Ar. 103.- 88. Jahrg. H bonnemenfs-Bedlngiingtm klbonnementS• Preis pränumerando! Bicrteljährl. S.go MI, monatl. 1£0 Mä, WSchenilich SO Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonmagz- nummer niit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" lO Pfg. Post- Abonnement: 1,30 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn Z.50 Mark, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements ncbmen an Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Siuuiänien, Schweden und die Schweiz. 5 Pfennig) Dl« Tntertions-Gcbüljr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- seile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewcrlschaftliche BereinS- und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ..Atelne Hnztigcn", das settgedrullie Wort 20 Pfg.(zuiässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Etclleiigesuchc und Tchlasstellenaii' zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ü Psg. Worte über 15 Buch- (laben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsseii bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Erpeditiott ist bis 7 Uhr abends geöffnet. erfchdnt lZgNch. Verlinev Volksblalt. relegramm-Adresse: .SossZlötmolllsl kellls" Tentralorgan cler fosialäemokratitcken Partei Oeuttcklanäs. Neöaktion: SW. H8, Linöenftcaße 3. Fernsprecher: Zlmt Moritzplati, Nr. 1S1 90— 1S1 97. Donnerstag, den 13. April 1910. Expeöition: SSV. 68, Linöenstraße S. Fernsprecher: Amt Moritzplak- Nr. 1Z19V— 1s197. Sie künftigen Welcherrfther. Während die naiven Imperialisten wähnen, über die Herr- fchaft auf dem Weltmarkte werde allein auf den europäischen Schlachtfeldern entschieden werden, vollziehen sich jenseits des Ozeans Ereignisse, die nicht nur all die Phantasien der europäischen Machtpolitiker zerstören, sondern zugleich auch eine wirkliche Umwälzung der weltwirtschaftlichen Verhältnisse bedeuten. Die Vereinigten Staaten, das unterliegt heute keinem Zweifel mehr, reisten die Vorherrschaft auf dem Welt- markte an sich, sie werden in Zukunft den mastgebenden Faktor der Weltwirtschaft und der Weltpolitik bilden. Man darf aber nicht denken, datz es der Krieg allein ist, der diese wirtschaftliche Revolution hervorgerufen hat: wie auf allen anderen Gebieten erweist sich auch in dieser Beziehung der Krieg blost als F o r t s e tz u n g der schon vorhandenen Tendenzen. Der Krieg hat nur die schon lange vor ihm ein- setzende EntWickelung stark gefördert. Tatsächlich stehen die Vereinigten Staaten schon seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Industrieländer. 1913 gewannen sie 517,11 Millionen Tonnen Kohle gegen bloß 292,01 Millionen in England und 278,98 Millionen Tonnen in Deutschland. Die Vereinigten Staaten förderten also allein nur um rund 50 Millionen Tonnen weniger Kohle als England und Deutschland. In der Eisenindustrie sind die Vereinigten Staaten diesen beiden größten Industrieländern weit voraus. So stellte sich(in Millionen Tonnen): Eisenerz- gewinnung 1313 59.11 Roheisen- gewmuung 1913 31,16 Stahl- gewinnung 1312 «er. Staaten.... 59.11 31,46 31,76 Deutschland.. 35,91 l 19,80 1 17,30 1 (u. Luxemburg)! 52,19! 29,91 i 21,31 England.... 16,25 J 10,61 J 7,01] Datz die Vereinigten Staaten der weitaus größte Pro- duzent der anderen Metalle wie der Rohstoffe überhaupt sind, ist bekannt. Weniger bekannt ist es aber vielleicht, datz auch ihr Verbrauch der übrigen Metalle wie auch von Baumwolle den aller übrigen Staaten übersteigt. Es seien darum noch einige Zahlen hier angeführt. Es stellte sich nämlich 1913 der Verbrauch(in 1000 Tonnen): Kupfer Blei Zink Zinn Ver. Staaten 318,1 401,3 813,3 45.0 Deutichland. 259,31�.�. 223,5).,.. 221.3).,., 19,3), p7 England.. lU,7im'0 191, l/414'9 191, 6 j415'9 Ll'l/4� Kupfer und Blei konsumierten die Vereinigten Staaten fast ebenso viel wie die anderen beiden Länder zusammen, Zinn sogar mehr als diese, und nur im Verbrauch von Zink bleiben sie hinter beiden, überragen aber jedes Land im ein- zelnen genommen sehr bedeutend. Auch im Verbrauch von Baumwolle marschierten die Vereinigten Staaten bei weitem an der Spitze. Sie konsumierten 1912/13 5,55 Millionen Ballen, während England blost 3,28 und Deutschland gar nur 1,26 Millionen verbrauchte. Gcwist arbeiteten die Vereinigten Staaten in erster Linie für den eigenen Markt. Aber auch auf dem Weltmarkte er- scheinen sie als immer größere Konkurrenten und auf einigen Gebieten haben sie Deutschland und England schon über- flügelt. So exportieren sie mehr Eisen- und Stahlerzeugnisse als selbst Deutschland. Auch an Maschinen und Erzeugnissen der Elektrotechnik führten sie fast ebenso viel aus wie Deutschland und bedeutend mehr als England. In dieser Beziehung wird nun der Krieg die Position Amerikas be- sonders stärken. Die industrielle Tätigkeit der europäischen Länder wird ans viele Jahre hinaus geschwächt bleiben, ihren Platz werden die Vereinigten Staaten einnehmen. Während die Ausfuhr Englands nach den überseeischen Ländern im Jahre 1915 noch hinter der von 1914 zurückgeblieben ist, steigt der Export Amerikas immer mehr an. So führte es in den ersten 10 Monaten des Kalenderfahres 1915 nach Asien für 115,8 Millionen Dollar(gegen 77,6 Millionen zu gleicher Zeit 1914), nach Südamerika für 116,7(gegen 70,4), nach Ozeanien für 77,6(64,8) und nach Afrika für 29,1(22,1) Millionen Dollar aus. Wichtiger noch sind vielleicht die Veränderungen, die sich auf dem Kapitalmarkte vollziehen. Die Vereinigten Staaten sind das reichste Land der Welt. Das Nationalvermögen luuröe für 1904 auf 88,5 Milliarden und für 1912 auf 187,74 Milliarden Dollar geschätzt, während das Nationalvermögen Englands mit 90 und das Deutschlands mit 75 Milliarden Dollar angenommen wird. Trotz dieser erstaunlich raschen 5kapitalakkumulation haben die Vereinigten Staaten noch in den letzten Jahren bedeutende Summen in Europa geborgt, etwa eine Halbe Milliarde Dollar. Tie Gesamtverschuldung Amerikas an Europa wird gar auf 6 Milliarden Dollar ge- schätzt. Jetzt haben nun die Vereinigten Staaten einen großen Teil dieser Schuld abgetragen. Das letzte Jahr sah eine Rekordernte. Da außer- dem die Getreide- und Viehpreise stark gestiegen sind, so zogen die Landwirte gewaltige Vorteile. Der Wert des Getreides überstieg den vorjährigen um mehr als 400 Mill. Dollar und erreichte die gewaltige Höhe von 5,38 Milliarden Dollar, der Wert aller Bodenproduktc sogar 6,65 Milliarden und der der Erzeugnisse der Viehzucht 3,85 Milliarden Dollar, zusammen also die Summe von 10,5 Milliarden. Auch die Industriellen machen gewaltige Gewinne. Der Gesamt- ausfuhrüberschnst des letzten JahreS stellte sich auf die enorme Summe von 1,77 Milliarden Dollar, also ebenso hoch wie die der drei Jahre 1912—1914 zusammen. In diesem Riesenexport kommen die Bestellungen des Vierverbandes zum Ausdruck. Allgemein bekannt ist es auch, tvie diese Kriegsbestellungen bezahlt werden: durch RückVerkauf amerikanischer Werte und durch Aufnahme von Anleihen. England hat für 950 Millionen Dollar amerikanische Werte abgestoßen, Deutschland für 300, Frankreich für 150, Holland für 100 und die Schweiz für 50 Millionen Dollar. Außerdem hat Europa fast eine Milliarde Dollar in Amerika geborgt; an Südamerika wurden 70 Millionen geliehen. Auf diese Weise vollzieht sich nicht allein ein potcn- zierter Äkkumulationsprozeß, sondern es wird, was dem ge- wohnlichen Auge verborgen bleibt, die Herrschaft der T r u st s noch ungeniein gefestigt. Ist es doch die Bank der Trusts, Morgan u. Co., die die Aufträge des Vierverbands unter den Unternehmern verteilt; durch diese Kapital- transaktionen werden die noch unabhängig gebliebenen Werke den Trustmagnaten direkt ausgeliefert. Bisher fanden näm- lich diese unabhängigen Unternehmungen in Europa eine Kapitalstütze gegen die Kapitalübermacht der Trusts. Jetzt gehen die Aktien und Obligationen dieser Unternehmungen an die Trustbanken über, und damit ist ihrer Unabhängigkeit ein Ende gemacht. Noch mehr. Die Trusts suchen jetzt die Rohstoff- quellen in den anderen Weltteilen an sich zu reisten. So verlangen sie von Rußland als Gegenwert für Anleihen gewisse Konzessionen; auch in Südamerika bemächtigen sie sich der Naturschätze. Da die Vereinigten Staaten auf lange hinaus beinahe die einzige Geldgeberin bleiben werden, so liegt tatsächlich die Gefahr nahe, daß die Trusts sich der wichtigsten Rohstoffquellen der Welt bemächtigen und so sich die übrige Welt tributär machen werden. Als wirkliche Welt- Herrscher werden nicht die sich zerfleischenden europäischen Völker, sondern die amerikanischen Trusts werden, die schon heute den Verfall Europas in ihre Rechnung stellen und sich vorbereiten, sein Erbe anzutreten. Der Zoll»Sussex". Berlin, 12. April 1916.(W.T.B.) Auf die Anfrage der Re- gierung der Vereinigten Staaten wegen der An- griffe auf den Dampfer.Sussux' und andere Schiffe ist dem hiesigen amerikanischen Botschafter am 10. d. M. nachstehende Antwort erleilt worden: Der Unlerzeichnete beehrt sich, Seiner Exzellenz dem Botschafter der Vereimglen Staaten von Amerika Herrn James W. Gerard auf die Schreiben vom 29. und SO. vorigen Monats, sowie vom 3. dieses Monats(Nr. 8876. 8860 A, 8901, 8902, 8933 und 9010) über die Dampfer,.Sussex",.Manchester Engineer",.Englishman",»Verwind Vale" und„Eagle Point" mitzuteilen, daß die erwähnten Fälle gemäss den diesseitigen Noten vom 30. und 81. v. M. und vom 1. und 5. d. M. von dem Admiralstab der Marine einer sorg- fältlgen Prüfung unterzogen worden find, die zu nachstehenden Er- gebnissen geführt hat. I. Englischer Dampfer.verwind vale". Ein Dampfer, der möglicherweise der.Verwind Pale" gewesen ist, wurde am 16. März abends in Sicht des Leuchtfeuers von Bull- rock an der irischen Küste von einem deutschen Unterseeboot an- getroffen. Sobald der Dampfer das über Wasser fahrende Unter- seeboot bemerkte, drehte er ab und lief weg. Er wurde durch einen Warnungsichuß zum Stoppen aufgefordert, beachtete aber diese Warnung nicht, sondern löschte sämtliche Lichter und versuchte zu entkommen. Daraufhin wurde er beschossen, bis er stoppte und ohne weitere Aufforderung mehrere Boote zu Wasser führte. Nachdem die Besatzung in die Boote gegangen war und genügend Zeit er- halten hatte, um wegzurudern, wurde das Schiff versenkt. Der Name dieses Dampfers ist nicht festgestellt. Auch mit Hilfe der Angaben, die von seilen der amerikanischen Botschaft gemacht worden sind, läht sich nicht mit Sicherheit sagen, daß der vorstehend geschilderte Vorfall den Dampfer.Verwind Vale" betrifft. Da aber der versenkte Dampfer ein Tankdampfer war, ebenso wie der .Verwind Vale", dürste die Identität des Schiffes anzunehmen sein; in diesem Falle würde allerdings die dortige Angabe, datz der .Verwind Vale" ohne Warnung torpediert worden sei, mit den Tat- fachen im Widerspruch stehen. H Englischer Dampfer.Englishman". Dieser Dampfer wurde am 21. März von einem deutschen Unterseeboot etwa 20 Seemeilen westlich von Jslah durch zwei Warnungszuschüsie zum Stoppen aufgefordert, lief aber weiter, ohne sich um die Warnung zu kümmern, und wurde daher von dem Unterseeboot durch Artilleriefeuer nach längerer Verfolgung ge- zwungen, zu stoppen, worauf er ohne weitere Aufforderung Boote aussetzte. Nachdem der deutsche Kommandant sich davon überzeugt halte, datz die Besatzung in die Boote gestiegen und vom Schiffe weggerudert war, versenkte er den Dampfer. HI. Englischer Dampfer.Manchester Engineer". Durch die bisherige Untersuchung hat fich nicht feststellen lasten, ob der Angriff auf diesen Dampfer, der nach der dortigen Dar- stellung am 27. März in der Höhe von Waterford stattgefunden hat, auf ein deutsches Unterseeboot zurückzuführen ist. Die Angaben über Ort und Zeit geben keinen genügenden Anhalt für die Untersuchung. Es wäre daher erwünscht, genauere Angaben über Ort. Zeit und Begleitumstände des der amerikanischen Regierung gemeldeten An- griffs zu erhalten, damit daraufhin die Untersuchung zum Abschluß gebracht werden kann. IV. Englischer Dampfer„Eagle Point". Dieser Dampfer wurde am 26. März vormittags etwa 100— nicht 130— Seemeilen von der Südwestküste Irlands entkernt von einem deutschen Unterseeboot durch Signal und Schutz aufgefordert zu stoppen, lief jedoch weiter. Daraufhin wurde auf ihn geschossen, bi» et stoppte und ohne weitere Sufforderung zwei Boote zu Master brachte, in die sich die Besatzung begab. Nachdem sich der Kom- Mandant überzeugt hatte, daß die Boote, die Segel gesetzt hatten, vom Dampfer freigekommen waren, versenkte er den Dampfer. Zur Zeit der Versenkung herrschte Nordnordwestwind von Stärke 2. nicht.stürmischer Wind", und leichte Dünung, nicht.schwere See", wie in der dortigen Darstellung angegeben ist. Die Boote hatten auch alle Aussicht, sehr bald aufgenommen zu werden, da der Ort der Versenkung auf einem viel benutzten Dampferwege lag. Wenn die Besatzung des Dampfers zu ihrer Rettung nur zwei kleine Boote in Gebrauch nahm, so trifft sie selbst die Schuld, denn ans dem Dampfer befanden sich, wie da§ Unterseeboot feststellen konnte, noch mindestens vier große Faltboote. ' V. Französischer' Dampfer. S u s s e x Die Feststellung, ob der Kanaldampfer.Sustcx" von einem deutschen Unterseeboot beschädigt worden ist oder nicht, ist dadurch außerordenllich erschwert worden, datz leine genauen Angaben über Ort, Zeit und Begleiiumstände der Versenkung bekannt waren, auch ein Bild dieses Schiffes bis zum 6. April nicht erlangt werden konnte. Infolgedessen bat die Untersuchung auf alle Unternehmungen ausgedehnt werden müssen, die an dem in Frage kommenden Tage, dem 21. März, iin Kanal etwa auf dem Wege zwischen Folkestone und Dieppe überhaupt stattgefunden haben. In diesem Gebiet ist am 21. März ungefähr in der Mitte des Englischen Kanals von einem deutschen Unterseeboot ein langes schwarzes Fahrzeug ohne Flagge mit grauem Schornstein und kleinen grauem Aufbau sowie mit zwei bohen Masten angetroffen worden. Der deutsche Kommandant gewann die bestimmte Ueberzcugung, daß er ein Kriegsschiff, und zwar einen Minenleger der neugebauten englischen Arabis-Klasse, vor sich habe. Er wurde zu dieser lieber- zeugung geführt: 1. durch das glatt durchlaufende Deck de? Schiffes, 2. durch die lriegschiffsmäßige, schräg nach hinten und unten ab- fallende Form des Hecks, 8, durch den kriegsschiffsmäßigen Anstrich, 4. durch die hohe Geschwindigkeit von etwa achtzehn Seemeilen, die das Schiff entwickelte, 5. durch den Umstand, daß da? Schiff nicht den Weg nördlich der Leuchttonnen zwischen Dungeneß und Beachy Hcad innehielt, der nach den häufigen, übereinstimmenden Beobachtungen der deutschen Unterseeboote siir die Handelsschiffahrs üblich ist, sondern mitten im Kanal, mit dem Kurs ungefähr auf Le Havre, fuhr. Infolgedessen griff er das Schiff um 3 Ubr 55 Miuuten nach- mittag? mitteleuropäischer Zeit l1/3 Seemeilen südöstlich der Bullrock- Bank unter Wasser an. Der Torpedo traf und rief im Vorschiff eine so schwere Explosion hervor, daß das ganze Vorschiff bis zur Brücke abriß. Die besonders starke Explosion läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß an Bord große Munitionsmengen vorhanden waren. Der deutsche Kommandant hat eine Skizze de« von ihm an- gegriffenen Schiffes angefertigt, von der zwei Abzeichnungen bei- gefügt werden. Das ebenfalls in zwei Exemplaren angeschlossene Bild des Dampfers.Snssex" ist aus der englischen Zeitung„Daily Graphic" vom 27. v. M. in photographischcr Wiedergabe entnommen. Die Vergleichung der Skizze und des Bildes zeigt, daß der„Suffex" mit dem angegriffenen Fahrzeug nicht identisch ist, besonders aus- fallend ist der Unterschied in der Stellung des Schornsteins und der Form der Hecke. Ein weiterer Angriff hat in der für den„Snssex" in Frage lonimenden Zeil auf dem Wege zwischen Folkestone und Dieppe seitens deutscher Unterseeboote überhaupt nicht stattgefunden. Hiernach muß die Deutsche Regierung annehmen, datz die Bc- schädigung des. Sussex" auf eine andere Ursache als auf den All- griff eines deutschen Unterseebootes zurückzuführen ist. Zur Auf- klärung des Sachverhalts ist vielleicht die Tatsache dienlich, daß allein am 1. und 2. April im Kanal nicht weniger als 26 englische Minen von deutschen Seestreitkräften abgeschossen worden sind; über- Haupt ist die ganze dortige MeereSgegend durch treibende Minen und nicht gesunkene Torpedos gefährdet. Vor der englischen Küste wird sie ferner auch durch deutsche Minen, die gegen die fcind- lichen Seestreitkräfte ausgelegt werden, in zunehmendem Maße ge- fährdct sein. Sollte der Amerikanischen Regierung weiteres Material zur Beurteilung des Falles.Sussex" zur Verfügung stehen, so darf die Deutsche Regierung um dessen Mitteilung bitten, um auch dieses Material einer Prüfung unterziehen zu können. Für den Fall, daß sich hierbei Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Re- gierungen ergeben sollten, erklärt sich die Deutsche Regierung schon jetzt bereit, den Tatbestand durch eine gemischte Nntersuchungs- kommisston gemäß dem dritten Titel des Haager Abkommens zur friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle vom 18. Oktober 1907 feststellen zu lassen. Indem der Unterzeichnete bittet, der Regierung der Vereinigten Staaten von Vorstehendem Kenntnis zu geben, benutzt er diesen Anlaß, um dem Herrn Botschafter den Ausdruck seiner ausgezeich- netsten Hochachtung zu erneuern. gez. I a g o w. die öeutsche Note in Washington angelangt. Paris, 11. April.(T. U.) Havas meldet aus Washington: Die deutsche Note ist hier angelangt. Das Ministerium des Auswärtigen wird aber die Antwort hierauf nicht vor einer Woche veröffentlichen. Da Präsident Wilson gezwungen ist das Bett zu hüten, wurde der Ministerrat, der heute statt- finden sollte, abgesagt. saures und Sembat. Meine zweite kleine Aufrage hat dasselbe Schicksal wie die erste. Statt einer direkten Antwort eine Fülle von Worten, die von der Frage abweichen. Ich fragte den Genossen Scheideinann, worauf seine Uebcrzeugung beruhe, daß der Jaursssche Brief, den er im Reichstag verlas, echt sei. Statt den Beweis für die Echtheit anzn« treten, antwortet er mit der Gegenfrage: Warum soll er nicht echt sein? Er sagt: Es ist mir gänzlich unerfindlich, warum Janrss den Brief nicht geschrieben haben soll. Er meint also, wenn irgendein AnonhmnS in irgendeinem bürgerlichen Blatte irgendein Schriftstück als Aeußerung eines toten Parteigenossen veröffentliche, so genüge das, sie als edjt anzuerkennen und zu benutzen, es sei denn, daß der Nachweis gelinge, das Schriftstück sei tatsächlich nicht von dem Betreffenden geschrieben worden. Danach gälte jede Fälschung als beweislräftig, wenn sie nur cinigermasten geschickt fabriziert ist. Aber in dem Falle des Jaurssschen Briefes ist sogar der Nach- weis geführt worden, dast er nicht echt sein könne. Vergeblich sucht ihn Scheidemann zu entkräften. Widerwillig muß er zugeben, daß das Datum des Briefes wohl falsch ist: „Daß das Datum des Brieses irrig ist, mag(I) sein. Aber daraus kann der Vorwurf einer frechen Fälschung nicht begründet werden, denn Irrtümer in Datenangaben unterlaufen jedem, der Briefe schreibt." Nun, Scheidemanns Quelle, die„Braunschwcigische LandeS- zeiiung", legt auf daS Datum besonderen Wert. Sie schreibt: „Der Brief ist vom 3». Juli 1914 datiert. Am 30. Juli wurde auch die Briefzensur verfügt. Am 1. August war Jaurös ein toter Mann." Dieser Hinweis will sagen: Durch die Zensur kam der Brief zur Kenntnis der Regierung und die Antwort war die Ermordung Jaurös I Aber auch zu einer früheren Zeit kann der Brief unmöglich geschrieben sein, denn er widerspricht dem, was Jaurös in Brüssel über die Haltung der französischen Regierung seit Beginn der Krise sagte. Nun will Scheidemann diesen Widerspruch nicht gelten lassen. In dem Brief der„Braunschweiger Zeitung" habe Jaurös nicht die französische Regierung, sondern nur„schädliche Kräfte" an« geklagt, die zum Kriege hetzten. Dies könne sehr wohl im Gegensatz zur Regierung geschehen. Doch Scheidcmann selbst verlas aus dem Brief im Reichstag folgende Stelle: „In der Macht der französischen Regierung läge eS, Rußland am Kriege zu verhindern. Aber man sucht den Krieg, den man schon lange schürte." DaS soll derselbe Mann in derselben Zeit geschrieben haben, in der er beteuerte: „Wir brauchen unserer Regierung keine Politik beS Friedens aufzuzwingen, denn sie übt bereits diese Politik... Die sranzösikche Regierung will den Frieden und arbeitet für den Frieden." In seiner Verlegenheit hilft sich Scheidemann mit einer ver- bluffenden Wendung: Er macht Ausführungen, die im Grunde nichts sind als eine Polemik gegen den zweifellos echten Jaurös, um zu be- weisen, der gefälschte Jaurös sei echt. In seiner Brüsseler Rede, die niemand anzweifeln kann, erklärte JauröS, die französische und die englische Regierung arbeiteten für den Frieden. Scheidemann trägt einen Haufen Zitats zusammen, der, wenn er etwas bewiese, dartun würde, daß Jaurös in Brüstet sich irrte, wenn er an die Friedens- liebe der beiden Regierungen glaubte, und daß man in Frankreich schon vor dem 14. Juli„wußte, daß die Regierung an Krieg dachte". Daraus schließt Scheidcmann, daß der Brief „durchaus nicht im Widerspruch steht zu den Tatsachen, die wir aus Frankreich kennen". Sicher steht er nicht im Widerspruch zu dem Bild, das sich Scheideinann von den Tatsachen malt und das zu beleuchten erst möglich sein wird, wenn man einmal über alle Regierungen so frei reden kann, wie Scheidemann über die französische. Aber es stellt im Widerspruch zu den Auffassungen JaureS', und das ist das entscheidende. Das ganze Zitatenbündel beweist nur, daß, wenn der S ch e i d e m a n n von heute den JaureSschen Brief zu schreiben gehabt hätte, dieser so ausgefallen wäre, wie cr-in der Braunschweigischen Landeszeitung" abgedruckt ist Ich bedauere ragen zu müssen, daß mir das als Beweis dafür, daß Jaurös ' den Brief schrieb, und noch dazu als einziger Beweis nicht genügt. Nun noch ein paar Worte über den Fall Sembat Bon den diesem zugeschriebenen Aeußerungen hatte die„Humanite" erst durch den Genossen Grumbach erfahren. Er hat das Histörchen bereits so lächerlich gemacht, daß es der Redaktion überflüssig er- scheinen dürste, noch mehr darüber zu sagen. Aber, bemerkt Scheidemann weiter, sein Gewährsmann sei kein llnbetannter für mich. Das stimmt nicht. Ich kenne ihn nicht, und wenn Scheiidemaiin nicht mehr weiß, als mein„intimer Fveund", dann kennt er ihn ebensowenig. Jener Herr, auf den sich Genosse Scheidemann beruft, ein hoher Beamter, erzählte nur, her habe von einem anderen Beamten erfahren, ein dritter Herr, dessen Namen verschwiegen blieb, hätte in einer privaten Ilnterredung von'Seinbat jene Worte gehört. Als Gewährsmann könnte nur der Ohren- zeuge gelten, dessen Name wurde in der Unterredung, der mein„intimer Freund" beiwohnte, nicht genannt. Scheidemann 'kennt ihn also nicht. Hielt jeuer hohe Beamte die Aeußerung Sembats für eine gut beglaubigte, die man im politischen Leben verwenden kann, dann hätte er selbst ausreichende Ursache und Gelegenheit gehabt, . sie öffentlich vorzubringen. Als kluger Mann hat er das nicht getan, sondern es vorgezogen, die Aeußerung bloß dem Genossen Scheidemann und meinem Freunde mitzuteilen. Meines Er- � irmerns wurde dann zuerst in der„Chemnitzer Lolksstimme" der Inhalt jener vertraulichen Unterredung vorgebracht. Ick) zweifelte allerdings bisher daran, daß Scheidemann nur diesen einen Gewährsmann habe, denn es war in unserer Partei nicht üblich, Informationen, noch dazu unkontrollierbare, über Aeußerungen eines Parteigenossen, die auf solchen Wegen erlangt waren, als objektiv wahr anzusehen und in einer Parteipolemik zu verwenden. K. K a u t S k y. Der französische Tagesbericht. Paris, 12. April. lW. T. B.) Amtlicher Bericht von Dienstag nachmittag. Auf dein linken MaaSufer richteten die Deutschen gestern abend einen Angriff auf unsere Stellungen, bei dem sie brennende Flüssigkeiten schleuderten. Der Angriff, der sich aus dem Rabenwalds entwickelte, wurde durch unser Sperrfeuer und das Feuer der Infanterie zurückgeschlagen, mit Ausnabme des östlichen Teiles, wo der Feind in einigen kleinen Grabenabschnitten Fuß fassen konnte. Auf dem rechten User der Maas haben die Deutschen im Laufe der Nacht versucht, uns aus den Gräben hinauszuwerfen, die wir in den letzten Tagen südlich des Dorfes Douaumont genommen hatten. Ihr Versuch, bei dem sie ebenfalls brennende Flüssigkeiten schleuderten, endete mit einem blutigen Mißerfolg. Heftiges Vom- bardemcnt in der Gegend von Douaumont— Vaux. In der Woevre einige Feuerübcrfälle der Artillerie. An der übrigen Front war die Nacht ruhig. Flugwesen: Am Morgen hat einer unserer Flugzeugführer ein deutsches Flugzeug abgeschossen, das in die Linien bei Badon- viller fiel. Die beiden deutschen Flieger wurden bei dem Absturz getötet. Paris, 12. April.(W. T. B.) Amtlicher B e r i ch t v o in Dienstagabend. An der Nordfront»ahm unsere Artillerie eine starke deutsche Kolonne, die sich auf der Straße Chemin de- Hames bewegte, unter ihr Feuer. Die wohlgezieltcn Schüsse brachten den Deutschen ernste Verluste bei. In den Argonnen leb- IBM Oes«e» fWKMlW. Amtlich. Großes Hauptquartier, de» 12. April 1916.(28. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei La Boisselle(Nordöstlich von Albert) brachte eine kleinere deutsche Abteiluug von einer nächtlichen Unter- nehmung gegen die englische Stellung ohne eigene Verluste 29 Gefangene und 1 Maschinengewehr zurück. Westlich der Maas griffen die Franzosen vergeblich unsere Linien nordöstlich von Avocourt an, beschränkten sich im übrigen aber auf lebhafte Fencrtätigkeit ihrer Ar- tillerie. Auf dem Ostufer brachten drei durch heftigstes Feuer vorbereitete Gegenangriffe am Pfefferrücken dem Feinde nur große Verluste, aber keinerlei Vorteil. Zwei- mal gelang es den Stnrmtrnppen nicht, den Bereich unseres Sperrfeuers zu überwinden, der dritte Anlauf brach nahe vor unseren Hinderniffcn im Maschinengewehr- feuer völlig zusammen. Im Caillcttc-Walde gewannen wir der zähen 2�erteidig«ng gegenüber schrittweise einigen Boden. Im Lnftkampf wurde ein französisches Jagdflugzeug bei OrneS(iu der Woevre) abgcfchoffen. Der Führer ist tot. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei Garbuuowska(nordwestlich vou Dünaburg) wnrdeu russische Nachtangriffe mehrerer Kompagnien ab- gewiesen. Balkan-Z?riegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. *• DK MMW SemMMW. Wien, 12. April.(W. T. B.) Amtlich wird verlantbart: 12. April ISIS. Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts von Bedeutung. Italienischer Kriegsschauplatz. Die lebhafteren Geschützkämpfe in einzelnen Frontabschnitten dauern fott. Bei Riva würde der Feind, der sich in einigen vorgeschobenen Gräben und einer Bcrtcidigungsmauer südlich Spermie festgesetzt halte aus diese» Stellungen wieder vertrieben. Der italienische Angriff ist somit vollständig abgeschlagen. Der Stellvertreter des Chefs deS GencralstabcS, v. H o e f e r, Fcldmarschallcutnant. hafte Tätigkeit unserer Artillerie an der ganzen feindlichen Front. Westlich von der Maas ziemlich heftige Beschießung im Lause deS Tages an unserer Front zwischen dem Tolen Mann und Cumiöres. Keinerlei Jnfanterieläligkeit. Oestlich von der Maas warfen die Deutschen nach kräftigster arlilleristischer Vorbereitung, die durch reich« lichen Gebrauch von Gasbomben und lränenerzeugenden Geschossen unterstützt war. gegen ö Uhr nachmittags einen starken Angriff gegen unsere Schützengräben zwischen Douaumont und Vaux vor. Der Feind konnte in einigen vorgeschobenen Teilen unserer Linien Fuß fassen, wurde aber bald darauf durch einen Gegenangriff unserer Truppen hinausgeworfen, wobei wir etwa 100 unverwundete Deutsche, darunter einen Offizier, gefangennahmen. In der Woevre Artilleriekampf in den Abschnitte» von Moulainville, Convaux und Chatillon. Nordwestlich von St. Mihiel beschossen unsere weit- tragenden Kanonen erfolgreich einen Zug, der nördlich vom Bahnhof Haudicourt hielt. Von der übrigen Front ist nichts Wichtiges zu melden. Flugwesen: In der Nacht vom 10. auf den 11. April warf eines llitserer Kampfgeschwader in zwei verschiedenen Angriffen 27 und 21 Bomben auf die Bahnhöfe von Nantillois und Brieulles. Dasselbe Geschwader belegte die Stellung eines weittragenden 38-Zentimeter-GeschützeS mit Bomben. Belgischer Bericht: Ziemlich schwache Artillerietäiigleit an der Front der belgischen Armee. Die englische Meldung. London, lt. April. kW. T.B.) Englischer Heeresbericht. Die Handgranalentämpfe in Trichtern östlich von St. Elvi dauerten gestern abend mit wechjelndem Erfolge an. Wir hallen drei Trichter besetzt, aber die anderen beiden augenblicklich nicht. Der Feind sprengte heute Minen nordöstlich von Vermelles und beschädigte die Stellung an einem alten Trichter, ohne aber die Lage zu ändern. Beträchtliche Artillerietäligkcil bei Wytschaete, unbedeulende in der Nähe von Souchez und östlich von Zjvern. Im Berlause von acht Lustlämpfen brachten gestern unsere Flieger ein feindliches Flug- zeug zum Absturz, ohne selbst Verluste zu erleiden: im Lause des Tages wurde jedoch eines unserer Flugzeuge durch Gcschützfeuer ab- geschossen._ Der rusiische Kriegsbericht. Petersburg, 12. April.(W.T.B.) Amtlicher Bericht vom 11. April. Westfront: An der Dünafront stevenweise Artilleriekampf. In der Gegend de- Brückeukopfes bei Uexküll versuchten die Deutschen anzugrelfen, aber erfolglos. Bei Dünaburg und weiter südlich im Seengebiet entwickelte die feindliche Artillerie abschnittsweise eine recht lebhafte Tätigkeit. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Kaukasus: Westlich von Erzeruin vertreiben unsere Truppen den Feind aus weiteren Geländcabschnitten. Melüung üsr italienischen Heeresleitung. Rom, 11. April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Im Frontabschnitt zwischen Etsch- und Suganatal eröffnete der Feind das Feuer mit neuen Batterien von großer Tragweile, die von den unseren wirksam bekämpft wurden. Das genaue Feuer unserer Artillerie rief große Brände in der Umgegend von Calceranica (Ealdonazzosee) hervor und beschädigte stark daS Fort Luserna im Hochastico. Am Jsonzo waren die beiderseitigen Artillerien gestern noch auf der ganzen Front sehr tätig, besonders auf den Höhen nordwestlich von Görz. Ans dem Karst wurden feindliche Kolonnen, die auf Oppachiasella und Rudilog marschierten, wirksam beschossen. In der Nacht zum 10. April warfen feindliche Wasserflugzeuge elf Bomben auf Grado ab, die unbedeutenden Schaden veriiriachteii. Personen wurden nicht getötet. C a d o r n a. vom v-Doot-Krieg. Brest, 11. April.(W. T. B.) Einer Reutermeldung zufolge wurden zwei Mann von der Besatzung des versenkten Dampfers „Unione" von einem britischen Zerstörer, siebzehn andere von eine,» französischen Torpedoboot gerettet und später hier gelandet. Alle Heizer werden vermißt. sluf eine Mne gelaufen. Amsterdam, 12. April.(W. T. B.) Die Direktion de- westindischen Posldicnstes erhielt ein drahtloses Telegramm vom Kapitän des neuen Dampfers„Columbia", wonach das Schiff um 6.45 Uhr früh in 51 Grad 51,5 Minuten nördlicher Breite und 1 Grad 50 Minuten östlicher Länge wahrscheinlich auf eine Mine gelaufen ist. Der Dampfer fährt langsam nach dem Sunk-Leuchlschiff zurück. Das Vorschiff ist voll Wasser. Der norwegische Dampfer „Hanna" leistet Beistand. Der Kapitän hofft, das Schiff nach dem Londoner Hasen bringen zu können. Au- Hoek sind Schleppdampfer zu Hilfe geeilt. Die„Columbia" wurde im vorigen Jahre gebaut und war um 710 000 Pid. Sterl. an eine New Dar! er Reedereifirma verkauft worden. Das Schiff, das mit Regierungsgetreide nach H o l l a n d u n t er w e g s war, hätte nach seiner Ankunft in Amsterdam an dts Käufer abgeli�ert werden sollen. Bus Deutsch-Ostafrika. Lissabon, 12. April.(28. T. 93.) Der Kommandant von Porto Amelia in Portugiesisch-Ostafrika meldet, daß die von den Deutschen besetzte Ortschaft K i o n gm wieder eingenommen worden ist. Notiz des W. T. B.: Kionga liegt in dem sstdlich der Rovuma-Mündung zu Deutsch-Ostafrila gehörigen Gebittsdreieck. Dieses durch den jetzt Hochwasser führenden Rovuma-Fluß vom übrigen Schutzgebiet getrennte und daher nicht verteidiaungSsähige kleine Gebiet ist offenbar deutscherseits geräumt und alSdonn von den Portugiesen besetzt worden. Bon einer Wiedereinnähme durch die Portugiesen kann keine Rede sein, da es ihnen nie gehört hat und auch während des Krieges seither noch nie von ihnen besetzt chgr. Englanös Druck auf Sie Neutralen. Nmuide», 12. April.(W. T. B.) Den Reedereien der Dmuidcr Fischdampfer wurde mitgeteilt, daß ihre Damp- fer nicht englische Kohle laden dürfen, wenn die Reedereien sich nicht verpflichten, daß die von ihnen gefangenen Fische nicht nach Deutschland ausgeführt werden. Da die Reedereien keine Kon» trolle über den Fischhandel haben, konnten sie dieses Versprechen nicht geben. Fischdampfer, die englische Kohle an Bord hatten, haben sie infolgedessen wieder ausgeladen und sind mit deutscher Kohle versorgt._ Die Vorgänge in üer griechischen Kammer. Bern, 12. April.(28. T. 23.) Nack) Meldungen aus Athen kam es in der Sitzung der griechischen Kammer am Montag aus Anlaß der Neubesetzung des Finanzministeriums zu bewegten Auftritten. Die Regierung stellte die Vertrauensfrage, bei deren Zlbstmmrung sie eine Mehrheit von 290 Stimmen von den 296 abgegebenen erhielt. Die Entente errichtet auf Kephalonia einen Zlottensiützpunkt. Amsterdam, 11. April.(W. T. B.) DaS Reutersche Bureau verbreitet die folgenden Meldungen auS Athen: Am 0. April be» gaben sich der englische und der französische Gesandte zum Ministerpräsidenten und teilten ihm mit, daß ihre Regierungen die Absicht hätten, auf der Insel Kc pH alonia. namentlich aus der Reede von Ärgostoli, Truppen auszu- ichiffen. Sie gaben die Vetsicherung ab, daß den griechischen HoheitSrechten Rechnung getragen werden solle. Die Gesandten haben dem Ministerpräsidenten eröffnet, daß zwin- gende Notwendigkeiten ihre Regierungen veranlaßten, die Reede von Ärgostoli zu sperren. Sie fügten hinzu, diese Matz- regel sei ergriffen worden, um den Verkehr auf der Reede mit möglichst geringen Schwierigkeiten ausrecht zu erhalten. Ter Ministerpräsident protestierte lebhaft und erklärte in energischer Weise, Griechenland müsse gegen diese neue Verletzung seiner Souveränität Einspruch elhcben. ES folgte eine lebhaste Auseinandersetzung. Der englische Gesandte halte eine Audienz beim König. Am 10. April veröffentlichten der englische und der französische Gesandte eine Mitteilung, daß die Errichtung eines Flottenslützpunltes in Ärgostoli nur zu VerleidigungSzweckcn vorgenommen worden sei und nicht den Charakter einer Be- setzung trage._ Erstarken üer sozialistischen Opposition in Frankreich. Nach der Spaltung der sozialdeniolratischen ReichStagsfraktion wetteiserten die Blätter der Rechten vom Schlage der Ehenmitzer „Votksstimme", der Mannheimer„Bollsstimme" uiw. mit der bürgerlichen Presse in der höhnischen Gtoisierung der Stimmen, die — in tendenziöser Aufmachung— aus Frankreich gemeldet wurden. Wiederum wurde H e r v ö mit seinem Appell an das Schwert Castelnaus durch die gesamte Mehrheitspresse geschleift, und die un- vollständig und in verzerrter Form wiedergegebenen Aeußerungen R e n a u d e l S in der„Humanitö" wurden als schlagender Beweis vorgebracht, daß die deutsche Minderheit sich unnütz bemüht habe, da sie eS den Franzosen doch nicht recht machen könne. Nun hat der Nationalrat der französischen Partei, der am 0. und 10. d. M. in Paris tagte, zu der neuen Situation Stellung genommen. Allerdings liegt zurzeit noch kein ausführlicher Bericht über die Tagung vor und ein endgültiges Urteil über sie wird man sich bis zum Eintreffen vollständigerer Nachrichten vorbehalten müssen. Allein schon die kurzen tele- graphischen Berichte in der Presse sind bedeutsam genug, um hier erörtert zu werden. So wird der„Frankfurter Zeitung" unter dein 10. April indirelt aus Paris telegraphierr: „Der Nationalrat der sozialistischen Partei Frankreich«, der gestern hier zusammentrat, stellt ein Mittelding dar zwischen dem all« gemeinen Parteitag und dem Verwaltungsausschuß der Partei und hat insbesondere die Aufgabe, die Durchführung der Parteitags» beschlüsse zu überwachen. Es kam gestern im Nationalrat wieder zu einer langen und lebhaften Aussprache über das Verhallen der s r a n z ö s i s ch e n Partei zu der deutschen Sozialdcmo» kr a ti e und deren aus den letzten Borgängen in, Reichstage hervor- gegangenen D i s f i d e n t e n f r a k l i o n. lieber den Inhalt der Verhandlung liegt bisher noch nichts vor. Nur der„ M a t i n' bringt einen vorläufigen SliinmungSberichr, in den, zugegeben wird, daß die Friedensbewegung in der sozialdemokratischen Partei seil dem letzten allgemeinen Parteitag stark z u- g e n o m me n hat. Dies wlrd durch ein Telegramm bestätigt, daS die Agencs HavaS über die Schlußabstimmung des SkationalrateS mitteilt.(Ja toutH eine Tagesordnung angenommen. die besagt: Die Bildung einer entschiedenen sozialistischen Minderheit in Deutschland sei geeignet, iurt Herannahen de« Zeitpunktes.zu beschleunigen, in dem die internatio- » a l e s o z i a l i st i s ch e i o n sich wieder auf festen und be- stimmten Grundlagen w�cbe betätigen können. - Die Tagesordnung betont ferner, dost die Partei jede Be- zieljung mit dem hß'.t der Konferenz in Z i m m e r w a l d ein- gesetzten Ausschuß ablehnt und dag sie gegen jeden Versuch protestiert, dem. sr-kher in Brüssel und gegenwärtig im Haag be- stehenden Internationalen Bureau ein anderes zu substituieren. Für diekjp Tagesordnung wurden 1096 Stimmen abgegeben, dagegen Olfy Stimmen. Ein Drittel des Nationalrates war aiso diesmal für den Anschlug an die Kon- sercnz von Zimmer Wald. Die Minderheit hat also seit dem letzten großen Parteitag im Dezember stark zu- g S n o m m e n.* Zwei Momente geben demnach der Tagung des französischen Nationalrates ihr Gepräge. Einerseits daS Z u r ü ck w e i ch e n der durch die Partciinstanzen verkörperten und durch die sozialistischen Minister beeinflußten, M« h r h e i t die sich bisher einer Wieder- anknllpfung der internationalen Beziehungen zum Zweck einer g e- meiizfa men s o z i a Ii sti s ch e n A kti o n entschieden widersetzt hat. Allerdings ist der durch HavaS mitgeteilte PafluS der hcschlosienen� Algesordnung reichlich unklar, und man wird abwarten müssen, welche praktischen Schritte der französische Rationalrat beschlossen hat, um seinerseits„das Herannahen des Zeitpunktes zu beschleunigen, in dem die internationale sozia- Miswe Aktion sich wieder auf festen und bestimmten Grundlagen ioird betätigen können/ Der zweite charakteristische Zug der soeben -abgeschlossenen Tagung besteht in dem starken Anwachsen der oppositionellen Minderheit. Ein Drittel des Nationalrats hat sich, nach der Meldung der»Franlf. Ztg/, gegen die Tagesordnung, d.h. gegen die unklare Fassung bezüglich der internationalen Annäherung und gegen die in der Resolution enthaltene Ablehnung des auf der Zimmer- walder Konferenz eingesetzten Ausschusses erklärt. Danach ist wohl der Schluß berechtigt, daß sich ein Drittel des Nal'onairateS für den Anschluß an die Zimmer- woildcr Konferenz Erklärt hat. Berücksichtigt man, daß noch auf dem WeihnachtSkongretz der französischen Partei, der bei allem U�bstwiegen des bureaukratischrn Charakters dieser Veranstaltupg immerhin demokratischer gestaltet war als der jetzt abgehalt� Nationalrat, die vom Genossen Bourderon ein- gebrachte i�esölution der»Zimmerwöldler* nur 76 Stimmen auf sich vereinigt�— gegen 2736, die auf die Kompromißrcsolution der RechheVt und de? Zentrums entfielen, so erkennt man. wie stark die auf dem Boden der konsequenten Anwendung der sozialistischen Grundsätze siehende Opposiiion auch in Frankreich zugenommen hat. Dem Vorgehen dieser Opposition, die namentlich in den letzten Monaten in der Presse und in Versammlungen rührig gearbeitet hat. ist es sicherlich zu danken, daß die Mehrheit deS National- rares sich zu ihrer jetzigen Stellungnahme entschlosien hat. Von dem weiteren entschlossenen Vorgehen dieser Opposition wird eS aber auch abhängen, daß der Beschluß des Nationalrats nicht den Charakter einer.Beschwichtigungsresolution* erhält, sondern eine enischeidende Etappe bildet auf dem Wege zur Wieder- Herstellung einer aktionskräftigen und arbeits- freudigen Internationale. « Tie französische Presse über den Nationalrat. Dem.Berliner Tageblatt* wird aus G rn�tekegraphiert: Als eine befriedigende Lösung will die französische Regierungs- presse den von der ministeriellen Mehrheit deS Sozialistentages mühsam durchgedrückten Beschluß nicht gelten lassen. Die„ D o b a t S* bedauern, daß man der Minorität Zu- g e st ä n d n i s s e habe machen müssen, uin gewisse Gegnerschaften nicht auf die Spitze zu treiben. Noch viel kräftiger äußert sich der Briand durchaus ergebene H e r V 6 in der„Victoire*. Er schreibt, die starke Minderheit, die sich, wenngleich nicht offen, zum Programm der Friedenskonferenz von Zimmer- w a l d bekannte, bedeute einen s-bweren Schaden für das Gesamt- inlercsse der französischen Landesverteidigung. -» Paris, 12. April.(T. U.) Das einzige Blatt, das die Tagung des Nationalratcs der sozialistischen Partei bisher be- spricht, ist der„TempS". Er gibt offen zu. daß das An- wachsen der lvt i n d e r h e t t in der sozialistischen Partei ihm gefährlich erscheine, und polemisiert gegen die Partei- leitung, die zulasse, daß immer wieder über die besonderen Friedensverhandlungen beraten werde, während es doch allein den Regierungen der Entente zukomnie. den Frieden zu zitieren. Die Zensur sorgte dafür, daß aus dieser Polemik die schärferen Auslassungen gegen den Sozialismus ausgemerzt wurden. Regelung öer örotverteilung in Frankreich. Paris, 12. April.(T. U.) In einer Versammlung der Arbeitergenossenschaft„Einheit und Arbeit" bereitete der Unter- staatssekrctär der Intendantur Threrry seine 700 Zuhörer darauf vor. daß Frankreich demnächst wahrscheinlich ge- zivungen sein werde, ein Einheitsbrot und wenn nicht die Brotkarte, so doch eine festgesetzte Brotverteilung einzuführen. Paris, 12. April.(W. T. B.) Die Senatslommission zum Studium von Höchstpreisen nahm nach Anhörung deS Ministers deS Innern einen AbänderungSantrag ClementelS an, der die Regierung zur Festsetzung von Höchstpreisen für die Kriegsdauer und für die Zeit drei Monate nach dem Kriege ermächtigt. Höchstpreise können festgesetzt werden für Zucker, Kaffee, Petroleum, Brennholz, Brennspiritus, Kartoffeln, Eier, Milch, Butter, Käse, gewisse grüne Gemüse, Dörrgcmüse, Wein, Obstwein, Margarine, Speise- fette und Speiseöle. Vanüervelöe in Lonüon. London, 12. April.(T. U.) Wie der„Labour Leader* mitteilt, hatten Bänder Velde und Huysmans, der Vorsitzende und der Generalsekretär des Internationalen sozialistischen Bureaus, als sie am Freitag vor einer Woche in London waren, eine Unterhaltung mit dem Vorstand der Unabhängigen Arbeiterpartei, den Herren Ramsay Mac Donald, Snowden und Nichardson. Englische Zrieüensarbeit. Die dänische Zeitung„Politiken" vom 5. April schreibt: „Es ist eine Tatsache, daß die Friedens- bestrebungen fortdauernd an Kraft ge- Winnen, und dies gilt ganz besonders für England. Die Repräsentanten der unabhängigen Arbeiter- Partei im englischen Parlament bekämpfen die Kriegspolitik ebenso Uebhast' und bestimmt, wie die sozialdemokratischen Ar- b eiterverbände Deutschlands. Männer wie Tnowden, Tre- velyan, Ramsah Macdonald und Byles treten lebhast dafür ein, daß England eine entscheidende Friedenspolitik einschlage und sofort Friedensverhandlungen beginne. Vollständig sicher steht es, daß diese englische njt= abhängige Arbeiterpartei rasch und ständig w ä ch st. Sie hat ihre Anhänger auch in Kreisen außerhalb der Arbeiterschaft, unter anderem in der Geistlichkeit. Zwar ist die Partei augenblicklich im Parlament noch machtlos, aber ihr Einfluß auf die öffentliche Meinung in England darf ja nicht utl tersch ätzt lv erden, In jedem Fall ist die englische unabhängige Arbeiter- Partei der Herd eitler Friedensbewegung, die auch von der Regierung berücksichtigt werden muß. Der energischen Arbeit dieser Partei ist es zu danken, daß die Zivangs- Wehrpflicht auf die Unverheirateten beschränkt blieb."(--) Russische preßstimmen über öie Zraktions- fpaltung. Die führenden Organe der russischen bürgerlichen Presse(eine Arbeiterpresse gibt es zurzeit in Rußland nicht) haben die Spaltung der deutschen ReichstagSsraktion im allgemeinen sehr ruhig hin- genommen, ohne weitgehende Schlüsse daran zu knüpfen.„Der wahre Grund der„Sezession"— schreibt die Petersburger „R e t s ch"—„ergibt sich erst, wenn man dies Ereignis im Zu- sanimenhang mit der EntWickelung der„Kriegstaktik" der deutschen Sozialdemokratie betrachtet.... Die sozialdemokratische Fraktion hat bei Beginn des Krieges die patriotische Einheit des Reichstags nicht gestört. Auch damals gab eS in ihrer Mitte Dissidenten, sie unterordneten sich aber der Mehrheit und befolgten das Gebot des Schweigens. In den 20 Krieg-monaten hat die Minderheit sich allmählich von ihrer Abhängigkeit von der Mehrheit befreit und sich das Recht erkämpft, selbständig auszutt�wn...." „Es unterliegt keinem Zweisei"— fahrt das Blatt fort—,„daß der Abg. Haase und seine nächsten Gesinnungsfreunde schon am Tage der Kriegserklärung ebenso glühende Friedensfreunde waren, wie heute. Damals jedoch wurden sie von Erwägungen des natio- nalcn und Parteipatriotismus vom„Aufruhr" zurückgehalten. In der Fraktion herrschte schon damals keine organische Einheit. Mein der äußere Druck war so stark, daß er den Mangel inneren Zu- sammenhangs durchaus ersetzte...." Das Moskauer Professorenblatt„R u ß k i j a W j e d o m o st i" widmet der Spaltung einen großen Leitartiksl. lieber das Kräfteverhältnis der beiden Fraktionen äußert sich das Blatt folgender- maßen:„Die in der alten Fraktion verbliebenen Abgeordneten re- präsentieren natürlich die Stimmung eines bestimmten Teiles der deutschen Arbeiterklasse. Allein auch den Dissidenten, unter denen sich solche autorative Namen wie Bernstein, Haase, Lcdebour usw. befinden, kann keineswegs nur deshalb, weil sie sich in dieser Fraktion in der Minderheit erwiesen, das Recht abgesprochen wer- den, als Vertreter des deutschen PwletariatS zu gelten. Eine ein- heitliche sozialdemokratische Fraktion gibt es zurzeit nicht mehr; es gibt nun zwei Gruppen, die in fast allen scharfen Fragen des poli- tischen Augenblicks voneinander abweichen. Welche dieser Gruppen die unter den Krie�Sbedingungen herrschenden Anschauungen in der Partei richtiger wiedergibt, entzieht sich der Feststellung. Nur ein Parteitag kann eine solche Frage mit voller Autorität beantworten. v,. Anscheinend mutz der Einfluß beider Gruppen in der Partei für den jetzigen Augenblick einander annähernd gleichgestellt werden. Dieses Kräfteverhältnis wird natürlich picht unverändert bleiben. In welcher Richtung es sich in der nächsten Zukunft fortbewegen wird, hängt sowohl von den inneren Verhältnissen Deutschlands, namentlich von den Wirffchaftsverhältnissen ab, wie von der inter- nationalen Lage des Reiches. In der letzten Zeit waren diese Ver- Hältnisse im allgemeinen der Linken günstig, und die ganze Eni- Wickelung der deutschen Sozialdemokratie vom Kriegsausbruch bis zum März 1916 kann charakterisiert werden als ein Prozeß all- mählichen Erwachens und Anwachsens der Opposition gegen die deutsch-imperialistische Strömung, die ansang? auf der ganzen Linie triumphiert hat... Zur Verabschieöung ües rujsischen Kriegs- mmisiers. Der Petersburger Korrespondent des streng konser- vativen Kiewer Blattes„K i j e w l j a n i n", das sich in den letzten Jahren durch eine gewisse Selbständigkeit des Urteils auszeichnet, schilderte kürzlich die Umtriebe in den„maß- gebenden" politischen Kreisen der russischen Hauptstadt mit folgenden bitteren Worten: „Die Fragen der Staatsverwaltung vermengen sich hier mit einem politischen Jntrigenwesen; es beginnt eine Liebe- dienerei vor jedem Subalternbeamten, wenn dieser in der Lage ist, einen Dienst zu erweisen; der Boden schwankt unter den Füßen. Ringsum sind Dutzende einander hassender Salons, die danach gieren, die Schicksale Rußlands zu bestimmen; von allen Seiten werden Ratschläge erteilt, ver- hüllte Drohungen ausgesprochen, Mitwirkung und Dienst- leistungen offeriert... In den letzten zwei, drei Monaten— fährt der Korrespondent fort— hat sich die innere Politik in Petersburg iu einen Knäuel au? tönenden Worten, zufälligen Verfügungen, Phrasen- haften Versprechungen verwandelt. Das Ministerkabinett wurde von den unsinnigstcu Gerüchten umschwirrt; von irgendwoher tauchten dunkle Persönlichkeiten auf, die sich in Gnaden spen- dende und Strafen austeilende Olympier verwandelten---- Korrekte Beamte, Feinde der Liebedienerei, wurden von plötzlich aufgetauchten Abenteurern verdrängt, die mit demselben Eifer kostsumgeiiossenschaftliche Läden eröffneten, wie sie informa- torische Notizen für die Presse zusammenstellten oder Fabriken und Banken revidierton. Das Chaos wurde noch durch die Tat- fache verstäikt, daß jode Grenze zwischen dem Zu- lässigen und Strafbaren verwischt wurde; niemand wußte, was geschahen s»lle, wessen Bestimmungen maßgebsnd seien usw. Im Verlauf von fünf Monaten fanden auf den 23 wichtigsten Posten deS Ministoriums des Innern 15 Personen- Wechsel statt, während von 167 Gouverneuren und General- gouverneuren 88 gewechselt wurden, wobei in einigen Städten die Spitzen der Verwaltung zweimal monatlich erneuert wurden." Die wiedergegebene Schilderung, die offensichtlich aus den Kreisen der alten konservativen Bureaukratie stammt, die bei dem jetzigen Hexentanz in den Regierungskrcisen in den Hintergrund gedrängt Wird, richtet sich vor allem gegen die Zustände im Ministerium des Innern unter der Leitung des jetzt verabschiedeten Ministers Chwostow, der färben- prächtigsten Blüte im russischen Regierungssumpf. Allein auch in den anderen Ministerien sind die Verhältnisse nicht viel besser, lieber den Ressorts stehen die Intrigen und die Einflüsse der verschiedenen politischen„Salons", in denen die Hof- und Beamtcnaristokratie mit Abenteurern,„Wun- dcrtätenl", Börsenmännern usw. konspiriert. Die Umtriebe in diesen Kreisen haben zuletzt auch die plötzliche Vcradschie- dung des Kriegsministers Poliwanow herbeigeführt, über deren wahre. Gründe die Oeffentlichkeit noch fast völlig im Dunkeln tappt.„Die einen— schreibt das Moskauer libc- rale Blatt„Rußkija Wjedomosti"— stellen die Verabschiedung General Poliwanows in Verbindung mit den(freundschaftlichen) Beziehungen, die sich zwischen ihm und der Reichs- duma herausgebildet hatten, andere weisen auf die Unzu- sriedenheit hin, die durch die letzten Maßnahmen General Poliwanoivs im Kreise der Personen hervorgeoufen wurde, die an den Geschäften der Putilow-Werke beteiligt sind. Es Heißt, man sei ist inZustriellen Kreisen überhaupt mit den neuen Anschauungen General Poliwanows über die Be- Ziehungen zwischen Arbeit und Kapital un» zufrieden gewesen. Schreibt man doch in diesen Kreisen so- gar die Erörterung der Frage über Einigungsämter und Regelung der Arbeitslöhne seinem Einflüsse zu."_ Diese Mitteilungen des in der Regel gut informierten Blattes ergänzen die Schilderung des politischen Intrigen- Wesens in Petersburg von einer neuen Seite. Wurde die zuvorkommende Haltung des Kriegsministers � gegen' die Duma und die gesellschaftlichen Verbände schon längst in den „Salons" mit scheelen Augen angesehen, so führte offenbar das durch den Aus st and der Putilow-Werke not- wendig gewordene Entgegenkommen gegen die Forderungen. der Arbeiter den Sturz des Ministers herbei. Sein Koket- tieren mit den liberalen Parteiführern konnte noch zur Not hingenommen werden, zumal man die gesellschaftlichen Ver- bände und ihre liberalen Wortführer„im Interesse der Lau- desVerteidigung" dringend brauchte. Als aber durch die ssiot- wendig gewordenen Maßnahmen zur Beilegung des Streiks der Munitionsarbeiter der Profit bedroht wurde, ver- kündeten sich die Unternehmer mit den an den Kriegsliefe» rungen interessierten„dunklen Existenzen", um mit ihrer Hilfe die politische Unzufriedenheit der„Salons" gegen,.de» Kriegsmimster zu mobilisieren. In der Unzufriedenheit der liberalen Presse und den scharfen Worten der Verurteilung. die die Parteiführer dem letzten Ministerwechsel spenden, kommt die Empörung des Bürgertums über das Treiben der unverantwortlichen Kreise deutlich zum Ausdruck. Solange aber das liberale Bürgertum, seine parlamentarischen Wort- führcr und seine Presse sich lediglich dazu hergeben, den Sumpf der politischen Reaktion und Korruption im Interesse des„Burgfriedens" und des„endgültigen Sieges" zu maß- kieren, verhallen ihre Entrüstungsrufe ungehört. Gar nicht zu reden davon, daß die„arbeiterfreundlichen" Mahnungen der liberalen Abgeordneten und ihrer Presse angesichts ihrer Abhängigkeit von'den kapitalkräftigen Schichten des Bürger- tums nur von politischen Kindsköpfen ernst genommen werden können.(z) Rücktritt öes portugiesischen Nimsteriums. Lissabon, 12. April.(33. T. 33.) Nach Blättermcldungen hat der Ministerpräsident ein Rücktrittsgesuch deS ganzen Ministeriums eingereicht. Das Ergebnis öer spanischen Wahlen. Madrid, 12. April. ldtüiibl�ltte n die Ä?si'e.'"Zne�il HöH' und Ttncklen beteitigien" E5 drebte ü eer allen Tinyen darum, niif»! die WedenÄoK'le der MVNiMn eieiefteeien'endeen d'e VeMtb M'-.inrn, die stb jetzt id.i Kriege beziehe!!. Ter MtzMe�reW und auch der Ver: reter de? KriegsniiNnleriutn� Mktztk MMPiAen dafür ein. an dieser svasstülg uiAtck zi! Attzern'. Von den AoziMckmvik'rd.tcn/ de:».'jenrrniu:-nb den AKtsipritiserü Mürde dotee.s hingewiesen. daZ e? ei. e Miz bennidere Ünyerechtigkeit iHStSf,'.denn inen Sie beben Nezlinü der ot ennenNNNie".�niedbriell bei der Ver-nlndting! zv.r StcttzT tiitln'i'b'iet lalltet Hi-rde. Ter lSrfbtg der Ti?5nHion necrr S"?, da?, die Wurie:«in Höbe der A-iedenv-?'üzd" ae�iriebeN itmVdck, so Sri nuii'.nehr als Einlommrn die vollen MztM SsM�iWiztz werden NÜtn"I. 3; S? 17— Zll wnrden olin« we'ei.tiickie ÄS-M' MMllMM —?.r Ver.nnNnen wondien W nun See IisutePsKch'. SSr Gv'e?.- stboNrn zu..Hiev web dev J 22»niaff«; längeren.'! iSsiUMder- letzutinen. Zie'or Varanrapb regel:' die AeidstWnnz Sr� MlSrollülh- tinen Mid'e.'e.vittliSA der MVIlnbonv!?. 7azu denen sinck gMM dteiSc «iViirästt vor. n. ff. ein MÄW'd«� j« eine' zanzl neue Mruüdlnge' r.'.' Veranionnng sAa�en woiire. GegckN SiSseu Vor- Mag.....-;; nv.'j Aozl HvS. weil ote.'Mtr.lick Snreb•:•;• nsS ooeniKr an Zleurrn erreiwt iverde. ob? durch die Vrsinnr".™? m S".nvut?fck. Tis sdr" ry oer:t!?gi?ruugK»r7azS SeZ 5 22' wai'do lMn dilSch fol-MdS Fa'Vntg rr'etzr: Kr die.che'MMW»ed ffrnSrpsiichiigSn OMMWSß wird der s'nrch'wnir..i.'e frühere Go'Mft�zÄvinn nn: der NaftozS» 5e> reckneti. saH für d'e WSeMWf die drei den ff:'."chftiHMHahren vornn.argnngvnen ök'nftrrii.'.fvr? nniMe' end nnd.\nt TferrchtW i-'r f.-%clogr, Satz, MW in e?n SvftwzegMMM ÄeschäMjahsen (•■' Vorinekrunz deZ eingv-phlrenh>e.°ilen tritt em'Sfdtti fe# ffrllWt'» i Üti bcr Gvno�n. Tie JetatnrrM werden«rckt OonuetKa'Z �Mgesetzi. OZMngsft«mp«l mt) ümfaP.p.m if( freie KeichStckASh-MMfstckB. In'StZrnck der UittwöchZnHnng?Sa der irr der Ifktfit �chön aua rindiff? KeföfreMMsKM, der an die Stelle freß! afrßLMinen Qttitmnge l.ein»itks' eintK V a t e n n tn? et s ft L K K e l fkHSn Wir, in �erin eine- AnkSMs Äl s l l e ltafr ck! dck Hr. S&qffif&t&t J�Cirftfich etflSr'e'dor LrNkritt in drf SttatNNZ. fi iSMit g!t* «Ach.!! rwv'rrt Änkrckg keine EteklnNg NehiNeN, sstidekn tnüfi? die Tt.'b..;• der V.ertkien abwarten. Tonn er't MiP/fl fli» fr?«' Verbündeten bkeZietirngen MSsftät zu Nrachnn daSeck. flu? Z'oiJ schlag de->."efoeenken Te. sznnck wurde ZelnKchst trotz der narn Gen. A? o k t e n K« h r erbsbeneN AeschäittordnnNgKNAchig'en Dgl» denken nicht in Sie' Beratung de-ö SeeFkttNNKlknrackfM. sondern de.? neuen VnrtckKZ einaetk�en. Ktuh-attF A.f tzegrSnS« diesen Vntra» Lahrend der AeatttnngSenkunrts Men GeMntkafr Ntrs l.'l rgfs hei S-cttKgen von Ib-itö A.,«it 30 fn S« NlM«!? zyy K. W?n vdvr-Gemeinden«nS den if,ucn üUßetoiefeneft Möttßen niii�iiucr'B�jcn, Die Kotitn«ina!octöäubc silkd i?lkr Festsetzung von H o üi KipT t i'f e ft fü r SS etl rauÄSz u-cke»! verpflichtet. Tic!>'.o«iTOiKrtveiflHM;d0 nnd Gemeinden können auf die von Privaten c i n g&7z a m nette n Mengen, fowsit fie kv Kilo- granmi übersteigen, zurückgreifen. Verweigern die vriodkon Besitzer die lleberlassung. so kann ihnen daS Eigentum durch Beschlusz' der zuständigen Bi�chörde entzogen werden. Bei den überstattlichini »Reterven" wdmcher Hau�haittnigen wird die Anwendung der Er- werbtbefu'isis vselloch«m Pttttze idin. Jedenfalls wiirdön'bei dibt .siiterlun �siion Zitckec die vorboNdenen HaliShaltSvorräte berücksichtigt werden�, Nissen. �jCie Rcichszuckerstelid wird— nach Vorschrift de? Reichs- kar,KerS— auch für die»nckerverarbeiteildtti gewerblichen Betriebe '.Siorc für die Lieferungen an die Heeres- inid Martnevcrioaltung sivezugSscheiWe ausstellen. Der b e z n gS f che in f rei'e Zucker- Handel bistn dtarit-völlig ctstf; nin innerhakb ddr von den KvrN- »nundlvstHiinden-oder Gdtnemdon vvrgeftdrie'benen VerteilNngS- regeSung darf Zucker obnc Bezugsschein abgefetzt und bezogen werden. Die Zluoeifungen an die-vöravbostdnden Bistviebe Werden Vach der BedarfSdrinslichkeir erfolgen. Die Belanntmachung dcd Bundesrats ordnet eine Zucker- b e f: a n d Snvf Nahrn«'fSr best S5. ÄprA«N. Anch PrivMhmld- bailNiioen haben idre Vorräte, ststveil sie 10 Kikvgramm übersteigen, anzuzeigen. An? die Zückerfabrikcn erflve�t sich diese Ätsisiahme. nicht, �ic Tchmalz'tvpfe der Hänevst. ?lin Tonntbg. bcit kst Uprsil. fand in NemvSnstVr dind Berianrtrt- kiing der IgSemvänbtcr der Prvvinz Echwdwig-Hvistrin siatt. WS über die ÄKvvSiststnGeiGranng der Provinz derchätikM tWlrtt.Mttch Stadtrat Llias in Schleswig, der an der Spitze deS AnSschusieS für Lel-eiisniittesverVV-gnng ddr Stadt sieht, folgenden Wd, best Vi an den HänfMurd KerWÄ chsil: ..üüic uns bekannt ist, wächst die Zettknappbcit in den Großstädten von Tag zu Tag. Dagegen kann in hrchtm Gegend Nvs dem Lande von einer Fetlknapphcit vschtsidftwochdnweidkN, im Gegenteil, beiden B.Nrern herrscht hier sogar noch grrch°er Äesirr�ln�. So hakten wir vor inrztNt Nut elNM vechidlNwndcN Landwirte eine SNMiMtM, worin dieser sagte, daß die Killer der Landleutii ii b r; v o II v o N Schmvl z, Kt'tk. Ghcck, KleifchwärdN Iii». Ivanen, Nnd daß, wenn htir ein« Befthlagnahine eivgefähri 'würde, außrroldeniiichc Mengen zutage gefördert werden könnten. .L ei euugeii Battetn Künden sogar noch vorfährig« Schmak'?ov?e, die bereits mit Schimmelpilzen bedbckl feiin. Lrtitt. die fvnsi< Schweine einfchlaäuctcii» haben in dirieNt Jahre mindestens N— Z Schweine emge a iachrer.... Wir schätzen, daß in unierm Kreis« ohne Mähe ein« Halde Million Psimd Fettigkeiten Hera uSgeh oft werden fönnken. und follicN wir wirklich zu hoch gegriffen Haben, so stehl rS dennoch fest, daß»ni dem LiNtde weit mehr Fettigkeiten stecken, ali gedacht wird,«ach w.ferct Ansicht ist« iw Ihwrist« Äliscret Mikmenkchev unbedingt itölig, daß hierin LSandel geschaffen wird und hielten wir cS für angebracht, wenn der Hansabund dieserhalb bei der Königl. Liegiening«itMmi dvtsiefftg würde." Dieser Brie? Ivttidt von dct Versammlung mit großer Anf- mcrl'ainkcit uvd ciiicm sehr hcredlev Schweigen aufgenomnien. Auch sonst bot die Verhandlung manche« recht gnirrrffaNte. Ev führte der Vertreter der Regierung in der Aussprache auS, das Kleingewerbe solle eine Acndcrung der Gewerbeordnung dahin an- stredr«, daß auch die Kleinkauffrute ZwangSimmngen errichten könnten. Den»großen BefähigNngSnachwetS-' könnten sie nicht er- reichen» Wohl aber sollten sit ihr Augenmerk nach dtNt Muster de« Handwerks auf den kleinen richten. Die Kapitalisierung der Renten der Kriegsbeschädigten sei Mit gvoßet Vorsicht zu bebandeln, weil sonst dein KleinhandtlSstNNd Vieth Ungenügend Vorgebildete Kräfte zugeführt würden. Knappheit, Teuerung und Verbraucher. Der halbamUiche„Mchrschkvttdwstst für Ernähntwghsivsiest" schreibt: Zur die LebenShültUnsi bei Konsnntenten reduzieren sich die Verhältnisse in nnsercr MhrnngHtvirtschäst nnf drei istrnnh. tatsachen: Er muß sich einschränken, er Mtttz teuer bezahle N> und ev erhält oft genug schlechte Wäre. Wer des Verhalten der verbrNttcheNden Massen beobachtet, kann derfchiedene Arten der Stimmung diesen Umständen gegenitber feststellen. Ziemlich allgemein läßt sich sagen t Wo Teuerung. Entbehrung und schlechte Ware allgemeiu als»lNverNteioliche,„uatürliche" Begleit- rrscheitluilgett des Kriege? aufgesagt> vorden, sindet sich der Verbraucher, oft genug Mit gutem tzuMor, m? Unvermeid- lichc. Wattn hat je da? Verschwinden der frischen Brötchen iZiiipöruug und tiefgehende EutrsistüNg erweckt? Man be» griff die Notwendigkeit. Und fand sich mit ihr ab. Dasselbe gilt fiir die Minderung der Gsite des Brote?. Anders dagegen, wo die Verbraucher an die Notwendigkeit von Verteuerung und Entbehrung sticht glauben konuwn. ettva bei Zucker und lkartoffeln. Da nahm die Erregung wastchmal sehr scharfe Farmen an, die Angriffe richteten sich gegen Erzeuger und Händler, denen ahne weiteres Wucher und Zurückhaltung vorgeworfen tvurdc, und gegen die Behörden, die Nicht eingriffetl. Die Verbtttttcher sind allzu leicht geneigt, den Bruchteil Ochuld an Ent- behruNg und Teuerung zu übersehen, der sie selbst trifft, und jene Ursachen von Tenerutlg Ut'.d Knappheit nicht zn beachten, die notwendig, ganz ansantsch und nur d u r ch r ad ikale Gewaltkuren überlvindbar, aus der Grundverfassung unterer Volkswirtschaft heraus MchM.. (Jegctr diesen B r rr ch t e i l eigener Schuld der«er- braucher« Einhamstert,. Ueberbieten) läust der Siachrtchtendienst in seinen wetteren Ausführungen Sturm. Er spielt aber gcgcitüber den anderen Ursachen der Knappheit und Teuerung keine»euneustverte Nolle. Würde man sich zu den„radikalen «Äcioaltkureu" entschließen, so würde er ebenfalls verschwinden. Jedenfalls kann man nicht von einer„notwendigen' Teuerung reden, solange nicht einmal die milderen Mittel der Abhilfe von den Behörden ängeivandt worden sind. Tie Nahrungsmittelversvrgung im dritten Kriegswinter. Der AohrungSmillelauSüduß de« Deutsche» Städte- tage« hielt am Ditnstag im Berliner Ratbaute eine Sitzung ab, um darüber zu beraten,»Vit die zahlreichen Widerwärtigkctleii. die im Verlaufe dieses Krieges in bezog auf die AuhrungZinittel- vvrsorgung itaineutlich der üroßstädliichen Bevölkerung eingetreten sind, in Zukunft und besonder« nach der diesjährigen Ernte be- ieiligl werden tonnen. In der Sitzung wurde«wt Eingabe an die ReichSregicrung befchlosien, deren Hauptinhalt der Hinioeis auf d!t dringende Notwendigkeit ist. unter Benutzung aller bisherigen Erfahrungen schon jetzt eine umfassende B o r s o r g e für die Ernährung der städtischen Bevölkerung im nächsten Erntejahr zu treffen,«nßeidem hat der Städtetag noch an die SieichSfleischstelle und die zuständigen Behörden»ine Eingäbt gmchUt, in der darum gebeicn wird, eine gestauc Fesifiellnng affer l in der M> Druckfehlcrberichtigimg. Ist dem Artikel.Die Pariser Koni- Mune' in der MontagtNmimerpdeS.VcststvSriS�besindct sich ein sinn- entstellender Druckfehler.'Ed ststi� dort w der dritten Spalte heißen:„Mehr noch: M die Kdmmune ihvest tödlichen Zwei- kämpf mit Versailles austwht?� vermachte fit den Arbeitern der ganzen Welt ihr foztaM Ideall.. Sekenntnijle öes Henvstea Harnisch. In Übt füÖWll erschienenen Schrift:„Tiez�dentschv Sozialdeme. lraiie in tistd stach deist Weltkriege" legt Ge Zope Öä estisch inter- rssante BekennlkW von ffiner innechst Wstn�lststg ad, die beträchtsich abstechen von jener anderen LeSart mavther Mehryviloänhänger, nach der die Snzialdestwtzeatte auch währe/d de? Kriege« ganz die alte geMeoest seist M. Fstr HNdstisch sowom wie feste ststderen seiner 'Gefinnustgsgenofsen sind folgende Stellen ßän« Haenifch« Broschüre sehr interessant:.. � „Leicht ist dietz iffmgest zMier Seelchi ist der einen Bimst wvhi keinem vost NstS geworden. Darf fcrt'AtiJbt hiev vistsstä! eine gewisir instere Scheu zu überwinden siechen nnd� einen Augenblick von sich selbst redest nstd darf er dadeVtraS d-än Nstverföitlnbest„wir" über- Dben Ist das stststlMWättv vdst Htvlest/fsmstivstdv..tch"f Mn. dästst möchte ich hier sagen: Um alles in der Welt möchte ich jene Tage inneven.Kampfe? nicht noch-emsttstlodvrchldVöst. TiefeS drängend� heiße Sehnest, sich hlstemzstsin�zttv Anödest getvasiigen Ärstist dir ail- gemeinen nstlidstalest Hochffstt Nsd vost der änderen Seife htt dW furchtbare feelifche Angst, diefemtz Sehnen rückhaltlos zu folgen, der Slstststiststst gästß sich dinzn-Mstf die ristO stA Vistest herstist Vväüsie und brandete, und die, sah tMtNPich ganz tief ins Herz hinein, auch vom eigenen Innern ja längftckfchon/Besitz ergriffen hatte Tiefe Angst: wirst Du a«h nichl znm Holumken Fast Hsv seldsi ststd Deister Sächt— darfst Tu auch so suhlen, wie•» Dir um« HerZ ist? BiS dann— ich vergesse den Tag ststd die'Stzgstde sticht— plvtziich die furchihd« Spoststiing sich iöslv, bitz nrost w taglt» das Zn sein, wall Man doch sstgr, big man— alltst trsia rriestl PvistZ ipM Und hölzervest Thevritst zum Trotz— zum ersten Male/»um ersten Male seit'asi einem Vietteffahrchststderl witdtvll stUsOwlle« Herzest. Mit gutem Gcwiffen ststd ohne jede Astgst. dad«rch'MM Verräter zu werdest., eiststimmen dvrsiv ist den bravsestdest.' Slnristgesästg: Drulschlästd, Dentschlastd übte sttleksl"........• „Wir habest Ust« in dieser Schrift nach Kräften bemüht, der sozdaldemelratischest Minderheit und ihren Führern alle nur denkbare Ge rechts glefit widerfahren Zu laffrst. Immer wieder haben wir sie gegen die Verdächsigustg ihrer Motive Nstd gegen die Verunglimpfung ihrer Person in Schutz genommen. Dennoch müssen wir"sagen: so tief schmerzlich diese letzten Ereig- nisse sind—«8 ist gut, daß e S so gekommen ist! Für den Augenblick wirkt die Fraktionstrennung wie ein reinigen- des Gewitter. Tie sozialistische Luft war seit Mvstaten überladen mit elektrischer Spannung, Vit Atmosphäre war schlechlerhistgs nner» träglich geworden— die Estiladung kam, weil sie lostimen mutzte! -Es war ein durchaus nttmögficher Zustaüd, ist deM wir Zületzt lebten, und nirgends vielleicht füWlc Män da« iieftr ä l ß i'M preußischen Abgeordnet e.n hau«. Istiisttr wirdtv ist eZ da dem Schreiber dieser Zeilen so gegaugtst, d.ih, sobald KriogSsragen nstd die große Not de8 Vaterlandes behandelt wurden, er innerlich Hch den Weinhausen und Pach nicke, den Campe und Fried» berg, ja sogar noch weiter rechts st ehenden Gegnern im Grunde weit mehr verbunden fühlte als den Liebknecht und Ströbel, den Adolf Hoffmann und Hofer. Da hat man denn wohl mehr als einmal den Sitzungssaal verlaffen, um nicht auch offen den Gegnern gegen die eigenen Fraktionskollegen recht geben zu müssen.... Das war ein un- würdiger und innerlich unwahrer Zustand, dem so oder so ein Ende gemacht werden mutzte. Nun ist die Zeit der faulen Kompromffse vor- bei, nun hat jeder Teil seine volle Aktionskraft erlangt und kann, un- gehemmt durch die nervcnzermürbenden inneren Reibungen der hinter unS liegenden Tage, feine Politik tteiben, d i e Politik, wie sie Pflicht und Gewissen vorschreiben.,•.»' Soziales. Das Tascheiizeld de« Kriegers. Zn, Ktt'iiipiiorvlbotriobe der Mrina Grund mar cin Meister IE Jahre beschüftigt. Er wurde zum Militär eingezogen, auf Reklamation bell Arbeitgebers zehn Tage beurlaubt, um einen Nachfolger heranzubilden. Auch fpäivr venuandte dcr� eingezogene Meister, so lange er noch hier in Garnison'hvar, seine freie Zeit dazu, unz in der ZUewPrterei feines lang- jährigen Arbeitgebers nach dem Rechten zu sehen. Infolge eines Abkommens mit dem Arbeitgeber erhielt der Kleister. als er Soldat ivar, von Grund ein Taschengeld voll 5 Mark wöchentlich, wofür keilte Gegenleistung beansprucht tvurdc. Bis Ende Dezember erhielt der Soldat regelmäßig die 5 M. £awi blieb die Zahlung au?'. Der Meister, der noch Seldat ist. klagte beim I n u u n g 8. schiedSgericht auf Zahlung zunächst für Januar ststd Februar. Er behauptete, der Bekiagte habe ihm ausdrücklich versprachest, daS Taschengeld so lange zu zahlen, wie er, der Kläger. Soidät sei, und tvenn der Krieg noch jabretang dauert» sollte.— Der Beklagte be« stritt dagegen, ein bindendes Bersprvckten gegeben zu hoben, und meinte,«t Hab« die Weiterzahlung«nterlassttst weit der Kläger«int abfällige Bemerkung über den Beklagten gemacht habe,—. Nachdem -ein PergleichSvorwch des Vorsitzenden ergeöMldS geblieben war. wies das Schiedsgericht'die Klage wegen il n z u st ä» d i g i e i t ab. Werl es sich Nicht lim vine Forderung aus dem LohitverhnltniS, fon- dern um die'Gewährung eines Taschengeldes handle. Wenn man btllio.c Arbeiter beschäftigt. Schlosscrmeisler Suolke stellte einen ungelernten Arbeiter, der ichon früher zu des Meisters Zufriedenheit bei ihm Granaten gedreh lsatlo, wieder auf Granatcndrehcn ein und zahlte ihm 50 Pf.' Stil'ndrrrkohn, Diesmal Hönde!!« cS sich Übet um eine andere Art Grcmlltcht, die anders bethandeit werden Mußten, wie im ersten Falle. Ein gelernter Dreher, der jetzt nicht für 80 Pf. Stundenlohn zu haben ist, würde Mm Ultterschied im Material natürlich bemerkt und die Arbeit dcmeniiprechcnd behandelt haben. Ter ungelernte Arbeiter wußte'nichts davvü. So tniU es, daß er zehn Granaten verpfuschte. Dem Ärbengcbkr ei:!s!anS dadurch ein Materialschaden von 1Ö0 M. Deshalb zahlte er dein Arbeiter einen Nestlohn«von o M. sticht ttsts. Tiejest fdr�etit det Ätbtiitt bot dtztit IiistungS- schiedSgericht. Tet Vorsitzende hielt dem Beklagten vor, er wurde den Schäden woht nicht gehabt Heibert, Krntr er statt des un- gejftvntest Arbeiter« eisten Tithet init ettisprechestd höherem Lohn cistgestellt hätte. B-enst man einen Ungeiernten Arbeiter mit Dreher» arbeil beschäftigt, so sei bai!>itst:er cii'i Risiko fui best Arbeitgeber. — Ter Beltchgle fölgitz ßcm'Rät de« Vorsitzende!! tittfi zahlte dem Kksiger im VerglelchSttzegti ä Bl, Act.llls Heilmittel. Mit dcx Frage, vb Eier als Hcilrttitiel in: krankenkaffcn- technischen Sintttz angesehen ivcrdeU können, hatte sich das ObvtverfntieNlrtisöüMt in der Vkrtifstnissistsirtstz zti beschäftigen. Der Kassrnarzt der beklagten Velriebtkrankeitkasse hatte einem stassenpntienieii. der stn einem MvgcstletdeN erkranit war, 4—7 rohe Eier piv Tstg stir die Zeii vors drei Wochen IterWriebett.� Hierdurch ettducktz der Kasse eine Koffenlast von 18 M. Die Kasse, die sich den Betrag zu zvhjcn weigerte, mächte gctiistd. Eitr kvmitcn nicht als Heilinutel gelwir, eS gebe auch dafür gsniigend medizinische Ersatzmittel, die einem kranken Magen sicherlich zuträglicher loaren, als t— 7 Eier täglich.— DäS BersichcrungSantt verurteilte die Kasse zur Bezahlung Vtr Eieriür und das Oberversiche- r n ii g S a m t bestätigte dieses Urteil. Vom Arzt ver- schriebene Eier seien zweifellos als»Heilmittels' auzuscberr. Soweit sie Vom Kassertarzt vervrdnii würden, müßtest dr:«i: ZU'sieu auch von der Kstsse N tragest t ver den. Nicht itbetsiskütisch) vcrwaktcie ffaffest hätten ihrer Kasse öiittff sotckst pnbetvchkigte Weiterung picht VititzN Prvzeß und Unnütze Kvsietl verursa-iff. Gerichtszeitung. �id Vc'rsttwmiilNsisVdsädbWsttz ddtz DvdrSdftljlshabcrS. Bekanntlich ist Gettosse 2c t ö vost der Nrtklage, die Verordnung des ddö'ckesShlStzäderS ist Söst Mätkdst verletzt zu haben, vom Schöffengericht und von der Strafkammer »tet gesprochen, stsitil die VerordnUstg nach Astsicht vcwer- Ge» lichte sticht rechtsgültig ist.(siegest das srdisPMchcstdc Urteil rtm März siat nun der Erste StasttHststwalt bdiist Land- gericht lll, Ök oirnet Justiz rat(sie eitel, Revision eingelegt. m NÄisiöst Wird tistj sv\m\m Etfvtg hädest köststEst, als die Verordnung des Oberbefehlshabers inzwischen von ihm selbst vufgehoben und durch eiue ander« vom 19. März(am M, März von ststs veröfsestUicht) ersetzt iff. Nach tz L des ReichSstrafgbfMitchs kchl dief« neue Verordnung keine riick» wirkende Kraft. Nach 8'2 des StMckstrasiMtzSUW kastst tiue Handlultg nur dann Nlit Strafe belegt werdest, wentt diese Strafe gesetzlich bestimmt war, bevor die Handlung ve» gangen»vllrde. Es dtirstc ist der Revisionsinstanz die Frei- sprecht» im bestäligt ivetdost, ohne daß die inleressastle Frage der RechtsgtiUigkeit der ansgehobestest Vervrdstststg VvM ülammrvgenchl geprüft werden Mkd.(s) Verpstichttlstg aller Gastwirte ZUM Allöhaag ded Schlag- sahnrverbvts. Die Vekaststtntachttstg des Bundesrat? vom 3. Septelnber Iffisi enthält im tf 1 unter Ziffer 2 ras Verbot des Verkaufs von Sch tag sa liste im Kleinhandel, istsbesvndere ist Milch. läden> Kostditoreiest» Bäckereien. Gast». Schanl. und Sveisewirtfchaftost. sowie ist ErfristsstMasräMuen. Und nach ZiÜer« des s j darf Sahne ist Kanditoreien, Bäckereien, Gast»» Sckchstk- und Sveifewirtschaftest. sowie in ErftischUstgsrättlnen sticht verabfolgt tverdest.— ch-i bestimmt ferner:„Tie tlstterttebirter haben einen Abdruck dieser Ver» ardnung in ihren Verkaufs» sind Betriebsräumest avszu- hängen." Vost der Anstegnich diese? s 4 i»n Znsanmresthaug mit den übrigen Bestimmustgen der Verordnung des Bundesrats Mstg der Ästsgang eines Strafverfahren? ab, das gegen den(siasstvirt Hennig angestrengt worden war, weit er kein Exemplar der Verowttuna in seiner Wirtschaft anSgehängt � �Der gluyeklagte hielt sich au« zwei Gründen nicht für strafbar. Ersten« l-andte rS sich bei seiner Wirffchaft UM eist etuhache? Lokal, itw u i ein a l s Scl-Iagsabue oder Sähsttz verabreicht worden sei. Deshalb finde die BerordNung auf seinen Bettieb, keine AMvru- duug. Nud zwcücnS sei ihm von der Behörde kein EheMMr der Pervrbmtng zstgeftellt worden. Er Ncwste an, daß rr sticht o«- pflichtet geweitn e!. sich auf feiste Kosirn ein Ereuwlar der Vcr- ovdstustg zst r-rfchaftew Da? Landgericht Berti st Ut verar. teilte jedoch den Ang-Nagr-n weg est Uuwrlaffut'.g de««»»«Hangs. Da« K a m tsthrg er t ch t bestätigt«an» 7. b..R. das ur- teil»nii sola ender Beg r ü nd u u g: Ter t? r der Buirdeö- rai-veeordnstug besage, daß in bestimmtest Äetriev-tt, worunter sich auch Gast- u>rd Schauüoivtschasteu befinden. Sahne oder Schlag- fafine tiicht verkauft veziehNUgsweise verabreicht werden darf. Wenn stün ist den soigestdcst Paragraphen, so ist h t»wt seiner Bestim- Mung Aber den Au-Hang, vom„Iluiernehmer" diö Rede sei, so sind darunter auch die ssstternehmor der Gast-»»nd Scktastkwirrschaftcu mit zu verstehe«. DS mehr oder Ivoiii, wr oder keine Schiagsahue oder Sahne verkaust zu werden pflegte, darauf kc»mn« es nicht au. iie Vervrdiiunp, auch ihr tz 4, müsse Nack, dem Wortlaut aus- geführt werden, nicht nach den Eigrlischafteu de« ein- z eine n Lokal«. Daru«» hätte auch der gugekiagte Gastwirt die Verordnntig ausvüngeu»Nüssen. Und wenn er dttt» Eremplar erhielt, so»väre er verpflichtet egwcsen, sich selber einen Abdruck zu verschaffen. Rur der RachwriS, daß die« überhaupt nnmöyüch gewesen töäre. könne Pen bor Strasbarkeit befreien. Angeklagter set mit Äechi wegen de« Nnteriasseiten Aushang« perurteilt wovdeu. Eingeyangsne dtuckfch?iften» Bürkisch. wie Man«? erlernt hu« kehrt» Po,» Dr. Ö. Hechtmenit. 60 Pk.—„Sit Lckr", StMigatt. Jlluflrirvt« Wcfchfrttte de««eMriegr» tili t/t«. Heft 76— Llh Üedc Weche ein Hcst La P>.— llstlost, Tentfche Pertagdanäliit, Stuttgart, ZNr Geschlchte eines optischen JNfttlmutrUtr«. Po»» Dr. E. Bergcr. so Stilen.- M. Trechsrl. Srr». Die PffstUMsie in m MNlcpell Ton MiiÄMH«c6. 5,60 iW- B. Eststirer, Berlin W. 65, Xzipzigersfrasso Alexanderplafz frönkßjr&rMee CeifsäsSgrs/rASss Alexanderplodz fronkfarterAIlce i bs m W Donnerstag Soweit Vorrat; Mmmim Vi Dose Vi D. Ri£S.-Stan2.-Sparg.225 l18 Stang.-Spargel �l85 98 pt Stang.-Spargel l75 93 pd Stang.-Spargel stark l65 88 pt. Stang.-Spargel mittetstark. I55 Stang.-Spargel m.so l4075pf. Ries.-Brech- Spargel 17S 93 pt. Brechsparge! l6588pt. Brechspargel stark 155 83 pt. •ADose Vs Dose Brechjiargel mittel 14075 pd Karotten ixjsce, exti« 95 pd Rote'Rüben>..... 52 pd Apfelmns... 85 pd Kaiserschoten.. I75 Schoten sehr felau. I55 Steinpilze 80 pt. Champignons.... 280 l45 Morcheln....... 200 V0 ZMMz Bamöaßsr Sinäüeisch ir« gekoeüt chno Knochen........•.4-Pfiind-Dose Fische Lebende starhe Aale rta. 290[ Schollen btow,-.. pm 75 pi. Frische Barsche.... pm. I10| Salzher.'™1«iS 25, st 15 pd lajütl. Schellfisch pm. 78 pd Maatjes-Heringe. smck 25 pd la.Jötl.KabeljaulSDKd.�S pd Extr.gr. Fettheringe st 40 pd Bratschollen..... pu. 45 pd j Klippfisch..... pt»»! 70 pd 115 430 445 M£ Fleisch SfiilliKOEtflßSSCil ohne Knochen IMdeiTSKamm.......... Clasmprie.............. KS&ESSESSüiS im stanzen..... KaSäsMeifealbrategi 5. ganz. KaSbSiSrU�f im ganzen..... KSlbSblSfA im ganzen...... KaSbskamm.......... MmmeMchseb...... PUhSibm&t Ansebof Obst und Gemüse Fische, Fleisch, Geflägel aar Leipziger Strasse und Alexanderplatz Pfund 2S0 Pfund 220 Pfund 220 Pfund 2�° Pfund 230 Pfund 230 Pfund 230 Pfund 2 30 Pfund 280 Pfund 280 Gefiüsel Gänse,. v.-........ pfmd 2U0 JuneeMsiise....... Pfund 310 SHPpsuSsübmer..... Pfund 270 SrstbWnsr........ Pfund 270 Taubenx............ stück V0 V0 Sshneehübner..... pwnd 238 255 Kibitzeiei'.......... stock 40 pf. Dimemüse WßlssHoiil Pt�Ä60 1 Knrotlen.pfaEä 230 Jolienne Pfanä �80 I B&CHOliSt. Pfand I60 Apfelsinen..... pt--d 35 pd Kochäpfel.,,,. 35 pi. Zitronen..dbö 48 bis 60 pd Datteln piand lco Feigen....... wcod 80 pd Maronen...... wand 48 pi. Rhabarber i stange»...10 pd Gurken... ktoek 65 bi, 75 pd Rabanzen____ v.wund 20 pd Weisskohl..... piond 35 pt Wirsingkohl.... pium 40 pd Kohlrüben«ein,,,., 5 pd Kohlrüben gen...... 8 pd Schnittlauch... topi 25 pd Zwiebeln...... Pfand 35 pd Radieschen.. Ed. 10 n 20 pd Morcheln...... pinnd 95 pi. Maikräuter- Bund 15 pd Räucherwaren Makrelbücklinge. s»e<-k 35 pd Fleckhcringe____ stock 35 pd Kieler Schleibfickl., st 45 pd Pomm. Sprotten. v.ptd. 60 pi. KielerSprottbückLviPH. 60 pd Sardellen . Pfund Holländer Käse.............. p.and 240 Edamer Käse................ pmnd 240 Vollfett. MoS&nd. Käse ä�Vpi�s d°� 225 Ahlbecker Flundern 60 pd Seehasen..... v, p.-und 75 pd Sardinen in oei dos« 50, 85 pd Sardinen 55, 80 pd 280 Sonntaa sind unsere Häuser von 1 Dhr an aeäffnet. = ÄlMIIMHIHWWIWWMMMWillMIWMMWMWMIMWIWMilllilMIll�� ( SoziaWemo&alisplieF Wahlyereln! ILö. iBeFtoReiclislaüswatilKr.! Köpenicker Viertel. Bez. 193 III. Kachrnf I Sctt Mitgliedern zur Nachricht, �datz unser Genosse,. der Tischler Wilhelm SehlenüneF Slalitzcr Str. 59a I zeslorbcn ist. Ehre seinem Andenken i 213/7 Der Vorstand. ZEDtral-Verbani! der Töitler u. BerülsgeoGssen CeuSsdilanös.J JTiliale Croß-Berlin. 21m Sonntag, den 9. April,! iicrsiarb unser Mitglied, der Töpser LossZz� (Dezirl Schönhauser Vorstadt) im Llltcr von' 57 Jahren an Lmtgencntzündnnz. Ehre seinem� Andenken! Tie Beerdigung findet morgen! Freitag, den 14. April, nach-I mittags i'l, Uhr. von der! üeichenballc bei Zcntral-Fried- hoscs tu FriedrichSfeide ouä statt. ran rege Beteiligung ersucht 197 5 Der Vorstand. l/erii.ö.Seliiieiiler.SßhneiiieriiiiiEnj [u. WäscbeariiEiter Deatsdilands.! Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit j I zur Nachricht, daß der Herre � mafischneider, Kollege Igcb. 15, 6. 1S75) [r.m 11. April gestorben ist Ehre seinem Andenken l Dir Beerdigung findet am I ! Zounabend. den ib. April, nach. mittags. 4 Uhr. von der tleichcn- Halle deS ThomaS-KirchhoseS, I Neukölln, Hcrmannstrahe, aus statt. 1 162/11 Oie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen. Beweise herzlicher Testnalmte sowie die reichen Kranz- wenden bei der Beerdigung unseres lieben SobneS lagen wir ollen Freu,:- den und Bekannten unseren herz- lichten Tank. BSilhelm Longhorst und Frau. Bruder. Schwester, Schwager n.'Nichte. j Vetliaai! likf We?. LackiEte!'. ÄiiStrEieiier usw. 1 Filiale Berlin. Nachrui. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler erfch Buehheisler (Bezirk Nordost) am 7. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 135/14 Die Ortsverwaltiiiig. � iVEE!iaudd.BEMilli!E-u.StaMkb.! Vllialo tirov-HSorlZn. Unseren Mitgliedern zur Nach- i richt, daß der Kollege öermsllll J welcher im Betriebe der 13. Reo.- t Inspektion beschäftigt war, der- j s storben ist. Wir werde» ihm ew ehrendes j �Andenken bewahret!. Die Bestattung findet-tn| j Donnerstag, den 13. April, nachmittags 4 Uhr, vom der Seichen- ! Halle d-S Dankes. KirchhoseS in\ | Reinilkendorf, Blankcstr., aus statt. 83/2 vle vrlaeer�allung. k�iedler� an Lungenlcidcn ! ÜEUl�IlEE �laüaihEilEE-VEI'iM!!. Verv/sltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur. Nachricht, Idah unsere Kollegin, die Ar- i beiterin Olga 1 am 10. April gestorben ist Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung ftndei am hoinitag. den 16. April, nach- I mittags 4 Ubr, von der Leichenhalle deS Friedhofes der Gemeinde I Rcinickendors in der Humboldt- 1 strafte auS statD Rege Beteiligung wird erwartet. Den MstgNedern ferner zur I Nachricht, daß unser Kolleg«, der I Wickler Kurtz Inm 10. April an Nervenleiden j gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Tic Beerdigung findet am öoimabend, den 15. lltpril. nach- I mittags 4'/. Uhr, von der Seichenballe de? städtischen Friedboses in | der Seestrafte aus statt. Rege Beteiligung erwartet 1 115/5 Tic LrtsUerwaltung. Tanksazung. Für die �überaus wohltuenden Bs- weife herzlicher. Teilnahme'beim Hin- scheiden meinest geliebten, unvcrgcft- tichen Matmes,. unseres, guten, treu- sorgenden Vaters, Schwiegervaters, Bruders, Schwagers und Onkels sagen wir.allen Beteiligten sowie Herrn Waldeck Manasse sür seine trostspendenden Worte unseren her»-, 'lichsten Dank.'.'l! Im Namen d« trauernden Hinter-) blieb enen Wwe. Emma Rabe. Görlitzer Strafte-32. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die reichen Kranz- inenden bei der Beerdigung meines lieben.Mannes und Vater seines Kindes Wilh. Fehder sagen wir allen Verwandten und Bc- lannten, den Kollegen der 2l. E. G. ('Abt. H. Ober> Schöneweidc), dem Wahlvercin des vierten Wahlkreises unseren herzlichsten Dank. Wwe. htoiie Fehder 7°ed?°r A Gabelsbergerstr. 8. Atzkmriilk iunnhfn- li.S!ell>kk«5e der iHfliiiiirlifilpr. — V. a. G. Homburg. IKitgllecker-veriammiungen der Filialen IlerUn L: Ikei-Iln 3: Berlin 4: Berlin 1: Sonntag, ben 16. April, vorniiltagS 10 Uhr, Belle- Allianceilr. 87. bei Herinankus. Montag, den 17. April, abends L'/z Uhr, Adalberl- strafte 4. bei Ichulz. Sonnabond, den IS. April, abends 8'/, Uhr, Reichen« bcrgcr str. 154. bei Kaiser. Sonnabend, den IS. April, abends 8'/. Uhr, Gr. Frank- surlerstrafte 30, bc! Heinrich. Berlin S: Sonnabend, den IS. April» abends 8'/, Uhr, Rückcr- sirafte 7. bei Tbiel. Berlin 10: Sonnabend, den IS. April, abends 8'/, Uhr, Stephan- strafte 11, bei Faber. Berlin IZ: Sonntag, den 16. April, vormittags 10 Ubr. I-letatenherx II; Sonntag, den 16. Avril. vormittags 10 Uhr, Alt-Boxhagen 56, bei Blume. hienbölln: Sonnabend, den 15. April, abends S1/, Uhr, Ziclhcn- strafte 69. bei Krämer. BnnknHv: Sonnabend, den 15. April, abends 8'/. Uhr, Florastr. S— 6, bei Schröter. Sonenthnl: Sonnabend, den 6. Mai. abends S Uhr, Prinz-Hein- rich-Str. 7, bei Hiensch. Stexlltn:«onuabcnd. de» IS. April, abends 8'/, Uhr, Düppel- strafte 7, bei Element. Tempelhot: Sonnabend, den 15. April, abends S'/, Uhr,«srlen- stark. Chauffeestr. 27, bei Benschek. FFllUnn: Sonntag, den 16. April, vormittags 10 Uhr, bei Schumann. 115/4 Buchhandlung Vorwärts Paul vinger G.m.b.H. -- Berlin SW. öS, tttndcnstraße 3-- Dir empfehlen: praktische Steuerpolitik oder Steuerdogmatik? Von tdetnrich Eunow Preis 1 Mk. VerciuSauSgabe S0 Pf. •, pr-«,...4■ �'.... i>........ f*»-.... Wir bringen hiermit zur gefälligen Kenntnis, daß wir die Bewirtschaftung des„Schfof; Weipensee" wegen Belegung desselben mit Militär durch die Gemeindeverwaltung eingestellt haben. r> nbalf;«eine SelbsfauSschattong.— Arbeiter. 'tntereffen und Eteuerpriuztpien.— Eteuerpro» dleme.— Staatsmonopole oder neue Steuern? Sleuerdozmafit und ZfkuerwögUchketten.—?tech- mafS die Monopoffraze.— Die Broschüre bietet -ine gemeinverständliche Sinführung w die Aus. gaben ber Steuer, unb Finanzreform, bei deren kinfübrung die Svztatdemotratte ihre gewichttge Sttmme in die Magschale werfen muß. laueres(Zabt'iel& Richter. jiZcrantTpitsichcr Acdcf tcur: Alsre� Lieleppi. Neukölln. Liuc den Lnicrat enteil verantto,: Th.Glolf c/Berlin/ Druck tu Verlag t BorwärttÄuchdruckerei u. tterlagsanitalt-VaiN-Singer St So« L erlin SW« Nr. 103. 33. ZahrMg. 2. KeilU des Jotmürts" Sttüntt llolliolilntt. Dotlllkrstlig. 13. April 1916, der Zrauenmorö. Helene Bahl verhaftet. Während in der Nacht zum Mittwoch der Säulenanschlag mit dem Bilde der Helene Bahl als der mutmaßlichen Mörderin vor- bereitet wurde, sandte die Kriminalpolizei noch einmal ein ganzes Aufgebot von Beamten aus, um die Verfolgte vielleicht doch noch in Berlin ausfindig zu machen und zu fassen. Es war ihr mitgeteilt worden, daß man die Bahl noch am 1. April hier gesehen habe Seitdem aber fehlte jede Spur. Die Beamten durchstreiften das ganze Stadtviertel, in dem das Verbrechen verübt wurde und zeigten besonders auch in den Gast- und Schankwirtschaften aller Art die Bilder der Ermordeten und der mutmaßlichen Mörderin. Hier und da ließen sie auch Bilder zurück, um auch spätere Gäste zu unterrichten. Auf diese Weise erhielt auch eine Zigarettenhändlerin. die in dem Lokale„Bunte Bühne" in der Elsasier Straße 3g ihr Geschäft betreibt, Kenntnis von der Verfolgung der Bahl und ihrem Aussehen. Als nun die Gesuchte später eintrat, erkannte die Händlerin sie sofort, weil sie sich die Beschreibung genau gemerkt hatte. Sie benachrichtigte einen Kriminalbeamten und dieser nahm das Mädchen fest. Mit einer Droschke nach dem Polizeipräsidium gebracht, wurde die Verhaftete noch im Laufe der Nacht von den Kriminalkommissaren Gennat und Dr. Textor und dem Kriminalwachtmeister Termeer verhört. Sie bestreitet, mit dem Verbrechen irgendetwas zu tun gehabt zu haben. ES war bekannt, daß die Franzke ihre Freundin Bahl stets unterstützte. Während sie selbst etwas schlampig ging, verlangte sie, daß die Freundin sich immer sauber und hübsch kleide, und gab ihr zum Teil auch die Mittel dazu. Die Kriminalpolizei hatte aber auch er- inittelt, daß die Bahl des Verhältnisses überdrüssig geworden war und geäußert hatte, sie werde es aufgeben. Wie die Verhaftete in allen Verhören jetzt angab, waren die Zwistigkeiten seil Anfang März immer stärker geworden. Die Bahl machte ihrer Freundin gegenüber kein Hehl mehr daraus, daß sie die Beziehungen lösen wolle. Sie ging auch wiederholt aus, um Herrenbekanntschaften zu machen, die ihr mehr zusagten. Die Franzke holte sie jedoch immer wieder zurück. Auch die letzten Nächte vor dem 13. März war die Bahl nicht mehr in der Wohnung ihrer Freundin. Von dem letzten Zusammentreffen im Friseurladen gibt sie eine Schilderung mit einem wesentlich anderen Ausgange. Nach ihrer Darstellung fand endlich nach den heftigen Auseinandersetzungen eine Aussöhnung statt. Hiernach gingen beide Mädchen wieder nach der Wohnung der Franzke. Diese verließ die Bahl, immer nach ihrer Darstellung, später allein, weil sie eine Einladung erhalten hatte. Es war ein Schreiben, in dem ein Herr sie bat, sich mit ihm im Tauentzien- Palast zu treffen. Beigefügt war ein Blumenstrauß. Die Bahl ging, mit dl) M. m der Tasche nach dem Tauentzin-Palast, fand aber dort den Herrn nicht. Wie sich später ergab, wußte dieser nichts von der Einladung. Weil sie nun wieder die Eifersucht ihrer Freundin fürchtete, blieb die Bahl seitdem ganz von ihr weg. Sie hatte auch, wie sie sagt, die Absicht, jetzt, nachdem sie sich ausgelebt, zu ihren Eltern zurückzukehren und ein neues, ordentliches Leben zu beginnen. Die ganze Zeit über hielt sie sich mit Freundinnen oder auch mit männ- lieber Begleitung in Fremdenlogis, besonders in der Königstraßei auf. Sie besuckte auch Lokale am Alexanderplatz und Kaffeehäuser im Westen der Stadt. Um die Franzke kümmerte sie sich gar nicht mehr. Weil sie die ganze Zeit über auch nicht eine Zeitung las, so wußte sie nichts von dem Verbrechen, bis sie in der letzten Nacht unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet wurde. Gestern vormittag fand in dem Hause Elsasier Straße 17/18 eine Besichtigung des Friseurladens und der zugehörigen Räume statt. Die LrtSbesichtigung hatte eine große Menschenmenge vor das Haus gelockt, die von Schutzleuten fernzuhalten versucht wurde. ES wurden zunächst vom Erkennungsdienst die Photo- graphischen Aufnahmen gemacht. Das Verbrechen ist ohne Ziveifcl in dem Wohn- und Schlafzimmer verübt worden. Hier stehen gleich am Eingang ein kleines Sofa, vor ihm ein Tisch, weiterhin ein Bell, ein Kleiderspind, ein Küchenspind und hinter einem Schirmvorhang eine Gaskochvorrichtung. Der Schmuck des Raumes entspricht der Gesellschaft, die in ihm hauste und verkehrte. Die Säuberung des Raumes nach dem Verbrechen ist so gründ- lich bewirkt worden, daß man vorläufig nur noch wenige und schwache Spuren fand. Hinter dem Sofa entdeckte man an einer Gardinendrapcrie Blutspritzer, und das Sofa selbst war an der Rückseite stark mit Blut besudelt. Beim Abrücken des Sofas kam ein mit Blut besudelter Haarkamm zum Vorschein. An den Tapetenwändcn zeigten sich einige Blutspritzer. Auf dem Hofe neben dem Müllkasten wurde cm Stück eines Läufers mit angebrannten Stellen gefunden. Ob dieses Läuferstück mit dem Verbrechen irgend- wie in Zusammenhang steht, weiß man noch nicht. Die Ortsbesichtigung stellte im iveitcren Verlaufe außer Zweifel. daß das Wohn« und Schlafznnmer der Tatort ist. Der Täter, oder auch die Täter, haben mit schlauer Ueberlegung und Vorbedacht zwar versucht, alles Beweismaterial, Llutipuren und dergleichen zu vernichten oder aus der Wohnung wegzuschaffen. Aber eS ist trotz- dem noch genug übrig geblieben. Die Menschenmenge, die sich ansammelte, wurde während der Ortsbcsichligung immer größer. Das 12. Revier mußte viele Schutzmänner ausbieten, um die Neugierigen fernzuhalten. Nach Schluß der Besichtigung begaben sich alle Beamten wieder nach dem Polizeipräsidium, um von hier aus die Ermittelungen fortzusetzen, die das Verbrechen wohl bald bis auf den letzten Grund klären werden. Bei der weiteren Besichtigung der Räume ergaben sich noch Anhallspunkic dafür, daß dos Wohn- und Schlafzimmer der Ull« mann der Talort ist. In dem Zimmer fand man auch noch ein Rasiermesser, das wohl zu dem Morde benutzt worden sein kann. Man sieht daran noch schwache Spuren vom Abwaschen. Auch eine Menge Briefichaslen fand man. Alle wurden beschlag- nahnn, um auf ihren Inhalt gepiüfl zu werden. Außer der Bahl und der Ullmann nahm die Kriminalpolizei jetzt auch noch die Sonnenberg in Hast. Die drei Mädchen machen Angaben, die sich in verschiedenen Punkten durchaus widersprechen. Die Mord- kommisfion bemühte sich deshalb, die Widersprüche aufzuklären. Eine überraschende Wendung.— Tie Tonncnberg bcschnldigt die Ullmann dcS Mordes. Alle drei wurden auch gestern nachmittag wieder in ein stundenlanges Kreuzverhör genommerr, eine jede gesondert. Alle blieben zunächst im wesentlichen bei ihren bisherigen Angaben. Am stärksten verstrickte sich i» Widersprüche Anna Sonnenberg, eine 23 Jahre alte, aus Berlin gebürtige Fabrikarbeiterin, die zuletzt in der Elsasser Straße 33 wohnte und Mutter eines jetzt 2 Jahre j alten Knaben ist. Die Sonnenberg geriet auf Abwege, als der Bater ihres Kindes sie im Stiche ließ. Sic fiel jetzt der Ullmann in die Hände, einer Frauensperson, die wegen Diebstahls schon sechsmal vorbestraft ist, unter falschen Namen sich seit Jahren in Berlin aufhielt, hier in dem Frisicrladen ihr Unwesen trieb und wahrscheinlich noch mehr auf dem Kerbholz hat als man bisher weiß. Anna Sonnenberg wollte bisher von dem Verbrechen selbst nichts wissen. Ihre Widersprüche aber wurden immer verwickelter. Auf einen Widerspruch aufmerksam gemacht, suchte sie sich stets herauszureden, und wenn sie gar nicht mehr herausfand, so mußte ihr Knabe ihr heraushelfen, den sie bei allen Verhören um sich hatte, um die ganze Aufmerksamkeit auf diesen hin und von sich selbst und den eben vorgebrachten Aussagen abzulenken. DaS ging den ganzen Nachmittag durch. Abends endlich nahm man ihr den Knaben weg und jetzt zeigte sich deutlich, was für eine Stütze er ihr unbewußt gewesen war. Ohne diesen Ablenkungspunkt wurde sie bald haltlos und brach endlich zusammen, um ein Geständnis abzulegen. Eine eigene' Rolle spielte, wie wir schon mitteilten, eine Ein- ladung nach dem Tauentzienpalast, der ein Blumenstrauß beigefügt war. Der Brief trug die Unterschrift eines Friseurs Schnitze, der früher bei Woitasch in Stellung gewesen war. Helene Bahl, die nach ihrer Darstellung, nach einer Aussöhnung im Frisierladen mit der Franzke nach Hause ging, verließ sie denn auch wieder, auf den Brief hin. Wer Schnitze war im Tauentzienpalast nicht zu finden und wußte, wie sich später ergab, von nichts. Mit dem Briefe und dem Blumensträutzchen mußte also ein Schwindel ge- trieben worden sein, und das mutzte unter den obwaltenden Vcr- Hältnissen einen bestimmten Zweck gehabt haben. Die Sonnenberg wollte erst von dem Briefe gar nichts wissen. Dann behauptete sie, ihn selbst geschrieben zu haben und suchte das harmlos zu er- klären. Gestern abend endlich in ihrem Geständnis gab sie an, die Ullmann habe den Brief geschrieben und ihn mit dem Strauß- chen an die Bahl gesandt, um so mittelbar die Franzke in die Falle zu locken. Die Ullmann wußte, daß die Franzke, von Eifersucht ge- plagt, sich sofort auf den Weg machen werde, ihre Freundin zu suchen und nichts eher ruhen werde, bis sie sie gefunden habe. So kam es denn auch. Die Franzke suchte die Bahl im Friseurladen, wurde dort freundlich empfangen und unbarmherzig abgeschlachtet. Die Ullmann, eine Verbrecherin durch und durch, brauchte Geld. Ihr Geliebter hatte ihr wiederholt geschrieben, sie solle sehen, daß sie durchkomme und das Geschäft auch für später erhalte. Er selbst konnte kein Geld schicken. So sann die Verbrecherin auf Mittel und Wege, es sich irgendwie zu verschaffen. Schern lange dachte sie dabei an die Franzke, die ja immer Geld hatte und damit prahlte. Die Sonnenberg, ein etwas beschränktes Mädchen, aber im übrigen auch nicht viel besser mehr als die anderen ihres Um- gangskreises, verstrickte sie in ihren Plan, um sie bei der Aus- führung zu benutzen. Ihr übergab sie mit dem Blumensträußchen zur Besorgung den Brief, von dem sie wußte, daß er die männer- tolle Bahl sofort ans der Wobnung weg und die Franzke wieder auf ihre Fährte locken werde. Beide, die Ullmann und die Sonnen- berg, standen dann schon am 13. März, abends, im Frisenrladcn und warteten auf das Opfer. Sie empfingen die Franzke auf das freundlichste und bewirteten sie mit Kaffee. Absichtlich brachte man das Gespräch auf die Bahl. Die Ullmann beruhigte zum Schein die aufgeregte Franzke, während sie schon das Rasiermesser bereit hielt, ihr die Kehle abzuschneiden. Die Sonnenberg hatte, während der Gast beim Kaffee auf dem Sofa saß, den Auftrag, die Laden- tür zu schließen, und blieb auch an der Tür stehen, damit niemand unerwartet eintreten könne. Die Ullmann hatte das Fenster am Hofe verhängt. In einem geeigneten Augenblick führte, wie die Sonnenberg den schauerlichen Vorgang darstellt, die Ullmann den Schnitt hinterrücks aus, als die Franzke ahnungslos auf dem Sofa saß. Die Sonnenbcrg hörte noch schwere Hilferufe vom Zimmer her. Die Ueberfallene wehrte sich, aber die Mörderin stürzte wie eine Furie über sie, um sie zu zerfleischen. Nachdem sie sich, als das Opfer tot dalag, vom Blut gereinigt hatte, ging sie niit der Somicn- berg nach einem Kordmacherkeller in der Ackerstraße, kaufte dort den Reisekorb und brachte ihn mit der Sonnenberg nach ihrer Be- hausung. Hier wollte sie der Leiche zuerst die Beine abschneiden, um sie besser in den Korb packen zu können. Das ging aber nicht. Jetzt schnitt sie ihr das Geficht auf, um sie unkenntlich zu machen. Dann faßten beide an und packten die Leiche in den Korb. Als sie nicht gleich hineinging, stellte sich die Ullmann auf die Leiche und trat sie mit den Füßen in den Korb hinein. Dann holte sie aus einem Laden in der Auguftstratze die beiden Schlösser und verschloß den Korb, um ihn nach dem Bahnhof und nach Stettin zu schaffen. Daß cS die Ullmann auf einen Raub abgesehen hatte, war der Sonnenberg schon lange klar. Denn sie hatte schon mehr als einmal geäußert, sie werde„das Mistvieh", das so viel Geld habe, umbringen. Sie nahm denn auch der Leiche den Brustbeutel mit dem Gelde ab und steckte ihn ein. Wie die Wohnung gesäubert und der Korb weg- geschafft wurde, haben wir schon berichtet. Gleichzeitig mit der Sonnenberg wurden in anderen Räumen die Ullmann und die Bahl ebenso scharf verhört. Die Ullmann blieb bei allen, was sie früher gesagt hatte, mit allen Widersprüchen. Auch nachdem Kommissar Gennat sie ans Grund des Geständnisses der Sonnenbcrg, ohne diese zunächst zu erwähnen, sie eingehend ver- mahnt hatte, doch endlich die Wahrheit zu sagen, änderte sie nichts an ihrer Darstellung. Sie erbot sich sogar, der Babl die Tat WS Gesicht zu sagen. Und so geschah es dann auch, als man ihr das„verworfene Frauenzimmer", wie sie sie nannte, gegenüberstellte. Mit der größten Heftigkeit warf sie ihr den Mord vor. Wer die Bahl, die in diesem Falle in der Tat ein gute? Gewissen hatte, blieb ruhig und beteuerte ihre Unschuld. Um so aufgeregter wurde immer mehr die Ullmann. Endlich hielt Kriminalkommissar Gennat ihr das Geständnis der Sonnenberg vor, und sagte ihr auf den Kopf zu, daß sie in allen Punkten lüge. DaS wirkte. Nach einem Tränenergutz erklärte sie, daß sie nun die Wahrheit sagen wolle und gab zu. daß sie bei dem Morde mitgewirkt habe. Jetzt aber stellte sie die Sonnenberg als die Haupttäterin dar. Diese sagt, sie habe einen Strick bereit ge» habt und die Franzke gefesselt, während sie selbst ihr die Kehle durch- schnitt. Diese gegenseitigen Beschuldigungen müssen nun von der Kriminalpolizei noch weiter untersucht und auf ihre Richtigkeit ini einzelnen geprüft werden. Nach dem Geständnis, wie sie es nun abgelegt hat, stellten die Kommissar Gennat und Dr. Tcxtor die Ullmann noch einmal der Bahl gegenüber. Jetzt fiel sie ihr, die sie bisher hartnäckig des schwersten Verbrechens beschuldigt hatte, unter Tränen um den Hals und bat sie um Entschuldigung, daß sie ihr das angetan habe. Die Sonnenbcrg. sagte sie, sei an allein schuld und habe sie in das Ver- brechen hineingetrieben. Verhöre, Zeugenvernehmungen und Ermitte- lungm werden heute fortgesetzt. Moröprozeß in Schneiöemühl. Wegen ungeheuerlicher Verbrechen hat sich vor dem Schwurgericht in Schncidemühl ein früherer Lehrer zu ver- antivorten. Mitangeklagt wegen eines Nebendelikts ist sein Vater. Der Hauptangeklagte ist der jetzige Gutspächter Willi W e st p h a l. Er ist 1887 geboren! im Jahre 1907 bestand er das Lehrerexamen, war in Löbnitz Lehrer und wurde im Dezember 1911 des Amtes enlhoben, weil er wegen Beleidigung und Urkunden- sälschung bestraft war. Er will dann Lehrer an einer Privathandelsschule, Buchhalter, Adressenschreiber und Hilfsarbeiter in Metallfabrilen und Buchdruckereien gewesen sein. Tatsächlich hat er seit jener Zeit vom Schwindel gelebt. Er ist wiederholt wegen Betruges bestraft worden. In großem Umfang betrieb er Darleheus- und Heiratsschwindeleien. Seine Bräute erleichterte er um ihre Barschaft und fälschte auch deren Unterschriften unter Bürgschaften und Vollmachten, auf Grund deren er sich außerdem Geld verschaffte. Unter anderem hat er einer jungen Witwe in Leipzig 18 909 Mark, einer jungen Eng- länderin 29 999 Mark abgeknöpft und hat eine Reihe Gutsbesitzer durch Schiebungen um beuächtliche Sunimen betrogen. Die Hauptanklagen sind z to e i. Im November 1914 hat Westphal den Rittmeister a. D. Faber(Württendors), am 12. Dezember 1914 den Gutsbesitzer Bohnstedt ermordet. Ermordung Fabers. Zwecks angeblichen Kaufes eines Gutes traf er mit dem Ritt» meister a. D. F a b e r in Benzig(Mark Brandenburg) zusammen. Er führte den Rillmeister kreuz und quer und ersuchte ihn, den Wald- boden zu untersuchen. Dabei soll er den Rittmeister in eine Schlucht gestoßen und ihn durch einen Schuß verletzt haben. Der Angeklagte gibt zu, er habe den Fabcr tödlich getroffen, das sei aber nur eine Fahrlässigkeit gewesen, er habe vom Anstand aus geschossen. Allerdings sei ihm, als er auf dem Anstand stand, der Gedanke gekommen,„ich schieße ihn tot." Gezielt habe er aber nicht. Dem Faber hatte er sich als Rittmeister und Rittergutsbesitzer Hoffmann vorgestellt. Ermordung BohiistedtS. Mit dem Gutsbesitzer Bohnstedt trat der Angeklagte unter dem Namen Dr. Westphal wegen angeblichen Kaufs des Guts in Verhandlung. Er war am 12. Dezember mit Bohnstedt zusammen, Bohnstedt ist im Wald durch einen Schuß ermordet worden. Der Angeklagte bestreitet, daß er der Mörder ist. Gegen ihn sprechen u. a. folgende Umstände: Vor und nach dein Morde hat er das Boh'nstedtsche Gut mehreren Leuten zum Kauf angeboten und sich in den Briefen als B o h n st e d t bezeichnet. In der Jrrenabteilung in Berlin, wo er zur Beobachtung seines Geisteszustandes 7 Wochen laug war, hat er behauptet, den Bohnstedt habe er in einem Zwangs an fall er« schösse n. Er habe häufig Zwangsansälle, Böses zu tun. Nach dem Tode beschuldigte er einen Kellner des Mordes an Bohnstedt. Der Kellner wurde verhaftet und bewies seine Unschuld. Ferner schrieb er nach dem Tode des Bohnstedt an sich selbst einen Brief mit der Unterschrift von Bohnstedt, in dem Bohnstedt ihm mitteilte, er werde am 21. Dezember nach Leipzig zum Abschluß eines Kaufvertrages betreffs Veräußerung seines Gutes kommen. An die Frau des Ermordeten schrieb er nach dem Tode, Bohnstedt habe sich die rechte Hand verletzt, es gehe ihm aber gut. In Berlin hat er der Wirtschafterin des Bohnstedt, mit der er nach dem Tode zusammenkam, einen Zetiel zugesteckt, auf dem stand: „Sagen Sie, Sie haben gesehen, daß ich mich in Berlin� von Bohnstedt verabschiedet habe." Die Wirtschafterin hatte ihn gefragt, ob der Mann, von dem er sich verabschiedete, und den sie nur flüchtig sah, Bohnstedt gewesen sei. Er hatte es bejaht. Eine seiner Bräute hatte er ferner aufgefordert zu be- schwören, daß sie Bohnstedt am 21. Dezember 1914 in Leipzig gesehen habe. Seinen Vater veranlaßte er, am 21. Dezember 1914 bei einem Notar sich als Guts- besitzer Bohnstedt auszugeben. Das tat dieser auch und schloß dort einen" Kaufvertrag über daS Gut mit seinem Sohne ab. Hierbei mußte der Vater angeben, seine rechte Hand sei verstaucht. Später bekam der Vater Neue und zeigte es der Polizei an. Wegen dieser Urkuiidenfälsivung steht auch der Vater unter Antlage. Der Frau deS An- geklagten schrieb er, der Vertrag sei am 21. Dezember geschlossen. Der Mann könne noch nicht selbst schreiben, es gehe ihm gut, er lasse grüßen usw. Der Frau kam die Sache doch verdächtig vor, sie forschte in Leipzig nach und fand hier, daß der Kauf- vertrag gefälscht war. Der Angeklagte bezichtigte sich selb st, wohl um Gelegenheit zu bekommen zu entweichen oder um für verrückt erklärt zu werden, drei weiterer Morde. Er will mit einer Leipziger Verkäuferin iich einem Walde bei Leipzig verkehrt und sie alsdann erschossen haben. Mit einer anderen Leipziger Verkäuferin habe er es ebenso in einem Walde bei Halle gemacht. Mit einer dritten Leipziger Verkäuferin will er in der N ä h e von H a l l e K a h n gefahren, auf der Fahrt mit dem Mädchen verkehrt, es alsdann erschossen und die Leiche ins Wasser geworfen haben. Die ange st eilten Er« Mittelungen haben ergeben, daß diese Morde nicht vorgekommen sind. Neben dieien Morden sind eine Reihe von Betrügereien, Heiratsschwindeleien, Bürgschaftsfälschungen und dergleichen zur Anklage gestellt. Das Urteil wird vorauSfichllich morgen gesprochen werde». In der Vacht vom Dienstag zum Mittlvoch unternahm der Angeklagte einen Ausbruchsversuch. Dieser wurde durch die Wachsanikcit eines Gefängniswärters vereitelt. Es wurde festgestellt, daß der Angeklagte bereits in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag Steine aus der Mauer aus- zubrechen versucht hatte. Der Angeklagte tvnrde deshalb bei der gestrigen Verhandlung gefesselt gehalten. �us Groß-öerlin. Ein Pflegeheim für gefchlechtskranke Kinüer In Friedrichshagen— Seestraße 43— befindet sich ein in Deutschland noch einzigartiges„Pflegeheiin". Sein Begründer und Leiter, der als Forscher auf dem Gebiet der Hautkrankheiten bekannt? Geheimrat Rosenthal in Berlin, rief es 19l)9 für die durch gefchlechtskranke Eltern erblich be- lasteten und darum als unheilbar geltenden Kinder, und zwar ausschließlich für solche, ins Leben. Vorbildlich war hierbei die in Stockholm als erste der Art überhaupt eingerichtete Anstalt, die auch in Kopenhagen zu gleicher Gründung an- geregt hat. Gehemirat Rosenthal überweist dem Pflegeheim nur Kinder, die noch im ersten Lebensjahr stehen, wobei ungefähr deren elfter Monat als„Höchstgrenze" gilt. Je jünger sie bei der Aufnahme aber sind, um so besser ist es. Eine solche er- folgt jedoch nicht sofort, nachdem Geschlechtskrankheit fest- gestellt wurde. Die Kleinen erhalten zunächst in Berlin in der Charitä oder in einer sonstigen Krankenanstalt eine Be-- HaMung und koinmen dann erst nach Fnedrichshagen, wo sie vier Jahre bleiben. Innerhalb dieser Zeit geschieht alles. um eine vollständige Ausheilung zu ermöglichen. Je nach der Art der Einzelfälle im besonderen wird der Aufenthalt aber vielfach über dieses Alter hinaus, jedoch nicht länger als bis zum sechsten Lebensjahr, ausgedehnt. Geheilte Kinder ent- lätzt die Anstalt. Während der Behandlung in der Anstalt werden sie zu Besuchen oder zeitweiligem Aufenthalt bei Ver wandten nicht herausgegeben. Letztere dürfen mit den Kleinen bloß während bestimmter Stunden in der Anstalt selbst zu- sammentreffen. Vorwiegend handelt es sich hier um uneheliche, unter jammervollen Verhältnissen zur Welt gekommene Wesen, nach denen kaum jemand fragt. Sie fallen meistens der Armen- Pflege anHeim und werden, nach ihrer Entlassung aus der unmittelbaren Obhut der Anstalt, gleichsam in deren mittel- barer stehend, bei geeigneten Familien untergebracht. Bis- zueilen kommt es wohl vor, daß unter gewissen Bedingungen gleichzeitig init dem Kinde die Mutter, besonders wenn sie das Kind stillen kann, Aufnahme findet. Der beim Einzüge ins Pflegeheim erbärniliche Zustand der Kinder verkehrt sich unter dem Einfluß der neuen Um- geSung und nmstergültigen Pflege Md mehr und mehr in das gänzliche Gegenteil. Die„älteren" Kleinen sehen— wenigstens für den Laien— so frisch, munter, lebensvoll aus, wie dies jedem Kinde aufs innigste zu ivünschen ist. Das Pflegeheim steht in einem nach dem Müggelsee hinlaufenden Garten. Es macht schon in feinem Aeußercn einen sehr ansprechenden Eindruck und nimmt sich im Innern wie ein Ideal der Sauberkeit und gesundhcitsgemäßen Einrich- tung aus. Seine Räume gewähren 40 Kindern Unterkunft. Der dem Hause vorstehenden Oberin stehen bei ihrem mühe- vollen Wirken geschulte Kräfte zur Seite. Die angegebene Zahl der Pfleglinge wird nicht überschritten, um jedem ein- zelnen Kinde die seiner Natur nach notwendige BeHand- lung zuteil werden zu lassen. Backverbot von Osterkuchen. NuS dem Raihause wird gesSrieben: Die Neigung, sich in der KriegSzeit, besonders in den Festtagen, reichlich mit Kuchen zu ver- sorgen, hat die begründete Besorgnis hervorgerufen, daß erhebliche Mengen von dem, für die Herstellung des Brotes nohoendigen Roggen» und Weizenmehl für jene LuxuSgebacke Verwendung finden könnten. Die Grotz-Berliner Gemeinden haben es daher im Interesse der ungestörten Brotversorgung ihrer Bevölkerung für notwendig gehalten. daS Backen von Kuchen, soweit er mit Roggen- oder Weizenmehl hergestellt wird, in der Zeit von Montag vor Ostern, bis einschließlich Mittwoch nach Ostern zu untersagen. Es gilt dies aiickj für die Haushaltungen, denen übrigens auch vor einem Jahre die/Herstellung von Osterkucken verboten worden ist. Der Magistrat veröffentlicht eine dementsprechende Verordnung. Da? Opfer einrS schweren StraßenunfalleZ ist ein Unter- osfizier vom 3. Pionierbataillon in Spandau geworden. Er fuhr auf einem Zweirade die Neuendorfer Straße entlang und wurde, als er kurz vor einem Straßenbahnwagen das Gleis überqueren wollte, erfaßt und umgestoßen. Der Unteroffizier geriet unter den Vorderperron und wurde so einige Meter mit fortgeschleift. Durch hinzugerufene Feuerwehrleute wurde der Verunglückte an» seiner entsetzlichen Lage befreit und nach dem Reservelazarett amASkanier» ring gebracht. Dort wurde festgestellt, daß der Soldat Bruch samt- lichcr linksseitiger Rippen, eine schwere Verletzung des linken Oberarmes und des Schultergelcnkes sowie zwei klaffende Kopfwunden erlitten halte. Selbst gestellt hat sich der nach Unterschlagung amtlicher Gelder geflüchtete Vollziehungsbeamte Karl Kristan aus der Gieselerstr. 8/S m Wilmersdorf. Nachdem seine Bemühungen, die veruntreute Summe mehrere tausend Mark— mit Hili'e wohlhabender Ver» wandter nachträglich zu decken, vergeblich geblieben waren, ist K. nach Berlin zurückgekehrt und bat sich bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts III Berlin gestellt. Er hat ein offenes Geständnis abgelegt und ist, da er eine feste Wohnung hat uud keine Mittel besitzt, die einen Fluchtversuch ermöglichen könnten, nach seiner Ver- riehmung einlassen worden. Leichtsinniger Umgang mit Schußwaffen hat schon de? öfteren zu den schlimmsten Folgen geführt. Einigermaßen glücklich verlief noch ein Vorgang, der sich am Dienstag in der Restauration von Wilhelm Grull, Scharrenstraße IS, abspielte. Wie un» berichtet wird. erschien dort gegen 11 Uhr abends ein Schutzmann, der dem Wirt seine» neuen Revolver zeigte. Beide hantierten nun damit herum, als plötzlich ein Schuß losging, der den Wirt ziemlich schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich verletzte. Nach Anlegung eines Notverbandes auf der Uufallstation wurde der Getroffene nach einem Krankenbause gebracht. Der große Unfug, an einem besuchten Ort mit Schuß- Waffen zu spielen, hätte aber leicht größeren Schaden anrichten können, denn in dem Lokal befanden sich mehrere Gäste, die glück- Ilcherweise mit dem Schreck davonkamen. Daö nächste BolkSkonzert des Philharmonische» Orchesters findet am Freitag, den 14. April, in den Gcrmania-Prachtsälen, Chaussee- straße l'.O, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Der Vorverkauf zu den Voliskonzerten findet statt in der Berliner GewerkschaftSkommiision, Engelufer 1ö. Zimmer 13, außer Sonnabends nachmittags, und in den betreffenden Konzerl- sälen. Die im Vorverkauf nicht untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Der Einlrittspreis beträgt 30 Pf., Kasseneröffnung 7 Uhr. /tos öen Gemeinöen. Die Speckpreise in Neukölln. Vom Neuköllner Magistrat erhalten wir nachstehende Zuschrift: In unserer Bevölkerung wird viclsach über die festgesetzten Preise für den jetzt in den städtischen Verkaufsstellen zum Verkauf kommenden Speck geklagt und teilweise auch die Vermutung ausgesprochen, die Stadt habe den Speckjvor längerer Zeit�zu billigen Preisen gekauft und wolle ihn jetzt unter Ausnutzung der Verhältnisse zu einem ver- häitniSmäßrg hohen VerkauiZpreiS verkaufen. Wir können im Gegen- satz hierzu'mitteilen, daß die früheren Spcckvorräte der Stab!- Verwaltung gänzlich verkauft sind und eS sich hier um erst vor wenigen Wowen angekaufte Mengen handelt, die auS dem Auslände zu einem erheblich teueren Preise eingeführr sind. Es>st als selbst- verständlich zu betrachten, daß seitens der städtischen Verwaltung bei der Festsetzung der Verkaufspreise in erster Linie nur auf die Deckung der Selbstkosten geachtet wird und beim Verkauf von Lebensmitteln die Erzielung eines Gewinnes gar nicht in Frage kommt. Lebensmittelverkauf der Gemeiude Treptow. In den beiden Gcmeindelädcn Wildenbruchstr. 54 und Baum- schulenstr. 32 wird schon seit einiger Zeit ausländisches Schweine- fleiich das Ptund zu 2,30 bis 2.80 M.. Eisbein 1,40 M. und Rücken- fett 3,70 M. feilgeboten. Jetzt steht ein Posten deutsches Schweine- fleisch zur Veriügung, das 1.50 bis 2.40 M.. Dickbein 1.40 M.. Spitzbein 30 Ps. und Rückenfett 2,30 M. kostet. Auf jede Lebens- mitteliarte wird nur bis zu 2 Pfund abgegeben. Um das lange Warten z» vermeiden, werden zunächst vom 13. Avril nur die In« baber von Karten mit den Anfangsbuchstaben X bis C, am 15. April D bis E abgefertigt. Außerdem gibt es Donnerstags und Freitags frische Seefische, und an den anderen Tagen auch Wurstkonserven zu 1,45 bis. 2,30 M. das Pfund. Eier werden pro Kopf und Woche 2 Stück zu 13 Pf. abgegeben. Außerdem werden noch Heringe, kondensierte Milch und einige andere Artikel an die Einwohnerschaft abgegebeil. Mus aller Welt. Vootsunglück. Tie-lstagabend unternahmen in der Nähe von Sangerhauscn auf der U n st r u t fünf Schüler des Sanger- Häuser Gymnasiums eine Kahnfahrt, wobei zwei von ihnen, der 13jährige Sohn des Arztes Tr. Pontow und der gleichaltrige Sohn des Zimmermeisters S ch i r m e r, beide aus A r t e r n bei Sangerhausen, den Tod fanden, während die drei anderen sich durch Schwimmen zu retten vermochten. Wie das Unglück sich ereignet hat, hat sich bis jetzt nicht feststellen lassen. Wieder ein Fraucnmord. Wie das„Anhaliifche Tageblatt" aus B a l l e nst e d t am Harz meldet, ist die dort wohnhafte alleinlebende Witwe Baumeister in ihrer Wohnung in ihrem Kleider- schrank, der verschlossen war, tot aufgefunden worden. Die Leiche zeigt Würgespurcn am Halse und wurde von der Gerichtsbehörde beschlagnahmt. Ter Mädchenmord bei Chemnitz ist jetzt aufgeklärt worden. Das Mädchen ist bereits in der Nacht zum Sonnabend ermordet, und zwar erschossen worden Bisher sind zwei Männer seit- genommen worden, ein 27jähriger Bursche und ein Soldat, der sich als Verwundeter in der Heimat befand und mit der Ermordeten Beziehungen hotte. Eine Schülertragödie hat sich in Cöthen(Anhalt) abgespielt. Auf dem Gleise der Magdeburg— Leipziger Bahn in der Nähe des dortigen Güterbahnhofes wurde die zerstüchelte Leiche des ISjäh- rigcn«ohnes Kurt des Kriegsgerichtsrats Arnold- Königsberg i. Pr. aufgefunden. Arnold, der die Sekunda des dortigen Gymna- siuilis besuchte, sollte nicht versetzt werden, was ihn derartig schwer- mutig machte, daß er seinem Leben freiwillig ein Ziel setzte. Bei einem Brnnbe verunglückt. In Kolberg wurde das Wirtschafts- und Spielwarenlager von Tannenberg von einem Feuer heimgesucht und brannte vollständig nieder. Der Feldwebel K r u p k e, der sich an den Löscharbeiten beteiligte, wurde durch ein berabfavendes Mauersrück getroffen und starb bald darauf im Garnisonlazarett. � Nach sieben Jahren als Leiche aufgefunden. Im Jädkemühler Forste(Kreis Ueckennünde, Pommerns, an einer Stelle, die selten eines Menschen Fuß betritt, wurde in einem Tannendickicht die Leiche des seit 1000 vermißten Böttchers G r e i n e r t aus Tor- g�e l o w aufgernden. Daneben lag ein Gewehr mit Patronen. Schon seinerzeit ging das Gerücht, daß Greinert Selbstmord ver- übt habe, die Sache konnte aber bisher nicht aufgeklärt werden. Svätc Sühne. In Schlotheim wurde—. wie der„V. Z." aus Pößneck gedrahtet wird— unter dem Verdacht, vor zwölf Jahren die Wirtseheleute Schmidt in Mehrstede ermordet zu haben, die Tischlersfrau Hofsmeister verhaftet. 3000 Zeitungen und Zeitschriften eingegangen. Die ZeitungS- liste des Reichspostgebietes für 1016 weist neuerdings 1255 Zei» iungcn und Zeitschriften auf, die infolge der Kriegszeitläufte ihr Erscheinen einstellen mußten. Tie Gesamtzahl der seit Kriegs- beginn eingegangenen deutschen Zeitungen und Zeitschriften ist da- mit auf 3000 gestiegen. Die größte Farbenfabrik Italiens, die Colorificio Veneziano in Venedig, ist ein Raub der Flammen geworden. Da die Speicher mit großen Vorräten an Rohmaterial angefüllt waren, ist der Schaden sehr bedeutend. Fliegerunglück in Frankreich. Bei Nancy fing ein Flugzeug in der Luft Feuer. Beide Insassen, darunter ein Sohn des Gene- ralS der Artillerie Mal cor, verbrannten. Fette Schnapsdividcnde. In B u d a p e st machte die S ch w in d- t'che L i k ö r- u n d R u m s a b r i k im letzten Geschäftsjahr einen Reingewinn von 2 280 000 Kronen. Da das gesamte Aktienkapital des Unternehmens nur 1 200 000 Kronen beträgt, entspricht der Ge- winn einer Dividende von 100 Prozent. Da müssen selbst Kriegslieferanten neidisch werden. Jugenüveranstaltungen. Charlottenburg. Arbeiter-Jugendheim, Rosinenstraße 4. Heute MonatSversammlung._ Sistungsi-lge der Stadt- und Gemeindevertretungen. Eichwalde. Freitag, den 14. April, abends 61/, Uhr, im Sitzungssaale des Rathauses. Bildung eines Krankcnkassenzweckocrbandcs und Beratung des Etats. Steglitz. Freitag, den 14. April, abends 6 Uhr. Fridorichshageil. Freitag, den 14. Avril, nachmittags 5 Uhr, im Rathause. Auf der Tagesordnung steht: Etatsbcratnng und Fcitsctznng der für das Rechnungsjahr 1916 zu erhebenden Äemcindcsteueni. Tiefe Sitzungen sind ölicnllich. Jever Gcmcindcaiigchiirige>« be> lechtigt, ihnen als Zuhörer beizumohucn. Sriefkasten öer Neöaktion. — Elfe 37. Bei diesem Verdienst wird Ihnen das Armenrecht der- weigert werden.— 77. III. 1. Das Bcköstignngsgcld muß Ihnen gezahlt werden. 2. Es wird nur unterschieden zwischen Vcrpflcgnngsgcla im Kriege und im Frieden. Im Kriege beträgt das Vcrpflegungsgeld täglich 1,20 M. Pro Mann, ob an der Front oder Garnison ist gleich. 3. Das ist eine eigenmächlige Handlungsweise der Kompagnie. 4. Legen Sie dagegen die für den Soldaten vorgeschriebene Beschwerde ein.— Eoldap. Land» sturmpslichtig i Krampsadcrn und Mißgestattung des Beckens.— Ld. 701. 1. und 2. Wenden Sie sich mit einer Anfrage an die Slaalsanwaltichast des KöiiigL Landgerichts I, Berlin XW, Turmstr. 91, unter genauer An- gäbe Ihrer Adresse und der Personalien des Angeklagten. 3. Wenn die Frist verstrichen ist, ist eine Weitervcrsotgunz der Sache� aussichtslos. Zur zweiten Frage: 1. Die Bundesratsverordnung erstreckt sich auch auf Ihre Sache ,' es muß Aussetzung des Verfahrens bis nach Kriegsbecndigrmg bezm bis zu Jbrcm Austritt aus dem Heeresdienst erfolgen. 2. Ja. 3. Sollte eine Verurteilung ersolge», io muß Ihnen ja das Urteil zugestellt werden. Innerhalb vier Wochen naw Zustellung des Urteils tonnen Sie Berufung einlegen.— C. H. 55. Herzleiden; zurückgestellt. ISettcrauSsichtcn für das»iitttere Storddeutiwtano vis Freitag mittag. Ziemlich kühl. Zeitweise ausktarend, jedoch sehr beständig. LängS der Küste und im Westen vieljach ziemlich starke. Südosten meist schwächere Regenjälle. im UNOeMbTACOT Etwas#axi3? Besonderes i Rester* Handlung. Kammgarne, Tuche, Cheviots, blau und farbig. Covercoats, Staub- und siegen mäntelstoffo.* Moderne Kostüm- u. Rockstoffe. Taffte, Seiden, in schwarz und farbig, zu Kostümen, Mänteln, Kleidern u. Blusen. Kiconanttwahl i. Stoffen für Herren- und Knaben- Anzüge. Damen-Konfektion. 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