Dr. 94.-33. Jahrg. nbonnenientS'Bcdlngungen: aSotutMncrüä• Preis pränumerando: VicrtelMrl. L,S0 SA., inonatl. 1,30 Mi, wöchonilich W Pfz. frei ins Haus. Einzelne Nnnuner 5 Pfg. Sonntags. Eüißetragen in die Post-ZeitnnaS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L.oO Mark, für das übrige Ausland . Mark pro Monat. PostadonnemenlS nchinen an Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Kuinäiucu. Schweden und die Schweiz. C 5 Pfennig) Die TnfertionS'Gcbflljr tetrigt für die fechSgespaltene Kiilonel- »eile oder deren Raum M Big, für politische und gewerkschaftliche LereiuS- und Berfauunlungs-Mzeigcn 30 Pfz. „Meine Znoeigen", das iettzedruckle Wort A Pfg.(zuläsflg 2 scttgedruckl- Worte), jedes weitere Wert 10 Psg. Stellengesuche und Echlässtellencht- zeigen das erste Wort 10 Psz„ jedes weitere Wort ö Psg. Worte über tö Buch- Ilaben zablen für zwei Worte. Inserate für die nächste Lkumutcr müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werdvt. Tic Expeditio» tji bis 7 Uhr abends gcossticl. kUcheliil Uigstch. Verlinev Volksblskk. relegramm-Adresse: »Zorläilicmslkkäs ScMii". ZcntraXorgnn der rozialdcmokrati fchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: SW. öS, Lindenstraße 3. Feruwrecher: Amr Moritzvlat,. Nr. löl SV— 1!»I S7. Sozialdemokratie und Schutzzoll. Uns wird geschrieben: Die anormalen politischen Zustände führen auch in den innerpolitischen Verhältnissen zu manchen Neuerungen, die nicht gerade allgemeine Zustimmung finden dürfte. Als eine solche Neuerung halten wir auch die Arrangierung einer Ver- Handlung über„die wirtschaftliche Annäherung Deutschlands und Oesterreich-Ungarnö", die am 9. Januar d. I. statt- gesunden hat. Nach dem jetzt veröffentlichten Protokoll*) waren vertreten die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, der Parteivorstand, Gcneralkommission und Vorstände der Ge- werkschaftcn, der Zentralverband deutscher Konsumvereine, dann die sozialdemokratische Partei Oesterreichs und die öfter- reichischen Gewerkschaften.. Solche Verhandlungen können sicher nützlich sein, aber unerfreulich ist, dag sie sozusagen unter Ausschluß der Parteiöffentlichkeit stattfanden, daß die Parteigenossen erst hinterher etlvas davon erfahren. Auf diese Weise bleibt die Vertretung eine rein zufällige. Für Regierungen und bourgeoise Gruppen mag es ein durchaus bequemes Verfahren sein, wenn die„Instanzen" solche Ver- Handlungen anberaumen nach eigenem Gutdünken: für eine demokratische Partei ist eL recht mißlich, schon weil dadurch der bureaukratische Zug, der in den letzten Jahren durch die Partei ging, noch verstärkt wird. Der Gegenstand der Verhandlung, die„wirtschaftliche Annäherung", hat in den paar Monaten, die seither verflossen sind, ein erheblich anderes Aussehen erhalten. Tie Begeiste- rung flaut merklich ab, man beginnt nüchtern zu rechnen und da finden die kapitalistischen Interessenten hüben und drüben ein Haar um das andere in der Suppe. Vor allem beginnt man sich daraus zu besinnen, daß es auch noch Neutrale auf der Welt gibt; diese werden entscheiden, wenn es dahin kommen sollte, daß nach dem Kriege die beiden kämpfenden Staatengruppen wirklich den Handelskrieg in irgend einer Form fortsetzen. Dann aber ist es mit dem Mittel der„Vor- zugszölle" nichts. Die Rechnung ist sehr einfach: räumt Deutschland seinem Verbündeten Vorzugszölle auf Ackerbau- Produkte ein, dann stößt es andere Interessenten, die' solche Produkte ausführen, vor den Kopf, die Vereinigten Staaten, Argentinien; das führt zu Repressalien und kann sehr gefähr- lich werden. Auf der sozialdemokratischen Konferenz beherrschte indeffen noch ganz die Vorstellung von einem auf solcher„Bevor- zugung" begründeten WirtschaftSbündnis die Debatte, die beiden Referenten Renner und G u n o w gingen davon aus.— Das bedeutet dann freilich, daß nian sich auf den Baden des Schutzzollsystems stellen muß, denn offenbar sind „Vorzugszölle" nur denkbar, wenn beide Staaten am Schutz- zoll festhalten. Es hätte daher eigentlich die Debatte mit einer Auseinandersetzung über Freihandel und Schutzzoll bc- ginnen müssen. In solche Unkosten stürzte man sich indessen nicht, sondern man nahm das System der Schutzzölle als ge- geben hin und streifte die Kontroverse nur nebenhin. Soweit das geschah, blieb natürlich die Berufung auf Marx nicht- aus.„Weder Freihandel noch Schutzzoll ist sozialistisches Prinzip.... Unsere Stellung zum Schutzzoll richtet sich danach, ob und inwieweit der Schutzzoll dem Interesse der wirtschaftlichen EntWickelung und den Lebens- interesscn der Arbeiterschaft dient oder schadet. Das ist auch der Standpunkt von Marx"— meinte Cunow. Wann wird man endlich aufhören, uns mit diesen Platt- heilen zu belästigen! Marx hat bekanntlich in seiner be- rühmten Brüsseler Rede über Freihandel und Schutzzoll im Jahre 1848 seine Stellung sehr scharf dahin präzisiert: So- länge jeder Schutzzoll dazu dient, der kapitalistischen Industrie die Existenz zu ermöglichen, solange die aufstrebende Bourgeoisie ihn braucht, um gegen die reaktionären Mächte, die Vertreter des Feudalismus aufzukommen, kann er revolutionär wirken; ist die Herrschaft der Bourgeoisie etabliert, dann wird das Freihandelssystem zum revolutionären Faktor.�„Nur von diesem revolutionären Standpunkt aus, meine Herren, stimme ich für Freihandel," schloß er seine Rede. Wer also im Marx- scheu Sinne heute Stellung nehmen will, der hat von diesem Standpunkt aus die Wirkung von Freihandel und Schutzzoll unter den gegebenen Verhältnissen zu beurteilen. Tut man das, dann ist zu betonen: der Schutzzoll hat in den kapitalistischen Ländern längst aufgehört, der Streitpunkt zwischen Bourgeoisie und den Vertretern der alten Ordnung zu sein. In Deutschland insbesondere haben Großgrundbesitz. Hochfinanz und die Vertreter der großen kartcllfähigen In- dustrie längst sich dahin geeint, daß dieses System ihnen den größten Nutzen sichert. Für den Freihandel treten nur noch die am großen Zwischenhandel interessierten Kreise ein und jene Industriellen, denen eine Abwürgung durch die Kartelle droht. Der Kampf um die Schutzzölle wird daher heute im wesentlichen geführt zwischen Arbeiterschaft und Kapitalisten- klaffe. Das Proletariat hat allen Grund, das Schutz- Zollsystem zu bekämpfen. Die Zölle wirken im Sinne der Verteuerung der Lebenshaltung und gleich- zeitig fördern sie den Zusammenschluß der Kapitalisten zu übermächtigen Kartellen, gegen die erfolgreiche Lohnkämpse auszufechten immer schwerer wird; als Konsumenten sowohl •) Verlag der„Vorwärts"-Buch Handlung. Preis 1 W. .wie als Produzenten werden also die Arbeiter durch dieses j System benachteiligt. Für die kapitalistischen Produzenten dagegen wird das System der Zölle zu einem■ Mittel, die Profitrate hochzuhalten. Im Zeitalter des Imperialismus kommt hinzu, daß der akkumulierte Profit vor allem dazu dient, die Herrschaft der Kapitalisten über Länder mit rück- ständiger Wirtschaft auszudehnen: Das neugebildete Kapital soll nach Möglichkeit dazu dienen in Ländern dieser Art, die man politisch beherrschen oder zum mindesten„beeinflussen" kann, die wirtschaftliche Herrschaft zu etablieren unter mög- lichstem Ausschluß der Kapitalisten anderer Länder; der unter dem Schutz der Zölle den einheimischen Volksmassen ab- gepreßte Mehrioert soll dazu dienen, die Volksmassen �anderer Länder der Ausbeutung zu unterwerfen. Nebenbei ist dann das System der Schutzzölle ein gutes Mittel, die Lasten des Militärstaates den arbeitenden Massen aufzubürden. In der gegenwärtigen Phase der kapitalistischen Entivicke- lung kommt noch ein weiteres Moment hinzu: Seit an- nähernd zwanzig Jahren steht der Weltmarkt unter dem alle anderen Erscheinungen beherrschenden Einfluß der Preis- steigerung aller landwirtschaftlichen Produkte. Das ist natürlich kein Zufall, sondern die Folge der gesamten kapitalistischen Entwicklung unter der Herrschaft des Schutzzollsystems. Die hohe Profitrate in der Industrie bewirkt, daß der Zufluß von Kapital in der Sphäre der Ackerbauproduktion verlangsamt wird; die Weltproduktion in der Landwirtschaft hält nicht mehr Schrirt mit dem steigenden Bedarf der alten kapitalisti- schen und der neu in den kapitalistischen Strudel geschleuderten Länder. Daher die Teuerung. Der gegenwärtige Krieg wird dieses Verhältnis noch verschärfen, die Teuerung wird noch viel größeren Umfang annehmen, darüber ist man sich all- seits einig. Damit wird aber der Gedanke von„Schutze der Landwirrschaft" offenkundig absurd. Das sind in allgemeinen Zügen die Tatsachen, die bei Beurteilung des Schutzzollsystems in Anschlag zu bringest sind. Und angesichts dessen stellt sich eine sozialdemokratische Konferenz ohne weiteres auf den Boden dieses Systems! Freilich, es wurde dann versichert, dem sei nicht so, be- sonders Viktor Adler betonte es. Er argumenttert: sebstverständlich sind wir für Beseitigung der Zölle; aber das erreichen wir ja doch nicht; dagegen können wir erreichen, daß bei der„wirtschaftlichen Annäherung" der Zölle zwischen Deutschland und Oesterreich herabgesetzt werden; wir Wirken dann also gegen den Schutzzoll.— Es ist das bei den Opportunisten so beliebte Operieren mit dem„kleineren Hebel". Nun liegen aber die Dinge so: die Tragpfeiler des ganzen Schutzzollbaues sind in Deutschland die Zölle auf Lebensmittel, werden sie beseitigt, dann stürzt das ganze System; der Krieg aber muß bewirken, daß gegen die Zölle auf Lebensmittel die breiten Schichten der Volksmassen mobilisiert werden, die Lohnarbeiter nicht allein, sondern auch die Handwerker und Krämer, die Unterbeamten, alle„Fest- besoldeten" und die Kleinbauern dazu. Denn es wird keine Rabulistik diesen Massen mehr plausibel machen können, daß bei dem gewaltigen Steigen ffzer Weltmarktpreise, bei der all- gemeinen horrenden Teuerung die Preise des Lebensunter- halteS in Deutschland noch extra durch Zölle verteuert werden müssen. Wenn wirklich die Katastrophe des Weltkrieges sonst nichts an den innerpolitischen Verhältnissen Deutschlands ändern sollte, die Zölle, die der Lebensmfttelteucrung dienen, müssen fallen. Was wird die Sozialdemokratie angesichts deffen tun? Wenn es nach den Wortführern der sozialdemokratischen Kon- ferenz geht, werden wir uns hinstellen und erklären: nein, wir brauchen das Zollschutzsystem, wir brauchen insbesondere die Zölle auf Lebensmittel, um den„geschlossenen Wirtschafts- komplex" herzustellen, bei dem wir Ocsterreich-Ungarn„Vor- zugszölle" einräumen! Es wäre ein verhängnisvolles Be- ginnen, dessen Resultat nur sein könnte, daß die Sozialdemo- kratie ausgeschaltet wird und die Volksmassen sich den„Frei- Handels-Hausierburschen" anschließen. Das wird und kann natürlich" nicht geschehen. Aber dann verschone man uns auch gefälligst mit dem Gerede über Zollbündnisse und„Vorzugs- zölle" als dem kleineren Uebel. Neue Verwickelungen in Üer U-Soot-Zrage. New York, 29. März. sW. T. B.) Durch Funkspruch vom Vertreter des W. T. B. Die O-Boot-Frage wird dadurch verwickelter, daß das Staatsdepartement von dem amerikanischen Konsul in Oueenstown amtlich benachrichtigt wurde, daß der Dampfer „Manchester Engiueer" mit zwei amerikanischen Negerviehhändlern an Bord torpediert worden ist. Die amerikanische Botschaft in London hat die amc- rikanische Regierung benachrichtigt, daß drei amcrika- Nische Ucberlebende von dem britischen Pferdetraus- portschiff„Englishman" unter Eid ausgesagt haben, daß der„ E n g l i s h m a n" beschossen und t o r p e- d i e r t wurde. Infolge der Tatsache, daß das Schiff mit Granaten beschossen wurde, neigen die Regierungskreise der Ansicht zu, daß eS einen Fluchtversuch unternommen habe. Die heute aus Dover beim Staatsdepartement ein- gelaufenen Meldungen scheinen nach Llussage amt- licher Kreise die ursprüngliche Annahme, daß die»Suffex" torpediert wurde, zu bestätigen. New Jork, 28. März.(Durch Funkspruch vom Vertreter des W. T. B.) Mitglieder des Kabinetts erklärten nach einer Sitzung, das im Besitz der Vereinigten Staaten befindliche Beweismaterial betrefscnü den Fall der S u s s e x sei nicht überzeugend genug, um im gegenwärtigen Augenblick zu einem entscheidenden Schritt zu berechtigen. Deshalb sei be- schlössen worden, von Teutschland Erkundigungen einzuziehen, ob ein deutsches tzl-Boot die„Sussex" torpediert habe. „E v e n i n g Po st" sagt in einer Depesche aus Washington: Die übettviegende Stimmung in der Kabinettssitzung war für einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland, wofern nicht der gegenwärtige Zwischenfall in zufriedenstellender Weise aufgeklärt und feste. unzweideutige Zusicherungen für das künftige Verhalten der deutschen O-Boote gegeben werden könnten. Das allgemeine Gefühl war, daß setzt eine b e st i m in t e n n d klare Aussprache mit Deutschland stattfinden muß. Tic Nei- gung Wilsons und Lansings ging dahin, keine eiligen Maß- nahmen zu ergreifen, sondern das Ergebnis der Unter- suchungen Gerards abzuwarten. Es war jedoch nicht zu ver- kennen, daß die Regierung entschlossen ist, ohne langen Aufschub eine Entscheidung in der Unterscebootfrage herbeizu- führen. Für den Augenblick tritt selbst die heikle mexikanische Lage hinter der Dringlichkeit eines Verständnisses mit Deutsch- land zurück. Die Regierungskreise sind geneigt, Deutschland gegenüber bei seiner Führung des Unterseebootskrieges jede Rücksicht zu nehmen, aber ein Angriff aus ein unbewaffnetes Fährboot ist, so erklären sie, unentschuldbar und macht alle Zusicherungen so gut wie wertlos, die früher in der ausgedehnten Unterhandlung mit dem Grafen Bernstorff gegeben wurden. New Zork, 3. April.(Funkivruch des Vertreters von W. T. B.) Die Nachrichten aus Washington heben nach wie bor den Ernst der Lage in der Unterscebootfrage hervor. Als Präsident Wilson iliid daS itabitteti gestern eins Besprechung hatten, sahen die Kabinettsmitglieocr die Frage als ernst an, aber sie gaben an. es werde nichts Em- scheidendes unternommen werden, bis schlüssig dargctan sei, daß die Dampfer„Ens sex" und„Englishman" von einem Unterseeboot persenkt lvorden seien. Obwohl die Mehr- heit der amoesenden Kabinettsmitglieder der Meinung waren. daß die.„Sussex" torpediert worden sei, verkennt man nicht, daß Aniertka sich in schwieriger Lage befinde, wenn nicht sicheres Beweismaterial beigebracht würde. Ein Kabinetts- nnnister war der Meinung, das Schiff sei auf eine Mine ge- laufen.— Washingtoner Nachrichten des„New Jork American" besagen, die Bemühungen der Feinde Deutschlands, die Vereinigten Staaten wegen des„Suffex"-Zwischenfalles mit Deutschland in einen Konflikt hineinzutreiben, würden in Marinekreisen als lächerlich angesehen. Man weist darauf hin. daß, wenn ein Torpedo eines Unterseebootes den Bug der „Sussex." getroffen hätte, wie die französischen und britischen Meldungen behaupten, sie unmöglich flott bleiben und die Küste hätte erreichen können. Präsident Wilson will die Nach- richten über die„Süsser" imd den„Englishman", die erlangt werden können, dem Kongreß unterbreiten, uni zu erwägen. ob das Betveismaterial daraus hinweist, daß einer von den Dampfern ohne Warnung torpediert worden sei. Staats- sekretär Lmising ist auf Grund des ihm vorliegenden Mate- vials durchaus nicht sicher, daß die„Suffex" torpediert ist; dje Vermutung von der Versenkung durch eine Mine ist nicht ab- getan. Marineoffiziere, die um ihre Meinung befragt worden sind, weisen darauf hin, daß die Tatsache, daß das Schiff am Bug getroffen worden ist, die Vermutung nahe legt, daß es ans eine Mine gestoßen ist._ Mßerorüentlicher Ministerrat in �ollanö. Haag, 3. April.(W. T. B.) Heute nachmittag wurde wiederum ein außerordentlicher M i n i st c r r a t abgehalten. Störung öer telegraphischen Verbindung Englands mit Holland. «msterda«, 3. April.(W. T. v.) Da von Sonnabend abend bis Sonntag abend keine Telegramme aus England hier an- gekommen sind, glaubt man, daß die Tclegraphenleitimgen bei dem letzten Zeppelinangriff beschädigt lvorden sind. (desterreichisthe Erklärung zur„Tubantia"- Affäre. Haag, 8. April.(W. T. B.) Der österrcichisch-ungarische Gesandte teilte dem Minister des Aeußern mit, daß sich zur Zeit, als die„Tubantia" zerstört wurde, kein einziges öfter- reichisch-ungarisches Unterseeboot an der Unfallstelle befand. Die verjchärste Dlockade. Magdeburg. 3. Aprit.(Privattelegc.) Die„Magdeburgi- sche Zeitung" erfährt aus Genf: Parffer Blättermetdmigen zv- folge ist der Beginn der verschärften Blockade seitens der Berbandsmächte gegen die neutralen Länder aus den 18. April festgesetzt worden. Die neutralen Regierungen sollen gc- maß dem Beschlüsse der Pariser Konferenz bei der Ankündigung der Blockadeverschärsung in aller Form davor gewarn! werden, die Blockade zu umgehen, Griechenlanö und die Entente. Athen, 2. April.(Vom Privatkorrespondenten von W. T. B.) Di« Vertreter Salonikis in der griechischen � et m m e r haben die Regierung ersucht, von der Entente zu ver» langen, daß sie ihre Stäbe und Munitionslager von Saloniki fort- schaffe, da sie gegebenenfalls die Entente für weitere Lust- bombardement» seitens deutscher Flugzeuge gegen die Stadt verantwortlich machen würde. Athen. 3. April.(W. T. B.) lHavasmelduug.) Eine Abordnung von mazedonischen Deputierten erkundigte sich bei ZkulirdiS nach dem Stande der Angelegenheit der Schaden- ersahleistung für das erste Bombardement von Saloniki. SkuludiS soll Hestia zufolge geantwortet haben, daß er die Zustimmung Briands zur Ernennung eines griechi'chen Offi» ziers als Mitglied der Untersuchungskominissioil erwarte. Der französische Tagesbericht. Paris, S.April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom S o»» t a g n a ch in i t t a g. Westlich der Maas ziemlich lebhast» Beschießung unserer Stellungen im Walde von Avocour ohne gliifanterieunternehmung. Oesllich der Maas verlief die Nacht ruhig. Ter Feind unternahm in der Gegend von Douaumont und Vaux leinen neuen Versuch. In der Woevre schwache Vrtillerietätigkeit. Bon der gesamten Front ist aus dem Verlauf der Nacht kein Ereignis zu melden. P«riS, S. April. zW. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonntagabend. Zwischen Gomma und Oise war unsere Artillerie besonder« tälig in der Gegend von Parviller«, FouqueS- eourt und Lossign», wo die deutschen Schützengräben durch unser Feuer verschüttet wurden. Westlich der Maas richteten die Deutschen mehrere starke Angrisse auf das Äernwerk«Reduit) von Avocourt. All« Stürme wurden durch unser Sperr- und Maschinengewehrfeuer obgewiesen. Lestlich der Maas war der Kampf während des ganzen Tage« sehr lebhaft in der Gegend von Douaumont und Vaux. Die Deutschen unternahmen nach einer äußerst heftigen Beschießung mit Granaten schworen Kalibers vier gleichzeitig ausgeführte Angriffe mit Truppen, deren Stärke mehr als eine Division betrug, gegen iinfere Stellungen zwischen dem Fort Douaumont und dem Dorfe Vaux südöstlich des Forts von Douaumont. Die Deutschen prangen in daS Gehölz von La Gaillette ein. Unsere sofort unter« nommenen Gegenangriffe warfen sie in den Norbteil dieses Gehölzes zurück, unsere Linie verläuft läng« der unmittelbaren Zugänge deS Dorfes, dessen letzte zerstörte Häuser wir geräumt haben. In der Woevre zcilweise unlerbrochene Artillcrielätigkeil. Im Priester- walde wurde ein Aviatiiflieger durch unsere Ballonabwehrgeschütze abgeschossen. TaS Flugzeug siel in die deutschen Linien herab. In den Vogescn rief das Feuer unserer Batterien eine Explosion in cincni MnnitionSdcpot östlich des ReichSackerlopfcS westlich von Münster hervor. In der Nacht zum 2. April warf eines unserer Kampfgeschwader achtundzwanzig Geschosse auf den Bahnhof von Etain und auf die BiwackS an den Zugängen deS Dorfes Nantillois herab. In der gleichen Nacht warfen drei unserer Flugzeuge zweiundzwanzig Geschosse ab, die in den Dörfern AzanncS und BrieulleS an der Maas Brände hervorriefen. Am 2. April schössen unser, Flieger drei feindliche Flugzeuge an der Front von Verdun ab. Zwei andere deutsche Flugzeuge mußten in Per gleichen Gegend jäh niedergehen. Schließlich wurde ein feind- ncher Drachenballon von einem unserer Flugzeug« in Brand ge- Ichosieu...... B e lgisch e r B erich t: Die belgische Artillerie hat während per ganzen Nacht die deutschen Stellungen bei Wertem beschossen. Hern« heiliger Geschützkampf im Abschnitt östlich von RamSkapelle und in der Richtung auf Dixmuiden. Die Beschießung von Reims. Pari«, 2. April. sW. T. Ö.) Wie.TempS" meldet, hat die Beschießung von ReimS am 27. März bedeutenden Schaden ange- uchlet. Dreihundert Granaten wurden verfeuert und fünfundzwanzig Personen verletzt, zehn davon tödlich. Die englische Meldung. London, 3. April. kW. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t. Letzte Nacht nahmen wir bei«aint Elvi einer Offizier und vier Mann ge- 'angen. Die beiderseitige Artillerie zeigte fich bei Souchez, Angre« Voo» und Saint ttloi tätig. Ebenso herrscdie aus beiden Seiten Minent&tigleit bei Hulluch und der Hohenzollernschange. Zwei seinMiche Flugzeuge wurden gezwungen, hinter den seind- Uchen Linien niederzugehen. Eines unserer Flugzeug«, das gestern uufgestiegeu war, ist nicht zurückgekehrt. Der russische Kriegsbericht. Petersburg, 3. April.Balandras. Er erinnerte daran, datz die Freündschaft zwischen Italien und England nicht erst seit gestern be- stehe und datz da« nationale Leben der beiden Völker zu einem großen Teile aus den gleichen Quellen gespeist und vom gleichen Geist des Hasses gegen die Tyrannei, der Liebe zur Gerechtigkeit, der Leidenschaft für die Freiheit, dem Gefühl von der Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz und der Freiheit des Gedaickcns und deS Wortes beseelt sei. Er sagte: Wir werden entweder zusammen widerstehen oder zusammen fallen. Indem wir so Widerstand leisten, wie wir eS tun, werden wir einen enrtjfieidenden und dauernden Sieg erkämpfen, nicht nur für un« selb st, sondern auch für unsere Nachkommen und für die Zukunft der Zivilisation. Römische fibschieösklmögebungen für Rsqulth. Rom, 3. April.(W. T. B.) Meldung der Agenzia Stefani. Au« Anlaß der Abreise von AuSquith fand am Sonnlag abend eine von der interventionistischen Bereinigung veranstallete Kundgebung statt. Unter den Klängen der Musik begab sich die Bereinigung, von einer sehr zahlreichen Menge gefolgt, zum Babnhof. Unter den Fahnen, die der Zug mit sich führte, befaikden sich die der Bier- Verbandsmächte und die von Trienl, Trieft, Jstrien und Dalmatien. Salandra, Sonnino, die anderen Minister und Staatssekretäre, der Botschafter Italiens in London, der Präfekt, der Bürgermeister und andere waren zur Verabschiedung LsquilhS aus dem Bahnhof er- schienen. Der Abschied gestaltete sich sehr herzlich. Die Menge bracht« dem englischen Premierminister lanaandauernde Huldigungen dar. Mit Asquitb stiegen der englische Boffchaster in Rom, Rennell Rodd, und der Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, General Elia, in den Zug, die den Gast zur Front begleiten werden. Renöerung öer Militärgerichtsbarkeit in Rumänien. Bukarest, 3. April./� Kilogramm.) DaS liegt nicht eiwa daran, datz die NahrungS- mittel in diesem Lande knapp sind wie in einzelnen vom Kriege be- troffenen Ländern. Wir hatten vielmehr im letzten Jahre die größte Weizen er nie in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die sehr gute Ernte des Jahres 1014 betrug 892 Millionen Bushel; die Ricsenernto de- letzten Jahres 1011 Millionen Bushel. Was das Brot hier so teuer gemacht, ist die große W e i z e n a u S f u h r- In den ersten zehn Monaten des Jahres 1014 wurden 123 804 067 Bushel Weizen im Werte von 126 127 532 Dollar ausgeführt; im selbe» Zeitraum deS Jahres 1913 170 703 686 Bushel im Werte von 231396 731 Dollar. Aehnlich stieg die Ausfuhr von Weizen- mehl, und waS für die Hauptbcotfrucht gilt, gilt auch von vielen anderen Lebensmitteln. Amerika nährt die kriegführenden Länder, und das amerikanische Volk mutz darunter leiden. Datz das Geschäft in einigen Industrien sehr flott geht, ändert daran wenig. Wohl haben viele Arbeiter in diesen Betrieben eine Lohnzulage er« halten, aber der geringe Mehrverdienst wiegt bei weitem nicht die Verteuerung der Lebensbedürfnisse auf. Allgemein beklagen sich die Hausfrauen über die hohen Preise, die man ihnen abverlangt und die die Händler stets mit dem Hinweis auf den Krieg zu recht- fertigen suchen. Unter diesen Umständen ist es zu ver- stehen, wenn sich das amerilaniiche Volk nach dem Frieden sehnt, der wieder geregelte Verhälinisse und hoffentlich niedrigere Preise bringen wird. Gewiß findet dieses Gefühl bei den Kriegslieferanten keinen Resonanzboden, aber diese Klasse Menschen ist ebenso wenig das Volk wie anderswo. Es ist eine durchaus irrige Annahme, datz die Amerikaner die Verlängerung deS Krieges wünschen. Die große Masse des werktätigen Voiles will den Frieden, weil sie unter dem Kriege leidet; und übrigens ist daS amerikanische Volk ebenso human wie ein anderes Volk. Eine kleine Erleichterung wird wahrscheinlich der jüngste Be- schlutz der englischen Negierung. die Einfuhr weiter einzuschränken, bringen. Wie verlautet, soll die Einruhr von Konlervenfleisch, Ziironenfrüchten, Aepfeln und Tabak nach England auf ein Drittel deS bisherigen Betrages beschränkt werden. Die» sind Waren, die in großen Mengen aus den Vereinigten Staaten bezogen werden. England sieht ein, datz es auf die Dauer die amerikanische Mehr- einfuhr nicht mit Gold und Wertpapieren bezahlen kann. Die Eng- lander müssen sich daher in bezug auf den Konsum der vom Au»' land kommenden Waren einschränken. Tie englische Regierung soll auch beabsichtigen, den Ankauf von Vorräten, die in den Vereiniglen Staaten bleiben, zu vereiteln. Unter diesen Umständen kann man hoffen, datz hierzulande wenigstens die Preise einiger Lebensmittel, wie zum Beispiel die der Fleischkonserven, die ein sehr wichtiges Volks» Nahrungsmittel sind, fallen werden. Für die amerikanischen Kapitalisten ist diese Handelspolitik der Engländer allerdings eine unangenehme Sache. Nach Großbritannien ging im letzten Jahre ein Drittel der ganzen amerikanischen Ausfuhr, Waren im Werte von 1190 Millionen Dollar. Frankreich, daS für eine halbe Milliarde, Kanada, das für 344 Mllionen Dollar, und Jlalien, das sür eine Viertel Milliarde Dollar amerikanische Waren nahm, werden auch nicht reicher und werden wohl in die Futzstapsen Eng- lands treten müssen. Man rechnet damit, datz die Mehrausfuhr, die im Dezember des vorigen Jahres eine schwindelnde Höhe erreichte. bald empfindlich sinken wird. Diese von den Amerikanern uner- wartete Entwickelung wird den Zeitpunkt hinausschieben, an dem die Vereinigten Staaten die erträumte Herrschaft über die Finanz- welt antreten können. Kriegsbekanntmachungen. Sendungen an Zivilgefangene in Rußland. Der Postverkehr mit unseren in Rutzland während des Krieges als Zivilgefangene zurückgehaltenen LaudAeuten be- gegnel noch immer großen Erschwerungen durch die russische Post. Pöstanweisungen an diese Gefangenen zahlt sie überhaupt nicht aus, Pakete werden mit so hohen Zöllen belegt, datz die Gefangenen sie nicht einlösen können. Bei gewöhnlichen Briefsendungen ist nickt sicher, wie sie von der russischen Post behandelt werden. Es empfiehlt sich, Briefsendungen und Geldbeträge von Deutschland aus nicht un- mittelbar an die Zivilgefangenen zu richten, sondern zur Vermitte- lung an das Dänische Kreuz in Kopenhagen zusenden. Dieses leitet die Geldbeträge durch Banküberweisung an die Empfänger weiter. Auch die Deutsche Bank in Berlin über« nimmt die Ueberweisung von Geldbeträgen an Zivilgesangene in Rutzland._ LeHte Nachrichten. Gin dcuksch-schweizerischer Zwischenfall. Bern, 3. April.(W. T. B.) Meldung der schlneizerischdii Depeschenagentur. Die Regierung des Deutschen Reiches hat dem Bundesrat durch den hiesigen Gesandten mitteilen lassen, die angeordnete Untersuchung habe ergeben, daß die Flug- zeuge, welche am vergangenen Freitag, den 31. März, über Prunktrut Bomben abwarfen, deutsche Flugzeugegewesen sind, welche die Orientierung voll- standig verloren hatten und sich über Belsort glaubten. Die Deutsche Reichsregierung spricht dem Bundesrat ihr lebhaftes Bedauern aus und teilt mit, daß die schuldigen Flieger be- straft und von ihren Posten entfernt werden würden.— Auf Anregung der deutschen Regierung wird die Frage, wie durch Kenntlichmachung der Grenze oder auf andere Weise einer Wiederholung solcher bedauerlichen Zwischenfälle vorgebeugt werden kann, zwischen den zuständigen Stellen näher geprüft Kerden, desgleichen ist eine Regelung des eingetretenen Sach- schadens vorbehalten worden. Beschlagnahme holländischer Post. Haag, 3. April.(W. T. B.) Die Dampfer„Z o a n d i j k" und „Veendijk" mutzten auf ihren letzten Reisen von Rotterdam nach New Uork die Post in England zurücklassen, ebenso die .T a b o r a", die am 3. März von Batavia nach Holland fuhr. Die Lage in China. Amsterdam, 3. April.(23 T. B.) Einem hiesigen Blatte infolge erfährt die„Armes" aus Peking, daß die Ereignisse einen ür Huanschikai ungünstigen Verlauf nehmen. In Schantung kam es zu Unruhen. Andere Provinzen sind scheinbar noch loyal; aber es ist sehr wahrscheinlich, datz sie im Geheimen Auanschikai feindlich gesinnt sind und sich im gegebenen Augenblick auf die Seite seiner Gegner schlagen werden. Eine kleine Truppenabteilung an der Ostgrenze von Nuennan ist zu den Rebeven übergelaufen. Tie Truppen in Szelschwan und Uuennan sind entweder untätig oder sie nehmen eine rebellische Hallung ein. Es herrscht allgemein da» Gefühl, datz die Regierung nicht mehr Herr der Lage ist und datz jetzt alles von der Haltung der Opposition abhängt. Das Aufgeben der monarchischen Regierungsform hat die Gegner Ducmschiiais nicht be- friedigt, und man hofft, daß er einigen seiner alten Freunde, die in- folge der monarchtschcn Bewegung ihre Aemter niedergelegt haben, die nötigen Zugeständnisse machen wird. Die Opposition verlangt die sofortige Einberufung des Parlamentes und die Bildung einer ton- stitutionellen Regierung. Hewerksihastliches. Die Tariffrage im SaugeVerbe. Da die Untcrnehnier im Bauberufe nicht zu bewegen waren, einen den Verhältnissen entsprechenden Lohnausgleich zu schaffen und die Arbeiter einmütig das ungenügende An- gebot der Unternehmerverbände abgelehnt haben, begann für fast alle Bezirke im Reiche mir dem 1. April für das Bam gewerde eine tariflose Zeit. Wie sich die Unternehmer dae neue Verhältnis unter dem Burgfrieden denken, verrät ein Schreiben, das der Leipziger Unternehmervcrband in der bürgerlichen Presse veröffentlicht. Es wird da unter Hinweis auf die zugestandene Lohnerhöhung von 4-6 Pf. angeführt: „Dieie Verbesserung der Enllohnung im Baugewerbe wird auch nach dem 31. Mür� beibehalten werden, im übrigen wird dann auch den Bauarbeitern, die über die bisherige normale Arbeitszeit hinaus arbeiten wollen, um aus eigener Kraft ihr Einkommen zu erhöben, wie in anderen Industrien und Gewerben dazu Gelegenheit gegeben werden können. Die von den Arbeit- geben! aufgestellten„Arbeitsbedingungen", die vom 1. April ab überall an Stelle der örtlichen Tarifverträge das Arbeits- Verhältnis regeln, lehnen sich eng an den Wortlaut der ab- gelaufenen Tarifverträge an, enthalten alio keine Verschlechterungen der bisherigen Arbeitsverhältnisse für die Arbeiter. Damit sind, soweit die Arbeitgeber in Frage kommen, die Voraussetzungen zur Erhaltung des inneren Friedens im Baugewerbe auch während der kommenden tariflosen Zeit erfüllt," Gerade die Ueberstunden, die in den Bedingungen end gegen den bisherigen Tarisvereinbarungen angekündigt werden, sind von den Arbeitern aufs schärfste bekämpft worden. Aber das genügt den um den inneren Frieden besorgten Unter- nehmern noch nicht. Die Bedingungen, die jetzt aus den Bau- stellen angeschlagen oder ausgelegt worden sind, enthalten in § 4 die Bemerkung: „Soweit nichts anderes vereinbart ist, wird Stundenlohn gezahlt." Damit soll der Weg frei werden für die Wiedereinführung der Akkordarbeit in großem Umfange. Und angesichts dieser Tatsachen beteuern die Unternehmer, daß keine Verschlechte- rungen eintreten sollen. Die Leipziger Bauarbeiter haben bereits zu der Situation Stellung genommen und einer Resolution zugestimmt, in der eS u. a. heißt: Da zu befürchten ist, daß einzelne Unternehmer die tarif- lose Zeit zur Verschlechterung der bisherigen Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Verlängerung der Arbeitszeit, Ein- führung der Akkordarbeit usw. benutzen werden, fordert die Versammlung alle Mitglieder auf, die Unterschrift eines Reverses oder dergleichen strikte abzulehnen, sowie der Verwaltung von allen solchen Fällen sofort Mitteilung zu machen. Ferner wurde beschlossen, die Arbeitszeit genau einzuhalten. Verlin nnü UmgegenK. Verlängerung deö Tarifvertrages im Dachdecker» gewerbe. Wie im Baugewerbe lief auch der Tarifvertrag des Dachdecker- gewerbeL am 31. März 1916 ab. Um zu verhüten, daß im Dach- deckergewerbe eine tarlslose Zeit Platz greife, mußte deshalb ein neuer Tarifvertrag geschaffen werden. In zwei Sitzungen, am 27. und SO. März, haben fich die Unternehmer- und die Arbeiterorganisationen mit der Regelung der Tariffrage beschäftigt. Beiden Sitzungen war bereits am 1. Mä:z eine unverbindliche Aussprache mir den Vor- ständen vorausgegangen. Hierbei wurde von den Arbeilerorgani- fationen eine Teuerungszulage von 11 Pfennig für die Stunde in Vorschlag gebracht; also eine Erhöhung des Stundenlohnes von 89 Pfennig auf eine Mark. Die erste Sitzung am 27. März führte zu keinem Ergebnis, weil die Unternehmer ein zu geringes Angebot machten. Beim Beginn der Verhandlungen böten sie eine Teuerungszulage von 6 Pfennig für die Stunde. Dieses An- gebot erhöhten sie dann schließlich auf 8 Pfennig. Dem konnten die Arbeilervemelcr aber nicht zustimmen, weil das Gebotene zu gering war. In der zweiten Sitzung am 39. März kamen dann folgende Abmachungen zustande: Die von den beteiligten Organisationen vereinbarten Arbeitsbedingungen für das Dachdeckergewerbe von Groß-Berlin gelten bis 31. März 1917. Jedoch soll der Vertrag auf ein weiteres Jahr gelten, wenn nicht am 31. Dezember 1916 Frieden geschloffen ist. Der Stundenlohn beträgt einschließlich der Teuerungszulage vom 1. April 1916 bis 31. März 1917 eine Marl. Alle übrigen Bestimmungen im Tarifvertrag bleiben weiter bestehen. Am 2, April nahmen die im Zentralverband organisierten Dach- decker in einer sehr besuchten Versammlung Stellung zu diesen Ab- machungen. In der Hauptsache drehte sich die Aussprache um die Teuerungszulage, welche von einigen Rednern als viel zu gering bezeichnet wurde. Bei den gegenwärtigen Lebensmittelpreisen, die noch dazu jeden Tag weiter steigen, sind 11 Pf. Teuerungszulage wie ein Tropfen Wasier auf einen heißen Stein. Vom Vorstand wurde aber darauf hingewiesen, daß es beim besten Willen nicht möglich war. mehr zu erreichen. Die Versammelren stimmten den Abmachungen dann einstimmig ziu veutfckes Neich. Eingabe« der Gärtnerverbände um eine Teucrungs- . Zulage. Die Löhne im Gärtnereiberuf waren, wie neuerdings auch von den Unternehmern zugegeben wird, vor dem Kriege durchaus unzu- länglich. Sie sind, bei dem starken Mangel an gelernten Arbeits- kräiten in der Kriegszcit um einiges gestiegen, jedoch nickt mehr als um etwa 2— ö M. die Woche: sie bewegen sich gegenwärtig in den bestbezahlten Orten um 27— 30 M. die Wocke. In vielen Fällen blieben sie noch auf dem alten Stande. Das hat die Gehilfen und Arbeiter in eine wirtschaftlich sehr gedrückte Lage versetzt. Die Hauptvorstände des sreigewerkschaftlichen Allgemeinen Deutschen GärtnervereinS und des Deutschen(nationalen) christlichen Gärtner- Verbandes haben sich nun gemeinsam mit einer Eingabe an die Unternehmcrverbände gewendet und ersticken diese, ibren Einfluß geltend zu machen, daß den Angestellten, Gehilfen und Arbeitern eine allgemeine Teuerungszulage gewährt wird, die an- nähernd an das heranreicht, um das der Lebensunterhalt in der gegenwärtigen Zeit sich verteuert hat. In der Eingabe wird u. a. darauf hingewiesen, daß in Unternchmerkreisen lebhaft über den Mangel an Arbeitskräften geklagt wird, welcher Mangel jedoch seine sehr natürlichen Ursachen habe. Nicht bloß haben sich die gelernten Arbeitskräste in unverhältnismäßig großer Zahl aus solchen der üngeren Lebensalter zuiaminengesetzt. auch stehen diese jetzt zumeist beim Heere. Von den Daheimgebliebenen aber sind nicht wenige zu anderen Berufen übergegangen, die erheblich bessere Löhne zahlen als die Gärtnerei sie bietet. Nur eine angemessene Teuerungszulage könne da Abhilfe schaffen. Nicht wesentlich anders als in der Erwerbsgärtnerei liegt es in den sogenannten Privatgärtnereren. Zwar hat ja eine größere An- zahl Pnvatgartenbesitzer ihrem Gartenpersonal Lohn- oder GehallS- zulagen gemacht. Ob in den meisten Fällen, läßt sich jedoch schwer sagen. Als unzulänglich werden aber auch diese Zulagen zumeist empfunden. Und sehr häufig wird noch jede Zulage abgelehnt mit dem Einwände, man müsse sich in dieser Zeil selbst einschränken und vom Kapital zehren. Solche Privatgartenbesitzer sind nämlich der irrtümlichen Ansicht, ihre Gärtner könnten auch von ihrem„ftavital", das heißt, von früheren GebaltSrücklagen zusetzen. Wem das eine Zeit lang wirklich möglich gewesen ist, dem ist mit der Länge des Krieges diese Selbsthilssguelle nun aber auch bereits versiegt, und er steht wie die anderen jetzt bor dem Leeren. Die schon genannten Gehilfenverbände setzten sich deswegen mit dem Verbände Deutscher Privatgärlner ins Vernehmen und verständigten fich mit diesem zu einem gemeiiiiamcir Vorgehen. Da eine Vereinigung von Privatgartenbesitzern erklärlicher« weise nicht besteht, so haben sich die drei Angestelllenverbände dahin geeinigt, die Tagespresse in den Dienst ihrer Bestrebungen zu stellen und im übrigen in allen den Fällen, die ihnen zu diesem Zwecke mitgeteilt werden, Eingaben an die einzelnen Gartenbesitzer enizureichen. �US Industrie und Handel. Kriegsgewiuue. Die O si deutsche Maschinenfabrik vorm. Rud. Wennlie, A.--G. in Heiligenbeil, erhöht ihre Dividende von 7 auf 10 Proz. Die Deutsche Continental- Gas-Gesellschaft in Desiau erhöbt ihre Dividende von 8 auf 9 Proz. Die A.-G. für Bauausführungeii in Berlin entschädigt ihre Aktionäre, die im Vorjahre ohne Dividende blieben, durch 10 Proz. Die A.-G, Brückenbau Flen der in Benrath bei Dussel- dorf kann ihre Dividende von 8 auf 12 Proz. erhöhen. Die Vereinigten Berlin- Frank furter Gummi- w a r e n f a b r i k e n, Berlin-Lichterfelde verteilen 8 Proz. Dividende (i. V. 7 Proz.)_ Eilte neue Gründung im amerikanische» Schiffbau. Die Pariser Ausgabe des„New Dork Herald" voin 24. 3. eillnilumt dem„New Aork Maritime Register": In Augusta, Me., wurde die„Jntcr- national Submarine and Shipbuilding Company" iuS Handelsregister eingetragen. Aufgabe der Gesellschaft ist der Bau von Untersee Torpedobooten, sowie von Fracht- und Passagierdampfern. Bureaus werden in den Vereinigten Staaten, England, Deutschland, Oesierreich-Ungarn, Rußland, Brasilien, Argentinien und China eröffnet. Das Gesellschaflskapital beträgt 5 Millionen Dollar, hiervon 2 Millionen in Borzugsaktien zu 7 Proz. und 3 Millionen in gewöhnlichen Aktien zu 10 Proz. Hauptzweck ist der Bau von Frachldainpfern nach einem festen Standard-Thp. Der ausläudische Besitz au amerikanischen Wertpapieren. Der Markipreis der amerikanischen Werlpapiere»n Besitz des Auslandes soll sich vor deni Kriege— wie der„Economist" vom 13. März (wohl auf Grund der„Bache Review") angibt— auf mehr als v ier Mi llia r d e n D o I la r belaufen haben, wovon etwa der vierte Teil aus Aktien(stoebs) bestand. Man schätzt, daß etwa 50 Proz. der Eiienbahnakuen inzwischen in amerikanischen Besitz übergegangen sind, während 80 Proz. der Eisenbahnschuld- verschreibungen(boncks) noch im Ausland blieben; davon entfällt der größte Teil aus England. Deatscd«« Theater. Direktion: Mai Eemhardt. KhakeHpeare-Zy hta». Vit Uhr: Ein Sammerr.aclitätraani. (In der Neneinstudierong.) Kaimnerspiele. 8 Uhr; Der eingebildete Kranke. Hioraul: Ballett. Volksbühne. Theater a. BBtewpl. S'�ühr: Boppelsclbstmord. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i.d.Koniggrätzerstraße l1!,, Uhr: Ein Traumspiel. BComücSienhans 8 Uhr: Kameraden. BerSmes« ¥liea%. 8 dir: Wenn zwei Hochzeil machen. £sssi«g-flieater. 8 Uhr: Die gutgeschnittene Ecke. (Albert Bassermann.) SUttwooh end Donnerstag: Die grntgcschnittene Ecke. (Albert Bassermann.) toMJünstlsr-TIieater. a Uhr: Die selise ExzeUenz. URANIA Tanbcnstr. 48,40. 8 Uhr: Von alten Fronten der österreichisch-ungarischen Armee. Theater für Dienstag, den 4. April. Deutsches Opernhaas Charlottbg. 8 Uhr: Dame Kobold.(Dir.: GeneraLmnsikdir. Weingartner.) Frledrlch-WlIbelmstädL Theater. s uhr: Das Oreimöderlhaus. Oabr. MSrrWf SltS-Theato: 8 ukr: Her SehlemlM. Kleines Theater. s uhr: Logierbesscfi. Komische Oper. 8 Uhr: Jans maü man sein. Lustspielhaus. 8'/. uhr je? Gatts öss Frltts. Metropol-Theater 8 uhr: Die Kaiserin SsU Hont!» Operetten-Theater 8 uhr: ßer selige Salöuin Kosidenz-Ttieatcr 81/. Uhr: NO. T'ßÄ Schlller-Tncatcr O. 8 uhr: Der Ehrenbürger. Scblller-Th.Charlottenbs. 8 uhr: Die heitere Residenz. Thalia-Theater. s uhr: Blondinchen. Theater am Kollendortpl. S1). Uhr: llofgrn nxt. 8./.U.: Immer feste drafl! Theater de» Westen« s uhr: Das Fröuiein rom Amt mit Guido Thielscher. Trianon-Theater. s'/. o. Diebeiden Meyers. WWMM TSglicb 8, Sonntag 3*1, und 8 Uhr: „Ostern" Nene Orig!nal-Pl>momime in drei großen Akten von Paula Busch. Besonders hervorzuheben: 1. AltgermanischeS Osterfest. Tanz der römischen Sklavinnen. Tanz FrehaS, Baldurs und der Walküren. Sonnenaufgang und Erscheinen der Göttin Ostara. 8. Osterfest des Mittelalters. Die Spiele im Dom: 1. Bild: Tic itinöcr mit d. Muschel 2. Bild: Die drei Marie». 3. Bild: Die drei Erzengel u. ewe Schar jubilierender Engel. 3. Die Geschichte v. uns. Osterhasen. Die Riesen- Osterbonboniere als Symbol der Ostepfreade. Vorher: Die reuen April-Schlager. U.a.; Die Automaten-Menschen 3 Gebr. Philipp.— 3 Rosellos. Lonny, musikalisches Wanderpserd. Luisen«Theater 8.15 Ubr: Charlotte Künger. Mitttvoch; Sie weifi etwas. Voigt-Theater. Badstr 53. Badstr. 58. Morgen Mittwoch, den 5. April 1315: Gras Weldemar. Schauspiel in 5 Auszügen von Gustav Frexlag. Kasseneröfinung 7 Uhr. Ans. 8 Ubr. Wslhsüs-Theater-. s uhr- Es gibt nur m§er!ill. Morgen 4 Uhr: War end Moritz. "RosesTheater. 8 Uhr: Gastspiel Alwin fleuß: Die go!dene Eva. Lasüno- Theater Lothringer Str. 3" Tagt 8 Uhr. Ein großer Theatercrsoigl Allabendlich stürmilchcr Bestall! Die Vogelscheuche. Volksstück in 3 Aufzügen. Borher ersüdassiges Aprilprogramm, Sonntag 4 Uhr: Was wachste nu. Serliner Konzerthaus. Mauerstr. 82, Zimmerstr. 90/91. Heute: Großes IConzert j «eranstaliol von Jugendkompagnien und Jugendvereinon des 8. Bezirkes Ihre Mitwirkung haben gütigst znjresasp: Frau Irma Senberk, Opemsängerm, Frl. Margarete Leistner, Violinvirtnosin, Herr Ludwig Praenkel, Hofopernsänger. Herr Waldemar Wendland, Komponist, 1 »m Flügel: H err Fritz Baecker, Musikdirektor, Solo-Kornettquartett der KgL Hofoper, Berliner Konzertbaasorchester, Leiter: Komponist Frz. v. Blou. Anfang 8 Uhr. Karten k 1 M. und 50 Pf. im Berliner Konzerthause zu haben., verantw. Redakt.: Alsred Wielevv. Neukölln. Lni�atenteU oaxatm. Tb. Glocke. Berlin. Druck mVerbaa Zum 1. Male: Die große Ausstattungs- Pantomime auf dem Eise Frau Fantasie von JLeo Bartascbeb, Musik von Julius Einödsbofer. Elsa und Berta Wiesenthal sowie der neue Aprüspielplan. Außerdem: ,,Arizonda(C Variete-Operette in 2 Bildern von F. Dormann. Musik von Uiilbert. Mitwirkende: Else Bema, Lotte Werkmeister, Paul Biensfeldt, Gustav Matznor, Heinrich Peer, Fritz Lion, Joseph Christian, Eugen Wolter. Reictisballen-Tbeater. Stettiner Sänger. Zum 159. Male: „Die von der Emden." MUitürper- fonot(teiet ----- Eintritt zu den Aniang 8 Uhr. StelL Sangern. Possen-Theater Lmienstrnße, a. d. Fnednchstr. 8'/. 8-,. Kobls Abenteuer Der große Augenblick mit Leonhard Haskel und Siegfried Berisch Arrangi ert vom Ballettmeister B. Bercar. «'/, Uhr. 2, 3, 4 B. Vorzügliche Küche! TägL 8 Uhr, Sonnt, 31/, u.8Ubr. Xea! Das höchste Kleinod! In einem Aufzug v. Otto Reutter. Mit Paula Levermann, Henay Steimanu, Karl Häberlein und V. OoUani. Regie: Dr. Zickel. Dazu das neue große Spezialitäten-Prograirua. Die Bekamiimachung des Oderkommandos in den Marken detresfrnd Regelung der Arbeit in Web-, Wirk- und Strickstoffe verarbeitende» Äe- werbczivcigcn tritt am 4. April tglö in klaust. Die vollständige amtliche Veröffentlichung dieser Bekanntmachung er- folgt an den Anschlagsäulen und m der»Norddeulscheu Allgemeinen Zeitung". Berlin, de» i. April 1916. Ter Polizeipräsideut. 138. I. Mit 16(Tl. ging.). Auro H£J?AiGGe3£B. STAArSWAffSTFßA Mi Inhalt der dritten Nummer vom 30. März 1916: Weltpolltlk und Sozialismus I von �» Die Nachbarn unserer Nachbarn von Hrthur Dix ♦ Vom europäische« Gleichgewicht von Dr. R chsrd CÄhcn ❖ Krlegfskrlse und Reformarbeit der Türkei von Dr. Frh. v. Mackay ❖ Mitteleuropa im Rahmen der geographische« Gegebenheiten von Dr. Heimelt<» Das Recht der bewatfaeten Handelsschiffe von Geh. Just!zrat Prof. Dr.Th. Nieraeycr � Zur Wcltpolitlk der Sozialdemokratie von Paul Hasnplf- meyer ❖ Weltmarktswirtschaft von Prof. Dr. Ecgar Jalf� ♦ Die neuen steuerpolitischen Ideale und das Kriegssteuergesetz von Dr. Franz Hoer.inger ♦ Das deutsche Tabakgewerbe und der neue Tabaksteuer- entwurf ♦ Wie kann sich das Reich eine eigene uad welttragende Finanzgrundlage schaffen? von Dr. phiL Edua d Bcsemfeldero Getreide und Geld von F. Naphtaii o Weltkrieg und Frachtraum von Geh. Ministerialrat von Yölckcr ♦ Wirtschafts-Archiv ♦ Zeitung der Zeitungen Bezugspreis: Jahrg. 1916 Nummer 1—3(Marz-Nummern) M. 1.25. Vom 1. Hpril ai> vierteljährlich 15 Nummern(von Nr. 4 ab) M. 5.50. tinzclhcflc 50 Pfg. Zu bestellen bei jeder Buchhandlung, Postanstalt oder beim Verlag Neue Deutsche Bücherei Verlagsgesellschaft m.b.H. München, Hormstr. 10 Heines Werke 3 vünds 4 Itlart- hohe Schultern und Hüften bekämpft mit croßem Er- (olg bei Erwachsenen und Kindern mein verstellbarer Gfdr�delnaiHer-Apparaf Orlginat�Syslena Haas Mehrfach preisgekrönt. Ausführliche reichillustrierte Broschüre kostenlos. 1 Buchhandlung vorwärts I W§ � 1 rjgtJ'�290_ Vorwärts Vuchvr. u. VerlagsanstaU PaukS'ttger�Co� Berlin SW. Hierzu 1 Beilage tt. UatcrhllttongSik, Nr. 94. 33. Jahrgang. Dienstag. 4. April 1916. der Militäretat vor der Budgetkommissio». («itzung vom Z. April.) General V. Owen crlliirt, daß die Herstellung von Friedens. uniformen in den BckleidungSwerkstätten notwendig war. Jetzt ist diese Fabrikation eingestellt. Ten Angehörigen vermißter oder ge- fangener Mannschaften kann aus Antrag die Löhnung weiter bezahlt werden.— General v. Langer m a n n erklärt, daß bereits Bor- arbeiten im Gange sind, um die Todeserklärung Verschollener rascher eintreten zu lassen.— Oberst v. W e i S b e r g bemerkt, daß die Löhne der Arbeiter in den Betrieben der Heeresverwaltung bereits erhöht worden sind. Ter Zeitlohn beträgt bei clfstündiger Arbeitszeit min- bestens 6 M. pro Tag. Abg. Tr. Cohn(«oz. Arb.s erörtert die Verpflegung der Trup- Pen. DaS Fleischquantum im Felde ist sehr reichlich, auch das Ouan- tum der anderen Nahrungsmittel reicht aus. Die Verpflegung im Etappengebiet ist gut Redner fordert Kurse für Kochmannschaftcn. Dem Kuchenpersonal muß schärfer aus die Finger gesehen werden. Die Offiziere der Ersatztruppenteile kümmern sich oft sehr wenig um ihre Truppe. Im Felde werden viele Nahrungsmittel verschwendet. Die Behandlung der Mannschaften läßt oft sehr viel zu wünschen übrig. Redner erhärtet diese Behauptung an einer Reche von Fällen. Die Mißhandlungen werden nur dann restlos verschwinden, wenn den Soldaten das Recht der Notwehr eingeräumt wird. TaS Beschwerderecht muß noch während des Krieges geändert werden. Die Militärjustiz ist streng; die dabei entstehenden Härten müssen beseitigt werden. Ter Alkoholsrage muß im Heere mebr Aufmerksamkeit zu- gewendet werden. Ter Alkohol hat viel Unheil angesliftei. Ent- schieden zu verurteilen ist es, daß man seit Einführung des Vcr- pflegungsgeldes mit der Erteilung von Urlaub zurückhält. Tie ältc- ren Leute könnten ganz gut entlassen werden. Die Tätigkeit der Wirtschaftsausschüsse kann kein Resultat haben, weil die Hilfsmittel in deii besetzten Gebieten zunächst für die Truppen und dann für die heimische Bevölkerung verwendet werden müssen. Im Anlande werden viel zu viel Mannschaften zur Bewachung der Gefangenen verwendet. Tie Anternierung der Engländer in Konzentrations- lagern war cm Fehler. Redner erörtert dann eingehend die Ver- Hältnisse in Ruhleben.— Tie Kriegsbesoldungsordnung muß rc- formiert werden. Redner begründet den dazu von ihm gestellten An- trag. Eine ganze Reche überflüssiger Stellen muß eingezogen werden. Die Zulagen der Beamten gehen über jedes vernünftige Maß hinaus. Abg. Davidsohn.' Die Bestimmungen des Kriegsministerö über die Beurlaubungen sind völlig klar. Die Schuld liegt an den nachgeordneten Stellen. Ter Ernteurlaub wird zu schematisch gegeben. Man inuß ein Urlaubs recht schaffen, dann verschwindet ein Teil der Mißstände. In Oesterreich scheint eine solche Regelung bereits zu bestehen. Besonders dringend ist die Regelung des Urlaubs bei der Marine. Im Felde ist das Brot das Rückgrat der Verpflegung. 37S Gramm Fleisch pro Tag ist sehr viel, aber es kann zu wenig sein, wenn Zubereitung und Zukost den einfachsten Ansprüchen nicht genügen. Im Kriege findet man bei den meisten Truppenteilen keine Menagekommission. Viel liegt an der Auswahl der Mannschaften, die mit dem Kochen betraut werden. Ter Chef des Feldsanitäts- Wesens hat ein Verbot der Abgabe stärkerer alkoholischer Getränke erlassen; einzelne Kommandostellen dagegen fordern sogar auf, Al- kohol ins Feld zu senden. Ein hervorragender Berliner Professor, mit der Leitung eines FestungSlazarettes betraut, weigerte sich, den Fahneneid zu leisten und wurde nun als Gemeiner eingezogen. Man verweigert den Leuten, die eigene Unterkleidung tragen, die Aus- zahlung der ihnen zustehenden Elttschädigung. Tie Postzensur in der Armee ist völlig unberechtigt. Ter Zustand ist unhaltbar, daß ein Kompagiiicführer die Bricfipcrre verhängen darf. Seit Wochen wissen die alten Landstürmer, daß sie abgelöst werden sollen; daß aber nun die Ablösung so lange dauert, macht böseS Blut. Die den Trup- Pen zur Verfügung stehende Literatur wird ganz einseitig ausgewählt. Redner tritt mit gewichtigen Gründen für eine Erhöhung der Mann- schaftslöhnung ein.— Daran kann kein Zweifel sein, daß im Felde zu viel geschrieben wird; sich der modernen Vervielfältigungseinrichtungen zu bedienen, daran denkt man offenbar gar nicht. Das Beschwerderecht ist in seiner jetzigen Form nicht haltbar. Jede Er- lcichterung auf diesem Gebiete würde von den Truppen mit Freuden begrüßt. Kriegsminister v. Wandel bezeichnet die Angriffe auf einen Teil des Offizierkorpö als nicht zutreffend. Tie vorgetragenen Einzelfälle werden untersucht. Die Engländer in Ruhlebcn werden gut behandelt, besser als die Deutschen in England. Dia Jnter, nicrung war eine notwendige Repressalie. Ucbcr die Ucberwachung der Gefangenen stehe dem �'lbg. Cohn kein sachverständiges llrteil zu; die Gefangenen müssen scharf bewacht werden. Tie Beförde- rungsverhältnisse sind nicht übermäßig günstig. Die Bricfsperrc kann nicht entbehrt werden, weil auch durch Unvorsichtigkeit schwerer Schaden angerichtet ivcrden kann. Solche Anordnungen werden aber nur von hohen Kommandostellen verfügt. Im Heere ist versucht worden, von der Heimat aus die Stimmung der Truppen zu ver- schlcchtsrn. Das Kriegsministeriuin hat feststellen können, daß die Mehrzahl der zur Anzeige gebrachten Fülle von angeblichen Drücke- bergereicn völlig unbegründet war. Abg. v. E a m p tritt für strenge Behandlung der Engländer ein. Die svzialdemotraiische Kritik an den HeercSeinrtchtungcn ist nicht berechtigt. Tie triegSbcsolduiigsresorin mag reformbedürftig sein, jetzt ist eine Acndcrung ausgeschlossen.— Abg. Gröber(Z.): Tie Kriegöbcsoldungsordnung ist juristisch nicht hallbar. Der Hauptfehler ist, daß man das Prinzip ausstellt, im Kriege müsse mehr bezahlt werden. In der Berivaltung wird auch nicht mehr bezahlt, wenn die Hauptarbeit beginnt. Was sich rechtfertigen lasse, das seien Zulagen für besondere Ausgaben. Es ist nicht zu verstehen, ivenn ein Bahnhofskommandant im Inland 11 OM M. im Jahre bekommt. Auf der einen Seite hohe Gehälter, auf der anderen Seite geringe Löhnung— das müsse schlechte Stimmung hervorrufen. Man hätte bei Kriegsausbruch einfach beim Bcfok- dungsgesetz von 1ät)g bleiben müssen. Redner tritt dann dafür ein, daß Angehörige des Landsturms in höherem Maße zu Offizieren befördert werden und schildert, oft unter stürmischer Heiterkeit, den Kampf, den der Polizeimeistcr von Metz, ein General v. llcngers- leben, gegen die französische Sprache führt.— Kriegsministcr von Wandel erklärt, daß bei den Kolonialkriegen die Kricgsbesol- dungsordnung ebenfalls angewendet wurde, ohne daß der Reichstag Einspruch erhoben hat.— Abg. G o th e i n(93p.) bringt Klagen vor über schleckte Beförderungsvertsiiltnisse der Reserveoffiziere. Die Sätze der Kriegsbesoldungsordnung stehen in krassem Gegensatz zu den schwierigen Verhältnissen, unter denen der Mittelstand zu kämpfen Habe. Selbst jetzt im Kriege werde bei einzelnen Regt- meutern wiederum der Adel vorgezogen. Auch dieser Redner bringt Klagen vor über mangclhaste Behandlung der Mannschaften und tritt im übrigen dafür ein, d-e Mißstände zu beseitigen, die sickj in Ruhlebcn beransgebildet babcn.—«chatzsekrctär Tr. H e l f f e- ri ch erklärt, die Beamten haben, soweit sie felddienstfähig sind, alle das Bestreben, hinauszukommen, nur des Patriotismus, nicht aber des Geldes Ivegen.— Abg. R c h b e l behauptet, daß das Vcr- hältnis zwischen Offizieren und Mannschaften das denkbar beste sei, sowohl im Felde als auch in der Heimat. Das Beschwerderecht darf auf keinen Fall von den Soldaten dazu benutzt werden, um Strafausschub zu gewinnen. Deshalb kann von einer Aendcrung des Beschwerderechts keine Rede sein. Abg. Stücklen(Soz.) tritt dieser Anschauung lebhaft ent- gegen und weist an der Hand eines besonders krassen Falles nach, wie selbst Offiziere, wenn sie sich beschweren, den bittersten Nachteil davon haben. Tie ganze Reform an der Kriegsbesoldungsordnung habe an sich nicht viel Wert. Denn man kürze immer unten, bis zu den oberen Stellen wage man sich nicht hinauf. Die Klagen über die Verpflegung sind ziemlich zablreick, weniger aus dem Felde als in der Heimat, Redner ersucht dringend darum, davon Abstand zu nehmen, die Brotration des Soldaten etwa noch weiter zu verkleinern. Die Beratung wird Dienstag fortgesetzt. Zu unserem Berickt über die F r e i ta g s i tz u n g der Budget- kommisston ist nock festzustellen: Genosse Noske hat nicht gesagt, daß im Felde allgemein sparsam gewirtschaftet werde, sondern ausdrücklich betont, es sei ganz unmöglich, ein allgemein zutreffen- des Urteil abzugeben. Ganz bestimmte Einrichtungen der Truvpe, die er gesehen habe, bewirkten allerdings die Ersparnis von Mil- lionen. In Bezug auf die Ernährung der Truppe hat Noske be- tont, daß neben reicklicken Klagen allerdings das Essen auch gelobt worden sei. Tie Verhältnisse seien offenbar sehr verschieden. In einer Woche, wo er in einem bestimmten Abschnitt an der Front wiederholt das Essen probiert hat, sei es bis auf einen Teil gut gewesen. Ten erhobenen Beschwerden müßte der Kriegsministcr ernsteste Beachtung schenken und unablässig auf Besserung bedacht sein. politische Uebersicht. Lehrreiche Geschichte aus einer Landwirtschafts« kamurer. In Mecklenburg hat man jetzt die Errichtung einer Land- w i r t s ch a f t S k a in m c r beschlossen. Es ist bemerkenswert, was hierbei getan wurde, um den Einfluß der Großgrundbesitzer„ge- nügcnd sicherzustellen". Weil das in dem Negierungsentwurf von 1911 nach Ansicht der„Ritter" nicht hinreichend vorgesehen war. hatten diese die Zurückstellung der Vorlage bis jetzt durchgesetzt. Die Regierung hat inzwischen den Leiter des Statistischen Amtes, den früheren konservative» Reichstagöabgeordneten Dr. Droscher, mit Vorschlägen beauftragt, lind seinen Ratschlägen sind Regierung und Ständetag(Landtags nun gefolgt. Von der Mitwirkung an der Zusammensetzung der Land- Wirtsschaftskammer sind von vornhereiu ausgeschlossen alle Landarbeiter und die Besitzer der Betriebe bis zu 3 Hektar. Es bleiben dann übrig: 7129 Betriebe von 5 bis unter 20 Hektar 5901„, 20„ 100„ 1320„, 100 und mehr Hektor Nach dieser Besitzunterscheidung ist auch das Wahlrecht he- messen worden. ES sollen in die Landwirtschastskammer entsenden die 7129 Betriebe zusammen S Vertreter „ 595 t„- 1* . 1320., 21 Dieses Pluralwahlrecht erregte selbst bei verschiedenen Mit- gliedern des StändetageS in Mecklenburg einiges Bedenken, daS Mißverhältnis der Stimmenzmnessung schien denn doch zu groß. Es wurde darauf hingewiesen, daß diese Einteilung„kaum die Interessen der mittleren und kleineren Besitzer genügend berück- sichtigen dürfte". Schließlich freilich einigten sich doch alle Stände- Mitglieder auf den Regierungsvorschlag. Auch bei Festietzuiig des Wahlsystems gingen recht inter- essaute Dinge vor sich. Nach dem srüheren Regierungsvorschlage sollte auf Grund des Systems der Verhältniswahl mittels Bor- schlagSlisten gewählt werden, entsprechend der Reichsversicherungs« ordnmig. Man fand aber noch rechtzeitig die„Gefahr" heraus, daß bei dieser Listenwahl in Verbindung mil der damals vor- geschlagenen anderen Einteilung der Klassen„der mittlere und kleinere Grundbesitz bei richtiger Ausnutzung des ihnen aus dem vorgeschlagenen Wahlsystem erwachsenden Ein- flusieS und bei zu diesem Zweck verabredeten Zusammengehen die Wahlen beherrschen können, wobei ihnen die vor- geschlagenen Listen noch zu Hilfe kommen". Um die Möglichkeit dieser„Schreckenszcit" noch deutlicher vorzuführen, verwies das Statistische Amt(Dr. Dröscker) darauf, daß die Kleingrundbesitzer ans zwei benachbarten Toriern die für eine WaUvorschlags- liste vorgesehenen Unterschristen zusammenbringen und„dann für diesen Wahlvorschlag als den der kleinen Land- Wirte kräftige Agitation zu machen und eine Stimmen- Mehrheit darauf sammeln" könnten. So könnte schließlich eine Landwirtschaftskammer zusammenkommen, die„ihrem Wesen und ihren Zwecken nicht entsprechen" würde. Die Möglichkeit und Aus« ficht„eines beherrschenden Einflusses des mittleren und kleinen Grundbesitzes bei den Wahlen zur Landwirtschastskammer und' in. ihrer aus diesen Wahlen hervorgehenden Zusammensetzung" werde sehr„bald von allen mit dem Wesen der Verhältniswahlen ver- trauten Personen erkannt werden". Festgehalten zu werden ver« dient noch weiter, daß es in dem Bericht des Statistischen Amts auch noch heißt: „Wenn bei der letzten Wahl der Vertreter der landwirtschaft- lichen Berufsgenossenschaft für Mecklenburg die höchst gefährliche Wirkung der Listenwahl sich nicht bemerkbar gemacht hat, so liegt die« daran, daß sie nicht bekannt gewesen und nicht agitatorisch ausgenützt worden ist. Den Vorständen der sämtlichen Berufs- genvssenschaftc» ist sie bekannt und daher wird von diesen die Wiederbeseitigung der durck die neue ReichSversicheruiigSordnuiig eingeführten Listenwahl angestrebt. Noch weit weniger als für die Berufsgenossenschaften dürfte sich für die Landwirtschastskammer dieses Wahlsystem eignen." Der erste Sturm. Ein an der Ostfront Verwundeter sendet unZ folgende Schilderung: Da saßen wir nun in einem Loch. Mitten in dem grünen Svätiommerwalde in einem schwarzen dumpfige» Erdloch, etwa 1,60 Meter hoch, 2 Nieter tief und 3 Meter breit. Draußen platschte der Regen unaufhörlich hernieder und füllte die schmalen und nicht allzu tiefen Gräben mit gelbein lehmigen oder schwarziümpligem Wasser. Fast unaufhörlich knallten Flintenschüsse gegen die hohen Stämme.«Du. haste schon den neuen Ersatz gesehen, die bücken sich vor den Ueberfliessern I" hörte ich vorhin einen grünen Jungen zu einem älteren vollbärtigen Kameraden sagen.„Na denlste denn, Du hast Dir»ich jebückt; Du wärst ja am liebsten in'n Mauseloch jekrochen,"„Na. laß man jut sin", wandte er sich an uns,„et is uns alle»ich anders jejangen. Man denkt immer, man könnte aus- weichen. Aber die Du pfeifen hörst, die sind schon lange vorbei, bloß die Dir treffen, die Hörste nich. Und es is'n jemeinet Jefühl zuerst." Ich war eigentlich reckt zufrieden, das aussprechen zu hören, denn ich muß lagen, ich schämte mich diese«„jemeinen Jesühls" ein wenig, das mir vorhin beim Essenholen so aus die Magengegend gedrückt Halle und das ich doch nicht loswerden konnte. Ich iah mia, um in der Gruppe der Neulinge, die hier in dem Loch des UilterstandeS veriamnielt war; unser Gruppenführer hieß Zerbe, ein sunges schmales Gesicht mit sympathischen Zügen; er hatte sein Schwert in die Lehmwand gebohrt, ein Licht auf den Knaus geträufelt, und dieser flackernde Schein erhellte unsere wenig verlrauenerweckenden Züge mit buschenden Reflexen. Seit 3 Tagen hatten wir nun kein Beil und kein Dach gehabt. Zerbe kaute allein in Gemütsruhe an einer Schmalzstulle und wir waren stille, be- gierige Zuichaucr. Uniere Vorräte waren auf dem Marsch zur Front in den 8 Tagen auigezehrt. Dpch als Zerbe einen Beutel Tabak hervorzog, da flackerie ein beftiges Verlangen bei den leidenschaft- lichen Rauchern auf. Einige Pfeifen kamen zum Vorschein tabaks» hungerig.„Kannste mir nich'n Pfeifchen ablassen?" Zerbe gab hier und da und dort. Drei Pfeifenmauler wanderten zum Licht und kehrten dampfend zurück. Der Lichtschein huschte über drei be- friedigle Gesichter. Nur die Hände mußten wir als Pfeisendeckel benutzen. Der Unterstand wurde von dem unaufhörlichen Regen zur Tropfsteinhöhle. Gegen Abend mußten wir umziehen in eine andere geräumige Höhle, in der etwa 18 Mann einquartiert waren. Hier tropfte es noch nicht und mir konnten die Nackt ruhig schlafen. Mitten in der Nacht ickreckte uns heftiges Gewehrfeuer auf.„Nu," brummte ein Unteroffizier,„die schießen sich wieder die Angst auß'm Leib." Es war ein sogenannter Feuerüberfall. Panje feuert Tausende von Löchern in die Luft, damit der Gegner ihn nicht überfällt. Vor TageSgrauen mußten wir raus. Arbeitskommando' Es galt, Minenwerfer in Slellung zu bringen und die Geschosse zu schleppen. Die Dinger wogen 205 Pfund und mußten die engen Gräben entlang von zwei Mann geschleppt werden. Hier feierte ich meinen ersten gänzlichen Versager, ineine Kräsle reichlen uichl aus, diese Tiere auch nur eine Sekunde auf der Schulter zu halten. Ich brach zusammen, und wenn der Unterosfizicr nicht zugefaßt halte, würde es uns beide elend zerqueischt haben. Statt dessen beteiligte ich mich am Balkenschleppen und ging mit eiiiein Feldwebel auf die Suche»ach dem Standort für den großen Mineniverfer. Nach c»d- losem Verlaufen in dem Labyrinth der Reserve- und Verbindungs- grüben fanden wir endlich den bestimmten Platz und ich ging über die Schonung zurück, um dos Untier dorthin zu dirigieren. Zwei Verbindungsgräben mußten überbrückt werden und manche Kugel pfiff über uns hin, bis wir den unheimlichen Karren mit dem leder« überzogenen Mörser an Ort und Stelle halten. Gegen 3 Uhr kamen wir zum Mittagessen und gingen dann in unsere Unterstände. Ein seiner Regen setzte wieder ein, der bald heftiger wurde. Ich nahm' meine Zeltbahu über die lschultern und trollte mich neugierig durch die Gräben. Vorne sah ich mir durch das Schutzschild die feindlichen Gräben an. die in zwei Etagen übereinander an dem gegenüberliegenden Abhang kaum 60 Meter vor uns lagen. Natürlich mußte das ungewohnte Auge mehr ahnen, als es erkennen konnte. Es war eine alte Slellung, kunstreich ausgebaut und wohl schon monatelang unverändert. Ick sprach mit einigen, und es hieß:„Morgen oder übermorgen wird gestürmt." Genaues weiß der Soldat nicht, und wenn er es weiß, ist's verkehrt. Es sind die so- genannten.Klosettparolen"; der Ausdruck ist soldatisch etwas kräftiger und trifft die Sache damit durchaus. Täglich tauchen fünf oder sechs solcher— Gerüchte auf, die sich in der nächsten Stunde prompt als falsch erweisen. Stellst du dich aber unwissend, weil du eben an den Schwindel nicht glaubst, dann hat der Mann, der dem Analphabeten näher steht als dem Gelehrten, Oberwasser.„Mensch. weeste denn del nich? Wat weest Du eigentlich?"— Ich weeß bloß, dat Du bannig klug bist und det se Dir nächstens doch in'n Generalsiab versetzen werden."— Ein böse gelnurrles:„Du-- Kamel l' flog mir in den Rücken, als ich mich wandte und als ich Weiler schritt, klang es schon eiwaö Heller:„Du bist woll'n Feiner, wat?" hinter mir her—„Feiner!" hörte ich von weitem höhnisch nachklingen.— Belustigt schritt ich die Gräben wieder zurück, zu meinem Unterstand. Franz hatte Kaffee geholt und ich schlürfte den angenehmen Trank hinter. Mir wurde wohl und warm trotz der Nässe. Ich nahm mir meine Zeltbahn über und trabte wieder neiigierig durch die Gräben. Aus einem Unterstand kam ein lieblicher Bralengeruch. Ich steckte meine Nase hinein und sah Osfiziersburschen, die ibren Herren das Mahl richteten. Ganz richtig mit Messern und Gabeln und Tellern. Dazu rauchten die Kerls Zigaretten— Zigaretten! Der Bratengeruch war verdrängt und ich' war selig, als sie mir eine Handvoll der übelsten Zigaretteu verkauften. Von den be- rühmten LicbeSgabenfabrikaten, die den hartnäckigsten Feind anS den Löckern treiben. Ich ging auf die Anfuhrstraße und sah dem bunten Treibeir des Trosses zu, eine Zigarette nach der anderen schmauchend. Munition und Lebensmittel— eine Kolonne Hmler der anderen, quarrten mit müden, ickwitzenden Gäulen durch die schlammige Straße vorüber. Zwei Offiziere in großen Manuschaits- mänteln gingen vorüber, ein Bursche, ganz in seinem Riesenmantel versteckt, binterher. Da schlug ein bekannter, längst vergessener Ton an mein Ohr und weckte mich aus meinem Dösen. Ohne mich zu besinnen, renne ich hinter dem Burschen her:„Du, ist daS der große Schnorps?"—„Wer?" Der Mann sah mich entgerstert an.„Ich meine, wie heißt der Leutnant dort?"—„R..—„Na ja doch.— Herr Leutnant Li. I"—„Ja!?" Die beiden vermummten Mäntel drebten sich um.—„Ree, daS ist ja der......! Wie geht'S denn? Was machen Sie denn hier?"—„Ja, ich bin ein Grenadier, der noch Europens übertünchte Höflichkeil nicht kennen gelernt hat.— Sind Sie mit dem Ersatz gekommen?— Na, dann werden Sie ja morgen lvas zu sehen kriegen."—„Geht'L morgen los?"—„Ja, morgen ist Sturm."— Fragen und Antworten hin und her. Gott. ivaS hat man nicht zu fragen, wenn man sich vor dreizehn Jahren auf der Schulbank getrennt hat und sich aus« gerechnet in den polnischen Wäldern Unlerm Kanoiieiidonner wieder- sieht.„Kennen Sie denn»leinen Bruder Karl nicht?" Ich sah in daS dichte bärtige Gesicht des anderen Offiziers.„Ack Gott ja, na so genau hatten lvir uns ja nicht kennen gelernt, Sie waren ja gerade abgegangen, als ich kam, In unsere Fragen hinein kam der Bursche und holte die beiden zur Besprechung in den Bataillonsuinerstaiid.„Wollen Sie'ne halbe Stunde auf mich warten?"—„Gewiß, gern!" Ich stand in dem Piischcpalsch wieder allein und die fernen Bilder zogen vorüber. Das Alumnat! Mein Einzug von der ländlichen Umgebung und Schule in die großstädtische Paradeickule, wo nach einer Rede deS BohnrS(Direktors) nur„feine Jngcnia" Zutritt hatten. Unter den Hospilen in der Klasse zwei Ministcrsöhne und sieben vom hohen und niederen Adel, darunter der Sohn eines unserer Feldmarschälle. Meine kleinstädtische Unbcholfenheit! Und in allein drin und immer wieder er, der„große Schnorps". Mein erster Senior. Bon uns Füchsen vergöttert als der beste von allen. Herrgott, wie halten wir ihm den Examensfrack mit nassen Handtüchern durch« gebläut ans lauter Liebe. Eine alte Sittle in unserem Alumnat. Der Beliebteste kriegte die meiste Dresche von seinen Füchsen. Und ich sehe ihn noch immer, wie wohl ihm unsere Liebe tat. Wie er aus der Aula berangeprescht kam mit fliegenden Schößen— „Dispensiert vom Mündlichen I" Und die Schläge fielen. Und er schlitterte hin und die schöne neue Frackhose hatte ein klaffendes Kniemaul.— Ach Gott, nee Kinder, laßt doch; iö ja gut, is ja gut," bis er sich in den schützenden Hafen des Saales gerettet halte und einen schönen langohrigen MuluS zwischen seinen Lichtern und Blumen hervorgrieuen sah. HänSchen v. B.s Werk.— Hänschen soll auch schon gefallen sein!— Weitere Anträge zum Militäretat. Die»Sozialde in akratische Arbeitsgemeinschaft" hat in der Budgetkommission des Reichstags folgende Resolutionen eingebracht: 1. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag sogleich eine mit statistischem Material belegte Denkschrift über die Tätigkeit vorzulegen, die die Militärgerichte während des Krieges bei der Berfolgung der nachstehend aufgeführten Verbrechen und Vergehen entfaltet haben: 1. Strafbare Handlungen gegen die Pflichten militärischer Unter- ordnung, 2. Plünderung, 3. Verbrechen gegen die Sittlichkeit, !t. Mißhandlung und vorschriftswidrige Behandlung von Unter- gebcnen; 2. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, mit größter Beschleuni- gung noch während des Krieges eine Aenderung der Kriegs- besoldungordnung nach der Richtung herbeizufühen, daß 1. die Kriegsbesoldungen der Offiziere und der höheren Beamten der Miliiärverwaltung durchweg mindestens um 30 Prozent herabgesetzt werden, 2. die Bezüge der unverheirateten Offiziere und Beamten gegen- über denen der verheirateten Offiziere und Beamten mindestens um 40 Prozent vermindert werden; 8. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, sogleich die Möglichkeit der Entlassung derjenigen Unteroffiziere und Mannschaften herbeizuführen, deren Söhne noch im Heeresdienst stehen oder gefallen oder in einer die Erwerbsfähigkeit wesentlich be- cinträchtigenden Art verwundet sind. Die Entlasiung erfolgt uur auf Antrag; 4. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß die Entlassung dauernd kranker und dien st- untauglicher Mannschaften mehr als bisher beschleunigt werde; ö. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage noch während des Krieges einen Gesetzentwurf zur Aufhebung des §11 der Militärstrasgerichtsordnung vom 1. Dezember 1898 vor- zulegen; b. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, sogleich die Auf- Hebung der Ziffer 8 der Beschwerdebestimmungen vom 14. Juni 1894 herbeizuführen. Prämie« auf Kartoffelba«. In der letzten Versammlung der organisierten Landwirte im Kreise Düsseldorf teilte der Vorsitzende, ein Oekonomierat Büren aus Hilden, mit, daß die Stadt Hilden im Landkreise Düsseldorf den Landwirten für jeden Morgen Land, der mit Kar- toffeln bepflanzt werde, eine Prämie von 30 Mark zahle, wenn die Landwirte sich verpflichten, die Kartoffeln der Stadt zum Preise von vier Mark pro Zentner zur Verfügung zu stellen. Die Prämie solle zum stärkeren Kartoffelbau anregen und be- zwecken, daß die Kartoffeln in der Gemeinde bleiben. Die Kosten der zu zahlenden Prämien müßten natür- ich auf den G e m e i n d e h a u s h a l t übernommen werden. Die Stadt Hilden hat etwa 17 000 Einwohner; Herr Büren ist ehrenamtlicher Beigeordneter derselben und besitzt in der Verwaltung einen großen Einfluß. Die Stadt Hilden aber ist in puuoto Lebensmittelversorgung die rückständigste Gemeinde im Land- kreise Düsseldorf._ Jagdsport, Wildschade««nd Juttermittelnot. Im bayerischen Landtag kam es gelegentlich einer Interpellation über Wildschaden zu heftigen Angriffen gegen die Regierung: Minister Freiherr ö. Soden erklärte die vorgebrachten Klagen für sehr übertrieben. Ebenso überschätze man den Einfluß des Wild- abschusseS auf die V o l k S e r n ä h r u n g. ES sei erwiesen, daß der Konium von Wild kaum alt Proz. der Fleischnahrung des Volkes darstelle. Die Erwiderung des Ministers erregte einige Vertreter der Landwirtichafi sehr stark. Der Abgeordnete Lutz meinte, daß man nur Rücksicht auf große Jagdherren und deren Sport genommen habe. Die Interpellanten sehen den Stamm« bestand der bayeriscben Viehzucht durch die Lieferung von Vieh und Heu an die Heeresverwaltung bedroht. In der Be- gründung wird festgestellt, daß Bayern an Heu 38 Proz. der Liefe- rungen und an Vieh monatlich 40 000 Stück abgeben müsse, während Preußen nur 21 000 Stück Vieh liefere. Zentrumsabgeordneter Dr. Scblittenbauer behauptete u. a.: Während wir Heidekraut als Futtermittel einfüyren. hat der Herzog von Sachsen- Nach etwa einer Stunde kam mein.großer Schnorps" wieder, im Gespräch mit seinem Burschen:.Ja. die Bücher kannst Du dann in der Kompagnie verteilen. Mas ist denn noch da 1"—„Eine Flasche, wo's kluckert."—„Na, die kannst Du Dir nehmen."— .Und die Zigaretten?"—„Die gibst Du dem D..."—„Nanu," sage ich,„Sie machen wohl so'n kleines Testament?"—„Ja, man kann ja nicht wiffen. Es wird wobl schlimm werden morgen." Daran hatte ich noch gar nicht gedacht, daß mir waS zustoßen könnte, und dachte auch jetzt nicht dergleichen.—„Ich wundere mich übrigens, Sie nicht im Priesterrock zu sehen."— „Ja, ich hätte auch zu Hame bleiben können, aber ich habe mich zu meinem Bruder schicken lassen, da sind wenigstens zwei zusammen."„Was macht Martin?"—„Der ist aus seiner Pfarre geblieben. Hat nicht gedient. Der Jüngste ist Schipper. Gestern bin ich erst vom Urlaub zurück. Wo man hingestellt wird. da tut man eben seine Pflicht. Na, denn adieu, lieber D...., auf krohes Wiedersehen I"—„Heil und Sieg!" Wir trennten uns, ich ging nachdenklich in meine Höhle, dachte an Vergangenes, an die Schulkameraden, die schon gefallen, rauchte ein paar Zigaretten und schlief in einen tosenden Morgen hinein. Heftiger Geschützdonner raste über uns hinweg. Die„Himmels- schlitten" schlürften durch die Luft. Einschlag auf Einschlag dröhnte, Minen sprangen, daß die Erde bebte. Die Stützen der Unterstände wankten wie Rohrstäbs hin und her. Endlich um 10 Uhr— Fertig machen. Auspflanzen! Wir gingen in den vorderen Graben. Die erste Linie war schon vor, die Russen raus l Ausgeschwärmt kamen wir an die geräumte russische Stellung. Die ersten Toten! Drüber hinweg. Der Wald lichtete sich, eine Wiese breitete sich. Ich hatte im Gefühl der Sicherheit mein Gewehr umgehängt.„Mensch, Du weeßt ooch woll nick, wie de det Jewehr zu halten hast bei't Schwärmen." —«Hast Du keine anderen Sorgen!?"— Ich hatte noch nicht aus- gesprochen, da brach der andere lautlos in sich zusammen. Kugeln pfiffen von links in uns hinein.„Laufschritt!"— Immer heftiger das Gezwitschers!—„Hinlgen!" Herrgott wo kommt denn das her?„Links sind sie nicht vorgekommen." Immer dichter und dichter zwitscherten die unheimlichen Vögel durch die Grashalme. Mir war's, als ob ich ihren Luftzug spürte. Kopfbeben unmöglich. Nun keinen Spaten. Ich holte mein Dolchmefier heraus und stach Grasbüschel aus und legte sie vor mich hin. Dann kratzte ich mit den Händen fieberhaft Erde aus und schuf mir eine Kopfdeckung. Zu sehen war nichts gar nichts. Nur immer dieses feine Zischen ging über den Kops! Endlich hörte es auf. Ruhe, unheimliche Ruhe! Ich hob den Kops— von unserem Zug kein Mensch zu sehen.„Franz!" rief ich. „Erich!" klang's zurück.„Lebst Du noch?"—„Ja. heil und ganz! _ Du auch?"—„Ja, Gott sei Dank.— Wo sind denn die andern?" —, Ich weiß nicht."—„Tu Franz. wir sind zurückgeblieben. die sind vor. Los, komm Mensch, bloß nicht drücken.— Hier links ist'n Graben. Komm, da springen wir rein I"— Schnell, wie der Gedanke, waren wir auch schon drin. Zehn Schrrtt weiter lag ein toter Russe. Franz schritt voraus, ich hiuterher. Als ich über de» Koburg-Gotha durch das Generalkommando des 1. Armeekorps wiederholt mehrere 1000 Zentner Heu zur Wildfütterung zu- gewiesen erhalten. Der Minister suchte zu beruhigen durch die Er- Ilärung, daß es sich bei den Maßltahmen wegen der Lieferung von Heu und Stroh nur um vorläufige Entscheidungen handle. Der Vertreter der Heeresverwaltung gab zu, daß die Kritik zum Teil berechtigt sei. Verstorbener Reichstagsabgcordneter. Karlsruhe, 3. April. kW. T. B.) Der nationalliberale Reichs- tagsabgeordnete Landgerichtsdirektor Dr. O b k i r ch e r ist heute im Alter von 92 Jahren hier gestorben. Eine Erwiderung. Zu dem Artikel„Kautsky und die Internationale", vcröffent- licht am 15. März, ersucht uns Genosse Friedrich Austerlitz- Wi<var der Bäckermeister Karl Meyer zu Berlin auf Grund der bekannten Bundesratsvorschriften vom Landgericht zu einer Geld- strafe verurteilt worden. Bei einer Revision waren bei Broten, die einen Tag alt waren, Mindergelvichte von 65 und 75 Gramm festgestellt worden. Ein sieben Tage alles Brot zeigte sogar ein Mindergewicht von 190 Gramm. Ein gerichtlicher Sachverständiger hatte das hohe Mindergewicht bei dem sieben Tage alten Brote für unzulässig erklärt und sich im übrigen dahin ausgesprochen: Ein ganz genaues Gewicht auszubacken, war unmöglich; ein Manko von 50 Gramm müßte für zulässig erachtet werden.— Dazu bemerkte das Landgericht in seinem Urteil: EL könnte dahingestellt bleiben, ob die Aeußeanig des Sachverständigen über ein stets zulässiges Manko von 50 Gramm zutreffe, denn hier hätten Brote«inen Tag nach den: Backen Mindergetvichte von 65 bis 75 Gramm aufgewiesen. Es fei anzunehmen, daß der Teig zu knapp bemessen getvesen sei und das vorgeschriebene Gewicht so nicht mehr habe erreicht werden können. Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten ein- gelegte Revision mit folgender Begrülrdung: Wenn eine Brotver- ordnung die Vorschrift habe, daß das Brot bei der Her- st e l l u n g ein bestimmtes Gewicht haben müsse, dann brauche dieses Gewicht allerdings nur bei Wschtuß des Backprozesses vor- Händen sein. Um eine solche Brotverondmuig handele es sich hier aber nicht. Hier habe der Berliner Magistrat in einer Aus- führuiigsvorschrift zu seiner Brotverordnung bestiunnt, daß das vorgeschriebene Gewicht 24 Stunden nach Abschluß des Back- Prozesses vorhanden sein müsse. Eine solche Vorschrift sei gültig: denn sie halte sich durchaus im Rahmen der Bc- fugmsse der Gemomden und Kommunalverbände, wie sie die bc- kannte Buirdesratsverordimilg gebe. Auch sei die Ausführungs- Vorschrift des Magistrats als ein Teil seiner Brotverordnung anzu- sehen. Nun meine der Angeklagte uild der Sachverftmidige, es wäre nicht möglich, die Zutaten auf das Gramm zu bemessen. Das wolle der Senat zugeben. Auch»volle der Senat das Gutachlen des gerichtlichen Sachverständigen nicht beziveifeln, daß eine Differenz von 50 Gramm nicht zu vermeiden sei. Der Senat meine aber, daß die Zulässigkeit einer Differenz von 50 Graimn nicht lediglich unterhalb der Linie des vorgeschriebenen Gelvichts liege» dürfe.— Im Gegensatz zum Vertreter der Obcrstaatsanwaltschaft sei der Senat der Meinung, daß der Bäcker mich dafür zu sorgen habe, daß das Brot nicht zu schtver sei. Dem» in erster Linie seien ja die Mehl- und Brotverordiumgen erlassen, um die Mehlvorrats, die im Lande knapp Kurden, zu schonen. Darum könne es auch nicht dein guten Bäcker erlaubt sein, sein Brot schwerer zu machen als vorgeschrieben sei. Aus alledem folge weiter nichts, als daß das Brot wiegen dürfe: entweder 25 Gramm>ve- niger oder 25 Gramm mehr als die Vorschrift sei. Halte sich das Brot innerhalb 24 Stunden nicht imrerhalb dieser Grenze», dann sei es zu beanstanden. Deshalb rechtfertige sich nach den Feststellungen des Landgerichts die Verurteilung des An- geklagten._ Ms aller Welt. Genügt die Strafe? Vor dem Landgericht in Leipzig ist der Viehhändler Hennig aus Dahlen wegen Preisüberichreilung aus Grund der Bundesrats- Verordnung vom 23. Juli l915 zu 6000 Mark Geldstrafe, iin Nichtza'hlungsfalle zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Hennig halle auf dem Leipziger Schlachthof Schweine verkauft, au denen er pro Stück 20—52 M. Gewinn erzielte. Dieser Gewinn »vulde in der Anklage als ein übermäßiger bezeichnet, da ein Ver- dienst von 13—15 M. an einem Schwein als angemessen anzusehen sei. In den Monaten August 1014 bis Juli 1915 hatte Hennig einen Brutlogcwinn von 35 170 M. gegen 13 565 M. im Vorjahre; sein Mebrverdienst betrug demnach im ersten ÄnegSjahr über 20000 Mark, und wenn man»einen Angaben Glauben schenken soll, daß sich seine Unkosten auf 3000 bis 1000 M. höher beliefen, dann halte er immer noch ct>va 18 000 M. mehr Gelvinn als vorher. Deshalb darf man»vohl der Ansicht sein, daß die Geldstrafe von 6000 M. bei weilen: nicht genügt, bleiben doch dem Uebertreter der erwähnten Bundesralsverordnung aus diese Weise noch rund 12 000 M. in der Tasche. Wenn das Gericht nicht allein eine Ge- fairgnisstrafe auferlegen wollte, hätte eS die Geldstrafe doch »venigstenS so hoch ansetzen sollen, daß dem Angeklagten von dem zu Unrecht erworbenen Gelde kein Pfennig verblieb. Die wenigsten GesetzcSüberlrcker werden doch dem Richter ausgeliefert, wenn aber einer gefaßt worden ist, sollte man ihn auch nicht schoireir. Nur dann könnten wir einigermaßen von den Elementen befreit werden, die sich nicht scheuen, entgegen den Vorschriften übermäßige Gewinne auS den unentbehrlichsten Nahrungsmitteln herauszuholen. Ein gesuchter Raubmörder im Zuchthaus. Der unter dem Ver- dacht der Tälerschaft des in der Nacht zum 31. Oktober vorigen JahreS verübten vierfachen Raubmordes an der Famtkie des im Felde stehenden MühlenbesitzsrS Schwedlowski in Hoch-Stüölan(Kreis Preußifch-Stargard) seit vier Monaten steckbriefltch gesuchte Schmied Wladislaus P a s ck k o w s k i sitzt, wie sich über- raschend herausstellt, schon seit Januar im Zuchehause in Celle. Paschkow'li, der auS einein oberschlesischen Zuchthause auf einige Monate zu seinem Schwager nach Hoch-Stüblau beurlaubt war, verschwand etloa vier Wochen nach dem Raubmord und war nicht mehr aufzufinden. Er hatte sich nach dem Westen Deutschlands gewandt und durch Einbrüche und Diebstähle sein Leben gefristet. Wegen Teilnahme an sechs schweren Einbruchsdiebstählen wurde er im Dezember 1913 in Altona unter dem Namen Anton Nowak zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt und im Januar dieses Jahres in die Strafanstalt Celle eingeliefert. Kürzlich fiel einem Altonaer Polizei- beamten die Achnlichkeit des ZuchtbänslerS Nowak mit dem gesuchten Hoch-Stüblauer Mörder auf, und die von dem ErtundungSdienst der Berliner Kriminalpolizei gemachten Nachprüfungen aus Grund von Fingerabdrücken ergaben einwandfrei, daß es sich um den gesuchten Paschkowski handeile. Paichkowski. der noch immer seinen wahren Namen ableugnet, wird jetzt nach Tanzig zur Aburteilung gebracht. Ueber 50 000 Mark Gcmcindegelder unterschlagen. In der Ge- meindekasse in Mügeln bei Pirna ergab sich bei der RechnungS- Prüfung ein Fehlbetrag von über 50 000 M. Der Kassenassistent G e l b k s hat seit vielen Jahren Gelder in erheblichem Maße unter- schlagen und es in geriebener Weise verstanden, seine Vorgesetzten zu täuschen. Als er in seiner Wohnung verhaftet werden sollte, ver- suchte er sich zu erschießen; er wurde mit einer lebensgefährlichen Verletzung in ein Krankenhaus gebracht. Parteiveranstaltungen. Nieder-Zchönhausen-Nordend. Dienstag, den 5. April 1616, abends S'/j Uhr, im Lokal von Retlig, Blankenburger Str. 4(Schwarzer Adler): Mitgliederversammlung. Vortrag:„Die Frauenerwerbsarbelt »oihrcnd des Krieges und nachher". Neukölln. Sonntag, den 9. April, von 4 Uhr ab findet Im Karls- garten, Ka rlsgartenslr. 6—10, eine Ausstellimg der von den Kindern in den Wintermonaten angesertigten Arbeiten statt. An die Ausstellung schlicht sich ein Elternabend an, beftehend au» Konzert, Gcsangsvorträaeu, Neigen und Aufführung des kleinen Theater- stücke»„Sine Nesse in das Märchenland". Eintritt für Erwachsene 15 Pf, Kinder in Begleitung Erwachsener haben freien Eintritt. Abendkasse findet nicht statt. Billetts sind nur zu haben im Bureau des Wahloereins.?!cckarstr. 3, Speditioir, Siegsriedstr. 28, und bei Frau Lietsch. Wildenbruchstr. 86. Der evcnt. Ueberschuß wird sür die Ferienspiele ver« wendet. Briefkasten üer Redaktion. F. T. 3. 1. Der Zinsfuß beträgt 5 Pro;., Sie müssen deshalb die an- gesetzten Zinsen zahlen. 2. Wenden Sie»ich mit einem Antrag aus Zahlung von Entschädigung an die Qberpoftdirektron. Berlin, Postftraße.— Sch. Z. Z. 909. Ihre Strafe fällt nicht unter den Amnestieerlaß — M. D. 1. Die gesetzlichen und vom Geschäst angeordneten Feiertage dürscn nicht abgezogen werden. 2. Nein.— A. B.. Tegel. Nein.— Lottchen 4. Da der betreffende Soldat zu gewerblichen Arbeilen be- urlaubt ist, bat er keine» Anspruch aus BerpflcqungSgeld.— A. B. Sii. Nein.— Sch. 8V. Ja.— H. L. 39. Sie kömrlen allenfalls Beschwerde beim Kreisausschutz deS Kreises Niederbariiim in Berlin, Friedrich-Karl- User 5, einlegen. Wenn Sie aber kinderlos sind, kann bei Ihrem an- gegebenen Verdienst die Bedürstigkeit verneint und Ihnen deshalb die Unterstüpung verweigert werden.— Klara K.. Neukölln. Di- Mutter kann Anspruch aus Kriegsunterstützung erheben; sie muß sich an die zu- ständige Steuerlasse wendeii.— Laboe 36. Die Klage ist zuständig beim Landgericht II Berlin. Klcinbeerenstraße. Sie müssen uMer Einreichunz des ArmcnattesteS Antrag aus Beiordnung eines Rechtsanwalts beim Landgericht stellen.— L. Sch. C. Kirchensteuern für das Jahr 1915 brauchen Sie nicht zu zahlen; dagegen können Sie für die Zeit, in der Sie noch der Kircheiigemcinschift angehörten, zu den Zahlungen tür den Kirchenbau herangezogen werden.— A. Z- 15. Sie brauchen sich nicht zu melden.— Fr. Hox sog. Jg. soweit der Lohn wöchentlich 38,40 M. übersteigt.— 21. K. 100. Richten sie eine Beschwerde an den Magistrat. f.är»äs mittlere Norddeutschland di» Mittwoch mittag, �.rocken und vorwiegend hiller. Nur in de» Morgenstunden dunstig. 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