J. Nr.91.-33.Ia!srg. HbonncmcntS'Bcdlngungcn: KbonnemenlZ- Vrcis dränumerando: Lieitdjährl. SA> MI. monatl. 1,10 Ml,, wöchentlich 25 Psg. frei ins Haus, Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- numnier mit illultriertcr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- ilbonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post> Zeittuigs- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland-und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. 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Die englische Friedensbewegung erweckt über die Grenzen Großbritanniens hinaus allgemeines Interesse. Fanden schon die Reden des Genossen Snowden sowie der Liberalen Trevelyan, Outhwaite und anderer große Aufmerksamkeit, so berichtet jetzt auch die deutsche bürgerliche Presse in zunehmen- dem Maße über die Bestrebungen der Unabhängigen Arbeiter- Partei außerhalb des Parlaments zur Herbeiführung eines baldigen imd dauernden Friedens. Der„Labour Leadcr" wird eifrig verfolgt, und ein Artikel„Die Zeit ist gekommen" von A. Fenner Brockway wurde in verschiedenen bürgerlichen Blättern zitiert. Genosse Fenner Brockway erinnerte in ihm daran, daß die Unabhängige Arbeiterpartei von Kricgsbcginn an ihre internationalen Prinzipien aufrechterhalten habe, und er wies nach, wie sie jedem Angriff auf die Freiheit und jader Ausdehnung des Militarismus in England heftigen Wider- stand entgegensetzte. Aber er sagte zugleich, was geschehen sei, dürfe nur als das Vorspiel von dem betrachtet werden, was noch geschehen müsse. Fenner Brockway ist durch das Land ge- reist, er hat mit den Anhängern der Partei gesprochen und da- bei das starke Gefühl gewonnen, daß im Augenblick des Hau- delns die Mitglieder hinter der Partei stehen werden. Und er fügt hinzu:„Ich glaube, daß der Augenblick gekommen ist." Das englische Volk verlangt den Frieden. Tie furchtbaren Verluste, oer tote Punkt, ans dem der Krieg angelangt zu sein scheint, die Anwendung des Militärdienstgcsetzcs, die Berichte von der Friedenssehnsucht in den anderen Ländern, alles das wirkt zusammen. Man werde nur an das Friedensverlangen der Massen appellieren niüssen, um eine Antwort zu erhalten, die selbst die Optimisten unter ibncn überraschen werde. All- mählich sict't auch das englische Volk, daß die Befreiung Bel- giens nicht das einzige Motiv war, das Großbritannien zur Teilnahme am Krieg veranlaßtc. „Meie ließen sich nicht täuschen. Wir wußten, daß England durch geheime Verträge verpflichtet war, ganz unabhängig von Belgien, am Kriege teilzunehmen. Wir wußten, daß die englische Politik der Ichtvergangcnen zwölf Jahre Deutschland zum Ausbau seiner Uotte getrieben halte. Wir wußten, daß es„Cmit" war, vom Kampf für die demokratische Freiheit zu sprechen mit dem in grausamster autokratischstcr Form regierten Rußland als Ber- bundeteu. Wir wußten endlich, daß die historische Politik Groß- dritanniens stets darauf bedacht gewesen war, die europäischen Nationen in zvci Gruppen zu teilen. Aber die Größen im Parlament, in der Presse und von der Kanzel rodeten anders, und das Volk glaubte ihnen. Der Krieg dauert jetzt lv Monate, und obgleich die Regierung ihre Absichten verschleiert, sickert die Wahrheit doch langsam durch, und wir er- kennen, daß das Endziel des Kampfes die grundsätzliche Verleug- nung der Beweggründe ist, für die wir in den Krieg gezogen sind." Die Gerüchte von einem Abkommen mit Rußland über den Besitz von Konstantinopel, mit Italien über die Einver- leibung von Gebieten in Dalmatien, Oesterreich, Kroatien seien für manche eine Offenbarung gewesen. „Tatsachen dieser Art sollten das Volk überzeugen, daß keine der Mächtegruppen, die in diesen Konflikt verwickelt sind, für einen gerechten oder demokratischen Frieden kämpft. Wenn es den Regierungen überlassen wird, den Krieg zu beenden, wie es ihnen überlassen war, ihn zu beginnen, werden die Friedens- bedinguiigeu nur oie Bedingungen eines neuen Krieges sein----" Das könne nur durch Enthusiasmus, Opfer und vor allem durch Organisation erzielt werden. Das sind nicht die Auffassungen eines einzelnen oder eines eng begrenzten Kreises, wie einige deutsche Blätter anzu- nehmen scheinen, sondern es ist der Ausdruck der Stimmung in weiten Schichten des englischen Volkes. Das Zentrum der Frieidensbewegung wird aber zweifellos von der Unabhängigen Arbeiterpartei gebildet, und es ist bezeichnend für die in ihr herrschenden Tendenzen, daß von den Resolutionen für den ani 24. April in Newcastle stattfindenden Parteitag der Un- abhängigen Arbeiterpartei sich allein e l f mit den Friedens- bedingnngcn beschäftigen und Bekanntgabe der Friedenszicle voii der Regierung fordern. Andere verlangen die Wiederver- eimgnng der Internationale, fordern die Wiederaushebung des Militärdicnstgesctzcs, die Nationalisierung der Schiffahrt, des Grund und Bodens, des Weizens und der Kohle, aber an der Spitze stehen die elf Friedcnsresolutionen. Pessimisten sind vielleicht geneigt, das noch nicht als den Willensausdruck der Mitgliedschaft selbst anzusehen, Resolu- Honen können ja auch nicht unter allen Umständen als ein un- trüglicher Gradmesser der Meinung breiter Schichten gelten. Es gibt aber einen stärkeren Beweis dafür, daß die An- regungen Fenner Brockways fruchtbaren Boden fanden. Ganz spontan sind aus der Mitgliedschaft heraus begeisterte Zustim- munden an den„Labour Lcader" gekommen. Viele von ihnen begleitet von Geldspenden, um sogleich die Propaganda be- ginnen zu können. Innerhalb einer Woche kamen auf diese Weise ohne eine besondere Aufforderung etivas über 28 Pfund, das sind zu normalem Friedenskurs etwa 560 Mark, zusammen. Mit dem Geld soll die Nummer des„Labour Leader", die die Friedensroden von Snowden, Trevelyan, Ponsonby, Outhwaite, Mason und Byles enthielt, in einer größeren Auflage hergestellt und verbreitet werden. Die Geldsendungen und die Schreiben sind ein klarer Bc- weis dafür, daß in England ein großer Teil der Arbeiterschaft darauf wartete, daß das erlösende Wort, die Aufforderung zur Mitarbeit für den Frieden, fiel. Es muß abgewartet werden, wie kräftig die englische Friedensbewegung wird, aber es ist keinesfalls zulässig, sie von vornherein, wie das ein deutsches Blatt tat, als etwas ganz Belangloses hinzustellen und ihr jeden Einfluß auf die Politik der Regierung abzusprechen. Herr Asquith wird sich auf die Dauer' einer starken Strömung zugunsten des Friedens nicht entziehen können. Daß Philip Snowden und seine Mitkämpfer jetzt von ge- wissen Kreisen als Pro-Deutsche und als„Agenten des Aus- lands" hingestellt werden— wen will das Wunder nehmen? Das müssen sich die schon gefallen lassen, die in solchen Zeiten gegen den Strom, d. h. gegen die kapitalistische Bourgeoisie ankämpfen. Es kommt ja auch gar nicht darauf an, daß die Kriegsschreier in England und diejenigen, die hohe Gewinne aus dem Krieg ziehen, mit der Agitation der Unabhängigen Arbeiterpartei einverstanden sind, sondern einzig und allein darauf, daß die Arbeiterschaft und alle, die unter dem Krieg leiden, begreifen, was Snowden, Fcnncr Brockway und ihre Freunde wollen, daß sie die wahren Interessen des Volkes vertreten._ Englische Zrieöensversammlung. In Mcrthyr Tydfil sSüdwales) fand am 12. März cinc öffent- liche Versammlung statt, die von 2500 Personen besucht loar. Sie nahm folgende Resolution an:„Wir verlangen, daß die Regierungen Großbritanniens und der verbündeten Länder Friedcnsunterhand- lungen anknüpfen, um dem Kriege ein Ende zu machen."(z) Gegen öie Vernichtungsphrase. Aus Amsterdam wird imS geschrieben: Am 23. März kam es im Unterhause zu einer neuen Debatte über die Pariser Wirtschastskonferenz der Verbündeten. Sir Dal- g iel. einer der Ehauvinistcn der liberalen Partei, forderte, daß die britischen Delegierten die Vollmacht bekämen, zu erklären, daß die englischen Handelsbeziehungen mit Deutschland nie wieder werden würden, was sie vor dem Kriege waren. Mau würde dadurch die- jenigen abschrecken, die Deutschland aus die für den Export auf- gehäuften Warenvorräte Geld vorstrecken. Die Pariser Delegierten sollten sich insbesondere auch für die gemeinsame Bekämpfung des deutschen Handels in Südamerika erklären.— Der Liberale Aneurin Williams erklärte sich dagegen, daß man die Fragen der Handelspolitik nach dem Kriege schon während des Krieges behandle:„In der Frage des Handels mit Deutschland können wir nicht voraus enischeiden, weil wir die Bedingungen, die den Aus- schlag geben werden, nicht kennen."— Der Redner sieht voraus, daß, wenn der Krieg vorüber ist, das deutsche und das englische Volk wieder in Freundschaft leben und Handel mir einander treiben werden. Jonathan Samuel lLibcraler) sagte: Vor dem Kriege hat Deutichland 19 Millionen Tonnen Stahl erzeugt gegenilber 18 Millionen der drei verbündeten Mächte. Wie können Sie ein solches Land vernichten? Von den L oOO 000 Tonnen exportierten Eisen? gehen nur 400 000 nach den Dominions. Wie können wir 92 Prozent unserer Kunden 8 Prozent zuliebe zugrunde- richten. Lloyd George? erklärte in seiner Antwort, daß es nicht wünschenswert wäre, wenn das Hau» die Politik der Regierung auf der Koiiferenz durch einen Beschluß vorwegnehme. Es bandle sich nicht nur um die Schutzzollfrage. Man denke nur an Rußland mit seinen großen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Man solle auch nicht Geschäft und Revanche vermischen und.die Wechsler in den Tempel der menschlichen Urgefühle bringen". Es ist zu bemerken, daß das englische Parlament Erklärungen wie über die künftige Freundschaft des deutschen und englischen Volkes und über die Möglichkeit, Deutschland zu vernichten, an- gehört hat, ohne die Besinnung zu verlieren und die Redner Landes- Verräter zu schimpfen.___ Ein Aitierkunstler der Mehrheit. Von Karl Kautsky. In der Politik wie in der Wissenschaft sind Zitate nicht zu entbehren,«ie können sehr nützlich werden dort, Ivo man sie nicht als Beweise verlvendet, sondern als Finger- zeige, die den Leser veranlassen, die Schrift oder Rede, der das Zitat entnommen ist, nachzulesen oder doch zum mindesten über die historischen Bedingungen und die Methode nachzu- denken, deren Produkt das Zitat ist. Dann wird ein solches unsere Einsicht immer bereichern. Dagegen dient es gerade dazu, unsere Einsicht zu verdunkeln, wenn es auf Bedingungen und unter Methoden angewandt wird, die gänzlich verschieden sind von jenen, die für den Urheber des Zitats maßgebend waren, oder gar dann, wenn man dem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat einen Sinn unterschiebt, der zu der ganzen Tcnkivcise des Autors in krassem Widerspruch steht. Zitate in dieser Weise zu benutzen, ist ein greulicher pole- mischer Unfug, der nicht besser wird dort, wo er nicht der Ge- wisscnlosigkcit, soirdern nur der Kenntnislosigkcit des Pole- mikers entspringt, der eine Schrift oder eine Rede nicht des- halb liest, um den Schriftsteller oder Redner kennen zu lernen, sondern nur deshalb, um einzelne Sätze bei ihm zu finden, die er glaubt, für seine Zwecke ausschlachten zu können. Was sich nicht benutzen läßt, existiert für solche Leser nicht, Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Kernsprecher; Kwt ivioritzplatz. Nr. 151 90—151 97. Gerade in dem jetzigen Krieg ist diese Art des Ziticrens reichlich angewandt worden, namentlich von den Verfechtern der Fraktionsmehrhcit. Leute, deren ganze politische Vcr- gangenhcit einen ununterbrochenen Kamps gegen Marx und Engels, Bebel und Liebknecht darstellt, entdecken plötzlich ihr marxistisches Herz und suchen zu zeigen, daß sie die eigentlichen Marxisten seien und daß wir, deren ganze politische Vergangen- heit von dem Kampf für den Marxismus erfüllt war, jede Spur marxistischen Denkens verloren hätten. In dieses Spiel, das anfängt, den Reiz der Neuheit zu verlieren, sucht jetzt Genosse August Brey in der„I. (Internationale Korrespondenz) cinc neue Nuance hineinzn- bringen. Er beruft sich auf ein Zitat aus meiner Schrift über die„Soziale Revolution", die 1962 erschien, um daraus zu beweisen, daß ich damals in der Kriegssrage eine Auffassun-i vertrat, die der der heutigen Fraktionsmehrhcit entspricht. Wenn ich heute diesen Genossen Opposition mache, so hätte iw „erheblich rasch und geradezu umstürzend umgelernt", und „dafür kann doch eigentlich die Fraktionsmehrhcit nichts". Nein, sicher, an diesem Verbrechen ist sie ganz unschuldig. Wie beweist aber Genosse Brey meine Schuld? Wie beweiü er die überraschende Enthüllung, daß ich ein Jahr vor dem Dresdener Parteitag in der Kriegssrage mit David und Hei::.' Arm in Arm ging? Ich untersuche in jener Schrift die Möglichkeiten, die ans- tauchen können, die politische Entwicklung zu beschleunigen und dem Proletariat die politische Macht in die Hände spielen. Dabei weise ich ans die Erfahrungen hin, die man bisher mit Kriegen in Zuständen machte, in denen eine Ablösung der herrschenden Klasse durch eine aussteigende im ge- sellschaftlichen Interesse dringend notwendig wurde, eine Stagnation aber daraus hervorging, daß die aufstrebende Klasse nicht stark genug war, aus eigener Kraft die Macht� zu erringen. In einer solchen Situation, führe ich ans, bewirkt mitunter ein Krieg die Ueberwindnng des toten Punktes. „ES vollzieht sich das auf zweierlei Wegen: ein Krieg kann nicht geführt werden ohne die?lnspaniiu»g aller Bolkskräftc. Br steht ein ncfer Zwiespalt in der Nation, dann zwingt der Krieg die herrschende Klasse, der aufstrebenden Äonzessioiicn zu macheu. sie au dem Gemeinwesen zu interessieren und ihr so eine Macht zu verleihe», die sie ohne den Krieg nicht erlangt hätte. Ist die herrschende Klasse zu einem solchen Opfer nicht fähig oder ist es dazu schon zu spät, dann führt der Krieg nur zu leicht zu einer Niederlage nach außen, der danu den Zusamimenbraiw im Innern nach sich zieht. Er stürzt ein Regime, das in der Armee seine vornehmste Stütze hat, indem er diese zerbricht." (Seite 52.) Aus diesen Worten schließt Brey ohne weiteres, ohn' irgendwelche näheren Ausführungen, daß sie bewei'en:„Es ist durchaus keine Illusion, wenn man auf einen inneren Fort- schritt in politischer und sozialer Beziehung noch dem Kriege rechnet.... Die Mehrheit der Fraktion hat sieb durchaus in den Bahnen des Kantskyschen Bekenntnisses bewegt." Dagegen stehe meine jetzige Haltung mit jenen Ausführungen von 1962 in Widerspruch! In einem hat Brey recht. Dieser Widerspruch bestände. wenn ich heute erklärte, daß jeder„innere Fortschritt in poli- t sicher und sozialer Beziehung nach dem Kriege" ausgeschlossen sei. Das ist indes keineswegs meine Auffassung. Ich hege vielmehr große Erwartungen für diese Zeit. In der Tatsack n daß wir solche Erwartungen hegen, liegt aber auch gar nickst der große Gegensatz zwischen der Mehrheit und der Minderheit begründet. Dieser liegt in der Auffassung der Methode, durch die wir zu„inneren Fortschritten" gelangen. Die Mehrheit der Fraktion sieht diese Methode im Burg- frieden. Von den: ist aber in dem obigen„Bekenntnis" keine Rede. Ich rechne dort mit zwei Möglichkeiten während des Krieges. Einmal der, daß„ein tiefer Zwiespalt" in der Nation besteht, starke soziale Gegensätze, die sich lebhast äußern, und daß die herrschenden Klassen, um das Juteresie der Beherrschten für das bedrohte Gemeinwesen hervorzu- rufen, diesem sofort erhebliche Konzessionen mache». Dste andere Möglichkeit, mit der ich damals rechnete, war die, da: die herrschenden Klassen solche Konzessionen nicht machen oder erst, wenn es zu spät ist, und daraus eine Katastrophe hervorgeht. Nun wird heute noch eine dritte Methode empfohlen, einen inneren Fortschritt im Kriege zu erzidlen, die des Burg- sriedens. An die dachte 1962 noch niemand unter uns. Die geschichtliche Erfahrung zeigte auch keinen Beleg ihrer erfolgreichen Anwendung. Es fiel mir also gar nicht ein, sie in Be- tracht zu ziehen. Jetzt findet plötzlich ein sinnreicher Genosse, ich hätte schon im Jahre 1962 mit meiner Schrift über die soziale Revolution der heutigen Fraktionsmehrhcit zu ihrer heutigen Stellung den Weg gewiesen! Nun, es kann mich nur freuen, wenn sie die Absicht hat. unter der Führung der„J. K." diesen Weg zu gehen. Um ihr das zu erleichtern, mache ich sie aus die Schlußworte jener Schrift aufmerksam, in denen die Absicht meines„Bekennt- nisses" am klarsten zutage tritt, und die bei dem Genossen Brey und der„I. K." angesichts ihres Interesses für Zitate aus meinen Arbeiten sicher freudigen Widerhall finden werden: „Es ist ilir lebendiges revolutionäres Bewußtsein, ivoS den Proletariern ihre große praktische 5. rast gibt: es ist der Verzicht auf die'Revolution, die Beschränkung auf die I n t e r- essen des Augenblicks, die sogenannte Realpolitik, was sie zu ein er Null in der wirklichen Politik macht...." der französische Tagesbericht. Paris, Li). März. tW. T. A.) Amtlicher Bericht v o in Donnerstag n a ch in i l r a g: Südlich der Somme drang der Feind unter Ausnutzung seines Hefligen Bombardements in ein vor- geschobenes Stück unserer Linie ivesllich Vermandovillcrs, nördlich von Chaulnes ein. Unser Gegenangriff warf ihn alsbald heraus. Westlich der Maas unternahmen die Deutschen im Laufe der Nacht mehrmals Gegenangriffe gegen unsere Stellungen im Walde von Avocourt. Alle Stürme wurden durch Sperrfeuer sowie durch Maschinengewehr- und Jnfanterieseuer abgeschlagen, die grosze Bcr- Wüstungen in den feindlichen Reihen, besonders vor dem Kernwerl sReduit) von Avocourt Hervorriesen, Ivo die Deutschen Haufen von Leichen zurückliege». Kein»euer Anariffsversuch in der Gegend von Malancourt. Oestlich der Maas und in der Woevre zeitiveise unterbrochenes Geschützfeuer. Die Deutschen warfen nördlich von St. Mihiel eine große Zahl von schwimmenden Minen in die Maas, die keinen Schaden anrichteten. In Lothringen war unsere Artillerie zwischen Domevre und. Bremenil tätig. Von der übrigen Front ist kein wichtiges Ereignis zu melden. Am 29. März warf eines unserer Kampfgeschwader fünfzehn großkalibrige Geschosse auf den Bahnhof Metz-lcs-Sablons und süns auf den Bahnhof von Pagny-sur-Moselle. In der Nackt zum 30. März beschaffen zwei Flugzeuge den Bahnhof Macheren sMaizieres-les-Metz). Paris, 81. März.(SS. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Wir beschossen südlich der Somme die Ver- pflegungsbahnhöse Puzeaux und Halln(Gegend von Chanlnes). SSestlich Nouvion wurde ein Flugzeug des Feindes von unseren Abwehrgeschützen abgeschossen. Es fiel fünf Meter vor unseren Gräben zur Erde. Die Insassen sind tot. Ein Maschinengewehr dieses Flugzeuges wurde in unsere Linien gebracht. Nördlich der Aisne Geschützkampf, der gegen die Befestigungsarbeiten des Feindes auf der Hochebene von Bauclerc gerichtet war und eine starke Explosion zur Folge hatte. In der Champagne schössen unsere Abwehrgeschütze ein Flugzeug ab, das bei St. Marie-a-Py in die feindlichen Linien fiel. SSir richteten ein starkes Feuer gegen die SSälder von Fille Morte in den Argonncn und von Malancourt. Eine unserer Minen brachte einen deutschen Schützengraben zum Einsturz, eine andere zerstörte einen feindlichen Posten bei dem Hügel 285. Westlich der Maas in der Gegend von Malancourt tagsüber anhaltendes Geschützfeuer ohne Jnfanterictätigeit. Oestlich der Maas richteten die Deutschen morgens gegen untere Stellungen an den Straßen zum Fort Douaumont einen heftigen Angriff, wobei sie brennende Flüssigkeiten gegen uns schleuderten. Der Angriff wurde völlig abgewiesen, Bald darauf fand ein zweiter Angriff auf denselben Punkt statt, der nicht größeren Erfolg hatte und den Deutschen gleichfalls sehr fühl- bare Verluste zrifügte. In der Woevre zeittveiligeS Artilleriefeuer. Eine starke feindliche Erkundnngsabteilung, die sich unseren Gräben nördlich von Weißenbuch in den Vogesen zu nähern versuchte, wurde durch unser Sperrfeuer zerstreut. Flugdienst: Unser Flugdienst zeigte sich tagsüber sehr tätig. Einer unserer Flieger schoß in der Gegend von Domrien in der Champagne ein Fokker-Flugzcng ab, das brennend in die feind- lichen Linien fiel. In der Gegend von Verdun wurden fünf feind- liche Flugzeuge in unmittelbarer Nähe unserer Linien herunter- geholt. Unsere Flugzeuge wurden vielfach getroffen, aber alle unsere Flieger sind ohne Schaden zu nehmen, zurückgelehrt. Belgischer Bericht: Größere Artillerielätigkeit an der belgischen Front, besonders im Abschnitt von Dirmuiden. Die englische Melöung.' London, 30. März.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht. Artillerietäligkeil nördlich von Souchcz, südlich von Sr. Eloi und in der Gegend von Wiellje und Boesinghe. Feindlichen Bombenwerfern gelang es, den östliwsten der Sprengtrichler bei St. Eloi zu er- reichen. Südlich Boesinghe versuchte eine feindliche Abteilung nach Artillerievorbereitung, ihre Gräben zu verlassen, ivurde aber durch unser Feuer sofort zurückgetrieben. Von unseren Flugzeugen wird eins vermißt. Der russische Kriegsbericht. Petersburg, 31. März. Liverpool» 29. März.(W. T. B.) Z e h n t a u s e n d H a f e n- arbeite r weigerten sich an die Arbeit zu gehen. Tie Ursache des Ausstcmdcs ist, daß die Entscheidung über ihre Lohnforderung für Ueberstuirden immer noch nicht gefällt worden ist. Auch auf den Werften der White Star, Allan, Leyland und an- derer Linien wurde die Arbeit eingestellt. London, 30. März.(W. T. B.) Ein Teil der Maschi- uenbauer der Werft Harland u. Wolfs in Belfast ist in den Sl u s st a n d getreten als Protest dagegen, daß ein großer Teil von ungelernten und halb gelernten Arbeitern über- nommen wurde. Die englischen sirbeiterlöhne nach üem Kriege. Unter den Vorbereitungen, die die britische Regierung für die Zeit nach dem Friedensschluß trifft, erhofft der„New Statesman� vom 11. März auch die Festlegung einer Politik, die gewährleistet, daß die Lebenshaltung der lohnarbeitenden Be- völkorung keinen Rückgang erfährt. Tie Regierung trägt in dieser Frage die Verantwortung, die von einzelnen Mi- nistericn nicht hintangesetzt werden darf. Jedes Ministerium be- schäftigt Arbeiter und schließt Verträge für Lieferungen und stir die Leistung von Arbeiten. Jedes Ministerium muß daher ebenso wie das Schatzamt entscheiden, ob es die Klauseln über gerechte Lohne (l'uir Waxos Clauses). auf denen das Unterhaus wiederholt be- standen hat, aufrechterhalten und durchsetzen will. Das Handclsamt wird die gesetzlichen Mindest löhne zu überwachen haben, die unter dem„Trade Boards Act" festgelegt sind. Es wird daher keine andere Aussassung vertreten können, wenn Schwierigkeiten zwischen den Eisenbahngesellschaften und der National Union of Railwaymen eintreten, die sich aus der An- drohung einer Verringerung der Eisenbahnerlöhne ergeben. Die Million Kohlenbergwerksarbeiter hat unter einem Parlamentsgesetz einen Mindestlohn festgesetzt erhalten. Indessen werden Versuche gemacht werden, die örtlichen Löhne herab- zusetzen— und dagegen kann das Ministerium des Innern(Home Office) nicht gleichgültig sein, da es die Verantwortung für Ver- Hinderung einer abermaligen nationalen Stockung der Kohlen- beschaffung trägt. Werden die Lohnsätze in den Diensten der Regierung und unter Arbeitgebern, die für die Regierung arbeiten, allenthalben nach dem Trade Boards Llct künstlich aufrecht erhalten und geschieht dasselbe bei den Eisenbahnern und Bergarbeitern— so daß dies insgesamt für ein Fünftel der lohnarbeitenden Bevölkerung gilt— mit welchen Gefühlen werden dann die Mitglieder der Gewcrkvereine, wenn eine allgemeine Wahl bevorsteht, irgendeinen Versuch von Arbeitgebern aufnehmen, die darin nicht beschränkt sind, die Löhne zu beschneiden? Die Gewerkvereinler haben jetzt, wenn sie jedem Rück- gang der LebenShöhe der lohnarbeitenden Bevölkerung entschiedenen Widerspruch leisten, nicht nur die gesamte Arbeiter- klasse und die Soldaten, die vom Dienste zurückkommen, hinler sich, sondern auch die Nationalökonomcn. „Kein größeres n a t i o rr a l e s Unglück kann einer Nation zuteil werden, nichts kann mehr dazu dienen, sowohl ihre industrielle Leistungsfähigkeit wie ihren Handel zu schädigen, als ein allgemeiner Rückgang der Lebenshöhe ihrer Handwerker, ihrer Arbeiter und ihrer arbeitenden Frauen." Deutsch-französische Gegensätze. Ueber die von uns als Beitrag zu den Stimmungen in Frank- reich veröffentlichten Mitteilungen des Genossen C o u r l a n d, der in der amerikanischen Parteipresse aus die starken FricdenSströmungen im französischen Proletariat hinwies, ist in der bürgerlichen Presse New Uorks eine Diskussion entbrannt. Gegen Courlands Bchaup- tungen wendete sich in einem Interview in der„Sun" Genosse Viktor Bäsch, Professor der Philosophie an der Pariser Universität, der als offizieller Delegierter der französischen Regierung zu Panama- Pacific-Ausstellung in Amerika Iveilt. Genosse Bäsch wetidcte sich insbesondere gegen die Behauptungen Courlands, daß die französischen Sozialisten den Frieden wollen. Er behauptete vielmehr, daß, so lange die Sozialisten Deutschlands den Standpunkt einnehmen, nach welchem Elsaß-Lothringen deutsches Gebiet bleiben müsse, an ein Zusammenarbeiten der Sozialisten der beiden Länder nicht zu denken sei. Die französischen Sozialisten, so erklärte Bäsch, stehen auf dem Standpunkt, daß„die Wiedererlangung der verlorenen Provinzen die Hauptbedingung ist, auf welcher eine zufriedenstellende Regelung des Krieges beruhen muß". Die„New D o r k e r V o I k s z'e i t u n g", der wir diese Aeuße- rung entnehmen, bemerkt hierzu: „Die sranzvsische Partei sieht als ganzes weder auf dem Standpunkt, den Courland ihr gibt, noch auf jenem, der von Pro- feffor Bäsch verbeten wird. Es gibt in der franzöfischeir sozialistischen Partei wie in der deutschen verschiedene Schatlie- rungen. � Ein Teil nimmt allerdings den Standpunkt ein, den Bäsch einnimmt, und c-Z hat den Anschein, als ob unter dem Einfluß der Regierung diese Richtung bisher noch die stärkere ist. Neben dieser gibt es aber eine andere Nichtuirg, der auch L o n g u e t angehört, die vermitteln möchte und die im Grunde ihres Herzens einen? Zusammenwirken mit den Sozialisten Deutschlands gar nicht so abgeircigt scheint. Darüber hinaus aber gibt es eine recht starke Strömung in der französischen Sozialdemokratie, die den Krieg nicht vom nationalen, sondern vom internationalen Stand- Punkt ans betrachtet, die alles daran zu setzen sucht, dem Krieg ein Ende zumachen, und die dazu sich nicht nur mit den Sozialisten Deutschlands, sondern mit den Sozialisten aller Länder in Verbindung setzen möchte, um dieses Ziel zu er- reichen. Der Standpunkt, den Professor Bäsch und mit ihm, das ist mehr, ein großer Teil der französischen Partei in bezug auf Elsaß- Lothringen einnimmt, ist alles andere, nur nicht sozialistisch o d e r d e m o kr a t i s ch. Das Selbstbestimmungsrechr des Volkes ist ein Grundiatz, der von jeher von allen sozialistischen Progranimen gefordert wurde....Es ist aber geradezu verbrecherisch, die Frage von Elsaß-Lothringen allein zur Be- dingung von Krieg und Frieden zu machen. Im gegenwärtigen Weltkriege stehen andere und größere Fragen zur Entscheidung als nur die von Elsaß-Lothringen. Es geht, rein politisch betrachtet, um die Zukunft der Demokratie, und da kann und darf die Frage dieser beiden Provinzen allein nicht den Zankapfel bilden zwischen deut« scheu und französischen Sozialisten." Ein russischer Liberaler über die sozialistischen �Umlernet/ Zwölf russische Genossen haben eö vor kurzem unternommen, in einem in Petersburg herausgegebenen Sammelwerl»Die Selbst» bericidigung' die bisher in der russischen Sozialdemokratie allgemein gültigen Auffassungen über die jetzt auf der Tagesordnung stehenden Fragen einer Revision im Sinne des am weitesten rechts stehenden „Umlerners" Plechanow vorzuehmen. Von den Mitarbeitern dieses Sammelwerkes sind im Auslände bekannt die Genossin Vera Sassulitsch, eine der Mitbegründerin der russischen Sozial- demokratie, serner Peter Maslow, der bekannte Ver- fasser nationalökonomsscher Schriften und endlich der Gc- nosse P o t r e s s o w, der schon seit Jahre» auf dem äußersten rechten Flügel der Partei sieht. Ueber den Inhalt dieses Somniel- Werkes, das in russischen Parteikreisen als Pronunziamento einer in Rußland wirkenden Parteigruppe angesehen wird, wird noch manches zu sagen sein. Vorläufig beschränken wir uns auf die Wiedergabc einer Kritik des bekannten liberalen Schriftstellers A. I s g o j e w, der in der„Ketsch" folgendes über das genannte Buch schreibt: „Anfangs flammt in der Regel das Gefühl auf und erst dann beginnt die ihm gehorsame Vernunft, Gründe heranzuziehen für die Handlungen, die dieses Gefühl diktiert hat. Es versteht sich von selbst, daß man von solchen Theorien kaum Vollkommenheit fordern darf, zumal in den ersten Tagen ihres Bestehens. Die weißen Fäden, mit denen die verschieden gearteten Teile mit- einander verbunden sind, fallen grell in die Augen, eine Behauptung widerspricht der andern, auf Schritt und Tritt ersetzen Phrasen und Rhetorik die Schwäche der Beweisführung. Und trotzdem haben diese blassen, ungeschickten Theorien eine große symptomatische Bedeutung. Sie legen Zeugnis ab von dem Entstehen neuer Empfindungen, von Umwälzungen in der gesellschaftlichen Psychik. Das Sammelbuch»Die Selbstverteidigung" gehört zu den Er- scheinungen solcher Ordnung. Wie die Artikel PlcchanowS legt es Zeugnis ab von dem Entstehen neuer Züge in der Psychik unserer marxistischen Intelligenz. Sowohl von literarischer wie von ideeller Seite sind sie nicht viel schwächer wie die Artikel von Plechanow, deren Logik vom Standpunkt des Marxismus gleichfalls viel zu wünschen übrig ließ. Die ganze Aufmerksamkeit der Verfasser des genannten Sammelbuches ist auf den Begriff des.Vaterlandes" und auf die Widerlegung jenes theoretischen marxistischen Dogmas gerichtet, daß der Proletarier kein Vaterland habe, nur seine Ketten verlieren und eine ganze Welt gewinnen könne. Am ernstesten behandelt dieses Thema Sl. Potressow, der schon längst von den russischen Marxisten, darunter auch von Plechanow, als außerhalb des Marxismus stehend erklärt worden ist. V. Sassu- litsch und A. Bibik legen einfach und aufrichtig ihre Empfindungen dar und ihre Llrtikel haben den Wert menschlicher Dokumente. Die Konstruktionen von I. Kubikow, W. Wolsky und andere, die be« weisen wollen, daß, obwohl der Marxismus das Vaterland verneinte, er eS in Wirklichkeit anerkannte, sind gekünstelt, zuweilen naiv und scholastisch.... Nicht ernst zu nehmen ist auch der bitter- böse Artikel von E. Majewsky, der gegen die bürgerlichen Liberalen gerichtet ist. Durch verstärktes Schimpfen an ihre Sldresse glaubt Herr Majewsky die Donnerkeile von linker Seite von sich und seinen Genossen abzuwenden. Eine alte abgedroschene Methode der Rückversicherung, die nur von ideellem Kleinmut Zeugnis ablegt. Indem Herr Majewsky die Taktik der Liberalen herunterreißt, weist er selber keine andere Taktik auf... An und für sich schwach, ist das Sammelbuch»Die Selbst- Verteidigung' interessant als Symptom der Entstehung neuer Stimmungen in den Kreisen der marxistischen Intelligenz. Slber dieses Sammelbuch, das ausschließlich für Gebildete bestimmt ist, zeugt dennoch von der Schwäche ihrer Verbindungen mit de» Massen. Man spricht im Namen des„Proletariats". aber das Proletariat hat damit vorläufig nichts zu tun." Wir sind fast nie in der Lage gewesen, Herrn Jögojew zu- stimmend zu zitieren. Seine obigen Ausführungen jedoch, die bei allem Wohlwollen des Verfassers gegenüber den sozialistischen„Um- lernern" die innere Hohlheit ihrer Position mit ätzender Schärfe aufdecken, sind für die Haltung der schärfer und weiter sehenden liberalen Schriftsteller Nußlands gegenüber den Intellektuellen und den Arbeitern in der russischen Arbeiterbewegung so charakteristisch, daß wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Die§rauen gegen üie Aufrüstung. New Uork, 23. Februar 1910.(Eig. Ber.) Es ist eiue be- merkenswerte Tatsache, daß zu den entschlossensten Kämpfern gegen die mit wildem Eifer betriebene NüstungSpropaganda die amerikanischen Frauen gehören. Der Kampf ist nament- lich in den Oststaaten kein leichter. Reichtum, Presse und Einfluß stehen fast ganz auf der Seite der RüstungSfrcunde, und wer sich der Politik der Imperialisten widersetzt, läuft Gefahr, als schlechter Amerikaner, vaterlandsloser Geselle oder als Idiot hingestellt zu werden. Die steche Behandlung, die manche Männer zum Still- schweigen bringt, schüchtert die Frauen jedoch nicht ein. Das Vorgehen der politisch tätigen Frauen Amerikas verdient die größte Hochachtung. um so mehr als sie es abschlagen, ihre Handlungen in dieser wich- tigen Frage durch opportunistische Erwägungen bestimmen zu lassen Bor etlichen Tagen wandten sich zwei mächtige republikanische Politiker, die Herren Root und Bacon, an die Frauenstimmrechts« Partei des Staates New Uork mit der Aufforderung, an der NüstungSpropaganda teilzunehmen. Hier hätte sich den Frauen eine gute Gelegenheit geboten, um die mächtigen Politiker, die bisher gegen dos Frauenstimmrecht waren, umzustimmen und einen Kuh- Handel zu versuchen, wie ihn etwa Frau Pankhurst in England ver- suchte. Im Senat des Staates New Dork ist soeben nämlich eine Vorlage eingereicht worden, die den Frauen deS Staates das Stimm- recht für die kommenden PrüsidcntschaftSwahlen einräumen will. Ein Gesetz dieser Art besteht schon im Staate Illinois. ES bedarf zu seiner Annahme keiner Volksabstimmung wie ein Gesetz üb« die Einführung deS FrauensiimmrechtS für alle Slbstimmimgen, da jeder Staat nach der Bundesverfassung das Stimmrecht für die Präsidentschaftswahlen festsetzen kann. Die Für- spräche und das Wohlwollen der republikanischen Partei- Häuptlinge wäre den Frauen in dieser Situation sehr zustatten gekommen. Aber die Franenstimmrechtspartei schlug es rundweg ab, für die NüstungSpropaganda einzutreten. Den Frauen gebührt auch das Verdienst, als erste eine große und systematische Propaganda gegen die Rüstungen eingeleitet zu haben. Gestern, am Geburts- tage Washingtons, hielt die Friedenspartei der Frauen in New Aork Dutzende Versamnilungen ab. In vffentlickcn Säle», Kirchen, Theatern wandten sich die Frauen gegen eine Politik, die das Volk der Vereinigten Staaten in dasselbe Elend führen muß, unter dem die Völker Europas jetzt leiden. Diese Versammlungen bildeten nur die Einleitung einer Propaganda, die einen immer größeren Umfang annehmen u»d mit ständig zunehmender Energie betrieben werden soll. Auch in der sozialistischen Bewegung kann man immerzu be- merken, daß es die Frauen sind, die am entschlossensten und klarsten zu den großen Fragen Krieg und Aufrüstung Stellung nehmen,(z) Rücktritt öes japanischen Kriegsministers. Tokio, 31. März.(W. T. B.) Meldung der Agence HavaS. Der Kriegsminister General Oka ist zurückgetrelen. Sein Amt führt sein Stellvertreter General Ojhima. Rücktritt IJuanschitais? Nach brieflichen Berichten auZ Peking und Shanghai soll der R ü ck t r i l t JuanschiiaiS bevorstehen. Sein Nach- folger wird wahrscheinlich Li Unang Hung. Kriegsbekanntmachungen. Liebesgaben- sendunge» an Kriegsgefangene. Das K r i e g s m i n i st c r i u m teilr mit: In letzter Zeit mehren sich die Klagen unserer Gefangenen in Frankreich, die sich nicht nur darüber beschweren, daß die Brot- und Fleiichportionen kleiner werden, sondern auch darüber, daß LiebeSgabenpakete öfters eines Teiles ihres Inhalts beraubt werden. Fast immer handelt es sich dabei um Lebensmittel, die„entnommen" werden, hauptsächlich um Speck und Bulter, aber auch um Zigarren und Zigaretten. Die nicht nur bei uns, sondern in erhöhtem Maße in Frank- reich zunehmende Schwierigkeit der Versorgung der Bevölkerung mit Butter, Feit und Speck legt uns allen die unbedingte Pflicht aus, Vorsorge zu treffen, daß dem Frinde derartige Lcbensmitiel— wenn auch völlig unbeabsichtigt— nicht zugeführt werden. Ist es auch begreiflich, daß jeder das Los eines in Kriegsgefangenschaft befind- licken Angehörigen so viel wie möglich zu erleichtern sucht, so muß dennoch von einer Verschwendung solcher Lebensmittel an Kriegs- gefangene dringend abgeraten werden, weil sie zu einer Stärkung der wirtschaftlichen Kraft unserer Gegner womöglich auf Kosten unserer eigenen Kriegsgefangenen führen könnte. Verbraucht deshalb Butter und Speck im eigenen Haushalt und sendet Eueren Angehörigen dafür Geld, damit sie sich die Lebensmittel, die ihnen nicht geliefert werden, selbst kaufen können! Erwiesenermaßen werden den Gefangenen in Frankreich Geld- sendungen ohne Verzögerung ausgehändigt, Der Vorstand der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft sandte uns mit der Bitte um Abdruck folgende Erklärung: Unser kurzer Aufruf zur Treue gegen die Partei und ihre Grundsätze hat eine längere, mit persönlichen Verdächtigungen gespickte Polemik des Parteivorstandes und des Fraktions- Vorstandes hervorgerufen. Wir haben nicht die Absicht, auf diesem Wege zu folgen. So sehr wir überzeugt sind, auch formell korrekt gehandelt zu haben, so wenig sind wir willens, uns an dem Spiel zu beteiligen, durch langausgesponnene öffentliche Auseinandersetzungen über formale Dinge die fach- lichen Gegensätze zu verdunkeln und in den Hintergrund zu drängen, die uns von der Mehrheit trennen. Ueber der Forin steht uns die Sache, über dem Mittel der Zweck. Unser erzwungener Zusammenschluß zu einer parlamcn- tarischen Fraktion ist für uns lediglich das Mittel, im Reichs- tage die Sache des Sozialismus so zu vertreten, wie es uns das Programm der Partei, die Beschlüsse der Parteitage und der internationalen Kongresse zur unabweisbaren Pflicht machen. Die beharrliche Verletzung dieser höchsten Richtlinien jeder sozialdemokratischen Politik durch die Fraktionsinehrheit ist die Ursache und zugleich die Rechtfertigung unseres Sondervor- gehens._ Letzte Nachrichten. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopcl, 31. März.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der I r a k f r o n t keine Veräudc- rung in der Gegend des Tigris. In der Gegend des Euphrat griff eine unserer Abteilungen östlich von Nassrie eine feind- liche Abteilung an und jagte sie nach Süden, wobei sie dem Feinde Verluste zufügte. Gleichzeitig überraschten unsere Freiwilligen das Lager dieser Abteilung und führten Beute mit sich fort. An der K a u k a s u s f r o n t rückten unsere Truppen all- mählich im Tale des Tschoruk vor und schlugen dabei die An- griffe feindlicher Erkundungsabteilungen ab. In den übrigen Abschnitten dieser Front keine wichtige Unternehmung. Ein feindlicher Kreuzer unterhielt ans der Höhe der Dardanellen einen Augenblick ein wirkungsloses Feuer, worauf er sich zurückzog. Drei aus der Richtung von Imbros kommeirde feindliche Flieger kehrten infolge des wirksamen Feuers unserer Batterien von Uenichehir nach dieser Insel zurück._ Was geht in Holland vor? Amsterdam, 31. März.(W. T. B.) Heute wurden tele- graphisch alle Urlaube der Offiziere und Mannschaften der Land- und Seeinacht, außer denen, welche vom Kriegs- oder Marincminister erteilt worden sind, zurückgezogen. Aus dem Haag wird hierzu gemeldet: Wie das Korrespon- denzburcan erfährt, werden vorläufig bei der Land- und See- macht keine Urlaube mehr erteilt werden. Die höchsten Stellen der Land- und Seemacht hielten heute früh eine w i ch t i g c K o n f e r e n z ab. Der Minister des Innern hatte heute früh eine Unterredung mit dem Direktor des Kabi- netts der Königin und mit dem Minister des Aeußern. Wie verlautet, soll eine geheime Sitzung der Zweiten Kammer unmittelbar bevorstehen. Amsterdam, 31. März.(W. T. B.) Das„Handelsblad" meldet: Die Güterwagen, die feit 1. August 1914 zur Verfügung der Militärbehörden gestellt lv-erden mußten, aber seither vorübergehend freigegeben waren, wurden heute von den Behörden requiriert. Wagen, die heute um 6 Uhr abends zur Abreise fertig waren, durften noch be- fördert werden; die anderen wurden wieder ausgeladen. Amsterdam, 31. Mär�.(W. T. B.)„Telegraaf" meldet aus Haag, daß die Regierung alle Güterivagcn zum For- miercu von Militärzügen requiriert habe. Deni Haager Korrespondenzburcau wird von maßgebender Seite mitgeteilt, daß die Berichte, wonach alle erteilten Urlaube zurückgezogen und alle Güterzüge requiriert worden feien, vollkommen unrichtig sind, es wird hinzugefügt, daß es nicht möglich ist, alle phantastischen Berichte ähnlicher Art zu dementieren. Anm. der Redaktion: Wie wir hören, handelt es sich bei den meisten Meldungen um Gerüchte. Eine amerikanische Anfrage. Washington, 30. März.vaS die deutschen Frauen jetzt leisten müssen, aber daS Wahlrecht sollen sie darum doch nicht erhalten. Der frühere Kolonialsekretär Dr. Dernburg sagte seinem Vor- redncr, daß dieser Anschauungen vertrete, die sich mit denen weiter Kreise deS deutschen Volkes nicht in Uebereinstimmung bringen ließen. Auch der Brcslaucr Oberbürgermeister Dr. M a t t i n g schloß sich dieser unbe- streitbaren Wahrheit an. Trotzdem aber gab daS Herrenhaus seiner Meinung, daß diese Eingabe Würdigung verdiene, durch die U e b e r iv e i s u n g als Material Ausdruck. Aus der sonstigen Beratung sei noch hervorgehoben, daß bei dem neue» Wasserstraßengesetz der VcrkehrLministcr v. Brcitenbach in Anknüpfung an die vom Abgeordnetenhaus einstimmig angenommene Resolution Dr. Friedbcrg-Lcinert die Berücksichtigung der Interessen der Städte Hannover und Linden und des Kreises Minden bei der Errichtung des Deister- kraftwcrkes zusagte. Der Landtag ist nunmehr bis Ende Mai bortagt. Burgfriedliche Geistesblitze. Die bürgerliche Presse gibt als«französisches Echo" auf die Spaltung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eine Aeußerung H e r v 6 s in der„Victoire" wieder, der bekanntlich in seinen Anschauungen so sehr selbst von der französischen 'Parteimehrheit abweicht, daß mit seiner Entfernung von � leitenden Partcifunktionen gerechnet werden kann. In den Augen der bürgerlichen Presse gilt er aber noch immer als j d e r Repräsentant der französischen Partei. So läßt sich die „Vossische Zeitung" ans Zürich melden: „DaS Echo, das die Sezession der 18 deutschen Sozialisten in der französischen Presse findet, dürfte diesen zeigen, daß sie eS den französischen Sozialisten nicht recht machen können. So urteilt Gustave Hcrve in der„Bicioire":„Es fehlt in der deut- schen Sozialdemokratie an einem kräftigen und entschlossenen Mann, der sich auch dem Risiko aussetzen muß, erschossen zu werden, wenn er nämlich die Freiheit und Souveränität der Nationen proklamiert hätte. Nur dann hätte die Sezession einen Sinn gehabt. So aber glauben wir nicht, daß sich im Gehirn und in der Seele Deutschlands irgendeine Aenderung vollzogen hat. In den Reden der HaaseL und Liebknechts suche ich seit IL Monaten vergeblich einen rein republikanischen Geistesfunken und auch nur die leisesten Anzeichen eines revolutionären Geistes. Im Schwerte des Generals Castelnan ist mehr revolutionärer Geist, als in den vereinigten Gehirnen der 18' deutschen Sozialdemokraten, die sich von der Hauptmasse getrennt haben." Es ist nun amüsant und lehrreich, wie diese Aeußerung Herväs in der bürgerlichen Presse kommentiert wird. Die „Tägliche Rundschau" bemerkt mit erhobenem Zeige- finger: „Die Genossen Haase und Liebknecht können einem wirklich leidtun. Für wen und für was haben sie sich denn nun eigentlich in die Rollen des Hcrostrat und des Thersites einge- spielt, wenn ihnen nicht einmal der Dank Frankreichs dafür wird?" Ter„R e i ch s b o t e" traut aber dem Frieden nicht. Er wittert hinter der Kritik Hcrväs ein grausiges Komplott, ein Spiel mit verteilten Rollen zur Irreführung'des deutschen Volkes. Das Blatt schreibt: „Man darf hierbei doch nicht übersehen, daß Hervö nur das Bestreben hat, den Vaterlandsverrätern Haase uns Liebknecht zu Hilfe zu kommen. Wenn er sie aner- kennend lobte, würde das für sie bei der Stimmung des deutschen Volkes ruinös sein. Aus dem Grunde der Tadel und der an Verblödung grenzende, unsinnige Vergleich. Der höhnische Tadel des Landesfeindes soll diejenigen be- schwichtigen, die angesichts der erbärmlichen Rolle, die die Liebknecht und Haase spielen, stutzig werden könnten." Tie armen Leutchen, die in ihrem Bestreben, den Haase und Liebknecht eins auszuwischen, ihr Gehirn dermaßen abstrapazieren, Haß sie schließlich weder ein noch ans wissen, sind wirklich bemitleidenswert._(z) Tirpitz' Tank an den Flottcnvcrein. Berlin, 31. März.<28. T. B.) Großadmiral von Tirpitz hat dem Deutschen Floitenverein auf dessen an ihn gerichteies Telegramm folgende Antwort zugehen lassen: Die warmberzigen und ehrenden Worte, welche Euere Exzellenz im Namen des Deutschen Flotten- verein» auS Anlaß meines Ausscheidens aus dem Amte au mich gerichtet haben, waren mir eine große Freude. Indem ich Ihnen und dem Vorstände deS Deutschen Flotlenvereinö herzlich dafür danke, lege ich Wert darauf, in diesem Augenblick meinen Dank auch auf die große Förderung und verständnisvolle Hilfe auszudehnen, die ich bei meiner Lebensarbeit steis durch den Deutschen Flotten- verein gefunden babe. ES sind mir unvergängliche Verdienste, die sich der Deutsche Floltetiverciii durch die Erweckung und Vertiefung deS Verständnisses für die Seegeliung des deutschen Volkes er- ivorbcn hat. Möge unsere gemeinschaftliche Arbeit durch den Sieg im Welt- kriege ihre Krönung finden.__ gez. v. Tirpitz. Tie Vertenernng der Textilwaren. Amtlich. Preisbeschränkungen für Web-, Wirk- und Strickwaren. Die Beschlagnahme von Web-, Wirk- und Strickwaren zugunsten der Heeresverwaltung(Kriegörohstoffabteilnng des KriegSministeriums) und die am 1. Februar erfolgte Preis- bindung, bei der die vor dem 1. Februar festgesetzten und erzielten Preise zugrunde gelegt worden waren, hat, wie inait an allen be- teiliglen, amtlichen und privaten Stellen vorausgesehen und zu- gestanden hatte, zu mancherlei Unzuträglichkeiten geführt. Zuletzt noch hatte in der ReichstagSsitzung vom 24. März auf eine Anfrage deS»ationalliberalen Abgeordneten Kcinath der Vertreter des ReichSamtS des Innern erklärt, daß diese ganze Regelung ja nur ein Provisorium sein wollte und sollte und daß die end- gültige Regelung, die zugleich eine Milderung sein sollte, unmitlcl- bar bevorstehe. Durch eine BundesratSverordnung vom 30. März ist diese endgültige Regelung nunmehr erfolgt. Dabei hat man, g r u n d- s ä tz l i ch wenigstens, die PreisbeschränkungSverordnuiig vom 1. Februar dieses Jahres aufrechterhalten: Die mit ihr gemachten Erfahrungen hatten gezeigt, daß ihr Zweck, sprunghafter Steigerung für die beschlagnahmefreien Textil- toaren vorzubeugen, im großen und ganzen erreicht worden war, und daß man wucherischen Bestrebungen beim Verkauf von Textilwaren tatsächlich einen wirksamen Riegel vorgeschoben batte. Die neue Bekanntmachung verfolgt in gleicher Weise daS Ziel, daß eine etwaig« Knappheit an Web-, Wirk- und Strick- waren und daraus gefertigten Erzeugnissen nicht zu unberechtigter, preiStrciberischer oder gar wucherischer Ueberleuerung ausgenützt tverden soll. Als Grundlage der Regelung ist der vor dem Stich- tage, dem 1. Februar dieses Jahres, geltende Preis fest- gehalten. Neu aber ist, daß die talsächlich und Nachweis- lich gestiegenen Gestehungskosten berücksichtigt werden können, auch der Zuschlag eines an- gemessenen Gewinns dauernd nicht verwehrt werden soll. Dabei war der Gedanke ausschlaggebend, daß bei aller Rücksichtnahme auf die Verbraucherinteressen, eine Volkswirt- schaftlich bedenkliche Schmälerung schutzbediirstiger Interessen der gewerblichen Kreise, der Fabrikanten und Händler, insbesondere aber auch der Arbeiter und Angestellten vermieden werden niüsie. Die neue Verordnung erstreckt sich auf alle diejenigen Web- Wir!- und Strickwaren, die nicht bereits durch die Beschlagnahme betroffen worden sind, gleichgültig auS welchen Spinnstoffen sie hergestellt sind, sowie auf die aus ihnen gefertigten Erzeugnisse. Erscheint einem Käufer der vereinbarte Preis die durch die neue Verordnung festgesetzte Grenze zu überschreiten oder sonst unan- gemessen hoch, so kann er innerhalb zwei Wochen nach Abschluß de» Kaufvertrages Preisfestsetzung durch ein Schiedsgericht beantrage», das, gebühren- und stempelfrei, endgültig und unter Ausschluß des Rechtsweges entscheidet. Ergibt sich der Verdacht einer strafbaren Ueberteuerling durch den Verkäufer, so hat der Vorsitzende des Schiedsgerichts die Verpflichtung, der Staatsantvaltschaft Anzeige zu erstatten. AusführungSbestimniungen des Reichskanzlers regeln die Einzelheiten des schiedsgerichtlichen Verfahrens. Unter andcrm wird bestimmt, wer die ehrenamtlich fungierenden Vorsitzenden und Bei- sitzer zu ernennen hat. Sind bei einem Verfahre» Handwerker be. tciligt, so müssen mindestens zwei Beisiyer im Benehmen niit der Handwerkskammer, Handwerkerkreiien entnommen werde». Zwei Beisitzer sollen Käuferkreisen angehören. Es steht zu erwarten, daß die neue Regelung der Dinge bei der Industrie wie beim Handel mit Genugtuung begrüsst werden wird. ohne daß zugleich die Interessen der Käufer und Verbraucher irgend- wie gefährdet erschelnen.(W. T. B.) A n m. der Red.: Ehe Einzelheiten über die neue Verordnung, insbesondere die Preise, vorliegen, müssen wir uns eines eingehenden Urteils enthalten. Wir eriuncrn aber daran, daß sofort nach der Preisbindung vom 1. Februar d. I. bei den Textilinteresieiile» eine lebhafte Agitation für Erhöhung der Preise ein- setzte, als deren Frucht wir wohl die fetzige Verordnung anzuieben haben. Mit Unrecht trägt biete Verordnung in der amtlichen Publilation den Titel„Preis beschränkungen usw.". Denn in Wirklichkeit bringt die Verordnung, wenn sie auch grundsätzlich an der Preisbindung festhält, eine Preissteigerung von Textil- waren. LIls Grund wird dabei angegeben, daß eine„Volks- wirlschastlich bedenkliche Schmälcrung ichutzbedürfligcr Interessen der gewerblichen Kreise" vermieden werden sollte. Nun hat die Textilindustrie in den beiden KriegSjahrcn, nach den Geschäftsabschlüssen der Aktieiigesellschaflcil zu urteilen. fast allgemein erhöhte Geiviirne erzielt. Es hätte dabcr näher gelegen, den weit mehr schntzbedürftigen Koniumeitte» Rccv- ntliig zu. tragen. Die NahruilgSmillelvreise sind beute so hoch, daß die Befriedigung anderer LehenSbedürsnisse sowieso eingeschräiilr werden muß. Wir glauben also sehr wohl, daß die neue Regelung «bei der Industrie wie beim Handel mit Genugtuung de- grüßt werden wird", bezweifeln aber lebhaft, daß die Jillcrcsseil der Käufer und Verbraucher gewahrr worden sind. Geschlechtskunde an den Hochschulen. Im preußischen Herrenbause hat Freiherr von Vissing, der jetzige Gcncralgouverneur von Belgien als Mitglied deS HaufeS den 21»- trag gestellt, die SlaaiSregierung zu ersuchen: 1. einen bestiinmicii Betrag in den Etat cinzustellen u> zur Einführung der Geschlechts- künde als pflichlmäßigeS Lehrfach an den Seininareir und Hocb- schiilen für die Geistlichen und Lehrpersonen an Hock'-, Mittel- Mittel- und Bolksschulen, d> zur Aufnahme der Haut- n»o GeschlechtSlraniheiten als PflichlmäßigeS Prüfungsfach bei der ärztlichen Slaalöprüiung, c) zur Abhaltung planinäßigee Be- lehrungen der Schüler und Schülerinnen der Volks«, Mittel«, Hoch-, Fach-, Gewerbe-, HandlungS- und Forrbildungsichulen vor der Entlassung über Wesen und Bedeutung der GeichiechtSkrankbeireir durch sachwrsienichastlich besonders vorgebildete Scknil- oder Amis« ärrle, d> zu einem größeren PreiSansichreiben für die beste Ver- vffentlickmng über die Frage:„Welchen Einfluß haben die Ge« schlechtskrankheiten auf die Bevölkerungsbewegung e) zur Unterstützung der Beslrebungeii der Deutsche» Gesellschaft zur Bekämpstiu g der Geichlechtskrankbeilen: 2. dahin zu wirken, daß jede Perjon, die, obwohl sie weiß oder wissen mußte, daß sie geschlcchtSkrauk ist, trotzdem geschlechtlich verkehrt, bestraft werden kau». Höchstpreise für Blei. Amtlich. Berlin, 1. April.(W. T. B.) Neuerdings hat eine unerwartete und unbegründete Preissteigerung für Blei dazu geführt, daß jetzt auch für dieses Metall, sowohl rein wie in Legierungen. Verbindungen und Erzeugung»- Vorstufen aller Art, abgestufte H ö ch st p r e i s e mit Wirkung vom 1. April 1016 festgesetzt werden. Die Regelung der Höchst- preise für Blei erfolgt durch die Bekanntmachung der Militärbefehls- haber(Hl. 10/3. 16. KR.A.). Die wiederholten Verstöße gegen die bisher in Kraft befindlichen Höchstpreibestimmungeii haben Zlnlaß ge- geben, in der Bekanntmachung M. 10/3. 16. KRA. die für Höchst- preisübcrschreitungen angedrohten Strafen besonders nachdrücklich zu betonen. Es sei unter anderem hervorgehoben, daß derjenige, der die festgesetzten Höchstpreise überschreitet, sich zu einer lleberschreituug erbietet oder andere zur Ucberschreitung auffordert, neben Geldstrafe und Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr auch mit dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft tverden kann. Bei einer Zurück- Haltung von Vorräten mit der Absicht der Preistreiberei ist sofortige Enteignung zu gewärtigen. Die Strafandrohungen der neuen Bekanntmachung gelten auch rn vollem Umfange für Ueberschreitungcn der früheren Höchstpreisverordnungcn. Alle anderen Einzelheiten sind auS dem Wortlaut der Bekanntmachung selbst ersichtlich. An- fragen und Anträge sind an die Metall-Meldestelle der KriegS-Noü- stvff-Abteilung des Königlichen Kriegsministeriums, Berlin\V 0, Potsdamer Straße 10/11, zu richten. „Befürchtungen". Charakteristisch für die in Produzentenkreisen herrschende Au'- fassUng ihrer Aufgaben ist folgende Notiz des halbamtlichen Nachrichtendienstes für ErnährungSsrageir: „Die ursprüngliche HöchstprelSfestsetzung für Gemüse hat im vorigen Jahre manchen Gemüsezüchter empfindlich getroffen. Die schlimmen Erfahrungen deS Vorjahres haben auch für die die:- jährige Ernte die Befürchtung auftauchen lassen, daß Höcht:- preise eingeführt werden, und diese Befürchtung m a g auf den Gemüseanbau st e l l e n lv e i s e h c»t Nt e II d wirken. Demgegenüber kann festgestellt werden, daß die geltenden Höchstpreise sich nur beziehen auf die Ernte de» Jahre» 19lö, aber keine Anwendung finden auf die dies- jährige Geinüseernte. Die Preisbewegung deS diesjährigen Geniiiks ist also frei. Immerhin ist zu beachten, daß eine willkürliche Preis« bewegung nach oben die Gefahr neuer Höchstpreise in sich trägt. Bei dem großen Einfluß, den die Organisationen der Erzeuger und Händler auf die Preisbewegung anSüben können, wäre es Ivüiischenk- wert, daß, soweit möglich, eine Regelung der Preisentwicklung von ihnen auS in die Hand genommen wird." Nach unseren Erfahrungen wird dieser Hinwels auf die mögliche „Gefahr" von Höchstpreisen wenig Erfolg haben, da bisher die Re- gierung stelS durch Erhöhung und 2tufhcbung der Höchsipreife den Wünschen der Produzenten entgegengekommen ist. Zur Rahrungsmittclvcrsorgnng. Eine Erhebung über die Lebenshaltung im Kriege veranstaltet der Kriegsausschuß für Konsuinentenintercsse» im Monat April. Er hat zu diesem Zwecke je fünfzig Haushattungeii ans den Kreisen der verheirateten und unverheiraieleu Arbeiter, Angestellten, Beamten und Kriegerangehörigen in siebzig deunchen Städten mit der genauen Führung von ihm gelieferter Haus- Haltungslisten beauftragr. Mit dieser Erhebung hofft er allen inter- cssierten behördlichen und privaten Stellen eine» wertvollen Dienst zu erweisen. In der Tat ist das Fehlen brauchbarer statistischer Unterlagen aus der Kriegszeit schon allcnlhalbeu als ein großer Mangel empfunden worden. Die aus der Friedcnszeit stammenden Zahlen über den Lebensmiltelverbrauch und die Kosten des LebenSunterbaU«, aucki die der Reicbsstatistik. können bei der völligen Verschiebung der jetzigen Verhältnisse gar nicht mehr— höchstens mit einem gewissen Vergleichswerte— verwendet werden. Ein Berhaftungsbefehl gegen Tr. Rudolf Broda. Wie die„ H u ni a n i t ö" erfährt, hat die Militärbehörde von Wien gegen Dr. Rudolf Broda, den bekannten öfter- reichischcn soziologischen Schriftsteller, der bis zum Ausbruch des Krieges in Paris lebte, einen Verhaftungsbefehl erlassen. Gleichzeitig sei die Konfiskation des mobilen und immobilen Besitzes Dr. Brodas in Oesterreich angeordnet ivorden. Dr. Broda ist der Herausgeber der„Dokumente des Fortschritts" und der„Stimmen der Menschheit". Er lebt seit Beginn des Krieges in der Schweiz.(x) »sssssss««SSSSSSSj, Üi" (// «> «/ «v Vi!Ke!m8diIiewert Holzmarltstr. 66, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. April, nach- mittags S'/u Uhr, von der Halle des Andrcas-Rirchhofes in Wilhelms- bcrg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 212/17»vi? Vorstand. ISoziaMefflokratiSEliErWalilyereiii f. ö. 6, Bert. Reiclistagswalilkreis. 18. Abt. Bez. 816. Am Donnerstag, den 30. März, verstarb unser Genosse BernKard Bensdi Soldiner Str. 4, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am | Sonntag, den 2. April, nach« | mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Freu cligiösen(Scmcindc- | Friedhoics, Pappel-Allee, aus ilatr. Um rege Beteiligung ersucht I>«r Vorstand. DeutscliEP '-Verhani Bezirksverwaltung GroG-Berlin. Ten Mitgliedern zur Nachricht, Idas; unser Kollege, der Droschten- 1 jührcr Itieodor Möller I v. d. Firma Kroll, Poscner Str. 2s, am 28. März im Alter von | 69 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute j Sonnabend, den 1. April, nachmittags l'/i Uhr, von der Leichen- I halle des Andreas-Friedhoss, 1 WiihclmSberg, aus statt. Um rege BcleUigung wird ersucht. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, däsj unser Kollege, der Fensterputzer Wilhelm Schliewert v.d. Firma Arnhcim,AöpnickerStr., am 29. März, iin Alter von 47 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. April, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Andreas- FricdhosS, Wilhelmsberg, aus statt. Um rege Bctciltgung wird ersucht. Den Mitgliedern serncr zur I Nachricht, daß unser Kollege, der | Packer Alfred Strötzel von der Firma Salamander, Schuhwarengeschäst, am 28. März im Ziller von 27 Jahren gestorben ist. Ehre ihrem Zlndenken! Tie Beerdigung findet heute Sonnabend, den 1. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Friedhofs iu Marzahn aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 63/9 Ble Bezirksverwaltung. DEiitsito Bauarheiler-VerlianEl. «Cneigvcrein IScrlin. Bezirk Sohöneberg. Am 29. März starb unser Mit- glied, der HllsSarbeitcr Joseph ESpel. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Michael-KirchhoseS in Martendorf, Nixdorfcr Straße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14l/7 Die örtl. Verwaltung. Wieder bat der Weltkrieg ein Opser aus unseren Reihen ge- fordert. Einer unserer Besten, der Kollege �VaSter Adam fit beim Kamps im blühenden Alter von 21 Jahren geblieben. Sein sehnlichster Wunsch, in FriedenSzeiten weiter sür unlere Sache zu wirken, blieb unerfüllt. Sein leuchtendes Vorbild als Kämpfer sür die freie Jugend- bcwrgung soll uns unvergeßlich bleiben l 283/1 Hie Arbeiter-Jupd Weißensees. Dentscher Keiallarbeiter-VeM Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drücker Rudolf Klaene am 27. d. M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 1. April, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des ZentrafiriedhoseS in Friedrichsseide aus stait. Den Mitgliedern femer zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rohrleger Gustav Schulz Sickingenstr. 7 am 30. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. April, nach- mittags 2>/, Uhr, von der Leichen- Halle des Krankenhauses Moabit aus nach dem Johannis-Kirchhos in Plötzensce statt, Rege Beteiligung wird erwartet. Den Mitgliedern feiner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Anschläger Mur Wuschnakowski Strausberger Str, 4 am 27. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 114/13 Tie Ortsverwaltung. kigrd-ßzKMiä 1819. Hiermit die traurige Nachricht, daß unser lieber Sangesbrudcr Rudolf Klaene kurz vor seinem 25jährtgcn Sänger- jubiläum im Alter von 66 Jahren verstorben ist. 67/17 Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags i'l, Uhr, von der Leichenhalle des Zeniralsried- hoscS in Frtcdrtchsfclde ans statt. Der Vorstand. SozialdeinokratlscherWablverein Kreis Niederbarnim. Bcalrk Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Alkred Strötzel Kronprinzenstr. 1a am 28. März verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, aus dem Friedhos in Marzahn siatt. Rege Beteiligung erwartet 12/17 Die Bezirksleitung. Am Donnerstag, den 30. März, i ciitschllcs nach langem, mit Ge- dutd ertragenen Leiden meine ante, innigügeliebie Frau, unsere liebe Schwägerin und Tante, die Gastwirtin l�osalie Stöber geb. Eliasz im 59. Lebensjahre. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme im Namen der Hinterbliebenen tiesbetrübt an IPrieUrick Stöber, Stadtverordneter. Berlin-Lichtenberg, 31. März 1916. 132A Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. April 1916, nachm. 2 Uhr, vom Trauerbniiic Jungstraße 5, nach dem Lichten- bergcr Gemcindesriedhos an der Bornitzstraße(Krugstege) statt. Branen-Zterbekassederdentseben! Wagenbaner. Filiale Schjjnrberg. Am 28. März verstarb unser Mitglied Frau Amanda Scheidix. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmiiiags � 3 Uhr, aitt dem zwciic» Schüneberger Fried- hos an der Blanken Hölle statt. Uni rege Beteiligung bittet 257/6 Die Grisverwaltung. Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler und deren Beruisgenossen (Ersatzkasse.) VcrwallungSstelle Berlin B. Am 28. März verstarb unser Mitglied 39/5 Gustav Schmidt. Ehre seinem Andenken! Die Beeidigung sindet heute, Sonnabend, den l. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des St. Simon-Kirchhofes, Britz, Maricndorser Weg. aus statt. Allgememe Orts- Krankenkasse für den Stadtbezirk Köpenick. Hiermit laden wir die Mitglieder des Ausschusses zu der am Tiens- tag, de» 11. Zlpril 1S1«, abends 8llt Uhr, in der Aula der Doro- theeuschule, Freiheit, stattfindenden Ordentlichen mmmmmm Attsschutz-Sitznng ein. 267/14 Tagesordnung: 1, Kennliiisnahme von Voran- schlags-Ueberschreitungen sür 1915 und Nachbewtlligung derselben. 2. Jahresbericht. 3. Abnahme der JahreSrcchnung für 1915. 4, Gcschästlichcs. Die Ausschußmitglieder erhalten noch besondere Einladung. Köpenick, den 31. März 1916. Ter Vorstand. Otto Nickel, Vorsitzender. Gesaflgverein „norddeutsche Sciileile". (M. d. D. A.-S.-B.) Am Mittwoch, den 29. März. verstarb unser alter, treuer Sangesbrudcr Paul Martjuart im 65. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet bente, Sonnabeiid, den 1. April, iiachnüttags 4 Uhr, aus dein städtischen Friedhos in Friedrichs- fetde statt. 520b Der Vorstand. Spezialarzt Dr. med. Wockcnlnß, Friedrichstr. 125(Oranionb. Tor), für Syphilis. Harn- u. 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Die vollständige amtliche Bekanntmachung dieser Verordnung erfolgt au den Anschlagsäulen und in der„ Rorddentschen Allgemeinen Zeilung". Berlin, den 1. April 1916. Der Polizeipräsident. 132. I. Mil. 16(II. Aug.) Die Bekanntmachung des Oberkommandos' in den Marken betreffend Beschlagnahme und BestandSerhebuitg von'Altgummi, Gummiabjälleii und Regeneraten sowie die Bekanntmachung betreffend Höchstpreise sür Alt- gummi und Gummiabfälle treten am 1. Apni 1916 in Krast. Die vollständige amtliche Belannlinachiing dieser Vetordniing erfolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeilung". Berlin, den 1. April 1916. Der Polizeipräsident. 125. I. Mil. 16. �lerrsn- unä ftorneu-Werode neueste Moden, beste Verarbeitung Vollsiändige Wolinungs-Einriehtungen sowie einzelne Möbel aui Kredit Müßige Anzahlung— Geringe Eaten.* Berlins filtcstes Waren- nnd UHUbel-Kredlt-Hans Julius Ciiogau G. m. b. H. Kottbnser Str. 88. Ecke Reichenbergcr Str. direkt am Hochbahnhof "Kotthuscr Tor. 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Ter Strom soll mit einer Spannung von 110 000 Volt fortgeleitct und an Vcrbrauchsstellen abgegeben werden. Um dem Fiskus eine möglichst umfangreiche Stromabnahme sichern zu können, war ein- Verständigung mit der A. E. G. notwendig, die ihrerseits auf die Provinz angewiesen war, um sich mit billigem Braunkohlenstrom zu versorgen. So ist denn ein Vertrag mit der A. E. G. zustande gekommen, wonach die von ihr abhängigen Ber- liner Vorort-Elektrizitäts-Werke(B. V. E. W.) und die Märki- scheu Elektrizitäts-Werke(M. E. W.) verschmolzen werden; dieses neue Werk soll ein gcmischt-wirtschaftliches Unternehmen sein, in welchem der Provinz der überwiegende Einfluß zugesichert wird. Ter Aktienbesitz der Provinz soll sich zu dem der Ä. E. G. bei diesem Unternehmen wie 7:5 verhalten. Auch soll die Provinz das Recht bekommen, vom' April 1036 ab, also nach 20 fahren, das Wer! vollständig zu erwerben. Dieses gemisch-wirtschaftliche Unteniehmen soll sofort, noch bevor das staatliche Kraftwert bei Wittenberg gebaut ist, ins Leben treten. Für die Durchführung soll die Provinz eine Anleihe im Betrage von 24 Millionen Mark aufnehmen. Allerdings soll ein erheblicher Betrag dieser Summe — 10 sh Millionen Mark— für den Bau eines neuen Kraft- Werkes an der Oberspree vorgesehen werden, da ja erst nach voll- ständigem Ausbau des staatlichen Werkes es notwendig erscheint, auch noch Reservewerke zu haben. Die Vorlag« ist am vorigen Montag einer Kommission über- wiesen worden, namens deren der Landrat von Niederbarnim Dr. Busch und der Oberbürgermeister von Charlottenburg Tr. Scholz Bericht erstatteten Die Kommission hat das großzügige Projekt durchweg günstig aufgenommen. Nur bei denjenigen Ge- meinden, welche selbst bereits im Besitz von Elektrizitätswerken sind, war zunächst die Furcht vorhanden, daß ihre kommunalen Werke von dem neu zu gründenden Unternehmen umklammert und geradezu erdrückt werden würden— eine für die Finanz- gebarung dieser Städte nicht unbedenkliche Sacke, sind doch z. B. in den letzten Charlottenburger Etat die Ueberschüsse des Elektri- zitätswerks mit 2,4 Millionen Mark eingesetzt und in dem letzten Etat von Neukölln mit 0,5 Millionen Mark. Tie Gefahr für die städtischen Werke erscheint um so bedenklicher, als die Werte von dem zu errichtenden staatlichen Werk den billigen Strom nicht direkt sollen beziehen können und daß sie bei der Monopolstellung des neuen Untcrnchniens auch auf direktem Wege billigeren Strom nicht sollen bekommen können. Diese Befürchtungen wurden noch verstärkt durch die angekündigte Errichtung eines neuen Kraft- Werkes an der Oberspree. Aber der Landesdirektor gab in der Kommission recht beruhigende Erklärungen in dieser Hinsicht ab. Zunächst werde jedenfalls, bevor man an die Errichtung eines neuen Werkes an der Obersprec denke, mit den Gemeinden ver- bandelt werden, die selbst Werke besitzen, da es der Provinz ja in keinem Fall gleichgültig sein kann, die Gemeinden und ihre eigenen Steuererträge in irgend welcher Weise zu schädigen. Trotz- dem wurde von der Kommission noch ein besonderer Satz bei der Bewilligung der Anleihe beschlossen, nämlich:„Dabei wird vorausgesetzt, daß von dem Bau eines neuen Kraftwerkes nach Mög- lichkeit abgesehen wird und die zur Erweiterung der LeistungS- fähigkcit des Unternehmens sowie zur Bereitstellung erforderlicher Reserven nötigen Strömungen tunlichst durch Verhandlungen mit den in der Provinz bestehenden kommunalen Werken gewonnen werden." Mit diesem Zusatz wurde die Vorlage vom Provinzial- landtag einstimmig angenommen. Außerdem gelangte auch noch eine ebenfalls zum Schutze der Interessen der Städte mit eigenen Elekirizitätswcrken von der Kommission vorgeschlagene Resolution zur Annahme:„Die Provinz hat ihren Einfluß auf das M. E. W. dahin geltend zu machen, daß das M. E. W. auf Verlangen nach Maßgabe des ihm für die Weitergabe zur Verfügung stehenden Stroms verpflichtet ist, den Strombedarf von Gemeinden oder Gemeindeverbänden zu decken, die selbst Kraftwerke besitzen oder an Kraftwerkunternehmungen in ihrem Bezirk finanziell beteiligt find. Es darf die Erfüllung dieser Verpflichtung nicht von Be- dingungen abhängig gemacht werden, die sich nicht aus der Be- sonverheit des Falles rechtfertigen oder die Strompreise höher berechnen als mit einem angemessenen Zuschlage, etwa 10 Proz. zu den Selbstkost-n." Auch der Stadt Berlin scheint die Konkurrenz des neuen Unternehmen» für ihr eigene« Werk nicht ganz unbedenklich zu sein. Vom Magistrat der Stadt Berlin war ein Schreiben bei der Provinzialverwaliung eingelaufen, worin sie unter Hinweis auf ihre Werke sich bereit und imstande erklärt, sofort groß« Mengen von Elektrizität zu sehr billigen Preisen zur Verfügung zu stellen und um Angabe näherer Bedingungen für einen StromlieferungS- vertrag bittet. Wenn die Pravinzialverwaltung den Berliner Werken auch ebenso wohlwollend gegenübersteht wie den kleineren Werken in den einzelnen Gemeinden der Provinz, so glaubte man doch in dem gegenwärtigen Stadium einer Verhandlung mit Berlin nicht näher treten zu können, sondern wollte das dem zu gründenden gemischt wirtschaftlichen Unternehmen überlassen, an deren Auf- sichtSrat man das Schreiben des Berliner Magistrats zur weiteren Veranlassung überwies. Der Provinziallandtag wurde dann mit einem Hinweis darauf geschlossen, dag in dem Beginn dieses neuen großen Unternehmens sich das Vertrauen auf eine friedliche, glänzende EntWickelung kundgibt.._ Mus Groh-öerlin. preise von Lebensmitteln in Grost-Berli». Die vom Statistischen Amt der Stadt Berlin allmonatlich veröffentlichte Zusammenstellung von Lebensmittelpreisen dcS Kleinhandels liegt jetzt aus Mitte März 1916 vor. Wieder sind die Angaben noch lückenhafter als in den vorher- gehenden Monaten geworden, weil die durch das Statistische Amt befragten Konsumentenorganisationen viele Waren zu der Zeit nicht führten. Daher müssen auch in der Warenauswahl. die wir unten zusammenstellen, wieder manche sehr ivichtige Lebensmittel fehlen. Beteiligt war an der Umfrage außer der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend nur der Beamten- lvirtschastsvcrein Berlin, doch gingen Antworten in den meisten Fällen nur noch von einer dieser beiden Organisationen ein. Welche von beiden antwortete, teilt das Statistische Amt zu den einzelnen Angaben nicht mit; aus Antworten beider hat es Durchschnitte berechnet, �ür die von uns ausgeführte Vcrgleichung der Preise aus März 1916 mit denen aus früheren Jahren ist zu beachten, daß im März der Jahre 1915 und 1914 nur die Konsumgenossenschaft befragt worden war. Um die Mitte März 1914, 1915, 1916 wurden gezahlt (pro Pfund, wo nicht anders angegeben) in Pfennig für: zeigen im März 1916 die oder vielmehr sie zeigten Gegenüber den: März 1915 Kartoffeln einen geringeren Preis ihn, aber heute ist auch daS schon wieder vorbei. Tie Zrr sammenstellung gibt die Preise vom 13. März 1916, wo lvir noch den sozusagen mäßigen KartoffelhöchstprciL von 40 Pf. für 10 Pfund hatten. Er wurde vom 15. März ab durch den höheren Kartoffelhöchstpreis von 65 Pf. ersetzt, so daß wir nun auch bei den Kartoffeln gegenüber dem März vorigen Jahres nichts mehr voraus haben. Bei Roggenmehl und Weizen- inehl erklärt die Preisermäßigung gegenüber dem März 1915 sich auS der Herabsetzung des Höchstpreises, die hier inzwischen eingetreten ist. Aber gegenüber dem März 1914 sind die Mehlpreise vom März 1916 immer noch so hoch, daß sie bei Weizenmehl nni ein Drittel, bei Roggenmehl gar um mehr als die Hälfte über den danlaligen Preisen stehen. Ein richtiges Bild der Lebens mittelteuerung erhält man nur, wenn man überall vom März 1916 bis auf März 1914 zurückblickt. Uni Mitte März vorigen Jahres lagen schon ziemlich acht Krtegsmonate hinter unS, unter deren Einfluß die Lebensmittelpreise bereits sehr fühlbar gestiegen waren. Die Berglcichung der Preise aus 1916 mit denen aus 1914 ergibt Steigerungen, die oft über das Doppelte und manchmal sogar bis zum Dreifachen der früheren Preise hinausgehen. Bei Wurst und Fleischwarcn sowie bei Butter haben HöchstpreiSfestsetzuiigen der weiteren Steigerung erst Einhalt geboten, als die Preise ohnedies kaum noch steigerungsfähig schienen. Ausgabe von Reiskarten für Kinder. Die Stadt Berli» gewährt allen Kindern, welche keine oder nur die halbe Bulterportion erhalten, zum Ausgleich für den Monat April Va Pfund Reis. Entsprechend ist in Zukunft auf jeden Unter- stützungsbvgen nur noch eine Portion Reis, bestehend aus drei Karlen zu 1/4 Pfund für den Monat, zu gewähren. Bohnenkarten wird die Stadl Berlin für den April ebenfalls, und zwar in der bisher üblichen Weise, verleilen. Kriegsunierslützte, welche sich durch den UnterstützungSbogen ausweisen müssen, und diejenigen, welche zum Empfang von Reis- karten berechtigte Kinder verpflegen, erhallen die Karten bei der zuständigen Brotkommission. Um einen größeren Andrang zu ver« meiden, soll die Verteilung derartig erfolgen, daß die Empfänger abgefertigt werden: a> soweit die Namen der Berechtigten mit den Buchstaben A.—-G einschließlich beginnen, am Miltwoch, den 6. April 1910, b) soweit sie mit den Buchstaben H—I- einschl. beginnen, am Donnerstag, den 6. April 1910. c) soweit sie mit den Buchstaben M—U einschl. beginnen, am Freitag, den 7. April 1910, ä) soweit sie mit den Buchstaben 3— Z einschl. beginnen, am Sonnabend, den 8. April 1910. Die von der Armenverwaltung Unterstützten erhalten, wie bis- her, ihre Karten von den Armenkommissionen, die Empfänger von Arbeitslosenunterstützung von denjenigen Stellen, die ihnen die Unterstützung auszahlen. Reue Petroleumkarten. Die von der Stadt Berlin ausgegebenen Petroleumkarten ber IH. Periode laufen mit dem 2. kommenden Monats ab. Die neuen Karten gelangen vom Freilag, den Ol. März ab, durch die Bröl- kommilsionen zur Ausgabe, und zwar wie bisher nur gegen Rück- gäbe der Köpfe der alten Karlen. Diese Köpfe sind alw von den Karteninhabern sorgiällig aufzuheben und der Brotkommission bei Entnahme der neuen Karten vorzulegen. Vorsicht vor Stoffhamstern! Amtlich wird mitgeteilt: Wie aus verschiedenen Pressenotizen hervorgeht, versuchen Händler Kleider- und andere S>offc anszukanfen, die nicht unler die Beschlagnahme fallen. Vielfach bieten sie den Kleinhändlern hohe Preise, um dadurch die Waren an sich zu bringen. Daher wird nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Kleinhändler die freigegebenen Vorräte nur u n m i t l e l b a r an Verbraucher in Mengen unter einem halben Stück bezw. einem halben Dutzend veräußern darf, und zwar nur zu einem Verkauispreise, der den zu- letzt vor dem 1. Februar erzielten Preis nicht übersteigt. Die Klein- bändler, die entgegen diesen Borschrifteil Waren an aufkaufende Händler abgeben, haben die sofortige Enteignung der von der Beschlagnahme freien Warenvorräte zu gewärtigen und laufen Gefahr, auf Grund der gesetzlichen Be- stimmungen besirail zu werde». Andererseits müssen die Klein- Händler es als ihre Pflicht betrachten, bei Auflauchen derartiger Aufkäufer der zuständigen Polizeibehörde unverzüglich davon Nach- richt zu geben._ Ein junger Kiitderbestehler, der mit der Abgefeimtheit eines alten Spezialisten zu Werke ging, trieb im Norden der Stadl sein Unwesen. Ein 12 Jahre alter Knabe Otto R., der Sohn eines Handwerkers aus der Kopenhagener Straße, trieb sich umher und machte sich an andere Jungen heran, die vor Butierläde» warteteir. um für ihre Mütter einzukaufen. Er redete ihnen bor. daß er nicht warten brauche, sondern gleich hineinkomme, und erbot sich, für die Fungeu die Butter zu holen. Wenn diese ihm nicht recht trauten, so versicherte er ihnen, daß sie uni ihr Geld keine Angst zu haben brauchten, und bot ihnen zum Unterpiand seinen Pelzkragen an. So schwanden bei den Knaben alle Bedenken und sie gaben auch ohne Pfand Butterkarten und Geld hin. Er tat dann auch, als ob er eiligst in den Laden hineingehen wollte, lief jedoch statt dessen mit der Beute davon. Gestern wurde er erwischt. Er mußte zugeben, daß er nicht etwa aus Not gehandelt habe. Es habe ihm vielmehr zu Hause an nichts gefehlt. Nur um Schokolade kaufen zu können, habe er die Kinder beraubt._ Eröffnung des Personenschiffsverkehrs. Die Dampfergesellschaft„Stern" wird am Sonntag. 2. April, die regelmäßigen Fahrten auf dem Tegeler See nach dem Früh- jahrsfahrplan aufnehmen. Auf der Havel verkehren die Schiffe nur an den Sonntagen zwischen Wanniee und Salrow. Gefundene Leiche. Am 2. März d. I., nachmittag« gegen 8Vz Uhr, wurde die Leickie einer unbekannteu Frau gegenüber Schöneberger Ufer 5,9 aus dem Landwehrkanal gelandet. Die Tote ist 25 bis 30 Jahre alt, etwa 1,05 Meter groß, von mittlerer Slalur, wahr- scheinlich Arbcilerin. Sie bat ein schwarzes Kleid, weißen Spitzen- Unterrock, weißeS Hemd mit Spitzeneiniatz, schwarze Sirümpse und hohe schwarze Schnürschuhe. Mitteilungen, die zur Feststellung der Persönlichkeit der Toten dienen könnten, werden auf jedem Polizei- revier eutgegeugenommcn. Noch nicht erkannt ist eine Frau, die vor acht Tagen zwischen der Ebertsbrücke und der Weidendainmer Brücke als Leiche auS der Spree gelandet wurde. Sie war etwa 30—35 Jahre alt, 1,02 Meier groß und kräftig gebaut, hat dunkelblondes Haar, ein längliches Gesicht mit breiter Nase und ein lückenhaftes Gebiß und trug einen schwarzgran gestreiften Ulster, eine hellbraune Bluse mit schwarz-grün-gelbcn Streife», einen blauen Oberrock, einen roten Unterrock mit weißem Besatz, schwarze Strümpfe und schwarze halbe Schnürschuhe. Ihr WeißeS Taschentuch tst 0. G. gezeichnet. Vermißte Kinder. Seit dem 23. d. M. ist der achtjährige Richard Waller aus der Prinz-Handjery-Straße in Neukölln ber- schwunden. Cr hatte am genannten Tage die elterliche Wohnung zur üblichen Zeit verlassen, um zur Schule zu gehen, ist dort aber nicht eingetroffen. SJt dem 24. März wird der 9 Jahre alte Karl Ecke, dessen Eltern in der Leisingstr. 20 in Neukölln wohnen, ber- mißt. Er ist in der Pause um 10 Uhr bormittags aus der Schule fortgelaufen. Wahrscheinlich treibe» sich beide Jungen in Berlin oder Umgebung umher. Ecke ist 1,25 Meier groß und dunkelblond; er trug blaues Jackett, blaue Hoie, schwarze Strümpfe, Holzpantoffeln und eine blaue Schirmmütze, Der achtjährige Walter ist etwa 1 Meter groß, schwächlich und hellblond. Er war mit grüner Joppe, schwarzgestreifier Hose belleidet. Der Votanische Garten in Dahlem ist vom 1. April ab jeden Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerslog und Freitag von 2 bis 7 Uhr unentgeltlich für das Publikum geöffnet. Die Gewächshäuser von 10—12 und von 1—0 Uhr. Sehenswert sind jetzt die zahl- reichen Frühlingsblüten in den Alpenanlagen. Das Botanische Museum ist jeden Sonntag von 11— 2 und jeden Mittwoch von 10—5 geöffnet. Mus öen Gemeinöen. Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung. In der Sitzung vom Miltwoch machte der Vorsteher zunächst Mitleilung von der Bestätigung unseres zum Stadtrat gewählten Genossen A b r e n S. Die einzelnen Punkte der TaaeSvrdnulig wurden in wenigen Minuten debattelos entsprechend den Vorilbkäge» des Magistrats erledigt. Von Interesse für die Allgemeinheit ist von diesen Vorlagen lediglich die betreffend N a ch b e w i l l i g u n g e n im A r m e n e t a t. Es zeigt sich auch hier wieder die Einwirkung deS Krieges, denn die Nachbewilligungen sind erforderlich geworden durch die durch den Krieg geschaffenen schwierigen wirtschasttichen Verhältnisse, die eine dauernde Erhöhung der Preise für sämtliche Lebensmiltel, Reinigungsmaterialien und sonstige Materialion bei den städlische» Anstalten hervorgerufen haben. In geheimer Sitzung nahm die Versammlung dann noch den Bericht des Magistrats über die Versorgung der Stadt mit Nahrungsmitteln entgegen und einigte sich nach lang aus« gedehnter Debatte auf folgende Resolution: „Die Charlottenburger Stadlverordnetenbersammlnng hat die Ueberzeugung gewonnen, daß seitens deS Magistrats alles geschehen ist, um die Charlottenburger Bevolkermig mit den unentbehrlichsten Nahrungsmitteln zu versorgen, soweit es im Machtbereich der städti- scheu Verwaltung steht. Die noch vorhandenen Mängel sind nicht auf Verschulden der städtischen Verwaltung zurückzuführen._ Die Stadlverordnclcuberiammlung erkennt insbesondere an, daß bei der Ordnung der Kartoffelveriorgimg die Jnleresicu der Charlottenburger Bevölkerung in zweckmäßiger Weise gewahrt worden sind, ohne daß hierdurch die Allgemeinhett geschädigt ist." Gaspreiserhöhung in Neukölln. Nack Erledigung einiger weniger wichtiger Vorlagen erledigte die Stadlverordnetenversammlung die EtatSberatung. Kämmerer A r l a r t gab in großen Zügen ein Bild von der Finanzlage der Stadt, wobei er besonders auf die hohen Ausgaben hinwies, die Neukölln für KriegStürsorge machen muß. Er befürwortete sodann die Erhöbung der Gemeinoeeinkommeiisteuer auf 100 Proz. und die Erhöbung des Garpreises von 10 auf 15 Pfennig pro Kubikmeter. Auch Justizrat Abraham lAltbürgerl. Fr.) befürwortete in längeren Ausführungen diese beiden Vorlagen. Ihm trat Genosse W u tz k y in energischer Weise enrgegen. Besonders die starke Ein- schränkung des Volksschutunterrichls, die in keiner Gemeinde so groß sei wie in Neukölln, weiter die ungenügende Lehensinittelfürsorge, die vor allem aus fehlende Maßnahmen deS Reichs zurückzuführen sei, zog er in den Bereich seiner Erörterungen, um sich dann der Erhöhung des Gasprciies zuzuwenden. In treffender Weise wieS er nach, daß diese Lichlsteuer die ärmeren Schichten bedeutend stärker belaste als die Wohlhabenderen und aus diesen Gründen von der Sozialdemokratie abgelehnt iverde. Die Aufnahine dieser Gaspreis« erhöhung mache es aber auch der Sozialdemokratie unmöglich, dein vorliegenden Etat zuzustimmen. Nachdem noch Justizrat Jaeobsohn(Kommunalfortschriit) die Beschlüsse des RechiiuiigsauSschusses verleidigt und eine weitere Ausetuandersetzung zwischen Stadtrat Mier und unseren Genassen Thurow und Scholz stattgefunden hatte, wurde der Etat von der bürgerliche» Mehrhetl angenommen._ Schweineflcischverkauf in Pankow. Den Bemühungen der Nahrungsmittelableilung der Gemeinde ist es gelungen, den Einwohnern Pankows den Bezug von Schweine- fleisch und Feil zu ermöglichen. Die ersten 22 Schweine sind bereits geliefert und seit Mittwoch gelangt das erste Fleisch zur ?tusgabe. Pankow ist zu diesem Zweck in sieben Bezirke geteilt, in denen je ein Schlächtermeister gegen Vorzeigung von besonders herausgegebenen Fleischkarten, die die Einwohner zugestellt erhalten, das Fleisch verabfolgt. Für jede Haushaltung bis zu drei Personen ist 1 Pfund Fleisch oder Fett, für größere Haushaltungen entsprechend mehr vorgesehen. Es sollen so nach und nach über 1000 Schweine zum Vertrieb gelangen. Da nicht alle Einwohner gleichzeitig be- friedigt werden können, sind geeignete Vorkehrungen getroffen, daß nach und nach eine jede Haushaltung bedacht wird. Weitere Buttereinschränkung in Potsdam. Der Potsdamer Magistrat veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach bis auf weiteres ein Viertelpsund Butter nur gegen Abgabe von zwei Buttermarken über 25l) Gramm abgegeben werden darf. Durch diese Maßregel will man eine gleichmäßigere Verteilung der Bulter bezwecken._ Wahlergebnis. Borsigwalde-Wittenau. Bei der Gemeindevertreterwahl wurden 200 Stimme» abgegeben. Davon erhielt Genosse Kabel 168, der Gegner, Hausbesitzer Haak, 3l) Stimmen, für ungültig wurden 2 erklärt. Soziales. Wer hat das Arbeitsmaterial zu liefern? Früher war es im Bekleidungsgewerbe oft üblich, daß Heimarbeiter ausser dem Nähfaden noch andere kleine Zutaten ohne besondere Vergütung zu liefern hatten. Dies Druck- shstem ist von der Sozialdemokratie im Reichstag oft be- kämpft. Die Gewerkschaften haben in allen Tarifverträgen den Grundsatz anerkennen lassen: Der Arbeitgeber hat sämt- liche Zutaten entweder selbst zu liefern oder dem Arbeiter zu vergüten. Dieser Grundsatz kommt selbstverständlich auch in den für Militärbekleidung aufgestellten Tarifen zum Ausdruck. Es ist deshalb einigermassen verwunderlich, wenn heute noch vor dem Gewcrbcgericht darum gestritten werden muss, ob der Arbeiter aus seiner Tasche gewisse Arbeitsmaterialicn kaufen muh, ohne daß ihm der Arbeitgeber die Auslagen zurückvergütet. Em Mützenmncher(Heimarbeiter) Satte iür die Firma Scheuer u. Herz einen Posten Militärmützen angeiertigt und dafür einen Arbeitslohn von 7, 56 M. für das Dutzend vereinbart. Von der Firma wurde nur das Tuck> geliefert. Pappen, Stahl, Watte und Hülsen mußte der Arbeiter selbst beschaffen. Da es die Firma ablehnte, dem Arbeiter die iür diese Zutaten gemachten Auslagen zurückzuerstatten, so klagte er um Zahlung derselben beim Gewerbegericht, Die Firma behauptete, es sei ortsüblich, daß die in Rede stehenden Zutaten von den�Heim« arbellcrn aur deren Kosten geliefert werden. Als Sachverständiger wurde der Mützeniabrikani Rückert vernommen. Er sagte, es iei allgemein üblich, baß den Heimarbeitern mit Ausnahme des Näh« ganis iämtliches Material, alio auch Pappei» Stahl, Hüllen und Walle vom Arbeitgeber geliefert werden. Der Beklagte bemerkte hierzu, wenn das Gericht dieses Gutachten seinem Urteil zu Grunde legen sollte, so würde das eine vollständige Umwälzung des Be- lrieb'es der beklagten Firma bedeuten, die über KX) Heimarbeiter beichättige und keinem die Zuialen besonders vergüte, da sie es für selbstverständlich halte, daß der Preis ll�r Zutaten im Arbeitslohn inbegriffen sei.— Daß eine Vereinbarung in diesem Sinne mit dem Kläger getroffen worden sei, konnte der Beklagte allerdings nicht behaupten, so daß also die Angabe des Klägers, der vereinbarte Preis van 7,66 Mark pro Dutzend sei nur der Arbeilslohn, nickt widerlegt war. Nach dein Guiachten des Sachverständigen stand fest, daß die beklagte Firma dem Arbeiter die iür Zutaten gemachten Auslagen zu erstatten hatte. Fraglich blieb nur noch die Höhe derselben. Der Kläger hatte die Zutaten iür das Dutzend Mützen auf etwas über l M. berechnet und war io zu einer Geiamlsorderung von rund 56 M, gekommen. Der Konfektionär der beklagten Firma behauptete dagegen, der Werl der Zutaten betrage nur 66 Pi. pro Dutzend.— Schließlich der- glichen sich die Parteien dahin, daß der Beklagte dem Kläger 25 M. zahlte._ Eilt nicht zu empfehlender Arbeitgeber. Seit vielen Wochen findet man fast ans jedem Terminzettel der Kammer 1 des Gewer'begerichts den Namen des Schneider- meisters Peter Rötzel, Fennstr. 33, als Beklagten per- zeichnet. Herrn Ratzel selbst hat man aber noch nie auf dem Ge- Werbegericht gesehen. Ebensowenig einen Vertreter seiner Person. Gestern war Rötzel wieder in drei Fällen verklagt. Er blieb ebenso unsichtbar wie in allen früheren Fällen. Ter Gang des Verfahrens ist immer derselbe: Geklagt wird von Arbeiterinnen, die ihren verdienten Lohn nicht bekommen haben. Da Rötzel nicht erscheint, wird ein Versänmnisurteil erlaffen. Rötzel hat noch nie Einspruch gegen ein Versäumnisurteil erhoben. Man darf also annehmen, daß er sich im Unrecht fühlt. Ob eine Klägerin mit dem Versäumnisurteil in Händen schon jemals ihr Geld von Rötzel be- kommen hat, ist uns nicht bekannt. Wahrscheinlich ist es aber nicht. Denn sonst würden sich doch die Klagen gegen Rötzel nicht Woche .für Woche wiederholen. Nach alledem halten die Richter der Kammer 1 die GeschöstspraxiS Rötzel» gegenüber den Arbeiterinnen für so bedenklich, daß sie sich mit dem Gedanken tragen, die Polizei auf Peter Rötzel aufmerksam zu machen. Der selbsttätige Ablauf der Lehrzeit. Als Warnung für die Eltern und Vormünder, die ihre Pflegebefohlenen in die Lehre geben, kann folgender Rechts- fall' dienen, der die 5. Kammer des Berliner Kaufmanns- gcrichts beschäftigte. Die Buttersirma Vallentin hatte am 1. März vorigen Jahres ein Lehrmädchen Gertrud St. mit einjähriger Lehrzeit angenommen. Bei der Einstellung hatte der Geschäsl-Zinhaber zur Schwester des Lehr- mädchens geäußert, falls sie nicht zu einander passen sollten, könnte jeder Teil die Lehrstellung 14 Tage vorher aufkündigen. Als nun am 1. März d. I. die Lehrzeit abgelaufen schickte der Prinzipal das junge Mädchen, ohne ihm vorher auch nur eine Andeutung über seine Absichten geäußert zu haben, ein- fach nach Hause. Hätte der Chef dem Lehrmädchen auch nur ein paar Tage früher gesagt, er wolle sie nicht zweiter behalten, dann hätte es sich noch zum 1. März eine andere Stellung besorgen können. So lag eS am Ersten auf der Straße und ist auch noch bis heute stellungslos. DaS Kaufmannsgericht fand leider keine rechtliche Handhabe gegen das unsoziale Verhalten der beklagten Butterhandlung ein- zuschreiten. Mangels ausdrücklicher Vereinbarung lief nach Ansicht des Gerichts am 1. März die Lehrzeit selbsttätig ab.— Die meisten Arbeitgeber pflegen ausgelernte Lehrlinge entweder zu behalten oder ihnen'mindestens einen Monat vorher davon Kenntnis zu geben, daß sie den Betreffenden nicht als Gehilfen einzustellen gedenken. Uni derartigen unvorhergesehenen Fällen vorzubeugen, tun Eltern gut, im Lehrvertrage gleich zu vereinbaren, daß, wenn von leiner JR,..*, fe;> Seite eine Kündigling erfolgt, das Lehrberhälinis als in ein DienftverhälttiiS mit besliunnlem Gehalt umgewandelt gelten solle. � Kündigungstermin und Sechswochcngchalt im Krankheitsfall. Der§ 63 des Handelsgesetzbuches verpflichtet den Arbeit- geber bekanntlich nur zur Zahlung des Gehalts im Erkran- kungsfalle des Handlungsgehilfen bis zur Höchstdauer von sechs Wochen. Vor der 2. Kammer des Berliner Kaufmanns- gerichts kam die Rechtsfrage zur Beurteilung, ob die Sechs- wochensrist durch eine während der Krankheit zu einem spä- teren Termin erfolgte Kündigung aufgehoben wird. Eine Kassiererin erkrankte Anfang Januar und erschien auch bei Ablauf dieses Monats noch nicht zur Arbeit. Der beklagte Prinzipal, der Kaufmann H., sandte ibr am 31. Januar die Äün- digung zum Ablauf Februar ins Haus. Die Kassiererin, die noch jetzt krank ist, verlangte ihr Gehalt bis Ende Februar, während ihr der Chef nur das Gehalt bis zum 15. Februar, dem Tage des Sechswochenablaufs, zur Verfügung stellte. Die Klägerin vertritt vor dem Kanstnannsgerichtt die Auffassung, daß, wenn ihr der Prinzipal zum Ablauf Februar kündige, er ihr auch bis dahin Gehalt zahlen müsse.— Das Kaufmannsgericht vermochte nach dem Gesetz der Angestellten darin nicht zu folgen, es wies sie vielmehr mit ihrem über 6 Wochen hinausgehenden Anspruch ab. Wenn Beklagter zum Ende Februar die Kündigung aussprach, so geschah das für den Fall, daß Klägerin zwischen dem 1. und 15, Februar wieder ihre Stellung antrete. Zu mehr als 6 Wochen Gehaltszahlung im Erkrankungsfalle sei der Arbeitgeber in keinem Falle verpflichtet._ Gerichtszeitung. Der Leihhausprozcß. In dem Prozeh gegen die ehemaligen Direktoren des Preußischen Leihhauses ist die Verhandlung gestern an einem bemerkenswerten Wendepunkt angelangt. Es wurde die Frage erörlerl, ob mcht eine ganze Reihe von Hypolbekengeschäflen ohne weiteres aus dem Grunde ausscheiden müsse, weil die Verjährung eingelrelen ist. Das Ergebnis dieser Erörterungen war, daß von 18 zur Anklage gestellten Hypotheken sofort 6 ausgeschieden wurden, so daß nur noch 12 verbleiben. In bezug auf diese wurde im Anschluß an die von den Rechts- anwälten Dr. B e n d i x. Dr. Klee und Dr. Großmann ge- meiniam formulierten Beweisanlräge vom Vorsitzenden Landger.-Drr. Becker folgender Gerichtsbeschluß verkündet. Die Verhandlung wird wegen der den Angeklagten zur Last gelegten Untreue in bezug auf die Hypothekenfälle auf unbestimmte Zeit ver- tagt, weil dies mit Rücksicht auf die eriorderliche Ergänzung der Anklage und die Vorbereitung der Verteidigung angemessen erscheint. Insbesondere bedarf die Anklage einer weiteren Vorbereitung in der Richtung, in wie weit eine Deckung des Leihhauses zur Zeit der Vornahme der einzelnen Geschäfte durch die speziell verpsändelen oder allgemein hinterlegten Werte bestanden hat, sowie eine Erörterung darüber, welchen Gegenwert das Leihhaus in den ein- zelnen Fällen zur Verfügung Halle, welche Taxen den Angeklagten vor Abschluß der Geschäfte vorlagen und welche Angaben ihnen von den Beteiligten, insbesondere von S ch i i s m a n n gemacht worden sind. In dem nunmehr wesentlich eingeschränkten Rahmen wird die Verhandlung über die übrigen Punkte der Anklage am M o n- t a g sortgesetzt werden. Zusteckung an Gefangene. Am 25. August 1915 erließ der Oberkommandant in den Marken eine Verordnung dahin: Wer an Kriegsgefangene unbefugt Alkohol und andere Genussmittel verabfolgt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Wegen Ver- stosses gegen diese Verordnung-: hatte sich gestern der Gas- a n st a l t s a r be i t e r Otto Lehmann vor dem Schöffengericht Äerlin-Mitte zu verantworten. Der Angeklagte war in einer der städtischen Gasanstalten tätig, wo auch zahlreiche Kriegsgeiangene arbeiten. Eine von ihin verlassene Geliebte hatte, um sich an ihm zu rächen, zur Anzeige gebracht, daß er den arbeitenden Kriegsgefangenen Branntwein und Bier zustecke und dafür von diesen reichlich bezahlt werde. Die angestellten Ermittelungen ergaben die Richtigkeit dieser Beschuldigung. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, daß er sich zu diesen geheimen Lieferungen nur aus Mitleid mit den beireffenden Kriegsgefangenen verslanden babe. die mit Rücksicht aui die große Hitze, in der man bei den Gasanstalten arbeiten müsse, ihn wieder- bolt und dringend um solche Zuwendungen gebeten hätten. Seine Versicherung, daß er bei diesem verbotenen Handel nichts verdient habe, glaubte ihm das Schöffengericht angesichts seiner Vorstraien nicht: es verurteilte den Angeklagten zu vier Wochen Ge- iängniS._ Mus aller Welt. Wie einst im Mai. In der Zeit des großen Umlernens verlohnt es sich schon, hin und wieder auch auf jene Kreiie hinzuweisen, die es nicht nötig zu haben glauben, ihren Kampf gegen die Arbeiterklasse, gegen die sozialdemokratische Partei nunmehr aufzugeben. Nicht einmal die kleinliche und gehässige Art der Versemung, die sie immer gegen unsere Anhänger ausgeübt haben, geben sie auf, selbst dort nicht. wo man den Stein des Anstoßes aus dem Wege zu räumen be- reit ist. Charakteristisch für das Festhalten an der alten KampfeSart ist ein Vorgang, über den die„Bergarbeiter-Zeitung" berichtet. Am 29. Februar verunglückte bei einer Explosion auf der Deutschland- grübe in Schwieniochlowitz der Bergmann Johann Pajonk. Nach vierzehntägigen Qualen verstarb er im Knappschafts- lazarett in Königshütte. Am 17. März fand die Beerdigung statt. Diese sollte aber nicht ohne Aufregung vor sich gehen, dafür sorgte schon ein katholischer G e i st l i ch e r. Der Verstorbene war zu Lebzeiten eifrig für die Arbeiterbewegung tätig gewesen und hat für seine Ueberzeugung schwere persönliche Opfer gebracht. Unter anderem bekleidete er auch den Posten eines Vor- sitzenden im sozialdemokratischen Wahlverein Neudorf. Zu seiner Beerdigung hatte sich daher außer anderem zahlreichen Leichengefolge auch die Leitung der Parteiorganisation eingefunden..Es sei gleich vorweg gesagt/ bemerkt die.Bergarbeiter-Zeitung", daß die Kränze eintvandfrei und nicht mit roten Schleifen ver- sehen waren, auch keine verletzenden Inschriften trugen. Der Kranz der Parteiorganisation trug nur folgende Inschrift:.Tie letzten Grüße. Gewidmet vom Sozialdemokratischen Verein Neudorf/ Dennoch wurden die Kränze von dem katholischen Geistlichen einer scharfen Zensur unterzogen, und als er die obige Inschrift gelesen hatte, sagte er init vor Aufregung bebender Stimme:„Wenn dieser Kranz im Leichenzug mitgeführt wird, gehe ich nicht mit. Eins von beiden kann es nur geben." Trotzdem man den Herrn daran erinnerte, daß durch sei» Verhalten die sechs Kinder des Verstorbenen, die vor einigen Jahren auch die Mutter durch den Tod verloren hatten, in dieser schweren Stunde noch gefoltert würden, trotzdem man darauf hinwies, daß auch Sozialdemokraten im Felde bluten und sterben müßten, und trotz- dem man auch auf das Wort des Kaisers verwies:„Ich kenne keine Parteien mehr": der Geistliche ließ sich auf nichts ein, ging über eine Stunde im Lazarettpark spazieren und ließ die erregte Trauer- 'Versammlung warten. Erst als ein herbeigerufener Polizeibeamter erschien und an den Kränzen nichts Anstößiges fand, bequemte sich der Pfarrer, seines Amtes zu walten.(z) Brand in einem Lazarett. Wie au» Freiburg(Breisgau) gemeldet wird, brach im Tachstuhl des Qberrealjchulgebäudes, das zurzeit als Reservelazarett dient, nachts Feuer aus, das sich auf den ganzen Dachstuhl ausdchnte und den dritten Stock teilweise be- schädigte. Die Verwundeten wurden borläufig in der neuen lliri- versität und im Parkhotel mrtergebracht, verletzt wurde niemand. Die Entstehungsursache ist bisher nicht aufgeklärt. Schweres Straßenbahnunglück in Wien. In Wien stießen am Freitag zwei Straßewbahirzüge in voller Fahrt zusammen. Da die Züge voll besetzt waren, wurden zahlreiche Personen verletzt. Man spricht von fünfzig Verletzten, unter denen sich einige Schwerverletzte befinden sollen. Bisher wuvde kein Todesopfer gemeldet. Der Motorführer, dem die Schuld an dem Unglück beigemessen wird, konnte noch nicht vernommen werden, da er sich unter den Verletzten befindet. In einer Sandgrube verschüttet wurden bei Bebra drei Schul- knaben. Der eine von ihnen wurde getötet, während die beiden anderen schwere Verletzungen erlitten. Das Urteil im Mordprozetz Thies. Am Donnerstag gegen Mitternacht wurde das Urteil gegen die beiden Angeklagten Olga K a l l i e s und Otto Thies gefällt. Olga Kallies wurde der Beihilfe zur Ermordung der Frau Thies schuldig befunden und zu sechs Jahren Zuchthaus sowie sechs Jahren Ehrverlust ver- urteilt.— Der Angeklagte Otto Thies wurde von der Anklage der Begünstigung freigesprochen und sofort aus der Haft ent- lasten. Die Angeklagte Kallies brach bei Verkündung des Urteils bewußtlos zusammen._ parteivercmftaltungen. Bohnsdorf. Den Teilnehmern an der Jugendweihe In Adiersbo! zur Nachricht, daß Sie Bohnsdorser Genossen ll,'2 Uyr vom Bahnhos Grünau absahren. Der Erntritt zu der Jugendweihe ist frei. flrrireligiöte Gemeinde. Sonnlag, den 2, April ISIS, vor- mittag» S Uhr, Pappel-Allce 15/17; Neukölln, Jdeal-Pasinqe: Tegel, Bahn- hosstr. IS, und Oberschöneweide, Klaraslr, 2: Freireiigiösc Vorlesung— Vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag de? Herrn Wilhelm Bölfche:.Die Erfindung des Wertzeugs bei Mensch und Tier". Eingegangene Druckschristen. Von der»Renen Zeit-« ist soeben das 27, Hes! vom l. Band des 64, Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt dcs Heftes beben wir hervor: Der Hundertmarkichein in Mitteleuropa,— Der rote Faden der vreußilchen Geschichte. Von F, Mehring.(Forderung und Schlug,>— Feuilleton: Die von der Seetentulrur, Von Otto Köster,— Literarische Rundschau: Dr, D, Strutz, Die Besteuerung der KriegSgewinne, Von A. Hosrichler, Rudolf Euckcn, Die Träger des deutschen Idealismus, Von C, Notier. Bon der.Glciclivett-, Zeitschrisl iür dre Interessen der Arbertertnnen, itt uns soeben Nr. 14 dcs 26. Jahrganges zugegangen. Aus dem Jnbalt dieser Nummer heben wir hervor: Zum Gemeindewahlrechi bin I Von Mathilde Wurm,— Die ErwerbSlosensüriorge in der Textilindustrie, Von Hermann Jäckel.(Schluß.)— Zur Richtigstellung.— Aus der Bewegung: Bon der Agitation,— Gewerkschasttiche Rundschau,— Genossenichastüche Rundschau. Von II, F.— Notizenteil: Für den Frieden.— Frauemtiinm- recht.— Arbeitslosigkeit der weiblichen Erwerbsräligen.— Soziale Für- sorge,— Frauenarbeit. Vom»Wahren Jacob« ist soeben die 7, Nummer dcS 33, Jahrganges erschienen, die ein guteS Bild des verstorbenen Reichstagsabgcordnclen August Kühn bringt._ öriefkasten der Redaktion. Die lurrslrsche Sprechstunde findet für Abonnenten Sünden(U, 8, rr. voi rechts, parterre, am Montag bis FreUag von 4 bis 7 Nur, am Sonnavend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den B r t e f l a st e n belnmmten Antrage lst ein Buchttabe und eine Zahl als Merlzerchen berzusügen, BnclUche Antwort wrrd tttch: erteilt. Antragen, denen lerne AbunnemenlSouitiung bergefügt ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man rn der Svrechttunde vor, Verträge, Schriftttücke und derglcichen bringt ma> in die evrrchtiunde mit E. M. 1. Der Wirt kann sich an den Wirtschaft? geoenttänden tür die Mictsschuld schadlos halten, 2, Für die Kündigung im Todessalle kommen zunächst die Bestimmungen des Vertrages in Anwendung. Sehen Sie den Verlrag genau durch. Wahrscheinlich haben Sie im Todessalle die Berech- tigung, spätestens zum 1. Ottober zu kündigen, 3, Entbindung vom Ver- trage findet unter den vorder genannten Bedingungen statt,— Kue. Gegen diese Anordnung des Kömpagniesührers läßt sich nichts unter- nehmen.— B. 9. Da Sie aus dem MUit rverbällnis wahrscheinlich entlassen find und Ihre Rente bereits festgesetzt ist, ferner die Heilbehand- lung nicht durch die Militärbehörde, sondern durch die Landesoersicherungs- anstalt erfolgt, so hat Ihre lkrau keinen Anspruch mehr rnrs Unterstützung. — Robl. 2. 1. Nein, die Firma kann in diesem Falle weder zur Zahlung des Fahrgelde? noch der versäumten Zeit verpflichtet werden, Sie müssen von der Militärbehörde Zurückerstartung des Fahrgeldes und Löhnung Iür die versäumten Tage sordcrn, 2, Wenden Sie sich mit einer Beschwerde au das Militärbureau des Magistrats, Klosterstraßc 67.— E. W. t8 — F. M. 166. Sie müssen zunächst vom zuständigen Armenvortteber ein Armen rtlest beanspruchen und unter Einreichung dieses Atteste? beim zuständigen Gericht die Beiordnung eines Rechtsanwalts beantragen,— Hertha 43. Da Sie den Kausoertrag unterschrieben haben, kann die Klage gegen Sie anhängig gemacht werden. Wir würden Ihnen raten, sich mit der Firma zu einigen. Sollte Ihnen eine Klage zugestellt werden, so kommen Sie mit dieser zu uns in die Sprechstunde.— Älter Abonnent. Jungstr. 13. Wir halten eine Beswajung Ihrer selbst sowobl als auch Ihrer Söhne sür vollständig unmöglich. Es bandelt sich dabei jedenfalls um ein salsches Gerücht.—(5. 16. Die Ziffer bedeutet: Uebcrzabt von Finaern.— P. M. Bethanien. 1. Die Zahlung der staatlichen In- validenrente ist davon abhängig, daß der Verwundete nur noch zu 33'/,'l, erwerbssäbig erachtet wird. 2. Wir emvsehlen Ihnen, den Antrag auf In- validcn- bezw, Krankenrente sos rt beim Versichenmgsamt in Berlin, Klosterstr. 67, unter Beisügung Ihrer Ausrechnungsbescheinigungen, der Jnvalidenkarten und einer Bescheinigung des Lazarettarztes einzureichen. Die Rente wird Ihnen von der 27. Woche der Krankheit an gezahlt. 3. Sämtliche Ausrechnungsbescheinigungen müssen beigesügl lverden. 4. Unter 2, bereits angegeben.— W. S. 836. 1. und 2. Nein. — W. Z. 50. Die Stadt Berlin hat noch leine Waldschulen eingerichtet Eine hierzu bestimmte Fünsmillionenstistung eine? Rentiers Revphan steht einstweilen erst aus dein Papier. Wegen Ausnahme dcS K ndes in eine Heimstätte der Stadt hätten Sie sich mit Arztaltest an das Heimstätten- turatorium zu wenden. Kostenlose Attestsormutare gibt eS im Ausnahme- bureau,>wtralauer Sw. 44/45. Beste Zluslunst über eine zweckdienliche Pflegeunterbringung könnte wohl der Schularzt selber erteilen. Ihm ist ja der Zustand des Kindes bekannt,— G. S. 100. Ist enthalten in der Nummer 306 unteres Blatres, Einzusehen bei Ihrem Spediteur. — Scharfes Eck im Felde. Briej erhalten,— A. Z. 32. Die Bezeich- nung kann mrr kriegsverwendungsjähig heißen.— M. D. 16. Die Wartezeit von 10 Monaten ist auch in diesem Falle vorgeschriebeir; Sie könnten aber Besrciung von der Wartezeit beantragen.— Neukölln Sil). Die Anwartschaft auf Rente besteht bei Ihnen noch. Stellen Sie einen 'Antrag auf Gewährung der Jnvatrdenrente.— 2123. Fr. R. Unseres Erachtens ist das Ausstellen der Fanakörbe auch jetzt noch verboten,— A. W. 3. 1. Wenn es sich bei der Pfändung der Sachen um Eigentum eines Kriegsteilnehmers handelt/ so kann der Wirt die Sachen nicht ver- steigern lassen, solange der Schuldner noch beim Heere steht. 2. Die Strasen sind gelöscht, und zwar ohne besonderen Antrag Ihrerseits, wenn feit 1906 Bestrafung nicht mehr erjolgt ist.— K. M. 140. Sie müssen sich beim Bezirksfeldwebel melden.— H. S. 36. Sie brauchen sich nicht zu melden.— Sabor 11. Ja. Stellen Sie einen Antrag beim Versicherungsamt. Klosterstraße 67.—«. L. 3. Dafür ist leine bestimmte Frist vorgesehen, Sie müssen durch ein Gesuch an den Juslizministec Befreiung vom Eheverbot beantragen,— 91. E. L.®. Etwa 200 Mark. M. K, 34. Sie sind zur Herausgabe der Stühle verpflichtet und. können Ersatz dafür nur vom Vertäuser verlangen,— S. Br. 4. Bringen Sie das Kind eventuell in Waisenpflege und teilen Sie dem Vormund des Kindes mit, daß der Vater seiner Unterhallspflicht nicht mehr nachkommt, WetterauSnchteu für das mittlere Norddeutfchland di» Sonntag mittag. Im Küstengebiete vielfach wolkig und stellenweise etwas Regen: im Bmnenlande trocken und ziemlich heiler, am Tage überall mild, in der Nacht zu Sonntag im Süden leichter Frost. Ur. 9!. 33. Jahrg. SMs-KkilGt i>ts JmniiMs" ffit llotkn�ifii, 1 April l916. lEllliiuumii||||iiiiiii!iiii||||iiiiiiiiiitii|iiuiiimiiii||iiiiiiiuii|j|||{||||||iiiiiiiiiiii{{||iiiiiiuiiii||||tiiiiiiiiiii|{|||iiuuuiiii||i i Stets lohnende I = UiuiiuiiiiiiiiiiiniininiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiKiiiiiimiMiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiun= S m Schuiworen. finden Sie bei uns. Wir liefern trotz m der grossen Teuerungen Ihnen zu billigen Preisen beste Qualitäten und ist jedes Paar gediegen ausgearbeitet. M Dam. Spangenschuhe n» I mit hohen und flachen Absätzen.........■= Dam.- Schnürschuhe o«] mit Derby und Lackkappe............ v Einsegnungs- Stiefel ia»] für Mädchen, elegante Form........... i" Herren-Stiefel qss| mit Lackkappe ucd Derby............ v Kinder- Stiefel 1 Lcincn-Schwlie 1 bequeme Naturformen(weiss, in allen Grössen Neuheiten in Halbschuhen u. 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Januar 1316 zwischen der sozialdemokratischen Fraktion des deutschen Reichstages, dem sozialdemokratischen Parteivorstand und Parteiausschuß, der Generalkommission und den Vorständen der deutsche» Gewerk- schasten, einerVertretung des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine und einerVertretung der sozialdemokratisÄ)eii Partei Oesterreichs und der österreichischen Gewerkschaften in Äerlin über die wirtschaftliche Annäherung Deutschlands und Oesterreich-Ungarns stattfanden. 84 H.& P. Uder, Tabak-<*roUiiandiniig und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. 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