Zkr. 103.- 33. Iahrg» kdonnementz-ke Ungarn L,SO Marl, für das übrige iilusland . Marl pro Monat. Poflabonnements nehmen an Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, wumänien. Schweden und die Schweiz. ViMrt � 5 Pfennig) Die Inlcrtions-Gebülir beträgt für die icchsgcspaltenc Nolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg„ für politische und gcwcrlschastliche Lereitis- Und Versamnilungs- Anzeigen 30 Pig, �kleine �nreigen", das tellgedriiclie lSort M Pfg,(zulässig 2 iettgedrn�te Bortet, jedes weitere Bort 10 Pfg, Stellengesuche und Sallaistellenan- zeigen des erste Wort 10 Pjg,. jedes weitere Worth Pfg, Borte über iö Vnch- Itaden zählen für zwei Worte, Jnseraie nir die nächste Sluniiner iiillsteti bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition, »bgegeden werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends gevifuet. vlchtiiil izgNch. Verlinev VolksblÄtk. relegramm-Adresje: «koziZlliemslii-Zl kkrliii". Zcntv&Xorgnn der rozialdemohratifcben Partei Deutfcblands. Neöaktion: EW. 68. Linöenstraße 3. sserniprecher: Ami Moriuvla«. Nr.»S1»0— ISl»7. Expedition: EW. 68, Linöenstraße 3. Vkrrnsprrcher: Amt Moritiplau, Nr. löl 9v— ISI S7. Die Zukunft unserer Nahrungs- miSel-verforgung. Es ist hlmte eine Erfahrungstatinche, daß das ernährungs wirtschaftliche Durchhalten für Deutschland nur möchich ist in Verbindung mit einer allgemeinen Senkung des Er n ä h r u n g s n i v e a u s. Das hat auch der Reichskanzler anerkannt, als er am 5. April im Reichstage davon sprach, „daß das deutsche Volk über eine geivaltige moralische Reserve verfügt, die es befähigt, die in den letzten Jahrzehnten stark gestiegene Lebenshaltung einzuschränken". Angesichts dieser Tatsache ist es allmählich sehr still ge- worden von dem anfangs oft— mich von sozialdemokratischen Schriftstellern manchmal— gehörten und mit einem Lob der Schutzzollpolitik verbundenen Gerede von der„Selbstversor- gung" Deutschlands mit landwirtschaftlichen Produkten. Man darf heute wieder, ohne viel Widerspruch zu finden, von der Abhängigkeit der d e u t s ch e u Nahrungs- :n i t t e l v c r s o r g u n g von ausländischen Liefe- r u n g e ii reden. Eine genaue Aufhellung dieses Abhängig- keitsverhältnisses wird sogar für dvinged erachtet. Auf der einen Seite möchte man mit dem Resultat allerlei phantastische Kricgszielgelüste motwieren. Auf der anderen Seite kommt in dem gleichen Verlangen die Absicht zum Ausdruck, auf d i e Notwendigkeit weitreichender weltwirtschaftlicher Beziehungen nach dem Kriege und damit aus die weitere Notwendigkeit hinzuweisen, alles zu ver- meiden, was die Wiederanknllpfung solcher Beziehungen er- schweren könnte. Beide Teile werden mit Interesse das Ergebnis einer Untersuchung dieses Abhängigkeitsverhältnisses erfahren, die Dr. A. S ch u l t e i m H o f e im„Tropenpflanzer" angestellt hat.(„Die Welterzeugung von Lebensmitteln und Rohstoffen und die Versorgung Deuftchlands in der Vergangenheit und Zukunft", Beiheft 1— 2 zum„Tropenpslanzer", Februar 1916. Auch separat.) Nach seinen Ausführungen ergibt sich das fol- gende Bild der deutschen Nahrungsmittelversorgung und ihrer zukünftigen Gestaltung. Von 1893 bis 1913 ist in Deutschland die Anbaufläche für Brotgetreide(Roggen und Weizen) um 3 Proz., die Ernte- menge aber um 3-1 Proz. gewachsen. Es ist durch di�se Er- tragssteigenmg gelungen, Deutschland unabhängiger zu machen vom Auslände. Schon seit Jahren ist nur noch die Weizeneinsuhr von Belang. Für diese Weizenmengen könnte in_ Deutschland nur durch verinehrten Roggenanbau Ersatz geschaffen werden. Und zwar wären dafür— den Hektarertrag von 1913 zugrunde gelegt— 440 000 Hektar— 6,9 Proz. der Anbaufläche nötig. Hülsenfrüchte und Buchweizen werden in Teutschland seit Jahren in immer geringerem Maße angebaut. Hülsenfrüchte lieferte uns das Ausland 1893 für 9i/z Millionen, 1913 für 83 Millionen Mark. Ter weitaus größte Teil kam aus Ruß- land und Britisch-Jndien. Die Reineinfuhr von Buchweizen betrug 1893: 217 000 Toppelzentcr, 1913: 2,7 Millionen Doppelzentner. Rußland war 1913 Hauptlieferant. Um diese Mengen in Teutschland anzubauen, wären 1913: 225 000 Hektar und 34 000 Hektar nötig gewesen. Bei einem Produktionswert der inländischen Erzeugung von schätzungsweise 500 Millionen Mark wurden 1913 für 431/, Mill. Mark„Küchengewächse"(Gemüse usw.) eingeführt. 1893 erst für 9,4 Millionen Mark. Haupteinfuhrläuder waren 1913 die Niederlande, Frankreich, Italien und Belgien.— Der Wert des Einfuhrüberschusses von Obst(außer Süd- früchten) war 1893: 22,4 Millionen, 1913: 133 Millionen Mark. Frankreich, Italien und die Vereinigten Staaten waren 1913 die größten Lieferanten. Der Anbau dieser Einführungen in Deutschland würde 150 000 Hektar erfordern. Wein lieferte uns das Ausland(1913 hauptsächlich Frankreich und Spanien) mehr als wir ausführten: 1893 für 23(4 Millionen und 1913 für 48H4 Millionen Mark.—„Deutschlands Tabakcrnte entspricht heute nur noch einem Viertel des Verbrauchs, wohingegen sie vor 20 Jahren noch 40 Proz. aus- machte." In ständig steigendein Maße sind in den letzten Jahren ausländische Pflanzenfette und-öle in den deutschen Ver- brauch eingegangen. Der Einfuhrüberschuß zur Herstellung dieser Fette und Lele, soweit er für die menschliche Ernährung venvcndct wurde, hatte 1913 einen Wert von 103 Millionen Mark. Wollte man diese Fette und Oele— höchst unvollkommen— aus deutscher Produktion erzielen, so müßten 180 000 Hektar mit Raps und Rübsen bepflanzt werden. Zu diesen Nahrungsmitteln, die theoretisch in Deutschland gezogen werden könnten, kommen noch einige andere, die nur in außerdeiitschen Gebieten angepflanzt werden können. In erster Linie ist da der Reis zu nennen. Wir erhielten von diesem wichtigen Volksnahrungsmittel 1913 für 25(4 Millionen. 1913 für 66(4 Millionen» Mark hauptsächlich aus Bri- ftsch-Jndien. Gewürze wurden 1893 für 4,2 Millionen und � 1913 für 15,7 Millionen Mark eingeführt. Sie wurden in der Hauptsache geliefert von Britisch-Südasicn, Niederländisch- Indien, Britisch-Ostafrika und von französischen Kolonien. Der Einfuhrüberschuß von Südfrüchten stieg von 22 Millionen Mark in 1893 auf rund 100 Millionen Mark in 1913. Haupt- lieferanten waren 1913: Spanien und Italien. von Der Einfuhrüberschuß von Kaffee, Kakao und Tee stieg( l 1893 bis 1913 dem Werte nach(in abgerundeten Zahlen):�! Kaffee von 214 auf 219 Millionen(in dieser geringen Steige- rung kommt die gewaltige Verbilligung des Kaffees �zum Ausdruck), Kakao von 12 auf 67 Millionen mtd Tee von 5 auf 8 Millionen. Den Kaffee lieferte 1913 hauptsächlich Süd- amcrika. Den Kakao bezogen wir zum größten Teil von eng- lischcn und portugiesischen Kolonien und von Südamerika. Tee sandten uns China und englische und niederländische 5tolonien. In den deutschen Kolonien waren 1913 unter Kultur: 17 500 Hektar mit Kakao und 1600 Hektar mit Kaffee. Wenn sie den deutschen Bedarf befriedigen wollten, so müßten sie insgesamt 428 000 Hektar unter Kultur haben. Zusanimenfassend ist über die Ver sorgung mit Nahrungs- und Genußmitteln aus dem Pflanzenreich zit sagen: Die im Jnlande erzeugten Pro- dukte hatten einen ungefähren Wert von: 1893 4,6 Milliarden, 1913 6,6 Milliarden Mark. Der Einfuhrüberschuß solcher Produkte hatte 1893 einen Wert von 304 Millionen, 1913 von 846 Millionen Mark. Während er 1893 erst 7 Proz. des Wertes der inländischen Produktion ausmachte, betrug fein Anteil 1913 schon 13'Proz. Die deutsche Viehhaltung und Fleischproduktion haben in den letzten zwanzig Jahren einen gewaltigen Auf- schwung genommen. Trotzdem mußten auch 1913 noch erheb- liebe Vieh- und Fleischmcngcn aus dem Auslande eingeführt werden. Um die notwendigen Fleischmengen liefern zu können, hätten die Rindviehherden um 879 000 Stück— 4,3 Proz., die Sckweinebcstände um 396 000 Stück— 1,8 Proz. größer fein müssen. Hauplbezugsquellen waren für Rindvieh Dänemark und Oesterreich-Ungarn, für Schweine Rußland. Hauptliefe- ranten für Fleisch waren 1913 Dänemark, Holland und Ruß- land, für Geflügel Rußland und Oesterreich-Ungarn, für Fette und Schmalz die Vereinigten Staaten und Argentinien. Um die Reiiieilifuhr von Milch, Rahm und Butter im Jnlande gewinnen zu können, hätten unsere Rindviehherden um 16 Proz. größer fein müssen. Unsere Hühnerbcstände zur Deckung des gesamten Eierbedarfs sogar uni 50 Proz. Die Einfuhrmengen lieferten hauptsächlich Rußland, Oesterreich- Ungarn, Holland und Dänemark. Insgesamt betrug der Wert der Fleisch-, Fett-, Mi Ich- und Eier-Rei n einfuhr 1893 8.1 Proz., 1913 10,3 Proz. des Wertes der Gesamterzeugnifse der heimischen Viehzucht. Äußer dieser direkten Abhängigkeit doni Auslande besteht aber auch noch eine indirekte Abhängigkeit durch den Bezug von Futtermitteln aus dem Aus la u d e. Die Reineinfuhr von Futtermitteln(soweit sie der Viehhaltung diente) stammte 1893 von 11,4 Proz., 1913 von 16,5 Proz. der gesamten in Teutschland für die Viehversorgung in Anspruch genomnienen Landfläche. Insgesamt handelte es sich um Mengen im Werte von: 1893 314 Millionen und 1913 992 Millionen Mark. Diese Futterniittel lieferten uns in der Hauptsache: Rußland, Argentinien, Britisch-Jndien, Britisch- Afrika, die Vereinigten Staaten, China, Niederländisch-Jndien und Aegypten. Deutschland ist also trotz der gewaltig gestiegenen eigenen Produktion in der Versorgung mit Nahrungs- und Genuß- niitteln in eine zunehmende Abhängigkeit vom A u s I a n d e geraten. Gleichzeitig ist aber auch in der Ver- sorgung mit industriellen Rohstoffen aus dem Tier- und Pflanzenreich eine entschiedene Verschiebung eingetreten der- art. daß wir heute„bei dem weitaus größten Teil der Roh- stoffe auf das Ausland angewiesen" sind. Diese zunehmende Abhängigkeit ist nicht nur dadurch ent- standen, daß Nahrungs-, Genuß- und Futtermittel, die nur im Auslande erzeugt werden können, in großen Mengen ver- braucht werden, sondern auch dadurch, daß die deuftche Land- Wirtschaft nicht in der Lage gewesen ist, den ganzen Bedarf an Produkten einheimischer Nutzpflanzen für Mensch und Vieh zu decken. Es ist ausgeschlossen, daß die deutsche Landwirtschaft dazu in Zukunft in der Lage sein wird. Alle Tatsachen weben im Gegenteil darauf hin: wir brauchen auch in Zukunft— und zwar in steigendem Maße— das Ausland, u m unseren Bedarf an Nah- rungs- und Genußmitteln zu decken. Meine Antwort an Genossen Kautskp. Bon Philipp Scheide manu. Genosse KoutSky erinnert im.Vorwärts" vom 1l. April daran, daß er mich vor einiger Zeit gefragt habe, wer mein Gewährsmann für die von der.Humanils" bestriltenen Aeutzerungen Sembats sei. Darauf erwidere ich: 1. Die„Humanits" hat die betreffenden Aeuherungen. soweit ich habe feststellen können, überhaupt nicht bestritten. Seinbat selbst hat sie ebensowenig in Abrede gestellt.»Bestritten", d. h. von oben herunter behandelt hat sie in der.Humanits" meines Wissens nur Homo-Grumbach in seinen Llorreipondenzen aus der Schweiz. Diese Bestreitung durch Homo kann ich als ein Dementi der»Humanits" nicht gellen lassen. 2. Kauisky verlangt, daß ich meinen Gewährsmann nenne. Er weiß, oder könnte wissen, wer mein Gewährsmann ist, denn einer seiner intimen Freunde war zugegen, als die beircffcnde Mitteilung gemacht worden ist. Kauisky ist also in der Lage, sich l estätigen zu lassen, daß ich den Gewährsmami nicht nciilieit kann. Uiiniögliches soll er aber nicht verlangeu.' Kautsky bestreitet dann weiter die Echtheit des von mir im Reichstage am 4. April zitierten Briefes, den Jaurss an Vandervelde geschrieben haben soll. Ich bin gezwungen, hier aus dem Steno- gramm der Reichstagssitzung vom 6. April zunächst festzustellen, in welchem Zusammenhang ich den Brief zitiert habe: Scheidemann:...In Frankreich, mit dem ganz Deutsch- land in Frieden und Freundschast zu leben wünschte und noch wünscht, wird immer noch von denen, die das Land in die Arme des Zaren getrieben haben, der Wahn verbreitet, daß wir„doclis!� aus dem Lande, das der Welt einen Goethe, einen Kant und einen Karl Marx geschenkt hat, aus reinein Bandalismus über die Grenze gezogen seien, um die französische Kuliur mit Feuer und Schwert zu vernichten. Das Handwerk würde diesen Lernen bald gelegt sein, wenn in Frankreich bekannt wäre, was Janrös zwei Tage vor seiner Ermordung, der.Brannschweigischen Landeszeilung" zufolge, an Vandervelde nach Belgien geschrieben hat. Ich will es Ihnen vorlesen: Die Lage mutz und wird eine Entspaimung erfahren, sobald die französische Regierung erklärt, datz sie nicht gern die serbisch« Sache als eine russische sähe. In der Macht der sranzösischen Rc- gierung läge es, Rußland am Kriege zu verhindern. tHört I hörll bei den Sozialdemokraten.) Aber man sucht den Krieg, den man schon lange schürte. Unsere Sache darf nicht die russische sein. Wir dürfen unser Land nicht bluten lassen, um die Kuutcnherr« schart des weißen Zaren tu festigen. Europa würde von Asien verschlungen. Suchen Sie in Ihrem Wirkungskreis jede Steigerung des Äriegswahnsinns zu dämmen. Welche Interessen für Belgien auf dem Spiele stehen, wissen Sie. Aber diese Interessen können nur durch den Frieden gewahrt werden, aus dem sich kein Land, auch nicht durch die glänzendsten Wer- sprechungcn, herausreißen lassen soll. Hier treiben alle schädlichen Kräfte zum Kriege, den man führen will zur Erfüllung eines iranlhaflen Ehrgeizes, und weil die Börsen London und Paris auf Petersburg spekuliert haben.(Lebhaste Ltuse: Hört I hört I— Bewegung.) Meine Herren, ich habe keine Ursache, daran zu zweifeln, daß das Schriftstück echt ist.— Es ist ganz der Geist Jaurss, der daraus spricht,—(sehr richiig l bei den Soziaidemolraten) das ist der Jaurss, wie wir ihn geachtet und geliebt haben. KautSky bezeichnet den Brief der.Braunschweigischen Landes« zeitung" als.freche Fälschung", weil er im Widerspruch stehe mit einer Rede, die Jaurss am SO. Juli in Brüssel in Gegenwart Vanderveldes gehalten habe. Daß das Datum des Briefes irrig ist. niag sein. Aber darauf kann der Borwurf einer frechen Fälschung nicht begründet werden, denn Irrtümer in Datenangaben unterlaufen jedem einmal, der Briefe schreibt. Daß der Brief das Gegenteil dessen sagt, was Jaurss ist Brüssel ausgeführt hat, kann ich auch nicht zugeben. Jaurss hat öffentlich u. a. gesagt: Er wisse, daß die französische Regierung»in dieser Stunde" den Frieden will und für de» Frieden arbeite. In dem an« geführten vertraulichen Brief an einen Freund heißt es: „Hier treiben alle schädlichen Kräfte zum Kriege" usw. „Schädliche Kräfte" können sehr wohl Schlimmes beabsichtigen, ohne daß eine„Regierung" das Gleiche tut. Dasür können wir doch gerade aus jüngster Zeit die denkbar drastrschsten Beispiele auS unserem eigenen Lande anführen. Will Kautsky vielleicht behaupten, daß„schädliche Kräfte' in Frankreich nicht tätig sein könnten? Aber weiter: steht der Brief denn im Widerspruch zu den Tatsachen, die wir auS Frankreich kennen? Durchaus nicht. Ich will einige Bei- spiele ansühren: Jaurss schrieb am 16. Oktober 1005 in der„Humanits": „Solange die Revanche in der französischen Politik als Mög'ich- kcit gilt, werden französische Staatsmämier versucht sein, günstige Gelegenheiten zur Berwirklichung dieser Absicht auszunutzen und so lange wird auch bei andeicn Völkern, die gegen Deutschland irgend eine feindliche Absicht haben, die Versuchung vorheirschen, diese dunkele überlebte Idee der Revanche auszubeuten, um eine antideutsche Koalition zu schmieden". Im„Vorwärts" vom 9. Januar 1916 wurde über den Kongreß der Seine-Föderaiion, der am 19. Dezember 1915 stattgefunden haue, berichtet. In diesem Bericht heißt es u. a.: „Ein sehr bemerkenswerter Zwischenfall ergab sich, als Fiandette die alte Streitfrage zwischen Renaudel und Roppöport wieder aufs Tapet brachte und die von Rappoport Jaurss zu« geschriebenen Aeußerungen bestritt. Maysras b e st ä l i g t e die Darstellung Rappoports und fügte hinzu, daß Jauivs am LI. Juli 1914, als Jswolski durch ein Zimnier iin Ministerium des Aeußern hindurchschritt, wo er mit anderen sozialistischen Abgeordnelen wartete, mit lauter Stimme gesagt habe:»Da geht der Schurke Jswolski, er hat den Krieg gewollt und hat ihn bekonimen." Ueber denselben Kongreß veröffenilicht der»Labor Leader" am 30. Dezember 1915 einen Bericht, in dem es u. a. heißt: . L 0 n g u e t: Ist nicht die Tatsache, daß JaursS am 31. Juli die Regierung auffordern mußte, einen mäßigenden Einfluß auf Rußland auszuüben, ein Beweis, daß die sranzö- fischen Mini st er ihre Pflicht nicht taten?" Und schon in der Voivcrsammluiig vom 5. Dezcniber haue ein Dcle- gierier geäußert, nach dem Friedensschluß müßte gegen Poincarv, Delcasss und M i l l e r a n d wegen tbrer Verantivortung an der Herbeiführung des Krieges die Anklage auf Hochverrat erhoben werden." Am 31. Juli 1914 machte JanrsS. so wurde in der„Humanitä" beisichert,„seine letzte höchste Anstrengung bei Herrn Viviani, tief bewegt die Regierung anflehend, in engem Verein mit England zu handeln und darüber zu wachen, daß Rußland keine Unvor- sichtigkeiten begehe".(Zwei Stunden später tvar Janres tot.) In einer schweizerischen Korrespondenz der„Frankfurter Zeitung". die auf die in der„Humanits" abgedruckte» Berichte über den Weih- nachlskongreß der joziallstifcheii Pallci Fiaulieich» Bezug uunmt, wurde gejagt; «Fit Mem«rugwWhf,«m Abcnd des 31. Juli. Hatten die Liusien die g e f ü r ch t r t e„Unvorsichtigkeit" schon b e« gangen.?>ach dem srauzösischen Gellibuch hat Viviani als Minister des Auswärtigen»och die englische Vermittelung emp- fohlen. sNuiidichrcibcn an die Botschafter.) Von einer tat- sächlichen Einwirkung aus die Russen, um die lvi o l> i l M a ch u n g h i n t a N z u h a l t e n, findet sich in den veröffentlichten amtlichen S ch r i f t st ii ck e n keine Spur. Jaurös gegenüber hat Bivlani die Versicherung gegeben, er hätte in diesem Sinne gelviril. Im riaufe des Ge«. fprnchs fiel von seilen VivianiS, allerdings mit begleitendem Achsrl.tncken, auch daS Wort:„Ich habe getan, tvtth ich konnte, >v a S P o i n c a r ö getan hat, lv e i tz ich nicht!" Nicht ohne Interesse sind auch die folgenden Mitteilungen der .Frankfurter Zeitung" vom 22. August 1915: „Am Abend des Nation alsestcS vom 14. Juli hatte PoincarS mit Dein Ministerpräsidenten und Minister deS Aeuszcrn Viviani die Steife nach Siubland angetreten, von der er vierzehn Tage später mit der Kriegserklärung zurückkehrte. Aber schon vor seiner Abreise mußte man. daß die Regierung an Krieg dachte, denn An- fang Juli ivarcn die zur Grenzdeckung bestimmten Truppen, die erst im Herbst 1913 zur Reserve entlassen worden waren, schon wieder nach ihren«Lnrnisonen im Osten einberufen worden; den Abgeordneten, die sich deshalb beunruhigten, antwortete der Kriegsminister, es handle sich nur um Vorbereitungen zu den großen M a» v v e r»." Der Erwähnung ivert sind auch die Auseinandersetzungen zwischen den bekannten französischen Genossen Roppoport und Renaudel, die Kautskh Natürlich bekannt sind. Ich kann hier nur wiederholen, was Rappoport wiederholt als„nackle Tatsachen" festgestellt hat: 1..Jaurös betrachtete am 31. Juli 1914 den Botschafter Jswolski als Miturheber des bevorstehenden Krieges. 2. JauröS erklärte an demselben Tage dem IlnterstaatSstkretär Herrn Abel Ferch gegenüber— der. beiläufig bemerkt, ein anständiger und friedlicher Demokrat ist—, daß er den Ftldzug gegen den Krieg fortsetzen werde, worauf Abel Ferry dem Inhalte nach Jaures warnend bemerkte:„Man wird Sie am ersten Straßeuwinkel niederschießen". 3. JaureS beabsichtigte schon am folgenden Tage sd. h. am 1. August), diesen Feldzug zu beginnen und eine Art „.Taccusv"(„Ich klage an") in der„Humanits" zu veröffentlichen. 4. Diese letztere Tatsache wurde in den reaktionären Kreisen be- kannt. Der Tod von JaureS erfolgte bekanntlich am Abend deS 31. Juli 1014." Im„Labor Leader vom 27. Januar 1916 wurde über den fran» zöfischcn Sozialistenkongreß berichtet, der vom LS. bi« 29. Dezember 191S in Paris stattgefunden hatte. ES wird u. a. folgende Szene geschildert: „ P resseman e, der Abgeordnete von LimogeS, wandte sich gegen die Anhänger des„susg'aU bout"(„Krieg bis ans Ende"). Er bestritt die Möglichkeit der Besiegung DeutschlendS. Der Redner führte weiter' aus:„WaS die Verantwortlichkeit für diesen Krieg betrifft, so gibt es vorläufig kein genügendes und einwand- freies Sttaterial, daS ein unparteiisches Urleil gestatten würde. Ich glaube auch nicht, das; das Gclbbuch immer authentische Mir- teilungen enthalte. ES wäre w ü n i ch e n S w e r t, wenn die französischen Genossen die belgischen Doku- m e u l e läsen, die die deutsche Regierung aus den gefundenen beigischen Archiven peröffenilichl hat. Ich habe hier ein Erem- vlar und bitte mir zu gestatten, einiges daraus zu verleien." lSliirmiiche Unruhe. M out et, Abgeordneter von Lyon, sowie Renaudel widersetzen sich heftig der Verlesung.) P r e s s e m n Ii e fuhr sodann fort:„Die Unruh«, die meine Worte dei den RegiernngSanhäiigern verursachte, beweist, daß diese die Wichtigkeit der belgischen Dokumente erkennen... Aus den„belgischen Dokumenten" geht bekanntlich nicht Nur hervor, wie sehr Belgien sich in Abhängigkeit von England und Frankreich befuiidcu hat, sie weisen auch unanfechtbar nach, wie die Trlpleentente seil Jahren ganz zielklar auf die Einkreisung Deutsch« lauds hingearbeitet hat.— Nach alledem verstehe ich nicht,.wie KautZkh qiit so großer. De- stimiiilheit von euicr Fälschung in der„Braunschwesgischen Landes« zeilung" sprechen und mir den Vorwurf machen kann, französischen Mlaten gegenüber eine zu große Leichtgläubiglcit zu cniwichcln. Es ist mir gänzlich imerfiiidlich, warum Jaurös den Brief nicht ge- sänieben haben soll. Etwa deshalb nicht, well er von der fran« zosischen Regierung sagt, eS läge in ihrer Macht, Rußland am Kriege zu verhindern? Warum sollte er das nicht geschrieben haben? Weil eS im Widerspruch stände mit seinen Ausführungen in Brüssel? Das bestreite ich. Er kann sehr wohl überzeugt gewesen sein, daß die französische Rcgiirung für den Frieden arbeite in Gemeinschaft tnit der„bewunderungswürdigen englischen Regierung", daß sie „Rußland Ratschläge iiir Sinne der Klugheit und Geduld" gegeben, aber trotzdenr nicht daSEnischeidende getan habe, nämlich zu erklären, daß Frankreich nicht mitmache! Hätte sie d a S getan, damt würde Rußland nicht mobil gemacht haben und der Krieg iväre wahrscheinlich verhütet worden. Es wird nieuiaiid von mir verlangen, daß ich unsere Regierung für„bewunderuiigswürdig" halle. Aber daß ich ausgerechnet auf die von KautZky zitterten Worte fchtvören soll: „Die französische Regierung ist der beste Friedenkalliierte der bewtindcnnrgSwürdigrn englischen Regierung", ach nein, dazu fühle ich mich nicht stark genug. Trotzdem glaube ich Jautss, diesen großen und ehrlichen Friedensfreund, zu ver- stehen, der den Satz geprägt hat: „Die Nation ist das Schatzbous des menschlichen Genies und Korlschritts. und eS stände dem Proletariat schlecht an, diese kost- baren Gesäße menschlicher Kultur zu zertrümmern." KautSkh und seine engeren Freunde verstehe ich leider jetzt nicht. Der franzöfische Tagesbericht. Paris, 10. April.(W. D 83.) Amtlicher Bericht v o m M o n t a g n a ch m i t t a g. Westlich der Maas ging das Bombar- dement im Laufe der Nacht heftig weiter. Es richtete sich im be- sonderen gegen die Höhe 394. Der gestern vom Feinde gegen TageSende gegen den Toten Mann untern ommene Angriff, der in seiner Gesamtheit mit bedeutenden Verlusten für den Feind ab- geschlagen wurde, gestattete den Dcntscheu auf einer Lünge von tin- gefähr 599 Meiern ili einen vorgeschobenen Schützengraben der Höhe 295 einzudringen. Wir machten etwa 199 Gefangene. Oestlich der Maas wurde im Laufe der Nacht sehr lebhaft in dem kleinen Gehölz von Fontaine St. Martin östlich Vacheranville gekämpft. Wir machten tu den seiiidlichen Verbindungsgräben südlich de» Dorfes Douaumvnt Fortschritte. In der Woevre Bombardement der Dörfer am Fuß der Maashöhrn. ES bestärigr sich, daß am 9. April in der Gegend von Verdun seitens des Feindes ein erster großer und allgemeiner Offensivversuch unternommen wurde, der sich auf eine Front von über 29 Kilometer erstreckte. Der Gegner, der kein greübareS Er- gebnis erreicht hat, vor olleni nicht im Verhältnis zu den gemachten Anstrengiingeii, hat Verluste erlitten, von denen die vor den Linien angehäuften Leichen zeugen. Von der übrigen Front ist nichts von Bedeutung zu melde». Paris, 11. April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Montag abend. In der Gegend von Roye wurde eine starle feindliche Erkundniigsabteilung durch unser Feuer zerstört, bevor sie uuser« Drahtverhaue erreicht hatte. Nördlich von Andechy in den Argoiineii richtete uilsere Artillerie an deutschen Anlagen ernstlicheu Schaden an. Nördlich von La Harazse beschosien wir mit unierer Artillerie energisch den vom Feinde besetzten Teil deS Waldes von MW des Grche« SüWWrllers. Ämtlich. Großes Hauptquartier, den 11. April 1916. iW. 2.«.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nach mehrfacher erheblicher Steigerung ihres Artillerie- feucrö setzten dir Engliindcr südlich von St. Elvi nachts einen starken Handgranatciiangriff an, der vor unserer Trichterstcllung scheiterte. Die Stellung ist in ihrer ganzen Ausdehnung fest in utifercr Hand. In den Argoilucn bei La Fille Morte«nd weiter östlich bei älanquoiS fügten die Franzose» dnrch mehrere Sprengungen«Nr sich selbst Schaden zu. Im ißaiktpsgeläude beiderseits der MaaS war auch gestern die GcfcchtStätigkcit sehr lebhaft. Gegenangriffe gegen die von uns gellominenril französischen Stellungen südlich des ForgeS-BacheS zwischen Hancourt und Böthin- court brachen verlustreich für den Gegner zusammen. Die Zahl der nnverwNndeten Gefangenen ist hier um 22 Offiziere 549 Mann auf 36 Offiziere 1231 Manu, die Beute auf 2 Geschütze 22 Maschinengewehre gestiegen. Bei der Fortnahme weiterer Blockhäuser südlich des Rabcuwaldcs wurden heute nacht 222 Gefangene und ein Maschinengewehr eingebracht. Gegenstöße anS Richtung Chattancourt bliebe» in unserem wirksamen Flankenfeoer vom Ostufcr her liegen. Rechts der Maas versuchte der Feind vergebens, den am Südwestrande des PfefferrückenS verlorenen Boden wiederzugewinnen. Südwestlich der Feste Touaumont mußte er«n» weitere BerteidigungSanlagen überlassen, aus denen wir einige Dutzend Gefangene und drei Ma- schinengewchre zonlckbrachtcn. Dnrch das Fener unserer Abwehrgeschütze wurden zwei feindliche Flugzeuge südöstlich von Dpern hrrnntcr- geholt. O estlicher und Balkan-KriegSschauPlatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Ober st e Heeresleitung. •* * Zer SslmeWW AnmlWMM. Wien, 11. April.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlantiart: Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. DllS Artillericfcucr nahm gestern in einzelnen Frontabschnitten an Lebhaftigkeit zu. Ter Feind ieschos« planmäßig die Ort« schaftrn hinter unserer Front? so standen im Küstenland Turn», der Diidteil von Görz, daS Spital von St. Peter und mehrere andere Orte im ESrzischen, in Kärnten St. Kathrrin und Uggowitz lim Kanal-Tal), in Tirol Lcvico und Roverrw«ntcr schwerem Feuer. Die Kämpfe bei Riva dauern fort. Der Stellvertreter des EhcfS deS Gencralstabr», v. H o e f e r, Fcldmarschallcutnant. Avocourt, Westlich der Maas dauerte die Beschießung im Laufe des Tag«? mit wachsender Heftigkeit an. Gegen mittag richteten die Deutschen gegen unsere Stellungen südlich des FörgesbacheS einen Angriff, der aus der Gegend von Hcuicourt— Böthineourt her« vorbrach. Trotz der Heftigkeit der Anstürme, die dem Feinde sehr ernste Verluste kofteien, hat sich unsere Linie in ihrer Gesamtheit nicht vom Platze gerührt. An unserer Front Toter Mann— CumivreS wurden Angriffsversuchs, die einer kräftigen Artillerievorbereitung folgten, durch unser Sperrseuer zum Sieben gebracht. Oestlich der Maa« sehr heftige Beschießung des Pfefferbiigels. Der Feind griff am Ende des Tages'wiederholt unsere Stellungen im Caillettewalde an, wurde jedoch überall zurück« Seworfen. In der Woevre ziemlich große«rtillerieiätigleit. An der brigen Front war der Tag verhältiiiSmäßig ruhig. L u s t k a m p f. Am s. April brachte einer unserer Flieger in der Gegend von Verdun im Verlaufe eines Luftkampse» einen Folker zum Absturz, der in unsere Linien bei Esnes niederfiel. Am 9. April wurde ein anderer Folker durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze heruntergeschossen. DaS Flugzeug fiel in der Woevre in die beut« scheu Linien nieder. Ein dritter Fokker landete in unseren Linien in der Champagne. DaS Flugzeug ist unde« schädigt, der Flieger wurde gefangengenommen. Heute nachmittag überflog ein deutscher Flieger Nancy und warf zwei Bomben ab, die keinen bedeutenden Sachschaden an« richtete». Belgischer Bericht. Im Laufe der Nacht wurde eine deutsche Abteilung, der es gelungen war. sich eines belgischen Horch« Postens südlich von St. George zu bemächtigen, sogleich durch einen Gegenangriff zurückgeworfen und ließ neun Leichname auf dem Felde liegen. Während des Tages war die Artillerie ziemlich lebhaft, besonders in der Nähe von Dixmuiden und südlich davon. Der Bericht üer russischen tzeeresleitung. Petersburg, 11. April.(W- T.©•) Amtlicher Bericht vom 19. April: Westfront: Längs der Düna Artillerie« und Gelvehrfeuer. In vielen Unterabschnitten versuchten die Deutschen ihre Stellungen auszubessern und das Wasser daraus abzuleiten, unser Feuer zwang sie jedoch, die Arbeiten einzustellen. Deutsche Flugzeuge warfen bei dem Bahnhof RömerShof und bei Dünaburg Bomben ab. Nordost- lich vom WiSzniew-See entwickelte die feindliche Artillerie eine leb- hafte Tätigkeit. Am OginSki-Kanal warfen feindliche Flieger in unseren Linien Bomben ah. Bei dem Dorfe Komora(25 Kilometer) südwestlich von Pinsk kamen deutsche Abteilungen in Booten an unsere Stellungen heran, wurden aber durch unser Feuer zur Umkehr gezwungen. An der unteren Strypa nahmen wir einen feindlichen Graben und machten einige Gefangene. Kaukasus: In der Richtung auf Baiburt(75 Kilometer südöstlich von Trapezunt) vorgehend, warfen unsere Truppen die Türken von einigen Berggruppen und gehen erfolgreich weiter vor. Gegenangrisssversuche des Feindes blieben gänzlich fruchtlos, er hatte in unserem Feuer schwere Verluste. Unsere Truppen müssen den Angriff im tiefen Schnee vortragen und zahlreiche Gletscher- spalten überwinden. Im Vorgehen auf Diarbekr warfen wir feindliche Kräfte im Tale von Gornukow(?). Bei Bitlis wiesen wir mehrere türkische Angriffe ab. Südlich de» Urmia-SecS fanden Zusammenstöße mit stärlercu kurdischen Banden statt, die von rcgu« lgrer türlifch» Infanterie unterstützt wurden. vom v-Soot-Krieg. Paris, 11. April.(W. T. B») Meldung der Ageucc HavaS. Ein englischer Dampfer brachte die Besatzung des dänischen Dampfers„Caledonia" nach Marseille. Der dänische Dampfer ist im Mitkelmcer von einem österreichischen Unter- sccboot torpediert worden. London, 11. April. iW. T. B.) Rcutenncldung. Der Dampfer „Ellastoii", 3799 Tonncii. wurde versenkt, die Besatzung wurde gerettet. Das Schiff war unbewaffnet. Genf, 11. April.(W. T. 83.) Einer Meldung der Agence HovaS aus Biaritz zufolge hat der dänische Dampfer„Atlante" 86 Ueber- lebende von dem torpedierten Spanischen Dampfer»Santa»- d a r i n o" in Socca gelandet. Bier Passagiere seien ertrunken. Zur„TubantlV-Märe. Berlin, 11. April.(W. T. B.)„T i m c S" vom 7. April meldet an versteckter Stelle folgendes:„Ein Tauch«, der das Wrack der „Tübantia" untersuchte, kehrte nach dem Haag zurück, um Bericht zu erstatten. Ter Schleppdampfer, der ihn von dem Wrack zurück- brachte, vernichtete aus seinem Rückwege 24 treibende Minen." W. T. B. bemerkt hierzu: Von zuständiger Seite er- fahren wir hierzu: Diese Minen können nur innerhalb des Ge- biets angetroffen worden sein, das nach der Erklärung des deutschen ÄdmiralstabcS vom 4. Februar 1915 von deutschen Minen unbedingt freigehalten wird. ES muffen demnach feindliche Minen gewesen sein. Die englische Nachricht stimmt übrigens auch mit letzthin gemachten Beobachtungen deutscher Seestreitkräfte übercin. Hiernach sind englische Minen im Gebiete Noordhinder-MaaZ- Schouwenbank-Feuerschiffe bis Phornpcnbank festgestellt worden, also in einem Gebiete, wo deutsche Minen nicht gelegt werden. Die angetroffenen englischen Minen sind außerdem nur zum Teil der- ankert, zum anderen Teil aber treibende Minen gewesen. Allein an zwei Tagen, dem 1. und 2. April, haben deutsche Seestrcitlräste im englischen Kanal 29 treibende englische nicht entschärfte Minen abgeschossen. Englische parlamentsüebette über Sie Seschlagnabme üeutscher Schiffe üurch Neutrale. London, 19. April.(W. T. 83.) Unterhaus. Haölow fragte, ob die Regierung angesichts der sortwährciideu Zerstörung von Handels- und Pasiagierschiffen ohne Warnung durch den Feind und ebenso der Vernichtung von neutralen Schiffen erwägen wolle, ob es nicht angezeigt sei. den neutralen Regierungen den Vor« s ch 1 a g z u m a ch e n, den V c r l u st an Tonnage durch Verwendung feindlicher Schiffe weit zu machen, die in neutralen Häfen interniert seien. Lora Robert Cecil erwiderte, die britische Regierung erwäge die Frage über die Indienststellung feindlicher in neutralen Häsen liegender Schiffe, sie müsse in erster Linie von den neutralen Regierungen selbst entschieden werden. Bei ihrer Entscheidung würden die nciilraleii Regierungen zweifellos den Umstand in Betracht ziehe», paß die Vernichtung von Hllndelsschlffen durch die Verringerung der Welttomiafl« den Handel der Neutralen nicht weniger berühre al« den der kriegführenden. Vorschläge der neutralen Regierungen zur Sicherung foindlicher Schiffe, die von Neutralen iu Dienst gestallt würden, vor Befchlagnahme würden von der britischen Regierung sorgfällig erwogen werden._ öeenüigung üer Mimsterkrise in Griechenlanü. Athen, 10. April.(G. T. B.) Ueber die endgültige Erledigung der Minist crkrise wird heute amtlicti mitgeteilt, daß Staatsanwalt C h ä tz a ko s, der als einer der bedeutendsten Juristen GricchcnlandS gilt, das Justiz.- m i n i st e r i u in übernimmt, welches Rh alli S ihm über- läßt, wofür dieser den durch den Rücktritt D r a- g u m i s erledigten Posten des F i n a n z m i n i st e r S über- nimmt. Hierzu wird auS Regierungskreisen bemerkt, daß diesem Zlvischcnfall keine Bedeutung beizumessen sei und daß er auf die weitere Haltung des Ministeriums von keinerlei Einfluß sein wird. Die Politik der Regierung tvird trotz aller Schwierigkeiten, die die Entente den Finanzen Griechenlands bereitet, mit der größten Entschlossenheit weiter- geführt werden und so können die Versuche der Entente und der venizelistischen Kreise, einen Kubincttswcchscl herbeizuführen, als kläglich gescheitert bezeichnet werden. Der Ententefreunü venizelos. London, 11. April.(T. U.) Der Korrespondent der„TimeS" in Athen meldet: BenizeloS setzt in seinem neuen Wochenblatt„Äeryx" die Beantwortung der Bshmiptunxcn cineS Interviews mit König Konstantin in einem Berliner Blatte fort. BenizeloS schreibt u. a.: Wir hätten unserem Bündnis mit Serbien treu bleiben müssen und das um so mehr, als wir uns keinen Bundesgenossen in Rumänien sicherten. Wir hätten nicht dulden dürfen, daß Bulgarien Serbieii vernichtet. Wahrscheinlich würde Bulgarien das Schwert nicht ge- zogen haben, iveun es nicht überzeugt gewesen wäre, daß Griechen« land neutral bleiben würde. Aber selbst wenn Bulgarien nicktS- destowcnigcr Serbien überfallen hätte, hätte Griechenland sich der Entente anschließen müssen, um Serbien zu helfen, da die Entente die Integrität de« griechischen Gebietes verbürgte und Griechenland außerdem Thrazien und einen Teil von Kleinasien onbol, während England bereit war,(j'ypem sofort abzutreten, einerlei ivie der Krieg ablause. Bedenkt man die Stücke der österreichischen und deutschen Truppen gegen Serbien, so ist eS sehr ivahrfcheinlich, daß daS serbische und griechisibe Heer durch englische uuo französische Truppen verstärkt, die bulgarische Armee vernichtet haben würde. bevor die gentralmqchte zu Hilfe gekommen wären. Ericchenlands Mitwirkung würde sicherlich daS Unglück das über die ferbische Armee gekommen ist, verhütet und griechisches Gebiet gespart haben. Weiter bemerkt BenizeloS, daß die Zeiitralnnichte leine Bürgssbasr dafür gegeben haben, daß die englisck-französischen Truppen nicht über die griechische Grenze verfolgt würden. Der griechische General- stab wußte in der Tat, daß die Oesterrcicher und Deutschen bald griechisches Gebiet betreten würden, daS so der Schauplatz der Feind- leligkeiteu geworden wäre. Ganz Mazedonien wird gleichfalls in- folge dieses Unglücks durch den Einfall seiner Erbfeinde, nämlich der Türken und Bulgaren, bedroht. Auch diese Gefahr wäre ab- gewendet worden, wenn Griechenland sich an diesem Kriege be- teiligt hätte. Msquiths Kriegsziel. London, 11. April.(W. T. B.) Rcutermeldung. Asquith sagte in seinem Trinkspruch mir den Präsidenten der franzö- fischen Republik bei dem gestrigen FeAmahl zu Ehren der Ab. ordnung de�s französischen Parlaments: Die Be- Ziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich sind nun seil mehreren Jahren aus dauerhafter Grundlage ansgebaut und sind durch die Probe, der sie in diesem Kriege ausgesetzt lvarcn, Bc- zirbunSen nicht nur von Freundschaft, sondern von Intimität und Liebe geworden.(Beifall.) In den letzten Tagen hat der deutsche ReickjSkgnzler»i�erum an die Sympathien der neutralen Welt für Len Fall MM TMschlaÄb(Hc'kettclt), als viel- fach mißverstandenen Friedensfreund appelliert. Der Kanzler er- klärt, daß er am 0. Dezember feine Bereitwilligkeit geäußert habe, auf FricdenSvcrlmndlungcn einzugehen, daß aber der Feind damals ebenso wie jetzt ablehnte, sich auf etwas einzulassen. Asguith zitierte die Worte dcö Kanzlers, um zu zeigen, daß dieser mit„Be- reinvilltgkeit" meinte, daß die FriedcnSvorschläge von der Entente ausgehen und die Entscheidung beim Kanzler beruhen sollte. Er fuhr fort: Man will mit anderen Worten von uns, daß wir die Haltung des Besiegten gegenüber dem siegreichen Gegner einnehmen, aber wir sind nicht besiegt. i Beifall.) Wir werden auch nicht besiegt werden, und die Alliierten find durch einen feierlichen Bertrag gebunden, keinen Sonderfrieden zu suchen oder anzunehmen. Die Bedingungen, unier denen wir bereit sind, Frieden zu schließen, sind die Durchführung der Ziele, für die wir die Waffen aufgenommen haben. Diese Ziele wurden von mir schon im lßovcmber 1014 bekannt gegeben. Ich sagte u. a., daß wir das Schwert nicht in die Scheide stecken werden, bis die militärische Herrschaft Preußens ganz und endgültig vernichtet ist. Ter Kanzler zitiert meine Worte zuerst falsch und fährt dann fort, ihre auf der Hand liegende Bedeutung und die in ihnen ausgesprochene Absicht zu verzerren. Großbritannien und auch Frankreich traten nicht!n den Krieg ein, um Teutschland zu erdrosseln oder um eö von der Karte Europas wegzuwischen, nicht um sein nationales Leben zu zerstören oder zu verstümmeln, und sicherlich nicht, um sich in die freie Ausübung seiner friedlichen Bestrebungen hineinzumischen. Wir wurden beide, hier und in Frankccuh, dazu genötigt, die Waffen aufzunehnien, um zu verhindern, daß Deutsch- land, womit in diesem Falle Preußen gemeint ist, eine militärische Bedrohung für die Nachbarn bilde und eine Oberherrschaft über diese erreichte. Teutschland hat während der letzten zehn Jahre bei mch- reren Anlässen seine Absicht gezeigt, Europa unter gleichzeitiger Be- drohung Vorschriften zu machen, und durch die Verletzung der Neu- tralität Belgiens hat es bewiesen, daß cS sein Uebergewicht selbst um den Preis eines allgemeinen Krieges herstellen will und da- durch, daß es die Grundlage der europäischen Politik, wie sie durch Verträge festgelegt ist, zerreißt. Die Absicht der an dem Krieg be- teiligten Verbündeten ist, diesen Versuch zunichte zu machen und da- durch den Weg für ein internationales S' stem zu ebnen, welches den Grundsatz gleicher Rechte für alle zivilisierten Staaten sicher- stellen wird.(Beifall.) Wir wollen als Ergebnis des Krieges den Grundsatz festlegen, daß internationale Probleme durch freie Unter- Handlung unter gleichen Bedingungen zwischen freien Völkern behan- delt werden müssen, und daß eine solche Ucbereinkunft nicht länger durch das übertoältigende Gebot einer Regierung, die von einer militärischen Kaste kontrolliert wird, aufgehalten und beherrscht wird. Das ist es, waS ich unter Vernichtung der militä- rischen Herrschaft Preußens verstehe, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Auf das Schicksal Belgiens, Serbiens und Montenegros Bezug nehmend, sagte ASquith, daß die Verbündeten nicht nur Schützer von Vcrtragvrechten, sondern auch von unabhängigen Staaten und der freien EntWickelung schwächerer Länder seien.(Beifall.) Es gebe kaum einen größeren Zynismus, als wenn der deutsche Kanzler beanspruche, daß Deutschland vor allen Mächten darauf bestehen müsse, verschiedenen Nationen Ge- legeichcit zu freier Eutwickrlung innerhalb des Rahmens ihrer Muttersprache und ihrer nationalen Individualität zu geben. Der Versuch. Prpußisch-Polen zu germanisieren, sei während der leisten Jahre hartnäckig betrieben worden, und dies sei da» größte Fiasko der preußischen inneren Politik gewesen. WaS solle wohl das vlämische Volk von der Aussicht denken, die ihm vom Kanzler gestellt wurde, nachbarlich mit den Deutschen zusammenzuarbeiten. die ihre Kirchen verbrannten, ihre Städte plünderten, ihre Felder verwüsteten und ihre Freiheiten niedertraten? Asguith fuhr fort: Meine Antwort an den Kanzler ist sehr einfach: die Berbün- beten wün schon und sind entschlossen, daZ alte Belgien wieder erstehen zu sehen.(Beifall.) Es darf nicht dauernd unter dem leichtfertigen und verruchten Angriff auf seine Freiheit leiden, und was niedergetreten wurde, muß wiederhergestellt und ausgebaut werden.(Lauter Beifall.) ASquith sprach sodann von dem hinkenden, schwächlichen Versuch de» Reichskanzlers, die Unterseebootkriegführung zu rechtfertigen und sagte: Wenn die Alliierten ihre Herrschaft zur See dazu be- nutzen, wirtschaftlichen Druck aus die Feinde auszuüben, so be- dienen sie sich eines Rechts. daS für Kriegführende von jeder krieg- führenden Macht in der Alten und Neuen Welt anerkannt ist, und sie haben sich bemüht und bemühen sich noch, soweit als möglich die daraus erfolgenden Unannchmlichkeiten für den neutralen Handel zu mildern. Sic sind bereit, die Gesetzlichkeit aller ihrer Maß- nahmen zu rechtfertigen und zu beweisen, dag sie mit den Grund- sätzen und dem Geist des auf dt« EntWickelungen des modernen Krieges angewandten Völkerrechts übereinstimmen. Diese Maß- regeln wurden mit genauester Berücksichtigung der Menschlichkeit durchgeführt, und so viel wir wissen, kann nicht ein einziges Bei- spiel angeführt werden, daß durch die Blockade der Verbündeten das Leben eine? neutralen Untertanen verloren ging.(Beifall.) Die deutsche Unterscebootskampagne wurde lange vor unserer königlichen Verordnung vom März 1015 begonnen und entwickelt, und sie wurde rücksichtslos durchgeführt, sowohl gegen Neutrale wie gegen Kriegführende und mit rücksickikkloser Verletzung des Völkerrechts und der Menschlichkeit. Asquith schloß: Können wir nicht dankbar sein, daß wir zur Feststellung und Verteidigung unserer Sache nicht zu solchen Entstellungen der Tai fachen und zu solchen Sophistereien genistigt sind, wie sie vom Kanzler vorge- bracht wurden? Wi» Alliierten kämpfen Seite an Seite für eine große Sache mit würdigen Mitteln, reinen Händen und reinem Gewissen,(Beifall.) und Seite an Seite haben wir ebenso wie den Willen auch die Macht, die Freiheiten Europa? zu verteidigen. (Lauter Beifall.) Tagung der holländischen Ersten Kammer. Haag, 11. April. kW. T.B.) Tie Erste Kammer trat heute inittag um 1,30 Uhr in öffentlicher Sitzung zusammen. Auf Antrag von Tr. Kuypcr und nenn anderen Nittgliedern wurde beicklossen. die Regierung zu ersuchen, der Erster. Kammer dieselbe Mitteilung zu machen wie der Z w e i t c n K a m ni e r in der g e h e i in e n S i tz nng vom letzten Dienstag. Tr. K n y p e r sagte, dag die Erklärun- gen der kriegführenden Regierungen einen beruhigenden Ein- druck machten, und cr�sprach der Regierung für ihr Auftreten auf dem Gebiete der äußeren Politik seine Anerkennung aus. Er betonte, daß die Erste Kammer das Recht habe, ebenso be- handelt zn werden wie die Zweite, damit sie sich ein Urteil über die Regierungsinaßnabmen bilden könne, zumal es sich um internationale Fragen handele und die Regierung erklärt habe, über Taten zu verfügen, die eine Zunahme der Gefahr tnr die Niederlande benirrliten lassen. Der Ministervräsident C ort van der Linden erklärte die B e r e i t w i l l i g k e i t der Regierung, auch die Erste Kammer in geheimer Sitzung zu lnfortnieren. Die Regierung habe vorige Woche die Einbe- rufung einer geheimen Sitzung der Zweiten Kammer nur deshalb für nötig erachtet, da diese Kammer ohnehin schon zu» sammengetreten war. während einer Einberufung der Ersten Kammer zu diesem Zwecke diel größere Bedeutung zugemessen worden wäre. Sodann fand eine geheime Sitzung statt, die unge- fähr eine Viertelstunde dauerte. Hierauf vertagte sich die Kammer bis zum 25. April. FWischenfall m einem Lager dsutjcher Gefsngzmer. London, II. April.(W. T. B.) Meldung des Reutarichen Bureaus. Die Regierung teilt amtlich mit, daß es am 6. April unter den Kriegsgefangenen auf der Insel Man zu Unruhen kam. Ein Gefangener wurde von einigen seiner Mitgefangenen überfallen und suchte bei der am Tore ausgestellten Schild« wache Schutz. Die anderen Gefangenen fuhren fort, ihn zu belästigen und drängten nach den: Tore, worauf die Schild- wache sie aufforderte, auseinander zu gehen. Da sie dem Be- feli! nicht gehorchten, feuerte die Schildwache. Drei d c u t- sche Gefangenen wurden verwundet. dsuLsch-rumänifthes tzandewabkommen, Die„Norddeutsckc Allgemeine Zeitung" schreibt: Die aus Bukarest eingegangene Meldung, daß zwischen der rumänischen und der deutschen Regierung ein Abkommen zur Erleichterung des Warenaustausches getroffen worden sei, ist nach unseren Erkundigungen zutreffend. Dieses Abkommen wurde am 7. April in Berlin vom Staatssekretär des Auswärtigen AinteS und dein rumänischen Gesandten unterzeichnet. Danach verpflichten sich beide Regierungen, für den Bedarf des anderen Landes die Ausfuhr ihrer Erzeugnisse, soweit der eigene Bedarf cS zuläßt und mit einem Borbehalt wegen Kriegsmaterials zu ge statten und zwar ohne die Erteilung der Ausfuhrbewilligung von bc- sonderen Gegenleistungen abhängig zu machen, sie verpflichten sich ferner, einander grundsätzlich auch die Durchfuhr von Waren aus dritten Ländern zu gestatten. Durch diese Abmachungen, für deren Durchführung noch besondere Maßnahmen in Aussicht genommen sind, beabsich- tigen beide Regierungen, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Teutschland und Rumänien, die durch den Kriegs- zustand stark gelitten hoben, soweit wie möglich imederhcr- zustellen und entsprechend den gegenseitigen Interessen zu er- leichtern. � polltische Uebersicht. Cebe» statt Rechte. Die„Kreuz-Zcitung" wehrt sich von neuem gegen die Forderung, daß nach dem Kriege die Verwirklichung gleicher Staatsbürgerrechte eintreten müßte. Sie schreibt: .Es ist daher vcrfehli und bedauerlich, wenn man leilweisc in Verkennung dieser Sachlage einen Anspruch ans besondere Be- lohnungen bierjür zu haben vermolnk. wobei natürlich äußere ehrende Gedenkzeichen, wie sie seit langem üblich sind. hier nicht gemeint sind. Diese lockern die geschlossene BolkSkelte der Deutschen im Kampfe nicht. Ganz anders ist es. wenn an Belohnungen für bestimmte Kreise und Klassen gedacht wird. Geradezu bedenklich ist es, wenn man Be- lohnungcn auf dem Gebiete der inneren Politik nstrebr, wenn die Teilnahme am Kriege dqzu dienen soll, bestimmle poliiische Wünsche»inzelner Gruppen zu erfüllen. Einheillickie poliiische Wünsche gibt eS kaum, sondern cS bestehen fast überall gegensätzliche Anschauungen. Was man daher auf politiichem Gebiew der einen Gruppe entgegen- kommend gewähren will, ichließt regelmäßig eine Hilllquietzimg oder Verstimmung einer andersdculeuocn Gruppe in sich. Das Gebiet der inneren Politik müßte daher grundsätzlich aus- scheiden, wenn man glaubt, für den Schutz de? Vaterlandes, des Volkes und der Familie Belohnungen gewähren zn sollen. Dieses Gebiet ist dafür ungeeignet, und"es würde auch eine Verletzung deS SatzeS bedeuten, daß das Vaterland und seine Leitung in Zeiten des DaseinLkampseS keine Parteien, sondern nur Deutsche kennt!' Die„Kreuz-Zeitimg" glaubt also durch die Zubilligung äußerer Ehrenzeichen über die Notwendigkeit politischer Rechte hinwegtäuschen zu können. Nationallibcrale und Wahlreform. Die Aufgaben des preußischen Landtags nach Friedensschluß be- handelte in einer in Stettin gehaltenen Rede der Abg. Tr. Fried- ber g. Er sagte darüber u. a.: In der inneren Politik stehe die Frage des Wahlrechts obenan, sie fei brennend geworden wi« lein« zweite: weite Kreise deS Volkes seien mit de», bestehenden Wahlrecht unzufrieden. DieUsbertragung deS Reichstags Wahlrechts auf Preußen sei abzulehnen. In Preußen beruhe der Staats- haushall auf den direkten Besitzstencrn. zu denen ein großer Teil der Staatsbürger nichts beisteuere. Hierdurch werde eine Ab- st u f u n g des Wahlrechts bedingt. An den Magdeburger Foc- derungcn deS direkten und geheimen Wahlrechts müsse fest» gehalten werden, die unmittelbare Berührung zwischen dem Wähler und dem Gewählten müsse sichergestellt sein, und nur die Wahl im verschlosiensu Wahlzettel gewährleistet die Unbeeinflußthcil der Wahl. Der Redner ist persönlich für ein Plural- Wahlrecht, da« etwa drei bis vier Ststumen zu umfassen habe. Wie man die Merkmale diese« MehrslimmcnrcchtS bestimme, will er der Zulunst übcrlasicn._____ Zuckerkarten. Durch eine gestern beschlosstne Verordnung deS Bundesrats wird zur Regelung des Verkehr mit Verbrauchszucker eine R e i ch s z u ck e r st e l l e errichtet, die für die Verteilung der Zuckervorräte auf die Kommunalverbände, gewerblichen und sonstigen Betriebe sowie auf die Heeresverwaltungen und die Marineverwaltung zu sorgen hat. Der Reichskanzler be- stimmt die Grundsätze für die Bemessung des Zuckerverbrauchs der Zivilbevölkerung. Dabei ist der Bedarf für die Dbst- Venvertimg im Haushalt zu berücksichtigen. Er bestimmt ferner, nach welchen Grundsätzen die in den cinzclncii Äom- inunalvcrbändcn vorhandenen Borräte qnzurechnen sind. Die Kommunalverbände haben den Verbrauch von Zucker in ihrem Bezirke zu regeln. SiekönncninSbesonderc vorschreiben, daß Zucker an Verbraucher nur gegen Zucker karten abgegeben werden darf. Ter Reichskanzler setzt die Zuckermcnge für den Kopf der Bevölkerung fest, die dieser Regelung zugrunde zu legen ist- Der Bedarf für die Obstvcrwcrtung im Haushalt wird besonders berücksichtigt werden. Die Kommunalverbände haben Höchstpreise für den Verkauf an die Verbraucher festzufeyen. Die Kommunalverbände können die käufliche Ueberlassung deS in ihren Bezirken vorhandenen ZirckerS an sich oder an die von ihnen benannten Stellen oder Personen verlangen. Der Reichskanzler bestimmt, in welchem Umfang' und unter welchen Bedingungen Zucker in gewerblichen und sonstigen näher zu bezeichnenden Betrieben bezogen und ver- wendet werden darf. Die Hersteller von Zucker haben den WeifusgAt der Reichszuckerstelle zu entsprechen. Sie dürfen Zucker nur nach den Anweisungen der ReichSzuckerstelle oder gegen Bezugsschein abgeben. Ter Handel mit Bezugsscheinen ist verboten. Wer mit Leginn des 25. April 1916 Zucker in Gewahrsam hat, hat bis zum 25. April 1916 den Vorrat nach Mengen und Eigentümern der zuständigen Behörde des Lagerungsorts anzuzeigen.(W. T. B.) Die Verordnung ist bereits in Kraft getreten. Kaffes nnd Tee. Auf wiederholte Anfragen teilt dcr KriegSauSschuß für Kza f s e e. Tee und deren Ersatzmittel mit, daß derjenige, der mehr als 10 Kilogramm Rohkaffee oder mehr als ö Kilogramm Tee im Besitz hat, überhaupt keinen Kaffee oder Tee mehr verkaufen darf. Aar diejenigen Kleinhändler, die weniger als 15 Kilogramm Rohkaffee oder weniger als ö Kilogramm Tee besitzen, dürfen dies« lleinen Bestände auSverkauscn. Geröstet werden darf Rohkaffee auch von Privaien bis auf weiteres überhaupt nicht mehr. Ein Blutbad unter spanischen Temonstrantc». Ter„Labor Lcader" meldet nach der»Jusiicia Social", daß bei einer friedlichen Kundgebung gegen die LebenSmittelteiierung da« Militär in die Menge feuerte. Neun Personen wurden g e- lötet, viele verwundet. Unter den Opfern war eine Frau und ein vierzehnjähriges Mädchen. DaS Nalionalkomitce der sozialistischen Partei hat ein Manifest herausgegeben, das gegen die Bluttat prolestiert und die schleunige Bestrafung der Schuldigen fordert. Unruhen in Batcvia. Ein Amsterdamer Blatt meldet aus Weltevreden vom 19., daß eS bei B a ta vi a wegen Eintreibung der Steuern zu Unruhen kam, die durch Polizei und Militär unterdrückt wurden. Letzte Nachrichten. „Tubantia" und„Palembang". Amsterdam, 1 1. April.(33. T. B.) Der Schisfahrts» r a t gab heute seinen Spruch über die Versenkung der beiden Dampfer„P a l e m b a n a" und„T u b a u- t i a" bekannt. ES wird darin der Hergang der beiden Un- fälle nochmals ausführlich geschildert und das Material der Zeugenaussagen zusammeugesaßt. Ter Schiffahrtsrat ge- langte zu dem Schlüsse, daß im Falle der„Palembang" die erste Erplosion durch das Springen einer Mine, die in einiger Entfernung von der„Palembang" trieb, verursacht wurde. Tie zweite Erplosiou rührte von einem Torpedo her, das ans einiger Entfernung abgeschossen wurde und die ..Palembang" traf. Dieses Torpedo kann nickst durch den eng- tischen Zerstörer abgeschossen worden sein! es ist aber nicht ausgeschlossen, daß es auf den Zerstörer gemünzt war und ihn verfehlte und die„Paleinbgng" traf. Die dritte Explosion muß ebenfalls einem Torpedo zugeschrieben werden, das auf die„Palembang" selbst gezielt lpar: Im Falle der„Tubantia" handelt es sich nach dem Urteil des Schiffahrtsrotes ebenfalls um ein Torpedo. Tie in den Booten der„Tubantia" gefundenen Metallstücke rühren ohne Zweifel von einem bronzenen Schwartzkopfi- torpedo her. Das Torpedo ist entweder von einem U- Boot oder einem Torpedoboot ohne vorherige War- nung abgeschossen worden und muß, da kein anderes Schiff in der Nachbarschaft war, der„Tubantia" zugedacht gewesen sein. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopcl, 11. April.(W. T. B.) Das H a u p t- quartier teilt mit; An der Jrakfront erlitten die Engländer eine neue blutige Niederlage bei F e I a h i e, wobei sie mehr als 5999 Tote auf dem Kannst- gclände sowie einen Offizier und einige Soldaten als Ge- fangene in unserer Hand zurückließen. Am 9. April vor- mittags, nach anderthalbstündiger heftiger Artillerievorbe- reitung, griff der Feind mit seinen sämtlichen Kräften von dem rechten Ufer des Tigris her unsere Stellungen bei Felahie an. Die Schlacht wütete während sechs Stunden. Zuerst gelang es dem Feind unter ungeheuren Opfern in einen Teil unserer Gräben einzudringen, aber unsere tapferen Truppen mochten die eingedrungenen Feinde mit dein Bajo- nett nieder sowie diejenigen, die ihnen zur Hille herbeigeeilt waren und warfen die U eberlebenden in ihre früheren Gräben zurück. Am Abend der Schlackst konnten wir in den Teilen unserer Gräben und vor ihnen über 3999 feindliche Leichen zählen. Gefangene sagten aus, daß von allen feindlichen Truppenemheiten diejenige, die am meisten gelitten hatte, die 13. englische Division sei, die ausschließlich auS englischen Sol- daten bestehe, seinerzeit au den Dardanellen gekämpft hatte und kürzlich an die Jrakfront geschickt wurde. Unsere Sol- daten kämpften mit unvergleicksticher Tapferkeit während der Schlachten des 5., 6. und des 9. April und fügten ein neues ruhmreiches Blatt unserer militärischen Geschickste bei. An den übrigen Fronten hat sich nichts ereignet. Amerika und der„Sussex".Fall. New Jork, 8. April.(Funkspruch vom Vertreter de« W. T. B.) „New Aor! World" sagt in einem Lcitartitel: ES is: angemessen, daß die Regierung eine Zeitlang die Antwort Dculschlailas auf die amerikanische Anfrage betreffend den„S n s s c x"- F a! l abwartet. Eö kann trotzdem nicht viel Zweifel über den Weg de- stehen, den die Vereinigten Staaten einschlagen müssen, wenn die „Süss ex" durch ein deutsches Unterseeboot per- senkt worden ist, wie es alles verfügbare Acwciömaicrial zeigt. Unsere Regiening kann nicht die diplomatischen Beziehungen mit einer Regierung aufrechterhalten, die beständig ihre Zusicherungen und Versprechungen verletzt. Trotz der den Vereinigten Staaten ge- gebencn Versichernngen laufen denische Unicrsceboote wieder Amok. Tie deutsche Regierung ist anscheinend nicht in der Lage, ihnen Einhalt zu tun. Tie Behaupiungen, daß. die denische öffeniliche Meinung eine solche Beschränkung der Unterscechpotstätigkeit nicht ertragen werde, machen dio Lage schlimmer, statt besser. Ter Kanzler hat große Mühe aufgewandt, um den Vereinigten Staaten zu versichern, daß Teutschland keine Absicht habe, Krieg gegen dieses Land zu fülircn. Tic Vereinigten Staaten haben gleichfalls mch: die Absicht, Krieg gegen Teutschland zu führen. Zu einem Kriege kann es itur kommen, wenn es Teuifchland dazu, zwingt. Aber c« muß sich irgendein gangbarer Mittelweg finden zwischen den gegenwärtigen feindseligen Handlungen und freundschaftlichen diplomatischen Beziehungen, die eine beständige Lüge sind. GewerksthaWches. Tarifablauf unö Teuerungszulage im SuchbiuöergeWerbe. Ein ganz eigenartiges Verhalten gegenüber dem Ver- langen der Arbeiterschaft um Teuerungszulagen legt der Ver- band Deutscher Buchbindereibesitzer an den Tag. Bis zum 2. Februar d. I. sind die wiederholten Anträge des Buch- binderverbandes wegen Teuerungszulagen unter Hinweis auf die schwierige Geschäftslage und die außerordentliche Preis- steigerung aller Rohstoffe abgelehnt worden. Erst ain 29. Fe- bruar verstanden die Unternehmer sich bei Verhandlungen in Leipzig dazu, für Gehilsen mit einem Stundenlohn bis zu 63 Pf. einen Teuerungszuschlag von o Pf. für die Stunde und bei Arbeiterinnen einen Zuschlag von 3 Pf. zu ge- währen. Diese Teuerungszuschläge sollten bei Annahme durch die Arbeitcrvertreter am' 1. April d. I. in Kraft treten. Da- gegen lehnte der Verband der Buchbindcreibesitzer jeden Zu- schlag für Akkordarbeiten ab. Auch sollten jene Zuschläge nur dann erfolgen, wenn der am 3l). Juni ablausende Tarif für Berlin, Leipzig und Stuttgart— der sogenannte Dreistädte- tarif— unverändert um ein Jahr verlängert werde. Auf diese Bedingungen glaubten die Arbeitervcrtreter nicht ein- gehen zu können, und die Verhandlungen am 29. Februar endeten mit dem Uebercinkommen, daß die beiderseitigen Parteien von dem Ergebnis der Verhandlungen unterrichtet werden und um ihre Meinung befragt werden sollten, und diese Meinungen sollten dann gegenseitig ausgetauscht werden. Vom Vorstande des Buchbindcrverbandes wurde nun dem Unternehmervcrbande am 21. März mitgeteilt, daß die bc- treffenden Versammlungen in den drei Städten das Angebot der Nnternehmervertreter abgelehnt und ihre Vertreter beauf- tragt hätten, die bei den Verhandlungen am 29. Februar zu- letzt eingereichten Forderungen aufrecht zu erhalten und sich zu weiteren Verhandlungen bereit erklären sollten. Das ist geschehen. aber der Buchbindercibcsitzervcrband hat bis zum 19. April, also nach beinahe anderthalb Monaten, noch nicht von sich hören lassen, wie er sich jetzt zu der Angelegenheit stellt. Inzwischen hatte der Buchbinder- verband den Tarifvertrag am 21. März— denn die Kündigung ist nur bis zum 31. März gültig— mit der ausdrücklichen Begründung gekündigt:„damit nicht bei einer nicht zu erzielenden Verständigung später gesagt werden kann, der Tarif ist nicht gekündigt, er läuft daher ohne weiteres auf ein Jahr weiter, ohne daß irgendwelche Teuerungszulagen gewährt werden." Die Erregung unter den Buchbindern ist natürlich sehr groß, da diese eine absichtliche Verzögerung durch den Buch- bindereibesitzerverband vermuten, durch welche die Unter- nehmer bis zum Ablaufstermin am 30. Juni vor Teuerungs- zulagen verschont bleiben sollen. Die„Buchbindcr-Zeihinq" hat es daher für notwendig gehalten, auf das Be- denkliche des Verhaltens den Untcrnehmervcrband hin- zuweisen, das geeignet sei, die Mißstimmung unter den Arbeitern und Arbeiterinnen so zu steigern, daß sie ver- suchen werden, auf eigene Faust sich die unbedingt notwen- digen Teuerungszulagen zu verschaffen. Sie mahnt die Unternehmer: Eile tut not! Auch der Vorstand des Buch- binderverbandes hat den Verband Deutscher Buchbinderei- besitzer neuerdings mit einem begründeten Schreiben an sein gegebenes Versprechen erinnert und ihn bis spätestens zum 13. April um Antwort ersucht. Geschieht das nicht, so hat es der Verband sich selbst zuzuschreiben, wenn sich der Mißmut der Arbeiterschaft in Formen geltend macht, die ihm nicht gefallen._ veutsches Neich. Der Zimmcrcrvcrband bal im Jahrs 1S15 einen Rückgang von 24 850 Miigliedern erfahren. 1914 betrug die durcküchniNliche Mit- gliederzabl � 47 766 in 775 Zahlstellen, am JahreSickluh 1915 zählte man nur 22 916 Mitglieder in 673 Zahlstellen. Natürlich ist dieser Mitgliederrückgang lediglich eine Kriegsfolge, ebenso wie die Aendc- rung in der Finanzgcbarung des Verbandes. Der Rechnungs- abschlug der Hauplkasse weist am Schlug des Jahre? einen Ver- mögensbestand von 4 958 931.55 M. ans, 109 795,85 M. weniger als im Jahre 1914. Die Einnahmen an Einirittsgcbühren und Wochen- beitrügen gingen im Vergleich zu 1914 um 645 059.10 M. ffast um die Hälfte)' zurück. Hierzu kommt, daß die Position.Familienunter- stlltzung" im Jahre 1915 mit 429 508 M. wie vom Jahre 1914 um 840 884 M. überragt. Somit ergibt sich trotz der Minderausgabe (1915) für Arbeitslosen- und Streikunterstützungen der Vermögens- rückgang von 109 795.35 M. Daß auch die Gesamtsumme der Zahlstellenkaffenbestände um 127 508.84 M. seit 1914 zurückgegangen ist, erklärt sich aus der Tat- fache, daß eine große Anzahl Zahlstellen � erhebliche Summen für Familienunterstützungen und Liebesgaben für ihre im Heeresdienst stehenden Mitglieder aufwendeten bierfür wurden nach den Ab- rechnungen bis zum Jahresschluß 1915 rund 159 800 M. in den Zahl- stellen verausgabt. In Anbetracht der Verhältnisse ist der Rechnungsabschluß des Verbandes kein ungünstiger, mindestens bringt er leine Ueber- raschungen. Er bietet die Gewähr, daß der Verband auch in dieser tiefernsten Zeit seine Widerstandskraft für die Gegenwart und Zu- kunft in Bereitschaft hält._ Kriegsbeschädigtenfürsorge in der Gärtnerei. Der Fürsorgeausichuß für kriegLbcschädigte Gärtner(Geschäfts- stelle: Berlin lP Jnvalidenstr. 42), dem alle bestehenden Unter« nehmer- und Arbeirerverbände deS Gartenbaues angeschlossen sind, hielt kürzlich eine Sitzung ob, in der über die bisherige Tätigkeil und die dabei gemachten Erfahrungen berichtet wurde. � In Beziehung auf die Verwendungsmöglichkeiten Kriegsbeschädigler hat sich bereits eine Reihe von Schwierigkeiten ergeben. Mehrfach er- gab sich, daß bei Arbeilstätigkeiten, die von erfahrenen Berufsgärtnern als geeignet bezeichnet wurden, eine Eignung trotzdem nicht möalich war. Auch die Bereitschaft früherer Arbeit- geber, einen Beschädigten wieder aufzunehmen, lasse zu wünschen übrig. Häufig sei in der Zwischenzeit ein Ersatzmann eingestellt und'habe sich festgesetzt. Andererseits aber fühlten sich die Prinzipale geniert, wenn sie für den früheren Angestellten, der verletzt zu ihnen zurückkehre, die Höhe des neuen Gehalies bestimmen sollten. Sie zahlten dann lieber eine freiwillige Unterstützung, gewissermaßen als eine Abfindung, um in ihren neuen Verträgen freie Hand zu behalten. Dieie Mitteilung wurde mit allgemeinem Mißsallen entgegengenommen, man meint, daß solchen Neigungen nachdrücklich entgegengewirkt werden müsse. Von den Arbeiterverlretern wurde beklagt, daß an der Berufsberatung sich Unternehmer nicht in dem Maße beteiligen, wie es von den Arbeitern geschehe. Der Nachweis, daß kriegsbe schädigte Gärtner in ihrem Beruf überhaupt eine ausreichende Existenz finden können, fei noch nicht geführt. Eine Aufbesserung"der Löhne sei deshalb schon � jetzt, besonders aber nack Friedensschluß, unabweislich. Stadtgartendireklor Bcodersen-Bcrlin hielt einen Vortrag über die Frage der Ansiedlung Kriegsbeschädigter und die Gründung von Kriegerheimstälten. Redner behandelte die Möglichkeiten genosienswastlicher Siedlungen und warnte besonders vor den vielfack, in dieser Hinsicht schon ge- machten Ueberlreibungen. Kriegsbeschädigte auf Neuland, Moor oder gar aus Oedländereien seßhaft zu machen, sei nur in Aus« nahmefällen zu billigen. Um eine solche Pionierarbeit erfolgreich zu verrichten, reichten kaum die Kräfle gesunder Menschen aus. Im übrigen ist sowohl hinsichtlich der Auswahl geeigneter Bodenflächen wie auch zur Fackarbeil geeigneter Kräfte größte Vorsicht geboten, soll später nicht allseits Enttäuschung platzgreifen. Besondere Rentengutskolonien nur für Kricgsbeschädigle zu schaffen, könne auch nicht empfohlen werden. Die Ausführungen wurden beifällig aufgenommen. Beschlossen wurde: Unter Mitwirkung berufs- und lebenserfahrener Männer Ratschläge und Leitsätze auszuarbeiten, die das Weien der gesamten Fürsorge für kriegsverletzte Gärtner und auch die Grundsätze für die Errichtung von Kriegerhelmstätten ent- halten. Dieie Leitsätze sollen dann Behörden und Körperschaften sowie allen Garlenbau-, Obst». Gemüse- und verwandten Vereinen mit der Bitte unterbreitet werden, sie in besonders ein- zuberufenden Versammlungen durch gecignele Berichterstatter zum Vor- trag zu bringen. Ferner: Den Miiiister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu bitten, für kriegsbei'chädigte geeignete Gärtner ausreichende Mittel zum Besuche königlicher Gärtnerlehranslalten zur Verfügung zu stellen und die vorhandenen Freistellen zu ver- mehren. Dem Arbeitsnachweis des Fürsorgeausschusies sind zurzeit sehr viel mehr Stellen gemeldet, als zu besetzen möglich: es darf davei jednch nickt übersehen werden, daß es sich bei den Angeboten »echt oft um solche bandelt, bei denen nur eine zeitweilige Be- lchäfligung in Frage kommt, weil gegenwärtig ja überhaupt großer Mangel an gelernten Kräften besiehe. Stellen letzterwähnter Art sind für Kriegsbeschädigte im allgemeinen ungeeignet und können auch nicht berücksichtigt werden._ Kuslanü. Arbeitsnachweis für die heimkehrenden Krieger in Frankreich. Das französische Arbeitsministerium hat sich in einer längeren Denkschrift mit der Notwendigkeit befaßt, Vorsorge gegen eine nach Rückkehr der Krieger zu befürchtende Arbeitslosigkeit zu trejfen. Als Rundschreiben, das im wesentlichen Anregungen zur Einrich-. tung von kommunalen Arbeitsnachweisen enthält, ist sie an die Präfekten aller Departements gesandt worden.„Der Mangel einer rationellen Organisation der Arbeitsnachweise hat sich seit dem Krieg mehr als je fühlbar gemacht," führt die Denkschrift aus, „und es wäre geradezu unverzeihlich, wenn uns die Demoöilisie- rung unvoobereitet träfe." Nicht nur, daß zahllose Arbeiter ihren früheren Posten besetzt finden werden, es werden auch ungezählte Arbeiter entlassen werden müffen, weil die für Kriegszwecke umge- wandelten Betriebe sich wieder ihren alten Industrien zuwenden. Unter diesen Arbeitslosen werden auch viele Ausländer sein. Letztere Wendung des Rundschreibens bezieht sich auf die nament- lich in der Munitionsfabrikation beschäftigten Belgier! auch Italiener und Marokkaner sind in großer Zahl zur französischen Munitionsfabrikation herangezogen worden. Das Ministerium erbietet sich, die Behörden in jeder Weise zu unterstützen bei der Ausdehnung schon bestehender und Gründung neuer Stelleuvermittlungsbuveaus. Kredite sollen ge- währt und, sobald es sich übersehen läßt, auch eine namhafte Sub- vention von feiten des Ministeriums beschlossen, auch in Form von Portobefreiung usw. jode Erleichterung der Organisation zugedacht werden.__ Ms öer Partei. Zu den Partcidifferenzen. Die letzte Kreis konferenz de« 6. B e r l i n e r R e i ch S t a g S- Wahlkreises, welche von 290 Funktionären besucht war, beschäftigte sich mit den jetzt innerhalb der Partei zwischen Mehrheit und Minderheit strittigen Fragen. Die Kreiskonferenz legt energisch Protest dagegen ein, daß der Parteivorstand auS den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, zu denen auch dw Mittel der sogenannten Minderheit gehören— Broschüren und Flugblätter verbreitet, die einseitig den Standpunkt der Fraktionsmehrheit vertritt. Wird das Recht der Verbreitung auch nicht bestritten, so dürfen hierzu allgemeine Parteimittel nicht verwendet werden. DeS weiteren protestiert die Konferenz scharf gegen daS Vorgehen des Genoffen Richard Fischer und des Partei- Vorstandes gegenüber der Redaktion des„Vorwärts". Sie ver- langt, daß die Redaktion— unbehindert in der bisherigen Weile ihre Geschäfte weiterführen kann— und weiterführt. Auch wird verlangt, daß der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft der „Vorwärts" in der gleichen Weise unbehindert offensteht wie dem Parteivorstand. « Ferner wurde nachstehende Resolution gegen fünf Stimmen angenommen: Die Kreiskonferenz hat mit Entrüstung von dem gemeinsamen Auftus des Parteivorstandes, ParteiausschusieS und de» Vorstandes der Reichstagsfraltion Kenntnis genommen. Der Aufruf droht unter dem Vorgeben, für die Einheit der Partei zu wirken, Schritte an, die die Zerstörung der Einheit und Geschlossenheit der Partei und der Arbeiterklasse zur Folge haben müssen. Die Konferenz erklärt, daß. wenn der Parteivorstand die im Aufruf angedrohten Schrille unternehmen oder dulden sollte, sie alle im Rahmen der Organisation gebotenen Gegenmaßregeln er- greifen wird. Dem Antrage, unverzüglich eine Verbandsgeneralversammlung stattfinden zu lassen, wurde zugestimmt. Stellungnahme zur FraktionSspaltung. Eine von 141 Perionen besucht« Funktionär-Sitzung des 8. hannoverschen Wahlkreises(Hannover-Linden) nahm nach Referaten der Genossen Brey und L e i n e r t gegen 8 Stimmen folgende Resolution an: „Die am 9. April 1916 in Hannover tagende Konferenz der Funktionäre der Partei des 8. hannoverschen Wahlkreises stellt sich rückhaltlos hinter die Beschlüsse des Porteiausschnfies und des Provinzialvoisiandes. Sie stellt an den Parteivorstand in Berlin das Verlangen, alles zu unternehmen, um die Durchführung der Beschlüsse des ParleiauSschusses zu sichern. Diejenigen, die die Bestrebungen der Sonderfraktion innerhalb der Organisation der Partei durch Mitgliedschait oder Zahlung von Beiträgen unterstützen, haben kein Recht, Ehrenämter in der Organisation zu übernehmen. Der Vorstand des Wablvereins für den 8. hannoverschen Wahlkreis ist daher verpflichtet, die Organisation in dem Geiste zu leiten, der durch die Beschlüsse der Reichstags» iraktion und des Parreiausschuiies festgelegt»st. Zur Durchführung der Beschlüsse ist der Borstand nach dem Statut ermächtigt. Die Konferenz richtet an olle Genossen die dringende Mahnung mit allen Kräften iür die Aufrechtethaltung der Einheit der Partei zu wirken und dafür zu iorgen, daß die Erfolge der Partei nicht durch Quertreibereien und Disziplinlosigkeit vernichtet werden." Eine von den Vertretern der Minderheit eingebrachte Resolution wurde gegen 11 Stimmen abgelehnt. » Eine am Sonntag in Erfurt abgehaltene Bezirkskonferenz, die von Vertretern der vier zum Bezirk Erfurt gehörenden Reichs- tagswahlkreiien besucht war, nahm einen Bericht über die Verband- lungen des Parteiausschusses enigegen. Das Ergebnis der durchaus sachlich geführten Aussprache fand Ausdruck in der nachstehenden Entschließung, die mit 22 Stimmen gegen 1 Stimme angenommen wurde: „Die am 9. April d. I. in Erfurt tagende Konferenz des Bezirks- Vorstandes mit den Kreis- und Orlsvorsländen des Bezirks Erfurt bedauert sehr lebhast die in der sozsaldemokratischen Fraktion eingetretene Spaltung. Eine Entscheidung darüber, inwieweit die Maßregelung der 18 Genossen berechtigt war, überläßt sie dem Parteilag. Die Konferenz kann der Fraktion, dem Parteivorstand und PartciauSichuß das Entscheidungsrecht nickt zugestehen. Die Eni« sche.dung hat ausschließlich der nächste Parteitag zu fällen. Ebenso sieht die Konferenz in dem Vorgeben des Partei- Vorstandes gegen die Redaktion der„ N i e d e r r b e r n i s ck e n Arbeiterzeitung" wie gegen die„Vorwäris"-Re daklion nicht das Mittel, die Einheit der Partei zu stärken. Die Konferenz protestier: ent- schieden gegen die Einführung einer Partei- Pressezensur. Die Konferenz fordert alle Genossen zur einmütigen Arbeit für die Einheit, Geschlossenheit und den Ausbau der Organisation auf." * Eine Konferenz der Vertreter des sozialdemokra- tischen Wahlvereins des Reichstagswahlkreises Zauch-Belzig-Jüterbog-Luckeutoalde tagte am Sonn- tag in Luckenwalde, um sich mit den Vorgängen in der Partei zu be- schäftigen. Nach einem Referat des Neichstagsabg. Gen. Wels und nach eingehender Beratung wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der ausgesprochen wird, daß die Konferenz die Spaltung der sozialdemokratischen Rcichstagsfraktion aufs tiefste bedauert. Die Spaltung hätte verhütet werden können, wenn weniger Rechthaberei und mehr proletarische Kameradschaftlichkeit obgewaltet hätte. Die Konferenz erklärt es für die vornehmste Aufgabe der organisierten Arbeiterschaft, alles daran zu setzen, daß der Riß, der die Fraktion spaltet, sich nicht auf die Partei überträgt. Vor allem gilt es, die Zerstörungskraft geheimer Sonderzirkel von der Organisation fernzuhalten. Die sozialdemokratische Partei bedarf trotz der vorhandenen Meinungsverschiedenheiten einer ge- schlosscnen Kampfftont gegen den gemeinsamen Feind. Die Einheit der Partei� zu wahren, ist die große Aufgabe, die zu erfüllen die Parteigenopen als ihre erste und heiligste Pflicht zu betrachten haben. Das endgültige Urteil über die Taktik der Partei steht dem Parteitags zu, dem eine ungehinderte Aussprache über die brennen- den Gesichtspunkte vorausgehen kann. * Die Wahlkreisorganisation des Wahlkreises Waldenburg beschäftigte sich am vorigen Sonntag in einer sehr stark besuchten Kreisversammlung u. a. auch mit den inneren Parteistreitigkeiten, insbefondere mit der Fraktionsspaltung. An Stelle des durch Krankheit verhinderten Abgeordneten des Kreises, Genoffen Sachse, hatte der Vorsitzende der Wahlkreisorganisation, Redak- teur Genosse Franz, das einleitende Referat übernommen. Nach dem Referate folgte eine äußerst lebhafte Debatte, als deren Er- gebniS folgende Resolution einstimmige Annahme fand: „Die Parteigenossen und-genofsinnen des Wahlkreises Walden- bürg bekräftigen erneut das Bekenntnis, daß sie mit der Haltung der Mehrheit unserer Reichstagsfraktion einverstanden sind. Sie bedauern das Ausscheiden eines Teiles der Fraktioiismitglieder aus der gemeinsamen Kampflinie und die Konstituierung als besondere Arbeitsgemeinschaft. Hierin erblicken die Bersammelten eine Ge- fährdung der so dringend notwendigen Einheit der Arbeiter- bewegung, die gerade im Hinblick auf die großen zukünftigen Auf- gaben unerläßlich ist. Die versammelten Genossen und Genossinnen geloben, allen Versuchen, die vollzogene FraktionSspaltung auf die Parteiorgani- sation zu übertragen, entschieden zu wehren und die innere Ein- heit und Geschlossenheit der Partei zu erhalten. Die Fraktion wird ersucht, gegen die Mißstände in der Lebensmittelversorgung euer- lisch Front zu machen und für eine gerechtere Verteilung derselben einzutreten."_ Das eigene Programm der Parteiopposition. In seiner Darstellung der Duisburger Vorgänge hatte der Parteivolstand erklärt, daß. wie der Braunichweig-r.Volksfreund" schrieb, eine Gruppe der Parteiopposition sich auf einer aus allen Teilen des Reiches beschicklcn Konferenz ein eigenes Progroinm gegeben hätte und sich bei ihrer politischen Betätigung durch nichts als durch dieses Programm gebunden erachte. Darauf entgegnet jetzt der Braunschweiger„Volks- freund Der Parteivorstand will glauben machen, die Opposition Hab« ein Programm, das im Gegensatz stehe zum Erfurter Programm. Er kann daS nur vermittelst einer Sovbistik, vor der die Protaaorasie des antiken Athen vor Neid erblasien müssen. Des« halb stellen wir fest.— in der Sicherheit von keinem einzigen Mitglied der gesamten Opposition darin widersprochen zu werden—, daß das Erfurter Parteiprogramm als die theoretische und praktische Grundlage von der gesamten Opposition anerkannt wird. Aber das „Programm" der„Internationale"? Es sind Leitsätze, die nicht nur nicht im Widerspruch zum Erfurter Programm stehen, sondern die seine Anwendung auf die taktischen Probleme der pegenwärligen Situation bilden. Sie sind Aktionsprogramme für eine bestimmte Situation und für bestimmte taktische Probleme, aber sie sind kein Parteiprogramm. Das ist für jeden klar, der sich die Mübe genommen hat. sie zu leien. Mit genau demselben Recht könnte der Parteivorstand etwa die Wurmscken Leitsätze zur Steuerftage von 1913 für ein«neues Programm", im Sinne eines neuen Parteiprogramms erklären. Damit ist dieser sophistische Trick, der oui dem kleinen Wörtcken„Programm" eine Riesenpyramide des Unsinns balanciert, erledigt. Die Bindung an diese taktischen Leitsätze bedeutet die Bindung an das Erfurter Programm, die nationalen und internationalen Parteitagsbeicklüsie. Die Ablehnung anderer Bindungen bedeutet, daß Beschlüsse, die dem Parteiprogramm und den Beschlüssen der nationalen und internationalen Kongresse widersprechen, nicht als derpflicktend angesehen werden. Das ist m einer Nußschale der Sinn der Sache._ Ms Inöustrie und Handel. Die Einzahlungen auf die vierte Kriegsanleihe betrugen bis zum 7. April 6889,4 Millionen Mark gleich 64,3 Proz. der Geiamt- zeichnung. Die Tarlehnskossen, die bis zum 31. März mit 118,7 Millionen Mark für die Zwecke der vierten Kriegsanleihe in An- spruch genommen waren, hauen bis zum 7. April Tarlehen für die vierte Kriegsanleihe in Höhe von 139,7 Millionen Mark gewährt. Wirtschaftliche Not in Spanien. Der„Times" vom 5. April wird aus Madrid berichtet: In den Provinzen Catalonia und Valencia, ferner in La Union(bei Cartagena) und Logronno(am Ebro) haben sich e r n st e Wirt- schaftliche Unruhen ereignet, die durch hohe Preise und Ar- beitslosigkeil verursacht sind. Diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden gegen England verwertet; anonyme Schriften laufen in Bilbao, Vigo und anderen Orlen um. die alle dieie Nöte England zur Last legen, und in Saragossa sind Piakate des gleichen Inhalt? verbreitetworden. TieNorlagein Spanien isl tarsäcklich nickt zu leugne»! sie läßt sich auch durch Einsuhr von außerhalb nickt bessern, da die Frachten steigen und die britische Bannwarenpolitik den ganzen spanischen Handel hemmt. Der spanische Weinbau ist durch den schlimmen Mangel an Kupfervitriol in reiner Existenz bedrobt, und es wäre an der Zeit, wenn England daiür sorgte, seine Vorräte von diesem Stoff mit Spanien zu teilen. Aus Mangel an britischer Dampikoble hoben ferner manche Hochöien, Gießereien und Fabriken ihren Betrieb geschlossen und andere ihn einschränken müssen. Es ist ein geringer Trost für die Betroffenen, daß andere Industrien näm« lich solche, die für Lieferungen an den Verband arbeiten. Kohle be- kommen. Auch die Fischer von Santona in Santander können ihre Fischdampfer nickt ausschicken, da es an Köhlen fehlt. Die»panische Jiiduftrie braucht für die nächsten zwölf Monate eine Einfuhr von 10, Millionen Tonnen, die nur England liefern kann. Lerantw. Redaktü" Alfred Wrclevp. Neukölln. JniAitenteU verantÄ. Tb. Glocke. Berlin. Druck ii. Vsrlchj- Vorwärts Luchdt. iL Verlagsännäli Paul Singer& Co, Betlw SW. Hierzu 1 Beilage u. llntcrhaltungsbt. Nr. 102. 33. Jahrgang. WlP lies Jorriils" ßfrliiirt llollisliktt. WM-� 12. April 1!)16. Heule fflittwocl), den 12. üpril: Zat)ldbend m Groß'ßerlin. Crwiöerung. Die gestrige Erklärung deS Parteivorstandes nötigt un» zu einigen Feststellungen: Der Parteivorstand behauptet, datz er nicht die Rechte der Re« daktion und der Berliner Parteigenossen beschränken, sondern lediglich die Meinungsfreiheit im Zentralorgan zur Geltung bringen wolle. Die Parteigenossen hätten daS Recht, beide Teil« zu hören. um sich ein Urteil bilden zu können, und deshalb müsse verlangt werden, daß neben der Minderheit die Mehrheit ausreichend zum Worte komme. Was heißt ausreichend? ES genügt dem Parteivorstand nicht, daß der.Vorwärts' Zuschriften und Entgegnungen der Mehrheit«- Vertreter gebracht hat, soweit ihm die Möglichkeit gegeben war, der Zensur wegen seine Auffassung denen der Einsender entgegenzu- setzen. ES genügt ihm nicht, daß Cunow allein im.Vorwärt«' einige dreißig Artikel veröffentlichen konnte, obwohl deren Inhalt meist im Gegensatz zur RedakiionSauffaffung stand und obwohl da- durch Cunow ein größere« Recht eingeräumt wurde, al« e« jedem anderen.VorwärtS'-Redakteur als Einzelperson von der Gesamtredaklion eingeräumt wurde. Der Parteivorstand ver- langt mehr. Seinen Ansprüchen würde e« etwa entsprechen, wenn der Mehrheit SV Prozent de« Räume» zur Verfügung gestellt würden, während der Redaktion der Rest verbliebe. Da« aber wäre eine in der Parteigeschichte unerhörte und in der Presse beispiellose Einschränkung der Rechte der Redaktion und der Berliner Genoffen, als deren Organ der»Vorwärts' feit jeher in erster Linie betrachtet wurde. Daß wir die ganz klaren Bestimmungen der§§ 24 und 25 de« OrganisationSstalutS mit Recht für uns geltend gemacht haben, be weist schon die Tatsache, daß die Preßkommission sich völlig auf den Standpunkt der Redaktion gestellt hat. Der Parteivorstand erkennt denn auch selbst die völlige Unhaltbarkeii seiner Argumentation da durch an. daß er sich nunmehr auch auf den Z IS deS OrganisationS statutS beruft. Dieser Z 19 aber lautet, soweit er sich auf die Preffe bezieht, ebenso bündig wie unzweideutig: »Ter Parteivorstand besorgt die Geschäfte der Partei und kontrolliert die prinzipielle Haltung der Parteiorgane.' Gegenüber dem.Vorwärts' als Zentralorgan ergibt stch also auS diesem§ IS nicht daS mindeste Sonderrecht. Ganz ab- gesehen davon, daß gerade die Haltung de».Vorwärts' den Prinzipien der Sozialdemokratie, wie sie durch da« Programm, durch Parteitag«- und internationale Kongreßbeschlüffe festgelegt worden sind, vollständig entspricht. Ueber strittige Auslegung hat einzig der Parteitag zu entscheiden, und auch der erst nach vorhergegangener freiester und gründlichster Ausspracht in Preffe und Parteiversamm lungen. So wenig der Parteivorstand ein Recht hat, auf Grund des § IS etwa der.Leipziger Volkszeitung' Vorschriften über die RedaklionSführnng zu machen, so wonig steht ihm unter Berufung darauf ein Recht gegenüber dem.Vorwärts' zu. Käme eS aber dem Parteivorstand wirklich darauf an. der Meinungsfreiheit, der Parität in der Meinungsvertretung in der Presse freie Bahn zu schaffen, so böte sich ihm gerade gegenüber den Parteiblätlern, die die Auffaffung der Mehrheit vertreten, der weiteste Spielraum seine« Betätigungsdranges. Die Metbode de» Parteivorstandes, die Einigkeit der Partei zu wahren, bleibt danach die denkbar unglücklichste und verhängnisvollste. Gerade eine Gewaltpolitik, die mit Zwangsmitteln, wie fie in Stuttgart und auch in Duisburg angewendet wurden, die Meinungsfreiheit zu erdroffeln und die Rechte der Partetorgani- sationen auszuschalten sucht, muß zur Vertiefung und Verbitterung der Parteidifferenzen, zur Zerrüttung der Partei führen. Aber wir begen die Zuversicht, daß die Berliner Genoffen diesem Treiben einen Riegel vorzuschieben wissen werden. «» Damit ist zunächst die Angelegenheit, soweit wir selbst in Be- tracht kommen, für un» an dieser Stelle erledigt. Wir wollen unt durch die herausfordernden Erklärungen de« Parteivorstandes, CunowS usw. nicht dazu bestimmen laffen, den.Vorwärts' den Berliner Parteigenossen durch endlose Auseinandersetzungen zu ver- leiden. WaS wir zur Begründung unsere» guten Rechte» zu sagen hatten, haben die Genossen lesen und sich darüber ein Urteil bilden können. Was wir sonst noch zu sagen haben, werden wir in den zuständigen Körperschaften der Berliner Parteiorganisationen sagen. Die Redaktion de«„vorwärts'. für stch Proz. 1b 20 25 »0 82V,. 86 nicht wesentlich die Kriegsgewinnsteuer vor der Budgetkommisston deS Reichstags. Die Debatte wird fortgesetzt bei der Frage, ob wertvolle Tamm- lungen der Kriegsgewinnsteuer unterliegen sollen. Von den So- zialdemokraten wird beantragt, auch Kunstgewerbe- Gegenstände einzubeziehen. Ein Rsdner der Deutschen Fraktion beantragt, daß Perlen und Edelsteine bereit» im Werte von 500 M. der Besteuerung unterliegen. Bei der Wstinnnung wird der Antrag, das Kunstgewerbe einzubegiehen, abgelehnt; Sammlungen einzubezivhen, wird angenommen. Der Antrag S ü d e k u m. die Steuerpflicht bereit« eintreten zu lassen, wenn der Anschaffungspreiz de« einzelnen Gegenstandes 500 M., mehrerer Gegenstände zusammen 1000 M. beträgt, wird angenommen. Absatz 3 de«§ 6, der die Werke in Deutschland lebender Künstler freilassen will, wurde gestrichen; sonst fand der Paragraph An» nähme. § 7 bestimmt, daß die Abgabe nur erhoben wird, wenn der Vermögenszuwachs den Betrag von 3000 M. übersteigt. Die Nationalliberalen beantragen, zu setzen: 10 000 M., das Zentrum will sagen: 1000 M. Bei der Abstimmung wird die Vorlage mit dem Antrag EiesbertS, die untere Grenze auf 1000 M. zu bemessen. angenommen. § 8 sieht vor. daß 1. vermögen unter 6000 M. der Veranlagung nicht unterliegen, auch wenn darin«in VermögenSzuwachs vorliegt; 2. beträgt das Vermögen am Ende des VeranlagungSzcitraumeS nicht mehr als 3000 M.. so unterliegt der nach§ 7 abgabepflichtige Vermögen Zuwachs nur insowoit der Wgabc,>:lS durch ihn ein VermögenSvetvag von 6000 M. überschritten wird. Dazu beantragen die Fortschrittler. die Summe bei Vermögens, bei der die Steuer beginnen soll, auf 10 000 M. festzusetzen.— Der Antrag wird abgelehnt upb der Msatz 1 des h 8 in der Fassung der Vorlage angenommen. Absatz 2 kommt in Wegfall. §3 emofilt folgende Staffelung der Abgabe: für die ersten 20 000 M. des BermögenSzuwachseS 6 Proz. ,. nächsten angefangenen oder vollen 30 000 M. S. ... m.. 50 000. 8. ...... 100 000. 10. ,..... 300 000. 16, ,,,. ,, 500 000. 20. .. weiteren Bel.age......... 25. Dazu liegen eine Anzahl Anträge vor. Das Zentrum bean- tragt, unter Beibehaltung dieser Sätze den folgenden§ 10, der mit zur Beratung steht, zu fassen: „Einkommen, welche in den drei Fähren 1314. 1215. 1818 zu- sam mengerechnet den Betrag von 15 000 M. nicht übersteigen, und Mehreinkommen, welche den Betrag von 3000 M. nicht übersteigen. unterliegen der Abga?e nicht.' Die Nationallrberalen beantragen: „Hat der Steuerpflichtige ein nach den ZZ 11 bis 12 berechnetes Mehreinkommen gehabt, so wird von diesem Mehreinkommen eine weitere Abgabe unter Zugrundelegung der Sätze des§ 9 erhoben." Die Sozialdemokraten beantragen: Die Abgabe beträgt: für die ersten 10 000 M. des VermögcnsznwachscS 10 ,. nächsten 10 000.., .,. 30 000., ».. 50 000... , 100 000,. ,,. 300 000,,, die weiteren Beträge Ein fortschrittlicher Antrag unterscheidet von der Skala der Regierungsvorlage. Staatssekretär H e l f f e r i ch verteidigt die Vorlage der Regie- rung, die eigentlich eine reine VermögenSzuwochSsteuer darstellt. DaS Zentrum will noch eine Einkommenszuwachs st euer anfügen. Damit verlasse man den Boden, auf dem da» Steuer- system de» Reiches aufgebaut ist. Der Vorzug der Borlage ist, daß sie ohne Unterschied jeden trifft, der während de» Kriege» sein Vermögen vermehren konnte. Abg. Stalten: Es ist richtig, an das Gesetz mit dem Ge» danken heranzutreten, herauszuholen, was herauszuholen ist. Der vom Zentrum vorgeschlagene Weg erscheint aber nicht ohne Be- denken. Besser ist es. die von der Regjerung vorgeschlagenen Sätze zu erhöhen. Diesen Weg zu betreten, schlagen daher die Sozialdemokraten vor. Soll daS Gesetz die erhofften Einnahmen bringen, dann muß die Steigerung bereits bei den unteren Stufen einsetzen.— Abg. Dr. D a v i d betont, daß der Antrag de» Zentrums so weitgehend ist, daß seine Tragweit« momentan noch gar nicht zu übersehen ist.— Abg. Graf Westarp erblickt in dem Antrag des Zentrum» und der Nationalliberalen den ersten Schritt zur ReichSeinkommeniieuer. Diesen Söhritt machen wir unter keinen Umständen mit. Ein Schritt kommt zum andern und führt zu einem Ziel, da» wir be- kämpfen. In der Nachini ttagS-Sitzrmg drehte sich der Streit um Folgen. de«: Nach der Regierungsvorlage.§ 10, soll nur der aus dem Mehreinkommen stammend« VermögenSzuwachs gefaßt werden. Hat z. B. jemand 50 000 M. Mehrcinkommen gehabt und es verjubelt, dann entsteht natürlich kein VermögenSzuwachs und die Steuer ist dann von diesem Mehreinkommen nicht mehr greifbar. Zentrum und Nationallkverale bezwecken mit ihren Anträgen, da» Mehreinkommen direkt zu fassen, ohne Rücksicht darauf, ob eS ganz oder zum Teil oder gar nicht zur Bildung eine» VermögenSzu. wachse» gedient hat. Zwischenhmein spielte noch die Frage deS BeranlagungSmodus eine Roll«. Nach§ 13 soll nämlich die oberste Landes- Finanzbehörde bestimmen, welch« Einkommensteuerberan- lagung für die Einschätzung maßgebend ist.— Abg. Westarp(k.) führte u. a. auS: Bei der Landwirtschaft sind zweifellos große Wertminderungen eingetreten.— Von verschiedenen Seiten, na- mcnttich auch vom Abg. Wurm(Soz. Arba.), wurde diesen An- sichten wiederholt entgegengetreten. Wurm bekämpfte sehr lebhaft die Einwände, die gegen die Besteuerung de» Mehreinkommens erhoben worden sind. Von einer Wertminderung bei der Landwirt schaft kann deshalb schon nicht viel die Rede sein, weil die hohen Preise aucb nach dem Kriege bleiben.— Ada. Erzberger führt au», daß da» Mehreinkommen auch dann besteuert werden muß, wenn ihm eine Vermögensminderung gegenübersteht. DaS Gesetz in setner jetzigen Form würde eine ganze Meng« Leute nicht treffen, die ganz erhebliche Gewinn« gemacht haben. Die Streitfrage kann nur sein wie man die Gewinne am zweckmäßigsten feststellt.— Staatssekretär H e l f f e r i ch: Die Regierung verfolgt da» Prin- zip. die am Ende des Jahre» 1916 vorhandenen Gewinne zu er» fassen. Diesen Boden verlassen die Anträge de» Zentrum» und der Nationalliberalen. Die Annahme dieser Anträge würde so tief in die Vermögenssubstanz eingreifen, daß mit der Möglichkeit de» Scheitern» de» Gesetzes gerechnet werden muh.— Abg. Dr. Sü d e ku m bezeichnet e» als unmöglich, der obersten Landesfinanzbehörde es zu überlassen, zu bestimmen, welche Steuerveranlagung maßgebend sein soll. Eine Uebersicht darüber ist zweifellos bereits fertig; sie mutz der Kommission vorge- legt werden. Wie soll e» z. B. in Mecklenburg gemacht werden?— Staatssekretär Helfferich erklärt, daß eil" solche Liste nicht vorhanden sei. Die Bestimmungen der Deklaration, die der Ver- anlagung zugrunde gelegt wird, können nur von den Bunde»- staaten getroffen werden.— Gegenüber anderen Einwänden stellt Abg. Müller- Fulda fest, daß die neue steuerlich« Belastung 1. nur da» Mehroinkommen trifft und daß 2. die Sätze doch sehr minimal sind.— Von einem Vertreter der bayerischen Regierung wird sodann erklärt, Bayern betraetzte e» al« ein« Existenz. frage, daß da» Reich keine direkten Steuern«in- führt.— Abg. Stresemann vertritt nochmals den national« liberalen Antrag und hob! hervor, daß es doch kein Opfer sei, wenn jemand, der 100 000 M. Mehreinkommen hatte, nunmehr 8000 M. Steuern bezahlen muß. Man könne umnögllch den Verschwender freilassen, weil er nicht» mehr hat, aber den Sparsamen dafür um so krästsger besteuern. Fälle von EmkommenSvcrmchrens unter gleichzeitiger BermögenSvevminderung werden ziemlich selten sein. — ZllSg. Gröber weist den Vertreter der bayerischen Regierung darauf hin, daß daS Reich nur daS Mehreinkommen und den Ver- mögenSzuwach» fassen wolle, beide» Dinge, die in den«inzelstaat- lichcn Einkommensteuergesetzen gar nicht berührt sind. Bei der Abstimmung wird der nationalliberale Antrag mit großer Mehrheit angenommen; damit ist der§ JIO in der Fassung der Regierungsvorlage gefallen und der Anträg de» Zen- trums erledigt. Nach diesem Beschluß ist also daS Mohreinkommen direkt als solches zu besteuern. Am Mittwoch wird di» Steuerskala beraten werden. Urkunden über Frachtstückgut und Expreßgut 10 Pf.(statt 15 Pf. nach der Vorlage), über Eilstückgut 20 Pf.(statt 30 Pf.) zu erheben. Der Stempel für Wagenladungen, der zurzeit bei einem Frachtbetrage von nicht mehr als 25 M. sich auf 20 Pf., bei höheren Beträgen sich auf 50 Pf. beläuft, soll nach der Vorlage auf 1 M. bzw. 2 M., bei Eil- gut auf 1,50 M. bzw. 3 M. erhöht werden. Der erwähnte Antrag schlägt vor. den Stempel nach den Tarifnummern des Gütertarifs abzustufen in der Weise, daß erhoben werden von Wagenladungen des Rohstoffausnahmetarifs 1 W., des Spezialtarifs III 2 M., des Spezialtarifs II 3 M., des Spezialtarifs l 4 M. Bei Entfernungen bis 50 Kilometer sollen sich die Sätze auf die Hälfte ermäßigen. Die Steuersätze für Eilgut in Wagenladungen sollen sich um die Hälfte der Sätze für Frachtgut in Wagenladungen erhöhen. Wenn das Lade- gewicht des Wagens weniger als 10 Tonnen beträgt, sollen sich die Steuersätze auf die Hälfte ermäßigen. Die Milchbeförderung bleibt nach der Vorlage und nach dem Antrag abgabenfrei. Der Antrag 'stricht ferner aus, daß die Aufhebung des Frachturkundenstempels pätestens nach Ablauf des zweiten Rechnung�ahrcS nach Friedens- chluß erfolgen muß, wenn der Reichstag es fordert. Die finanzielle Wirkung des Antrages der bürgerlichen Parteien besteht darin, daß statt 80 Millionen zirka- 100 Millionen Mehreinnahme erzielt wird. Abg. C a r st e n s(Vp.) befürwortet diesen Antrag und emp- siehst zugleich, den Stempel auch auf Schiffsfrachten auszudehnen, die die Vorlage während der Kriegsdauer schonen will.— Unter- staatssekretär Jahn vom Reichsschatzamt bezweifelt, ob der neu? Antrag die Summen, die herausgerechnet worden sind, bringen werde. Es frage sich auch, ob man mit dem Stempel auf die Schiffsfracht nicht mit bestehenden Verträgen in Widerspruch gerate. Abg. A n t r i ck(Soz.) weist auf die schwere Belastung hin, die dem Handel und der Industrie durch die Vorlage ausgebürdet werde. Wenn man Geld brauche, was niemand bestreite, solle man es nehmen, wo eS in großen Summen zu finden sei. Die Einbeziehung der Schiffahrt lehne die Sozialdemokratie ebenso entschieden ab wie den ganzen Frachturkundenstempel.— Ein Vertreter d er Eisenbahnverwaltung räumt ein, daß die � Vorlage für manche Betriebe eine Belastung um viele Tausende bringe, aber das Geld sei eben notwendig und bei der vorgesehenen Belastung werde eine Verschiebung in den Wettbewerbsbedingungen nach Tunlichkeit vermieden. Die EntfernungSgrcnze von 50 Kilometern lasse sich prak- tisch kaum durchführen.— Abg. Bernstein(Soz. Arbg.) schließt sich der Stellungnahme der sozialdemokratischen Fraktion in der Ab- lehnung dieser Borlage sowohl als in den von ihr grundsätzlich zur Kriegsgewinnsteuer gemachten Vorschlägen an. Dem Verlangen nach Freilassung der nichtöffentlichen Bahnanlagen großer Unternehmungen könne er nicht zustimmen. Abg. Wiemer(Vp.) gibt die Berechtigung der grundsätzlichen Ablehnung der Sozialdemokratie zu, will aber die Vorlage als Krieg'- maßnahmen in Kauf nehmen. Nach Friedensschluß weiche der Ver- kehr wohl noch schärfer herangezogen werden. Den Schiffahrtsverkehr solle man zurzeit vom Stempel freilassen. Abg. Buck(Soz.): Die von sachverständigen Interessenten- kreisen eingereichten Petitionen bestärken uns in unserer ablehnenden Haltung. Die Hoffnung auf baldige Wiederaufhebung der Verkehrs- steuern müsse man nach den Ausführungen der Regierungsvertreter begraben. Man solle warten, ob nicht die Budgetkommission andere, gerechtere Einnahmen beschaffen werde. Die Gemeinden z. B. würden für di« Kohlenzufuhr, die Müll-, die Fäkalienabsuhr, den Transport von Baumaterialien, z. B. für den Wiederaufbau Ostpreußens, große neue Lasten tragen müssen. Namentlich die geringwertigen Fracht- guter würden unverhältnismäßig hoch belastet. Bei der Abstimmung wird der Antrag der bürgerlichen Parteien in allen Teilen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ange- nommen. Für die Befristungsbestimmung stimmen auch die Sozialdemokraten. Einstimmig wird der in der Regierungsvorlage vorgesehene Stempel für Sendungen im Sammelladungsverkehr der Spediteure, der bei einem Frachtbetrag bis 50 Pf. 5 Pf., bei höheren Beträgen auf 10 Pf. bemessen war, gestrichen. Angenommen wird noch ein Antrag Warmuth. wonach der erhöte Stempel auch zu bezahlen ist bei Lieferungsverträgcn, die vor Inkrafttreten des Ge- fetzeS abgeschlossen sind, aber über diesen Zeitpunkt hinaus laufen, der Zrachturkunöenstempel in der Kommission deS Reichstags. Die zur Beratung der Vorlage über den Frachturkundenstempel eingesetzte Kommission tagte am Dienstag. Bisher wird nur von Wagenladungen ein Fimchturkundenstempel erhoben, der etwa 17 Millionen Mark bringt. Diesen Stempel will die Vorlage so stark erhöhen, daß er einen Mehrertrag von 45 Millionen Mark bringt. Daneben soll auch der bisher stempelfreie Stückautverkehr mit einem FrachturklNidenstempel belastet werden, der 35 Millionen Mark bringen soll. Zusammen soll also aus dem Frachturkundenstempel eine Mehreinnahme von 80 Millionen Mark gewonnen werden. Der Berichterstatter Neu hau»(Z.) stellte sich prinzipiell auf den Boden der Vorlage, beanstandete aber die Gestaltung der Steuersätze im einzelnen. Gemeinsam mit den Konservativen, Nationalliberalen und Fortschrittlern stellt er den Antrag, von Fracht» die Zleischversorgung in Serlln. Die Fleischvcrsorgung in verlin wird in folgenden Formen vor stch gehen: Wa» ans verlin nach erfolgter Auseinandersetzung mit den Nachbargemeinden entfällt, wird auf die einzelnen Viehkommissionäre gleichmäßig verteilt und diese wiederum haben an die einzelnen Großschlächter daS ihnen überwiesene vieh zu bestimmten fest- gesetzten Preisen abzugeben. Die Verteilung auf die einzelnen Großschlächter geschieht in der Weise, daß jeder Großschlächter nach Matzgabe seiner früberen Schlachtungen da« an jedem Markttag» vorhandene Vieh anteilmäßig erhält. Die Großschlächter dürfen da« Fleisch nur an Berliner verriebe abgeben und werden bei der Ab- gäbe an bestimmte Großhandelspreise gebunden. E» wird fcnier dafür Vorsorge getroffen werden, daß die Groß- schlächter das Fleisch nicht nur an bestimmte Kunden abgeben können, daß vielmehr eine möglichst gleichmäßige Verteilung deS Fleisches auf die einzelnen Ladenichlächter in den verschiedenen Stattgebenden erzielt wird. Die Großschlächter werden verpflichtet werden, über ihre Verkäufe Buch zu führen, auch wird die Abgabe von Fleffch an Ladenschlächter nur gegen vezngSscheine zugelassen werden. Di» Abgabe an den Konsumenten seitens der Ladenschlächter soll auf Grund von AuSweiSkarten erfolgen, über deren Form und Jnb»» die beteiligten Gemeinden demnächst noch Vereinbarung treffen werden. Auch für d e Abgabe an den Verbraucher seitens deS LadenschlächicrS werden Höchstpreise festgestellt werden, soweit sie nicht, wie es bei Schweinefleisch der Fall, schon bestehen. Die Regelung wird in kürze in Kraft treten. Die Großhandelspreise für Rindfleisch sind nach Vereinbarung der in Betracht kommenden Ge- meinden, wie folgt festgesetzt: Gewicht de» Tiere» Preise für den Zentner Zentner: Schlachtgewicht: 11 und mehr....... 200 Mark 10........... 194. 9........... 188, 8........... 182. 7........... 178, 6........... 170. 5........... 164, 4........... 158. 8........... 152. Die Klcrnhandelspreise für Rindfleisch betragen: Für Lende............ 8,— Mark » Talg............• . schieres Flesich......... 2,80„ » Roastbeef........... 2,70, , Keule ohne besondere Knochenbeilage. 2.60„ „ Fehlrippe. Brust, Kamm, Bug... 2,30, , Suppenfleisch......... 1,90, , Knochen 0,60„ Die Großhandelspreise für Schweinefleisch sind wie folgt festgesetzt: für ein Schwein im Schlachtgewicht von unter 87 Pfund sür den Zentner 116 Marl 88-101 105-120 121— 129 130—156 157—171 175—192 193—227 über 228 122 128 140 151 163 170 176 182 für eine Sau oder einen Eber im Schlachtgewicht über 210 Pfund für den Zentner 160 Mark 193—210..., 151, bis 192,... 131. Von Meldepflicht von Oclfrüchteu. Nach der„Verordnung des Bundesrats vom 15. Juli 1915 über den Verkehr mit Oelfrüchten und den daraus gewonnenen Pro- dilkten" sind die aus Raps, Rübsen, Hederich und Ravison, Dotter, Dlohn, Lein und Hanf der inländi- schen Ernte gewonnenen Früchte(Oelfrüchte) meldepflichtig. Dies gitl nicht für Borräte, die in der Hand desselben Eigentümers ins- gesamt 10 Kilogramm nicht übersteigen. Wer Oelfrüchte jener Arten in Gewahrsam hat, hat die vorhandenen Mengen getrennt nach Arten und Eigentümern, unter Nennung der letzteren, zu melden. Gleichzeitig hat der Lieferungspflichtige anzugeben, von welchem Zeit- punkte ad er zur Lieferung bereit ist. Die Meldungen haben bis zum 20. April dieses Jahres an das Militärbureau des Magistrats, Berlin C 2, Kloslerstraße 68, zu rrfolgen._ Ms Groß-öerlin. Eine Gemüsetrocknungsanlage für Gerlin. Das harte Muß der Kriegszeit zwingt zur Ausführung manches Planes, der in Fricdenszeitcn nicht vorwärts kommen wollte. Auch die Frage einer besseren Verwertung des Gemüses der Berliner Rieselfelder soll jetzt ihrer Lösung näher gebracht werden. Der Magistrat legt der Stadtverordnetenversammlung den Plan vor, eine Gemüsetrocknungsanlage zu schaffen, die den Gemüseüber- flufl der Rieselfelder konservieren soll. In der Begründung weist er darauf hin, daß gerade in der jetzigen Kriegszeit alle für die Ernährung der Bevölkerung brauchbaren Er- zeugnisse der Landwirtschaft restlos verwertet werden müssen. Früher habe in fruchtbaren Jahren sich nicht immer verhindern lasien, daß größere Mengen des Gemüses der Rieselfelder mangels Nachfrage verdarben, und auch in den Markthallen sei das wiederholt vorgekommen. Durch eine Trocknungsanlage könne man solche Verluste vermeiden und diese großen Werte nutzbar machen, wie es in anderen Städten bereits mit Erfolg geschehen sei. Die Anlage soll nicht nur der Bevölkerungsernährung zugute kommen, sondern auch dem Vorteil der Pächter von Rieselland dienen, denen sie eine volle Ausnutzung ihrer Gemüseernten gewährleistet. Die Verwaltung der Riesclgüter legt großes Gewicht auf die Verpachtung von Land zum Gemüsebau, weil sie von einer Mehrung dieser Äleinpachten auch eine Steigerung des Ertrages der Rieselgüter erwartet. In den letzten zehn Jahren haben die Klein- pachten sür Gemüsebau sich bereits verdoppelt, so daß sie heute etwa 2300 Hektar(10000 Morgen) umfassen. Berlin wird in fruchtbaren Jahren mehrere Monate hindurch fast nur aus dem Gemüsebau der Nieselländer mit frischem Ge- müse versorgt, aber dennoch müssen manchmal noch beträcht- liche Gemüsemengen verderben, weil der Ueberfluß sich auf die kurze Sommerzeit zusammendrängt. Diesem Uebel- stand soll die Trocknungsanlage abhelfen, die eine Konservierung der überschüssigen Gemüsemengen ermöglichen wird. Nach dem Plan des Magistrats soll sie ein- gerichtet werden im Anschluß an die Gasanstalt in der Danziger Straße, wobei Abwärme, die sonst ungenutzt bleibt, verwertet werden kann. Die Kosten der Anlage, die auch zur Trocknung von Kartoffeln, Rüben, Obst und Getreide zu benutzen ist, sind auf 230000 M. veranschlagt. Schon die Höhe der Kosten macht es notwendig und selbstverständlich, daß dieses Kind des Krieges den Krieg überdauert. Der Magistrat hebt hervor, daß die Einträglichkeit der Anlage auch im Frieden gesichert erscheint. Aus der Armenvcrwaltung. Die Armendirellion hielt nach zwei Monaten wieder einmal am Montag eine Stynng ab. Zwei wichtige Anträge beichäftigten sich mit der Erhöhung der Pflegegeldsätze sür die Kmder unterstützungs- bedürstiger Frauen und Witwen. liniere Genossen forderten, die Sätze auf 12 M. zu erhöhen, welche ohne Genehmigung des Armenkreises gewährt werden können. Der 21. Armenkreis wünscht die Festsetzung der Minimalgrenze auf 10 M. In der Begründung wurde darauf hingewiesen, daß noch in sehr vielen Fällen ein Pflegegeld von unter 10 M., ja herab bis zu 6 M. pro Monat gewährt würde; mit solchem Betrage sei es un- möglich, ein Kind zu erhalten. Die Lebensmittel hätten unerschwing liche Preise atigenommen, so daß sich viele Frauen mit ihren Kindern in großer Not befinden. Es sei endlich Zeit, daß mit diesen alten Sätzen, welche schon vor 20 Jahren unzureichend waren, aufgeräumt werde. Die Wai'enverwaltung habe bereits vor 6 Monaten eine erhebliche Erhöhung der Pflegegeldsätze vorgenommen; ebenso seien die Beträge sür die Kriegerfamilien wiederholt erhöht worden. Für die Aimenverwaltung kommen nach dem Bericht von 1915 über>3 000 Kinder in Betracht. Bon diesen erhalten ein Pflege geld von SM....... 612 Kinder über 6 M. bis 7 M. 50 Pf. 682, , 7 TO. 50 Pf. bis 9 TO. 5 370, , 9 TO.......6887. Zusammen 13 551 Kinder Selbst die bürgerlichen Mitglieder waren erstaunt, daß noch für eine solch' hohe Zahl von Kindein so niedrige Pflegegeldiätze gezahlt würden. Trotzdem lehme die Mehrheit den Antrag auf Festsetzung einer Minimalgrenze von 10 M. ab; dagegen wurde der Antrag unserer Genosien mit großer Mehrheit angenommen. Jetzt liegt e-Z in der Hand der Arnrenkoinmissionen, von dieser Erhöhung Gebrauch zu machen; hoffentlich lrageu sie mehr wie bis- her deir wirlichafilichen Verhältnissen Rechnung. Eine größere Zahl von privaten Krankenanstalten und Heil stätten fordern Erhöhung der Kurkosten von 3 TO. auf 3 TO. 50 Pf. Luch hierbei wird auf die herrschende Teuerung hingewiesen. Es wurde beschlossen, von Fall zu Fall die Erhöhungen zu bewilligen. Bei dieser Gelegenheit wurde bekannt gegeben, daß namentlich für GcschlechtSlranke privale Anstalten in Anspruch genommen würden, da die Betten im Obdach und Virchow-Krankenhause nicht aus- reichten. Einer unserer Genoffen forderte unter großer Heiterkeit den Bor- sitzenden der Arniendirektion, Stadtrat Doflein, auf, sich mit dem Vorsitzenden des Obdachs— dies ist auch derselbe Herr Stadtrat— in Verbindung zu setzen, damit endlich da» vor 25 Jahren gegebene Versprechen, ein eigenes GeschlechtskrankenhauS zu errichten, vom Magistrat eingelöst würde. Eie Zusage gab der Herr Stadtrat nicht, die haltlosen Zustände bleiben also weiter bestehen. Luch die Heb- ammen, welche für die Stadt tätig sind, bitten um Erhöhung ihrer Gebühren. Es wurde beschlosien, die Sätze für eine Entbindung von 15 TO. ans 20 TO. zu erhöhen._ Keine nene Gemeindewählerlistc. Auf Grund der König lichen Verordnung vom 7. Juli 1913, betreffend Sicherstellung des kommunalen Wahlrechts der Kriegsteilnehmer, haben die Gemeindebehörden beschlossen, daß von einer Berichtigung sowie Auslegung der Liste der stimmfähigen Bürger Berlins (Gemeindewählerliste) für das Jahr 1916 abgesehen und bei etwaigen Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenversammlung die letzte endgültige Liste zugrunde gelegt wird. Der Frauenmord aufgeklärt. Von ihrer Freundin ermordet. Der Kriminalpolizei ist es gelungen, den Tatort der grausigen Mordtat zu entdecken und auf die Spur des Urhebers zu kommen. In einem Tamenfrisiersalon in der Elsasser Straße 17/18 hat das mit der Ermordeten befreundete frühere Küchenmädchen Helene B a h l, die am 26. November 1891 in Spandau geboren ist, der Martha Franzke nach vorausgegangenem Streit mit einem Rasiermesser die tödlichen Verletzungen beigebracht, die Leiche in den Reisekorb gepackt und diesen unter Beihilfe einer anderen Frauensperson von einem herbeigerufenen Dienstmann nach dem Stettiner Bahnhof schaffen lassen. Helene Bahl ist seit demselben Tage, an dem sie die Tat verübte— es war der 16. März— verschwunden. Inhaberin des Friseurgeschäfts ist die Friseurin Johanna Ullmann, die das Geschäft ihres im Felde stehenden Ge- liebten unter dem falschen lllamen ElSner weiter betrieb. Wir erfahren über das Verbrechen noch daS Folgende: Martha Franzke und Helene Bahl hausten zusammen in einer Stube im Hause Ackerstratze 85. Beide kannten sich schon seit Jahren von einer Gastwirtschaft im Rosenthaler Stadtviertel her, wo die Franzke Köchin und die Bahl Abwaschmädchen war. Es entspann sich zwiscben ihnen ein perverses Freundschaftsverhältnis, das dadurch öfter getrübt wurde, daß die Franzke auf die Bahl wegen deren Zuneigung zu Männern sehr eifersüchtig war und ihre Freundin deswegen beschimpfte. In der Nacht zum 16. März kam die Bahl in den Frisierladen und sagte, sie könne nicht in die Woh- nung der Franzke. Sie bat deshalb um ein Obdach für die Nacht und erhielt es. Die Friseurin kannte das Verhältnis zwischen den beiden und wußte, daß die Bahl seit einem„Krach" im Anfang März öfter von der Franzke weggeblieben war. Sie wußte auch, daß sie mit ihr brechen wollte. Die Bahl schlief dann die Nacht auf einem Ruhesofa in dem Frisiergeschäft. Am Morgen kam Plötz- lich die Franzke herein und suchte ihre Freundin, die einige Tage nicht mehr bei ihr gewesen war. Sie schimpfte wütend auf sie ein. Alle Beruhigungsversuche der Friseurin halfen nichts. Diese ging endlich weg, um zum Mittag einzukaufen. Beim Abschied meinte sie noch, die beiden würden sich dann später wieder vertragen. Als sie nach etwa einer Stunde mit der gefüllten Markttasche zurück- kehrte, lag die Franzke blutüberströmt im Zimmer tot auf dem Fußboden. Sie war mit der Chaiselonguedecke, die man später im Reisekorb fand und die der Friseurin gehört, zugedeckt. Die Bahl hatte Blut am Gesicht und an den Händen. Auf die Frage der Friseurin, was sie da gemacht habe, antwortete sie, sie habe nicht anders gekonnt. Sie habe ein Rasiermesser genommen und sie kalt gemacht, sie werde alles wieder in Ordnung bringen. Nachdem sie sich gereinigt hatte, ging sie weg und kehrte nach einiger Zeit mit dem Reisekorb der Franzke zurück. Sie bat nun die Friseurin, später den Korb nach Stettin zu expedieren und konnte ihr dazu jetzt Geld geben, während sie kurz vorher nichts gehabt hatte. Dann nahm sie Scheuerlappen und Eimer und machte sich an die Reini- gung des Zimmers, während die Friseurin nach dem Laden ging, um auf Kundschaft zu warten. Es kam auch eine Kundin namens Sonnenberg, um sich frisieren zu lassen. Die Bahl verhielt sich jetzt ganz still, erst nachdem die Kundin weg war, nahm sie den Korb und packte ganz allein, wie die Friseurin behauptet, die Leiche hinein. Nachdem sie ihn verschlossen hatte, bat sie die Ullmann, mit anzufassen und den Korb nach dem Laden zu bringen. Sie bat dann ferner die Friseurin, den Korb nach dem Stettiner Bahn» hos zu bringen, von wo aus sie selbst mit ihm nach Stettin fahren wolle. Dann ging sie weg. Die Sonnenberg war durch die Mittei- lung, der Korb enthalte die Wäsche der Bahl, neugierig geworden und kehrte nach dem Frisieren nach einiger Zeit noch einmal zurück. Jetzt bat die Ullmann sie, mit anzufassen, weil sie selbst den Korb nach dem Bahnhof schaffen wolle. Aber es ging auch mit Hilfe ber Sonnenberg nicht, und nun mußte diese nach dem Bahn- hos gehen und den Dienstmann holen. AIS dieser mit dem Hand- wagen kam, halfen beide Mädchen, den Korb hinaufstellen. Die Ullmann allein begleitete hierauf den Dienstmann und kaufte diesem eine Fahrkarte vt-rter Klaffe, damit er den Korb zur Beförderung aufgeben konnte. Nachdem dieses geschehen war, nahm sie die Karte wieder an sich und ging nach Hause. Tie Bahl wollte die Fahrkarte abholen, um nach Stettin zu reisen, ließ sich aber nicht wieder sehen. Diese Ermittelungen beruhen auf einem Geständnis der Friseurin Ullmann, zu der man durch den alten Dienstmann ge- kommen war, den die Kriminalpolizei als den Beförderer des Korbes ermitttelt hatte Ob die Ullmann die volle Wahrheit gesagt hat, steht wohl noch sehr dahin. Die weiteren Ermittelungen wer- den auch nach dieser Richtung wohl bald ganze Klarheit bringen. Nach der Bahl wird jetzt im ganzen Deutschen Reiche geforscht. wenn sie sich auch dielleicht noch in Berlin versteckt hält. An den Anschlagsäulen erscheint heute eine Bekanntmachung des Polizei- Präsidenten, die die näheren Angaben über die Bahl und ihr Bild bringt. Auf ihre Ergreifung ist eine Belohnung von 500 TO. aus- gesetzt._ Der Verband der Kolonialwaren- und Delikatessen-Händlervercine Groß-BerlinS beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Frage des GeschäftsfchlusseS am Sonntag in der Zeit zwischen 12 bis 2 Uhr und beschloß folgende Resolution:„In der beute (6. April) in den Geschäftsräumen Jägerstraße 22 stattgehabten Per- sammlung der Vorstände der eingeladenen Vereine hat der Vorstand des Verbandes der Kolonialwaren- und Delikatessen-Händlervereine Groß-BerlinS einstimmig beschlossen, daß jeder einzelne Verein zu der Frage des Sonntagsschlusses von 12 bis 2 Uhr in den Monaten Mai bis September Stellung nimmt, und dafür eintritt, die Zweck- Mäßigkeit des Sonntagsschluiies eingehend darzutun, und dadurch ev. den freiwilligen Schluß der Geschäfte Groß-BerlinS am Sonntag zwischen 12 und 2 Uhr herbeizuführen. Dann wurde über die ungeheuren Zuckereinkäufe des Publikums verhandelt. Zur Klärung der Angelegenheit, ob ein Zuckermangel besteht, hielt Herr Hepner einen Vortrag über die Lage des Zucker- Marktes. Er kam zu dem Schluß, daß wir im Mai oder spätestens Juni durch die große zu erwartende Zufuhr eine Regelung des Zuckerverbrauches haben werden, daß eS aber besser sei. ohne Zucker- karte durchzukommen. Bei der Debatte ergab es sich, daß viele der Anwesenden im Interesse der ruhigeren Abwickelung des Geschäfts für Einführung der Zuckerkarte seien. Demzufolge kam folgende Siesoiutiou zustande: In Sachen der Zuckerknappheit beschließt der Verband, falls Zucker in der nächsten Zeit sich als so knapp erweist, daß ein wnl- ltcher Mangel entstehen muß, und falls die Zufuhren sich nicht ais ausreichend zur Beseitigung des Mangels erweisen, sür die Ein- führung einer Zuckerkarte einzutreten. Rechtsanwalt Bredereck verhaftet. Von der Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen, wurde der ehemalige Rechtsanwalt Paul Bredereck, der feit Anfang August 1912 verschwunden war und erfrig gesucht wurde. Der damals 37 Jahre alle Anwalt stand bei seiner Flucht 8 Jahre in der Praxis. Diese ermöglichte ihm ein gutes Auskommen, er lebte aber trotzdem in großen Schulden. Seine Lebensbedürfnisie schienen gering zu sein; denn er hatte nicht einmal eine eigene Wohnung, sondern wohnte als Junggeselle in einem Zimmer neben dem Bureau, das er sich als als Schlafgemach eingerichtet hatte. Sein ganzes Einkomineu aber ging, wie es damals hieß, für Rennverluste drauf. Bredereck verschwand unmittelbar nach einem Sensationsprozeß gegen den Kassen- boten Haase, der der American Expreß Company 190 900 M. unterschlagen hatte. Diese Gesellschaft hatte eine Belohnung von 1060 TO. ausgesetzr. Haase stellte sich 6. Juli 1912 selbst. Sein Verteidiger Bredereck veranlaßte ihn zu einem Geständnis, ging dann zur American Expreß Company und teilte deren Geschäftsführern mit, daß er jedenfalls seinen Klienten veranlassen könne, das Versteck, in dem er das veruntreute Geld aufbewahre, anzugeben. Er fragte zugleich, ob er, wenn er das Geld wieder herbeischasse, die aus- gesetzte Belohnung erhalten werde. Die beiden GeschäftSsührer erklärten sich damit einverstanden. Bredereck fuhr daraufhin wieder zum Untersuchungsgefängnis, ließ sich zu Haase führen, zu dem auf seinen besonderen Wunsch inzwischen niemand hereingelassen worden war, wandte sich nach der zweiten Rücksprache mit dem Desrau« danten an den Untersuchungsrichter und teilte ihm jetzt das Geständnis Haases und das Versteck des Geldes mit, nachdem er ihm vorher erklärt hatte, er müsie weg, um einen wichtigen Tennin wahrzunehmen. Nach diesen Vorgängen grub die Kriminal- Polizei im Beisein des Untersuchungsrichters und des Rechts- anwalts Bredereck daS Geld auf dem Tempelhofer Felde aus, eine eiserne Kasiette mit 85 000 M. und einen Wacbsleinewand« beute! mit 9000 M. Am nächsten Tage erhielt Bredereck die 1000 M. Belohnung ausgezahlt. Er war sich wohl selber darüber nicht klar, daß ihm daS Geld nicht zukomme, und stellte deshalb der Mutter HaaseS zunächst 200 M. und dann später auf mehrere Ver- öffcntlichungen hin auch den Rest zur Verfügung, nachdem er sie erst als Honorar beansprucht hatte. Bei der Erörterung dieser Dinge kam auch an den Tag, daß die finanzielle Lage Brederecks sehr schlecht war. Bei der Anwaltskammer wurde ein Disziplinarvcr- fahren anhängig gemacht. Eines TageS war Bredereck spurlos ver- schwunden. Man forschte vergeblich nach ihm, bis jetzt die hiesige Kriminalpolizei dahinter kam. daß er wieder in Berlin sei. Sie ging seinen früheren Verbindungen nach und ermiuelte, daß er unter falschem Namen mit einem hiesigen Anwalt Gei'chäflsberbindungen angeknüpft hatte. So kam sie ihm auf die Spur und nahm ihn jetzt fest._ Arbeiter-Bildungsschule. Anfang dieses Monats haben die Unterrichts- und Sonn- tagskurse des ersten Vierteljahres 1916 in der Schule ihren Abschluß gefunden. Der Bezirks-Bildungsausschuß, dem die Schule unterstellt ist, hat beschlossen, für das zweite Viertel« jähr von der Festsetzung von Kursen abzusehen. Es ist dys ein Beschluß, der nur ausnahmsweise für die Kriegszeit Geltung haß denn in normalen Zeiten wird der Lehrplan der Schule auch im zweiten Jahresquartal durchgeführt. Die Kriegszeit aber hat es mit sich gebracht, daß in die Schar der Hörer durch Einberufungen immer größere Lücken gerissen werden. An die Zurückbleibenden aber stellen die Not- wendigkeit der Erwerbsarbeit und die Schwierigkeiten der Lebenshaltung sehr hohe Anforderungen, so daß für die geistige Ausbildung und für kulturelle Be- dürfnisse nur sehr wenig Zeit und Mittel übrig bleiben. Außerdem lockt die schöne Jahreszeit in den wenigen Muße- stunden ins Freie. Sobald wir erst wieder geordnete Friedens. Verhältnisse haben, wird der Lehrplan der Schule zum Nutzen der Berliner Arbeiterschaft auch wieder in vollem Umfange durchgeführt werden. Der Bezirks-Bildungsausschuß behält sich vor, auch in diesem Vierteljahr seiner Aufgabe in der Schule durch Einzelvorträge und Einzelveranstaltungen gerecht zu werden. � Den Schulbestimmungen gemäß soll den Hörern der Kurse der letzten beiden Vierteljahre Gelegenheit gegeben werden, sich über den Unterricht und die sonstigen Leistungen der Schule auszusprechen. Zu diesem Zweck wird für Dienstag, den 18. April, abends 8'/� Uhr, im Hörsaal der Schule eine Hörerversammlung einberufen, zu der die Lehrer und Teilnehmer der Kurse und Sonntagsveranstaltungen vom 1. Oktober 1915 bis 1. April 1916 hiermit eingeladen werden. Em schwerer Baumstevel ist in Neukölln verübt worden. Zwischen der Treptower und Roieggerstraße sind 16 Akazien, schöne Bäume, die 1—5 Jahre stehen, durch Beilhiebe so stark beichävigt worden, daß sie größlenteils eingehen müssen. Der Magistrat von Neukölln hat aus die Ermittlung des Frevler» eine Belohnung von 50 M. ausgesetzt. Das Opfer eines Streites ist der 11 Jahre alte Arbeiter Otto Bischoff aus der Straliunder Str. 19 geworden. Der Mann kam Sonntagnachmitlag in eine Sckankwirtschast in der Bernauer Straße. Dort belästigte er einen unbelannten Gast, der sich dieieS verbal und dem Slöreniried«ine Ohrfeige in Aussicht stellte. Slatl dessen sprang ihm Bischoff an die Kehle. Im Verlauf des nun folgenden Slreits zog sich Bischoff eine blutende Wunde am Hinterkops zu und fiel zu Boden. Nachdem er sich anscheinend wieder erholt hatte, taumelte er nach Hause. Lm Montagabend fand man ihn in seiner Slube tot daliegen. Er war hilflos an einer Gehirnerschütterung gestorben. Ei» falscher Oberleutnant sucht hiesige Eisenwarenhandlungen auf. Er bestellt unter verschiedenen Vorspiegelungen größere Mengen Taschenmesser. Rasiermesier usw.. um für sich etwa« herauszuschlagen und läßt dann nichts mehr von sich hören. Der Schwindler nennt sich Oberleutnant Ottendorf und gab bisher als Wohnung Hornstr. 7 an. Dort hat niemals ein Oberleutnant Ottendors noch sonst ein Mann dieses Namens gewohnt. Zu seiner bürgerlichen hellen Kleidung trägt der falsche Oberleutnant mehrere Ordensbänder, um die Geschäftsleute erst recht sicher zu machen. In den städtischen Heimstätten Heinersdorf für schulpflichtige Kinder. Gütergotz für erholungsbedürftige Männer, auch Kriegs« beschädigte usw. und Buch für brustkranke Männer sind noch Betten frei. Im Bureau Stralauer Str. 11/15 werden Meldungen ent- gegengenommen. Untersagter Handelsbetrieb. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Auf Grund der BundeSratsverordnung vom 23. September 1915 hat der Polizeipräsident von Berlin dem Gießereibesitzer Richard Musculus, hier. Äöpenicker Straße 116, den Handel mit Metallen sowie mit sonstigen Gegenständen de« Kriegsbedarfs wegen Unzu« verlässtgkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt. ©wlfeutr fow geften naBmiliag um 4 Mr ttt der Liberdck- st ratze in Neukölln aus nock> nicht bekannter Ursache Kum Ausbruch. Als die Feuerwehr an der Brandstätte ankam, stand ein Fabrikraum im vierten Stock mit dem Dachstuhl in großer Ausdebnung in Flammen. Ter Neuköllner Feuerwehr gelang es, die Flammen aus den Fabrikraum und das Dach zu beschränken. Personen sollen angeblich nicht zu Schaden gekommen sein. Vermißt wird seit dem 20. März die dreizehn Jahre alte Elli Etinner, wohnhaft Lichtenberg, Gürtelstr. 25. Das Kind ist un« gefähr 1,30 Meter grotz. schlank gebaut, bat dunkelblonde? Haar, rundes Gesicht, frische Gesichtsfarbe, blaue Augen, Zähne vollständig bis auf einen halbabgebrockienen Vorderzahn. Bekleidet war es mit blauem Cheviolllcid, rot besetzt mit halblangen Aermeln, dunkel« braunen Strümpfen, dunkelbraunen Plüschpantösfeln, schwarzer, rot- besetzter Achselschürze, grauem Mantel und grün-grauer Wollmütze. Außerdem batle das Kind eine lederne Markttasche bei sich. Etwaige Angaben über den Verbleib des Kinde« erbittet Frau Toni Stinner an oben angegebene Adresse. /lus den Gemeinden. Kartoffelversorgung in Neukölln. Während im Monat März wegen der bestehenden Frostgefahr die Kartosfelzufuhr sehr gering war und die Ansprüche der Bevölke« rung infolgedessen nicht befriedigt werden konnten, hat dieselbe An- fang dieses Monats erheblich zugenommen und sich jetzt so gesteigert, daß die Unterbringung der Kartoffeln Schwierigkeilen bereitet. Es hängt dies damit zusammen, daß der Landwirt sich vor Jnaugriff- Nähme der Bestellung bemüht, die jlartoffelmietcu zu räumen. Sind brst die_ Bestellungsarbeiten aufgenommen, ist aus weitere Kartoffelzufuhr nicht zu rechnen. Um nicht wieder bei verminderten Zufuhren eine Stockung der Kartoffelversorgung eintreten zu lassen, empfiehlt eS sich, daß diejenigen Anstalten und Gewerbetreibenden, welche einen großen Kartoffelbedarf haben, diesen für die nächsten Monate schon jetzt eindecken, da in späterer Zeit ihre Anlieferung durch die Stadtgemeinde in Frage gestellt, Der Magistrat hat daher ge- stattet, daß Kleinhändler, Gastwirtschaften, Speiseaustalten und sonstige Anstalten schon jetzt auf die Kartoffelbezugsscheine für die späteren Zeitabschnitte Kartoffeln entnehmen können. Die Inhaber dieser Betriebe werden daher aufgefordert, sich baldigst die Kartoffel« bezugSscheine für die späteren Zeitabschnitte ist, und zwar bis 18. Mai von den Brotkommissionen zu beschaffen. Luch können Kleinhändler nachträglich noch ihre Bedarfsanmeldung durch Nachtragsanmeldung ergänzen. Eine NachtragSanmcldung nach Ablauf der zweiten Kar» toffelkartenperiode ist für Kleinhändler nicht mehr möglich, da sich die Zuteilung an Kartoffeln für die Zeit vom 13. April ab nur nach Maßgabe der vorgelegten Kartoffelkartenabschnftte regelt. Es ist daher wünschenswert, daß sich jetzt alle die vorgenannten Betriebe reichlich mit Kartoffeln eindecken, um in der späteren Zeit, in der infolge des zunehmenden Umfanges der landwirtschaftlichen Arbeiten die Zufuhren selbstverständlich geringer sein werden, eine Stockung in der Kartoffelversorgung unserer Bevölkerung zu vermeiden. Aenderungen im Lebensmittelverkanf in NowaweS. In den Verkaufsstellen der Gemeinde wird von jetzt ab Speck zu 2.40 M., Schmalz zu 2,60 M. pro Pfund abgegeben. Kar« toffeln werden nur noch gegen Vorzeigung der neueingeführten Karloffekartcu. die von den Hauseigentümern den einzelnen Haus» Haltungsvorständen ausgehändigt werden müssen, in den bekannt- gegebenen Geschäften verkauft. Kinder unter einem Jahre erhallen keine Kartoffelkarte. Wer noch einen Vorrat an Kartoffeln hat, muß diesen zunächst verbrauchen, wobei 10 Pfund für 10 Tage für jedes Haushallungsmitglied als ausreichend angenommen sind. An Stelle der abgelaufenen Lebensmittelkarten werden bis Freitag, den 14. d. Mts.,.Ausweise zum Einkauf von Lebensmitteln' im Zimmer 8—9 des Rathauses von 8 bis 1 Uhr ausgegeben. Der Ausweis wird auf den Namen des Hau?» haltungsvorstaudeS unter Angabe her Wohnung und der Personen- zahl' des einzelnen Haushalts ausgefertigt. Aftermieter, Schlaf« leute usw. werden zum Haushalt deS Vermieters gerechnet. Die Gewerbetreibenden dürfen die von der Gemeinde bezogenen Lebensmittel nur gegen Vorzeigung de? Ausweises, der den Inhaber als Gemcindeangehörigen legitimiert und nicht übertragbar ist, abgeben. Schmalz-, Speck- und Kartoffelkarten behalten nach wie vor ihre Gültigkeit._ Städtischer Grundbesih als Anbauland. Zur Förderung des Kartoffel- und Gemüsebaues bat der Potsdamer Magistrat den gesamten unbebauten Grundbesitz der Stadt Bewerbern gegen Er« stattung einer Gebühr von 1—2 Pf. pro Quadratmeter unter der Bedingung, daß das Gelände nur für Gemüse- oder Kartoffelanbau benützt wird, überlassen. Einige Parzellen, die besonders günstig liegen, find zu einem um ein Geringes höheren Preis verpachtet worden. Dem einzelnen Bewerber wurden bis zu 800 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Die Nachfrage nach städtischem Pachlland war sehr groß. Die Stadt hat auch die erforderlichen Mengen Saatkartoffeln besorgt und gibt sie zu Sebstkostenpreisen ab. Die Stadt Potsdam böffl durch ihr Beftpiel andere Grundeigentümer zur pachtweisen Hergabe unbebauten Landes als Kartoffel- und Gemüseanbaufläche anzuregen, um zur Steigerung der heimischen Erzeugung beizutragen._ Steglitz zur �raktionsspaltnng. Eine kürzlich in Steglitz abgehaltene Generalversammlung des Wahlvereins nahm nachstehende Resolution an: Die Generalversammlung des Steglitzer WahlvereinS stimmt einmütig dem Vorgehen der Fraklionsminderheit im Reichstag am 24. März zu und bringt der durch diese gebildeten.Sozial- demokratischen Arbeitsgemeinschaft' vollste Sympathie entgegen. Die somit endlich erfolgte, unvermeidlich gewesene Trennung von der FraklionSmehrheit, welche, alle Parteigrundsätz« mißachtend. durch ihre unverantwortliche Haltung gegenüber den Kriegskrediten, der II-Boot-Frage, dem Nolelat usw..... war dringend nötig und gerechtfertigt. Es ist daher zu fordern, daß sich der KreiS der neuen politischen Vertretung der Linken der Partei durch die übrigen KriegSkreditgegner schleunigst� erweitert. Die endgültige Entscheidung darüber, welche Konsequenzen die Partei aus den Vorgängen am 24 März zu ziehen hat, muß einzig und allein dem nächsten Parteilag al« berufenen Instanz überlassen bleiben. Soziales. Zugluft und Betriebsunfall. Soll ein Betriebsunfall anerkannt werden, so ist Voraussetzung. baß eS sich bei dem Vorgang, bei dem der Arbeiter erkrankt, um ein zeitlich begrenztes, plötzlich eingetretenes Ereignis gehandelt hat. Dieses Ereignis muß selbstverständlich durch den Betrieb hervor- gerufen oder durch die Eigenart desselben verschuldet sein. Was aber ist ein.zeitlich begrenztes, plötzlich eingetretenes Ereignis'? Das Versicherungsamt hat den Begriff zeitlich begrenzt dahin ausgelegt, daß darunter eine zusammenhängende Arbeitsschicht bis zu einem halben Tag zu verstehen sei. Wenn z. B. im Winter jemand im Freien gearbeitet, dem Zugwind ausgesetzt ist und sich dadurch Gliedmaßen erfriert, dann liegt noch ein plötzliches Ereignis vor. Anders liegt der Fall, wenn jemand eine Woche lang die Hand einem Druck aussetzt und sich dadurch eine Entzündung bildet, dann fehlt die Plötzlichkeit, die Folgen einer derartigen Erkrankung gelten nicht als die eines Betriebsunfalles, vielmehr wird dann Gewerbekrankheit als vorliegend angenommen. Daß»in« derartige Unterscheidung tatsächlich oft eine Härte darstellt, ist ein« nicht weg- zuleugnende Tatsache. Bleierkrankungen usw. sind Schäden, die sich der Arbeiter im Beruf zugezogen hat und deren Folgen selbst- verständlich von den betreffenden Jndustriegruppen getragen werden müßten. Aehnlich liegt es bei Erkrankungen, denen die Bauarbeiter infolge von Zugluft ausgesetzt sind. Natürlich muß dabei der stritte Nachweis des Zusammenhanges geführt werden. Der Stukkateur L. war auf dem Neubau des StadttheaterS in Greifswald beschäftigt. Anfang Mai 1914 wurden die bisher pro- visorisch angebrachten Fenster auf Veranlassung deS Baumeisters entfernt, trotz lebhaften Protestes der Arbeiter, die nun- mehr der Zugluft ausgesetzt waren. Auch L. mußte seine Arbeiten in der Zuglust verrichten. Am 8. Mai stellte sich eine erhebliche Entzündung des linken Auges ein, L. mußte sich in eine ärztliche Behandlung begeben. Da die Erkrankung über die 13. Woche hinaus währte. Folgen erheb- licher Art zurückblieben, wurde Anspruch auf Entschädigung in der Nordöstlichen BaugewerkS-Berufsgenoffenschaft erhoben. Es erfolgte Ablehnung. Das Oberversich erungsamtGroß-Berlin wies die Berufung, ebenso das ReichSversicherungSamt den Rekurs zurück. Der Rekurs wurde zurückgewiesen, weil eS sich um die allmähliche Einwirkung ungünstiger äußerer Verhält- nisse, nicht aber um die Schädigung durch ein plötzliches Ereignis gehandelt habe, mithin ein Betriebsunfall nicht in Betracht kommt. Gerichtszeitung. Höchstpreise. „Frauen, die die vmn Magistrat festgesetzten Höchstpreise für Milch so wenig achten, daß sie die U Überschreitung der Höchstpreise dulden und den ihnen abverlangten zu hohen Preis bezahlen, machen sich selbst strafbar." Diese Belehrung gab gestern der Vorsitzende eines Schöffengerichts Berlin- Mitte einer Zeugin, die gegen den Milchhändler OskarScherwinskiund Frau als Belastungszeugin auftrat. Tie Angeklagten hatten den vorn Magistrat festgesetzten Höchst- preis für Milch van 30 Pf. in folgender Weise überschritten: Sie berechneten der Zeugin, die die Milch täglich durch ihr Dienst- mädchcn von ihnen bezog und wöchentlich bezahlte, mit 32 Pf. Als die Zeugin von anderen Frauen erfuhr, daß diese nur 30 Pf. zu bezahlen hatten, beschwerte sie sich öarüver bei den Angeklagten und erhielt die Antwort, daß bei täglicher Bezahlung die Milch mit 30 Pf., bei wöchentlicher aber mit 82 Pf. berechnet werde. Frau Dr. K. erklärte nun, daß sie dann auch täglich bezahlen wolle. Nun geschah es aber, daß ihr Mädchen wiederholt keine Milch bekani und mit der Bemerkmtg abgespeist wurde, daß ihr dies wohl noch öfter so gehen würde; sie würde diesen Mißstand dadurch vermeiden. können, wenn sie wieder zur wöchentlichen Abrechnung zum Preise von 32 Pf. zurückkehren würde. Daraufhin wurde Anzeige er- stattet, und es erging gegen die beiden Angeklagten ein Straf- mandat über je 10 0 Mark. Ter Amtsanwalt hielt diese Strafe für viel zu gering, da den im Interesse unserer Ernährung ge- troffenen Anordnungen strikte Folge geleistet werden müsse und beantragte für beide Angeklagte je 500 Mark, zusammen also 10 0 0 Mark Geldstrafe. Das Gericht beließ es jedoch mit Rücksicht auf die bisherige llnbescholteicheit der Angeklagten auf einschlägigem Gebiet bei der Strafe von je 100 Mark. ._ Mit Recht ist-im Reichstag, wiederholt darauf hinge- wiesen,, daß. die Strafandrohung, gegen Leute, die, ohne zur Höchstpreisübertretung anzustiften, den Preis aus Not oder Unkenntnis zahlen, eine Strafanzeige und damit eine wirk- same Bekämpfung der Höchstpreisübertreftingen hindert. Dem Schwurgericht überwiesen. Einen für die Angeklagte verhängnisvollen Ausgang nahm eine Anklagesache, die die Arbeiterfrau Anna Richter gestern vor das Schöffengericht Berlin-Mitte führte. Die Angeklagte stand unter der Beschuldigung, ihr eigenes, jetzt IH Jahre altes Kind in grausamer, das Leben ge- sährdender Weise mißhandelt zu haben. Die Auge- klagte ist Mutter zweier Kinder. Ms sie sich wieder Mutter fühlte, wurde sie über den in Aussicht stehenden Familienzuwachs sehr un- glücklich, zumal da nach ihrer Behauptung Mich ihr im Felde stehen- der Ehemann nicht sehr erbaut über eine solche Bereicherung seines Familienglücks gewesen sein soll. Ehe noch das Kind das Licht der Welt erblickte, soll die Angeklagte nach der Aussage mehrerer Zeuginnen ihm ein baldiges Ende prophezeit und unter häßlichen Ausdrücken wiederholt erklärt haben, sie würde alles möglich darum- geben, wenn das A.. bald„krepieren" würde. Als sie dann ent- banden hatte, wuchs ihr Groll gegen das klein« Menschenkind von Tag zu Tag. Ihr Haß kannte keine Grenzen mehr, als sie infolge der Selbstnährung körperliche Leiden erdulden mußte. Da sollen dann nach den Wahrnehmungen der Zeugen die argen Mißhand- langen, die ganz systematisch vorgenommen sein sollen, eingesetzt haben; sie steigerten sich bis zu einer das Leben geradezu gefähr- denden Behandlung: es wurde u. a. behauptet, daß die Angeklagte das kleine Kind, wenn es sich beschmutzt hatte, einfach unter die Wasserleitung gehalten, von dem kalten Wasser habe bespülen und dann ganz nackt am offenen Fenster hingelegt habe, um es trocknen zu lassen.— Die Angeklagte bestritt lebhaft diese schweren Beschuldigungen. Das Schöffengericht hielt sie jedoch auf Grund der Zeugenaussagen und der Bekundungen de? Arztes, dem es gelungen ist, das mißhandelte Kind am Leben zu erhalten, für dringend verdächtig, daß es ihr darauf angekommen sei, sich des Kindes zu entledigen. Auf Anttag des AmtSauwalts erklärte sich das Schöffengericht für unzuständig und verwies die Sache an das Schwurgericht, weil die Angeklagte des versuchten Mordes verdächtig erscheine. fius aller Welt. Der praktische Landwirt. In einem Wiener Blatt wird berichtet: In KremS ist der HöchstverkaufSprei» für Butter mit 5 Kr. per Kilogramm festgesetzt. Ein Funktionär einer niederösterreichischen Bezirkshauptmannschaft fuhr dieser Tage hinaus und versuchte bei einem bekannten Meierei- besitzer und Großfuhrmann Butter zu kaufen. Es wurde ihm folgende klassische Antwort zuteil:»Ich habe wohl Butter vorrätig, kann sie aber nicht verkaufen. Ich müßte die Butter um 5 Kr. per Kilogramm hergeben und das Schmieröl für meine vierzig Wagen mit 9 Kr. per Kilogramm bezahlen. Da bleibt mir eben nichts übrig, als die Wagen mit der Butter zu schmieren....' Wie muß ein Menschenmagen eine Wagenachse beneiden! Schweres Bootsuuglück auf der Havel. Unweit der Stadt Brandenburg kenterte auf der Havel infolge einer Windböe die mit 11 Personen besetzte Jacht„H e i t a'. V i e r I n s a f s e n, zwei Frauen und zwei Männer, ertranken, die anderen konnten sich noch retten. Ein Lustmord. In der Nähe des Truppenübungsplatzes Alten-Grabow wurde eine weibliche Leiche mit durchschnitte- ner Kehle ausgefunden. Es handelt sich um ein 13- bis 11 jähriges Mädchen. Wahrscheinlich liegt ein Lustmord vor. Die Loburger Gerichtskommission und die Magdeburger Staatsanwaltschaft haben sich an den Tatort begeben. Dem Täter ist man auf der Spur. Zum Leichenfund bei Chemnitz erfährt die„Allgem. Zeitung", daß es sich um eine etwa 20jährige Frauensperson handelt, die an- scheinend dem Avbeiterstande angehört. Gewisse Anzeichen deute» auf einen Lustmord hin. Es soll auch bereits eine Verhaftung vor- genommen sein, doch liegen über die Persönlichkeit des Täters, der ein Liebesverhältnis mit der Ermordeten unterhielt, noch keine ge- naueren Nachrichten vor. Brandkatastrophc in einem englischen Theater. Bei einer zu- gunsten verwundeter Soldaten im Stadttheater in Hereford veranstalteten Kindervorstellung brach ein Brand aus, bei dem fünf Kinder dem Feuer zum Opfer fielen. Nach einer Reutermeldung mußten weitere zwölf Kinder mit schwere» Brandwunden ins Hospital geschafft werden, während eine, ganze Anzahl leichter« Verletzungen erlitt. Swmverhemingen in Toulon. Wie die Matter melden, der- Heerte ein gewaltiger Sturm Toulon und die Um- g e g e n d. Durch Hochwasser wurden beträchtliche Schäden angerichtet. Die Häuser am Fiußufer und mehrere Speicher sind überschwemmt. Nur mit Hilfe von Booten gelang die Rettung der Bewohner. Zwar trat die Flut abends zurück, indessen ist die Lage noch immer sehr gefährlich. Unterschlagungen eines Rendanten. vor kurzem starb in Roßla jHarz) der Rendant der Fürstlich Stolberg-Roßlaische» Rentenkammerhauptkasse, Rechnungsrat Schönemann. Schon wäh- rend seiner Krankheit wurden Unstimmigkelten in der von ihm ver- walteten Kasse festgestellt. Ein« genau« Revision ergab jetzt d'.e Unterschlagung bedeutender Summen. Die Veruntreuungen, die mehrere Jahre zurückreichen, sollen 40 000 M. betragen. parteiveranftaltungen. Zweiter Wadlkrcts. Die Einlaßkarten zu den Lichtbildrrvorttägen au: 19. April„Die süd tiroler Grenzgebiete' und am LS. April„Eine Reise durch die Balkanstaaten' werden heute im Zahlabend ausgegeben. Zweiter Wahlkreis(III. Abteilung, Friedrich stobt) Zahlabend: Mittwoch, den IL. April, bei Rathmann, Wilhclmslr. 118.— Zahimorgen: Domierstag, den 13. April, bei Krüger, Jcrusalemer Slraßc 63. Steglitz. Heute Mittwoch, den 12. April ISIS, 8'/, Uhr, gemeinsamer Zahlabcnd.' Für den©übender OrtSteil bei I a c o b,©tephanstr. S, für alle anderen Bezirke bei©chellhase, Ahornstr. 15a. Weiftensee. Die April-Zahlabende fallen aus. An©lelle derselben findet bei Aiasche, Berliner Allee L51, eine Mitgliederveffanunlung stall. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Borfigwalde-Wittenan. Der heutige Zahlabend für sämtliche Be« zirke findet bei SS. Schulze, Schubattstt. 88, statt. Kaulsdorf-Bieödorf. Heute abend 8'/, Uhr findet der gemein- schaftliche Zahlabend in KaulSoorf, Restaurant Harnpel, Hönwerstr. 5, statt. Ober-Schöneweide. Mittwoch, dm 12. April, gemc'mschajtlicher Zahl- abend im VcreinshauS, Kojchlitzky, Rathausstr. 10, Sriefkasten der Redaktion. Die sunstischi Eprichsninde findet für Abonnenten Lindenstr. g, IV. Hof rechts, parterre, am Montag bis Freitag von t bis 7 Ugr, am Eonnabend von b bis 6 Uhr statt. Jeder für den B r t e f i a st« a bestimmten Anfrag« ist em Luchstabe und eine gahl«I» Merkzeichen betzusügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen letne Lbonnementsauittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilig« Fragen trag- man in der Sprechstunde vor. Lrrträge, eqriftstückc und dergleichen bringe mar in dir EPrechftnndc mit. A. H. 7K. 1. New. Sie hätten nur Anspruch aus Invalidenrente, wenn Sie zu mindestens 66'/, Proz. erwerbsbeschränkt erachtet werde». 2. Nein.— Hebt U. 47. Sie brauchen sich zur Kontrollversaminwng nicht zu melden; Sie können oder noch eine Aufforderung zur Nachmustermlg erhalten.— H. 8. 1891. 1. Ja, wenn Bedürftigkeit als vorliegend er- achtet wird. 2. Die Anmeldung beim Standesamt können Sie selbst de- sorgen.— G. W. 1880. Sie sind der Armmdirektion gegenüber ver- pflichtet, darüber Auskunft zu geben.— G. F. 17. Da der überlebende Ehegatte in kinderloser Ehe die Wtrtschastögegenstände im voraus erbt, hatte der Schwager sreies BcrsügungSrccht über die Sachen. Ihr Sohn hatte kein Recht zum Berkaus der Ihnen übergebenen Sachen, die Eigentümer der Sachen können deshalb von Ihrem Sohn Schadcneftatz verlangen.— B. 74. Die Beschwerde ist an das Militärburea« deS Magistrats der Stadt Berlin, KIRterstr. 68 zu richten. K. KL. 1. Ja. 2. S 616 deS Bürgerlichen Geletzbuch».— B. Eh. 1. Sie werden dagegen nichts machen können, Sie müßten cvcnt. vom Haus- wir! verlangen, daß der Mieter verpflichtet wird, durch eine Unterlage unter die Nähmaschine den ruheslörenden Lärm zu beseitigen.— W. Kii. Ihre Vorstrafen sind durch die Amnestie erloschen, Sie brauchen sie nicht anzu- geben.— 31. D. SO. Nein.— St. 8. 185. Sie brauchen nicht zur Kontrollversammlung, müssen sich aber aus dem Polizeirevier melden.— B. 0. Der Antrag ist an das Ersatzbataillon bei Jnfanterie-Regimeiits Nr. 64 zu stellen. Die mobile Löhnung wird gezahlt.— I.®. II. Die Forderung ist verjährt und kann deshalb nicht mehr geltend gcmailst werde».— G. Ivo. 1 15 3Jt. für die Frau und 7.50 SR. für das Kind. 2. Da die Frau ihren Wohnsitz verlegt hat, kann die Gemeinde die Zahlung der kommuiialeii Unterstützung verweigern. 8. Der Anspruch aus Miels- Unterstützung müßte bestehen bleiben, da die Wohnung dort nicht ausgegeben ist.— Kimle. UnS ist davon tiichtZ bekannt.— Kamlnirg 3. Wir empfehlen Ihnen die Sammlung„Bon unten auf' von Franz Diedeuch. Einzuseben in Arbeiterbibliolheken.— O. R. 100. 1. Nein. 2. i\a. — I. H. 40. Die RcichSwochenhilse wird Ihnen gewährt. TaS Woche». geld von täglich 1 M. wird Ihnen für 8 Wochen gezahlt; von diesen 8 Wochen müssen mindestens sechs In die Zeit der. Niederkunft fallen. Die Wochenbeihilfe kann also schon 2 Wochen vor der Niederkunft gezahlt werden.— Ö. H. Die Einziehungzum Heeresdienst kann auch durch dal KriegSbekleidungsamt erfolgen.— M. G. 25. Unannehmlichkeiten konueu Ihnen dadurch nicht entstehen, da Ihr Mann durch die Jnlernierung in England nicht in der Lage war, rechtzeitig nach Deutschland zurückzukehren. — 91. G. Die Bestimmungen deS OrlSstalutS erstrecken sich nicht aus Ihren Sohn.— P. K. 869. Sie sind nicht mehr militärpflichtig.— Emma 100. Sie müssen einen Antrag an das Amtsgericht stellen; dazu bedürfen Sie aber der Zustimmung des Vormundes. Antrag aus Pflege- geld müssen Sie beim Armenvorsteher stellen.— U. 87. Mit Bollmacht des SobneS können Sie die Unjallrente abheben.— D. Z. 33. Nein. — 91. K. 1884. Da Sie sich nach dem Gesetz vom 4. September 1915 wieder gemeldet haben und als D. U. bezeichnet worden sind, brauche» Sie sich jetzt nicht zu melden.— H. G. 82. Sie müssen einen Paß haben, der Ihnen vom Polizeipräsidium ausgestellt wird.— Viele. Ja. — W. G. 72. Eine Altersgrenze gibt es dafür nicht, die Veranlagung der Steuer erfolgt nur nach dem Einlommen.— P. H. 84. Die Mutter muß den Antrag aus Zahlung der Löhnung an das Ersatzbataillon des Truppenteils richten, zu dem der Sobn emgczogen wurde. Der Anttag auf Kriegsunterstützung ist bei der zuständigen Steuerkasse einzureichen.— Scheibe 26. Sie sind zum Ersatz der Scheibe vervflichlet.— E.®ch. 43. Wenn ein Sparguthaben vorhanden ist, können Sie sich mit einem Anttag aus Auszahlung eines Teiles an das VormundschastSamt Berlin wenden. — Sch. 49. Wegen Herzleiden zurückgestellt. ES wird noch eine Nach- Musterung erfolgen.—"C- V. 82. Der HauSwirt hat das Vorpfandrecht, Sie müssen die Sachen ireigebell. «SetterauSsichten für daS mittlere Norddeutschland bis DonnerStag mittag. Zeitweise heiter, aber kühl, veränderlich, und an den meisten Orten wiederholte, im allgemeinen geringe Niederschläge. SoziaidemokratiselierWatiM (. d. 6, Herl. Rettslagswablkrels. 12. Abt. Bez. 736. Ilm Sonntag, den S. Aprtl, verstarb unser Genosse, der Dreher Ksr! Augath Perleberger Str. BH. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. April, nach» mittag» 6 Uhr, von der Leichen. Halle vi» neuen Lodanni»»Kirch. Hose» in Plötz ensee, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht I»«i» V«nnt»«»Ä. ZlizialslWZlssallzetie? Wvmln IJ. 4. Berliner Reichstagswaiilkr. GSrliUtr Viertel. Bezirk 147. Den Mitgliedern zur Nachl richt, tafi unser Genosse, der Schaniwirt •Josek Nitsch Namiynstr. 77, gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dvnnerötag, den 16. April, nach. mittags B Uhr, von der Halle des Michael-Kirchhose» in Neukölln, Hermannstraße, au» statt. Sireleuer Viertel. Bezirk S1B. Den Mitgliedern zur Nachricht, dau unser Genosse, der Tischler ttfckanl Kreker Königsberger Str. 11, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den IL. April, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle de» Zentral-, Uicdhost, Friedrichs- seid«, au» statt. Um rege Beteiligung bittet 213/6 Oer Toratand. Oentsclier BolzarlielterreM. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kolleg«, der Tischler Vüdelm Scbleufiner Gtalitzer Str. Bö» im Alter von BS Jahre» gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. April, nach- mittags 41/. Uhr, von der Halle des Friedhose» der TmmauS- Airchengemeiiide in Britz au» Den Mitgliedern ferner ,«r Nachricht, daß unser Kollege, der Kistenmacher Karl Klanser Lichtenberg, Lückstraße 44 im Alter von VS Jahre» ge> starben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. April, nachmittag» 3'/, Uhv, von der Hall« de» RummelSburger Friedhose» in der Lllckstratze au» statt. Um rege Beteiligung ersucht SS/S Die OrtSnerwaltung. Transporlarlieltef-Hertanil. Bczlrksverwaltung Grofl-Berlln. Den Mitgliedern zur NachAcht, unser Kollege, der Droschken- rer Karl>Vent?ke am 9. April im Alter von 71 Jahren verstorben ist. Ehre seinem«»denke»! Di« Beerdiguna findet am DonnerStaa, den 18. April, nachmittag» 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» Zentral-Friedhos» in FrikdrichSselde au» statt. 63/16 die Bezirksvenealtueg. DeulsdierMetallarbeiter-Yerlianti Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Karl Angatd (Perleberger Str, 5») am ö. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donner»ag. den 13, Avril, nach- mittag» B Uhr, von der Leichen- balle de» JobanniS-Kirchhose» in Plötzensee ans statt. Rege Beteiligung wird erwartet, Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Dictallardeiterin Olxa Fiedler (Reinickendorf. Auguste-Biltoria- All-e 38) am 10, April gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findel morgen DonnerStaa, den 13. April, nach- mittag« 4 Ubr, von der Leichen- Halle de» Gemeinde- Friedhofe» in Reinickendorf, Humboldtstraße, an» statt, Reg« Beteiligung wird erwartet, Den Kollegen ferner zur Räch- richt, daß unser Kollege, der Mechaniker Medard keusclmer (Grüner Weg) am 8. Aprtl gestorben ist. Ehre seine« Andenke« l Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 13. April, nach- mittags l>,.Uhr. von der Leichen- balle des Zentral-Friedhosc» in Friedrichsselde aus statt. Rege Beteiligung wird erwariet, Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Kolleg«, der Metallarbeiter Valentin Winiens (Köpenick, Aug.-Viktoria-Str. 16) am 10. April gestorben ist. Ehre seinem Andenke« l Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 13, April, nach- mittag» 2'/, Ubr, von der Leichen- balle de» Gcmeinde-Friedhose» In Köpenick au» statt. Rege Beteiligung wird erwariet Den Kollegen serner>m Nach- daß unser Kollege, der Gürtler Otto Krause (Grimmstr. B) am B. April geftoraen ist. Ehre seinem Andenke»! De» Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser« Kollegin, die Metallarbeiterin Anna /ander (vler-Schbnewtide, KInrastr, 4) am 8, April gestorben Ist. Ehre ihrem Andenke»! 115/2 Die OrtSvrrwaltnng. Am 10. April starb im Lazarett Oranienburg unier tieber Sohn und Bruder, der Grenadier Frit? Bobeth Im Alter von tö>/, Vahren. Diese» zeigt tlesbetrübl an K'eunllta Paul Hobeth Zossen« Sir. 30. Di« Beerdigung findet am 13. April, nachmittag»»A. Uhr, aus dem Garnison» Kirchbos. Hasenheide. statt. B7Ö6 Danksagung : die zahlreiche Betetligi itgmig meine» Mir der Beerdigung Sohne» gung bei lieben Max Weiß« ü sowie für die reiche Kranzspende sagen wir allen Bekannten, Freunden und Genossen, besonder» den Kollegen der Firma Bernhard slir die reiche Unlerstützung während seiner Kran!- ' m herzlichsten Dank. Die Hinterdlirbenen. heit unseren her BSOb Sozialdemokratiseber Wablvereln Kreis Kiederbariita. Bestrk Olehtenberff. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Karl Klauser Lückstraße 44 im Alter von storben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den ta. April, nachmittags 31/. Uhr, von der Halle de» Gemeinde-Friedhose» in der Lückstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 12/18 0!» Bezirkeleitung. (Gruppe 67) Bö Jahren gc- Verbandd.Biicb-n.Steindriickerel- Hilisarbeiier und Ärheilerinnen Deutschlands. Ortcverwallung Berlin. Am 8. d. MS. verstarb nach langem Krankenlager unser Mit- glied Paul Vogt im Alter von B1 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 12. Aprtl. nachmittags S'l, Uhr, aus dem Neu- köllner Gemcindesriedhos, Marien- dorser Weg, statt. 27/7 �����DieOrtisverwaltung� tll» Opfer de» unseligen Well- kriege» fiel nach achtzehnmonaligen schweren Kümpsen am 28, Februar 1016 durch Kopsschuß mein innigst- geliebter Mann, mein treu sorgen- der Bater Kar! Kall Ins,-Reg. IBS, ö. Komp. im 86. Lebensjahr«. In tiefem Schmerz Martha Galt geb. Hahn als Gattin nebst Sohn HanS. Aran» wall nebst Gatttn alt Eltern. weschmIfter.Gchwiegermutter. Schwager und Schwitgertn« Du warft unier Glück, vom Schick- sal un» erkoren. Di« Sonne ichwand. Dein Leben ging per- ioren. Ein schwere» Leid hat un» hetrossen, so schwer, e»»u er- tragen kaum, all unser Glück und sehnend Hoffen ist nun dabin,«1» wie ein Traum. So schlummere laust. Du boißgebiebler Gatte, Bater, im Feindesland von all den Leiden au». Du sankest da- bin, wie»lose» finten, wenn sie in voller Blüte llehn, und heiße, bittre Tränen fließen, weil wir Dich nicht mehr wiedersehn. Ein jeder, der Dich hat gekannt und auch Dein treue» tzerz. der drückt un» nur noch stumm die Hand in diesem tiesslen Schmer». Ge- liebter Mann I ruhe sanst in Frte- den, Du meine Welt, wein Glück. Zu früh bist D» von un« geschieden und lößt un» trostlo« hier zurück. Bin ich auch einsam und betrübt, so tröstet mich doch immer wieder'. 2Sa» sich aus Er- den treu geliebt, da» findet sich >m Himniel wieder. Er war der Beste» et»«. Deine trostlose Gatttn nebst Sohn. Sein etnzigfter Trost war nur ein Wiedersehen. 111A Allen denen. dt««einer Neben Frau 125A Emilie Butenhof dl« letzte Ehre erwiesen, und sür die zahlreichen Kranzspenden sage ich meinen herzlichen Dank. KbH Buthenhol. Verband der Ireien Gast- nnd Schankwirte Dentschiands. Zahleteile Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau de» Kollegen Koodiied, Vilhelmioe geb. Harenburg am 7. April verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Dl« Beerdigung findet heute, Mittwoch, nachmittag« 8 Uhr. aus dem Kirchdol der Sophien- Ge- meind«, greienwalder Straße statt, 78/18 01» Ortsvsrwaltung. Allen Freunden und Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege. der Dreher Karl Angatli am Ö. April verstorben ist. vie Kollegen der A.E. Q. Turblncnfabrik. Dt« Beerdigung findet statt am Donnerstag, nachmittag» B Uhr. von der Leichenhall« de« neuen Jobannis-Kirchhos» in Plötzenfee, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Manne» und unvergeßlichen Pater« Gustav Raebel sagen wir allen Freunden und Be- kannten, besonder» den Herren Kol- legen von den Deutschen Telefon- werken, Adtellung Wilhelm, uuseren besten Dank. praii Albertine Raebel nebst Tochter. Heines Werke - 1 NSnd, 4 Moet Buchhandlung vorwärt» Mail-elllllauks-Zureali Grüner Weg 66, Metall« höchstzahlend. tauft alle b07b» SkuMu mSffMUtb dSS/fj QwXwh-jKam�nUcL 15niiiarkt 7/8 IV. 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St. A.Grolltlnaty, Boifaegeneret.»?, Oikar Bahke't Wikerei 7s amscisart* In eilen Btadtteiten Berline sowie In NeakfiUn u. Treptow _ Ot-orQi'.riet 1883. '. Hiesewetter, Sckivilbeiswik. II, Felix Kynast, Dlnenstr. S. O. Meier, Grünerwee 27. Fr. Pribyl, Oanabrückertlr. M. Tnwhan Filialen w allea lUrUall Stadtteilen. Rmll Werk, Samariteretr, S, Otto Well/, Treptow, KrlUIet. 1» Zechau, Qr.-uoblerf.,Ckuu«uLlle Paal Zaetrew. Btrometr, 83. 1, Bandagaii, eummsm.> R. Beuke, Btreliuer Str. SS, E. Krau, Kinaul»>«ailT. IS. A. E. Lang», Brunnenstr. ISS ICr» _ i Erseh*lii« 2 mal Sohentiioh. Bezugsquellen-Verzeichnis. Uataastahsade QosohSfts MpfshliBiloh b.Elnkäuf. bei G SS eigene Pillelaa. ugusi Holtz Henn. Ennert, Onlmetr. SS 1 EMir UM g N>ln«4 ItUllgsttklfU Kosmalia, E., 4��'-, d)röter,R.| 43 PerkautrettHfn 43 l| Ihly&Wolfram dBlerbranarei., BlerhdandlglV BrauerelBölzom empfiehlt ersten Ring—. i! feinste Qualitätsbiere. ü. 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