Nr. 90.-33. Jahrs» Bfconncment�Beding ungen: WoiUKBicntf• Brei» Sränumcrmbai S-iectcliäSü. ZLll Mk. monalL l.W SWf., wöchciuliik» 25 Vsg. frei in» Hau», Sinz ein« Nnnuucr b Big. Sonntag»« imlnincr inil illuftri frier Sonntag»« Beilage.Tie Neue Seit- 10 Pia. Poll, «bonnement! 1.10 Marl pro M o n a 1. Siugelragea in die Bojl« Zeitung»« Prel>'lisie. Unter Kreuzband iür Tcutlchland und Oesterreich- Ungarn 2.50 Marl. Für da» übrige Jüiiian» » Marl pro Monat. Postabonnemenl» nehmen an: Belgien. DSnemark, Holland. Italien. Lugenchurg. Portugal, ftutttiiiucii, Schis eben und die Schtrci� «chetnt tftll«. Verltnev VolksblÄkk. ( 5 Pfennig} Die InfertionS'GebüDr f efeägt für die seckiSgefvaltene Kolonel« »eile oder deren Bauni 00 Pfg., slir doiitiiche und gewerlfthaftliche BereinS« tuch BcrsaminlungS» t'lnzehten l.0 Big. ,. HUwo Hnieigcn", da» forig edruckie Wart 20 Pfg.(znlälsig 2 feitgedniclle Körtet, iede» weitere Kort lv Prg. Stellengesuche und Schlaislellenan- zeigen das erste Wart 10 Pfg.. sedrS weitere Sott 5 Big. Worte über lä Buch- siabcn zählen für ztvci Worte. Inserate iür die nächste litumincr niüssen vis ft Uhr nachntutag» in der Exoediiiou abgegeben werden. Die Ervosiiicn iit vi» 7 Uhr abend» gcöijncl. relegraiiun-Udresset .kvdlsidemolillil klcliiil". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblands. Reüaktion: Ew. 6$, Linüenstraße 3. itzeruivrecher: Am, tvtoriüpla«. Nr. 1kl SV— 1kl S?. Freitag, de» 31. März 1910. Cxpeüition: EW. HS, Linöenstraße 5. Kernivrechrr: Am« Moritzplatz. Nr. 1K1SV— 1S1S7. Parteigenossen! Tie„SoZialdemokratische Arbeitsgemeinschast", Sie sich die aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ausge- schicdene Gruppe der Achtzehn nennt, erlabt im„Vorwärts" einen Aufruf an die Parteigenossen, der nicht ganz unwidcr- sprachen bleiben kann, da er eine Reihe zur Irreführung der Parteigenossen geeignete Behauptungen enthält. Die 18 Separatisten erklären, daß sie tatsächlich aus der Fraktion hinausgedrängt wurden. TaS ist eitel Spiegel- fechterci. Sie lehnten ab, die Pflichten zu erfüllen, die ihnen die Zugehörigkeit zur Fraktion auferlegt, und begaben sich dadurch selbst der Rechte, die aus der Fraktionszugehörigkcit entspringen. Die Achtzehn haben gewußt, daß ihr hinter- hältiges Vorgehen die Sprengung der FraktionSgemcinschaft zur Folge haben mußte. Ein Blatt der Minderheit schreibt ganz richtig:„Das Borgehen ohne Benachrichtigung der Mehrheit war tatsächlich schon die Aushebung der Fraktions- gcmeiuschaft." Die Gruppe der Achtzehn sollte doch so ehr« lich sein und zugeben, daß sie den Bruch gewollt hat. Die erneute Sonderaktion soll kein Tisziplinbruch sein? Doch nur für die. die der Auffassung sind, daß sich die Mehr- heit dem Terrorismus der Minderheit zu beugen hat. Sic soll kein Treubruch sein? Ja, warum haben denn selbst Mit- glicder der Fraktion, die sachlich den Standpunkt der Minder- heit teilen, dieses Vorgehen als heimtückisch bezeichnet? Nur durch das treulose Verhalten der Achtzehn wurden jene be- dauerlichen Szenen provoziert, über die der?lufruf der„Ar- beitSgemeinschaft" sich jetzt entrüstet, statt sich selbst anzu- klagen. Die Sonderfraktion nimmt für sich das Monopol auf eine selbständige grundsätzliche sozialdemokratische Politik in An- spruch. Hierüber wird der nächste Parteitag zu entscheiden haben, der ohne Zweifel bestätigen wirb, daß eine sozialdemo- kratische Partei, die die Notwendigkeit der LandeSverteidi« gung anerkennt, nicht anders handeln durfte, als die sozial» demokratische ReichStagsfraktion in der KriegSzeit ge- handelt hat. Die Son-dcrfraktion behauptet, daß ihr Auftreten das Ansehen der Partei im In- und Auslände hebe. Hm Jnlande? Die Entrüstung, die das Auftreten der Achtzehn in der Partei herporrisf. liefert den Gegenbeweis. Im Auslände? Doch nur bei denen, die ihre Hoffnung auf den Zwiespalt der Par- Lei und die innere Zerrüttung des deutschen Volkes setzen. Wer das Auftreten der Achtzehn unbefangen beurteilt, der wird unserem dänischen Brudororgan„Sozialdemokraten" recht geben, das als Folge der Spaltung eine Schwächung des Einflusses der Sozialdemokratie auf den Frieden und eine Verlängerung des Krieges befürchtet. Me eine Verhöhnung der Arbeiter klingt es, wenn be- hauptet wird, daß das Auftreten der Achtzehn nicht spaltend und zerstörend, sondern sammelnd und organisationSerhaltend wirke, daß es geeignet sei, das Proletariat für schwere Kämpfe stark zu machen. Nur wer das deutsche Proletariat täuschen will, kann ihm einreden, daß es durch Spaltung und Zerrüttung der Partei stark werde für schwere Kämpfe. Die Sondersraktion ist keine Vertretung der Partei. Unser OrganisationSstatut kennt im Reichstag nur eine parlamentarische Vertretung: die sozial demokra- tische Reichstagsfraktion. Wer die Partei stark erhalten will, muß alle, die das Ge- füge der Partei untergraben und die cinfachsteu Gebote der Teutvkratie mit Füßen treten, energisch in die Schranken weisen. Nur sa können wir unseren kämpfenden Eenosfen draußen die Partei erhalten, die ihr Stolz war und auf die sie ihre Hoffnung für die Zukunft setzen. Genossen! Fünf Jahrzehnte lang haben wir die Arbeiter- Massen unter unsere Fahne gesammelt mit der Parole: Einigkeit macht stark! Dabei soll und muß es bleiben. Berlin, den 30. März 1316. Der vorstanö öer soziolöemokratischen Partei veutjchlands. der vorstanö öer sozkalöemokratischen Reichstagsftattion. Wir können d den zur„Sozialdemokratischen Arbeitsgemein- schalt" zusammengeschlossenen 18 NeichStagSabgcordneten überlassen, auf diese Erklärung die gebührende Antwort zu geben. Jedoch halten wir eS von Redaktion; wegen für geboten, nachdrücklichen Protest gegen die Art einzulegen, mit der Parteivorstand und Vor' stand der Reich-ZtagSfraktion die durch sachliche Meinung»» Verschiedenheiten enstandenen Differenzen zum AuStrag bringen zu dürfen. Wir selbst und eine ganze Anzahl Parteiblätier hielten un» für verpflichret, beiden Teilen sofort nach Ausbruch des Zwistes den Rat zu erreileu, den fachlichen Streit nicht durch persönliche Angriffe und eine kränkende, herabsetzende Tonart zu verschärfen und zu Vertiefen. Während die Erklärungen der Mehrheit diesen im Partei» iMeresse erterlren Rat leider in den Wind schlugen, hat die Gegenerklärung der.„Sozialdemokratischen ArbestSgcureiuschast' ersten- licherweise unseren Rat beherzigt. Dagegen schlägt die neue Erklärung der Mehrheit einen Ton an, der nicht nur von allen ehrlich auf die Erhaltung der Parteicinhcit bedachten Elementen aufs tiefste beklagt iverden muß, sondern der geradezu Empörung zu erwecken geeignet ist. Nicht nur, daß die beschimpfenden Ausdrücke „Treubruch" und ähnliches wiederholt werden: die neue Erklärung bereichert das erlesene Register ihrer parteigenössischen Ausdrucks- weise noch durch weitere Ausdrücke, wie Spiegelfechterei, heim- [ tückisch, treulose» Verhalten und dergleichen mehr. Wir können nicht umhin, zu erklären, daß wir diese Form der Polemik für eine geradezu beschämende halten und von den Genossen er- warten, daß sie überall und schleunigst gleich unS Einspruch gegen eine Jorsetzung so lch Partei- politischer Manieren erheben, die die Würde der Partei geradezu gefährden. Daß die Mehrheit auf grundsätzlich anderem Boden steht und die Anschauungen der Minderheit iür unrichtig, ja schädlich hält und von ihrem Standpunlt aus halten muß. haben wir schon frühes ohne weitere» konzediert. Daß die Mehrheit ihre Auffassung, so gut sie immer vermag, vertritt und die Parteigenossen in ihrem Sinne zu beeinflusien sucht, ist ihr unbestreitbares Recht. Aber dieses Recht wird weit überschritten durch Beschimpfungen der Gegner und durch eine Verdächtigung ihrer Motive, die darin liegt, daß man ihnen die Abficht einer Täuschung des deutschen Proletariats vorwirft. Noch einmal erheben wir unsere warnende Stimme. Noch ist c5 Zeit, dem parteizerr iittemden Treiben Einhalt zu Um. Fährt die Mehrheit aber fort, in dieser Weise ihrem Meinungsgegner anzugreifen, so provoziert sie nicht nur ebem'o geharnischte Antworten, sondern sie erweckt auch den Anschein, als ob e» ihr nickt lediglich uui die Sache und die Wahrung der Parteigeschloffenheit zu tun sei, sondern geradezu aufdie Entfesselung von Kämpfen, die zu dauernder Verbitterung und Zerklüftung der Partei führen müssen. Wem es wirklich um Ansehen. Würde und Einheit der Partei zu»un ist. setze daher solchem Treiben die unerschütterliche Mahnung entgegen: Bis hierher und nicht weiter! Für Klärung in öer Partei. Von Hugo Haase. Spaltung in der sozialdemokratischen Fraktion? Lange gefürchtet, ist sie Wirtirchkeit geworden. Alle Bemühungen, sie abzuwenden, sind vergeblich gewesen. Noch der Reichstags. sitzung vom 24. März hat die sozialdemokratische Fraktion durch Rehrheitsbeschluß erklärt,„daß Haase und diqenigen FraktionSmitglieder. welche die gemeinsam gefaßten Beschlüsse gröblich mißachten nud öffentlich durchkreuzen, da- durch die aus der FiaktioiiSzugehörigkeit entspringenden Rechte verwirkt haben". Damit ivaren die 18 Genossen, die es für ihre Pflicht hielten, gegen den Notetat zu stimmen und ihre Auffassung im Plenum zu begründen, aus der Fraktion ausgeschlossen. Tic Ausgeschlofseueu oder nach der Bezeichnung eines Angehörigen der Mehrheit„Ausgedrückten" haben sich dann, um die Pflichten, die ihnen von den Wählern übertragen worden sind, zu erfüllen, zu einer Sozial- demokratischen Arbeitsgemeinschaft, zu einer Fraktion im parlamentarisch-techuischen Sinne, vereinigt. So ist die S p a l t n n g der Fraktion vollzogen, aber es wäre falsch, darin eine Spaltung der Partei zu erblicken. Tie Partei wird dadurch vielmehr an tlrast ge- ivinnen, und wenn die Wirren des Krieges erst her Ver- gangenhcit angehören iverden, ivird auch ein einheitliches Arbeiten der sozialdemokratischen Abgeordneten im Parlament nach festen Richtlinien möglich sein. Die Gefahr der Spaltung datiert vom 4. August 1814 an. In der Hoffnung, daß der Krieg. wie es bei scienm Ausbruch die allgemeine Amiahme war. in einigen Monaten beendet sein würde, hat die Minderheit zu- nächst daraus verzichtet, ihre abweichenden Ansichten öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Als diese Annahme sich jedoch als trügerisch crivics, und als die Mehrheit aus der abschüssigen Bahn immer weiter horabglitt, mußte die Minderheit sich zu einem Gegendruck entschließen. Sic fliuimte bei der Beratung über den Etat deL vorigen Jahres nicht mehr mit der Mehr- heit, die sich über einen unzweideutigen Parteitagsbcschluß hinlvegsetztc. sondern brachte nach cineui Fraktionsgebrauch ihren Standpunkt dadurch zum Ausdruck, daß sie sich der Ab- stimmung enthielt. Dabei blieb cS zunächst. Tic Taktik der Mehrheit luar darauf eingestellt, in den für das Volk wichtigsten Fragen die Einigkeit mit den bürgerlichen Parteien nach Kräften zu dokumentiereu. Das Proletariat, das die großen Gegensätze zwischen den bürgerlichen und den sozialistischen Anschauungen sah, wurde in weiten Kreisen geradezu irre an den Führern Der Verlauf der Friedensinterpellation im Dezember Ist 13 rief Enttäuschung und vielfach Entrüstung hervor. Tie Fraktion hatte der Minderheit, die seit dem 1. August IstM von 14 Stimmen bis auf 44 Stimmen gewachsen war, einen Redner versagt, lind der Redner der Mehrheit glaubte seine Aufgabe dadurch erfüllt zu wissen. daß er in Diplomatenmanier die Ausführungen des Reichskanzlers und der bürgerlichen Parteien beschönigte. Ter Reichskanzler lehnte die Aufforderung, einen Frieden anzubieten, ab. aber die Mehrheit beschloß kurz darauf wieder, 10 Milliarden zur Fortsetzung des Krieges zu belvilligeu. Das alles schlug dem Faß den"Loden aus. Zwanzig Mitglieder der Minderheit hielten eS jetzt für unabweiSliche Pflicht, ihren Widerspruch gegen die Kreditbewilligung im Parlament offen zu bekunden und die Gründe für ihre Haltung unter Vermeidung jeder Polemik gegen die Mehrheit darzulegen. Schon damals tuurdc der Versuch unternommen, diesen 20 Genossen ihre Rechte als Jraktionsmitgliedcr zu entziehen. Schließlich sah man sedoch vorläufig von einem solchen Vorgehen ab. Seitdem sind die Steuervorlagen der Regierung veröffentlicht und im Reichstag zum Gegenstande schärfster Kritik von feiten der sozialdemokratischen Redner gemacht worden. Trotz alledem beschloß die Mehrheit unmittelbar nach diesen Verhandlungen, der Regierung die Mittel für drei Monate durch einen Notetat zu betoilligen. Gibt eS einen krasseren Gegensatz als diese Haltung'? Wer dem Notctat diesmal zu- stimmte, wußte ganz genau, daß die DeckungSmittel beschafft werden sollten durch Steuer«, die in härtester Weise den Mittelstand und die Arbeiterklasse lreffen. ES verstand sich von selbst, daß die zwanzig Genossen. die im Dezember 1013 gegen die Krcditvorlage öffentlich ge- stimmt hatten, auch jetzt konsequent dieselbe Haltung einnehmen mußten. ES Ivälc geradezu unverständlich gewesen. wenn sie nach den Vorgängen der letzten Zell für den Etat geslimnit hätten. Diese Pflicht war umso dringender, als die Mehrheit auch jetzt wieder der Minderheit entgegen dem früher üblichen Brauch in undeinokraiischcr Weise etilen Redner für die allgemeine politische Debatte vcrlvcigert hatte. Dieses Verhalten konnte nicht anders ausgelegt iverden. als daß die Minderheit in den wichtigsten Fragen mundtot gemacht iverden sollte. Der Versuch, die Zustimmung zum Nototat als eine bloße Formalität zu bezeichnen, kann kaum ernst ge- nommen werden. Hätte die Fraktion, loie vor dem 4. August 1014, einmütig gegen den Notctat gestimmt, so wäre es allerdings eine untergeordnete formelle Frage gewesen, ob zwcckmäßigerweise die Ablehnung bei dieser Gelegenheit oder bei der Beratung des HauptetatS durch eine größere Rede begründet werden sollte. Diesmal hat die FrattionSmehrheit dagegen dem Notetat z u g e st i m m t. Das ist eine materiell so wichtige Tatsache, daß— von bviem Willen abgesehen— nur politische Naivität diesen Vorgang als eine Formalität bezeichnen kam«. Schweigen zu dieser Behandlung einer tiefgreifenden politischen Angelegenheit wäre ein Verbreche« an der Partei gewesen. Kleinlich ist eS. statt den großen sachlichen Gegen- satz klarzulegen, von Di'ziplinbruch und Treubruch zu sprechen. Das oberste Gebot für die Führer der Sozialdemokratie ist es, sich den Beschlüssen der Parteitage unterzuordnen und den Grundsätzen der Partei Treue zu bewahren. Davon haben sich die Achtzehn leiten lasten. Damit ist ein langer Prozeß. vielleicht zn jvät. abgeschlossen, lim die Gruppe der Achtzehn werden sich sicherlich alle diejenigen Parteigenossen scharen, die an der Partei zu verzlveiselu begannen. Hie U-Soot-Zrage in üer SuSgetkommisilon. Berlin, 30. März.(W. T. B.) In der B u d g e t ko m- Mission d e s. R e i ch S t a g S wurde heute mit allen gegen eine.Stimme bei vollbesetzter Kommission folgender Antrag der Abgeordneten B a s s e r m a n tt, B r u h n, Eberl, F r c i� Herr v. G a m p- M a s s o u n e u, Gröber, Dr. von Heydebrand und der Läse, Dr. Müller(Mcinin- jZen), v. P a Y e r, Dr. R ö s i ck e, Schridcmann, S ch i s s e r < Magdeburg), Dr. S t r e s e m a n n, Gras v. W e st a r p angenommen: ..Tie Kommission wolle beschließen, dem Reichstag folgende Erklärung an den Herrn Reichskanzler vorzuschlagen: Nachdem sich das Unterseeboot als eine wirksame Waffe gegen die englische auf die Aushungerung Teutschlands berechnete � Kriegführung erwiesen bat, gibt der Reichstag feiner Ucbcc- zeugung Ausdruck, daß es geboten ist, wie von allen unseren militärischen Machtmitteln so auch von den Untcrsee- booten denjenigen Gebrauch zu machen, der die Ernngung eines die Zukunft Deutschlands sichernden Friedens verbürgt, und bei den Verhandlungen mit auswärtigen Staaten die für die Seegettung Teutschlands erforderliche Freiheit im Gebrauch dieser Waffe unter Beachtung der berechtigten Inter- essen der neutralen Staaten zu wahren." Bon einem Mitgliede der Kommission wurde zn dem Satze unseres gestrigen Berichts:..Hervorgehoben wurde von Mitgliedern der Koinnüssion, daß den Antragstellern jeder Eingriss in die Kommandogewalt ferngelegen habe", festge- stellt, daß den Antragstellern solch Eingriff nicht nur fern- gelegen habe, sondern daß er in den Anträgen nicht enthalten sei. Die Kommission beschäftigte sich während des übrigen Teils der Sitzung in vertraulichen Verlwndlungen mit.dein Etat des Auswärtigen Amts. Die Lcrhandlungcn werden morgen fortgesetzt. »* lieber die Sitzung wird uns noch geschrieben: Am Donnerstagvormittag sollte die Sitzung bereits um 11 Uhr beginnen, statt'dessen kannte der Vorsitzende sie erst nach 111 Uhr er- öffnen, weil vordem die Araktionsvorstände eine lange Sitzung ab- gehalten hatten, um eine gemeinsame Erklärung in der E-Boots- Frage fertigzustellen. Bis zum Beginn der Äommissionssitzung war eine'Einigkeit nicht erzielt. Am Nachmittag fanden wiederum Ver- haadfungcit statt. Tie Kommission wandte sich dann der Beratung des Etats des Auswärtigen Amts zu. Abg. B a f f c r m a n n. der darüber berichtet, ging namentlich auf unser Verhältnis zur Türkei und zu Bulgarien ein.— Staatssekretär I a g o w gab auf eine große Reibe von Fragen die erforderliche Auskunft. Tic Diskussion zog sich bis in die Abendstunden hin. Ueber den Antzalt der Ver- bandlungen kann nichr berichtet werden, weil sie streng vertraulich waren. Lediglich.das kann gesagt werde», dgß ein Vertreter des Auswärtigen Amts entschieden betonte, das Gerücht sei absolut salscb. wonach die deutsche Regierung im Vorjabrc englische Frie- densbc strebungen zurückgewiesen habe. Solche Bestrebungen seien niemals in ernst zu nehmender Form an sie Herangctre' ■ Schließlich war der obenstebende Antrag zur U-Boo! Fn'ge e!:i- gelausen, der von sämtlichen Parteien mit Ausnahme der Polen und der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft unterzeichnet ist. * Ferner schreibt man uns: Tie Kommisfionsverhandlungen über den li-Boot-Kricg sind in einem kurzen an die Presse' versandten Bericht mehrfach un- richtig wiedergegeben worden, wie heute in der Sitzung von zwei Seiten festgestellt Wunde. Wie Genosse Lcdebour. der aiS einziger Vertreter der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft an den Perba ndlungcn beteiligt war, uns mitteilt, ist vor allem durch- unrichtig, daß Volke Einmütigkeit in der Koni- Mission über die Hauptfrage sowie über eine gemeinsame Resoku- tion erzielt worden sei. Weder hat Ledebour an der Enttverfung der gemeinsaim von allen übrigen Fraktionen abgefaßten Resolution tellgcnoimnen, noch hat er für sie gestimmt. Er hat vielmehr eine eigene Resolution eingebracht, die folgendermaßen lautet: „Ter rücksichtslose U-Boot-Krieg, also die warnungs- losc Torpedier ung von Handelsschiffen und Passagier- danuFern gegnerischer und neutraler Stäatei» darf unter keinen Umständen zur Anwendung gebracht werden. Tie Beendigung des Krieges ist ans dem Wege der Der- ständigung herbeizuführen." Diese Resolution erhielt bei der Abstimmung nur die Stimme des Antragstellers. Angenommen wurde daraus mit allen gegen Lcde- bours Stimme die obcnstehende Äoalitionsresolution. Der französische Tagesbericht. Paris, 30. Marz.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch nachmittag. In den Ärgonnen haben unsere Batterien deutsche Werke nördlich von Haute-Chevauchse und den Südrand des Gehölzes von Cheppy beschossen. Ein Handgranaten- kämpf in Verbindung mit Angriffen in dem Nachbarabschnilt führte zu beträchtlichem Vordringen in feindlich- Verbindungsgräben nörd- lick von Avocourt und brachte uns einige Gefangene ein. Westlich von der Maas hat der Feind in der Nacht keinen neuen Versuch gegen die Stellungen von Haucourt und Malanconct gemacht. Das Geschützfeuer hat auf der Front Bethincourt— Mort Homme— Culnieres eine gewisse Heftigkeit erreicht. Am Morgen haben unsere Truppen nach heftiger Vorbereitung durch Artillerie einen lebhaften Angriff auf das Gehölz von Avocourt gemacht: wir haben den Südostvorsprung des Gehölzes bis zu einer Tiefe von 300 Metern und das wichtige, von den Deutschen stark eingericktete Werk, welches als Kenrwerk(Reduit) von Avocourt bezeichnet wird, genommen. Ein sehr heftiger Gegenangriff deS Feindes, mit einer frischen, erst vor einigen Tagen angekommenen Brigade wurde vollständig ab- geschlagen. Der Feind hat starke Verluste erlitten und etwa fünfzig Gefangene in unseren Händen gelassen. Oestlich von der Maas lebhafte Artillerietätigkeit von beiden Seilen in der Gegend von Vaux und Douaumont und in der Woevre-Ebene im Abschnitt von Moulainvillo. An der übrigen Front verlief die Nacht ruhig. Paris, 30. März.(W. T. 83.) Amtlicher Bericht von Mittwoch abend. Zwischen Life und AiSne hat unsere Ar- tillerie bedeutende Bedeckungsabteilungen nordöstlich von Moulin- Sous-Touvent zerstreut. In den Argonneu haben wir eine Mine nördlich von Four de Paris springen lassen; die Explosion zerstörte euren Bombenwerserposren sowie einen Unterstand und brachte ein feindliches Werk zum Einsturz. Unsere schwere Artillerie schleuderte zahlreiche Schüsse auf das Gehölz Malancourt— Avocourt, während die Deutschen Gegenangriffe auf den benachbarten Abschnitt aus- führten. Westlich der Maas dauert die Beschießung mit Heftigkeit an. Im Laufe deS Tages hat der Feind von Avocourt bis Bethin- court nacheinander drei Angriffe auf Stellungen unternommen, die wir ihm am Morgen im Wald von Avocourt entrissen hatten; sie wurden vollständig zurückgeschlagen. Im Laufe eines Angriffs großer Truppenvcrbände aus das Dorf Malancouui haben die Deutschen in einem vorgeschobenen Werl nördlich von Malancourt Fuß fassen und sich zlveicr Häuser des Dorfes bemächtigen können. «W Heg Mß SlWkWlMS. Amtlich. Großes Hauptquartier, de« 30. März 1910.(23. T. B.« Westlicher Kriegsschauplatz. In der Gegend vou Lihons brachte eine kleine deutsche Abteilung vou einem kurzen Borstoß in die französische Stellung einen Hauptmann und 57 Mann gefangen zurück. — Westlich der Maas hatten wiederholte, durch starkes Feuer vorbereitete französische Angriffe die Wiedernahme der Waldstclluugen nordöstlich von Avocourt zum Zitl. Sic sind abgewiesen. In der Südostcckc des 23aldes ist es zu erbitterten, auch nachts fortgesetzten Nahkämpfen ge- kommen, bis der Gegner heute früh auch hier wieder hat weichen müssen. Der Artillerickampf dauert mit großer Heftigkeit auf beiden Maasufern an. Leutnant Immclmanu setzte im Luftkampf östlich von Bapaumc das 13. feindliche Flugzeug außer Gefecht, eine» englische» Doppeldecker, dessen Jnsaffcn gefangen in unserer Hand sind.— Durch feindlichen Bombenabwurf auf Metz ist ein Soldat getötet, einige andere wurden verletzt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Südlich des Narocz-Sees ließen gestern die Ruffe» von ihren Angriffen ab, ihre Artillerie blieb hier, sowie westlich von Jakobstadt und nördlich von Widsy«och leb- hast tätig; bei Postawy ist Ruhe eingetreten. Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. ch» ch Zer öslmMW GenmiMMWl. Nichtamtlich. Wien, 30. Mörz.(W.?. B.) Amtlich wird vcrlautbart, 30. März 1916: Ruffischcr Kriegsschauplatz. Stellenweise Vorpostcukümpfe. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Görzischcn wurde wieder Tag und Nacht heftig gekämpft. Iliiscre Truppen nahmen 330 Italiener, darunter acht Ossizicre, gefangen. Im Abschnitte der Hochfläche von Doberdo ist das Artillericfcucr äußerst lebhaft. Auf den Höhen östlich van Selz wird um einige Gräben weiter gerungen. Ein Geschwader nusercr Srcflugzeuge belegte die feindlichen Batterie» au der Sdobba- niiindniig ausgiebig mit Bomben. Im Fclla- und Plöckcn-Ab- schnitte, an der Dolomitcnsront und bei Riva Gcschiitzkämpfe. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine Ereignisse. Ter Stellvertreter des Chefs deS GcncralstabcS: von Hocfer, Feldmarschalleutnant. Wien, 30. Mörz.(W. T. B.) Amtlich wird verlaut- bart: 3. Mörz 1916. Ereignisse zur See. Am 29. vormittags haben vier SccflUgzcüge unter Führung des Linienschiffleutnants Konsovic Palona bombardiert und mehrere Treffer m den Batterien und Unterkünften, einem Flug- zeughangar, einem Magazin und auf dem französischen Flug- zeugmutterschiff„Fondrc" erzielt. Trotz heftiger Beschicming sind alle Unversehrt eingerückt. Flottcnkommand». Alle ihre Versuche, weiter vorzudringen wurden durch unser Feuer zum Stehen gebracht. Einige Artilloriesalven östlich der Maas uud in der Woevre bis EpargeS. In den Vogcsen hoben wir deutsche Werke bei Stoßweier und Münster beschossen. Belgischer Bericht. Die Tätigkeit der Artillerie ist an der belgischen Front auf beiden Seiten verhältnismäßig gering ge- Wesen. Die englische Meldung. London, 30. März.(W. T. B.) Bericht des englischen Haupt- quartiers. Der Tag verlies im allgemeinen ans der ganzen Front ruhig. Ter Feind brachte eine kleine Mine östlich von Bethune zur Entzündung, ohne Schaden anzurichten. Südlich von St. Elm befestigten wir das gesamte am 27. März gewonnene Gelände. Ein neuer Gouverneur in Paris. Paris, 30. März.(W. T. B.)(Havasmeldung.l In der Sitzung des Ministerrats unterzeichnete Poinrare ein Dekret, welches General Dubai l zum Militärgouvcrneur von Paris und Oberbefehlshaber der Armeen von Paris an stelle des Generals M a u n o u r y ernannt, der aus Gesundheitsrücksichten sein Ab- schicdSgcsuch eingereicht hatte. Der rujsische Kriegsbericht. Petersburg, 30. März.(W. T. 33.) Amtlicher Bericht v o m 29. März. Westfront: In der Gegend von Dünaburg dauert der Kampf an. Südlich von Dünaburg stellenweise heftiges Artillerieseuer. In der Gegend westlich deS Narocz-Sces warfen wir den Feind aus dein südlichen Teil deS Waldes südlich deS Dorfes Mokrzyce und wiesen einen folgende» feindlichen Gegen- angriff durch Feuer ab. In der Gegend deS OginSki-KanalS stellenweise heftiges Infanteriefeuer. Bei dem Dorfe Somino erzwangen unsere Abteilungen die Drahthinderniffe des feindlichen Postens und warfen ihn aus seinen Gräben. Die Deutschen flohen auf die andere Seite des Kanals. Feindliche Flieger warfen Bomben in der Gegend der Bahnhöfe LuSzcza und Luniniec(55 Kilometer nordöstlich Pinsk). Auf der Front der mittleren Strypa wiesen wir Versuche des Gegners, sich unseren Gräben zu nähern, zurück. Aus der ganzen Front ist Tauwetter ein- getreten; die smnpfigeii Landseengebiete find überschwemmt. Ileberall, nicht allein in der südlichen, sondern auch in der nördlichen Gegend, bedeckt sich das Eis der Flüsse und Seen mit Wasser und taut an den Ufern auf. Das Schmelzen der sehr dicken Schneedecke auf den Wegen verursacht iu der ganzen nördlichen Gegend für die Bewegungen der Artillerie außerordentliche Schwierigkeiten. Kaukasus: Im Küstenabschnitt hielten unsere Truppen, welche die Höhen ain linken Ufer des Ogandere besetzt hatten, im Laufe der Nacht zum 27. März einer Reihe von Gegenangriffen deS verzweifelten Gegners stand. Alle Gegenangriffe wurden ab- geschlagen; die Türken erlitten enorme Verluste und traten unter Zurücklassung von Gefangenen und einer Kanone den Rückzug an auch in der Richtung aus Erzignan machten wir Gefangene. die Rusienschlacht im Gsien bis zu», Li!. März. Von Richard Gäokc. Die neu» Tage vom 18. bis zum 20. März waren ausgefüllt mit außerordeuttich starke» Angriffen der russischen Kräfte im Nordosten gegen die Armee der Heeresgruppe Hindenburg. Nicht unvermutet hat dieser Vorstoß eingesetzt. Seit langem war uns von der Vierverbandspresse ein allgemeiner Angriff für das Frühjahr vorausgesagt worden. Tie Ankunft gewaltiger Ersatztransporte, um die Truppen vorderer Linie auf volle Stärke aufzufüllen, die Heranführung neuer Verbände, die Ansammlung des erforder- liehen Schietzbcdarss konnte nicht unbemerkt von unserem Nach- richtendienst und uuscrcn Lufterkundigungen vor sich gehen. Zu einer einheitlichen Offensive aller unserer Gegner, um uns durch ihre Masse zu erdrücken, ist es auch diesmal nicht gekommen. Daran wird die seit dem 27. März in Paris tagende militärpolitische Konferenz der Vierverbändter auch für die Zukunft nichts ändern. Denn nicht nur in den oft entgegenstehenden Interessen der einzelnen Genossen, sondern mehr noch in den«schwicrigleitcn ihrer Gesamtlage, in ihren inneren militärischen, wirtschaftlichen, politischen Verhältnissen liegen-große Hemmnisse einer solchen gleichzeitigen, in Ziel und Turchführung übereinstimmenden Tätigkeit. Und dann haben wir schließlich auch noch ein Wort mitzu- redem So kam es auch diesmal, daß zunächst die im Südwesten Ruß- lairds ausgehäuften Massen gegen die östcrreichisch-ungari scheu Heere in der zweiten Hälfte des Dezember und im Januar losgelassen wurden, als sich ihr Eingreisen auf dem Balkan wegen der Neutralität Rumäniens untunlich erwies. Man wollte die sich langsam um«aloniki sammelnde Armee Sarrails, wollte die Reste der Serben und Montenegriner wenigstens mittelbar unterstützen. Aber auf dem Balkan war man noch nicht bereit oder schon ge- schlagen, und so verpuffte der große Angriff gegen Ostgalizien und die Bukowina nach furchtbaren Opfern nutzlos im Sande. Dann kam die Offensive des Großfürsten im Kaukasus und in Persien, die unleugbare Erfolge erzielte, aber wegen der weiten Entfernung und der verhältnismäßig geringen Kräfte auf die Hauptsehauplätze des Krieges keinen Einfluß ausüben konnte, zumal eS zur selben Zeit den Engländern im Irak schlecht erging. Dann brachen die Italiener los, aber die sehr schweren Ver- luste ihres fünften Angriffs ließen diesen nach wemgen Tagen erlahmen und gaben unserem Bundesgenossen zu wiederholten sieg- reichen Gegenstößen über den Isonzo hinaus Raum, die noch heut- fortdauern. In die französisch-englischen Vorbereitungen fiel unsere Offensive in Verdun. Die Franzosen haben zu ihrer?tbwehr an- scheinend alle Rückhalttruppen herangeführt, über die sie noch irgendwie verfügten, und außerdem einen erheblichen Teil ihrer Front um Arras herum den Engländern überlassen müssen, um ihre eigenen Divisionen dort herauszuziehen. Das wcrr alles, was die braven Briten für sie taten. Zu einem Mehr mögen vielleicht die künun erliehen Ergebnisse der Derbvrekrutiernng, der nur langsam zu übettvindende Wille gegen den Dienstzwang kaum die Mittel geboten haben. Man wird aber wohl nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß auch die uirbewutzte und die bewußte Selbstsucht der Engländer sich dagegen sträubt, große Teile ihres Heeres in den Glutofen der Angriffsschlacht zu werfen, in der sie zu Schlacken verbrennen würden. Viele ihrer neusormicrten Truppen werden der schweren Prüfung des Angriffs vielleicht nicht gewachsen sein. Es entspricht im übrigen der geschichtlichen Ueberlieferung Englands, die eigenen Heere möglichst uiwersehrt zu erhalten und die Bundes- genossen bluten zu lassen. Erst vier Wochen nach Beginn der Maaskämpfe, am 18. März. hat die russische Heeresleitung ihre» großen Angriff gegen Htiiden- bürg begonnen. Der stützen eines früheren Vorgehens sticht selbst dem Lgien derart in die Augen, daß man wohl fragen darf, lvarum es unterlassen wurde. Die Witterung kann kein Hindernisgrund ffewefen sein;, sie war früher eher günstiger als gegenwärtig, wo daS Tauwetter teils schon begonneu hat, teils nahe bevorsteht. Bleibt also nur-die eine Erklärung, daß die Russen früher nicht bereit waren. Nach dem Zusammenbruche des vergangenen Sommers hatte das riesige Zarenreich nicht die Mittel, um gleichzeitig seine Heere im Südwesten und die im Nordwesten wieder angrisfssähig zu machen. Die Mittel weder an Geschützen, noch an Schieß!) edarc, noch an Kleidung und Ausrüstung, noch auch an ausgebildeten Sol» baten, weniger noch an Offizieren! Es iit sehr die Frage, ob die Hilfsquellen des Reiches unerschöpflicher snud als etwa diejenigen Frankreichs; die Ursachen sind bei beiden Ländern verschieden, die Wirkung ist die gleiche. In den Zeitungen des Vierverbandes und teilweise auch in den deutschen Blättern finden sich Erörterungen darüber, welche Ziele die gegenwärtige russische Offensive wohl verfolge. Die russischen Beurteiler äußern sich sehr bescheiden; sie stellen sie nur als einen Versuch hin, die um Verdun hart kämpfende französische Armee durch den Angriff im Osten zu entlasten, ja sie wollen sich bereits mit dem moralischen Erfolg begnügen, Hindenburgs Heere durch diese Kämpfe im Atem zu halten. Aber diese Bescheidenheit ist ihnen erst im Laufe der Schlacht gekommen, als ihre verzweifelten Stürme ihnen zwar ungewöhnlich blutige Verluste, aber keinen durchgreifenden Erfolg gebracht haben. Ungewöhnlich blutig ist vielleicht nicht richtig gesagt, denn nach den Meldungen des deut- scheu Hauptquartiers wird man durchaus an die Verluste der furcht- baren Karpathenstürme vor gerade einem Jahre erinnert, die die Kraft der 3. und 8. russischen Armee brachen und sie reif machten für die Niederlage, die Mackensen ihnen bereitete. Der Angriff gegen Hindenburg erfolgt mit sehr großen Massen und in einer ungewöhnlich großen Ausdehnung von 360 Kilometern; es ist ein allgemeiner Angriff aller verfügbaren Kräfte, wenn sich natürlich auch einige Brennpunkte des Kampfes herausgebildet haben, die tageweise wechseln. Hieraus geht m. E. unzweifelhaft hervor, daß die Offensive mit der festen Absicht begonnen hat.�die deutschen Reihen zu durchbreche» und einen entscheidenden Sieg über sie zu erfechten. Diese Offensive ist also, ohne nach rechts und nach links zu blicken, in erster Linie sich Selbstzweck; sie soll daS Kriegsglück wenden, und sie hofft es zu wenden— oder hoffte cs doch bei Beginn der Schlacht. Die immer wiederholte Wut der An- griffe, der Einsatz gewattiger Geschoßmeugen. das Vortreiben immer neuer Massen, sie verraten die Entschlossenheit der feindlichen Heeresleitung. Im Nordosten wird in der Tat gegenwärtig um eine ganz große Entscheidung gerungen. Dia Ergebnisse des letzten August sollen rückgängig gemacht werden. Alle Abschwächungcn dieser Absicht, die jetzt von den feindlichen Zeitungen versucht werden, geschehen nur in dem Wunsche, den Eindruck der Miß- erfolge zu mindern. Denn cs ist gar keine Frage, daß man in Rußland, aber auch iu Frankreich dem Gange der Kämpfe mit fieberhafter Spannung lauscht. Etwas anders wird der Zeitpunkt zu beurteilen sein, an dem die russische Heeresleitung zum Angriff geschritten ist. Es kann sehr wobl sein, daß sie ihn an sich gern noch etwas verschoben hätte; manche Erwägungen sprächen dafür. Aber die Hilserufc vom Westen der haben ein weiteres Zögern nicht rätlich erscheinen lassen, und so ist man losgebrochen. Man darf nicht daran vorübergehen, daß � der französische Senator Humbcrt dem Bundesgenossen verzweifelt zuruft:„Frankreich hat für alle gearbeitet, heute mögen alle für Frankreich arbeiten." Ob der Angriff bessere Aufsichten gehabt hätte, wenn man nach griuidticher Vorbereitung später angetreten wäre, darüber brauchen wir uns die. Köpfe nicht zu zerbrechen, llcbrigens hat die Wirk- samkeit aller Vorbereitungen in Riltztand cur der Unfähigkeit und Bestedhlichkeit der Beamten ihre Grenze. IeSeilsalls sind die ersten neun Tage der Schlacht völlig zum Nackteil unserer Gegner ausgeschtagen; der einzige Erfolg, den sie am 20. März auf dem äußersten rechten Flügel der Deutschen, süd- lich des st'tawrocz-SceS(95 Kilometer östlich Wilna), erzielt hatten, ist ihnen am 26. März größtenteils wieder verloren gegangen. Sie wollen damals 1200 deutsche Gefangene gemacht haben, hier sind üirfcrt 2200 aSgcm}mn;üi worden. UcScraC auf Sei ausgedohnten Front ist also der Angrisf ein Fchlschlag gewesen. Wir dürfen nach allen Erfahrungen nicht annehmen, daß die Russen ihn schon auf- gegeben lxrben z wir haben aber auch die Erfahrung für uns, daß bisher alle Angriffe unserer Feinde im Osten wie im Westen durch ihre zeitliche Ausdehnung an Aussichten nicht gewomwii haben,(.z) Nlelöung öer italienischen Heeresleitung. Rom, L0. März.(W. T. Ä.) Amtlicher Bericht von g e st e r n abend. Im Lcrmiglio-Tal zerstreute wirksames Feuer unterer Artillerie feindliche Truppen, die an Verteidigungsanlagen arbeiteten. Längs der Eisenbahnen und Straßen im Lazarina-Tal dauerten Bewegungen feindlicher TrainS und Truppen fort, überall, wo ei möglich war, durch unsere Arrillerie behindert. Aus dein Ge- birgSkamm im Pmua-Tal(zwischen dem Calamcnto und dem Campelle-Tal) griffen Abteilungen von uns Gruppen feindlicher Arbeiter an und zerstreuten sie. Die feindliche Artillerie zeigte gestern lebhafte Tätigkeit gegen die von uns eroberten Stellungen auf der kleinen Hochfläche am Freikofel und am Eol Cavallo (Oberer Buy. Unsere Artillerie erwiderte wirksam und zerstreute kleine feindliche Abteilungen, welche zum Angriff ansetzten. Längs der Jfonzo-Front heftige Artillcrieiätigkeit. Auf dem Karst haben wir gestern früh feindliche Angriffe zurückgeschlagen, welche im Zu- sammenhang mit der auf den Höhen von Gorz begonnenen Akrion versucht wurden, die in unserem gestrigen Bericht erwähnt worden ist. Zwischen Vermegliano und Monfalcone machten Abteilungen unserer Infanterie einen Gegenangriff und nahmen dem Feinde einige Dutzend Gefangene ab. C a d o r n a. Zum Lustangriff auf venetien. Rom, 30. März.<33. T. 83.) Meldung der Agenzia Stefani. Im Laufe des feindlichen Luftangriffs auf B e n e t i e n am 27. März morgens wurden sechs Personen leicht verletzt. Melüung öes türkischen Hauptquartiers. Koustantiliopel, 29. März.(W.T.B.) Das Haupt- quartier teilt mit: Keine nichtige Operation an den verschiedenen Fronten. Am 27. März überflog eines unserer Flugzeuge die Insel ilemnos und warf vier Bomben auf einen Flugzeugschuppen des Feindes im Hafen von MudroS, welche sämtlich in dem Schuppen. Platzten. Flitgzcugabwcyrkanoncn und ein im Hafen liegendes feindliches Kriegsschiff eröffneten ein Feuer auf»w fcreii Flieger, aber wirkungslos. Kvnstantinopel, 30. März.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: Einige feindliche Torpedobootszer- störcr, die außerhalb der Meerengen bemerkt wurden, wurden von unseren Äustenbattcricn vertrieben. An der Irak, und Kau kasusfront nichts Neues. Englische Melüung über öas letzte Seegefecht. London, 29. März.(W. T. B.) Die Adniiralität teilt mit: Alle unsere Schiffe, die an den Unternehmungen gegen die deutsche Küste beteiligt waren, sind jetzt zurückgekehrt bis auf den Torpedobootszer störer„Medusa", der u n t c r g e g a n g e n ist, nachdem die ganze Besatzung ihn verlassen hatte. Während unsere Torpedobootszerstörer mit den feindlichen Vorpostcnschiffen beschäftigt waren, wurden sie von Fliegern angegriffen: sie haben jedoch keinerlei Schaden erlitten. Bon den durch unsere Schiffe versenkten feindlichen Patrouillenbooten sind folgende Gefangene eingebracht worden: Vier vom„Otto Rudolf" und sechzehn von der„Braunschivcig". Am Sonnabendabend sind unsere kleinen Kreuzer auf eine Division von deutschen Torpcdobootszcrstörern gestoßen. Einer von d i e s e r n Zerstörern ist vom Kreuzer „Cleopatra" g cra m m t und in den Grund gebohrt wordcit. Von der Besatzung wurde niemand gerettet. Anmerkung des W. T. V.: ES handelt sich u ni das Torpedoboot, das nach der deutschen a ni t- l i ch e il Bekanntmachung von dein Vorstoß zur Vcr- folgung der englischen Schiffe nach dem Fliegerangriff am 25. März nicht zurückgekehrt ist. vom �-öoot?Krieg. London, 30. März.<33. T. B.) Meldung des Ncutcrschen Bureaus. Wie mitgeteilt wird, ist der D a m p f e r„Ki l b r i d e" am 1. März versenkt worden.— Der Dampfer„ S a v i n i a W e st o l l' ist gesunken, die Mannichaft gerettet, aber der Matchinist verwundet. Nach einer LloydLmeldung ist der russische Schoner.Ottoman" gesunken, der Schiffer und neun Mann sind gerettet.— Beim Untergang des holländischen Dampfers.Duiveland" ist die ganze Lesatzung gerettet worden. Der Untergang öer„fcubantm*. Der Sekretär der englischen Admiralität hat eine Erklärung abgegeben, die auf folgende Tatsachen aufmerksam macht: 1. Während diese» Kriege» sind sechs deutsche bron- zcnc Torpedo» in unbeschädigtem Zustande in der Nordsee und im Kanal aufgefischt worden. 2. Die angegebenen Abmessungen, die mit Gclvinde versehenen kleinen Löcher und die Zugslärke weisen sämtlich darauf h«, �aß die gefundenen Mctallstücke Teile der Luftkammcc eines brou�ken Torpedos sind. 3. Kein Teil eines französischen oder englischen Torpedos be- steht aus Metall von dieser Abmessung, Dicke und Stärke. 4. Sotocit wir feststellen können, ist in jedem Fallev i s s e it b a f t e st e n Prüfung unterzogen werden solange diese nicht ab- gcschiosscn ist, muß ein Urteil über das Material vorbehalten bleiben. Die amtliche E r k I ä r u n g des Chefs des Admiral- stabs hat bereits festgestellt, daß von deutschen See- st r e i t k r ä f t e n ein Torpedo auf die„T u b a n t i a" n icht a b g e s ch o s s e n i st. Amsterdam, 29. März. In der sozialistischen Zeitung„Het Volk" schreibt ein gut unterrichteter Sachvcrstän- diger: Im„Handelsblad" wurde vor einiger Zeit versichert, daß England die sogenannten Schwartzkopsftorpedos, von denen eins nach der Untersuchung der Regierung zur Torpe- dicruug der„Tubantia" verwendet worden sein soll, nicht besitzt. Diese Art Torpedos gehöre zu cincin veralteten TYP, der immer mehr durch Torpedos ersetzt würde, welche mau auf größeren Ab- stand lanziercn kann. Da aber Unterseeboote ausi kürzeren Ab- stand Torpedos abschießen können als Torpedoboote oder Zer- störcr, hat man den alten Vorrat wieder in Gebrauch genommen. Ebenso wie Holland sie aufbewahrt hat, hat auch England diese Waffe besessen und aufbewahrt. Wenn man die englische Erklärung genau durchliest, wird man auch finden, daß darin nicht geleugnet wird, daß England im Besitz solcher Tor- pedo» ist. Wiederaufnahme des holländischen Schiffsverkehrs. Rotterdam, 29. März.<33. T. 83.) Heute sind zum ersten Male wieder die niederländischen Schiffe ausgefahren. Im Lause des TageS fuhren eis aus, abend» werden noch einige folgen. Wiederherstellung des englisch- holländischen Kabels. Amsterdam, 30. März.u den Orgauisciiionsn. die auf ein 2öjähriqoS Bestehen zurhitblicken können, ist heute auch der Teztilarbeiterverband getreten.?tin 31. Marz 1891 beschloß ein Kongreß der bis dahin nur lokalorganisierton Textilarbeiter, der in Pößneck tagte, die Gründung eines ZeutralverbandcZ. ES war ein schweres Wert, das der jungen Organisation zu tun auferlegt war. Ein Jahr nach der Gründung zählte sie 3üQ9 Mit» glisdcr. Aber unermüdlich wurde die schwierige Organisation�» arbeit weiter getrieben und bei Ausbruch des Weltkrieges zählte der Toxtilardüiterverband nicht woniger als 1-19 999 Ptitglieder, unter denen allein 53000 weibliche waren. Im Jahre 1998 erweiterte der Verband seine bestehenden Unterstühungsein- richtungen um das wichtige Glied einer Ardeitslasonunterstiitzung. Welche Bedeutung diese in kurzer Zeit erlangte, rnag man daran ersehen, daß der Verband seit Gründung dieses wichtigen UnterstühungSzweiges bis zu Endo des Jahres 1911 nicht weniger als 13099530 M. für Nntersttchungszwecko verausgaben mußte. Daß er das konnte, ist ein Beweis für die gesunde Grundlage, auf der das gesamte Berbandsgeöäude ausgebaut worden ist. Wie jode echte Arbeiterorganisation Hatto auch box Textil- arbeiterverband zahllose schwere Kampfe zu führen, um seinen Mitgliedern eine Verbesserung der Lohn» und Arbeits« bedingungen zu erringen. Aamenilich auf die Verkürzung der in der Te'tilindnstrie in Anlehnung au das alte Hand» weberolend überlangen Arbeitszeit mußte uni so mehr Gewicht gelegt werden, als die Industrie zahlreiche Arbeiterinnen beschäftigt. für welche die lange auf» reibende Tätigkeit eine besondere körperliche Schädigung Ke- deutete, die auch die kommende Generation schädigen mußte- Bon allen diesen Äämpsen ist wohl am meisten in Erinnerung aller Arbeiter der heldenhafte Zehnstundenkamvf, den 1903 die Krimmitschauer Textitardeiter und Textilarbeiterinnen führen mutzten. 93 Wochen dauerte dieser stampf, den die deutsche Arbeiterschaft mit bis dahin unerhörte» Mitteln unterstützte und den die organisierte Arbeiterschaft der ganzen Welt nur ge, spannter Aufmerksamkeit versolgre. Formoll blieben die lln- ternehmer Siegor in diesem Kampfe. Aber wie er viel Leidenschaften erweckt hat, hat dieser Kamps auch die vor» hüllende Decke von schlimnwn Zuständen gerissen, die vorher der Qoffentlichkeit unbekannt geblieben waren- Und schließ- lich blieben die Textilarbeiter doch die Sieger. Der Zehn- swndsntag fand mehr und mehr Eingang in die Textil- st-dustrie. bis er am 1. Januar 1910 Gesetz wurde für alle Vetriede, die mindestens zehn Personen beschäftigen. Daß da- jnalv schon 100 009 Textilarbeiter und Arbeiterinnen den Zehn- stundentag errungen hatten, verdankten sie ihrer Organisation, verdankten sie dem Textilarbeiterverbaud. Am Zubeltage des Verbandes, der leider in eine schwere Zeit fällt, bringen snä, wir ihm unsere Glückwünsche dar. Möge er so weiter von Erfolg zu Erfolg schreiten, wie er es bisher schon getan, und möge es ihn, gelingen, auch die noch sernstehenden Arbeiter und Arbeiterinnen des TextUberuseL unter seinen Fittigen zu vereinen, zn seiner Größe«nd zu ihrem Heile!'___ VerUn und MmgcgenS« Die St. E. G. und ihre Lingefteltte». Beul Bund der technischüpdnstrstllen Seautten, dem Deuischsn Technliekherdand, dem DeuNme» W«iw>sn>«,vervaud- d»»n Sauf- »wnnilÄeu Bsrband iär weldllck» Ängrstebl«. de,« Aiaschinenbau» Ws»kmM«ivo»«in. dem Verband der Bureauangestelitt«, den, Ar, band deutscher HandlungSgchilseii zu Leipzig, dem Veici« der d»»tich«N ÄSUs- lellie. l(Y.t 5Ttf«m für AandkllngSkomml» von 1558 und dem Zeniral« verbond dsrHandlungSgehilfeu war zum Aliitwochaöeud nach dem in der Chausseestraß« belegene» Gerinaiiia-Slablistemein eine Versammlung der tsusmünnischo» und technische» Angestellte» der A. S. G- be- kufen, um zu der B e> o ld ungs frag« Stellung zu nehm«». Der große Saal und die Galerie» waren von weiblichen und nicinn- liche» Angestellten dicht gefüllt. Der Vertreter des Deutschen TechnilerberbandeS, Karl Müller, führte in längerer Rede aus: Die Gehälter der kaufmännischen und technischen An- gestellten der A. E. G- belaufen sich auf ISO bis 250 M. monatlich, während die Arbeiter bei der A. E. G-, ins- besondere die Schlosser und Maschinenbauer monatlich 250 bis t>00 M. perdienen. Diese höhere» Löhne entsprechen den grotzen Berdiensten. die die deutsche Industrie im allgemeinen und die A. E. G. im besonderen wtolg« des Krieges erzielt babe. Fast alle deutschen Jiidusiriegesellschaflen, auch die A. E. G- der- teilen eine wesenilich höher« Dividende als im Lorja&re, aber die Gehälter der kanimänuischen»nd technischen Angestellten haben nicht die geringste Erhöhung erfahren. ES sei Wohl eine Teuerung«- zutage gegeben worden, diese entsprach ober in keiner Weise den enorm gestiegenen Lebenömittclpmseu. Es Hab« den Anschein, dasi die «leigernng sich sorlietze» und noch Friedensschluß noch anhalten werde. Gewiß sei es cmenlich. wenn die deutsche Industrie gute Geschäfte mache. Die kaufmännische» und technischen Llngeslcllten, denen an dem Ausblühen der Judustris ein wesentliches Verdienst gebühre. seien aber berechtigt, zu verlangen, daß ihre Besoldung ibnen er- möglich!, sich mit ihrer Familie wenigstens satt zu essen. Das vcr- mögen sie aber seit langer Zeit nickt mehr, da auch WobnungSmiei», Kleivnng, Schuhwerk, sowie alle weiter zum Leben Iioiwendigen Be- dürfnisse pm 100 Proz. und mehr gestiegen seien. Die kaufmännische» und technischen Angestellten icicit weit davon entfernt, den Arbeitern ihr boheS Entkomme» zu mißgönn»». Im Gegenteil, sie freuen sich, daß den Arbeitern vermöge ihrer starken Organisation es gelungen sei. derartige Eriolge zu erzielen. Die kanfmänrnscheii und technischen Angestellten wollen aber an de» Aulturerrunginickasteii als Gleichberechtigte teilnehmen und sich d i e Q r g a n i s a t i o n der Arbeite? als Borb'ld dienen lasten.(Ziürmischor Beifall.) — In der folgenden Aussprache bemerkte Frl. L e l n t g als Ber- treierln des Kousmäimiichsil Verbandes für iveibliche Ängestellle: De» Iveibliche« Angestellten werde zumeist trotz gleicher Leistungen die Hälft« des GsbaltS der Männer gezahlt, obwohl die weiblichen Angeitellten vielfach mehr Angehörige, die in, Felde itebe». unterstützen müssen und unter der furchtbaren Teuerung doch ebenfalls leiden. Scklich als Vertreter des Bundes der technisch- tudustriellen Beoniten und Betricbsingenieur Ohlendorf führten au?: ES könnte der Lorwurf erhoben werden, durch die Verfammlung werde der Burgfrieden ge- stört- Di« kaufmiinnifcheu und techustchsn Angestellten beab- sichtigen keineswegs eins solche Störung, sie feie» au» im Jntcreste des Vaterlandes zu jedem Opfer bereit. Sie wollen aber mit ihren Familien nickt kungern. während die Industrie, an deren Aufblühen ihnen ein wesentliches Verdienst gebühre, hohe Gewinne erziele. Unterernährung weiter Volkskreise gefährde den Änrgfriedeii in hohe», Maße. Es wurde schließlich einstimmig beichlosten, das Direktorium der A. H. G- zu ersuchen, eine Zulage, den TeiierirngS- Verhältnissen entsprechend, ihren kaufmännischen und technischen An- gejtclllcn zu gewähren. 5000 Mark Arbeitslohn in einer Sisiung erkvirtt. Ungefähr diese Summe erhielten klagende Arbeiter und Arbeite- rinnen in der letzten Sitzung der Schlichiungskomnsisston alö Nach- zshluiig teils durch Vergleich, teils durch Urteil zugeivrochen! „Dann müssen Sie allein arbeiteit, wenn we nicht bestehen können mir der Beschäftigung von Arbeitern!" Diese Antwort muß fast in jeder Sitzung mehrere Male solchen llitternehmern erteilt Iverden, welche dw Nichteinhaltung des Tartss damit begründen, daß sie bei tarifmäßiger Entlohnung ihrer Arbeiter nichi bestehen könnten. De» Arveliern wird somit zugemutet, zu Hungcrlöhnen zu arbeilen, damit andere Profit aus ihnen herausholen können. St« ei««», spezielle« Falle wurde gegen einen Zwiichcnmeister aus Nachzahlung geklagt, ors handelt sich uu, Nttlitärhossn. in der Hanplssch« um t>i«i, hoien. zun, kleinere» Teil um Tuchhosen. Der Beklagte hat Frauen aus Teilsrveit beschäftigt und erbebtick zu wenig gezahlt, ta daß von den Klägerinnen der zu zahlende Nack- hstraa. aut beide Sorten Hole» verteil,, mit US Pt. pro Stück b»- rechnet Würbe/ Geklagt Würbe für die Zeit bom l-Lanuar i. a?. Tie Summe betrug 250.00 M. Ta der Beklagw trotz ollen Zuredens sich nicht verglctch-ii und auch seiue Auftraggeber nicht nennen wollte, mußte auf kostenpflichtige Verurteilung erkannt werden. Ter Vor- sitzende gab ihm außerdem folgeudc» Rat: „Es ist mir mitgeteilt worden, daß Sie gefogt haben, Sie , ahlteil doch keinen Pfennig. Das ist ungehörig. Haben Sic inner- balb 8 Tagen nicht 280,00 M. abgeliefert, so zeigen wir Sie beim Oberkommando au!" Für einige Arbeiterinileil klagte der Kurscknerverband gegen die Zwischettnieisterin Gottschalk und den Unlernehmer Walter. Der Fall hat schon einmol die Kommistion beschäftigt. Da die Be- klagte ibre Auftraggeber nickt»enueil wollte, im übrigen auch die Rechimäßigleit der Ansprüche bestritt, nahm eine Unterkomniissioi, eine Prüfung der Bücher vor und befand alle in der Klage cnt- haltenen Angaben für richtig. Die Beklagte hat zirka 7 Frauen beschäftigt und für viele Flrnien gearbeitet. Sie wurde kostenpsiicktig verurteilt, an die Klägerinnen 2008,60 Dt. itachzuzahlen. Der Unternehmer Walter muß an sie aber in, Regreß 206.00 M. einrickieii. Außerdem wurde der Be- klagten auhelmgegebeu. auch die anderen Auftraggeber regreßpflichtig zu machen, damit sie so zu ihrem Gelde komme. In einem anderen Falle klagte ebenfalls der Kürlchnerverband mit einem Erfolg, daß der Beklagte im Vergleich sofort 500 M. an Fritze aushändigte.___ Die Berliner Bürstenmacher erörtern seit einiger Zeit die Frage der Schaffung eines RelÄStarifS. Gegenwärtig oibt es wohl örtliche Tarife, die aber erheblich voneinander abweiwen und auch nicht überall beachtet iverden. In Berlin werden die Tariflöhne im all- geweinen bezahlt. Wie groß die Unterschiede der Lohnsätze in den verschiedenen Teilen des Reiches sind, ergibt sich daraus, daß die- selbe Arbeit, iür die es in Berlin 1,15 M. gibt, in badiiche.» Orlen der Bürstenindustrie mit 0.35 M. bezahlt wird. El»« derartige Lohndisieren, kann nickt durch die Unterschiedlich- keit der LebcnSbaltung in den betreffenden Gegenden gerechtfertigt werden. Löhne loie sie in Baden" und auch anderswo gezahlt werden, sind Hungerlphnc im wahren Sinne des Wortes. Die Berliner Bürstenmacher sind der Meinung, daß die«uverhältniSmäßig niedrigen Löhne oufgebeiiert werden müssen und daß dies durch die Schaffung eines ReichStarifs erreicht werden könnte, der nach dem Vorbilde des kürzlich in Kraft ge- treten«,, RsichStarifs der Korbmacher dre, Lobnllosten vorsteht, die nach Ortsgruppen abgestust find. Tie Berliner Bürstenmacher babcn einen dahingehenden Vorschlag ihrer für die Branchen im ganzen Reiche zuständigen Zentralkoinnliisioi, unterbreitet. Aber di-Zentrallommission ist der Meinung, ehe nicht die jetzt bestehenden Tarife allgemein zur Anerkennung gebracht worden se,en. habe der Gedanke des Reichs- tariis keine Aussicht auf Verwirklichung.— Die letzte Branchsn- veriammlung der Berliner Bürstenmacher beschäftigte sich mit dieser Angelegenheit und beschloß, sich nochmals an die Zentralkommission zu wende» mit dem Wunsche, sie möge Schritte zu: Schaffung eines Reickölgrifs tun. damit die Lobnverhällmsie in der Bürsteninduftrie Deutschlands aufgebesiert werden, derart, daß die Bürstenmacher auf eine» gewissen, den örtlichen Verhältnissen entsprechenden Mindest- verdienst rechnen können. �US Znöuftrie unö KanSei. ReichsverteilungSstelle für Papier in Sicht. Die Popierpreise sind mit unglaublicher Schnelligkeit im Durch- schnitt auf da» Doppelt« der Friedenspreise gestiegen, i» einzelnen Fällen ist die Preissteigerung eine drei- bis vierfache gegenüber dem normalen Stande. Eine größere Anzahl von Papieriorten sind heule überhaupt nichr mehr herstellbar, weil die nötigen Rohstoffe fehlen und die Arbeitskräfte»rangeln. Die sonstigen Hilfsuteufilien wie zum Beispiel Filz, für die Fabriken fehlen: auch die LeuubeiSaffuna ist eine überaus schwierige. Um den Papierverbranch möglichst rationell zu gestalten und sich nstt den notwendigen Rohstoffen gleich« mäßig zu versehen, haben die deutschen Verleger eine Reichseinrauss- stelle gegründet. De,„nächst dürfte auch eine Reichsverreilnngsslelle zur Verteilung der für die Papiersablikanten notwendigen Rohstoffe jus Leben gerufen werden. DlredAy«: Xlaj? xemb-nilz, 8 Vbr: l>«>r tNkvrPvZ». Semjaheai UIt; iBjiofeoth, Sw.-'taisiinotfti. SV» 9e); Mamlet- 8«.«ein Rlnz- (I» Eo? SsasiuGtnMmmvK.) Der einxediw»,« Kr«»!». iüwavit; BalleU, N»claa.« l'/r; Tiuia�ar.t Mi xheg. fcseantag aaatoa. 5iV«(tel�ae Br): Die dBiNnehen Kfeinäiailisr. TbBatar a. aiiiewol. r»>ll»»«»>«»»»>,«!». Iii/ MaiKhöri-tzarttausr. Bsstsr i.d.Köni�tzsrstrsßs 7,/, UTir: liin Tranmspic],, IComödie�haass 8 Uhr: lianiemtleH. Bes'isnen Theal« Sülw; Wbbb«w»i twohieii msehen. toSSS XVrektoua;»i 7ks»tsr. X>irök«uB;"Vi9wr tzarnoweXy. 8 HTHr: DI? guizoeedeitt»?? teka. (41berc laseemsan-j Syrmübeaii wui Howitag: l»lv ij«tsescbKittene Keke, Bgutsc'äjäiistler-Tlaatsr. 8 tiu-: t»I»««Ii»« K*««UeB». ummm Taubentttp. JIS/4U, U Vhr Ägypten, ösrSueikanal mi iler WeUkrieg. RoseaThsater. 8 Uhri luh?>l» h nicht. Ugrsi» 4 3hx; 9e? uiw läeritz. ä Uhr:or SehlcsulJil. Kleines Theatee. srw- Logierbesacö. Komische Oper. tz Üfef: Sssl? mud WNU sei». TuAtspisIdsuZ, HV.UW- Lff Mit lies?HW. MetropoMheater s uir: Die Ksissrin Sonntas 3 Uhr: Wiener l£Eut. HesIcken�Theater Gi.üfe: Loa g Nc. 7®bÄ Sesiitas Uffj Vörs vi» Fruhsleok?. Hooligeilifeis». SchlHer-Theater O. SUbi: ülUfflÖ, Schlller-Th.Charlottcnbg. 8 vw: Die heitere Residenz. Thackla�Theate«, ä�tgioadmcljen, Theater am.>aiiem!«rlp), iv, r. Immer feste druff! Theater cke* Westens s vw- Das FrsuliiR vom Amt, nütz Guido Thielsphar. Tr|anon.Thuatei<, svit: Die iielden Beyers. Casino» Theater Lottzeinger Sic. S7. legt, 8 Uhr Sien Z Reu: Bat erste Pollsstück in dieser �pielzril! Die Vogelscheuche. Dazu dsS groiw Märzvraoramm, Somüaz 4 Uhr: Sein Patent. Leiiiseti»Theater «iß Uhr- Mullersegen. Ab r Sonnabend. 8.15 Uhr- Tonnab. i ms: Max und Moritz, Touristenverein „Die Naturfreunde." Ortsgruppe Berlin. Sonntag, denXAprll l3ik! ❖ Bunter Abend ♦ ZUM Besten unserer Müslk- und Volltslanz-Abteilungen W, den JlntlrCAS'J'ßStSälSD, Andraasitr, 21 Mapdolipen- u, QJtarrenkoaacrt, Lieder zur Laute, Velkstäuze. BuaJOfhmnf§ ülw, Ba�ia» 8 Ubr KleideruWago 20 H. iffoz-rapzni SO!'? au habaa bei 0Ns Wlnd.lmsn», stib.uer Kit- 8 r III: SpoptKsm Hansen, Kapcmiekar Str. 108—106; Ma? Scharf, ßebastianstr. 42; Borsch, gngelufer 13. ' Bin Verkauf ün Lokal findet meilt Statt!< PF" Ein Verkauf W Lokal findet sieirt statt We�WaS»»«»O»»«SOOSe««SS»E»»0OSSO»OS»»»M Serkuer Xoniertkslls. �»uerstr. ftZ. Xlwmerstr. 90/91. tteüw: ilZrodv vaterländische Blsmarokfeier «ur itzt. v/ietzifkehr des Saburtttsties uaserei Altrsichskanziir«. Mtw irtsnda; Frau Kafflmorsängorin B«ebw v- Bndwv, Frl. tSortrud Widarsasel au-a tz«?Uu,"'"" AiftttirtV) X"', aus ÖwUh. Mi? Xtnoid{Heek vom ThaHa-th-- Ser« eaieis* y. gtadttTb tu ßüsselda«", der Ifrlejf.chor IO14 ...... �»ns�asello___________________ W .InfKiig fi Uhr, Infusig« I hr. tzinteittstzarten«u HO sif u, t S Rftr t orverkauf Ludst statt bei Sota& Satk, �cipsgcT Stf. N u- TauentPenstr.?, bei A. Wortboiw, i« der ßesebättseittlla cjea Biimleg««d des FtamaAbüfs-OrttkOTOS, Helle vueatv. 21�22 u. Hottdamerhitf. ,, i« dt« mit Makntvn bele�io« llandluugou und im Berliner Koiiamkausa. Alte VorjrdHst.»«ljiab.! Walhalla-Theater. s mr- Es gibt nur ein Kerlin. �Sonnwg nachmittag: tirlgrl. l,etJ5ter Tar de« März-Spielplans! Operette Spezialitäten Kino FrUhjaltFiiprclBe (woebentaa» inkl. Steuer); Parkett-Baub 1-3. Reibe . 4.-0.. Parkett M. Reservierter Plate... Eintritt....... 4.— 3,— ISO OSO Eslchshallen-Thealer. Ststtiner Sänger. Zum 150. Male: „Die von der Emden," «msng V Uhr Für MUitärver. isncn ,re,e, Simritt»u den Stell. Sängern. Heines Werke --) Baue«« Warf............- Sudiöonblung Vorwärts verantw. Redakb: Alfred Wrrlep». Neukölln. Ln�-ratentefl verantw. Th. Glocke, Berlin. Druck u.Lerlag: Börwärl-Buchdr.u. Veriagsaiij:alt Paul Singer& cko.. Berlin 3\V. Hierzu 1 Brilagc i g. UntertzaltiingM, �axt. s b'dr, Lounr. Bettler lax! 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Jehrgavg. leiloDC des Jutmirtf ßttlintt IsIMIilt Mus, A. Pin Mi. Die Parteipresse zur Zraktionsspaltung. rv. „Sächsisches B-lksblatt"(Avickau): Nirgends wird man sinken, daß jemals der Vorsitzende irgend einer Partei so treulos und schmählich an seinen Fraltionskollegen und damit an seiner Partei gehandelt hätte, wie es Haase getan. T-a beschließt die Fraktion, ohne Widerspruch von Haase und Ge- nossen. der Verabschiedung des Notetats keinerlei Hindernisse zu bereiten. Tann geht man in den Sitzungssaal. Erst da, im aller- letzten Augenblick, fühlt sich Haase veranlaßt, dem Fraktionsvor- stände mitzuteilen, daß er reden werde. Wir wollen hiex ganz davon absehen, was er schließlich ge- sprochan hat. Die Moral aller Zeiten und Völker brandmarkt den Verrat an Freunden. Und ein Verrat an seinen bisherigen Freun- den ist Hcases Hinterhältigkeit. Wenn die 18 Mitglieder der „sozialdemokratischen ArbeilSgemeinschast" in einer später abge- gebenen Erklärung Haases Treulosigkeit damit zu rechtfertigen ver- suchen, daß Haase mit ihrer aller Zustimmung seine Rede gehalten und auch mit ihrer Zustimmung in der Frartionssitzung die aus- drückliche Aniüirdigung, reden zu wollen, unterlassen habe, so ist das durchaus keine Entschuldigung, sondern vielmehr eine Treu losigkeit in achtzehnfacher Steigerung! „Brandenburger Zeitung": Die tiefbsdauerliche Tatsache, daß die Gegensätze in der sozial- demokratischen Partei zur Spaltung unserer Reichstagsfraktion ge- führt haben, läßt uns die Hoffnung dennoch nicht verlieren, daß die Gesamtpartei in alter Einheit wieder zusammenstehen wird, wenn nach dem unseligen Kriege Besinnung undMarheit wieder zu ihrem Recht kommen werden. Denn daß die«Spaltung der Fraktion keine Spaltung der Partei bedeuten kann, beweist schon die durchaus nicht einheitliche, sondern in vielfältigen iL Meinungen sich durchkreuzende Gruppierung innerhalb der zwe; oder drei sozial- demokratischen Fraktionen, die wir jetzt leider haben. Unsere Frak- tion ist in 90, 18 und 2 Mann auseinandergefallen. Während Liebknecht und R ü h l e als die konsequentesten Antimilitariften mit den 18 Genossen der neuen sozialdemokratischen ArbeitSgemein- schaft keine engere parlamentarische Fühlung haben, ist bei unseren 99 aus Gründen der Disziplin bei der Mehrheit gebliebenen Abge- ordneten eine größere Anzahl, die es nach ihrer eigenen Erklärung grundsätzlich mit der abgesplitterten Gruppe hält, denn Alb recht, Hoch, Simon u. a. m. stehen offenkundig auf dem Boden der Minderheitspolitik. Dazu kommt, daß die Wahlkreise durchaus nicht immer hinter ihren Mgeyrdneten stehen, nwgen sie nun zur Mehrheit oder Minderheit gehören, wobei man z. B. nur an Scheidemann und Berufte i n zu denken braucht. Wie sollte sich da durch das ganze Land und die ganze Partei eine klare Trennungslinie ergeben, wo Gegensätze schon in der Kriegsfrage, mehr aber noch in den meisten politischen Zukunfts fragen selbst bei den engeren Gruppen auseinanderklaffen. Wir können es daher nicht glauben, daß die gegenwärtige Konstellation die Parteientwick- lung der Zukunft vorwegnimmt; wir hoffen vielmehr, daß ohne Rechthaberei und gegenseitige Beschimpfung die zeitweilige Tren- nung der Fraktion überwunden werden wird, und daß wir uns alle, den Zettereignissen und dem Einheitswillen der Genossen im ganzen Lande Rechnung tragend, auf dem gemein samen Boden sozialdemokratischer Arbeiterpolitik wieder zusammen� stnden werden. Dahin zielt auch die Mehrheit der Parteipresse mit Ausnahme der auf dem äußersten rechten und linken Flügel stehenden Blätter, die ein weiteres Zusammenarbeiten für ausgescblossen halten. Abgedroschene Vorwürfe, wie den, daß die Mrnderheit für daS feindliche Ausland arbeite, sollte man unter Sozialdemokraten nicht für möglich halton, aber dennoch sieht sich Genofs« Bernstein im„Vorwärts" genötigt, ihn namens seiner Freund« zurückzuweisen____ Man sollte darauf vertrauen, daß der Weg, den beiderseits Gewissen und politische Ueberzeugung vorge- schrieben haben, die Partei wieder zusammenführen wird, wenn auch die Richtungen zeitweilig auseinanderlaufen. Brcslauer„Bolkswacht": Zu der schloichenden Krise, die gegenwärtig zwischen den Rechts- Parteien und gewissen Regierungsstellen herrscht, ist über Nacht ein Ausbruch der Stveilpunkte in unserer eigenen Partei gekommen, den wir in diesem Augenblick am wenigsten erwarten konnten. Eben batte noch Mehrheit und Minderheit gemeinsam zu den Steuer- fragen im Reichstag Stellung genommen, Abg. Keil von den söge- nannten Sozialpatrioten hatte mit der gleichen Energie als Hoch von der Minderheit die Steuern auf die breiten Schichten der lln- bemittelten verworfen, da bricht durch einen verheimlichten Streich HaaseS bei einer verhältnismäßig nebensächlichen parlamentarischen Frage ein Zank aus, der unsere Partei nur zum Gespött machen kann und als deren Urheber eben Haas«— der Vorsitzende der Partei— angeklagt werden muß---- Daß der Streit mit der Sehnsucht nach einem möglichst baldigen Frieden nichts zu tun hat, wissen unsere Leser, die ist bei uns Anhängern der Mehrheit nicht geringer als bei der Minder- beit, aber dienen kann man dem baldigen Kriegsende«vahrhaftig nicht, wenn man durch Bruderzwist die Hoffnungen des beinahe ein- willigenden Feindes aufs neue entfacht. Frankfurter„Bolksstimme": Haase und seine Freunde haben den stärksten Disziplin- und Treubruch gegen ihr« eigenen Parteigenossen begangen, den man sich denken kann; aber sie würden sich rechtfertigen können, wenn sie im allgemeinen und höheren Interesse deS Reiches gehandelt hätten. Diese Rechtfertigung haben sie jedoch nicht. Die öffent- liche Debatte über alles, was Haas« vortrug, war durch unsere Fraktion für die Reichstagssitzungen durchgesetzt, die der Beratung deS HauShaltSauSschusses folgen weiden. Spätestens vom 5. April ab sollten im Reichstag AuSlandspolitik und lll-Bootsiage, also Friedensstreben und Scharfmacheroi, vor aller Oeffentlichkeit abge- handelt werden, wie der Seniorenkonvent heute vormittag vor der Plenarsitzung auf ausdrücklichen Antrag unserer Fraktion be- schlössen hatte. Welche Nötigung bestand also dafür, heute zum Notetatgesetz über diese Hauptfragen deS Kriegs, und zwar ohne jede Verständigung mit der Fraktion zu sprechen? Gar keine!... Die Spaltung in der Reichstagsfraktiyn braucht natürlich nicht die Spaltung in der Partei zu werden. Die Erkenntnis wird jetzt, nachdem die üble Tat der Spaltung im Parlament aller Geduld der Mehrheit zum Trotz durchgesetzt ist. in unseren Reihen draußen init doppelter Gewalt erwachen: mit solchen Streichen ist den Interessen des Proletariats schlecht gedient. Die deutsche Arbeiterschaft in ihrer großen Masse will sich, und wenn die Opfer des Kriegs und der kapitalistischen Klassenherrschaft noch so schlimm sind, nicht außerhalb der Heimat und ihrer Mitvertretung stellen. Sie fühlt sich als ein noch vielfach unterdrücktes und ausgeschaltetes, aber doch als ein starkes Glied des staatlichen GefamtorganiSmus, in dem sie sich zu regen und Macht zu verschaffen von unten auf be- ginnt. Der Anfang ist furchtbar schwer, namentlich in Preußen- Deutschland, aber er ist gemacht, und er soll nicht wieder preis- gegeben werden. Karlsruher„Bolksfreund": Nun haben die Parteizerftöver das so lang ersehnte Ziel erreicht. Ihr Häuptling hat in der gestrigen Reichstagssitzung ein« Skandal- jzene provoziert, wie sie sich bedauerlicher noch in keinem deutschen Parlamente«reignet hat. Wohlüberlegt war der gegen die eigene Partei und gegen das ganze deutsche Volk geführte Streich, wie Haase selbst gestand. Wenn dieser Phrasenschwadroneur glaubt, damit sich und seinem Häuflein Getreuer einen Dienst ge- leistet zu haben, so befindet er sich in einem großen Irrtum. So kann in einem solchen Augenblick nur jemand sprechen, der keine Spur von Empfindung für vaterländische Pflich- ten hat. Und der Mann hat namens der sozialdemokratischen Fraktion am 4. August im Reichstag das Wort gesprochen:„Wir machen wahr, was wir immer gesagt haben, in der Stunde der Not lassen wir das Baterland nicht im Stich!" Freilich, er hat es schon damals gegen seinen Willen gesagt. Das mag eine Entschuldigung für ihn sein. Wenn er aber behauptet, er anerkenne die Pflicht zur Vaterlandsverteidigung und dabei sich nicht scheut, in der Stunde der Not dem Vaterlande so in den Rücken zu fallen, wie er es gestern getan hat, so hat man allen Grund, dieser Versicherung keinen Glauben zu schenken. Nun, die Fraktion hat gestern sofort die Kon- sequenzen aus dem„Fall Haase" gezogen und ihren ehemaligen Vor- sitzenden aus der Fraktion ausgeschlossen. Alsbald hqt sich unter dem Vorsitz von Haas« und Ledebour eine neue sozialdemo- kratische Fraktion gebildet. Damit ist der Riß, den man so lange befürchtete und um den zu verhüten die Mehrheit alles Mögliche und noch mehr getan hat. vollzogen. An eine Wiedervereinigung mit den 18 Separatisten ist nicht wohl zu denken, denn der Gegen- satz der Anschauungen ist zu groß, als daß sich ein weiteres ertrag- liches Zusammenarbeiten mit ihnen ermöglichen ließe. Die Kunde von den gestrigen Vorfällen im Reichstag wird draußen an der Front den entsprechenden Widerhall finden. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß unsere im Felde stehenden Genoffen mit überwältigender Mehrheit sich auf die Seite der Mehr- heit stellen werden. So bedauerlich der gestrige Vorfall und die damit im Zu- sammenhang stehende Spaltung der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion auch ist, ein Gutes wird er haben: Die sozialdemokratische Fraktion braucht der Einheit zuliebe diesen Elementen gegenüber keine Konzessionen mehr an die revolutionäre Romantik zu machen. Nun wird die Partei innerlich gesunden. Dieser Gewinn aus den gestrigen Vorgängen ist ungleich größer als der Verlust. „Neckar-Echo"(Heilbronn): Nun ist die Trennung gekommen, die nicht mehr zu vermeiden war und die man doch hinausschob soweit als möglich, weil die Ein- heit der parlamentarischen Kraft der Arbeiterschaft über allem als Zwang der Zukunft steht. Innerlich war sie ja längst dahin, und längst war alles dazu reif, den Weg Württembergs zu gehen. In offener Sitzung des Reichstags kam es zum Austrag, und Haase war es, der all seinen unzähligen Zweideutigkeiten gestern die Krone auffetzte, Haase war es, der die reife Frucht mit einem Prügel vom Baume schlug. Wahrlich, der Mann hat sich ein übleS Denkmal ge- setzt in der deutschen Sozialdemokratie! Wir gestehen, daß wir die endliche Entscheidung als ein« Befreiung begrüßen, so sehr uns die Taffache der Spaltung an sich auch schmerzt, denn in diesen Verhältnissen und mit diesen Leuten war läng st kein Arbeiten mehr möglich. Sie sind zum großen Teil als lauernde Auspasser und erprobte Verleumder da gewesen, wo sie treue Niitarbeiter sein sollten, ihr Denken ist i-m Durcheinander hohler Formeln und verschrobener Schlagworts erstickt. Glaube doch niemaitd, dieses krause Gewirr von Meinungen sei einheitlicher Arbeit fähig und vor allem brauchbarer Arbeit, das sich da jetzt als neue Fraktion zusammengetan hat! Mache sich niemand vor, es handle sich hier um eine leichte Sache. Mit tiefer Scham vernehmen wir, was gestern im Reichstag möglich war. Und zögern nicht, jedo Gemeinschaft mit den unfrei- willigen Helfern des Auslandes abzulehnen. Wir sehnen die Ans- Hebung des Belagerungszustandes herbei, damit wir die Fraktion der Phrase unbarmherzig zerhauen können. Und wir denken mit «pcnrnung und Mitgefühl für die, die eS persönlich auslöffeln müssen, an da?, was jetzt von den Vertretern der Mehrheit im Partoivorstand weiterhin geleistet werden muß. Der Stein ist im Rollen, niemand hält ihn mehr auf.... „Lberfränkifche Lollszcitung"(Hof): Gegenwärtig liegen die Dinge so, daß die 18 Genossen eine eigene Fraktion, die„Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft", bilden und daß der Genosse Haase auch aus dem Parteivorstand ausgetreten ist. Ob das richtig war, wollen wir bezweifeln. Redet man auch in verschiedenen Parteiblättern und in bürgerlichen Zeitungen von einer Spaltung der Partei, so ist dabei wohl mehr der fromme Wunsch bei letzterem der Vater des Gedankens. So wenig die Iraktions-mehrheit berechtigt war, Parteigenossen aus der Fraktion auszuschließen, so wenig kann dieser Ausschluß als eine Spaltung der Partei angesehen werden. Darüber hat erst ein Parteitag das letzte Wort zu sprechen. Aber wenn inzwischen ver schieden« Parteiblätter mit Kraftworten ihrer Entrüstung über den Genossen Haas« Ausdruck geben und von Treubruch und, wie Kolb Karlsruhe, von einem„Straßeiffchwadroneur" reden, so tun diese besser, sich darüber zu entrüsten, daß Heine fortgesetzt die Beschlüsse des Dresdener Parteitages(1893) gröblich verletzt, indem er in bürgerlichen Zeitungen sich mit Parteifragen beschäftigt und gegen Parteigenossen Stellung nimmt, wie er eS erst jetzt wieder in der„B. Z. am Mittag" getan hat, in der er in gehässiger Weise gegen Haase und die Minderheit losgeht. Nur soviel sei heute noch gesagt, es ist jetzt infolge der bekannten Umstände schwer, alles Für und Wider so zu erörtern, wie es not- wendig wäre. In der Zeit nach dem Kriege wird eS möglich sein, mehr darüber zu reden und zu schreiben. Dann werden auch die Genossen ihr Urteil fällen, die heute noch im Schützengraben stehen. Ihr Urteil und die Tatsachen werden dann für die weitere Haltung der Partei bestimmend sein. die neuen Steuern in der Kommisston des Reichstags. Tie Steuerkommission begann am Donnerstag mit der Be- ratung der außerordentlichen Postadgaben. Ter Berichterstatter Dr. W i e m e r(Vp.) gab einleitend eine Uebersicht über den Zweck und die Tragweite der Vorlage. Er hatte grundsätzliche Einwen- düngen nicht zu erheben, beanstandete aber, daß keine zeitliche Be- grenzung der Abgabe vorgesehen war. Die Belastung des privaten und geschäftlichen Verkehrs werde hart empfunden werden. Das gelte sowohl von dem Zuschlag für die Postgebühren wie von dem für Telegramme und Telephon. Besonders die mittlere und kleine Presse werde unter dieser Belastung schwer zu leiden haben, und es sei deshalb zu erwägen, ob nicht die berechtigten Interessen mehr geschont werden könnten. Ter gute Ruf der deutschen Pojteinrich- tunaen beruhe darauf, daß sie nicht fiskalischen Zwecken dienen. Trotzdem könne man bei dem großen Geldbedarf der Kriegszeit einer Belastung des Postvcrkehrs nicht ausweichen. Fraglich sei, ob der geschätzte Ertrag der Abgaben von 299 Millionen Mark wirklich ge- Wonnen werde. In Friedenszeiten würde jedenfalls auf eine An- nähme dieser Vorlage im Reichstag nicht zu rechnen sein, aber im Kriege müsse man von anderen Gesichtspunkten aus an diese Frage herantreten. Staatssekretär HelffericS: Die Post solle nach wie vor dem Verkehr und nicht fiskalischen Zwecken dienen. Die der Post zuge- mutete Last sei keine übermäßige. Bei der Abschätzung des Ertrags sei der befürchtete Verkehrsrückgang bereits in Rechnung gestellt. Daß mit dem Friedensschluß die Abgaben sofort wegfallen werden, könne nicht in Aussicht gestellt werden. Sie werde ihre Einordnung finden müssen bei der Neugestaltung der Reichsfinanzen, die bald nach Friedensschluß notwendig werde. Abg. Molkenbuhr(Soz.) bezeichnete eS als sehr bedenklich, Steuern zu schaffen, die nur vorübergehend erhoben werden sollen, zumal in der Kriegszeit der billige Briefverkehr sehr kulturfördernd gewirkt habe. Die früheren Privatpostanstalten hätten bewiesen, daß der Perkehr noch billiger gestaltet werden könne. Aach den Ersah- > rungen mit der Fahrkartenfteuer hätte man eine solche Vorlage nicht erwarten sollen. Es sei sehr wohl möglich, daß die ganze Mehrein, nähme durch den Verkchrsrückgang aufgezehrt werde. Redner weist weiter nach, daß die Steigerung der Postgebühren zur Verschlechte, rung der deutschen Valuta beitrage. Die Umschaltung der Kriegs* in die Friedenswirtschaft werde durch die erhöhten Postgebühren moi erschwert. Abg. W a r m u t h(Deuffche Fraktion) hält besonder» die Er, höhnng deS Portos im Orts- und Nachbarverkehr für geboten. Der heutige Zustand bedeute eine Begünstigung der Großstädte. Die Post* karte könne allgemein auf 19 Pf. erhöht werden. Staatssekretär K r a e t k e: Wir haben den Verkehr stets zu er, leichtern gesucht. Jetzt sind wir aber in der Zwangslage, Geld zu beschaffen. Eine gleichmäßige Erhöhung aller Postgebühren um einen bestimmten Prozenffatz schien unzweckmäßig. Darum habe man große Gruppen de? Verkehrs herausgegrifsen: Postkarten, Briefe, Drucksachen, Pakete. Der ZeitungStarif bleibe unberührt, und daZ sei bereits ein großes Entgegenkommen für die Zeitungen. Besondere Ausnahmen für bestimmte Berufe müssen der Konsequenzen wegen vermieden werden. Von den Nationalliberalen und Fortschrittler» wird ein Antrag gestellt, der verlangt, daß die Aufhebung der in dem Gesetz vorgffehe, neu Abgaben spätestens nach Ablauf des ersten Etatsjahres nach Friedensschluß erfolgen müsse, wenn es der Reichstag verlange. Abg. Carstens(Vp.) befürchtet, daß die Postabgaben so rasch nicht wieder veffchwinden werden, und daß sie dem gewerblichen Mittel» stände das Leben schwer und mancher Existenz den GarauS machen werben. Trotzdem redet er den Sozialdemokraten zu, sich gegenüber diesen Steuern nicht dauernd ablehnend zu verhalten. Staatssekretär Kraetke teilt mit, daß das Anlagekapital den Reichspost sich auf 1355 Millionen Mark belaufe« Die Verzinsung betrage über 11 Proz. Abg. Müller- Fulda(Z.) erklärt, daß sich das Zentrum, weil es sich um eine Notlage handele, auf den Boden der Vorlage stelle. Der Reinertrag der Post sei kein befriedigender. Redner macht einige An, regungen zur Verbilligung des Betriebes, worauf Staatssekretär Kraetke erwidert, daß diese Voffchläge praktisch erprobt werden sollen, Abg. Kopsch iVp.): Der Staatssekretär irre sich, wenn er an« nehme, daß dieser Vorlage im Volke kein Widefftand geleistet werde. Die Fachpresse z. B. werde sehr schwer unter den Abgaben zu leiden haben. Man solle auch die von den Postgebühren befreiten Kreise mit der Abgabe treffen. Man düffe auch nicht die Schwierigkeit unterschätzen, die der Einführung eines BriefftempelS im Wege stehen. Redner wendet sich gegen die besondere Belastung deS Orts, und NachbarortSveÄehrs. Abg. Vogtherr(Soz. Arbeitsgemeinschaft) beantragt einen § 4a, wonach die den Bundessüfften gewährten Befreiungen von den Postgebühren aufgehoben werden sollen. Er führt au»: Der Rückgang deS PostverkehrS werde von der Regierung unterschätzt. Die durch den Krieg herbeigeführte Erschwerung des Verkehrs werde durch die Postabgaben noch gesteigert. Mit der Portofreiheit der Fürsten werde ein großer Mißbrauch getrieben. Staatssekretär Kraetke protestiert gegen diese Auslassungen und bestreitet, daß Mißbrauch getrieben werde. Die Porwfreihest der regierenden Füfften beruhe auf einem Reichsgesetz und müsse rffpek, tiert werden. Abg. v. Richthofen(natl.): Richtig sei, daß gegen diese Vor- läge im Volke am wenigsten Widerstand geleistet werde. Der Grund liege darin, daß man diese Last als eine vorübergehende ansehe. An der Portofreiheit der Fürsten solle man nicht rütteln. Abg. Graf C a r m e r(k.) meint, daß man in diesen schweren Zeiten! harte Maßnahmen nicht vermeiden könne. Die Begrenzung der Gül- tigkeitsdauer sei nach dem natiynalliberalen Antrag zu kurz he- messen. Tie Portofreiheit der Fürstenhäuser könne man jetzt nicht aufheben. Staatssekretär Helfferich hebt hervor, daß das Gesetz ein Notgesetz sei, das durch die Natur der Dinge befristet sei. Aber es sei sehr bedenklich, eine solche Frist in das Gesetz zu schreiben. Bezüg, lich der Portofreiheit der Füfften teile er die Ansicht der Vorredner. Abg. N e u h a u s(Z.) wendet sich entschieden gegen die Befristung Abgaben. Die Berechnung der Rente von II Proz. sei nur mit Vor, ficht aufzunehmen. Tie Aufhebung der Portofreiheit der Fürsten müsse man schon mit Rücksicht auf das Vollsempsinden beschließen, Er hoffe aber, daß die Fürsten sich freiwillig zu diesem Verzicht be- reit erklären werden. Redner schlägt die Aufhebung der Portofteiheit im Berkehr mit Heeresangehörigen innerhalb der Landesgrenzen und die Erhebung einer kleinen Gebühr für Briefe ins Feld vor, weil mit der Portofteiheit großer Mißbrauch getrieben werde. Auf eine Bemerkung des Abg. Meyer- Kaussbeuren(Z.), man könne nicht damit rechnen, daß die außerordentlichen Mgaben wieder in Wegfall kommen, bemerkt der Staatssekretär Dr. Helfferich, daß es ihm jetzt nicht möglich sei, auch nur in großen Ilmrissen sein Zukuuftsprogramm bezüglich der Gestaltung der Reichsfinanzen zu entwickeln. Zunächst sei zu hoffen, daß es gelingen werde, einen erheblichen Teil der Kriegskosten durch die Kriegsentschädigungen zu decken. Abg. Hildenbrand(Soz.): Wir haben uns bereit erklärt, an der Beschaffung der notwendigen Einnahmen mitzuwirken; aber der Charakter dieser Vorlage ist vom Staatssekretär ffchtig bezeichnet worden als ein Verlegenheitsgesetz. Man hätte an diejenigen Kreffe herantreten sollen, die im Besitz des Kapitals sind.— Redner kommt dann aus den Vorschlag zurück, den Wehrbeitrag noch einmal zu er- heben; in der„Nordd. Allg. Ztg." sei jedoch eine Erklärung ab- gegeben worden, die darauf hindeutet, daß die Regierung den noch» maligen Wehrbeitrag ablehnen wolle. Das dürfe aber nicht hin» dem. gerechtere und zweckmäßigere Steuern, als es die vorge- schlagenen sind, zu schaffen. Die Erhöhung der Postabgaben be, deute einen kulturellen Rückschritt, der besonders in diesen KffegS- zeiten hart wirke. Es wäre vielleicht besser, ehe in eine Special» beratung eingetreten wird, zu versuchen, eine Mehrheit für einen neuen Wehrbeitrag zustande zu bringen. Verständnis dcffür sei auch in den besitzenden Kreisen zu finden. Mit dem BefffstungS» antrag werde nicht viel gewonnen, denn im Ernst sei nicht daran zu denken, daß dies« Abgaben nach dem Kriege wieder aufgehoben werden. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte verständigte man sich dahin, die Beratung über die Frage des WehrbeitrageS als einer direkten Steuer der Budgetkommffsion zu überlassen, der auch die KriegSgewinnsteuer überwiesen ist. Staatssekretär Dr. Helffe- rtch warnte davor, etwa eine Steuer auf die Zeichnungen der Kriegsanleihe zu legen. Die Stellung der Regierung in der Frage des Wehrbeitrages habe sich seit seiner Erklärung im Plenum nicht geändert. Abg. Hildenbrand erklärte noch, daß er nur einer allge» meinen Besitzsteuer das Wort geredet habe. Von den Nationalliberalen wurde dann iwch eine Resolution beantragt, in welcher die Herausgabe einer einheitlichen Briefmarke für ganz Deutschland verlangt wird. Die Beratung geht Freitag weiter. politische Uebersicht. Regierung und Selbstverwaltung. (Amtlich.) Der preußische Mini st er des Innern hat soeben durch eine Rundverfügung an die Re» gierungs- und Oberpräsidenten die Stellung der Staats- aufsichtsbehörden zur S e l b st v e r w a l t u n g in der folgenden Richtung geregelt. Wenn Städte, Landgemeinden, Kreise und Provinzen in diesem Kriege im Dienste des Vaterlandes Vorbildliches ge» leistet haben, wenn sie'stch- der im Kriege hervorgetretenen Notwendigkeit zu gemein wirtschaftlichem Ausbau unserer Volks- Wirtschaft anpassen und zahlreiche neue Aufgaben auf dem Gebiete der Kriegswohlfahrtspflege übernehmen konnten, so danken sie das jener Kraftquelle, die vor einem Jahrhundert, gleichfalls in.schwerer Zeit, durch die preußische Städtcordnung erschlossen und von da aus den andern öffentlichen Körper- schaften zugeführt worden ist— der Selbstverwaltung. Niemals hätte es diesen Körperschaften gelingen können, den gewaltigen Aufgaben des Krieges in solcheni Maße gerecht zu werden, wenn ihnen nicht die Selbstverwaltung die Mög- lichkeit freier Entschließung und das stärkende Bewußtsein eigener Verantwortung gegeben hätte. Darum muß es die Aufgabe der Staatsregierung sein, in den Gemeinden und Gemeindeverbänden weiterhin das kostbare Gut der Selbst- Verwaltung zu wahren und nach Möglichkeit zu mehren. Wie sich Art und Ilmfang der Gcmeindcaussicht einer gesetzlichen Begriffsbestimmung entziehen, so kann es auch nicht meine Aufgabe sein, diese Aufsicht durch all- gemeine Anordn u n g e n zu regeln. Vielmehr gilt es, den Geist dieser Aufsicht dem Geiste der Selbstverwaltung an- zupassen. Ruht die Selbstverwaltung auf dem ethischen Boden der Selbstverantwortung, so muß die Aufsicht bei aäen ihren Maßnahmen von der Achtung vor der Verantwortlichkeit der Gemcindeorgane ausgehen und auf ihre Stärkung abzielen. Dies vorausgeschickt, mag hier im einzelnen aus diejenigen Obliegenheiten der Aufsichtsbehörden hingewiesen werden, die Bestätigungen, Genehmigungen, Beschwerden, Nachforschungen oder Anregungen zum Gegenstände haben. Bei Bestätigungen gemeindlicher Wahlen darf die Aufsichtsbehörde nicht von der Fragestellung ausgehen, ob der Gewählte nach ihrer Auffassung der rechte Mann für den Posten sei, auf den er gestellt werden soll, sondern von der anderen Fragestellung, ob die Wahl mit der Verantwortung der zu wählenden Körperschaft überhaupt vereinbar und vom Standpunkt des Staatswohls erträglich erscheint. Bei der Genehmigung von Gemeindebeschlüssen soll die Aufsichtstätigkeit auf die Prüfung der Uebereinstimmnng der Beschlüsse mit den gesetzlichen und den neben den Gesetzen geltenden Bestimmungen beschränkt bleiben unbeschadet der besonderen staatlichen Interessen, die bei der Aufsicht über die Gemeindefinanzcn obwalten oder die durch die Gewährung staatlicher Zuschüsse zur Erfüllung gemeindlicher Aufgaben ge- geben sind. Beschwerden gegen Gemeindeverwaltungen sollen von der Aufsichtsbehörde einer Berichterstattung durch die Gemeindebehörden dann nicht unterworfen werden, wenn sich schon aus dem Inhalte ergibt, daß die Gegenstände der Be- schwende dem Gebiete der reinen Selbstverwaltung angehören, und daß voni Standpunkte des Staatswohls kein Interesse an einer Aufklärung des Tatbestandes vorhanden ist. Viel- mehr soll in solchen Fällen der Beschwerdeführer vbne weiteres dahin beschieden werden, daß für die Aufsichts- behörde kein Anlaß zur Aufklärung oder zum Eingriff ge- geben sei. Auf Presse nieldungen oder auf Gerüchte hin ist nur dann Bericht durch die Aufsichtsbehörde einzufordern, wenn die Angaben ernsthaft erscheinen und der Fall besondere Wichtigkeit beansprucht. In diesen und ähnlichen Fällen wird sich übrigens häufig der Weg telephonischcr oder persönlicher Aufklärung empfehlen. Anregungen allgemeiner Natur werden sich am fruchtbarsten erweisen, wenn sie sich an die freien.Ver- einiglingen der verschiedenen Gemeindeverbände, insbesondere der Städetage, Vereinigungen der Landgemeinden, Bürger- pieistereien, Amtsverbände usf. richten und diesen zur Erörte- rung und Prüfung überwiesen werden. Bei Beobachtung dieser Winke wird das Vertrauens- Verhältnis, das zwischen Aufsichtsbehörde und Gemeinde oder Gemeindeverband obwalten muß, an Zuverlässigkeit gewinnen. Zur Pflege dieses Vertrauensverhältnisses ist die dauernde persönliche Fühlung zwischen den Vertretern der Gemeinde- körperschaften einerseits und der Aussichtsbehörde andererseits unerläßlich� Ich lege den größten Wert darauf, daß die vorstehende Verfügung zum Schutze der Selbstverwaltung gerade in den jetzigen Zeiten angestrengter gemeinsamer Tätigkeit für das Wohl des Staates von allen Gemeindeaufsichtsbehörden streng beachtet wird._ Herrenhaus und Hausbesitzer. Die Donnerstagsitzung des Herrenhauses zog sich langer hin, als nach der Tagesordnung anzunehmen war. Es ist gewiß anzuerkennen, daß das Herrenhaus den ihm zugehenden Petitionen Aufmerksamkeit zuwendet und sie regelmäßig er- ledigt, während Reichstag und Abgeordnetenhaus kaum noch dazu kommen. Es sei auch verzeichnet, daß das Herrenhaus eine Petition um Heraufsetzung des steuerfreien„Existenz- Minimums" von 300 auf 1200 M. der Staatsregierung als Material überwies. Allerdings ist das Verlangen dieser von dem ehemaligen reichsparteilichen Reichstagsabgeordneten für Elberfeld, Linz, ausgehenden Petition mehr als bescheiden. Was haben 1200 M. heute noch für eine Kaufkraft! Bei einigen Hausbesitzerpetitionen gegen weitere Steuer- belastung und gegen gemeindliche Umsatz- und Zuwachssteuern klagte der Fürst Salm-Horstmar erschütternd über die Notlage der Hausbesitzer, wobei er nicht unterließ, seine geringe Be- friedigung über die Kriegsgewinnsteuer auszusprechen. Aber die„notleidenden" Hausbesitzer werden doch keinen Kriegs- Vermögenszuwachs zu versteuern brauchen! Einige Ober- bürgermeister, die die Dinge doch auch kennen, traten diesen Uebertreibungen entgegen. Freitag wird das Fischereigesetz in der vom Abgeordneten- haus abgeänderten Fassung angenommen werden. Buudesratsbeschlüsse. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur An- pahme: der Entwurf einer Bekanntmachung, beireffend den Absatz von Kaltialzen, der Entwurf einer Bekanntmachung über Preis» beschränkungen bei Verkäufen von Web-, Wirk» und Strickwaren und der Entwurf einer Bekanntmachung, betreffend Aenderung des Süßstoffgesetzes vom 7. Juli 1902._ Tie Freigabe der Süßstoffe. ' Amtlich. Berlin, 30. März.(W. T. B.) Der B u n d e S- rat hat durch eine am 1. April 1916 in Kraft tretende Verordnung den Reichskanzler ermächtigt, weitere Ausnahmen von den Porschriften des geltenden S ü ß st o f fg e s e tz e s zu- z u l a ss en. Bon dieser Ermächtigung wird insoweit Gebrauch ge- macht werden, als Zucker lediglich zu Genußzwecken verbraucht wird, als Nahrungsmittel aber nicht in Betracht kommt. In Aus- sicht genommen ist vorerst die Freigabe von Süßstoff für die H e r- stell ii wg von L'imonaven. Die Konkrolle des Verhrsachs und die Verteilung des Süßstoffs wird durch eine noch bekannizu- gebende Zentralstelle erfolgen. Der Preis des Süßstoffs, den die Verbraucher zu zahlen haben, wird voraussichtlich dem jeweiligen Zuckerpreise entsprechend festgesetzt werden. Verteuerung der Textilwaren. Amtlich. Der Bundesrat hat eine Verordnung über Preisbeschränkungen bei Verkäufen von Web-, Wirk- und Strickwaren erlassen. Die von den stellvertretenden General- kommandos gleichzeitig mit der Beschlagnahme von Textilien am 1. Februar 1316 erlassene Bekanntmachung, betreffend Prcisbeichränkungen im Handel mit Textilien, sollte wucherischen Preistreibereien beim Verkauf von Textilwaren im Augenblick der Beschlagnahme einen wirksamen Riegel vorschieben; sie hat ihre vorläufige Aufgabe erfüllt. Bei ihrem Erlasse war von vornherein klar, daß sie dauernd im vollen Umfang nicht würde aufrecht- erhalten werden können.— Die nunmehr ergangene Verordnung des Bundesrats hält grundsätzlich daran fest, daß eine etwaige Knappheit an Textilien nicht zu prcistreiberischer Ueberteuerung ausgenutzt werden darf. Andererseits ist die Berücksichtigung der wachsen- den Gestehungskosten und der Zuschlag eines angemessenen Gewinnes bei der Preis- ge staltung zugelassen. Dem Käufer ist die Mög- lichkeit gegeben, einen zivilrechtlichen Anspruch auf Preis- Minderung gegen den Verkäufer zu erzielen. Die Geltend- machung des Anspruchs erfolgt vor einem Schiedsgericht. Die Schiedsgerichte werden grundsätzlich bei den amtlichen Handels- Vertretungen gebildet werden. Ihre unparteiliche Zusammen- setzung wird dadurch gewährleistet, daß der Vorsitzende und sein Stellvertreter von einer Verwaltungsbehörde ernannt werden, und zwei Beisitzer Käuferkreisen angehören sollen. Auch auf Beteiligung des Handwerks bei der Bildung des Gerichts wird Bedacht genommen werden. Bei übermäßigen Preissteigerungen in Gegenständen des täglichen Bedarfs ver- bleibt die Möglichkeit einer strafrechtlichen Verfolgung. Bei Verdacht einer strafbaren Ueberteuerung hat der Vorsitzende des Schiedsgerichts der Staatsanwaltschaft Mitteilung zu machen. „Faustpfänder." Von 23 großen wirilchaftlich am Außenhandel beteiligten Firmen in Hamburg ist folgender Anlrag an den Reichskanzler gerichtet worden: Die Reichsregierung wolle mit Rücksicht auf die von unieten Feinden in Aussicht genommenen bezw. von ihnen schon durchgeführten Maßregeln, die nicht allein unsere politische Macht- stellung, sondern auch unseren Außenhandel und unser blühendes Wirtschaftsleben bedrohen, die Registrierung der deutschen Forde- rungen an feindliche Ausländer veranlassen und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, damit sie der RcichSregicrung volle Ueber- ficht über die geschädigten und gefährdeten deutschen Interessen gestatten und damit sie für diese bei Friedensschluß von den feind- lichen Mächten vollen Ersatz in Form von Faustpfändern und anderen Bürgschaften fordern kann. lW. T. B.) Sozialdemokratische Anträge zum Militäretat. Die Vertreter der allen sozialdemokratischen Fraktion in der Budgelkommission haben zu der Beratung deS Militäretats folgende Resolutionen eingebracht: 1. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bei der obersten Heeres- leitung zu veranlassen, daß Mannschaften, die das 45. Lebensjahr überschritten haben, in weiterem Umfang« als bisher von der Front zurückgezogen werden' ,2. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, schleunigst in Er--! wögungen darüber einzutreten, wie die Verpflegungsverhältnisse der Truppen gleichmäßig gut gestaltet werden können. An Stelle des Brotgeldes soll den Mamii'chaiten grundsätzlich die in der Ver- pflegungsvorichrift festgesetzie Brotration geliefert werden; 3. den Herrn Neichslanzler zu ersuchen, die Löhnung der Ge- freiten und Gemeinen bei den immobilen Formationen um 33l/z Pro» zent zu erhöhen; 4. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, schleunigst eine Ab- änderung der KriegSbesoldungSordnung— Teil I J e vor, die dafür sehr ver- uehmlich spricht. Aber warten wir ab, ob zu diesem Punkte noch mehr gesagt werden muß." Der Parteiausschuß die Marionette einer Sondcrkoifferenz der Rechten, seine Beschlüsse gegen Sonderorganisationen ein Produkt einer Sonderronsercnz, das wäre allerdings ein Satyrspiel ohne gleichen. Hoffentlich gibt unser Elberfelder Partciblatt die Tatsache, auf die es sich stützt, bald näher bekannt. Ter verscherzte Zukunftsstaat. Welches weltgeschichtliche Unheil die„Sozialdemokratische Ar- beitsgemeinschaft" angerichtet hat, das hält ihr das„Bochum er Volksblatt" vom 27. März 1916 in folgenden niederschmettern» den Worten vor: „Wir waren nicht mehr weit davon entfernt. das Steuer das Staats schiffes in unser Fahr» Wasser lenken zu können. In einer Situation, in der wir das Ziel fast mit Händen greisen kann, ten, wo günstige Um stände uns einen Einfluß ii» Aussicht stellten, der größer war, als er uns in normalen Zeiten nach unserer Zahlenstärke schon zustand, da versagte ein so erheblicher Teil aus unseren Reihen, daß wir uns selbst auf lange Zeit um die Früchte unserer Arbeit bringen." Dem„Bochumer Volksblatt" ist der schwere Vorwurf nicht zu ersparen, die Genossen der„Sozialdemokratischen Arbeitsgemein» schaft" nicht rechtzeitig darauf auftuerksam gemacht zu haben, daß wir schon so dicht vor der Tür des Zukunftsstaates standen. Viel- leicht wären sie dann hübsch still geblieben, um schnell und verstohlen in das geliebte Land hineinschlüpfen zu können. Staötverorönetenversammlung. 9. Sitzung vom Donnerstag, den 30. März 1916, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher M i ch e l e t eröffnet die Sitzung mit einem ehrenden NaÄruf für den in diesen Tagen verstorbenen Kammann Moritz Manheimer, der sich durch namhafte humanitäre Stiftungen um die Stadt wohlverdient gemacht hat. Die Beratung des Stadthaushaltsetats für 191« wird fortgesetzt. Zunächst erstattet Stadtv. Körte(Fr. Fr.) Bericht über die Verhandlungen deS Ausschusses, der über die vom Magistrat be» antragt« Erhöhung der Gaspreise von 13 auf 16 Pf. für den Kubikmeter beraten hat. Der Ausschuß hat gegen 5 Stimmen die Zustimmung zu der Erhöhung zu» nächst auf ein Jahr empfohlen und alle Abmilderungsaniräge abgelehnt, Von den Stadtv. Barkowski und Genossen(Soz.) ist beantragt, den Magistrat zu ersuchen, g) schon ftir das Etatsjahr 1916 die Kosten der öffentlichen Beleuchtung inkl. der Anlage- und Unterhaltungskosten nicht dem Gasetat zur Last zu schreiben, sondern auf den allgemeinen Etat zu übernehmen; b) den Gasahnehmerit bis zu einem Jahresguantum von 400 Kubikmetern Gas zu dem bisherigen Preise abzugeben; ei den Gasabneümern von 401 bis 600 Kubikmetern Gas zum Preise von 14 Pf. pro Kubikmeter abzugeben. Stadtv. Fischer(Soz.): Wir haben unsere im Ausschuß abge- lehnten.Anträge wiederholt und bitten um ihre Annahme. Wir glauben, bei einigem Entgegenkommen würde sogar eine Herab- setzung des Gaspreises für die kleinen Konsumenten, uiöglich gewesen sein, in dieser schweren Zeit kann man, ja, muß man verlangen, daß die Stadt den wirtschaftlich Schwächeren nicht mit einer solchen Erhöhung kommt. Der dritte Teil aller Haus haitun- gen wird durch die Preiserhöhung schwerer be- troffen als es durch eine entsprechende Erhöhung der Einkommensteuer geschehen'würde, und diesen Teil der Bürgerschaft zu schonen, halten wir für unsere Pflicht. 37 Proz. unserer Konsumenten haben Münzgasmesser, das sind etwa 218 000 kleine Haushaltungen von einer, höchstens zwei Stuben und Küche; denen sollen statt 675 nur noch 542 Liter ü r 10 Pf. geliefert werden, also 133 Liter weniger als bisher. Das ist die größte Belastung, die die Vorlage überhaupt enthält, und sie trifft gerade die allerkleinsten Abnehmer, die nicht imstande sind, auf einmal eine größere Sumnie zu bezahlen, die sich diese Groschen von ihren geringen Einnahmen absparen müssen. Unter denen, die bis zu 400 Kubikmeter verbrauchen, sind kleine Be- amte, kleine Gewerbetreibende, denen man eine größere Belastung nicht zumuten kann; endlich kommen in Betrachts die kleinen selbständigen Geschäftsleute usw. mit einem Konsum bis 600 Kubikmeter, denen das Gas nach uiiserin Antrag äir 14 Pf. geliefert werden soll, die auch an der Grenze ihrer Lei- shingsfähigkeit angelangt sind. Das Loch, das unser Antrag in die Einnahmen reißt, kann gestopft werden dadurch, daß man den Gas- werken die Kosten der öffentlichen Straßenbeleuchtung ersetzt. Früher erzielte die Stadt aus den Gaswerken erhebliche Ueberschüsse, und immer haben die Abnehmer die Straßenbeleuch- tung mitbezahlt; jetzt, nachdem die Ueberschüsse verscbwunden und. kann man das von ihnen nicht mehr verlangen. Die Summe von 2,8 Millionen, die die Straßenbeleuchtung erfordert, stellt nur die Selbstkosten dar; die Stadt müßte aber doch rechtlich wie kauf- männisch den gleichen Gaspreis zahlen wie jeder private Abnehmer. Mit diesen 2L Millionen wäre das Defizit schon zum größten Teil gedeckt: im übrigen würde immerhin ein Einkommensteuer- Zuschlag von 10 Proz. noch viel gerechter sein als eine einseitige Belastung der Gaskonsumenten. Damit würden auch die 140 000 Haushaltungen getroffen werden. die noch ohne Gasbeleuchtung sind, und die sich dann wohl eher um den Anschluß ihrer Wohnungen an das Gasrohrnetz bemühen würden. Auch gegenüber der Englischen Gasgesellschaft, deren Bezieher von der Erhöhung verschont bleiben, würde unser Antrag einen Ausgleich schaffen, ebenso hinsichtlich der Vororte. Sollen denn die Aermsten der Armen am meisten büßen, waS ünS der Krieg auferlegt? Im Punkte der Kohlenzufuhr hätte in anderer Weise als geschehen vorgesorgt werden müssen, und die Maß- nahmen der zuständigen Stellen haben die Schwierigkeiten eher noch vergrößert, und namentlich hat es der Staat an Entgegenkommen legen Berlin wieder fehlen lassen— die alte Nadelstichpolitik! Und »eute bekommen die Konsumenten noch schlechteres Gas als r ü h e r geliefert. Stadtv. Jacvbi(Linke) ist erstaunt darüber, daß der Vorredner wegen der Kohlenankäuse der Gaswerksdftektion Vorwürfe gemacht Yak; die Direktion?aLe in dieser schweren Zeit das Menschenmögliche geleistet. Natürlich könne man nur schweren Herzens der Vorlage zustimmen; aber die Verhältnisse hätten sich eben seit Jahresfrist nicht gebessert, und niemand wisse, wie lange der Krieg noch dauern würde. Ein städtisches gewerbliches Unternehmen müsse Ueberschüsse liesern, dürfe aber nicht Zuschüsse erfordern. Nach der Lage des Kohlen- Marktes habe sich auch schon früher der Gaspreis gerichtet; es handle sich hier also nicht etwa um etwas Neues. Berlin habe immer nüt die billigsten Gaspreise gehabt. Die verteuerte Gasbeleuchtung sei immer noch nicht teurer als die mit Petroleum. Auch bei den Auto- maten handle es sich um ein gewerbliches Unternehmen.�(Wider- fpruch bei den Sozialdemokraten), auch der Rabatt für die großen Abnehmer sei durchaus berechtigt, weil die Stadt mit diesen ein viel besseres Geschäft mache. Die Uebernahme der öffentlichen Beleuch- tung auf den allgemeinen Etat sei nur eine Formsache, am Etat ändere sie nichts. Nach dem Kriege müsse natürlich eine neue Prü- tung stattfinden, und dann werde man nsit dem Gaspreise ganz er- heblich herabgehen, dafür sorge schon die Zunahme des Verbrauchs an elektrischem Licht. Der Etat der Stadt lasse sich auf anderem Wege nicht halancieren.(Beifall.) Stadtrat Rast: Die Kohlenabschlüsse sind von der Verwaltung sehr vorsichtig behandelt worden; wir sind der Direktion zu beson- derem Dank verpflichtet. Die gestellten Anträge würden 2,7 bzw. K,7 Millionen Ausfall bedeuten. Auf den Gesamtetat bleibe die ander- weite Aufbringung der Kosten für die Straßenbeleuchtung ohne Ein- fluß. Andere große Städte haben die Preise auf 18—22 und 23 Pf. erhöht. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Wir stimmen der Erhöhung zu, obwohl wir fürchten, daß sie der weiteren EntWickelung unserer Gas- werke sehr schaden kann. Wir müssen uns aber nach den Zeitverhält» nissen richten. Die Verwaltung muß jedoch alles daransetzen, nachzu- weisen, daß die Erhöhung auf 16 Pf. zu hoch ist. Daß die B e- lastung gerade die kleineren Leute schärfer trifft, sollte darum nicht als Argument verwertet werden; es wird doch von allen Seiten eine kaufmännische Verwaltung unserer städtischen Werke gefordert. Den großen Abnehmern tun wir mit den Rabatten kaum einen größeren Gefallen als uns selbst. Es handelt, sich hier um einen Kriegszuschlag, den wir eben tragen müssen. Eine Er- höhung der Einkommensteuer auf 176 Proz. bewahrt uns nicht vor einem Defizit. Stv. Fischer: Gerade daß der Krieg so lange dauert und die Verhältnisse in den breiten Volsschichten von Woche zu Woche schlimmer werden, hat uns zu unseren Anträgen geführt. Ich be- wundere geradezu die Geduld und die Ruhe unserer Kriegerfrauen (Große Unruhe) bei allen Mißerfolgen, die sie täglich auf dein Lebens- mittelmarkte zu erleben haben; aber es fragt sich doch, ob diese Ge- duld nicht schließlich ein Ende hat, und die Gaspreiserhöhung wird mit ein Anlaß sein, daß ihnen der Geduldfaden reißt(Erneute roße Unruhe.).... Sie wissen das genau so wie ich, Sie haben loh nicht den guten Willen. Wenn jetzt im Kriege bei den Werken, die in früheren Jahren großen Nutzen gebracht haben, ein Defizit entsteht, so muß man, nachdem man soviel erhalten hat, auch einmal etwas zugeben, so macht es doch der Kaufmann auch!(Lebhafter Widerspruch.) Und dann muß doch auch hier nicht allein das ge- schäftliche, sondern auch das soziale Moment in den Vordergrund gestellt werden. Wir sind es der Bevölkerung schudig, sie vor größerer Belastung�zu bewahren. Mit 16 Proz. Steuererhöhung und mit unserem Staffeltarif läßt sich das Defizit decken.. Kämmerer Böfj: Wir hahen tatsächlich schon ganz bedeutend„zu- gegeben", wir haben in den Jahren löll und 1215 mehr als 18 Mil- lionen eingebüßt(Zurufe von den Soz.); wir haben also schon ganz erhebliche Zuschüsse geleistet. Auch mit der Erhöhung bleibt der Ueberschuß im Gasetat von 1,6 Millionen Mark weit hinter denen der Friedensjahre zurück. Selbst mit den 2,8 Millionen Mark von der öffentlichen Beleuchtung kämen nur 4,1 Millionen Mark heraus, ist das ein angemessener Ertrag der mehr als 156 Millionen, die darin arbeiten? Auch die sozialdemokratischen Konsumvereine arbei- ten genau so kaufmännisch wie wir, auch sie geben Brot, Honig- kuchen usw. den wirtschaftlich Schwächeren nicht billiger ab. Sollen denn in diesen schweren Zeiten die Werke nicht auch zu den Kosten unserer Kulturaufgaben beitragen dürfen, die doch unverändert blei- den? Hat nicht der Steuersäckek schon kräftig herhalten müssen, in zwei Kriegsjahren von 166 auf.160. Prozent? Wir' würden den öffentlichen Interessen den schwersten Nachteil zufügen, wenn diese Anträge zur Annahme kämen. Jedenfalls würde der Magistrat wenig Verständnis dafür zeigen können. Stv. Cassel(Linke): Wir sind für die Erhöhung, weil der jetzt geforderte Preis unter den Kriegsverhältnissen ein durchaus ange- messener ist. Die Gesamtheit der Steuerzahler zu belasten erscheint uns eine Ungerechtigkeit. Stv. Dr. Wryl(Soz.): Im Laufe der Jahrzehnte hat der Gas- «tat 266 Millionen Mark Ueberschüsse erbracht; erst seit zwei Jahren ist ein Defizit eingetreten. Bei den städtischen Werken, noch dazu, wenn sie einen ilstonopolcharakter tragen, soll wohl der kaufmän- nische Gesichtspunkt berücksichtigt werden, aber müssen auch die Ta- rife nach sozialen Gesichtspunkten gestaltet werden. Im Ausschusse waren auch die Freunde des Herrn Mommsen zum Teil für die Tendenz unserer Anträge. Allen unseren Vorschlägen setzte aber der Magistrat immer wieder sein kaltes Nein! entgegen. Es hau- belle sich hier auch um eine Frage des Mittelstandes, keineswegs nur der Arbeiterschaft. Nehmen Sie unsere Anträge an, so zeigen Sie, daß Sie die Interessen der kleinen Leute fördern wollen, lehnen Sie sie ab, so begehen Sie eine soziale Ungerechtigkeit, für die mir der parlamentärische Ausdruck fehlt. Sie werden das vor der Oeffentlichkeit und vor den Wählern zu verantworten haben. Wir beaMragen namentliche Abstimmung. Sollten wir unter. liegen, so gilt auch hier: Die siegreiche Sache mag den Göttern ge- fallen, die besiegte gefällt dem Cato! In der A b st i m m u n g werden die Anträge der Sozial- demokraten mit 74 gegen 43 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmt die gesanite sozialdemokratische Fraktion mit Ausnahme der Stvv. Dr. Bernstein, Heyse und Leid, die verhindert sind, an der Verhandlung teilzunehmen, und von den Bürgerlichen nur der Stv. Max Schulz(Fr. Fr.). Der Magistratsantrag gelangt zur Annahme. Ein? Reihe von Spezialetats werden ohne erhebliche Diskussion von der Versammlung genehmigt. Zum Gaswerketat wird eine Resolution angenommen, wo- nach im Etat für 1917 die Straßenbeleuchtung in den ordentlichen Ausgaben deS Gasetats besonders erscheinen soll. Für die S t e u e r e t a t s ist Stv. L i e b e n o w(Linke) zum Referenten bestellt. Der Etatsausschutz hat sich mit der Er- höhung des Gemeinde-Einkommensteuerzuschlags von 125 auf 166 Proz. einverstanden erklärt. Die Grund- und Gcbäudesteuer wird mit 176, die Gewerbesteuer mit 165 Proz. zur Hebung gelangen.— Der Gesamtetat balanciert mit 880 903110 MI. Stadtv. Heinemann(Soz.): Vor der Schlußabstimmung über den Etat im Vorjahre konnte ich namens meiner Freunde erklären, daß wir dem Erat zustimmen würden; die Einzelbedenken, die wir hatten, schienen uns nicht gewichtig genug, die Ablehnung zu recht- fertigen, um so weniger, als wir anerkannten, daß wir zusammen mit Ihnen und dem Magistrat einträchtig hatten arbeiten können zur Linderung aller der Nöte und Leiden, die der fürchterliche Krieg wn Gefolge hat. Auch heute bin ich ermächtigt, wenn wir auch hier und da Unzulänglichkeiten zu bedauern hatten, unser einmütiges und erfolgreiches Zusammenwirken mit Ihnen und dem Magistrat auf dem Gebiet der Kriegsfürsorge im Interesse der unbemittelten Be- völkerung der Stadt Berlin anzuerkennen.(Beifall.) Die Art in- dessen, wie Sie zur Balancierung des Etats mit 160 Proz. die Gas- preise rein schematisch für alle, auch die' kleinsten schon so überaus belasteten Abnehmer heraufgesetzt und unsere Vorschläge abgelehnt haben, erscheint uns ungerechtfertigt und unsozial. Wir sehen unS aus diesen: Grunde außer Stande, dem auf solche Art balancierten Etat unsere Zustimmung zu geben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Cassel: Unsozial wäre es gerade gewesen, zugunsten einzelner die Masse der Steuerzahler mit Lasten zu belegen. Des -Etat abzulehnen, weil es nicht nach den Wünschen der Anträgsteller gegangen ist, erscheint nicht gerechtfertigt. Hätten die Partei- genossen des Vorredners hier die Mehrheit, sie würden sich den Luxus der Ablehnung nicht gestatten.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit!) Stadtv. Hcimann: Wir empfinden es als unsozial, die Kosten der öffentlichen Gasbeleuchtung den Gasabnchmern allein aufzu- bürden; mit diesem Betrage hätte man die kleinen Konsumenten von der Erhöhung frei lassen können. Wenn wir hier die Mehr- heit hätten, hätte der Magistrat uns einen solchen Etat gar nicht vorgelegt. Der Etat für 1916 wird hierauf gegen die Stimmen der Sozialdemokraten genehmigt. Für das Jahr 1916 soll nach dem Vorschlage des Magistrats von der Berichtigung und Auslegung der Gemeinde- Wählerliste abgesehen werden; bei etwaigen Ersatzwahlen zur Versammlung soll die letzte endgültige Liste als Grundlage dienen. Die Versammlung stimmt zu. Schluß der üffenlliHen Sitzung �9 Uhr. Ms Groß-Serlin. Verabschiedung des berliner Etats. Tie Gasverteuerung beschlossen. Der gestrige Tag ist ein schwarzer Tag in öer Geschichte der städtischen Verwaltung: die bürgerliche Mehrheit der Stadtverordneten hat nahezu geschlossen einer die nicht Wohl- habende Bevölkerung schwer belastenden G a s p r e i s- erhöhung um 29 Proz. zugestimmtl Die Lasten, die der Gesamtheit zur Last fallen, hat sie den schwächsten Schul- tern aufgepackt. Eine ungerechte, anbisoziale Maßregel. Den Gaskonsumcntcn ist das Doppelte des Preises der Selbst- kosten als Kaufpreis auferlegt. Die Erhöhung trifft nicht die Einwohner, die. elektrisches Licht beziehen, und auch die Gaskonsumenten nicht, die von der englischen Gas- gesellschaft Gas beziehen. Und dafür haben auch solche Stadtverordnete gestimmt, die selbst von der englischen Gesell- schaft versorgt werden! Wir wollen nicht untersuchen, ob das nach dem Wortlaut der Städteopdnung zulässig ist. Sicherlich widerstrebt es ihrem Geist sowie den Grundsätzen des Kom- niunalabgabengesetzes, daß so ein Teil der Stadtverordneten und der Magistratsmitglieder einem Teil der Bürger Lasten auferlegte, die sie s e Hb st nie treffen können. Befreit von der neuen Last ist gerade der wohlhabende Teil. Der gestern gefaßte Beschluß widerspricht ferner nicht nur dem mit der englischen Gesellschaft geschlossenen Vertrag. Er widerspricht auch den mit den Gasabnehmern geschlossenen Ver- trägen. In den auf Grund des GenieindebeschlusseS vom 18. Februar 1911 festgesetzten Bedingungen für die Gasao- nehmcr aus den städtischen Gaswerken ist der Gaspreis auf 12.33 Pf. für den Kubikmeter festgesetzt und nn Z 19 bestimmt: „Eine Aufhebung oder Abänderung dieser Bedingungen bleibt nach voran gegangencrdrcimonatlicherKün- d i g u n g vorbehalten. Letztere erfolgt durch Bekanntmachung in den für die amtlichen Veröffentlichungen des Magistrats bestimmten hiesigen Zeitungen." Eine solche Kündigung ist nicht erfolgt. Mithin wäre die Gaspreiserhöhung für die Zeit his zum 1. Juli 1916 eine ungiiltige Vertragsverletzung. Stadtverordnete und Magistrat haben das infolge der Eile übersehen, mit der sie die Preiserhöhung betrieben. Die Vor- läge selbst wurde vor den Zeitungen geheim gehalten. Erst durch die Berichterstattung aus dem Ausschuß erfuhr die Oeffentlichkeit authentisch davon. Bevor gegen die ungerechte Belastung der wirtschaftlich schlecht Gestellten und gegen die' in ihr liegende Entlastung der wirtschaftlich am besten Situierten, insbesondere des Potsdamer Viertels, in Versammlungen Stellung genominen werden konnte, laurde flugs die Vor- läge unter Fach gebracht. Den einen Vorteil hatte diese Eile, daß die Nottvendigkeit vorheriger Kündigung übersehen wurde. Bei der Etatberatung, die darauf folgte, ging es zunächst wieder recht still zu. Um die Balancierung des Etats zu ermöglichen, mußte die Gemeindeeinkommen- st euer mit 169 Prozent festgesetzt werden. Erst in der Schlußabstimmung über den Gesamtetat stießen nochmals die Gegensätze aufeinander. Für die sozialdemokratische Fraktion gab Genosse H e i m a n n die Erklärung ab, daß sie dem mit Hilfe der unsozialen Maßnahmen der Gasverteuerung balancierten Etat ihre Zustimmung nicht geben können. Kartoffelversorgung und Kleinhändler. Am 31. März 1916 verliert der erste Abschnitt der Kartoffelkarte seine Gültigkeit. Der erste Zeilabschnitt der Kartoffelkarte ist also beendet. Der Magistrat fordert die Kartoffelkleinbändler. das sind alle diejenigen, die an Verbraucher unmittelbar Kartoffeln abgeben, aus, die von ihnen in der Zeit vom 20. bis 31. März gesammelten Kärtoffelkartenabschnitte ihrer Kunden, in Päckchen von 60 Slück geordnet, bei der zuständigen Brotkommission einzuliefern und dagegen Bezug- scheine, die der eingelieferten Menge von Kartoffelkarten- abschnitten entsprechen, in Empfang zu nehmen. Die Emlieferung hat in der Zeit vom 31. März bis spätestens 3. April einschließlich zu erfolgen. TaS Nähere ergeben die Bekanntmachungen an den öffentlichen Anschlagsäulen, auf die besonders hingewiesen wird. Inhaber von Hotels. Schank- und Speisewirtschaften, Pensio« naten und PrivatmillagStischen haben, soweit sie nicht gewerbliche Karroffelkarten bereits für einen längeren Zeitraum erhalten haben, die Bezugsscheine für den nächsten Zeitabschnitt rechtzeitig bei dem Obmann der Gastwirtskommission, bei dem sie ihren Verbrauch an- gemeldet haben, einzulösen. Krankenhäuser. Kliniken und andere Verpflegungsanstalten haben sich wegen ihres weiteren Bedarfs an Kartoffeln an daS Lebens- mittelbureau, Slralauer Str. 3—6. 1 Treppe, zu wenden. Die Große Berliner Straßenbahn beschloß in ihrer gestrigen Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 6 Proz. Trotzdem machte ein Redner in der Persammlung Stimmung für eine Tariferhöhung unter der Behauptung, daß den Aktiv- nären nicht die landesübliche Verzinsung ihrer Aktien würde. Die Zinsen betrügen kaum i?li Proz. Hier wird also daS Kunststück gemacht, nicht das Aktienkapital, sondern die fiktive Ziffer, welche als „Kurswert" ausmarschiert, zur Grundlage der Zinsberechnung zu mache», während umgekehrt die Höhe der Dividende den Kurswert bestimmen sollte. Für das wirklich in das Unternehmen hinein- gesteckte Kapital sind daher 6 Proz. eine recht hübsche Verzinsung, zumal man weiß, in welcher Weise die Aktien der Großen Berliner „verwässert" sind. Es liegt gar kein Grund dazu vor. daß dem Berliner Publikum die Fahrgelegenheit verteuert werden soll, um einigen Geldleuten noch höhere Gewinne in den Schoß zu werfen._ Das Kind und das offene Fenster. Glück bei einem Unfall hatte gestern das drei Jahre alte Söhncken des OmmbusschaffnerS Schulze, Bergmannstr. 4, der im Felde steht. Während die Mutter sich in einem Nebenzimmer befand. stieg der Kleine»n der Stube am offenen Fenster auf einen Stuhl. um sich hinauszulehnen. Hierbei verlor er das Gleichgewicht und stürzt« aus dem Zwesten Stock hinab. Ein lauter Aufschrei rief die Hausbewohner nach dem Hofe. Der erste, der hier erschien, war der Molkereibesitzer Jörding. Dieser fand zu seiner größten Ueber- raschung mitten unter seinem ausgeregten Hühnervolk den kleinen Schulze stehen, der ihn sprachlos anschaute. Der Knabe war in de» unverdeckten Auslauf neben seinem Hühnerstall gefallen und ohne die geringste Verletzung davongekommen. Er hatte sich schon wieder erhoben, aber nicht gewußt, wie er aus dem Gehege herauskommen sollte._ Beim Abspringe» vom Straßenbahnwagen verunglückte gestern die 51 Jahre alte Zeituitgshändlerin Olga Serouky aus der Chauffeestr. 32. Sie verließ den Wagen während der Fahrt vor ihrem Hause, fiel aber so unglücklich hin, daß ihr von einem Rad ein Fuß fast ganz abgequetscht wurde. Die Verunglückte wurde nach der Charits gebracht._ Eisenbahnunglück. Ein schweres Ilnglück ereignete sich gestern vormittag auf der Ringbahn ln Neukölln. Auf der Strecke zwischen Hermalmstratze und Ningbahnhof Neukölln war ein größerer Arbeitertrupp mit Gleis- arbeiten beschästigt. Nach den angestellten Ermittelungen wurde, als von der Haltestelle Ringbahnhos her ein Ringbahnzug gefahren kam, von dem Posten das vorgeschriebene Warnuiigszeichelt gegeben. Die Arbeiter sprangen denn auch zur Seite auf das freie Gleis. Nur der 43 Jahre alte Vorarbeiter August K u ch ars ki aus der Heiden- feldstraße 20 und der 47 Jahre alle Arbeiter Paul B o n s ch i ck aus der Gipsstr. 11 gingen, wohl in plötzlicher Verwirrung, gerade auf das Gleis, auf dem der Zug kam. Sie gerieten unter die Räder und wurden zermalmt. Kucharski hinterläßt eine kränkliche Frau mit zwei Kindern. Mädchen, von denen daS älteste 10 Jahre zählt. Auch Bonschick war verheiratet und Familienvater. Einstellung einer OmiübuSlinie. Die Allgemeine Berliner Omnibus-Allien-Gesellschafl stellt am Freitag, den 31. März, abends, den Betrieb der Pserdelimc 22 Hausvoigtoiplatz— Hermannplatz bis auf weiteres ein. Verhaftet unter dem Verdacht deS Kindesmordcs wurde von der Sieglitzer Knmiitalpolizei die 82 jährige Witwe Ida Wiemann. AuS der Ehe der Frau W. mit ihrem inzwischen im Kriege gefallenen Manne, dem Arbeilcr W.. stammen zwei Rinder nn Alter von 2 und 5 Jahren. Ein uneheliches Kind der Frau, die siebenjährige Irma, war bei der Großmutter untergebracht. Als vor etwa einem halben Jahre der Ehemann Wiemann einberufen wurde, zog die Großmutter mit der kleinen Irma zu Frau Wiematiit nach der Holsteinischen Straße 62 in Steglitz. Hier scheint es der kleiiien Irma von Anfang an nicht gut gegangen zu sein; Hausbewohner hatten Frau W. im Verdacht, die Kleine zu mißhandeln. Seit dem 24. März wurde das Mädchen nicht mehr gesehen und die Großmutter des Kindes schöpfte den Verdacht, daß die Mutter die kleine Irma beseitigt habe. Die alte Frau zog von Steglitz fort zu ihrer Schwester und erzählte dieser von dem Verschwinden ihrer Enkelin, an der sie sehr hing. Die Schwester benachrichtigte die Steglitzer Kriminalpolizei, die dann zur Verhaftung der Frau Wiemann schrttl. Die Verbastete bestritt zunächst entschieden jede Schuld und erklärte. daß die Kleine sich verlausen haben müsse. Dann gab sie zu. das Mädchen in den Teltowkanal geworfen zu haben. Dies Geständnis widerrief Frau W. aber alsbald und erklärte nun, das Mädchen sei infolge Unachtsauikeit in die Kläxanlage des Kanals gefallen. Frau W. wurde jedoch in Haft behauen. Die Leiche der kleinen Irma konnte noch nicht geborgen werden. ES soll jetzt da§ Klär» beckeu des Teltowkanals abgesucht werden. Ms den Gemeinöen. Metallablieferung in Charlottenburg. Am 31. März werden die Metallsaininelstellen der Stadt Char« lottenburg(Sophie- Charlotten- Str. 94, Berliner Str. 169,169», Lützower Str. 15) geschlosseii. Wer bis dahin seine beschlagnahmten iWelallgegensiänbe nicht abgeliefert hat, macht sich strafbar; außer- dem ersolgt nach diesem Zeitpunkt die zwangsweise Abholung auf seine Kosten. Auch derjenige, der keine schirtfiliche Aufforderung er- halten hat, aber beschlagnahmte Metallgegenstände in seinem Besitz hat, ist zur Ablieferung verpflichtet. Für diejenigen, denen die Ab- liefcrungsfrist ausdrücklich über ven 3l. März hinaus verlängert ist, bleibt die Metallsammelstelle Lützower Str. 15 vorläufig geöffnet. Stadtverordnetenversammlung in Wilmersdorf. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer Sitzung am Mittwoch, die Gemeindeeinkommensteuer aus 170 Proz. festzusetzen. Beim Kapitel Fleisch- und Fischhalle wurde beschlossen, den im vorher- gehenden Jahre erzielten Ueberschuß der Halle als Betriebskapital zu belassen. Ferner wurde der Magistrat ersucht, im Ortsreil Halen see eine Filiale der Fleischhalle zu er« öffnen._ Aus der Steglitzer Gemeindevertretung. Nach der Zustimmung zur Weitergewährung der Entschädigungen an die im Felde stehenden Gemeindeangestellten und Weitergewäh« rung der bisherigen Teuerungszulagen bis zum 30. Sepleniber d. I. wurde in die EtaiSberalung eingetreten. Schöffe I o ch e m beschränkte sich auf ein sehr kurzes Geleitwort zum vorliegenden Etat, der in Einnahme und Ausgabe mit 9 445 600 M. abschließt. Trotz größter Sparsamkeit sei die Balancierung nur möglich geworden durch Erhöhung des Einkommen st euer-ZuschlageS von 140 auf175Prozent und Erhöhung der Kanals- sationSgebübren von lauf 2 Prozent vom Gebäude- steuer-Nutzungswert. DaS laufende Rechnungsjahr werde mit einem recht erheblichen Fehlbetrag abschließen. Auch für daS neue Rechnungsjahr ständen nur die Ausgabeposten fest, während die Einnahmen ungewiß seien, da sie in fast allen Kapiteln ständig zurückgingen. Die Grundbcsitzerpartei ließ durch ihren Sprecher erklären, daß sie der Erhöhung der KanalisationSgebühren unter keinen Umständen zustimmen könne, wenn nicht ans andere Weise der Grundbesitz, der an der Grenze seiner Leistungs- fähigkeit angekommen sei, entlastet werde. Als Ausgleich ver- langten hie Hausbesitzer die Herabsetzung der Grundsteuer. Ein anderer Redner der Mehrheit machte den Vorschlag, die Kana- lisationsbeiträge durch Umlage auf sämtliche Zeilsiten aufzubringen, wie es die Stadt Danzig auch mache. Eventuell würde man zu einer Erhöhung der Einkommensteuer auf 185 Proz. bereit sein. Die Sozialdemokralen und Demokraten traten dieien Anträgen entgegen und wiesen darauf hin, daß sich jetzt die fest Jahren von der Mehrheitspartei betriebene und von der Linken stets bekämpfte Finanzpolitik räche. Sie würden für die vorgeschlagenen Sätze stimmen. Auf Antrag der Haus- besitzer wurde die Sitzung auf eine halbe Stunde zwecks einer»och- maligen Fraklionsberatung unterbrochen. Nach Wiederbeginn der Sitzung zog die Mehrheit ihren Antrag zurück, da sie sich wohl in- zwischen überzeugt hatte, daß die linke Seite des Hauses mit dem Gemeindevorstand über eine Stimme Mehrheit verfügte. Die Einzel- beratung ging dann ohne wesentliche Debatte glatt vonstatlen. Mit der unerfreulichen Lage uiiseres Rieselgutes wird sich der Gemeindevorstand und der zuständige Ausschuß beschäftigen und dann der Gemeindevertretung entsprechende Vorschläge machen. 17V Proz. Kommunalzuschlag in Paukow. Die Gemeindevertretersitzung am Dienstag galt der Etat- beratung. Der Voramchlag für das Rechnungsjahr 1916 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 11 165 952 M. Infolge der durch den Krieg hervorgerufenen Schwierigkeiten hat auch in Pankow, wie in fast allen Groß-Berliner Gemeinden, der Etat nur durch ein kräftiges Anziehen der KommunalzuichlqgSschraube— von 135 Proz. im Vorjahre auf 170 Proz.— ins Gleichgewicht gebracht werden können. Nachdem der stellvertretende Gemeindevorsteher Stawitz in grossen Umrissen esti Lstd von der gegenwärtigen Lage der CSelHeinbeBertäffnifTe HiZeLen Saife, beschäftigte sich(Schöffe R i e m a n n eingehend mit den Leistungen der Gemeinde auf dem Gebiet der Leben-Zmittelbeschaffung� In der Generaldebatte nahm neben bürgerlichen Vertretern Genosse Schmidt daZ Wort. Er bezeichnete eS als dringende Pflicht der Gemeinde, den durch den Krieg bedingten Schädigungen dc-Z Schulwesens nach Möglichkeit entgegenzutvirken, zumal die heranwachsende Generation einer trüben und schweren Zeil entgegengehe, die an den einzelnen wie an die Ällgemcinheit große Anjorderuligen stellen werde. Des weiteren legte Redner den dortigen Polizeibeamten ans Herz, weniger mit Forsche, dafür aber mit Geichich und Rücksicht auf die Not der Zeit ihre Ausgaben zu erfüllen, und brachte einen Vorgang zur Sprache, der ein Schulbeispiel dafür ist, wie es nicht gemacht werden sollte. Schließlich forderte er noch energisches Eingreifen der zuständigen Behörden bei Ueberwachung deS Lebensmitielmarktes, um den unerträglich gewordenen Preistreibereien entgegenzuwirken. Eine Spezialdebalte fand nicht statt und und wurde der Etat an bloc gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Die Verteilung des Bedarfs an direkten Steuern wurde wie folgt beschlossen: 170 Proz. Äommunalzuschlag zur StaatSeinkommen» steuer. 170 Proz. der fingierten Sätze, 170 Proz. der Doppelwohnsitz- und Foccnsalsteuer, IM Proz. der Gewerbesteuer der Klassen III und 17, 210 Proz. der Klassen I und II, 100 Proz. der Betriebssteuer und 298,09 Proz. der staatlich veranlagten Grund und Gebäudesteuer(d. i. 3Vz Promille des gemeinen Wertes für bebaute und 7 Promille für unbebaute Grundstücke). Lanktvib. Die Sparmarken der Volksfürsorge Nr. 81 bis 100 vom Block Nr. 010337 im Werte von 10 M. sind verloren gegangen und werden hiermit für ungültig erklärt. fius aller Welt. Schneestürme in England. England wurde in den letzten zwei Tägen von. schweren Schneestürmen heimgesucht, durch die der telegraphische Verkehr fast vollständig lahmgelegt wurde. Seit 30 Lahren hat keine solche Störung stattgefunden. Alle Tete- graphenlinicn längs der Eisenbahnen nach dem Norden. Ziord- waften und Osten sind unterbrochen. Tic Züge wurden um Stun- den«mfgehalten. London ist vom Norden gänzlich abgeschnitten. Auch Birmingham ist von 30 großen Städten abgeschnitten. Tie Flüsse traten vielfach über ihre Ilfer. Viele Schiffe und Häuser wurden beschädigt. Tie Bergwerke in Wales erlitten schweren Schaden. Von Westmoreland im Norden bis zur Insel Wight im Süden werden heftige Schpee- fälle gemeloet. die. wie in London, durch Wolkenbrüche ausgelöst wurden. Verschiedene tödliche Unfälle wurden bc- richtet. Es ist nickt unwahrscheinlich, daß auch die Störung des elegrapdisch.ni Verkehrs mit Holland mit dem Unwetter in Ber- bnzdting steht. Verhaftung de? Raubmörders Zeidter. Am Tonnerstagnoch- mittag wurde der Mörder der Witwe Schröder in Leipzig, der 21jährige t-.iubstumme Eisengießer Bruno Zeidlcr, von der Kriminalpolizei verhaftet, als er seine Wohnung nochmals aufsuchte. Schweres Eisenbahnunglück in Amerika. In der Nähe von Eleveland(Ohio) sind am Mittwochmorgen zwei Per- sonenzügc infolge von Nebel zusammengestoßen: ein dritter Zug fuhr in die Trümmer hinein. Bis jetzt sind 17 Tote und 2 5 V c r w u n d c t e geborgen. �ugenüveranftaltungen. Eharlottenburg. Die Arbeiterjugend veranstaltet Sonntag, abends fi Ubr, im Heim, Roiinenslr. 4, eine Iugendseicr für die Schulentlassenen. Gest.ng, Rezitation. Festrede. Heute: Burschen- und tNädchcnabend. Beginn>/,S Uhr. Sonnabend: Singsangabend. AonntagvormUtag trcssen sich die Heimbesuchcr um 9 Uhr im Helm. Wetteraussichten kür das mittlere Norddeutschlaud hts Sounabcnd mittag. ElwaS wärmer, zunächst trocken und vielfach heiler, wäter im Westen neue Zunahme der Bewölkung und stellenweise etwas Regen. öriefkasten Ser Reüaktion. mit dem Unternehmer" sestlegen. Nähere Beslimmimaen darüber, was als angemeisenc Zeit gilt, sind im Gesetz nicht enthalten. Es ist aber durch Urteile der Kewcrbegcrichtc festgelegt, daß eine Zeit von etwa 2 Stunden dafür ausreichen muh. 2. Die Klage ist beim Kwismannsgericht zuständig. ..... R. 2.'it. Es wird Ihnen nichts weiter übrig bleiben, als dte Straje. zu zahlen. Sie würden bei einer gerichllichen Enticheidung sicher auch ver- urteilt weiden.—.Husar 14. Sie müisen der Mutter den Unterilützungs- schein einichicken. Unter Eimcichung dieses Scheines mutz die Mutler Sl»- trag beim AmtSvorstehcr aus üricgüunterstützung stellen. Sic erhalt Kriegs- Unterstützung, wenn nachgewiesen ist. datz Sie zum Unterhalt der Mutter vor Ihrer Einziehung zum Militär beigetragen haben.— O. M. Ü. Eine Erhöhung der Invalidenrente tritt in Rücksicht aus die KriegSzeit nicht ein. Ein solchcr Antrag wäre deshalb vollständig zwecklos.— Nt. 7t. 100. Ja Sie haben ans beides Anspruch.— O. ft. 50. Da Sie zum un- ausgebildeten Landsturm gebären, inüssen Sie sich Leim Polizeirevier ~--------