Ar. 114.- 83. Jahrg. fiuvniKmentS'Bedlngangen: RtonnementS■ Preis pränumerando Pierteljährl. 8,S0 Ml, monatl. lLV Ml. wöchenllich 30 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» nummer mii Mulirierier Sonntags» Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post» ilbonnemeni: ILO Marl pro Monat. Eingciragen m die Post. Zeitunas» Preislisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für das übrige llusland t Marl pro Monat Posiabonnements nehmen an Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Ponugal. nünien. Schweden Mtd die Schweiz. ( 5 Pfennig) Die InfertlonS'Gebfl�r Betrügt für die fechSgefpaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» Und Verfammlungs- Änzeigen 80 Pfg. „kleine Anreizen", daS feiigedruckie Wort 20 Pfg.(zulässtg 2 fetigedruckte Worte), jedes weitere Wert 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan» zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere WortöPfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exvcdiiioil ist bis 7 Uhr abends geöffnet. erldlctnt täglich. Berliner VolKsblnkt. telegramm-Adresfe: �osizillemoürsl Keliip". Zentralorgan der rozlaldemokratlfcben Partei Deutfcblands. »Redaktion: Sw. t$, Linüenstraße Z. ffcrntöredier: Ami Moriuvla«, 9lx. 15190—1.5197. Mittwoch, den£6. April 1916. Expedition: SW. öS, Llnöenstraße Z. Hern'vrecher- Amt Moritipiati. Nr. 15190—151 97. öewilligungswut unö Inkonsequenz. Auf die Angriffe, die verschiedene Parteiblätter gegen Eduard Bernstein gerichtet haben, weil er als Vertreter der sogenannten„Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft" im ReichshaushaltsauSschuff gegen den von der sozial- oemokratischen Fraktion gestellten Antrag einer Ersetzung der von der Regierung geforderten Tabak» und Ouittungssteuer durch eine erweiterte Erbschaftssteuer gestimmt hat, antwortet er in der letzten Freitagnummer des„Vorwärts"(und in der Sonnabendnummer der„Leipziger Volkszeitung") mit einem längeren Verteidigungsartikel, der die seltsame Ueberschrift wägt:„Keine Bewilligungswut!". Handelte es sich nur um eine Privatleistung Bernsteins auf dem Gebiet parlamentarischer Taktik und logischer Equilibristik, so würde es sich kaum lohnen, auf Bernsteins Verhalten und seine Ver- teibigung einzugehen, denn jeder weist, dast es zu seiner Spezialität gehört, gelegentlich kleine Extratouren zu tanzen. Aber in diesem Fall handelte Bernstein als Vertreter der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, die, so lange sie seine Abstimmung im Rcichshaushaltsausschust nicht des- avouiert, für diese die Verantwortung trägt, and zugleich offenbart Bernsteins ganze Haltung ein so ge- ffisscntliches Bestreben, die sozialdemokratische Reichstags- fraftion in jedem Falle an Radikalismus zu überbieten und sich den Wünschen der Ganzentschiedencn anzubequemen, daß es nötig scheint, sein Verfahren etwas näher zu beleuchten. Bernstein hilft sich mit der Ausrede, daß die Kriegs- gewinnsteuer im Reichshaushaltsausschuß, die von der Re- zierung vorgeschlagenen indirekten Steuern hingegen in einer besonderen steuerkommission beraten würden. Da jede Kam- Mission selbständig Abänderungs- und Ergänzungsanträge stelle, so könne, meint er, es leicht vorkommen, daß der Re- gicrung mehr Steuern bewilligt würden, als sie zur Deckung des auf 480 Millionen Mark veranschlagten Mehrbedarfs für 1916/17 gebrauche, und in keinem Fall könne es Aufgabe der Sozialdemokratie sein, der Regierung mehr Steuern„zu a p p o r t i e r e n", als sie selbst fordere. Eine geradezu kuriose Ausrede. Zunächst handelt es sich gar nicht um ein„Apportieren", um„Bewilli- gungswut". Man kann diese Ausführungen nur als zur Irreführung bestimmt bezeichnen. Es handelt sich vielmehr um eine Ersetzung bestimmter von der Re- gierung vorgeschlagener Steuern durch andere, die das Wirtschaftsleben und die Arbeiterklasse viel weniger be- lasten. Der Versuch, drückende Steuern möglichst durch weniger drückende zu ersetzen, ist aber eine direkte Pflicht aller sozial- demokratischen Abgeordneten, denen die Wahrung des Ar- beiterintercsses mehr ist als eine bloße Phrase; denn der Verzicht auf solche Ersetzung schädlicher durch weniger schädliche Steuern heißt unter den heutigen politischen Umständen nichts anderes, als die Arbeiterinteressen dem Belieben der bürger- lichen Parteien auszuliefern, richtiger: den im Reichstag mächtigsten und einflußreichsten bürgerlichen Parteien, den Konservativen und dem Zentrum. Sie erhielten, falls die so- zialdemokratischen Abgeordneten die von den Organen der Internationalisten, der„Bremer Bürgerzeitung" und dem Braunschweiger„Volksfreund" verlangte Taktik einschlagen und kurzweg alle Steuerforderungen ablehnen würden, vollends die Oberhand, und die schließliche Folge würde nicht sein, dast nun überhaupt keine neuen Steuern bewilligt würden, sondern dast die rechtsstehenden Parteien die Steuerentwürfe der Regierung noch mehr, als dies heute schon der Fall ist. den Interessen der ländlichen Grundbesitzer und der Industriellen anpaßten— selbstverständlich auf Kosten der Arbeiterschaft. Wollen die sozialdemokratischen Abgeordneten der Arbeiter- schasl nützen und deren wirkliches Interesse wahrnehmen, so gibt es. da nun mal in jedem Fall der Mehrbedarf des Reichs vom Reichstag gedeckt wird, also neue Steuern in jedem Fall kommen, kein anderes Mittel, als die von der Regierung vor- geschlagenen Steuercntwürfe so umzugestalten, daß ihnen die beionders die Arbeiterschaft treffenden Härten genommen und dast kerner an die Stelle der vorgeschlagenen, die ärmeren Velkkteile besonders schwer belastenden Steuern solche gesetzt weisen, die die Hauptlast auf die leistungsfähigeren Schulrern, aui die Wohlhabenden, abwälzen. Soll aber solches Ergebnis erzielt werden, dann genügt es nicht, daß die Abgeordneten sich mit verschränkten rmen in den Kommissionen hin- stellen und ei klären:„Wir selbst stellen keine Anträge; wir„a p p o r l i e r e n" keine Steuern; stellt ihr Konscr- vative. Nationalliberale, Fortschrittler usw. gefälligst die Ab- änderungsanträge und Ncuvorschläge, die wir wünschen". Dann müssen vielmehr die Vertreter der sozialdemokratischen Arbeiterschaft selbst die nötigen Anträge stellen und mit gröst- ter Entschiedenheit durchzusetzen suchen, dann müssen sie ebenso verfahren, wie die alte sozialdemokratische Reichstagsfraktion ver'uhr, als sie ini ReichShaushaltsausschuß ihren Erbschafts- steuerantrag stellte. Wollte die Sozialdemokratie darauf ver- zichten und warten, bis die Gegner die gewünschten Steuer- Vorschläge machten, so würde das nichts anderes bedeuten, als dast die Vertreter der Sozialdemokratie sich einfach selbst in den Kommiisionen mattsetzien und die Wahrnehmung der Lrbeiterinteresjen dem guten Willen der Gegner überließen.' Diese brauchten dann nur auf die Forderungen der sozial-' demokratischen Vertreter nicht zu reagieren und die von diesen gewünschten Steueranträge nicht zu stellen— und die be- treffenden Anträge würden überhaupt nicht gestellt. Das ist so klar, daß alle Sophistik, alles Gerede von! „Bewilligungswut" und„Apportieren" diese! Tatsachen nicht zu verdunkeln vermag. Vielleicht könnte man von einem„Apportieren" neuer Steuern reden, wenn nicht nur der Reichshaushaltsausschust und der Steuerausschust an ihre ersten Abstimmungen gebunden, sondern auch die Frak- tionen gehalten wären, im Plenum des Reichstags für die sämtlichen Gesetzentwürfe in der Fassung zu stimmen, wie sie in den beiden Ausschüssen beschlossen wurden. Davon aber kann keine Rede sein. Jedem Ausschuß steht nicht nur frei, im Laufe der Verhandlungen in Rücksicht auf Anträge und Beschlüsse des anderen Ausschusses ältere Vorschläge fallen zu lassen und neue zu machen, sondern auch gefaßte Beschlüsse zu ändern. Und außerdem steht den anderen Fraktionen frei, später im Plenum des Reichstags nicht nur zu stimmen, wie sie wollen, sondern auch eine Zunickverweisting der Vorlagen an die Kommissionen zu beschließen oder selbst neue Ab- änderungsvorschläge zu stellen. Die von Bernstein aus- gesprochene Befürchtung, der Regierung könnten vielleicht schließlich mehr Steuern von der Sozialdemokratie„ a p p o r- t i e r t" werden, als der Reichsschatzsckretär fordere und haben wolle, ist denn auch ganz grundlos. Sic hat nur den Wert einer Verlegenheitsausflucht. Zudem aber hat Bernstein selbst in derselben Komniissiou für die Erhebung eines neuen Wehrsteuerbeitrages gestimmt. Auch dieser dient der Deckung des durch den Krieg herbei- geführten Fehlbetrages im Reichshaushalt, auch dieser ist von der Regierung nicht gefordert, und auch dieser trägt, genau wie die erweiterte Reichserbschaftssteucr, dazu bei, daß viel- leicht der Regierung„über deren erklärten Bedarf hinaus" irgendwelche Mittel bewilligt werden könnten. Zeugt also der Erbschaftssteuerantrag voy„Bewilligungswut" und von der Neigung zum Stcuer-„Apportieren", so nicht minder der Wehrsteuer-Antrag, für den Bern st ein gesprochen und dem er zugestimmt hat. Bernstein scheint dem- nach schon selbst recht bedenklich von der„Bewilligungswut" gepackt z'u sein/— Tatsächlich ist eS denn auch viel weniger das Bedenken, dieser„Wut" geziehen werden zu können, das Bernstein zu seinem Verhalten bestimmt hat, als der begreifliche Wunsch, „radikaler" als die alte sozialdemokratische Reichstags- fraktion zu scheinen, ganz besonders aber die Rücksichtnahme aus die Gonzentschiedenen innerhalb und außerhalb der Arbeits- gemeinschaft. Diese Ganzentschiedenen verlangen, daß dem heutigen Staat überhaupt keine Steuern bewilligt werden, zumal deren Zweck die finanzielle Stützung der Kriegsführung, die indirekte Kreditbewilligung sei. So forderte z. B. die„Bremer Bllrgerzeitung" in ihrer Nr. 89(vom 14. April) ganz offen, dast„die Sozialdemo- kratische Arbeitsgemeinschaft die gegenwärtigen Steuervorlagen um ihresZweckes willen insgesamt ablehnen muß, will sie nicht inkonsequent sein und sich um den Kredft bringen, den sie bei den Mafien erlangen will". Und in Nr. 91 erhebt dasselbe Blatt direkt die Forderung, daß auch die Haase-Bernstein-Ledebour-Gruppe die, p r i n- zipielle" Verweigerung auf ihre Fahne schreibe, wenn sie nicht noch weiter in der Achtung der Ganzentschiedenen sinken wolle. Deutlich erklärt sie:„Die Erledigung der Steuersrage wird einen großen Einfluß auf die weitere Auf- bringung der Kredite haben; sie ist also eine indirette Form der Krcditbewilligung und würde als solche auch von den Massen aufgefaßt werden. Nicht nur die prinzipiellen Verweigerer der Kredite, sondern auch die Minderheit vom 20. Dezember darf das nicht übersehen." Diese Argumentatton scheint auf Bernstein ihre Wirkung nickt verfehlt zu haben. Ganz vermochte er sich nicht die Forderung der sogenannten„prinzipiellen Ver- weigerer" anzueignen, wie denn das Ganze und Ent- schieden? überhaupt nicht seiner Natur entspricht; aber seinen guten Willen, soweit als möglich das Diktum der Ganz- entschiedenen zu respckttcren. wollte er doch beweisen— und so stimmte er erst in prinzipieller Verurteilung aller„Be- willigungswut" gegen den Erbschaftssteuerantrag, dann aber erfaßte auck ihn die gleiche„Bewilligungswut" und so stimmte er für den Wehrsteuerbeitrag. Halb zog sie ihn, halb sank er hin, und ward...? Abzuwarten bleibt, wie sich der rechte Flügel der Sozial- demokratischen Arbeitsgemeinschaft, die Gruppe Haase-Lede- bour, zu der Frage stellen wird. Wird sie dienstbeflissen die Forderung der Ganzentschiedenen erfüllen und die prinzipielle Verweigerung aller Steuern proklamieren, oder wird sie, wie Bernstein, zwischen dem Einer- und Andererseits bin und her zu balanzieren suchen? Der Fall ist schwieeig;_ denn der Treiber sitzt ihr im Nacken. Die Mitglieder dieser Gruppe sind, wie die Dinge heute liegen, die Gefangenen der Jnter- Nationalisten, die von ihrem Standpunkt aus entschieden die Konsequenz für sich haben. Immer weitere Nach- giebigkeit gegen deren Befehle, oder baldige Neuspaltung der„Arbeitsgemeinschaft"—! so ist die Frage unerbittlich gestellt.— Heinrich Cunow. Neue Beratungen im Großen Hauptquartier. Berlin, 25. April.(W. T. B.) Der Reichskanzler bat heute nachmittag nochmals eine längere Unterredung mit dem amerikanischen Botschafter gehabt und sich darauf zusammen mit dem Chef des Admiralstabs der Marine»ach dem Großen Hauptquartier begeben. Amerika in Erwartung üer deutschen Antwort. Der„N. Z." wird vom 25. April aus Zürich gemeldet: Die„Neue Zürcher Zeitung" meldet aus Paris: Dem „Herald" wird aus Washington gemeldet, B e r n st o r f f habe nach der Unterredung mit Lansing er- klärt, er betrachte die Lage noch nicht als aussichtslos und eine Regelung der Unter- seebootfrage s e i immerhin noch möglich. Die Antwort Deutschlands wird nicht vor Dien S- tag oder Mittlvoch der nächsten Woche nach Washington abgehen. Ferner wird der„N. Z." aus Genf telegraphiert: Aus New Jork wird gemeldet: Ten einzigen Miß- klang in die allgemeine Zustimmung, die Präsident Wilson mit seiner Botschaft an den Kongreß gefunden hat, bringt Theodore Rooscvelt, der die Haltung des Präsidenten folgendermaßen kritisiert: Wenn Deutschland nachgibt, ist da- mit bewiesen, dast Präsident Wilson viele Menschenleben hätte retten können, ivenn er bereits vor vierzehn Monaten eine feste Haltung eingenommen hätte. Man muß den Präsidenten dafür tadeln, daß er das Land nicht rechtzeitig vorbereitet hat, seine Worte mit Taten zu bekräftigen.— Die meisten Amerikaner billigen jedoch die Haltung Wilsons. Man ist allgemein der Ansicht, daß Deutschland versuchen wird, die freundschaftlichen Verhandlungen wieder aufzunehmen, aber man glaubt, daß WUson auf einen derartigen Vorschlag nur eingehen wird, wenn der Unterseekrieg in seiner jetzigen Form während der diplomatischen Besprechung eingestellt wird. Selbst neu eingeleitete Verhandlungen würden z u einer endgültigen Krise führen, wenn sich eine neue Passagierdampfer- Katastrophe ereignete. Die Amerikaner sind sich darüber klar, daß im Kriegsfalle die amerikanische Hilfe für die Alliierten aus lange Zeit hinaus eine mehr finanzielle und moralische als militärische sein müßte. Eine Folge der Kriegserklärung wäre die sofortige Beschlagnahme der in ame- rikanischen Häfen internierten deutschen Schiffe, deren Benutzung die Anzahl der von deutschen Unterseebooten versenkten Dampfer kompensieren würde. Die amerikanische Regierung hat Maßregeln getroffen, um die internierten deutschen Dampfer zu sequesticren und ihre Besatzungen daran zu hindern, sie zu be- schädigen und unbrauchbar zu machen. versö'hnungskunügebung aus Amerika. Berlin, 25. April.(W. T. B.) Der Rektor der Berliner Uni- vcrsität hat am ersten Ostertage ein Telegramm aus New Uorl er- halten, das in Uebersetzung also lautet: Wir Bürger der Bereinigten Staaten von Amerika, Borsitzende der German Univcrsily Lcaguc of Amerika, möchten Eurer Magnifizenz unseren lebhaften Wunsch aussprechen, daß zwischen Amerika und Deutschland der Friede erhalten bleibe. Da wir beide Länder gut kennen, fürchten wir, Deutschland könnte die Botschaft unseres Präsidenten als eine Herausforderung auffafien, was sicherlich nicht beabsichtigt ist. Im Gegenteil, wir sind überzeugt, daß die Mehrheit des amerikanischen Volkes die freundschaftlichen Beziehungen aufrecht zu erhalte» wünscht, die zwischen Ihrem und unserem Lande immer bestanden haben. Um das Unheil einer falschen Auffafiung abzuwenden, bitten wir Sic, diese unsere Anficht dem deutschen Volke zur Kenntnis zu bringen. Bilhuber. Dr. Boldt. Prof. Busse. Hein. Dr. Krause. Pagenstecher. HaaS. Dr. Schweitzer. Prof. Shephcrd. Prosefior v. K lenze. Dr. v. Mach. Prof. Cutting Mc. Neill. Dr. Schön. Steinhagen. Der französische Tagesbericht. Paris, 25. April.n s- rikani scheu Konflikt ergeben könnten. Sollte diese amerikanische Note durch die deutsche Antwortnote wirklich zum„letzten Worte Amerikas" gemacht werde», so würden wir den so geschaffenen»mien Zustand mit den» Gefühle wahrhafter Erleichterung begrüßen, ohne dabei auch die etwa nachteiligen Seiten der neuen Lage im mindesten zu verkennen." Mit dem gleichen„Gekühl wahrhafter Er- leichterung" würden— wenn nicht doch ein Zweifel ihre Seele beschleichr— all' die Jornnalisten und Parlaincniarier den Krieg mit Amerika begrüßen müssen, die genau wie Graf Neventlow laule Rufer im Streit gewesen sind. Wir anderen, die wir dieses Gefühl der Erleichterung nicht empfinden koirnen. halten es immer- hin für dankcnSwcrt, daß diesmal jeder klar und deutlich sein Teil der Verantwortung übernimmt." Eiue berechtigte Frage. Die„Welt am Montag" schreibt unter der Spitzmarke: „Die.wirkliche" Fieih-it der Meere": Weil es doch immer gut ist, daß man weiß, was man will, darf man unsere Marinisten vielleicht bitten, uns zu verraten, was sie unter Freiheit der Meere verstehen. Ilm diese Freiheit führen wir Krieg. Niemand aber hat uns bisher verraten, was das Wort bedeutet, wie die Freiheit deS OzcanS aussehen muß. damit sie auch wirklich eine ist. Nur soviel haben wir eriahren, daß bloße papierne Bürgschaften. VerlragSabmachungen die Freiheit der See nicht herstellen und sichern könne»», und daran ist gewiß etwas Richtiges. Aber wenn wir darüber unterrichtet sind, fehlt uns noch sehr viel zur Aufklärung über das Bild, das wir Ul»S von einer wirklichen Freiheit der Meere zu machen haben. Ins» besondere wäre es doch sehr wertvoll, zu wissen, wie sich dies Bild in den Köpfen der eifrigsten Kämpfer für diese Frei- heit matt, denn wir sollen da so lange Krieg führen, bis ihres Freiheitskampfes Ziel erreicht ist: das verlangen die Herren von un». Da sie selbst immer und immer wieder gegen die Phrase und überhaupt olleS Papierne eifern, was ganz richtig ist. so»nüssen sie uns klipp und klar sagen: was ist Freiheit, .wirkliche" Freiheil der Meere, die sich nicht nur auf Bertläge stützt, sondern aus sichere Bürgschaften? Also, bitte! Es gibt nämlich Menschen, die niederträchtig genug sind zu meinen, bei solch einer Aufklärung würde schließlich an den Tag kominen, daß es entweder eine reale Freiheit der Meere nicht geben kann, oder daß sie durch internationale Ver- träge und Bündnisse hergestellt Iverden muß. Der Reichstag fängt bald wieder an zu beraten. Vielleicht erwirbt sich da irgendein Vernünftiger das Verdienst, uns diese wichtige Aufklärung zu ver- schaffe». Die Negierung über den Fleischmaugel. Die Kalamität, die init der Festsetzung von Höchstpreisen für Rindfleisch eintrat, hat die preußischen Regierungsstellen veranlagt. einen neuen Erlaß herauszugeben. Die Regierungspräsidenten werden veranlaßt, die Haus» schlach tun gen bis zum l. Oktober zu verbieten. Damit aber die Landwirte nicht beunruhigt werden, wird betont, daß der 1. Oktober der äußerste Termin für die Dauer dieses Verbotes ist, well es, wie die Regierung sagt, „keinesfalls in unserer Absicht liegt, die an sich durchaus zweckmäßige Forin der Selbstversorgung durch Haltsschlachtungen für den nächsten Winter zu unterbinden." Bis zum 1. Oktober werdet! die meisten Landwirts mit ihren Vorräten reichen: vor diesem Termin haben in der Regel die Hausschlachtungen auch nicht stattgefunden, lieber den Flcischmangel wird dann ausgeführt: „Wenn auch über den jetzigen Stand unserer Viehhaltung erst das Ergebnis der Viehzähluiig vom 13. April ein klares Bild geben wird, io kann doch angenommen werden, daß die noch vor» bandenen Bestände zur Deckung des Bedarfs des Heeres und der Zivilbevölkerung bei entsprechender Mäßigung der Ansprüche ge» uügen werden. In wenigen Monaten werden sicherlich wieder ausreichende Bestände schlachtreifen Viehs verfügbar sein. Für die nächsten Monate aber, bis etwa 1. Juli muß aus»»aheliegenden Ursachen die Beschaffung des erforderlichen Schlachtviehs an vielen Siellen auf Schwierigkeiten stoßen. Infolge des großen FuNermangels sind die Bestände an schlachireiien Schiveiuen zurzeit außerordentlich gering, dagegen die Aussichten aus die Erzeugung zahlreicher Ferkel da»»! den getroffenen Maß- nahmen für die nächsten Monate sehr günstig. AuS dem gleichen Grunde haben die Landivirte von ihre» Rindviehbestände»», was zur Schlachtung geeignet»vor. größtenteils in den letzten Monaten bereits abgestoßen. Diejenigen Tiere aber, die sie bis jetzt durch- gehalten haben, gerade jetzt, wo Weide und Grünfutter vor der Tür stehe»», zur Schlachtbank zu führen,»väre univirischaftlich, weil sie infolge des Fuitcrmangets meist sehr mager sind, »vährend sie sich in einigen Monalen auf der Weide wieder gut autgesütterl haben würden. Hieraus erklärt sich auch der Umstand, daß die Biehhandelsverbänd? gegenwärtig in den meisten Provinzen nur sehr geringe Vielvmengeu freihändig erwerben können. Diesen Berbälmifsen wird, soweit es die Deckung des Fleischbedarfs irgend zuläßt, in den nächsten Wochen Rechnung geiragen iverden»nüssen. Wir boffen. daß auch daS Heer in Würdigung dieser Umstände»'einen Bedarf für diese Zwischenzeit aus ein Maß einschränken wird, dciien Erfüllung ohne zu tief- greifende Eingriffe in unsere Viehbestände möglich sein wird. Verhandlungen mit dem Herrn Kriegsminister sind inr Gange. Aber auch bei dein Verbrauchs der Zivilbevölkerung»vird die Zahl der zugelassenen Schlachtungen nicht immer voll erreicht werden können. Auch die Zivilbevölkerung wird sich hier- mit, wie mit anderen Opfern, die der Krieg ihr auferlegt, abfinden müssen und bei sachgemäßer, den Bedürsnissen der schwerarbeitenden Bevölkerung vorzugsweise Rech- nung tragender Einteilung des Fleischverbrauchs auch abfinden können. Bedeutet doch jede Ersparnis in den nächsten Wochen einen Beitrag zur Sicherung einer besseren und reichlicheren Ber- sorgung mit Fleisch in den folgenden Monalen. Es wird die Ein- schränkung im Verbrauche von frischem Fleisch auch dadurch er- leichtert werden, daß zuin Eriay auf die vielfach noch vorhandenen Vorräte an Fleisch und Fleischwaren, insbesondere auch a n Fleisch ko nse rv e n, ausschließlich zurückgegriffen werden kann." Mit allem Nachdruck sollen die Oberpräsidcnten dasiir sorgen, daß die ihrer Aussicht unterstellten Viehhaudelsverbände die ihnen auferlegte Aufgabe vollständig und rechtzeitig er- füllen. Ein Erlaß mehr— ob es aber anders wird? Ein neuer Umsatzsteuer-Gesetzentwurf. Wie die„T ä g l. R u n d s ch a u" erfährt, wird gegmvärtig im Reichsschatzamt ein Umsatzsteuer-Gesetzentwurf ausgearbeitet. Die Herstellung des Entwurfes soll befchleui»»gt werde»», und zlvar so, daß der Entwurf»»och Ende dieses oder an» Anfange des nächsten Monats den Bui»desrat veschäflige» und alsdann dein Reichstag zugehen kann. Wird die Borlage in» Bundesrat zeitig genug ver- abschiedet, so kann der Sleuerausschuß des Reichstags auf die erste Lesung der Tabaksteuervorlage, die in den ersten Tagen des Mai beginnen soll, die erste Lesung der Uinsatzsteuervorlage tolgen lassen. Ueber den Inhalt des Entwurfs, der sich in der Ausarbeitung be- findet, läßt sich einstweilen noch nichts andeuten. Wenn diese Angaben stimmen, dann dürfte cS sich vermutlich nicht uin einen neuen Gesetzentivurf handeln, der erst das Plenum passieren müßte, sondern um einen Abänderungsantrag der unter oem Namen eines Abgeordneten eingebracht wird. Uebrigens gibt auch jetzt die Presse deS Zentrums zu. daß es sich bei dieser Steuer in der Tai um eine Belastung des Publikuins handelt. In einem Artikel, der durch die Zentrums- presse geht, heißt e«: „Nach dem Wortlaut des Gesetzes liegt die Verpflichtung zur Entrichtung der Abgabe dem Aussteller der Quittung ob, aber es hieße doch Vogel-Strauß-Politik spielen,»vollte man auf diese Be- stimmung pochen, den» die Erfahrungen haben immer noch gezeigt. daß steuerliche Belastung dar Produzenten stets auf die Käufer abgewälzt werden. Damit wird man sich aber abfinden müssen, denn eins Steuer, die wirklich schmackhaft ist.»nuß noch erfunden werden. Mehr alS je mutz bei der Beurteilung der neuen Steuern. die jetzt vom Reichstag als Kriegssteuern geschaffen werden sollen. auch im Auge behalten werden, daß die Aufbringung gewaltiger Summen eii»e vaterländische Notwendigkeit und darum auch e»ne vaterländische Pflicht ist." Diese Auslassung im Zusammc>»hai»g der Meldung der„Tägl. Rundschau" läßt darauf schließen, daß zwischen der Regierung und dem Zentrum vermutlich Abmachungen über eine llieform dieser Z-ntrulnsschöpfung stattgesiinden haben. Eine Belastung der Massen wird»»atürlich immer dabei herauskommen, und unter diese»» Gesichtswinkel verdient es imlnerhin Beachtung, daß nun die Presse des Zentrums den breistreibenden Charakter dieser Steuer offen zugibt, nachdem feine Vertreter iin Reichstag iinmer erklärt haben, diese Steuer sei so gering, daß sie gar nicht ab» gewälzt werden könne.___ Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel. Die b a d i s ch e Regierung hat eine scharf gehaltene Verord- nung erlassen, die sich vor allem ans jene Händler bezieht, welche früher andere Geschäfte betrieben und nun sich„wegen der günsti- gen Konjunktur" auf den Berschleitz von NahrungSinitteln, Heiz- und Leuchtstoffen und Gegenständen deS Kriegsbedarfs werfen. Diese verpflichtet die Verordnung, künftig die Erlaubnis des Be- zirksamts einzuholen. Wird sie versagt, dann ist nur die Be- ickmerde an de»: LandeStoumiifsär zulässig. Betreiben sie trotzdem den Handel weiter, können sie»nit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 M. belegt»verde«. Tie Ver. ordnung tritt sofort i« Kraft. Sie hat nur den einen Fehler, daß sie zu spät kommt. Aussührnngsbestimmungeu für das Branntweinmonopol. Iin Reichsgesetzblatt sind numnehr die AusführungSbestim- muilgen des Bundesrats über die neue Regelung des Verkehrs mit Branntwein veröffentlicht N'ordcn. Wir geben nachstehend die»vichtigste» Bestimmungen wieder. § 1. Tie Reichsbranntweinsrelle besteht au« eine»» Vorsitzen- den, einein stellvertretenden Vorsitzende»» und fünf Mitgliedern. Der Sitz ist Berlin. Zuschriflen sind zu richten: An die Reichs. branntweinstelle in Berlin W. 9, Schellmgstr. 14/16. § 3. Der Beirat besteht aus Regierungsvertrcteru und Ber« tretern der beteiligten Gewerbe. § 4. Das Aint oes Vorsitzenden, des stellvertretenden Vor- fitzenden und der Mitglieder der Reichsbranniweinstelle ist ein Ehrenamt. 8 6. Die UeberfAhrung von Branntwein in ein Zollausschluß. gebiet(Freihafen), einen Areibezirl oder ein Zollager ist nur mit Genehmigung der Spirituszentrale zulässig. 8 K. Tic Dlrettidbehördcn haben der Reichsbranntlveinstelle bis zum 16. Mai 1010 ei» Verzeichnis aller in ihre»» Geschäftsbereich liegenden Brennereien zu übersenden, die am 17. April 1910 in Betrieb gewesen find oder den Betrieb nach dem 10. April 1910 aufgenommeil haben. Kleinbrennereien sind in die Verzeichnisss nur insoweit aufzunehme», als ihre Erzeugung 10 Hektoliter Al- kohol in: Betriebsjahr nicht übersteigt. § 7. Tie Auskunft nach 8 7 der Verordnung ist nur auf be. sondere Aufforderung der Spirituszentrale zu erstatten. Tiefe übersendet den Brennereien zu diesem Ziveck einen Fragebogen. Der Fragebogen ist binnen einer Woche wahrheitsgeinäß ausgefüllt zurückzusndeii. Tie Pflicht zur Lieferung des Branntwein» ist von der Zusettduna des Fragebogens nicht abhängig. § 8. Die in§ 3 der Verordnung festgesetzte Absatz« und Vergällung sbeschränkung sowie die in§ 10 Absatz 1 und in 8 11 Absatz 1 der Verordnung vorgeschriebene Lieferung»- und Anzeigepflicht(gegenüber der SpirituZzentrale d. R.) bezieht sich nicht auf Branntwein, der biS zum 16. April 1916 unvollständig vergällt worden ist oder dessen unvollständige Vergällung bis zum 30. April 1910 beantragt und bis zum 10. Mai 1910 er- folgt ist. 8 10 und 11. Die Anzeige des Brannttveins ist der Spiri- tuszentrale ohne besondere Aufforderung zu erstatten. Bordrucke iür die Anzeige sind bei der Spirituszentrale kostenlos erhältlich. Die Anmaldung hat sich auch auf verarbeiteten zum Genüsse be- stimtnten oder dazu geeigneten Branntwein zu erstrecken. Brannt- weinmengen, die»nSgesamt nicht mehr als zehn Hektoliter Alkohol enthalten, sind von der Anmeldung?» und Lieferungspflicht aus- genommen. 8 13. Wer ausdemAuSlande Branntwein in Fässern oder Kesselwagen einführt,»st verpflichtet, der Spirituszentrale unter Angabe von Art und Menge, der Ümschließungsart. des Ein- kausspreiseS und des Bestimmungsortes unverzüglich nach der im Ausland erfolgten Verladung Anzeige zu erstatten, auch alle sonst handelsüblichen Mitteilungen an die Spirituszentrale weiter zu leiten und die erforderlichen Auskünfte zu erteilen. Die Anzeigen und Mitteilungen erfolgen telegraphisch und sind schriftlich zu de- ftätigen. § 14. Wer aus dem Ausland Branntwein einführt, bat ihn an die Spirituszentrale zu liefern. Er hat ihn bis zur Abnahme durch die Spirituszentrale mit der Sorgfalt eines ordentliche», Kaufmanns zu behandeln, in handelsüblicher Weife zu versichern und auf Abruf nach den Anweisungen der Spirituszen- trale zu verladen. Die Spirituszentrale hat sich binnen drei Tagen nach Empfang der Anzeige von der Einfuhr zu erklären, ob sie den Branntwein übernehmen will. Eonxit die Spirituszentrale die Abnahme ablehnt oder sich binnen der angegebenen Frist nicht er- klärt, erlischt die Lieferungsfrist. § 15. Di« SpirihiSzentrate setzt den Uebernahmepreis für den übernommenen Branntwein fest. Gegen di« Festsetzung»u binnen vierzehn Tagen Beschwerde an den Vorsitzenden der Reichs- branntweinstelle zulässig, der endgültig entscheidet. 8 16. Die A b n a h m e hat auf Verlangen des zur Ueberlassung Verpflichteten pätestens binnen vierzehn Tagen von dein Tage ab zu erfolgen, an dem der Spirituszentrale das Verlangen zugeht. Er- folgt die Mnahme innerball' der Frist nicht, so geht die Gefahr des Unterganges und der Verschlechterung auf die Spirituszentrale über. U!»d der Kaufpreis ist von«uefem Zeitpunkt ab mit eins von» Hundert über dein jeiveiltgen Diskontsatz der Reichsbank zu ver- Zinsen. Di« Zahlung erfolgt spätestens vierzehn Tag« nach der Ab- »rahme. 8 19. Wer ziir Lieferung von Branntwein an die Spirituszentrale verpflichtet iit. bar ohne Rücksicht auf die endgültige Festsetzung des Preises zu liefern. 8 29. Die Vorschriften der Verordnung finden ohne. Rücksicht auf di« Meilge des hergestellten und auf die Art der Feststelluiig des steuerpflichtigen Branntweins keine A n w e n d u n g auf Brannt- wein, der ausschließlich aus Obst, Beeren oder Rückständen davon. aus Wein. W e i n h e f c. Most, Wurzeln oder Rückständen davon gewonnen ist. Von den Vorschriften der Verordnung wird ferner unverschnittcner Arrak und Rum ausgenominen. 8 25. Der Vorsitze»»de der Reichsbranntweinstelle»vivd ermäch- tigt, geinäß§ 22 der Verordnung von den Vorschriften derselben Ausnahmen zuzulassen. Tie S t r a f b e st i m m u n g e n sehen neben Geld- auch Gc- fängnisstrafe vor. Kriegsbekanntmachungen. Sendungen an deutsche Kriegsgefangene in Rußland. In Paketen an Kriegsgefangene in Rußland durften bisher Waren, deren Einfuhr sonst in Rußland verboten war, nicht enthalten sein. Als AuSnahinc von diesen» Verbot ist jetzt russischer. seitS zugestanden worden, daß in den Paketen an deutsche Kriegs- gefangene SchroeinefleifHlvaren. russische uud fremde Münzen und »nit künstlichen Zuckerstoffen versüßt« NahrungSinittel nach Ruß- Und eingeführt werden dürfen. Letzte Nachrichten. Oesterreichische Parsamcvtstagung. Wien, 26. April.(T. U.) Für den 29. April sind diü pol- nischen Mitglieder des österreichischen Reichsmtes, Landtages lind Herrenhanses zu einer Beratung nach Krakau einberufen worden, an der auch das ganze polnische Volk vertreten sein wird. Einen Tag vorher werden die polnischen Parteren eine gesonderte Fraktionssitzung abhalten, um einen einmütigen Be- schluß bezüglich der am 29. stattfindenden Tagung zu fassen, auf deren Programm die Reorganisation des Obersten pol- nischen SdationalratcS und die Wahl von dessen Präsidenten steht. Laut den bisherigen Vereinbarungen wird?ii)ter von Bilinsky zum Präsidenten und Professor Dr. Jalverszky zum Vizepräsidenten gewählt werden. Am 30. April wird der Oberste polnische Nationalrat eine Plenarsitzung abhalten, an der sämtliche polnische Parteien teilnehmen werden. Tie holländische Presse zur Amerikauote. Amsterdam, SS. April.(T. II.)„H c t Nieuws bau den D a g" schreibt in einem Leitartikel: Wir kennen nun den Text von Präsident Wilsons Note und haben gesehen, daß die Reutertclc- gramni« nicht übertrieben ljaben. Di« Note ist sehr scharf, und die Krisis zwischen der Union und dem Deutschen Reiche ist damit akut geworden. Scharf ist in der Note sowohl die Forderung selbst wie deren Begründung, und sie weicht von einen» Ultimatum nur insoweit ab. als kein Termin angegeben wird,»»»nerhalb dessen eine Antwort erteilt»verde»»»nuß, und weil die Drohu>»g noch kernen Krieg bedeutet. Ein Nachgeben auf diese Note ist nicht leicht zu ver- cinbaren mit der Ehre und der Wüvdc.»»»it der Großmächte unterew- ander zu verkehren pflegen. Und die Begründung der Forderung macht«in Nachgeben neck» viel schwieriger. Denn abgeschen von dem U»nstand, daß die Begründung auf der von Deutschland in Ab- rede gestellten Versenkung der„Sussex'' basiert, beruht sie auf der Annahme, daß durch den Gebrauch der Unterseeboote zur Vernich- tung des feindliche!» Handels die geltenden Grundsätze der Mensch- lichkeit, die unbestrittenen Rechte der Neutralen und die heiligen Privilegien der Nichtkoinbattanten mißachtet werden. Es ist also eine sehr scharfe Note, und»venu Amerika nicht die einzige Groß- »nacht wäre, die sich nicht im Kriege befindet, würde Deutschlands Anüvort nicht zweifelhaft ausfallen. Auf der anderen Seite aber könnte ein Bruch mit Amerika die»veitgehendste» Folge»» haben. Dem Bruche kann leicht der Krieg folgen und Krieg bedeutet sofort di« Beschlagnahme der prächtigen deuffchcn Schiffe, die in amerikanischeir Häfen liegen und damit eine Vermehrung deS feindlichen Schiffs- räum«» uin viele tausend Tonnen. Ferner bedeutet dieser Krieg umfangreicher« Lieferu»»gen von Kricgsgerät an die Entente, und endlich müssen die moralisch«»» Nachteile bedacht werden, die das Auftauchen eines neuen großen Feindes mit sich bringt. Tie deutsche Regierung steht also vor der ungeheuer schweren Aufgabe, einen Mittelweg zu finden. Daß sie zu jede»» Mittel bereit ist, hat der Kanzler bereits gezeigt. Daß sie aber nicht damit einver- standen ist, den Unterseebootkrieg gegen feindliche Schiffe cinzu- stellen, hat er in der letzten ReichstagSrede deutlich auseinander- gelegt. GewerkschaWcheo. ösrlin und Umgegend. Ein Konflikt in der Stockindustrie. Eine VerlrauenSmänncrversammlunq der Slork>rdeiter bk schäsligte sich mit dem Gerbalien des Vorsiyenden der UnlerneUner- organisalion zu einer mit dieser yett offenen Vereinbarung. Nacb der vom Referenten gegebenen Darstellung handelt es sich um folgendes: Bekanntlich war Änfang November vorigen Jahres vor der Schlichtungskommiision eine Vereinbarung mit der Orga» nisation der Stocksabrikanten zustande gekommen, die einen gestaffelten Teuerunaszuichlag für alle die vorsah, die nur bis zu 45 Mark verdienen. Pro geleisteier Arbeits» stunde sollten Zuschüffe von 6 Pf. bei Verdiensten bis 35 M.. von 4 Pf. bei Veldiensten darüber bis 40 M. und von 2 Pf. bei Ver- diensten von mehr als 40 M. bis 45 M. gezahlt werden, stiir höhere Verdienste kam diese Teuerungszulage nicht in Betracht. Elergernis erregte es seinerzeit schon, dost der Vorsitzende der Ver- einigung der Stocksabrikamen. Herr Samuel, der Inhaber der Firma Alphons Ludwig u. Co., sene Teucrungszuschüsse nur alle vier Wochen auszahlen wollie. Das wurde als durchaus unzulässig gerügt, weil es der Vereinbarung zuwiderlaufe und Benachteiligungen der Arbeiter mit sich bringe. Herr Samuel ging aber noch weiter. Im neuen Jabre lehnte er die Weiterzahlung jenes gestaffelten TeuerungsruschlageS an die Akkord» orbeiter ab, nachdem neue Muster gemacht worden und entsprechende Neukalkulaiionen der Akkordpreiie eriolgt waren. Er stützte sich dabei auf die Neuregelung der Alkordpreise. Eine Anzahl seiner Arbeiter sollen dem Wegiall deS Teuerungszuschlages zugestimmt haben. Die Kommission stellte sich aber aus den Standpunkt, dost der Wegfall des Teuerungszuschlages ganz unzulässig sei, da die vor der Schlichtungskonimission getroffene Vereinbarung nicht den geringste» Anhalt daiür bot. Die Angelegenheit wurde der Schlichiungs- kommiision übergeben. Diese hat noch nicht entschieden, da eine bereits angesetzte Sitzung wegen einer Unternehmertagung wieder abgesetzt wurde.— In der Versammlung wurde nun die Abschrift eines Schreibens vorgelesen, das Herr Samuel in seiner Angelegenheit an die Freie Bereinigung der Holzindustriellen zu Berlin gerichtet bat. Darin bebaupiel er unter anderem, die den Arbeitern bewilligten Teuerungszuschläge ordnungsmäßig bezahlt zu haben, indem er nämlich weiter behauptet, die Bereilerklärung, die Teueruugs» zuschläge bei Verdiensten bis zu 45 M. zn zahlen, hätte sich nur aus die Zeit bis zur Herstellung der neuen Muster bezogen. Dazu be- merkte der Referent, daß diese Behauptung absolut unzutreffend sei. In den Verhandlungen sei nicht das geringste davon gesagt worden, daß sich die Bewilligung nur auf die Zeit beziehe, bis die neuen Muster gemacht würden. Ferner sei unrichtig die in dem- selben Schreiben von Herrn Samuel ausgestellte Behauptung, daß im Herbst 1915 seine sämtlichen Arbeiter vier Tage lang gestreikt hätten. Nur die Polierer seien einmal, und zwar erst im Februar 1913, vier Tage„spazieien' gegangen. Es wäre sehr bedauerlich, daß gerade der Vorsitzende der Fabrikantenvereinigung öfter solch« Seiten« spränge mache, während die Stockfabrikanten im allgemeinen der Vereinbarung nachgekommen seien. Es werde darauf gedrungen werden, daß Herr Samuel vor die Schlichtungskommission komme, und zwar gleich nach dem Fest. In der Diskulsior wurden die Darlegungen des Referenten be- stätigl, auch wurde festgestellt, daß die in Betracht kommenden Ar- berter des Herrn Samuel sin Firma Alpbons Ludwig u. Comp.) nicht auf die rückständigen Teuerungszuschüffe verzichten, sondern Anspruch darauf erheben. Folgende Resolution wurde angenommen: „Die Vertrauensmännerkonferenz protestiert auf da« ent- schiedenste gegen das von Herrn Samuel unter dem 27. März an die Freie Vereinigung der Holzindustriellen gerichtete Schreiben. Erstens sollen danach die Kollegen bei Alpbons Ludwig u. Comp. im Herbst 19l5 vier Tage gestreikt haben; zweitens will Herr Samuel dem Abkommen, welches in der Schlichtungskommission getroffen wurde, im vollsten Maße nachgekommen sein. Beides ist unwahr. Die Stockarbeiier protestieren auf das entschiedenste gegen derartige falsche Behauptungen.' Dann wurde über die Gestaltung der Lohn- und Akkordverhält- niffe in der Branche berichtet. Nachdem Zusammenkünfte der ver- schiedenen Kategorien der Stockarbeiier vor einiger Zeit stattge- funden hallen, sind von den Arbeitern der einzelnen Betriebe Forde» rungen gestellt worden. ES wurde vorläufig ein zufriedenstellendes Resultat erzielt._ Die Tapezierer haben— wie auS dem in der letzten Mitglieder- Versammlung erstatteten Geschäftsbericht für das erste Vierteljahr hervorgeht— immer noch unter einer sehr ungünstigen Konjuntrur zu leiden. Nur die in der Flugzeugbranche beschäftigten Tapezierer haben einigermaßen gute Arbeitsgelegenbeil. In der Polsterbranche ist nicht viel zu tun und die Kleber haben fast gar keine Arbeit. Ein erheblicher Teil der Tapezierer ist seit längerer Zeit mit Kriegs- arbeiten in anderen Berufen beschäftigt und hat einstweilen wenig Aussicht, im eigenen Beruf Arbeit zu bekommen. Infolge von Ein- berufungen zum Heeresdienst ist die Mitgliederzahl weiter auf 738 zurückgegangen.— Man beichäsligl sich zurzeit niu der Frage, ob die Verordnung, welche die Arbeitszeit für die Verarbeilung von Web- und Wirkstoffen einschränkt, auch für das Tapezierergewerbe Gültigkeit bat. Die Handelskammer und die HandiverkSkammer sind in dieser Frage entgegengesetzter Meinmig. Die Oiisverwaltung verhandelt deswegen mit den Arbeilgebern, um eine Klärung dieser Aiige!ege»beil heibeizuführen. Die Veriammlung beschloß, den Frauen der Kriegsteilnehmer zu Pfingsten eine Unterstützung von je 10 M. zuzuwenden. deutsches Reich. Frauenarbeit in der deutschen Schuhindustrie. Der Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands veranstaltet in leinen Zahlstellen eine stallsti'che E> bebung über die Zahl der zur Zeit in den Schuhfabriken beichäfl gicn Äibeiler und Arbeite- linnen, um dre während der Knegszeit eingetretene Verschiebung in dem zahlenmäßigen Verhältnis der beiden Geschlechter zu ein- ander, ferner auch die Frauenlöhne sestaisl, lle». Es gilt auch hier die gewerkschaftliche Forderung: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Nack einer statistischen Erhebung des Verbände« im Jabre 1913 waren in 789 Schnbiabriken 33 545 Aibeiter und 18 950 Arbeiterinnen. zusammen 52495 Personen beschäftigt. Kusiand. Erfolgreicher Streik unorganisierter Metallarbeiter in der Schweiz. In der mechanischen Weilstätte zu Marge« am Genfer See stellten 150 unorganisierte Metallarbeiter die Aibeil ein, um die Enilafiung eines tyrannischen VoiaibcilerS zu erlangen. Nach Streikausbruch stellten sie noch weitere Forderungen aus und er- rangen schließlich unter der Leitung des Bürgermeisters bei den Verhandlungen einen vollen Erfolg: Entlassung des Vorarbeileis, allgemeine Lohnerhöhung von 2 Centimes pro Siunde. Lohnzuschlag von 50 Proz. für Ueberstunden-, Nacht- und Sonnlagsarbeu und Wiedereiiislellung sämtlicher Streikenden. Das Geheimnis des Erfolges liegt m der reichlichen Beschäftigung des Betriebes und dem Mangel an Metallarbeitern. Lohnbewegungen in Frankreich. Während die offiziellen Streik- statiftiken über die Kriegszeit bis zum Ende des letzten Jahres nur geringfügige Ziffern ausweisen, zeigen die ersten Monate dieses Jahres ein Auwachsen der Lohnlämpfe an Zahl und Bedeutung. Die Modeindustrie verzeichnet zahlreiche Ausstände, die in der Regel durch die Forderung der Arbeiterinnen entstanden, die skanda- lösen, ihnen von den Unternehmern— darunter vielen steinreichen— ausgezwungenen.Kriegslöhne' zu beseitigen und rhren normalen Lohn wieder zu erhallen. Man muß wisien, daß der normale Lohn zwischen 2Vz und S'/z Frank beträgt, wobei ein gutes Drittel des Jahres als„tote Saiton' in Betracht kommt. Der Kriegswrif betrug sehr häufig die H ä l s t e, ja es hat nrcht an Unternehmern gefehlt, die ihre Arbeiterinnen zwangen, monatelang u m s o n st zu arbeiten gegen das Versprechen, sie bei befferem Geichäftsgang nicht zu ent- lassen. Bei einer Reihe großer Schneiderfirmen hatte die Bewegung Erfolg und die Unternehmer verpflichteten sich zur Zahlung der allen Löhne. Andere weigerten sich, und nun hat auch eine Anzahl der Nachgiebigen nach 14 Tagen ihre Zusage zurückgezogen und will zum.Kriegslaris' zurückkehren. Auch halten manche Firmen die Zeit für geeignet, den Arbeiterinnen drückende Arbeits- vestimmungen aufzuerlegen. Die Gewerlschaft der Bekleidungsindustrie versucht, die Konflikte beizulegen. Mit welchem Erfolge, ist vorläufig noch nicht abzusehen. Eine Bewegung, die Aufmerksamkeit verdient, ist bei den E r d« arbeitern im Gange. Sie fordern 10 Franken täglich für zehn Arbeitsstunden. Auf verschiedenen Arbeitsplätzen wird, wie der .Temps' vom 13. meldet, nicht mehr gearbeitet.— Bemerkt sei, daß die Erdarbeiter zu jenen Gewerkschaften gehören, die von An- fang an die„heilige Eintracht' abgelehnt und die Wandlung jener Syndilalisten, deren Organ dre.Balaille' ist, nicht mitgemacht haben. Luch bei den Bäckern ist eine Bewegung im Gange. In einer Gewerkschafisversanimlung kam ein Schreiben des Vorsitzenden des Unternebmeri'yndikaiS zur Verlesung, woraus hervorgehl, daß die Ausstellung von Urlauben für die mobilisierten Bäcker von der Militärbehörde tatsächlich den Unternehmern überlassen wird, so daß widerspenstige Arbeiter sofort an die Front kommen. flus der Partei. Eine Erklärung der ostpreußischen Parteileitung. Zum letzten Aufruf des Parteivorstandes, der sich gegen das Flugblatt:„Die Lehre des 24. März' wendet, erlaßt der Geschäftsführende Ausschuß des Bezirksvor- standes O st Preußen kolgende ErNärung: Wir stellen fest, daß dies Flugblatt von der sogen. Spartacus- Gruppe herausgegeben ist und daß Genosse Haase und seine Ge- sinnungr genossen, also auch wir und die Köuigsberger Parteileiiuiig, das Vorgeben dieser Gruppe nicht billigen und slelS gemißbilligt haben. Wir stellen fest, daß das Flugblatt mindestens ebenso scvars die„Sozialdemokratische Arbeitsgemeinichafl' wie die alte Fraktion angreift. Wir verwerfen jede Verweigerung der Pflichten gegen die Parleiorganisolion und jede Anlastung ihres GcfüaeS. Rlchlichnur unseres Handelns bleibt uns ollen die Belundung der Königsberger Parteifunklionäre: Wir sind unerichütterlich davon überzeugt, daß die Einheit unserer Parteiorganisation zur erfolgreichen Durch- führung des Befreiungskampfes des Proletar als ainechrerhallen werden muß und werden uns allen Versuchen, diese Paiieieinheit zu beseitigen, wiversetzen. Wir bedauern, daß der Aufruf des Partcivorstandes das nichi mit klaren, jedes Mißverständnis ausschließenden Worten zum AuS- druck bringt, daß dies Fliublall die Ansicht nur einer Grupp> und nicht die der geiamien Opposiiion wiedergibt, riyd bestieiien die Bebaupluiig des Parieivorstandes. daß die„Miiiieralbert der Opposition' zu solche».Konsequenze» für die Partei iühien muß'. Di� große Mebiheil der Opposition bat bisher den Beweis erbracht und wird ihn weiter erblingen, daß diese Folgen, also eine Zeirüliung der Perieiorganisalion, nicht eimnirelen brauchen— vorausgei'etzi daß auf beiden Seilen, beim Parleivort>«nd wie bei de- Oppo sition, der gute Wille wallen bletbt, im Rahmen der Parteiorgani- salion und nach den im Organisalionsstatut vorgeschriebenen Partei- gesehen die Parleidifferenzen zu schlichten. Stellungnahme zur Fraktionsspaltung. Die we st preußlichen Parieigeiiossen nahmen in einer m 68 Teilnehmern besuchten Konserenz in D a n z> g zu den Parte. differenzen Stellung. Sie beichlosien eine von den Genossen BarUi und Marckwald beantragte Resolution mir 43 gegen l3 Stimmen: „Die Konferenz der wcstpreußiicheii Parteigenossen bedaueit die Sonderaktion der„Sozialdemokrali'chen Arbeitsgemeinschaft' im Reichstage, weil durch dieses Vorgehen die Einheit und Einigkeit der Parleibewepung beeinträchtigt und dadurch das Proletariat aufs schwerste geschädigt worden ist. Die Konferenz billigt die bisherige Stellungnahme der sozial- demokratischen ReichStagSfraktion, verlangt aber, daß die Fratlion, entsprechend der ollen Taktik der Sozialdemokratie, aus das enlichie- denste für... auftreten wird. Die Konferenz erklärt jede Störung der Einigkeit der Arbeiter- bewegung für eine Förderung der... und erwartet, daß die Ge- nosien in Wcsrpreußen allen Bestrebungen auf Beeinträchtigung dreser Einigkeil scharf entgegengetreten werden.' Die Duisburger Parteiorgauisatiau zum dortigen Parteikouflikt. Der„Leipziger VolkSzeitung' wird aus Duisburg berichtet: „Eine allgemeine Parteiversammlung in Duisburg am ver- flossenen Sonntag dilligte nach ausgedehnter Diskussion mit 150 gegen 16 Stimmen den Beschluß der Duisburger Funktionäre zum Redaktionskonflikt, wonach die.Niederrheinische Arbeiler-Zeitung' als das Organ der Duisburger Genossen nicht mehr gelten kann und die Beiträge zu sperren sind, bis der Gewallstreich des Partei- Vorstandes rückgängig gemacht ist. Mit dem gleichen Stimmen- Verhältnis wurde im Bezirk Meiderich die Gewaltpolitik des Parieivorstandes verurteilt.' Die„Leipziger Volkszeitung' bemerkt anknüpfend daran: Zu dem letzten Beschlutz müssen wir wiederholt betonen, daß wir die Sperrung der Beiträge au den Parleivorstand für ein verfehltes Mittel halten._ Umwandlung der holläudischeu„Tribüne" iu ein Tageblatt. AuS Amsterdam wird uns geschrieben: Das bisher wöchentlich zweimal erscheinende Organ der Sozial- demokratischen Partei(S. D. P.) erscheint seit dem 17. April als Tageblatt, unter dem Titel„Die Tribüne', revolutionär-iozia- listiicheS Bolksblatt, Organ des Revolutionär« Sozialistüchen Verbandes(R S. B.) und der S. D. P. Die Redaktion bilden die Genossin Roland-Holst und die Genossen Dr. W. van Ravestchn und D. I. Wynkoop.___ Eingegangene Vruckschnsten. De Eckboom. 34. Jahrg. Nr. 4. Halbmonatsschrift för Plattdütsch Eprak und Ort. Rutgeben von den„Allgem. Plattd. Verb.-'. Jährt. 3 21h R. Hermes, Hamburg 87. Karte der Festung Berduu und Umgebung. Südlich bis St. Mihiel. 80 Pf. H. Wagner u. E. Debes, Leipzig. Karte von Belgien und dem angrenzenden Nordfrantreich. BI. 1: Otlende— Apcrn. 50 Vf.— Gegen die Moskowiter, l. Halb- band: Tie Masurcnschlachten. Von Dr. K. Floerlcke. IM.— Franckh, Stuttgart V Der Untergang des Poftdampfers. Erzäblung von I. Delbrück. 135 S.— Das ewige Bankett. Novellen von A. Schreiber. 202 S. G. Müller, München. Die Troerinneu des Euriptdes» Von F. Werfet. Pappband 3,50 M. K. Wolfs, Leipzig. tSei»t»cdv» Theater. Direktion: Uax Reinherdt 7 Uhr: Zum Besten des Bandeshilfsvereins für Garz und die zerstörten Karpathenorte, z. 1. Male: Die Rrtine Flöte.(Ballett.) Vorher: Die l.äeitisen. Kam nientp tele. 8'/, Uhr: Der eingebildete Kranke. Volksbühne. Theater a-BOlownl. 8»/, Uhr: Romeo und Jglla. Dir. Meinhard-Bernauer Theater i.d.Kcniggratzerstraße T1/, Uhr: Ein Tranmapiel. GComodienhaus 8 Uhr: Der siebente Tag. Berlener Theai. 8 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. Sessing-Theater. Direktion: Victor Parnoweky. 8 Uhr: Die gutgeschnlttene Ecke Donnerstag: Die Troerinnen. Freitag; Peer t« j nt. Seutseh. Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr; Die selige Exzeilens. URANIA Ta5«e4n9.tr- 4 Uhr(halbe Preise); Aegypten, der Snezhanal und der Weltkrieg. 8 Uhr Von den Rokltnosttmpfen zum Xaroczsee. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Donath: Die neue deutsche Sommerzelt Theater für Mittwoch, den 26. April. Deotscbes Opernhaas Ctaartottbg. 8 Uhr: RigOlBtlO. Frledrlcb-VVilhclmstädt. Theater. Zum 75. Male: s uhr: Das Dreimäderlhaus. o.b«. Herrnfeld. m.ai. s uhr Der Sctiiemilil. Kleines Theater. 8 ehr-, Logierbesuch. Komische Oper. 8 Uhr: Der Favorit. Lustspielhaus. -ff.vhr: Der Gatte des Fräuleins. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin T(h�ai llonttM Operetten-Theater s uhr: Der selige Balduin Residenz-Theater sv.u.: Loge No. 7"Ä? Schiller-Theater O. f uhr: Die Heitere Residenz. s uhr: Der Dornenweg. Thalia Theater s uhr: Biondineben. Theater am VoMendorfpt. Uhr: Der Watfenschmied. 8VeU.: Immer teste druff! Theater des Westen» 8 uhr: Das Fräulein vom Amt mit Guido Thielschar Trianon-Theater. d.: Diebeiden Meyers. Luisen«Theater Täglich 8.15 Uhr: Ifl Sonnabend 4 Uhr: LQgenmäulchen. Elsa und Berta Wiesenthai „Arizonda" Das Mädchen mit den Schicksalsaugen Variots-Operetto von = sowie der Sl&nzende April-Spielplan. EnnäSiDte Preise! Reichsbalien-Theater. Stettiner Sänger. „Die von der Emden." Anfang 8 Uhr. Veraniw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Jn>„:atenteU veranrw. Th. Glocke. Berlin. Druck u. verlc« Waihaila-fheatei-. Mittwoch 8 Uhr abends: Dos Hiiick am Rhrin. RosesTheater. Von Stnff;u btuft. In Vorbereitung: Gijrrl. Casino- Theater üoibrmgei Ew. 37 lägt. 8 Übt. Nur noch ganz turzc Zeit: DaS zua- iräjligeVoiksstückDnkeis Testament ob. Tie Vogelscheuche. Vorher: llrstiuassigc Spezialitäten. ionntag 4 Übt: 4x»no madiitr»u? Im Mai eine neue Verlinet Posse. Tägl. 8 Uhr. Sonnt. S'l, u. 8 U. Vor noch& Tage Das höchste Kieinod von Otto Rentter. Bernh. Kürbitz— Otto Rühr Zirkus im Theater usw. Ein Programm sondergleichenl an. Possen-Theater Lanienstraße a. d. Pnedriohstiaße Täglich 81/,: Ka so was! Ganuei& Co. mit Leonhard Haskel und Siegfried Berieeh. Voigt-Tiieater. Badstr 58. Badstr. 58 Mittivoch, den 26. Ap.il 1918: Admiralspaiasl. Das neneEisbaliett �rau �antaste. »'/, Uhr. S,». 4 M. Orig.Nussl.-Opkrclte in 3 Alten von Walter Geiecke. tcA fertige davon Anzug od Paletot nach Mass, schick, dauerk Zutaten von 28 Mark an MmHtz Labaad, Neue Promenade ReutersTsierke ——— 3 Sünde 4 fllart—— öuchhandlung Vorwärk» JU Berliner Konzertbans. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90 91 Heute wie alle Tage: GKOSSES KOXZEHT. Berliner Konzerthaus-Orchester Anfang H Chr. l.intriti HO l'f Anfang I In Montag, den 1 Mai or.: Ür. D»nprlkonz<-rl zum Besten de im Felde stehenden 7. Gaide-Ini.-Keg u. de» Ke»-Inf-Heg. Xr. 9;. Teppich- Engros-Haus Verkatff zu vorteilhaften prellen wegen Tcrgrößcrung und Umbau unicrer Räume Teppiche, vekorationen, Tisch- unS Oiwanöecken — Einzelverkauf GlaÜtke& Königsfelö, öerlin, Potsdamer Str. 97'• Vorwärts Buchet, u. Verlag Sanuatt Paul SingecchCo� Jerlin£W. hierzu 1 Beilage u. klutcrhaltungsbl. Nr. Iii 33. Iahrgllvg. SeilU des.Amiick" Kaiim AllisdlM. NMw°ch> 26. Jpril 1916. Zreihanöel oöer Schutzzoll? Im Hinblick auf die Wirtfchaftskonfcrenz in Paris führt Ramsay Macdonald im„Labour Leader" vom LO. März auS; Also der Krieg nach dem Kriege. Vor wenigen Jahren der- schwand der Schutzzoll in der Versenkung. Jetzt zieht man ihn wieder ans Licht, um ihn, nur anders ausstaffieri, von neuem eine Rolle in der europäischen Tragödie spielen zu lassen. Die neueste Aufmachung hat viel Anziehendes. Deutschland mutz bestrast werden. Ist es im Felde besiegt, so hört damit der Krieg nicht auf. Deutschland mutz vom Weltmarkt abgeschnitten werden. Niemand darf mit Deutschland Handel treiben. Sein Handel und seine Industrie werden lahmgelegt. Nicht mehr soll die Welt vom deutschen Geiste abhängig sein. Deutschland wird Tabu. Das erste, was einem bei diesem Vorschlag auffällt, ist seine unendliche Dummheit. Diese beschränkten Geister, die glauben, datz Proklamationen und Beschlüsse von Verbündeten ge- nügen, um die Erzeugnisse und die geistigen Kräfte einer Nation vom Weltmarkte fernzuhalten, haben allerdings allen Grund, sich vor Deutschland zu furchten und ihrer Angst und ihrem blinden Hätz in verdrehten Artiieln von Wochenschriften Luft zu machen. Ein ge- schlagenes und gedemütigtes Deutschland könnte sich keine bessere Rache wünschen; aus folgenden Gründen: Zunächst würde es keinen Frieden in Europa geben. Der Kriegszustand würde sofort nach Friedensschlutz proklamiert und die Rüstungen fortgesetzt werden. Die feindseligen Gesinnungen zwischen den Völkern würden eifrig geschürt und das stärkste Reiz- mittel, das wirtschaftliche, stände der boykottierten Nation zu dem Versuche zur Verfügung, die Boykottierenden unter sich und mit den Neutralen zu überwerfen. Und überall schlietzlich würde eine un- ehrliche Diplomatie ein Feld für ihre Tätigkeit finden. Wer immer diese Politik befürwortet, versündigt sich an dem idealen Gedanken, der noch im Volke lebt, wenn auch abgeschwächt durch die letzten Ereignisse, nämlich, datz der Krieg der letzte gewesen sein mutz. Der Kampf für den Schutzzoll ist eine Beleidigung und ein Verrat an unseren Leuten im Schützengraben, weil er Kriegsopfer in materielle Werte umsetzt und andererseits verhindert, datz dem Krieg ein wirklicher Frieden auf der Basis bürgerlicher und demo kratischer Freiheit folgt. Die Strafe für ein Land mutz eine endgültige sein; nicht aber eine solche, die anderen grötzeren Schaden zufügt als dem betreffenden Lande selbst. Was wäre die Folg« der Schutzzollpolitik? Sie würde dem deutschen Arbeiter das Dasein erschweren, doch die Wohlhabenden und die herrschende Klasse kaum treffen, desto mehr aber die Schuldlosen der verfemten Nation. Aber auch wir würden leiden. Der Wirtschaftskampf würde mit Tarifen geführt werden, deren ganze Last auf den Schultern des arbeitenden Volkes ruhen würde. Beschränkung des freien Handels hcitzt Beschränkung des Verbrauchs, Deutschenhatz die Herabsetzung unserer eigenen Le- benShaltung. Nur unsere Kapitalisten, gedeckt durch den Tarifwall. würden nach wie vor ihren Nutzen einstreichen. Was Wunder, datz die Tarifreformer sich alle Mühe geben, um diesen..Krieg für die Freiheit" und den..Kampf ums Recht" in klingende Münze umzusetzen und sich deS allgemeinen Hasses auf alles Deutsche be- dienen, um ihr Schäfchen zu scheren. Die unglücklichen. von Zeppelinbomben getöteten Frauen und Kinder müssen herhalten, damit die armen Frauen und Kinder der kommenden Generation verkümmern und verderben. Wie die Sachen liegen, wird diese Art von Kapitalismus ihre � selbstsüchtigen Zwecke nicht erreichen.. Die Welt der nicht dem Verbands angeschlossenen Länder ist denn doch zu grotz..Jn Handel ' und Wissenschaft hat Deutschland der Menschheit noch vieles zu bieten und die Menschheit wird es annehmen; trotz unser. Alle die, welche heute nichts mehr mit Deutschland zu tun haben wollen und nach seiner wirtschaftlichen Zerschmetterung schreien, werden zwölf Monate nach Friedensschlutz deutsche Waren verlangen. Die deutschen Erzeugnisse werden wieder einen großen Teil der Welterzeugung ausmachen, und wenn Deutschland mit England oder England mit Deutschland keine Geschäfte mehr machen wollen, werden Neutrale im Zwischenhandel den Nutzen aus dieser kindlichen Torheit ziehen. Berlin und London würden aufhören, die Hauptweltmärkte zu sein und New Aork oder irgendein ande- rer Platz sich als Vermittler bereichern. Diese allgemeinen Betrachtungen dürsten als Orientation für diese neueste Kriegserklärung genügen. Es gilt einen Krieg aus Kosten des Arbeitnehmers. Es gilt nicht die Bestrafung eines Landes für feine Missetaten au? Gründen der beleidigten Moral. ES gilt vielmehr der Ausnutzung der Moral durch den Geist der wirtschaftlichen Konkurrenz, durch den Geist der Profitmachern unter Ausnutzung des Volkes. Es ist der Kapi- talismus. der Besitz ergreist von dem Militarismus, um diesen zu seinem Handlanger zu machen. Die Wahrheit über Wittenberg. Vor einigen Wochen erschienen in englischen Zeitungen auS- führliche Berichte über die Behandlung der Kriegsgefangenen im Lager Wittenberg während einer Fleckfieberseuche, die im Winter 1S14/1S15 ausgebrochen war. Die Anschuldigungen bezogen sich in der Hauptsache auf folgende Punkte: 1. Zu enge Belegung. DaS 4,2 Hektar grotze Lager habe 15 WO, nach anderen Angaben sogar 17 000 Gefangene beherbergt. Bekleidung, Heizung. Waschgelegenheit seien durchaus ungenügend gewesen. Drei Leute schliefen auf einer Matratze. Für einen Raum mit 120 Mann sei in Zwischenräumen von vielen Wochen eine Tasse voll Schmierseife zur Berfügung gestellt worden; infolge- dessen stets zunehmende Ungezieferplage. Dazu absichtlich karges Essen, um die Widerstandskrast der Leute zu schwächen. 2. Beim Ausbruch der Seuche sei von deutscher Seite nicht das geringste getan, um ihrer Ausbreitung Einhalt zu tun. Man habe im Gegenteil ein Umsichgreifen der Seuche dadurch begünstigt, datz man die Engländer und Franzosen gezwungen habe, mit den der- feuchten Russen zusammen auf denselben Matratzen zu schlafen, und habe die Absonderung Kranker absichtlich verhindert. Das deutsche ärztlich- Personal habe die Gefangenen ohne ärztliche Hilfe sich selbst überlassen. 3..ES habe am Nötigsten zur Behandlung und Verpflegung ge- fehlt, irotz Ueberflusse« an Arznei« und Stärkungsmitteln und Ber- bandstoffen ausserhalb deS Lagers. Im ersten Monat hätten die Kranken für den Tag nur eine halbe Tasse Milch erhalten. Ent« sprechend diesen Zuständen sei die Sterblichkeit erschreckend hoch gewesen, von 700 britischen Gefangenen seien nahezu 10 Prozent in Schmutz und Elend gestorben. Diesen Behauptungen tritt nunmehr die„Nordd. All gern. Ztg." in einer ausführlichen Darstellung der Verhältnisse im Ge- sangenenlagee in Wittenberg entgegen. Es wird zunächst fest- gestellt, datz der zur Verfügung stehende Raum völlig genügend war. Wenn im Anfang die Bekleidung der Gefangenen mangelhaft ge- Wesen ist, so lag das daran, datz viele Gefangenen, durch ihre Spiel- Wut veronlatzt, mangels Geld einfach ihre Kleidungsstücke ver- kauften. Die Gefangenen, die fast ausnahmslos völlig verlaust und unglaublich verschmutzt im Lager ankamen, wurden bald nach der Ankunft einer gründlichen Reinigung unterzogen, so datz in der Zeit vom 1. November 1914 bis 1. August 1915 im Lager ISZI Kilogramm Seife und ausserdem im Lazarett noch extra 880 Kilogramm Seife verbraucht worden find. Jeder Mann hatte eine Matratze,> ausserdem zwei wollene Decken. An Essen erhielt jeder Mann für den Tag: 180 Gramm Fleisch oder 125 Gramm Speck, 125 Gramm Hülsenfrüchte oder 100 Gramm Reis, Grietz, Graupen, Grütze oder 180 Gramm frisches Gemüse oder 1000 Gramm Kartoffeln. Daneben 500 Gramm Brot, Kaffee usw. Aus den Vorwurf absichtlicher Unterernährung einzugehen, er- übrigt sich. Beim Ausbruch der Seuche sind sünf Baracken zur Aufnahme der Kranken bereitgestellt worden. Die Baracken waren mit Bade- einrichtungen versehen. Autzerdem waren in kurzer Zeil drei Dampfdesinfektionsapparate im Betriebe. Bei Ausbreitung der Seuche wurden weitere vier Krankenbaracken errichlel. Im Lager waren allerdings nur drei deuiscks Aerzte; sie haben aber täglich das Lager besichtigt. Die eigentliche Krankenbebandlung wurde den zu diesem Zwecke dem Gefangenen- lager überwiesenen Aerzten der feindlichen Staaien,— anfangs 22, später 34 an der Zahl— übertragen. Diese Matznahme war go boten schon mit Rücksicht auf die Sprachschwierigkeitcn und lag im Interesse der Kranken und der Menschlichkeit. Ent sprechend zahlreich war auch das fremdländische Krankenpflege personal. Die hygienischen Matznahmen, die getroffen worden sind, waren völlig ausreichend. Verunreinigtes oder ver- brauchtes Lagerstroh wurde verbrannt. Die Absperrung des Lagers war notwendig, damit die Seuche nicht nach dem unmittelbar an- grenzenden Orten verschleppt wurde. Die Verordnungsbücber er- geben, datz in der fraglichen Zeit manchmal an einem Tage 2000 bis 2400 Arzneipulver ausgegeben wurden. Kranke auf Tischen zu be fördern war durchaus nicht notwendig, da im Verhältnis zum tag lichen Krankenzugang genügend Krankentragen vorhanden waren. Die geringe Sterblichkeit an den Seuchen wird als der beste Beweis dafür angegeben, datz alle Massnahmen ergriffen worden sind, die im Interesse der Kranken lagen. Zu beachten ist dabei, datz man damals noch nicht die Erfahrungen hinsichtlich der Behandlung von Flecktyphus befaß, über die man heute verfügt. Die amtliche Dar stellung schließt: „Mögen die Engländer für die beklagenswerten Todesfälle ihrer Landsleute an Fleckfieber ihre Bundesgenossen verantwortlich machen, die eS versäumten, die gesundheitlichen Verhälinisse in ihrem Lande so zu gestalten, wie es Kultur und Menschlichkeit verlangten. Mögen sie über die Behandlung der.Kriegsgefangenen nicht nur mit gleitznerischer Selbstgefälligkeit reden, sondern dafür sorgen, datz die traurigen Zustände in den afrikanischen Gefangenenlagern ihrer französischen Bundesgenossen ein Ende nehmen, in denen unsere Landeskinder bei unzureichender Ernährung und schlechter Behandlung in ungesundem Klima der Willkür der Lagerkomman- danten preisgegeben, unter den Augen der farbigen Bevölkerung zu den crniedrigendsten und härtesten Arbeiten gezwungen werden. Mögen sie die Forderung nach Menschlichkeit und dem Stande der ärztlichen Wissenschaft entsprechenden Verhältnissen bei ihren anderen Verbündeten, den Russen, stellen, bei denen es Gefangenenlager gibt, die mehr Opfer forderten, als das blutigste Schlachtfeld, in denen eS vorgekommen ist, datz eine erschreckende Anzahl der Insassen an den einheimischen Seuchen, an Hunger und Kälte, elend zugrunde gegangen sind."_ Der alte unö öer neue „vorwärts�-Konflikt. Wir erhalten folgende Zuschrift: In den Erörterungen der Parteipresse über de« jetzigen Streit zwischen.VorwärtS"-Redaktion und Parteivorstand ist mehrfach auf den„Vorwärts"-Konflickt vom November 1905 angespielt worden. Zu meiner schmerzlichen Ueberraschung habe ich sehen müssen, datz meine damaligen Kampf- und Leidensgefährten, in dem moralischen KrankheitSzustand dieser Zeit, nicht die Einsicht, Unbefangenheit und Kraft gefunden haben, auch den gegenwärtigen Fall nach den Grund- sähen zu beurteilen, die damals unser Handeln bestimmten: die Un- abhängigkeit der Parteipresse zu wahren. Die mehrfachen Aeutzerungen unseres Bochumer ParteiblatteS, das von meinem alten Freunde Wetzker geleitet wird, zwingen mich im Interesse der geschichtlichen Wahrheit und um der Ehre des noch von Bebel und Singer geleiteten Parteivorstandes willen, zu einer öffentlichen Erklärung. Es ist nicht richtig, datz wir„edlen Sechs' von 1905 zu der Matznahme einer Kollektivkündigung— mit den bekannten Folgen— geschritten seien, weil wir in der Freiheit der Meinungsäutzerung irgendwie tatsächlich beschränkt worden wären. Niemals ist, solange ich im„Vorwärts" war, auch nur der Ver- such gemacht worden, unsere Meinungsfreiheit zu beschränken oder zu beeinflussen, geschweige uns einer gewaltsamen, durch den technischen Betrieb ausgeführten Zensur zu unterwerfen. Wir hätten unS daS nicht gefallen lassen, und Bebel und Singer hätten der- gleichen mit ihrer Auffassung von geistiger Freiheit und journa- listischer Tätigkeit unvereinbar gehalten. Wir haben nnS damals zu jener Solidaritätskundgebung deshalb entschlossen, weil hinter unserem Rücken, ohne die zuvor übliche gemeinsame Beratung mit den Aufsichtsinstanzen gegen zwei Kollegen fGradnauer und Wetzker) die Kündigung beschlossen war. Wir sahen in dieser Ausschaltung der Redaktion bei der Fassung entscheidender Beschlüsse eine Antastung der persönlichen Stellung der Redaltion und die Gefahr einer indirekten Schwächung ihrer Unab- hängigkeit und Meinungsfreiheit. Schon die blosse Möglichkeit einer solchen Gefahr genügte uns also, jenen Schritt zu tun, owohl wir uns wohl bewußt waren, datz er in der Parteiöffcntlichkeit wenig verstanden werden würde. Gerade weil ich noch heute jenes Ver- fahren ber Parteiistanzen politisch für eine Torheit und Partei» genössisch für ein schweres Unrecht halte und kein Wort von dem zurücknehme, was ich damals zur Kritik der Vorgänge geschrieben und gesagt, fühle ich mich verpflichtet, jedem Verdacht entgegen- zutreten, als ob ich den viel schwereren Eingriff— vielleicht aus Schadenfreude— billigen könnte, der heute gegen die Redaktion des „Vorwärts" unternommen worden ist. Was jetzt das Bochumer„Volksblatt" über die Aufgaben der Zentralorgan-Redaktion äußert, widerspricht durchaus den An- schauungen, die wir damals betätigt und für die wir gekämpft und gelitten haben. Wir haben damals immer die Meinung abgewiesen, als ob der„Vorwärts" das offiziöse Organ irgend einer Instanz, deS Borstande«, der Reichstagsfraktion oder auch der Berliner Ge- noffen fei. Wir verteidigten vielmehr eifersüchtig den Grund- satz. daß im„Vorwärts" nur die Redaktion ihre eigene unabhängige und in jeder Hinsicht freie Meinung— natürlich in Uebereinstimmung mit dem Parteiprogamm, den Parteibeschlüssen und in kameradschaftlicher Aussprache mit Parteivorstand und Berliner Genossen— zu vertreten habe. Das war uns erstes unveräusserliches Recht, wie es daS unzweifelhafte Recht der Aufsichtsinstanzen ge- Wesen wäre,— bei schweren und unausgleichbaren Meinungs« Verschiedenheiten— in loyaler Weise daS VerlragsverhältniS zu lösen. Lehnlichkeit hat der damalige mit dem heutigen Konflikt nur � in der kleinen persönlichen Nebensächlichkeit, datz 1905 wie 1916 die Führung der Opposition gegen die Redaktion innerhalb der Ncdaklion Heinrich Cunow hatte(während andererseits der Geschäftsführer damals gegen Parreivorstand und Berliner Parteigenossen auf unserer Seite stand). Die Grundverschiedenheit besteht aber in den An- schauungen, die der beutige Parteivorstand von den Rechten der Redaltion hat, und in den Matznahmen, mit denen er die Un- abhängigkeit der Redaltion bedroht hat. Noch dazu unter der höchst altpreutzischen Fiktion des Schutze» der Meinungsfreiheit l Heute wie damals hat selbstverständlich der Parteivorstand das Recht und unter Umständen auch die Pflicht, einen Redaktions- Wechsel im Partciintcreff'e herbeizuführen. DaS kann aber nur auf dem Wege der Kündigung, gemäss der bekannten, durch daS Organi« sationsstatut vorgeschriebenen Gewaltenverteilung, nie aber durch eine Ueberivachung der Redaktion geschehen; datz durch diesen sonst so grausam beliebten Instanzenweg die Möglichkeit schnellen Handelns vereitelt würde, ist ausgeschlossen, da kein Parteiredakteur einen Augenblick an seiner Stellung kleben würde, wenn die loyalen Voraussetzungen der Trennung ge- geben sind. Es wäre deshalb die Aufgabe der gesamten Parteipresse gewesen, im Interesse redaktioneller Unabhängigkeit, ohne Unterschied der Richtung, gegen die Matznahmen des Partei- Vorstandes zu protestieren. Solche Unabhängigkeit ist heute wichtiger denn je, nicht minder wichtig als die parlamentarische Freiheit, die ja auch durch Gewaltmatznahmen bedroht ist; um so wichtiger, als die geistige Befugnis der parteigenöffischen Oberzensurbehörde in ihrer gegenwärtigen Verfassung nicht außer jedem Zweifel steht. Wenn wir sehen, datz das führende Mitglied des Parteivorstandes die sofortige Verteidigung der parlamentarischen Freiheit durch Erzählung einer — peinlich ungenauen— Anekdote zu vertagen unternahm, und dann zur Rede gestellt, solche Erörterung—(angesichts der Millionenopfer im Felde!) zum Ekel unwichtig fand, während gleichzeitig die nervöse und schneidige Sorge desselben Genossen (angesichts der Millionenopfer im Felde!) auf die unendlich bedeut- same Frage konzentriert war, an welcher Stelle im„Vorwärts" und mit welchen Typen irgend eine Parteikundgebung zu erscheinen hätte— da müssen wir doch wohl auch die politische Kompetenz dieser Behörde für Abwägungen und Wertungen ein ganz klein wenig bezweifeln dürfen. Im Ernst: das Zentralorgan braucht heute mehr denn je den vollen persönlichen Einsatz bis zum Aeutzerstcn unabhängiger und entschlossener Publizisten; ob sie mit ihrer Haltung recht haben oder irren, darüber entscheidet erst die Zukunft, daS wichtigste ist, datz sie Haltung haben, die ohne vollkommene Freiheit ein lächerliches und absurdes Ding wäre. Und wer, wie ich, der tiefinncrlichen Ueberzeugung ist, datz heute das Schicksal des deutschen und europäischen Proletariats. die zukünftige EntWickelung der Menschheit nicht zuletzt von der Politik der d e u t s ch e n Sozialdemokratie abhängt, weil ihre ge- waltige Organisation schon allein, von den andern hinlänglich be- kannten Erwägungen abgesehen, ihr die größte Verantwortung aus- erlegt;— wer erkannt hat, datz von ihrem Wahrheitssinn und ihrem Wahrheitsmut, von ihrer sozialistischen und demokratischen Ent- schlossenheit Weltentscheidungen ausgehen können und müssen, der mutz wünschen, datz daS Zentralorgan einheitlich, weitschauend und rücksichtslos mit allen Konsequenzen dieser ungeheuren Aufgabe diene— allen feindlichen und engsinnigen Gewalten zum Trotz I München, Ostern 1916. Kurt E i S n e r. der„vorwärts" im Grganifationsstatut. Den Wünschen weiter Pacteikrerse kommen wir durch eine Reihe Artikel entgegen, die die Punkte behandeln: Wie wurde der „Vorwärts" begründet? Wie wurde er Zentralorgan? Wie führt er seine Aufgaben ans? Wie wird die Kontrolle über den„Vor- wärts" geführt? Welcher Einfluß steht den Berliner Genossen auf den„Vorwärts" zu? Wie steht es mit der Druckerei?. Wie mit der Parteikontrolle über andere Pretzorgane?. Oegrünöung öes �vorwärts*. Nach der Einigung zwischen Lassalleanern und Eisenachern im Jahre 1875 hatten die Berliner Genossen sich in der„Berliner Freien Presse" ein Tageblatt als Parteiblatt geschaffen. ES erschien vom 1. Januar 1876 ab. Durch Quertreiberei von Hoffei- mann und Lange wurde im Jahre 1876 ein Wochenblatt„D i e rote Fahne" in Barmen als Konkurrenzblatt zu dem damaligen, wöchentlich dreimal erscheinenden Zentralorgan, dem Leipziger Vorwärts", und zu dem Berliner und anderen Lokalblättern heraus- gegeben.„Die rote Fahne" war kein offizielles Parteiorgan. Auf die Dauer konnte sie den offiziellen Organen keinen Abbruch tun. Die„Berliner Freie Presse" war das erste von der Partei heraus- gegebene Tage blatt. Es wurde in der von den Berlinern gegrün- beten„Allgemeinen Deutschen Assoziations-Buchdruckerei" hergc- stellt. Diese Genossenschaft betrieb Kaifer-Franz-Grenadier- Platz 8a eine eigene Druckerei und ein Verlagsunternchmen. Den Vorstand bildeten Hasselmann, Fritsche und Rackow, den AuffichtS- rat die Mitglieder des Parteivorstandes in Hamburg. Im Erp- tember 1876 gaben die Berliner auch ein zweimal wöchentlich cr- fcheinendes Blatt für die Provinz heraus:„Märkischer Volks- freund"; der Versuch hatte nicht den gewünschten Erfolg. Die „Berliner Freie Presse" gedieh trotz des außerordentlichen Eisers, den der Staatsanwalt Teisendorf gegen die Redakteure entwickelte und trotz der massenhaften Verurteilungen und enormen Strafen, die über eine grotze Anzahl seiner Redakteure verhängt wurden, Aber am 23. Oktober 1878 mutzte dies Berliner Tageblatt sein Er- scheinen einstellen, weil es auf Grund des Sozialistengesetzes verboten war. Am 24. Oktober erschien als Ersatz die„B e r t i n e r T a g e s p o st". Aber schon diese Probenummer verfiel als Nach- folgerin der„Berliner Freien Presse" der Konsistation und dem behördlichen Verbot. Tasselbe Schicksal blühte den am 1. November 1878 erschienenen„B e r t i n e r N a ch r i ch t e n". Die A b o n- n e n t e n z a h l der„Berliner Freien Presse" war für die dauta- ligen Verhältnisse eine ausserordentlich hohe. Sic betrug beim Verbot im Jahre 1878 über 13 OW. Auch die Berliner Assoziations-Buchdruckekei wurde auf Grund des Sozialistengesetzes unmöglich gemacht; die am 3. November 1878 abgehaltene Generalversammlung der Druckerei wurde polizeilich aufgelöst; sie mutzte dann l i q u i- d i e r e n. Ter erste Versuch, in Berlin einen Ersatz für die..Berliner Freie Presse" zu schaffen, wurde im Jahre 1882 ge- macht. Am I. Dezember 1832 kam die„Berliner A l l g e. meine Zeitung" unter Redaktion von Rousseau im Verlage von Ewald heraus. Sie mutzte nach 21 Nummern, am 26. Januar 1883, ihr Erscheinen auS Mangel an Mitteln einstellen. Der Plan der Gründung einer neuen Zeitung wurde trotzdem in Berliner Parteikreisen lebhaft erwogen. Seine Ausführung wurde durch das Erscheinen des„V o l k s f r e u n d" im Januar 1884 beschleunigt. Dieses Blatt war ein Ableger der offiziösen Schweinburgschen„Ber- liner Politischen Nachrichten". Für dieses Blatt wurde lebhaft dw. Reklametrommel von autzerhalh der Sozialdemokratie stehender Seite gerührt. Als Redakteure waren in ihm ein Redakteur B e r n d t und der Buchdrucker Dolinski tätig, der vorüber- gehend Redakteur in der„Berliner Freien Presse" gewesen war. Der versuchte Bauernfang mißlang: die Berliner sozialdemokra- tischen Stadtverordneten erklärten unter dem 18. Januar 1884, sie und ihre Parteigenossen ständen zu dem Blatt in keinerlei Be- ziehung. Da- genügte. Aber Beratungen wegen Herausgabe einer sozialdemokratischen Tageszeitung wurden eifrig gepflogen. Die Vertrauensmänner Berlins und die sozialdemokratischen Stadtver- ordneten, vor allem singer, Ewald und Tußauer, traten für solchen Plan eifrig ein. Der Erfolg blieb rricht aus. Am 23. März teilte der Tischler Genosse Grothe mit, daß vom 1. April 1884 ab das „Berliner Volksblatt" erscheinen werde; Tutzauer habe sich um das Zustandekommen des Blattes verdient gemacht. Das gab den weitesten Kreisen die Gewähr, daß in der Tat ein Blatt der Partei geschaffen war. Am 31. März 1884 erschien die Probenummer unter dem Titel„Berliner V o I k s b l a t t", Organ für die Interessen der Ar- b e i t e r. Gedruckt wurde es bei Babing, der die Maschinen und Lettern der Assoziations- Druckerei gekaust hatte; sein Prokurist Jakob Bamberger war früher Buchhalter in der Assoziations-Buchdruckerei gewesen. Die Druckerei Bading war Privateigentum. Die Mittel für das„Berliner Volksblatt" wurden durch opferwillige Bereit- schaft der Berliner, vor allem unseres unvergeßlichen Singer, ge- schaffen, der sofort 16 000 M. hergab und zur Deckung der trotz der langen von Bading eingeräumten Kredite entstandenen Defizite allmählich mehr als das Doppelte dieser Summe noch zuschoß. Später, als das„Berliner Volksblatt" Uebcrschüsie abwarf, lehnte er ausdrücklich ab, von der Partei einen Pfennig zurückzunehmen. Zur Deckung der Defizite des„Berliner Volksblattes" wurden niemals Mittel der Partcikasse in Anspruch genommen. Sobald das Blatt Ueberschüsse erzielte, wurden diese Ueberschüsse zugunsten der Partei durch die Parteileitung verwendet. Ohne Konfiskation und ohne Verbot schiffte das„Berliner Volksblatt" durch die Klippen des Sozialistengesetzes hindurch. Das Blatt wurde als Partei- eigentum verwaltet. Da unter dem Sozialistengesetz Meinungsfreiheit nicht herrschte und taktische und prinzipielle Differenzen— die eS geben wird, solange es eine sozialdemokratische Partei gibt— nicht in der Oeffentlichkeit behandelt werden konnten, kam es auch in Berlin zu manchen unerquicklichen Verhältnissen. In oft recht kräftigen Worten wurde in Berlin sehr abfällige Kritik gegen die Reichstagsfraktion und ihre Mitglieder geübt. DaS behinderte aber die Parteileitung keineswegs, bei der Verwaltung des„Berliner Volksblattes" auf die Wünsche der Berliner Genossen weitgehendste Rücksicht zu nehmen. Sie bat z. B., wie Bebel auf dem Parteitag zu Erfurt anführte, als die Stelle eines Expedienten zu besetzen war. die Berliner um Vorschläge und wählte den von diesen vor- geschlageneu Genossen Glocke zum Expedienten, wiewohl der Parteileitung bekannt war. daß Glocke in den vordersten Reihen der Opposition stand. Ebenso deließ die Parteileitung den Genossen B a a k e auch nach 1800 auf seinem Posten, wiewohl sie wußte, daß er 1887 gegen die Wiederaufstellung der Kandidatur Singer sich gewendet hatte und eins der eifrigsten Mitglieder der„Opposstion" war. Die freieste Betätigung der parteitaktischen Ueberzeugung jedes Genossen und natürlich auch jedes Redakteurs wurde als selbstverständliche Folge der sozialdemokratischen Anschauungen an- gesehen und geachtet. Die Unterdrückung der Oeffentlichkeit gab freilich auch manchen Verdächtigungen Nahrung, die man nicht für möglich hätte halten sollen. So war durch einen nicht mehr zur Partei gehörenden Herrn Liefländcr das Gerücht kolportiert, mit der Abrechnung des„Berliner Voltsblattes" sei es nicht tu Ordnung. Die Berliner Parteigenossen verlangten Aufklärung und Untersuchung und überzeugten sich alsbald, daß jenes Gerücht völlig der Wahrheit entbehrte. Im Jahre 1887 wurde, wohl um ähnlichen Treibereien für die Zukunft einen Riegel vorzuschieben, das„Ber- Huer Voltsblatt" den Berliner Genossen übertragen. Selbstver- ständlich verwendeten die Berliner Genossen die Ueberschüsse nicht für Berlin, sondern lieferten sie der Gesamtpartei ad. Als das „Berliner Volksblatt" zum offiziellen Parteiorgan ernannt werden sollte, übertrugen die Berliner Genossen, wie Bebel auf dem Partei- tag von Jena 1S0ö darlegte, bereitwillig das Eigentum an ihrer Zeitung auf die Gesamtpartci. Die Druckerei blieb im Privat- eigentum von Bading. wie wuröe üer«.vorwärts* Zentralorgan? Vor der Einigung zwischen den Lassalleanern und Eisenachern gab es ein Zentralorgan für jede der beiden Parteien. Beide waren nicht täglich erscheinende Blätter. Die Eisenacher hatten als Zentralorgan den„Volksstaat" und später den in Leipzig drei- mal wöchentlich erscheinenden„Vorwärts" unter Liebknechts und HasencleverS Redaktion. Der„Allgemeine Deutsche Arbeiter- Verein" hatte den„Sozialdemokrat" unter Schweitzers Re- daktion zum Zentralorgan bestimmt. Die Probenummer� des „Sozialdemokrat" kam am IS. Dezember 1864 heraus. Er erschien dann dreimal wöchentlich; kurze Zeit, im Jahre 186S> versuchte er es mit täglicher Erscheinung. Der höchste Abonnentenstand wurde im Jahre 1860 mit S000 Abonnenten erreicht, von denen 765 auf Berlin entfielen. Am 26. April 1871 mutzte er sein Erscheinen ein- stellen. An seine Stelle wurde mit dem 2. Juli 1871 als Organ des ..Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins" �die ebenfalls dreimal wöchentlich erscheinende Zeitung„Neuer Sozialdemokrat" ins Leben gerufen. Lokalblätter wurden im Allgemeinen Deutschen Arbciter-Verein nicht zugelassen; von ihnen fürchtete man eine Dezentralisation und Spaltung. Nach der Einigung� bezeichnete sich der„Neue Sozialdemokrat" vom 12. Juli 1873 ab nicht mehr als„Eigentum der Lassalleaner", sondern als„Organ der sozialdemokratischen Arbeiter Deutschlands"._ Seine letzte Nummer erschien am 20. September 1876. An seine Stelle trat für die geeinten Richtungen auf Grund des Parteikongresses von Gotha als Zentralorgan der in Leipzig dreimal wöchentlich erscheinende„Vorwärts" unter Liebknechts und HasencleverS Leitung. Am 27. Oktober 1878 mußte dies Zentralorgan sein Er- scheinen einstellen, weil es auf Grund des am 21. Oktober 1878 an- genommenen Sozialistengesetzes verboten war. Im Jahre 1870 versuchte Hasselmann abermals eine Quertreiberei, er gab am 28. März die„Deutsche Zeitung" heraus. Die damalige alleinige Vertretung der Parter, die Reichs- tagsftaktion. erklärte, daß sie an der„Deutschen Zeitung" rn keiner Weise beteiligt sei. Das genügte, um einer weiteren Verbreitung des Organs ein Ende zu setzen. Offizielles Organ der Partei war seit dem 1. Januar 1870 der im Ausland erschienene„Sozial- demokrat". Eine Darlegung, wie dieses treffliche Organ, das mit dem Aufhören des Sozialistengesetzes am 30. September 1890 fern Erscheinen einstellte, in Deutschland verbreitet wurde, erübrigt sich an dieser Stelle. Die Fraktion war, nach Aufhören des Sozialistengesetzes im Jabrc 1890, wie Auer auf dem Parteitag zu Halle ausführte, der Ansicht, mit den bisherigen Traditionen, ein wöchentlich oder nur zwei- oder dreimal erscheinendes Blatt, das ganz frei vom Charakter eines Lokalorgans ist, zum Zentralorgan zu machen, müsse ge- brachen werden. Die Parteileitung und die Fraktion hätten sich oit genötigt gesehen, mit Erlassen und Bekanntmachungen sich zu- nächst an die„Neue Freie Presse" zu wenden, so daß das offizielle Organ nachhinke. Die Fraktion schlage vor, das„Berliner Volks- blati", das am stärksten verbreitete, zweifellos gnt redigierte und in Zukunft womöglich noch besser redigierte Blatt der Partei als Zentralorgan zu wählen. Mit den Berliner Parteigenossen war bereits vorher über die Uebergabe des„Volksblatts" gesprochen; sie waren damit einverstanden. Vom 1. Oktober 1890 ab fungierte Liebknecht als Chefredakteur des„Berliner Volksblatts". Auer erklärte ausdrücklich zur Beruhigung von Einwendungen:„Soll das„Berliner Volksblatt" überhaupt seine Auf- gäbe erfüllen, dann muß es das Organ be- sonders. der Berliner Genossen bleiben. Dies zu Ihrer Beruhigung." Es wurde dann das Statut ein- stimmig angenommen, das in seinem§ 17 bestimmte: „Zum offiziellen Parteiorgan wird das„Berliner Volks- blatt" bestimmt. Dasselbe erhält vom 1. Januar 1891 ab den Tttel „Vorwärts" Berliner Volksblatt. Zentral-Organ der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Alle offiziellen Bekanntmachungen sind an hervorragender Stelle des redaktionellen Teils zu veröffentlichen." Der Inhalt dieses§ 17 entspricht dem§ 24 des jetzigen Organisationsstatuts. Lokal- unö Zentralorgan. Zum Chefredakteur des„Berliner Volksblatts" war bereits für die Zeit vom 1. Oktober 1800 Wilhelm Liebknecht von der Parteileitung bestellt. Genosse Grillenberger führte auf dem Parteitag 1890 in Halle aus, daß der Chefredakteur dem Partei- vorstand in allen Dingen koordiniert sei. Er müsse in ununter- brochenem Kontakt mit dem Parteivorstande sein; es sei daher selbstverständlich, daß er als Pcrrteibeamter betrachtet wird und an allen Sitzungen des Parteivorstandes teilnehmen und beratende Stimme hat. Er könne nicht als Bediensteter des Parteivorstandes betrachtet werden. Grillenbergers Antrag: „Liebknecht wird als Chefredakteur des offiziellen Partei- organs bestätigt und ist als solcher gleichberechtigt mit dem Parteivorstande", wurde vom Parteitag e i n st i m m i g angenommen. Als A u f g a b e des Zentralorgcrns bezeichnete damals wie heute das Organisationsstatut der Partei: Die offiziellen Bekannt- machungen sind an hervorragender Stelle des redaktionellen Teils zu veröffentlichen. Die weitere Ausgestaltung des„Vorwärts" der- blieb dem Genossen Liebknecht. In der Diskussion waren freilich Bedenken dagegen laut geworden, daß der„Vorwärts", der den Untertitet„Berliner Volksblatt" beibehielt, zugleich ein Lokal- und ein Zentralorgan sein solle. � Die Berliner Genossen erklärten durch Genossen Robert Schmidt, sie hätten„keine Veranlassung, der Wahl des„Berliner Volksblatts" zum Zentralorgan entgegenzutreten. Die Genossen in der Provinz hätten ja nicht die Verpflichtung, aus das Blatt zu abonnieren, die Provinzblätter könnten einfach sagen: der Parteivorstand hat im Zentralorgan das und das veröffentlicht". Konnten aus verschiedenartiger Auffassung über die Aufgaben eines Zentralorgans und über die eines Lokalblattes möglicherweise der Redaktion des„Vorwärts" Schwierigkeiten erwachsen, so lag die Quelle für andere Mißbelligkeiten darin, daß Genosse Liebknecht von der�Gefamlpartei auf dem Parteitag als Cheftedakteur bestellt war, während die übrigen Redakteure des„Vorwärts" von dem Partei vorstand oder später von diesem in Gemeinschaft mit den Ber- liner Genossen ernannt waren. Die schwere Aufgabe zur Lösung aller dieser möglichen Differenzen lag dem Chefredakteur ob; ihre Lösung wuvde ihm wahrlich nicht leicht gemocht. Er suchte„inner- halb der Partei parteilos zu bleiben". Mit aller Entschiedenheit trat er wiederholt den Versuchen entgegen, das Zentralorgan zu einer Art offiziösen Organs zu machen. Lebhafte Kämpfe hatte er mit seinen Mitarbeitern häusig zu bestehen. Im Jahre 1896 wurde mit seiner Zustimmung zwischen Parteivorstand, Preßkommission und Redak- tion ein Abkommen dahin getroffen, daß innerhalb der Redaktion bei Meinungsverschiedenheiten die Majorität entscheiden solle. Lieb- knecht erklärte sich zu dieser Konzession bereit, weil er häusig durch Tätigkeit für die Partei von der Redaktton ferngehalten war. Seine Auffassung spiegelt sich in Darlegungen auf den Parteitagen wieder. Nach einer besonders scharfen Kritik des Genossen Richard Fischer gegen den„Vorwärts" und seinen Chefredakteur äußerte er auf dem Parteitag zu Gotha, nachdem er über den Konflikt gesprochen hatte, der ans dem Charakter des„Vorwärts" als offiziellem Partei- organ und gleichzeitigem Berliner Lokalorgan folgen müsse: „Ich opfere nicht meine Ueberzeugung. Ich bin in manchen Fragen anderer Ansicht als andere, und da gebe ich allerdings nicht nach. Und ich meine, die Partei hat, als sie mir diese Stelle gab, auch erwartet, daß ich mir die nötige Unabhängigkeit wahren werde. Ich würde es für ein großes Un'glück halten, wenn der„Vorwärts" ein sozialdemokratisches Reptilblatt wäre. Ich habe seinerzeit ein offiziöses Re- gierungsblatt derlassei.; ich würde auch keinen Augen- blick in einem offiziösen Partei-Regierungs- blatt verbleiben. Denn ich kann bloß da sein, wo ich voll- ständig meiner Ueberzeugung folgen kann." Auf dem Parteitag zu Stuttgart im Jahre 1808 äußerte Lieb- knecht einer abermaligen Kritik gegenüber: „Ich stehe als Chefredakteur darin, ernannt von der Partei. Die übrigen Redakteure ernennt der Vorstand. Das ist ein Dualismus. Es sind in der Redaktion verschiedene Meinungen vertreten, wie in der Gesamtpartei. Da ist es oft schwer, einen Ausgleich zu finden. Ich kann sagen: in den neun Jahren, seit ich Cbefredakteur des„Vorwärts" bin, habe ich mehr Friktionen und Aerger gehabt als in meinem ganzen früheren politischen Leben. Es liegt das nicht an den Personen, sondern an der un- glücklichen Doppelstellung des„Vorwärts", und den sich daraus ergebenden Verhältnissen, die auf die Dauer nicht auftechtzu- erhallen sind." Durchaus irrig ist die von einigen Parteizeitungcn neuerdings verbreitete Behauptung, der Parteivorstand habe zur Durchsetzung seiner Ansicht gegenüber Liebknecht oder der Redaktion den Genossen Auer in die Redaktion eingestellt. Ein solcher Auftrag hätte dem Parteistatut durchaus widersprochen; der um Aufrechterhaltung der Organisation bemühte Auer hätte einen solchen niemals über- nommen, Liebknecht und die übrigen Redakteure sich nie einen solchen gefallen lassen. Die Sache lag so, daß Auer allerdings Jahre hindurch des Abends in der Redaktion des„Vorwärts" beschäftigt war. Seine Aufgabe bestand darin, den verantwortlichen Redakteur in der schwierigen Aufgabe zu unterstützen, den„Vorwärts" vor strafrechtlichen Verfolgungen zu schützen. Das geschah zunächst im Jahre 1801, als der als Schriftsteller noch nicht tätig gewesene Genosse Schröder in die Redaktion als verantwortlicher Redakteur eintrat, einige Jahre hindurch. Dann als der„Vorwärts" mit einer Reihe von Strafprozessen im Jahre 1895 überschüttet war und an- fanas 1806 der als Redakteur noch nicht tätig gewesene Genosse Jawobey die Verantwortung für den„Vorwärts" übernahm. Nach dem am 6. August 1900 erfolgten Tode unseres unver- geßlichcn Liebknecht wurde das>s»stem einer Cheftedaktion fallen gelassen. Die Meinungsverschiedenheiten über die Haltung, die der „Vorwärts" gegenüber in der Partei auftauchenden Fragen ein- nehmen solle, wurden in der Redaktion immer größer. In der Regel standen sich die Anhänger der beiden in der Partei vorhan- denen Strömungen geschlossen, und zwar meist 6 gegen 4 Stimmen, gegenüber, wobei gewöhnlich die Stellung der Mehrheit von der Vertretung der Berliner Genossen und des Parteivorstandes nicht als die ihrige anerkannt wurde. Das veranlaßte lebhafte Debatten, insbesondere auf den Parteitagen zu Lübeck und zu Dresden. Bebel erklärte auf dem Parteitag zu Jena, daß es so nicht weitergehen könne. Mit ihm einverstanden waren die Berliner Genossen; sie verlangten, daß die Meinung der Berliner Genossen ihren unver- fälschten Ausdruck finden solle. Die Auseinandersetzungen, welcher Weg zur Erreichung einer einheitlichen prinzipiellen Haltung im „Vorwärts" zu erzielen sei, wurden im Jahre 190S in langen Sitzungen Mischen dem Parteivorstand, der Preßkommission, den Vertrauensleuten Berlins, den Vertretern Berlins im Reichstag und der Redaktion geführt. Im Verlauf derselben reichten die sechs Redakteure, die in der Regel in den Hanptstreitftagen anderer An- ficht als die Berliner Parteigenossen und der Parteivorstand waren, am 21. Oktober ihre Kündigung ein. Die Kündigung wurde von den zuständigen Instanzen angenommen, die Redaktion wurde an- ders zusammengesetzt. Für die Arbeit innerhalb der Redaktion wurde das demokrattsche Prinzip der Entscheidung durch NehrheitS- Beschluß festgehalten; dem einzelnen Mitglied wurde das Recht, seine entgegenstehende Ansicht unter Namensnennung zu äußern, belassen und der Beschluß wiederholt, daß wenn von drei Mitgliedern der Redaktion der Artikel eines Rcdaktionsmitgliedes oder eines Mit- arbeiters als nicht zur Ausnahme in den„Vorwärts" geeignet, bc- anstandet wird, Parteivorstand und Preßkommission zur Entschei- dung über die Aufnahme zu berufen sind. Diese Grundsätze gelten noch heute. Vom Oktober 1005 ab nahm der„Vorwärts" im Gegensatz zu den Prophezeiungen der Parteigenogen, die die grundsätzliche Auf- fassung der Berliner Genossen nicht teilten, einen gewaltigen Auf- schwung. Die Abonnentenzahl des„Berliner Volksblatt" belief sich im Jahre 1884, drei Monate nach seinem Erscheinen, aus 2400. Als sein Expedient, Genosse Ewald, im Dezember ausgewiesen wurde, konnte er seinem Nachfolger bereits 0000 übergeben. Infolge euer- gischer Werbetättgkeit der Berliner Genossen war die Abonnenten- zahl beim Erlöschen des Sozialistengesetzes, im Oktober 1800, auf 24 000 gewachsen. Sie betrug am 1. April 7694 43 000. im Jahre 1900 56 000, im Oktober 1005 87 000. Dann nahm die Abonnenten- zahl rapide zu. Am 6. Januar 1306 wies der„Vorwärts" 100 000 Abonnenten auf, am 1. April 108 000, am 1. Juli 112 000, am 1. Oktober 116 000, am 1. Dezember 121 000, am 1. Januar 1007 123 000, am 1. Februar 1007 130 000, am 5. März 1907 138 000; im Jahre 1912 stieg die Abonnentenzahl bis auf 165 500. Die Ueberschüsse des Blattes beliefcn sich im Geschäfts- jahve 1304/05 aus 84 327 M., im folgenden Jahre übersteigen sie zum erstenmal 100 000 M. und erreichen 140 615 M. In den acht Geschäftsjahren 1905/06 bis 1012/13 führte der„Vorwärts" nicht weniger als 13451 15 M. an die Gesamtkasse der Partei ab. Soziales. Invalidenrente und Militärvcrsorgung. Vielfach bestehen, wie uns Anfragen beweisen, noch Unklarheiten über das Verhältnis des Anspruchs aus Jnvalidenrenle zur Militär« Versorgung. Wir gehen auf diese von uns wiederholt erörterte Frage deshalb nockmals ein. Der Anspruch auf die reilbsgesetzliche Invalidenrente besteht neben der Militärversorgung. Wer also infolge Erkrankung, Ver- wundung oder sonstiger Kriegsbeschädigung invalide geworden ist, Militärversorgung bezieht, hat außerdem Anspruch auf die reichsgesetzliche Invalidenrente nach der Reichs- Versicherung. Voraussetzung ist natürlich dabei, daß die Anwarlschast auf Invalidenrente zur Zeit des Eintritts der Invalidität nicht erloschen ist und daß Invalidität im Sinne der Reichsversicherungs- ordnung vorliegt. Die Anwartschaft wird durch 200 Beitragswochen erworben. Als Beitragswochen gelten nicht nur die durch Beiträge selbst be- legten sondern auch Kranlheils- und Militärdienstzelten, wenn sie sich an eine versicherungspflichlige Beschäftigung anschließen. Die An- wartschaft erlischt, wenn nicht in jedem zweijährigen Zeitraum mindestens zwanzig Beiträge entrichtet sind. Für die frei- willig in die Versicherung Eingetretenen müsien in diesem zwei- jährigen Zeilraum jeweilig vierzig Marlen verwendet sein. Die Militärdien st zeit gilt als anrechnungsfähige Beitragszeit und daher tritt während des Militärdienstes kein Erlöschen der einmal erworbenen Anwartschaft ein. Die Invalidenrente wird gegeben, wenn jemand im Sinne der Invalidenversicherung invalide ist. Invalidität liegt dann vor, wenn ein Versicherter nicht mehr imswnde ist, ein Drittel desjenigen zu erwerben, was körperlich und geistig gesunde Personen derselben Art, mit ähnlicher Ausbildung, in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. Ist die Jnvaliditär dauernd, d. h. ist nach menschlichem Ermesicn in absehbarer Zeit eine Aenderung des Zustandes nicht zu erwarten, dann wird die Invalidenrente vom Beginn dieser Invalidität gegeben. Ist sie jedoch nur vorübergehend, das heißt in absehbarer Zeit zu erwarten, daß der Beschädigte wieder mehr als ein Drittel zu er- werben im stände ist, dann wird die sogenannte Krankenrente vom Beginn der 27. Woche seit dem Eintrili der vorübergehenden Invalidität gewährt. Für den Bezug der Jnvalidenrenle ist die Entlassung aus dem Heeresverbande nicht erforderlich. Die Rente kann also auch solchen Soldaten ge- währt werden(vorausgesctzl, daß sie invalide sind), die sich noch in militärärztlicher Behandlung befinden. Ob Jnvalidiläl vorliegt, ist zumeist Gegenstand ärztlicher Beurteilung. Wer z. B. das rechte Bein im Oberschenkel verloren hat oder den rechten Arm, würde nach den Grundsätzen, wie sie sich durch die Rechtsprechung heraus- gebildet haben, als dauernd invalide zu betrachlen sein, und würde die Invalidenrente vom Beginn der Jnvalidilät zu be- gehren haben. Wer beispielsweise eine schwere Verstümmelung des Armes erlitten hat, von der angenommen werden kann, daß sie sich durch medikomcchanische Uebung bessert, in solchem Maße, daß der spätere Zustand keine Invalidität bedingt, wird als vorüber« gehend invalide angesehen werden müssen, und ihm würde vom Beginn der 27. Woche ab die Krankenrente zustehen. Diese Beispiele sind eben nur Beispiele. Die gesamten Person- lichen Verhältnisse des von einer Beschädigung Betroffenen müssen bei Prüfung der Frage, ob Invalidität vorliegt, in Betracht gezogen werden. Während es bei einem der Fall sein kann, braucht da? bei dem andern nicht zuzutreffen. Die Beispiele sollen nur ganz allgemein einen Anhaltspunkt für den Unterschied zwischen dauernder und vorübergehender Invalidität geben. Der Anspruch auf Invalidenrente ist bei dem Versicherungsamt deS Aufenthaltsortes d e S Soldaten geltend zu machen. Das kann zu Proto« koll des Schreibers geschehen oder auch schriftlich. Am besten ist es, den Anspruch mündlich zu Protokoll zu erheben, weil eine mündliche Rücksprache irgend welche Punkte besser klären kann, als durch ein langes Hin- und Herschreiben möglich ist. Dem An- trage sind beizufügen: die letzte Jnvalidenquitlungskarte, die Aufrechnungsbescheinigungen über früher umgetauschte Invaliden« karten, die Geburtsurkunde und bei Verheirateten auch die Heiratsurkunde und die Geburtsurkunden der Kinder. Bei dem Vorhandensein von Kindern unter fünfzehn Jahren erhöht sich nämlich die Invalidenrente um ein Zehntel für jedes Kind bis zum Höchstbettage der eineinhalbfachen Invalidenrente. Die Rechte, wie sie vorstehend geschildert sind, find manchem Soldaten ganz unbekannt, und es liegt uns Daheimgebliebenen die Pflicht ob, diese Kenntnis unter ihnen nach Möglichkeit zu ver- breiten. Irgend einen Einfluß auf die Militärver- sorgung hat der Bezug der Invalidenrente oder der Krankenrente nicht. Die Invalidenrente wird also neben der Militärrente gewährt. Die Not der Schauspieler. Der in der Delegiertensitzung der Genossenschast Deutscher Bühnenangehöriger gestellte Antrag Klenke, über den wir am Sonn- tag berichteten, will nicht die Stadt thealer, sondern die Kino- thealer vor ihrer Errichtung der Prüfung unterwerfen, ob ein Be- dürwis vorliegt. Der Antrag wurde dann dem Präsidium und dem Zentralausschuß als Material überwiesen. Mus Groß-öerlin. Die Sterblichkeit in Derliu im Jahre 1�15. Eine Minderung der Sterbefälle ist für Berlin im Jahre 1913 eingetreten. Den vom Berliner Statistischen Amt zusammengestellten und jetzt veröffentlichten Hauptergebnissen der Bevölkerungsbewegung in 1913 ent- nehmen wir, daß die Gesamtzahl der Sterbefälle(vervoll- ständigt durch nachträgliche Meldungen) auf 28 370 ermittelt wurde. Da im vorhergehenden Jahr 29 664 Sterbefälle ge- zählt wurden, so hat das Jahr 1913 ein Weniger von 1094 gehabt. Die Vergleichung mit der Bevölke- rungszahl bietet freilich ein nicht so günstiges Bild. Auf je�1000 der durchschnittlichen Bevölkerung starben im letzten Jahr 15,21 Personen, gegenüber 14,61 im vorletzten, so daß für 1915 sich eine Erhöhung der Sterbeziffer ergäbe. Dabei ist jedoch zu beachten, daß in der Kriegszeit die Zusammen- setzung der daheimgebliebenen Bevölkerung sich geändert hat. Die Beteiligung der beiden Geschlechter an den Sterbe- fällen ist diesmal so, dah unter den Gestorbenen das weibliche Geschlecht die Mehrheit hat. Das wurde bisher noch niemals in Berlin beobachtet, so lange es hier eine Bevölkerungsstatistik gibt. Es starben in 1914 noch 13 113 männliche und 14 549 weibliche Personen, dagegen in 1913 nur 14 141 männliche und 14 429 weibliche. Auch dieses Ergebnis ist aus den besonderen Verhältnissen der Kriegszeit zu erklären, aus der durch die Heereseinberufung bewirkten Mi ndcrung der Männer in der Bevölke- r u n g. Nebenbei bemerkt: die obigen Zahlen beziehen sich nur auf die in Berlin Gestorbenen. Nicht mitgezählt sind also die im Kriege gefallenen Berliner, deren Tod gleichfalls den hiesigen Standesämtern gemeldet wird. Die Gruppierung der Berliner Sterbefälle nach Alters- klaffen zeigt für 1915 gegenüber dem vorhergehenden Jahr manche Verschicbungen. Es haben sich gemindert die Säug- lingssterbefälle, gemehrt aber die Sterbefälle von älteren Kindern, besonders von schulpflichtigen. Ferner haben sich ge- mindert die Sterbefälle der Personen mittleren Alters, bc- sonders der 20— 30 Jahre alten und mehr noch der 30— 40 Jahre alten, gemehrt die Sterbesälle älterer Personen, besonders der über 70 Jahre alten. In 1913(bezw. 1914) starben: Säuglinge von 0— 1 Jahr 4362(5853), Kinder von 1— 5 Jahren 1899(1851), von 5— 10 Jahren 753(696), von 10— 15 Jahren 366(340), Jugendliche von 15— 20 Jahren 686(634), Erwachsene von 20-30 Jahren 1836(1974), von 30—40 Jahren 2172(2404), von 40— 50 Jahren 2792(2780), von 60— 60 Jahren 3630 (3566), greise Personen von 60—70 Jahren 4306(4299), von 70—80 Jahren 3930(3699), von niehr als 80 Jahren 1838 (1568). Die Minderung der Säuglings st erbe- fälle erklärt sich hauptsächlich aus dem aufferordcnt- I i ch c n Geburtenrückgang, der mit Mai 1915 einsetzte. Zum Teil ist sie auch der günstigeren Witterung von 1915 zu danken, durch die das Leben der Säug- linge weniger gefährdet wurde. Zu der Mehrung der Sterbe- fälle älterer Kinder hat besonders die Häufung der Diphtherie beigetragen. Eine Minderung der Sterbesälle von Personen mittleren Alters zeigt sich fast nur beim männlichen Ge- schlecht, so daß man hier die Hcereseinberufung als Ursache ansehen darf. Für die Mehrung der Sterbesälle von Per- soncn des Grcisenalters ist die besondere Ursache nicht ohne weiteres zu erkennen. Diese Verschiebungen kommen auch in der Gruppierung nach Todesursachen zum Ausdruck. Das; in 1915 die Diphtherie häufiger als in vorhergehenden Jahren auftrat, wurde schon erwähnt. Beträchtlich weniger Sterbe- fälle sind diesmal verzeichnet bei den Verdauungs- krankheiten, deren Mehrung oder Minderung ja für die Säuglingssterblichkeit den Ausschlag gibt. Gemindert haben sich auch die Fälle von Lebens- schwäche der Säuglinge, was wohl restlos aus dem Geburtenrückgang zu erklären ist. Bei den Sterbefällen greiser Personen war besonders Altersschwäche öfter Todesursache als im vorhergehenden Jahre. In 1915(bezw. 1914) wurden als Todesursache gemeldet: Lebensschwäche 1123(1548) mal, Darmkatarrh und Durchfall zusammen 894(1330) mal, Brech- durchfall 204(464) mal, Diphtherie 772(563) mal. Alters- schwäche 1238(1129) mal. Aus der langen Reihe der übrigen Todesursachen seien hier nur noch die häufigsten genannt: Lungenentzündung mit 2074(2016) Fällen, Lungenschwind- sucht mit 3367(3374), Herzkrankheilen mit 2930(2994), Krebs mit 2395(2482). Zu den Krebsfällen lieferten in beiden Jahren das weibliche Geschlecht drei Fünftel. Beschwerden über Brotkommissionen. Schon öfter sind uns Beschwerden über Brotkommisfionen zu« gegangen. Geklagt wird, daß die in den Bureaus tätigen Herren und Damen gegenüber dem Publikum manchmal einen eigen« artigen Ton anschlagen. Leicht mag ja die Aufgabe nicht sein, Tag für Tag die Wünsche von mehreren hundert Leuten anzu- hören, auf alle möglichen und unmöglichen Fragen zu antworten und schließlich einen vielleicht ablehnenden Bescheid geben zu müssen. Aber eben darum sollte man uni so mehr darauf achten, in ein soldbes Amt nur Personen hineinzusetzen, die sich von Nervosität frei zu halten wissen. Uns find Fälle mitgeteilt worden, in denen bei Anträgen auf Gewährung von Zusatzbrotkarten, von Flcischkarten, von Ersatz für der- lorene Brotkarten den Antragstellern eine Behandlung widerfuhr, die sie als Kränkung empfinden mutzten. Wer sich dann durch eine kräfiige Antwort zu wehren versucht, der kann noch erleben, datz man ihm.zeigt, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat*. Alle in den Brotkommisfionen tätigen Personen, die im Ehrenamt und auch die gegen Bezahlung arbeitenden, genietzen einen besonderen Schutz, so datz jede ihnen etwa zugefügte Beleidigung strengste Ahn- dung zu erwarten hat. Mützte» da nicht auch sie selber alles ver- meiden, was als Kränkung wirken und zu einer erregten Abwehr reizen könnte? Alan wolle doch gefälligst nicht vergessen, datz in dieser Zeil auch andere Leute es nicht leicht haben und rasch nervös werden. Eine zweite Klage, die nicht verstummen will, ist die, datz die Brotkommisfionen bei Verteilung der zum Kauf in den städtischen Fleischverkaufsstellen berechtigenden Fleischkarten manckimal sonderbar verfahren. Es scheint, datz sie nicht immer die nötige Kenntnis der wirtschaftlichen Lage derjenigen Personen haben, die auf Gewährung einer solchen Fleischkarte antragen. Weil die Zahl der zu verteilenden Karten beschränkt ist. so beeilen sich die Kundigen, beizeiten zu ihrer Brotkommission zu gehen und sich eine Fleischkarte zu sichern. Wird da in gutem Glauben ein bitzchen rasch darauslos verteilt, so müssen andere, die sich in noch weniger günstiger Lage befinden, aber erst später kommen, benach- teiligt werden. Datz solche Vorkommniffe die davon Betroffenen arg verstimmen, lätzt sich denken._ Gegen übertrieben hohe fleisch- und Geflügelpreise. Berlin, 23. April. Das Oberkommando teilt mit: Es ist zur Kenntnis des Oberkommandos gekommen, daß in den letzten Tagen in Grotz-Berlin in einzelnen Geschäften für Geflügel und Fleisch, soweit keine Höch st preise bestehen, ganz übertrieben hohe Preise gefordert sind. Die Polizeibehörden sind angewiesen, in derartigen Fällen, die ihnen an- gezeigt werden, sofort den Sachverhalt genau f e st z u st e l l e n. Bei unbilliger Spannung zwischen dem Einkaufspreis und dem Verkaufspreis wird das Geschäft ge- schlössen und das Strafverfahren rücksichtslos durchgeführt werden. Das gleiche gilt, wenn Verkäufer mit dem Verkauf der genannten Waren zurückhalten, obwohl sie noch Vorräte besitzen. Entgleisung eines Güterwagens in Neukölln. Betreffs des am 18. April 1916 gemeldeten Eisenbahnunfalles i>n Neuköllner Hafengebiet wird uns von zuständiger Seite folgender Sachverhalt gegeben. In der Nähe der Fabrik von Goitschalk u. Michaelis entgleiste ein beladener Güterwagen und fuhr mit dem Puffer gegen das Fabrikgebäude. Hierdurch wurde eine Wandfläche von etwa 2 Quadratmeter Grötze beschädigt. Die Ausbesferungs- arbeiten sind sofort in Angriff genommen und bei dem geringen Umfange inzwischen beendet. Der entstandene Sachschaden ist un- bedeutend. Irgendwelche Gefahr für den Fabrikbetrieb oder für den Bestand des Fabrikgebäudes hat nie bestanden, so datz eine Ein- fchränkung des Betriebes durch den Unfall nicht hervorgerufen worden ist. Ein blutiges Eifersuchtsdrama hat sich in der Nacht zum ersten Osterfeiertag in Niederschönhausen abgespielt. Während der in der Charlottenstratze 36 dort wohnende Kaufmann Stapf zum Heeres- dienst einberufen war, vermietete seine 10 Jahre jüngere Frau an einen Käufmann Hans Ernst. Stapf kam jetzt auf Urlaub und kam mit dem neuen Mieter in Differenzen. Zwischen den beiden Männern entspann sich eine erregte Auseinandersetzung. Als Stapf seinen Gegner, der der Aufforderung, die Wohnung zu verlassen, nicht folgte, mit Gewalt hinausbefördern wollte, zog Ernst plötzlich einen Revolver hervor und gab zwei Schüsse auf St. ab, die beide trafen. Eine Kugel war Stapf in die Brust gedrungen und hatte die Lunge verletzt, das zweite Geschotz drang ihm in das Gesicht. Der Ge- troffene vermochte noch hilferufend auf die Stratze zu laufen, brach dann aber besinnungslos zusammen. Der Täter richtete dann die Waffe gegen sich selbst und schotz sich eine Kugel in den Unterleib. Beide Männer sind so schwer verletzt, datz an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Sie wurden nach dem Pankower Krankenhause gebracht. Zwei Kinder durch Wafferschicrling vergiftet. Einem bedauer- lichen Unglücksfalle, der zu äutzerstcr Vorsicht mahnt, sind zwei Kinderleben zum Opfer gefallen. Als zwei sechsjährige Mädchen, Töchter des Schiffbauers Kliche und des Maurers Lntter aus Ketzin, auf der Kämmereiwiese an der Havel spielten, fanden sie im Wasser eine grotze Wurzel, an der die Kleinen knabberten. Als nach ge- raumer Zeit Frau K. nach ihrer Tochter sah, fand sie das Kind be- täubt am Torweg auf dem Bauche liegend auf. Nicht weit davon lag die kleine Lulter, die ebenfalls das Bewutzlsein fast verloren halte. Die Mädchen wurden sofort zu Bett gebracht. Als sich bei beiden Krämpfe, Fieber und Erbrechen einstellte, wurde ein Arzt be- nachrichtigt. Als dieser eintraf, konnte er leider nur noch den bereits eingetretenen Tod der beiden Kinder, der auf Vergiftung durch Wasserschierling zurückzuführen ist, feststellen. Die Kleinen halten Schierlingswurzel gegessen._ Todcssturz aus dem Zuge. Die Frau des in Köpenick wohnenden Bahnwärters Lockstädt befand sich vorgestern mit ihrem vierjährigen Sohn auf der Fahrt nach Homburg v. d. Höhe, um Verwandte zu besuchen. Kurz vor Fürstenwalde sprang plötzlich die Abteiltür aus bisher unbekannter Ursache auf und der kleine Knabe, der dicht an der Tür stand, stürzte aus dem fahrenden Zuge. Der Zug wurde sofort zum Stehen gebracht und der Bahnkörper abgesucht. Man fand den Kleinen mit einer klaffenden Kopfverletzung besinnungslos auf. In Fürstenwalde wurde der Knabe nach dem Krankenhause ge- bracht, wo er bald darauf an den Folgen des erlittenen Schädel- bruches starb. fromme Diebe. Auf raffinierte Weise werden Angehörige von Verstorbenen bei ihren Jriedhofsbesuchen bestohlen. Die Angehörigen bemerken plötzlich in der Nähe des. Grabes, an dem sie weilen, einen leid- tragenden Mann, der an einem anderen Grabe in tiefem Gebet versunken ist und sich später schluchzend von der Stelle seiner Trauer entfernt. Im Vorbeigehen tritt er an die Begräbnisstätte heran, wo die trauernde Witwe oder Mutter sich noch aufhält und beginnt mit derselben ein Gespräch. Entfernen sich dann die Angehörigen, um vom nahen Brunnen Wasser zu holen, so benutzt der Dieb diesen Augenblick, un� die an dein Eisengitter angehängte Handtasche zu plündern.— So wurden in der Osterwoche in zahlreichen Fried- Höfen Grotz-Verlins, besonders auf dem Zwölf-Apostel-Kirchhof und Matthäi-Kirchhof derartige Diebstähle festgestellt. Am ersten Oster- feiertag gelang es auf dem Zwölf-Apostel-Friedhof einer Witwe, einen der Taschendiebe dabei abzufassen und festnehme» zu lassen. Auf dem Schönederger Polizeipräsidium wurde der Bursche als der Arbeiter Friedrich Appel aus Nowawes, Waldstr. 59, festgestellt. Bei ihm wurden u. a. zwei goldene Damenuhren, Nr. 37 339 und 149 917 sowie eine Stahluhr, Nr. 33, eine große Anzahl goldener Ringe mit Juwelen besetzt, silberne Portemonnaies, ein silbernes Kettenarm- band, Geldbörsen, Trauringe �usw., gefunden. Geschädigte wollen sich auf Zimmer 293 bei der Schöneberger Kriminalpolizei melden. Schwer verunglückt ist beim Besteigen eines Straßenbahnwagens während der Fahrt der 28 Jahre alte Kaufmann Rückert. Er ver- suchte gestern morgen gegen s/i8 Uhr an der Ecke der Berliner und Ordensmeisterstratze in Tempelhof den Vorderperron eines in der Richtung nach Berlin jährenden Straßenbahnwagens der Linie 73 zu besteigen, glitt ab und stürzte, wobei er sich einen Bruch des rechten Oberschenkels zuzog. Der Verunglückte fand im Garnison« lazarett Tempelhof Aufnahme. Großfeuer kam am Dienstagmittag in dem Wohnhause Brunowstr. 8 in Tegel aus noch unermittelter Ursache, vermutlich infolge Brandstiftung zum Ausbruch. Als die Gefahr bemerkt wurde, stand der Dachstuhl des großen Wohnhauses schon in großer Ausdehnung in Flammen. Die Flammen waren weithin sichtbar, weshalb die Feuerwehren der A. Borsigschen Maschinenfabrik, von Reinickendorf-Ost und-West der Tegeler Ortswehr zur Hilfe eilten. Auch die Berliner Wehr entsandte einen Automobillöschzug. Ucbcr die Treppen und die Dächer der Nachbarhäuser, sowie über vier Maschinenleitern griffen die Wehren mit sechs Schlauchleitungen an. Erst nach mehrstündiger Löscharbeit war die Macht des entfesselten Elements gebrochen. Der Dachstuhl konnte nicht mehr gerettet werden. Er brannte zum größten Teil nieder. Die Wohnungen haben zum kleinen Teil durch Wasser gelitten. Erst gegen Abend konnten die Wehren wieder abrücken. Tie Direktion des Sportparks Treptow hatte zum Ostersonn» tage ein Radrennen ausgeschrieben, das ausschließlich von Tauer- fahrcrn bestritten wurde. Wie in allen Berufen hat auch unter den Rennfahrern der Krieg erheblich die Reihen gelichtet. Die Radrennfreunde müssen sich daher— vorläufig wenigstens— mit zweiten und dritten Garnituren begnügen. In einem 19-KUa- meter-Rennen der L-Ktasse siegte Tech m er, ihm folgten in einem Abstände von 279 und 649 Meter Kuschkow und Weise. Im 29-Kilometer-Rennen derselben Klasse ging Kuschkow als erster durchs Ziel. Techmer und Weise lagen 199 und 599 Meter zurück. Zu recht spannenden Kämpfen zwischen Lewanow und Bauer kam es in den drei Läufen über 19, 29 und 39 Kilometer der �.-Klasse. In allen drei Rennen riß Lewanow dank der Geschicklichkeit seines Motorfahrers Geppert die Führung an sich und wehrte alle Angriffsversuche Bauers, der dabei wiederholt ins Schwimmen kam, erfolgreich ab. Przyrembel und Pawte begnügten sich mit einer Statistenrolle und lagen in allen drei Läusen weit zurück. Im ersten Lauf über 19 Kilometer gelang es Bauer, sich bis auf o Meter heranzuarbeiten, im zweiten Laus über 29 Kilometer blieb er 1ö9 Meter hinter Lewanow zurück und im Osterpreis über 39 Kilometer betrug sein Abstand infolge eines Raddefektes 629 Meter. Die Berliner Feuerwehr wurde an den Osterfeiertagen nur einige Male alarmierl. Einmal böswilligerweise nach der RüderSdorfcr Straße 63. Der Täler ist entkommen. Der 1. Löschzug Hatto in der Brandcnburgstr. 32 zu luv, wo am 1. Feiertage abends gegen 7 Uhr in einer Trahlnetziabrik außer der Dachstuhlkoustruktion noch Pappschachteln, Regale, Schaldccken. Fußböden usw. brannten. In der Brückenstr. 1 war aus einer schadhaften Liühlanlage Schwefel ausgeströmt. Es gelang der Feuerwehr die Gefahr zu beseitigen. Wegen einer Gasvergiftung wurde die Webr nach der Neuen Friedrichstr. 59 gerufen. Leider zu spät; der Tod war schon ein- getreten. Ferner halte die Wehr noch in der Potsdamer Str. 113«. zu tun, wo eine Person aus einem Fahrstuhl herausgeholt werden mutzte. Wobnungsbrändc mutzten in der Oppelner Str. 3, Pappel- allee 76, Putbuser Str. 13 und anderen Stellen gelöscht werden. Gesperrt. Das Polizeipräsidium teilt mit: Die Potsdamer Strotze auf der Strecke von der Lützowstratze bis zur südlichen Rampe der Potsdamer Brücke wird wegen Gleisarbeitcn für die Zeit vom 26. April an auf ungefähr sechs Wochen für den allgemeinen Fahr- verkehr, mit Ausnahme der Omnibusse, gesperrt. Mus den Gemeinöen. Kriegsmaflnahmc» der Gemeinde Steglitz. Unter diesem Titel hat der Gemeindevorstand auf Anregung aus der Gemeindevertretung eine inleressante Uebersicht für die Zeit vom Kriegsbcginn bis zum Jahresschluß 1915 aufgestelll und den Gemcindeverordrieteu zugehen lassen. Aus dem reichen, mit Tabellen und Kurventafeln versehenen Material seien hier einige Zahlen mitgeteilt. An Reichs- und Kreisunterstützung an die Angehörigen der Kriegsteilnehmer wurden in den 17 Berichtsmonaten gezahlt 2 867 359 M., nebst 654 542 M. Mietkbeihilsen aus Ge- meindemitteln.(Zurzeit erfordern die Mietsbeihilfcn monatlich rund 75 999 M.> Die Arbeitslosenunterstützung betrug 19 999 M., während die Fannlienunterstützung rund 76 999 M. beanspruchte. Der Ausschuß für Liebesgaben verausgabte 39 174 M. Zur Ein- richtung eines Lazarettzuges— der bei 11 Reisen 2719 Verwundete in die Heimat beförderte— wurden anteilig 13 999 M. aufgewendet. In den Nähstubcn der Gemeinde wurden 85 099 M. an Arbeitslöhnen ausgezahlt. Die beiden Kriegsvolksküchen verabfolgten 253 738 Portionen Essen, davon 93 242 unentgeltlich. In den Ge- meindeverkaufsstellen wurden für rund 559 999 M. Lebensmittel um- gesetzt, nicht eingerechnet 13 999 Zentner Kartoffeln; außerdem wurden für 113 999 M. Futtermittel abgegeben und 93826 Zentner Mehl verteilt im ungefähren Werte von 1 859 999 M. Der Arbeits- »achweis verniittelte 3879(1659 männlichen, 2219 weiblichen) Per- sonen Beschäftigung. Dem Ausschutz für Kriegsbeschädigteilfürsorge wurden 69 Beschädigte überwiesen, die fast alle in zufriedenstellender Weise untergebracht wurden. Von der Mutterberatungsstelle und Säuglingsfürsorge wird ohne Zahlenangabe»stetig steigende In- anspruchnahme" berichtet. Zum Schluß sei noch registriert, datz durch öffentliche Sammlungen an barem Gelde 133 999 M. zu Kriegswohlfahrtszwecken aufgebracht und datz in der Berichtszert Kriegskredite in Höhe von 1399 999 M. bereitgestellt wurden. Gerichtszeitung. Polizeistunde und Pachtvertrag. Wenn der vertragsmäßige Gebranch einer ge- mieteten oder gepachteten Sache dem Mieter bezw. Pächter durch einen nicht in seiner Person liegenden Umstand ganz oder teilweise entzogen wird, so kann er den Mict- bezw. Pachtvertrag ohne Einhaltung einer Frist kündigen (KZ 342, 581 BGB.). Dieser Fall liegt, wie das Reichs- gcricht in einer jetzt veröffentlichten Entscheidung vom 15. Fe- bruar entschieden hat, vor, wenn der Pächter einer Nacht- Wirtschaft durch die frühere Festsetzung der Polizei- st u n d e infolge des Krieges der Betrieb seiner Wirtschaft wesentlich beschränkt wird. Die Folgen dieser polizeilichen Kriegsmaßnahme treffen hiernach also nicht den Pächter. sondern den Verpächter. Die Entscheidung betraf folgenden Sachverhalt; Ein" Verlagsbuchhändler verpachtete durch Vertrag vom 17. Januar 1912 Räume seines Grundstücks in Nürnberg den Gastwirtseheleuten B. zum Betriebe einer Weinwirtschast, die als sogenanntes Nachtlokal(.Bar*) betrieben wurde und Verlängerung der Polizeistunde an drei Tagen der Woche bis 2 Uhr, an vier Tagen bis 5 Uhr morgens hatte. Nach Kriegsausbruch wurde die Polizei st un de in Nürnberg allgemein aus 12 Uhr fe st gefetzt und damit der Nachtbetrieb zum großen Teile unmöglich gemacht. Die Eheleute B. kündigten im September 1914 den Pachtvertrag ohne Einhaltung einer Frist. Der Ver- Pächter R. bestritt die Rechtmäßigkeit der-Kündigung und klagte auf Zahlung der fälligen Pachtzinsraten. Während das Landgericht Nürnberg die Klage ablvies, v e r u r t e i l t e das Ober« landeSgericht Nürnberg die beklagten Eheleute zur Zahlung der Pachtzins- raten. Auf die hiergegen eingelegte Revision hat aber daßReichS« g e r i ch t das oberlandesgerichtliche Urteil aus» gehoben und in Uebercinstimmung mit dem Landgericht die Klage abgewiesen. Die Enlscheidungsgründe des höchsten Gerichtshofs führen aus: Das OberlandeSgericht stellt fest, daß die verpachteten Räume mit Einrichtung nach dem überein- stimmenden Willen beider Parteien zum Betriebe einer Nacht- Wirtschaft verpachtet und die Haupleinnahmen bei geringem Tages« betrieb in der Zeit von 11 Uhr nachts an eingegangen seien. Gleichwohl erklärt es die Kündigung nach§ 542 BGB. für unbegründet, tveil der Kläger die Räume in einem zum Betriebe einer Nachiwirtichaft geeigneten Zustande übergebe» und erhalten, jede Störung unterlassen, eine Gewähr dafür aber, datz die Polizei den Beirieb in der bisherigen Weise bis 2 und 6 Uhr morgens gestalte, nicht übernommen habe. Auch§ 537 BGB. sei nicht anwendbar, weil die Festsetzung der Polizeistunde allgemein und wegen des Krieges, nicht wegen der Beschaffenheit der Räume oder wegen der örtlichen Lage erfolgt sei, also nicht ein Fehler der Sache vorliege, eine Zusicherung aber nicht erteilt worden sei. Diese Ausführungen stehen in Widerspruch mit den Grundsätzen, die das Reicksgerickit in seinem Urteil vom 9. November 1915 ausge- sprochen hat. Der Verpächter ist verpflichtet, dem Pächter den Ge« brauch deS gepachteten Gegenstandes und den Genutz der Früchte während der Pachtzeit zu gewähren. AZaren die WirtschaftSräume für den Nachtbetrieb bestimmt und unter LZereinbarung einer dieser Art des Betriebes entsprechenden hohen Vergütung zu einem solchen Be� trieb verpachtet worden, dann bestand der vcrlragSmätzige Gebrauch «K 342 BGB.) in der Benutzung als Nachtwirtschaft, und es handelte nch hier nicht um den tatsächlichen Umfang deS FruchlbezugS, für den der Verpächter nicht haftet, sondern um die Möglichkeit der Frucht- ziehung durch den Pachtgegensland, wenn durch die Festsetzung der Polizeistunde auf IL Uhr der Nachtbetrieb, wenn nicht unmöglich gemacht, so doch in einer Weise beeinträchtigt wurde, datz man von einem Nachtbetrieb im gewöhnlichen Sinne und auch im Sinne de-Z Vertrags nicht mehr sprechen kann. Wenn auch die Zeit von kl bis 12 Uhr für den Nachtbetrieb frei blieb, so war er doch in der Hauptsache unmöglich geworden, und man darf auch davon ausgehen, datz Personen, die solche Wirt ichasten nach U Uhr aufzusuchen pflegen, von einem Besuche ab' sehen, wenn sie wissen, datz der Betrieb fchon um 12 Uhr geschlossen werden mutz. Die Festsetzung der Polizeistunde auf 12 Uhr traf daher auch nicht nur die Person des Pächters)§ 552 BGB), sondern den Pachtgegenstand selbst in seiner Eigenschaft als Nachtwirtschafl. Damit war, wenn auch ohne Verschulden des Verpächters, der ver- rragsmätzige Gebrauch des Pachtgegenstandes, mindestens zum qrotzen Teile, dem Pä-hter entzogen, und die Kündigung nach ßß 542, 581 BGB. wirksam.(Aktenzeichen: III. 533/15.) Scheinheiliger„Patriotismus". Berechtigten Unwillen erregte gestern bei der 5. Straf- kammer des Landgerichts ein Schreiben, durch welches ein wegen Unterschlagung verurteilter Angeklagter die Vertagung deS Berufungstermins durchzuführen versuchte. Der nichterschienene Angeklagte, ein österreichischer Staats- ongeböriger, hatte dem Gericht folgenden Herzensergutz übermittelt: .Ich bin vollständig kaput und unglücklich und rufe dem hohen Ge- nchtshof zu: rettet mich! Ich möchte in den Krieg ziehen, um unsere Feinde, die verfluchten Strolche, klein zu machen, aber leider ist mir als Bundesgenosse nicht vergönnt, dies mitzumachen, da ich leidend bin. O, wie gern würde ich hinziehen! Ich habe mit meinem Ge- schäft Pech— wie kommt da»? Warum habe ich nicht Glück? Ich möchte den Krieg in drei Tagen beenden wollen und die deutsche Macht soll sich nicht so viel plagen. Wir kämpfen treu zusammen bis zum letzten Tropfen Blut, aber wir siegen!" Der gute Mann wird es nun wohl wieder als sein besonderes Pech bewachten, datz das Gericht dieses Schreiben— das ein Beisitzer mit den Worten: .man merkt die Absicht und wird verstimmt", begleitete— nicht als genügende Entschuldiaung ansah, sondern die Berufung des Angeklagten verwarf.~__ Mus Jnöustrie und Handel. und Der Weberei in Gefchästsbericht Kriegsgewinne. Die Deutsche Jute-Spinnerei Meißen verteilt wieder 20 Proz. Dividende. führt u. a. aus: „Das trotz des beschränkten Betriebe? gute Ergebnis dieses Kriegsjahres ist darauf zurückzuführen, datz die Vorräte am 31. Dezember 1814 sehr niedrig bewertet waren und datz die Fabrilate zu den Tagespreisen im Laufe des JahreS 1915 abgesetzt werden konnten." Die Mechanische Weberei zu Linden erhöhte ihren Rein- gewinn von 1 auf!>/, Million und verdreifachte ihre Dividende von 5 auf 15 Proz. Die Ceres, Akt.- Ges. für chemische Produkte vorm. Tb. Pyrkosch in Berlin, kann ihren Aktionären, die im Vor- jähre dividendenloS blieben, 8 Proz. Dividende zahlen. Sie erhöhte den Bruttogewinn von 127 000 auf 496 000 M., die Abschreibungen von 102 000 auf 257 000 M. Die Deutsche Eisenhandel-Akt.>Ges. steigert ihre Dividende von 6 auf 8 Proz. Bei der Bensberg-GIadbacher Bergwerks« und Hütten-Akt.- Ges.„BerzeliuZ" stieg der Reingewinn von 1 202 059 auf 1685 841 M. Der AussichtSrat schlägt eine Erhöhung der Dividende von 10 auf 14 Proz. vor. Die Wittener Glashütten, Akt.-Gef. in Witten an der Ruhr, erhöhen ihre Dividende von 4 auf 6 Proz. Die Herm. Löhnert-Akt.»Ges. in Bromberg verdoppelt ihre Dividende von 4 auf 8 Proz. Mus aller Welt. Ein Hund als Erbe. Dieser Tage ist in London daS Testament der am 8. Januar dieses Jahres in New Jork verstorbenen Tragödin Ada Rehan eröffnet worden, und dabei hat sich herausgestellt, datz einer ihrer Haupterben ihr Hund„RoSby" ist. Rosby soll achtzigtausend Mark ausgezahlt erhalten! davon soll eine alte Dienerin der Tragödin seinen Lebensunterhalt bestreiten und ihm ein angenehmes Leben bereiten. Eine Freundin der Ver- norbenen, Lady Barrington, wird gebeten, von London nach New Pork zu reisen, wenn RoSby einmal krank werden sollte, und ihn so lange wie nötig zu betreuen. Ein gutes Andenken hat sich die verstorbene Schauspielerin mit dieser schrullenhaften TestamentZbestimmung sicherlich nicht verschafft. Folgen der Fleischnot. Die Errichtung einer städti- schen Schweinemästerei ist in Brandenburg a. H. von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden. Die 'tädtischen Körperschaften von Beelitz bähen zu dem gleichen .Zwecke an die Landesversichcrungsanstalt für die Beelitzer Heil- statte ein größeres Jorstgelänide auf mehrere Jahre verpachtet. Wolkenbruchschäden in Budapest. In Budapest entlud sich am zweiten Feierlag ein Wolkenbruch, der mehrere tausend Kronen Schaden anrichtete. Längere Zeit stockte fast der gesamte Verkehr. An tiefer gelegenen Teilen der Stadt setzte das Wasier eine ganze Anzahl Kellerwohnungen, Lagerräume und einstöckige Häuser völlig unter Wasser. An mehreren Stellen stürzten Brandmauern ein. Während des ganzen Nachmittags mutzten Wohnungen geräumt werden. Mehrere Mietshäuser und öffentliche Lokale blieben den ganzen Abend ohne elektrische Beleuchtung, da die Leitungen stark beschädigt waren. Verluste an Menschenleben sind nicht zu be- klagen. Der Pariser Militärbefrciungsprozeß. Das Pariser Kriegs- geeicht fällte am Montag das Urteil in einem Prozesse, in den mehrere Militärärzte sowie Zivilpersonen verwickelt waren unter der Beschuldigung, Soldaten vom Militärdienst b e- freit zu haben. Das Gericht verurteilte die Hauptangeklagten Dr. Lombard zu zehn Jahren Zwangsarbeit und 3000 Frank Geldstrafe, Dr. Laborde zu fünf Jahren Ge- fängnis, Karfunkel zu fünf Jahren Gefängnis und 4000 Frank Geldstrafe, 40 weitere Angeklagte, in der Mehrzahl Soldaten, die betrügerischerweise vom Militärdienst befreit worden waren, wurden zu Strafen von sechs Monaten bis zu drei Jahren Gefängnis und zu Geldstrafen von 500 bis zu 10000 Frank ver- urteilt. Vier Angeklagte wurden freigesprochen. parteiveranftaltungen. 2. Wahlkreis. Zu dcm heute abend 8 Uhr im Saale der Rrheiter' blldunflSschule, Lindenslr. ü. slaltfindenden Uichtbildervorlrag„Eine Reise durch die Ballanstaaten- sind noch Einlabkarlen a 20 Pf. zu haben bei Schmidt, ZeilungSsPedilion, Närwaldstratze 42, sowie abends am Saal- eingang._ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. M ariendorf. Donnerstag, den 27. April, nachmittags 5 Uhr, im Sitzungssaale des Rathauses, Kailerstratze. Tiefe Sitzungen smv Ssfcntlich. Jever EemeindcangehSrige ist be- rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Sriefkasten üer Reöaktion. T. 5l. 95. Sie muffen sich zunächst vom Sohn noch einmal den Unterflützungsschein schicken lassen und dann Autrag aus Unterstützung bei der Steuerkasse stellen.— W. R., Waldstr. 31. Die Kündigung des Hauswirts ist rechtsverbindlich. Die Kricgersrau ist verpflichtet, am 1. Oktober die Wohnung zu räumen. Daß der Wirt vervflichlcl sein sollte, den Umzug zu bezahlen oder eine neue Wohnung für die Kricgersrau zu mielen, ist unzutreffend.— N. K. 2. Wenn die Mitgliedschaft bei der Betriebskrankenkasse nicht sortgesetzt worden ist, haben Sie keinen Anspruch aus Krankengeld.— 2l. T. Wenn der Nachweis erbracht werden kann, dah die angegebene Summe an den Hhpoihekengiäubiger bereits gezahU ist, so werden Sie die jetzt noch bestehende Schuld von nur 800 M. anerkennen müssen. — O. M. IVO. 1. Da Sie im Wochenlohn stehen, haben Sie Anspruch auf Bezahlung der Feiertage, wenn nicht extra vereinbart ist, daß für die Feiertage kein Lohn gezahlt wird. 2. Ja.— B. D. 22. Die Kranken- lasse wird in diesem Falle mit Recht die Leistung verweigern können. Wenn Sie ober Krieg eAau sind, haben Sie Anspruch aus die Reiffs« wochenhilse, die Ihnen die Krankenkasse gewähren mutz. Tie Invaliden- Versicherung hat mit der Sache nichts zu tun.— Stein 36. 1. Ja, die Ehescheidungsllage müsite wegen böswilligen Verlassens eingereicht werden. 2. Ja. 3. Nein.— Wilhelm Stenzel nebst setner Gemahlin Anna Stenzel Q. Derlin-Schöneberg, Kriemhild-© IAHl Verb. ISehneider, Schneiderinnen n. Wäschearbeiter Dentschlands. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Herren- Maßschneider, Kollege ssriellried kisedere!! (geb. 20, 1. 1864) am 24. April 1916 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Domierstag. den 27. Aprll 1916, nachm. 4 Uhr, von der Leichen- halle des Simeons-KirchhofeS in Britz, Germaniastraße, aus statt. 168/1 Die Ortsverwaltung. Verband der freien Gast- nnd Schankwirte Dentscblands Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Mols GSrlich Rammten er Str. 47, Bezirk 4 am 22. April verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 26. April, nachmittags 4 Uhr, von der Hall« des Zentral-FriedhosS w Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Betelligung ersucht 74/1 Die Ortsverwaltung. Jtmuugskrankeukasse der Vereinigten Lackierer- Innung zu Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß am 18. April 1916 unser Rendant, Herr im\\ Mehring Felln erstraße 3 verstorben ist. 623B Ehre seine« Andenken! Der Borstand. Zentralyerband der Zimmerer Deiitschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 20. Den BerusSgenosscn zur Nach- richt, daß unser Mitglied Wilhelm �üsidee am 20. Aprll verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute nachmittag auf dem Neuköllner Friedhof, Marlendorfer Weg, statt. Um rege Betelligung ersucht 254/7 Der Vorstand. Zentralyerband der Lederarbeiter und-Arbelterinnen Dentschlands. Zahlstelle Berlin II. Nachruf. Am 7. Aprll verstarb unser Mitglied Bruno Exner Im 28. Lebensjahre au Lungentuberkulose. 133/5 Wir werden sew Andenke» stets In Ehre» hallen. Die OrtSverwaltnug. Deutscher Hetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mechaniker Karl Ottow Ackerstr. 171, am 16. April gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: 115/14 Die OrtSverwaltnng. Am 23. Aprll 1916 starb nach kurzer Kranlhell unerwartet die Austrägerin A Marths Bobzien, Sie war unS eine liebe, treue Mitarbeiterin, die ihre Arbelt mit größter Gewissenhastiglell erfüllte. Wir werden ihr ew ehrendes Andenken bewahren. »od. Gramenx und Frau. ZeitungSauZgabestelle.Vorwärts' Treptow. Die Bekanntmachung deS Oberkommandos in den Marken betresfend Bestandserhcbuna von Reißmaschinen tritt am 26. April 1916 in Kraft. Die vollständige amtliche Veröffentlichung dieser Bekanntmachung er« folgt an den Anschlagsäulen und in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlw, den 26. Aprll 1916. 164. I. Mtl. 16. II. Ang. TerPol izelpräfidcnt. iar Vermltlmgsstetle Kerlm. N 54, LmienSr. Telephon: Amt Norden 185. 1239. 1987, 9714. vurean geöffnet von 9 bis 1 Uhr nah von 4 bis 7 Uhr. Donnerstag, den 27. April 1916, abends 8 Uhr: Sraneben»Versammlung der eiektromonteure u. Reifer Groß-Berlins indenMufiker-Festsälen.Kaiser-Wilhelm-Str.ZIfHochzeitssaal) Tagesordnung: t Vortrag.— 2. Diskussion.— 3. Brauch enangeleg enheitc».— 4. BerbandSangelegenheite» und Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. 115/15»1« Ortsvom-altonx. Verwaltuns Berlin. Tel-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestraße 30. Sratiehett-Versammlungen: Bürsten- und Pinselmacher! Mittwoch, den 26. April 1916, abends 8 Uhr, bei Krngmann, Kl. Andreasstr. 10. Tagesordnung: 1. Der Vorschlag der Zentralkommisiion. 2. DtSkusfion über einen Tarif der 1. Städtegruppe. Lrsllede der Kistenmacher. Mittwoch, den 26. April 1916, abends 8'/. Uhr: Vertrauensmänner-Versammlung bei ftf. M i e cksch, Krantstr. 24. ßV Der wichtigen Tagesordnung wegen muff jede Werk- statt vertreten sein. 85/17- Die Branchenkomniisslon. b a v a T s s J Ohne jede Anzahlung Pianos er» tkl» s s i g e g PabriVat vielfach pr&milert u.&. Berliner Gewerbe- Ausstellung 1898 Berliner Musik-Fachausstellung 1906 gegen kleine monstl. Teilzahlung. Für jedes Instrument gewShre ich langjährige Garantie, js Conrad Krause Mehfg.,! Anch Sonntage geöffnet! ZÄ einer Leibbinde? Sämtliche Systeme em Lager resp. nach Maßanfertigung sowie Bruchbandagen f" Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., Lothringer Str. 60.* Lieferant für Krankenkassen. 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