Ar. UF.-33. Jahrg. Abonnements-Bedingungen; •Oonnememä■ Preis ptönumetanb« «WÖfliä�L 3,90 Ml. monaü. 130 Ml. W(l) entlief) 30 Psg, frei WS Hau». «injelne Nummer 5 Pfg. Sonntag»» nummet mit illustrierter Sonntags» Betlage.Die Neue©eil- 10 Big, Post. Wonncment: 130 Marl pro Monat. «mzetragen in die Post»Zeitung»» xretsliste. Unter Kreuzband für *e>itschland und Oesterreich• Ungarn «0 ailurt, für da» übrige Ausland . Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an Belgien. Dänemark volland. Italien, Luxemburg. Portugal, «Mumien. Schweden und die Echwet� � 5 Pffen�ig) Die Inlcrtions-Gebfiör beträgt für die sechsyesvaltene Kolonet- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- vnd Versammlung�- Anzeigen L0 Pfg. Kleine ZZn-eigen". da» settgedruckre Won 20 Pfg.(zu'.ässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes wettere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen rür zwei Worte. Inserate für die nächste Rümmer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition »bgegebcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Crfäclot tZgNch. Vevlinev VolUsltlctkk. Zcntralorqan äer rozialdcmokratifcbcn parte» Deutfcblands. Delegramm-Adresse: �oziaidciuolirat lierlta", KedoFtioa; EW. HS, Linöenstraße 3. ,>ernivrechcr: Amt Morivplatt. Nr.»S» 90—»5» S7. Donnerstag, den 547. April 1910. Expedition: EW. HS, Linüenstraße 3. Merniprecher: Amt Morit-vla«, Nr. 151 SO—»»1. 97. 3n ernster Stunde. Von Ed. B e r n st e i n. Die öeutsche /lntwort an Amerika. Die.Köln. Ztg.' meldet aus Berlin: Heber die deutsche Antwort auf die amerikanische Note wird der Die amerikanische Note hat die deutsche Reichsrcgierung Ocffcntlichkcit kaum vor Ablauf dieser Woche elwas bekannt- vor eine folgenschwere Entscheidung gestellt. Daß man sich\ gegeben werden lönnen. Es ist bei einer Entscheidung, von der in maßgebenden Kreisen dessen bewußt ist, geht aus vielen � man obne Uebertreibung sagen kann, daß sie zu den folgen- Anzeichen hervor, von denen nur die Reise des Reichskanzlers � schwersten gehört, die in diesem Kriege zn treffen waren- ins Hauptquartier erwähnt zu werden braucht. Aber auch selbstverständlich, daß man das Für und Wider reiflich er- andere Kreise rühren sich >. in dieser Eache, um in der einen: wägt und nichts übereilt. Was unsere Teoner erhoffen, das lasten oder anderen Richtung auf den Gang der Ereignisse einzu wirken. Politische Persönlichkeiten oder Gruppen suchen ihren Einfluß ans die Reichsregierung im Sinne einer Entscheidung spielen zu lassen, die ihren bezüglichen Anschauungen oder Interessen entspricht. Gegen letzteres läßt sich grundsätzlich nichts einwenden, insofern es loyal und allgemein geschieht. Es handelt sich um eine s�rage, die für das Wohl und die Zukunft des deutschen Volkes von großer Bedeutung werden kann. Und da ent- spricht es unseren demokratischen Grundsätzen, daß hierbei die Wünsche aller Kreise des deutschen Volkes zur Geltung kommen. In solcher Situation ist es Bürgerpflicht jeder Gruppe von einiger Bedeutung, die Reichsregierung über ihre Auffassung der Sachlage und des durch sie Gebotenen nicht in Zweifel zu lassen. Denn Zurückbleiben kann die Wirkung haben, über Art und Gewicht der Stimmen irrigen Vor- stellungen Vorschub zu leisten. Ten demokratischen Grundsätzen entspräche es ferner, daß diese Kundgebung der Meinungen rückhaltlos und in aller Oeffentlichkeit geschähe. Indes ist das eine Frage, über die andere zn befinden haben. Die Verhältnisse legen uns hier eine Zurückhaltung auf, die zu beobachten der Ernst der Situation gebietet. Nur einige allgemeine Bemerkungen, die sich auf die grundsätzliche Ausfassung der Sozialdemokratie be- zieh en, seien mir an dieser Stelle gestattet. Die Frage, welche den Gegenstand der amerikanischen Note bildet, bat auch die Ncichstagsmitglieder der Sozial- demokratie in letzter Zeit beschäftigt. Es geschah dies aus Anlaß jener Petitionen über den Unterseebootskricg, die in der ReichstagSsitzung vom 6. April d. I. durch Annahme einer Kompromißresolution ihre vorläufige Erledigung gefunden haben. Vorläufig insofern, als-ben durch die amerikanische Note die Frage aufs neue zur Prüfung gestellt worden ist. Die Kompromißresolution hat nun die Eigenschaft, daß sie einer weitgehenden Auslegung fähig ist. Es hatte sich das schon bei ihrer Beratung in der Budgetkommission gezeigt, und es trat in der Sitzung des Reichstags vom 6. April im Plenum dadurch in die Erscheinung, daß Vertreter mit so auseinandergehenden Weltauffassungen wie Konservative von der Färbung der Herren Ocrtcl und Graf Westarp, National- liberale vom Schlage Basscrmann ebenso für sie stimmten wie die Mehrheit der Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion. Jede Fraktion oder Gruppe legte das in sie hinein oder las das ans ihr heraus, was ihrer Auffassung von der Frage entsprach. Wie dem aber sei, jedenfalls gebieten die Umstände, so- weit die Sozialdemokratie in Betracht kommt, aller Zwei- deutigkeit ein Ende zu machen. Die Interessen der ar- beitenden Klassen Deutschlands erlauben es nicht, daß die Zustimmung sozialdemokratischer Vertreter zur Kompromißresolution eine Deutung erhält, als ob sie in dieser Frage die Politik unterstützten oder auch nur duldeten, die jrtzi wieder in der.Deutschen Tageszeitung" und ähnlichen Blättern verfochten wird. An solcher Deutung hat es nicht geicblt und wird es nicht fehlen. Daher sind Schritte erfoiderlich, dem endgültig vorzubeugen. Wie das geschehen kann, werden diejenigen selbst zu befinden haben, an welche dieser Mahnruf in erster Linie gerichtet ist. Aber er richtet sich nicht nur an die leitenden Zentralinslanzen. Er ergeht an alle körperschaftlichen Vertretungen der klassenbewußten Arbeiterschaft Deutschlands. Wir haben ein Interesse daran, die große trans- atlantische Republik nicht in feindlichen Gegensatz zu Deutschland kommen zu lasten. Rücken wir daher ohne Unterschied der Fraktionsslellung so deutlich wie nur möglich von denen ab. welche diese Frage mit der Leichtfertigkeit politischer Vabanque-Spieler behandeln und unterstützen wir nachhaltig und kraftvoll alle Bestrebungen, die darauf abzielen, zu ver> hindern, daß falsche Begriffe von Macht und Ehre Entschei- düngen herbeiführen helfen, die dem deutschen Volke und iveiterwirkend Europa zum größten Schaden gereichen. Es gibt Sitnationen, wo nur Mangel an moralischem Mut dazu gehört, trotzig auf seinem Schein zu beharren, aber der höchste moralische Wert dadurch bekundet wird, daß man der Stimme der Vernunft folgt. Cavsaut consules— mögen die Konsuln aus der Hut sernl bei aller Vorsicht die vorliegenden französischen und englischen Preß- stimmen erkennen: Sie hoffen auf eine ihnen günstige Wendung ihrer verlorenen Sache. Es liegt auf der Hand, daß die Männer- die über die deutsche Entscheidung beraten, auch diese feindlichen Erwariungen und jede Möglickkeit ihrer Erfüllung oder Nichterfüllung ebenso sorgfältig in Betrawt ziehen, wie alles, was Deutschland zur Durchführung seiner schweren Aufgabe nützt. Die üeutsch-amerikanischen Beziehungen. London, Lö. April.(T. U.) Die„Times" vernimmt aus New Aork unterm 24 April: Hier herrscht in Regierungs- kreiscn eine deutlich o p t i m i st i s che Auffassung über den Verlauf der Krisis bezüglich der deutsch-amerikanischen Be- zichungen. Tie Berichte ans der deutschen Hauptstadt sind von dem Geiste der Versöhnung getragen gegenüber den amerikanischen Forderungen. Zwischen Berlin und Washington hat man bereits einen Meinungsaustausch gepflogen, um das Terrain zu ebnen. Dies hat zur Folge gehabt, daß dem amerikanischen Botschafter in Berlin, G e r a r d, Befehl erteilt wurde, die deutsche Regierung über die Haltung der amerikanischen Regierung nicht im Zweifel zu lassen. Diese Haltung basiert auf dem Verlangen der Vereinigten Staaten, dem unmenschlichen Charaklcr des Unterseebootkrieges in seiner heutigen Form ein Ende zu bereiten. » Ncw Zock, 26. April.(T. U.) Die Montagmorgenblätter ent- halten Telegramme aus Berlin, die verinuten lasten, daß eine friedliche Lösung möglich sei; indessen wurden hier g e wisse militärische Vorbereitungen getroffen, die aber wohl größtenteils als Demonstration zu betrachten sind. Eine Anzahl Abgeordneter, die sonst der Kiiegspolilik des Prä- sidenten nicht zustimmlen, wurden mir Telegrammen von den Chan- vinisten und Ariiieln in den Jingo-Blätiern bombardier:. Einige von ihnen lasten deshalb in der Opposition gegen Wilson be- reits nach. „Eine Gelegenheit für Deutschlanü/ New Jork, 25. April.(Funkspruch vom Vcr- t r e t c r d e s W. T. B.) In einem„Eine Gelegen- heit für Deutschland" überschriebenen Leitartikel sagt „ E v e n i n g World": Wieder und wieder hat Deutsch- land unserer Regierung beteuert, daß seine rechtswidrige Unterscebootspolitik in dem den britischen Inseln benachbarten Kriegsgebict nur eine Folge der ungesetzlichen Bemühungen Englands sei. den deutschen Handel zu erdrosseln und das deutsche Volk auszuhungern. Im gegenwärtigen Augenblick. wo unser Land zum letzten Mal die Forderung stellt, daß diese Unterscebootspolitik beendet werde, sollte es scheinen, daß der Verstand der Deutschen ihnen den Weg diktieren sollte, der abgesehen davon, daß er die Freundschaft mit den Vereinigten Staaten aufrechterhielte, das deutsche Ansehen in den Äugen der ganzen zivilisierten Welt außer- ordentlich stärken würde. Wenn Deutschland jetzt erklären würde, daß es sich aus Rücksicht auf die Rechte der Amerikaner zur See und um die früher geltenden Grund- sätze des Völkerrechts unverletzt aufrechtzuerhalten, ent- schlössen hätte, den Unterseebootkrieg, so wie er jetzt geführt wird, aufzugeben und es der Ehre der Vereinigten Staaten über- ließe, das Völkerrecht und die Rechte des Handels unparteiisch und mit Gerechtigkeit gegen alle Kriegführenden aufrechtzuer- halten, wenn Deutschland bereit wäre, dies schnell und ohne Einschränkung zu tun. so könnte es damit etwas vollbringen, was ihm jetzt und in Zu- kunft mehr wert wäre, als die Zerstörung von tausend feindlichen Schiffen. Die englische Presse über Wilsons Note. London, 25. April.(23. T.©.). Die engli sch e P res s- der- herrlicht Wilsons Politik und feine Note.„Siine- schreiöt: Wilson hat niemals die Grundsätze verlassen, auf die er seine Politik gründete, und wir betonten wiederholt daß sie den höchsten und beständigsten Charakter haben. Sie sind dte Grundlagen, auf denen das ganze System der Völkerrechte beruht. daß alle zivilisierten Mächte »Daily News" schließen auf den Eintritt Amerikas in Der moralische Wert eines lich weder in England noch Times" rühmt die FolaeUchtigkeit und Beharrlichkeit mit denen Wilson seinen Grund- anschauungen treu blieb, seine Geduld. Das Blatt fahrt fort.- Wir hätten uns gewundert, wenn die amerikanische Presse das Vorgehen des Präsidenten nicht begrüßt hätte. Die amerikanische Preste fühlte, daß das Vorgehen im Interesse der Zivilisation und der Ehre Amerikas notwendig wurde. Wilson reämenigte sie mit Gründen, von denen wir stets sagten, daß sie im amerikanischen Volke Eindruck machen würden. Wir vertrauen fest, daß Wilson die Billigung und Unterstützung Amerikas finden wird, sowobl für das was er tat, als für das, was er tun wird.„Morningpost" schreibt: Man muß abwarten, was der Ausdruck über den Abbruch der diplo- matischen Beziehungen bedeutet. Er bedeutet nicht notwendig den Krieg, aber er kann zur Bildung einer Liga der Neutralen gegen den gemeinsamen Feind der Menschheit führen.»Daily Tele« g r a p h" schreibt: Man kann zwischen den Zeilen der Note lesen, der Erde so gut wie einig sind. ihren Leitartikel mit der Aussicht den Krieg. Das Blatt schreibt: solchen Bündnisses kann schwer« in Frankreich unterschätzt werden- Ebensowenig darf die materielle Wirkung des amerikanischen Ein« schreitenS gering eingeschätzt werde». Seine finanzielle und Wirt- schaftliche Stärke, seine Fähigkeit, dabei mitzuwirken, daß Deutsch- land in allen Punkten mit einer undurchbrechbaren Blockade umgeben wird, sowie das Freiwerden der in den amerikanischen Häsen liegenden deutschen Schiffe für die gemeinsamen Zwecke der Ver« bündeten würden Wilson in den Stand setzen, ohne daß er einen Soldaten und ein Schiff in Bewegung zu setzen braucht, die Dauer des Krieges und die Bedingungen des Frieden» in der mächtigsten Weise zu beeinflussen. Die Unabhängige Arbeiterpartei bejebließt eine energische§rieöenskampagne. London, 23. April.(W. T. B.) Die Unabhängige Arbeiterpartei hielt in N e w c a st l e ihre Jahr es- Versammlung ab. Der Abgeordnete I o w e i t sagte: Die Partei würde, wenn sie könnte, dem Krieg noch heute durch Verhandlungen ein Ende mache n. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an. die unter anderem besagt, daß der aus- führende Ausschuß mit allen Mitteln eine energische Kam- pagne für Beendigung des Krieges durch Friedensverhand- lniigen betreiben sollte. Der Abgeordnete S n o w d c n sagte: Die letzten Reden des Reichskanzlers härten gezeigt, daß jetzt nichts zwischen Deutschland und England stände, was das Opfer weiterer Menschenleben wert wäre. Dem»Lvkal-Anzeiger" wird aus Rotterdam am 26. April noch gemeldet: Die Verhandlungen de« ersten Tage» in der Konferenz der eng- lischen unabhängigen Arbeiterpartei in New Casile am Moniag wuiden ganz durch die Reden und Anträge gegen den Krieg ausgefüllt. Der Zlbgeordnete I o w e t t sagte in der Er« öffnungsrede, daß man jetzt im neunten Monat des zweiten Kriegs- jahres stehe, und es sei jetzt ebenso wenig wabrscheinlick. den Krieg dntch Waffengewalt zu beenden, wie vor einem Jahr:»Wir haben uns nie zum Kriege bekannt und tun es auch jetzt nicht. Wir würden ihn beute noch durch Verhandlungen beenden, ivenn wir könnten."(Heiter- keit und Beifall.) Der Abgeordnete fubr fort: Die Berant- wortlichkeit der Regierung habe sich ans immer weitere Gebiete ausgedehnt infolge des Krieges und erstreckte sich jetzt auf alle politischen, sozialen und wirlschaitlichen Angelegenheiten. Lloyd George sei der M i n t st e r für Zwang(Lautes Murren), er sei sogar soweit gegangen, das Beispiel der südafrikanischen Gold- minenmagnaten nachzuahmen, Männer aus England zu deportieren, ohne daß sie vorher vor einem richterlichen Urteil gestanden hätten.— Ein von dem Vorsitzenden eingebrachter Beschlußantrag berührt die Friedensfrage und erklärt, der Kongreß begrüße herzlich die Versuche der sozialisti- schen Kameraden in allen kriegführenden Ländern, die von ihren Regierungen erfahren wollen, unter welchen Be« dingungen die Regierungen zum Friedensschluß bereit seien. Der Veschlußantrag drängt darauf, daß die Ab- geordneten der Arbeiterpartei die eng'lische Regierung ausfordern. sich bereit zu erklären, den Frieden durch Verhandlungen zu sichern. Clifford Hallan führte aus, daß der jetzige Zeilpunkt besondets geeignet sei, um einen Frieden zustande zu bringen. Der Beschlußantrag wurde angenommen. Der Abgeordnete S n o w d e n sagte, daß die Geietzanträge zur allgemeinen Dienstpflicht, die in dieser Woche im Unterhaus eingebracht werden sollen, noch größeren Widerstand finden würden, als der erste Geiey« antrag für die Dienstpflicht der Unverheirateten. Eine Entschließung, die das Vorgehen der Parteigenossen Eline und Barker im Unter- Haus zugunsten der Dienstpflicht mißbilligt, wurde zurückgenommen. Ramsay Maedonald sagte aber dazu, daß die Arbeiter, die den Werbungsfeldzug unterstützt hätten, auch sür die Dienstpflicht die Verantwortung trügen. Ein anderer Antrag, der den Anschluß ge« werkichaftlich organisierter Arbeiter(Union) von neuem erwogen wissen wollte, wurde verworfen. /fach die Dritische Sozialistische Partei für öen ßrieüen. London, M. April.(W.T.B) In Salforb fand gestern die Jahresversammlung der britischen Sozia- listenpartei statt. Zwischen den beiden Gruppen der Arbeiter, der Kriegspartei und den Pazifisten, kam es zum Streit über die Zulassung der Presse. Dreißig von den anwesenden 150 Delegierten verließen unter der Führung von Hyndman die Versammlung. Die zurückbleibende sozialistische Partei nahm eine Resolution für eine sozialistische Friedenspropaganda an. Die ausscheidende Minderheit konsti- tuierte sich später als selbständige Orga- nisation. MW Ses trogen SWWtllets. Amtlich. G r o si c S Hauptquartier, deu 26. April lölö. iW. T. B.> westlicher Kriegsschauplatz. Südlich dcß Kanals Vau La Bassöe wurde der Angriff stürkerer englischer Abteilungen gegen von uns besetzte Sprengtrichtcr nach heftigem Nahkampf abgeschlagen. Ter Minenkricg wird von beiden Seiten mit Lebhaftigkeit fortgesetzt. Westlich von Givenchy-en-Gohelle besetzten wir die Trichter zweier gleichzeitig gesprengter deutscher und englischer Stollen, machten einige Gefangene und erbenteten ein Maschinengewehr. Erfolgreiche Patrouillen-Nnternehmungen«usererseitS fanden zwischen Bailly und Craonne statt. Ein erwarteter französischer Tcilangriff gegen deu Wald südwestlich von Pille-aux-Bois wurde abgeschlagen. Es sind 60 Franzosen gefangengenommen und ei» Maschinengewehr erbeutet. Auf der Höhe von Bauqoois, nordöstlich von Avocourt und östlich von„Toter Mann" waren Kämpfe mit Haud- granaten im Gange. Angriffsabsichten des FeindeS gegen unsere Gräben zwischen„Toter Manu" und Eaurettes- Wäldchen wurden erkannt und durch Fencr gegen die bereit- gestellten Truppen vereitelt. Oestlich der Maas entwickelte« die beiderseitigen Artillerien sehr lebhafte Tätigkeit. Nordöstlich von Celles fLogesen) brachte uns ein sorg- fältig vorbereiteter Angriff in Besitz der ersten und zweiten französischen Linie auf nnd vor der Höhe 542. Bis in den dritten Graben vorgedrungene klcinereÄbteilungen spreugteu dort zahlreiche Unterstände. Au nuverwundeten Gr- fangencn sind 84 Mann, an Beute 2 Maschinengewehre und ei« Mincnwerser eingebracht. Abgesehen von anderen Fliegernnternehmnugea belegte eins unser Flngzeuggeschwadcr östlich von Clermont den französischen Flughafen Brocoort und de» stark belegten Ort Jubecourt mit einer großen Zahl von Bombe». Zwei feindliche Flugzeuge sind über Flenry ssüdlich von Douanmout) und westlich davon im Lnftkampf abgeschossen. Deutsche SeereSlnftschiffe haben nachts die englischen BefestignngS» und Hafenanlagcn von London, Colchester fBlack Watcr) und RamSgate sowie den französischen Hafen nnd die großen englischen AnSbildnngSlager von Etaples angegriffen. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Front keine vefcutlichen Ereignisse. Ein deutsches Flugzeuggeschwader warf auSgiebig Bomben auf die Flugplätze von Dünaburg. Balkan-KriegSfchauplatz. Nicht! Neues. Oberste Heeresleitung. * Erfolgreiche Klotten- und Lustschiff- angriffe gegen üie englische Küste. Amtlich. B c r l i n, 26. April.(W. T. B.) Am 25. April mit Hellwerde» haben Teile unserer Hoch» sccstrcitkräfte die BefestigungSwerkc und militärisch wichtigen Sl»lagen von Great Barmouth und Lowestoft m i t gutem Er- Regierung unö Gewerkschaftsführer in Gnglanö. London, 26. April.(W. T. 23.) Routcrmeldung. A S- quith, Bonar Law und K i t ch e n e r hatten heute eine Konferenz mit einer Versammlung von Arbeiter- s ü h r e r n. die den allgemeinen Bund der Gewerkvereinc und die Eisenbahner. Bergleute und Transportarbeiter ver- traten. der französische Tagesbericht. Paris, 26. April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Dienstag nachmittag. Restlich der Maas griffen die Deutjchen gestern am Ende deS TageS nach heftiger Beschicsiung mehrmals die neuen Stellungen in der Gegend vom Toten Mann an. Nachdem die beiden ersten Versuche vollständig mißglückt waren, unternahm der Feind einen letzten Angriff unter starker Ver» Wendung von brennenden Flüssigkeiten. Durch das Sperrfeuer und unser Jnfantcriefeuer zum Stehen gebracht, wurden die Deutschen gezwungen, mit bedeutenden Verlusten in ihre Linien zurückzukehren. Heilige Artillericiätigkeit in der Gegend von Avocourt.-Im Laufe der Nacht versuchte der Feind ohne Erfolg, vorgeschobene Posten im Kernwerk von Avo- court aufzuheben. Oestlich der Maas ziemlich lebhafte Beschießung unserer ersten und zweiten Linien. Im Walde von Aprcmont Hand- granatcnkampf. In Lothringen zerstreuten wir eine starte feindliche Erkundungsnbteiluiig, die versuchte, einen unserer kleinen Posten östlich von Ncuvillcr anzugreifen. Flugwesen. Heute früh warf ein deutscher Flieger sechs Bomben auf Düukirchen, durch die eine Frau getötet und drei Männer verwundet wurden, der Sachschaden ist unbedeutend. Paris, 26. April.(W. T. B.) A m t I i ch e r B e r i ch t v o n D i c n S t a g abend. Stordlich von der Aisne haben unsere Truppen nach Artillerievorbereitung heute morgen den kleinen Wald südlich des Gehölzes von Buttes in der Gegend von Ville-au-BoiS eingenommen. In den Argonnen haben Schüsse unserer schweren Artillerie einen deutschen Posten vernichtet und etwa 56 Meter eine« feindlichen Graben« im Abschnitt von Four de Paris zerstört. Auf der Höhe 285 ließen die Deutschen Minen springen. Unser Sperrfeuer binderte deu Feind an der Besetzung des Trichters, an dessen Südrand wir uns einrichteten. Westlich von der Maas heftige Beschießung aus der Höhe 864 und in der Gegend von EsneS und CumiöreS. Oestlich von der Maas war der Tag verhältniSniäßig ruhig. Im Woevre-Gebiet sehr hef- tige Beschießung im Abschnitt von Moulainville. Keine Infanterie» tätigkeit im Laufe deS Tage«. Eine« unserer wciltragenden Ge- schütze beschoß wirkungsvoll den Bahnhof von Heudicourt. In Lothringen südöstlich von Badenweiler haben die Deutschen nach folge beschossen. Danach haben sie eine Gruppe feindlicher kleiner Kreuzer und Torpcdobootszerstörer unter Feuer genoinmcn. Auf einem der Kreuzer wurde ein schwerer Brand beobachtet, ein Torpedoboots- zerstörer und zwei feindliche Borposten- schiffe wurden versenkt. Eins der letzteren war der englische Fischdampfer„King Stephen", der, wie erinnerlich, sich seinerzeit weigerte, die Besatzung des in Seenot befindlichen deutschen Luftschiffes„l.. 19" zu retten. Tie Besatzung des Fischdampfers wurde gefangen ge- nommcn. Tie übrigen feindlichen Seestreitkräfte zogen sich zurück, auf unserer Seite keine Bcrluste. Alle Schiffe sind unbeschädigt zurückgekehrt. Gleichzeitig mit dem Vorstoß unserer Seestreitkräfte griff in der Nacht vom 24. zum 25. April ein Marine- Lu f t s ch i ff g e s ch w a d c r die östlichen Grafschaften Englands an. Es wurden Industrieanlagen vouCambridge u n d N o r w i ch, Bahnanlagen bei Lincolm, Batterien bei Winterton, JpSwich, N o r w i ch und H a rw i ch, sowie f ei u d- liche Vorpostenschiffe an der englischen Küste mit gutem Erfolg mit Bomben belegt. Trotz heftigster Beschießung sind sämtliche Lastschiffe auver- s e h r t in ihren HeimatShäfc» gelandet. Flugzeuge nnsercr Marine-Feldflieger-Abtellung in Flandern haben am 25. April frühmorgens die Hafen- anlagen, Befestigungen und den Flugplatz von D ü n- k i r ch e u wirkungsvoll mit Bomben belegt. Sie sind sämtlich unversehrt zurückgekehrt. Die bereits gemeldeten Borpostcngefechte vor der flandrischen Küste vom 24. April wurden am 25. April fortgesetzt. Dabei wurden durch unsere Seestreitkräfte ein englischer TorpedobootSzerstörer schwer beschädigt und ein Hilfsdampfer versenkt, dessen Besatzung gefangen nach Zeebrüggc eingebracht worden ist. Unsere Streitkräfte sind auch von diesen Unternehmungen unbeschädigt zurückgekehrt. Der Feind hat sich aus dem Gebiet der flandrischen Küste wieder zurückgezogen. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. »» * SA MkMW SeimoiWMW. Wien, 26. April.(W. T. B.) Amtlich wird verlautdart: Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Am Slldwestrande der Hochfläche von Dobrrdo kam es wieder zu heftigen Kämpfen. Oestlich. Selz war eS dem Feinde gelungen, in größerer Frontbrcite in unsere Stellung einzudringen, als er aber den Angriff fortsetzen wollte, schritten unsere Truppen zum Gegenangriff, jagten ihn bis in seine alten Gräben zurück und vertrieben ihn auch aus diesen in erbittertem Handgemenge. So- mit sind auch hier alle unsere ursprünglichen Stellungen in unserem Besitz. Elnhundcrtdreitzig Italiener wurden gefangen genommen. DaS Artilleriefeuer war an viele» Punkte» der küstrnländischcn Front sehr lebhaft. An der Kärntner Front war die Gefcchtstätigkcit gering. Am Col di Lana setzten unsere schweren Mörser ihr Feuer fort. Die Tätigkeit der feindlichen Artillerie hat nachgclaffcn. Im Suganaabschnittt räumten die Italiener alle ihre Stellungen zwischen Botto und Ronccgno, in denen viel Kriegs- Material gefunden wurde, und zogen sich nach Roncegno zurück. Der Stellvertreter des Chefs dcS Generalstabes, v. H o e f e r, Feldmarschallcutnant. heftiger Beschießung gegen mittag einen starken Angriff auf den Vorsprung unternommen, den unsere Linie bei Chapelolte bildet. Der Angriff wurde vollständig abgeschlagen. Einige Ab- teilungen des HshtdeS, die in einem Teile nordöstlich dieses Vorsprunges Fuß gefaßt hatten, wurden am Nach- mittag daraus zurückgeworfen und zum Teil durch unser Feuer vernichtet. Wir machten etlv» 56 Gefangene, darunter einen Offizier. Flugwesen. Bei VauquoiS wurde ein feindliches Flugzeug nach einem Luflkampf zur Landung in den feindlichen Linien ge- zwungen und durch unsere Artillerie vernichtet, in der Gegend von Verdun hat einer unserer Flieger einen deutschen verjagt und ab- geschossen. Dieser fiel auf dem Pfefferrücken 56 Meter von unseren Gräben entfernt herab. Ein driitcs Flugzeug de» Feinde« wurde durch einen unserer Flieger abgeschossen und fiel im Walde von Forge« berab. Schließlich stürzte ein Folkerapparat, der von einem unserer Flieger nächster Nähe abgeschossen war, senkrecht herab in der Gegend von Hattonchatel. In der Nacht vom 24. zum 25. April hat ein« unserer lenkbaren Lustschiffe zehn 15.5 Zentimeter-Bomben und sechs 22,6 Zentimeter- Bomben auf den Bahnhof von Conflans abgeworfen. Belgischer Bericht. Im Abschnitt von Dixmude sehr leb- haste Artillerietätigkcit. In der Nacht und am Morgen Ruhe auf der übrigen Front. Die englische Melöung. London, 25. April. sW. T. B.» A m t I i ch e r H e e r e« b e r i ch t. Der Feind ließ bei Fricourt und Souchez Minen springen; wir hatten keine Verluste. Wir beschossen feindliche.Stellungen nördlich von der Somine. Artillerietätigkeit zwischen Souchez und dem Kanal von La Bassee, ebenso im Abschnitte von Armentisre«, wo wir die Eisenbahnstationen von Eomincs und Warneton mit Granaten besckossen. Beträchtlickie Fliegertätigkeit am gestrigen Tage. Es fanden 28 Kämpfe statt. Einer unserer Beobachtungsflieger wurde hartnäckig angegriffen, alle Angriffe wurden abgeschlagen. Zwei feindliche Flugmaschinen fielen in die deutschen Linien herab. Die unsrigen lehrten alle wohlbehalten zurück. französisches flugzeug über tzollanü heruntergeschoffen. Blissingen, 26. April. sW. T. B.) Heute morgen gegen 6 Uhr wurde ein französischer Farman-Zweidecksr nach heftiger Beschießung durch die holländischen Küstenbatterien und Kriegsschiffe zum Landen gezwungen. Die Maschine ist schwer beschädigt. Der Zweidecker führte keine Bomben, hatte ein Maschinengewehr und war mit drahtloser Tele- graphie ausgerüstet. Die Bemannung, die aus einem Sergeanten al« Führer und einem Offizier bestand, wurde durch Marinetruppen gefangen genommen. Englische fliegertätigkeit. London. 26. April.(W. T. B.) Meldung des Rculerfchcn Bureau«. Die Admiralität macht bekannt: Am 23. früh wurde trotz ungünstigen Wetters von Flugzeugen der Flotte ein Bomben- angriff auf den feindlichen Aerodrom zu Diartc- kerke ausgeführt. Die Flugzeuge wurden heftig beschoiicn, aber sie sind alle unversehrt zurückgekehrt. Soweit man beobachte» konnte, wurden gute Resultate erzielt. Eine« unserer Kampsflugzeuge griff ein feindliches Flugzeug an und brachte es zum Niedergehen. Als man es zuletzt sah, befand es sich dicht am Boden und war nicht mehr zu regieren. Am Morgen de« 24. wurde ein neuer Angriff mit demselben Ziele in Verbindung mit Belgiern auögesührl. Eine große Zahl von Bomben wurde abgeworfen. Alle Flugzeuge wurden heftig beschossen, aber die britischen hatten keine Verluste. Die erzielten Resultate scheinen sehr gute gewesen zu sein. An dem- selben Tage, dem 24., griff ein britischer Aeroplan etwa 5 Meilen von Zeebrügge ein feindliches Wasserflugzeug an. Der feindliche Pilot wurde getötet, das Flugzeug fiel herab. Der feindliche Beobachter stürzte heraus, während das Flugzeug sich noch in einer Höhe von 3666 Fuß befand. Das Flugzeug fiel in« Meer und versank. Während der Operationen gegen das deutsche Schlachtkreuzergeschwader, daS am Morgen des 25. an der Ostküste erschien, wurden zwei Zeppeline durch Landflugzeuge der Flotte über 66 Meilen über See verfolgt. Bomben und Pfeile wurden abgeworfen, aber anscheinend ohne ernstliche Wirkung- Ein Aeroplan und ein Wasserflugzeug griffen die deutschen Schiffe vor Lowestoft an und warsen schwere Bomben ab. Vier feindliche tT-Boote wurden ebenfalls mit Bomben angegriffen. Ein Wasser- flugzeug kam unter heftige« Feuer der feindlichen Flotte, aber ob- wohl der Pilot ernstlich verwundet war, konnte er doch da« Flug- zeug wieder sicher an Land bringen. Ein Pilot wird al« vermißt gemeldet. Er stieg bei dem Zeppelinangriff früh am Morgen aus und scheint einen Zeppelin angegriffen zu haben. Man hat seitdem nicht« von ihm gehört. Englischer Gericht über üen letzten Zeppelinangriff. London, 25. April.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureau«. Das Kriegsamt meldet, daß der Lustangriff in der letzten Nacht auf die Küste von Norfolk und Suffolk anscheinend durch vier oder fünf Zeppeline ausgeführt wurde, von denen nur zwei einen ernstlichen Versuch machten, weiter in« Land zu kommen. Etwa 76 Bomben wurden abgeworfen; ein Mann ist schwer verwundet. Weitere Einzelheiten über Verluste an Menschenleben fehlen noch. London, 26. April. sW. T. B.) Meldung de« Reuterschen Bu- reaus. Das Krieg samt macht bekannt: Feindliche Luftschiffe überfielen gestern nacht Kent und Essex. Ihre Zahl ist unsicher, aber eS können nicht mehr als vier gewesen sein. Sie wurden mit lebhaftem Feuer der Abwehrgeschütze empfangen und sie kehrte» zurück, nachdem sie wenig oder gar nichts ausgerichtet hatten.. Der russische Kriegsbericht. Petersburg, 26. April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 25. April: Westfront: Die feindliche Artillerie beschoß den Brückenkopf von Uexküll. In der Gegend von Jakobstadt südlich deS Bahnhofe« von Neu-Selburg brachten die Deutschen eine kleine Flattermine zur Explosion. Unsere Flieger warsen 36 Bomben auf wichtige Punkte im Rücken der feindlichen Front, besonder« auf de» Bahnhof Jelowka westlich Jlluxt. Feindliche Flieger belegten die Gegend von Molodcczno mir Bomben. Kaulasusfront: In der Gegend von Aschkaka stellicn die Türken, welche in den Kämpfen schwere Verluste erlitten hatten, anr 23. April ihre erfolglosen mehrtägigen Angriffe auf unsere Stellungen«in.____ Meldung öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 26. April.(33. T. 93.3 In dem orft heute eingetroffenen amtlichen Bericht vom 12. April heißt es u. a.: Jrakfront. In der Nacht zum 12. April erbeuteten mir dank der von uns vorher getroffenen Maßnahmen ein feindliches Schiff, daö von Felahie in Richtung Kut cl Ainara fuhr. Der Kapitän nnd ein Teil der Besatzung wurden ge- tötet oder verwundet. Wir entdeckten an Bord des Dampfers eine große Menge Proviant und Kriegsmaterial sowie einige Maschinengewehre.— Unsere gegen den Suezkanal vor- gehenden Kräfte vernichteten vier von ihnen angetroffene Schwadronen des Feindes vollständig. Wir machten einige Gefangene und erbeuteten große Mengen von Kriegsmaterial, Proviant und Munition. Unsere Verluste in diesem Gefecht waren ganz unbedeutend. Gefechte in �iegppten. London, 25. April.(SB. T. SB.) Da« Kriegsamt meldet über da« Gefecht, das am 23. April im Kaliabezirk stattfand: Der Oberbefehlshaber in Aegypten berichtet, daß dos Gefecht ernster war al« c« zuerst den Anschein battc. Die Verteidigung von Dueidar wurde von einer Kompagnie de« Royal ScotS-Regimen!« tapfer durchgeführt. Der Feind ließ 76 Tote zurück, e« wurden- 28 Gefangene gemacht. An Kriegsmaterial wurden 5666 Patronen- gürtel. 4 Maschinengewehre, 28 Granaten und 86 Gewehre erbeutet. Die VerfolgungSabteilung machte weitere Gefangene, und Flugzeuge fügten dem Feinde mit Bomben und Maschinengewehren Verluste zu. Eine berittene Brigade befand sich den ganzen Tag über im VerfolgimgSgcsecht mit dem Feinde. Acht Flugzeuge griffen das Lager des Feindes bei Katia an und überraschten e« vollständig. DaS feindliche Lager wurde vollkommen zerstört, und der Feind erlitt durch Bombenabwurf und Maschinengewehrfeuer schwere Ver- luste. An, 24. fand kein Gefecht statt, Der Feind scheint sich au« dem Katiabezirk zurückgezogen zu haben. vom U- Goot-Krieg. Haag, 26. April.(W. T. B.) Gestern nacht kam an Bord de« Rettungsschiffes„Atlas" die Bemannung de« englischen Fischerei- fahrzeuges„Alfred R. 166" an, das um 12 Uhr durch ein deut- sches Unterseeboot zum Sinken gebracht wurde. Das Unterseeboot Hatte die Bemannung nach dem Leuchtschiff„Noordhinder" gebracht. Norwegischer Dampfer gesunken. Gjcdser, 25. April.(W. T. B.) Meldung des Ritzauschen BureauS. Gestern nachmittag sanl ein kleinerer Dampfer beim Gjedker Leuchl- feuer. Er scheint auf eine Mine gelaufen zu sein. Seine Natio- nalität ist unbekannt. Vom Lande wurde ein von dem Dampfer abrudernde« Boot beobachtet, dessen Insassen von einem deutsche» Hilfskreuzer aufgenommen wurden. Der Schornstein de? gesunkenen Dampfer« ragt au« dem Wasser. Skotiz des W. T. B.: Wie wir von unterrichteter Seite er- fahren, handelt c« sich um den norwegischen Dampfet .Stroemouer"(241 Brutto-Registertonnen), der trotz der ü» fcett Nachrichkm für Seefahrer erlassenen Warnungen, ungeachtet der Warnungsschüsse und Signale eines unserer Hilfskreuzer das ge- fährdete Gebiet zu passieren suchte. Die Dampferbesatzung ist gerettet und nach Warnemünde gebracht worden. Englische Meldung über das letzteSeegefecht London, LS. April.(38. T. 23.) Meldung des Reuterscheu Bureaus. Nach der„Taily Times" in I p ö w i ch sind das Ge- schwader leichter Kreuzer und die Zerstörer, die an dem Seegefecht bei Lowcstoft teilnahmen, sämilich in den Hafen zurückgekehrt. Zwei der leichte» Kreuzer wiesen Spuren auf. daß sie getroffen wurden, aber nicht an solchen Stellen, dag sie in ihren Aktionen behindert worden wären. Ein Zerstörer wurde beim Maschinenraum ge troffen, aber ein Unglück passierte nicht. Tie Verluste betragen etwa 25 Tote und Verwundete. Es scheint, daß der Feind, nachdem er die offene Stadt Lowcstoft'20 Minuten beschossen hatte, bie Flucht ergriff. Kämpfe in Deutsch-Gftafrika. London, 25. April.(33. T. 23.) Tas Reutersche Bureau meldet aus M o s ch i( O st a f r i k a): Tie Deutschen sind im Zentrum ihrer Stellung in einer sehr schwierigen Lage, und da sie nicht beritten sind, können sie General van Deventcr nicht daran hindern, ihre Linien östlich und westlich voir dieser Stellung abzuschneiden. Sie müssen sich entweder in zwei Abteilungen trennen oder in der Richtung auf daS Meer zurückziehen. Anzeichen niachen es wahrscheinlich, daß der Feind sich nach dem Meer sammeln und seine Stellungen bei Tabora aufgeben wird. Ter britische Erfolg bei Jrangi wurde durch Antvcnduug von typisch burischen AngriffSmcthoden errungen. Das Zentrum wurde festgehalten. während die Flanken langsam und borsichtig mit Unter stützung von tödlichem. sicher gezieltem Gewehr- und Feldgeschützfcner entwickelt lvurdcn. Kein Burgher wurde bloßgestellt, während das Netz enger und enger gezogen wurde, bis der Feind nach zweitägigem Kampf den Rest seiner Vorräte verbrannte und eiligst abrückte, che die Ein schlicßungSbewegung völlig beendet werden konnte. Die Burghers verfolgen den Feind so schnell wie der Zustand ihrer Pferde es erlaubt. Ersatzpferde werden rasch nachge- bracht. Militärtclegraphistcn, Flugzeuge und Zufuhren sind bemüht, nachzukommen. Die Kräfte, die sich gegcnübersteheii sind ungefähr gleich an Zahl. Eine deutsche Vergeltungsmaßnahme. Fünf Eisenbahnwaggonladungen mit Paketon für Kriegs gefangene aus Frankreich mir elwa 4000 Sendungen für die Fran zojenlager Hzlzminden und Ohrdrufs sind, wie die»Franks. Ztg.' meldet, aus Frankfurt nach Bern zurückgekommen. Die Zurück- Weisung der Sendungen ist. wie der schweizerischen Oberpostdirektion aus Berlin mitgeteilt wurde, als Nepressalie gegen die Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen in Nordafrika erfolgt, die noch immer von jeder Postverbindung mit der Heimat abgeschnitten sind. Die schweizerischen Postämter wurden angewiesen, für die genannten beiden Lager keine Sendungen mebr anzunehmen. Nach einer amt- lichen deutschen Bekanntmachung ist jeglicher deutscher Postverkehr mir den drei Lagern Holzminden, Friedberg und Ohrdruff ge sperrt. Leider haben unter der Anwendung von Repressalien in der Regel Unschuldige zu leiden. Wenn aber schon zu solchen Matz nahmen gegriffen werden mutz, dann sollte man doch in Erwägung ziehen, ob es nicht rascher zum Ziele führt, wenn man die Post- sperre lediglich über die Offiziers-Gefangenenlager verhängt. Da mit trifft man Kreise, die auf ihre Regierung einen großen Einfluß haben.(ch Die wehrpsiichtfrage in öer Geheimßtzung ües Unterhauses. London, 26. April.(33. T. 23.) Meldung des Reuter scheu Burcauö. Tas Pressebureau teilt mit: In der g c Heimen Sitzung des Unterhauses gab Ll S q u i t h Einzelheiten über die HeercSvermchrung und über die mili- tärische Tätigkeit des Britischen Reiches einschließlich der Kolonien und Indien und gab sodann eine Ucbersicht über die Untersuchung der Regierung über die RckrutieruugSfrage, Forderungen der Arbeiter und die Bedürfnisse der Handels flotte, der Häfen, der RtunitionSindustric und der anderen unentbehrlichen Industrien. Er verbreitete sich ferner über die Kostendeckung der Rekrutierung und die Subsidicn an die Alliierten; er sagte, die Rekrutierung habe seit August nicht mehr ausgereicht, uiu die Armee gehörig zu entwickeln. Die Regierung beschloß daher: 1. Ten Dienst der Mannschaften, bereit Dienstzeit ab golaufcu ist, bis zu Ende des Krieges zu verlängern. 2. Tie Territorialtruppcn mit den Regimentern, die sie brauchen, zu vereinigen. 3. Tie befreiten Mannschaften lvieder dienstpflichtig zu machen, sobald ihr BefreiungSzertifikat abgelaufen ist. Ferner schlägt die Regierung vor, junge Leute, die am 3. August noch nicht 18 Jähre alt find, dienstpflichtig zu machen, sobald sie daS 18. Jahr erreicht haben. Zugleich schlägt die Regierung vor: 1. Sofort Maßregeln zu ergreifen, um durch freiwillige Anwerbung der nicht- eingeschriebenen Unverheirateten die notwendigen Mann- schafton zu erhalten. 2. Die Regierung fordert die Er- mächtiguug, sofort zu Zwangs maßregeln über- z u g e h e u, wenn et in 2 7. M a i nicht 50 000 von diesen angeworben sind. 8. Dasselbe soll statt- finden, wenn in irgend e t_n e r Woche nach d c m 27. Mai lv c n i g e r als 1 ö 000 eingeschrieben werden. 4. Tie Maßregeln unter l. und 2. sollen aus- geführt werden, bis die Zahl von 200 000 Mann von den noch nicht Eiiigeschriebeneu erreicht ist. An der Debatte nahmen 16 Abgeordnete teil. Das Haus wurde darauf vcr- tagt. Am 26. April wird wieder eine geheime Sitzung stattfinden. Im Lberhause machte Lord Erewc dieselben Mitteilungen. Englanüsfintwort auf üie amerikanische Note London, 25. April.e viele gingen zugrunde an der Cholera, dem Fleck- und Rückiall- typhus'? Viele Hunderttausende! Und w.e Mele gingen zugrunde während der Offensive der Deutschen, O-sterre.cher und Bulgaren? Wie viele kamen in den Schneescldern Albaniens um. als das ganze Volk flüchtete? Man weiß, daß Tausende h.erber chr Leben ließen. Man nährte sich von Schuhleder, das ,n S.ucke geschnitten und gekocht wurde. Schwer ist es, un>crs Opfer zu oafle»-.- Die endlich in Korfu oder in Ä.umS anlangten, waren kaum lebendig, und viele Tausende starben in diesen Stätten der Erholung — vor Erschöpfung.... Sollte auch- so schließt dieser erschütternde Hiheruf- ein Groß-Serbien entstehen, so wird eö lediglich auö Frauen, Kindern und unbestellten Aeckern bestehen. Wir, die Uebcrlebenden, fragen uns: wie, auf welche Weife soll die Wiedergeburt des serbischen Volke» vor sich gehen? Wozu braucht es ein Groß-Serbien, wenn es keine Serbe ir mehr geben wird?" Diese selbe Frage richteten unsere Genossen, die tapferen serbischen Sozialisten, schon vor Ausbruch des WellkriegeS, dessen furchtbare Folgen sie voraussahen, an die Herrschenden. Doch ihre Mahiiuiigen, ihre Anklagen, verhalle» uugehört in dem Wirbel des WellsiurmcS, der das serbische Volk mehr alS jede» andere in Mitleidenschaft gezogen hol.(zi) Die rujsisch-japanischen Mmachungen. Die von unS bereits kurz erwähnte Meldung über weitgehende Abmachungen zwischen Rußland und Japan liegt jetzt in einem Toliorcr Telegrauun der»Nußkoje Slvwo" vom 14. April im Wortlaut vor. Tai Telegrainm lautet: »Tie japanische Zeitung.Nitschi-Nitschi" teilt auS zuverlässigen Ouelleu mit, daß zwischen Nußland und Japan ein Ab- kommen geschlossen ivird, das folgendes enthält: 1. Nußland ist damit einverstanden, Japan die o sich ine- fische Bahn nördlich Tschantschuir bis zu einem Punkte dicht südlich Charbin abzutrctar. 2. Japan ist damit einverstanden, Rußland mit Waffen und Vorräten bis zu den äußersten Grenzen seiner Pro- duktionSkrafl bis zum Ende des Krieges gegen Deutschland und Oesterreich zu versehen. 3. Rußland ist damit einverstanden, den Japanern, die in Ostsibirieit, im nördliche» Sachalin, in der Zone der ostchmesischen Bahn oder in der nördlichen Mandschurei Ackerbau, Handel oder Industrie treiben wollen, V e r g ü n st i g u n g e n einzuräumen. 4. Rußland eröffnet in Wladiwostok einen Handels- Hafen und verzichtet auf militärische Vorder ei» lungen irgendwelcher Art, da diese in Japan mißversiande» werden könnten. K. Japan mid Rußland verpflichten sich, gegenseitig ihre Interessen i» der Mandschurei und Ni o n- golei zu achten, und wenn in der russischen Einflußsphäre während des LiriegeS mit Deutschland und Oesterreich irgendwelche Unordnungen vorkommen, übernimmt Japan auf Biltcn Rußland» die Wiederherstellung der Ordnung. 6. In dem Falle, daß Japan in China notwendige Handlungen vornimmt, um den Friede» zu erhalten, ohne das Prinzip der Unantastbarleit China» und der Gleich- begünstigung zu verletzen, gesteht Rußland Japan Freiheit solcher Handlungen zu, im Falle der Einmischung einer dritten Macht handelt Rußland in Uebereinstimmung mit Japan." Das japanische Blatt, daS diese Meldung brachte, versicherte, dieses Abkommen werde demnächst in Petersburg unierzeichnet werden. Daraufhin bracht« die.Rußkoje Slowo" eine Mitteilung »von anderer Seile", die die japanische Meldung wesentlich ein» schränkt. Danach bestehen die Zugeständiriss« Rußland» an Japan in der Ueberlassung jenes Teile» der Bahnstrecke Kwangtschenss — Charbin. der die erweiterte japanische Einflußsphäre durch- schneide!, ferner in der Erlaubnis zur Niederlassung japanischer Einwanderer und Unternehmer in Nord- Sachalin und O st- S i b i r i e n und in dem VerwaltungSgebiele der ost-chinesischcn Eisenbahn. Die Forderung Japans. W l a d i- w o ft o k' künftig ausschließlich den Charakter eine« Handel»- Hafens zu geben, würde von der weiteren Erörte- r u n g a u S g e s ch l o s s e n. � lieber die gegenseitigen Beziehungen Japans und Rus)lant.ö ln der Mandschurei und Mongolei schweigt sich die russische Meldung auS, man darf aber nicht vergessen, daß da» Zusammenwirken der beiden Lertragsmächte in diesen Gebieten durch die gegenseitigen Abmachungen von 10i0 und 1912 festgelegt worden ist. llnllar bleibt die Frag- der Ehina-Polilik beider Staaten, obgleich anzu- nehmen ist, daß Japan seine jetzige Vormachtstellung im fernen Osten auch in diesem Abkommen zum Ausdruck gebracht hat. Alles in allem bedeuten die jetzigen Abmachungen eine enorme Macht- Verstärkung Japans und ein Zurnckiveichen Rußland» in einigen wichtigen Punkten. Jedoch von einer Preisgabe der militärischen Stellung Rußlands im fernen Osten, wie die erste Meldung lautete. kan» vorläufig nicht die Rede sein,— vorausgesetzt, daß die oben wiedergegebcne offiziöse russische Mitteilung die Wahrheit sagt. Lssite Nachrichten. Versenkung eines englischen E-Bootcs. A m t l i ch. Berlin, 26. April.<23. T. B.) Am 2ö. April ist das englische v-Boot O 22 in der südlichen Nordsee durch unsere Streitkräfte versenkt worden. Zwei Mann ge- rettet und gefangen. Ein E-Bovt erzielte an demselben Tage und in derselben Gegend auf cinen englischen Ärrnzer der Arcthusa-Älassc einen Torpcdo-Trrsfcr.> Ter Chef des Admiral st abcS der Marine. Kriegsgcwinllstcucrn in Ungarn. Budapest, 2S. April.(T. U.) Ter Mitte Mai stattfindenden neuerlichen Kriegstagung des ungarischen Parlament» wird, wie das Blatt„Az Est" meldet, der Finanzminister Teleszkh eine In- demnitätSvorlage ffür den Budgetabschniit vom 1. Juli 1913 bis Ende dieses Jahres unterbreiten. Einen wichiigen Punkt der Session wird der Gesetzentwurf über die KriegSgewiiinsteuer bilden. Die neue Steuer wird von den dicobczüglichcn deutschen uird östcr- reichischcii Steuerentwürsen abweichen und sich dem bisherigen ungarischen Steuersystem anpasse». Sämtliche Vermögen, die im Zusammenhang mit dem Krieg in den Jahren 1914, 1015 und bis- her 1013 erworben wurden, fallen unter die Kriegsgewinn stcuer. Im Gegensatz zu dem deutschen Entwurf wird nicht der Vermögens- Zuwachs, sondern der Einkommenznwachs besteuert. Tie Stcuer ist mäßig pnd progressiv. Tie Einnahmen aus der neuen Steuer iDerdeifiiur in geringem Maße die KricgSauSgaben decken können. Ein dänischer Tampfcr ausgebracht. Kopenhagen, 23. April.(T. U.) Nach dem Kopenhagcncr „Sozialdemokraten" wurde ein großer Dampfer, der von Amerika mit 35 000 Tonnen Getreide nach Dänemark unterwegs war, in Kirkwall eingebracht, obwohl die Kornladuna für den dänischen Slaar bestiuiint war. Tie Engländer begründen die Einbringung damit, daß der Dampfer, der. nach Norwegen gehört, aber in Hol- land gekauft war, mit deutschem Gelde finanziert sei. Gewerkschaftliches. Wiederaufnahme de? zentralen Tarif- Verhandlungen im Saugewerbe. Nachdem die zentralen Verhandlungen über die Ver längerung des Reichstarifvertrages für das Baugewerbe und über die Festsetzung einer Teuerungszulage, die im Februar in Berlin im Rcichsamt des Innern stattgefunden haben, ergebnislos geblieben waren, ist der Reichstarif am 31. März zum Ablauf gekommen. Inzwischen hatte der Deutsche Arbeit- geberbund beschlossen, die von ihm in der damaligen Ver- Handlung angebotene Teuerungszulage vom 15. März ab frei- Willig zu zahlen. Das Rcichsamt des Innern ist nun wiederholt bemüht gewesen, die ehemaligen Vertragsparteien zu neuen Ver- Handlungen wieder zusammenzuführen. Die Arbcitervertrctcr hatten schon am Schlüsse der früheren Verhandlung erklärt, daß und unter welchen Voraussetzungen sie bereit wären, zu weiteren Verhandlungen zu erscheinen. Nachdem auch der Arbeitgebcrbund für das Baugewerbe sich bereiterklärt hat, in Verhandlungen einzutreten, sind solche auf den 3. Mai festgesetzt. Die Verhandlungen finden in Berlin im Rcichsamt des Innern statt und werden von dem Direktor im Reichsamt des Innern Exzellenz Caspar geleitet. Verlin und Umgegend. AuS dem Jahresbericht der Berliner Zimmerer. Dem Jahres» berichl für 1915, den die Zahlstelle G r o tz- B e r l i n des Zimmerervcr bände? herausgee.eben hah entnehmen wir: Im Jahre 1915 war natürlich auch im Gebiet der Zahlstelle die Bautätlgkeii stark beeinflntzt. Der Uniericbied gegen das Vorjahr wird durch Zahlen des Berliner Statistischen Amtes gekennzeichnet. Danach wurden in Berlin in den ersten neun Monaten des Jahres 1914, also das dem Geschäftsjahr voraufgegangenen Jahres noch 5921 Baugcsuche gezählt, während in derselben Zeit des Jahres 1915 nur 1985 Baugesuche eingingen. Demgemäß verringerten sich auch die Bauscheinerieilungen und Baugenehmigungen. Trotz dieses Rückganges der Bautätigkeit waren die Berliner Zimmerer in der Lage, feststellen zu können, daß sie im großen und ganzen recht flott zu tun hatten und iniolgedesfen von größerer Arbeitslosigkeit verschont blieben. Die Uiiterstlltzungseinrichtungen des Verbandes geben hierüber in folgenden Zahlen Aufschluß, die für Berlin festgestellt wurden. Tie Arbeitslosenunterstützung betrug pro Mitglied 38,17 M. im Jahre 1913: 27,39 M. im Jahre 1914 und 4.31 M. im Jahre 1915. Und die unteistütztcn Arbeitslosen» tage betrugen pro Mitglied 18,36 im Jahre 1913. 12,99 im Jahre 1914, 4.94 im Jahre 1915. Also wurde in der Höbe der Unter- stützung das Jahr 1915 von 1914 um mehr als das Sechssache, von 1913 sogar um fast das Nennsache überflügelt, während die Zahl der pro Mitglied unterstützten Arbeilslosenlage 1913 um mehr als das Vierfache und 1914 um das Dreifache höher war. Diese Gestaltung der Verhältnisse im Jahre 1915 erklärt sich aus den sortgesetzten Einberufungen zum Militärdienst, aus der Her- stellung umfangreicher Barackenbaulen und aus der Aufführung all derjenigen Bauten, die mit dem Kriege unmittelbar in Verbindung stehen. Bei allen diesen Bauten wurden eine ganze Anzahl Ber- liner Zimmerer beschäftigt. Km Schlüsse des Jahres 1914 hatte die Zahlstelle 1648 Mit» glieder, wahrend am Schlüsse des Jahres 1915 die Mitgliederzahl 1310 betrug. Das ergibt an sich innerhalb des Jahres 19l5 eine Abnahme der Mitgliederzahl um 333. Hierbei ist aber die Zahl der zum Militär eingezogenen Mitglieder nicht in Rechnung gestellt. Berücksichtigt man diese, dann ergibt sich, daß durch die gemeinsame AgitalionSarbeit im Laufe des Jahres 19l5 neu 894 Mitglieder geworben wurden. Ein sehr erfreuliches Resultat.— Die Lokalkasse wies am Schlüsse des Jahres 1915 einen Bestand von 38 884,65 M. auf. Das ist ein um 8388,39 M. höherer Bestand, als am Schlüsse des Jahres 1914.— Für Unterstützungen wurden im Berichtsjahr 34 134,81 M. ausgegeben, wovon der weitaus größte Teil, nämlich rund 25 315 M., auf Familienunlerstüyung entfielen. In 78 Fällen waren iin Laufe des Jahres Differenzen auf Vauten und Plätzen zu schlichten. veutstkes Reich. Eine hausgewcrbliche Lohnbewegung in der Solinger Stahlwarenindustrie. Nach mehrmonatigen Bemühungen und Verhandlungen ist eine Lohnbewegung, die das ganze Solinger Jndustiiegebier umfaßt, zum Abschluß gekommen. Die Herstellung der Solinger Stablwarcn ge- schieht glößtenteils trotz ihrer Spezialisierung durch Hausgewerbe» treibende Im Frieden beschäiligt diese Industrie etwa 56 666 Per- soncn. Durch den Krieg wurden alle Teile dieier Industrie, mit Ausnahme der Betriebe zur Hel stellung blanker Waffen, hart ge- troffen. Die Arbeitslosigkeit war enorm und die Wiederaufnahme der Produktion ging sehr langsam vonstallen. Das Arbeitsmaterial und die Werkzeuge sind im wesentlichen von den verschiedenen Spezial- arbeiiern selbst zu beschaffen, mit Ausnahme des Stahles. Mit den Fabrikanten, die den Spezialarbeitern, nämlich Schlägern, Schleifern, Neidern, Ausmachern, Plicsterern uiw., die Arbeit in Austrag geben, sind seit allen Zeiten Preisverzeichnijse vereinbart, untei denen nicht bezahlt werden darf. Im Uebertretungsfall muß das ersparte Geld in die G e w e r k s ch a s t s k a s s e bezahlt weiden. Tie Gewerkschaften haben das Recht, Einsicht in die Geschäftsbücher zu nehmen, um die Einhaltung der Preisverzeichnisse überwachen zu können. Die Arbeitsmaterialien wie Schmirgel, Oel, Leder. Bürsten sind nun bekanntlich ganz ungeheuer im Preise gestiegen, weshalb auch die Fabrikanten den Preis der fertigen Waren wiederholt steigerten, aber ohne die Arbeiter, die doch die teuren Materialien kauften, an dem Mebrertrag der Waren teilnehmen zu lasten. Verhandlungen lehnten diese Unternehmer zunächst ab. Dann waren sie geneigt, 5 Proz. mehr zu zahlen. Dieses Angebot wurde von den Arbeitern einstimurig abgelehnt. Jetzt ist unter dem Druck der Tatsache, daß mit einem Streik in der Industrie gerechnet werden mußte, eine Vereinbarung zustande gekommen, wonach zu den bestehenden Preisen der Preisverzeichnisse Zuschläge bezahlt werden, die je nach der Menge der von den einzelnen Branchen benötigten Materialien 15 bis 26 Proz. betragen. flus öer Partei. Minoritätserklärung zur Einberufung der Berliner Verbands- generalversammlung. Der Zentralvorstand des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend beschloß in einer Sitzung am 25. April, nach längerer Diskussion, die Einberufung einer ordentlichen Generalversammlung zur Neuwahl des Vcrbandsvorstandes. Zu diesem Beschluß gaben die unterzeichneten Mitglieder des Vorstandes folgende Erklärung ab: Der heutige Beschluß des Zentralvorstandes, die nächste Ver- bandsgeneralversammlung auch dann abzuhalten, wenn ein Be- richl der Verbandslcitung und eine freie Aussprache über die Berliner Parteiverhältnisie nicht möglich ist. verstößt gegen Wortlaut und Sinn des Berliner Verbandsstaluts. Die Beschlüsse einer solchen st atuten widrig einberufenen Verbandsgeneralversammlung sind infolgedessen rechts- ungültig und für die Mitglieder des Verbandes in keiner Weise bindend. Der Beschluß des Zentralvorstandes beweist aber aufs neue, daß der Mehrheit desselben ohne auf die schwierige Lage der Partei Rücksicht zu nehmen, jedes Mittel recht ist um die Leitung des Verbandes mit Leuten zu besetzen, die jederzeit auch den parteischädigenden Wünschen unverantwortlicher Kreise willenlos nachkommen. Wirprotestieren gegen diese brutale Unterdrückung der Meinungsfreiheit, wie auch gegen das ufftemalische Hinüberschieben der Berliner Partei- organisation zu den Bestrebungen der Sonderorganisationen und fordern vom geschäftssührenden Ausschuß die unbedingteEinhallung der iür die Einberufung von Verbandsgeneralversammlungen vorge- sehenen statutarischen Bestimmungen. Franz Thurow, Albert Habnisch, August Pohl. Alexander Fröhlich Alois Stieffenbofer, Fritz Woik, A. Blttorf, Julius Jänicke' Franz Lucht. Elfride Ryneck, Kaspar Wenzel, Karl Alboldb H. Schröder. Emil Basner, Julius Meyer. Otto Wels, Alex Pagels' Richard Fischer, H. Umlaut, Gustav Schmidt. Die Mitglieder des geschäftssührenden Ausschusses erklärten hierzu folgendes: Wir schließen uns dem gesamten Inhalt obiger Erklärung an. Eugen Ernst. Theodor Fischer. Emil Böske. Wir möchten demgegenüber erläuternd hinzufügen, daß der Zentralvorstand beichloffen bat, den geschäftssührenden Ausschuß zu beaustragen, der nächsten Zentralvorstandssitziing Vorschläge sül die Tagesordnung der Verbaiidsgencralversammlung zu unlerbreiien. Erst die nächste Zentralvorstandssitzung wird die Tagesordnung fest- stellen. Genoftenschaftliches. Der größte schweizerische Konsumverein im Jahre lLlb. Der Allgemeine Konsumverein Baiel, der größte der Schweiz, bat im Kricgsjahr 1915 ebenfalls stark zu spüren be- kommen. Wohl ist auch nnier den obwaltende» Umständen seine Mitgliederzahl wieder um 668 von 36 844 auf 37 452 gestiegen, aber in den letzten Friedcnsjahrcn war die jährliche Mit liederzuiiabm? jeweilen eine größere, io 1912 von 32 644 auf 33 956 und 1913 auf 35 952, um rund 2666. Der Jahresumsatz des Basler Konsumvereins ist dagegen im Bciichisjahre um mehr als 366 666 von 26 499 462 Fr. in 1914 auf 26 682 679 Fr. zurückgegangen. Diese Verminderung ist durch die Abnahme des auswäitigen Verkehrs des großen Schlächterei- geschäftcs vernriackr, dessen Gesamrumiatz von 6 366 512 Fr. in 1914 aus 5 336 232 Fr. in 1915 zurückgegangen ist. nni rund I Million Frank, ein Beweis dafür, daß die Arbeiter in empfindlichem Maße den Fleischkonsum aufgeben oder doch stark einschränken mußten. Dagegen bat das Milchgeschäft eine Erhöhung des Absatzes von 7 683 441 Fr. auf 7 936 478 Fr., das Bäckereigeschäft von 1 781 329 Frank aus 2 126 979 Fr., das Schubwarengeichäst von 868 662 Fr. auf 893 949 Fr., das Warengescbäft von 5 986 861 Fr. aus 6 693 315 Fr. erfahren. Der erzielte Brutloüberschuß der Jahres- rechnung beträgt 2 138 939 Fr., wovon nach 251 822 Fr. Abschreibungen ein Reingewinn von 1 887 167 Fr. verbleibt. Tie Mitglieder erholleii eine Rückvergütung von 8 Proz. gleich 1 787 698 Fr. Die Deposilenkasse des Basler Konsumvereins bat im Berichtsjahre eine Vermehrung von 1871 757 Fr. auf 2161 285 Fr., der Umlauf der Obligationen von 2 722 566 Fr. auf 2 996 966 Fr. erfahren. Der Verein besitzt 23 Liegenschaften>m Buchwerte von 4 845 666 Fr. Gestiegen>>> auch die Zabl der Angestellten des Vereins von 1123 aus 1136. von denen sich 151 in ausländischem Kriegsdienst besinden. An deren Familien sind seit Kriegsausbruch 176 666 Fr. als Unterstützungen ausbezahlt worden. So behauptet sich das Genoffenschaftswcsen in der Schweiz trotz alledem in der großen Krise der Kriegszeit. 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Vertagsamlalt Paul Singer Lc Co� Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. Uuterhaltuägsll. Nr. 115. 33. Iahraang. pt!!iitfröt(J0, 27. April 1916. Hraf)lnöraj1p über öie Zukunft Polens. In der Sonntagsnummrr der«Frankfurter Zeitung" äußert sich Graf Fultus Andrassh. früherer Minister und einer der de- kanntestcn Politiker Oesterreich-UngarnS. im Anschluß an die Rede des Reichskanzlers in sehr bemerkenswerter Weise über das pol- Nische Problem. Graf Andrassy hat sich während des Krieges mehrfach über diese Frage in der Presse geäußert. Jetzt jedoch, nachdem der Reichskanzler sich bestimmter über die Zukunft Polens ausgesprochen hat, gewinnt die Erörterung dieses Problems durch einen der führenden Politiker Lesterreich-Ungarns eine aktuelle politische Bedeutung, und zwar nicht so sehr im Sinne eines be- stimmten Programms— von dessen Formulierung Graf Andrgjsy aus begreiflichen Gründen Abstand nimmt—, als im �Nuie der Darstellung aller Komplikationen des polnischen Pro- blcmS und der daraus sich ergebenden Notwendigkeit einer be- stimmten Koordinierung der Politik Deutschlands und Oesterreich- Ungarns. ..Rußland die befreite polnische Provinz zurückzugeben— schreibt Graf Andrassy— wäre ein Armutszeugnis und ein Zeichen von Feigheit. Wenn wir aus Angst vor einer Vergeltung Ruß- lands 12 Millionen Menschen uns nicht anzugliedern wagten, die einen solchen Anschluß für kein Unglück oder keine Demütigung ansehen, sondern davon eine Auferstehung erhoffen; wenn wir es nicht wagten, uns jenes einzige Volk näherzubringen, das an unseren Grenzen nicht unser unbedingter Feind ist und zu ge- Winnen wäre, dann wäre es in der Tat eine Sünde gewesen, das Lebeir so vieler Hunderttausende von Menschen aufs Spiel zu setzen. Es ist kein Argument für da» Entsagen, daß wir dadurch den Revanchekrieg vermeiden würden, den die Tatsache der Be- freiung der Polen heraufbeschwören könnte, denn durch unsere Feigheit könnten wir hinwieder den Krieg her- beiführen, der daraus entstünde, daß die pol- Nische Wunde sich an unserem Leibe wieder öff- nete und daß sich die Machtstellung Rußlands be- fest igen würde, sobald es die Einigung der pol- Nischen Nation auf seine Fahnen schreiben könnte. Wenn wir in dem Falle unseres Sieges die Polen nicht befreien, so würde die Kraft der Tatsachen beweisen, daß sie von uns nichts zu erhoffen haben und daß ihnen nur der Sieg Rußlands eine der Vorbedingungen künftiger Entwicklung: die Einigung dieser zcr- stückten Teile zu bieten vermag. Erstatten wir ein erobertes Ge- biet zurück, das von allen seinen Empfindungen nach dem alten Anschlüsse hingezogen wird, so mag das der Ausfluß richtiger poli- tischer Berechnung sein; stellen wir aber ein Volk wieder unter russische Oberherrschaft, in dem die Vorbedingungen und der Wille zu einem von Rußland unabhängigen Dasein vorhanden sind, so hieße das, sich dem Prestige Rußlands beugen, und wir würden siegreichen Schlachten die Folge nehmen, daß Rußland von dem Balkan und aus Mitteleuropa verdrängt würde." Graf Andrassy findet es begreiflich, daß der Reichskanzler in feiner verantwortlichen Stellung heute noch nicht ausgesprochen hat, was die verbündeten Staaten mit dem befreiten Polen zu be- ginnen beabsichtigen. Er hofft jedoch, daß die Regierungen diese Frage untereinander baldigst klären und mit ihrer Lösung vor die Oeffentlichkeit treten würden. Bis dahin will er bloß einige G r u n d t h e s e n vor der Oeffentlichkeit festlegen. 1. Graf Andrassy hält eS.für vollständig ausgeschlossen und unmöglich, eine Lösung aus Grund der Idee einer Teilung R u ssi sch- P ol en s herbei- zuführen, denn dies würde die gesamte polnische Ration in das Lager unserer Feinde drängen". Die Verwerflichkeit dieses Gedankens liege schon darin, daß er nur gegenseitigem Mißtrauen entspringen könne. Historisch sei die erste Aufteilung Polens dar- auf zurückzuführen, daß Preußen und Oesterreich Gegner waren und keiner des anderen Kräftigung mit ansehen konnte, ohne selber in gleichem Maße an Kraft zuzunehmen. Heute sei jedoch die Lage auderS. Beide aufeinander angewiesene Mittelmächte müßten jetzt ihr gegenseitiges Verhältnis nicht unter dem Gesichtspunkt fixieren, daß das Gleichgewicht Deutschlands und Oesterreich-Ungarns bis auf das letzte Jota das alte bleibt und daß sie über gegeneinander schützbar« strategische Grenzen vcrfiigten. sondern daß nur die nach Rußland blickenden Grenzen für beide Staaten von Wichtigkeit seien. L. Für völligausgeschlossen hält Graf Andrassy ferner eine Losung, die.einen Gebietsverlust der siegreichen Großmächte nach sich zöge, also die Einigung der drei polnischen Landesteile und die Begründung eines unabhängigen Königtums Polen. Deutsch-Polen ist das s!ne-gua-»on(unbedingte Voraussetzung) von Preußens Stärke. Der wäre nicht bei klaren Sinnen, der daran dächte, Preußen solle geneigt sein, die den territorialen Zusammenhang seiner eigenen Provinzen sichernden polnischen Gebiet« nach einem deutschen Siege hinzugeben. Auch muß jeder Pol« wissen, daß in diesem Be- lange die Geschichte nicht rückgängig gemacht werden kann. Di« Wichtigkeit GalizienS vom Standpunkte Oesterreich- Ungarns aus kann»ach dem jetzigen Feldzuge jedenfalls nicht ge- leugnet werden. In Galizien haben wir Ungarn, Schlesien und Währen verteidigt. Und cS kann auch nicht der Lohn unserer über- menschlichen Anstrcngmige» sein, daß wir unsere militärische Posi- tion verschlimmern sollen." ch.Auch würde ich es nicht für zweckmäßig halten— fährt Graf Andrassy fort— wenn unter Beibehaltung der heutigen Dreiteilung aus der Provinz Warschau ein selbständiges polnisches Königreich als Pufferstaat gemacht würde. Eingekeilt zwischen drei Mächte, die viel größer sind als dieses Königreich wäre, hätte«S nicht die Vorbedingungen selbständigen Lebens und empfände den naiür- lichen Trieb, die zu Preußen und zu Oesterreich gehörenden Teile zu erwerben und dort I r r e d e n t i s m u s anzufachen. Wäre dieses neugegründeie polnische Königreich wirklich selbständig, so könnte cS tatsächlich passieren, daß es von Rußland für sich ge- Wonnen würde. Von allen seinen Nachbarn wäre Rußland der einzige, der den Gedanken einer Eroberung der übrigen Teile auf- richtig unterstützen könnte, naturgemäß mit d. a Hintergedanken. i» der Folg« das vereinigte Polen von neuem zu unterjochen. Dem russischen Einfluß würde anch noch Raum«röffnen. daß die Zoll- Union zwischen dem polnischen Königreich und dem eigentlichen Rußland srnste wirtschaftliche Zusammenschlüsse geschaffen hat. und daß das für den Fall stamsicher Selbständigkeit vevmutljch erwachende. Bestreben»ach selbständiger industrieller Entwicklung in erster Reihe einen Wirtschaftsvertrag mit Rußland verlangen würde, denn Rußland vermag den Früchten polnischen Fleißes den größten Markt zu gewährkeisteu. Es könnte sich begnben. was Bismarck fürchtete, daß nämlich das von uns befreite Polen sich früher oder später gegen uns wenden würde. Warschau wäre der Mittelpunitatlertnternativnalen fRänke. Das Gefühl, zu Danke verpflichtet zu sein, würde die Dynastie auf dem polnischen Throne, die den Boden für ihre eigene Entwickslung im polnischen Chauvinismus suchen würde, uns ebenso entfremden, wie das Selbstgefühl der Nation. Dankesschuld ist eine schwere Last, unter deren Druck natürliche Freunde zu Feinden werden können. Und wenn wir die Garantien darin suchten, daß wir das auf dem Papier für souverän erklärte Polen effektiv dennoch unter unsere Oberhoheit stellten, dann würden wir durch Zunahme der Antipathien und Abnahme der inneren Einheit verlieren, was wir durch Sicherung der Macht- mittel gewönnen. ES wäre nicht rätlich, einen Schutz unserer Interessen von einer solchen lsusse position(falschen Stellung) zu erhoffen, wie die eines Staates und einer Dynastie wäre, die mit der Präten- sion der Unabhängigkeit auftreten, in Wirklichkeit aber von ihren Nachbarn abhängig sind und keine selbständige Politik machen dürfen. Auch das Verhältnis zwischen Deutschland und Oe st erreich- Ungarn würde die Mithcrrschaft über Polen trüben. Es genügt, an SchleAvig-Holstein und Albanien zurückzudenken. Laßt aus der Geschichte und aus der Gegenwart Lehren ziehen und nicht vergessen, daß nichts das Verhältnis zweier Mächte zueinander ärger gefährdet, als die der Eifersucht ent- springende gemeinsame Beeinflussung eines dritten Landes. Ge- lingt es, das Verhältnis zwischen Deutschland und Oesterrcich-Ungarn auf Basen zu legen, die fester und beständiger sind als die bekannten Bündnisse, dann bedarf es keiner. Eifersüchte- lcicn und keiner Dreiteilung Polens, wovon zwei Teile Bestandteile eines anderen Staates sind, während der dritte unabhängig ist, es aber auch nicht ist. Dann können wir zu der richtigen Lösung greifen, das befreite Polen samt der schon dazu gehörigen polnischen Provinz vereint jener Nachbar macht anzugliedern, im Bundemitder esdiemeisteKraft zum Widerstand gegen russische Lockungen und etwaige Angriffe zu entfalten vermag. Gelänge es aber nicht, das Per- hältnis beider Großmächte zueinander inniger zu gestalten, dann wäre eine Mitherrschaft eine positive Gefahr, die das Bündnis selber komprommitticren würde. Ich bin fest überzeugt, daß wir jenes große Interesse, welches wir daran haben, daß das durch unS befreite und begründete Polen sich nicht gegen uns wenden könne, daß es dem Auslände gegenüber uns unterstütze und mit seinem Los zufrieden sei,— daß wir also dieses große Interesse uns nur so völlig sichern können, wenn wir das befreite Polen einer der Großmächte angliedern, ihm die notwendigen Machtbehelf« gesetzlich und verfassungsmäßig ge- währleisten und keine Wünsche und Ambitionen wachrufen, die wir nicht zu befriedigen vermögen. Eine innere Zufriedenheit der polnischen Nation aber können wir nur herbeiführen, wenn wir sie nicht aufteilen, sondern im Gegenteil die beiden Teile dcSalten polnischen Königreichs vereinigen und dieser vereinigten polnischen Nation ein Selbst- be stimmungsrecht und eine Selbstregierung verleihen, deren Grenze nur die Großmacht st el- lung und die Sicherheit Polens selber wären und die so weit gingen, daß der Pole in der Weltgeschichte wieder als Pole auftreten könnte. Die Einzelheiten dieser Lösung hängen naturgemäß davon ab, ob Polen an Oesterreich-Ungarn oder an Deutschland gegliedert wird; hierüber wünsche ich mich jedoch diesmal nicht zu äußern." Die Ausführungen des Grafen Andrassy fordern i n m a r s ch in Belgien— hieran wird die„Tijd" wohl in erster Linie denken— nicht als ein Unrecht und als einen Wortbvuch ansehen und nach den Akten» funden in den belgischen Archiven erst recht nicht als ein Unrecht ansehen können? ES kann darum, insbesondere nach der Haltung Belgiens uns gegenüber, auch nicht die Rede davon sei». datzwirandiesemLandeeinbegangeneSUnrecht wieder gut zu machen hätten." Wir registrieren diese Aeußcrung als eine offenbar autoritativ Kundgebung dos Zentrums in der belgischen Frage.(«) Tie Fstnanzen Glsast-LothringcnS. Straßbiirg, 20. April.(iE T. B.) In der heutigen K a m m e r s i tz u n g gap der Staatssekretär beim Etat einen kurzen Ueberbsick über die rechnerische» Ergebnisse des Rech' nungsjahres 1914 und ivieS auf die voraussichAichen Resultate des nunmehr abgeschlosienen Rechnungsjahres 1912 hin. Der. rein lechneriich betrachtet, verhältnismäßig nicht hohe Fehlbetrag des Jahres 1914 ist mit 3 800 000 M. in den diesjährigen Etat aus- genommen. In diesem hat eine stärkere Anpassung 01» die Kriegs» verhälttiisse staitgeftinden. Di« Linnahmeaniäys sind wesentlich ge» kürzt. Andererseits lomUen»och verschiedene AuSgabeposten. vor allem übertragbar« UntethaliuugSjondS ausfallen da Ersparnisse der beiden letzten vergangenen Jahr« es ertauhftn, von einer weiteren Durchführung dieser Fond? abzusehen. Tie Erhöhung der fortlaufeudcu Ausgaben auf 80 Millionen gegenüber 7S Millionen im Vorjahre rührt in erster Linie von dem erhöhten Zinsendienft für die schivcbendc Schuld her, welche in der vorschujzweijen Zahlung der über die Staatskassen übernommenen Fanrilienunterstützungen begründet ist. wegen deren, abgesehen von der Defizitanleihe von ruild 1ö Millionen die Ermächtigung zur Erhöhung der schwebenden Schuld von 00 auf 13l Millionen cibeten wird. Von dein im vorigen Jahre zur Verfügung gestellten slriegshilfssonds von tö Millionen sind bisher nur ö Millionen ausgegeben. Seine Er- hvhnng auf 25 Millionen erscheint mit Rücksicht auf mögliche Bedürf- nisse geboten. Der Staatssekretär begründete sodann die Notwendig- keit. den Ertrag der direkten Steuern um rund 25 Proz. zu steigern, die Negierung schlägt dem Landlag dazu ein etwas kompliziertes, aber die Letstungsfähigkeit berücksichtigendes System in Anlehnung an die bisherigeil Tarife vor. Der Staatssekretär kündigte weiter eine Denkschrift über Wirt- schastliche Maßnahmen an, in der alle Kriegswohlfahrtsmasinahmen der Reglcnmg näher dargelegt würden und wies darauf hin, dasi auch in diesem Jahre aus allen Teilen des Deutschen Reiches Gaben für die geschädigten Teile Eliafi-Lothringens zusammengeflossen seien, die nunmehr über zwei Millionen Mark betrügen; auch der reichen Gaben für die sonstige Llriegswohlfahrtspflege wurde dankbar gedacht. Zum Schlüsse wies der Staatssekretär auf die zerschossenen Lrle und die Gräber im Lande, aber auch auf den guten Stand der Wiittersnateii und der Wiesen hin und betonte das feste Ver- trauen auf den weiteren Schutz durch das Heer, die Hoffnung auf die materielle Hilfe deS Reiches für die Kriegsschäden und die Gelvifiheit, das; nach dem Kriege neues, kräftiges Leben in Land- tvirlschast. Handel und Industrie Elsatz-Lothringens erblühen und so die ivichtigfte Grundlage jeder staatlichen Finanzwirtschaft erhalten bleiben werde. * Straftburg i. Elf., 20. April.(W. T. B.s Die Zweite Kammer trat um 3 Uhr im Landtagsgebände zur Bildung des Bureaus zu- sammen. Tic Wahl des Präsidenten fiel wiederum auf den Abg. Dr. Ricklin(Z.), zum Ersten Vizepräsidenten wurde Abg. Jung (Lothringer) und zum Zweiten Vizepräsidenten der Abg. B L h l e (Soz.i gewählt. Nach kurzer Unterbrechung der Sitzung hielt Tr. Ricklin eine Ansprache, in der er ausführte, daß leider das verflossene Jahr der Welt den ersehnten Frieden nicht gebracht habe. Immer neue Lpfcr an Gut und Blut fordere der schreckliche Krieg. Im Felde kämpfe unser heldenhaftes Heer mit ungebrochener Kraft und mit immer neu belebendem Mute gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Feind für den sicheren endgültigen Sieg. In der Heimat unterziehe sich das deutsche Volk in dem festen Willen, durch- zuhalten, in heldenhafter Ergebenheit allen wirtschaftlichen Beschrän- lungen uild verwirkliche durch äußerste Anspannung ungeahnte Er- folge, welche die Bewunderung der Welt in nicht geringerem Maße erregen als die glänzenden Waffentaten uirfercr Armee. Die clsaß- lothringische Bevölkerung sei sich der Pflichten, die sie gegenüber dem in Kriegsnot geratenen Vaterlande l>ibe, voll bewußt und er- stille dieselben mit der hütgebendsten Gewissenhaftigkeit. Daß ge- rade im elsaß-Iothoingischell Volke die Friedenssehnsucht besonders mächtig sei, sei begreiflich. Im Verlaufe seiner Rede gedachte Dr. Nickliu mit warmen Worten seiner 40 000 Landsleute, die in- folge der kriegerischen Ereignisse ihre Wohnstätten verlassen mußten, nur das Notdürftigste aus denselben rettend. Wir ge- loben, daß alles getan wind, mn ihnen ihr herbes Los ersprießlich zu gestalten. Zum Schluß gab der Präsideirt der Hoffnung Aus- druck, daß das Reich es als Ehrenpflicht erachte, die materiellen Eäiädeii zu heilen. Mit den moralischen Leiden müsse sich das Volk selbst abfinden. Es folgte die erste Lesung des Etats. Schamlose Wucherei. Die recktsstehende.Tägliche Rundschau", die schon so manches kräftige Wort gegen die Wucherei auf dein Gebiete der NahrungSmittclversorgung und gegen das iast völlige B-rsagen der zu- ständigen Reichsinstanzcn nach dieser Richtung hin gefunden hat. sagt in einem Kommentar der lüngsten Warnung, die das Ober- lommaitdo in den Marken an die Lcbcnsmittelwuchcrer gerichtet hat, unter anderem: „Seit langem schon fragte man sich und suchte vergebens eine Antwort auf die Frage, tvarum nicht der Bundesrat dafür sorgte, daß der schamlosen Lebensmitielwucherei, die gierig am Mark unseres nationalen Lebens sog und saugt, mit rücksichtsloser Strenge entgegengetreten wurde. Warum er nicht endlich im Jnter- esse unsercr Kriegführung und seines eigenen erschütterten Ansehens dafür sorgte, daß die pfiffigen und frechen Organisatoren deS Lebens- miltclwuchcrS aufhörten, mit den viel zu vielen und viel zu schwäch- lichcn Verordnungen der Regierung den reinen Spott zu treiben und sie zum Gelächter zu machen. D>e Sache war ja und ist ja längst in ein ganz festes Schema gebracht. S-owie der Bundesrat, immer noch abergläubisch ergeben dem Dogma vom Segen der Höchstpreise an sich, für irgendeine Ware Höchstpreise seslsetzte, verdunstete diese Ware plötzlich auf die wunderbarste und vollkommenste Weise. Ein wahres Mirakel; weuigstens gibt c§ im Bereiche des Physikalischen lein Gesetz, das diese Erscheinung erklären könnte. Das Ganze war und ist eigentlich ein plumpes Manöver der Interessenten am Nahrungsmittelwucher, um die Aushebung der ihnen unbequemen Höchstpreise zu erpressen. Erstaunlich ist außer allenfalls der Scham- losigleit dieser Wuchereiorganisati oren nichts als die Tatsache, daß die Regierung sich diese plumpen Finten mit sehenden Augen gefallen läßt und tu so und so vielen Füllen sich tatsächlich damit über- tölpeln ließ. Am erstaunlichsten wohl zeigte sich das bei der jüngsten Höchst- Preisfestsetzung auf dem Groß-Berliner Fleischmarlte. Obgleich für die Zufuhr durchdie neueOrqanisalion der Regierung angeblich gesorgt war, gab es im Angenbltck deS Jnkrafllretens der Höchstpreise für Rind-, Kalb- und Hammelfleisch in ganz Groß-Berlin so wenig etwas von diesen schönen Dingen mehr, wie es da vom Augenblick der Wirksamkeit der Schweinefleischhöckstvreise auch nur ein einziges Pfund Schweine- fleisch in einem Berliner Schlächterladen gab. Die Phanlasiepreise, die bei diesem aberwitzigen Zustande seit der vorigen Woche in Berlin für Fleisch gefordert und bezahlt wurden(Huhn kostete 15 M., Kalbfleisch das Pfund bis 6 M.. Kasseler Rippespeer bis 4,40 M., Schnitzel 7,50 M., eine 12-Pfund-Gans über 50 M., Rinderschabe- fleisch 4 M., westfälische Schlackwurst ö M.j. können sich gelrost mit denen messen, die wir bei Schilderung der Verhältnisse im be- lagerten Paris wie Märchendinge vernehmen. Selbst im lammfrommsten Negierungsblatt wurde angesichts dieser Zu- stände gefragt, ob denn die Bundesratsverordnung vom 23. Juli 1915 noch in Kraft stehe, wonach mit Gefängilis bis zu einem Jahre bestraft wird, wer für Gegenstände des täglichen Bedarfs, insbesondere für Nahrungsmittel, Preise fordert, die einen .übermäßigen Gewinn" enthalten. Nun, sie steht noch in Kraft, und die Frage ist also: Warum spürt man nichts von ihrer Aw- Wendung't Antwort; weil sie zu matt ist. Zuchthausstrafen allein sind hier angezeigt, aber nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Selbst in demselben lammfrommen, der Negierung nahestehenden Blatte konnte man lesen— was wir seit Jahr und Tag immer wieder einmal feststellen mußten—,„daß Misere berufs- mäßigen Lebensmittelver teurer besser organisiert sind als die RegierungSstelleii, die zur Unterdrückung der Warenzunickhaltung und des Preiswuchers berufen sind." Wenn dergleichen schon in der sreiwilllg-offisiöseii Presse zu lesen ist, dann muß eS wohl wahr sein. Der beschränkte Untertanenverstand wird nie begreifen, warum die Regierung die Milch der frommen offiziösen Denkungsart sich in so gärend Drachengift hat verwandeln lassen... Zum Schluß fordert das Blatt das Publikum auf, sich nicht bewuchern zu lassen, sondern rücksichtslos Anzeige zu erstatten, um die Wucherer nun scharf in Strafe nehmen zu können. Ein Erlaß jagt den anderen. Neuerdings wandten sich z. B. wieder drei preußische Minister an die Oberpräsidenten und Re- gierungspräsidenten. damit diese.mit allem Nachdruck" auf die ihrer Aufsicht unierstelltcu Organe einwirken, um eine bessere Fleisch- Versorgung herbeizusiihren. Nichts aber ändert sich, die NahrungS- mittelwucherer behalten die Oberhand! In der Chronik dieses Krieges wird das Kapitel Nahrungsmittclversorgung eine einzige Anklage bilden. Ueber den Verkehr mit Süßstoff ist in Ausführung des Bundesratsbeschlusses vom 30. März neuer- dings durch den Stellvertreter des Reichskanzlers folgendes bestimmt worden: Süßstoff darf zu anderen als den im Süßstoffgesetze vom 7. Juli 1902 genannten Zwecken nur gegen Bezugsscheine an die Verbraucher abgegeben werden. Die Preise bestimmt der Reichs- kanzler. Tie Bezugsscheine stellt die Neichszuckerstelle aus; sie sind nicht übertragbar. Die Reichszuckerstelle kann den Bezug von Süß- stoff bis auf lveiteres Gewerbetreibenden zum Zwecke der Herstellung von Limonaden(nalürlichen und künst- lichen) sowie Ii moi, adenartigen Getränken aller Art mit und ohne Kohlensäure gestatten. Die Reichszuckerstelle erläßt die näheren Bestimmungen._ Die Durchfuhr von Käse über die Grenzen des Deutschen Reichs ist verboten worden. „Tlusländischer Käse" aus Bayern. Aus Frankfurt a. O. wird berichtet: Wie überall, so gibt es auch hier nach Einführung von Höchst- preisen noch.ausländischen" Käse. Um nun den wenig glaubhaften Behauptungen der Händler auf den Grund zu gehen, nach denen die Produktion in Deutschland eingestellt sei, wurde von Konsumenten- seite eine Anfrage an die Lieferanten in Kempten(Allgäu) gerichtet. Die Antwort ist ein vernichtendes Urteil für die eigensüchtigen Interessenten: Drei hiesige große Firmen haben regelmäßig vom Allgäu ihre Lieferung erhalten!— Es ergibt sich hieraus die Not- wendigkeit, daß die Behörden auch den Versand' der Fabriken von Käse und sonstigen, vom Markte verschwundenen Erzeugnissen scharf überwachen. Der„vorwärts" im Grganifationsstatut. Die Kontrolle üer berliner Genojsen über öen„vorwärts". Nach dem Hallenser Parteitag wurde in Berliner Parteikreiseu bemängelt, daß die Berliner Parteigenossen keinen Einfluß auf den lokalen Teil des„Vorwärts" hätten. Sie brachten einen An- krag ein, der ihnen diesen Einfluß einräumen sollte. Auer er- klärte auf dem Parteitag in Erfurt, der Parteivorstand erkenne durchaus an, daß den Berliner Genossen ebenso gut wie denen aller aiuderen Orte bis zu einem gewissen Grade ein bestimmender Einfluß auf ihr Parteiorgan zugestanden werden müsse. Sie müßten das Recht erhalten, für den„Vorwärts" eine Preß- kommission einzusetzen. Es sei aber nicht angängig, daß diese ge- trennt vom Parteivorstand arbeite.„Zwei Instanzen nebeneinander mit gleichen Rechten, deren Beschlüsse sich eventuell aufheben könnten, dürfen wir nicht funktionieren lassen. Die Kommission muß vielmehr mit dem Partcivorstand die betreffenden Beschwerden zu erledigen suchen." Der Erfurter Parteitag nahm dann folgenden Antrag an: „Der Parteitag erklärt sich damit einverstanden, daß die Berliner Genossen eine Kommission von neun Mitgliedern wählen, welche in Gemeinschaft mit dem Parteivorstand die Kon- trolle des lokalen Teils des.Vorwärts" zu übernehmen haben." In den folgenden Jahren wurde den Parteiiagen berichtet, daß die Sitzungen, die die Preßkommission gemeinschaftlich mit dem Partervorstand und der Redaktion abgehalten haben, allgemein befriedigt hätten. In den Sitzungen beschränkte man sich natürlich nicht allein auf die Besprechung des lokalen Teils, sondern es kam häufig zu einer allgemeinen Aussprache auch über die prinzipielle und taktische Haltung des„Vorwärts" im allgemeinen. Ans dem Parteitag in Hamburg 1897 wurde den Berliner Genossen ihr tatsächlich bereits ausgeübtes Recht, über alle Teile des„Vorwärts" mitzubestimmen, durch einstimmige Annahme fol- genden Antrag?, der als§ 17a in das Organisationsstatut hineinkam, auch förmlich anerkannt: „Zur Kontrolle der prinzipiellen und taktischen Haltung des Zentralorgans sowie der Verwaltung des- selben wählen die Parteigenossen Berlins und der Vororte eine Preßkommission, welche aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden beteiligten Reichstagswahlkreis besteben darf. Einwände der Preß- kommission sind dem Parteivorstandc zur Erledigung zu unter- breiten, von Anstellungen und Entlassungen im Personal der Re- daktion und Expedition ist der Pretzlommission vor der Entschei- dung Mitteilung zu machen und ihre Ansicht einzuholen." Die Pretzlommission hatte hiernach noch nicht die volle Gleichberechtigung mildem Parteivorstand. Diese erlangte sie auf dem Parteitag in Hannover. Tie Erweite- rung des Rechts der Berliner wurde durch den Hinweis begründet, daß sich von den Abonnenten 50 000 in Berlin und nur 3000 außerhalb befinden. Es wurde anerkannt, die Berliner haben ebenso ein Recht darauf, Einfluß auf ihr Blatt zu gewinnen wie jeder Ort in der Provinz, Der Antrag wurde nahezu einstimmig angenommen. Er entspricht dem heutigen Z 25 und lautet: § 25. Zur Kontrolle der prinzipiellen und tak- tischen Haltung des Zentralorgans sowie der Verwaltung desselben wählen die Parteigenossen Berlins und der Vororte eine Preßkommission, die aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden Reichstagswahlkreis bestehen darf. Die Preßkommission mit scheidet in Gemeinschaft mit dem Parteivorstand über alle Angelegenheiten des Aentralorgans, insbesondere Wer Anstellungen und Entlassungen im Personal der Redaktion ultd Expedition. Bei Meinnn�sverschiedercheiten entscheiden die Kontrollkmnmiffion, der Parteivorstand und die Pveßkomunssion in der Art mit gleichen Rechten, daß jedes dieser drei Organe eine Stimme hat. In den späteren Berichten an den Parteitag, z. B. an den Parteitag in Mainz, wird vom Parteivorstand hervorgehoben, daß die Kontrolle über die Haltung und Verwaltung des Zentralorgans vom Parteivorswnd und den Berliner Genossen in zahlreichen gemeinschaftlichen Sitzungen erledigt ist. berliner Druckerei. In Berlin waren im Ansang der 90er F�hre starke Bestre- Hungen dahingerichtet,'den„Vorwärts" und die übrigen in Berlin herzustellenden Drucksachen in einer eigenen Druckerei herstellen zu lassen. Im Parteivorstand wurden Bedenken geäußert, die Druckerei auf Kosten der Gesamtpartei zu übernehmen. Die Berliner er- widerten, daß sie das auch nicht beabsichtigten, sondern auf eigene (Berliner) Rechnung die Druckerei übernehmen wollten. Dem hatie der Parteivorstanid nichts entgegenzusetzen; im Jahre 1902 konnte er dem Parteitag mitteilen, daß die neue Druckerei am 1. Oktober eröffnet werde und daß zu ihrer Einrichtung von den Berliner Genossen und speziell durch die Gewerkschaften mehrere Hundert- lausend Mark als Darlehen beschafft worden seien. Am 1. Ot- tober trat dann die von Berliner Genossen errichtete Druckerei in Betrieb. Später wurden die Darlehen sämtlich zurückgezahlt. Auf dem Parteitag zu Bremen(1904) gab Genosse Richard Fischer zwar auf die Anfrage, wie es mit einer Angelegenheit in der Druckerei stehe, Auskunft, erklärte aber ausdrücklich unter Zustimmung des Parteitages:„Ich möchte vorausschicken, daß eS nicht angängig ist, jeden einzelnen Fall, der sich in der Vorwärts- Druckerei abspielt, hier vor den Parteitag zur Entscheidung zu bringen; schon desseqen nicht, weil die Berliner Dl uckerek Eigentum der Berliner Genossen, nicht dos der G c s a m t p a r t e i i st." Zur Wahrivehmung der Rechte der Berliner sind natürlich Treuhänder eingesetzt, die formal-juristisch als Eigentümer anzusprechen sind. Die Kontrolle über üie prinzipielle Haltung öes Parteiorgans. Wie der§ 25 des Statuts und die obigen Darlegungen ergeben, sind über die Kontrolle für den„Vorwärts" besondere Vorschriften geschaffen. Es findet sich noch in K 19 eine Bestimmung, die ihrem Worttaut nach naturgemäß auf den„Vorwärts" überhaupt keine Anwendung finden kann, da ja der§ 25 über die Kontrolle des Zentralorgans eingehende Vorschriften trifft. Der§ 19 bestimmt: „Der Parteivorstand kontrolliert die prinzipielle Haltung der Partei- organe." Diese Vorschrift befand sich bereits in dem von der Reichs- tagsfraktion dem Parteitag in Holle im Jahre 1890 vorgelegten Organisationsstatut. Ten Beratungen in der Fraktion hatte Ge- nosse v. Bollmar wegen Krankheit nicht beiwohnen können. Er und andere Genossen hatten diese Bestimmung scharf angegriffen, weil sie fürchteten, sie könne zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit, zu einer Art Zensur, führen und die lokalen Blätter gefährden. Dem- gegenüber führte Genosse Auer auf dem Parteitag zu Halle aus, es sei ja schon eine physische Unmöglichkeit, weil die Partei hundert Parteiblätter hat,„diese gesamte Presse zu kontrollieren und cven- tuell zu zensieren, ein Vor st and, der sich so etwas her- ausnähme, würde einfach„hinausfliegen". Tcr Zweck des Vorschlages sei völlig verkannt. Der Zweck gehe dahin, festzustellen,„ob dieses oder jenes Organ wirklich befähigt und vc- rechtigt ist, im Namen der sozialdemokratischen Partei zu schreiben und zu sprechen. Wollen Sie den Vorstand nicht mit dieser Aus- gäbe betrauen, so müssen Sie eben ein anderes Organ schaffen," Vellmar erwiderte, zweifellos müsse, wenn ein Blatt nicht auf dem prinzipiellen Boden der Partei steht, irgendeine Stelle zu der Er- klärung befugt sein, daß das Blatt nicht zu uns gehöre. Aber im Gegensatz zu Auer meine er, reichen die Parteigenossen des Ortes vollkommen aus. Blätter, die auf unserem Programm stehen, aber lsinten herum eine abweichende Ansicht vertreten, Feindseligkeiten hereintragen, dürsten nicht desavouiert werden, sonst haben wir keine freie Presse mehr. Auch andere Genossen sprachen sich dafür aus, daß die Kontrolle der Presse den Parteigenossen am Orte?u- stehen müsse. Genosse Auer erklärte, keineswegs solle der Partei- vorstand den Zensor über die Presse spielen, die Vorschrift perfolge nur den Zweck, daß irgendein Organ— der Vorstand oder eine spezielle Kommission— da sein müsse, das in solchen Fällen, wie denen der„Roten Fahne" oder des„Volksfreunds" erkläre:„Die Partei hat mit dem Blatt nichts zu tun." In der Fünfund- zwanziger-Kommission wurde die Kontrollvorschrift im Organija- tionsentwurf nochmals eingebend diskutiert. Insbesondere wurde an der Hand der Parteigeschichte dargelegt, daß lediglich lokale Organe bei den Zeitungen, die für das ganze Reich geschaffen sind, um gegen die Partei als scheinbares Parteiorgan aufzutreten, nicht ausreichen, um zu erklären: die Partei hat mit dem Blatt nichts zu tun. Ein weiteres als eine solche Erklärung zu ermöglichen, bc- zwecke die Vorschrift nicht. Die Opposition gegen den Kontroll- Vorschlag wurde hierauf aufgegeben. Stach alledem kann nicht zweifelhaft sein, daß der jetzige§ 19 dem Parteivorstand oder einer sonstigen Parteileitung keineswegs das Recht zuspricht, irgendwie in die redaktionelle oder technische Herstellung eines Blattes einzugreifen, sondern lediglich bezweckt, von Blättern, die nicht von Parteiorganisationen getragen werden und nicht auf dem Boden des Parteiprogramms stehen, sestzustellen, daß sie mit der Partei nichts zu tun haben. Soziaies. Zimmercrarbeite» in Polen. Die Bauarbeiten, welche von Berliner Firmen in Polen ausgeführt werden, ziehen öfter bei Beendigung des Arbeits- Verhältnisses Streitigkeiten darüber nach sich, ob und in welcher Höhe den Arbeitern die R e i s e k o st e n von der Firma zu vergüten sind. Die Arbeitsverträge enthalten zwar Bc- stimmungen hierüber. Aber wie dieselben im Einzelfalle auszulegen und anzuwenden sind, ist oft Gegenstand des Streites. In dem Arbeitsverträge, den die Firma Holzmann u. QTo. mit einem Zimmerer abgeschlossen hatte, wurde unter anderem be- stimmt, daß die Firma die Kosten der Hinreise auslegt, dieselben aber zurückfordern kann, wenn der Zimmerer vor Ablauf von sechs Wochen die Arbeitsstelle verläßt, oder durch seine Schuld entlassen wird. Der Zimmerer hatte drei Wochen bei einem Brückenbau in Polen gearbeitet. Dann bemerkte er, daß er auf dem Gerüst über dem Wasser schwindelig wurde und einen Absturz befürchten mußte. Er bat deshalb um Zuweisung anderer Arbeit. Man beaustragre den Zimmerer nunmehr, Sägen zu schärfen. Diese Arbeit ging ihm aber nicht recht von der Hand. Nach An- gäbe des Zimmerers lag da« daran, daß ihm mangelhaftes Werl« zeug gelieserr wurde. Die Firma behauptet dagegen, der Zimmerer sei zu dieser Arbeit nicht tauglich gewesen, und entließ ihn. Der fällige Lohn im Betrage von 67,35 M. wurde nicht ausgezahlt, sondern sollte gegen die Kosten der Reise nach Polen verrechnet werden. Durch Klage beim Gewerbe« g e r i ch t in Berlin beanspruchle der Zimmerer die Zahlung des rückständigen Lohnes. Die Firma aber erhob Widerklage auf Rückzahlung der Reisekosten von Berlin nach Polen, die sie mit 190 M. berechnete. Die Firma berief sich darauf, daß der Kläger durch seine Schuld entlassen worden sei. Denn er habe die ihm übenragenen Arbeiten nicht leisten, also leine VertragSpflicht nicht erfüllen können.— Die Kosten der Rückreise hat der Kläger aus seiner Tasche bestritten. In dieser Hinsicht stellte er keinen Anspruch an die Firma. Das Gericht(Kammer 3) verurteilte die be« klagte Firma(deren Vertreter einen Vergleichsvorschlag auf Zahlung von 50 M. grundsätzlich abgelehnt hatte) zur Zahlung der geforderten 67,35 M. In der Urteilsbegründung wurde gesagt: Da die Firma den Kläger ernließ, so hätte sie nach den Bestimmungen des Arbeitsvertrages auch die Kosten der Rückreise tragen miissen, die aber vom Kläger nickt gefordert werden. Die Zurückzahlung der Kosten der Hinreise zu beanspruchen sei die Firma nicht berech- ligt. Der Kläger habe den Arbeitsvertrag erfüllt, denn er habe ja drei Wochen die Arbeiten, zu denen er angenommen war, geleistet. Wenn er nach dieser Zeit schwindelig wurde, so sei das nicht sein Verschulden. Auch in der unbefriedigenden Ausführung des Sägen- schärfens fei kein Verschulden des Klagers und keine Verletzung des Arbeitsvertrages zu finden, denn zu dieser Arbeit sei er ja nicht an- genommen. In einem anderen Falle, wo ein Zimmerer gegen die Firma Dickhoff u. Wittmann klagte, hatte der Kläger unstreitig Anspruch auf Zahlung der Rückreisekosten durch die Firma. Er hat das Fahrgeld erhalten, beansprucht aber außerdem sür jeden der drei Reisetage 7,50 M. Lohn und 6 M. Verpflegunas- geld. Der Kläger berief sich darauf, daß diese Sätze für die Tage der Hinreise gezahlt wurden, sie müßten also auch sür die Rückreise gewährt werden.— Der Vorsitzende, M a g i st r a t S r a t Dr. Schalhorn erklärte, es sei nach der herrschenden Praxis zweifellos, daß der Kläger den entgangenen Arbeitsverdienst sür die Reisetage zu fordern habe. Ob ihm außerdem noch Verpflegung?- gelber versprochen worden seien, müsse der Kläger nachweisen.— Diesen Nachweis konnte der Kläger im Augenblick nicht führen. Er ließ deshalb, um einen Termin zu vermeiden, die Forderung des Verpflegungsgeldcs sollen, beanspruchte aber Erstattung der Ver- säumniskoslen für den gegenwärtigen Termin.— Das Gericht sprach dem Kläger 22,50 Mark L o h n e n t s ch ä d i g un g für drei Reisetage sowie 3,50 M. Terminsenffchädigung zu. Mus Groß-öerlin. Von öen Gemeinöeschulen Serlins. Die äußere Entwicklung des Berliner Gemeindeschulwesens, so weit sie sich tn der Zahl der Schulen und der Klassen aus drückt, hat in den letzten Jahren eine merkliche Verlangsamung ge habt. Wenn man da? Jahrzehnt vom Winter 1Sl)S/l)ü bis zum Winter ISIS/IS in zwei Hälften zerlegt, so ergeben für diese sich sehr beträchtliche Unterschiede. Die Gemeindeschulen wurden der mehrt in dem ersten Jahrfünft von 280 um 22 auf 302, in dem zweiten um nur 9 auf 311. In dem zweiten Jahrfünft brachte allerdings die Zusammenfassung der Neben« und der Hörllassen zu Hilfsschulen und zu Schulen für Schwerhörige noch einen besonderen Zuwachs: 20 Hilfsschulen und 4 Schulen für Schwer hörige. Die Gesamtzahl der Klasten wuchs im ersten Jahr fünft von 4870 um 3S1 auf 5221, im zweiten um nur noch 80 au 6301. In diesen Zahlen sind enthalten die Normalklassen sowie die Hilss« und Nebenklassen» die Hörllassen und seit dem zweiten Jahr fünft auch Vorklassen. Im ersten und im zweiten Jahrfünft wurden vermehrt die Normalklassen von 4743 um 308 auf 5053 und dann um nur noch 31 auf 5087, ferner die HilsS« und Nebenklasscn von 117 um 23 auf 145 und dann um 7 auf 152, die Höcklassen von um 15 auf 23 und um 4 auf 27, und schließlich kamen dazu im zweiten Jahrfünft 53 Vorklassen. AnderS Ivar in derselben Zeit die Bewegung der Schul kinderzahl. Die Gesamtzahl der Gcmcindeschulkindcr stellte sich im Winter 1905/06 aus 225 216, stieg bis Winter 1907/08 auf 228 463 und sank bis Winter 1810/11 auf 226 257, so daß die Zunahnie aus dem ganzen Jahrfünft 1041 betrug. Das zweite Jahrfünft brachte einen bis Winter 1912/13 dauernden Rückgang auf 224 187, dann aber wieder eine Zunahme bis auf 228 701 im Winter 1915/16, so daß dieses Jahrfünft mit einer Zunahme von im ganzen 2414 günstiger als das vorhergehende abschloß. Die Klassenbesetzung war nach dem allgemeinen Durchschnitt— d. h. wenn man die schwach besetzten Vor«, Hilss« Neben- und Hör klassen mit den meist stark besetzten Normalklassen zusammenwirft— im Winter 1905/06 über 46(genauer: 46,2), im Winter 1910/11 über 43(genauer: 43.3), im Winter 1915/16 immer noch über 43 (genauer: 43,1). Die Abwärtsbewegung der Klassenbesetzungsziffer ist leider zum Stillstand gekommen. Ter bargeldlose Zahlungsverkehr im Berliner Kommunallebcn. Dem bargeldlosen Zahlungsverkehr wendet die städtische Finanz verwattmrg von Berlin von jeher großes Interesse zu. Besonders jetzt ist sie bestrebt, die Ausbreitung dieser Zahlungsweise auch seitens der an die Stadtgemeinde Zahlungspflichtigen nach drücklich zu fördern. Für die Bezahlung von Steuern aller Art, Kanalisationsgebuhren, Wasser«, Gas« und EIcktrizitätSrechnungen ist den Zahlungspflichtigen stets als die für sie und die Kassen einfachste und bequemste Zahlungsweise die empfohlen worden, daß sie der Kasse ein Bankhaus als ihre Zahlstelle bezeichnen und die Kasse bei diesem die Einziehung durch Vermittelung der Bank des Berliner Kasscnvereins bewirkt. Für die Steuer zghluug ist von dieser Zahlungsart in ständig wachiendem Umfange Gebrauch gemacht worden. 1914 wurden 123 162 Ouitlungcn im Gesamtbeträge von 62 230 000 M. auf diesem Wege beglichen. Um diese für die Bezahlung der Kanalisationsgebühren der GaS Wasser- und Elcktrizitätsrechnungen bisher nur in geringerem Um- fange benutzte Zahlungsweise hicriür mehr in Aufnahme zu bringen. werden seitens der städtischen Wcrkseinziehungsabteilung und der Gasrcvierinspektionen jetzt die erforderlichen Schritte getan werden. Einheimische Tees. Amtlich wird mitgeteilt: Infolge des ständigen SteigenS der Preise, für chinesischen, japanischen und sonstigen asiatischen Tee wird darauf hingewiesen, daß es zahlreiche einheimische Tees gibt, die im Haushalt an Stelle von asiatischem Tee Verwendung finden können. Allerdings fehlt den in Betracht kommenden einheimischen Tees das Alkaloid Thein(Coffein), jedoch liefcin sie brauchbare und gesundl?eit- lich einwandfreie Getränke, die schon seil altersher in Europa genojicn und hier erst allmählich immer mehr und mehr durch den asiatrschen Tee verdrängt worden sind. Im allgemeinen pflegt man übrigens den im Haushalle als Familiengetränk bestimmte» chinesischen Tee nicht so stark herzustellen, daß die Alkaloidwirkung eine erhebliche Rolle spielen könnte. Die Zubereitung der einheimischen Tees entspricht der des chinesischen Tees. Als einheimische Tees kommen vornehmlich die jungen getrock« neten und alsdann zerkleinerten(geschnittenen) Blätter der Erdbeere, Brombeere, Heidelbeere, Moosbeere, Kronsbeere, Preisselbeerc, schwarzen Johannisbeere, Himbeere, Stechpalme, Kirsche, Birke, Ulme, Weide und Eberesche sowie des Schwarz- oder Schlehdorns und Weidenröschens in Bewacht. ES hängt vom Geichmack des einzelnen ab, welchen Blättern er den Vorzug geben will. Bei der erheblichen Anzahl wird jeder, der in der gegenwärtigen Zeit an Stelle des sehr teuren asiatischen Tees ganz oder teilweise billigen �einheimischen Tee verwenden möchte, schon ein ihm zusagendes Gstränk heraussindeir. Bemerkt sei jedoch, daß davon abzusehen ist, als tägliches Familiengetränk solche Tees zu verwenden, die als Arzneimittel besondere Wirkungen aus- zuübcn vermögen, wie zum Beispiel Lindenblütentee und Fliedertee. Die zuvor genannten einbeimischen Tees werden zum Teil noch in Apolhelen und Drogengeschäften geführt. Es wäre erwünscht, daß auch der Drogeiigroß- und Kleinhandel dem Einsammeln, Trocknen und Vertrieb der als Genußmiltel in Betracht kommenden einheimischen Tees alsbald besondere Beachtung schenkte, zumal es der Bevölkerung nur zum Teil möglich ist, sich selbst derartige Tees zu sammeln._ Ablieferung vo» Metallgegel«standeu. Die in der Verordnung des Kriegsministriums vom 16. No- vember 1913 genannten Personen und Betriebe, welche nach dieser Verordnung der Enteignung unterliegende Gegenstände aus Kupfer Messing und Nein nickel noch im Besitz haben, werden aufgefordert, diese spätestens bis zum 30. April bei den Sammelstellen der städtischen Gas-Revier-Jnspektionen in der Zeit von 8— lOVe Uhr vormittags zur Ablieferung zu bringen. Wer dieser Aufforderung nicht unverzüglich nachkommt, setzt sich der Gefahr der Zwangsvollstreckung aus, die mit hoben Kosten ver- bunden ist, und hat außerdem die strafrechtliche Verfolgung(Geld- strafe bis zu 10 000 Mark und Gefängnisswafe bis zu einem Jahre) zu gewärtigen._ In Todesangst aus dem Fenster gestürzt. Ein schweres Unglück hat sich in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch in der Gitschiner Straße 61 zugetragen. Dort wohnt im vierten Stock die 24jährige Arbeiterin Minna Heuer. Am Dienstag- abend war die H. kurz vor 10 Uhr nach Haus zurückgekehrt und bereitete sich mittels eines Spirituskochers das Abendessen. Dabei muß das Mädchen den Spirituskocher, der auf einem Tisch neben dem Bett stand, umgestoßen haben, worauf sich die brennende Flüssigkeit über das Bett ergoß. Im nächsten Augenblick stand dieses sowie andere Möbel in Flammen und versperrten den Zimmerausgang. In ihrer Angst eilte die Unglückliche au das Fenster, um Hilfe zü rufen. Dabei hat das Mädchen das Gleich- gewicht verloren und ist auf den Hof herabgestürzt. Mit zer Die Baustelle der A. E. G.- Schnellbahn Gesundbrunnen— Neu kölln an der Jannowigbrücke, wo kürzlich eine Senkung und ein Wassereinbruch Schwierigkeiten verursachte, ist jetzt von allen Trümmern vollständig gereinigt. Die eiserne Spundwand ist fix und fertig. Die Sohle der Spree wird noch durch Aufschütten von Sand an den gefährdeten Stellen verbessert. Die Jannowitzbrücke ist für den Straßenbahnverkehr in beschränktem Umfange freigegeben worden. In der Brückenstraße wird nunmehr der Boden für die Anschlußstrecke des Tunnels ausgehoben und beseitigt. Mit dem Auspumpen der voll Wasser gelaufenen Baustelle am Brandenburger Ufer kann in Kürze begonnen werden. Auch an anderen Stellen, in der Dresdener-, Brunnen- und an der Neuen Friedrichstraße sind die Arbeiten wieder flott im Gange. Zuckervcrsorgnngsstclle Berlin. Zum Zwecke der Versorgungs regelung mit Zucker ist vom Magistrat eine besondere Geschäftsstelle eingesetzt worden. Sie zeichnet.Magistrat Zuckerversorgungsstelle Berlin". Das Bureau befindet sich im Rathaus. Frcibadckarten für bedürftige Genieindeschulkinder. Wie in den Vorjahren, so werden auch in diesem Jahre Freibadekarlcn für die städtischen Flußbadeanstalten an bedürftige, über 10 Jahre alte Gel meindeschulkiuder verteilt werden. Die Verteilung erfolgt auSschließ lich durch die Rektoren und Hauptlchrer. Uuzuvcrläsfige Händler. Das Polizeipräsidium teilt mit: Au Grund der Bundesratsverordnung vom 23. Sptember 1915 hat der Polizeipräsident von Berlin dem Produktenhändlcr Adolf Sommer- feld, hier. Prenzlauer Allee 100, den Handel mit Metallen wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt. Auf Grund der Bundesratsverordnung vom 28. September 1915 hat der Polizeipräsident von Berlin der Frau Berta Härtel geborene Michael verw. Schultze, hier, Schrcincrslraße 66, den Handel mit Nahrungsmitteln wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Handels betrieb untersagt. Ertrunken. Ein Booisunfall hat sich in der Nacht zum Dienstag in Lichtenberg ereignet. Der 17 jährige Arbcitsbursche Otto Kadur aus der Petersburger Straße 55 in Berlin und der gleichaltrige Sawitzky wollten in der Nacht, während sie sich auf dem Heimwege befanden, auf dem Teich der Dictzschcn Seeterrasse in der Röder straße eine Kahnfahrt unternehmen. Sie machten heimlich ein Boot los und fuhren auf den Teich hinaus. Wahrscheinlich haben die jungen Burschen unterwegs die Plätze wechseln wollen, das Boot kippte um und die Insassen fielen ins Wasser. Während es Sawitzky gelang, durch Schwimmen das Ufer zu erreichen, ging Kadur unter und erlrank. Die Leiche des Ertrunkenen konnte am nächsten Morgen gelandet werden. kleine Nachrichten. Auf der Karlshorster Nennbahn gestorben ist der 71jährige Rentier Mätzke aus Friedrichsfelde, der am Nach- mittags des zweiten Ostcrfeiertages plötzlich leblos zu Boden sank Ein anwesender Arzt konnte nur noch den infolge Herzschlages ein- getretenen Tod feststellen.— Vor dem Hause Hermannstr. 231 in stkeukölln lief der 12jährige Alex Karbnd unmittelbar bor einem in der Richtung nach dem Hermannplatz fahrenden Straßenbahnwagen der Linie C auf das Gleis und wurde umgestoßen. Der Knabe ge- riet unter die vordere Plattform und erlitt eine Gehirnerschütterung und schwere innere Verletzungen. Er wurde nach dem Neuköllner Krankenhause gebracht.— Lebensüberdruß hat den 64 Jahre alten Arbeiter Franz Bussack in den Tod getrieben. Meistens hielt er sich in der Gegend der Pückleisiroße auf, ernährte sich durch Hand rcichungen, die er dort in der Markthalle und bei Handwerksmeistern leistete und fand bald hier bald da ein Unterkommen für die Nacht. Zuletzt half er bei einem Töpfermeister aus, der auch das Essen gab. Er wurde aber immer schwächlicher und seines Lebens über drüssig. Gestern morgen fand man ihn in seinem Arbeitskeller in der Pücklerstraße erhängt auf. Mus öen Gemeinden. Milchvorzusiskartcn in Neukölln. Wie aus einer Bekanntmachung des Magistrats hervorgeht, werden von jetzt an in Neukölln an bedürftige Kriegersraucn, die leinen weiteren Ernährer in der Familie haben und somit nur auf die Kriegsunterstützung angewiesen sind, Milchvorzugskarten über einen Liter für Kinder bis zu zwei Jahren ausgegeben. Diese Vor- zugskarten berechtigen nur zur Milchentnahme in den Geschäften der Meierei I. Schmidt Söhne in Neukölln. Nach einem zwischen dieser Firma und dem Magistrat getroffenen Abkommen ist diese Firma verpflichtet, auf Milchvorzugskarten Milch zum Preise von 28 Pf. ür den Liter abzugeben. Anträge auf Zuteilung einer solchen Vor- ;ugskarte sind nur bei der zuständigen Brotkommission gegen Vor- age der Kriegsunterstützungs-Ausweiskarte zu stellen. schmetterten Gliedern wurde sie tot aufgefunden. Der inzwischen alarmierten Feuerwehr gelang es alsbald den Zimmerbrand zu lösche». Genchtszdtog. DelcgationSrccht des Oberbefehlshabers. Mit der Frage, ob ein militärischer Oberbefehlshaber .eine Befugnisse aus dem Bclagerungsgesetz einer anderen Behörde übertragen könne, befaßte sich abermals das Kammer- gerickt. Es verneinte diese Frage abermals grundsätzlich, be- tätigte aber die Verurteilung eines Angeklagten, der das Verbot des Regierungspräsidenten zu Minden, nichtgewerbliche Mühlen zum Vermählen von Brotgetreide zu benutzen, übertreten hatte. Die Begründung ging dahin: Es ,el allerdings u n z u l S s s, g, daß ein kommandierender General seine gesetzgebenden Befugnisse aus dem Belagerungsgci'etz auf andere übertrage. Darm» handle es sich hier aber nicht. Hier habe der stellvertretende komman- diereude General zu Münster durch seine Verordnung vom 2. Februar 1915 die RegieruiiaSpräsidenten.ersucht', was eine mildere Form für eine Auffor derung sei. die Benutzung der privaten Schrotmühlen nach ihrem Ermessen zu verbieten. Mit dem Ermessen sei hier lediglich gemeint, daß der Regierungspräsident ich entweder an die einzelnen Inhaber nichtgewcrblichcr Schrot- mühlen wenden oder aber auch io verfahren konnte, daß er sich qenerell an die Inhaber aller privater Schrotmühlen wandte irnt einem Verbot und es den einzelnen überließ, im Wege der Gegenvorstellung eine Ausnahme zu erreichen. Diese Art einer gewissen Ilebertragung von Entscheidungen fasse der Senat nicht als eine Delegation von Gesetzgebungsbefugnissen, die unzu- lässia wäre auf. Es sei dem Reichsgericht zuzustimmen, dag der Fall nicht anders aufzufassen wäre, als wenn der kommandierende General ein Waffenverbol crlape Mid ine Polizeibehörden ermächtige. Ausnahmen zu gestatten. In dem einen wie ,n dem anderen Falle habe der kommandierende General nicht seme Befugn„se anderen Behörden übertragen, sondern er habe d t e s e andere nBe- Hörden im Rahmen seiner Befugnisse zu««wissen Maknabmen ersucht, die gleichsam als von ihm selber aelroffen anzuscben seien. Somit sei die Auorduung des Rcgierungs- Präsidenten gültig und der Angeklagte sei wegen Uebcrtrctung der Verordnung des kommandierenden Generals von. 2 Februar 1915 auf Grund des s 9b des Belagerungsgcsetzes zu verurteilen gewesen. hervor» daß bei der Begründung der„Kredit- und Jmniobiliengesell- schaft Winklcr u. Ko.' der Angeklagte eine.Sacheinlage' gemacht hat, die er auf 100 000 M. bewertete. Diese Sacheinlage bestand au? den Verkaufsoplionen, die der Angeklagte erworben hatte. Zu den Ge- ichäftsleilnehmern gehörte auch ein O b e r st a b s a r z t a. D. Dr. D a m a n n, mit dem der Angeklagte bekannt geworden war und an den er sich wandle, als Herr Eichbaum sich zurückziehen wollte und sein Geld kündigte. Wie der Vorsitzende dem Angeklagten vor- hielt, habe Dr. D. auch nur eine Sacheinlage gemacht, die der An- geklagte selbst als eine Scheinanlage bezeichnete. Dr. D. habe sich vertragsmäßig verpflichtet gehabt, dem Angeklagten vierteljährlich für 20 000 M. Wechsel zu diskontieren, die sich in Höhe von 25 bis 200 M. hielten und mit einem Fälligkeilstermin von 3 bis 6 Monaten ausgestellt wurden. Wenn man nun annehme, daß Dr. D. an jedem Wechsel, den er diskontierte, nur 3 M. verdiente, so könne man sich vorstellen, welches Jahreseinkommen dem Dr. D. aus diesen Geschäften erwuchs. Ter Angeklagte ist als Sohn eines kleinen pensionierten Post- beamten in kleinen Verhältnissen groß geworden; seine erste Frau, die ihm zwei Ilinder geschenkt, ist kürzlich in der Irrenanstalt gestorben, seine zweite Frau ist sehr leidend. Er hat in der Winterfeldtstr. 34 eine gut eingerichtete Wohnung inne gehabt und behauptet, daß er keinen besonderen persönlichen Aufwand gelrieben habe. Der Vorsitzende hielt ihm vor, daß er nach den Ermiitelungen monatlich 24000 bis 30000 M. eingc- n o m m e n habe, so daß sich eine Jahreseinnahme von 360 000 M. ergebe. Beispielsweise habe er ans Vorschüssen in der Zeit vom 1. Oliober bis 81. Dezember 1913 14 527 M. ver- einnahmt und es hätten in dieser Zeit allein 276 Gesuche vorgelegen. Dazu komme noch eine große Nebeneinnahme, die dem Angeklagten durch Verkauf solcher Darlehnsgesuche, die er von vornherein abgelehnt halte, zufloß. Obgleich der Angeklagte tu seinen Inseraten.diskrete' Behandlung zusagte, verkaufte er solche von ihm von vornherein abgelehnte Gesuche an die damals bestehende, von einem Gastwirt begründete und �914 eingegangene„Große Deutsche Börsenzeitung', die übrigens mit der Börse keinerlei Beziehungen gehabt hat. Die Darlehnssucher gerieten dann in eine Art Kesseltreiben. Diese Zeitung forderte dann die Leute, deren Adressen ihr vom Auge- llagten verkauft worden waren, aus. in der„Großen Deutschen Börsen- zeitung' zu inserieren, was der praktischste Weg wäre, Darlehne zu erhalten. Für 100 Stück solcher Adressen erhielt der Angeklagte 5 M. Die Tatsache, daß er vom 6. Januar 1912 bis 26. März aus diesem Nebengeschäft 1924 M. eingenommen hat, zeigt, wie unendlich viele Darlehnsgesuche der Angeklagte halte, die er von vornherein ablehnte. Der Vorsitzende versuchte vergebens von dem Angeklagten hcrauszubclommcn, wo das viele Geld geblieben ist. Denn er hat schließlich nicht? mehr gehabt und ist zum Offen- barungseid geladen worden. Der Angeklagte verwies dem- gegenüber immer wieder auf die„enormen Unkosten', die er gehabt habe, und ließ auch durchblicken, daß er vielleicht durch sein Personal geschädigt worden sei.— Zur Anzeige gebracht sind 9 0 Fälle, in denen die Darlehnssucher betrogen sein wollen. Dazu kommen 60 Fälle, die von den Sachverständigen bei Durchsicht der Papiere als„Vorschußneppereien' festgestellt worden sind. Ferner 1881 Fälle aus den letzten Monaten des Jahres 1913, in denen es sich gleichfalls uizi Vorschußiicpperci handeln soll; hiervon hat die StantZanwaltschaft 412 Fälle herausgeschält. Dazu kommen 1672 Fälle, die zwischen der ersten und zweiten Beschlagnahme liegen aus dem ersten halben Jahre 1914; aus diesen hat die Staatsanwaltschaft 674 Fälle herausgeschält. Von diesen 3903 Fällen stehen 1236 Fälle zur Anklage, die vom Gericht erörtert werden müssen. Die Inserate, in denen der Angeklagte sich als Darlehnsgeber anbot, wurden nicht nur in deutschen, sondern auch in österreichischen, schwetzerischen, schwedi- scheu und russischen Zeitungen veröffentlicht; sie sollen in ihren Ver- sprechungen den Tatsachen nicht entsprechen. Wie der Angeklagte selbst zugab, hat er jährlich etwa 80 000 M. für Inserate ausgc- geben.— Nach eingehender Erörterung des allgemeinen Teils wurde die Sitzung auf Donnerstag vertagt. Mus aller Weit. Eine Familicntragödie. In einem Gehölz bei M ü h l b a ch an der baycrisch-östcrreichischcn Grenze wurde eine Familie von sieben Köpfen erschossen aufgefunden. Der Ehe- mann hielt noch den Revolver in der Hand. Er hat augenscheinlich erst seine Frau und seine Kinder, vier Mädchen und einen Knaben im Alter von 16, 10, 7 und 3 Jahren, und dann sich selbst erschossen- ES handelt sich um eine Familie Denk aus A s ch in Böhmen. Bei dem Ehemann fand man 100 Heller. Alle waren gut gelleidct. lleber die näheren Ursachen dieser schrecklichen Familicntragödie ist nichts bekannt. Ein Zettel, der die Namen angab, sagt nur:„Wir scheiden aus dem Leben und wünschen allen Freunden ein herzliches Lebewohl.' Selbstmord des Nadcbeuler FrauenmörderS. Die Radebculer Frauenmordaffäre hat jetzt ihren Abschluß gefunden. Unter dem Druck der gegen ihn vorliegenden Beweise hat sich der Reisende R u d o l f B o c g e in Radcbeul, über dessen Verhaftung wir vor kurzem berichtelen, in der Nacht zum Mittwoch in seiner Gefängnis- zelle erhängt. Borge hatte am 23. Januar d. I. die Krieger- frau Johanna Claußnitzer auf dem Wege von Dresden nach Rade- beul ermordet und beraubt. Von einem Värcn zerfleischt. In Frankfurt a. M. steckte. wie der„Voss. Ztg." gedrahtet wird, im Zirkus Wille ein zehn- jähriger Kuäbe seinen linken Arm durch das Gitter eines Bären- zwingers. Der Bär faßte den Arm und zerfleischte ihn. Das Per- onal des Zirkus befreite den Jungen aus seiner schlimmen Lage. Er wurde schwer verletzt in das Krankenhaus übergeführt. Der Dauerprozcß. aus- Der schon angekündigte umfangreiche Bei rüg s p r o z e ß gegen den Kaufmann Karl W inkler, der l geführter angeblich betrügerischer H- angeklagt ist, begann gestern vor wegen jahrelang ist begann gestern vor der 1. Strafkammer des Land- unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr Schwartze D�Verbanli'lung'finde't im Schwürgenchtssaale des� Landgerichts' II statt Es zeiate scvou die peisönliche Vernehmung.es Angeklagten, wie' kolossal umfangreich das Darlchnsgelchast des Angeklagten ge- wesea ist! Als cha!akteotftijch hob unter anderem der Vorsitzende Zrauenveranftaltungen. Ncinickendorf-Ost. Somiabcnd. dm 29. April, abends 8'/,, Uhr, ver- aisstalten die Frauen des örtlichen Lesrabends bei N a m l o w, Schönholzer K a st a n i e n w ä l d ch e n, einen Unterhaltungsabmd. Gesang, Musik. Äinderanffühningen, sowie Tbeater werden das Progran, ni bilden. Ein «nschlicsjcndes gemütliches Bei'ammcnscin soll dm Genossinnen Gelegmbcit geben zu einem recht regen Gcdankmaustausch. Der Eintritt beträgt 20 Ps. Eintrittskarten sind bei allen Dezirkssührern, in der �Vorwärts"- Spedition sowie den Konsumvcrkausslädm erhältlich. Im Lokale kein Kartenverkaus. Allgemeine Familiensterbckasse. Sonntag, dm 30. Aprll: Zahl- und Ausnahmetag von 8— 6 Uhr im Restaurant Gerichtstr. 12/13, und Buckowcr Str. 14._ «SetternuSsschten für das mtttlere Norddeutschland dt» .vreitag mittag. Ucberall trocken und in dm Tagesstunden warm; im Norden vorwiegend heiter und zeitweise etwas nebelig, im Süden noch überwiegend bewölkt. Sriefkaften üer Neüaktion. 8, IT. dos Eoimabend r i- s l a st c n liesttmmten Ansrage Merkzeichen beizusügen. Briefliche Venen leine LlvonnemeiNsnuiNung Eilige Fragen trage man in der «nd dcrglclchcn bringe mar i» die rie lurislische Sprechstunde sindet sllr Abonnenten Linde, Istr. rechts, parterre, am Montag b,s Freitag von< bis 7 Ugr, am von& 618 6 Uhr statt. Jeder für den ist ein Buchstabe und eine Laht als Antwort wird nicht erteilt. Ansragen, beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Sprechstunde vor. Berträge, Schriststlickc Sprechstunde mit. H. E. Niederschönhause». 1. Wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen an den Vorstand der Anwallskammcr. Berlin IV 35, Schönberger Ufer 40. 2. Ja. 3. Nein.— Zliina kitlv. Die Mietsunlerstützung ist mit 18 M. richtig bcmclicn. Den verbleibenden Teil der Wiele müssen Sie zahlen, wenn der Wirt Jhnm nicht noch einen Mietsnachlaß gewährt.— M. H. IL Sie haste» sür die Miete bis zum 1. April 1917. Der Wirt könnte wieder Klage gegen Sie einreichen.— R. ZV. 1. Ja, das könnten Sie. Sie inüsilen sich an das Bezirkskommando wenden. 2. Ja. 3. Die Kriegsunterstudung steht Ihnen zu. Ob Ihnen die Firma auch eine Unter- stützung zahlt, wissen wir nicht.— O. St. ZSZ. Die Sirmendircttion ist . azn berechtigt. Tie könnten sich unter Darlegung Ihrer Berhältniss« mit jtiem Gesuch an die Armendeputation des Magistrats zu Berlin, König- siraße, wenden.— Zl. M. 80. Sie müssen zum Verkauf der Büste die Einwilligung des Künstlers haben.— E. E. 1. 1. Sie könnten um Stundung der Hundesteuer nachsuchen. Zur Zahlung wären Sie ver> pflichtet. Sie mußten sonst den Hund abschassen. 2. Eine Beschwerde wegen der verweigerten Kricgsunlcrslützung wäre an das Landratsaml Ntederbarntm, Berlm, Friedrich-itarl-User sür den KreiS 5, zu richten.— Staatenlos. 1. Wahrscheinlich sind Sie staatenlos, da Ihr Vater durch seinen langen Aufenthalt in Rußland die deutsche Staatsangehörigkeit ver> loren hat und bei seiner Rückkehr nach Deutschland sich nicht von neuem hat natnralisicrcn lassen. Vielleicht kommen Sie mit Ihren sämtlichen Papieren zu uns in die Sprechstunde. 2. Auch als Staatenloser können Sie und der Bruder zum Militärdienst im deutschen Heere verpflichtet werden. fr;' Jgflßeäf*-. zp? Xa,»rl»s«o» I'ortmol liest« Stotf»! £«ia« Oatiaodww* 1 Billige Preise!! 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Sonntag geöffnet 12—2 Uhr. j_Rabattninrken_derJ(on3uni�e� Anewahlasndangan aaeh anaaarhalb gegen Annablong Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reiehstagswahlkreis. Montag, den 1. Mai, abends S1/, Uhr; Mitglieder-Versammlung in den Germania-Säle», Chansseestrahe 110. Tagesordnung: m- Der erste Mai. Referent: Reichstagsabgeordneter Georg Ledebour. 220/5® ;ln ZntrUt. Der Toratand. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), tür Syphilis, hsrn- u. Frauenleiden— Ehrlieh-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Qlutunterauehung. Sehnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- stfirung. Teilzahlung. Spzeohstunden: 10— 1 und B— 8 nnr«m Zlkmaltungssteke Kerlin. 54, Fiuienstr. 83�85 Telephon: Amt Norden 185, 1239. 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9 bis 1 Uhr und von 4 bis 7 Uhr. ScziaWeinckratiscIierWshlTEreiii !. 14. Herl ReiGiislagswaMkrels. Stralauer Viertel. Bezirk 321. Den Mitgliedern zur Nachricht, das) unser Genosse, der Gemüse« Händler Roher! Stabenov KopernikuSsir. 81 gestorben ist. Shre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Zonnaben», den 29. April, ngch- mittags 1»/,Uhr, von der Leichen« balle des ZentralsriedhoseS in Friedrichsselde auS statt. Rege Beteiligung wird erwartet. afachrizf! Görlitzer Viertal. Bezirk«I I. Den Mitgliedern scrner zur Nach. richi, dasi unser Genosse, der Kohlenhändler Oswald Baude Liegnitzer Str. 21 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung fand am 22. Apnl statt. Der Vorstand. BüuKüdei' Betailarlieiter-llerlianil Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi unser Kollege, der Silber- arbeitte Karl Schade Landsberger Allee 88 am 24. April gestorben ist. Ehre seine« Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 28. April, nach« mittags 4'/, Uhr. von der Leichen« balle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsfelde aus statt. Rege Leteiliaung wird erwartet. Nachrnf. Den Mitgliedern lern« zur Nachricht, dag unser Kollege, der Schlosser NMIII Fenselau am 11. April an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! 115/17 Die OrtSvermattting. V die traurige Nachricht, dag meine liebe Frau und gute Mutter Finna BShr am 2. Feiertag verstorben ist. Die Beerdigung findet Heute. nachmittag» a1/, llhr. von der Leichenhalle des 2. Schöneberger ftädtifchen Friedhofe»(Blanke Hölle) auS statt. A Dies zeigt tiesbetrübt hiermit gn thelm Bohr(Böttcher). MM ilep Kupfepselunleile Dcatacbland«. Filiale« e r l i». Am Donntag, den 23. April, verstarb nach kurzem Leiden unser «Sollege krame Kaiser im Alter von 56 Jahren. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Frei- tag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Philipvus. Apostel-Kirchhoses, Müllersir. 44/45, aus statt. 99,10 Rege Beteiligung erwartet Oer Filialvorstand. VerbaRii IGemeinde-Ditutsarb. .Filiale GroU-Bcrliu. Unseren Mitgliedern geben wir Tode des hiermit Nachricht vom Kollegin Karl Beikner von den Engltichen Gaswerken. Ehre seinem Andenke»! Beerdigung am Freitag, den 28. April, nachmittags 3-/, Uhr, von der Leichenhalle des Steglitzei Gemeindefriedhoss, Bergstrage, aus Um rege Beteiligung bei der Be« stattung de» Kollegen ersucht 88/5 Die Ortsverwaltuag. Danksagnns. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz« spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes. dcS Gastwirts /Ukred Radike sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Wahlverein, dem Metallarbeiterverband und der Korn- Mission der Metallsormer und Beruss- kollegen sowie Herrn Wanasse sür die trostreichen Worte meinen herzlichsten Dank. S2gb Vfwa. Ann« Warfiks geb. Prause. (Destimn's IkilMWMlN GrSfits tiuswahl. Billigst« Prrfa«. L Mohrens:r«»o 97« (holonnadeni IL Or. Frankfurter Stt 115 (nahe Andreassir.) 4Mwahls«Rdsngon«eforL Amt Zentrum 7890. Scantav 12—2 Uht 3«6ttn«L «�Wke/iA tir» cJtlw 56� XüT 3f 1- verwaiiäter HeniisposseB. Zahlstelle lerlii!. Geschäftsstelle: C 54, Mulaokslr. 101. Fernsgr,: Amt Norden 4518. Sonntag, den 80. April, nachmittags Ä Uhr: General' Versammlung im GewerkschastshanS, Engelnser 1b, großer Saal. Tagesordnung: 1. GeschästS« und Kassenbericht vom 1. Quartal 1916. 2. Teuerungszulagen. 8. VerbändSangelegenhelie». I*- Es ist Pflicht jede» Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen.— Ohne Mitgliedsbuch«der Karte kein Eintritt. 42)12« Die Lrtsverwaltuug._ PgWttLwortljcher flieialiein:: Aljreh Wiclcpp, Keulöllu. Lür Heu ZnjeraleztteU veranttv.: TlfiGloitc, Berlin. 5t>l««l>t UM mihi liefert die öuchhanölung vorwärts Serlin Sw SS, �inöenstraße Z Stejer, C., I» Pharaonenlande(Aegypten). Reife- fchilderungen aus Aegypten. Statt Gebd. M. 6.— für M. 1,50 liehinaiin, F., Länder- und Völkerkunde. Z Bünde. reich illustriert. Slati M. 18,— für M. 8.— Hesne-Wertege, Schantung und Deutsch-China. Mit 145 Bildern. 27 Tafeln. 0 Beilagen und 8 Karten. Statt M. 18.- für M. lTlrelri,«?, J., Die Darstellung de» ersten Mensche». paare» in der bildenden Kunst, von der älteften tteii bis aus unsere Tage. 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H., I« äußersten Osten. Sau Korea über Wladiwostai«och der Insel Sachalin. Statt Gebd. R. S.— für M. 1,— Achtung: Aghlltjer Ulli! Kelser!«chw»Ki Sonntag, den 3V. April, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Branchen-Versammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 6. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Eugen Brückner über:.KritgSbeschSdigten- Fürsorge". 2. Diskusston. 3. Verbands« imd Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Kollegen, welche In anderen Berusen tätig find, werbe» ersucht, an den Branchenversammlungen teilzunehmen. Besonders eingeladen sind die Kollegen folgender Firmen: Anthaner, Baatz, Baxon, Bader u. Ernst, valS, Bechern u. Post, Becker. Bergmann, EentrallieizungsgeseMchaft, Böhme Nachf., H. Kahlert. Boh» n. Hock, Borner n. Herzberg. Brockmann. Busch. Busse. Eentralheizungswerke-Akt. Ges., Gröbenufer. In dieser ernsten Zeit ist es Pflicht aller Kollege», zu er- scheinen. Rüttelt die Saumige» auf l Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr: Branchen-Versammlung aller in der Metallindustrie beschäftigten Maschmenarbeiter nnd Arbeiterinnen in den Mtisiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelm>Stt. 31. Tagesordnung: 1. Jahresbericht und Diskus fian. 2. Neuwahl de« Branchenleiters und der Kommission. 3. Verschtedenes. Wir ersuchen, die Kollegen und Kolleginnen aus dies» Versammlung besonders hinzuweisen. Jeder Betrieb muß zahlreich verketen sein. 115/16__ Ole> Ort»verwalti»m. Vuchhaudlung Vorwärts, Berlin SW., Ändenstr.Z Es lebe der Frieden! Von PH. Scheidemann, M.d.R. Preis75Pf. Vereinsausgabe 40Pf. Aus dem Inhalt: Ansere FnedenSarbeit im Reiche— Znteniativnale Friedensarbeit— Ist der Krieg ein anderer geworden?— Anfere Friedensinterpellation»DaSVerhalten der feindlichen Regierungen: Rußlands, Englands, Frankreichs und Belgiens— Wie also steht eS in Wirklichkeit?- Aussprechen, w as ist!— And am Schlüsse gibt der Ver- fasser klare Richtlinien: Wann dem Kriege ein Ende gemacht wird und wie wir einem dauerhaften Frieden gelangen. Die Ware wird immer knapper! Versorgen sie sich rechtzeitig mit unseren gestrickten Schuhwaren. Kein Brenn«»k.ftDflt. I»wwetylüy«, t. gel»«»«.«»»», k. Kramptad.,1 Benen l.Vnllrn, hDrnik». t ». Gicht.(. iA.ii.$üi»i«eAua«*' euivf boihlie#. litbf«. c»«n.»l e«H OfbCMn'nilema« w»»r; •*> kch«i»O«nd,w»tdi,«l«stilw.n»svÄ«si»»gs- dbiR. fsanmHe«* fich»re. v««rr«M ! U. Pitt», euch>n verzweitellfte» Anv»»< nvtolnie BranckdaeÄtt uni,»»Midie« IdlMbwerfd.- TelepKa» Kemg«»««! IIS®. Dezet m«ehr wer«««,»M«t- simsn uni kühle« Emckart»«, jeder ii'erune ievle jeder Itze»»«!««,«ae nispMekwd, lll—o. Pr*i»U»t» fee*. Striehstlinh- Fabrik «im,& Co,, 0., Kiaolslr, 52,"Ä Frankfurter Sir 04, Näh« Mavkuastt, SO., K#tlbus®r Str.<1 I. Chsr. I»«wburg, Kantstr. 1U Usipzig, Havnstr. 17/19 Jr. 98.- 1916. Unterhaltungsblatt ües vorwärts Donverstag, 37. April. Wie man früher SchHVimöen behanöeZte. Oon Universilätsprofejsor Dr. Theodor Meyer-Stcineg (Jena). � Die Behandlung von Verletzungen, die der Mensch im Kampfe wlt einem Feinde erlitten hatte, gehört zu den ältesten Aufgaben der ärztlichen Betätigung. Lange bevor es wirkliche Aerztc gegeben hat, verstand man es schon ausgezeichnet, die in den Körper ein- gedrungenen Geschosse zu entfernen, die Wunden geschickt zu ver> binden und durcb geeignete Maßnahmen, wie Auflegen von Kräutern bestreichen mit Salben zur Heilung zu bringen. Schon der alte Homer entwirst uns von dieser Betätigung an zahlreichen Stellen kin. lebendiges Bild und zeigt uns, wie auch ohne die Hilfe des Arztes ein Waffengcfährte dem anderen derartige Liebesdienste erweist, wenn er auch anerkennt, daß der blrzt, den er ausdrücklich als„einen Mann, vieler anderen therr" bezeichnet, sich auf solche Dinge noch besser versteht. Neben Viesen und zahlreichen anderen literarischen Berichten über die Be Handlung von Kriegswunden besitzen wir aber noch eine Anzahl greifbarer Zeugen dafür, daß auch schon in ältester Zeit Anerkennens- wertes geleistet wurde. So besitzt beispielsweise die Jenaer medi- zinische Sammlung von einem vorgeschichtlichen Menschen einen Wirbelknochen, in welchem eine Pfeilspitze fest eingeheilt ist. Eine die Pfeilwitze umgebende ausgedehnte Knochenwuchcrung zeigt, daß der betreffende Mensch, dem übrigens der Pfeilschuß schräg durch die Bauchhöhle gedrungen sein muß, diese schwere Verletzung— sicherlich dank eines vernünftigen Verfahrens— lange überlebt haben muß. Im allgemeinen blieben die Methoden der Schußwunden- behaudlung ziemlich unverändert, solange als Schußwaffe ausschließ- sich der Pfeil und daneben höchstens noch das sog. Schleuderblch in Betracht kam. Mit der Erfindung und Anwendung der Feuerwaffen entstanden dann aber neue Aufgaben. Mit voller Sicherheit nach- weisbar ist der Gebrauch von Feuerwaffen zum ersten Male im Jahre 1346, in welchem sie bei der Schlacht von Cröch eine Rolle spielten. Wie lange es dann aber noch dauerte, bis ihre Verwendung allgemein wurde, das zeigt einmal die Tatsache, daß noch fast zwei Jahrhunderte später der Hauptteil der Jnsanlerie bei sämtlichen Heeren noch mit Bogen und Pfeil, Hellebarden und Spießen be- waffnet war; dann geht dies aber auch daraus hervor, daß erst am Ende des 15. Jahrhunderts zum ersten Male ein Arzt sich mit den durch Feuerwaffen hervorgerufenen Verlegungen beschäftigte. Es war ein deut'cher Arzt, Heinrich von Pfolspeundt, der in seiner 1460 erschienenen Schrift als erster vom„Büchsen- vulver', von den Kugeln und den durch beides verursachten Wunden kurz berichtet. Die Vorschläge, die er zur Behandlung solcher Ber- lctzungcn macht, lassen erkennen, daß er einfach die Vorschriften über Me von Pfeilen herrührenden Schußwunden auf diejenigen durch Feuerwaffen anwendet: sie bestehen in Umeriuchung der Wunde mit der Sonde, Entfernung etwaiger Rnocheniplilter und anderer Fremd« körper und schließlich auch der Kugel selbst. Andere Aerzte empfahlen dann außerdem eine Nachbehandlung der Wunde selbst mit Rosenöl, Galbanum u. a. m. Wieder ein neues Moment kam in die Frage der Schußwunden- bebandlung hinein, als man zu entdecken glaubte, daß die durch Feuerwaffen entstandenen Wunden.vergiftet' seien. Ebenfalls ein deutscher Wundarzt. Hieronymus B r u n s ch w i g, berichtet als erster hierüber im Jahre 1497. Wie sehr eine ärztliche Meinung, wenn iis nur einmal von einem Manne von Namen mit der nötigen Be- itimmiheit ausgesprochen worden ist, kritiklos hingenommen wird. sieht man sehr schön an diesem einen Beispiel: zwar entbrannte in der Folgercil ein bis in das 17. Jahrhundert hinein fortdauernder gelehrter Streit darüber, ob die Wundvergiftung auf das Schieß- vulvcr. die Kugel oder beides zurückzuführen sei; die Tatsache selbst, daß Feuerwaffen vergiftete Wunden hervorriefen, wurde hingegen von allen Aerzten als unumstößlich hingenommen. Die traurige Folge dieser verkehrten Annahme blieb denn auch nicht aus. Brunschwig selbst riet, man tolle ja das Gift aus der Wunde entfernen, zu diesem Zweck ein aus Haaren verfertigtes Seil m den Schußkanal einführen, es hin und her ziehen, auch ein meißel- förmiges Stück Speck hineinstecken und ähnliches mehr. Noch weil schlimmer war das, was der bei seinen Zeitgenossen in hohem An° sehen stehende italienische Wundarzt de V i g o tat und seinen Berufs- genossen anempfahl. Er meinte, man müsse das Gift in der Wunde unter allen Umständen zerstören. Zu diesem Zwecke führte er entweder ein glühendes Eisen tief in die Wunde ein, oder er brannte sie mit siedendem Oel oder mit einer söge nannten Aetzsalbe aus. Der Erfolg dieser„Behandlung' war denn auch augenscheinlich: zu der doch meist infolge der Größe der damaligen Geschosie schon an sich verhältnismäßig schweren Ber- letzung und Zertrümmerung lebendigen Gewebes kam nun noch eine weitgehende Zerstörung und Verbrennung der ganzen Wundumgebung hinzu. Und man braucht sich nicht zu wundern, wenn in den Be- richten jener Zeit immer und immer wieder auf das lebhafteste darüber geklagt wird, mit welch' schrecklichen Veriinstaltungen und Gebranchsstörungen alle etwas tiefer gehenden Schußverleyungen ausheilten, und wie unendlich viele von ibnen zum Tode durch Brand führten. Es mutet uns heute um so seltianier an, wenn wir hören, daß damals nicht ein einziger Arzt— und es gab darunter zweifellos auch im 16. Jahrhundert tüchtige Chirurgen— von selbst auf den Gedanken kam, einmal nachzuprüfen, ob nicht die Schuß- wunden viel besser heilen würden, wenn man sie gänzlich in Ruhe ließe! daß es vielmehr einem Zufall vorbehalten bleiben mußte, diese Tatsache als etwas ganz Neues zu entdecken. Dieser Zufall knüpft sich an den Nomen des Ncubegründers der Chirurgie überhaupt: Ambroise Pars, dessen Gedanken und Vorschriften über die Wund- behandlung eine Entwicklung eingeleitet haben, die dann— wenn auch nur allmählich und mit zahlreichen Unterbrechungen— zu uifferen modernen Wundheilversahren hingeführt hat. kleines Zcuilleton. Komööienhsus:»Der siebente Tag.* Lustspiel von Rudolf S ch a n z e r und Ernst W e l i s ch. Ernst Welisch debütierte vor Jahren mit einem stimmungs- und geistvollen Werkchen aus dem Mittelalter„Das Fest von St. Maiern", das die Begegnung eines zu hochfahrend menschen verachtender lieber- Hebung aufgeblasenen Gauklers mit der vor langer Zeit verlassenen, in Not und' Elend noch immer gläubig an ihm hängenden Geliebten und den Zusammenbruch des eitlen Ueberntcnschcnwahns in starker Steigerung darstellte. In der neuen Arbeit erinnert nur noch die Gewandtheit der Verse, die spielerische Leichtigkeit des Reims an jene frühere. Von irgend welchen seelischen Problsmeit, von Versuchen, eigene Wege zu gehen, ist nicht mehr die Rede. Die Siluationserfindnng, die da aufgeboten wird, um ein verwöhntes und verstiegenes, den neu gcbackenen Ehemann backfiichbaft be- krittelndes Aristokratendämchen in den Zustand der Verliebtheit zu befördern, ist ohne sonderliche lustspielmäßige Tragkraft, lebt fast ausichließlich von der Munterkeit der von den Darstellern lebhast-keiällig vorgetragenen Verse. Daneben halfen in den Damenrollcn die anmutig grotesken Kostüme und Frisuren der 'riderizianischen Zeit. Eine unternehnrungslustige Witwentante, von Ida W ü st pikant und putzig durchgeführt, setzt dem verdrehten Nichtchen mit ihrem Gerede von der Minderwertigkeit der Männer zu den bereits vor- handelten noch einige weitere Vögel in den Kopf. Um den Erkorenen auf seine Würdigkeit noch hinterher zu prüfen, erklärt dieselbe, daß es der Zartheit ihrer Mädchensccle widerstehe, ihn bereits auf der Hochzeitsreise in Potsdam zu erhören. Er möge warteit, bis sie in ihrem Heim sind. Er unterwirst sich scheinbar demutsvoll und kommt so, umgelehrt, wie in der„Widerspenstigen Zähmung', nicht durch Auftrumpfen, fondern durch Nachgiebigkeit zu der erstrebten Mannesautorität. Von dem Pantoffelhelden-Schwiegervater. der, wenn die gestrenge Gattin nicht zugegen, sich gern ins Löwenfell des absoluten Hausherrn kleidet, noch extra scharf gemacht, schon in den ersten Tagen am Fundament seiner ehelichen Ueberlegenheit zu bauen, umgürtet er sich fest mit allen Josephtugenden, stellt sich entschlossen blind und taub, als seine hübsche Partnerin seinen allzu pünktlichen Gehorsam schon ein paar Tage darauf fatal zu finden an'Sngt. Erika Glaeßner brachte mit liebenswürdig fein naiver Grazie und drolligem Humor den ' Frontcnwechsel, auf den das Stückchen eingestellt ist, heraus. Indes die Pfeile waren allzu bald verschossen. Eine höchst spinnewebene um die Figur der Tante gruppierte Liebcsaffäre, in der ein Vetter iE» gen Burg) die Rolle des dienstbeflissenen Hanneswursten, ein Rittmeister(A ch t e r b e r g) die des braven unter falschem Verdachte stehenden Liebhabers und citte Ballerina(Fräulein O r s k a) den entsagungsvollen, um fremdes Liebesglück bemühten Engel zu mimen hat, mußte Streckungsdicnste leisten.' Was ein unterhaltsamer Ein- alter hätte werden können, zog sich ermüdend durch drei Theater- stunden bin. Li ein hold Schänzel karikierte ulkig die Tanz- meisterpose des Virtuosenkompagnons der Balletteuse. Paul Otto gab in eleganter Haltung den schmucken, jungen Ehemann. dt. Der gegenwärtige ZustanS üer Sagöaöbahn. Die ungeheuer ausgedehnte Strecke der Bagdadbahn, die dank den Siegen der Deutschen und ihrer Verbündeten Truppen heute ganz durch unter Herrichast der Zeutralmächte und der Türkei stehendes Gebiet vertäust, befindet sich gegenwärtig in einem Zu- stand des Ausbaues, dem zur endgültigen Vollendung nur noch die technische Fertigstellung einer Linie in Länge von 633 Kilometer fehlt. Da diese Strecke, die zu dem Stück von Haidar-Pascha (Konstantinopel) bis Bagdad gehört, erst nach dem Kriege fertig« gestellt werden soll, ist, wie im„Prometheus' dargelegt wird, die Arbeit an diesem Rlesenunternehmen, das in seiner Art ohne Beispiel dasteht, zu einem vorläufigen Abschluß gelangt. Die letzte der während des Krieges und telbst zu Beginn� des Jahres 1916 noch im Bau befindlichen Teilstrecken, nämlich die Strecke Jslahie— Mamure, wurde bereits Anfang Februar dieses Jahres dem Verkehr über- geben. Da von der gesamten Länge der Linie Haidar-Pascha bis Bagdad, die 2435 Kilometer mißt, nunmehr 1892 Kilometer in Be- trieb stehsn, ist der gesamte Bau bis auf das genannte nach dem Krieg zu vollendende Fehlstück von 633 Kilometer Länge endgültig durchgeführt. Der Grund für das Aufschisben der restlichen, ver- hältnismäßig kleinen Arbeit besteht in den gegenwärtig naturgemäß gesteigerten Schwierigkeiten in der Beschaffung des erforderlichen Materials, auch ist die Ueberwindung des Geländes mit mancherlei Hindernissen verknüpft, die vor allem in der Durchqucrung emcr ganzen Anzahl beträchtlicher Bodenerhebungen bestehen. Das Fehl- stück verteilt sich auf zwei Linien, nämlich auf die Linie Haidar- Pascha— Aleppo, von der noch die 42 Kilometer durchmessende Strecke von Dorak nach Karabuna zu bauen ist, sowie auf die Linie Aleppo— Bagdad, von der noch das Teilstück Ras-el-tin nach Samara technisch fertiggestellt werden muß. Aber auch diese geringen Fehlstücks bieten heute dem Verkehr im ganzen keine ernsthaften Schivierigkeiten, da sie vorläufig durch außerordentlich gut angelegte und gesichet tc Straßen ersetzt werden.(z) Notizen. — Wie Shakespeare gebettet wurde. Es ist viel- leicht nicht allgemein bekannt, daß Shakespeares gesamtes Lebens- werk einmal in G.vuhr schwebte, durch eine Feuersbrunst ver- oichiet zu werden und daß die unsterblichen Dramen nur durch einen glücklichen Zufall auf uns gekommen sind. Der Dichter wurde so wenig gelesen, so wenig gediuckt, daß es im Jahre 1666 nur eine einzige, aus 309 Exeinplaren bestehende Ausgabe seiner Werke gab, die von Heininge und Condell. Von diesen 399 Exemplaren waren fast alle in London noch auf Lager, als im Jahre 1666 die Stadt in Flammen aufging. Und bei der gewaltigen Feuersbrunst ver« schwand die ganze Ausgabe Heminge und Condell, mit Ausnahme von 43 Exemplaren, die im Laufe eines Zettraums von 59 Jahren verkaust worden waren. Die 43 Käufer haben Shakespeares Werke, die heute die ganze Welt mit Bewunderung erfüllen, vor dem Unter« gang bewahrt.... — Fischverbrauch in der KriegSzeit. Der Ver- brauch von Karpfen ist im Jahre 1915 in Wien immens gestiegen, und zwar von 613 849 im Jahre 1913 auf 1922 933 Kilogramm im Jahre 1915. Ebenso ist der Konsum von Hechten und Brachsen mn das Vierfache gegen 1913 gestiegen. Nur Forellen und Zander weisen emen Rückgang auf. Der Verbrauch der billigeren Weiß- fische variiert— hier entscheiden vor allem die Fangmöglichkeiten— nicht we'entlich. 17] Cnörik Kraupatw. Eine litauische Geschichte von Ernst Wicher t. Er wußte, was es enthielt. Tagelang trug er es mit sich herum. Es kam ihm nicht aus dem Gedanken. Er berauschte sich, aber dann wurde die Qual noch größer: er sah Bilder vor Augen, die alles Grausigste überboten, das seine Phantasie jemals aufgeregt hatte, hörte Jannnerlaute, die sein Mark er- schüttelten. Ein Glas Branntwein auf dem Tische setzte ihn so in Furcht, daß er zitterte: schon der Geruch vertrieb ibn aus der Krugstubc. Einen Mord sollte er auf seine Seele laden, sein eigenes Weib— er schüttelte sich. Jlsze hat doch ganz Recht: Ruhe ist nicht zu finden, außer dieses Letzte geschieht. Und sie hAt das Geld fest.— Es ist ihr nicht mit Gewalt und nicht mit List abzunehmen. Soll alles umsonst gewesen sein? Er mnstrich das Mühlenhäuschen, machte sich zwischen den Brandmauern an den Steinhaufen und Stapeln von verkohltem Holz etwas zu schaffen und kehrte immer wieder um. Aber er überlegte, wie das Pulver seiner Frau beigebracht werden könntet ohne daß Mare in Gefahr käme. Er liebte das Kind. Ihm geschah schon Leid genug, wenn es die Mutter verlor. Er wollte sich in die Küche einschleichen und das Pulver in den Kochtopf schütten. Aber dann mußte erst Mare entfernt wer- den. Er meinte sie wohl an sich locken und bis zum Zlbend aus- wärts beschäftigen zu rönnen. Zu Jlsze sagte er wie beiläufig: „Wenn ich Dir einmal meine Tochter, die Mare, mit einer Be- stellung hinausschicke, so halle sie auf, daß sie nicht weggeht, bis ich selbst komme.". „Die Kätzchen sind ein hübsches Spielzeug," antwortete sie lachend. Er wollte am anderen Vormittag warten, bis Mare aus der Schule kommen würde und setzte sich auf den Stumpf einer Weide am Wege, nicht weit von der Mühle. Er konnte da ins Wasser sehen, das sonst so fleißig das Mühlrad gedreht hatte und jetzt schnell abfloß, an der Ruine einen kleinen Wasserfall bildend. Wenn die alle Mühle noch stände I Er seufzte schwer. Wenn sie noch stände I Jemand schlug ihm von hinten leicht auf die Schulter. Er erschrak und blickte um. Es war der Postbote Jacubeit. „Guten Tag, Herr Kranpat," sagte er.„Ich war schon im Kruge, faird Sie aber nicht. Da ist ein Schreiben an Sie mtt dem Gerichtssiegel." „Ein Schreiben an mich—?"...r. t � „Ja. mit dem Gerichtssi egel. Sie müssen mir den Empfang bescheinigen." „Jawohl—" „Können wir dazu ins Haus gehen? „Nein. Wer wenn Sie nochmals in den Krug—" Sie gingen dortksin. Kranpat ließ dem Postboten ein Gläschen vorsetzen, während er mit schwerer Hand unterschrieb. Als er allein war, öffnete er das Schreiben. Es enthielt seine Vorladung als Zeuge in der Untersuchungssache gegen Ensikat aus einen der nächsten Tage. Das war zu erwarten gewesen, aber min es eingetroffen war, erschütterte es ihn gewaltsam. Was sollte er tun? Ausbleiben? Damit zog er doch die Entscheidung nur kurze Zeit hin. Die Wahrheit sagen? Unmöglich! Falsches Zeugnis ablegen? Die Kehle schnürte sich ihm zusammen. Auch das noch! Ter Krüger kam wieder herein.„Wissen Sie schon. Krau pat," fragte er,„daß Ihre Mutter sehr krank ist?" „Mome Mutter?" „Ja. Es ist nach dem Arzt geschickt. Sie soll gestern einen Schlaganfall gehabt haben. Ein Arm und Bein sind völlig gelähmt.". „Meine Mutter— I Er stürmte fort nach dem kleinen Hause. Erst wenige Schritte davor fiel ihm ein, daß die alle Frau ihm iin Zorn verboten hatte, zu ihr zu kommen. Aber er stutzte doch nur einen Augenblick. Dann ging er hinein. Seine alte Mutter mußte er noch einmal sehen. Er war nicht wenig überrascht, Berta bei ihr zu finden. Sie verrichtete augenscheinlich Krankendienste Als sie den Müller eintreten sali, stand sie vom Stuhl mn Bett atts, stellte das Schalchen, aus dem die alte Frau gegesten haben mochte, auf den Tisch und machte Anstalt, sich zu entfernen. „Bleibe doch, bleibe,", lallte dte Kranke mtt schwerer Zunge,„laß mich nicht allein." m L,,.. „Ich komme wieder." sagte Berta freundlich und pmmü gesenkten Augen an ihrem Manne vorbei, der. sich seitwärts aufgestellt hatte und die Mütze mtt beiden Händen wie ein -»d erfannlc Mryy-»i»_ Vmri�- Ölt 111X1 Nil? l]t äT-l-Ä mÄ- Cu W1-'««.«-"»r.« 0Ctacfr sank vor dem Bett auf die Knie nieder, faßte hastig ihre schlaffe Hand und bedeckte sie mit Küssen.„Ja, Mutter, stmnmelte er)„ich bin ein Sünder, ein großer Sunder vor Gott und den Menschen.„ firlir si» müfifnm fnvf Mit mir— geht s zu Ende■— fuhr sie wühl am fort. Wer weiß- ob ich die Nacht noch- erlebe.. Sie haben- slm9r«t aeicbickt aber der— kann intr nicht helfen. Gs kann„st? keiner helfen als der Herrgott allein— und flin Iieber Sohn- der für uns am Kreuz gestorben ist. Aber ch WM- er verwirst mich- wenn ich mcht meine Schuld - hier auf Erden bekenne. Nach dem Geistlichen- verlangt rmA naA dem Geistlichen. Wer wie kann ich ihm beichten, S mÄen?in?A7S°b»- O",«« Soll, rnehi Gott. Du weißt, baß ich meinte- einem Unschuldigen aus schwerer Not zu helfen— meinem einzigen Kinde— I Und nun— muß ich ihm auch das— aufs Gewissen laden, daß ich ohne Beichte— und Abendmahl sterben muß und die ewige Seligkeit— nicht finden kann—" Ihre Worte wurden von schluchzenden Tönen erstickt. „Mutter— Mutter!" rief er,„Du wirst noch nicht sterben, Du darfst noch nicht sterben. Es wird alles gut weiden— warte noch kurze Zeit mit der Beichte— nur bis morgen." „Me kann alles gut werden?" stöhnte sie,„Du hast— die Mühle angesteckt— und ich Hab' die Jlsze— zu einem Mein- cid verleitet— und Dich hat die schlechte Peiffon in ihre Gc- walt gebracht, daß Du zu Deiner Frau— nicht mehr zurück kannst— und den Enftkat haben sie unschuldig— ins Gefängnis gesperrt—" „Mutter—" bat er schluchzend,„laß den Herrn Pfarrer kommen— sogleich, daß er Dich erleichtert. Sag ihm alles— und er mag's dem Gericht anzeigen. Was Du gefehlt hast— aus Liebe zu mir— das wird Gott Dir verzeihen können. Aber ich— ich will büßen." „Nein, nein— ich kann's nicht," wimmerte sie,„niein Sohn— mein einziger Sohn—" Er stand auf, beugte sich über sie und küßte ihren Mund. „Ade, Mutter," sagte er,„ich will's selbst besorgen— das sei mein Dank." .. Die alte Frau wollte ihn zurückhalten, aber auch die nicht gelähmte Hand hatte keine Kraft. Kranpat verließ rasch das Stübchen und gleich darauf auch das Haus. An die Tür seiner Frau wagte er nicht anzuklopfen. Eben kam Mare aus der Schule. Sie lief auf den Vater zu, umfaßte ihn und sagte:„Warum kommst Du gar nicht mehr zu uns? Die Mutter ist so traurig. Hast Du denn immer in der Stadt zu tun? Ich weiß gar nicht—" Sie fing cm zu weinen.„In der Schtile— rücken die Kinder von mir fort, und der Lehrer hat gesagt, es sei ein Skandal und ich könnte nicht länger bleiben." Er streichelte ihr. das blonde Haar.„Lauf zum Herrn Pfarrer," sagte er weich.„Die Großmutter ist sehr krank. Er möchte sogleich zu ihr kommen— sie will das heilige Wend- mahl nehmen. Wer spute Dich." „Soll ich nicht erst die Mutter fragen?" „Nein— es wird sonst zu spät." Er hob das Kind auf, drückte es an die Brust und küßte es herzlich. „So bist Du mein lieber Vater," rief Mare und eilte fort dem Kirchenstege zu, der sie auf kürzesteni Wege nach dem Pfarrhause bringen konnte. Der Müller sah ihr eine Weile mit umflorten Blicken nach. Die Hand hatte er in die Tasche gesteckt. Sie faßte unwillkürlich das Päckchen mit dem weißen Pulver. Jetzt hatte er leicht in die Küche zurückgehen und es dort ausschütten können. Aber das kam ihr gar nicht in dm Sinn. EtwaA ganz, ganz anderes.(Schluß folgt.) £@ssin8'?hea!@r. Direktion: Victor S?arnowsky. 8 Uhr: ßle Troorinnen. Proita»; Peer<»ynt. Sonnabend: liia Troerinnen Beutst. KMler-Tlteater, Allabendlich 8 Uhr: I>io«selige lüxzcllenz. Bekanntmachung« Die Zwischenscheine für die 5% Schuldverschreibungen des Deutschen Reichs von 1913(TO. Kriegsanleihe) können vom Mttz h. A-. ttb in dic endgillllgen Slückc mit ZinSschciin'N umgetauscht werden. Der Umtausch findet Sei der„Uuitauschftclle für die Kriegsankeihen", Berlin V/ 8, Behrenstraftc AI, statt. Außerdem übenichmcn sämtliche NeichSbank.nistalten mit Kasscncinrichtung bis zum 33, August d. I. dic kostcnsrcie Vermittlung des Umtausches. Die Zwischenscheine sind mit Verzeichnissen, in die sie nach den SctrSgen und innerhalb dieser nach der Nummenisolge geordnet einzutragen sind, während der VormittagZdicnststunden bei den genannten Stellen ein- zureichen. Formulare zu den Nummernverzeichniffen find bei allen NeichSbankanstalten erhältlich. Firmen und Kassen haben dic von ihnen eingereichten Zwischenscheine in der rechten Elle oberhalb der Sliicknummer mit ihrem Finnenstempel zu versehen. B e r l i n, im Zlpril 19lS. k�eicksbank-Oirektorium. H a v e n ft e i n. v. r i m m. � Pf lischst) fn§ 63,— biZ 130,- Chaise>ongucs 25,—, 30,—. Tepf zierer Walter, Stargarderstrasie Mvbel gegen soio; tige Kasse teht preiswert zu verfauien, Brunnen' slrahe 7 und Müllerftrasie 17i. Jon»' tag von 12— 2 geöffnet.____ 1 Möbel! Für Brautleute günsiiM tKeieaenheii, sich Möbel anzüswafieit Mit»einer Anzahlung ichon Stüde und Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. 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Hierzu helfen Ihnen sehr unsere neuen schönen unauffälligen gönnen und rrnsete reiche Auswahl. soZdasi Sie leicht das richtige finden in der, Preislage, die Sie wünschen. Wir garantieren Zusricdcnhe't, das heifit, Ihr« Fassung kann so gut sein, dafi kein Fachmann etwa? daran auszuscyen findet, die Gläser so passend, dafi Ihnen kein Arzt andere verordnen würde, aber dennoch sind Sie vielleicht damit nicht zufrieden. Wir stellen Sie zusrredenl Wir berücksichtigen stets alle Ihre Wünsch«. Die sslugenunlersuchung ist kostcala». Wir garantieren für Passen der Gläser und was ebenso wichtig ist. für guten Srh. Unsere Dienste aber geben noch weiter, denn wir garantiere» für imkere Einfassungen von M. 4.50 aufwärts(öhn» Giüser)!. 2 und 8 Jahre und machen Ihnen in dieser Zeit alle Reparaturen umsonst. Ausgenommen davon ist Bruch der Gläser, ver Horn- und der Schildpatt-Teile. 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Strecse, Andreas« slrafie 22._ 112/5* G lü liftru mp f a ich e laust Biümcl, 'Äugustslrafie«9. 256 9 Luisen sTheater 8.15 Uhr: Sinä't die Aagen Geh' xu Ruhnke! C Am Alexander-Platz utbtn ilschwgc« Spittelmarkt, Ecke Watt-en. W Leipziger Str. 118, • 4ck, Stauc-ett. Lwk-Str.l,«.tpotfvantAix. Friedrich» Str. 130, Sck« Taiivcn-Slr. XTIV/ Friedrrch-Str. lvfi, I> W. Ecke Doroihecn-Tir. XI Eh aufs«««Str. 72. Jnvaliden-Str. 164, Ecke Aruanen-Slr, Oranien-Str. 44, tD\J. nahe Oraulca-Pla». Lharlotlenbvrq: Tarrenbien-Str. 18. ecke Marburger Str. FoachimStbaler Str. 2, am»ahnhos Zoo. Arledenau: R h e r n- S tr.lS, Icke Kirch-«« ILgl. 8, Sonnt. z)iz it. 8 Ohrt Hloscncrfoljr erzielt die neue lllonr-paniomlms Sonnabend 4 Uhr: Sonntag<3 3 Uhr: e Walhaila-Theater, Donnerstag 8 Uhr abends: Das tzlüli! am Rhein. vom Germanentum b. z. Neuzeit. Vorher: Da« großartige Varietb- Programm und zirscnsi'chc Spiele. possen-lkSatel' Linienstroßo a. d. Friedrichs traßo Täglich 8'/.: Na so was! Caimef S Co. mit Leonhard Haskol und Siegfried Berlsoh. RosesTheater Ran Stufe zn Ztufe. In Vorbereitung: ki'tprr!. Lls» und lZefta» Wiesjeiithal „Hs�izoiida" Das Müdchen mit den Schicksalsaugen YariotÄ-Opeiotte von = ösiber't= sowie der eSanaeinSo Apnl-Spiolplan. 3®- Emlgtc Preise!� Optiker Nuhnke, Berlin Tägl. 8 Uhr. Sonnt. 31/, u. 8 ü. War noch 4 Tage! Casino ff Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr. Nur noch ganz lurze Zeit: Das zug- iräsiige Voltssiuck Dnirels lostamont od. Die Vogelscheuche. Vorher: Srcllilaesige Lporlaliiaton. «onutog 4 Uhr: Was machsto nu? Im Mai eine neue Berliner Posse. von Otto Henttei-. Bernh. Mürbitz— Otto Röhr Zirkus im Theater usw. Ein Programm sondergleichen! Herausgeber Pari' um. Sozialist. Wochenschrift. Erscheint jetzt wöchentlich. II. Jahrgang. Heft 4. Inhalt: Wilhelm Jansson: Französische AumaDun�en. Heinr. Wetzker; Demokratrische Unterordnungfll. Teil). C.Döring: Krieg und Valuta. EdgarSteiger: Shakespeare und Cervantes. V. J. Eaumann: Die Briefmarke und ihre AbschaKung. Glossen: Wer klug ist, lerne sclnveigen. Wir lieben die Masse. Die Woche, mc.; Das Ziel. Aus unserer Sammelmappe. Jodes Heft SO Pf.— Vierteljährlich S,50 M. 7jVl beziehen und vorrätig bei allen Buchhandlungen und Kolportagegoschäfton. Ebenso nimmt jede Postanstalt vierteljährliche Bestellungen entgegen. Probcnnnimcrn nmnonst und portofrei durch den Verlag Sür Sozialwissenschaft Q. m. b, lt., München, AUhclmereck 19. Tel. 12 609. j Stcppdceteu I Prachtvolle Simili- seidcne Steppdecken 4,85, 6,35, 7,50. Wundervolle doppeiseitize 8,75, 9,75 bis 16,50. Tüllbetldecken 1,95, 2,85. Wolfis TeppichHaus, Dresdenerslrasie 3 lKotlbujerlorh Abonnenten 10 Prozent viabalt. 26K' keievstikIlLv-IdeAle!'. 8tette LaMf. Zum drittletzten Male; H„Die von der m Emden." \\ Ansang 8 Uhr. h Für Mtlitärper- ionen jteiet rl\\V\�V1 Eintritt �zu den Stett. Gängern. "V oigst-Tlieater. Badstr 58. Sadstr. 58. Morgen Freitag, den 28, Apnl 1816 Untemckt Klaviertursus. Erwachsenen Schnellmethode, MonalSpreis 3,-� Klavierüben frei. Musitatademii Qranicnstrafie 63 iMoiitzpIatz). Orig.-AuSst.-Opcrelte in 3 Alten von Walter Gcrecke. HiotTe Verschiedenes Patentanwalt Müller,(Silichmer sirafie 16.____. Kunsistopferet Erogc Frank, urler' slrafie 67. 2699S' Verkäufe Arbeitsmarkt | Spezialarit