Ar. 104.- 33. Jahrg. nbonncmcntS'Bcdingungen; SbonnemenLs- Preis pränumerando: Bierteljährd 3,S0 monal!. lL0 STIL, (pödiemiicfi 30 frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- kieilage»Die Neue LZett" tO Pfg. Poft- ilbonnemenl: 1,30 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn LA) Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonnements nehnien an Belgien. Täncmarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. Öldjcisl täglich. Vevlinev Volksblstt. [ 5 Pfennig] Die Tnlcrtlons-GcbQlir ietrügt für die sechsgespaltene KolonB- seile oder deren Raum 30 Plg„ für politische und gewerlschaftlichc LereinS- «nd Versammlnngs- Anzeigen 30 Pfg. «rucine Zsnrcigcn". das fettgedruckte Wort 00 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Wortes, sedeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellcnait- zeigen das erite Wort 10 Psg» scdos weitere Wort ö Psg. Worte über iSBuch- flabcn zäkilen für zwei Worte. Atsiernle in: die nächste Nummer müsset! bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Srveöitiott tjt vis 7 Uhr abends geognet. chelegramm-Adresl«! .SräZlecgisIlm Belli«". Zentralorgati äer rozialdcmokratifcben Partei Deutfchlanda. Keöaktion: EW. HS, Linöenstraße Z. tkerulvrecher: Amt Ntoritzplatz, Nr. IM 90— 151 97. Freitag, de« 14. April 1916. Expedition: EW. HS, Lindenstraße 2. kserusprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 15190—15197. beginnende diskulstonen. Unser treffliches englisches Brudcrorgan. der„Labour Leader". machte in seiner letzten Nummer den Vorschlag, dah erstens das Internationale Sozialistische Bureau die sozialistischen Parteien der kriegführenden Mächte befragen solle, weshalb sie die Forderungen ihrer Regierungen unter- stützen, und in welchen Punkten Cnnigkeit zu erreichen möglich wäre, und daß zweitens die sozialistischen Parlaments Mitglieder immer wieder darauf dringen sollen, daß die R e gierungen die Kriegsziele deutlich angeben. Wir hegen keinen Zweifel, daß sämtliche Sektionen der Jnter nationale trotz der Gegensätze, die sie heute noch voneinander trennen, diesem Gedanken als einem der Mittel zur Wieder Herstellung der Internationale freudig zustimmen werden. Und dies uni so mehr, als eine solche praktische Verständi- gungsarbeit in eine Zeit fallen würde, wo selbst in bürger- lichcn Kreisen der kriegführenden Länder Anzeichen einer ko n k r e t e r c n Diskussion zu verzeichnen sind. Recht deutlich tritt diese Erscheinung aus Anlaß der Rede des Reichskanzlers und der Antwort, die der cuallsche Ministerpräsident Ä s q u i t h auf sie erteilte, zutage. Ein führendes liberales Blatt Englands, der„Manchester Guardian", schrieb aus Anlaß der Rede des Reichskanzlers in einem Leitartikel: »Mäßigung kann erst dann ihre Wirkung ausüben, wenn man einem praktischen Mann erlaubt, auf die Szene zu treten und jede Partei zu fragen, was sie in Wirklichkeit will. Wir können aus der Reichskanzlerrede entnehmen, daß der Augen- blick für diesen praktischen Mann nach nicht gekommen ist. Aber als Nesnltar einer Äricgsführung von 20 Monaten zeigt sich so etwas in Deutschland, als wenn die Geburt dieses praktischen Mannes, wenn nicht sogar vernünftigeren Meinung, jeden- falls aber einer konkreteren Diskussion sich nähere." Einzelne Stimmen der deutschen Presse machen in der Tat den Eindruck, als ob eine solche„konkretere Diskussion" sich nähere. Freilich tre 11 auch hierbei die charakteriinschen Nuancen in der Zielrichtung dieier Preßorgane deutlich, zu- tage. Dies erhöht aber nur noch die Bedeutung der allmählich eillsetzenden Diskussion, da sie neben einer außerpolitischen auch eine inner politische Bedeutung— im Sinne einer bc- stimmten parteipolitischen Orientierung— gewinnt. Unter diesem Gesichtspunkt bietet beispielsweise die Stellungnahme unserer Presse zu der gemeldeten Rede von Asquich ein inter- essantes und politisch bedeutsames Bild. Theodor Wolfs hebt im„Berliner Tageblatt" ans der Rede des englischen Ministerpräsidenten folgende Sätze als englisches K r i e g s z i e l heraus: »Großbritannien und auch Frankreich traten nicht in den Krieg ein, um Deutschland zu erdrosseln oder um es von der Karte Europas wegzuwischen, nicht um sein nationales Leven zu zerstören oder zu der- st ü m m e l n, und sicherlich nicht, um sich in die freie Aus- Übung seiner friedlichen Bestrebungen hinein- zu mischen. Wir wurden beide, hier und in Frankreich, dazu genötigt, die Waffen aufzunehmen, um zu verhindern, daß Deutschland, womit in diesem Falle Preußen gemeint ist, eine militärische Bedrohung für die Nachbarn bilde und eine Ober- Herrschaft über diese erreichte. Deutschland hat wäh- rcnd der letzten zehn Jahre bei mehreren Anlässen seine Absicht gezeigt, Europa unter gleichzeitiger Bedrohung Äorschriften zu machen, und durch die Verletzung der Neutralität Belgiens hat es bewiesen, daß es sein Uebergewicht selbst um den Preis eines allgemeinen Krieges Hersdellen will und dadurch, daß es die Grundlage der europäischen Politik, wie sie durch Verträge festgelegt ist, zerreißt. Die Absicht der an dem Krieg beteiligten Verbündeten ist, diesen Versuch zunichte zu machen und dadurch den Weg für ein internationales System zu ebnen, welches den Grundsatz gleicher Rechte für alle zivilisierten Staaten sicherstellen wird.(Bei- fall.) Wir wollen als Ergebnis des Krieges den Grundsatz fest- legen, daß internationale Probleme durch freie Unter- Handlung unter gleichen Bedingungen zwischen freien Völkern behandelt werden müssen, und daß eine solche Uebereinkunft nicht länger durch das überwältigende Gebot einer Regierung, die von einer militärischen Kaste k o n- t r o l l i e r t wird, aufgehalten und beherrscht wird. Das ist es, was ich unter Vernichtung der militärischen Herrschaft Preußens verstehe, nicht mehr, aber auch nicht weniger." Hierzu bemerkt Theodor Wolfs, die Rede erwecke den Ein- druck, daß„ganz ähnlich, wie Herr v. Bethmann Hollweg bei Erwähnung der deutschen Kriegs ziele einen geivissen Unter- schied zwischen dem Westen und dem Osten machte, auch Herr Äsauith, bei der Erwähnung der Kriegs g r ü n d e, einen Unterschied zwischen den Westmächten und Rußland habe an- deuten wollen". Zu denr Wunsche Asguikhs, daß Deutschland keine Oberherrschaft ausübe, bemerkt er: »Von einer solchen Hegemonie haben gewiß manche deutsch- nationalistischen Kreise sehr reichlich geschwatzt, das ernsthafte und vernünftige Deutschland aber ist nur der Meinung, daß keine Macht eine„Oberherrschaft" ausüben solle, nicht Deutsch- land und auch England nicht." Gegen den Grundsatz Asquiths, daß„internationale Pro- bleme durch freie Unterhandlung unter gleickzen Bedingungen zwischen freien Völkern behandelt werden müssen", hat der Chefredakteur des„Berliner Tageblatts" offenbar nichts ein- zuwenden: »Gegen die Schaffung neuer Rechtsgarantien würde grundsätzlich nichts einzuwenden sein. Die Vorlage bleibt nur immer: wie sehen diese Garantien aus, und verbürgen sie wirklich gleiches Recht nach allen Seiten hin?" Bleiben als praktische Fragen noch die belgische und die polnische Frage. Theodor Wolfs konstruiert aus den Reden der beiden leitenden Staatsmänner eine gewisse Ueber einstimmung hinsichtlich ü>es O st e n s, ohne auf die Differenz- punkte im Westen näher einzugehen: »Die Bankettrede des britischen Ministerpräsidenten enthält dann noch die Erklärung, die Alliierten seien entschlossen,„das a l t-e Belgien wieder erstehen zu sehen". Sehr viel weniger bestimmt— oder sogar ohne jegliche Bestimmtheit— spricht Herr Asquith sich über Polen aus. Er begnügt sich damit, es einen »Zynismus" zu nennen, wenn der Reichskanzler den Standpunkt vertreten habe, Deutschland müsse vor allen Mächten die freie Entwicklung gewisser Volker, die Pflege ihrer Muttersprache und ihrer nationalen Individualität begünstigen. Er weist auf die Gerinanisierungsversnche in den preußischen Ostprovinzen hin. Aber er beschränkt sich auf solche abfälligen Bemerkungen und geht auf die Erklärung des Reichskanzlers, daß die besetzten Ge- biete im Osten nicht wieder an Rußland zurück gegeben werden konnten, mit keinem Worte ein. Es braucht nicht nochmals daran erinnert zu werden, daß diese Er- klärung des Reichskanzlers sehr viel bestimmter und deutlicher als die Sätze über Belgien— auf die Herr Asquich antwortet— formuliert gewesen ist. Herr Asquith mag, um es zu wieder- holen, an dieser engliich-ftanzöstschen Festtafel vor allem die Ab- ficht gehabt haben, die Solidarität zu betonen, welche die West- liehen Volker eint. Aber in seiner sehr andeuwngSrcichen Rede ist vermutlich alles berechnet und abgewogen— sowohl das, was er sagt, wie das, was er nicht berührt." Mag es nun Zufall o-der Absicht sein, so ist es jsdenfolls interessant, daß an demselben Tage, wo Theodor Wolfs diesen Artikel schrieb, der Verfasser-der politischen Uebersichten in der „Kreuzzeiwng", Prof. Otto Hoetzsch, das Thema:„Wo steht der Hauptfeind?" wieder aufnahm und mit großer Wärme für eine Orientierung der deutschen Politik nach-dem Osten— selbst um den Preis der völligen Preisgabe Per- siens und der entsprechenden Regelung der orientalischen Frage— eintrat: „Blicken wir auf die Enttvickelung Rußlands in den letzten drei Jahrzehnten und nehmen wir die ungeheure Schwächung hin- zu, die es durch diesen Krieg erfäbrt, so scheint uns klar zu sein, wie in der heute allein möglichen Begrenzung die Frage nach dem Hauptfeinde nach dem Kriege zu entscheiden ist.?ln sich mögen diese Erwägungen heute nur für unser politisches Denken von Wert sein, aber reine Theorie sind sie nick-.:, weil sich nach diesem Gesichtspunkte offensichtlich die Art und Weise bestimmt, in der unsere Diplomatie an die Liquidation dieses Krieges heranzugehen hat." Gewissermaßen als Ergänzung dieses Standpunktes sei die Aeußcrung des Grafen v. R e v e n t l o w, des Lcit- artiklcrs der„Deutschen Tageszeitung", zu der Rede Asquiths wiedergegeben: »Der vorliegende Auszug der Asquithschen Rede zeigt sozu- sggcn zwischen dew Zeilen— wir möchten darauf nachdrücklich hinweisen— den vorsichtig durchscheinenden Wunsch, mit dem Deutschen Reiche über Belgien in einen gewissen.Meinungsaustausch" einzutreten." Nach-der Ansicht Revcntlows liege es lediglich im b r i t i- s ch e n Interesse, die belgische Frage jetzt in den Fluß einer internationalen Erörterung zu bringen. „ES liegt ferner sehr nahe— fährt er fort—, angesichts de» neulichen Beschlusses der französischen Sozialisten in Betreff Wiederherstellung internationaler Beziehungen, ferner der Stellungnahme der deutschen Sozialisten und des deut- schcn Freisinns zum Thema Belgien, daß Asquith hier eine günstige politische Konjunktur für Durchsetzung des alten brstischen Belgienstandpunktes zu erblicken glaubt." Worin aber der„Belgienstandpunkt" derer um Reventlow besteht, formuliert ganz hübsch die„R h e i n i s ch> W e st- f ä l i s ch e Zeitung", das Organ der Scftwermdustrie: »Der Gegensatz zwischen dem Kriegsziel Bethmann Sollwegs, daß Belgien nie wieder ein Einfallswr in der Hand England» werde, und dem Asquiths, daß Belgien dauernd ein Brückenkopf Englands sei, ist eben unüberbrückbar. Hier gibt es kein Kompromiß, sonder» nur Kampf dt» aufs Messer." Eine eigenartige Verquickung dieses Standpunkte? etwa mit dem des„Berliner Tageblatts" liefert endlich Herr Georg Bernhard in der„Vossischen Zeitung": »Die Hauptfrage scheint/ wie Herr Asquith sich zu der bei- gischen Frage stellt, über die der Kanzler ausführlich ge- sprachen hat. Ueber die„realen Garantien", die der Kanzler forderte, schweigt sich Herr Asquith vollkommen aus. Er verlangt die Wiederherstellung des alten Belgien und den Wieveraufbau des Landes. Wenn Herr Asquith unter der Wiederherstellung des alten Belgien die Wiedereinfügung des ftüheren geographischen Begriffes in die Landkarte Europas versteht, so würde sich vermut- lich über diesen Punkt reden lissen. Aber wenn er an mehr als einen geographischen Begriff gedacht hat, wenn er wirklich politisch alles ungeschehen machen will, was in und wegen Belgien passiert ist, so würde jede weitere Unterhaltung mst Herrn Asquith unnötig sein. Nach wie vor stehen wir daher auf dem Standpunkt, daß auf einen Frieden mit England— und über England mit seinen Verbündeten— augenblicklich auf einer Basis, die unseren großen Waffenerfolg'cn auch nur einigermaßen Rechnung trägt, nicht gerechnet werde» kann." 1 Die zitierten Aeußerungen kennzeichnen ungefähr- das Bild, das die bürgerliche Presse zurzeit in ihrer Stellung zu der aktuellen Tagesfrage bietet. In der Hauptsache sind es dieselben Anschauungen und parteipolitischen Schattierungen, wie wir sie seit Jahr und Tag in den betreffenden Organen, als den Vertretern bestimmter gesellschaftlcher Gruppen finden. Neu ist an ihnen weniger die Argumentation und die Ziel- richtung, als ihre Zuspitzung auf k o n k r e t e D i u g c. Und eben deshalb erachteten wir es, trotz der U u v o l l st ä n d i a- k e i t des sich aus diesen Stimmen ergebenden Bildes als ge- boten, von ihnen zusammenhängend Notiz zu nehnwn.(z). Die Unruhen in Holland. Von I. F. A n k e r s m i t- Amsterdam. Was sich am vergangencn Freitag in Holland ereignet hat, die plötzliche Einziehung aller militärischen 1lrlaubScrteilunge.il, hat im Ausland zu allerhand Vermutungen den Anlaß gegeben. In der Presse der Mittelmächte glaubte man als richtig mitteilen xu können, daß englischerseits ein Angriff auf die Neutralität Holland geplant war, während man in der Presse der Alliierten umgekehrt dessen sicher wa., daß es sich nur um einen deutschen Angriff handeln könnte. Im Lande selber war man weniger schnell mit seinem Urteil fertig. Zwar liefen die verschiedensten Gerüchte, und in der allgemeinen Nervosität, Wclckw die vollständig über- raschende militärische Verfügung hervorrief, gab cS kaum ein Ge- rücht, das keinen Glauben fand. Soweit aber diese Gerüchte in bestimmterer Form durch hiesige Korrespondenten in die deutsche Presse abgelagert worden sind, wird man gut daran tun. sie nur als den Ausfluß des Wunsches der betreffenden Journalisten zu be- trachten, ihren Redaktionen mal eine recht ilitcressante Meldung zu übermitteln, auch trenn es noch so einflußreiche Zeitungen be- rrifft. Wußte man doch hier in Holland selbst sogar in den ge- wohnlich bcstinformicrten Zeitungen nichts Besiimintes über die plötzliche Maßnahme unserer militärischen Autoritäten, und es wäre doch wohl befremdend, wenn dann ein beliebiger ausländischer Korrespondent näheres erfahren hätre. Tie offizielle Erklärung der. holländischen Regierung ist gleich nach einer von der Regierung veranlassten geheimen Sitzung der Zweiten Kammer, die nur anderthalb Stunden dauerte, veröflent- licht worden. Die Erklärung lautet: »Die Regierung legt Wert darauf, im Anschluß an. die Mit- teilungen in der Geheimsitzung öffentlich mitzuteilen, daß die Einstellung der Urlaubserteilung eine Maßnahme der Fürsorge ist in Verbindung mit dem festen Entschluß) unsere Neutralität unter allen Umständen zu handhabe!:. Diese Maßnahme ist nicht eine Folge existierender politischer Bertvickelungen, sondern ist begründet auf Angaben, die eine Zunahme der Gefahren, denen nnsr�Land ausgesetzt ist, fürchten lassen. Es wäre nicht im In- teresse des Landes, vom Inhalt dieser Angaben irgendwelche Mitteilung zu machen." Diese Mitteilung ist, wie man sieht, sehr dürftig. Sie wird hier aber allgemein so aufgefaßt, daß von der Absicht eines An- griff» auf die holländische Neutralität seitens einer der krieg- führenden Mächte keine Rede ist, daß aber die holländische Rc- gierung Ursache hat, anzunehmen, daß sich in kurzem die allgr- meine Kriegslage und die KriegSereignisse verschärfen könnten. und in diesem Falle die Wahrung unserer Neutralität eine erhöhte Kraftaufwcndung erfordern würde. Keineswegs um aucki nur den Schimmer einer Andeutung zu machen, daß die hiesige Regierung derartige Wahrscheinlichkeiten für gegeben hälr, sondern nur um einige Beispiele zu geben, weise ich auf die Möglichkeit einer solchen Aenderung der- Lage an der Westfront hin, daß aufs neue, wie in den ersten Kriegsmonaten an der holländischen Grenze größere ausländische Truppenabtcilnngen zu internieren seien, oder auch auf die Möglichkeit eines Seegefechts in der Nähe unserer Küste, wobei vielleicht ausländische Krieger auf die Küste flüchten möchten und dann ebenfalls zu internieren seien. Jedenfalls hat das Vorgefallene die gute Seit« gehabt, daß wieder einmal das ganze Ausland hat verspüren können, wie die holländische Negierung die feste Absicht bat, keinen tätlichen Ein- brnch auf unsere Neutralität zu akzeptieren. Der holländische Staat hat sich in diesem Weltkrieg neutral erklärt und hst nur den einzigen Wunsch, bis zum Ende neutral zu bleiben. Dieser Wunsch stimmt auch übcrein mit dem Wunsche fast der ganzen Bevölkerung, eine Tatsache, die selbst- verständlich die Neutralität sehr verstärkt. Der Umstand, daß beim Bekanntwerden der Urlaubscinziehungcn die Veranlassung hierzu nicht bekannt war, so daß also alle Möglichleiten angenommen werden konnten, hatte zur Folge, daß dieser Neutralitätswillen, der� in seinem Wesen ein Friedenswillen ist, in ungetrübtester Weise in die Erscheinung trau Mir ist ieine Stimme bekannt ge- worden, die sich dafür aussprach, einen Angriff auf die holländische Neutralität hinzunehmen aus Sympathie für eine der beiden kriegführenden Gruppen. Damit ist nicht gesagt, daß nicht ein großer Teil der Bevölkerung, soweit sie sich über solche Sachen ein Urteil bildet, mit seiner Sympathie auf einer der beiden Seiten steht. Nur ist damit gesagt, daß e» hier kaum einen gibt, der dieser Sympathie zu Liebe auf die Neutralität des Landes bcr- zichtcn möchle. Es ist nicht überflüssig, diese Tinge in der deutschen Presse einmal genau festzustellen, wenn sogar ein angesehenes und in seinen Nachrichten vertrauenswürdiges Blatt sich anläßlicki der Gerüchte über englische Angriffspläne auf Holland mitteilen läßt, deutsche Kaiffleme, die aus Holland zurückkamen, hätten mitgeteilt. in den letzten Tagen h\ dort die Stimmung für Teutschland, oder wenn viele deutsche Blätter schreiben, die holländischen Militärs» schcn Wtaßnahmen seien gegen die Alliierten gerichtet. Jeder dgr- artige Zeitungsklatsch ist unnützes Gerede, das nur dazu bei- tragen könnte, in der deutschen Oeffentlichkeit unrichtige Vor- stellungen um sich greifen zu lassen. Holland fft als Stqat voll- ständig neutral, und seine Neutralität liegt fest verankert in dem Friedenswillen und dem Abscheu vor dem mynschenmöpderischcn Weltringen, welche die ilberwaltigendo Mehrheit seiner Dc.voike» rung erjüllea. tzollanös militärische Vorbereitungen. Zürich, 1�. April.(T. U.) Aus Berichien des Amster- damer Korrespondenten der„Neuen Züricher Zeitung" geht hervor, das; die holländische Regierung die vorzeitige Ein- vccufuug der Jahresklasse llll?, die auf Oktober in Aussicht genommen mar, erwägt. ES sei verfrüht, auf die baldige Rück- kehr normaler Zustände zu schlicßcm Tie Kriegsbereitschaft dauere fort und werde verstärkt. Die Woche vom 2. bis H. �pril. Von Richard Gädke. Die Woche ist wesentlich mit einer Reihe erfolgreicher deutscher Vorstöße in dem Kampfgebiet westlich V e r d u n auZgefüllt worden. Die borderstc feindliche Stellung, die sich bei Beginn der deutschen Offensive am Rordrandc dcS Wäldes von Malancourt und von dort etwa 1 Kilometer nördlich des Forgesbacheö in Richtung auf daS am stufer der Maas gelegene Dorf Brabant erstreckte, ist nunmehr völlig in der Hand der Deutschen. Sie hatte die stark befestigten Dörfer Malancourt, Bethinvillc, ForgeS umfaßt, die sämtlich in Einzelunternchmungen gegen einen außerordentlich zähen Widerstand der. französischen Infanterie erstürmt werden mußten. Nur das schon in der Nacht vom 6./7. März genommene Dorf Farges fiel durch Ileberraschung verhältnismäßig leicht in unsere Hände, indem die Deutschen durch die überschwemmten Maaswiesen von der Flanke und vom Rücken her herankamen, die vom Gegner für ungangbar gehalten worden waren. Ter französische Kommandant wurde zur Strafe vor ein Kriegsgericht gestellt und bald darauf den Truppen angedroht, daß auf weichende Linien in Zukunft mit Maschinen- gewehren und Geschützen würde gefeuert werden. Man griff also be» rcits, um die Verteidigung hartnäckiger zu gestalten, zu den drastischen Mitteln der russischen Kriegführung. Doch nicht mit vollem Erfolge. Demi wo die Moral der Truppe einmal gebrochen oder der Widerstand materiell unmöglich geworden ist, pflegen solche unmenschlichen Mittel auf die Dauer auch zu versagen. Wenn gleichwohl die Vcrteivigung der Franzosen eine glänzende geblieben ist und uns das-Gelände schritt für Schritt mir verbissener Tapferkeit streitig gemacht hat, so spricht dies für den vorzüglichen Geist der Truppen, den nicht an- erkennen zu wollen Unrecht wäre. Die Deutschen Haben demgegenüber ihre weiteren Angriffe nach Art des Fcstungskricgcs geführt, indem auch sie die großen Stürme der ersten erfolgreichen Tage ausgaben, jedes weitere Vorgeben er- neut durch die Massenwirkung und die systematische Beschießung 'chwcrer Batterien vorbereiteten, die feindliche Front Punkt für Punkt durch Hammerschlägc erschütterten und schließlich durch auf- einandcrfolgende Einbrüche langsam annagten. So ist es ihnen schließlich gelungen, vom Walde von Avorourt bis zur Maas eine Frontbreite von 11 Kilometern in ihre Hand zu bringen und ihre eigenen Linien nach und nach um 3 bis 4 Kilometer vorwärts zu treiben. Im einzelnen verliefen die Kämpfe in der Berichiswochc folgen- dermaßen. Am T April gewannen unsere Truppen überall-Tal und Ufer des Forges-Baches, von Ost und West nunmehr das Dorf Bethincourt umklammernd, das sich wie eine Insel, rings umbrandet, noch immer behauptet, obwohl von Osten her seine rückwärtigen Per- bindungcn schon seit Wochen schwer bedroht waren. Es kam nun darauf cm, auch vom Westen her seine Rückseite mehr und mehr ab- zuschnüren. Nachdem am 3. und 4. April der Geschützkampf mit voller Wucht getobt hatte und an letzterem Tage ein Versuch der Franzosen ab« aewtcsen jvar, sich der Mühle östlich Malancourt im Tale des Farges- Baches ivieder zu bemächtigen, erstürmten unsere Truppen am ü. April das Dorf Haucourt, das etwa R>0 Meter südlich des Dorfes Malancourt, und zwar auf der Südseite des genannten Baches be- ginnt. Zwei feindliche Stützpunkte östlich davon fielen gleichfalls in i-llsere Hand. So hatten sie festen Fuß in dem Gelände südlich des Baches auch an dieser Stelle gefaßt und erweiterten zwei Tage später ihre Angriffslinien, indein stc ihnen den Termitenhügel und zwei starke Stützpunkte hinzufügten. Am 9. April endlich wurde dann auch 'as Dorf Bethincourt genommen. Das französische Hauptquartier behauptet, daß es auf Befehl freiwillig geräumt sei. Es ist nach Lage der Tinge'vahrscheinltch, daß diese Absicht sich schließlich bei der feind- .'ichen Heeresleitung Bahn gebrochen ha:. Denn nach den deutschen Erfolgen des 5. und 7. April war das Dorf cjn verlorener Posten, «eine starke Besatzung deni sicheren Untergänge verfallen. Aber die Räumung ist in jedem Fall zu spät ausgeführt tvordeu; das beweisen die schweren blutigen Verluste, die die Franzosen hier erlitten, und die Zahl von 720 unverwnndeten Gefangenen, die sie in den Händen der stürmenden Schlesier lassen mußten. Unsere Linie hat sich nun- mehr auf der ganzen Front westlich der Maas an die zweite fran- wsische Verteidigungsstellung und an einzelnen Punkten auf kürzeste Entfernung herangearbeitet. Diese zieht sich vom Südteile des Waldes von Cheppy her, hart nördlich des Torfes Avocourt vorbei über den mächtigen Höhenzug 394 und dicht südlich des„Toten Mannes" hin .mf den Nordrand des Dorfes Cumieres, wo sie den Anschluß an die NiaaS-Niedcrung geivinnt. Ihre Länge in dieser Ausdehnung beträgt etwa 13 Kilometer Luftlinie. Weniger lebhaft war in der Berichtswoche die Tätigkeit auf dem östlichen MaaSufer, natürlich abgesehen von dem meist forttobenden Kampfe der beiden Artillerien. Immerhin gelang auch hier eine Verbesserung unserer Linien, indem unsere Truppen südlich von Dorf und Feste Touanmont und in dem Caillette-Wald französische Linien am 3. April erstürmten, in den folgenden Tagen aber wiederholte iiarkc Gegenangriffe feindlicher Truppen abwiesen. Der Verlust der Pcrtcidiguugöanlagen im Caillette-Waldc, daS sich gegen die fran- 'ösische Hauptstellung weit vorschiebt, ist besonders schmerzlich für den Gegner. Wie während der ganzen Zeit der Unternehmung um Verdun bat auch während der BcrichtSwoche auf den übrigen Fronten des westlichen Kriegsschauplatzes nicht völlige Ruhe geherrscht. Immerhin verschwindet die Bedeutung dieser Kampfesttigkeit gegenüber den Er- cignisscn zu beiden Seiten der Maas. In dem Argonnerbcrgwalde, mimittelvar westlich des eigentlichen Kampfgebietes, geht der Klein- lricg, wie schon seit 1 b, Iahren. ununterbrochen weiter. Es sind jetzt meist die Franzosen, die kleine Vorstöße gegen die Mitte der deutschen Stellung von Fonr de Paris aus versuchen. Etwas größeren Umfang haben die Kämpfe südlich St. Elvi, bei Alpern, angenommen, Ivo es den Engländern am 3. April gelang, den am 98. Marz verlorenen Sprengtrichtcr uns wieder abzunehmen. Drei Tage später wurden sie erneut hinausgeworfen, und ihr Gegenangriff am 9. April blieb erfolglos. Auch in den V o g e s c n wurde am 7. April südlich Sondernach '.'kämpft, mdent deutsche Truppen eine vorgeschobene französische Stellung am Hilsenfirst mit glücklichem Gelingen ausräumten. Tie Luftangriffe auf England haben in dieser Zeit einen bisher ungewohnten großen Umfang angenommen. Vom 31. März bis zur Nacht vom 5. zum ö. April haben unsere Zeppeline fünfmal bie Insel heimgesucht und, wie es scheint, beträchtliche Zerstörungen m Fabriken, Werften, Eisenwerken angerichtet. Den Umfang der Verheerungen genau zu erfahren, wird wohl erst nach Beendigung dcö Krieges möglich sein. Auf allen übrigen europäischen Kriegsschauplätzen hat sich in den letzten sieben Tagen wenig ereignet. Ter einzige in schmaler Front aber heftig angesetzte russische Angriff südlich des Narotsch- SceS am 6. April konnte nur den Beweis liefern, daß die große Offensive gegen Hindenburgs Heere, durch die das letzte Drittel des März ausgesilllt lvar. in der Tat völlig zusammengebrochen ist und wbald auch nicht wieder in breiter Front ausgenommen werden kann. Tie Berichte stimmen übrigens darin überein, daß die russischen Soldaten tapfer, aber auch sehr ungeschickt angegriffen haben, daß ich in schwierigen Lagen hilflos waren und daß die niedere Führung rölltp versagt hat. Dieses Bild werden auch in Zukunft alle Angriffe 'er Russen in' verstärktem Maße bieten. Ein Heer, das zu zwei Dritteln aus Analphabeten besteht, die nicht wissen, wofür sie sich schlagen, militärisch ganz oberflächlich ausgebildet sind und zum großen lilEÄO Sll EMe« AUMAS. Amtlich. Großes Hauptquartier, deu 13. April 1916. iW. 2. SS.) Westlicher Kriegsschauplatz. Im allgemeinen konnte sich bei den meist ungünstigen Beobachtungöperhältnisscu des gestrigen Tages keine be- deutcnderc Gcscchtstätigkcit entwickeln. Jedoch blieben beiderseits der Maas, in der Woevre-Ebene und auf der CÜte südöstlich von Verdun die Artillerien lebhaft tätig. Südöstlich von Albert nahm eine deutsche Patrouille im englischen Graben 17 Mann gefangen. Ein französischer Gasangriff in Gegend von Pnisaleiue (nordöstlich von Couiptägne) blieb ergebnislos. L estlicher Kriegsschauplatz. Südlich des Narocz-Sccs verstärkte sich das russische Artillericfencr gestern nachmittag merklich. Oestlich von Baranowitschi wurden Vorstöße feindlicher Abteilungen von unseren Vorposten zurückgewiesen. Balkan-Kriegöschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Oberste Heeresleitung. * ♦ « N MmMW semlilwMW. Wien, 13. April. iW. T. BF Amtlich wird verlautbart: Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nach wie vor unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. DaS ArtiLcricfcuer hält an zahlreichen Stellen der Front mit wechselnder Stärke an. An der Ponalc-Straßc sind wieder Kämpfe im Gonge. Der Stellvertreter des(ThefS des GcneralstabeS, v. H o e f e r, Fcldmarschallcutnant. Teil von schnell gepreßten, unerfahrenen, vielfach revolutionär ge- stimmten Offizieren in unzureichender Zahl geführt werden, hat selbst bei größter Uebermacht gegen unser intelligentes Volksheer keine Aus- ficht auf Erfolg. Auch im Kriege siegt der Geist über die Materie. Die Verhältnisse auf den asiatischen Kriegsschauplätzen, von denen nur spärliche, einander widersprechende Nachrichten ein- gehen, lassen sich sehr schwer beurteilen. In Armenien scheint der russische Vormarsch sich mindestens sehr verlangsamt zu haben, und die Russen selbst melden, daß die Türken wieder beginnen, zum An- griff überzugchen. Im Irak hält sich General Townshend noch immer in seinem befestigten Lager von Kut-el-Amara, aber der eng- lische Entsatzversuch, zu dem General Gorringe, der Nachfolger des Generals Aylmer, am S. April wieder angetreten ist. hat bisher eben- falls nicht zum Ziele geführt. Die Türken behaupten sogar, daß die Engländer aus den an diesem Tage gewonnenen Vorstellungen nach ihrem vergeblichen Angriff auf die HauptvertcidigungSlinie am 6. April wieder hinausgeworfen seien. Der französische Tagesbericht. Paris, 13. April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Mittwochnachmitrag: Auf dem linlen Ufer der Maas haben die Deutschen beute morgen auf unsere Stellungen am Caurettes- Walde zwischen dem„Toten Mann" und Cumiäres einen Angriff ge- richtet, bei dem sie brennende Flüssigkeiten schleuderten. Der Feind wurde überall zurückgeschlagen. Auf dem rechten Ufer starke Ar- lillerieiäligkeit zwischen Douaumont und Vaux. Der Feind er- neuerle jedoch während der Nacht seine Angriffsvcrsuche nicht- Es bestätigt sich, daß die gestrige sehr heftige Offensiv« tätigkeit, die um 4 Uhr nachmittags auf diesen Abschnitt gerichtet lvar und die wir überall zurückgeschlagen haben. dem Feinde sehr beträchtliche Verluste gekostet bat. Die Nacht verlief auf dem übrigen Teil der Front verhältnismäßig ruhig. Paris, 13. April.<23. T. B.) Amtlicher Bericht vom Mittwochabend. In Belgien war unsere Artillerie in der Gegend von Langemark tätig. Zwischen Somme und Oise hat unser ZerslörungSfeuer die Gräben westlich von ParvillerS und in der Gegend von Roye verichültet. In den Argonnen ließen wir bei Fille Morle, Haute Ehevauches und VauquoiS vier Ouetsch- minen auffliegen. Nach einem Kampf mit Handgranaten haben wir die Südränder zweier Trichter vor unseren Gräben im Abschnitt von CourteS ChausieS besetzt. Westlich der Maas heftige und andauernde Beschießung bei der Höhe 394, in der Gegend von EsneS und des Toten Mannes. Oestlich der MaaS und in der Woevre Arlillerielätigkeit. Zu einem Vorgehen der Jnfanlerie ist es im Laufe des TageS nicht gekommen. Belgischer Bericht: Auf der Front der belgischen Armee herrschte Ruhe. Die englische Melüung. London, 12, April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Gestern abend rührten wir eine erfolgreiche kleine Unternehmung gegen die feindlichen Gräben in der Nähe von Stichebourg und Lavoue durch, bei der wir zehn Deutsche löteten. Ter Feind griff gestern abend dreimal hintereinander westlich der Straße Pilcken— Apern an. Beim ersten Angriff gelang es ihm, in unseren Gräben Fuß zu fassen, er wurde aber rasch vertrieben. Seine anderen An- griffe wurden abgeschlagen, wobei er fünfundzwanzig Tote und drei Gefangene zurückließ. Wir beschossen heule die feindlichen Gläben in diesem Gebiete. Besonders tälig lvar die Artillerie nordwestlich von Wylschaeie. etwas auch bei SouchcS. Carcncy und Calonnc. Die feindliche Artillerie war hinter St. Elvi sehr tätig, beschoß aber wenig unsere vorderste Linie und die Trichter. Es stellt sich jetzt heraus, daß die hier in der Nähe kämpfenden Kanadier dem Feinde in der letzten Woche schwere Verluste zugefügt haben.- Der rujsische Kriegsbericht. Petersburg, 13. April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 12. A p r i l. Westfront: An der Düna und südlich von Dünaburg stellenweise Infanterie- und Arlilleriefeuer. Feindliche Artillerie beschoß gestern in der Gegend des Brückenkopfes von Uextüll mehrere Unterkünfte. Bei Kutnh(40 Kilometer) südwestlich PinSk hatten freiwillige Erkundungsabteilungen von uns einige für uns erfolgreiche Zusammenstöße mit deutschen Patrouillen. Nördlich und südlich des Bahnhofes von Olyka machte der Feind Versuche. an unsere Gräben heranzukommen und sich vor ihnen einzugraben. Wir wiesen ihn zurück. Kaukasus: In der Gegend westlich Erzerum eroberten unsere Truppen wiederum Teile türkischer Stellungen. Bei BitliS wurden alle Angriffe dc-Z Gegners abgeschlagen. Tie südlich dcS Urmia-Sces geworfenen kurdischen Banden gehen fluchtartig nach Süden zurück. Me!öung üer italieniscben Heeresleitung. Rom, 12. April.vas nach seiner Meinung bei»veniger eingeweihten Leuten die Mehrheit ins llnrccht zu setzen und die Anhänger der Mehrheitspolitik auch persönlich in den Augen der Genossen herabzuwürdigen geeignet war. Eine bedauerliche Folge dieser parteizerrüttenden Tätigkeit des„Vorwärts" war auch der Beschluß des Berliner Zentralvorstandes, der in denkbar schroffster Form alle Schuld auf die Fraktionsmehrheit häufte und sich mit Haut und Haaren der neuen Fraktion verschrieb. Nur in diesem Zusammenhang ist meine Bemerkung zu verstehen, daß die Berliner Gcgengründe nicht anhören. Selbst wenn sie den Schall der Worte vernehmen, so sind sie durch die jahrelange Gelvöhnung durch den„Vorwärts" doch innerlich gegen irgendwelche Gründe und Darlegungen der Mehrheit immun geworden. Wenn der„Vorwärts" die Gelegenheit benutzt, um mir einige persönliche Liebenswürdigkeiten zu sagen, so zeigt das nur erneut, daß die seit der Fraktionsspaltuug von ihm mit Eifer anderen anempfohlene Methode der Sachlichkeit durch ihn selber noch keine Anwendung findet. Wenn ich in einer parteipolitischen Frage von der Redaktion des„Vorwärts" abweiche, so hat das natürlich gar nichts mit meinen Ansichten über Wissenschaft und Bildungs- arbeit zu tun. Und wenn ich aus neuen Tatsachen der gesell- schaftlichen EntWickelung lerne und darnach bisherige Erkenntnis ergänze oder berichtige, so glaube ich damit nicht gegen das Parteiprogranim oder den Ivissenschaftlichen Sozialismus zu verstoßen. Vielleicht entschließt sich auch der„Vorwärts" noch einmal zu solcher Art des„Umlernens". Man soll die Hoffnung nie aufgeben. Heinrich Schulz. » ♦ Wir hätten zivar keine Vervslichtung, diese neuen An- würfe gegen uns auch noch abzudrucken. Aber weshalb sollen wir unseren Lesern nicht an einem Beispiel zeigen,>vie„man" sich die„Herstellung der„Meinungsfreiheit" denkt. Auf be- sonderes Verständnis stießen bei uns die Schulzschen Dar- lcgungcn über die„jahrelange Gewöhnung" der Berliner Genossen an die angebliche Hetze des„Vorwärts" gegen Frak- tionsmehrheit und Partcivorstand. Vor nicht allzu langer Zeit kritisierte Genosse Schulz noch den„Vorwärts", weil er z u Parteivorstands- und fraktionsoffiziös war! Ja, ja, das Umlernen I Die Redaktion des„Vorwärts". Die Kriegsgewinnsteuer in der Budgetkommission des Reichstags. Ter§ 23 der Vorlage, der die Einschätzung der sogenannten „Schachtelgesellschaften" regelt, ivird angenommen. Zu den, mit verhandelten§ 30 beantragen die Sozialdcmo- k raten folgenden Zusatz: „Ter Bundesrat bestimmt die für die Veranlagung und Er- Hebung der Kriegsvermögcnssteuer der B u n d e s f ü r st c n zu- ständigen Behörden." Staatssekretär H e l f f e r i ch erklärt, daß die Bundessürsten sich freilvillig bereit erklären, diese Steuer zu bezahlen; eine Verpflich- tung sei nicht anzuerkennen.— Trotz dieser Erklärung stimmte dir Kommission dem sozialdemokratischen Antrag ohne Widerspruch zu. § 3V Ivird dahin geändert, daß die Abgabe binnen 12 Monaten — statt 3 Monaten— nach Zustellung des Bescheids in drei gleichen Raten zu entrichten ist. Bei§ 41, der dein Bundesrat das Recht zur Milderung oder Ver- meidung besonderer Härten zuerkennt, wünscht Abjj. Erzbergcr eine Erweiterung dieses Rechts.— Abg. David iSoz.): Man dar- dem Paragraphen nicht eine Fassung geben, durch die dem Bundesrat die Anwendung des Gesetzes generell anheimgestellt wird. Nur ein- zelne besonders geartete Fälle dürfen der Nachprüfung des Bundes- rat» vorbehalten bleiben. Tie Vorlage wird angenommen. ij 43 bezweckt die Aendernng einiger Bestimmungen de» Besitz- steuergesetzcs. Von Interesse ist hier ein von den Nationalliberalen gestellter Antrag, Ivonach der V o r s i tz in den Besitz st euer- ä m t e r n bei Veranlagung der Kriegsgewinnsteuer nicht durch Be- amte der allgemeinen Laiidesvcrwaltnng(Landräte), sondern durch finanz- und steuertcchnisch vorgebildete Beamte geführt werden muß. — Staatssekretär Helfferich hat gegen den Antrag die„aller- größten Bedenken". Man könne nicht von Reichs wegen den Einzel- staaten Vorschriften für ihre Steucrorganisation machen.— Abg. David: Wir sind für den Antrag. Reichsrecht geht über Landes- recht. Verfassungsmäßige Bedenken stehen nicht im Wege. Wenn das Reich eigene Steuern macht, so hat es auch Vorsorge zu treffen für die einheitliche Durchführung. Den Einzelstaaten sind schon im Be- sitzsteuergcsetz gewisse Lrganisationsvorschristen gemacht. Der Begriff der Sphäre der Einzelstaaten ist dauernd im Fluß. Das Betätiaungs- gebiet der Einzelstaaten ist im Lause der Jahre nicht kleiner, sondern größer geworden. Sparsamkeitsrücksichten schlagen hier nicht durch. Nichts lohnt sich so sehr, als die Anstellung tüchtiger Steuer- beamtcr. Was wird nach dem Kriege alles an Steueraufgaben kommen! Ohne besondere Beamte wird unmöglich auszukommen sein. Die Landräte kommen infolge ihrer gesellschaftlichen Be- ziehungen bei der Steuerveranlagung oft in die schlimmsten Kon- slikte.— Abg. Gothein(Vp.) erinnert an Mecklenburg, wo der Antrag ebenso notwendig sei wie in Preußen.— Abg. Pfleger lZ.i wendet sich au» staatsrechtlichen Gründen gegen den Antrag, kon- statiert dabei aber, daß im Süden durch die technisch vorgebildeten Beamten»chärfcr veranlagt wird als im Norden.— Abg. Graf W e st a r p(k.) bestreitet das unter großem Gelächter. Der Antrag wird mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Fortschrittler, Nationalliberalen und Polen angenommen. Die Kommission greift dann auf den zurückgestellten K 25 zurück, der den Steuertarif für Gesellschaften regelt. Dazu liegt der Verschärfungsantrag der Sozialdemokraten vor: ferner An- träge der Konservativen, der Nationalliberalen und der Fortschrittler, die eine Schonung der Gesellschaften mit beschränkter Haftung auf verfchiedeuen Wegen erreichen wollen. Abg. Hoch(Soz.) erklärt, daß seine Freunde dem national- liberalen Antrag zustimmen und fragt, ob den Genossenschaften die nolluciibige Rücksichtnahme gewährt �wird. Weiter begründet er den sozialdemokratischen Antrag. Die StaffclungSsätzc für Aktiengesell- schaften seien unten viel zu niedrig. Nach dem VorbereitungSgesetz rechnete man durchweg mit einer Steuer von 50 Proz. des Mehr- gewinnes, die Porlage will aber mit 10 Proz. beginnen. Wir sollten mindestens mit 20 Proz. beginnen.— Staatssekretär Helfferich verteidigt die Porlage mit dem Hintveis darauf, daß der Mehrgewinn in den Händen der einzelnen Gesellschafter noch einmal zu besteuern sei.— Dieselbe Ansicht vertritt Abg. Blunk sAp.)— Abg. Bernstein sSoz. Arbg.) erklärt sich für den sozialdemokratischen Antrag. — Abg. S t o l t e n(Soz.) hebt hervor, daß der Gedanke der Toppel- bestcuerung schon dem Spcrrgeseh zugrunde lag, das trotzdem eine Rücklage von 50 Proz ganz allgemein verlangte. Mit der Zustim- mung zur Regierungsvorlage schenke man der großen Mehrzahl der Gesellschaften einen sehr großen Teil der Rücklage. Tazu liege kein Grund vor.— Neben dieser Erörterung läuft eine Aussprache her über die Belastung der ausländischen Gesellschaften. Bei der Abstimmung wird nach Ablehnung des sozialdcmo kratischen Antrages der Tarif in der folgenden, die inländischen und ausländischen Gesellschaften gemeinsam umfassenden Form an genommen. Tie Abgabe beträgt bei einem Mehrgewinn bis zu 20 000 M........ 10 Proz. von mehr als 20 000 M. bis zu 40 000 M. 12„ „. 40 000„„. 60 000, 11„ .„. 00 000„„. 80 000„ 10„ .„ 80 000,„ 100 000. 18. .„. 100 000..„ 120 000„ 20. „. 120 000„„„ 140 000„ 22. „. 140 000„.„ 160 000„ 24„ ., 160 000„.. 180 000„ 26„ „„, 180 000„ 200 000„ 28„ ... 200000,., 250000„ 30. . 250000.„, 500 000, 40„ 500 000„ 45„ des Mehrgewinns. Tic Abgabe darf jedoch bei inländischen Gesellschaften den Betrag niwt übersteigen, der nach den Vorschriften in Absatz 3 bis 5 berechnet ist. Tie Abgabe beträgt, wenn der Mehrgewinn im Jahresdurch- schnitt 2 Proz. des eingezahlten Grund- oder Stammkapitals zu- züglich der bei Beginn des ersten Kriegsgeschäftsjahres ausge- wiesene» wirklichen Rcscrvekontcnbcträge nicht übersteigt, zehn Prozent des Mehrgewinns, wenn er 2 Proz., aber nicht 4 Pnoz. übrsteigt, 12 Proz. des Mehrgewinns usw. Die Abgabe steigt dann immer für eine Mchrgctvinnerhöhung von 2 Proz. um 2 Proz. und erreicht, wenn der Mehrgewinn 20 Proz. übersteigt, eine Höhe von 80 Proz. dieses Mehrgewinns. Tic nach Absatz 3 festzusetzende Abgabe erhöht sich, wenn der durchschnittliche Geschüstsgetvinn in den Kriegsgeschäftsjahren 10 Proz., aber nicht 15 Proz. des eingezahlten Grund- oder Stamm- kapitals zuzüglich der bei Beginn des ersten Äricgsgeschästsjahres ausgewiesenen ivirklichen Reservekontenbeträg'e übersteigt, um ober nicht 30 Proz. übersteigt, um 40 Proz. ihres Betrags, wenn er 30 Proz. übersteigt, um 50 Proz. ihres Betrags. Hat sich das eingezahlte Grund- oder Stammkapital einer Ge- iellschaft während der Kriegsgcschäftsjahre vermehrt, so ist der Berechnung der Abgabe ein den Zeitraum, innerhalb dessen die Gesellschaft mit dem veränderten Grund- oder Stammkapital be- standen hat, berücksichtigender TurchschnittSbctrag deS Grund- oder Stammkapitals zugrunde zu legen. Bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung, deren Kapital 300 000 M. nicbt übersteigt und bei denen sich mehr als die Hälfte der Anteile in den Händen von in dem Betriebe tätigen Gesellschaf- tcrn befindet, wird die Abgabe nur zur Hälfte erhoben. Abg. Keil lSoz.) begründet hierauf den sozialdemokratischen Antrag zur Besteuerung des Vermögenszuwachses aus Erbschaften. Dem Ausbau der Erbschaftsbefteuernng werde ausgewichen in Rücksicht auf die prinzipiellen Gegner der Besteuerung des Kindeserbcs. Auf die prinzipiellen Gegner der Pcrbrauchsvestcuerung glaube man aber keine Rücksicht nehmen zu müssen. Ter Redner erläutert den Antrag im einzelnen und hebt namentlich die Schonung der kleinen Erbschaften und die Frei- lassung des Kindes- und Gattenerbes von im Kriege gefallenen Männern hervor. Tie Erbschaften von Kriegsgefallenen dagegen, die Unerwartet an entfernte Verwandte fallen, könnten eine scharfe Steuer ertragen. Tie Erbschaftssteuer könne in Deutschland leicht das Zehnfache des bisherigen Ertrags liefern. Da es sich um eine Tauersteuer handle, könnte sie an die Stelle der Verkehrssteuern und der Tabaksteuer treten. Wenn man das Vertrauen der Be- vötkcrung zur Steuergesetzgebung nicht untergraben wolle, so dürfe man bei der Deckung des Milliardenbedarfs des Reichs nicht mit den ungerechtesten Verkchrssteuern beginnen, sondern müsse zunächst einmal die gerecht wirkende Quelle der B e s i tz st e u e r u weiter erschließen. Staatssekretär Helfferich: Die Regierung hat bei ihren Vorlagen keine Rücksicht genommen ans einzelne Parteien, sondern nach sachlichen Gesichtspunkten entschieden. Der gegenwärtige Mo- ntent sei ungeeignet zum Ausbau der Erbschaftssteuer. Die Rück- ficht aus die im Kriege vor sich gehenden Vcrmögensvcrschiebungen und auf die Aufrechterhaltung der Betriebe hält die Verbündeten Regierungen ab, der Erbschaftssteuer jetzt näherzutreten. Abg. Bernstein(Soz. Arb.) hat trotz grundsätzlicher llebcreinstimmung das Bedenken gegen den Antrag, daß man der Regierung keine Stenern anbieten solle. Er behalte seiner Frak- tion die Stellungnahme bor.— Abg. David(Soz.): Das Be- denken Bernsteins hätte ihn auch hindern müssen, für Verschärfung der Kriegsgewinnsten-r zu stimmen. Wir bieten keine Steuern zm, sondern wollen die schlechten vorgeschlagenen Steuern durch bessere ersetzen. Es gibt keinen günstigeren Augenblick für unseren Antrag als den jetzigen, da es sich jetzt um die Erfassung von vielen Tan- senden lachender Kriegserben handelt. Später sind die nicht mehr zu fassen. Auch zur Berücksichtigung des Grundvermögens bei der Bemessung des Steuersatzes ist jetzt der geeignete Zeitpunkt. Nie- mand wird es rechtfertigen können, auf diese Steuer zu verzichten und den Verkebr zu belasten. Tie Einzelstaaten werden endgültig auf die Erbschaftssteuer zugunsten des Reichs verzichten müssen. Ter Erbschaftssteuerantrag wird von allen bürger- lichcn Parteien und dem Abg. Bernstein abgelehnt. Den fortschrittlichen Antrag über Erhebung eines neuen Wehrbeitrags begründet L i e s ch i n g. Auch die großen Vermögen, die kein- Kriegsgewinne gemacht haben, sollen noch einmal zu den Lasten des Reichs herangezogen werden. j£ie Verzichtlcistung auf den Wehrbeitrag mitten im Kriege würde niemand verstehen. Abg. Hoch(Soz.): Unser Antrag kommt auf dasselbe hin- aus; der Unterschied ist nur der, daß die Fortschrittler der Veran- lagnng die Besitzsteuer zugrunde legen wollen. Die� Verbranchs- nnd Vcrkehrsstcuern sind eine Ungerechtigkeit und eine politische Unklugheit. Bei der heutigen Notlage darf keinerlei Rücksicht auf Sonderintereffen genommen werden. Schatzsekretär Helssericki: Eine weitere Heranziehung von direkten Steuern für die Bedürfnisse des Reichs ist ausge- schlössen. Es ist nicht richtig, daß die neuen Steuern eine fühl- bare Belastung der Massen bedeuten. Man darf sagen, daß die neuen Steuern vom Volke günstig aufgenommen wurden. Tie Kriegsgewinnsteuer bedeutet eine große Belastung. Bei der Schaf- fung des Wehrbeitrags ist das Versprechen gegeben worden, daß diese Abgabe eine einmalige sein soll. Von dcu 073 Millionen sind bis jetzt eingegangen 868 Millionen. 105 Millionen sind noch im Rückstand. Fn Zeiten des Krieges ist es bedenklich, die Sub- stanz des Vermögens zu sehr anzugreifen. Man darf nicht auS dem Auge lassen, daß Einzelstaaten und Gemeinden stark in den Be- sitz«ingreisen müssen. AuS allen diesen Gründen kann die Re-! gicrung sich mit der weiteren Erhebung des Wehrbeitrags nicht einverstanden erklären. Abg. Schiffer(natl.) will sich nicht ablehnend verhalten, kann aber für seine Frakt'on noch keine bindende Zusage geben. — Abg. Gröber(Z.) ist gegen die Erhebung eines neuen Wehr- vcitrags in diesem Mcment, der nur in außergewöhnlichen Ver- hältnisscn sich rechtfertigt. An diese Frage könne man heran- treten, wenn nach dem Kriege Milliarden neuer Einnahmen gc- schaffen werden müssen. Tie Kricgsgewinnstcucr ist eine aus- reichende Kompensation für die anderen Arten der Belastung. Abg. Dr. David(Soz.): Ter Wehrbeitrag ist eine Steuer, die in weiten Kreisen beliebt ist. Man hat sich an diese Steuer ge- wöhnt und soll die davon betroffenen Steuerzahler nicht aus der Uebung kommen lassen. Die Kricgsgewinnsteucr trifft nur das gestiegene Einkommen und den Vermögens z u w a ch s, der Wehr- beitrag soll das Vermögen treffen. Ter neue Warcnumsatzstempel bedeutet eine starke Belastung der Massen, um so weniger wird mau es draußen verstehen, wenn man den Besitz nicht stärker belastet.— Nach einer Auseinandersetzung zwischen dem Abg. Blunck und dem Schatzsckretär spricbt sich Abg. Graf Westarp mit aller Ent- schiedcnheit gegen den Wehrbeitrag aus, der ganz offenbar zu einer dauernden Abgabe gemacht werden soll.— Im weiteren Verlauf der Debatte hob Abg. Bernstein(Soz. Arb.) noch hervor, daß gerade durch den Wchrbeitrag solche Vermögen erfaßt werden können, die sonst frei ausgehen würden. Bei der Abstimniung wird beschlossen, die weitere Erhebung des Wehrbeitrags in das Gesetz hineinzu schrei- b en. Der Beschluß wurde mit 16 gegen 12 Stimmen gefaßt. Dafür stimmten Sozialdemokraten, Fortschrittler, Nationalliberale und Deutsche Fraktion. Die Ueberschrist des Gesetzes wird auf Antrag der Sozialdemokraten umgeändert in Kriegs st euer- g e s e tz. Damit ist die erste Beratung' des Gesetzes erledigt. Tie Kom- Mission wird ihre Arbeiten nach Ostern fortsetzen. -i- Tie Steuersätze der Kriegsgcwinnstcuer. Staatssekretär Helfferich hat der Budgetkommission des Reickistags eine Tabelle unterbreitet, ans der die Wirkung der ver- schiedenen Voricdläge zur Besteuerung des Bermögenszuwachses er- sicbtlich ist. Wir lassen diese Tabelle nachstehend folgen: Ver- nach Regierungs- nach sozialdem. nach angenomm. mögenS- vorläge Antrag Fortschnttsantr. »"wachs jRroz Steuersatz„ Steuersatz g, Steuersatz M." a einfach � einfach � einfach 10 000 5 500 10 1 000 5 500 20 000 5 1 000 12,6 2 500 5,5 1100 30 000 5,33 1 600 15 4 500 6,67 1 700 40 000 5,50 2 200 16,25 6 500 6,25 2 500 50 000 5,60 2 800 17 8 500 6,60 3 300 60 000 6 3 600 18,83 11000 6,83 4100 70 000 6,28 4 400 19,28 13 000 7,29 5100 80 000 6,50 5 200 20 16 000 7,62 6100 90 000 6,66 6 000 20,55 18 500 7,89 7 100 100 000 6,80 6 800 21 21 000 8,10 8 100 200 000 8,40 16SOO 25.6 51 000 11,55 23 000 300 000 10,60 31 800 27,83 83 500 14,37 43 100 400 000 11,70 46 800 29 116 000 15,78 63 100 500 000 12 36 61800 29,70 148 500 16,62 83 100 1 000 000 16,18 161 800 32,35 323 500 20,81 208 100 Der doppelte Satz sollte nach allen drei Vorschlägen erhoben werden für den Fall, daß das Mehreinkommen, das denselben Steuersätzen unterliegen soll, die Höhe de» Vermögenszuwachses erreicht._ Der Huittungsftempel abgeZehnt. Die Steuerkommission trat am Donnerstag in die Beratung de-s Antrages Müller-Fulda auf Besteuerung des Umsatzes ein. lieber Zahlungen für verkaufte oder gelieferte Waren ist eine Quittung auszustellen, für die ein Stempelbelrag zu entrichten ist. Der Stempel berechnet sich vom Werte des Gegenstandes, und zwar in Abstufungen von zehn Pfennig für je 100 M. oder einen Bruchteil dieses Betrages, bei Quittungen über 1000 M. in Abstufungen von einer Mark für je 1000 M. oder einen Bruchteil dieses Betrages. Die Ouitlung muß enthalten: Nomen und Wohnort des Veräutzerers und des Erwerbers, den Gegenstand des Verkaufes und den Gesamtwert der Zahlung. Die Verpflichtung zur Entrichtung der Abgabe liegt dem Veräußerer ob. Gewerbelreibende haben die in ihrem Gewerbe- betriebe empfangenen abgabenpflichligen Quiltuiigen fünf Jahre lang, andere Personen zwei Jahre lang, vom Schlüsse des Jahres ab, in welchem die Abgabe zu entrichten ist. aufzubewahren. Bei Personen, welche sich mit der Lieferung von Waren gewerbsmäßig befassen und deren Jahresumsatz den Betrag von 3000 M. über- schreitet, hat die Entnchrnng der Abgabe in Per Weise zu erfolgen, daß sie den Gesamtumsatz in ihrem Betriebe(Verkäufe, Lieferungen) am Schluß eines jeden Kalenderviertelsahres auf vom Bundesrat vorgeschriebenen Vordrucken innerhalb 80 Tagen zur Versteuerung anzumelden haben. Personen, deren Jahresumsatz 50 000 M. nicht übersteigt, kann die Anmeldung von Versteuerung für ein volles Kalendervierteljahr gestattet werden. Steuerpflichtige, bei denen die Festsetzung des Steuerbetrages auf Grund ihrer Buchführung erfolgt ist, haben die Bücher drei Jahre lang, vom Schlüsse des Jahres ab. für welches die Abgabe zu entrichten ist, aufzubewahren und der Steuerbehörde jederzeit auf Verlangen Ein- sich: zu gewäbren. Die Nationalliberalen stellten dazu eine Reihe Abänderungs- antrage. Unterstaatssekretär Jahn saßt die ganze Arbeit nur als ein Provisorium auf, um zunächst einmal den Interessenten Gelegenheit zu bieten, zu den Beschlüssen Stellung zu nehmen.— Abg. Dr. W i e m e r hält an der Ablehnung der Steuer auch in der neuen Form fest.— Abg. Cohen-Reuß(Soz.) erklärt, daß auch seine Freunde sich ihre Stellungnahme vorbehalten. Wenn Hinterziehungen vermieden werden sollen, dann muß man die allgemeine Pflicht der Führung von Büchern einführen Bei den Schwierigkeiten, die sich dem aber entgegenstellen, könnte man wenigstens vorschreiben, daß über den Geschäftsverkehr Auf- zeichnungen zu machen sind, die der Abschätzung zugrunde gelegt werden sollen.— Abg. O e r t el(l.) erklärt die Zustimmung seiner Partei zu dem Antrag.— Abg. Wurm(Soz. Arbg.) erklärt den Entwurf für unannehmbar. Eine derartige steuerliche Un- gerechtigkeit könne man nicht mitmachen. Besonders hart würden die kleinen Geschäftsleute getroffen. Dadurch, daß die Steuer ab- gewälzt wird, trifft sie selbst den kleinsten Verkauf. Die Sozialdemokraten beantragen, diesen Umiatzstempel zwei Jahre nach Beendigung des Krieges wieder auf- z u h e b e n. wenn der Reichstag das verlangt.— Abg. A n t r i ck (Soz.) begründet diesen Amrag mit dem Hinweis auf die schädliche Wirkung dieser Steuer. Damit war die Diskussion erschöpft. Artikel 1 der Regierungs- vorläge(Aufhebung deS Scheckstempels) wird angenommen. Dann der Antrag Müller-Fulda mit unwesentlichen Aenderungen, im ganzen mit 16 gegen 12 Stimmen. Damit war dieser Teil der Re- gierungsvorlage. der Ouittungsstempel. gefallen. Der von den Sozialdemokraten gestellte Befristungsanlrag wurde mit 14 gegen 13 Summen angenommen. Der Erlrag der neuen Steuer wird auf 300 bis 400 Millionen Mark geschätzl. Die Kommission vertagte sich hierauf bis zum 2. Mai. politische Ueberstcht. Ein Brandartikel. Im„T a g" schreibt der freikonservative Abgeordnete Herr v. Zedlitz unter dem Titel„Ter Abschied von der weißen Weste": „In keinem anderen Lande hat man bei Entschließungen von größter Bedeutung daran gedacht,'wie man in fleckenloser Reinheit die Prüfung der Geschichte bestehen werde. Vor allem sind Gedanken solcher Art niemals bei der Entschließung ausschlaggebend gewesen.... Aber auch in Deutschland haben die Männer, welche den Grund- stein zu dem Bau des Deutschen Reiches legten und diesen selbst leiteten, sich nicht im mindesten darum gekümmert, welche Zensur ihnen von der Geschichte ausgestellt werden könnte.... Auch Bismarck hat, als er das Deutsche Reich mit Blut und Eisen schmiedete, sich sicher nie ni als von des Gedankens Blässe an kränke! n lassen, ob sein Bild in der Geschichte auch in fleckenloser Reinheit strahlen werde. Er wählte u n b e- k ü m m c r t hierum stets die Mittel, die ihn nach seiner Pflicht- mäßigen Ueberzeugung am sichersten zum Ziele führten. Mail braucht in dieser Hinsicht nur an die Redaktion der E m s e r Depesche und an die Beschießung von Paris zu erinnern. Ich könnte aus meinen Erinnerungen aus der Verwaltung von St.-Quentin noch weitere Belege beibringen, aber diese beiden Beispiele genügen wohl vollständig.... Hatte schon Bismarck bisweilen die Besorgnis zu überwinden, vor dem Richterstuhle der Geschichte nicht mit völlig reiner Weste zu erscheinen, so ist bei der Gewaltigkeit dieses Weltkrieges ein ungleich stärkeres Hervortreten dieses Momentes nur zu erklärlich. In diesem Riesenkampfe gelangen immer mehr Kampfmittel von furchtbarer Wirkung zur Anwendung, immer stärker drohen Tod und Verderben auch der nicht unter den Waffen stehenden Be- völkerung, Frauen und Kindern. Alles, was bisher ersonnen ist, um die Schrecken des Krieges zu mildern, um ihn zu einem ritterlichen Wasfengang zu läutern, ist wie in die Versenkung ver- schwunden. Völkerrecht erscheint wie ein Märchen aus alter Zeit. Auch in der Seele vieler Deutschen... hat sich Zivilisation und Menschlichkeit gegen die Art von Kriegführung aufgelehnt. Wer etwas schärfer beobachtet, wird erkannt haben, daß bei Männern von fein- saitiger Natur, welche an dem Webstuhl der Geschichte mitarbeiten, verstärkend die Sorge hinzugetreten ist, wie das Deutsche Reich und sie mit ihm vor dem Richterspruche der Geschichte wohl bestehen könnten. Tie Befürchtung war nicht ganz abzuweisen, daß unter Rücksichten dieser Art die rücksichtslose Energie, die für die siegreiche Durchführung des Krieges entscheidend ist, leiden könnte. Diese Sorge hat auf die Stimmung gerade solcher Kreise, bei denen der vaterländische Sinn besonders stark ausgeprägt ist, bedenklich beunruhigend und nicdcdrückend ge- wirkt.... Unser Volk darf daher vertrauen, daß von der vollen Anwendung auch der furchtbar st cn Kampfmittel nicht Abstand gc- nommen werden wird, sofern nur ihr Gebrauch zur Niederringung unserer Feinde dienlich ist. Die erfolgreichen Fliegerzügc nach England und die wirksame Anwendung neuer Kampfmittel in dem Kampfe um V e r d u n liefern den Beweis durch die Tat. Schließlich ist als Krönung des Gebäudes in den Sitzungen vom 5. und 6. März mit dem Resonanzboden des Reichstags auch das erlösende Wort gesprochen worden. Die große Rede des Reichskanzlers stellt für alle Welt außer jeden Zweifel, daß unsere Kriegführung allein von der Rücksicht aus die Erreichung unseres Kriegsziels be- stimmt wird, und die unbedingte Zustimmung, die diese Rede von Westarp bis Scheidqncnin gefunden hat, liefert den bündigsten Beweis dafür, daß die- aus dem Herzen des deutschen Volkes gesprochen ist. Der Sentimentalität ist die weiße Weste vor der Geschichte in die Versenkung gefolgt. Freund und Feind haben damit zu rechnen, daß, wie von den Unterseebooten, von allen unseren Machtmitteln restlos der Gebrauch gemacht wirb, der die Erringung eines die Zukunft Teutschlands sichernden Friedens verbürgt." Bundesratsbeschlüssc. Amtlich. Berlin, 13. April.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Der Entwurf einer Bekanntmachung über die Geltendmachung von Au- sprüchcn von Personen, die im Ausland ihren Wohnsitz haben usw., der Entwurf einer Bekanntmachung über die steuerliche Be- Handlung von Biersendungen an die Truppen, und der Entwurf eines zweiten Nachtrages zu den Bestimmungen des Bundesrats über Gewährung von Reichsbeihilfen an Gemeinden für Kriegswohlfahrtspflege. Berlin, 13. April.(W. T. B.) Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, die Vorschriften der Bekanntmachung vom 11. November 1915(Reichö-Gcsetzbl. S. 758), wonach die Fest- setzung von Höchstpreisen für gewisse Waren auch die laufenden Verträge ergreift, auf Steinkohlen und Braunkohlen auszudehnen. Berlin,�13. April.(W. T. B.) Ter Bundesrat erteilte in seiner heutigen Sitzung einer Verordnung über Streu-, Heide- und Weidenutzung auf nicht landwirt- schastlich genutzten Grundstücken seine Zustimmung. Die Verordnung verpflichtet die Besitzer von Forsten urw anderen nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen(Heide-, Seen- und dergleichen), auf Anordnung der höheren Verwaltungsbehörden und nach den von ihr festgesetzten Bedingungen Gemeinden und Privaten die Streu-, Futter- und Weidenutzung zu gestatten. Die Weidenutzung ist beschränkt aus Schweine und Rindvieh; jedoch für diese Viehgattungen müssen unter Umständen auch Hürden und Untcrkunftsräume zum Ueoernachten angelegt werden können. Selbstverständlich wird auf die eigene Nutzung der Besitzer die nötige Rücksicht zu nehmen sein. Die Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Berlin, 13. April.(W. T. B.) In der am 13. April 1913 abge- haltenen Bundesratssitzung ist eine Verordnung über den Ver- kehr mit Knochen, Rinderfüßen und Hornschläu- che» beschlossen worden. Diese Verordnung will eine ausgiebigere Verwertung der anfallenden Knochen durch Vergeudungsverbot und Aufhebungsgebot durchführen. Der Reichskanzler ist ermächtigt, die Verteilung der Knochen an die Vorarbeiter zu regeln und Höchst- preise für die Rohprodukte und Uebernahmehöchslpreise für die Endprodukte festzusetzen. Das au- den Knochen usw. gewonnene Fett ist an den Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette, die gewonnenen Futternnttel an den Kriegsausschuß für Ersatzfutter abzuliefern. Endlich ist dem Reichskanzler noch eine Auodehnungsermächtigung der Verordnung aus solche Fette und Futtermittel, welche aus Gastwirtschaften, Metzgereien, Darm- schlcimereien, Konservenfabriken, Abdeckereien usw. anfallen, gc- geben worden. 2 Pfund Zucker pro Kopf im Monat. Nach den Aussühningsbestimnuingen zu der Verordnung über den Verkehr mit Verbrauchszucker ist der Regelung des Verbrauchs durch die Kommunalverbändc bis auf weiteres eine Ziickermcnge von 1 Kilogramm monatlich für den Kopf der Bevölkerung zugrunde zu legen. Reichskonferenz öer österreichischen Sozialdemokratie. Vom 25. bis 28. März fand in Wien die zweite Kriegstagung der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich statt. Sie wurde ein- berufen, um eine vertrauliche Aussprache über die Fragen und Auf- gaben, vor die der Krieg die Partei gestellt hat. zu ermöglichen Alle. die nach dem Qrgaiiisationsstatut berechtigt sino, an Parteitagen teil- zunehmen, hatten Zutritt erhalten. Von den 246 Teilnehmern waren 97 Vertreter der politischen Organisation, 11 der Parteipreffe. 57 der Zentralverbände und 35 Vertreterinnen von Frauenorganisationen. Die Parteivcrtretung war durch 18 Mitglieder vertreten, der Klub der Reichsratsabgeordneten durch 33 Mitglieder. Von den Anwesen- den waren 157 aus Wien, 27 aus Niederösterreich, 5 aus Oberösterreich, 8 aus Salzburg, 13 auZ Sieiermark, 2 aus Tirol, 27 aus Böhmen, 8 aus Diahren, 3 aus Schlesien und 1 aus der Bukowina. Parteivorsitzender Genosse S e i tz leitet die Verhandlungen, den Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes und des Klubs der Abgeordneten erstattet Genosse Skaret. Er erläutert das im ge- druckten Bericht des Parteivorstandes vorliegende statistische Material und verweist für die einzelnen Fragen auf die vom Parteivorstand in Aussicht genommenen Publikationen. Als erste von diesen erhalten die Delegierten einen sechsundfünfzig Seiten starken Bericht über die Tätigkeit des Parteivorstandes und des Klubs der Abgeordneten zur Crnährungsfrage. Hervorzuheben ist aus diesem Bericht, daß es der Parteipresse gelungen ist, 82 Proz. ihrer Friedcnsauflage auch lvährend der Kriegszeit aufrechtzuerhalten. In einer zum Schluß angenommenen Resolution wurden gefordert: energische Maßnahmen t. gegen die Teuerung aller Lebensmittel und gegen die mangelhafte Organi- sation der Bolksernährung; 2. zur Erhöhung der Unterhaltsbeiträge, insbesondere durch Gleichstellung der Kinder unter acht Jahren mit den Erwachsenen: 8. zur Erhaltung der früheren Erfolge geWerk- schaftlicher Kämpfe. In einem anschließenden Referat des Genossen Matthias Eldersch über Sozialversicherung und Kriegsfürsorge wurde ver- langt, ungesäumt eine weitauSgrcifcnde Aktion der Bolksfür sorge und eine Reform der Sozialverfiche- r u n g, größere Einheitlichkeit in der Kranken ver- s i ch c r u» g und Erhöhung der Leistungen derselben. Ein- f ü h r u n g der schon jahrzehntelang versprochenen Invaliden- Versicherung, Ausdehnung der Unfallvers iche- rung, Neuregelung der Versorgung der Kriegs- invaliden und Hinterbliebenen und Schassung von Arbeitsnachweisen unter Dkitwirkung der gewerk- schaftlich cn Organisationen. Sodann referierte Genosse Karl Renner über„D i e öfter- reichische Handelspolitik und der Ausgleich mit Ungar n". An der lebhaften Diskussion beteiligten sich u. a. die Genossen Austerlitz, Dr. Dannebcrg, Dr. Ellenbogen, Dr. Viktor Adler, Scitz und Leuth n er, in der vor allem Dannebcrg und Adler die weltpolitischen Ideen des Mit- arbeiters der„Sozialistischen Monatshefte" Genossen Leuth n er ablehnten. Eine längere Resolution wurde einstimmig angenommen, aus der wir folgende Forderungen hervorheben: 1. Die bewußte und durchgängige Neugestaltung unserer inneren Wirtschaftspolitik im Geiste des modernen Industriestaates, im Geiste der Industrie- und Sozialpolitik. Beide sind�unzcrtrennlich. Der Schutz der Arbeit ist all- gemeines Staatsintcresse; aber schon die Steigerung der Produktion hat zur ersten Voraussetzung eine kräftige, gesunde, wohl- genährte Arbeiterschaft. Der jahrzehntelange Stillstand der sozial- politischen Gesetzgebung ist endlich zu brecheii,J)ie Arbeiterschutzgesetz- gcbung tatkräftigst auszubauen, Mutter- und Säuglingsschutz in wirk- samer Weise aufzunehmen und die Bolksernährung zur dauernden Ausgabe der Staatsverwaltung zu machen. 2. In unserem Verhältnis zu Ungarn die Aufrcchterhaltung und Wahrhaftmachung der Gemeinsamkeit des W i r t s ch a f t s- gebiets als des durchaus gleichen und gemeinsamen Interesses beider Staaten und ihre Ausgestaltung in dem sinne, daß unter Wahrung der vollen Gleichberechtigung und Parität die Wirtschasts- Verwaltung nicht getrennt nach Gesichtspunkten der Rivalität, sondern nach gleichen Grundsätzen und insbesondere in EmährungSsragcn einheitlich erfolgt. •'!. Die völlige Abkehr von der bisherigen Schutz- Zollpolitik. Weit entfernt, die Produktivkräfte beider Staaten zu entfesseln, hat diese Politik durch die Erhöhung der LebenSkostcn der Massen und durch die Verteuerung der Rohstoffe die Produktions- kosten gesteigert und so den Inlandsmarkt verkümmert und den Aus- landsabsatz untergraben. Auf der Bahn des Hochschutzes gibt es aus diesem verderblichen Zirkel keinen Ausweg. Wenn schon ein sofortiger Uebergang zur Vernunft der Handelsfreiheit nicht zu erwarten ist, so müssen zumindestens die Korn- und Eisenzölle fallen, alle sonstigen Lebensmittel- und Rohstosfzülle herabgesetzt werden. Die Handels- beziehungen zum gesamten Ausland sind nach dem Kriege durch eine freiheitliche Vertragspolitik wieder aufzunehmen und sorgsam zu pflegen. 4. Insbesondere aber sind die Beziehungen zu denjenigen Wirtschaftsgebieten, mit denen ivir geographisch und geschichtlich, durch Handel und Verkehr seit jeher am engsten verbunden sind, deren wechselseitiger erfolgreicher Austausch mit uns unsere Handels- politische Zukunft entscheidet, zum Deutschen Reich und zum Balkan, nach dem Kriege von allen Fesseln einer übel- beratenen zollpolitischen Abschliehung zu befreien, durch den Ausbau eines mitteleuropäischen Eisenbahn- und Kanal- systems sowie durch die schrittweise Angleichung der wirtschaftlichen und sozialen Gesetzgebung zw vertiefen und dauernd freundschaftlich zu gestalten. Gegen ein schutzzöllnerisches Mitteleuropa müßten wir uns um so mehr zur Wehr setzen, als dadurch die imperialistischen Tendenzen in der Welt und damit die Kriegsgefahren vermehrt würden. Genosse Viktor Adler hielt dann ein umfassendes Referat über„Oesterreich nach dem Kriege". In ausführlicher Weise legte er die Schwierigkeiten der ausländischen Bruderparteien dar, ging danach auf den Eintritt der polnischen Sozialdemokraten in den Polenklub ein, den er für einen politischen Fehler hält, trotz- dem aber nicht wünscht, daß die Konferenz in dieser Sache einen Beschluß faßt, um dann auf die innere Politik Oesterreichs einzn- gehen, die eine entscheidende Verfassungreform erfordert. Er führte dann weiter aus, daß der Krieg die Richtigkeit der sozialdemokrati- schen Grundsätze bestätigt habe und die Sozialdemokratie nur in dem sehr wichtigen Punkte geirrt habe, da sie glaubte, die heutige Ordnung sei schon zu schwach geworden, um einen Weltkrieg zu ertragen. Nach der nur bruchfrückweise veröffentlichten Resolution verlangte er: Erneuerung des Parlaments nach den Grundsätzen der Proportionalwahlen, eine Reichskreisordnung, demokratische Lokalvcrwaltung, Autonomie der Kronländer, für die Landtage all- gemeines Proportionalwahlrecht und Finanzkontrolle, ferner fofor- tige Aufhebung der Zensur, Vorsorge für die Opfer des Krieges, Kriegsgewinnslcuer und ausgiebige progressive Vermögens- und Erbschaftssteuern. Am letzten, dem vierten Sitzungötage sprach Dr. Viktor Adler über„Die Partei und die International e". Er berichtete über die Vorgänge im Internationalen Bureau vor Kriegsausbruch und legte die Gründe dar für die Haltung der sozialistischen Parteien gegenüber denr ausgebrochenen Weltkriege. Die Internationale war immer und konnte nichts anderes sein als der Bund von national organisierten Parteien, die in ihrem Lande wirken und die Interessen ihres Proletariats in erste Liine stellen und aus dem Interesse ihres Proletariats den Bund aller Proletariate wollen. Und daß dieser Bund notwendig ist, daß er allein uns dem Ziele näher bringen bann, ist Grundlage und Wesen der sozialistischen Bewegung. Ter Krieg ist eine so gelvaltig-entsetz- liche Sache, daß es ein Wunder wäre, wenn irgendeine Institution chm standgehalten hätte. Daß sich die Organisation der Jnter- nationale nicht erhalten ließ, während die Proletariate gezwungen sind, gegeneinander zu kämpfen, ist erklärlich, wenn auch noch so schmerzlich. Die Wiederherstellung der Internationale nach dem Kriege wird keine leichte Aufgabe sein; nicht jeder wird sich sofort befreien können von der Hitze des Kampfes. Aber es wird nach dem Kriege, vielleicht noch während des Krieges eine Annäherung der Gesamtparteicn wohl möglich sein. Es wird eine Zeit der Schwierigkeiten, des allmählichen VerHandelns kommen, aber wir werden uns wieder finden, weil wir uns sinden müssen. Die sich anschließende Diskussion bewegte sich in der Haupt- fache um eine von Friedrich Adler eingebrachte Resolution, die aber nur 15 Stimmen erhielt. Sie lautet: „Es ist in diesem Kriege offenbar geworden, daß die großen Probleme, vor die Europa gestellt ist, die Sicherung der nationalen Autonomie der Völker und die Ordnung der Weltwirtschaft durch Begründung der Handels- und Verkehrsfreiheit, für alle Staaten der Welt nicht im Wege der Waffen gelöst werden können. Daß im Gegenteil der Friede nur kommen und die Rückkehr zu den Kultur- ausgaben nur erfolgen kann, wenn sich in allen kriegführenden Staaten die Erkenntnis durchsetzt, daß die Weiterführung des Krieges zwecklos ist und ihm nur eine Vereinbarung auf demo- kratifcher Grundlage ein Ende zu fetzen vermag." Die Resolution erklärt„die Zerreißung und Spaltung der Einheit der Arbeiter- bewcgung als notwendige Folge der bisherigen Stellungnahme der Mehrheiten der sozialistischen Parteien zum Kriege" und begrüßt deshalb alle in den Minoritäten der sozialistischen Parteien ver- körperten Bestrebungen, die der internationalen Solidarität auch im Kriege Ausdruck geben.„Tie Einigkeit der sozialistischen Orga- nisationen kann nur erlangt werden, wenn sich die Sozialisten aller Länder entschließen, die Beschlüsse der internationalen Kongresse in allen internationalen Fragen als bindend anzuerkennen." Nach Ablehnung dieser Resolution wurde dann nachstehende, von Viktor Adler im Auftrage des Parteivorstandcs unterbreitete Resolution einstimmig angenommen: „Die Konferenz der deutschen Sozialdemokratie... Sie bc- grüßt die sozialistischen Arbeiter in allen Ländern... und ist der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß sie sich wieder zur solidarischen Führung des internationalen Klassenkmnpfes zusammenfinden werden, wenn... dieses Krieges vorbei ist. Sie begrüßt darum jede Bemühung zum Zwecke der Wiedcranknüpfung der durch den Krieg gestörten Beziehungen zwischen den sozialistrschen Arbeitern aller Länder, die zur Wiederaufrichtung der Internationale und der Solidarität der Arbeiterschaft im... führen kann, verurteilt aber auf das schärfste Bestrebungeil— mögen sie von rechts oder links kommen—, die vermeinen, die internationale Einigung des Proletariats dadurch herbeiführen zu können, daß sie die prolctari- schen Parteien in den einzelnen Ländern zersetzen und spalten. Die Solidarität der erneuerten Internationale kann nur auf der festen Grundlage starker und gedingter Parteien in allen Ländern aufgebaut werden. Diese Einigkeit der sozialistischen Organisationen war niemals notiveirdiger als in den Zeiten verschärfte»..., die dem Proletariat aller Länder zweifellos nach dem Kriege bevor- stehen."_(Z) Moröprozeß in Schneiöemühl. Der von dem Angeklagten angeschossene Rittmeister a. D. Faber ist nicht getötet, sondern nach dem Schuß ins Genick bewußtlos ge- worden und nach ärztlicher Behandlung gesundet. Die Anklage lautet bezüglich dieses Falles nicht auf Mord, sonder» aus Mord- versuch. In der weiteren Verhandlung kam zur Sprache, daß der Angeklagte wiederholt Vorbereitungen zum Ausbruch gemacht hatte. Da der Angeklagte an nervösem Kopfschmerz leidet und behauptet, der Verhandlung nicht folgen zu tonnen, wenn ihm die(nur leicht angelegten) Fesseln nicht abgenommen würden, wird er nach Anhörung des Gerichtsarztes für die Dauer der Verhandlung entfesselt. Die Schuldfragen lauten betreffs W e st p h a l junior auf Mord, Totschlag, versuchten Mord, versuchten Totschlag eventuell vorsätzliche Körperverletzung, schwere Urkunden- fälschung. Betrug, versuchte Verleitung zum Mein- cid. Verleitung zur schtverc nllrkunden fälschung und Betrug. Betreffs Westphal senior lauten die Schuldfragen auf schwere Urkundenfälschung, Betrug bezw. Bei- Hilfe hierzu. Dem Wahlspruch der Geschworenen entsprechend verurteilte das Schwurgericht gestern de» Angeklagte» Willi Wcstphal wegen Mordes, Mordversuchs, schwerer Urlundcnfälschung, Meineids und Betrugs zum Tode; außerdem zum Perwst der bürgerlichen Ehrenrechte, fünfzehn Jahren Zuchthaus, weiteren zehn Jahren Ehr- Verlust und 6000 M. Geldstrafe. Milderndr Umstände hatten die Geschworenen dem Angeklagten versagt. Der Mitangeklagte T i s ch l c r W c stp h a l se n. wurde wegen schwerer Urkundenfälschung unter Zubilligung mildernder Umstände zu sechs Monate» Gefängnis verurteilt. Zwei Monate wurde» auf die Untersuchungshaft angerechnet. Wcstphal sc», wurde aus der Haft entlassen. StaötverorönetenversammiuKg. 10. Sitzung vom Donnerstag, den 13. April 1916, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michclct eröffnet die Sitzung. In den A u f s i ch t s r a t der„st ädti schen Gas- und Elektrizitätswerke Berlin" wählt die Versammlung 10 ihrer Mitglieder, darunter auch Fischer, H c i m a n n, Ritter(Soz.). Eine große Anzahl von Stiftungs-Etats, dabei auch die der Zeitlerschen Stiftungen, werden enbloc genehmigt. Die unbesoldeten Stadträte Miclentz, Panofsky, Dr. Preuß, Rast, Runge, Selberg, Wagner, Dr. W i e m c r scheiden Ende 1018 mit dem Ablauf ihrer sechsjährigen Wahlperiode aus dem pNagistratslöllegium aus. Zur Vorbereitung der Neuwahl wird ein Ausschuß eingesetzt. Von der Direktion der„G r o ß e n Berliner Stratzenbahn-Ge- sellschaft" ist bei der Versammlung ein Protest gegen Aeutze- rungen eingegangen, die der Stadtv. H e im a n n über den Betrieb usw. in der Sitzung vom 30. März getan hat. Die Erhöhung der Kriegsteuerungszulagcn soll auch den Auge st eilten des Zcntralvereins für Arbeits- Nachweis, soweit sie ein jährliches Diensteinkommen bis zu 2500 M. beziehen, zuteil werden, und zwar vom 1. Dezember 1915 ab. Dazu sind für das Etatsjahr 1915 2300 M. erforderlich, die aus dem Vorschußkonto gedeckt werden sollen. Die Versammlung stimmt zu. Eine Anfrage des Stadtv. Modler(Linke), weshalb der Magistrat die Ausdehnung dieser Zulagen auch auf die bis zu 2500 M. Gehalt beziehenden Lehr- Personen zurzeit abgelehnt habe, obwohl sich eine solche Aus- dehnung schon im Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit empfehle und in den betreffenden Kreisen über die ablehnende Haltung des Magistrats lebhafte Mißstimmung herrsche, bleibt un- beantwortet. Der Magistrat unterbreitet de» Vorschlag, auf städtischem Ge- lande zwischen dem Ovdach an der Frödelstraße und der Gas. anjtalt IV an der Tanziger Straße eine städtische Trocknungsanlagc für Gemüse und andere landwirkschaft- liche Erzeugnisse zu errichten, und sucht bei der Versammlung die Genehmigung des Bauprojekts und des Kostenanschlages von 250 000 M. nach. Bürgermeister Dr. Reickc: Das Unternehmen ist als eine Kriegsmaßnahme gedacht. Da wir unmittelbar vor der Wachstums- Periode auch für Gemüse stechen, muß die Zeit voll ausgenutzt wer- den. Die Herrichtung der Apparate und Maschinen würde aber immerhin vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen und wir kämen, auch bei sofortiger Bestellung, hart an Ende Juni, also an die Hochsaison heran. Daher hat der Magistrat Ihres Einverständ- nisses sicher zu sein geglaubt, wenn er die Maschinen bereits be- stellt und damit allerdings den Anfang mit der Ausführung des Unternehmens gemacht hat. Es handelt sich auch nicht etwa um einen neuen Gedanken, ganz im Gegenteil, unsere Güterverwaltung hat sich schon zehn Jahre mit dem Problem beschäftigt, und nur die Rücksicht hat der Ausführung im Wege gestanden, daß die Technik auf diesem Gebiete noch in der Entlvickelung sei. Inzwischen aber ist sie fortgeschritten, und es haben Köln, Nürnberg, Dresden, Stuttgart, Schwarzenbek und andere Kommunen solche Anlagen errichtet. Von ihrer Besichtigung sind wir alle mit der Uebcr- zengung von ihrer Zweckmäßigkeit wie von ihrer Rentabilität zurück- gekehrt. ES soll damit alles und jedes Gemüse, daS in einer solchen Großstadt häufig dein Verderben anheimfällt, erhalten werden; es soll aber auch den kleinen Pächtern ein Dienst geleistet und ihnen Lust gemacht werden, mehr Gemüse zu bauen. Es ist zu erwarten, daß das Dörrgemüse in Zukunft sogar den Konserven den Rang ablaufen wird. Stadtv. Gocroldt(Fr. F.): Wir sind nicht prinzipielle Gegner der Vorlage. Aber es macht sich doch der Mangel einer Rcnta- bilitätsberechnung sehr empfindlich bemerkbar. Auch scheint die Auswahl des Platzes nicht zweckmäßig; man sollte die Anstalt ans einem Rieselgut unterbringen. Ebenso wissen ivir nichts Genügendes über die beabsichtigte Art und Ausdehnung des Be- triebcs noch über die Verwaltung. Stadtv.(tzronewaldt(Linke): In einer Millionenstadt geht unendlich viel an Gemüse verloren; dem soll diese Anlage cnt- gegenarbeiten. Ich empfehle jode mit der Bedeutung der Sache vereinbare Eile. Stadtrat Runge: Die Prüfung der Sache ist so eingehend und gründlich wie irgend möglich gewesen. Die Rentabilität erscheint als gesichert. Die Transportkosten des Gemüses nach einem Rieselgut würden erheblich höher sein, als nach dein Platz an der Fröbelstraßc: ganz unpraktisch wäre es, den Ueberschuß an Gemüse aus der Markthalle erst nach einem Gut zu schaffen. Die Verwaltung soll derjenigen der städtischen Güter angegliedert werden. Die Submission ans die Maschinen soll morgen erfolgen. Die Anstalt in Köln ist infolge der zeitigen enormen Preise für Dörrgemüse schon völlig abgeschrieben. Wir müssen jedenfalls sogleich darauf IoZ arbeiten können. Stadtv. Mann(Soz.): Wir begrüßen die Vorlage, haben ab- solut kein Interesse an einer Ansschußberatung, der wir uns aber nicht widersetzen werden, und hätten nur gewünscht, daß die Vorlage viel früher eingebracht worden wäre. Endlich hat man auch hier eingesehen, daß alles, was gespaick werden kann, auch gespart werden muß. Große Mengen Gemüse sind verdorben oder haben untergepflügt werden müssen usw., die bei zweckent- sprechender Behandlung sich ausbewahren und in der gemüsc- knappen Zeit aus den Markt bringen lassen. Oft genug war in der Halle ein Ilcbcrangcbot zu beobachten, so daß die Preise sanken und die Produzenten, die zu den gesunkenen Preisen nicht ver- kaufen wollten, mit den vollen Wagenladungen nach Hause fuhren; dann verdarb das Gemüse und wanderte schließlich auf den Dung- hausen. Andererseits hören wir. daß die Kriegspreise für Ge- müsc die Selbstkosten nach der Angabe der Produzenten nicht ge- deckt haben, weil die Arbeitskräfte sehr knapp und die Löhne cnt- sprechend gestiegen seien; man hielt also die Ware zu- rück, und zeitweise war weder in der Halle noch bei den Hand- lern selbst für hohe Preise Gemüse zu bnbcn. Auch ein großes Quantum der zurückgehaltenen Ware kam später nicht wieder aus den Markt, sondern verdarb. Dieser geradezu frevelhaften Vergeudung von Lebensmitteln soll durch die Anlage gesteuert werden. Tie bei einer guten Ernte überflüssig werdenden Bestände kommen in die Anstalt. Ob die Stadt nachher für ihr Dörrgemüse den offenen Markt braucht, ist fraglich, denn die Stadt hat selbst Gelegenheit genug, diese Produktion anderweit unterzubringen.— Die Deputation für die Kanalisationswcrkc und Güter Berlins beschäftigt sich mit dieser Anlage schon seit Jahren; nur war bisher die Technik nicht weit genug. Das ist setzt anders geworden. Im Etat für 1918 sind ja auch 200 000 Mk. für die Anlage eingestellt; die Sache kommt also nicht etwa aus dem Hand- gclcnr. Die Furcht im Punkte der Rentabilität braucht von dem Projekte nicht abzuschrecken. Als Kriegsmaßnahme wollen w i r die Sache nicht bctrackitet wissen; sie steht ja auf dem Etat und wäre als» aus laufenden Mitteln zu. bestreiten. Wir sehen sie als eine dauernde Einrichtung an; wir haben nichts dagegen, daß sie jetzt beschleunigt wird, wünschen vielmehr, daß recht schnell an die Arbeit gegangen wird, zum Nutzen der Bevölkerung und der kleinen Pächter, zumal die Befürchtung besteht, daß wir in absehbarer Zeit nicht zu friedlichen Verhältnissen kommen werden. Stadtv. Cassel(Linke) bemängelt ebenfalls, daß die durchaus zu begrüßende Vorlage nicht rechtzeitig eingebracht und ihre Bc- gründung so dürftig gehalten ist. Oberbürgermeister Mermuth: Für jetzt handelt es sich um eine Kriegs-Nahrungomittelinaßnahme, lvie wir sie, getragen von Ihrem Vertrauen, wiederholt durchgeführt haben. Wir haben auf diesem Gebiet einen Umsatz von schlecht gerechnet 100—110 Mil- l tonen Mark. Wir sind dabei bestrebt, zwar nicht Gewinne zu machen, aber doch Verluste zu vermeiden. In einem so unge- Heuren Betriebe sind natürlich oft Anschaffungen und Herstellungen nötig, die uns den gesamten Kriegsbetrieb erst ermöglichen. Ich bitte Sie, uns nicht zu verübeln, daß wir mit der Ausführung schon begonnen haben und wenn wir damit auch weiter bortvärts schreiten, denn die ganze Sache ist aus Tage bemessen, jede Ver- zögerung wäre verhängnisvoll.(Beifall.) Nachdem noch Stadtv. Mommse«(Fr. Fr.) und nochmals Stadtv. Cassel sich über die vcrsvätetc Vorlegung geäußert haben, Stadtv. Mommsen auch seine Bedenken gegen � die Einführung eines neuen Gewerbebetriebes in die städtische Verwaltung angedeutet hat, wird die Einsetzung eines Ausschusses bc- schlössen und letzterer vom Vorstände sofort ernannt. Dem Ausschüsse gehören auch Kerfin, Mann, Dr. Wehl und Wurm(Soz.) an. Dem„B u n d e s h i I f s v c r e i n Berlin", der sich der Fürsorge für kricgszerstörte österreichische Städte, insbe- sondere Görz, und für ungarische Ortschaften, widmet, sollen ans städtischen Mitteln 100 000 Mk., je zur Hälfte für österreichische und für ungarische Ortschaften, ferner dem„Kriegshilssvcrcin Berlin für den Kreis Ortelsburg c. V." zur Verwendung für kriegszcrstörte im Kreise Ortelsburg belegene Städte und Dörfer ebenfalls 100 000 Mk gewährt iverden. Ohne Diskussion tritt die Versammlung dem Magistratsvor- schlage bei. Der llmlage-Verteilungsbeschluß, den die Versammlung am 30. März bei der Beratung des Etats für 1916 gefaßt hat, ist vom Oberpräsidenten am 3t. März genehmigt worden. Die Ge- nehmigung wird zur Kenntnis genommen. Schluß Uhr._ flus«Uer Welt. Cxplosionsnnglllck in Bayern. Bei einer Explosion in einer Fabrik in Hof(Bayern) erlitten fünf Mädchen, darunter je zwei Schroesiern im Alter von 18 bis 20 Jahren, so schwere Verletzungen, daß sie unter furchtbaren Schmerzen st a r b e n. Die Mutter eines unter diesen Opfern befindlichen Schwestern- Paares, namens Schobertl, kam mit schweren Verbrennungen der Hände dabo». Für unv wider die Sommerzeit. Wie„Az Est" meldet, hat der Ministerrat in Budapest die Einführung der Sommerzeit in Ungarn beschlossen. Dagegen hat dem„Nieuwe Rotter- domschen Courant" zufolge die holländische Regierung den Vorschlag der Eisenbahnen, die Sommerzeit einzuführen, ab- gelehnt. | Todes-Anzeigen| SozialdemokFatiscliErWalilverfiiD 1.1 4. Berliner ßeiciistagswablkr. Stralauer Viertel. Bezirk 330. Dcn Mitgliedcni zur Nachricht, dau unser Genosse, der Arbeiter psurä Herzog Simon-Tach-Str. 22 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zcntral-s�iedhoscs in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 213/8 Vvi? Vorstaiid. Deutsclier Transportarhelter-Yerliaiil Bezirksverwaltung Groö-Berlin. Dcn Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Industrie- arbcitcr Paul Herzog von der Fa. Danneberg u. Ouandt, Franksurler Allee, am 11. April im Alter von 52 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15, April, nach- mittags t Ubr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoss in Friedrichsscldc aus statt. Unl rege Beteiligung ersucht 63/17 die Bezirksverwaltung. Zeniralyeriianti der Sleinarbeiter Deutseblands. Zahlstelle Berlin. Dcn Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Kollege, der Steinmetz Paul Lti-ektiardt am Dienstag, den 11. AprU 1016 gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. April 1316, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gcmeinde-Frted- böses in Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 171/6 Ble Ortsverwaltung. Deutscher Holzariieiterverband. Zahlstelle Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser Kollege, der Tischler pickarci Kreker gc« Solmsstraße 12 im Alter von 32 Jahren Horben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung fand am Mitt. woch, den 12. April, in Friedrichs. jclde statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler �uxust 8cKu!?e Lichtenberg, Travestr. 2 im Alter von 66 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. ZIpril, nach- mittags 4 Uhr, vom Krankcnhause in Lichtenberg, Hubcrtusstraße, aus aus dem alten Lichtcnberger Friedhoj in der Borninistraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/3 Die Lrtsverwaltuttg. Verband der freien Gastand Schankwirte Deutschlands (Zahlstelle Lichtenberg). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 11. April unser Kollege (Hto Dames Mainzer Str. 23, im 46. Lebensjahre verstorben ist. 73/13 Die Beerdigung findet Sonn- abend, 15. April, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Lichtenberger Friedhofs in Marzahn aus statt.— Treffpunkt beim Kall. Max Höfer, Franks. Allee 203, nachm. 3 Uhr. Abs. 3.40 Uhr v. Bahnh. Lichten- bcrg-Friedrichsselde.— Rege iöctci« ligung erwartet Die Ortsverwaltung Deutscher Metallarbelter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Metall- arbciter Wilhelm Lielseh Neukölln, Schönewctder Str. 8, am 8. April gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Freitag, dcn 14. Avril, nach- mittags 3'l4 Uhr, von der Leichen- balle des Gemeindc-FricdhoseS, Mariendorser Weg, aus statt. Ziege Beteiligung erwartet 115/7 Die Lrisverwaltung. � Nur für Herren und Jüngling6, welche sieh I üuLMdSlen wollen, empfehlen aas fernsten MaIJSroTton M. 16— 45, Paletots Ä. 14-33, Hosen M. 6-12, GehrockanzQge sehr preiswert DeutschesQarderobenhaus| Große Frankfurter Str. 116 I. Singet' Laden itöcraff r Der echte> Kapitän-Kautabak wirkt erfrischend und belebend im Felde, zu Haben tn den meisten Geschästen.(KI. Dosen daselbst umsonst.) � C. Röcker. Berlin. Grüner Weg 111(Kgst. 3861). L� Möbel-Angebot. 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Die Vertreter der Arbeitgeber und Versicherten werden hiermit zu der Dräenttietlen jlnssehu]iversainmlung am Freitag, den S8. April ISIS, abends 8 Uhr, in den Bürgersälen zu Neukölln, Bergstraße 147, eingeladen. 268/2 Tagesordnung: 1. Beschlußfassung bezüglich der Ueberschreiwngen des Voranschlages sür das Jahr 1315. 2. VerwaltungSbcricht des Vorstandes über das abgelaufene Ge- schäftsjabr. 3. Bericht der Rechnungsprüfungskommisfion. Neukölln, den 8. April 1316. Der Kaffenvorstand. Heinrich, 2. Vorsitzender. Ritter, Schriftführer. Zur Beachtung! Die den Vertretern zugesandten Einladungen gelten als Legitimationen und find beim Eintritt in die Versammlung zur Ein- lragung in die Präsenzliste vorzuzeigen. Es wird ersucht, Anträge oder Beschwerden, bei denen die Einsichtnahme in die Kassenalten erforderlich ist, spätestens drei Tage vor der Autschuß- Versammlung mitzuteilen. olange Vorrat reich! liefert die Buchhandlung Vorwärts SW.6S,�indenstr.3. 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Wahl des Branchenvertreters und der Kommissionsmitglieder. 3. Verschiedenes. DaS Mitgliedsbuch ist am Eingang vorzulegen und wird mit dem Kontrollstempel versehen. Wir ersuchen unsere Kollegen, nach der Bersammlung in den Werkstätten eine Konttolle über den Besuch vorzunehmen. Sonntag, den 16. April 1916, vormittags 9'/, Uhr: Gruppen- Versammlung der Werkzeugschleiser und Schleiserinnen im Lokal von Riedel, Hussitenstr. 10. Tagesordnung: 1. Gruppenangelegenbeiten. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen: Es ist Pflicht aller, in dieser Ber- sammlung pünktlich zu erscheinen. Sonntag, den 16. April 1616, vormittags 16 Uhr, bei Hummel, Sophienstr. 5: yerlammlung der Kauanschläger. Tagesordnung! Wie stellen wir uns zu dem Beschlust der Arbeitgeber betreffs unserer Teuerungszulage. Es ist Pflicht eines jede« Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen, keiner darf fehlen. Montag, den 17» April 1916: Bezirks- Versammlungen für die oeiamte bcrwaltungsftclle ßerlin in folgenden Lokalen: Nllrdklll Pharnsslile, Müllerstr. 143, abends 8'/, Uhr. �lirllöN' Büttners Feststile, Schwedter Strasse 23. abend» N ordern FestslUe, Badstr. 11, abends 8'/, Uhr. DIOSlIlüI Sands Feststtle, Beuffelstr. 9, abends 81/, Uhr. Cbarlottenburg: volbshan«, W0flne«ift. s. abends 3'/, Uhr. Reinickendorf-West i etcheomstt. eo, abends ev, uhr. Westen unil Schöneberg: 0Sten- Aidrcss-Festsai«, Scholz, Andreaöstr. 21, abends Uchleoberg:"• Stralau-Bummelsburg: 50- UlaiRonraa* Bestaurant Peakert, Berliner Allee SSI, n ClUClliaCC. abends 8 Uhr. 8iidenbeiir!le:«»gel.fer m, abend« Neukölln; Ideal-Pentsaie, Weichseistrasse 8, abends 8>/, Uhr. 8ieAiiii; isiebeilbases l'estsuiv, Ahornstr. 15a, abdz. 8'/,Uhr. Vverzeiiöneveide, Niederseiiöneveide, �odsnnis- tftal n Ilnirf* Restaurant Georee, Lberschöneweide, lllal U- Ulliy,. Wilhelminenhofstr. 41a, abends 81/, Uhr. SpnndBU* Bestaarnat, Spandan, Knrstr. 81, abends Tagesordnung in allen Versammlungen: Beriehi von der General-VersanunlMiiii. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 115/6 nioOrtsverwaltunif. '. frf�rn Von Kavalieren wenig getragene sowie im Versatz gewesene JackettanzUgv, KockanzUxe. Paletots u. Ilster, 12. 15, 18, 20, 25 bis 36 M., Prima. ITerner GeleBenheitskünte in neacr llaBgarderobe enorm billig. Riosenpostsn Kostttmo und Daincn-Bäntel, auf Seide, enorm billig. r,xtraanKebot In Lombard gewesener Brillanten, Uhren und Goldwaren zn enorm billigen Preisen. Conc. I-elbbaas .Vorw&rts". Leser erholten 16 l*roz. extra. Peranttvortlicher Redakteur: Llfred Wietepp, Neukölln. Für bea Inseratenteil verantw,: rh.G tacke, Berlin, Druck u. Verlag: Borwart« Luchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Einser& Ii«« Berlin SW. 8r M 38. la�o.9. Z. MlU LllMllltS" AttlM WlliStlM. Der Irauenmorö ein wohl vorbereiteter Ranbmord. Die Ermittelungen in der Mordsache Franzke haben ergeben, daß die anfänglich des Mordes bezichtigte Helene Bahl zu Unrecht beschuldigt wurde; das Mädchen ist vollkommen unschuldig und aus der Hasl emlasscn worden. Es berührt natürlich unter solchen Um- ständen sehr peinlich, dag das Bild der Vcrhastetcn an allen Anschlagsäulen angeheftet worden ist. Die fliriminalpolizei hat eine Aussöhnung des Mädchens mit ihren alten braven Ellern herbei- geführt, wodurch ihm der Weg geebnet ist, wieder in ordentliche Bahnen zu kommen. Das Kind der verhafteten Sonnenberg ist dem Waisenhause überwiesen worden. Die weiteren Verhöre und Vernehmungen enthüllen das Bild eines planvoll überlegten, in allen Einzelheiten klar vorbedachten und mit beispielloser Kaltblütigkeit ausgeführten Raubmordes. Die Ullmann und die Sonncnbcrg beraubten nicht nur die Leiche, sondern plünderten noch in der Nacht auch die Wohnung der Ermordeten aus. Nachdem die beiden fest übereingekommen waren, dag sie die Franzke ermorden und berauben wollten, überlegten sie, was für ein Werkzeug sie nehmen sollten. Erst dachten sie an einen Revolver, den Woitasch mit scharfen Patronen bei der Einberufung in seiner Wohnung zurückgelassen halte. Hier in dieser Wohnung veranstal- tetcn sie ein Probeschiegen. Aber schon der erste Schug veranlagte sie. dieses Werkzeug zu verwerfen. Die Ullmann war mit der Waffe nicht genügend vertraut. Statt das Ziel, das sie sich gesetzt hatte. traf sie die Wasserleitung und zerschog sie. Jetzt wählten die ent- »nenschlen Weiber das Rasiermesser, mit dem die Ullmann besser Ac- scheid wugte. Von vornherein aber rechneten beide mit der Möglichkeit, dag doch einmal eine Haussuchung kommen könnte. Deshalb schafften sie den Revolver mir allem Zubehör weg. Die Sonnenberg nahm den Karton, in den die Waffe mit der Munition gepackt war, legte ihn in einem Hause der Gartcnslrage heimlich auf die Treppe und lieg ihn liegen. Nachdem nun das Rasiermeffer gewählt worden war, verteilten die beiden die Rollen. Zunächst heckten sie als Lockmittel den Brief nnt dem Blumcnstraug au§. Dann kauften sie, schon acht Tage vor der Tat, einen Strick, den die Sonncnberg dem Opfer über den Kopf werfen sollte, um es halb zu erdrosseln und um der Ullmann die Gelegenheit zu dem tödlichen Schnitt zu geben. Der Strick wurde auf seine Haltbarkeit geprüft. Ein Siück, das für die Schlinge abgeschnitten wurde, erwies sich nicht als kräftig genug. Tie Sonnenbcrg legte es deshalb doppelt und befestigte den Strick nun durch drei Knoten in seiner Lage. So mutzte er halten. Nach allen Vorbereitungen wurde endlich die Franzke plan- mätzig in die Friscurwohnung gelockt. Die Ladentür war vcr- schlössen. Den Hund der Ermordeten sperrte die Ullmann mir ihrem Bor in den leeren Friseurladen. Die Franzke sag ahnungslos beim Kaffee und schimpfte auf die treulose Bahl. Die Ullmann stand ihr in allen Punkten bei und schimpfte mit. Plötzlich warf nach der Verabredung die Sonnenberg dem Opfer von hinten die Schlinge um den Hals und zog kräftig an. In demselben Augenblick schnitt die Ullmann der Ueberraschten mit mehreren kräfligen Schnitten den Hals ab. Röchelnd versuchte das Opfer mit empor- gestreckten Händen sich zu erheben und nach der Tür zu fassen. Leise sagte sie noch: Geld dekommt Ihr doch nicht! Noch einmal erhob die Ullmann das Rasiermesser und schnitt der tödlich Getroffenen die erhobene linke Hand fast voll- ständig durch. Jetzt brach das Opfer sterbend zusammen. Aber es war noch nicht ganz tot, als sich auch die Ullmann schon niederbeugte, mit dem Rasiermesser die Bluse auftrennte und nach dem Brustbeutel mit dem Gelde sagte. Er enthielt nur 40 M. und die Mörderinnen waren sehr enttäuscht. Jetzt überlegten sie, was weiter zu tun sei. Die Beute an barem Gelde war ihnen zu gering. Sie wollten sie durch Ausplünderung der Wohnung ergänzen. Neben der Franzke wohnt ein Mann, der schwer krank ist und die Nächte schlaflos daliegt. Sein Bett steht an der Wand, die seine Stube von der Franzke trennt. Der Mann hatte der Kriminalpolizei schon bekundet, datz in der Nacht nach dem Verschwinden seiner Nachbarin noch jemand in deren Wohnung gewesen sein müsse. Die Franzke und die Bahl aber seien eS sicher nicht gewesen. Denn diese seien bei der Heimkehr immer sehr laut gewesen. Die Besucher in der Nacht aber seien sehr leise zu Werke gegangen und hätten sich auch nur leise unter- hallen. Diese Wahrnehmung erwies sich nun als richtig. Die beiden Mörderinnen hatten ihrem Opfer gleich die Schlüssel ab- genommen. So drangen sie in das Haus in der Ackerstr. 3ö und in die Stube der Franzke ein, durchstöberten alle Behältnisse, packten die Wäiche, die Kleidungsstücke, die Hüte, die Stiefel, die Uhr, Schmucksachen und dergleichen mehr in Tücher und Säcke und schleppten die schweren Bündel nach der Wohnung der Ullnrann, um sie hier gleich zu sichten. Weil sie Geld brauchten, so brachten sie im Lause der Tage ein Stück nach dem anderen zu Trödlern und verkauften es, indem sie sich mir gefälschten Papieren ariS- wiesen. Einen Teil dieser Beute aber wollte die Sonncnbcrg für sich behalten. Ans Veranlassung der Ullmann mutzte sie geraubte Wäschestücke zu einer Wäscherin bringen, mn sie waschen zu lassen. Nachdem sie gereinigt zurück gekommen waren, stiegen den beiden Bedenken wegen einer Haussuchung auf. Deshalb packten sie fast alles, Kleidungsstücke, Figuren usw. in einen grotzen Reisekorb und diesen brachte die Sonncnberg nach Leipzig zu ihrer Mutter. Dort sollen die Sachen jetzt noch sein. Ein stummer Zeuge des Verbrechens, den sie fürchten mutzten, war der Hund der Ermordeten. Die Mörderinnen brachten ihn nach Beseitigung der Leiche, so wie er war. abends im Dunkeln nach dem Hause Bergstratze 63. Sie wutztcn, datz hier die Haus- iure einen„Selbstschlictzer* hat. Deshalb führten sie das Tier gerade auf den Flur dieses Hauses. Die Tür schlotz sich wieder, und der Hund war eingeiperrl und blieb eS, bis die Kinder ihn fanden, lieber das Einpacken der Leiche in den Reisekorb haben wir schon berichtet. Die Leiche war schon steif, als die Mörderinnen damit begannen. Sie versuchten erst mit dem Rest der Schnur, die als Schlinge gedient halte, Kopf und Beine zusammenzubinden und festzuschnüren. Das gelang aber nicht. Bei diesen Versuchen schnitten sie auch an dem Kopf herum und riefen so die am Hinterkopf gefundenen Verletzungen hervor. Nach Verübung des tierischen Verbrechens lasen die Mörderinnen eifrig die Zeitungen. Sie waren gespannt, wann wohl die Leiche in dem Reisekorbe in Stettin entdeckt werden würde. Endlich fanden sie die Nachricht und nun verfolgten sie die Tätigkeit der Kriminal- Polizei. Nachdem sie erfabreu halten, datz ihre Bekanntschaft mit der Franzke— die Ullmann-Elsner hietz in der Gegend Woitasch— ans' Licht kam, einigten sich die beiden Weiber ganz bestlinmr auf alles, waS sie aussagen wollten, wenn die Kriminalpolizei auch zu ihnen komme. Daran hielten sie mir aller Zähigkeit nach Art der weiblichen Verbrecher fest. Es war schwer, sie zu entlarven, aber kleine Fingerzeige brachten ihnen doch die Hindernisse, über die sie stolperten. Sehr verdächtig war unter anderem das Verhallen der Ullmann beim Wegschaffen des Korbes mit der Leiche. Aber sie wutzte jede Hand- reichung mit ihrer Gutmütigkeit gegenüber anderen Leuten, niil ihrer „Gutheit', wie sie es nennt, zu erklären. Diese„Gutheit" betonte sie auch bei einer anderen Gelegenheit noch. Wie wir früher mitteilten, ermittelte die Kriminalpolizei ein Gruppen- bild von einer Aufnahme in einem Lokal. Hierauf befand sich auch die Franzke. Die Friseurin bezeichnete nun einen Mann aus der Gruppe als den, der den Korb zu ihr gebracht habe und lieh durch- blicken, datz der wohl mit dem Morde zu tun haben müsse. Der Mann wurde ermittelt und der Ullmann gegenübergestellt. Jetzt meinte sie, es sei doch wohl nicht dieser Mann, sondern wohl ein anderer. Gestern endlich gab sie zu. datz sie sich keineswegs geirrt habe. Sie habe bielmehr aus„Eutheit' den unschuldigen Mann nicht weiter bezichtigen wollen. Die Kriminalpolizei ist dabei, alle Angaben über die Einkäufe des Korbes, der Schlösser, der Schnur usw., über die Verkäufe der gestohlenen Sachen und über den Verbleib des Revolvers nachzu- prüfen. Die Sonnenberg, die morgens in der Werkstatt des Polizei- Präsidiums photographicrt und daktyloskopiert wurde, mutzte die Beamten auf ihren Ermittelungswegen begleiten. Sie zeigte nun den Beamten, die mit ihr umhergingen, alle die Stellen, und ihre Angaben bestätigten sich. Auch zu den Trödlern, den Erwerbern der verkauften Beutetcile sübrte sie hm. Ebenso zeigte sie das HauS, in dem sie in der Ackcrstratze den Karton mit dem Revolver und den Patronen auf die Treppe gelegt habe. Ob diese Angabe richtig ist, lietz sich nicht feststellen. Der Revolver wird natürlich bald„der- schwanden' sein. Der Finder hat ihn wohl für sich behalten. Als gefunden angezeigt oder auf dem Fundbureau abgegeben worden, ist er nicht. Die Angabe der Sonncnberg braucht aber deshalb, weil sie unter diesen Umständen nicht nachgeprüft werden kann, nicht be- zweifelt zu werden. Von der Beule wurde ein schwarzes Kostüm in der Wohnung der Ullmann noch beschlagnahmt. Die unschuldige Helene Bahl, die bereits vorgestern abend wieder auf freien Futz gesetzt wurde, hat einen Teil der Sachen, die die beiden Mörderinnen aus der Wohnung der Ermordeten stahlen, als die ihrigen wiedererkannt. Es konrsie ihr nicht alles gezeigt werden, weil ja ein großer Teil nach Leipzig geschafft war- den ist und dort noch bei der Mutter der Sonnenberg sein soll. Das Mädchen hat noch einmal gelobt, daß es sich bessern und bei den Eltern bleiben werde. Die beiden Mörderinnen wurden gestern auf dem Polizei- Präsidium einander noch einmal gegenübergestellt und sind dann der Slaatsanwaltjchast I vorgeführt worden. Iu Toöe gequält. Die unmenschlichen Mißhandiuugcn dcS Dienstmädchens Minna Neumann, deren Tod s. Z. so großes Aufsehen erregt hat, unterlagen gestern der Prüfung der 4. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdircktors Splcttstößcr. Die Anklage richtete sich gegen die Kaufmannsfrau Klara Koh geb. Rosja, geichiedene Lehrer, die jetzt 47 Jahre alt ist. Sie wurde beschuldigt, ihr noch nicht 18 Jähre altcS Dienstmädchen Minna Neumann in einer das Leb e n g e f ä h r d enden, grausamen und boshaften Behandlung fort- gefetzt schwer mißhandelt z u haben. In der Nacht zum 3. September perstarb in der Wohnung der Angeklagten die Neumann. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte die Todesursache nicht mit Bestimmtheit feststellen. Bei der Obduktion befanden sich am ganzen Körper zahlreiche Spuren gröbster Mitzhandlungen, die mit außer- ordentlich hoher Gewalt beigebracht sein müssen. Die Neumann war seil dem Dezember 1014 bei der Angeklagten in Stellung: sie ist von der Angeklagten, die eine äußerst nervöse, leicht erregbare und zu Tätlichkeiten neigende Frau ist, geflisscnllich von allem Ver- kehr abgeschlossen gehalten worden. Die auffallende Tatsache, datz das Mädchen nichr durch einfaches Verlassen des Dienstes sich den grauiamen Blitzhandlungen entzogen hat, wird dadurch zu erklären gesucht, datz das Mädchen noch jung, heimatlos und etwas be- schränkt war. Die Angeklagte hat nach ihrer Bekundung auf Befragen des Vorsitzenden in Breslau die Gemeindcschule bis zum 14. Lebens- jähre besucht und ist dann nach einiger Zeit nach Berlin zu einer Tante gekommen. Sie hat s. Z. einen Kaufmann Lehrer geheiratet, ist von diesem geschieden worden, hat ihn wieder geheiratet und ist nochmals von ihm geschieden worden. Aus ihrer früheren Tätigkeil als Kellnerin und Büfelteuse hat sie sich das Biertrinkcn angewöhnt und täglich durchschnittlich 7—0 Flaschen, manchmal auch mehr, gs- trunken. Mu ihrem jetzigen Ehemann ist sie feil 1002 verheiratet. Sie b c st r l t t, die schweren Verletzungen dem Mädchen beige- bracht zu haben, die auf den vom Vorsitzenden der An- geklagten vorgelegten Photographien am ganzen Körper des Mädchens noch fichlbar sind. Das Mädchen sei entsetzlich nachlässig und ent- sctzllch schmutzig gewesen, so datz sie aus der Aufregung»ichl nichr kerauSgckominen sei. Sie habe Minna wiederholt gebeten, das Hans zu vcrlasseu, diese habe sich aber stets geweigert und gesagt, sie lvürde lieber ins Wasser gehen. Die Angeklagte bestritt, dem Mädchen so furchtbare Verletzungen beigebracht zu haben; sie habe sie niemals auf den nackten Köiper geschlagen, niemals mit einer Bremischere verbrannt und auch nie so furchtbar auf sie eingehauen. ivie behauptet werde, Sie habe das Mädchen, das als Flüchtling aus Ostpreußen gekommen ivar, sehr gern gehabr und es gut mit ihr gemeint; es tue ihr leid, datz sie sich mehrfach habe hinreißen lassen und da? Mädchen mit dem Staub- Wedel geschlagen und oft gcohrfeigt habe. Das Mädchen sei gar nichr so schüchtern gewesen, wie sie getan und wenn sie so brutale Verletzungen erlitten habe, so müssen ihr diese von unbekannter dritter Seile beigebracht worden sein.— Der Vorsitzende hielt dies für ganz unwahrscheinlich, da doS Mädchen drei Monate lang gar nicht aus dem Hause gekommen sein soll. Nach den Wahr- nehmungen von Zeugen sei das Mädchen in den letzten iechS Wochen täglich geschlagen worden. Die Angeklagte habe einen wanderbaren Einslutz auf das Mädchen gehabt, ebenso aus ihr früheres Dienstmädchen, welches auch von ihr heftig ge° schlagen worden sei, ohne daß sie daraus etwas gemacht hat. Die Angeklagte bcslrill dieS und suchte eine Kopfverletzung der Minna dadurch zu erklären, datz diese im Finsiern gegen em Spind gelaufen sei. Eine Cousine der Angeklagten hat einmal bei einem Besuche das Mädchen mit blauem Auge und verschwollenen Lippen au- getroffen. Da hat rhr die Angeklagte unwahrerweise gesagr. die Tante des Mädchen? sei dagewesen und habe das Mädchen tüchtig geschlagen, weil sie UebleS über die Tochter der Tante.geredet habe. Merkwürdigerweise Hai das Mädchen artf Vorhalt der Zeugin nicht etwa diese angebliche Züchtigung durch die Tonte bestritten, sondern nur gesagt: sie wolle eS nicht wiederlun. Tie Zeugin bestätigte. datz die Angeklagte sich mehrsach darüber beklagt habe, datz das Mädchen so schmutzig sei: letzleres habe sich über die Ängellagte nie beschwert.— Eine Zeugin bekundete, daß Frau Koh immer sehr aufgeregt gcivesen sei und auf das Mädchen viel und heftig ge- schimpft habe:«Du alte Sau, D u a I te s S ch w e i n, sieh mal den Dreck dal Du sollst Dich was schämen!' Freitag, April tiU6. Auch das Geräusch von Schlägen hat diese Zeugin gehört; das Schimpfen sei sogar noch am Tage vor dem Tode des Mäd- cheus hörbar gewesen. Andere Hausnachbarn her Ange- llagteu haben dieselben Wahrnehmungen gemacht und sich darüber empört, datz das Mädchen so oft ausgeschimpst, wurde und so' oft„Dresche' kriegte. Das Mädchen wurde als nett und nicht schmutzig geschildert. Eine Frau Lange, die eine entfernte Verwandte der Minna ist und das Mädchen zu der An- geklagten gebracht hatte, hat wiederholt von Frau Koh gehört, datz sie mit dem Mädchen sehr zufrieden sei und es seine Schuldigkeit vollauf tue. Bei den Besuchen dieser Zeugin ist Frau Koh immer sehr liebenswürdig gewesen und sie hat den Eindruck gehapt, datz es die Minna in ihrer Stelle sehr gut hatte; um so erstaunter war sie, datz das Mädchen sie plötzlich gar nicht mehr besuchte, bis sie dann hörte, datz dies dem Mädchen verboten worden tvar.— DaS frühere D i e n st m ä d ch e n schilderte die Angeklagte als leicht aufbrausend und erregt; sie sei oft kränklich gewesen und habe meistens bis 2 Uhr mittags im Bett gelegen. Das Bier, welches die Zeugin habe holen müssen, sei ihr anö Bett gebracht worden. Einmal habe die Angeklagte sie, schlagen wollen, sie sei infolgedessen weggegangen und nicht wieder in den Dienst zurückgekehrt.— Autzer anderen Zeugen, die über Schimpsereien der Frau Koh bekundeten, wurde auch der Ehe- mann Koh vernommen, der bekundete, datz das Mädchen nie geklagt habe. Seine Frau befinde sich in den Wechseljahren, sie sei leicht nervös aufgeregt, es könne sie dann eine Fliege an der Wand erregen, doch sei sie im nächsten Augenblick wieder gut und freundlich und sie bedauere dann, sich ver- gessen zu haben.— Medizinalrat D r. S l ö>»r e r hat bei der Leichenschau zusammen mit dem Geh. Medizinalrat Dr. H o f f m a n u eine solche Fülle von Spuren erlittener Miß- Handlungen festgestellt, wie sie zum Glück nur seilen vor- kommen. Mit Ausnahme des rechten BeineS sei l e i n Körperteil ohne solche Spuren schwerer und. s ch w e r st e r Mitzhandlungen gewesen. Man könnte f ü n si- u n d z w a n z i g einzelne schwere Verletzungen hervor- heben, die durch stumpfe Gewalt hervorgerufen worden waren, aber auch darauf hindeuteten, datz autzerordentlich grobe Gewali-' cinwirkungen stattgesundcn haben. Denn das Unlerhautgewebe war so zersetzt, datz man die Hand wie in eine Tasche unter die Haut stecken konnle. Außerdem waren zweifellos vier Ver-. brennungeu festzustellen und Blulunterlaufuirgeu, die über den ganzen Kopf sich zogen, daneben eine offene Kopfwunde.. Der Tod des Mädchens sei infolge schwerer Erkrankung der Niere erfolgt, aber ohne Zweifel haben die Fälle von Verletzungen einen großen An teil a st dem Tode des Mädchens, denn bei so langen Quälereien müsse ein Zustand der Erschöpfung die Folge sein. Das Ganze sei eine sysicmalische, über lange Zeit sich erstreckende Quälerei und eine das Leben gefährdende Lehandluug. Was die Angeklagte betrifft, so sei sie stark nervös und die Nervosriät sei durch den Trunk er- höht worden. Die Angeklagte habe in ihrem Leben eine unfrei- willige und eine absichtliche Kohlenoxyd« bezw. Leuchtgasvergislung durchgemacht und sei eine durch erbliche Belastung und sehr viel Unglück geschädigte, durch Alkohol ruinierte und zum Zorn leicht hin- neigende' Frau, die aber nicht unter 8 61 St.-G.-B. falle. Beim Tode des Mädchens konkurrierten Niereu« ontzünduug. die Mitzbandlungen und ein Blut- e r g u tz. Die Talsackc. datz das Mädchen sich alles ruhig habe ge- fallen laffen. erkläre sich daraus, datz die Neumann geistig minder- werlig gewesen sei und in knechtischer Ergebenheil sich von der, die sie als ihre Herrin ansah, alles habe gefallen lassen. Slaatsanw. Stelzner hielt für erwiesen, datz die Neum.au» der Gegenstand bestialischer, vorsätzlicher Verletzungen geworden sei und die Angeklagte diese Verletzungen beigcvracht habe. JheeMöKpe' seien nichr ganz ausgellüri. Der istaatsanwakl hielt nur sch w ere. Körperverletzung für erwiesen, nicht aber als.. Körper» Verletzung mit Todeserfolg und beantragte, da die Angeklagte" eine ungewöhnliche Tyrannei bekundet habe, drei Jahre Ge- f än g n'i S. R.-A. Dr. Klee gab zu, datz die Verhandlung ein entsetzliche? Bild von dem Martyrium des bedauernswerten Mädchens entworfen habe, hob aber eine ganze Reihe mildernder Momente hervor, die der Angeklagten zur Seile ständen. Das Gericht erklärte sich für u n z u st ä n d i g, da hin- reichender Vcrdachr vorliegt, datz die Körperverletzungen den Tod des Dienstmädchens verursacht haben, und überwies die Weitcrc Verhand- luirg dem Schwurgericht. Mus Groß-Serlm. Flcischbezug und Abgabe des Mittelstücks der Brotkarte. Der Magistrat hat an den Anschlagsäulen eine Bekannt- machung erlassen, in der zwecks Sichcrstellung einer gleich- mäßigen Verteilung des vorhandenen Fleisches unter die Berliner Einwohner bestimmt wird, daß die Berliner Inhaber von Brotkarten das Mittelstück der für die 60. Woche(vom 10. bis 16. April) geltenden Brotkarte am Montag, den 17. oder Dienstag, den 18. April in dem Verkaufsgeschäft abzugeben haben, von dem sie Fleisch bezichen wollen. Die Inhaber der Verkaufsgcschäfte(Ladenschlächter) haben die bei ihnen abgegebenen Mittelstücke ani Mittwoch, den 10. April, dem Lebensmittelbureau Magistrat, Abteilung für Fleischversorgung, Stralauer Str. 8/6 einzureichen, und- zwar in Bündeln zu 50 Stück, unter deutlicher Angabe der Firma und Adresse des. Einliefernden. Für Krankenhäuser und Privatklinikeii und ähnliche Anstalteil, die keine Brotkarten erhalten, sind be- sondere Vorschriften ergangen, die aus den Anschlägen an den Säulen ersichtlich sind._ Tie Zuckerfrage Groft-Berlins. Gestern vormittag tagte der AuSschutz der Grotz-Berliner Ge« meinden, um zu der Zuckerfrage Stellung zu nehmen. ES herrschte Einmürigkeit über Ziele und Wege, doch wurde zunächst von einer Beschränkung des freien Verkehrs Abstand genommen, bis endgültige AussührungSbeslimmungen seitens der Reidiszuckerstelle erlassen seien. Auch der Großhandel war durch einen Sacyverständigen vertreten, und es konnle erneut festgestellt werden, datz von einer eigentlichen Zuckcrnot keine Rede sein könne, ja kaum von einer wirklichen Knapp» heit. Immerhin werden in einigen Wochen irgendwelche Matzregeln getroffen werden müssen, um eine gerechte Verteilung der aus« reichenden Vorräte zu ermöglichen. Von einer Zuckerlarte wurde vor» läufig abgesehen._ Für Kartoffclhändlcr. Der Magistrat Berlin weist nochmals daraus hin, daß die Karloffelhändler die in der letzten Periode ge- sammelten Karioffelkartenabschnilte spätestens bis zum 14. April ein» schließlich bei der für ihre gewerbliche Niederlassung zuständigen Brolkomniission gegen Bezugsscheine für den neuen Zeitabschnitt vom 13. bis 24'. April umzuwechseln haben. Hotels, Pensionale, Schank- und Gastwirtschaften haben ihre Bezugsscheine wieder vom Obmann der zuständigen Gastwirts« koinmission abzuholen, während Krankenhänser, Kliniken und andere Verpflegungsanstalten sich wegen ihres Bedarfes � an das Lebens- mittelbureau des Magistrats, Stralauer Str. 3—6, wenden können, Regelung der Arbeitszeit in Konfektionsbetrieben usw. Berlin, 13. April.(W. T. B.) Das Polizeipräsidium teilt niit: Auf Grund des Z 1 Absatz 3 der Bekanntmachung des Oberkommandos in den Marken betreffend Regelung der Ar- beit in Web-, Wirk- und Strickstoffen verarbeitenden Gewerbe- zweigen voni 4. April d. I. und des Gesetzes, betreffend Aus- nahmen von den Beschäftignngsbeschränkungcn gewerblicher Arbeiter vom 4. August 1914(R.-G.-Bl. S. 333) hat der Polizeipräsident von Berlin in den Landespolizeibezirken Berlin die Arbeitszeit in den vorbezeichneten Gewerbszweigen wie folgt festgesetzt: I. In Fabriken, Werkstätten und Konfektionsbetrieben aller Art einschließlich der Arbeitsstuben der Zwischenmeister 1. Von Montag bis Freitag täglich von 8� Uhr mor- gens bis 41/, Uhr nachmittags mit einviertelstündiger Frühstücks- und dreiviertelstündiger Mittagspause. 2. Sonnabends und an den Vorabenden der Festtage von 8>/2 Uhr morgens bis 1% Uhr nachmittags mit ein- viertelstündiger Pause. Die Lage der Pausen ist freigestellt. II. In Maßschneidereien sowie in offenen Detail- geschäften: 1. Vom Montag bis Freitag täglich von 9 Uhr vor- mittags bis 1 Uhr 30 Minuten nachmittags und von 3 Uhr 40 Atinuten nachmittags bis 7 Uhr abends mit je einer Frühstücks- und Vesperpause von 25 Minuten Dauer nach eigener Wahl. 2. Sonnabends und an den Vorabenden der Festtage von 9 Uhr vonnittags bis 2 Uhr 30 Minuten mit einer halbstündigen Pause nach eigener Wahl, in offenen Detail- geschäften mit weniger als 10 gewerblieben Arbeiterinnen von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends. Sonntags ruht die Arbeit in sämtlichen Betrieben. Die Arbeitszeiten nebst festgelegten Pausen sind in jedem Arbeitsraum durch Anschlag in deutlicher Schrift bekannt zu geben. Werden die vorstehend angegebenen Arbeitszeiten und Pausen innegehalten, so kann die in Z 1 Abs. 3 der Bekannt- machung des Oberkonimandos in den Marken vom 4. April d. I. vorgeschriebene Anzeige an die Olewerbeinspektion unter- bleiben. Ebensowenig bedarf es in diesem Falle einer Aus- nahmebewilligung nach der Gewerbeordnung oder dem Reichs- gesetz voni 4. August 1914. Sollen dagegen andere als die vorstehend festgesetzten Arbeitszeiten und Pansen eingeführt werden, so ist die er- forderliche Ausnahmcbewilligung bei der Abteilung IX schriftlich zu beantragen._ Schwerer Raubnberfall auf einen Trödler. Ein Raubüberfall wurde gestern abend in der siebenten Stunde in dem Hause Ackerstr. 27 verübt. Dort betreibt der 4l) Jahre alte Händler Adolf L c v i n im Keller des Vorderhauses ein Trödel- geschäft, während er in einem Obergeschoß wohnt. Vor einiger Zeit versetzte bei ihm ein 18 Jahre alter Dreher Heinrich Buch- h e i st e r aus der Charitestr. 5 seinen Anzug. Gestern nachmittag, als Levin mit seiner Wirtschafterin im Laden war, kam nach 6 Uhr der junge Mann, angeblich, um seinen Anzug wieder abzuholen. Er hatte aber kein Geld. Der Trödler verweigerte deshalb die Herausgabc. Wahrscheinlich war es Buchhcistcr darum auch gar nicht zu tun. Denn er mußte ja wissen, daß er ohne Geld das Pfand nicht herausbekommen konnte. Mit dem Bemerken, daß er das Geld holen werde, ging er wieder weg. Jetzt begab sich die Wirtschafterin nach der Wohnung, um für Levin Kaffee zu holen. Auf ihr Weggehen hatte Buchheister wohl gelauert. Als Levin allein im Keller war, kehrte er zurück und ging auf den Mann los, mit der Drohung:„Geld oder das Leben I" Bevor der Geschäftsmann auch nur ein Wort sagen konnte, stieß er ihm zweimal ein Messer in die Brust und versetzte ihm dann noch einen Stich in den Rücken, so daß er blutüberströmt zusammenbrach. Auf seine Hilferufe ergriff der Räuber die Flucht. Ein Beamter aber nahm ihn bald fest und brachte ihn nach der Wache des 1l). Reviers in der Elisabeth- kirchstraße 4. Unterdessen kam die Wirtschafterin mit dem Kaffee und fand ihren Dienstherrn schon fast besinnungslos daliegen. Er war von dem starken Blutverlust schon ganz erschöpft. Der Schwer- verletzte wurde nach dem Virchow-Krankenhaus gebracht, der Räuber später der Kriminalpolizei vorgeführt. Vom Zuge geköpft. Ein schwerer Unglücksfall hat sich auf der Nordbahn ereignet. Der auf der Station Grüneberg beschäftigte Bahnwärter Winkel aus Löwenberg i. M. befand sich Mittwoch nachts zwischen 1 und 2 Uhr auf einem Revisionsgange auf dem Bahnkörper. Ms ein Personen- zug herannahte, trat W. auf das Nebengleis, ohne zu beachren, daß auf diesem aus entgegengesetzter Richtung ein Güterzug kann Da auch der Lokomotivführer in der Dunkelheit den Beamten nicht recht- zeitig bemerkte, wurde Winkel von der Maschine erfaßt, überfahren und auf der Stelle getötet. Am nächsten Morgen fand man die Leiche, der der Kopf fehlte, der wahrscheinlich in das Getriebe eines Rades geraten und mitfortgeschleppt worden ist. Totgefahren. Ein trauriges Ende nahm Mittwochabend für einen alten Herrn aus Nauen eine Sängerfahrt. Der Sängerchor aus Nauen war hierhergekommen, um ein Konzert zu geben. Auch der 7» Jahre alte Schriftsetzer Otto Pott aus der Chausseestraße nahm an der Fahrt teil. Als er nun Mittwochabend mit dem Dirigenten des Chors über den Potsdamer Platz ging, fuhr ihn an der Budapester Straße ein Kraftwagen um und schleifte ihn ein Stück Weges mit. Ter Verunglückte, der erst kürzlich seinen jüngsten Sohn ins Feld gesandt halte, wurde so schwer verletzt, daß er schon auf dem Wege nach der Charite starb._ Zuschüfse zum Lohn iu der Web- und Strickwareniudustrie. Das Königliche Polizeipräsidium teilt mit: Die Unternehmer der Web-, Wirk- und Strickstoffe verarbeitenden Gewerbezweige, die von ihnen beschäftigten Zwischenmeister, Aus- geber u. dergl. sowie die Inhaber von Arbeitsstuben der erwähnten Art werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie die Bestimmungen in den Z§ 3, 4, und 8 der Bekanntmachung des Oberkommandos in den Marlen vom 4. April verpflichtet sind, den von ihnen be- schäftigten Arbeitern und Heimarbeitern zum Ausgleich für die Be- schränkung der täglichen Arbeitszeit Zuschüsse zum Lohn zu zahlen und in den Arbeitsräumen Anschläge nach den vorgeschriebenen Mustern anzubringen. Besondere Beachtung erfordert außerdem die Bestimmung in § 11, Absatz 1 Satz 2, daß die den Zwischenmeistern, Inhabern von Arbeitsstuben und sonstigen Mittelspersonen von den Betriebs- Unternehmern vor dem Erlaß obiger Bekanntmachung übcrgebenen Arbeitsmengen gleichfalls jetzt nur noch nach den Bestimmungen deS § 4 Ziffer 2 bis 5 und des§ 5 weiter verarbeitet werden dürfen. Feuertod eines Kindes. Ein schweres Brandunglück hat sich am gestrigen Donnerstag vormittag in dem Hause Strausberger Str. 41 ereignet. Die Ede- frau des dort im dritten Stockwerk des Hinterhauses wohnenden Büglers Grund hatte gestern morgen eine eilige Besorgung zu machen und ging gegen Uhr fort. Ihre dreijährige Tochter, die noch schlief, ließ sie allein in der Wohnung zurück. In der Abwesenheit der Mutter ist das Kind erwacht und hat mit Streichhölzern ge- spielt, die auf einem in der Nähe deS Bettes stehenden Tische lagen. Eines der Zündhölzer entzündete sich dabei und wurde von der Kleinen in der Angst fortgeworfen. Bald standen die Betten in Flammen und auch die übrigen Möbel wurden von dem Feuer er- griffen. Erst als sich Brandgeruch und starke Rauchbildung bemerk- bar machten, wurden Hausbewohner aufmerksam und benachrichtigten die Feuerwehr, die alsbald mir zwei Zügen zur Stelle war. Als Feuerwehrleute in die verschlossene Wohnung eindrangen, war das Zimmer fast ausgebrannt. Das dreijährige Mädchen ivurdc als vollständig verkohlte Leiche aufgefunden. Der Brand selbst konnte alsbald gelösch: werden. Aufgefundene Leiche. Am 11. d. M. mittags wurde in der Tegeler Geineindefoist, Nähe Bernauer Straße, die Leiche eines erhängten, unbekannten Mannes gefunden. Der nach der Tegeler Leichenhalle gebrachte Tote ist etwa öll Jahre alt, klein, untersetzt, hat blaue Augen, graues Haar, bräunlichen, ergrauten Schnurrbart und ist bekleidet mit grauem Jackellanzug, weißem Vorhemd ohne Kragen, weißem, schwarzgestreiftem Barchenthemd, schwarzem, steifem Filzhut, schivarren Schnürschuhe». Sein rötliches Taschentuch ist gezeichnet„R. W.". Erkenner des Toten wollen sich bei der Tegeler Polizei melden. Turnverein„Fichte" schreibt auS: Das vom Oekonom des Ge« werkschastshauseS angekündigte Frühlings-Tchaiiturnen der ersten Männerabteilung des Turnvereins„Fichte" zum Sonnabend, den 1ö. April 1916 findet nicht statt. Dasselbe ist rückgängig gemacht worden. Gestohlen wurde der Hauptexpedition des„Vorwärts" ein rot« lackiertes Fahrrad, Marke Frisch-Auf Nr. 372 930, mit Torpedo- freilausnabe, am Donnerstagnachmittag gegen 1 Udr, vor dem Postamt 42 in der Rillerstraßc. Auf dem unteren Rahmenrohr be- findet sich die Zeile„Hauptexpedirion des Vorwärts" in Goldschrift. Der Dieb wird geschildert als ein junger Mann im Radfahrcranzug mit langen, schwarzen Strümpfen(sogenannten Stutzen) und brauner Manchestermütze. Vor Ankauf des Rades wird gewarnt und um sofortige Nachricht gebeten, falls das Rad irgendwo gesehen werden sollte._ Jugenöveranstaltungen. Reinickendorf-Weit. Am Sonntag, den 16. April, abends S'l, Uhr, findet im Jugendheim, Wachholderilr. 44, eine Feier i ü r die schul- entlassene Jugend statt. Vortrag. Rezitation. Mandolincnkonzert. Die Jugendlichen sowie deren Angehörige sind hierzu sreundlichjt eingeladen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter a. G.) Hamburg. Filiale Baum schulen weg. Den in Treptow wohnenden Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 15. April, abends von 19 Ubr, im Lokal von Wolfram, Elsen- straße 191(Ecke Kicshotzstraße)'kassiert wird. Wetteraussichtcn für das mittlere Norddeutschland diS Sonnabend mittag. Zeitweise heiter, jedoch kühl und unbeständig mit wiederholten Regcnsälleu. Aünfflevtfd} fletofam! Wir bringen eine entzückende Auswahl kleidsamer Stiefel- Modelle in der jetzt begehrten kurzen Form Unentbehrlich zum wirksamen Abschluß des heuiigen kurzen Glockenrocks Eine schmucke Halbschuh- Neuheit ist unser Binde- Spangenschuh mit Qderabsah für die Straße. Ausführung in Lack sowie schwarz oder farbig Chevreau ■C* Herren- Frühjahrs-Modell. Herren-Schnür. und.Knopfstiefel feÄÄ Eondor-Paienk-Herren-Schniitstiefel � � Befreit Einarmige- Blinde, Startbeleibte von fremder Hilfe! stets geschnürt! Eine Wohltat! Conrad Tack& Cie. 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