Ztr. 100. Montagsausgabe iZvonnementz-lZeiZiligungen: KJonnemenlä- Preis tränumctonboj «ierteljäHrl. 3,90 SRI, monatl L30 Mk. wöchcnUi» 30 Pfg. frei ins Haus. Einzelne iüuinnier 5 Pfg. Sonntags- nuinmer mit illuitrierler Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,30 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitungs- Pretslifle. Unter Kreuzband für Deustchland und Oesterrnch. Ungarn 2�0 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an Belgien, Tänemm� Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, —'nien. Schweden und die Schweiz. CrldfCiDt täglich. 33. Jahrg. Die TnlertlonS'GebQljr betrügt für die fechsgespastene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg. für politische und gewerkschaftliche Pereins- und Berfaniullnungs-Anzeigen 80 Pfg. Kleine Snrergen", das fettgedrulkte Wort 20 Pfg. tzuläffig 2 fettgedruckte Worte), fedes wlitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen»»- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jede» weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buch- staden zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rümmer müssen bis K Uhr nachmsttags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iji. bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozialilemolirat Berlin". Zentralorgan der rozialdcmobratifcben partci Deutfcblands. Reöaktion: Sw. öS, �inKenstraße Z. Kerujvrecher: Amt Morikplatz. Nr. tal S»— 1S197. Montag, den 10. April 1916. Expedition: SW. H8, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 151 90—151 97. Die Tragödie der internationale. Von Gustav Eckstein. Die kürzlich erschienene„Finanznovelle"„Der Fenris- wolf" schildert in knappen Zügen, aber mit dramatischer Wucht, wie das Finanzkapital ein ganzes Land erbarmungs- los in sein goldenes Netz verstrickt und verschlingt. Und doch besteht diese Novelle nur aus einer losen Reihe von Geschäfts. briefen, Sitzungsberichten und Zeitungsausschnitten. Wer sie aber zu lesen versteht, dem braust aus diesen scheinbar so trockenen Aktenstücken das moderne Leben entgegen mit all seiner gigantischen und brutalen Gewalt. Aehnlich wie diese Dichtung, aber noch packender Eirkt eme andere Sammlung von Aktenstücken, die gerade jetzt er- schienen ist, auf den, der sie zu lesen versteht. Und doch handelt es sich hier nicht um ein Kunstwerk, es sind nicht erdichtete und nach � den Gesichtspunkten beabsichtigter Wirkung zu- sammengestellte Dokumente; es ist eine streng historische Sammlung einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Als drittes Heft des sechsten Jahrgangs des„Archivs für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung" hat der Herausgeber, Professor Grllnberg, soeben die erste Abteilung einer Materialiensammlung„Die Internationale und der Weltkrieg" erscheinen lassen. Sie enthält die Be- schlüsse der verschiedenen Kongresse der ersten und zweiten Internationale, die sich auf das Verhalten der Sozialisten zu Krieg und Militarismus beziehen, ferner die betreffenden Parteitogsbeschlüsse und Aufrufe sowie bezeichnende Artikel der Parteipresse Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Frank- reichs und Belgiens aus der Zeit vor dem Kriege und während der ersten Kriegswochen. Wir alle haben diese Zeit mit durchlebt und glauben sie in frischester Erinnerung zu haben. Keine andere konnte sich ja dem Gedächtnis der unter ihr leidenden Menschheit mit gleich furchtbarer Schärfe einprägen. Und doch wirkt die Lektüre dieser fast ohne jede Verbindung nebeneinander- gestellten Urkunden auf uns nicht nur wie ein spannender Roman, sondern wie eine furchtbare Anklage. Welcher Schritt von den einmütigen internationalen und nationalen Friedens- resolutionen, den flammenden Protesten gegen jene Politik, die zum Abgrund führen mußte, den Versicherungen der Klassensolidaritöt über alle Landesgrenzen hinweg— bis zum erschütternden Rachcschrei gegen die Eroberer im Brüsseler „Peuvle" vom 18. August 1914„Lsl Haine"(Der Haß)! Welch furchtbarer Schritt; und doch liegen zwischen jener Zeit des Friedens, die uns heute schon so fern zu liegen scheint, und der Zeit des Hasses, in der wir noch leben, nur wenige Tage, ja Stunden. Liest man heute bei Grünberg wieder die Zeitungsartikel, die bis zum 4. August in der Partei- und Gewerkschaftspresse fast aller Länder erschienen, die Aufrufe der Parteivorstände, die Reden, die z. B. unsere franzosischen Genossen noch am 2. August in der großen Per- sammlung der Salle Wagram hielten, so glaubt man Stimmen aus einer anderen Welt zu hören. Wer hätte damals geglaubt, daß nur wenige Tage später auch die sozialistische Jnter- nationale sich in feindliche Heerlager gespalten haben würde, die ihre Waffen gegeneinander richteten? Sehr charakteristisch ist in dieser Hinsicht, was Genosse de Man in einem Brief an die„Hilmanit6" vom 28. Februar 1915 geschrieben hat. Er bestätigt hier die Darstellung Renaudels, wonach Genosse Müller mir 1. August 1914 in Paris erklärt habe, er halte es für ausgeschlossen, daß die deutsche Partei für die Kriegs- kredite stimmen werde, die Frage sei nur, ob die Fraktion die Kredite ablehnen oder sich der Abstimmung enthalten werde. Und de Man fügt hinzu, er sei durchaus überzeugt, daß Ge- nosse Müller damit nicht nur im besten Glauben gehandelt habe, sondern daß seine Aeußerung auch durchaus der Ge- sinnung entsprochen hätte, welche die Führer der deutschen Sozialdemokratie bis in die letzten Julitage hinein hegten. Es ist sicherlich richtig, daß am 31. Juli 1914 ein mindestens ebenso großer Teil der deutschen Parteigenossen eine Bewilli- gung von Kriegskrediten für eine innere Unmöalichkeit hielt, wie am 4. August diese Bewilligung als eine Notwendigkeit betracktete und begrüßte. Tie V o r st e l l u n g des Krieges, die Befürchtung seines Ausbruchs hatte also die Sozialisten der verschiedenen Länder nur um so fester geeinigt; die Tatsache des Krieges schied sie sofort in feindliche Lager. Wie ist das zu erklären? Liest man die von Grünberg gesammelten Dokumente, dann kann inan sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier nicht bloß ein zufälliges trauriges Geschehnis vorliegt, sondern daß man von einem Verschulden der Internationale selbst sprechen muß. Nicht um die Verantwortlichkeit, die Fehler einzelner Personen allein kann es sich da handeln; dazu ist die Erschei- nung zu allgemein, ober auch zu groß, zu elementar. Das Verhalten der Internationale selbst vor dem Kriege oder während desselben oder zu beiden Zeiten muß an Verhängnis- vollen Fehlern gekrankt haben; sonst hätte sie unter dieser allerdings furchtbaren Belastungsprobe nicht so versagen, so zusammenbrechen können. Was hatte sich in jenen wenigen Stunden zugetragen. die genügten, um der scheinbar so festgefügten Internationale I Mm(es Stögen SWmtliets. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 9. April 191«.(W. T. B.) Die Lage ist auf allen Kriegsschauplätze« im allge- meiueu unverändert. Oberste Heeresleitung. Luftangriff auf eine russische§!iegerftation. B e r l i n, 9. April.(W. T. B.) Am 8. April griffen vier Marineflugzeuge die russische Flugstation Papens- Holm bei Kielkond auf Oesel an. Die Station wurde mit zwanzig Bomben belegt, von vier zur Abwehr aufgc- stiegenen feindlichen Flugzeugen wurden zwei zur Lan- dung gezwungen. Trotz heftiger Beschießung sind unsere Flugzeuge unbeschädigt zurückgekehrt. DerChefdesAdmiralstabeSderMariue. » *» Sei MneWW SemmMMl. 23 i e a, 9. April.(23. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Russischer und sudöstlischer Kriegsschauplatz. LaverSndcrt. Italienischer Kriegsschauplatz. Stellenweise lebhaftes Geschützfeuer, foast keine uennenS- werten Kämpfe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstnbes, v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. der Arbeiter den tödlichen Schlag zu versetzen? Das, was alle seit Jahren vorausgesehen und vorausgesagt, der europäische Krieg, war zur Wirklichkeit geworden. Suchen wir aber in den zahlreichen Kongreß, und Parteitagsbeschlüssen, die sich mit der Kriegsgefahr beschäftigen, nach Anweisungen, wie sich die sozialistischen Parteien während des Krieges zu ver- halten haben, so finden wir kaum etwas anderes als die wenigen Zeilen am Schlüsse der Stuttgarter Resolution von 1997. Alle Aufmerksamkeit der Sozialisten war auf die Frage gerichtet, wie der drohende Krieg zu vermeiden wäre, welche Mittel zu diesem Zweck den Arbeitern zur Verfügung stehen. Selbst in den Diskussionen, die der Beschlußfassung in Stuttgart im Plenum und in der Kommission voraus- gingen, war von der Frage des Verhaltens während des Krieges kaum mit einem Wort die Rede. Ziemliche Einmütigkeit herrschte allerdings, wie aus vielen Reden auf verschiedenen Parteitagen und Kongressen hervorgeht, unter den Wortführern der Partei darüber, daß die Sozialdemokraten in einem mit Waffengewalt ange- griffenen Lande die Pflicht hätten, dieses Land zu verteidigen. Man verließ sich dabei nach dem Vorgang Bebels meist darauf, daß die Situation beim Ausbruch des Krieges so klar sein werde, daß die Proletarier aller beteiligten Länder leicht ein- hellig feststellen könnten, welcher Teil der Angreifer ist, und sich gegen ihn wenden würden. Daß aber die Sozialisten aller Länder, die gesamte Internationale, auch im Kriegsfalle, wenn die Angegriffenen sich zur Wehr setzten, mindestens innerlich in Uebereinstimmung bleiben würden, daß die Internationale gerade im Kriege sich erst voll bewähren werde, das galt allgemein als selbstverständliche Voraussetzung, über die niemand erst noch zu diskutieren gewagt hätte. Ohne diese Voraussetzung verlöre ja auch der Schlußabsatz der Stuttgarter Resolution jeden Sinn. Sicherlich war das völlige Versagen diese? fast allgemein akzeptierten Maßstabes für das Verhalten der Sozialisten aller Länder beim Ausbruch des jetzigen Krieges, in dem sich jedes Volk für angegriffen bält, ein wichtiger Grund für die Verwirrung, die in den Anschauungen der meisten Sozialisten Platz griff. Dazu kam. daß eben deshalb, weil man sich auf diesen Maßstab allzu fest verlassen hatte, die Frage ungeklärt geblieben war. wie sich das Prinzip der Jnternationalität mit dem der Landesverteidigung auch dann noch vereinbaren ließ, wenn die sozialistischen Parteien sich nicht einhellig für die eine und gegen die andere Seite entschieden, sondern jede für die Verteidigung ihres eigenen Landes. Aber wer jene Schreckenstage furchtbarster Erregung noch nicht vergessen hat, in denen mit wahnsinniger Ge- schwindigkeit zur erschreckendsten Wirklichkeit wurde, was wir alle vorausgesehen, dessen Eintreten aber doch uns alle fast betäubte, der weiß, daß kein vorhergegangener Kongreß- beschluß imstande gewesen wäre, die Stimmung, welche die großen Massen auch der Parteigenossen ergriff, viel zu ändern. Die Ziele, die die Politik der Regierungen verfolgt, wechseln durch den Krieg nicht ihr Wesen, der Krieg ist nur das stärkste Mittel, sie durchzusetzen. Sein Ausbruch konnte daher unsere Anschauungen über diese Ziele, unsere Stellung zu dieser Politik nicht ändern, die Wahl des Mittels uns nicht freundlicher für sie stimmen.— Was aber plötzlich als von Grund auf geändert erschien, das war, daß jeder sich und die, Seinen unmittelbar bedroht fühlte, daß der urwüchsige Selbst- i erhaltungstrieb, der elementarste Naturtrieb des Menschen, alle Bewohner eines Territoriums plötzlich einigte, und unter der Wucht dieses mächtigen Schicksals brachen alle anerzöge- neu, später erworbenen Rücksichten und Erkenntnisse zu- kämmen. Der Landsmann wurde zum Schicksalsgefährten, die Klasse trat zurück hinter der Nation, hinter der Staats- zugehörigkeit. Diese Verteidigung der Grenzen gegen scind- liche Invasion ist es, die alle Klassen vereinigt. Sie erscheint auch als der einzige Weg, um das Proletariat des betreffenden Landes nach Möglichkeit vor den Schäden des Krieges zu be- wahren. Wir sehen deshalb auch das merkwürdige- ilochau» spiel, daß in dem blutigsten und verheerendsten Krieg, dSn die Weltgeschichte kennt, sich die zahlreichen an ihm beteuigsen Regierungen fast durchweg hüten, ein �anderes Ziel einzu- gestehen, als das der Verteidigung und Eoicherung des Landes und der Herstellung eines dauerhasten Friedens, und selbst, wo dennoch ganz andere Absichten ans Licht treten, kleiden sie sich in die Sprache der Verteidigung des Landes gegen, künftige Gefahren. Wollte man all diesen Versicherungen glauben. dann würde dieser greuelvolle Krieg von ollen Betestlgten nur geführt, um den Frieden herzustellen. Und unterdessen zerfleischen sich nicht nur die Staaten gegenseitig bis zur Er- schöpfung, auch die Internationale der Arbeiter liegt entseelt oder doch mindestens gelähmt am Boden. Trifft uns daran ein Verschulden? Hat die Jnternatio- nale in ihren Entschließungen, in ihrem Tun und Denken Fehler begangen? Die erschütterndsten Tragödien sind jene. in denen das Verhängnis, der Zusammenbruch herbeigeführt wird durch das allzu große Vertrauen des Helden in die eigene Kraft, in seine Fähigkeit, die Verhältnisse zu meistern. Auch die Internationale hatte sich zu sehr dem Vertrauen hingegeben, der drohende Krieg werde doch unterbleiben, weil jede Regierung die furchtbaren Folgen scheuen werde, die, wie die Geschichte der letzten Jahrzehnte lehrt, fast stets den im Kriege Unterlegenen im eigenen Lande ereilen; vor allem aber hatte sie geglaubt, daß sie imstande sein werde, auch im Toben des Weltkrieges selbst das Gefühl brüderlicher Soli- darität in den Arbeitern der verschiedenen Länder lebendig zu erhalten. Dieses Selbswertrauen hat sich als ungerecht- fertigt erwiesen. Die Leidenschaften beim Ausbruch des Krieges haben im ersten Ansturm das Gefühl internationaler Zusammengehörigkeit betäubt. Auch die Führer haben sich von ihnen mitreißen lassen und waren nachher die Gefangenen ihres eigenen Wortes. Es ist eine furchtbare Tragödie, die wir erleben; das kommt uns erst mit voller Schwere zum Bewußtsein, wenn wir rückschauend an der Hand der Urkunden den Weg wieder durchmessen, den uns die letzten Monate auf der abschüssigen Bahn geführt. Aber wir sind nicht untätige Zuschauer dieser Tragödie, wir sind zugleich die handelnden Personen; und darum ziemt uns nicht bloße Ergriffenheit; das fruchtlose Klagen überlassen wir denen, die zum Handeln zu schwach- mütig sind. Solange wir die Kraft fühlen, die Veran:- Wartung für unser Tun auf uns zu nehmen, dürfen wir nur an jenes Schicksal glauben, das den innerlich Starken erhebt, Wenn es den Schwachen erdrückt. Der ftanzosische Tagesbericht. Paris, 9. April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Sonnabend nachmittag. In den Argannen Minenkampf cm der Fille Morte, wo wir mit Erfolg zwei Quetschminen springen liehen. An der Höhe 285 besetzten wir den Südrand eines durch eine deutsche Sprengung entstandenen Trichters. Westlich von der Maas erneuerten die Deutschen im Laufe der Nacht ihre Angriffe gegen die Stellungen im Süden und am Ostausgang von Haucourt. An diesem Punkte konnte nni der Feind trotz wiederholter An- strengungen nicht aus unseren Linien werfen, von denen ein mör- derischeS Feuer ausging, das ihm schwere Verluste beibrachte. Im Süden von Haucourt konnten die Deutschen in zwei kleinen Werken zwischen Haucourt und der Höhe 287, die wir- besetzt halten, Fuß fasten. Südöstlich von Btthincourt dauerte der Granatenkampf in den Verbindungsgängen längs der Strahe Böthincourt— Chattancourt fort und brachte uns einige Vorteile ein. Oestrich von der Maas zeitweilige Beschietzung unserer Stellungen. Ein feindlicher Granatenangriff gegen einen unserer Schützengräben nördlich von der Anhöhe von Fort Caux wurde durch unser Feuer abgeschlagen, In der Woevre war die Nacht ruhig. In den Vogesen wurde eine feindliche Erkundungsabteilung, die einen unserer kleinen Posten am Langenfeld-Kopf(südlich von Sondernach) zu nehmen versuchte, durch Gewehrfeuer zerstreut. Pari», 9. April.(WT.B.) AmtlicherBerichtvonSonn- adendabend. Südlich de» Avre zerstörte unsere Artillerie die Mühle St. Aurin, wo sich ein Beobachtungsstand befand, und brachte feindliche Schützengräben nördlich BeuvraigneS zum Einsturz. In der Champagne erwiderten wir in der Gegend von Navarin sehr heftiges feindliche? Artilleriefeuer, das auf einen Angriff schließen lieh, mit Sperrfeuer. Der Feind kam nicht aus seinen Schützen- grüben heraus. In den Argonnen konzentrisches Feuer auf die feindlichen Batterien im Cheppy-Walde und in der Gegend von Montfaucon und Malancourt. Vor Verdun ist kein wichtiges Er- eignis zu melden, nur ziemlich heftige Beschießung unserer Front Bethincourt— Toter Mann— Cumieres. In den Vogesen lebhafte Tätigkeit unserer Batterien im Fechttale. An der belgischen Front ovckief der Tag ruhig« die englische Melüung. London, S. April.(W. T. B.) Englischer Heeres- bericht vom Sonnabend. Mincntätigkcit bei Hulluch, Gi- vcnchi) und südöstlich Sdoclinronrt. Beiderseitige Artillerieiätigkcit an verschiedenen Stellen der Front. der Sericht öer russischen Heeresleitung. Petersburg, ö. April. l�W. T. B.) Kriegsbericht vom 8. April. Westfront: An der Tüna Infanterie- und Artilleriekampf. Im Abschnitt Tünaburg vereinigte unsere Artillerie ifjr Feuer in einem Unterabschnitt bei Jlluxt. An derselbe:! Stelle brachten wir vier Minen zum Auffliegen und zerstörten die deutschen Gräben und ein Blockhaus. In der Gegend Postawp, Miadziol- und Narocz-See entwickelte die feindliche Artillerie eine große Tätigkeit, sie schoß zeit- weise mit Gasgranaten. G a l i z i e n: An der mittleren Strhpa, östlich Podhajc?, versuch- tcn die Scsterreicher mit starken Kräften anzugreisen, sie gingen aber, durch einen Gegenangriff von uns bedroht, eilig zurück. Kaukasus: Im Küstenabschnitt versuchten die Türken in der Nacht zum ö. April auf da? rechte Flußufer des Karadere über- zugehen, sie wurden jedoch durch unser Gewehr- und Handgranaten- fcucr zurückgetrieben. Melüung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 8. April.(W. T. 23.) Amtlicher Berich t. An der ganzen Front Tätigkeit der Artillerie und kleinerer Abteilungen. In der Gegend des Cristallo richtete der Feind das Feuer zahlreicher Batterien aller Kaliber gegen die kürzlich von uns eroberten Stcl- lungen auf dem Rauchkofl. Um unsere Truppen nicht unnützen Ver- lusten auszusetzen, räumten wir in guter Ordnung den vordersten Schützengraben. In Kärnten wurde ein kleiner Angriff in der Nähe des großen Pal zurückgeschlagen. Unsere Batterien zersprengten feindliche Kolonnen, die in den Tälern von Valentin und Kronhof iGail) marschierten. Auf dem Vodil(Krn) überfiel der Feind eines unserer kleinen Werke. Durch einen sofort einsetzenden Gegenangriff wurde er gezwungen, in Unordnung zurückzugehen und ließ uns 7t> Gefangene, darunter 2 Offiziere, sowie ein Maschinengewehr. Im Abschnitt von Blobna(mittlerer Jsonzo) wurde ein vorgeschobener Posten des Feindes umzingelt und gefangen genommen. '. C a d o r n a. Bericht ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, ö. April.(W- T. 33.) Das Hauptquartier meldet: An der I r a k f r o u t fügten wir dem Feinde bei einem Gefecht am ü. und V. April �n einem von einer nnserer fliegenden Abteilungen besetzten Schützengraben der vorgeschobenen Linie vier Kilometer östlich unseres Hauptabschnittes von Felahie einen Verlust von fünfzehnhundert Mann zu und nahmen ihm einige Gefangene ab. Wir schössen ferner ein Flugzeug ab. Dieser zweitägige Kampf spielte sich folgendermaßen ab: Ta infolge des Äeigens des Tigris in den letzten Tagen unsere an den Nuß stoßenden Schützen- graben, die einen Teil unserer vorgeschobenen Linie bildäen, und die sich vier Kilometer östlich unserer Hauptstellung be- finden, überflutet und zerstört worden waren, so räunite ein großer Teil unserer Truppen am 4. April abends befehlsgemäß diese Gräben, in denen sie ungefähr zwei Kompagnien zurückließen. Am 5. April morgens beschoß der Feind, der die Ursache dieser Räumung nicht kannte, diese Gräben mit semer Artillerie eine stunde lang und. griff sie mit einer Truppen- macht von ungefähr drei Brigaden an. Obwohl unsere beiden Kompagnien den Befehl erhalten hatten, vor diesen über- lsgenen Kräften zurückzugehen, so hielten sie doch stunden- lang den Feind durch Angriffe mit dein Bajonett und mit Bomben auf und wichen dann in unsere Hauptstellung zurück. Gleichzeitig zogen sich unsere aus schwachen Kräften zu- sammengesetzten Borposten aus dem rechten Ufer des Tigris ebenfalls aus den Flügel unserer Hauptstellung zurück. Ge- legentlich dieser Angriffe stellten wir fest, daß eine Anzahl der feindlichen Truppen in den durch die Ueberschwenrmung ge- bildeten Sümpfen einsanken. Durch diese Scharmützel er- mutigt, näherte sich der Feind, der neue Verstärkungen erhielt, am 6. April an einigen Stellen bis auf 800 Meter unserer Hauptstellung und versuchte dann einen Angriff. Er wurde aber durch unseren Gegenangriff und um'er heftiges Feuer gezwungen, zwei Kilometer in östlicher Richtung zurückzu- gehen. Dabei ließ er eine beträchtliche Zahl von Toten und Verwundeten zurück. Die feindlichen Verluste werden aus 1500 Mann geschätzt, während die unserigen gering sind. Am 7. April morgens bekämpften sich nur die beiden Artillerien. An der K a u k a f u S f r o n t scheiterte im Zentrum ein vom Feinde versuchter nächtlicher Ueberfall. Ter Feind wurde durch unseren Gegenangriff nach wenigen Stunden Kampfes vollkommen aus der vorher von ihm besetzten Stellung ver- jagt. An den anderen Abschnitten unbedeutende Kämpfe. An der Küste von Smyrna nordwestlich von Urla schoß ein feindlicher Monitor ohne Erfolg fünfundzwanzig Granaten auf die Umgebung von Karatatsch Burun. Unsere Artillerie antwortete und traf dreimal den feindlichen Moni- tor, der kampfunfähig gemacht und auf hoher See von einem anderen Monitor, der zu seiner Hilfe herbeigeeilt war, abge- schleppt wurde._ vom U-Soot»Krieg. Lindon, 3. April.(W. T. 33.) Lloyds meldet: Der französische Fischdampfer„Sa inte Marie" wurde versenkt. Die Besatzung ist gerettet. Kristiania, 9. April.(W. T. 33.) Der Vizekonsul in Almeria berichtet, daß aus dem Verhör beim Seegericht hervorgehe, daß die „Norne" von einem deutschen U-Boots in Grund geschossen wurde, nachdem das U-Boot Bestimmungsort und Ladung des Schiffes erfragt und der Besatzung Zeit gelassen hatte, in die Boote zu gehen. London, 9. April.(W. T. 33.) Lloyds melden, daß der britische Dampfer„A d a m t o n"(2304 Tonnen) gesunken ist, Die Kämpfe in Deutsch-Gstafrika. London, 8. April.(W. T. 33.) Reutermeldung. Amtlich. Weitere Berichte, die von General Smnts eingetroffen sind, besagen, daß der Erfolg des General Van de Venter im A r u s ch a- Distrikt bedeutender war, als zuerst schien. Die deutsche Ab- teilung, die umzingelt und gezwungen wurde, zu kapitulieren, war ansehnlich. Tie Deutschen hatten zahlreiche Verluste. Es haben sich bereits 17 Europäer und 404 eingeborene Soldaten mit Ma- schinengelvehren und großen Mengen Munition ergeben. Tie Ein- bringung weiterer Gefangener steht bevor. Die Franzosen in Kamerun. Paris, 9. April.(T. U.) Das Amtsblatt veröffentlicht ein De- krct, nach welchem General Ahmerich zum Generalkommifiar der französischen Regierung für die besetzten Gebiete Kameruns ernannt wird. Merlin, Generalgouverneur von Französtsch-Aequatorialafrika, ist zum Generalsekretär für die Gebiete der deutschen Kolonie er- nannt worden, die vor dem Vertrage vom 4. November 1911 einen Bestandteil von Französisch-Aequatorialafrika bildete. Englische Stimmen zur Kanzlerreüe. London, 8. April.(W. T. B.)„Daily Chronicle" schließt seinen Artikel über die Rede des Reichskanzlers: Wir werden niemals das Schwert in die Scheide stecken, ehe die vollen inter- nationalen Rechte Belgiens wiederhergestellt werden und eä eine reichliche Entschädigung für alle seine Leiden erhalten hat. Es gcht noch andere Ziele in diesem Kriege, den der gottlose Ehr- geiz Deutschlands entfesselt hat, aber das Hauptziel ist die Wieder- Herstellung der internationalen Unabhängigkeit Belgiens, und so groß die Kosten sein mögen, die Alliierten werden den Krieg fort- setzen, bis das Ziel völlig erreicht ist. „Manchester Guardian" schreibt: Wenn öer Reichskanzler glaubt, daß Frankreich und England irgendwelche Ein- Mischung in die Unabhängigkeit Belgiens zulassen werben, so ist das einer seiner Irrtümer. Die Unabhängig- keit Belgiens muß eine absolute sein, und er mag versichert sein, daß England dafür kämpfen wird, wie es für die Unab- hängigkeit von Kenr kämpfen würde, wenn es in deutsche Hände gefallen wäre. Das Blatt schreibt weiter über Polen: Teutschland beabsichtigt mit einem Wort, die gegenwärtige militärische Linie als Basis für eine dauernde Grenze zu nehmen. Die Rede des Kanzlers ist kein Friedensangebot, sie ist eine Her- ausforderung als Lorspiel für den Sommerfeldzug. Der Kanzler hat sich vielleicht gefragt, was sich die Alliierten um Polen küm- Merten. England wäre allerdings für eine polnische oder serbische Frage nicht in den Krieg gezogen, aber jetzt ist die Lage verändert, die pariser Kommune Am 18. März waren cS 45 Jahre seit dem Aufstand der Pariser Arbeiter, der am 20. März 1871 zur Bildung der Kommune führte. In der„Humanite" wurde dieser denkwürdige Tag— in Anbetracht der Kämpfe um Verdun und der Aufrechterhaltung der „heiligen Einigkeit"— mit einigen nichtssagenden Bemerkungen abgetan. Das einzige Pariser Blatt, das den 18. März in seiner nroßen hijtorischen Tragweite würdigte, war das der französischen Minderheit nahestehende- russische sozialistische Blatt„Nasche Slowo". Die nachstehenden Auszüge aus dem dort veröffentlichten Artikel des Genossen Warin haben nicht nur geschichtliches Interesse. „Ein ganzes Jahrhundert— schreibt er— marschierte Frankreich an der Spitze der Völker, indem es die Ideale einer neuen Ordnung verioirklichte, heftige soziale Schlachten schlug und den Weg zur Freiheit für andere ebnete. In diesen hundert Jahren spielte sich neben diesen! Kampf manches andere ab: Deutsch- -and— damals ein rückständiges Land mit einer lächerlichen Siaatsorganisation— erwachte zum revolutionären Kamps, und das proletarische Wien wurde das Paris des neuen Deutschland, als es unter dein Kugelregen Windischgrätz' seine revolutionäre Feuer- taufe empfing; es gingen die Aufstände Polens und Süddeutsch- lands vorüber: in Italien vollzog sich eine nationale Revolu- tion; Garribaldi und Lassalle gingen dahin; Marx und Engels traten mit ihrem Kommunistischen Manifest auf; es entfaltete sich und verging die englische Chartistenbewegung; die sozialistische Internationale wurde geschaffen; in Rußland und Amerika fielen die Ketten der Sklaverei— überall ging das Leben vorwärts, überall tobte der Kampf, aber alle diese Bewegungen waren nur E i n z e l c l e m e n t e: in seiner vollständigsten, vollendetsten Form entfaltete sich das Leben in Frankreich; dort trat alles schärfer, umfassender hervor, dort wurden die fortschrittlichen Ideen durch die Praxis auf ihren Wert geprüft, dort entwickelte sich in schnellem Tempo das, was in anderen Ländern erst keimte oder sich einseitig entfaltete. Und der letzte mächtige Akkord in dieser hundertjährigen Helden- symphonie der Geschichte des revolutionären Frankreichs— von der Erstürmung der Bastille bis zu den letzten Stunden der„Föde- rierten"— war die Pauset Kommune. Dw Bewegung der Pariser Proletarier, die wie Helden starben. als es keine Hoffnung mehr auf den Sieg gab. war der letzle Schrei der wahren Demokratie, die vor der Ilnbcgrenztheit der sozialen Perspektiven nicht zurückschreckte— war ein Schrei, der dem Proletariat der ganzen 3Lelt jenes Vermächtnis übertrug, das die Kräfte eines einzigen Volkes überstieg..." Die Periode vom Aufstand der Kommunard» am 18. März und den letzten Barrikadenkämpfen Ende Mai, die die Niederlage der Kommune und den Sieg der Reaktion besiegelten, wird' von Warin so geschildert: „Die revolutionäre Situation diktierte der Kommune eine zweifache Aufgabe: eine militärische und eine politische. Es galt einerseits die Armee der Bersailler zurückzuwerfen und zu vernichten und andererseits den Kampf gegen die Reaktion im nationalen Maßstab zu führen, d. h. sich aktiv mit der Provinz zu vereinigen. Dieser letzten Aufgabe standen die dezentralistischen Ideen der Kommune auf dem Gebiete der Staatsverwaltung im Wege. Tie militärische Aufgabe jedoch wurde während der ganzen Zeit ver- nachlässigt: bekanntlich war die militärische Organisation der Kam- mune— dieser revolutionären Regierung des Proletariats— eine ihrer schwächsten Seiten,»ine Tatsache, die zu der Energie und dem Opfermut der Kämpfer in schroffem Widerspruch stand. Was tat denn aber die Kommune? Sie beschäftigte sich— kurz gesagt— mit der Demokratisierung der Verwaltung und des gesamtm politischen Lebens: mit der Verwirklichung des Grundsatzes der tatsächlichen Gleichheit aller ohne Unterschied des Geschlechts und des Berufes im Gemeinloesen; mit der Bc- freiung sämtlicher Gebiete des öffentlichen Lebens von aller Ron- tine und allen reaktionäun Einschränkungen— eine Aufgabe, die viele Jahre„normalen" Lebens beansprucht haben würde. Dinge, vor denen das bürgerliche Frankreich 45 Jahre lang unschlüssig Halt machte und d'e ihre Schädlichkeit besonders beut- lich letzt im Kriege dargetan haben: der Bureaukratismus, die tatsächliche Ungleichheit der Bürger vor den elementarsten gesellschakt- lichen Anforderungen, die soziale Unselbständigkeit der Frauen als Ergebnis des Mißtrauens der herrschenden Gruppen Frankreichs zu diesem neuen Element des öffentlichen Lebens, die ersten Ver- suche einer kollektiven Wirtschaftsführung— alles dies sind Auf- gaben, die die Kommune ausstellte oder gar schon verwirklichte als notwendige Bestandteile einer allgemeinen wirklich demokratischen Reform. Darin besteht die objektive geschichtliche Rolle der Kommune. Sie entfaltete ein Programm, das das französische Proletariat verwirklicht härte, wenn man ihm nicht hindernd in den Weg getreten wäre. Allein die Bourgeoisie trat ihm entgegen und verwandelte so den Kampf um eine demokratische Reform in«ine soziale Revolution. Sozialistische Elemente, d. b. solche, die mit der Aufrcchterhal- hing des Kapitalismus im Lande unvereinbar waren, waren im Reformplan der Kommune nur schwach vertreten und trugen keinen ' und es gibt kern Zurück mehr. Di« Allranz ist fest, und ihre Soli- darität ist vor allem Deutschlands Selbstenthüllung_gu danken. Deutschland hat Europa überzeugt, daß es der gemernscmre Feind, der Feind der Freiheit und Zivilisation ist. Ein tiefes Gefühl aemeinsanrer Interessen und heiliger Erinnerungen gemeinsamer Leiden vereinigen die Alliierten Rußland und England nicht weniger als Frankreich und Belgien. Wir werden Deutschland keinen Sieg lassen, der es der deutschen Regierung ermöglichen würde, sich seihst vor allem Volke zu rechtfertigen und den Militarismus mit Triumphen zu nähren. Die amerikanische presse zur Reichstanzlerreüe. Stew Jork, 9. April.(Funkspruch deS Vertreters von W. T. B.) Tie Zeitungen widmen der Rede des deutschen Reichs- kanzlers spaltenlange Artikel.—„World" schreibt im Leit- artrkel: In der Frage der Beziehungen zwischen Deutschland und den 3kreinigten Staaten hat der Reichskanzler den Hauptpunkt unerörtert gelassen. Was der Kanzler nicht erwähnt hat, ist die einfache und grundlegende Frage, ob Teutschland die Absicht hat, Versprechen, die es den Bereinigten Staaten gegeben hat, zu halten. Das Blatt sagt weiter: Die Beziehungen zvi- schen den Vereinigten Staaten und Deutschland sind in der Tat in einem kritischen Stadium, wenn die deutsche Regierung wegen der Leidenschaft des beut- schen Volkes physisch außerstande ist, Worte zu Halden und ihre Versprechungen in die Tat umzusetzen. Ehe nicht der Kanzler diese merkwürdige Lage aufklärt, wird nichts, was er über den Krieg sagt, amerikanischen Ohren glaubhaft klingen. „Sun" sagt: Angesichts dessen, was geschehen ist und noch jetzt geschieht, ist es ein phantastischer und schrecklicher Euphemismus, davon zu sprechen, daß Unterseeboote lediglich der Ver- t e i d i g u n g dienen. Zu den Versicherungen deS Kanzlers, daß Deutschland sich aller Abenteuer auf der westlichen Halbkugel der Welt enthalten will, ist nur zu sage», daß die Bereinigten Staaten das Vertrauen zu den Versicherungen eines europäischen Kanzlers und zu Versprechungen, die in feierlich besiegelten Verträgen gemacht werden, verloren haben. Tie Vereinigten Staaten beabsichtigen jetzt, ihr Heer und ihre Marine zur Verteidigung ihrer Grenzen und zur Bekräftigung ihrer nationalen Politik zu rüsten. „Times" schreibt: Nach 20 Monaten des Krieges dämmert es noch nicht in Deutschland. Was die Bereinigten Staaten ver- langen, ist eine schnelle und eindeutige Erklärung über die Unter. seebootskriegführung Deutschlands. Eine Meldung der„Zk ew Jork World" aus W a s h i n g- i o n besagt, es sei unmöglich gewesen, im Weißen Hause und im Staatsdepartement eine amllichc Meinungsäußerung über die Kanzlcrrede zu erlangen. Man nehme jedoch an, daß Präsident Wilson und Staatssekretär Lansing beide davon angenehm be- rührt seien, daß Deutschland keinen Konflikt mit der amerikanischen Regierung wünsche. Ms Selgien. Brüssel, 9. April.(W. T. B.) Am 6. April abends wurden bon der deutschen Mrlitärpolizei auf der Landstraße bei Siechen- Moll im Norden der Provinz Brabant zwei junge Leute an- gehalten, die bei ihrem Verhör alsbald gestanden, daß sie über Holland zur feindlichen Armee reisen wollten. Die beiden jungen Leute sind Schüler in dem Institut St. Louis, der ersten geistlichen Erziehungsanstalt Brüssels, zu welcher Kardinal Mercier rege persönliche Beziehungen unterhält, und in deren Räumen er bei seinen Besuchen in Brüssel Wohnung nimmt. Sie gaben an, daß sie von ihren Lehrern aufgefordert worden waren, nicht länger mehr auf den Schulbänken zu bleiben, sondern sich zum Heere zu begeben. Die Lehrer hätten ihnen außerdem Geld und gefälschte Personalaus- weise zur Flucht über die Grenze gegeben und ein Stichwort für den Führer, der sie über die Grenze bringen sollte. Die gefälschten Personalausweise und erhebliche Geldsummen wurden tatsächlich bei den beiden Festgenommenen gefunden. In Verbindung mit diesen Feststellungen wurden der Lehrer Truhens und der D r r e k» tor Eocheteux vom Institut St. Louis wegen Beihilfe zum Kriegsverrat(Zuführung von Mannschaften an den Feind) in Haft genommen. Einführung üer Sommerzeit in öer Schweiz. Bern, 9. April.(T. U.) Am Montag findet zwischen Ver- tretern der Schweizer Bundesbahn und der deutschen StaatSbahn eine Konferenz statt, die wahrscheinlich die Einführung der Svm- merzeit auch in der Schweiz zur Folg« haben wird. Auch mit Frankreich hat die Schweiz Unterhandlungen in dieser Frage ein- geleitet. aggressiven Charakter. Allein, die Bourgeoisie erreichte es, daß auch dieses heilige Feuer des friedlichen menschlichen FortschritiS zu hellen Flammen des Hasses gegen die Unterdrücker emporloderte, und in diesem Augenblick war die Frage des Kampfes des s o z i a- l i st i s ch e n Proletariats gegen die reaktionäre Bourgeoisie im Namen des Rechts das Leben des Volkes neu aufzubauen, in ihrer ganzen Schärfe aufgerollt. Mehr noch: als die Kommune ihren törichten Zweikampf mit Versailles aufncchm, vermachte sie den Arbeitern der ganzen Welt ihr soziales Ideal, und sie fiel im Kampf nicht für die Interessen der Pariser oder allern der Franzosen, sondern für die Interessen der gesamten Menschheit. Nicht umsonst schätzt Marx die 33edeutung dieser Bewegung so hoch ein und nannte ihre Niederlage bedeutungsvoller, als es viele Siege sind... Einzeln« Ideen der Kommune sind von der Zeit einer Um- Wertung unterworfen worden. Ihre Grundidee jedoch, daS allgemeine Ziel, das sie beseelte, ist noch heute lebendig.. Ein Sonntagnachmittag in Lille. Ein Mitarbeiter schreibt uns mrS dem Felde: Ein herrlicher FriWrngssonntag oerlockt mich zu einem Svezrergang durch Lille. Wie ich durch die Rue nationale gebe, höre ich von weitem Konzert- musik. Die Hauptstraßen, die auf dem Platz einmünden, wie auch der Platz selbst, sind belebt von zahlreichen Zuhörern, die meistens allerdings in Feldgrau gekleidet sind. Offiziere und Mannschaften wandeln auf und ab. Man sieht Sonntagsuniformen, aber auch den direkten Lehm des Schützengrabens. Das französische Publikum hält sich etwas zurück. Es fühlt sich nicht reckt behaglich m dem Massengrau. Aber ine Damen, namentlich diejenigen mit der dicken Schickt Schminke, können es sich doch nicht versagen, dem Kern- zert zuzuhören. Dazwischen laufen halbwüchsige Jungen und Mädcl herum und bieten Streichhölzer, Zigaretten, Spielkarten und andere Herrlichkeiten feil. Wie ich langsam zurückwandele, denn es ist Zeit zum Mittagessen geworden, verklingen die letzten Takte einer Paraphrase über das schwermütige Lied.Spinn, spinn, mein Töchterlein"... 'Aus der großen Freitreppe des von un§ Deutschen vor einiger Zeit vollendeten neuen Theaters stehen zahlreiche Offiziere und Mannschaften. Sie rauchen die letzte Zigarre vor Beginn der Vor- stellung. Hier und da begrüßen sich Bekannte, die sich sonst selten sehen, weil sie in verschiedenen Schützengräben liegen. Die Eng- länder, die in den letzten Tagen besonders eifrig im Funken sind, ballern mit einer Energie, als ob sie wieder ein« frische Munitionsladung aus Amerika bekommen haben. Einige Schüsse gehen auch die englische Streichholzsteuer. London, 8. April. U.� Reuter berichtet: jMnlützlich des Entwurf» über die Streichholzbefteuerung ist mit Schwierigkeiten zu rechnen bei Einfuhrung dieser Steuer, da die Fabrikanten er- klärten, daß sie nicht in de: Lage wären, arbeiten zu können. Man hat eine Resolution angenommen, um alle Verkäufe und Bestellung gen einzustellen oher unmöglich zu machen. Seit dem 4. April haben die Fabrikanten kemerlei Geschäfte mehr abgeschlossen. das russische Suöget. Petersburg, 8. April.(W. T. B.) Meldung der Peters- burger Telegraphen-Agentur. Die Duma hat das Budget angenommen. Die ordentlichen und die außerordentlichen Ausgaben belaufen sich auf 3 646 584 377 Rubel, die ordent- lichen und die außerordentlichen Einnahmen auf 3 191 149 318 Rubel. Der Fehlbetrag soll durch eine Kreditoperation gedeckt werden. politische Ueberflcht. Herr Oertel und die Neuorientierung. In der„Deutschen T a g e s z ei t u n g" vom Sonnabend- abend beschäftigt sich der Reichstagsabgeordnetc Oertel mit der Reichstagssitzung vom Tonnerstag. Er führt aus: «Die Reichstagsreden der Abgeordneten Hasse und Scheibe» mann weichen nur in der Beurteilung der Kriegsfragen, der Friedensverhandlungen und der Friedensziele voneinander ab, stimmen aber in den Fragen der inneren Politik nicht nur in der Sache, sondern auch im Tone überein. Ja, es schien beinahe so, als ob es Herrn Scheidemann darauf ankomme, den Führer der abge- splitterten Fraktion zu überbieten. Während dieser bisweilen den Maßvollen zu spielen versuchte, erging sich Schcidemann hier und da in Maßlosigkeiten, die an die Zeiten ermnern, als er durch seine Rede den Reichskanzler veranlaßte, den Sitzungssaal des Reichstags zu verlassen. Besonders zwei Fragen waren es, die den Führer der alten sozialdemokratischen Fraktion zu den schärfsten Angriffen gegen die Regierung veranlaßten, einmal die Frage der Abänderung des Vereinsgesetzes und dann die des preußischen Wahl- rechts.... Unsere Stellung zu dem erwarteten Entwürfe über die Ab- änderung des Vereinsgesetzes ist bekannt. Wir hegen gegen die von den Verbündeten Regierungen in Aussicht gestellten neuen Bestim- mungen tiesgehende sachliche Bedenken, insbesondere auch gegen die Fassung, die im Reichstage beschloffen worden ist. Ob diese Bedenken durch den Gesetzentwurf der Regierung beseitigt oder gemildert wer- den, bleibt abzuwarten. Jedenfalls stehen wir jetzt noch auf dem Standpunkt, den die Regierung früher eingenommen und eine Zeit- lang gewährt hat, daß die Erledigung der ganzen Angelegenheit während des Krieges weder nötig noch zweckmäßig sei. Roch schärfer behandelte der Abg. Scheidemann die Frage des preußischen Wahlrechts..." Oertel stellt nun die wesentlichsten Ausführungen Hasses und Scheidemanns gegenüber und bemerkt dazu: „Unsere Leser werden nicht erwarten, daß wir uns sachlich mit diesen kaum noch verhüllten Drohungen beschäftigen. Wir erwähnen sie nur, um zu zeigen, daß in den hauptsächlichsten innerpolitischen Fragen zwischen den beiden Richtungen innerhalb der Sazialdemo- kratic lein Unterschied der Anschauung, kein Unterschied des Tones obwaltet. Der Abgeordnete Scheidemann hat durch diese seine Aeuherung bewiesen, daß er und die Seinen die Men geblieben sind. Damit wird man allenthalben rechnen müssen, wenn man sich nicht verrechnen will." Aus der nationalliberalen Partei. Ter Zentralvorstand der Nationalliberalen Partei tritt am Sonntag, 21. Mai.�vormittagS 11 Uhr, in Berlin im Reichstags- gebäude zu einer Sitzung zusammen. Als Nachfolger Breithaupts ist zum Generalsekretär der Ratio- nalliberalen Partei Deutschlands der Chefredakteur Dr. Hugo vom„Hannoverschen Kurier" gewählt worden. Rcchtseinheit zwischen Teutschland und Oesterreich-Ungarn. Tie Ständige Deputation des Deutstben Jurijteniages, der seit serner Begründung deutsche und österreichische Juristen umfaßt, tagte am Sonnabend in Berlin. Folgender Beschluß wurde an- genommen: wieder in das schöne Lille hinein, ohne aber besonderen Schaden anzurichten. Ader das Platzen der Schrapnells, der unheimlich knatternde Ton, regt keinen sonderlich mehr auf. Man ist derlei längst gewohnt. Jetzt scheint auch unsere Front zu antworten. Schuß um Schuh, von hüben und drüben. Plötzlich laute Klingel- töne. Die Vorstellung beginnt gleich. Gegeben wird Jarnos lustige Operette„Das Mustkantenmädel" von einer Frankfurter Operettengesellfchaft... Ich gehe zum Nordbahnhof, um mir die neuesten deutschen Zat- tungen zu kaufen, denn dort liegen alle größeren Zeitungen unserer Heimat aus. Vor dem Bahnhof stehen groß« Menschengruppen, Flieger in Sicht, ein Schauspiel, das für den Franzosen einen de- sonderen Reiz zu haben scheint. Drei, vier, fünf, sechs... acht Flieger sind als kleine Pünktchen zu erkennen. Wie sie näher kommen, ballern unsere Abwehrkanonen loS! Immer vier, fünf, sechs Schüsse kurz hintereinander. Wenige Augenblicke später sieht man am Himmel die kleinen, weißen Schrapnellwölkchen, zwischen denen die feindlichen Flieger— anscheinend unbekümmert— hin- durchfliegeu. An allen Ecken und Kanten wird geschossen. Aber die Flieger baden sich zu hoch hinaufgeschraubt; sie verschwinden schließ» uch am tfirmanrent— wenn nicht dort unser kühner Jmmelmann lauert, den sie fürchten wie den Gottseibeiuns. Wer die Franzosen stehen immer noch und gestikulieren nach dem Himmel hinauf. ~'er°u6�dehnte Bummel durch Lilles Straßen macht müde, denn das Watter der Stadt ist nicht besonders schön. Wir sind das auS umeren Großstädten daheim denn doch etwas anders gewöhnt. Ich beschließe, zum„Feldgrauen" zu gehen, einer großen, in einem Saal eingerichteten drnichen Wirtschaft, dem Sammelpunkt aller durstigen Soldaten. Der Betrieb untersteht unserer Militärver- waltung. Hallo I Was für ein Betrieb ist das! Der große Saal ist gedrängt voller Soldaten; Kopf an Kopf sitzen sie da, die Wackeren, die sich von den Strapazen des unerbittlichen Dienstes ausruhen und sich an ernem schönen Glase deutscheu Bieres er- quicken. Mit vieler Mühe quetsche ich mich hindurch. Nirgends ist ein fteier Platz zu erspähen, aber auch nirgends! Ein Glas Bier will ich doch wenigsten» trinken, deshalb versuche icki. mich in die Nähe des TresenS zu wälzen. Wer vor dem Tresen steht eine dicht«, undurchdringliche Mauer auS lauter Feldgrauen. Diese Biauer ist nicht zu durchbrechen. Der dicke Kellner, auch ein Ka- merad, der mich sonst immer bedient, scbüttelt aus irgendeiner Ecke der verzweifelt sein Haupt. In den Händen trägt er ackt gefüllte �Benn ich nur einen davon hätte! Aber wir können nicht zueinander kommen! Und so gehe ich traurig wieder von bannen. Es ist zum Lachen: die baverische Regimentskapelle da oben auf dem Podium spielt, wie zum Hohne, dazu:„Weh, daß wir icheiden müssen!"... Also nach HauS, in die„Falle". Morgen früh geht'» wieder hinaus... 1. Die Ständige Deputation des Deutschen Juristeniage» ist der Ueberzeugung, daß, entsprechend der von allen Seiten als not- wendig erkannten Vertiefung des politischen Bündnisses zwischen Deutschland und Ocsterrcich-Ungarn und der erhofften Wirtschaft- lichen Annäherung, auch eine Vereinheitlichung des Rechtes in möglichst weitem Maße und großzügig geschaffen werden kann und muß. Getreu der geschichtlichen Vergangenheit des Juristentages beschließt sie, an diese Arbeit heranzutreten und sich zu diesem Zwecke sofort mit führenden Kreisen der ungarischen Juristen in Verbindung zu setzen. 2. Tie gesamte Vereinheitlichung ist zunächst in Augrisf zu nehmen für das gesamte Handels-, Wechsel- und Scheckrecht, das SchiffahriS-. Versicherungs- und Konkursrecht sowie den gewerb- lichen RechtSsckiutz. Im übrigen bedarf es zuvor einer genaueren Feststellung, wie weit auf dem Gebiete des bürgerlichen, des Straf. und Prozeßrechtes und darüber hinaus auf anderen Rechtsgebietcn eine Rechtsvereinheitlichung unter Berücksichtigung der Verschieden- heiten in den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen durch- sührbar ist._ Verordnung gegen Jugendliche. Der Rat und das Polizeiamt der Stadt Leipzig haben unterm 7. April ISIS«ine Verordnung erlassen, wonach Jugendliche beiderlei Geschlechts unter 18 Jahren, soweit sie nicht dem Heere oder der Flotte angehören. Wirtschaffen nicht besuchen dürfen, auch nicht Kaffechäuscr. Kondiwreien, Automatenrestaurants und Er- frischungöhallen. Der Besuch von Wirtschaften in Begleitung der Eltern, Erzieher oder deren Vertreter, sowie eine den Ilmständen nach sachlich notwendige Einkehr, insbesondere auf GeschäftÄvcgen, Reisen und Wanderungen, fällt nicht unter das Verbot, Untersagt ist den Jugendlichen ferner das Tabakrauchen und der Genutz von Kau- und Schnupftabak, der Genuß alkoholischer Getränke ohne Genehmigung der Eltern, Erzieher oder deren Vertreter und außer- falb der Wohnung nur in deren Beisein. Jugendliche dürfen solche Singspielhallen. Tingeltangel, sogenannte Spezialitätcnthcater, Varietes sowie solche Sing- und Sprechvorträge nicht be- suchen, bei denen ein höheres Interesse der Kunst und Wissenschaft nicht obwaltet. Lichtspielvorführungen dürfen nur dann von ihnen besucht werden, wenn diese als Jugendvorstellungen zugelassen sind. Wegen der Jugendvorstellungen ergeht besondere polizeiliche Be- kanntntachung. Verboten ist ihnen ferner das ziellose Auf- und Abgehen sowie nack» 10 Uhr abeilds der zwecklose Ausenthalt auf den Straßen, Plätzen, Wegen und in den Anlagen der Stadt. Zuwiderhand- lungcit werden mit Geldstrafe bis zu V0 M. oder mit Haff bis zu 11 Tagen bestraft. In Vervollständigung dieser Verordnung ist eine weitere Ver, ordnung erlassen, die den LichtspielbauSbesitzern vorschreibt, die ge- nehmigten Jugendworttelkungen an ihren Anschlägen deutlich kennt- lich zu machen und die nicht für die Jugend genehmigten als Vor- stellungen für Erwachsene zu be�ichnem. In Jugendvorstellungen sind den Geschlechtern getrennte Sitzplätze zuzuweisen und die Vor- stellungen spätestens abends 7 Uhr zu schließen. Die Anmeldung der Kaffee- und Teebestände. Berlin, 9. April.(W. T. B.) Ter Kriegsausschuß für Kaffee. Tee und deren Ersatzmittel, G. m. b. H., Berlin W., Bellevuestraße 14, Telegramm-Adresse für Kaffee: Kriegskaffee, Telegramm-Adresse für Tee: Kriegstce, teilt folgendes mit: Für Kaffee ist die telegrapbische Amneldepflicht auf den 11. April und für Tee auf den 12. April 1916 festgesetzt. Im Telegramm ist anzugeben 1. Bei Kaffee Anzahl der Ballen bzw. bei Tee Anzahl der Kisten, 2. Netto-Gewicht in Krlogramw. 3. Unverzollter DurchschnittseinstandspreiS. Um Tepeschenfehlcr zu vermeiden, sind Anzahl der Ballen bzw. der Kisten in Zahlen und Buchstaben aufzugeben. Ter Durch- schnittSpxeiS in Pfennigen per Kilogramm. Gesamtgewicht und Wert genügen in Zahlen. Der zur Anmeldung Verpflichtete hat seinen Namen voll aus- zuschreiben und genaue Adresse(Ort, Straße und Hausnummer) anzugeben. Da die drei Abteilungen Kaffee und Tee und Ersatzmittel streng getrennt voneinander arbeiten, Ist es nicht geitattet, Mit- teilungen über einen dieser Artikel in demselben Schriftstück«Tele- gramm, Brief, Postkarte) mit einem der beiden andern zusammen zu behandeln._ Förderung der Ziegenzucht. BerNit, 9. April.(28. T. B.) Da mit der Fortdauer der Milchknappheit im nächsten Winter gerechnet werden muß. ist es geboten, schon jetzt dafür Sorge zu tragen, daß sie durch m ö gl i ch st e V e r m e h r u st g des Bestandes an Milchziegen gelindert wird. Weite Kreise gerade der ärmeren Bevölkerung können in wirksamster Weise vor einer Milchnot durch die Haltung der verhältnismäßig wenig Futter beanspruchenden„Kuh des kleinen Mannes" bewahrt werden. Deshalb müssen die Ziegenzüchter die Mutterlämmer möglichst alle aufziehen. Um dies zu ermöglichen oder doch zu erleichtern, hat der Landwirtschaftsminister eine Reihe von Maßnahmen vorgesehen, die durch die Landwirtschasts- kammern in Zusammenarbeit mit den Ziegenzüchtervereinen zur Ausführung gelangen werden. Hierher gehören insbesondere die Gewährung von Aufzucht. Prämien für zweite und dritte Lämmer, die Vermittelung von Angebot und Nachfrage bei Ziegenlämmern, die Whaltung von Ziegenmärkten in den Kreisstädten, die Unterbringung von Ziegen auf Weiden(Genossenschafts-, Kreisweiden). Tie Landwirtschafts- kammern. denen hierfür Mittel zur Verfügung stehen, werden sich in Kürze mit entsprechenden Mitteilungen an die Ziegenzüchter wmiden. Da im übrigen mit hohen Preisen und guter Verkäuflich- keit der Mutterlämmer gerechnet werden kann, liegt es auch im eigensten Nutzen der Ziegenhalter und ist wirtschaftlich richtiger, das Verlangen nach Ziegenmilch zeitweilig zurückzustellen und mög- lichst viel Mutterlämmer durchzuhalten. Tie Eisenbahnen zu Beginn der„Tommerzeit". Da auf den UebergangStag zur neuen Sommerzeit, den 39. April, nur 28 Stunden entfallen, sind dem Eisenbahnbetriep einige Schwierigkeiten bereitet, die am Sonnabend in einer Be- sprechung der Fahrpläne zu beheben waren. Dem„Berliner Lokal- anzeiger" wird berichtet, daß an der Besprechung die Vertreter sämt- licher Bundesstaaten, der Militäreisenbahndirektionen in Belgien und Russisch-Polen, ebenso Oefterreich-Ungarns teilnahmen. Die letzteren waren zugleich mit der Vertretung der Balkanstaaten be- auftragt. Für die Uebergangsnacht vom 30. April zum 1. Mai, in welcher die Stunde von 11—12 llhr ausfallen soll, wurde grund- sätzlich beschlossen, die Züge eine Stunde früher abfahren zu lassen, so daß sie am 1. Mai pünktlich nach der neuen Zeitrechnung ein- treffen.'Da hierbei die in der ausfallenden Stunde verkehrenden Züge berücksichtigt iverden müssen, so läßt sich der aufgestellte Grundsatz nickt überall durchführen. Es wird also auch Züge geben, die nur 30 bis 40 Minuten früher und auch solche, die fahrplan- mäßig abgehen. Diese würden dann(nach der vorgerückten Zeit) am Reiseziel mit Verspätung eintreffen. In Berlin wird diese UebergangSregelung am 30. April etwa 7 llbt abends in Kraft treten. Auch auf der S t a d l b a h n läßt sich schon deshalb die grundsätzliche Regelung nicht streng durchführen, weil auf den Fern- gleisen auch Vorortzüge verkehren, zwischen die ein» und aus- laufende Fernzüge eingeschoben werden müssen. Auch die An- schlüsse iverden in der Ucbergangszeit nicht überall gewahrt werden können. Ein arbeiterfeindlicher Anschlag hinter patriotische« Schild. AuS Amsterdam schreibt man uns: Die reaktionären Parteien haben die durch die militärischen Maßnahmen der Regierung und die darüber schwebende Dunkelheit erregte Volksstimmung benutzen wollen, um der Reformpolitik der Lmken ei» Bein zu stellen. Nach Beendigung der Geheimsitzung der Zweiten Kammer und nach der iu der anschließenden öffentlichen Sitzung abgegebenen Regierungserklärung kam der Entwurf über d i e A l t e r s p e n s i o n e n auf die Tagesordnung. Er er- kennt allen bedürftigen Personen von 70 Jahren an eine Rente zu, die von der Gemeinde zu bewilligen ist. Ter Staat leistet zu diesem Zweck einen durchschnittlichen Beitrag von 17,50 Fl. für jeden nichr steuerpflichtigen oder schon rentcnbeziehenden 70 jährigen Bewohner- DaS Hauptmerkmal der in ihrer Wirksamkeit sicher sehr bescheidenen Reform, die die Arbeiterpartei zu verbeisern sich bemühen wird, ist das Fehlen derBeitragspslicht der UnterstützungSbercchtigtcn. Bevor die Kammer die Diskussion begann, beantragte der«christlich- historische" Führer Lohmann die Absetzung des Ent- wurfS von der Tagesordnung. Er berief sich hierbei auf den politischen Zustand, wie er sich aus der Regicrungs- erklärung ergebe. Unter den augenblicklichen Verhältnissen dürfe man die politischen Leidenschaften nicht aufpeitschen. Der unsaubere demagogische Streich erweckte auf der Linken, besonder« bei der Arbeiterpartei die stärlste Entrüstung. Die frühere reaktionäre Parlamentsmehrhcit hat nämlich ein aus der Beitrags- Pflicht der Versicherten aufgebautes Altersrentengesetz an- genommen, das von der Arbeiterschaft entschieden be- kämpft worden ist. Dieses schon im Aintsblatt publizierte Gesetz wurde— mit Ausnahme einiger UebergangSbestimmungen— vertagt und soll durch den neuen Entwurf ersetzt werden. Da in den Wahlen, die der Linken die Mehrheit brachten, die Frage der Alterspensionen eine wichtige Rolle gespielt hat, würde eine Durch- führung des alten Gesetzes tatsächlich den Willen der Wählerschaft mißachten. Tie» wollte nun die Rechte von den Linksparteien er- pressen, indem sie scheinheilig an diese appellierte, ja doch auf die Landesgefahr Rücksicht zu nehmen— ohne Scheu, just die Er- regung, zu deren Beruhigung die Regierungserklärung eben abgegeben worden war, von neuen anzufachen, da doch eine Preisgabe der Re- form durch die Linke dem Lande als eine Bestätigung der ernsten Gefahr und als eine Andeutung auf erschreckende Enthüllungen in der Geheimsitzung erschienen wäre. Wer die Reaktionäre mochten die Gelegenheit, aus der Panik politischen Profit zu ziehen, nicht vor- übergeben lassen. Ter Handstreich ist mißglückt. Nach einer Erklärung des Ministerpräsidenten, daß die Regierung nichts gegen die sofortige Behandlung des Entwurfs einzuwenden habe, wurde der Antrag Lohmanns mit S1 gegen 11 Stimmen verworfen. Die Linke stimmte geschlossen, ebenso die Rechte mit Ausnahme eines christlich-historischen Wilden. Der faule Burgfrieden ist also verhütet. Die nationale Verteidigung wird— wenigstens wenn sich die Lage nicht der- schlimmcrt— kein Hindernis für den nationalen Fortschritt sein. Kriegsbekanntmachungen. Sendungen an deutsche Kriegsgefangene in der Schweiz. Für den Pvstverkehr mit den in der Schweiz untergebrachte» deutschen Kriegsgefangenen gelten die allgemeinen Bestimmungen für den Postverkehr mit den Ärregsgefangenen im Auslände, wie sie in den Schaltevräumen der Postanstalten aushängen. Tie Sendungen an die Gefangenen sollen die Bezeichinmg: „Kriegsgcfangcnensendung Schweiz" tragen. Ms aller Veit. Kartoffelvcrbrauch und Einkomme«. In der ersten Hälfte des Jahres 1916 sind von mehreren deutschen Städten wie Berlin. Düsseldorf und Mannheim Umfragen über den durchschnittlichen täglichen Verbrauch von Kaitoffeln in verschiedenen Schichten der Bevölkerung angestellt worden. DaS Ergebnis dieser Statistik, die im Ministerialblatt für Medizinal- angelegenheiten veröffentlicht wurde, zeigt zweifellos, daß der Kartostelkomum mit steigendem Einkommen sinkt. Obere Beamte verzehrten 101 Gramm in Düsseldorf und 332 Gramm in Berlin, untere 796 und 531; gelernte Arbeiter aber schon 917 und 003. ungelernte Arbeiter 1182 Gramm und 606 Gramm. Auffallend ist der Unterschied zwischen Berlin und Düsseldorf in der Höbe de» Konsums. In Düsseldorf betrug der Durchschnittsverzehr 939, in Berlin nur 691 Gramm. Aehnlich waren die Verhältnisse in Mannheim und Stuttgart. Dort kamen 566. in Stuttgart nur 336 Gramm auf den Kopf. Ueberall verzehnen die Familien mit gutem Einkommen am wenigsten Kartoffeln._ Im Zeitatter der Reklame. In der„Neuen Züricher Zeitung" vom 28. Februar findet sich folgendes Inserat: Geburtö-A n zeige. Der Unterzeichnete bringt hiermit seinen Freunden, Bekannten und Unbekannten zur allgemeinen Kenntnis, daß er unterm heutigen Datum fein liebes Vaterland mit einem Mädchen und einem Knaben bereichert hat.' Das Mädchen, fein geistiges Kind, heißt Charlotte Cordah und ist mit Fr. 2,60 per Exemplar in jeder besseren Buchhandlung er- hältlich. Der Knabe, Karl Willy Fischer, sein leibliches Kind, ist un- verkäuflich. _ Theodor Fischer, Antiquar. Ter Sprung ins Parlament. Eine aufregende Szene spielte sich dieser Tage im englischen Parlament ab. Während einer Tagung des Unterhauses erhob sich plötzlich in der Fremdenloge ein Herr, schwang sich über die Brüstung, sprang aus die unterhalb der Loge befindliche Tribüne, kletterte auch hier über das Geländer und plumpste dann Millen in den Sitzungssaal hinein. Natürlich hielt alles den Mann für übergeschnappt; es stellte sich aber bald heraus, daß er geistig»nindestenS eben so gesund war wie jeder andere Engländer, der jetzt im Kriege ein gutes Geschäft machen möchte. Der kühne Springer stellte sich als... Offizier vor und erzählte, daß er einen besonders praktischen Helm erfunden habe und gern eine HcercSIieferung bekommen möchte. Da es ihm nicht möglich gewesen sei, in anderer Weise die allgemeine Auf- merksamkcit auf seine Person und seinen Helm zu lenken, habe er geglaubt, sich durch eine uilgcwöhiitiche Tat bemerkbar machen zu müssen._ Leicheufund in der Nähe von Chemnitz. Chemnitz, den 9. April.(T. 11) Wie die„Chemnitzer Neueste Nachrichten" melden, wurde beute morgen in einer Stratzengruben- schleuse in der Zschopauer Straße unweit des Wasserwerkes die Leiche eines etwa dreizehn- bis vierzehnjährigen Mädchens gefunden. Anscheinend liegt Lustmord vor. Ter Täter hatte dem Mädchen die Arme ausüben Rücken gebunden und die Leiche mittels eines Strickes in das Schleusenrohr geschoben, so daß nur die Schuhe und der Strohhut sichtbar waren. Ms SroF-Serlln. EnSlich. Schon vor längerer Zeit hatten wir auf die Ueberschrei- tung der Höchstpreise beim Verkauf von Schweinen auf dem städtischen Viehhof und in der Großmarkthalle aufmerksam gemacht und energisch gefordert, daß der Magistrat Abhilfe schaffe. Zwar hatte der Berliner Magistrat schon vorher, als er von diesen Dingen hörte, bekanntgemacht, daß er gegen Ueberschreitung der Höchstpreise vorgehen werde, aber in der Oeffentlichkeit hat man bisher von einem derartigen Vorgehen nichts bemerkt. Trotzdem wiederholt auf diese geradezu unhaltbaren Zustände hingewiesen wurde, ist nichts geschehen, um Abhilfe zu schaffen. Jetzt endlich hat die Polizei einge- griffen. Die„Berliner Morgenpo st" berichtet darüber: „Als Sonnabend die Viehhändler. Grog- und Ladenschlächter in früher Morgenstunde auf dem Viehmarkt erschienen, fanden sie die Zugänge zu den Verkaufsbuchten durch Polizeibeamte gesperrt. Große rote Plakate verkündeten, daß der Markt erst um 10 Uhr eröffnet wird. Ueberall bildeten sich lebhaft diskutierende Gruppen, war es doch seit Bestehen des Viehhofes das erste Mal, daß Polizei auf dem Markt war. Vom Magistrat erschien vor Eröffnung des Handels Stadtrat Berndt mit mehreren Mitgliedern der Schlacht- und Viehhof-Deputation, um sich einmal an Ort und Stelle von dem Gang der Dinge zu überzeugen. Es standen rund 700 Rinder, löOO Kälber, 3300 Hammel und 600 Schweine zum Verkauf. 1500 Schweine waren außerdem für Rechnung der Stadt Berlin ein- getroffen und kamen nicht auf den öffentlichen Markt." Der Magistrat beabsichtigt in Zukunft gegen Großhänd- ler energisch vorzugehen, er will Anzeige erstatten und sie vom Großhandel auf dem Viehhof und in der Großhalle aus- schließen. Da inzwischen auch Höchstpreise für Rindvieh im Groß- Handel erlassen sind und die Grotz-Berliner Gemeinden sich zu einer Neischversorgungsstelle zusammengeschlossen haben, die den Verein der Viehkommissionäre mit der Verteilung des Viehs beaustragt haben, so wird es in Zukunft allerdings leichter sein, Ueberschreitungen der Höchstpreise festzustellen. In den nächsten Tagen soll nun die Fleischversorgungs- stelle in Funktion treten und eine Sitzung, die heute im Ber- liner Rathause stattfindet, die noch notwendigen Beschlüsse fassen. Wünschenswert wäre, daß außer der beabsichtigten Festsetzung von Höchstpreisen für Rindfleisch auch solche für Hammel- und Kalbfleisch bestimmt würden. Ferner wäre danach zu streben, gleich eine bestimmte Rationierung der Fleischmengen für den einzelnen vorzunehmen, damit nicht die Hamster, die übdr das nötige Geld verfügen, sich auf die Vorräte stürzen und sie in Gestalt von Fett oder eingekochtem Fleisch wieder aufstapeln können. Die neue Fleischversorgung dürste sonst bald nach ihrer Geburt erheblichen Stockungen und Ansammlungen ausgesetzt sein. Aus der Volksschule in die höhere Schule. In Berlin hatten die Gemeindeschulen als Anstalten zur Vor- Lereilung für den Besuch höherer Schulen niemals eine große Be- deutung. Die Gymnasien. Realgymnasien. Oberrealschulen haben hier fast sämtlich ihre eigenen Vorschulllassen für den Elementar- Unterricht, und hauptsächlich diese liefern ihnen den Nachwuchs. Bei den höheren Mädchenschulen Berlins kennt man Vorschulklassen dem Namen nach nicht, sie haben aber einen Unterbau von Klaffen für den Elementarunterricht. die den Vorschulklasien gleich- ? Machten sind. Nur den Berliner Realschulen hat man ver- tändigerweise keine Vorschulllassen gegeben, so daß für sie in der Regel die Gemeindeschulen als Vorbereitungsanstalt dienen. Den Realschulen wenden sich denn auch die meisten derjenigen Kinder zu, die aus Gemeindeschulen vor Vollendung der Schulpflicht ausscheiden, um auf einer anderen Lehranstalt eine weitergehende Bildung zu erwerben. Die Schuldevutatron der Stadt Berlin teilt in ihren olljährlichen Verwaltungsberichten mit, wie viele noch schulpflichtige Kinder aus den Gemeindeschulen in höhere Schulen übergegangen find. Die Angaben sind aber nur summarisch, so daß aus ihnen leider nicht viel Belehrung zu schöpfen ist. Sie lasten z. B. nicht erkennen, mit welchen 'Zmern vl« venchrevenen Arten der höheren Schulen be teiligt sind. Groß ist die jährliche Gesamtzahl dieser vor Vollendung der Schulpflicht in höhere Schulen übergegangenen Gemeindeschulkinder nicht. Im Sckuljahr 1914/15 waren eS nur 1593, während in den zehn Jahren von 1913/14 zurück bis 1904/05 die Zahl sich noch auf 2050, 2155, 2373, 1948. 2282. 2234, 2245, 2485, 2065. 2068 belief. Wir nehmen an, daß diese Summen die sämtlichen in Gymnasien. Realgymnasien. Oberrealschulen und Realschulen sowie an höhere Mädchenschulen übergegan genen Gemeindeschulkinder umfassen. Die Zahlen find in den einzelnen Jahren sehr verschieden und zeigen manche auf fällige Schwankungen, im ganzen aber macht gegen die letzten Jahre hin sich eine ziemlich deutliche Abwärtsbewegung bemerkbar. Der Jahresdurchschnitt war in dem Jahrfünft 1904,05 bis 1908.09 noch 2219, aber in dem Jahrfünft 1909/10 bis 1913/14 nur 2162. Das Jahr 1914/15 brachte dann mit nur noch 1593 in höhere Lehranstalten übergegangenen Gcmeindeschulkindern ein Er- gebnis, das weitaus ungünstiger war als in irgendeinem der vorher- gehenden Jahre. Zur Erklärung dieses immerhin beachtenswerten Rückgänge» sagt der Vcrwalwngsbericht nichts. Zum ftfrauenmord. Die Feststellung der Persönlichkeit ist noch durch weitere Zeugen, denen die Photographie der Leiche gezeigt wurde oder die die Kleidungsstücke erkannten, bestätigt worden. Die Leiche bleibt in Stettin und wird dort beerdigt, nachdem die Mutter sie besichtigt Huben wird. Die Fahndungsbeamten der Kriminalpolizei durchstreifen jetzt in großer Zahl die„Verkehrsgegend" der Ermordeten, um dort, besonders auch in den Wirtschaften, nach ihrem Umgang zu forschen. Das Mädchen wohnte früher in der Jnvalidenstr. 7, seit August v. I. in der Bergstr. 79, seit dem 1. Dezember in der Ackerstr. 10 und seit dem 1. Februar d. I. in der Ackerstr. 35. Ihr Verkehr erstreckte sich auf diele Straßen und weiter auch auf die Schlegel-, Tieck- und GreifSwalder Straße. Alle Wohnungen der Ermordeten wurden von Kriminalbeamten nach Spuren durchsucht. Mcrn fand aber nichts Verdächtiges, auch in der letzten nicht. Bemerkenswert ist nur, daß die Chaiselongdecke, die man im Reisekorb bei der Leiche fand, ans ihrer letzten Wohnung stammt. Man versucht jetzt, festzustellen, ob von ihrem Eigentum außer dem Gelds auch sonst noch etwas fehlt, nach ihrem Tode gestohlen ist, Schmucksachen oder dergleichen. Ob der Reisekorb, in den die Leiche gepackt war, der Ermordeten gehörte, weiß man noch nicht. Es ist festgestellt, daß die eine Schlaufe einmal aufgerissen war und ausgebessert worden ist. Es wäre erwünscht, daß der Korbmacher, der diese Ausbesse- rung besorgt hat, sich unverzüglich bei der Kriminalpolizei meldet. Er kann vielleicht über den Eigentümer Auskunft geben oder sonst eine wichtige Mitteilung machen. Die neue„eiserne" Brücke. Die Brücke im Zuge der Siraße Hinter dem Gießhause und der Mnseumstraße gehl ihrer Vollendung entgegen und soll demnächst dem Verkehr übergeben werden. Die neue Brücke, die an Slelle der früheren eisernen erricdtet worden ist, trägt wesentlich zur Per- schönerung der dortigen Gegend und, da sie breiter ist, auch zur Hebung deS Verkehrs bei. Die Kosten für diesen Neubau betragen rund 600 000 M., einschließlich der Herstellung der Treppenanlage mit einem hübsckien Brunnen am Aufgang zur Brücke vom Lustgarten aus. Mit dem Bau wurde 1914 begonnen. Er gestaltete sich sehr schwierig wegen der Senkung der nördlichen Ufermauer und der Ber- bandlungen mit der Museumsverwalrung, die eine Aenderung des ersten Entwurfs erforderlich machten. Für die Straßenbahnen sind in die Brückenrampen und in die Fahrbahn der Brücke besonders feste Gleisbahnen in Beton gelegt worden. Der Krieg hat den Bau wohl etwas verzögert, aber keineswegs aufhalten können. Geheim- rat Krause hat es verstanden, die Schwierigkeiten zu beseitigen. Das Kaffeehausgewerbe und die Beschlaguahme- Verfügungen. Die Beschlagnahme von Kaffee und Tee wirkt auf das Kaffeehausgewerbe schwer schädigend. Man muß berücksichtigen, daß auch ein Mangel an Zucker und Milch herrscht,>o daß es unmöglich ist, aus den Kaffeemischungen einen Kaffee herzustellen, wie ihn das Publikum in den Kaffeehäusern zu trinken gewohnt ist. Früher konnte man allenfalls einen weniger reinschmeckenden Kaffee durch gute Kaffeesahne und Zucker verbessern, heute«st das bei dem Mangel an Zucker und Milch unmöglich. Wenn sich die Kaffeehaus- Eesitzer durchaus mit Mischungen abfinden sollen, dann müssen für deren Herstellung bestimmte Vorschriften erlassen werden hinsichtlich Gehalt an Kaffee— mindestens 40— 50 Proz.— gebrannter Gerste oder dergleichen und Zichorie. Sonst sind die Kaffeebausbesitzer Be- Wucherungen ausgesetzt seitens der Hersteller der Mischungen. Der Berliner Cafelierverein wird sich deshalb sofort nach Bekannt- gäbe des genauen Wonlautes des Erlasses mit dem Kricgsousichuß in Verbindung setzen, um den ihn betreffenden schweren Schlag zu mildern. Bitte um Kissen. Ein Auftuf im vorigen Jahre, in dem um Kissen aller AN für den Transport von Verwundeten gebeten wurde, halte großen Erfolg.— Da der Vorrat inzwischen zu Ende gegangen ist, io wird hiermit erneut gebeten, Kissen für Verwundete der Staatlichen Ab- nabmestelle freiwilliger Gaben Nr. II, Berlin NW. 6, Karlstr. 12, zu überweisen.— Bahnsendungen, bei denen der Frachtbrief die Bezeichnung„Liebesgaben" trägt, werden frachtfrei befördert. Im Possentheater stellt sich Haskel in seinem neuen Stück„Na so was" als Mimengröße vor, dem sein erstes Debüt, wie sein Ehe« gesponst mit Genugtuung verrät, sogar zwanzig Blut- und Leber» würfle eingebracht hat. Nachdem er auf einer Tournee mit seinem Freund und Kollegen in Berleberg anderthalb Jahre— natürlich völlig unschuldig— abgesessen, kehrt er, in Sehniuchl für seine liebe Frau Franziska entbrannt, nach der Heimat zurück. Vermeintlich in „seiner" Wohnung angelangt, hört er aus dem ahnungslosen Ge- plauder des Stubenmädchens über das Leben und Treiben in „seiner" Wobnung Dinge heraus, die in ihm die schwärzesten Ahnungen über die eheliche Treue seiner von ihm heiß- geliebten Gattin aufsteigen lassen. Beim Eintritt der Wobnungs- inhaberin glaubt sich der Heimgekehrte von einer in ihn verschossenen Dame attackiert, wogegen er sich in seines Herzens edelstem Drange vermeint ernstlich wehren zu müssen. Ein Hilferuf der Dame nach dem Schutzmann entlockt ihm den Ausruf, daß er selbst von> der Obrigkeit sich nicht wird zu so etwas zwingen lassen. Der ein- tretende Hausherr, der gerne— wenn ohne Erfolg— den Schwerenöter spielt, erscheint ihm als einer der Zerstörer seines ehelichen Glückes, zu denen er auch dessen hinzukommenden Schwiegervater und noch andere rechnet. Es häufen sich Mißverständnisse und Ver- Wickelungen ohne Zahl zu einem Knäuel, der sicv in Wohlgeiallen auflöst, als sich herausstellt, daß der Ort der Handlung die frühere Wohnung des Heimgekehrten ist. In der folgenden Pope Gannef u. Co. zeigen Konierven- fabrikanlen und deren Köche ihre Virtuosität in der Herstellung von Spargelkonserven ohne Spargel und ähnlichen Kunstprodukien. Ber« lobungen und Enllobungen der Fabrikantemochter spielen zwischendurch sich ab, wobei auch einer der Glücklichen als der Millionär ohne Millionen der Komik seinen Tribut gibt. Beide Handlungen sind von jener„Konveriaiionsiprache" beherrscht, bei der die Hände eine gewichtige Rolle als Sprechwerkzeug spielen. Die Fülle der komischen Einfälle und ein flottes Spiel fanden dankbare Aufnahme beim Publikum und lösten steigende Heiterkeit und reichen Bei- fall aus.__ Kleine Nachrichten. Drei schwere Jungen, die vor einige» Tagen bei dem Juwelier Rosenseld in der Oranienstraße einen Einbruch verübten und dabei Uhren und Goldsachen im Werte von zirka 6000 M. erbeuteten, konnten am Sonnabend von der Krimi- nalpolizei verhaftet werden. Einem Polizeibeamten war aufgc- fallen, daß ein Mann, wie sich später herausstellte ein Gastwirt, m der Pettenkoferstraße Goldwaren im Werte von 3000 M. zum Verkauf angeboten hatte. Nachdem festgestellt war, daß sie aus dem Einbruch stammirn, gab er an, sie von einem unbekannten Manne zum Verkauf erhalten zu haben. Es gelang bald, diesen Unbekannten in der Memeler Straße zu ermitteln. Als man zu seiner Verhaftung schritt, fand man gerade alle drei Einbrecher zu- sammen.— 14 Tage wt in seiner Wohnung gelegen hat der 26 Jahre alte Arbeiter Balthasar Sabotta aus der Oppelner Straße 43. Der junge Mann war schon längere Zeit stark herz- krank und ist wahrscheinlich am Herzschlag gestorben. Wllhlverein Schöneberg. Heute, Montag, den 10. April, Be- sichtignng der Anlagen der berliner Konsumgenossenschast in Lichtenberg. Treffpunkt um 2 Uhr nachmittags vor dem Neuen Rathaus, Martin-Luther-Straße, für Nachzügler in Lichtenberg. WetterauSsichtcn für daS mittlere Norddeutschland bis Dienstag mittag: Ziemlich kühl, zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewölkt und im Osten, besonders an der Küste, ziemlich zahlreiche, im Westen vereinzelte geringe Niederschläge. U 4.Berl.Rciciis{agswatiJkfeis.| Petersburger Viertel. 3S5. Bezirk. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Wükdm Fehder an den Folgen des Weltkrieges gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. April 1910, nachmittags 4j/j Uhr, nusdcm Karnison- sriedhos, Hajenheide, statt. Um rege Beteiligung bittet Der Borstand CipreUen. Vor der Stenorerhölitmg* Direkt ab Fabrik r/2PI. 1D0 Stück 0,85 EU. Vk„„„ uo„ 8�2 n n» �75„ 5...... 2,80 Gute Qualitäten. 6a5ffn, v, 8-8 Uhr, Sonntags bis 2 Uhr. 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