die die kriegs- lustige liberale Presse Rußlands mit neuen Hoffnungen beflügelt.... Zwei Programme. Im Schöße des Moskauer KrtegsindustrieauZschusseZ, dem vor einigen Monaten auch die Vertreter eines Teiles der Moskauer Arbeiter beigetreten sind, haben sich seit einiger Zeit recht starte organisatorische und politische Unstimmigkeiten zünschen den Ar- beiter- und den übrigen Ausschußiuitgliedern bemerkbar gemacht. Anfangs handelte es sich um die Nichtanerkennung einer selbständigen Gruppe, die die Arbeitervertreter nach dem Muster Petersburgs auch im Moskauer Kricgsindustrieausschuß bilden wollten. Die Moskauer Jndustrillen, die die Leitung des Ausschusses in Händen haben, sind weniger als die Petersburger geneigt, den Arbeitern Konzessionen zu machen, glauben vielleicht auch, ohne allzu wei:- gehende Konzessionen auskommen zu können, da die Moskauer „Arbeitervertreter", wie ihre Kundgebungen gezeigt haben, noch um eine Schattierung rückständiger und opportunistischer sind, wie ihre Kollegen in den anderen Städten. In letzter Zeit zeigte sich, daß die Gegensätze zwischen den Liberalen und deu Arbcitcrvcr- tretern in Moskau im Kriegsindusiricausschuß sich mehr uud mehr zuspitzem Die Arbeitervertreter haben den Entwurf eines Appells an die Rcichsdnma im Komitee eingebracht, der die Grundlage für die politischen Erörterungen auf dem bevorstehenden Kongreß der verschiedenen KriegsindustrieauSschüsse bilden soll. Zuerst wollten die Liberalen von einer solchen Erörterung überhaupt nichts wissen. Dann aber bequemten sie sich, diesen Entwurf dem Bureau deS Ausschusses zur Prüfung zu überweisen. Hierbei kam es zn höchst interessanten Auseinandersetzungen, die die posi- tischeu Richtlinien der Liberalen wie der Arbeitervertreter in den KriegSindustricausschüsscn erkennen lassen. In dem Entwurf der Moskauer Arbeitervertreter heißt es, dem Kongreß werde ini'Jnteresie der allgemeinen Organisation der Landesverteidigung und der Rettung deS Landes vor wirtschaftlichem Ruin vyrge- schlagen,»sich an die Reichsduma mit dem Hinweis auf die Not- wendigkeit folgender Maßnahmen zn wenden: Einführung der per- sönlichcn Unantastbarkcit und der bürgerlichen Freiheit, Aus- Hebung aller nationalen und konfessionellen Beschränkungen, ins- besondere die völlige Aufhebung all« speziellen Beschränkungen der Luden; Gewährung deS national«! SelbstbestimmungsrechW an Polen; Wiederherstellung der Konstitution Finnlands; Am- nestie für sämtliche politischen und religiösen Vergehen; sofortige Wiedereinsetzung der verurteilten Mitglieder der sozialdenwkrat!- schen Fraktion der Duma in ihre Rechte; Reorganisation der Volks- Vertretung und der Organe der ortlichen Selbstverwaltung am der Grundlage des allgemeinen und gleichen Wahlrechts; Re organisation aller lokalen und zentralen Organe für den Kampf gegen die wirtschaftliche Zerrüttung durch Schaffung einer Ver- tvewng des Landschafts- und StädtcbundeS, der Kriegsindustrie- ausschüsse, der Genossenschaften und Arbeiterorganisationen uns durch Gewährung an dieselben der ganzen Fülle der Gewalt im Nahmen der ihnen überwiesenen Aufgaben. Endlich wird in dem Entwurf auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß die Duma deu Weg deS Kampfes um die Staatsgewalt beschreite. Das dargelegte Programm der Vertreter der Arbeiter im Moskauer Kriegsindusiricausschuß, das keineswegs identifiziert werden darf mit dem Aktionsprogramm der organisierten Arbeiter Nußlands überhaupt, stieß bei der erwähnten Erörterung im Bureau des Moskauer Ausschusses auf heftigen Widerstand der bürgerlichen Vertreter. Stach einer lebhaften Diskussion, an de: auch die Arbeitervertreter teilnahmen, lehnte das Bureau der Entwurf der Arberter ab und erklärte es als notwendig, die Be- ftrebunge» des progressiven Blocks der Reichsduma zu unter- stützen. Mit diesem Beschluß ist der werte Abstand zwischen den poli- tischen Bestrebungen selbst der gemäßigten Richtung der russischen Arbeiter und denen der liberalen Bourgeoisie ziemlich klar ge kennzeichnet. Es ist anzunehmen, daß sich eine Differenz wie in Moskau auch in den entsprechenden Ausschüssen der anderen Städte und wohl auch auf dem demnächst stattfindenden Kongreß der KriegsindustrieauSschüsse herausstellen wird. Was im Interesse der politischen Schulung des rückständigen Teils der russischen Ar- beiter nur zu begrüßen sein wird. Ein ßelüzug öer Rechten gegen öie duma. In den konservativen politischen Kreisen Petersburgs ha: neuerdings wieder eine heftige Kamjxlgne gegen die Duma ein- gesetzt. Dieser Tage fand laut der„Rjetsch" in der Wohnung des früheren JustizmüristerL Stschcglowrtow, der bekanntlich den Vor- stoß gegen die Duma im verflossenen Herbst lcrtetc und danach aus dem Kongreß der Echtrussen präsidierte, eine besondere Be- raturrg der Rechten statt, welche Haltung rnan der Duma gegen- über einnehmen wolle. Bei dieser Gelegenheit kam ihr gegenüber die ablehnendste Stellung zuur Ausdruck. Weitere Lionfereuzei! über diese Frage sollen in der nächsten Zukunft stattfinden. An dieser Kampagne der Echtrussen nehmen besonders der ultra- konservative Odessaer Univcrsitätsrcltur Lewaschow, ein Führer der Echtrussen in der Duma, ferner die bekannten Pogrouiistc:: Markow und Samiislowskti teil. Hm ihren Anschauung«! über die Duma im Volke Eingang zu verschaffen, wollen die Rechten demnächst einen großen Kongreß einberufen, aus welchem besonders viele Bauer:: anwesend sein sollen. Mit Hilfe der Geistlick- keit sollen ctioa 1C00 Bauern zusammengetrouimclt werden« die. eine entsprsck.ende Staffage füt den in Petersburg geplanten echt- russischen Kongreß abgeben sollen. An Geldmitteln wird es hier- bei nicht sehlen, da die konservativen Politiker entweder schon solche Mittel erhalten haben oder über bestimmte Zusicherungen verfügen. Ferner suchen die echtrujsischen Politiker die Ilnstim- migkeiten in ihren Reihen beizulegen, um in möglichst geschlossener Phalanx gegen die Tuma und die liberalen Parteien vorgehen zu Vnncn._ der französische Tagesbericht. Paris, 17. März.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. In Belgien haben unsere Patrouillen festgestellt, daß das Zerstörungsscuer unserer Artillerie von gestern abend auf die deutschen Stellungen in La Plage sin der Gegend von Nieupoit) Verbindungsgräben völlig zerstört und zahlreiche Feinde getötet hat. Aus der Gegend nördlich von Berdun wurde keine Infantericunternehmung gemeldet. Im Laufe der Nacht dauerte auf dem linken Ufer der Maas ziemlich schwaches, auf dem rechten Ufer heftigeres Artilleriefeuer an. in der Gegend Haudremont und Dam- loup. Die Artillerie beschost heftig die Gegend westlich Douaumont, loo der Feind Schanzarbeiten ausführte. In der Woevre haben wir mehrere Provianilolonnen beschossen. Oestlich vom Wald» von Apremont gestattete uns ein Handstreich auf einen deutschen Schützen- graben dem Feind einige Verluste zuzufügen und Gefangene zu machen. In den Bogesen, südlich von der Thür, machten die Deutschen einen Angriff auf unsere Stellung bei Bufnhaupt. Der Angriff wurde durch Sperrfeuer angehalten, der Feind konnte nicht an unsere Gräben gelangen. Paris, 17. März.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Donnerstag abend: Nördlich von der AiSne beiderseitige Artillerietätigkeit in der Gegend des WaldeS von Buttel, südlich von Ville-aux-Boi«. In den Argonnen richteten wir ein konzentrische» Feuer aut deutsche Werke nördlich der Straße von Barennes und auf deutsche in Tätigkeit befindliche Batterien in der Umgebung Momoucon. Westlich der Maas richteten die Deutschen im Laufe des Nachmittags nach einer sehr heftigen Beschießung unserer Front zwischen Vvlhincourt und CumiüreS einen starken Angriff gegen unsere Stellungen am.Toten Mann''. Die Angriffswellen konnten an keiner Stelle Fuß fassen und mußten sich auf den Nabcnwald zi, rückziehen, wo unser sofort eingesetztes Sperrfeuer ihnen ße- trächiliche Verluste beibrachte. Auf dem rechten Maasufer verdoppelte sich die Artillerietätigkeit östlich und westlich von Douaumont sowie in der Umgebung des Dorfes Vaux. Es fand kein Jntanterie- angriff statt. Unsere Batterien nahmen mehrfach in dieser Gegend sich bewegende Truppen unter Feuer. In der Woevre ziemlich bestige Beschießung auf beiden Seiten im Abschnitt des Fuße« der CotcS LorraineS. Belgischer Bericht: Gegenseitige Artillerietätigkeit in der Gegend westlich von Dixmuiden sowie bei Noninghe und dem FährmannShauS._ Der russische Heeresbericht. Petersburg, 17. März.«vre nachstehendes am 12. März abgesandtes Telegramm: Laut Bericht des norwegischen Untertanen Lundquist, des Steuermannes der„S i r iu s", lag die„Sirius" auf der Reede vor Anker, als man um 9 Uhr 60 Minuten am Freitagabend hinter dem Schiff eine Explosion horte, gefolgt von Schreien. Darauf wurde alles still. Etwa um 10 Uhr 20 Minuten hörte man wieder Lärm, wie von einem Motor in der Luft, aber Lundquist sah nichts. Nach Verlauf von drei Minuten fand eine furchtbare Explosion statt, worauf das Tcktiff mit dem Vordersteven zuerst nach Backbord hinüberneigend so schnell sank, daß nickt alle die Rettungsboote erreichen konnten, fondern einige ins Wasser springen mußten. Die Aussagen von drei norwegischen und zwei amerikanischen ieugen bestätigen die Erklärungen LundquistS. Keiner hat ein Torpedo gesehen, aber diejenigen, welche nicht schliefen, hörten alle den eigenartigen Lärm wie ein Summen vor der Explosion. Die in dem Bericht Lundquists zuerst genannte Explosion rührte von dem französischen Schiffie„Louisiana" her. Nach einem französischen Bericht ist die„Sirius" in söOO Meter Abfand von dem Leuchtturm südlich Le Havre auf 10 Meter Tiefe, die„Louisiana" 7100 Meter vom Leuchtturm gesunken. Alle Pa- viere der„Sirius" sind verloren. DaS scegerichtliche Zeugenver- dör wird hierher gesandt werden. Die norwegische Besatzung mit Ausnahme Lundquists reist heute nach Norwegen ab. Zum Untergang öer»Tubantia". Amsterdam, 16. März.(W. T. B.) Stach einem beim Marine- nab im Haag eingelaufenen Bericht wurden 37 7 Schiff. v r ü ch i g c v o n d c r„T u b a n t i a" gelandet, während nach den Angaben des holländischen Llohd sich 381 Personen an Bord be- landen. Man glaubt, daß die Differenz aus ein Versehen zurück- zuführen ist und nimmt an, daß alle Personen gerettet wurden. Nach einem Bericht au» P m n i d c n herrschte ein leichter Nebel, der den Ausblick aus vier Meilen Entferrrting gestattete. Wie aus Vlifsingcn gemeldet wird, erzählten dort ange- tommene Schiffbrüchige� daß bei der Explosion ein Teil der Kom- mandobkücke weggerissen wurde und Schiffstrümmer von unten auf das Deck geschleudert wurden. Die Ladung und die Po st sind verloren. Nach Erzählungen von Schiffbrüchigen lief der Maschinenraum sogleich mit Wasser voll, und das Vorderschiff neigte sich nach unten. Als die„Tubantia" getroffen wurde, lagen die Passagiere in ihren Betten. Sie wurden so schnell wie möglich geweckt. In der ersten Klasse entstand einige Panik; aber es gelang der Besatzung, Ordnung zu schaffen. Im ganzen wurden 34 Boote ausgesetzt. An der Unfallstelle sah man leere Boote und Schiffs- trümmer herumtreiben. Zur Zeit des Unfalls befand sich kein einziges Schiff in der Umgebung. Spater kamen die Marine- fahrzeuge aus Vlissingen, ein Raddampfer der Zeelandgesellschaft, die„Krakatau" und die„Banka". Noch kein Wunsch nach Irteüen! Stockholm, 16. März.(W. T. B.) Der Minister deS Aeutzern von Wallenberg empfing eine Abordnung der Fordschen Konferenz, welche ihm ein an die neu- traten Regierungen gerichtetes Schreiben überreichte, worin diese aufgefordert werden, Maßnahmen zur Wiederher- st e l l u n g d c L Friedens zu treffen. Der Minister erwiderte: Wir wünschen den Frieden gleich lebhaft wie Sie, können aber als Vermittler nur für den Fall auftrete», daß dies der ausdrückliche Wunsch der Kriegführenden ist. Wird ein solcher Wunsch ausgesprochen und wird uns klar, daß wir für die Wiederherstellung des Friedens etwas tun können, werden wir nicht verfehlen, alles zu tun. was getan werden kann. Unterdessen müssen wir uns damit begnügen, der Menschheit dadurch zu dienen, daß wir nach Vermögen den Unglücklichen helfen, die durch den Krieg leidend geworden sind. Türkische Zrieüensgerüchte. Frankfurt a. M., 17. März.(T. 11.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet: AuS Athen lvar in der jüngsten Zeit der- schiedvnen Ententeblättern gemeldet worden, die Türkei habe versucht, die Friedensbedingungen ihrer Feinde zu erforschen. Nun wird dem Mailänder„Secolo" aus London berichtet, man schließe zwar dort die Möglichkeit eines solchen Vorgehens der Türkei nicht aus, tatsächlich sei aber bisher in amtlichen Kreisen nichts davon bekannt geworden. Harte militärische Verurteilung in üer Schweiz. AuS Zürich wird berichtet: Der Redakteur des Schweizer Blattes„Petit Jurassicn", der in einem Artikel dem Schweizer Oberbefehlshaber, General Wille, vor- geworfen hatte, daß er die Truppen desorganisiert habe, um Meute- reien zu verhindern, und daß er aus demselben Grunde die Grenzen der Schweiz ohne Kriegsbedarf gelassen habe, wurde vom Militär- gericht zu dreizehn Monaten guchtbau» und zum Ber- lust der Bürgerrechte für die Dauer von fünf Jahren verurteilt. Der Wirtschaftskrieg unü öas englische Parlament. Aus Amsterdam schreibt man uns: Die Bestrebungen mancher wirtschaftlichen und politischen Gruppen, unter dem Schlagwort des Kampfs gegen den deutschen Handel die Schutzzöllnerei einzuschmuggeln, haben in der vorigen Woche zu einer kräftigen Intervention libe- raler Wirtschaftspolltiker im Unterhaus geführt, die As- q u i t h zwang, aus der Zweidoutisskeit herauszutreten, worin sich die buntgeflickte Regierung bisher gehalten hatte. Der frühere Parlamentarische Sekretär des Handelsministeriums, I. M. Robertson, forderte von der Regierung die Er- klärung, daß sie in der bevorstehenden Konferenz der Bundes- genossen über die Tariffrage voni bestehenden System nicht ab- weichen werde. Die Stimmungsmache, die zugunsten eines Systemwechsels gemacht werde, komme auf einen Bruch des Burgfriedens heraus. Deutschland werde nach dem Kriege angesichts seiner unter dem Lebensmittelmangel leidenden Bevölkerung unmöglich Lebensmittelzölle erheben können und es wäre unverständig von England, in derselben Zeit zu Schutzzöllen seine Zuflucht zu nehmen.— Der Liberale Holt verteidigte denselben Standpunkt. Vor allem wandte er sich dagegen, daß bindende wirtschaftliche Verhndlungen mit den Bundesgenossen von der Regierung hinter dem Rücken des Parlaments geführt würden. Man habe Gründe, den„Freihandelsmmistern" in der Regierung zu mißtrauen. Asquith sei Freihändler, aber sei er nicht früher auch An- Hänger des freiwilligen Heeresdienstes gewesen?(Zwischen- ruf AsquithS:„Das bin ich noch!") Es sei unsinnig, einen Krieg mit den Waffen durch einen Zollkrieg fortzusetzen. So komme man nie zum Frieden. England müsse auch weiter seine fiskalische Politik seinem eigenen Interesse gemäß bestimmen. Die Erfahrungen des Krieges seien eine glänzende Rechtferti- gung des Freihandels.(Starker Beifall.) ASquith. der hierauf das Wort ergriff, erklärte, daß ihm daran gelegen sei, in der deutlichsten Form zu sagen, daß zu einer Beunruhigung in bezug auf die Pläne der Regierung für die Pariser Konferenz kein Grund vorhanden sei. Die englischen Vertreter in Paris würden nichts tun oder sagen, was die Bewegungsfreiheit der Regierung oder des Parlaments irgendwie einschränken würde. Es sei n i ch t m ö g l i ch gewesen, die Emlädung der Bundesgenossen. besonders Frankreichs, abzuschlagen, um mit ihnen hauptsächlich in der in der Tat sehr dringenden Frage. wie während dos Kriegs ein wirtschaftlicher Druck auf den Feind auszuüben und den Freunden Beistand zu per- leihen sei, zusammenzuwirken. In bezug auf den Friede n". fuhr ASquith fort.„b. h. darauf, wie wir uns zu den wirtschaftlichen Umständen zu verhalten haben werden — denn diese werden durch einen so gewaltigen Zusammen- stoß, der eine ungeheure Vernichtung von fixem Kapital, einen schrecklichen Verlust an Menschenleben und eine unerhörte Erschütterung der Industrie hervorgerufen hat. in vielen Be- Ziehungen beeinflußt sein und Veränderungen, wenn nicht in den Gefühlsbeziehungen, so in den Beziehungen zeigen, die. ohne rein industriell und materiell zu sein, großen Einfluß auf den Weltverkehr üben können— mit Hinblick auf diesen sicher zu erwartenden Zustand ist es gewiß eine kluge, vor- sichtige und nicht übereilte Maßregel, daß wir zusammen be- raten, Gedanken wechseln, das Terrain abmessen und ffo die Zukunft soviel wie möglich Vorsorge tragen. Ich werde über die in diesem Bezug eventuell zu nehmenden Maßregeln nur eines sagen— und ich glaube namens aller meiner Kollegen zusprechen:..WasSieauchtun. sein Siebcda cht.sichdurchLeidenschaftoderKurz- s i ch t i g k e i t oder durch sehr natürliche Gefühle von— ich will nicht sagen Rachsucht, so doch vom Verlangen, ihren Sieg zu versichern, nichtzuSchrittenverleitenzu lassen, die geeignet sind, ihnen selb st viel größeren ch a d e n z u tun, als sie mit Recht dem Feind bereiten wollen, indem sie ihn hindern wollen, in der Zukunft in die Lage zu kommen, gegen uns dieselben Maßregeln wie in der Vergangenheit zu treffen.— Ich kann jedoch dem Haus i ni Namen der Regierung versichern, daß man in keinem einzigen Kreis zu fürchten braucht, daß wir vor- zeitig das Land zu Maßregeln verpflichten wollen, die die sorgfältigste Ueberlegung fordern und über die wir nicht nur mit unseren Bundesgenossen, sondern auch mit unseren über- seeischen Gemeinwesen Rats zu pflegen haben." Tie Sprache Asquiths, obwohl nach der Art dieses Red- ners gewunden, scheint doch deutlich und entschieden. Indes wird man nicht übersehen können, wie auch„entschiedene" Liberole mitunter dahin gebracht werden, mit ihren feierlich verkündeten Grundsätzen zu kapitulieren, und weiter auch, daß die Schutzzöllner, wenn sie einmal durch die entfesselte nationalistische Demagogie genug errungen haben, nichts un- versucht lassen werden, mit der politischen Alleinherrschaft die Möglichkeit zur Durchsetzung ihrer Pläne zu gewinnen. Jeden- falls werden die Gegner des wirtschaftlichen Kriegs„übers Ende" überall gut tun, Wache zu halten. Möge insbesondere auch dieenglischeArbeiterpartcizur Einsicht dieser Notwendigkeit kommen I Die Rekrutierung öer verheirateten. Rotterdam, 16. März. lW. T. B.) Der.Rotterdamsche Eourant" meldet aus London: Lord Derby beklagte sich gestern im Oberbaus« über einige Blätter, die ihm vorwarien, lein Versprechen nicht eingebalten zu haben. Er erklärte, er habe alles Mögliche getan. Die pro« testierenden Verheirateten müßten in drei Arten ein- geteilt werden: Erstens Leute, welche unverhüllt zugeben, daß sie sich niemals für den Dienst gemeldet haben würden, wenn sie ge- wüßt hätten, daß sie jemals aufgerufen werden würden. Mit dieien Protesten brauche man sich nicht weiter zu befassen. Diese Leute, sagte Lord Derby, können sich nicht daraus berusen, waS ich im Oilober sagte, nämlich, daß die älteren Gruppen erst nach vielen Monaten und vielleicht Lberbaupt nicht einberufen werden würden. Die zweite Art seien diejenigen, die sagen, daß eS daS einzig Richtige wäre, alle Verheirateten zum Dienst zu zwingen. Dagegen habe er nichts einzuwenden. Aber daS habe mit seinem Versprechen nichts zu tun und sei eine Angelegenheit, die daS Kabinett angehe. Die dritte Gruppe seien diejenigen, die sagen, daß sie nicht aufgerufen werden wollen, ehe alle Unverheirateten in die Armee eingereiht sind. Der Redner fuhr fort: Wenn ich glaubte, waS Lord Selhorne den Farmern gesagt hat, baß ich em Mann ohne Machtbefugnis sei und wenn da» die Meinung der Regierung wäre, dann würde ich gezwungen sein, zurückzutreten. Lord Derby gab zu. daß e» unmöglich sei. alle Unverheirateten in die Armee zu bekommen. ES wäre gefährlich, sie aus den MunitionSsabriken zu holen. Er schlug vor. daß man es den Männern überlassen solle, zu beweisen, daß sie nicht entbehrt werden können. In jedem Falle würde die Revision der mililärsreien Bcruie und das Ersetzen unverheirateter Arbeiter durch Verheiratete Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb sei eS nicht möglich, mit der Einberufung der Verheirateten solange zu warten, bis die Maßregel durchgeführt sei. Lord K i t ch e n e r gab ein« ähnliche Erklärung ab, appellierte an die Vaterlandsliebe der Verheirateten und sagte, daß die Zahl der Männer, die sich anwerben ließen, enttäuschend wäre und dte Lage ernst sei.;- „Daily NewS" bemerkt, daß Derby der Liste der militär« freien Berufe die ganze Schuld für die enttäuschend geringe Zahl von unverheiraleten Retruten zuschiebe, dock sei eine zweite Ursache die, daß viele wegen ihrer Befreiung vom Militärdienst an die Gc- richte appellierten, und solange keine Entscheidung gefällt sei, frei blieben.„Daily NewS" glaubt aus KitchenerS Rede entnehmen zu können, daß die Gnadenfrist welch« den verschiedenen Gruppen ver- heiratet« Derbyrekruten gewährt wurde, nur sehr kurz sein wird. Da» Gericht in C a m b r i d g e hat gestern mit der VerHand- lung über die Gesuche um Befreiung vom Militärdienst begonnen, die 300 Studenten und ehemalige Studenten der Universität, die GewissenSskrupel haben, eingereicht haben. Der„Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Im Unterhause hat Simon gestern bei der Beratung über die Schwierigkeiten mit den verheirateten Männern die Schuld dem Bericht« Lord Derby» zugeschoben und der Art, wie die Presse, die für die Dienstpflicht ist, ihn auslegte. Diese Presse habe ange- nommen, daß eine große Zahl Unverheirateter zurückgeblieben sei, wa» Simon bestreitet. Auf diese Weise seien die Verheirateten ohne Grund zu der Annahme gelangt, daß man sie viel später aufrufen würde. Simon sagte ferner, das englisch« Heer sei groß genug. Er berief sich hierbei auf Erklärungen von Ministern. Erstens habe Balfour nachdrücklich gesagt, daß die Rekrutierung den Bau von Kriegsschiffen beeinträchtig« und die Flott« geschwächt habe. Zweitens berief er sich auf Lloyd Georges Werbung von 30 000 ungelernten Arbeitern für Munitionsfabriken, dritten» auf Lord Selbor»«, der erklärte, wegen der Lebensmittelversorgung ernstlich beunruhigt zu sein, und dagegen auftrat, daß den mili« tärischen Gerichten militärische Berater zugeteilt wurden; viertens berief sich Sunon auf RuneimanS Erklärung, daß die Dienste. welche die englische Handelsflotte den Alliierten erweist,«ine ver- hängnisvolle Unterbrechung erfahren wurden, wenn man das Heer nicht auf die ursprünglich festgesetzten Grenzen beschränke. Minister Long antwortete in scharfen Worten und sagte, daß man Simon» Rode in Berlin mit Genugtuung lesen werde. Der parlamentarische Mitarbeiter der»Daily New»" schreibt, daß die Debatte den Eindruck machte, daß man sich Mar nicht einer Krise, wohl aber einer unerquicklichen Situation gegen- über sehe. Man müsse mit der Möglichkeit rechnen, daß die Agita. tion der verheirateten Männer von den Konskriptionisten dazu be- nutzt werden wird, ein Gesetz zu fordern, durch welches die Dienst» Pflicht allgemein wird. Streik in öer englischen Hekleiöungs, Jnöuftrie! In der Bekleidungs- Industrie, deren Hauptzentren London. Leeds, Manchester. Glasgow und Bristol sind, droht. wie der„Daily Telegraph" vom 10. März meldet, baldiger Ausbruch des Generalstreiks wegen Lohustreitigkeiten. In Leeds allein würden zirka 40000 Arbeiter binnen einer Woche brotlos werden. Koalitionspflicht bei öen Bergarbeitern. London. 17. März.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Auf Ersuchen der Regierung hielten die Berg« baubesitzer und der Bergarbeiterverbanb von Südwales gestern in London eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, daß in Zukunft, um allen weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, alle Bergarbeiter bei einer ber anerkannten Trade UnionS sein müssen. Die Teuerung in Frankreich. Trotz aller Versprechungen und übernommenen Verpflich- tungen. schreibt die„Bataille" vom 9. März, ist gegen die Teuerung der Lebensmittel nichts geschehen. Man redet und macht Umschweife, aber die Preise steigen. Die Lage wird immer gefährlicher, und trotz der scheinbaren Ruhe müsse man sich darüber klar sein, daß die Unzufriedenheit groß sei und bei irgendeiner Gelegenheit zum Ausbruch kommen könne. Die verantwortlichen Stellen scheinen davon keine Ahnung zu haben, sonst würden sie eifriger sein, diese drohende Gefahr zu beschwören. Die Verbitterung greift um sich und wenn sie auch durch die Gewalt zum Schweigen verurteilt wird, so kann schon ein kleines Ereignis zu ihrer Explosion genügen. Wir nähern uns dem Augenblick, wo nur noch die Leute mit großem Einkommen leben können. Davon kann man sich durch einen Blick auf die Lebensmittelpreise überzeugen, aber zu dieser An- strengung sind die meisten Leute unfähig und reden lieber über die Hungersnot im(feindlichen) Aus- lande. Das Volt ist der festen Ueberzeugung, daß die hohen Preise gemildert weiden können und daß dazu nur guter Wille und Energie erforderlich sind. � Iranzosische Stimmungen. Die„New Aorker Volkszeitung" veröffentlicht einen Bericht des früheren Sekretärs des Genossen Jean Longuet, des Genossen Courland, der vor kurzem von Frankreich nach den Ver- einigten Staaten übersiedelte. Courland ist Anhänger der inter- nationalistischen Minderheit der franzsischen Sozialisten. Seine AuS- führungen ergänzen in mancher Hinsicht, was über die Stimmung in der französischen Arbeiterschaft und in der Armee bekannt geworden ist. Sie mögen deshalb in einem Auszug als Material zur Beurteilung der Lage in Frankreich nachstehend Platz finden: „Während des im Dezember in Paris stattgehabten Partei- tagcs der Geeinigten Sozialisten �— sagte Courland— machte sich der dem Frieden günstige Geist bei der Mehrheit der Kon- gretzteilnehmer offenbar, und nur der Ueberredungs- kunst der sozialistischen Mini ster ist es zu danken gewesen, daß der Kongreß davon absah, sich für eine über das ganze Land erstreckende Friedenspropaganda zu erklären. Die meisten Sozialisten sind für den Frie- den. Sie schweigen nur, weil die Regierung darum ersuchte, um eS in Deutschland nicht so erscheinen zu lassen, daß Frank- reich kriegsmüde sei....." Interessant sind die Beobachtungen, die Genosse Courland in den verschiedenen Lagern und Gefängnissen machte, in denen er eine Zeitlang als Zivilgefangener festgehalten wurde. „Die große Mehrzahl der Soldaten— führte er aus— würde drei Jahre Gefängnis drei Monaten Schützengraben vor- ziehen. In den Militärffefängnissen. in denen ich gewesen bin, wurden mir wenigstens öl)» Fälle bekannt, in denen ein Mann seinen Vorgesetzten beleidigte, damit er ö Wochen Nube bekam. Mir kamen Fülle zur Kenntnis, in denen Leute selbst de- scrtierten und sich dann stellten, damit sie im Gefängnis eine Ruhet Mise erhielten. Sie fänden nicht einen unter zehn Soldaten, die, wenn sie von ihrem Offizier gefragt werden würden, ob sie Frieden oder Krieg wollen, sich nicht ohne weiteres für den Frieden unter der Bedingung erklären würden, daß die feindlichen Heere Frankreich verlaijen Im Gefängnis von Leman traf ich 1700 bis 1500 Sol- baten, von denen die meisten prozessiert werden sollten, weil sie von der Front desertierten, um heim zu fahren. Jeden Tag wurden die Wächter in den Detentionslggern gewechselt. Viele von diesen 40 oder bv Leuten sah ich Ehrenzeichen tragen. Einige Ivaren Unteroffiziere, und viele von ihnen waren ver- wundet und hielten sich zur Erholung in den Depots auf. Diese Leute sagten: Wir wollen Frieden, aber wenn Sie einen Franzosen zur Front zurückschicken, so geht er. Sie sagen aber: Wir sind sicher, daß die Deutschen nicht nach Paris kommen können. Wir wissen, daß unsere Festungen unzerstörbar sind. Warum sollten wir darum nicht Frieden schließen? Nicht einer von hundert— fuhr Genosse Courland fort— verlangt nach Roche. Selbst die«ltässische Frage tritt in den Hintergrund. Ich sage dies ohne Zögern, denn ich habe mit diesen Soldaten in allen Lagern, in denen ich gewesen, gesprochen. Sie waren freundlich zu mir und sprachen sich mir gegenüber freimütig aus.... Hätte der Parteitag der französischen So- zialisten die Friedenspropaganda aufgenom- men, so sähen Sie bei der Hälfte des franzö- fischen Volkes eine Sinnesänderung...." Dies das Wesentlichste aus dem Bericht des Genossen Cour- land. Mag manches in ihm auch subjektiv gefärbt sein, so stimmt er doch im großen und ganzen mit dem uberein, was uns aus den Berichten deö., Labour Leader", des„Avanti", der„Nasche Slowo" und aus verschiedenen Publikationen der französischen Minderheit bekannt geworden ist. Der neue französische Kriegsminisier. Divisionsgeneral Roqueö ist zum Kriegsminister an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Gene- rals G a 1 1 i e n i ernannt worden. politische Uebersicht. Elcmentarunterrichtsweseu. Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Freitag in einer einzigen Sitzung das Kapitel„Elementar- unterrichtswesen", dessen Beratung in normalen Zeiten stets mehrere Tage in Anspruch zu nehmen pflegte. Mit zur De- batte standen Anträge auf Aufhebung der Verordnungen betr. die Verfügung der Gemeinden über ihre Schulgebäudc und betr. die Bestätigung der Schulärzte sowie ein Antrag betr. die Einstellung einer Summe von 50 000 M. in den Etat zur Förderung der Ausbildung geeigneter Kräfte für die Hortfürsorge für aufsichtslose Schulkrnder. Im Gegensatz zu dem konservativen Redner, der sich gegen die Vcrweltlichung der Volksschulen wandte und den Jugendkvmpagnien das Wort redete, forderte Genosse Adolf H o f f in a n n in einer groß angelegten Rede, die die Mängel unseres heutigen Volksschulwesens nach den verschiedensten Richtungen hin darlegte, die Entfernung des Religionsunter- richts aus dem Lehrplan der Volksschulen. In den Vorder- grund rückte er die Heranbildung eines geistig und körperlich gesunden Geschlechts. Von diesem Gesichtspunkte aus übte er scharfe Kritik an dem Mißbrauch, der jetzt im Kriege noch mehr als im Frieden mit der Volksschule häufig getrieben wird, und entwickelte schließlich in kurzen Zügen das sozial- demokratische Schulprogramm. Daß er deshalb von ver- schiedenen bürgerlichen Vertretern mehr oder minder heftig angegriffen wurde, darüber wird sich unser Genosse um so leichter hinwegsetzen kömien, als diese Angriffe jeder sachlichen Grundlage entbehrten. Wenn unter anderem der Zentrums- abgeordnete Dr. Heß sich erlaubte, der sozialdemokrati- schen Fraktion vorzuschreiben, wem sie die Reden zum KultuZ- etat übertragen darf, so müssen wir uns eine solche Ein- Mischung in die internen Angelegenheiten der Partei höflichst, aber entschieden verbitten. Auch die von ihm ausgesprochene Drohung, das Haus werde es sich überlegen müssen, ob sie solche Redner zu Worte kommen läßt, wird die Fraktion nicht hindern, das zu tun, was sie für notwendig hält. Nach weiteren Reden des Nationalliberalen Dr. von Campe, des K u l.t u s m i n i st e r s— der besonders vor dem Zudrang zum Lehrerinnenberuf warnte—, des Fortschrittlers Otto und des Freikonservativen R a m d o h r wurde über die zahlreichen Anträge zum Kultusetat abge- stimmt. Die grundsätzlichen Anträge der Sozialdemokraten zugunsten der Einheitsschule und der Trennung von Staat und Kirche, sowie der Besteuerung des Kirchenvermögens wurden gegen die Sozialdemokraten abgelehnt, die bürger- lichen Resolutionen zum größten Teil angenommen. Sonn- abend: Rest des Etats._ Tie Regierung für Ausdehnung deS Kolonialbesitzes. In einer Denkschrift von fünfundzwanzig in S ü d w e st- a f r i ka tätigen Gesellschaften und Einzelfirmen an das Reichskolonialamt, in der für die Wiedererlan- gung von Südwestafrika eingetreten wird, wird unter anderem ausgeführt, Deutsch-<Äidwestafrika sei die einzig« deutsche Siedelungskolonie, die für eine größer« weiße Bevölkerung die Möglichkeit einer dauernden Niederlassung biete, lieber den Besitz von Deutsch-Südwestafrika werde in Europa entschieden werden. Wie England sich seinerseits mit der Südafrikanischen Union auseinandersetzen werde, könnte ihm überlassen bleiben. Auf diese Eingabe bat Staatssekretär Dr. S o l f (nach W. T. B.) die nachstehende Antwort erteilt: Mit großem Interesse habe ich von der mit zahlreichen Unterschriften versehenen Anlage zu Ihrer Eingabe vom 4. d. Mts. Kenntnis genommen. Ich kann ihr gegenüber nur darauf hinweisen, daß ich bereits wiederholt Gelegenheit ge- nommen habe zu betonen, wie ich meinerseits alles daransetzen werde, daß mit der für uns siegreichen Beendigung des Welt- krieges, an der auch ich keinen Augenblick gezweifelt habe. Deutschland wieder in vollen Besitz aller seiner bisherigen Kolonien gelangt. Den Wert Deutsch-Südwestafrikas als Siedelungsland wie auch als Gebiet guter bergbaulicher Aussichten weiß ich, wie die Unterzeichner der Eingabe, wohl einzuschätzen. Wenn außer- dem von anderer Seite eine Ausdehnung des deutschen Kolonialbesitzes und die Schaffung günstiger Handelsmöglichkeiten angeregt worden sind, so kann ich auch diese Anregung nur begrüßen, zumal sie in keinerlei Widerspruch mit dem Programm der ungeschmälerten Wieder- Herstellung des alten deutschen Kolonialbesitzes steht. Eine halbamtliche bayerische Kundgebung. Die„Balzerische Staatszeitung' schreibt in ihrer heutigen Nummer unter der Ueberschrift„Einigkeit und Ver- trauen": „Seit einiger Zeit ist öffentlich in einigen Zeitungen, im geheimen von Mund zu Mund, eine Agitation betrieben worden, deren schädliche Wirkungen wir nicht ohne ernste Sorge verfolgt haben. ES ist. als kämen viele von den unersreulichen Erscheinungen und Gewohnheiten de« politischen Lebens, mit denen wir im Frieden zu tun hatten, ollmählich auch jetzt wieder auf. Die lange Dauer des Krieges macht das erklärlich. Alle ihrer Verantwortung be- wußten Kreise werden aber darüber einig sein, daß dem Umsich- greifen einer solchen Entwicklung mit allen Mitteln Widerstand geleistet werden muß. Unser Volk bedarf zur Erfüllung der schweren Aufgab», vor die es die Geschichte gestellt hat, der un- gebrochenen Einigkeit in allen seinen Teilen. Es bedarf der tatkräftigen Entschlossenheit wie der inneren Freudigkeit. Diese aber werden nur zu leicht geschädigt und in Frage gestellt, wenn durch da» Herumtragen von Gerüchten und Andeutungen das felsenfeste Vertrauen in die Leitung der Reichsgeschicke untergraben wird, auf daS die verantwortlichen Führer unseres Volkes einen vollen und uneingeschränkten Anspruch haben. Auch nach dem Süden unseres Vaterlandes sind solche Gerüchte gelangt, und wir müssen mit Bedauern feststellen, daß eS nicht an Versuchen gefehlt hat, die Reichsfreudigkeit unserer Be- völkerung dadurch zu beeinträchtigen, daß Besorgnisse ins Land getragen worden sind, als ob wegen Mangel an Festigkeit und Entschlossenheit der Reichsleitung vorhandene Kriegsmittel nicht oder nicht genügend angewandt würden. Solche Versuche weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück. Die Bundes- regierungen, insbesondere auch die bayerische Regierung stehen in genauer Kenntnis der zu lösenden militärischen und politischen Aufgaben und der in jeder Beziehung erfreulichen Lage mit vollem Vertrauen zur politischen und militärischen Führung deS Krieges. Die Sitzung des BundeSratsauSschusseS sür die auswärtigen Angelegenheiten hat den beteiligten Bundes- regierungen erneut die Möglichkeit gegeben, die Reichs- leitung dieses Vertrauen zu vergewissern. Wer die Zuversicht unsere» Volkes zu erschüttern unternimmt, der ver- sündigt sich am Vaterlande. DaS zu beherzigen, ist jedes deutschen ManneS Pflicht 1"_ Ueber die Beschäftigung vou Kriegsgefangenen werden in der dem Reichstage übermittelten neuen amtlichen Denk« schrift über wirtschajtliche Matznahmen des Bundesrats aus Anlaß deS Krieges folgende Angaben gemacht:„Die Notwendigkeit, unsere Wirtschaftsbetriebe während deS Krieges soweit irgend möglich auf- rechtzuerbalten, besonders die Volksernährung sicherzustellen, zwang dazu, auf die immer größer werdende Zahl unserer Kriegsgefangenen mehr und mehr zurückzugreifen. So wurden sie insbesondere zur Arbeit in den Bergwerken sowie in der Industrie und i» hervor- ragendem Matze zu den Arbeiten in der Landwirtschaft herangezogen. Gegenwärtig werden beschäftigt: bei gemeinnützigen Arbeiten.. 86 000 in der Landwirtschaft.... 330000 in der Industrie...... 244 000 im ganzen 669 000 Diese Zahlen betreffen nur das Heimatsgebiet, soweit es unter preußischer Verwaltung steht. In den Etappengebieten ist außerdem noch nahezu eine Viertelmillion Kriegsgefangener mit Arbeiten für Unterkunft, Landbestellung usw. beschäftigt. Der Rest besteht ans ArbeitSuntauglichen oder ist besonders für den auSgedebnten Wirt« schaitSbetrieb und Verwaltungsdienst in den KriegSgefangenlagern (in Preußen allein 71) nutzbringend tätig."(--) Kriegsbekleidungsamt. DaS ReichSamt des Innern wird eine neue Einrichtung schaffen. nämlich ein Reichs-Bekleidungsamt. Der Zweck dieses neuen Amtes ist, die vorhandenen Bekleidungsstoffe unter staatlicher Kontrolle an die Bevölkerung zu verteilen. An die Spitze dieses Amtes ist der bis- herige Dresdener Oberbürgermeister, Geheimrat Dr. Beutler, berufen worden, fal Verordnung über Rohfette. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 16. März eine Verordnung über Rohfette erlassen. Die Verordnung bestimmt, daß die bei gewerblichen Schlachtungen von Rindvieh und Schafen anfallenden Innenseite und A b s a l l f e t t e auf Ver- langen des Kriegsausschusscs sür pflanzliche und tierische Oele und Fette an die von diesem bestimmten Schmelzen oder Sammelstellen abzuliefern sind. Der Kriegsausschuß hat sür die zweckmäßige Ver- arbeitung der Rohfette zu sorgen und das auSgeschmolzene Fett nach den Weisungen deS RetchSlanzlerS dem Verbrauch als Feintalg oder der Weiterverarbeitung zur Margarine zuzuführen. Die U e b e r n a h m e p r e i s e, die für die abgelieferten Roh» fette zu zahlen sind, werden nach den Ermittelungen eines Sachver» ständigenausschusies festgesetzt. Die Verpflichtung zur Ablieferung der Rohfette tritt erst ein, wenn der Kriegsausschuß daS entsprechende Verlangen durch öffent- liche Bekanntmachung in den einzelnen Gemeinden stellt. Der KriegSauSschutz wird Anweisung erhalten, zunächst in den Gebieten, in denen schon in Friedenszeiten von den Feintalgschmelzen ein weitverzweigtes Sammelnetz ausgebaut war, von seinem Rechte Gebrauch zu machen und dann vorsichtig und je nach dem weiteren Ausbau seiner Zubringereinrichtungen und der Errichtung neuer Feintalgschmelzen die Beschaffung der Rohfette auch auf solche Gc- biete auszudehnen, aus denen bisher den Feintalgschmelzen Rohfette noch nicht zugeflossen sind. Papierlicfcrungen an das Ausland. Unter der Ueberschrift„Unerhört!" druckt der„Deutsche Papier- markt" einen Artikel des„Sieg-Rheinischen Volksblattes" ab, der einen interessanten Einblick in daS Geschäftsgebaren gewisser deutscher Papierfabriken gibt. Der Artikel kritisiert zunächst die un« erhörte Preissteigerung auf allen Gebieten der Lebensmittel« Versorgung und die Verletzung„der guten Sitten von Treu und Glauben" und versichert dann, daß von deutschen Papierfabriken auf Umwegen Papier nach dem gegnerischen Ausland geliefert werde: „Schon seit Wochen liest man in holländischen Blättern Inserate: Kaufen Papier zu jedem Preise. Offerten usw. Ge» hörten unsere Papierfabriken bisher schon zu jenen, die die Kriegs- läge nichr zuletzt auszunutzen verstanden— sämtliche Papierwaren sind schon bis zu ungesähr 30 Proz. gestiegen— so schlägt doch die neue Preiserhöhung um 8 M. pro 100 Kilogramm dem Faß den Boden aus. Wer Einblick in die Papierfabriken hatte und auch die Bedürfnisse derselben kennt in der Herstellung ihrer Fabrikate, der wird nicht umhin können, diese Preis- steigerung als unerhört zu bezeichnen. ES ist weniger der Mangel an Rohstoffen, die Erhöhung der Löhne usw., wie man zn sagen pflegt, um die Preissteigerung zu rechlfertigen, nein, die Sucht nach Mehrgewinn I Bei ihnen gilt der Satz: Wer mehr bietet, bekommt die Ware. Ganze Schiffsladungen ziehen den Rhein hinab nach Holland, andere gehen nach den nordischen neutralen Ländern, wieder andere nach der Schweiz. Wo aber bleibt die Ware dort? Soll es den Fabrikanten unbekannt sein, daß unsere Gegner hinter den Papieraufkäufen stecken?" Als Maßnahme gegen diese Ausfuhr des in Deutschland fortgesetzt im Preise steigenden Papiers fordert der Artikelschreiber das sofortige Ausfuhrverbot für Druckpapier. Zu diesen Ausführungen des„Sieg-Rheinischen Volksblatles" sagt der „Deutsche Papiermarkt', Zentralorgan für die gesamten Wirtschaft- lichen Interessen der Papier verarbeitenden Industrien und Gewerbe sowie des Papierhandels: „Auch wir schließen unS der Meinung an, daß eS unerhört ist, daß deutsches Druckpapier in Feindesland verbraucht wird, im eigenen Land aber dadurch, daß der Feind mehr zahlt, Mangel an Papier bezw. eine unerschwingliche Preiserhöhung eintritt.— Einen recht eigenartigen Beigeschmack erhält die Tatsache, wenn man bedenkt, daß gerade jetzt, wo infolge der ungeheuren Preissteigerungen schon eine nicht unerhebliche Mißstimmung in den Kreisen der Papierverbraucher herrscht, solche Schamlosigkeiten voll- bracht werden. Es erwächst aus dieser Handlung für die gesamte Branche die Aufgabe, die betreffenden„geldgierigen" Papierfabriken namhaft zu machen und an den Pranger zu stellen, denn solche Firmen bedeuten den„Feind im Lande" und haben ihre Daseinsberechtigung verwirkt." Wo der Wille ist... Vor kurzem berichteten wir, daß das stellvertretende General« kommando de« 17. Armeekorps die Beschlagnahme des fünften Teile« aller in der Danziger Bucht gefangenen Breitlinge zugunsten der Stadt Danzig verfügte und daß der Magistrat einige Kutter im Auftrage der Stadt fischen läßt. Welch bedeutende Mengen Fische dadurch der Bevölkerung zugeführt werden können, lehrt die Tat» fache, daß in den ersten acht Tagen nach dem Inkrafttreten der Verordnung 1700 Zentner städtische Breitlinge zum Preise von 15 Pfennig pro Pfund verkauft wurden. Außerdem fand eine be- trächtliche Menge anderer See» und Süßwasserfische den Weg auf den Fischmarlt._ Nachnahme- und Frachtverkehr mit dem Ausland. Der Bundesrat hat eine Verordnung betreffend den Nach» nähme» und Frachtverkehr mit dem Ausland mit folgendem Wortlaut erlassen: Zahlungen nach dem Ausland im Wege der Nachnahme find verboten. Bei Eisenbahngütersendungen nach dem Ausland mutz die Fracht in Ueberweisung gestellt werden. Eisenbahngüterjendungen aus dem Ausland werden nur über» nommen, wenn die Fracht im Ausland gezahlt wird. Der Reichskanzler kann Ausnahmen von den Vorschriften dieser Verordnung zulassen. Diese Verordnung tritt mit dem 1. April 1016 in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt, wan« und inwieweit diese Ver- ordnung außer Kraft tritt. Wie wir hören, wird auf Grund der AuSnahmebefugniS des Reichskanzlers der Verlehr mit Oesterreich-Ungarn und den darüber hinaus gelegenen Ländern, sowie mit Luxemburg und mit den besetzten Gebieten von der Regelung aus- genommen. Letzte Nachrichten. Ein bulgarischer Spionageprozeß. Sofia, 17. März.(W. T. B.) Der Spionageprozeß gegen die Russophilen erregt um so größeres Interesse, als sämtliche Vertei» diger den russischen Parteien angehören. Darunter befinden sich D a n e w, M a l i n o to> T o d o r o w, A b r a s ch o tv und Ludskanow. Das bisherige Verhör erwies teilweise die erhobenen Beschuldigungen der Ausspionierung der bulgarischen Hafenbefesttgungen von Warna und Burgas und der Befestigungen sowie Minenanlagen am Bosporus beziehungsweise der Ein- und Ausfahrt türkischer Kriegsschiffe. Dch- Angeklagte P r u d k i n ge- stand, vom russischen Marineattache beauftragt worden zu sein, die Brücke zwischen Stambul und Gal�ta in die Luft zu sprengen. Das vorliegende Belastungsmaterial, Briefe und Karten mit ein- gezeichneten Befestigungen und den Fahrweg durch die Minen- seid er bei Warna ist erdrückend. * fc Gewerkschaftliches. Vettere behörüliche Maßnahmen in öer Hekleiöungsinöustrie. Das Reichsamt des Innern hat für die Kleider- und Wäschekonfektion eine neue Verordnung ausgearbeitet. Neben dem schon bestehenden Verbot des Zuschneiden» mit elektrisch betriebenen Maschinen wird in den neuen Bestimmungen auch das Stanzen und Zuschneiden mit Hand- und Fußbetrieb' Maschinen auf 5 Stunden pro Woche beschränkt. Alle sonst mit Ausgeben und Abnehmen der Arbeit betrauten Personen dürfen nur 40 Stunden pro Woche beschäftigt werden. Das Mitgeben von Arbeit nach Hause ist verboten. Arbeiter entlassungen dürfen in den ersten zwei Monaten nach Jnkrafb treten der Verordnung ein Zwanzigstel des Bestandes vom 1. Februar nicht überschreiten; später nur noch ein Zehntel der früheren Arbeitskräfte. Eine Verkürzung der Gehälter und Löhne der im Zeitlohn beschäftigten Arbeiter darf nur bis zu zwei Zehnteln des am 1. Februar gezahlten Lohnes ein treten, der Stücklohn nicht geringer sein als am 1. Februar. Die Betriebsleiter haben, falls der verdiente Lohn das Anders halbfache des ortsüblichen Tagelohns nicht übersteigt, lO Proz. Zuschlag zu zahlen. Ln den Zwischenmeisterbetrieben darf die Arbeitszeit 40 Stunden ebenfalls nicht überschreiten. Den Arbeitern ist nur so viel Arbeit zuzuweisen, daß die zu zahlende Lohn summe sieben Zehntel des Betrages nicht übersteigt, welcher im gleichen Monat des Vorjahres bezahlt worden ist. Heim arbeiiern und Hausgewerbetreibenden ist von den Betriebs' Unternehmern nur sieben Zehntel derjenigen Arbeitsmenge zn zuweisen, die diese von Anfang Oktober 1015 bis Ende Februar 1916 angefertigt haben. I- darf nur so viel Arbeit übertragen werden, als siebe;. mtel des verdienten Arbeitslohnes ausmacht. Die Lohnsät. rfen nicht geringer sein, als am 1. Februar 1916. Die v.)nber von Arbeitsstuben(Zwischenmeister usw.) haben den erzielten Arbeitslohn um ein Zehntel zu erhöhen und diesen Zuschuß von ihren Auftraggebern einzufordern. Es ist ferner ein Verzeichnis über die beschäftigten Ar- heiter und Arbeiterinnen zu führen und in den Arbeits- und Ausgaberäumen ein öffentlicher Aushang anzubringen über diejenigen Bestimmungen der Verordnung, die von dem Arbeit- gebcrzuschlag von 10 Proz. auf die Lohnsumme handeln. >- Serlin und Umgegend. Ein Konflikt im Handlungsgehilfenverband. Nach dem Statut hat die Mitgliedschaft Berlin deS Handlungs- gehilfenverbandes die Beisitzer im Hauptvorstand zu wählen. Als nun zwei Beisitzer zum Heere einberufen wurden und ein dritter seinen AZohnort wechselte, wählte die Mitgliedschaft Berlin an deren Smlle drei andere Beisitzer. Anscheinend war es den Berliner Mit- xttedern darum zu tun. durch Ausfüllung der Lücken im Vorstande zu verhindern, baß die angestellten Vorstandsmitglieder die Mehrheit im Vorstande bildeten. Der Hauptvorstand vertrat dagegen den Stand' Punkt: Zu einer Neuwahl liege keine Veranlassung vor, da die be treffenden drei Beisitzer nicht ausgeschieden, sondern nur zeilweise an der Ausübung ihrer Tätigkeit behindert seien. Erörterungen über diese Meinungsverschiedenheit gingen hin und her. Schließlich täm unter Hinzuziehung des Ausschusses eine Vereinbarung zwischen dem Hauptvorstand und der Ortsverwalrung Berlin zustande, wonach die neugewäblten Beisitzer als Vertreter für die drei abwesenden Bei- sitzer in den Vorstand eintreten und bei Rückkehr derselben wieder ausscheiden sollten. Wegen dieser Vereinbarung erhob sich unter den Berliner Mitgliedern eine Opposition gegen die Ortsverwaltung, welche infolgedessen zurücktrat. Die Opposition sagt, die Verein barung verstoße gegen die Rechts der Mitglieder, denn hiernach sollten die von ihr»ewählien Beisitzer nicht als gewählt, sondern als vom Borstand und Ausschuß ernannt angesehen werden. Der Hauptvorstand bestreitet dagegen die Richtigkeit dieser Auffasiung und versichert, daß er gar nicht daran denke, die Reckte der Mitglieder zu verletzen. Uebrigens stimmen die Berliner Mitglieder einschließlich der Opposition mit dem Hauptvorstand darin über- ein— wenigstens wurde daö in der letzten Versammlung per- sichert—, daß die neugewählien nur als Vertreter der behinderten Beisitzer gelten sollen.— Der unbefaimene Beobachter muß hier- nach annehmen, daß der Konflikt in der Sache selbst erledigt sei und der Streit sich nur noch um Formalitäten drehe, wobei anscheinend Mißverständnisie dazu geführt haben, daß diese Angelegenheit so langwierige und heftige Auseinandersetzungen zeiligte. In der letzten Versammlung beantragten die Revisoren eine Re- solution, welche die Vereinbarung zwiichen Hauptvorstand und Orts« Verwaltung sowie den Eintritt der gewählten Beisitzer als Stell- Vertreter in den Hauptvorstand billigt.— Diese Resolution wurde abgelehnt.— Angenommen wurde eine von der Opposition— unterzeichnet von O st r o w s k i und Wendland— gestellte, weit über IVO Druckzeilen lange Resolution, deren kurzer Sinn der ist: Das Verhalten des Hauptvorstandes und des Ausschusses wird der- urteilt, die anderen Bezirke werden aufgefordert, in derselben Weise wie die Berliner Versammlung zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen. Nun erfolgte die Neuwahl der Ortsverwaltung. Als erster Bevollmächtigter wurde Wendland gewählt. Hieraus lehnten die anderen wieder vorgeschlagenen bisherigen Mitglieder der Orts- Verwaltung eine Wiederwahl ab, weil sie, wie gesagt wurde, unter der Regierung Wendland nicht arbeilen könnten. Dann wurden D r e i l i g als zweiter Bevollmächtigter und Frl. Bln Mentha l als Schriftführerin gewählt. Ferner wurden die Delegierten zur Gewerkschaftskommission gewählt. Unter diesen befindet sich ein Mitglied Masse anv, den wir kürzlich wiederholt vor der Schlichtungskommission der Militärschneider sahen, wo er als Zwischenmeister vwi Arbeiterinnen verklagt war, denen er den Tarif- lohn nicht gezahlt hatte._ deutsches Keich. Teuerungszulagen bei den Staatseiseubahnen. Die deutschen Staatseisenbahnverwaltungcn sind nach und nach dazu übergegangen, den in ihren Betrieben beschäftigten Arbeitern regelmäßige Teuerungszulagen zu gewähren. Bei den fünf be- deulendsten Bahnen sind zurzeit folgende Grundsätze für die Ge- Währung von Teuerungszulagen maßgebend. Alle Verwaltungeii. mit Ausnahme der preußischen, haben Ein- kommensgrenzen festgesetzt, bis zu denen Zulagen gewährt werden. Da? nrorraillche Dtenflemkommen, bis zu dem eine Zulage gegeben wird, beträgt in Bayern löö M.(oder 6,30 pro Tag), in Sachsen Ibv M.(oder mehr als löv— Ivo M.), in Württemberg 173 M., ui Baden 176 M.(oder 165 M. in kleinen Orten). Die Höbe der Zu- lagen richtet sich einerseits nach Ortsklassen bszw. Ortsgruppen, andererseits nach dem Familienstand und der Zahl der Kinder: Es werden die folgenden Sätze als monatliche Zulagen gewährt: Preußen Bayern Sachsen Württbg. Baden Unver 1 S'ür verheiratete oder verwitwete Arbeiter heim- Im. kein.! mit Kindern tele j Kind i 1| 2 I 8 1 4 i 5] 6 M. 3-4 T M.! M. 4—6 5-10 M. i M. f M. i M. 5-10! 5-101'7,50'7,50 1-12,50 9! 9 13 12 11 11 10 9 9 10 9 8 13 12 11 11 10 9 9 12 11 10 -12,50 12 13 12 11 11 10 9 12 14 13 12 M. '7,50 ■12,50 12 13 12 11 11 10 9 12 16 15 14 M. '7.50 -12,50 15 13 12 11 11 10 9 215 217 217 10 ') Je nach Ortsklassen bszw. Ortsgruppen. 2} Für jedes weitere Kind 2 M. mehr. Die Kriegsfürsorge für Textilarbeiter. In A u g s b u r g ist die Zahl der durch die Beschlagnahme der Baumwolle und die Vorarbeilungsbeschränkungen in der Textil- indusirie erwerbslos gewordenen Texlilarbeiter und-Aibeitcrinnen sehr erheblich: sie betrug im Februar 1916: 583 teilweise erwerbs- lose und 9016 vollständig erwerbslose Personen, die im Monat Januar hierfür aufgewendete Unterstützung belief sich auf 136 413 M., von welcher Summe Reich und Staat je ein Drittel, die Stadt und die Industriellen je ein Sechstel bezahlen. In den Bestimmungen über die Unterstützung der erwerbslosen Texlilarbeiter ist seinerzeit die Bestimmung aufgenommen worden, daß den Kricgerirauen die reichsgesetzliche Unterstützung zu einem Drittel auf die Erwerbslosen- Unterstützung angerecknel ivird. Dies hat besonders bei Kriegerfrauen mit Kindern zu großen Härten geführt, weshalb die Textilarbeiter« organisationen an den Magistrat den Antrag stellten, diese Bestimmungen auszuheben. Der Magistrat hat nun diesem Antrage Rechnung getragen, so daß die Kriegersrauen die Erwerbslosen- Unterstützung voll erhalten. Gleichzeitig beschloß der Magistrat die Ausdehnung � der Texlilarbeitersürsorge auf die Nebenberufe der Textilindustrie, wie Wollhui- und Pavierhülsenfabrikation auszu- dehnen und auch diese Arbeiter der Fürsorge zu unterstellen. Weiter wurde die Errichtung von hauswirischastlicken Kursen für die er- werbSlosim Textilarbeiterinnen mit einem Kostenaufwand von rund 20 000 M. beicklosseu. Die Teilnahme an den Kursen ist unentgeltlich und freiwillig, die erforderlichen Materialien werden von der Stadt geliefert. Der Unterricht, der von dem Lehrpersonal an den städtischen Schulen erleilt wird, erstreckt sich auf Kochen, Nähen, Waschen und Gesundheitspflege. Miiirz Serlin 58 b. 57 Brunnensip«56i.57 Konfektionshans für Damen- nnd Mädchen-Bekleidung. Heulieiten für das FrDlilaiir keine Preissteigerung. 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März, vormittags 11 Uhr. Tin Mimstertisch: v. Trott zu Solz. Die zweite Beratung des Kultusetats wird fortgesetzt beim Volksschulwesen. Abg. Herrmauu(k.): Auch unsere Volksschullehrer haben sich aus dem Schlachtfelde bewährt und die Zurückgebliebenen leisten vervielfachte Arbeit. Be- sonders schwierig ist die Vertretung der Eingezogenen auf dem Lande. Wer unserer Volksschule die Religion nehmen wollte, der würde ihr die Krone nehmen.(Bravo! rechts und iin Zentrum.) Auf dem Lande werden die Kinder zur Arbeit angehalten, und das ist auch das Beste jür sie.(Sehr richtig! rechts.) Die Jugend- komvagnien sollten durch Zwang gefördert werden, aber in Fühlung mit den Turnvereinen bleiben.(Bei- fall rechts.) Abg. Adolf Hoffmann(Soz.) (dcz.Drö{;te Teil der Rechten und des Zentrums verlägt den Saal): Der Minister sagte vor einigen Tagen, er betrachte Angriffe von unserer Seite als eine Ehre sür ihn als Preugen. Ob die Tat« fachen, die solchen Angriffen zugrunde liegen, cine Ebre für Preußen bilden, darüber werden die unbeeinflußten Geschichtsschreiber der Zukunft entscheiden. Jedenfalls muß er uns dasselbe Recht zu- gestehen, unsere Kritik an den Einrichtungen des Staates weiter zu üben. Davon wird uns kein Schimpfen abbringen, und wir werden uns auch in unserer Kritik nicht beeinflussen lassen von cnt- stellte� und unwahren Berichten der Presse. Neulich hat die Presse iviKetrr incine Sprachschnitzer hervorgehoben. Nun, ich habe hier -schon oft gesagt, ich spreche die Sprache, die in Ihren Volksschulen gelehrt wird. Die entstellten Berichte in der Presse stammen ja von Leuten, die dafür das ganze Jahr bezahlt werden. Mitglieder dieses Hauses, Professoren, haben sich bereit erklärt, unter eine Berichtigung ihre Namen zu setzen. Aber ich schreibe keine Berichtigung, ich gebe diese Leute der Verachtung sireis. Wir wünschen einen Elementarunterricht ohne Klassenunterschiede, ohne Rangunterschiede. Wir wünschen, daß die Erziehung schon beinr Kinderhort beginn:. Diese Minder- borte, die wir seil Jahren verlangt haben, fehlen uns gerade in der bcutigen KricgSzeit an allen Stellen. Jetzt ernten Sie das, was Sie jahrzehntelang versäumt haben. Gegen den alten Grundsatz, nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist sich ein- wickeln, wird heule ungeheuer viel verstoßen. Wie lange sind wir umsonst für Schulärzte eingetreten, bis man endlich einen kleinen Ansang damit gemacht hat. Man hat gesagt, man könne die Eltern nicht zwingen, ihre Kinder von einem Arzt untersuchen zu lassen, zu dem sie vielleicht kein Vertrauen haben, hat aber die Hauptsache dabei verschwiegen, daß viele Eltern ihre Kinder überhaupt nicht Untersuchen lassen können, weil ihnen das Geld daiür fehlt. Die Statistiken der Schulärzte beweisen, daß sehr viele Kinder nur in- folge ihres schlechten Gesundheitszustandes in der Schule zurück- bleiben. In einem solchen Bericht wird festgestellt, daß von 31l Kindern 88 Proz. einer ärztlichen Behandlung bedürfen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Bei öl Proz. wird Blutarmut festgestellt. In die S ch u I d e p u t a t i o n e n sollten alle Leute zu- gelassen werden, die Erfahrung aus dem Schulgebiete haben, ohne Rücksicht auf die Partei und Religion. Tie Schulinspeltoren sollten aus den Kreisen geübter praktischer Schulmänner genommen werden. Sie müffen weltliche sein und ihre Arbeit uii- beeinflußt tun können. Wenn wir gegen die geistliche Schul- oufsicht sind, so können wir uns dabei auch aus einen Pastor Falk berufen. der geschrieben hat. die geistliche Schulaussicht ist ein Rest der mittelalterlichen Abhängigkeit der Schule von der Kirche. Wie weit heute die geistliche Schulaussicht geht, beweist die Tatsache, daß durch eine Zirkularvcrfügung die Kreisjchulinspektoren aufgesordcrt werden, den Kirchenbesuch der Lehrer zu überwachen. Man beruft sich dabei ans eine Amtsverfügung vom Jahre 17kll. (Hört, hört! bei den Sozialdemokralen.) Der L e h r e r m a n g ei ist durch den Krieg natürlich noch viel größer geworden, als er schon vorher war. Nach einer Statistik von der Zeit kurz vor dem Kriege Ivurden von t>(ZOO 000 schulpflichtigen Kindern 280 000 in drciklassigen Schulen, 410 000 in zweiilassigen und bllö 000 in Halbtagsschulen, 080 000 in einklassigen Schulen unterrichtet, also 2>/, Millionen in völlig unzureichenden Schulen. Da verstehe ich� es, wenn Sie sich sträuben, Ihre Kinder in die Einheitsschule zu schicken. Hätten wir aber wirklich eine Einheitsschule, dann würden die Reichen schon dafür sorgen, daß solche Schulzuslände aufhören. Für die Schule ist kein Geld da, wohl aber für die Kirche. Noch 1014 wurden 1 600 000 M. aus- gegeben für neue Pfarrslellen, aber nur 1200 000 M. für neue Schulstellcn.(Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Die vielen freien Schultage, die es jetzt im Kriege gibt, sind für viele Krieger- frauen sebr unangenehm, weil sie keine Aufsicht für ihre Kinder haben. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Art, wie man dem Lehermaugel an manchen Stellen abhelfen will, fordert scharfe Kritik heraus. So ist der.Reichsbote' dafür eingetreten, daß man Kriegs- beschädigte, die das Einjährigenzeugniö nicht zu haben brauchen, und nur einige Wochen für diese Arbeit vorbereitet werden sollen, wie er sich selbst ausdrückt,„auf die deutsche Jugend losläßt". Der Einsender nieint,.für ländliche Schulen und für Unterklassen von städtischen Bolls- und Mittelschulen wird das Können solcher Leute genügen. Friedrich der Große hat ja allc Unterofstzicre dazu benutzt. Die Bezahlung braucht nicht sehr hoch zu sein: der Betreffende wird sie neben seinem Jnvalidengeld gern nehmen. Nach dem Kriege hat der Ikriegslehrer vielleicht in einigen Fällen solches Gefallen an der Arbeit gefunden, daß er sich entschließt, ein wirklicher Lehrer zu werden."(Hört! hört!) In cineni Falle hat man einen Großkncchl von einem Bauern- gut angestellt, um den Kindern statt des Schulunterrichts praktischen landwirtschaftlichen Unterricht zu geben. Erst eine gerichtliche Ent- scheidung bat diesem Unfug ein Ende gemacht. In solchen Fällen kann man sich nicht wundern, wenn Dinge passieren wie bei dem Pfarrer, der mit dem Glockenseil und mir Fußtritten beim ReligionS- Unterricht nachhalf. In einer der reiciisten Gemeinden am Mittel- rhein, Godesberg, sind die Schulgebäude so ungenügend, daß die Schüler vorübergehend auf den Fensterbänken Platz nehmen mußten. Der Vorredner meinte, auf dem Lande würden die Kinder zur Arbeil angehalten, daS wäre das beste. Mögen doch die Besitzenden einmal ihre Kinder zur Landarbeit schicken. Für zuträglich würden wir daS natürlich auch dann nicht halten, wenn es so törichte Eltern gäbe. Die Kinder gehören in die Schule. 1014 sprach der Kultusminister von der Unruhe, die in den Schulbetrieb von außen hineingetragen werde durch die dauernde scharfe Kritik. Der badische Kultusminister hat im Gegenteil seine Freude darüber aus- gedrückt, daß auch diese Zeit soviel neue Ideen auf dem Schulgebiet dringe. Die Schulverwallung müsse mit fester und sicherer Hand das Beste aus diesen Ideen auswählen. DaS war gewissermaßen eine Entgegnung auf das echt preußische Ruhebcdürfnis unscrcS Kultusminister?. Gerade auf dem Schulgebiet heißt rasten rosten. Ein Boll, das hier ruht, wird überrannt, und wird zugrunde gehen auch in einer Zeit, wo die letzten Kanonen und Gasbomben als Ueberreste einer längstvergangenen Zeit in den Schreckenskammern unserer Museen aufbewahrt sein werden. Nach diesen entsetzlichen Kämpfen wird dt« Zeil wieder kommen, wo Wisfell und Bildung darüber. entscheiden werden, wer in der Welt vorangeht. Dafür müssen alle Kräfte des Volkes nutzbar gemacht werden, es muß die Bahn freigemacht werden für alle Befähigten. In Neu-Südwalcs in Australien ist die Einheitsschule durchgeführt, deren Durchführbarkeit bei uns für unmöglich erklärt wird. Ein Professor Holle spricht sich mit recht merkwürdigen Gründen gegen die Einheitsschule aus. Er sagt, die Slandesunlerschiede seinen biologisch notwendig. Ein Renn« Pferd müsse ja auch eine andere Aufzucht erhalten als ein Zugpferd. Der Herr Professor scheint zum Oberslallmeister geeigneter zu sein. Von dem Erlaß des Regierungspräsidenten von Schwerin in Frank- fnrt a. O. war ja schon die Rede. Es ist bemerkenswert, daß der Kultusminister kein Wort gegen diesen Erlaß, der geradezu sür den Völkerhaß eintritt, übrig hat. Dieser Erlaß ist ein Dokument der Schande für unsere Schuleinrichtnngen.(Vizepräsident Dr. Porsch ruft den Redner zur Ordnung.) Wir haben nicht»ölig, den Haß der Gegner zu fürchten, der bei den anderen Völkern ebenso wenig vorhanden ist. wie bei uns. Die Schuldigen am Kriege befinden sich unter allen Völkern, das wird die Geschichte zeigen. Wir erheben auch Protest gegen die Art, wie der Völkcrhaß geweckt wird durch Gedichte und Lieder, deren Verbreitung in den Schulen geradezu ein Skandal ist. In der Fortbildungsschule in Berlin, Weimneisterstraße, ist folgendes Lied nach der Melodie ,O Tannenbaum" den Schülerinnen diktiert worden: „O Engelland, o Engelland, Wie groß sind Deine Lügen! Ist Dein Verbrechen noch so groß, Du schwindelst Dich vom Galgen lo?. O Eduard, o Eduard, Du Muster aller Fürsten, Nichts hattest Du von einem Rex. Du eitler SchlipS- und Westenfex." Hätten wir solche Gedichte auf einen Verwandten unserer Krone verbreitet, dann wäre eS uns schlecht gegangen; aber so ge- schmacklos sind wir nicht. In der III. Gemeindeschule, Niederschön- Hansen, wurde an einem Elternabend von einem auS den Schülern der obersten Klaffen zusammengesetzten Chor folgendes Lied gc- snngen; „Nun hebt sich an die große Schlacht, Unser Kaiser hat mobil gemacht, Alle, alle eilen wir zu den Fahnen, Halten fest und treu am Rhein die Wacht. Droht der Feind vom Norden, Ost und West, Immer feste dreschen ist daS allerbest. Jeder Schuß ein Ruß', jeder Stoß ein FranzoZ', Alle Feinde gehn zu schand'! Sei getrost, mein deutsches Vaterland! Jeder Trill ein Brill', Und die Serben muffen sterben. Alls Feinde gehn zu schand', Sei getrost,»rein deutsches Vaterland I" Ich glaube, hier werden Sie mit mir endlich einmal darin einig sein, daß solche Dinge schon aus pädagogischen Rücksichten nickt in die Hände von Schnllindern gehören. Bei Karl Meyer in Hannover geben zwei Sckulrektoren Kappey und Koch in Hildesheim „Lesestücke zum Weltkrieg" für unsere Schuljugend heraus. Ich will nur eine Probe davon geben, die von einem Leutnant verfaßt sein soll: „Da drüben, da drüben liegt der Feiyd in feigen Schützengräben, Wir greifen ihn an, und ein Hund, wer meint, Heut würde Pardon gegeben. Schlagt alles tot, was um Gnade fleht, Schießt alles nieder wie Hunde, Mehr Feinde, mehr Feinde! sei euer Gebet in dieser VergellungSstunde.' (Lebhafte Pfuirufe bei den Sozialdemokraten.) Das ist eine so blutrünstige Phantasie, viel schlimmer als die SchinderhaniieS-Romane. Gegen eine solche Schundliteratur sollten Sie selbst sich sträuben. Ihre Bekämpfung der Schundliteratur be- steht darin, daß z. B. die im Verlage der Buchhandlung„Vorwärts" erschienenen„Freien Stunden" für die Jugend verboten werden, die Erzeugnisse von berühmten Schriftstellern, wie Zola, Daudet, Gerstäcker usw. bringen. Solche Dinge bezeichnen Sie als Schund- lircratur, aber Gedichlc, wie ich sie wiedergegeben habe, werden von Rektoren unter der Jugend verbreitet.(Hört! hört! bei den Sozial- demolraten.) Zur Jugenderziehung gehört ja auch das Kapitel „Wehrpflicht der Jugend", stärkere militärische Ausbildung. Sie wird benutzt, um Partei- politische Gegensätze in sie hineinzutragen. Herr Herrmann verlangte mehr Zwang dabei. Tun Sie das nur, Sie werden Ihr Wunder erleben. Der KriegSminister hat ja neuerdings Richtlinien heraus- gegeben für die militärische Jugenderziehung, die zeigen, daß er gar nicht so einverstanden ist mit den Heißspornen auf diesem Gc- biete. Wir verlangen auch die geistige und körperliche Kräftigung der Jugend, aber in Verbindung mit einer gründlichen Schulreform mit durchgreifenden politischen Maßnahmen zugunsten des Mutter- und Kindcrschutzes. Eine getrennte militärische Jugendausbildniig verwerfen wir. Ans diesen Standpunkt hat sich auch die Zentral- stelle der Arbeitcrjugcndbewegung gestellt. In seinem erwähnten Erlaß spricht der KriegSminister bezeichnenderweise davon. daß cS sich bei den Uebungen nicht um eine gewisse Soldatenspielerei handeln dürfe, eS komme nickt auf den Drill an für die Jugend, sondern auf Marschübungen, Ausbildung im Sehen, Hören usw. Hier können ivir uns also ans einen Fachmann berufen. Wäre es Ihnen ernst mit der körperlichen Ertüchtigung der Jugend, so hätten Sie nicht unsere Turnvereine so verfolgt, wie einst Jahn verfolgt wurde. Wir unterscheiden zwischen Erziehung z u m M i I i t a r i S ni u S und Erziehung zur Wehrkraft, wie wir zwischen Militarismus und Wehrkraft unterscheiden. Wir wünschen die Volkswehrhaftmachung nicht für den Angriffskrieg, sondern verlangen zugleich die Abrüstung, internationale Schiedsgerichte, die eine Garantie gegen künftige Kriege bilden. Zur Wehrhaitmachung des Volkes gehört gute Er- nährung deS Volkes usw. Beiden 2 0 000 Jünglingen, die ins Feld gezogen sind, waren sogar ISjährige Ober- tertianer dabei. Man rühmt sich noch, daß die Lehrer mit halber List sie dazu bekommen haben. Das ist kein Ruhmesblatt, schul- vflichtige Kinder in den Krieg zu drängen, � Das Erwachen wird für sie umso fürchterlicher sein. Sie haben es ja gehört, daß im Heere alle Kreise bis zu Hindenburg abgewinkt haben, auch ein be- deutender Feldherr kann mit solchen Schulkindern nichts anfangen. Viele von den jungen Leuten sind in den Krieg hinausgegangen, in der Auspeitschung der Leidenschaften in der ersten Zeil, und um von dem Schulzwang loszukommen. Der Verlust von so vielen jungen Leuten ist sür unsere Zukunft eine schwere Gefahr. In der katholischen Zeitschrift„Allgemeine Rundschau" bedroht ein Chefredakteur Weber-Donauwörth die Jugend mit militäri- schcm Arbeitszwang und Strafarbeiten und er spricht davon, daß Jugendliche viel Geld verdienten, das sie doch nicht richtig anzu- wenden verstünden. Mit solchen„christlichen" Lehren werden Sie bei der Jugend nickt weit kommen, werden Sie auch keine Liebe zum Militarismus in der Jugend erwecken. Daß die Schulen in den Ticnst deS Krieges und Völkerhafses gestellt werden sollen, wird geradezu verlangt in dem neuen Buch„Krieg und Schule" von Dr. Adolf Mathias. Das kommt schon in dem Motto dieser Schrift zum Ausdruck, in der es an einer Stelle auch heißt:„Unsere Zeit gleicht einem großen Gottesdienst; nicht nur daß allabendlich die Glocken zur Kirchenandacht läuten, auch unser Voll und insbc- sondere unser Volk draußen in Waffen, unser Kriegsheer, gleicht einer frommen Gemeinde." Geehrte Abwesende(Heiterkeit), wenn man die Gottesdienste der Armee als fromme Gemeinde hinstellt, so müßte eigeutlich der KriegSminister dagegen protestieren. Systematisch wird gerade in den Volksschulen, bei den Kindern der ärmsten der Armen jetzt Bettelei betrieben. In den Berlmep Schulen kommt ein bon zwei Stadtschulräten gezeichnetes, aber wohl auf Anweisung von anderer Stelle aus herausgegebenes Flugblatt zur Verteilung, in dem aufgefordert wird, die vierte Kriegsanleihe zu zeichnen. Ja, in den Schulen schließt jetzt jede Schularbeit uich jedes Diktat mit dem Satz: Vergeht die Kriegsanleihe nichtl(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn man durch die Schulkinder Papier sammeln läßt— gut; die Metallsammlung ist schon bedenklicher, sind doch in Berlin Kinder wegen Diebstahl angeklagt worden, weil sie durch den MetallsammelfanatiSmuS verleitet wurden, einen Einbruch zu ver- üben. Wenn man sich aber an die Polksschulkinder darum wendet, daß sie zu Hause zur Zeichnung der vierten Kriegsanleihe anregen sollen, so erweckt man doch gerade damit die Meinung� die Sie immer vermeiden wollen, daß nämlich die vierte Kriegsanleihe sonst nicht gemigeird gezeichnet würde. Man fordert sogar die Kinder auf, ihre Ersparnisse in der Kriegsanleihe anzulegen. Wollen Sie vielleicht auch noch einen Feldzug mit den Kindern gegen unsere ausländischen Feinde beginnen? Gtouben Sie doch nicht, daß die Eltern ihren Kindern Geld für die Kriegsanleihe geben werden, damit ihre eigenen Väter und Brüder, soweit sie noch leben, totgeschossen werden. Wir wünschen, daß in die Schule Friedensgedanken hineingetragen werden.(Widerspruch des Al>g. Pappenheim.) Das mag Ihnen undenkbar fein, uns ist cS das höchste Ideal/ und darum sollte es unserer Jugend für die Zu- kunft beigebracht werden. Dann wird es auch in Ihrem Kopf« klar werden, dann wird die heranwachsende Jugend Ihnen de» Standpunkt klarmachen. Sie mögen aus dem Saal auswandern und unsere Rckden nicht an hören, für Sie sind unsere Reden nicht bestimmt, sie gehen'binaus in das Volk, in die Schützengräben, und dort wirken sie. �(Beifav be-i den Sozialdemokraten.) Atz? ir. Heß(Zentr.): In den deutschen,�.(len wird Vaterlandsliebe gelehrt, aber kein Lölkerhaß. Unffst �/Jugend muß frei von falscher Senti- Mentalität erzogen-flstlrLtl. Ihr müssen die Augen geöffnet locrdcn über den Abgrund von Ruchlosigkeit und Skrupellosigkeii, die zu diesem Kriege geführt haben.(Lebhafte Zustimmung.) Die Anhänger der Einheitsschule wissen selbst nicht, was sie wollen. Auch ein so geistvoller Mann wie Dr. Traub hat darüber nur all- gemeine Redensarten gegeben. DaS deutsche Volksschulwesen ist in seinen Grundzügen durchaus gut und gesund.(Beifall! im Zen- trum.) Ter Vorredner scheint sich in der Rolle eines Redner» zum Kultusetat selbst unbequem zu fühlen. Nur so versteht man die Enischuldigutig seiner sprachlichen Unbildung. Wir haben nichts gegen den Berliner Witz und die Berl'ner Schnoddrigkeit, aber der Witz darf niemals zu Taktlosigkeit, Roheit und Schlimmerem ausarten. Darüber entscheidet die inner« Herzensbildung, die man besitzen mutz, wenn man sich unterfangen lvill, die Keule des Witzes auf der Parlamentstribün« zu schwingen.(Lebhafte� Zu- stimmung.) Einem Vielredner kann auch mal eine Entgleisung passieren. Wer aber geloohnheitsmäßig Tinge, von denen er weiß, daß sie anderen heilig sind, in gesucht roher Weise behandelt, hat keinen Anspruch darauf, daß man ihm seine geringere Bildv. g zugute hält.(Erneute lebhafte Zustimmung.) Einem anständige" Gegner ist sein geringerer Bildungsgrad hier noch niemals bor- gehalten worden. Wenn Herr Hoffmann selbst weiß, daß sein« Bildung außerordentlich verbesserungsbedürftig ist, sollte er hier wirklich ctlvas bescheidener auftreten.(Sehr richtig! im Zentrum.) Es ist höchst sonderbar, daß eine Fraktion einem Herr», der seine Bild ungL Mängel offen eingesteht, hier ausgerechnet als Redner über Bildungsfragen auftreten läßt.(Sehr richtig!) Ein gebil- deter Sozialdemokrat würde sich sicher nicht dazu hergeben, ein so unreifes Durcheinander zu verzapfen, wie Herr Hossmaun dgs kann.(Heiterkeit.) Tiefe Hofstnannsche Manier verfängt aber offenbar bei einem Teil der sozialdemokratischen Wählerschaft. Die sozialdcnwtratische Fraktion sollte uns von dieser Sorte Kultur- rcdncr endlich befreien, denn die Hoffmaimsche� Manier ist vor allem für unser religiöses Gefühl ganz unerträglich.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Im anderen Falle wird dies Haus sich zu überlegen haben, wie es sich selbst von dieser Sorte Redner befreien kann.(Zustiniinung.) Im übrigen waren die Debatten zum Kultusetat von erfreulicher Versöhnlichkeit getragen. Wir wollen auch nach dem Kriege nicht vergessen, daß sachliche Gegensätze auch ohne persönliche Sckärfe erörtert lverden können.(Sehr richtig!) Aus unserer Schule sollen Männer von Bismarckschem Geiste hervorgehen, ein Geschlecht von Tatkraft und Entschlußfähigkeit, daS ohne falsche Seniitnentalität das Deutschtum in der ganzen Welt mit Stolz vertritt. Das heißt nicht, daß immer gleich mit der Faust auf den Tisch geschlagen werden soll. Tat aber Bismarck das einmal, dann war hinter der Faust auch ein starker Wille.(Zustimmung.) Daß es uns auch beute nicht an solchen starken Männern fehlt, da» ist uns ja erst eben durch eine offiziöse Erklärung in der„Bayer. Staatsztg." mitgeteilt worden. (Große Heiterkeit! rechts und im Zentrum.) Bismarck loar auch ein kluger Staatsmann. Er war immer eine Stunde früher auf- gestanden als seine Feinde. Die größte Ehrenhaftigkeit allein ge- nügt uns nicht bei einem Staatsmann, wenn sie nicht gepaart ist mit kluger Umsicht.(Zustimmung.) Wir halten uns an das BiSmarckicke Wort: Wenn die Deutschen zusammenhalten, so schlagen sie selbst den Teufel aus der Hölle!(Stürmischer Beifall und Händeklatschen rechts, im Zentrum und bei den National, liberalen.) Abg. Dr. V. Campe(natl.): • Ich möchte Herrn Hoffmann nur fragen, warum sich Millionen anderer Menschen, die auch nur die Volksschule besucht haben, doch von derartigen Sprachschnitzern befreit baben, wie er sie ständig hier vorbringt.(Sebr gut! und lebbafte Zustimmung.) Unseren Dissidentenantrag baben wir aus Toleranz eingebracht. Diese fehlt aber Herrn Hossmann völlig, wenn er in dieser Weise die Gefühle der übergroßen Mehrheit des HaufeS und des Volkes verletzt.— Wie die Elter» der Schulkinder über die Kriegsankeih« wirklich denken, beweisen die in den Schulen gezeichneten 40 Mil- lionen. Eine Verdrehung der Wahrbeit ins Gegenteil war sein« Tarstellung, als diente die Kriegsanleihe dazu, daß unsere Sol- baten totgeschossen werden. Wenn Herr Hoffmcmn sich über das Schntzengravenlied aufgeregt hat, so kann er freilich die Stim» mung nicht verstehen, die nach tagelangem Trommelfeuer unsere tapferen Krieger ergreift gegenüber Engländern, die die Hände hochheben, um dann unsere Soldaten hinterrücks niederzuschießen. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalem) Auf unsere Volksschulen sind unsere Feinde neidisch, denn sie können sie uns nicht nach- machen. Die Selbständigkeit der Soldaten, die treffliche Mit- Wirkung der Bevölkerung an der Ernährungsregelmig sind Folgen unserer vortrefflichen Schule.(Lebhafter Beifall.) Kultusminister b. Trott zu Solz: Ucber 50 000 Volksschullehrer stehen im Felde. Aber es ist gc- hingen, durch Mehrarbeit die Lücken fast ganz auszufüllen, so daß nur 19S von 102 000 Schultlassen geschlossen sind. Für den Lehrer- ersatz lverden später Lehrerinnen nur dann und wann in Be- tracht kommen. ES stehen 10 000 AnWärterinnen zur Verfügung, die unmöglich nutergebracht werden können. Wir lverden die Anforde- rungen, auch die recht hohen an die körperlichen Kräfte, streng durch- führen müssen. Es wird immer ein Stolz Preußens sein, für seine Volksschulen zu sorgen.(Beifall.) Ein Rcgicrungsvcrtretcr teilt mit, daß der Eiscnbähnminiftcr sich gegen den bei diesem Etat vorliegenden Antrag auf Freifahrt für Jugeudkompaznien mit Rücksicht auf die Konsequenzen erklärt Haft Tie Fahrt der Leiter zu den Uebungsplätzen bezahle die Heere», Verwaltung.'-■.■• Abg. Otto(Vp.): Luch wir bedauern lebhaft die in den lehten Tagen durch die Reden der Sozialdemokraten hervorgerufenen Szenen. Abg. Hoff- mann hat die religiösen und vaterlänSrischen Gefühle auch politisch freiheitlich denkender Männer aufs schwerste verletzt.(Leb- hafte Zustimmung links.) Der Lehrermangel wird eine der ver- hängnisvollsten Wirkungen des Krieges sein. Die Beschäftigung von Lehrerinnen darf über gewisse Grenzen nicht hinausgehen. Eine möglichst allgemeine Volksbildung ist der fruchtbarste Boden für eine unbesiegbare Wehrkraft, das hat das deutsche Heer be- wiesen.(Beifall.) Der religiöse Memorierstoff könnte ruhig ein- geschränkt werden. Die deutsche Lehrerschaft wird es sich nicht nehmen lassen, die Schule in den Dienst der Kriegsanleihe zu stellen. Bei der militärischen Jugendpflege mutz der Jugend ein gewisses Mast von Freiheit bleiben. Der hochpolitische Auöflug des Abg. Hetz hatte mit dem Volksschulwesen nichts zu tun.(Zu- stimmung links.) Abg. Ramdohr(fk.): Es ist erhebend, dast in dieser schweren Zeit an unserem Kultusetat auch nicht eine Million gekürzt ist. Da sollten die Franzosen und Engländer ihre Kultusetats herzeigen. lSchr gutl) Die Bilder der gefallenen Lehrer sollte man in den Klassen auf- hängen, das könnte im Geschichtsunterricht mehr wirken als dicke Bücher.(Bravo!) Den Erlast des Regierungspräsidenten zu Frankfurt begrüsten wir. Glaube und Frömmigkeit kommen bei den Jugendkompagnien nicht zu kurz. Die Rede des Abg. Hetz ent» sprach dem Geist unserer Zeit.(Lebhafter Beifall.) Damit schließt die Besprechung. Abg. Ad. Hoffmann(Soz.)(persönlich): Eine ganze Reihe Redner haben persönliche Angriffe gegen mich gerichtet, nicht gegen das, was ich gesagt habe, sondern das, waS sie in meine Rede ihincingclegt haben. Ich verweise auf daS Steno- gramm.— Nicht meine Sprachschnitzer babe ich verteidigt, im Gegenteil, ich bemühe mich nach besten Kräften, sie zu beseitigen. Protestiert habe ich dagegen, dast man Sprachschnitzer in meine Rede hincingefälscht hat. um mich lächerlich zu machen. Bei der Abstimmung werden die Ausschustanträge angenommen, davon der Antrag, dast 50 000 M. aus dem Dispositionsfonds für Kinderhorte bestimmt werden sollen(wogegen sich die Regierung aus- gesprochen hatte), der Antrag auf Beseitigung der Bevorzugungen für Schüler der Vorschulen und auf höhere Beihilfen für Privatmädchen- schulen gegen die Rechte. Die sozialdemokratischen Anträge betreffend Einheitsschule, Steuerpflicht der Lehrer und Beamten, Streichung der staatlichen Kirchenzuschüsse und Besteuerung des Kirchenvermügens werden gegen die Sozialdemokraten abgelehnt, der von der Regierung bekämpfte Antrag auf Freifahrt für die Jugendkompagnieleiter wird gegen die Freikonservativen und Nationalliberalen abgelehnt. Der fortschrittliche Antrag auf Errichtung einer Lehrkanzel für ungarische Sprache und Geschichte geht an die Unterrichtskommission. Der nationalliberale Dissidentenkinderantrcg steht nicht zur Abstimmung. Die Ausschutz- und sonstigen Anträge auf Erleichterung des Studiums Minderbemittelter werden sämtlich angenommen. Damit ist der Kultusetat erledigt. Sonnabend ll Uhr: Steuern und Finanzverwaltung, Ministerium des Auswärtigen, Etatsgefctz, Wasserstratzenvorlage, Schluß: 5)4 Uhr,_ die preußische Steuervorlage vor der Kommission. Die verstärkte Haushaltskommission des preußischen Abgeordneten- Hauses erledigte den Gesetzentwurf betreffend die Erhöhung der Zu- schlüge zum Einkommensteuer und zur Ergänzungssteuer. Der Ent- wurs sieht bekanntlich erhöhte Zuschläge vor, und zwar für die Zeit vom 1. April 1916 an bis zum Beginn desjenigen Etatsjahres, für das ein nach Abschluh des Friedens mit den europäischen Groß- mächten aufgestellter Staatshaushalt in Kraft tritt. Die Erhöhung soll alle Einkommensteuerpflichtigen mit einem Einkommen von mehr als 2400 M. und alle Ergänzungssteuerpflichtigen treffen. Nach längerer Debatte beschlost die Kommission gegen den Widerspruch der Regierung einstimmig, die Steuer nicht für die ver» langte Zeit, sondern nur auf ein Jahr zu bewilligen. Im übrigen ersuhr die Vorlage keine Abänderungen. Ein sozialdemokra- tischer Antrag, Einkommen unter 6500 M. von höheren Zuschlägen freizulassen und den dadurch entstehenden Ausfall durch eine stärkere Heranziehung der Einkommen über 200 000 M. und der Vermögen zu decken, wurde gegen die Stimmen des Antragstellers und des Vertreters der Polen abgelehnt. Das gleiche Schicksal er« fuhren nationalliberale und f»eikonservative Anträge, die auf eine Begünstigung der Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und Berggewerlschatten hinauslaufen. Eine Resolution, die die Regierung ersucht, mit allem Nachdruck im Bundesrat darauf hinzuwirken, daß bei Erschließung neuer Ein- nahmequellcn für das Reich jeder weitere Eingriff derReichS» gesetzgebung auf dem Gebiete der direkten Be- st e u e r u n g von Vermögen und Einkommen vermieden wird, und dast den Bundesstaaten die Möglichkeit, auch in Zukunft ihren wichtigen kulturellen Aufgaben gerecht zu werden, ungeschmälert erhallen bleibt, gelangt mit den Stimmen der beiden konservativen Parteien und des Zentrums zur Annahme. Abgelehnt wurde eine nationalliberale Resolution, die die Regierung ersucht: a) im Bundesrat darauf hin- zuWirken, dast im Reichsgesetz eine feste Abgrenzung zwischen dem Reich und den Einzelstaaten in Beziehung auf Steuern und Abgaben erfolgt; d) durch Landesgesetz die gleiche Abgrenzung zwischen Staat und Gemeinden herbeiznführen. Weiter wurde angenommen eine fortschrittliche Resolution, die die Regierung ersucht, sogleich nach Beendigung des Krieges eine Vorlage über Abänderung des Kom- munalabgabengeietzes einzubringen, sowie eine natioualliberal-frei- konservative Resolution, die an die Regierung die Aufforderung richtet, bei der vom Finanzminister in Aussicht gestellten Neu- gestaltung des Einkommensteuergesetzes darauf Bedacht zu nehmen, dast der Vorsitz in den Veranlagungskommiisionen in den Ver- anlagungsbezirken mit weniger einfachen Verhältnissen einem von der Regierung zu erneunenden Kommissar im Hauptamt übertragen werden. Der sozialdemokratische Vertreter hatte beantragt, die Regierung zu ersuchen, bei der Neugestaltung des Einkommen- steuergesetzes darauf bedacht zu nehmen, dast 1. die Grenze des steuerfreien Einkommens heraufgerückt. 2. der dadurch eulstehende EinnahmeauSfall durch eine stärkere Heranziehung der Einkommen über 100 000 M. weit gemacht, 3. die Selbsteinichätzung für alle Steuerpflichtigen festgelegt wird. Dieser Antrag fand keine Gegen- liebe, er wurde in seinem ersten Teil gegen die Stimmen der Sozial» demokratcn. des Polen, der Forlschrittler und einiger Nationallibe- raler, in seinen übrigen Teilen gegen die Stimmen dcS Antragstellers und des Vertreters der Polen abgelehnt. Zur Zrage öer Einheitsschule. Man schreibt uns: Im preutzischen Abgeordnetenhaus empfand eS der Redner der Konservativen. Herr von der Osten, offensichtlich als Störung der„burgsriedlichen" Zustände, daß beim Kultusetat von den So- zialdemokraten die Forderung der Einheitsschule wieder erhoben worden war. Entgegen dem sonst so pathetisch verkündeten Ver- brüderungsgeist des Schützengrabens, der alle Volksgenossen er- füllen soll, lehnt er in starrer, konservativer Dogmatil eine Ver- ständigung in dieser friedlichen Bildungsfrage als unmöglich ab. Sicherlich ist ihm die militärische Einheit der Nation ein unver- äutzerliches Axiom, aber für die Einheit des Bildungsweseirs seines Volkes scheint ihm das Organ völlig zn fehlen. Dabei wird gerade diese Forderung von allen großen Volkserziehern und pädagogischen Klassikern erhoben und aus die Formel gebracht; Ein Volk— eine Schule! Und gerade tiefe ethische und nationale Werte sind es, die jene in der einheitlichen Schulorganisation entdeckt haben und die sie ihnen erstrebenswert erscheinen lassen, wie bei- spielsweise bei Fichte nachzulesen ist. Herr von der Osten erspart sich die Mühe, seine Ablehnung irgendwie zu begründen, sei es wirtschaftlich, ethisch oder kulturell. Mit dem billigen Schlagwort: Die Einheitsschule ist mit Gleich- heitsschule identisch, geht er über dieses eminent wichtige Kultur- Problem zur Tagesordnung über. Wir aber fragen uns: Hat Herr von der Osten wirklich keine oder eine so vage Vorstellung von der Einheitsschule, die doch wissenschaftlich begründet ist und einen wissenschaftlichen Begriff darstellt? Das bewiese eine grenzenlose Oberflächlichkeit in der Bewertung volkserzieherischer Fragen. Oder redet er bewußt etwas Unrichtiges, um eine an und für sich gute Sache als schlecht zu diskreditieren? Um an der Forderung der Einheitsschule Kritik zu üben, muß man natürlich erst eine richtige Vorstellung von ihr haben. Die pädagogische Wissenschaft versteht unter der Einheitsschule ab- solut nicht eine neugcartete Schulanstalt, in der eine gleichartige Bildung für alle Volksgenossen erstrebt werden soll; das würde zeitiges Kasernentum, Uniformität her Bildung sein. Nicht eine besondere Schulart ist damit gemeint, sondern eine Neuor- g a n i s a t i o n des gesamten BildungSwesens, welche bei der Diffe- renzierung der Begabungen in weitest reichendem Maße der mensch- lichen Natur und den Bedürfnissen des modernen Lebens Rechnung tragen will. Aus diesem Grunde fordern die Anhänger der Ein- heitsschule an Stelle des heutigen Durcheinanders von Schulanstalten eine planmäßige Gliederung des Bil- dungswesens. Dabei sollen aber sowohl die wachsenden Bedürfnisse des wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Lebens berücksichtigt werden— deren Mannigfaltigkeit stetig wächst— wie auch die Vielfältigkeiten und Abstufungen der individuellen Fähigkeiten und Neigungen gebührend berücksichtigt werden. Sie erstreben also durchaus nicht eine neue Schulart womöglich mit einem einzigen Lehrfach für alle Kinder des Volkes, wohl aber die Beseitigung des zusammenhanglosen NcbeneinanderS von Schularten zugunsten eines organischen Aufbaues. Als selbstverständliche Voraussetzung hat die Einheitsschule natürlich den Unterbau der allgemeinen Volksschule, wie er mit bestem Erfolg schon in einer ganzen Reihe von Staaten eingeführt ist. Höherer Bildung soll nur der teilhaftig werden, der ein größeres geistiges Vermögen besitzt. Die heutige Schulorganisation führt eine solche Trennung nur nach der Begabung und Willens- kraft nicht durch, sondern macht den Geldsack der Eltern zum entscheidenden Merkmal für die Art der Schulbildung. Und dabei ist es durch die Erfahrung tausendfach bewiesen, dast die Verleihung des Adelsbriefes der Begabung nicht an Reichtum und vornehme Abstammung geknüpft ist. Ferner ist zu bedenken, datz weder Eltern noch Erzieher bei dem Alter der Kinder, zu dem sie jetzt die Entscheidung für eine Schulanstalt treffen müssen, ein ausreichend zutreffendes Urteil über die Eigenart der Begabung haben können. Die Auslese für die geeignete Schulanstalt erfolgt mit Aussicht auf größere Richtig- keit in späteren Jahren, wenn ausreichendes Beobachtungsmaterial gesammelt ist. Heute findet sehr oft eine falsche Auswahl der Schulanstalten statt(aus den angeführten Mängeln), und die tief eingewurzelten Standesrücksichten und andere äußere Rücksichten verhindern eine Korrektur des Fehlers durch Umschulung, ganz abgesehen von den stets damit verbundenen Zeit- und Geldverlusten. Die Einheits- schule mit ihrem mindestens fünfjährigen Unterbau vermeidet diese Gefahr der verkehrten Ausbildung und weist den Kindern recht- zeitig den BildungSwcg, der ihren Begabungen und Leistungen entspricht. Die heutigen Schulen tragen in sich den Hinweis auf den späteren Beruf. Begabte, aber arme Voltsschüler sind dadurch von den sogenannten höheren Berufen ausgeschloffen. Sie tragen un- verdientermaßen eine Benachteiligung gegenüber den minder be- gabten böheren Schülern der besseren Stände. Durch das Vorbild der sozialen Kastengliederung wird der frei« geistige Wettbewerb aller ausgeschaltet und einer begüterten Minderheit Vorzüge zu Lasten einer minderbegüterten Mehrheit eingeräumt und das ist ungerecht! Der größte Reichtum eines Staate? ist die Gesamtbildung seines Volkes und nicht die bevorzugte Bildung einer kleinen Ober- schicht. Deshalb müssen alle wertvollen Kräfte entdeckt und ent- wickelt werden, damit die tüchtigsten Köpfe— und nur sie— an die einflußreichsten Stellen im Staate kommen. Friedrich Paulsten richtet die unrationelle Organisation un- seres Schulwesens mit folgenden Worten:„Unbefähigte werden abgerichtet und treten in die leitenden Stellen, wo sie nichts leisten und ihnen selber nicht wohl wird, und andererseits wird solchen, die zu großer Fähigkeit innere Begabung mitbringen, die Gelegen- hcit zur Ausbildung vorenthalten; indem sie bei niederer Dienst- leistung festgehalten werden, geht ihr Talent der Gesellschaft ver- loren, und sie selber haben lebenslang den Druck der Verhältnisse." Die Einheitsschule verhindert, dast große Summen von Staats- acldern unnütz ausgegeben werden, um Unbegabte in höhere Siel- lungen zu befördern und um sich dazu vorher den nötigen Firnis zu holen. Sie wird ferner ausgleichend und sozial wirken und der be- denklichen Zerklüftung unseres Volkslebens entgegenwirken. Sie wird das Verständnis anbahnen zwischen den Kindern der einzelnen Stände und auch wohltätig einwirken auf die sich jetzt Verständnis- los gegeüberstehenden Alten. Freilich, die Widerstände für unsere Anschauungen sind groß und scheinen nach den Acutzerungcn des Herrn v. d. Osten sich nicht verringert zu haben durch die Erfahrungen des Krieges. Jenen Kreisen ist der Ausspruch des großen Hhgienikers Max v. Gruber unveräußerliches Postulat:„Es kommt in den unteren Klassen allerdings auch vor, dast ein besonders tüchtiger Mensch aus ihnen hervorgeht. Aber gerade die oberen Klassen müssen die erworbenen Eigenschaften weiter vererbe», sonst kommen wir zu einer Aus- merzung der Talente. Nichts ist für ein Volk wichtiger als ein genügender Nachwuchs von Personen, die für Führerschaft geeignet sind." Das sind Worte, die jedenfalls Herrn v. d. Osten aus der Seele gesprochen sind, und wie sie in den oberen Klassen herrschen. Nach ihrer Meinung sind nur die Besitzenden die geborenen Führer. Die Talente vererben sich naturnotwendig nur auf ihren Nachwuchs. Das ist kein Kastengeist, kein Standesdünkel, sondern jene rührende Bescheidenheit— wie wir sie seit langen Zeiten hin- reichend gewohnt sind._ Mus öer Partei. Harnisch gegen Liebknecht. Die.Deutsche Tageszeitung" hat in ihrem Stimmungsbild über die Sitzung des Abgeordnetenhauses vom Donnerstag behauptet, auch der sozialdemokratische Abgeordnete Haenisch hätte sich unter den wenigen Abgeordneten besundeu, die in, Fall Liebknecht gegen die Wortentziehung gestimmt haben. Abgeordneter Haenisch sagt dazu in einer Zuschrift an die.Deutsche Tageszeitung": Die Tatsache selbst ist richtig. Doch verwahre ich mich auf da« Entschiedenste gegen die etwa daraus herzuleitende Schlußfolgerung, als hätte ich durch diese Abstimmung irgend welche innere Gemeinschaft mit den Ausführungen Dr. Liebknechts über den Krieg bekunden wollen. Ich stimmte gegen die Wortentziehung nur deshalb, weil ich die Parteidiiziplin und die Fraktionssolidarität bis an die äußerste Grenze des Möglichen aufrechterhalten wollte. Die Mehr- heit der Fraktion hatte nun einmal Dr. Liebknecht zu ihrem Redner erkoren und so hielt ich es für meine Pflicht, durch meine Ab- stimmung die Fraktion auch in dem Augenblick noch zu decken, in dem ihr Redner in seinen ungeheuerlichen Schlußwendungen das Mast des Erträglichen weit überschritten hatte. Diese Wendungen selbst und die anderen Erörterungen Dr. Liebknechts über den Krieg decken zu wollen, ist mir nicht in den Sinn gekommen. Irgend welche Verantwortung für das Auftreten Dr. LieblnechtS im Ab- geordnetenhause. irgendwelche politische Gemeinschaft mir ihm lehne ich ein für allemal rundweg ab." Göhre Leutuant d. L. Wie die.B. Z." mitteilt, ist Genosse Abg. Paul Göhre zum Leutnant d. L. befördert worden. Göhre trat, da er über das dienstpflichtige Alter hinaus war. vor ungefähr Jahresfrist als lriegs- freiwilliger Unteroffizier in das Heer ein und nahm an dem Feld- zuge in Rußland teil. Er wurde Vizefeldwebel und Osfizierstell- Vertreter und erkrankte dann längere Zeit. Bei seiner Anlunft zur Reichstagseröffnung wurde er von seiner Beförderung als Offizier in Kenntnis gesetzt._ Frauenversammlung in Leipzig. Eine eindrucksvolle Frauenversammlung wurde am Donnerstag. den 16. März, im großen Saale des Zoologischen Gartens in Leipzig abgehalten. Hunderte von Frauen konnten keinen Einlaß finden. Genosse S e g e r sprach über»Die erwerbstätige Frau im öffciit- lichen Leben". Die Polizei hat anfangs gefordert, im Referat das Wahlrecht nicht zu berühren. Aus Vorstellung des Bezirksvorstandes ließ sie diese Forderung dann fallen, ebenso die Einreichung des Redeentwurfs, verbot aber die Aussprache. Da die vor mehr als einer Woche an den Reichskanzler abgegangene Beschwerde über die Behinderung gelegentlich der Steuerversammlung vom Ö. März noch nicht erledigt ist, mußte er sich dieser Forderung fügen, andern- falls die Versammlung mimöglich gewesen wäre. Mus Industrie und Handel. Kriegsgcwinnsteucr und vierte Kriegsanleihe. Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, besteht bei der Reichsregierung die Absicht, die im ReichSschuldbuch eingetragenen Beträge der 5 prozentigen Kriegsanleihen bei der Entricvtung der Kriegsgewinnsteuer ohne vorherige Umwandlung in SÄuldver- schreibungen zum Nennwert in Zahlung zu nehmen. Dies gilt auch für die mit Sperre bis 15. April 1917 einzutragenden Schuldbuch- zeichnungen der vierten Kriegsanleihe. Die Benutzung des Schuldbuchs empfiehlt sich also auch für solche Zeichner dieser Anleihe, die den gezeichneten Betrag später zur Begleichung der von ihnen zu ent- richtenden KriegSgewinnsteucr verwenden wollen.(23. T. B.) Die vierte österreichische Kriegsanleihe. Wie das Wiener.Fremdenblatt" hört, dürfte in der ersten Hälfte des April die Frage der vierten österreichischen Kriegsanleihe spruchreif werden. Die Bedingungen ständen noch nicht fest._ Die Brikettpreise. Au? der Niederlausitz wird mitgeteilt, daß die gesamte Niederlau sitzer Brikettindustrie beschlossen hat. die ab 1. Juli 1915 gültigen Preise für Hausbrandbrikctls auch für das am 1. April beginnende neue Zlbschlußjahr 19l6/t.7 bestehen zu lassen. Dieser Beschluß bedeutet, daß am 1. März dieses Jahres für das Absatzgebiet Groß-Bcrlin die Sommer« preise eingetreten sind, daß von diesem Zeitpunkte ab die Work« preise für Händler um 10 M. für 10 Tonnen ermäßigt worden sind. Es ist zu erhoffen, daß der gesamte Berliner Kohlenhandel diesem auf die Berliner Verbrauchskreise rücksichtnehmenden Standpunkie Rechnung tragen und die Kleinverlaufspreise gleichfalls in entsprechender Weise herabsetzen wird.(W. T. B.) Dazu wird uns geschrieben: .So viel Worte diese Ausführungen, die zweifellos aus braun- kohlenindustriellen Kreiien stammen, enthalten, so unrichtig sind sie. Der Sachverhalt ist nämlich folgender. Alljährlich treten in der Braunkohlenindustrie im März die sogenannten Sommerpreiie ein. Im Vorjahr war dies auch der Fall. Die Braunkohlenwerle hatten sich jedoch damals in ihren Abschlußkontrallen— im Gegensatz zu früher— ausbedungen, die Preise, wenn die erhöhten Selbstkosten es erforderlich machten, steigern zu können. Bon diesem Revers hatten sie auch Gebrauch gemacht und zum 1. Juli 1915 die Preise für sämtliche Sorten Braunkohlen erhöht. Anläßlich dieser Preis- erhöhung hatte die StaatSregierung zu erkennen gegeben, daß sie gegen jede weitere Erhöhung der Braunkohleiipreise ihr Veto ein- legen wird und daß sie sie nur genehmigt, wenn der übllche Sommer« abschlag bezw. Winterausschlag bestehen bleibt. Kurz gesagt, die Regierung hatte atlo die jetzige Preisherabsetzung für die damalige Preisaufbesierung zur Bedingung gemacht. Wenn jetzt die braun- kohlenindustriellen Kreise der Niederlausip die ganze Angelegenheit so darstellen, als wenn sie im Interesse der Konsumenten die Preise für die Hausbrandkohlen für die Sommerzeit herab« setzen, so ist diese Behauptung unrichtig. Wenn die Regierung nicht energisch gegen jede Preiserhöhung für Braunloblcn noch in allerletzter Zeit gewirkt hätte, so wäre der Sommerpreis nicht nur nicht eingetreten, sondern man hätte noch niit der Erhöhung der Brikettpreise rechnen müssen. Das niederlausitzcr Braunkohlenrevier hat sogar gegen den Willen der Regierung in einigen Bezirken ihre Preise für Jndustriebrikctts ebenso wie das Rheinland und Mittel- deulschland erhöht. Man sollte doch von dieser Seite vorsichtig sein mit Nachrichten, wie die oben erwähnte und nicht noch die An« gelegenheit so darstellen, als ob andere(nämlich der Kleinhändler) das schuldige Karnickel an den hohen Braunkohlenpreise sei. Kriegsgewinne. Die Bergwerks- Akt.« Ges. Coniolidation in Gelsenkirchen erhöht die Dividende von 15 auf 18 Proz. Der Be- richt weist einen Reingewinn von 4 243 791 M.(i. V. 3 588 220 Mark) aus. Die Nürnberger Metall- und Lackierwaren« fabrik vorm. Gebr. Bing verdreifachen ihre Dividende von 6 auf 18 Proz. Durch die Abschreibungen(1 450 227 gegen 373 372 M.) ist nunnichr die Fabrikalionseinrichlung mit allen Zugängen gänz- lich amortisiert. AIS Reingewinn werden 2 589 026 M. ausgewiesen (i. V. 1 066 191 M.). Auf neue Rechnung werden noch 578 563 M. vorgetragen. Die Bremen-Besigbeimer Oelfabriken in Bremen bringen wieder 18 Proz. Dividende zur Verteilung. Der Rein- gewinn ist von 1 937 219 aus 2 830 008 M. gestiegen. Auch die Kammgarnspinnerei Schedewitz verdrei« facht ihre Dividende, von 6 auf 18 Proz. Die A k t.- G e s. M i x u. G e n e st. Telephon- und Telegraphen- werke in Berlin-Schönebcrg, erhöht ihre Dividende von 12 auf 18 Prozent. Der Reingewinn beträgt nach 806 495 M. Abschreibungen (i.«. 368 986 M.) 2 650 101 M.(i. V. 1 201 7�5 M.) Soziales. Die preußische Einkommensteuer im KriegSjahr 1315. Die mnttichc„Stotistifche Korrespondenz" berechnet daS gesamte Einkommen in Preußen für das Jahr 1913 auf 24,27 Milliarden Mark gegen 25,37 Milliarden Mark im Jahre 1914, so daß ein Rückgang uin 1,19 Milliarden ober 3,9 v. H. stattgefunben hat. Hierbei ist zu berücksichtigen, datz Steuererlasse und Ermäßigungen für Einkommensaussällc in Höhe von 1,84 Milliarden eintraten; schon im Jahre 1914 be- zifferte sich dieser Ausfall an 1,89 Milliarden. Gegenüber dem Gesamteinkommen in Preußen sind diese durch den Krieg verursachten Minderungen recht gering. Aber das will nichts für die tatsächlichen.Einkommen der Massen der Be- bölferung besagen' die großen Elnkomnlensderschiebungen. d. h. die gewaltige Einkoimnensminderung für die unteren Schichten und die Einkonunenshäufung für die oberen wird erst zutage treten, wenn eine detaillierte Statistik der Steuer- Veranlagung für 1915 und 1916 vorliegt. Und das wird ein interessantes Kapitel über die durch den Krieg geförderte Ent- Wicklung des Finanzkapitals geben. Ausrechterhaltuug von Dienstverhältuiffe« während des Krieges. Eine sozialpolitisch sehr bemerkenswerte Verordnung ist in diesen Tagen in Oesterreich veröffentlicht worden und sofort in Kraft getreten. Es handelt sich hier um zwingende Vorschriften, daß den Angestellten kaufmännischer Betriebe während des Krieges nicht gekündigt werden kann, wenn sie zum Militärdienst eingezogen werden. Der wichtigste Para- graph deö Gesetzes lautet wie folgt: „Während der Tauer der militärischen Dienstleistung kann da-Z Dienstverhältnis weder vom Dienstgeber noch vom Dienst- nehmer durch Kündigung gelöst werden. Diese Vorschrift findet in Ansehung der nicht bereits bei Beginn des Krieges eingerückten Dienstnehmer schon von dem Tage Anwendung, an dem der Dienstnehmer zur militärischen Dienstleistung einberufen, assentiert oder zum Landsturmdienst mit der Waffe als geeignrt befunden oder in Kenntnis gesetzt worden ist, dag er zu persönlichen Dienstleistungen auf Grund dcS KriegsleistungSgesetzeS herangezogen wird.' Den Vorteil dieses Gesetzes genießen alle kaufmännischen Angestellten, die am 25. Juli 1914 schon mindestens einen Monat bei einer Firma beschäftigt waren. Die Firmen sind also verpflichtet, ihre sämtlichen kaufmännischen Angestellten nach Beendigung des Krieges wieder zurückzunehmen. Irgend- welche Ansprüche auf Gehalt hat der Angestellte während der Dauer seiner militärischen Dienstleistung nicht. Diese leben vielmehr erst wieder auf, wenn der Angestellte seinen Dienst wieder antritt. Diese Vorschriften finden nur auf solche Be- triebe keine Anwendung, lvelchc nach dein 25. Juli 1914 gänzlich oder infolge der kriegerischen Verhältnisse zum größten Teil eingestellt worden sind. y\m öer Frauenbewegung. Zum Fraueustimmrecht. In der Januarsitzung der Legislatur von M a n i t o b a, Kanada, wurde auf Antrag von Premier Morris die zweite Lesung der Stimmrechtsvorlage vorgenommen. Die Vorlage, die das Frauenstimmrecht auch für die Legislatur enthält, wurde in dieser zweiten Lesung einstimmig angenommen. Manitoba ist die erste kanadische Provinz, die daS Fraucnstimm- recht zur gesetzgebenden Körperschaft einführt. ES ist jedoch so gut wie sicher, daß ihr in Kürze die anderen Provinzen Kanadas folgen werden. In Mcpiko hat der Gouverneur der Provinz Ducatan, Alva rado, nach Merida einen Frauenkongretz einberufen. Auf diesem Kongreß wurde eine Resolution angenommen, die erklärt, daß. da die Frauen mit derselben Intelligenz wie die Männer ausgestattet seien, alle Einschränkungen des Wahlrechtes und der Wählbarkeit zu Aemtern für die Frauen ausgehoben werden müssen. Ein Herr A. D. Schellhammcr in Kansas City erklärte:»DaS Stimmrecht würde die Frauen unweiblich machen." Ein Buffaloer Blatt erwiderte dem Herrn darauf:»Falls unsere Leser nicht wissen sollten, wer Herr Schellhammcr ist, geben wir folgende Aufklärung: Herr Schellhammer ist der Eigen- tümer einer großen Fabrik in Kansas Eith und besitzt außerdem noch eine weitere Fabrik zur Herstellung von elektrischen Apparaten in St. Louis. Wir hatten Gelegenheit, einen Spaziergang durch Herrn Schellhammers Fabrikräume zu niachen. Da sahen wir Frauen, die an schweren Pressen arbeiteten, junge Mädchen, die lange Stunden unaufhörlich Maschinen bewachen. Eben fällt uns aber ein, daß Herr Schellhammer seinerzeit vor Gericht zitier: wurde, weil er gegen die Gesetze, welche die Arbeitszeit für Flauen regeln, verstoßen halte. Nebenbei ist Herr Schellhammer ein große« Licht in der Bewegung gegen die Gleichberechtigung der Ge- schlechter."_ Ein sozialdemokratisches Ehepaar als Stadtverordnete. In den skandinavischen Ländern können auch Frauen in die Kommunalverwaltung gewählt werden. Dadurch ist eS möglich ge- worden, daß ei» Ehepaar gleichzeitig zu diesen Ehrenämtern berufen wurde, wie eS in Malmö sSüdschweden) bei einer Ersatzwahl zur Stadtverordnetenversammlung geschehen ist. Dort wurde nämlich Frau Mathilde Persson, die Frau des sozialdemokratischen Reichs« lagSab�eordncten und Führers des schwedischen MaurcrverbandcZ Nils Persion, der selbst bereits dem Stadlverordnetenkollegium ange- hört, zum Mitglied der Stadtverordneten gewählt. Frau Persion ist in der schwedischen Arbeiterbewegung wegen ihres OrganisationS- talcntcs und ihrer Tüchtigkeit bekannt. An der Seite ihres Mannes hat sie sehr viel zur Entwicklung des schwedischen Maurerverbandcs beigetragen, und während der Tagungen des Reichstages, an denen ihr Mann teilnimmt, muß sie selbst einen großen Teil seiner Ar- bellen für den Verband erledigen. Auch an der sozialdemokratischen Frauenbewegung nimmt Frau Persion regen Anteil. Selbst in bürgerlichen Kreisen wird ihre Tätigkeit lobend anerkannt, wie ein Artikel in einer bürgerlichen Zeitung beweist, in den, gesagt wird, daß ihre Wahl zur Stadtvcr- ordnelen einen erklecklichen Zuschuß von klugem Reformwillen und praktischem Verstand bedeutet. 8oii»IlZe!llli>«'»ti5cIsei'VsliIvekeIii k. il. I Herl. Reictistagswafilkreis. 19. Abt. Bez. 827a. Am Dienstag, den 14. März, verstarb unser Genosse, der Buch- druckcr Max Freitag Soldiner Straße 70. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags i1/, Uhr, von der Leichenhalle des Phi- Iippus-Aposlcl-Kirchboscs aus nach dem städtischen Fricdhose, Müller- straße, Ecke Secpraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht LW/tl Ver V«i'«t»»nck. vellkedekHetallai'dkitei'-VLi'liaiill Verwaitungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser ktakert Heim Spandau, Franz st r. 1 am 11. März gestorben ist Ehre seinem Andenken! __ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. März, nach- mittags 2'/, Uhr. von der deichen. balle des städtischen Friedboses in Spandau, Kijscln, aus statt Rege Beteiligung erwartet 113/17 Tie Örtsvrrwaltung. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Metallarbeiter KaH Bierling Neulölln, Olerftr. 15 am 15. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. März, nach» millags.3 Uhr, von der tlcich-n- balle des Neuköllner Gemeinde- Fncdhoss, Maricndorscr Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Tic OrtSvcrwaltung. Nactiruk. Den Kollegen ferner zur Nach. richt, daß unser Kollege, der Schlosser Hickeiui Jahre Nilhelm-Slolze-Str. 15 am 10. März gestorben Ist Ehre seinem Andenken l Die Orisvcrwaltung. Am Ib. März starb nach langem Leiden, bü Jahre alt, unser Kollege Aipst Schweizer. Sein gerader Charaltcr, seine Kollegialilät sichern tbm bei uns ein ehrendes Andenken! Das Personal lier Allgemein. Orlskranbenliasse A üarlin-Ucetenberg. Nach langem, schwerem Leiden verstarb am 16. d. Mts. mein inniggelicbler Mann, unser guter Vater, Schwiegcr- und Großvater, der Kassenbeamte TVu�ust LekweiTer Finowstr. 4. Dies zeigt tiesbetrübt on Panllne Schweizer geb. Ulltsch, nebst Angehörigen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle der Freireligiösen Gemeinde, Pappe!» allce 15/17, aus statt. A SozialdeniokratischerWalil?ereiD U OerLReichsiacs-WaWkrels. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Gcnoffc, der Kassen- beamle August Sedvelier gestorben ist Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den IS. März, nach« mittags 3 Uhr, von der Halle der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee 15. aus statt 209/8 Um rege Beteiligung ersucht vei- Torsland. Am 16. März verstarb nach längerer Krankheit im Alter von O'J Jahren unser Angestellter Herr Aiizust Schweizer. Wir werden sein Andenken als eines stets pflichttreuen An- gestellten bewahren l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. März, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen. halle des Friedhofes der Frei- religiösen Gcineinde in Berlin, Pappelallee 15/17, aus statt. per Vorstand der Allgemein. Ortskrankenkasse A Berlin-Lichtenberg. Am 16. b. Mts»erstarb nach schwerem Krantcnlagcr unser Mitglied, der Mitbegründer unserer Genossenschast �uxust Schweizer. Dir betrauern in ihm aufrichtig den Verlust eines treuen Beraters und offenen Eharalters. Sein Andeuten wird stets in Ehren gewahrt bleiben. 21 Berliner Genossenschafts-Bäckeret, Gerichtstr. 23. Beerdigung am Sonntag, den >9. März, nachmittags 3 Uhr, aus dem Freireligiösen Friedhof, Pappelallee. Vei'Iiaiidd.lieilieiiiliL-ii.Slaatsai'Ii. pmalc Groll-Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- Acht, daß der Kollege Mtl Röpke welcher im Bei riebe der Parkverwaltung beschäftigt war, ver- starben ist. Wir werden ihm ein cbrendcS Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Sonnabend, den 18. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle de« Zcntral-FricdhofeS in Friedrichsjelde aus statt. .32/18 Ole Ortsverwaltung. Deutseber Transportarbeiter-Verlianil. Bezirksverwaltung GroB-Berlfn. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lager. arbeit« Paul Bürgel Bezirk Köpenick« Grünau, am 16. d. M. im Alter von 52 Jahren ll«slorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag. den 19. März, nach- mittags 2 Uhr, von d« Leichen- Halle des Friedhofes in Köpcinck au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 62/19 Ole Bezirksverwaltung. Ruaden- und Jünglings- AnzUae, Paletots, Pylalts, Konflrmatlons- AnzUzre. Einzelverkauf zu Fabrikpreisen. Rönigstr. 55, I. Etage, gegenüber Rathaus. Sonntag geschl. MÖBEL Bar oder Teilzahlung kauft jedermann billig— reell— kulant bei Keugebauer, Charlottenburg Wilmersdorfer Str. 128 Ecke Schillerstraße. Möbel-Gross 141 Große Frankfurter Straße 141 (Ecke Fruchtstraße, 5 liiauten v. 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Ehre seinem Andenke»: �Dic Beerdigung findet heute Sonnabend, den 18. März, nach- mittags i'l, Uhr, von der Halle des Nazarety-KirchhoscS, Ncmicken- dorf-West, auS statt. 14/14 Um rege Beteiligung ersucht Ol« Irtliehe Verwaltung. IfRaiiatlmariien der Konsumnenossensohaft JSerfin�ujid�UmgejBnd� Danksaguttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung niclncS lieben Mannes sage ich allen Verwandten und Be- kannten meiuen herzlichsten Dank. >Vwe. Wanda Traute gab. Cabanska. Falckensteinstraße Spezialarzt Dr. med. Wockenfnß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrllch-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuohung. Schnelle, sichero schmerzlose Heilung ohne Berufs- störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10— 2 und 4— 8 Modells schnell vergrHIen Günstige Gelegenheit nicht versäumen!!! PracbtstCohe in Kostümen. Original-Modelle in höchster Sehnei- der- u. 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Ip�Ter 1 Zuckerschale..... 68 pl 3 Weissbieppokale....... 68 pl 1 Konservenglas 68 rnsammen WlMakkarlikel 1 Abstäuben............... 68 pl 1 Glanzbürste..... 1 Schmutzbürste 1 Auftragebürste 1 Kleiderbürste 68 kucben form 1 Putzkasten. 1 Wicbskasten 1 Reibeisen... 1 Gurkenhobel 1 Sieb......... 1 Trichter... zusammen 'Pf. zusammen Fi. C> zusammen 1 Nudelrolle........... 1 Reibekeule.......... jdöpf. 1 Messerkasten.......... 68 pl 1 Paar Messer und Gabel 63 pl H I Konserven Stangenspargel>/. vo-c 1,45 Stangenspargel iÄ1.70 Stangensparge! Äe 1.75 Stangenspargel 1.95 Stangenspargel#.ftrx)oBe2.05 Riesenspargel dos«.. 2,10 Puddlng-Polver gomrbt � J2 Paket. PL Rote Grütze ic gefärbt..Paket JlwPL SaoMver in Vanille, fakct 4UPi n Lebensmittel Obst und Gemüse ispl 63 2 Liter Emaille (laMe 1 Ljlsr Emai'.lt »PL 2 Küchen- schüsseln Emaille 68 PL 1 Bratpfanne 63 Enaillt. PL 1 Essen- ]8P tnaill. 68 PL -Abtelluns: Blut-Apfelsinen Dataend 1,10 Gr. Kochäpfel...�pfud 40� Essäpfel............ Pfand 48? Kranzfeigen....... Pfand 75pl Datteln............. p�a 1.26 Rhabarber...........»and 18 Rosenkohl.Pfand 45?L Zitronen..��70, 80?l Ronstbonig in Ptunu tfüPL GeniMaielaile.n leicbt gefärbt,«Äll IIL Sorte Ptuad JUPL Salzheringe 6,12 Stack l PL Räucherwaren Sprotten.......... pfn&d 55 pl Sprottbücklinge � ptd. 48 pl Bücklinge..stock 16, 15 pl Makreienbüokiingcstck 35pf Sardinen in oei...... vc-c �/„ auf 16 Pf. herab. Als die Gasbercitung nur noch 8 Pf. Selbstkosten ausmachte, bezeichneten es schon in den 89er Jahren freisinnige Bezirksvereine und später Genosse Singer als Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion als einen Wucherpreis. Sie verlangten Herabsetzung des Preises und Beseitigung der GaSmessermiete. EllvaS Erfolg hatten diese Bemühungen. Sie sollen jetzt, wiewohl der Selbstkostenpreis auf etwa 6 Pf. für den Kubikmeter herabgesunken ist, durch eine Erhöhung der Gaspreise für diejenigen Ein- wohner, die nicht von der englischen Gesellschaft Gas beziehen, wieder beseitigt werden I, fiu8 Groß-öerlm. Die Me. Sie saß in der Elektrischen tief gebückt über ihre Markt- tasche, die sie ans den Knien hielt. Ihre Hände bedeckten zärt- lieh und zugleich krampfhaft die Pakete, mit denen die Tasche bis obenan gefüllt war. Mir sielen die Hände aus. die da ihr stummes und doch beredsames Spiel trieben. Es waren alte, abgearbeitete Hände mit hervortretenden Adern und schwieligen Fingern, zerfressen von der scharfen Lauge des Waschfasses. Müde, gleichsam im Takt mit dem schütternden Wagen, neigte sich der Kopf der Alten hin und her. Tie kümmerlichen Ueberreste des silberdilrchzoxxnen Haares, das am Schopf in eine Art Frisur zusammengeßißt war, wirkten rührend und fast mitleiderregend. Plötzlich hob sie den Kopf, und ein Paar dunkler, trauriger Augen blickte mich an. Das Gesicht, das einstmals schön ge- weien sein mußte, war von tiefen Falten durchfurcht. Die Stirne, deren edle Form überraschte, war mit unzähligen Run- zeln und Fältchen bedeckt. Sie blickte mich einen Augenblick lang an, und in dieser Zeit schien es mir, als sähe ich ein ganzes Leben vor mir, ein Leben, mit Mühsal belade», an Arbeit und Enttäuschungen reich. Es blinkte in ihren Augen feucht auf, und schnell fuhren die Hände empor, um das verräterische Naß vor dem Fremden zu verbergen. Einen kurzen Augenblick sah ich den Inhalt der Tasche, der offenbar mit dem Gemütszustand der Alten eng im Zusammenhang stand und. den die sorgenden Hände sofort wieder meinem Auge entzagen. Es waren Fcldpostpakete, verschnürt und behütet von einer zitternden Mutterhand._(z) Keine Verlängerung des Kuchenbackverbotcs. Der Geschäftsausschuß der Groß-Berliner Brotkartengemeinschaft hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, von einem Antrag an da» Oberkommando auf Verlängerung deS KuchenbackverbotS einstweilen abzusehen.__ August Schweizer. Die Berliner Partei hat abermals einen Verlust er- litten. Der Genosse August Schweizer, der dem 3. Kreise angehörte, ist verschieden. Schweizer, der Kassenbcamter war, betätigte sich schon unter dein Sozialistengesetze. Im Anfang der achtziger Jahce trat er der sogenannten„inneren Be- wegung" bei und wirkte fiir diese nach besten Kräften. Namentlich bei den Wahlen IWl und 1887 war er hervor- ragend tätig. Als im. Jahre 1861 der sozialdemokratische Wuhlvereiu für den 3. Berliner Reichstagswahlkreis ins Leben trat, gehörte er zu dessen Mitbegründern. Es spricht für das Vertrauen, daS sich der Verstorbene durch stille aber intensive Tätigkeit bei den Parteigenossen seines Kreises erworben hatte, daß man ihn damals an die Spitze des neugegründetcn WahlvereinS stellte. Den Posten des ersten Vorsitzenden hat er dann auch durch eine Reihe von Jahren innegehabt. Den jüngeren Genossen ist August Schweizer weniger bekannt geworden. Mit dem zunehmenden Alter kamen auch Krank- Heiken, die den Wackeren gegen seinen Willen von ber Partei- arbeit mehr und mehr zurückhielten. Am Sonntag nach- mittag um 3 Uhr wichd man ihn nun auf dem Friedhof der Freireligiösen-Gemeiüde in der Pappel-Allce zu Grabe tragen. Die mit ihm gemeinsam unter heute unbekannten Gefahren für die Partei wirkten, werden den treuen Käme- radcn nicht vergessen-I_ Badezeit in den Voltsbadeanstaltea. Nach einem Beschluß der Deputation fiir daS städtische Turn» und Badewesen werden die VollSbadeanstalten mit Schwimmhallen vom 1. April 1916 ab versuchsweise wieder um 7 Uhr morgenö geöffnet werden._ Eine Prostituierte erschossen. Bei einer Frau in der Bopenstr. 6, deren Mann im Felde stelit, wohnten seit einiger Zeit zwei Mädchen, die Nachts auf die Straße gingen, darunter die 21 Jahre alte Auguste Popowski. Als der Ehemann der Frau vor drei Wochen auf Urlaub kam, brachte diese ihre Abmieterinnen rasch irgendwo anders unter. Sobald der Mann aber wieder abgefahren war, holte sie beide zurück. Die Hauswirtin wollte der Frau kündigen, weil ihr das Treiben in der Keller- Wohnung nicht gefiel. Sie sah aber davon ab. um nicht ins Gerede zu kommen, weil e« sich um eine Kriegerfrau handelte. In der gestrigen Nacht hörte die Eigentümerin, die im Erdgeschoß wohnt vor dem Hause einen großen Lärm. Zwischen der Popowski und einem Manne war eL augenscheinlich zum Streit gekommen. Nach einiger Zeit lief daS Mädchen nach seiner Kellerwohnung, über der die Wirtin wohnt, und warf die Tür hinter sich zu. Der Mann, wie sich später ergab, der 35 Jahre alte Wächter Wilhelm Kaufmann aus der Richard-Waguer-Str. 19, lärmte vor der Tür noch weiter, bis die Wirtin das Fenster aufmachte und ihm Ruhe gebot. Daun ging er weg. Wie er später wieder in das HauZ hineingekommen ist, und waS er mit dem Mädchen hatte, ist noch nicht festgestellt. Genug, das Ende war, daß Kaufmann das Mädchen mit einem Revolver erschoß und dann die Waffe auf sich richtete. Auch er war sofort tot. Beide Leichen wurden von der Rcvieipolizei beschlaz- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Straßenröuber. Am 25. Februar schob ein junger Hausdiener eines hiesigen Geschäft» einen Handwagen vor sich her, der mit Marmelade beladen war. Er trug eine Ledertasche über die Schuller. Unterwegs kamen junge Männer an ihn heran und der eine von diesen erbot sich, dem Hausdiener zu helfen. Er wollte den Wagen ziehen, während jener schob. Der Hausdiener, ein noch junger Mann, ging arglos darauf ein, freute sich über die Hilfe und ahnte nichts BöseS. Als man jedoch einem Laubengelände am Wedding gegen- über war, zog der zweite junge Mann plötzlich ein Messer aus der Tasche, schnitt dem Hausdiener die Lederlasche, die 99 Mark enthielt, vom Riemen weg und bedrohte den Beraubten, als der die Tasche noch festhalten wollte, so lange mit dem Messer, bis er losließ. Dann ergriffen beide Räuber mit der Beute die Flucht und ent- kamen. Lange Beobachtungen brachten jetzt endlich die Kriminal« Polizei auf die Spur der Täter und gestern gelang eS, sie beide zu ermitteln und hinter Schloß und Riegel zu bringe«. Es sind zwei stellungslose Arbeiisburschen. Die beiden sind geständig und sehen einer schweren Strafe entgegen. Tot aufgefunden wurde der 53 Jahre alte Musiker Franz Borchard im Hausflur deS Hauses Kastanienallee 52. Ein Schutzmann brachte ihu noch mit einer Droschke nach der nächsten RetMrgswache. Dort konnte aber der Arzt nur noch den Tod infolge Herzschlages fest- stellen. Die Wohn- und Familienverhältnisse des Toten sind un- bekannt._ Eine Fraucnlciche ist unweit vom Marmorpalais in Potsdam aus dem Heiligen See gelandet worden. Die Persönlichleit der Toten ist noch nicht festgestellt. Radrennen im Apollo. Theater. Das Programm des Apollo- Thealer enlhält neben den üblichen Spezialitälen als neueste Dar- bietung, Radrennen auf dem Homertramcr-Apparat. Die Tireklion des Theaters hat zu dieser Veranstaltung neun der bedeutendsten Rennfahrer verpflichtet. Die Eröffnungsrennen am Donnerstag konnten jedoch infolge eines Defektes am Homertrainer-Apparat, der durch einen Sturz Stellbrinks verursacht wurde, nicht glatt zum Austrag gebracht weiden. Die Mechanik der Beobacktungs- einricklung einer der drei Fabrvorrichiungen(rotierende Walzen), trat auster Funktion. Deswegen mutzte das Rennen abgebrochen werden. Ein eingelegter Zweikampf zwischen Rütl und Lorenz über 2000 Meter wurde von Lorenz gewonnen. Den zahlreich er- schienenen Radsportfreunden dürste der Wettkampf auf dem Homer- trainer-Apparat einen Ersatz sür den Kampf auf dem Zement kaum geboten haben. Mus öen Gememöen. Tie Verabschiedung des Charlottenburger Etats. Die Cbarlottenburger Stadtverordneten haben am Donnerstag in einer austerordentlichen Versammlung den Etat verabschiedet. Eine Debatte knüpfte sich zunächst an die vom Magistrat beantragte Er- höbung der Gaspreise. Genosse H i r s ck bekämpfte diese Erhöhung nochmals aus grundsätzlichen und praktischen Erwägungen heraus, aber ohne Erfolg, die Magistratsvorlage wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Hiernach beträgt der Gasprcis alio vom 1. April ab>6 Pf., eine Milderung gegenüber der Magistralsvorlage ist nur insosern eingetreten, als bei den Automatengaspreisen keine Verteuerung gegenüber dem jetzigen Zu- stände eintreten soll. Während der Preis des Aulomatengaies bei dem bisherigen Einheitssatz von 13 Pf. tatsächlich schon 16 Pf. be« trug, soll er in Zukunft 16 Pf. nicht überschreiten. Bei dem Kapitel Volksgesundbeitspflege betonte der Verichterstaiter ausdrücklich, dast der Magistrat und der Etats« ausschust sich darüber einig seien, dast in dem Kampf gegen die Tuberkulose und die Säuglingssterblichkeit nicht nachgelösten werden darf, sondern dast. wenn sich nach Beendigung des Krieges die Rot- wendigkeit dazu herausstellen sollte, weitere Mittel hierfür angefordert werden müstlen. An das Kapitel.Allgemeine Verwaltung� knüpfte fich eine polemische Debatte zwischen den Liberalen und den Unpolitischen über das Thema, welche von beiden Fraktionen an der Steigerung der Ausgaben die Schuld trage. Jede will den Ruhm sür sich in Anspruch nehmen, dast sie sparsam gewiriichaftet habe. Tatsache ist, dast die Steigerung der Ausgaben im wesentlichen auf die Verhält- niste zurückzuführen ist und dast der vorliegende Etat eher zu knapp als zu verschwenderisch aufgestellt ist. Bei dem Kapitel Gemeindeschalen bemängelte Genoste Katzen st ein verschiedene Streichungen, darunter die für Schwimm- Unterricht und Schülerwanderungen. Bürgermeister Dr. M a i e r erwiderte, dast die Streichungen nur deshalb erfolgt sind, weil es bei dem grasten Lehrermangel an geeigneten Kräften für die Er- teiluug dieses Unterrichts fehlt. Das Kapitel Armenwesen gab unserem Genosten Katzen- stein Gelegenheit, auf die Notwendigkeit einer Erhöhung der Unter- stützungSsäye angesichts der ungeheuren Lebensmittelleuerung hinzu- weisen. Eine enliprechende Resolution war von sozialdemokratischer Seite im Ausschust gestellt, aber als überflüssig bekämpft worden. Gegen die im Kapitel.Krankenanstalten* beantragte Erhöhung der Verpflegungssätze in Krankenhäusern von 3 auf 4 M. wandte sich Genosse A h r e n s besonders mit Rücksicht auf die dadurch den Krankenkasten erwachsende Belastung. Die Erhöhung wurde jedoch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten beschlossen. Bezüglich der Gemeindesteuern wurden folgende Be- schlüsse gefaßt: Personen mit einem Einkommen von nicht mehr als 900 M. sind von der Einkommensteuer befreit, im übrigen beträgt der Zuschlag 170 Proz. Die Gemeindegewerbesteuer beträgt in Klasse I und U 165 Pro,., in Klasse M 150 Pro,., in Klasse IV 100 Proz., die Gemeindegrundsteuer für bebaute Grundstücke 2,7 und für unbebaute 5,4 Proz. des gemeinen Wertes, die Umsatzsteuer 1 Proz, des Umsatzes der bebauten und 2 Proz. der unbebauten Grundstücke, doch soll der Magistrat befugt sein, die Umsatzsteuer aus Billigkeitsgründen ganz oder teilweise zu erlassen, wenn ein Hypotheken- oder Grundschuldgläubiger das notleidende Grundstück in der Zwangsversteigerung erstehr oder zur Vermeidung der Zwangsversteigerung freihändig erwirkt. Die Betriebssteuer wurde auf 100 Proz., die nach Maßgabe� des Gebäudenutzungswertes zu erhebende Kanaliialionsgebühr auf 1,15 Proz., die Gebühr für die Beseitigung des Hausmülls auf 0,9 Proz. festgesetzt. Fleisch karte« für städtisches Schweinefleisch in Neukölln. Durch die Einführung der Fleischkarte soll die Verteilung des Fleisches an die Bezugsberechtigten gleichmästig in der Weife er- folgen, dast ein längeres Warten an der Kartenausgabe- oder vor den Verkaufsstellen vermieden wird. Die Karte soll ferner dem Inhaber die Gewähr bieten, dast er bei einem bestimmt bezeichneten Schlächtermeister auch Fleisch oder Fett erhält. Den Familien soll die Karte in der Reihenfolge der Hausliste und nach Matzgabe des zum Verkauf stehenden Fleisches direkt von der Brolkommission zugestellt werden. Einzelpersonen haben keinen Anspruch auf eine Fleischkarte. Der Verkauf, der durch die Schlächter- meister erfolgt, findet in der Regel Mittwochs und Sonnabends statt. Die Schlächtermeister sind verpflichtet. 75 Proz. des gesamten ihnen von der Stadt überwiesenen Fleisches in einheitliche� Verkaufs- lose von 1 Pfund einzuteilen. Das für die Verkaufslose vor- geschriebene Gewicht von 1 Pfund darf nur bei Eisbein� über- schritten werden, wenn es dessen sachgemäße Zerlegung erfordert. Das Gewicht, die Fleischsorte, der Verkaufspreis, letzterer unter Beachtung der gülligen Kleinhandelspreise, serner der Tag der Bezugsberechtigung werden in der Fleischkarte vom Schlächter« meister ausgefüllt und diese mit seinem Firmenstempel versehen. Alsdann gelangen die Fleislbkarten an die Brotkommissionen zwecks Zuteilung an die einzelnen Haushaltungen. Die Zustellung an diese erfolgt am Nachmittag vor dem Berechtigungstage. Nicht bestellbare Fleischkarten gehen zur Brotkommiision zurück und werden dort unter Wahrung der Reihenfolge den nächsten empfangsberechtigten Familien überwiesen. Das übrige von der Stadt gelieferte Schweine- fleisch(25 Proz.) darf nur zur Herstellung von frischer Blutwurst mit Semmelzusatz. Thüringer Blutwurst und weicher Braunschweiger Mettwurst verwendet werden. Der Verkauf der aus städtischem Schweinefleisch hergestellten Wurst erfolgt in freiem Handel unter Beachtung der geltenden Höchstpreise, jedoch nur in Neukölln. Fleischkarten, welche am Berechlignngstage bis spätestens 6 Uhr abends nicht eingelöst sind, verlieren ihre Gültigkeit und der Schlächtermeister rst berechtigt, das dann noch vorhandene Fleisch bezw. Fett im freien Handel zu verkaufen. Die Fleischkarte gilt lediglick für den einmaligen Gebrauch am Berechtigungstage. Beim Flcischkauf ist dieselbe dem Schlächtermeister zurückzugeben. Es wäre wünschenswert, wenn die Behörden der Stadt Neukölln auch das versprochene Schweinefleisch recht bald übermitteln wollten. Nach dem bisher zur Verfügung gestellten Quantum müßten sonst die Einwohner verschiedene Wochen warten, ehe sie Schweinefleisch erhalten._ Städtischer Schmalz- und Speckvcrkauf in Neukölln. Vom Magistrat Neukölln werden wir ersuch:, darauf aufmerksam zu machen, daß der Schmalzverkauf in den sechs städtischen Per- kaufsstellen auf Grund der Brotkarten für die 52. Brotkartenwoche mit Ablauf des 1 8. M ä r z geschlossen wird. Dafür wird vom Montag, den 2 7. März 1916 ab mit dem Verkauf von Speck begonnen, und zwar nach den gleichen Grundsätzen wie sür Schmalz, jedoch mit der Aenderung, dast der Speck nur gegen Vor- legung des Msttelstücks der Brotkarte der 6 7. Broikarten« Woche, das ist die Woche vom 20.— 26. März 1916, ausgegeben wird._ Dieses M i t t e l st ü ck mögen sich also alle Neuköllner sorgfältig aufbewahren. Näheres wird noch an den Anschlagsäulen und in den Zeitungen bekanntgegeben werden. Maßnahmen zur Erhaltung des Viehbestandes in Pankow. Infolge der Futtermitlelknapvbeil ist der in den Pankower Molkereien vordem vorhandene Bestand von etwa 400 Milchkühen auf fast die Hälfte gesunken, so dast die Milchproduktion entsprechend vermindert und die Milchveriorgung erheblich beeinträchtigt»st. Die fortgesetzte Verschärfung dieser Sachlage hat die Molkereibesitzer veranlaßt, in einer Eingabe um Erhöhung des Milchpreises zu eriuchen. Diesem Ersuchen ist vom Gemeindevorstand nicht statt« gegeben. Vielmehr soll den Molkereien die Weiterexistenz und Er- Haltung ihres Viehbestandes durch Zahlung einer sogenannten Stall- Prämie, wie sie bereits von Charloitenburg eingeführt ist, ermöglicht werden. Da diese Idee auch die Zustimmung der Kreisbehörden gefunden bat und der Kreis einen Betrag von 50 Pfennigen pro Tag und Tier auf seine Rechnung übernehmen will, beschlost die Gemeindevertretung, von Gemeindewcgen weitere 30 Pf. zuzuschießen. Diese Stallprämie im Gesamtbetrag von 80 Pfennigen pro Tag und Tier enlspricht im Effekt ungefähr demjenigen der geforderten Milch- Preiserhöhung._ Reisverkauf in Reinickendorf. Die Restbestände an Reis kommen in der Zeit vom 20. bis 25. März in den fünf Lebensmilteiverkaufsstellen der Gemeinde zum Verkauf. Die Abgabe erfolgt gegen Vorlegung und Abstempelung der vom 20. März ab gültigen neuen Feltkaiten. Aus jede Karte wird ein halbes Pfund abgegeben. Der Kaufpreis beträgt pro Pfund für Reis Sorte I 60 Pf., Sorte n 40 Pf., Sorte III 35 Pf. Ein weilerer Verkauf von Reis findet nicht mehr statt, da damit die Vorräte der Gemeinde einstweilen erschöpft sind. Mitgliederversammlung in Britz-Buckow. Der dortige Wahlverein nahm kürzlich Stellung zu der am 30. Januar 1916 staltgefundenen Vorsitzenden- Konferenz des Kreises Teltow-Beeskow und verurteilte die daselbst angenommene Resolution. Folgender Antrag wurde einstimmig angenommen:»Die Der- sammelten sind mit dem Beschlust der am 80. Januar statt- gefundenen Vorsitzenden-Konferenz nicht einvetstanden, sie erklären vielmehr ihre Zustimmung zu der aus derselben vorgelegten Resolu- tion des Neuköllner Wahlvercins und fordern, um eine klare Stellungnahme der Parteigenosien des Kreises herbeizuführen, die Emberufung einer Kreisgeneralversammlung.* Gemeindevertrcterwahlen. Stichwahl in Hohenschönhausen. Die am 5. März stattgefundene Gemeindevertreterwahl brachte kein endgültiges Resultat und führte zur Anberaumung einer Stichwabl. Dieselbe findet morgen Sonntag, den 19. d. M., zwischen 2 und 5 Uhr, im Schulgebäude Rödernslr. 69 statt. Jeder unserer Parteifreunde muß sein Wahlrecht ausnutzen, um die Wahl unserer Genosten Max Thiele, Ferd. Krause zu sichern. Roseothal! Sonntag, den 19. März, mittag? von 12 bis 8 Uhr, findet für den 1. Bezirk der 3. Abteilung die Ergänzungswahl zum Gemeinderat statt. Das Wahllokal befindet sich in der Turnhalle der Gemeindeschule in der Goelhesiraste. Kandidat ist wiederum Ge- noste Posamentier Robert Ha f weck. Pflicht eines jeden Partei- genossen ist, sich an der Wahl zu beteiligen. Die Genosten treffen sich um»/z12 Uhr im Wahllokal. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Am Sonntag, den 19. März 1916, nachmittags von 3—6 Uhr, finden die Wahlen zur Gemeindevertretung in der 3. Abteilung statt. Der sozialdemokratische Wahl- verein und die in Betracht kommenden Grundbesitzervereine haben ein Uebereinkommen dahin getroffen, daß die Wahlen in burgfried- licher Weise vorgenommen werden und den einzelnen Parteien ihr bisheriger Besitzstand erhallen bleibt. Demzufolge stellt in der 3. Abteilung nur unsere Partei Kandidaten auf, und zwar für den I.Bezirk: Albert Schmidt, Bauunternehmer.— Wahllokal: Brandt, Bahnhofstr. 61. Für den 2. Bezirk: Oswald Schumann, GewerkschaflS- angestellter, Richard Kohlgarth, Schriftsetzer.— Wahllokal Brügger, Köpenicker Allee 59. Da es sich im 2. Bezirk um eine Ergänzung?- und eine Ersatz- wähl handelt, ist die Reihenfolge Schumann, Kohlgarth streng inne- zuhalten. In der 1. und 2. Abteilung werden unsererseits keine Kandidaten aufgestellt.— Da von der Gemeindeverwaltung keine besondere Be- nachrichtigung an die Wähler ergeht, ist es notwendig, dast jeder Wähler seinen Steuerzettel mitbringt I Beurlaubte Heeresangehörige können an der Wahl teilnehmen, sofern sie in der Wählerliste stehen. Wir ersuchen untere Wähler, vollzählig und pünktlich zur Wahl zu erscheinen und auch ihre Freunden und Bekannten zu veranlasten, ihre Stimmen sür unsere Kandidaten abzugeben. Marieudorf-Südende. Sonntag, den 19. März 1916, vormittags 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr findet in der Turnhalle der 4. Ge- meindefchule in der Kurfürstenstr. 53/54 die Ergänzungswahl für die 3. Abteilung der Gemeindevertretung statt. Es sind vier Gemeinde- verordnete zu wählen. Aufgestellte Kandidaten find: Paul Weber, Reinhold Geiseler, Hugo Eberlein und Hermann Wald» heim. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich an der Wahl zu beteiligen und den vorstehend genannten Kandidaten ihre Stimme zu geben.__ Gerichtszeitung. Die Vcrsammluugsvcrordnung des Oberkommaudierenden. Die am 8. November 1915 vom Oberbefehlshaber in den Marken erlassene Verordnung, die auch für nicht öffentliche Versammlungen politischer Vereine die Anmeldung fordert, wurde gestern auch von der 2. Strafkammer des Landgerichts Berlin III für rechtsungültig erklärt. Ter Genosse Redakteur Karl Leid war bekanntlich am 12. Februar vom Schöffengericht unter Aufhebung eines gegen Leid in Höhe von 10 M. erlassenen Strafbefehls freigesprochen. Auf den 30. November war eine Atitgliederversaminlung des Wahlvereins des sechsten Berliner Wahlkreises, dessen Vorsitzender Leid ist, ein- berufen, ohne diese Versammlung vorher anzumelden. Das Schöffengericht hatte in der Begründung dargelegt, dast eilt- sprechend der Rechtsprechung des Reichsgerickto die Verordnung ungültig sei, weil sie Zuwiderhandlungen„mit Geldstrafe bis zu 100 M., im Unvermögenssalle mit entsprechender Haftstrase" bedroht. Das widerspreche der Strafnorm des§ 9 b des Belagerungsgeietzes. Die Verdotsnorm und damit die gesamte Verordnung sei nichtig. Ter Staatsanwalt rechtfertigte die von ihm eingelegte B e- rufung folgendermaßen: Allerdings sei dem Reichsgericht darin zu folgen, dast eine auf{5 9 b gestützte Verordnung rechtsungültig sei, wenn sie eine andere Strafe androhe als das Belagerungsgesetz selbst. Aber die Versammlungsvcrordnung sei hier als auf Grund des 8 4 des Belagerungsgesetzes erlassen zu erachten. Nach dieser Bor- schrist sei mit dem Belag muigszustond die vollzieh cude Gewalt auf den Oberbefehlshaber übergegangen. Er kbnnr deshalb anch a» Stelle der Polizeibehörde eine Verordnung erlassen. Die Grenzen, an die eine Polizeibehörde durch daS Vereins- und Versammlungsrecht im Frieden gebunden sei, seien durch den Belagerungszustand in Fortfall gekommen. Bei der Strafandrohung könne der Oberbefehls- haber bis zu derselben Höhe gehen, wie ein Minister in seinem Ve» ordnungsrecht sür die Monarchie.»Er beantragte deshalb Bestrafung zu 10 Mark Geldstrafe. Der Verteidiger Rechts- anwalt Hugo Haase führte demgegenüber aus: Die Ansicht der Staatsanwaltschaft ist unhaltbar. Zunächst lasse die Form der Verordnung pnd ihr Inhalt darüber keinen Zweifel, dast sie tatsäch- lich aus Grund des§ 9 b des Belagerungsgesetzes ergangen ist. Aber auch wenn man der entgegenstehenden Ansicht, folgen wolle, sei doch der Versuch, ein? Rechtsgültigkeit der Verordnung zu kon» stmieren, mißlungen. Wenn der Oberbefehlshaber nicht als gesetz- gebende Gewalt auf Grund des§ 9 d,. sondern als vollziehende Gewalt auf Grund des Z 4 eine Verordnung erlasse, so sei er an die- jenigen Kompetenzen gebunden, die der Polizeibehörde zustehen. Eine solche Anmeldungsverordnung dürfe aber keme Behörde erlassen, ganz abgesehen davon, dast die Form der Verordnung einer Polizeiverordnung widerspreche. Könne aber die Polizei solche Verordnung nicht erlassen, so laste sich ein solches Recht auch für den Oberbefehls- haber nicht aus dem§ 4 ablesten, der ihm ja nur die Befugnis er- teste, an Stelle der Polizeibehörde vorzugehen. Er beantragte des- halb Verwerfung der Berufung. Das Urteil' des Gerichts ging dahin: Die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Berufung wird verworfen; die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. In der Begründung wurde ausgeführt: Das Berufungsgericht hat sich den Ausführungen des Verteidigers angeschlossen, die mst der Ansicht des ersten Urteils übereinstimmt. Der, Inhalt der Verordnung zeigt, dast sie„im Interesse der öfsent- lichen Sicherheit" erlassen ist, dast sie also auf 8 9 des Belagerungs- gefetzes beruht. Da ihre Strafnorm mit der des§ 9 in Widerspruch steht, ist sie ungültig. Wollte man sich aber anch aus den Standpunkt stellen, daß eS sich um eine auf Grund des 8 4 erlassene Verordnung handle, so sei zweifelhast, ob der Oberbefehlshaber auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechts als vollziehende Gewalt eine Verordnung erlassen könnte. Selbst wenn ihm aber dies Recht zu- stände, so sei er cm die Grenzen gebunden, die das Polizeiverrrd- nungsrecht dem Oberpräsidenten einräume, er könnte also eine höhere Strafe als 60 M. nicht androhen. Das tut aber die Verordnung: auch aus diesem Grunde sei sie ungültig. Demnächst wird die Berufungsinstanz über dieselbe Rechtsfrage in der Anklage gegen den Genossen Brinkmann zu entscheiden haben, der am 11. Februar vom Schöffengericht Neukölln wegen Verfehlung gegen die Verordnung zu 15 M. verurteilt war. Der Weihnachtsbaum des Präsidenten. Der Weihnachtsbaum des Polizeipräsidenten v. Herzberg soll nun noch einmal das Gericht beschäftigen. Der Amtsanwalt hat gegen das freisprechende Urteil deS Schöffengerichts Berlin-Schöne- berg Berufung eingelegt, so dast sich die Strafkammer des Land- gerichtS II über den eigenartigen Vorfall zu äußern haben wird. Mus aller Welt. Ter Kampf um die Lebensmittel. Im Trierer Bezirk hat die jüngst; Kartoffel« b e st a n d a u s n a h m e ein überraschendes Ergebnis gehabt; Tausende von Zentnern sind in einzelnen Ortschaften in- folge schärfer ausgeübter Kontrolle mehr herausgekommen. Bei einem Bauern wurden über 300 Ztr. Kartoffeln gefunden, der bei der ersten Bestandsaufnahme nur 30 Ztr. angegeben haue. Die Aachener Polizei hat in einer größeren Anzahl Privat- und Gefchästshäufer die B n dt e r- un d l�e rrv orr ä rv mit den bei der Bestandsausnahme angezeigten Mengen verglichen und dabei festgestellt, dast reichliche Vorräte verschwiegen worden sind. Die nicht angegebenen Mengen wurden beschlagnahmt. Gegen dio Besitzer wird strafrechtlich vorgegangen. AuS der Haft entlassen. Wie wir kürzlich meldeten, wurde iu Gumbinnen der RegierungSsekretär, Rechnungsrat Axt in seiner Wohnung ersckiosten aufgefunden. Als mutmastlickicr Täler wurde der Sohn des Erschossenen, ein früherer Student der Medizin, in Polizei- hast genommen. Die gerichtsärztliche Sektion der Leiche hal er- geben, dost der plötzliche Tod ohne Verschulden einer dritten Person erfolgt ist. Der junge Mann ist daher sofort aus der Hast entlasseu und die Leiche zur Beerdigung freigegeben worden. In einem kühlen Grunde... Das Mühlenanwesen in B r e s» n i tz»bei Ratibor), das dort unten.im kühlen Grunde liegt*, irnd das der Dichter Freiherr v. Eichendorff so schön besungen, ist, wie dem„Berliner Tageblatt* geschrieben wird, ein Raub der Flammen geworden. Hans und Scheune sind vernichtet, aber das Mühl- rad geht weiter, da die Mühle, die in einem über 100 Jahre alten Bau liegt, erhalten geblieben ist. Dagegen ist das Haus, in dem das.treulose Liebchen" gewohnt hat, bis auf die Grundmauern medergebrarmt. Feuer i« einem Lazarett. Wie.Az Est* aus K 0 n st a n- tinopel meldet, fiel Donnerstag nachmittag das dortige Spital deS ungarischen Roten Kreuzes einer Feuersbrunst zum Opfer. Im Spital waren 352, zumeist schwerverwundete Soldaten untergebracht. Unter den Kranken entstand eine große Panik. Den Wärtern gelang es, sämtliche Kranken in den Spitalgarten zu be- fördern. SitzungStage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Reinickendorf. Montag, den 20. März, nachm. 5 Uhr, im Rathause, großer Sitzungssaal(Hanptstr. 38). Diese Sitzungen sind»ffenllich. Jeder Semeindeangehörige ist be- rechttgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 19. März. vorm. 10 Uhr: Feier der Jugendweihe im Festsaal deS Berliner Stadthaufes, Eingang Jüdensttaße(an der Swalaner Str.). Festrede Herr Dr. B. Lille: „Das bessere selbst.' Eintritt sür Erwachsene 20 Pf, jur Kinder 10 Pf. Briefkasten der Redaktion. I. St. 100. 1. Die Militärbebörde ift dazu nicht verpflichtet. Tie Deförderiuig der Leiche würde auf Koftcn der Frau geschehen. 2. Massen. gräder werden überhaupt nicht geöffnet 3. und 4. Die Beantivortung erübrigt üch nach dem Lorftehenden.— B. St. 5J8. DaS Fleisch sann nicht lonstsziert werden.— I. W. 8. l. Kündigung zutt� 1. Ottober kann erfolgen. 2. Die Gerichtsloiten können auch jetzt durch Pfändung ein- getrieben werben.— 100 Lüderitz. Wenn der Nachtvels erbracht werden kann, daß die Frau bei Abfassung deS Testaments nicht mehr im vollen Besibe ihrer Geisteskräfte war. ist daS Testament durch Klage anzufechten. — H. M. 07. 1. Nein. 2. lieber diele Steuerfragen wird ja in nächster Zeit noch im Parlament sowohl, als auch in der Parteivreise viel diskutiert werden.— C. P. 100. DaS Gesuch ist an den Kompagniesührer zu richten. Es bat aber wenig Aussicht auf Erfolg, da die oerheirateten Leute zunächst berücksichtigt werden.— St. X. 100. a.ie Desinfektion der Wohnung müssen Sie sich gefallen lassen. Tic Kosten fallen Ihnen zur Last.— 31.«. 92. Sie sind zurückgestellt wegeil chronischer Kralikheits- zustände des Lyinphfvslems und des Blules. eie werden nach einem Haiden Jahre nochmals gemustert.—- V.,." Lichtenberg. 1. An den Armenvorstehcr. 2. ES muß zunächst oeun Amtsgericht die Anberaumung eines Sübnelermins beantragt werden. Die Sachen braucht Ihre Frau, ta sie ihr(Jigentum sind, nicht herauszugeben. 3. Da sie für die Miele hatten, würde es sich wohl emp'ehlen. daß Sie zunächst noch zahlen. — K. Z. 05. 1. Das hätte vor der Erbteilung geschehen müssen. 2. Eine Klage erscheint uns deshalb aussichtslos.— C. W. 23. Nein. WetteranSstchten für das mittlere Norddeutschtand bis Tonntag mittag. Zeitweise ausllarend, jedoch überwiegend trübe oder nebelig, ohne erbebliche Niederschläge, im Luuieulande mild, au der Küste noch ziemlich kühl. Nr. 77. 33. Jahrg. Ks JoraWs" ftr Nsrkii-OßU Eingegangene Druckschriften. Ton der»Neuen Zcit� ist soeben das 25, Hest vom 1. Band des 34, Hahrganfts erschienen, Zlus dem Inhalt des Heltes heben wir hervor: Der neue Tabaliteuerentwurs, Bon Hermann Molkenbuhr.— Sozial. demokratische Steuerpolitik, Bon K, Kautsky,(Fort ctzung,)— Der rote Faden der preußischen Geschichte. Von F. Mehring,(Forlsetzung,)— Vom Birtschaslsmarkt, Sie steht's um die deulsche Eisenindustrie'< Von Heinrich Cunow.— Die deutsch-sranzösische Meistbegünstigung, Von Anton Hos- richter.— Literarische Rundschau: I. o, Michaelsburg: Im belagerten Przempsl. Von K. 0.— Notizen: Die schweizerische Gewerkschaftsbewegung im Zahre 1914, Von D. Z. Von der»Gleichheit«, Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr, 13 des 26. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir bcrvor: Gruß aus Oesterreich, Von Adelheid Popp,— Erwcrbsarbeit und Staatsbürgcrrccht der Frau, Bon Luise Zieh, — Staatsmonopole als Einnahmequelle,— Die Erwcrbsloiensürlorge in der Textilindustrie. Bon Hermann Jäckel,— Um das Frauenwahlrecht in Holland. Von A. H.— Jugendliche Arbeiter und ungelernte Arbeit. Von 2, B.— Aus der Bewegung: Margarete WengelS zum 60. Geburtstag,— Notizenteil: Frauenstimmrecht.— Sozialistische Frauenbewegung im Aus- land.— Frauenarbeit. Vom„Wahren Jacob« ist soeben die 6. Nummer des 33. Jahrganges erschienen, „Tie Versorgung der Kriegsteilnehmer, ihrer Familien und ihrer Hinterbliebenen.« Bon diesem in der Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H,, Berlin IV 68, verlegten Führer ist soeben eine neue verbesserte Auflage erschienen, Sie berücksichtigt die inzwischen eingetretenen Aenderungen und Ergänzungen der in Betracht kommenden Gesetze, insbesonders die Bekanntmachung vom 21. Janaar 1916, die den Kreis der Unterftützungsberechtigtcn ausdehnt, die Anordnungen über be- sondere Zuwendungen an kriegswitwcn und-Waisen und die Bekannt- machung vom 23, Dezember 1915 über die Anrechnung von Militärdienst- zeitcn und die Erhaltung von Anwarlschasten in der Invaliden- und Hinter« blicbencnversicherung. Die übersichtliche Anordnung des Stesses setzt jeden in die Lage, sich ohne viel Mühe über jede einschlägliche Frage zu unter- richten, Preis der Broschüre SO Ps. „Dokumente zum Weltkrieg.« Herausgegeben von Eduard Bern- stein, Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G, m, b, H,, Berlin. Als XIII. Hest dieser Sammlung ist soeben„Das deutsche Weiß- buch II"(Ergänzungsbest) 1. Teil erschienen. Preis 50 Pf. Es enthält die vom Auswärtigen Amt herausgegebenen Nachträge. In Kürze wird auch der 2, Teil des Ergänzungsheftes erscheinen. In dieser Serie sind bisher erschienen: Das deutsche Weißbuch,— Das englische Blaubuch 1. Teil.— Das englische Blaubuch 2. Teil.— Das russische Orangebuch,— Das belgische Graubuch,— Das Gelbbuch Frank. reichs 1. Test— Das Gelbbuch Frankreichs 2. Teil.— Das Gelbbu,' Frankreichs 3. Teil.— Oesterretch-Ungarisches Rotbuch,— Das Grünbw Italiens 1. Teil,— Das Grünbuch Italiens 2. Teil.— Das serbische Blaubuch, H-Bootkrieg und Völkerrecht. Eine deutsch- norwegisch- englische Erörierung, herausgegeben von R, O, Frankjurter. Brosch. 1,50 M.— Puttkammer u. Mühlbrecht, Berlin W. 56. Deutsche Kriegsausstellung ISIS. Führer, herausgegeben vom Zentralkomilee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz. 60 Pf,— Selbst- verlag Abt. 13. Berlin, Leipziger Str. 4. Reuorieutieriing der deutschen Sozialdemokratie. Von August W innig. Hest 10 der 10 Ps,-Bibliolhek„5kriegsprobleme der Arbeiter- klasse".(Verlag Internationale Korrespondenz, Berlin-Karlshorst.) Im Kampf mit dem russischen Koloft. Erlebnisse und Eindrücke von O. Usedom, Kart. IM.— Im Kaiserlichen Hauptquartier. Kriegsbriefe von P, Schweder. 3. Bd. 2,50 M., geb. 3 M.— Hesse u. Becker, Leipzig. Dr. Xhorus Lebensabend. Roman von R. Hawel. 5 Kr,, geb. 7 Kr,— Verlag: I, Dietl, Wien. Kaiserslr. 86, Karte der Balkan-Halbinsel. 1 M.— G. Freytag u. Bern, Wien. 7. 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Spltzenmo.ter..........."" 4 Gläserteller remiok., mit ceeobtlffeaeT Elnlaf«... 9 Gläserteller««.t-k. mit koatar Elnlace....... 1 Petroleum- Kanne nd 1 Zylinder-Putzer 68 pl 1 Rasierapparat M mit 9 Klln««», im Btal.... OO PL 10 Rasierklingen 68«. 1 Rasierspiegel 68 mit Plnul aad Seifnapt...."L 1 Briefkasten...... 68 pl 1 Springform...... 68 pl 1 Königskuchenform• 68 pl 1 ConsolSd�.r'.U« 3 Pack Blitzblank/ 1 Marktnetz...... 68 pl 2 Behälter �£tSt\ 68«. 1 Pfeffermühle____ 68 pl 1 Kohlenlöffel uod.u 55„ Feacrhaken............ 1 Giesskanne...... 68« 2 Pr. Bestecke ßX'�r 68« 1 Pr.Bestecke soiinEer_ PL Wirtschaft 1 Gewürz- Etagere � n mit Delttainlage......... 00 PI. 1 Eierschrank 68«. 1 Putz- Kit1.*:!?!: 68«. 1 gr Fleischbrett... 68 pl 1 Marktnetz i Buche Schuhpasta...... 1 Flasche Blendol 1 Topfreiniger..... 68« 1 Kaffeesieb....... 1 Kartoffelschäler.. 1 Pack Blitzblank.. Steingut I Satz Näpfe i stock. 68«. 2 Vorratstonnen Ap Delft................ dv PL 1 Meste Seuf.*1""4: 68 pl 2große Näpfe.....68«. 4 Tonnen*en...... 68« 2 Mesten««n...... 68 pl 8 Kaffeebecher.... 68 pl 1 gr, Wasserkanne 68«. 1 gr. Waschbecken 68«. 8 Speiseteller...... 68 pl 1 Salatnapf m. eounnd 68 pl 4 Speiseteller 5�"' 68 pl 5 Mittelteller»"d0.0'.4; 68«. 6 Kompotteller mit Goldnod.....»,,»,» 00 PL Glas 4 Glasschalen.... 68 pl 1 groß. Glasschale 1 � 6 Glasteller....... I 1 Käseglocke.....\ r 1 Zuckerschale..../ 1 Butterglocke.____ 1 1 Zuckerschale— J 3Weissbierpokale 68.-pl Beleuchtung 2 Stehgas- Strümpfe 1 2 Zylinder....... 1 Herdzünder.... 2 Gaszylinder..... 68 3 Ersatzsteine.... 8 Gaszylinder..... 68 pl PL PL Pt Pf. mit klein. Fehlern, tnm kueneh. Pfö 68 Pf. Emaille 1 Sdtmortopf....... 68 pl 1 Kasserolle mit rang. 68 pl 1 Kasserolle ahne sing 68«. 1 Kasserolle 68«. 1 Schüssel tueh..... 68 pl 1 Küchenschüssel tief................. 68 PL 1 flache Schüssel>. 1 Pfanne...........68«. 1 tiefe Schüssel«d 1 Consol ms Mass.. 68 pl 1 grosse Milchkanne 68 pl 1 gr. Wasserkanne 68«. 1 Kaffeeflasche F."«., 68«. I grosse cn Gemüseschüssel.......... 68 pl Porzellan I Kaffeeservice(££ � für 2 Personen........."0 � 1 Teeservice 5g � IHk-ne�} 68«. mit ixoiu•■••«••••••■•/ 3 PaarTassenko dann paisend........... 00 PL 1 grosse Kompott-! schüssel �I�neehdd�r/ 2 gr. Kompottnäpfe ko mit Frnehtdeeor......... OO PL 1 ovaler Brotkorb durchbrochen, f. bemalt.... UÖ Pt. 3 Goldsternteller.. 68 pl 5 Pr. Tassen bnt.,.. 68 pl 4 Pr. Tassen mit gom. 68 pl 4 Mittelteller Ln»"?! 68«. I Kaffeeservice bürg, für 2 Personen...... 00 PL 6 Paar Tassen btmt.. 88 pl 1 Satz Milchtöpfe Hindenburfir, 6 Stück..... Oö Pt« 3 Speiseteller"�old; 68«. 1 Kaffeekanne�01.1; 68 pl 1 Zucker-Dose und 1 Milchtopf mltOnldbud 68 PL 1 Butterdose 68 PL 1 Kaffeeservice i«r, ,R Personen, blnn Unterglasnr,. 00 PL 1 Kinderservice b«nt 68 pl 1 Satz Milchtöpfe äq m. Goldbd. 6 Stflek....... 00 PL 2 grosse Milchtöpfe � 1 Satz Milchtöpfe gross, bont, 3 Stück......, vü Pt 1 Satz Milchtöpfe k« m. Mühle, 8 Stüek...... 00«. 6 Kaffeebecher»-nt.. 68«. Korbwaren Brotkorb........... 68 pl Arbeitskorb....... 68 PL Bijouterie Wachsperlenkollier 68«. Kollier mit Stmnunbtnger 68 PL Korallienkollier m» passendem Armband...... 00 PL Kollierkette«« sin.er 68 pl Similibroschen. stoet 68 pl Boleronadeln stmtu kß oder Emaille..... Stflek 00«• Haarpfeile 68«. Haarpfeile � � 68«. Spangen Mr. Kok 68«. Parfümerie und Seifen 4 Stck. Blumenseife 68 pl 2 Stck Blumenseife 68«. 3 Pak Seifenpulver 68«. 3 starke Lichte..... 68 pl 3 Scheuertücher____ 68 pl 10 Pak. Blitzblank. 68«. 2 Pak. Butterbrotpapier.......... 68 pl 1 Toilettenspiegel. 68«. 1 Rasiergarnitur... 68 pl 1 Toilettenpapier- halter............ 68 pl 1 Haarbürste...... 68«. 1 Fl. aromat. Mundwasser.......... 68 pl 1 FL Kräuter Franzbranntwein...... 68 pl 1 Fl Kalmus-Franzbranntwein...... 68 pl 1 Fl. Peru- Tannin- Haarwasser____ 68 pl 1 FL Brennessel- Haarwasser..... 68 pl Spielwaren Stoff-Fahnen...... 68 pl Inft.- Seitengewehr 68 pl Blechtuschkasten m. AQ Msibneh.............. 00 PL Hand werkskasten. 68«. Spieleimer fVÄ'61 68«. Sandwagen g-nu«... 68 pl Ball im Netz m. s-ki� 68«. Gekleidete Puppe. 68«. Auto mit Uhrwerk. 68«. Gesellschafts« u Beschäftigungsspiele 68 pl Schach-, Dame-, Mühle-Spiei& BtS; ap PI Peldpoit aad Lai«r«tt.."" I I IIS m Pf Wei 63 Pf. 1/islt rinz.-Rahn. i2 8«. ß8 pt. Kinder- Korb mit 2 Deekeia, TiB P I I Wl{r-h ffPifl-PB, y-"'""" g"«- gns-�t-nt,il Betonfm.: a-,h.miBrfmfflerIia. Druck iLBerlaflUüPtmarf(Bmfibtuiferet u. BerlagSanitaU Baul Sinnet& go- Berlin S\V.