Ür. 119. ( 5 Pfennig) Montagsausgalte( 5 Pfennig} flbonncmentS'Bcdingungen: Abonnevients- Preis prünmnerandoi Vl-rtgyShrl. 3,90-fJH., nu-natl. 1,30 VA. toäcftcntüd) 30 Vfg. frei ins Haus. Anzelue vimnmer ö Pfg. Soimlags- Nummer mit illustrierter SomUags- kellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Pöfl- Abonnement: 1.30 Mark pro Monat. k.ngetragen in die Post. Zeitung?- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn £50 Marl, für das übrige Ausland t Mar! pro Monat. Postadonnemems Nehmen an Belgien. Dänemarl Holland, Italien. Lurembura. Portugal. 'nien. Schweden und die Schweiz. CrfchclDt 123)14. 33. Jahrg. Die TnfertlonS'Gebaiir »etrSgt für die fechSgefhaltene Kolonel« »eile oder deren Äaum 00 Pfg. für polltische und gewerstchastfiche Berein?» und Berfaminlnungs-Anzeigen 30 Pfg. ..Kleine Snreigen", das fettgedruate Wort 20 Pfg. IzuISffig 2 festgedrn-kte karte), fede? wlitere Wort 10 Pfg. 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Ein 1. Maitag und doch ein Tag des verwüstendsten Völkerkrieges, der gründlichsten Mißverständnisse der Böller, der tief- sten Uneinigkeit, der scheinbar nnüberbrücktaren lÄegensätzel Alle Versuche der Kennzeichnung verlieren an Kraft gegenüber der weit mehr sagenden: der 642. Tag des Krieges. Unabsehbar reiben sich in der Phantasie all der Menschen, die sich vor drei Jahren zum Feste des Proletariats bereiteten,»eitere ungezählte Tage des Krieges..,. Trotz alledem wollen wir vom t. Mai sprechen, wir bekennen uns zu ihm! Vermögen wir ihn nicht freudig zu feiern, können wir uns nicht in die zukunftSsrohe Stimmung versenken, wie sonst am Maientage, so bleiben uns doch unvergessen all die Tage seit 1833, an denen wir im Kreise von Parteigenossen den Weltseiertag der Arbeit begangen haben. Wenn ich diesen Satz niederschreibe, steigen vor meineni geistigen Auge die Millionen aus, die gleicbzeing mit mir die Maiseier begangen haben in Lissabon und in Sibirien, am Trasalgar Square und im Wiener Prater, in Paris und in Berlin, in Amsterdam und Antwerpen, in allen Großstädten und zahllosen kleinen Orten. WaS uns entflammt hat am 1. Mai, was sich rief eingegraben hat in unsere Ueberzeugung wie in unser Gemütsleben, was vereinigendes Band war zwischen dem Proletariat aller Nationen und Zielsetzung für sie alle, ist nicht ausgelöscht aus den Köpfen und Herzen der Menschen, mögen sie auch, statt am 1. Mai zu feiern, in den Munitionswerkstätten lieb erstunden machen, um möglichst viel todbringende Geschosse zu erzeugen, die ihre Brüder ununterbrochen in unabsehbarer Menge verbrauchen, ihre Arbeits- brüder in allen großen Nationen. Die Internationale macht eine schwere Krise durch: ein Teil fühlt sich gelähmt an Haupt und Gliedern,«in anderer phantasiert, im Fieberwahn ganz anders redend als im Zustand der Gesundheit. So manche sind aus unseren Reihen geflohen, vielleicht warten andere den günstigen Augenblick hierfür ab. Di« sozialdemokratischen Parteien aller Länder sind geschwächt und innerlich zerklüftet. Auch die Gewerkschaften haben schwere Mitgliederverluste in allen Län- dern zu verzeichnen. Diese Verluste sind nur zum Teil verursacht durch die Einziehung zum Heeresdienst. Unsicherheft herrscht, ob sich die heute soldatisch Wirkenden nach dem Kriege wieder in die Reihen der Organisationen der Partei und der Gewerkschaften stellen werden. Gar lange dauert dieser Krieg, länger wohl, als irgend jemand, als auch die Heerführer erwartet haben. Hoffnungen, die sich beim Be- ginn de» Krieges sturmartig eingestellt haben, und auf die die Ar- beiterschaft einzuschwören eifriges Bemühen war, bröckeln ab. Weil diese Hofsnungsfteudigkeit unter den ökonomischen Wir- kungen des Krieges, bei der immer mehr erkennbaren Größe der Steuerlasten nach dem Kriege, bei den offenkundigen Gegensätzen zwischen Unternebmcrn und Arbeitern aus Anlaß der Verlängerung der Tarifverträge naturgemäß abnimmt, darum erkennt daS Proletariat in wachsendem Maße, w:e notwendig es ist, sich auf sc:ne eigene Kraft zu besinnen. Immer deutlicher beton! es wieder die selbständige Vertretung seiner Interessen und die Gegensätzlichkeiten, die vor dem Kriege als naturgemäße Erscheinungen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung betrachtet wurden. Nach dem Kriege wird man meiner lleberzeugung nach wsit stärker mit ihnsn rechnen müssen, als daS jemals der Fall war, seitdem wir unS einer selbständigen Arbeiterbewegung erfreuen. Nun wir uns der Vollendung deS zweiten Krisgsjahres nähern, drängt sich immer kräftiger die Wirt- schaftliche Denkweise der Arbeiter vor, ergibt sich für sie immer klarer, daß sie der eigenen Kraft vor allem zu vertrauen haben. In diese Gedankenwelt versenkt sich die Arbeiterschaft an dem zweiten während der Kriegszeit gefeierten 1. Mai im Gegensatz zu der Stimmung, die noch vor Jahressrist b« ihr vorherrschte. Da- mals sah man den Friidsn näher als heute. Damals erschienen die Kosten des Krieges leichter abzuwälzen, die Verfremdung der Vvlker war noch nicht so w-it gediehen, zur Hoffnung auf eine lange Blüte- zeit der Industrie nach dem Kriege war mehr Veranlassung als beute. Und doch, so stark sich die Völker im Laufe der letzten zwölf Monate in der Feindschaft verbittert hatten, so sehr empfindet man den Lickt blick wachsenden Verständnisses an der Haltung der anderen Arbiiterschaften zu der Arbeiterklasse jedes Landes. So sehr auch in Manchen Ländern das Bekenntnis zur Internationale zum schweigen verurteilt wurde, empfindet man doch stark, daß die Gefühle, die im Frieden die Arbeiter am l. Mai erfüllten, heute lebendiger und hoff- nungsfreudiger sind als vor Jahresfrist. Ueberall sehen wir die proletarischen Forderungen neben den nationalen Bckeniltnissen llrößeren Raum gewinnen. Die Gewerkschaften erkennen, daß d:e Betonung ihrer ökonomischen Forderungen, die lie ja niemals aus- gegeben haben, neben denen sie aber während der Kriegszeit auf stärkeres Gewicht gelegt htthen, wieder in ben Vorbergruno aeschobsu werden müssen. Die Bedeutung der internationalen Gestchtspunkte ist in Deutschland auch während des Krieges niemals so weit unterschätzt worden, daß eine der internationalen Unionen oder internationale Sekretariaie, die in Deutschland ihren Sitz haben, ihre Tätigkeit ein- gestellt haben. In dem schr bemerkenswerten Bericht, den Genosse Theodor Leipart über die internationale Union der Holzarbeiter während des Krieges in deren Bulletin(13. Jahrgang[1918], Nr. 2, S. 1 ss.s gibt, heißt es: ..Nicht nur in den am Kriege, beteiligten, sondern auch in den neutralen Ländern haben die Verbände unter den Folgen des Krieges zum Teil recht stark zubleiben. Die Mitgliederzahlen sind durch die Einberufungen zum Heere und durch andere Verluste zumeist sehr zurückgegangen. Indessen kann zu aller Freude doch konstatiert werden, daß sämllicke Verbände in allen Ländern, wenn auch natürlich geschwächt, so aber in ihrem Bestand bisher durch- aus erhalten geblieben sind. Das wird hoffentlich auch für die weitere Tauer des Krieges und darüber hinaus der Fall sein. Diese Hoffnung ist um so berechtigter, als unzweifelhaft nach dem Kriege in allen Ländern sehr große uiih schwere Ausgaben an die Gewerkschaften herantreten, deren Erfüllung im Interesse der Ar- beiterschaft nur starken und geschlossenen Organisationen gelingen kann." Kräftigung und Ausbau der üiternationalen Organisation verlangt Leipart, er will nichts aufgeben von ihr, er meint, daß bald nach Beendigung des Krieges ein internationaler Holzarbeiterkcngreß stattiindev solle, der die notwendigen Klärungen schaffen werde über die Mißverständnisse, die zwisckien den einzelnen Zweigen der Holz arbeitevbewegung infolge des Krieges Platz gegriffen haben. Wir zweifeln nicht, daß es zu diesem internationalen Holzarbeiterkongreß kommen wird, und daß fich seine Verhandlungen viel kameradscbaft sicher und freundlicher gestalten werden, als man während der Kriegs' zeit annehmen kann. Es wird wohl nicht schwer sein, die Arbeiter der verschiedenen Länder über vieles aufzuklären, was ihnen heute unverständlich ist, ja unverständlich sein muß, weil eben die iKög lichkeit, auch nur die Mißverständnisse zu kennen, die über die Ar- beiterbewegung der einzelnen Länder verbreitet werden, vielfach fehlt, weil die Kanäle, durch die die Nachrichten kommen sollen, verstopft sind, viele Tatsachen heule gar nicht festgestellt werden können, und soweit das möglich ist, diese Feststellungen nicht veröffentlicht werden sollen. Wird der Friede wieder herrschen, so werden die meisten dieser Rücksichten fallen! Wer kein bewußter und gehässiger Feind der Arbeiterbewegung ist. wird nichts dagegen einwenden können, daß über die zugeschütteten Schützengräben hinweg erzählt wird, wie die Arbeiter und ihre Organisationen während des Krieges leben und wirken mußten, was sie gefördert, was sie gehemmt, was sie getäuscht hat, was sie gläubig aufgenommen haben und wie sie das. waS sich im Kriege auf ihrem gewerblichen Gebiet ereignet hat, und was sie sonst bestimmt hat, nun in der Zeit deS Friedens beurteilen. ES werden nicht gar viele Leute so starrsinnig sein, auch m der Zeit deS Friedens als unverrückbare Weisheit zu vertreten, was sie in der Zeit des Krieges getan und unterlassen, gestützt und bekämpft, be- stritten und erhofft haben. Wir alle, welcher Kasse und welcher Nation wir angehören, wir werden im Frieden flüger und einsichtiger, auch ruhiger und nüchterner sein, als während des Krieges. Dabei mag man dann beweisen, daß man im Kriege nicht anders denken und handeln konnte, als es geschah. Aber nicht aus dem, was ver- gangen war, was in dei Kriegszeit als notwendig enipsunden wurde, wird die Zielsetzung der prolelanschen O-rganisMion beruhen, sondern ans dem, was dann sein wird, was nachher sein soll, waS mit der eigenen Kraft des geeinten oder zu einigenden ProictariatS ge- schaffen werden soll unter Berücksichtigung der widerstreitenden Kräfte, die wir alle heute schon empfinden, und die nach dem Ende der Kriegszeit noch kräftiger walten werden. Die Schwarzseher, die die Internationale totgesagt haben, ver- kennen, daß der Krieg in so manchem auch die Arbeiter einander nähergebracht hat. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der Kriegszeit ist die gleiche Richtung ökonomischer Maßregeln, die durch die nämlichen KriczSnotwendigkeiten erzwungen wurden oder von den maßgebenden Stellen als notwendig erachtet wurden, die in allen Ländern entweder gleichmäßig ausgedacht oder gegenseitig nach- geahmt wurden. Eine ganze Reih- gleicher ökonomischer Probleme wird sich erst recht für die Arbeiterklasse aller kriegführenden und mancher neutralen Länder ergeben: daS Bedürfnis nach einer staat- lichcn ArbeitSloscnverfichcrung, nach einer den ganzen Arbeitsmarkt regulierenden, von den Unternehmern unabhängigen ArbeitSvermitt- lung, die Anpassung der Löhne an die Geldentwertung, die Probleme, die das Eindringen zahlreicher Frauen in bisher den Männern aus- schließlich vorbehaltene Berufe und Betätigungen in den einzelnen Berufen hervorgerufen hat, die großen Wirkungen der rasch fort- geschrittenen Organisierung und Mechanisierung der den Kriegs- industrien dienenden Betriebe, die nicht geringeren Wirkungen einer Demobilisierung von Millionen arbeitsfähiger und rasch Arbeit suchender Männer, die Fragen, die die Hunderttausende halb verwend- barer Verwundeter und gesundheitlich geschädigter Männer ver- anlassen werden. All tzis sind Fragen, die in allen Ländern in gleicher Weise zu gleicher Zeit auftauchen werden. Arbeiterorgani- sationen und Unternehmerverbände werden verschiedene Lösungs- versuche haben, vielleicht werden die Arbeiter manchmal Forderungen aufstellen, während die Unternehmer jede Berechtigung hierzu bestreiten wollen. Ueberall werden die Steuern sehr hoch sein, überall werden die Arbeiter scbon um deswillen bemüht sein müssen, zur Sicherung der in Friedenszeiten in opferreichen Kämpfen errungenen Leven-- Haftung Forderungen zu stellen und sie mit gewerkschaftlichen und politiichen Mitteln durchzusetzen. In allen triegiichreuden Staaten hat der Krieg Kraft und Gesundheit der Menschen den höchsten Proben unterworfen. Im Interesse der Erhaltung der Bolksgcsund- heit und vor allem der Leistungsfähigkeit der Arbeiterklasse, auch in dem einer ausreichenden und gesunden Volksernährung werden sozial- politische Maßnahmen von den Arbeitern gefordert werden. Tie Unternehmer haben schon vor dem Kriege überall behauptet, daß sie durch sozialpolitische Lasten erdrückt werden. Man wird den Ver- dacht nicht beiseite schieben können, daß sie auch nach dem Kriege diese Einwendungen kräftig betonen werden. So muß man damit rechnen, daß der Widerstreit zwischen Arbeitern und Unternehmern nach dem Kriege überall ausbrechen wird. Man könnte beweisen, daß dieser Krieg, wie er die Notwendigkeit der Weltwirtschaft bewiesen hat, auch die Notwendigkeit gkeichbahnigcr Entwicklung in verschiedenen Wirtschaftsgebieten klargestellt hat. Wir wissen auch, daß nicfit nur in den Methoden der Kriegftihrnng. sondern auch in finanzpolitischer, handelspolitischer, industrieller Ve- ziehung die einzelnen kriegführenden Staaten während deS Krieges ununterbrochen voneinander gelernt haben, und daß manche im Frieden tiefgehenden Unterschiede in den Einrichtungen dieser Staaten während ihrer gegenseitigen Kriegsührung ausgeglichen wurden. Nun fürchten aber freilich manche, daß die während des Krieges vergossene Tinte und leichtfertig verbrauchte Druckerschwärze meor Bitternis zwischen den Nationen zurücklassen werde als die An- Wendung der Sprengstoffe zu Lande und zu Wasser. Dieser Ein- wand hat unzweifelhaft viel für sich. Er soll nicht leicht genommen werden. Aber wir wollen die Arbeiterbewegung nicht schwärzer sehen als sie«S verdient. Verglichen mit den Zügctlosigkciten der Gelehrten und Publizisten aller Nationen waren die bedauerlichen Worte gegen die Internationale oder gegen die Parteien, Gewerk- schaftszentralen und Gewerkschaften anderer Länder lange rächt so vergiftet. Es ist zu hoffen, daß nach dem Kriege Deutsche und Nichtdeutsche, soweit sie von Liebe und Treue für die Arbeiter- bewegung erftillt sind, soweit fte einigend und nicht entzweiend wirken wollen, vergessen werden, was besser euch während des Krieges nicht gedruckt worden wäre. Der Krieg hat nicht nur für den Augenblick entfremdet, er bat wohl auch für die Dauer zusammengeführt, wenn man das auch heut« noch nicht wirken sieht und erst im Frieden empfinden wird. Gerade für die Gewerkschaften ch ben sich viele ähnliche Tatsachen augenfällig gemacht, die vor dem Kiiege nicht in Erschoinuiig traten. Wir all« haben schmerzhaft empfunden, daß die englische Arbeiter- bewegung in ihren wichtigsten Gruppen mehr dem äußerlichen Scheine nach a!S aus innerem Streben zu den tnternationaken Verbindungen, sowohl den politischen als den gewerkschaftlichen, gehalten hat. Ich hoffe, daß es nach dem Kriege ganz anders sein wird. Ter„Monthly Report", das Organ des britischen Möbel- arbeiterverbande», für Dezember 191b veröffentlicht aus dem Bulletin der Internationalen Union der Holzarbeiter einige Aus- züge au? den Berichten von Schweden und Teutschland und be- merkt dazu: ES ist zu ersehen, daß dft allgemeine Erfahrung in Schweden und Deutschland der unscrtgen sehr nahe kommt, und das gleiche trifft mehr oder weniger aus die anderen Länder zu. Wir sind höchst erfreut über den starken Friedenswunsch, der von den ver- schiedenen Gewerkschaften geäußert wird, und hoffen, daß die Zeit bald kommen wird, wo die organisierten Arbeiter der ganzen Welt einflußreich genug sein werden, alle Kriege zu verhindern. Aber nicht bloß diese ganz allgemein« Bemerkung scheint unS sehr wichtig, noch bedeutungsvoller scheint uns die Ablehnung der unter dem Drucke persönlicher Reden von Asquith, Lloyd George. Runciman beschlossenen Erklärungen auf der Nationalkonferenz der britischen Gewerkschaften. In der Januarnummcr 1316 des .Monthly Report" erklärt der Generalsekretär des Möbelarbeiter- Verbandes Gossip: Es wird unsere ganzen vereinigten Anstrengungen erfordern, dem gemeinsamen Feind unserer Klasse, ganz gleich welcher Nationalität, Trotz zu bieten, nackidem diese lieber schwernrrnxng von Blut und Feuer vorüber ist. und es mag sein, das; ftilnr die Augen des vertrauensseligsten unserer eigenen Arbeiter- sübrsr geöffnet werden und sie die Dinge sehen, wie sie imrxliffl sind und sein werden, bis das Volk alldem ein Ende bereuet durcb Hinwegnahme der Macht von Leben und Tod, die neuie von den besitzenden und regierenden Klassen in allen Zandern so beharrlich behauptet wird. Nach den Reden und Atnkein von manch einem heule zu urteilen, könnte man glauben, o>i. Tausendjährige Reich wäre gekommen, und daß der~o»e um das Lamm friedlich beieinander liegen. Aber wenn mnS sicherer ist als irgend etwas, dann ist es das, daß der fürchterliche Vir- beitskrieg lang« dauern wird, lange nachdem der gegmiwartge europäische Krieg beendigt ist. und all unsere vereinigte»«s- tnüljungcn müssen aufgeboten werben, um den binberlistigSn Feind zu bekämpfen, der gefährlicher ist als alle anderen. Die Gewerkschaften müssen aufhören, wegen mehr oder weniger geringen Nichtigkeiten unter sich zu streiten, und sie müssen ihre Streitkräfte ordnen, um den schrecklichen Zeiten, die der organisierten Arbeit bevorstehen, wirksam entgegentreten zu können. Wir können leider nicht beurteilen, wie weit der„Monthlh Report" die Stimmung der Gewerkschaftsmitglieder wiedergibt. Er wendet sich in der Form gedämpft, in der Sache aber mit einer ganz außerordentlichen Schärfe gegen die Konferenz, in der es den Ministern gelang, die Gewerkschaftsvertreter gefügig zu machen. Vieles deutet freilich darauf hin, daß die Zeit des Krieges eine Periode des Erwachens der englischen Arbeiterklasse ist und daß diese den Grundsätzen der Arbeiterschaft auf dem Kontinent durch den Krieg nähergebracht wird. Freilich wäre dieser Gewinn für die Internationale gar teuer und schwer erkauft. Doch darüber haben wir nicht zu rechten, wir haben dieses Mittel nicht gewollt, wir müssen ohne Beziehung auf die Ursachen seine Wirkung würdigen, die früher, als man sonst erwartet hatte, zur Verflechtung der Arbeiterintercssen diesseits und jenseits des Kanals zu führen ver- spricht. Kanu nun während des Krieges die Gleichheit der Interessen der Arbeiterklasse der sich bekämpfenden Völker nicht zum Ausdruck gelangen wie im Frieden, so gilt es doch, in der Schulung der Mit- glieder das vorzubereiten, was die Aufgabe im Frieden für die Arbeiterklasse sein wird. Mehr noch als vor dem Kriege werden gleiche Tatsachen, Nr- fachen, Wirkungen, Wünsche und Zielsetzungen, Hemmungen und Gegnerschaften ein gleiches Streben der Arbeiter aller Länder her- beiführcn. Wir können an diesem 1. Mai nicht die Einheit der Arbeiterklasse behaupten, wir können nicht einen Weltfeiertag be- gehen, aber wir können im Geiste wirken für Bereitung kommender Maifeiern, die größer und glänzender, in höhcrem Grade die Massen umfassen und mit kraftvollem Willen für die Gegenwart, mit Zukunftsreudigkeit erfüllen, damit bald zur Wahrheit werde, was 1883 zu Paris und in den großen Zusammenkünften beschlossen wurde, die dieser proletarischen Jahrhundertfeier folgten, bis zum unvergeßlichen und doch heute in dichten Nebel gehüllten Tag vom Basler Münster. ES ist schwer, unter dem Donner der Geschütze diesen Gedanken nachzugehen, und doch werden sie von Millionen gehegt trotz alledem und alledem. Trotz Tod und Grausen ist in unL die Hoffnung gesichert, daß sich die Arbeiter aller Länder in nicht zu ferner Zeit die Hand reichen werden, um einer großen und stolzen Zukunft entgegen- zugehen. TaS sollte uns allen der 1. Mai sagen! /Irbeiterschutz und erster Mai. Ein wichtiges welthistorisches Ereignis war die Bekundung der Uebcreinstimmung der Arbeiter aller Länder nach dem Ziele des Arbeitcrschutzes auf dem Internationalen Kongreß, der voni 11. bis 21. Juli 1889 in Paris abgehalten wurde. Dort be- schlössen die Vertreter der Arbeiter aus allen Ländern die Schaffung einer wirksamen Arbeiterschutzgesetzgebung für alle Länder mit moderner Produktion ist eine unabweisbare Not- wendigkeit. Ter Kongreß fonnulierte dann die Grundlagen einer solchen Arbcitcrschutzgesctzgebung und bezeichnete als die wesentlichste Grundlage: den achtstündigen Normalarbeitstag. Er forderte ferner: Verbot der Arbeit von Kindern unter 14 Jahren? Be- schränkung der Arbeit aller Minderjährigen von 14 bis 18 Jahren auf sechs stunden pro Tag: Verbot der Nacht- arbeit mit Ausnabme für jene Betriebe, welche ihrer Natur nach nicht zu unterbrechen sind; Ausschluß der Frauen- arbeit in alle» den weiblichen Organismus besonders schädi- Zwei Sucher über Zeinüe. Von Ed. Bernstein. I.' ES ist eine oft umstrittene Frage, ob die Völker einander mehr hassen oder mehr als Freunde betrachten würden, wenn sie sich näher kennten. Die Wahrscheinlichkeit spricht für daS letztere. Denn so sehr auch Sitten und Einrichtungen von Land zu Land sich unterscheiden mögen, so überwiegt wenigstens bei den Kulturvölkern das Gemeinsame der Lebensauffassung und Lebensführung in so hohem Grade die trennenden Momente, daß in ihrem Bereich jeder, der in ein anderes Land kommt, bald den Begriff der Einen großen, iin Grunde zusammengehörenden Völkerfamilie empfängt. Es sind denn aurb meist nur besondere Erfahrungen einzelner, die diese das Treniieiide dauernd stärker empfinden lassen, als das die Völker Ver» bindende, wie das aber gar manchem auch daheim geschieht. Im großen ganzen gleichen sich üble und gute Einzelerfahrungen jedoch aus, und es bleibt bei der Mehrheit der Gereisten als gemeinsame Erfabrung die Erkenntnis von der Skulturgemeinschaft der Nationen. Ganze Völker lernen aber einander nicht kennen, die große Masse ist überall auf die Berichterstattling durch dritte angewiesen, und die liegt oft genug sehr im Argen. Vor allem natürlich in Kriegszeiten. Ivo geschäftsgewandle, auf die angestachelten Leiden« schaften spelulicrende Skridenten schnell bei der Hand sind, dem eigenen Volk das andere Volk und dessen Geschichte in den schwärzesten Farben zu malen. Berufung auf den Patriotismus muß ihre Ware decken. Es ist aber«in sehr zweifelhafter und jedenfalls ein sebr kurzsichiiger Patriotismus, der sich in solchen Fabrikaten kundgibt. Denn nichts macht sich in der Politik, und ganz besonders bei einem Kriege, teurer bezahlt, als falsche Ein- schätznng des Geistes der Nationen, mit denen man zu tun hat. Wie leidbt Völker, die sich im Grunde nur vom Hörensagen kennen, über sich selbst und über einanoer zu falschen Urteilen kommen, beleuchtet sehr anschaulich ein Büchlein, das soeben im Verlage von Eugen Diederichs-Jena erschienen ist'und in kurzweiliger Form viel Stoff zum Nachdenlen darbietet.*) Ein geistreicher Schriftsteller hat vor einiger Zeit den Ausspruch getan, daß, wenn zwei Leute sich miteinander unterhalten, eS in Wirklichkeit sechs Leute sind, die das Gespräch führen. Nämlich 1. jeder der beiden, wie er wirklich ist, 2. jeder der beiden, wie er glaubt, daß er ist und wie er erscheinen will, und 3. jeder der beiden, wie er den, andern wirklich erscheint. An diesen Ge- danken, der vor Jahren den anglojüdischen Humoristen I. Zangwill zu einem Einakter von � jener Gattung angeregt hat, die man in Frankreich Borhangs-Aufzüger(levers du rideau) nennt, knüpft der Berfaffer an, um Engländern und Deutschen einen Spiegel vorzu« halten. Er läßt einen Deutschen, den er Huber nennt, und einen Engländer, Cex genannt, auf einer Bank im prächtigen Busch— „Besch"— der holländischen Residenzstadt Haag Platz nehmen und, da jeder den andern als Angehörigen des Landes erkennt, mit dem das seine im Krieg liegt, sich möglichst weit getrennt von einander setzen und sich gegenseitig stolz ignorieren, als zwischen ihnen die vier Personen auftauchen, die sie nicht wirklich sind, aber zu sein glauben oder zu sein scheinen, und gemäß der ihnen beige- legten Charakrere, also nnt hüben und drüben landläufigen Ueber- treibungen der verschiedensten Art, daS Gespräch einleiten und eine ') Bernhard Guttmann, Huber und Cex. Ein zeitgemäßes De- fpräch. Jena 1916, Eugen DiederichS. 64 S. 8°. geuben BekrieAetl; Verbat Set Nachkm»beit für Frauen und männliche Arbeiter unter 18 Jahren; ununterbrochene Ruhepause von mindestens 36 Stunden die Woche; Verbot soldjer Industrie- zweige und Betriebsweisen, welche besonders gesundheitsschäd- lich für die Arbeiter sind; Aufhebung des Truck- s h st e m s; eine alle industriellen Betriebe, einschließlich der Hausindustrie umfassende Ueberwachung durch staatlich besoldete Inspektoren, welche mindestens zur Hälfte von den Arbeitern selbst zu wählen sind. Außerdem erklärte der Kongreß: Es ist Pflicht aller Arbeiter, die Arbeiterinnen als gleichberechtigte Mitkämpferinnen anzusehen und dem Grundsatze:„Gleicher Lohn für gleiche Lei- st u n g e n"— auch in bezug aus die Arbeiterinnen zur Geltung zn verhelfen. Als ein wesentliches, zum Ziel führendes Mittel hierfür.,. erachtet der Kongreß die Organisation der Arbeiterklasse und fordert demnach volle Koalitions» und Vereinigungsfreiheit. Wie aber sind diese Arbeiterschutzbestimmungen zu erreichen? Darüber beschlossen die Arbeiter aller Länder in Paris: Der Kongreß erklärt es für notwendig, alle diese Maßregeln durch Gesetze beziehungsweise durch internationale Ver- träge zu sichern, und fordert die Arbeiter aller Länder auf, in der ihnen am geeignetsten ersdjeinenden Weise für die Ver- wirklichung dieser Forderungen einzutreten und ihre Durch- führung zu überwachen. Als die zweckmäßigste Form der Ausklärung über die Not- wendigkeit der Arbeiterschutzgesetzgebung, insbesondere des Acht- stundentagö, setzte der Pariser Kongreß eine internationale Manifestation(Kundgebung) für den 1. Mai 1899 fest. Der Beschluß lautete: Es ist für einen bestimmten Zeitpunkt eine große intcr- nationale Manifestation zu organisieren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in allen Ländern und in allen Städten an einem bestimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten(Be- Hörden) die Forderung richten, den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen und die übrigen Beschlüsse des Internationalen Kon- gresses von Paris zur Ausführung zu bringen. In Anbetracht der Tatsache, daß eine solche Kundgebung bereits von dem Amcri- kanrschcn Arbeiterbund(Fedevation os Labor) auf seinem im Dezember 1888 zu St. LouiS abgehaltenen Kongreß für den 1. Mai 1899 beschlossen worden ist, wird dieser Zeitpunkt als Tag der internationalen Kundgebung angenommen. Die Arbeiter der verschiedenen Nationen haben die Kundgebung in der Art und Weise, wie sie ihnen durch die Verhältnisse ihres Landes vor- geschrieben wird, ins Werk zu setzen. Der jubelnd gefaßte Beschluß hat der Ueberzeugung von der Notwendigkeit eines ausgedehnten wirksamen Arbeiterschutzes in allen Ländern Bahn gebrochen. Lebhast vielgestaltig wurde seit 1899 von Jahr zu Jahr in allen Ländern der Weltfeiertag be- gangen, um für Arbeiterschutzbestimmungen, für Or- ganisation und für Frieden einzutreten. Es kann heute nicht unsere Aufgabe sein, auf die Kämpfe zurückzuschauen, die seit 1899 für Arbeiter schütz, für den Achtstundentag und für das Koalitionsrecht von den Arbeitern geführt wurden, oder auf die Ergebnisse der Kämpfe. Der Kongreß in Zürich beschäftigte sich im Jahre 1893 mit der Notwendigkeit der Einführung des Achtstundentages. Er faßte hierüber folgende Entschließung: Der Achtstundentag ist... die wichtigste Maßregel zur Verbesserung der Lage der Arbeiter. Durch den Achtstundentag wird die Arbeitslosigkeit geringer, die A r b e i t s t ü ch t i g k e i t größer, der Lohn höher und die Kauffähigkeit des arbeitenden Volkes stärker. Durch den Ächtstundentag wird das vom Kapitalismus gc- störte Familienleben gehoben und eine bessere Fürsorge für die Kinder ermöglicht. Durch den Achtstundentag steigt die Gesundheit, Kraft, Intelligenz und Sittlichkeit des Volkes.-.. � Der Kampf für den Achtstundentag muß in allen Ländern geführt werden, denn nur die internationale gesetz- liche Durchführung des Achtstundentags sichert seinen Be- stand und seine segensreiche Wirksamkeit. Weile führen, dann infolge einer Erplosion verschwinden, worauf nun der wirkliche Huber und der wirkliche Cex. jeder als Stimme der Denkenden seines Landes einander allerhand Wahrheiten ernster Nalur sagen. Die Schilderung, die der Verfasser sowohl von den wirklichen wie von den Schein-Pcrsönlichkeiten gibt, zeugt von guter Kenntnis der nationalen Besonderheilen und die Gespräche atmen bald ireffende Satire und bald bitteren Ernst, Hören wir zur Probe zunächst die Scheinpersönlichkeiten: »Sir Ralph(der Engländer nach dem Schema der engli- schen Ueberpatrioten): Beleidigen Sie meinen Freund Duckmauski nicht. Dieser Deutsche ist mir ans Herz gewachsen, obwohl er so unappetitlich aussieht und beständig nach Wurst und Halfpenny- Zigarren riecht. Guter, kleiner Duckmauski I Um ihn von dem seelenlötenden Joche des preußischen Militarismus zu erlösen, zog ich ja in diesen Krieg. Duckmauski(der Deutsche, wie ihn der Gläubige gewisser englischer Zeitungen sieht): Ja, Pferdefleisch essen wir bis auf den heutigen Tag. Edelhuber(der Deutsche nach dem Schema der deutschen Ueberpatrioten): Du lügst, Erbärmlicherl Wer bist Du, mit briti- schen Silberlingen gekaufter Judas? Duck mauSki: Wer ich bin, mein gutester Herr Edelhuber? Ei Herrjeses, ein naher Verwandter von Ihnen I Ihrem Vater seinem Vater sein Bruder und meiner Muller ihrer Mutter ihre Muhme waren Geschwisterkinder. Ihr Großvater, das war noch ein richtiger Volksmann und Ferschleftller, Mützenmacher seines Zeichens; der hat acht Tage Arrest bekommen für die deutsche Republik und das öffentliche freie Zigarrenrauchen auf der Straße, und die Parlamentsmajorilät halten wir eingeführt und die Volks- souveränilät und den Freibandel, wenn nicht die Preußen ihre spitzige Nase hineingesteckt hätten. Sir Lt a l p h: Und wie hatten wir euch Deutsche geliebt I Wir achteten Hannover, wir spielten in Homburg und Baden- Baden, wir schwärmten für Hessen-Nassau-Usingen-Schnippschneck. Frei und klein wollten wir euch erhalten, weil wir kleine freie Völker gern haben. Darum hat schon unser großer Wellington auf dem Wiener Kongreß heldenhaft für die Rechte der sächsischen Nation gegen Preußen gestritten. Wir hassen die Sklaverei, ans- genommen in einigen Gebieten Wcstafrikas, wo sie auf den Plantagen unserer liberalen Kakaofabrikanten, der Freunde von Asquith und Lloyd George, noch heute gänzlich unentbehrlich ist. Was jedoch haben die Preußen in Deutschland zu suchen? Sie sind gar kein deutscher Stamm, wie Professor Ditchwater in Oxford bewiesen hat. Die alten Preußen brachten sogar Menschenopfer. Herrible! Edelhuber: O ihr angelsächsisches Heuchelgezllcht! Euere ganze Geschichte ist, wie unser Professor Tranfisch mit Zitaten aus eueren eigenen Historikern schlagend gezeigt hat(hierbei zog Edelbaber eine Anzahl Eine-Mark-Bücher aus der Tasche) nichts als Blutdurst, Geldgier und Lüge. Euer Geschichtsschreiber Seelep selbst bemerkt, wie der tiefgelehrte Tranfisch in seinen unermüd- lichen Forschungen aufgedeckt hat, daß bei euch Krieg und Handel unlösbar mit einander verflochten gewesen seien. Mit einem Worte, eure Machthaber führten Krieg aus Gewinnsucht. Pfui I Huber: Ich möchte wohl wissen, was Mr. Jamnose zu alledem sagt. Warum sitzt er immer schweigend da? E d e l'h u b e r: Weil er ein Automat ist und gar nicht redet. wenn man ihm nicht ein Geldstück in die Ocffnung am Hals- kragen hineinwirft. Haben Sie schon einmal einen Engländer gesehen, der etwas umsonst tut? Geben Sie mir einen Nickel, Huber; ich selbst besitze kein Vermögen.(Nachdem man eine Als M i! i e I zur interna tionalen Durchführung des Acht« stundeutages empfiehlt der Kongreß: die gewerkschaftliche und politische Organi- sa t i o n der Arbeiterklasse auf nationaler und internationaler Grundlage und die Agitation und Propaganda für den Acht- stundcntag durch' die Organisation.... Die Gewerrschaftsorganisation der Arbeiter hat den außer- volitischen, freien Kampf mit dem Unternehmertum für den Acht- stundentag zu führen, um dadurch der gesetzlichen Einführung des Achtstundentages für die ganze Arbeiterklasse den Weg zu bereiten, Auch in dieser Zeit— vielleicht in ihr mehr als je— wird dem Arbeiter cindringlichst die Erkenntnis lebendig, daß eS nicht Ruhe noch Rast auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes geben darf. Wie Jaurks über öie Ursachen des Krieges dachte. Am 25. Juli 1914 hielt Jaures in einer Wahlversammlung zu Vaise bei Lyon eine Rede, in der er die tieferen Ursachen des Krieges aufzudecken suchte. Es war ihm nicht mehr vergönnt, die Ansichten darüber selbst schriftlich niederzulegen, aber nach Notizen von Marius Montet wurden sie in der Lyoner Wochenschrift„lÄvenir Sozialiste" vom 1. August 1914 einem kleinen Kreise mitgeteilt. Die Genfer Monatsschrift„Domain" vom 15. April hat diese Bemerkungen jetzt ans Licht gezogen. Angesichrs der von Oesterreich an Serbien gestellten Forderun- gen hat Jaures den Krieg klar vor Augen gssehen. „In der gegenwärtigen Stunde stehen wir vielleicht am Vor- abend des Tages, an dem Oesterreich über Serbien herfällt. Und wenn Oesterreich-Deutschland sich auf die Serben und die Russen stürzen, das bedeutet Europa in Brand, die Welt in Brand. In einer so ernsten Stunde, so voll von Gefahren für uns alle, für eines jeden Vaterland, will ich nicht lange nach Verantwortlich- keitcn suchen. Wir haben unser Teil, und ich betone vor der Ge- schichte, daß wir sie vorausgesehen haben, daß wir sie angekündigt haben; damals als wir darauf hinwiesen, daß ein gewaltsames Vor- gehen mit Waffen in Marokko hieße, für Europa eine Zeit der ehr- geizigen Bestrebungen, der Begehrlichkeiten und Streitigkeiten er- öffnen. Man hat uns als schlechte Franzosen verleumdet und wir waren es doch, die um Frankreich sorgten. Das ist unser Teil Per- antwortung und sie wird noch klarer, wenn man bedenkt, daß die bosnische Frage der Anlaß für den Streit zwischen Oesterreich und Serbien ist, und daß wir Franzosen, als Oesterreich Bosnien und die Herzegowina annektierte, weder Recht noch Mackjt hatten den geringsten Einspruch zu erheben, weil wir in Marokko beschäftigt waren." Wir gaben Oesterreich freie Hand gegen freie Hand in Marokko, und so ging das weiter, Italien durfte in Tripolis räubern, weil wir es am andern Ende derselben Straße taten. Jedes Volk in Europa wollte sein Teil bekommen— daher der Brand. „Wir haben unsere Verantwortung, aber sie darf nicht die der andern verdecken. Wir haben Recht und Pflicht hinzuweisen aus die Hinterhältigkeit und Roheit der deutschen Diplomatie und anderer- seitS auf die widerspruchsvolle Haltung der russischen." Die Russen, die vielleicht für die Serben Partei nehmen, sind eS selbst, die 1877 Serbien ins Herz trafen, als sie Bulgarien schufen, das sie einzu- stecken beabsichtigten und OesterreidiZ Einverständnis durch die Ueber- lassung Bosniens erkauften. Oesterreich hat dann später das Zu- geständnis eines Zugangs zum Schwarzen Meer nahe Konstantinopcl nicht Wort haben wollen, und dadurch kam es zur Entzweiung zwischen ihm und Rußland.„Aber Rußland war Oesterreichs Spießgeselle, als die Slawen in Bosnien und Herzegowina ausgeliefert wurden und Serbien tödlich getroffen wurde." „Die Kolonialpolitik Frankreichs, die hinterhältige Politik Ruß- lands und der brutale Wille Oesterreichs haben dazu beigetragen, die schreckliche gegenwärtige Lage zu schaffen." Jaures erwartete allein von der Internationale der Sozialisten die Möglichkeit zur Erhaltung des Friedens. Münze in Jamnose hineingesteckt hatte, hielt dieser den rechten Arm steif von sich, sperrte die Kinnbacken auseinander und ließ aus seiner Kehle ein ratlerndes Geräusch vernehmen.) I a m n ose(wörtlich: Marmeladennase, der Enoländer, wie ihn der deutsche Ucbeipairiot schilderl): Ratt-Ralt-Fiiiy Percenl! Damned Germans! Wisly and Soda! FootballI Roastbeef' Rott« Ratt— H u b e r: Ist das alles, was er sagen kann? Edelhuber: Erwarteten Sie mehr? ES ist der Inhalt des englischen Seelenlebens. Cex(der wirkliche Engländer): Vielleicht ist daS ein wenig übertrieben, Sir. Ich erinnere mich wenigstens, gelegentlich an etwas anderes gedacht zu haben. Edelhuber: Irrtum! Sie bildeten sich ein, Sie dächten an Höheres, in Wirklichkeit aber meinten Sie, wie die deutiche Wissenschaft einwandfrei nachgewiesen hat, immer nur die Prozente. Die Idee findet nämlich keinen Platz in der englischen Hirnschale, sie gedeiht dort ebenso wenig wie Kirschen in Grönland. Von Geist, Freiheit und Staat versteht ihr nicht das mindeste. Ihr habt keine Kultur, sondern Komfort; keinen Staat, sondern Blau« bücher. Der Engländer, schreibt der tiefgründige Professor Ton» zylinder, hat ein Hoino, aber kein Vaterland. Kein Vaterland, ich bitte Sie I Wir dagegen—" In dieser Tonart tragen die Schein-Persönlichkeiten noch eine Weile ihre Lesefrüchte aus der bösartigen Kriegslileratur vor, bis Sir Ralph und Edelhuber wütend aufeinander losgehen und dadurch eine Explosion herbeiführen, die ihnen, Jamnose und Duckmausli den Garaus macht. Nun setzen Huber und Cex den Streit fort, wie ihn gebildete Leute führen würden, die ihres und des gegnerischen Landes Wesen und Geschichte wirklich kennen. Im ganzen kommr diesmal, was bei einem deutschen Schriftsteller nicht wundernehmen kann, der Deutsche dabei besser fort, als der Engländer: aber aller» Hand bissige Kritik muß auch er hören. An einer Stelle läßt der Verfasser Hub er, den Deutschen, sogen: „So wollen wir auch den Staat iminer objektiver machen, damit der Mensch— woblgemerkt als Kollektivum— mehr und mcbr Herr seines Schickials werde. Die einzelnen hingegen haben in diesem Zeilalter nur die Dignität von kleinsten Teilen. Sie sind Glieder und müssen Glied hallen. Sittlichkeit ist eS heule, sich einzuordnen, den als Erbteil von der Natur überkommenen Selbstbehauptungsdrang zu projiziren in daS ungeheure Ideelle des Staates. Dies ist die wahrhafte deutsche Elhil und der Punkt, in den, sich der altpreußischc AutoritätSgedanke und der sozial» demokratische Massengedanke schneiden." Und Cex, der Engländer, antwortet: „Wenn dies so ist, dann begreifet auch den Schrecken, den die Völker vor der deutschen Herrschaft empfinden. Denn es geht vor euch her ein geistiges Grauen, als hörte die Welt noch einmal vom Sterben des großen Pan. Einen Wenschheitswinter künden uns diese Millionen grauer Schatten an, die unerbittlich über die Erde vorrücken. Ihr solltet zu eurem Wapvenbilde den Leviathan nehmen. Uns wurde er schon vor zweihunderlfünfzig Jahren von dem Thomas Hobbes empfohlen, aber wir verwarfen ihn und schrieben auf unsere Fahne„Freiheit der Person". War die Idee wertlos, weil wir sie unvollkomnien zur Wirklichkeit machten? Ja, wäre sie auch bloße Illusion, dieses Haschisch der Freiheit macht den Mevslben stärker, nicht schwächer. So gut wie ihr hatten wir gewußt, daß eine rohe Menge noch kein Volk ist. allein wir dachten uns, es stehe desto besser darum, je mehr trefflickie einzelne sich fänden, um den knolligen Teig zu säuern. Die Der Aufstand in 3rlanü. London, 29. April.(W. T. B.) l Meldung des Reuter- sckien Bureaus.) Im Bericht des Lord French vom Sonnabend wird gesagt: Tie Lage in Dublin war heute früh wesentlich verbessert. Tie Aufständischen botcn�aber noch ernstlichen Widerstand in der Gegend der �ackville-Street Ter Truppenring schließt diesen Bezirk immer enger ein, aber infolge der Kämpfe von Haus zu Haus geht die Ein- schließung nur langsam vonstatten. Tas Postamt und ein Gebäudeblock östlich der Sackville-Street sind durch Feuer zerstört. Ein Trupp Aufständischer wurde durch Kanonen, die auf Automobilen angebracht waren, aus den Bolands- Spinnereien am Kingsend Vertrieben. Ein Rebellenführer namens P e a r s e wurde in dieser Gegend am Bein ver- wundet. In einem Bericht, der heute abend einlief, wird gesagt, daß Pearse sich bedingungslos ergab und auch seine Leute ermächtigte, sich zu ergeben. Ein anderer Führer, James C o n n o I l y soll getötet worden sein. Auch der Bezirk, in dem sich das Gerichtsgebäude befindet, und der noch immer von den Rebellen besetzt ist, wurde von einem Truppenring umgeben, der sich langsam schließt. Alle Nach- richten gestatten den Schluß, daß die Revolution in Tubhn im Begriffe ist zu erlöschen. Eine beträchtliche Anzahl Ne- bellen befindet sich in militärischer Gefangenschaft. Tie Berichte von heute abend aus dem übrigen Irland sind im allgsmeinen befriedigend. Tie Verhältnisse in Bel- f a st und U l st c r sind normal, und die Lage in London- d e r r y wird als ganz befriedigend dargestellt. Auch das Gebiet bis l5 Meilen um Galway soll ganz geregelte Ver- Hältnisse aufweisen. Aber eine Bande von Nebellen wurde zwischen A t t e n b y und Craughwell festgestellt. Neun- zehn gefangene Rebellen sind nach QuecnStown geschickt worden. Eine andere Bande von Rebellen soll in E n n i s- c o r t h y verschanzt sein, aber die Polizei kann sich gegen sie noch immer behaupten, und die Straßen und Eisenbahnen sind bis auf Meilen von der Stadt frei. Ter Schaden, tgelefx'r der Barrow-Brücke auf der Dubliner Südostbahn fhgefügt wurde, ist nicht groß. London, 29. April.(W. T. B.)„D a i l y' M a i 1" veröffentlicht folgenden Bericht aus der Umgegend von Dublin vom 27. April: Am Ostermontag hielt die �so- genannte Bürgerarmee im Phoenix-Park eine Parade ab. Sie marschierte mit geladenen Gewehren und aufgepflanztem Bajonett nach der Stadt zurück und traf auf dem Wege eine Abteilung der Dubliner Garnison, die in der anderen Richtung marschierte. Zwei Mann von dere Bürgcrarmee schössen auf die Soldaten und töteten drei Offiziere und mehrere Mann. Tie Soldaten erwiderten das Feuer, und drei von den Aufständischen wurden erschossen. Das war das Zeichen für eine allgemeine Revolte. Auf die Meldung rückte Militär aus. Um ll Uhr 13 Minuten begann der Kampf an ver- schiedenen Plätzen, in den Straßen und außerhalb der Stadt. Tie Absicht der Sinn-Feincr war offenbar, die Aufmerksam- keit des Militärs von den Hauptzielen ihres Angriffs ab- zulenken, nämlich dem Postamt, de mSchloß, dem Gericht, ein paar anderen Gebäuden und vom St. Stephens Green. Im Postamt wurden von Postbeamten, die mit den Rebellen unter einer Decke steckten, alle Telegraphenapparate zerstört und die Telephonvcrbindung abgeschnitten. Tie Postbeamten be- teiligtcn sich von den Fenstern aus an dem Gefeckt. Eine Abteilung Soldaten drang in das Gebäude ein. Jin Erd- geschoß fand ein wilder Kampf statt, und schließlich wurde das Erdgeschoß mit dem Bajonett gestürmt. Aber die Rebellen erhielten Verstärkungen und erneuerten den Angriff. Das Postamt soll im Laufe des Tages und der Nacht dreimal gc- nommen und wieder verloren worden sein. Ter Angriff auf Persönlichkeit trachien wir auf alle Weise hervorzutreiben. Euer Weg ist kürzer. Ihr sprecht zum Menschen:„Srde bist du, also lasse dich fornien wie Erde, so wie höhere Einsicht es dir ansagt. KeineSivegS zwar sollst du verschwendet, ohne Nutzeffekt auf den Schultplatz geworfen werden, im Gegenteil, wir verbürgen dir die wirtschafinchste Verwendung deiner Lebensenergie; nur kneten, hörst du, mutzt du dich lassen,' Unser Ideal war es. aus dem zweifüßigen Kloben einen Mann zu machen— euer Ideal ist es, aus lausend solcher Kloben ein Bataillon zu machen, eins zum Schietzen oder eins zum Arbeiten. Aber jenes durchströmende Glücksgefühl des aus sich selbst lebenden Ich, jenes Auffahren des armen törichten Ikarus zur Sonne der stzreiheit, ihr kanntet es nie und habt das Verlangen nicht in den Adern; und dennoch ist wohl dieses wütend-selige Loswollen vom Massigen, Gebundenen. eigentlich das Europäischste gewesen am Europäer, mehr so als ffaustS Forscherdrang. Mit großer Weisheil hat übrigens die deutsche Volkssage� erkannt, daß ein Professor von Rechts wegen dem Teufel zugehört... Worauf Huber, der Deutsche, zurückgibt: .Ja, wirklich, in gewissem Sinne ist dies ein Krieg zwischen dem alten europäischen Individuum und dem neuen Staats- menschen deutschen Gepräges. Jenes wehrt sich höllisch, um sich das zu reiten, was es seine Persönlichkeil und Freiheit zu nennen beliebt. Aber es wird alles nickt helfen, vielmehr werdet ihr, so viele von euch und euren Genossen übrig bleiben, in die deutsche Schule geben, um Staalenbaukunst als Abcschützen zu lernen. Welchem Volke wären denn größere Persönlichkeiten geboren als unterem, in den Zeiten, wo eben das zeitgemäß war? Heute aber ist dieses Persönliche nur noch ein Irrlicht in der Seele, das von der Pflicht gegen die Nation abführen möchte. Das Kommando des Weltgeisteö an die Menschheit hieß einst: Avancieren in auf- gelösten Gliedern! Er hat seitdem eine neue Taktik erdacht, der Befehl ist nun:.Vorwärts in geschlossener Kolonne l'.- Sagen wir doch endlich dem Menschen die Wahrheit:.Nackt kamst du zur Welt, bist weder sehr erleuchtet noch sehr tugendhaft, hast auf Brot nur zu rechnen, wenn du jede Faser zur Arbeit spannst, nichts ist dir io schädlich als Illusionen über dich und die Well — darum fort mit denen! Erst wenn in vielen, vielen Jahren diese schädlichen Gifte gänzlich auS den Volksleibern gelrieben sein werden, wenn der Mensch leben gelernt hat wie das Blatt am Baume, wenn als erstes Gebet im Herzen eines jeden ernst die Stimme erklingt:.Ich bin dein Volk, durch das du bist und außer dem du nichts bist", wenn diese Ethik so selbstverständlich sein wird wie jetzt nur die Bindung an Weib und Kind, dann vielleicht könnte aus der Tiefe der Gemeinschaft wieder erblühen die"Wunderblume des unbewußt wirkenden Geistes. Verschwunden wäre die Mechanik der Hebel und Schrauben; vor unserem ent- zückten Auge stünde eine neue Schöpfung beseelter Natur. Zum ersten Male würden dann Völker sein, die dichten, denken, glauben. Das Unglück und die Armut des heuligen Lebens, die Unverbun- denheit der sich selbst nicht genügenden Individuen sind dann nicht mehr. Denn es ist nur ein Individuum— Volk, und nur eme Freiheit— Staat—.. Genug. Man wird aus diesen Proben erk-nn-n mrt welchem Geschick und Wissen der Verfasser die Dialektik handhabt. ES streiten äwei Auslassungen, von denen keine die absolute Wahryett lil. Welche Folgerunqen auS ihrem Gegenspiel stch lur dte Bewertung des Krieges ergeben, wird dem Urteil des Leiers iiberlasien. Dem Engländer bedeutet am Schluß der Fortgang des Krieges.Gotter- dämmerung'— Niedergang seiner Ideale— dem �.eulichen»Volkcr- srührot"— den Sieg der seinen. Mm m 6lSw ZiWWMS. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 39. April 191«. lW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Mehrsach wiederholten die Engländer ihre Gegen- angriffe bei Givcnchh-cn-Gohclle, ohne einen Erfolg zu erringen. Nördlich der Sommc und nordwestlich der Oisc fanden für uns erfolgreiche Patrouillengefcchtc statt. Links der Maas griffen gestern abend starke fran- zöfische Kräfte unsere Stellungen auf der Höhe„Toter M a n n" und die anschließenden Linien bis nördlich des Caurettes-Wäldchens an. Nach hartnäckigen Kämpfen auf dem Lftabfall der Höhe ist der Angriff abgeschlagen. — Rechts des Flusses scheiterte ein feindlicher Vorstoß nordwestlich des Gehöftes Thiaumont. Ein deutscher Flieger schoß über Vcrdun— Bcllcray im Kampf mit drei Gegnern einen derselben ab. Ocstlichcr Kriegsschauplatz. Südlich des Narocz-Sees wurden nachts noch vier russische Geschütze und ein Maschinengewehr erbeutet, sowie 83 Gefangene eingebracht. Balkan-KriegSschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. »» * In öslmeiMe KeimoMMW. Wien, den 20. April ISIS.(W. T. B.) A m t l i ch wird vcrlautbart: Rusiischcr Kriegsschauplatz. Nördlich von Mlynow sind unsere Abteilungen vor Uber- legcncren russischen Angriffen aus den am 28. dS. Mts. er- kämpften russischen Vorstellungen wieder zurückgenommen wor- den. Die Zahl der gestern gemeldeten Gefangenen ist auf mehr alS zweihundert angewachsen. Jtalicnischcr Kriegsschauplatz. Tie Gcschülikämpfc, die an vielen Stellen der Front gc- führt wurden, gingen nicht Über das gewöhnliche Mass hinaus. Zeitweise stand die Stadt G o e r z wieder unter Feuer. Unsere Flieger bewarfen die feindlichen Barackenlager bei Villa Biccntina mit Bomben. Nach glücklich bestände- nein Lnftkampf kehrten sämtliche Flugzeuge wohlbehalten heim. Bei Sa» Daniele dcl Friuli kämpfte ein eigener gegen vier feindliche Flieger und zwang eiiien davon, im Sturzflug nieder- zugehen. Im Adamcllo-Gcbict griffen italienische Abteilungen, die von Dosson di Genova vorrückten, unsere Stellungen am Topete-Pass an. Der italienische Pressbericht vom 28. dS. Mts. enthält die gänzlich erfundene Behauptung, dafi unsere Infanterie„immer häufiger" von Explosivgeschosse» Gebrauch mache. Demgegenüber sei nur festgestellt, dass die italienische» Hand- lungcn wider das Völkerrecht(Berwendung von Explosiv- geschossen und Gasgranaten, Bcschicssung deutlich gckcnnzcich- nctcr Sanitätsanstaltc», Kirchen und Klöster usw.) als zu häufig vorkommend nicht mehr verzeichnet werden. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Stellvertreter des Ehcfs des Generalstabcs. von Hocfer, Fcldmarschalleutnant. das Schloß schlug febl. In Sackville Street bemächtigten sich die Rebellen aller Straßenbahnwagen, die umgestürzt und in Barrikaden verwandelt wurden. Automobile und Lastwagen wurden in derselben Weise verwendet. St. Stephens Green wurde besetzt, Stacheldraht über die Straßen gezogen, und mehrere bekannte Klubs an den Plätzen wurden als Be- obachtungsposten und Schützenstände benutzt. Man baute aus allen möglichen Gegenständen Barrikaden. Tie Bücher der berühmten Gerichtsbibliothek mußten an Stelle von Sand- fäcken dienen. Tie Soldaten bemächtigten sich des Shelbourns Hotels, stellten auf dem Balkon ein Maschinengewehr auf und beschossen die Rebellen in St. Stevhens Green. Den ganzen Montag wurde hin und her gekämpft. Tie Stadt war voll- ständig dunkel. Alle Straßenlampcn waren entweder aus- gelöscht oder in Trümmer geschlagen. In mehreren Straßen wurde geplündert. Mit Tagesanbru chkamen Verstärkungen an. Die Rebellen bemächtigten sich zweier Zeitungen, wurden aber am Dienstag durch das Schießen von dem Kanonenboot aus, das du Liffeyfluß hcranfgefahren war, vertrieben. Die Rebellen sollen ungefähr 12999 Mann zählen, wovon der sogenannten Bürgcrarmee etwa 2999 Mann angehören. Der Verlust des Militärs scheint erheblich gewesen zu sein. „Central News" meldet, daß der Führer der Auf- ständischen in Irland, der syndikalistische Agitator James C o n n o l I y. einer der hauptsächlichsten Helfer des Arbeiter- führers Larkin ist, der sich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten befindet. „Times" veröffentlicht einen Brief ihres Kor- respondcnten in Washington vom 4. April über die irische Agitation in Amerika. Danach besteht eine um- fassende irische Organisation, die hauptsächlich alle irischen Bestrebungen der Rcdmondschcn Richtung bekämpft. Die Auf- lagen der führenden Blätter„Jrish World" und„Gaelic American" seien gegen früher um das Dovvelte und Dreifache aestiegen.— Nach einer Meldung desselben Blattes aus W a s h i n g t o n vom 28. April wirft G a e l l c A m e r i c a n" Wilson vor. daß er für die Gefangennabme Sir Roger Casements verantwortlich sei. da er die britische Regierung durch ein Mitglied seines Kabinetts habe warnen lassen. „Time s" weist weiter auf die Kraft der enßlandfeind- lichcn Bewegung unter den Iren in Amerika hin. Jin März sei in New Nork eine Versammlung von Iren ab- gehalten worden, die sich„Konvention der iriichen Nation" nannte. Es müsse das die größte Jrenversammlung gewesen sein, die jemals abgehalten wurde. Tie vornehmsten Blätter der Iren in Amerika, wie die„Jrish World und der„Gaelic American" hätten die Enaländcr immer heftig bekämpft. „TimeL" berichtet weiter, daß die Iren in New Nock, vcrmut- lich durch ein Chiffretelegramm, 22 Stunden vor der Nachricht oostZer Gefangennähme Sir RogerEafementS bereits gewußt hätten, daß in Irland ein Aufstand aus- gebrochen sei,„Times" beklagt sich weiter darüber, daß der englische Zensor erst nach mehreren Tagen die Veröffentlichung von Berichten über den Beginn der Revolution zugelassen habe. Die irische Zrage vor öem Unterhaus. Frankfurt a. M., 30. April. �W. T. B.) Die„Frankfurter Zei- hing" meldet aus L o u d on: Im Unterhau sc wird Sir Heu- r Y C r a i g nächsten Dienstag folgende Entschließung vor- schlagen: Tas Haus hegte gegen die Verwaltung Irlands stets Miß- trauen und ist überzeugt, daß die jetzige Verwaltung bereits so große Gefahren für die allgemeine Wohlfahrt verursacht hat, daß bei Fori- setzung dieser Politik die Lage noch gefährlicher wird. Es wird Seine Majestät deshalb ehrerbietigst ersucht, den gegenwärtigen Lordlcui- nant von Irland(Lord Wimbourn) und tzen Staatssekretär von Jr- land(Minister Birrell) ihrer 2l erntet: zu entheben und ferner sofort eine Kommission zu ernennen, um die Lage zu untersuchen und Berichte darüber zusammenzustellen. Die englische Negierungs- unö Rekrutierungskrise. London, 29. April.(W. T. B.) Der parlomentarische Mitarbeiter der„T i m e s" schreibt: Die R e k r u t i e- r u n g s k r i s e hat eine akute Form angenommen. Der Vorschlag des Kompromisses war für die Mehrheit der�Mi- nister eine völlige Ueberraschung, obwohl sie vor der Siel- lung des Unterhauses gegen die Bill gewarnt waren. Sie waren daher auf die neue Lage ganz unvorbereitet und jetzt haben sie wieder keine Politik. Sicher ist, daß die Regierung am Dienstag ein sehr viel kritischeres Unterhaus finden wird, als es feit Monaten der Fall war. „T i m e s" sagt im Leitartikel: Tie Ablehnung der Rekru- tierungsbill war der schwerste Schlag, den die Regierung bisher erhalten hat. „Daily News" schreibt: Die Zurückziehung der Ne- k r il t i e r u n g s b i l l hat das Prestige der Regierung geschädigt. Die Arbeiterpartei ist durch das Fiasko der B i l l v o l l st ä n d i g aus der Fassung gebracht, weil dadurch ihre Verabredungen mit der Rc- giernng ins Wasser gefallen sind. Carson und seine An- Hänger werden die Regierung jetzt vermutlich drängen, sofort den Lloyd Georgeschcn Plan anzunehmen. Tie nationa- listische Partei hat beschlossen, der Regierung ihre bisherige Unterstützung zu cutziehen. Sie wird sich in Zukunft ihre Freiheit bewahren und eine eigene unabhängige Politik ver- folgen. Das Fiasko des Rogierungskompromisses in der Rekrutierungsfrage wird möglicherweise die Meinungsver- schiederrheiteu innerhalb der Regierung wieder erneuern. In diesem Falle sind Rücktritte von M i n i st e r u und die W i e d e r c r ö s f n u n g der M i n i st e r k r i s e m ö g I i ch. »• * London, 27. April.(W.T.B.) Unterhaus. Long legte den von der Regierung ausgearbeiteten Rekrutieruugsplan vor. Die Debatte drehte sich bauptsächlich um die Einstellung der Achtzelmjährigen und die Verlängerung der Dienstpflicht der Sol- daten, namentlich in der Territorialarmee, die sich zu einem vier- jährigen Dienst verpflichtet haben und deren Dienstzeit abgelaufen ist. Carson sagte, es sei ausgeschlossen, daß die Bill in einer einzigen Kommiffionsberatuug erledigt werden könnte, uhe Long wünschte. Er könne sich gar keine ungerechteren, unlogischeren und unvollständigeren Vorschläge denken als die, welche die Regierung soeben gemacht habe. Die allgemeine Wehrpflicht für alle sei die einzig mögliche Lösung. Tie Regierung nehme gegenüber Bürger- pflichten eine Stellung ein, die jeden Maßstab verrückt. Ein Mann an der Front, der sich weigere in die Schützengräben zu geheu, werde erschossen. Aber wenn der Munitionsarbeiter streikt, be- kommt er ö Schillinge mehr. Tie Einstellung der Achtzehnjährigen habe Äitchencr selbst vor kurzem abgelehnt und als unnötig bezeichnet. Leif Jones(liberal) bekämpfte die Vorschläge der Re- gierung, weil sie eine teilweise Anwendung der allgemeinen Wehr» Pflicht enthielten, Balfour und Asquith hätten bei der ersten Tienstptlichtbill erklärt, daß sie keine Erweiterung derselben nn Auge hätten. Dieser Versuch einer Lösung sei höchst unglücklich und unweisc. Er würde im Lande die Empfindung großer Ungerechtig- keit und Ungleichheit hervorrufen. Walsb(Arbeiterpartei) sagte: Er persönlich würde für die allgemeine Wehrpflichi stimmen, wenn die Maßregel notwendig sei. Wenn man aber die Bergleute dafür nicht gewinne, so wäre jeder Persuch, die Wehrpflicht einzuführen, hoffnungslos. ES würde einen Bürgerkrieg der fürchterlichsten Art aeben. Walsh erinnerte daran, daß Asquith vor einiger Zeit den Arbeiterführern zu verstehen gab, daß sein erstes Tienstpflichtgesetz kein Vorläufer der allgemeinen Wehrpflicht sein solle und daß, wenn eine solche Maßregel im Parlament eingebracht würde, es unter einem andern Premierminister geschehen«verde. Jetzt scheine ASquith diese Erklärung ableugnen zu wollen. Wenn die allgemeine Wehr- Pflicht kommen müsse, so möge sie kommen. Aber die heutige Er- klärung der Regierung sei die verworrenste, die er je gehört. Er werde sein Bestes tun. um die Bill zu Fall zu bringen. Wenn die Wehrpflicht notwendig geworden sei, so solle die Regierung an die Nation appellieren, und sie brauche ihre Antwort nicht zu fürchten. D.uce(Unionist) sagte, er sei seit Jahren für die allgemeine Wehrpflicht eingetreten, aber jetzt scheine es mit solchen Hoffnungen vorüber �zu sein. Rücksicht auf politischen Anstand und auf die Po- litische SicherHeitz verböten Neuwahlen, wenn es sich um einen all- gemeinen Wehrpflichiplan handelte. Aber es sei eine eigene Er- scheinung, daß dieser Vorschlag cinec Koalitionsregierung den Widerstand aller Parteien herausfordere. Die Bill könne das Gc- wissen der Nation nicht befriedigen, und sie verkünde den Alliierten nicht, daß England alles tue, was notwendig sei. Die Bill eni- halte nicht die eigentliche Politik der Regierung. Pringle(liberal) sagte, alle känien überein, daß die Bill totgeboren sei. �Nachdem Asquith, wie gemeldet, erklärt hatte, daß er die Vor- schläge zurückziehe, sagte Ellis Griffith(liberal), er habe geglaubt, daß die Regierungskrise beendet wäre. Das Haus müsse eine Versicherung babcn, daß sie nun nicht wieder ausbreche. Das Merkwürdigste an der Rede Longs sei gewesen, daß sie nichts über die militärischen Ziffern sage, die sie beschaffen solle, worauf doch alles ankomme. Thomas(Arbeiterpartei) erklärte, Asquith habe am Tage vorher eine Anzahl von Arbeiterführern gebeten, eine Rekruiic- rungskainpagne zu eröffnen, und man habe schon damit begonnen. In welcher Lage befänden sich»un die Arbeiterführer,� wenn es jetzt hieße, daß das, was der Premierminister gestern gesagt hatte, heute nutzlos sei? Wenn der abgeschlossene Handel rückgängig ge� macht würde, so könne man nur den Schluß daraus zieben, daß man den Dienstzwaug um seiner selbst willen haben wolle. Eine gc- waltige Schwierigkeit würde entstehen, wenn das A.ort des Premierministers, das er gab, als er die Unterstützung der Ar- beiterführer erbat, gebrochen würde.. cm t Astor(Union ist) sagte, die Lage sei im Hochsien Maße demütigend, Dalzi el sliberaTj Setrmfe, daß leiit einziger Redner für die Vorschläge der Regierung eingetreten sei. Dabei sei die Bill als Säule deZ neuen Unbcreinkommens angekündigt ivorden, durch das die Koalition verlängert und ein Unheil der fürchterlichsten Art vermieden werden sollte. Aber vacki einer Debatte von ein paar Stunden tue die Regierung, was pe oft getan, sie trete einen glänzenden Rückzug an. Das Haus erörterte sodann die Zensur über die Nach- richten aus Irland. Herbert Samuel teilte mit, daß in großen Bsgirken Irlands völlige Ruhe herrsche. McNeil erwiderte, die Tatsache, daß Samuel von militärischen Operationen spracl), zeige daß ernste Gefahren vorhanden seien. Eine mili» tärische Zensur sei bei einem bloßen Aufrubr nicht nötig, sondern nur bei einem Kriege oder einem Zustand, der einem Kriege nahe käme. Hodge sagte: Tie neue geheime Sitzung war, was Inf-or- mation anbetraf, eine reine Farce. Wenn es wieder eine geheime Sitzung gibt, muß man hoffen, daß die Abgeordneten wirkliche Aufklärungen erhalten. Der frcmzöjlsche Tasesbericht. Paris, 29. April.(Ä. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonnabend nachmittag. Zn den Argonnen gestattete ein im Laufe der Nacht nördlich von Four de Paris unternommener Handstreich, einen feindlichen Schützengraben zu säubern und einige Gefangene einzubringen. Auf dem linken Ufer der Maas hatten sich die Deutschen gestern nachmittag um 5 Uhr in den Laufgräben nördlich der Höhe 394 gesammelt, um gegen unsere Linien vorzu- gehen. Ein alsbald versuchter Handgranatenangriff des Feindes gelangte nicht zum Durchbruch und scheiterte. Die Artillerie brachte ein Munitionsdepot zum Auffliegen. In derselben Gegend war während der Nacht das Bombardement in der Gesamtheit des Ab- schnittes besonders lebhaft in den Gegenden von Avocourt, Esnes und Höbe 894. Auf dem rechten Ufer unternahmen die Deutschen gestern gegen Tages ende nach einer heftigen, gegen die ersten Linien gerichteten Artillerievorbereitung und nach einem Sperr- feuer von großer Heftigkeit unter Benutzung von brennenden Flüssigkeiten einen Angriff auf die Schützengräben westlich der Meierei Thiaumont. Vom Feuer der Geschütze und Maschinen- gewshre dahingemäht, wurde der Feind unter starken Verlusten zurückgeschlagen. Um die gleiche Stunde wurde ein Angriff auf die Stellungen zwischen Duaumont und Vaur ebenfalls durch Feuer angehalten. Auf diesem Teil der Front verlief der Rest der Nacht verhältnismäßig ruhig. In Lothringen haben wir eine starke feind- liche Austlärungsabteilung vor dem Gehölz von Banal südlich von Domevre zurückgeschagen. In den Vogesen wurde ein kleiner dem- scher Handgranatenangrisf auf einen unserer Samtzengräben bei La Chapelotte durch unser Sperrfeuer jäh angehalten. Paris, 89. April.«W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonnabend abend. Das Hauptmerkmal des Tages war Ar- tillerietätigkeit, die in Belgien im Süden von Bixschote und in den Argonnen im Abschnitt nördlich von La Harazee besonders lebhaft wurde. In der Gegend von Verdun beschoß der Feind unsere Stel- lunge» im Gehölz von Avocourt, auf der Anhöbe 394 in der Gegend südlich von Haudremont und im Abschnitt am Fuß der Maasböben. Unsere Artillerie bekämpfte überall die feindlichen Batterien. Eines unserer weittragenden Geschütze beschoß einen Zug un Babnbos von Heudicourt nordöstlich von St. Mihicl. Mehrere Wagen des Zuges wurden zerstört. Flugdienst: In der Nacht vom 28. zum 29. April warf eines unserer Flugoeschwader Bomben auf eine in voller Tätigkeit stehende Fabrik in H a y i n g e n im annektierten Lorhringen sowie auf Feldlaaer östlich- von Azannes. Diese Unternebmung, die trotz heftigen Windes durchgeführt wuvde, ist die hunderiste Beschießung durch dieses selbe Geschwader. Belgischer Bericht: Die Artillcrietätigkeit war weniger stark als in den vorhergehenden Tagen. In den Abschnitten von Ramskapellc, Dixmuiden und nördlich von Stcenstraete gegenseitige Beschießung. englische Nelöllng. London, 29. April.(W. T. 39. i Amtlicher Bericht. Heute beträchtliche Artillerietätigkeit des Feindes gegen unsere Laufgräben bei Fricourt und westlich von der Straße Dpern— Pillen. Kleine Minen wurden im Laufe des Tages zur Explosion gebracht, und unter dem Schutz von Gas unternahm der Feind zwei kleine Jlngriffe gegenüber von Hulluch, wurde aber zurück- getrieben. Das Gas schlug auf die feindlichen Laufgräben zurück und man sah, daß die Deutschen ihre Laufgräben verließen und auf einer From von ungefähr 1999 Dards ungefähr 3999 Aards weit zurückliefen. Gestern ermöglichte das schöne Wetter viel erfolgreiche Arbeit in der Lust. Die Zahl der feindlichen Maschinen, die gestchtel wurden, hatte aber beträchtlich abgenommen. Es fanden gestern nur vier Luftgefechte statt. Auf unserer Seite kein Verlust, Heute wurden hinter unseren Linien zwei deutsche Flugzeuge heruntergeschosscn. der Ssricht öe? ruPsiften Heeresleitung. Petersburg, 30. April. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonnabend. Westfront. Feindliche Artillerie beschoß Schlok und Bcrsc- münde. Bei dem Torfe Einowka westlich Dünaburg griffen die Deutschen nach Artillerieoorbereituug an. Sie mußten jedoch unter unserem Feuer in ihre Ausgangsgräben zurück. Am 28. April, ungefähr 2 Uhr nachts, überflog ein deutsches Lustschiff Rjezvca und warf Spreng- und Brandbomben ab. Südwestlich des Narocz-Sees machte die deutsche Artillerie bei Tagesanbruch einen Feuerüberfall, worauf die Infanterie in dichten Linien zum Angriff ansetzte. Es gelang den Deutschen, die kürzlich ver- lorenen Gräben wiederzunehmen. Besonders heftig wurde in der Stellung bei den Dörfern Zar.arocze und Stachowce gekämpft. Bei Smorgon entwickelten die Deutschen ebenfalls eine heftige Artillerietätiakeit. Schwarzes Meer. Eins unserer ll-Bootc versenkte, von feindlichen Luftfahrzeugen und Küstcnbattcrien wirkungslos be- schössen, einen Dampfer und ein Segelschiff am Bosporus, Kaukasus. Unsere Truppen wiesen türkische Angriffe aus der Richtung Erzinjan ab, griffen selbst an und warfen den Feind nach Westen zrirück._ Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 29. April.(W. T. B.i Amtlicher Bericht. Längs der Grenze im Trentino beschränkte sich im allgemeinen die Kampf. tätigkeit auf Artilleriegefechte. Im Suganatal schlugen wir kleine feindliche Abteilungen gegen den Frontabschnitt zwischen dem Monte Collo bis zur Talsohle zurück. Unsere großkalibrigen Geschütze be- schössen den Bahnhof von Jnnichen(Draus und Saifnitz(Hochfella). Im Flitscher Becken unternahm die feindliche Infanterie näch einem heftigen Geschützfeuer einen Angriff auf unsere Stellungen von Ravmlaz. Er wurde durch unser Sperrfeuer angehalten. Auf der übrigen Front der übliche Artilleriekampf. Verantwortlicher Redakteure Ernst Döumig, Steglitz. Für den die englische Meldung vom §all Kut-el-�maras. London, 39. April. kW. T. 39.) Amilitfi wird mitgeteilt: Nach einem ritterlichen und tapferen Widerstands von 143 Tagen, der unvergessen bleiben wird, ist G e n e r a l T o w n s h c n d infolge Erschöpfung der Vorräte gezwungen worden, K u t e l A m a r a zu übergeben. Vorher vernichtete er seine Geschütze und die Munition. Seine Truppen bestehen aus 2979 Briten aller militärischen Grade und Tienstzwcigc, etwa 9999 Mann indischer Truppen und dem Troß. die polen(defterreichs. Krakau, 29. April.(W. T. B.) Heute fand hier eine Vollnersammlunc, der polnischen Herrenhausmitglieder, Rcichsrats- und Landtagsabgeordneten, sowie der Mitglieder des Obersten polnischen Nationalkoniitees statt. Ter Ob- mann des reichsrätlichen Polenklubs, Ritter von Bitinski, er- öffnete die Versammlung niit einer Ansprache, in der er auf die Bedeutung der vollzogenen Einigung aller pol- nischen Parteien hinwies. Bei der folgenden Neu- Wahl der Mitglieder des polnischen National- ko mite es wurde Tr. Ritter von Bilinski zum Präsidenten, Tr. Ritter von Jaworski zum Vizepräsidenten des Nationalkomitees gewählt. Sodann gaben Tr. Ritter von Jaworski, der Präsident der Akademie der Wissenschaften Graf Stanislaus Tarnowski, der Sozialdemokrat T a s z y n s k y, der Demokrat Hofrat German und das Mit- glied der Bolkspartei Witos namens ihrer Partei Erklärun- gen ab. der Papst unü öie Kriegsgefangenen- fürforge. VcrNn, 29. April.(W. T. D.) Nack einer Mitteilung des „Journal be, G-eneve" vom 14. Januar 1916 hat Herr Aber, der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, dem Papst in einer persönlichen Audienz über einige zwischen Teutschland und Frankrerch schwebende Fragen der Bebanblung krieg s- und zivilgefangener Franzofen berichtet. Er sagt am Schluß:„Der Papst drückte den lebbatten Wunsch ,rus, so unverdiente Leiden gemildert zu s oben. Man kann also boffen. daß die Bemübungen des Heiligen Stuhles und des Internationalen Komitees in gleicher Weise dazu beitragen werden, die harten Maßregeln zu mildern, die unschuldige Opfer des Krieges treffen." Tiefe Fassung der Zeitungsnotiz erweckt den Anschein, als habe der Papst gewisse deutsche. Maßnabmen nicht gebilligt und den auf ibre Aufhebung gerichteten Bemühungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz feine Unierjtützuug in Aussicht gestellt. In Wirklichkeit hat sich Se. Heiligkeit nicht veranlaßt gesehen, irgendwelche Stellungnahme kundzugeben, und sich, wie eine amtliche Anfrage beim Heiligen Stuhl ergab, darauf be- schränkt, ganz allgemein seine lebhafte Anteil- nahm« an der Verbesserung des Loses aller Kriegsgefangenen auszudrücken. deutfchtakö unü Amerika. Londou, 80. April.(T. U.) Ter New Porker Korre- fpondent der„Times" meldet: Herr von Wigand sagt in einem Telegramm an die„New Bork World", es seien A n- zeichen für eine friedliche Lösung da. Tie Meinung, daß England die Einführung der allgemeinen Tienstpflicht vertage in der Erwartung, daß Amerika eine große Anzahl Truppen senden werde, wenn eS zu einein Bruche mit Teutschland komme, und die Uebcrzeugung, daß England und Frankreich einen Bruch gern sehen würden, werde als ein kräftiges Argument zur Vermeidnug eines Bruches benutzt, wenn dies ohne Demütigung geschehen könne. die �üuüelskonferenz öer EnLente. Paris, 39. April.(W. T. T.)(Meldung der Agence Havas.) Tie intervarlamentarische Handels- konferenz schloß ihre Arbeiten nach der Annohme einer Entschließung, in der gefordert wird: 1. Die Zlufstellung von Vorzugstarifen für den Verkehr unter den Alliierten. 2. Tie Festlegung gemeinsamer Bedingungen für einen Waren- verkehr ohne Berührung feindlichen Gebietes und die Auf- stellung eines Tarifes, der dem Feinde auferlegt werden soll, um die Hindernisse des Warenverkehrs aus den alliierten Ländern zu beseitigen. 3. Die Herabsetzung der Schiffsfracht- gebühren.' Bern, 30. April.(2B. T. B.) Auf der interparlamentarischen Wirtschaftskonferenz wurden die auf der Tagesordnung stehenden Fragen zunächst sämtlich von französischen Rednern behandelt. Sic betrassn eine gemeinsame Handelsgesetzgebung, vornehmlich Schutzmaßnahmen gegen die zu erwartende Ueber- schwemmung mit deutschen Erzeugnissen am Tage nach dem Friedensschluß. Di»ser Punkt sowie das' Problem der Entschädigung für die durch den Krieg erlittenen llnbildcn wurden einem Ausschuß zur Voroeratung überwiesen. Beraten wurde ferner der Plan einer Herabsetzung der Post- und Telegraphen- gebühren, Verträge über den internationalen Gütertransport und die Schaffung eines internationalen'Patentrechts unter den Alliierten. Die Frachtenteuerung, zu der der französische Refereot als Beispiel anführte, daß jetzt der Transport einer Tanne Kohle von New Castle nack Genua 112 Fr. gegen 12 früher koste, rief die italienischen Abgeordneten auf den Plan, die energisch auf die harten Opfer hinwiesen, die dieser unhaltbare Zu- stand besonders Italien auferlege und nachdrücklich forderten, daß die Alliierten schleunigst Gegenmaßregeln ergriffen. Demgemäß wurde auch eine Entschließung gefaßt, die die Beschlagnahme von Handels- schiffen gegen Entschädigung als notwendiges Mittel empfahl, uni durch wirtschastlicke Einigkeit die Widerstandskraft zum Durchhalten bis zum höchsten Ziel zu sichern. Wetter befaßte sich die Konferenz mit einer Jniernatio- nalisicrung der Gesetzgebung über Handelsge- fellschasten, mit Maßnahmen zur Verminderung des Metall- geldumlaufs durch Schaffung einer internationalen Kompensations- kammer. Luzzatti entwickelte seinen Plan eines internationalen Elearing-Houses, in dem er die Einführung eines internationalen Scheckverkehrs zwischen den Emissionsbanken Englands, Frankreichs, Rußlands und Italiens zur Verhinderung der Kursspekulation empfiehlt. Luzzatti schloß mit einem d-uiltchen Appell an Eng- lcmd, seinen Alliierten nicht immer bloß mit Anleihen auf ihren Goldvorrat beizustehen, sondern an der Schaffung eines solchen Instituts tätig mitzuwirken. Sodann wurde die Einrichtung des Postscheckverkehrs behandelt und die Aufstellung ein- heitlicher Grundsätze in der Gesetzgebung betreffend falsche Waren- bezeichnungen. Auch die Frage der Bankerotterklärung verlange nach einer Universaliuerung ihrer Wirkung. Schließlich wurde die Gesetzgebung bezüglich Verlust und Diebstahl von Jnhaberpapieren besprochen, deren Vereinheitlichung durch die wirtschaftlichen Inter- esien gefordert wüiBe.____ Jnferatenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Rüstungsaufwenüungen üer skanÜinavischen Länder. Stockholm, 29, April.(W. T. 33.)(Meldung des Schwedischen Telegrammbureaus.) Ter von der Regierung verlangte Kredit ist rni i 40 300 000 Kronen für eine Verstärkung des Heeres, hauptsächlich durch Anschaffung von schwerer Artillerie und von Material für die Pioniertruppen, für die Intendantur und die Ausrüstung des Landsturms, bestimmt und mft 12229 999 Kronen für die Verstärkung der Marine, davon 4 Millionen zur An- scbafftlng eines neuen Torpedobootszerstörers und von Untersee- booten, Kristiania, 29, April.(W. T. 35.) Dem Staatsrate tsi der ge- Heime und der öffentliche Haushaltsvoranschlag für H e e r u n d Flotte vorgelegt worden. Im geheimen Voranschlag sind für das Heer 12 282 499 Kronen, fiir die Marine 2 320 800 Kronen ausgesetzt, im öffentlichen 1 992 399 bzw. 896 476 Kronen. die Befestigung üer �llanüsinseln. Stockholm, 29. April.(W. T, 33.) Die in der letzten Zeit be- fchleunigte Befestigung der Alandsinseln durch Ruß- l and, auf die„?l f t o n b l a d e t" in einer Reihe von Aufsehen er- regenden Anffätzen hingewiesen hat, beschäftigt die schwedische Preise immer mehr.„Stockbolms Dagblad" schreibt: Wer tneft Inselgruppe beherrscht, beherrscht tatsächlich das Bottntsche Meer. Ein befestigtes Aland bedeutet eine scharfe Drohung gegen Norr- land.„Svenska Dagbladet" wendet sich gegen eine Aeuße- rung von„Dagens Ryhcter", daß Schweden ein von den Groß- mächten garantiertes Versprechen habe, daß Rußland keine dauern» den Befestigungen auf Aland anlegen dürfe, und sagt: Erstens hat Schweden kein Versprechen, sondern dieses ist den Großmächten ge- geben worden; zweitens gelobt dieses Persprechen ganz allgemein, daß die Zllandsinscln nicht befestigt werden sollen. Die sogenannten zufälligen Anlagen jetzt während des Krieges verstoßen also genau so gegen das Versprechen wie etwaige dauernde.—„N y a Dag- l i g h t A l l e h a n d a" schlägt angesichts der drohenden Getahr eine innere Einigung der Parteien vor.— Die Alandsfrage ist bis- her. außer von„Aftonbladet", von der schwedischen Presse nicht be- rührt worden; es ist daber von Bedeutung, daß sich jetzt die wich» tigsten Zeitungen alle eingehend damit beschäftigen. politische Uebersicht. „Unterbilanz"—„Geldschwemme". DaS in Würzburg erscheinende Wochenblatt des„Christ- lichen Bauernvereins für Franken" bringt in seiner jüngsten Nummer(17> zwei Artikel, die beim besten Willen nicht in Einklang zu bringen sind. Der eine bebandelt die„unterschiedliche Behandlung von Landwirtschaft und Industrie", und es wird darin behauptet, daß im Gegensatz zu den glänzenden Abschlüssen der Ak- tiengesellschastcn die Landwirtschaft„im großen und ganzen mit Unterbilanz(!) gearbeitet" habe, wie sich jetzt, nachdem die Ernte des vorigen Jahres so ziemlich abgeliefert sei, herausstelle. Es hätten„trotz der höheren Prei'e nicht jene Einnahmen erreicht werden können, die den Höberen Ausgäben entsprechen". Jede„einseitige Re- gelung zugunsten der Verbraucher" müsse vennitden werden; ivenn nicht„ein entsprechender Gewinn winkt", fehle der An- reiz zur Ausdehnung des Betriebes; so sei die landwirtschaftliche Produktion bedeutend zurückgegangen. In dem gleichen Blatte finden wir aber einen Ausruf des Prä- s i d i u m s des„Bayerischen ck r i st l i Ä c u B a u c r n v e r- ein?" zu einer D a n k w a ll f a h r t der katholischen Mitglieder nach Altötiing Mitte Mai. Di? bayerischen Bauern sollen dort Gott und der Gottesmutter ihren Dank darbringen für die„auskömm- lichen Ernten", die„außerordentlich günstigen Witte- rrmgSverhältniise für die Zeiten des Anbaus" und das glänzende Erntewettcr während der zwei Kriegsjahre. Dann ist nochmals die Rede von dem„Segen, den der Himmel wahrend der ersten zwei Jahre des Krieges unserer Landwirtschaft gewährt hat", und es soll in Altöttmg um weitere Huld und Gnade gefleht werden, damit„der reiche Segen, den unsere Fluren bei ihrem gegenwärtigen Herr- lichen Stand versprechen, in den Erntenwnaten al» reife Frucht glücklich unter Dach und Fach gebracht werde". Reden so Leute, die„Probuktionsrückgang" und„llnterbilcmz" zu beklagen haben?! Zur Kennzeichnung der in dem ersten Artikel aufgestellten Behaatttunju» feien in aller Kürze einige Tatsachen aus den letzten drei Monaten registriert: In der„Westfälischen G e n o f s e n sch af t s ze i t u n g" wurde Anfang Februar aufgefordert die„Kriegserübriginigen" nur an die genossenschaftliche Zentralkasie zu geben. Dabei wurde ein außerordentlicher Zustrom von Geld auch für die wesffälifchcn Kassen festgestellt, und i-m übrigen war von einer„zeitigen Geld» schwemm«" die Rede. Ter Landrat des Kreises Lüdinghausen sagte in einer Ver- sammlung des Landwirtschaftlichen Kreisvereins etwa um dieselbe Zeit in einer Ansprache an die Landwirte:„Ihre eigene und ihrer Kinder Wohlgenährtheit und die kugelrunden Bäuche ihrer Pferde stehen in scharfem Gegensatz zu dem vielerorts herrschenden Mangel. In einer Versammlung des Unterverbandes Hanau der Raiff- effen-Genossenichasten teilte Genossenschaftsdirektor Schüler mit, daß sich bei der Filiale Kassel der landwirffchaftlichen Zentral- darlehnskasse die Zunahme des Geldüberschusses seit Krtcgsbeginn auf fast 28 Millionen Mark belause. Der„R a i s f e i s e n- B o t e" für Rheinpfalz, Baden und Hessen schrieb Mitte Februar:„Augenblicklich verdient der Vieh- züchter beim Verkauf seiner Tiere eine Stange Gold." Die Dortmunder„Tremonia" druckte(Nr. 51) eine Zu- schrift vom Lande ab, worin der Gewährsmann mitteilte, ihm bätten„aufrichtige Landwirte mehrmals offen eingestanden, daß sie noch nie so viel Geld eingenommen haben wie in dieser Kriegszekt." In einer Generalversammlung des Land- und Forstwirtschaft- lichen Hauptvercins für den RegierunoSbezirk Hannover Mitte März erklärte der Hauptredner, Geh. RegierungSrat Dr. von Seel- Horst, die Viehpreise seien jetzt viel zu hoch.„Landwirte des Kreises Göttingen haben mir gesagt, sie schämten sich, solche Preise zu nehmen." Ilm dieselbe Zeit wurde berichtet, daß der Genossenschafts. verchand des Trierffchen 3Zauernvereins elf Millionen Mark auf die vierte Kriegsanleihe gezeichnet habe. Ende März berichtete der Verband deutscher Eisenwaren- Händler:„Die Landwirte hatten infolge der sehr hohen Preise für ibre Erzeugnisse reickiliche Geldnti t t e l zur Verfugung und haben deshalb Anschaffungen aller Art machen können." Mitte April wurde berichtet, daß die Landwirtsckiaftliche Haript- genossenschait zu Hannover im verflossenen Jahr ihren Umsatz auf das Dreifache des vorausgegangenen Jahres gesteigcri und einen Reingewinn von 2 217 999 M. bei einer Bilanz von 6 599 999 M. gemacht habe. Daß diese glänzenden Verhältnisse der Landwirtschaft sich nicht auf einzelne Gebiete, sondern über ganz Deutschland erstrecken, zeigt her soeben erschienene �Geschäftsbericht der„Land- wirtschaftlichen Zentralkasse für Deutschland(Rcnffeisenl: Die Umsähe erhöhten sich im Berichtsjahr 1915 von 1.4 Milliarden auf 3)� Milliarden Mark, die Guthaben von 87 auf 166 Mil- lionen; die Schulden aber gingen von 83 auf 45 Millionen zurück; die Geldzuflüsse aus den Vereinen betrugen 499 Millionen, die Abforderungen nur 169 Millionen. Wer von den beiden Artikelschreibern des„Wochenblattes de? christlichen Bausrnvereins für Franken" hat nun recht?__ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Berlin SW, Lr. 119 33. Iahrzaug SrilWe to LmSrls" Üfrlintr Halblilall. Uouiag 1. Mai 1916. Zrieöe auf Cröen. Da die Kirten ihre Äerde ließen und des Engels Worte trugen durch die niedere Pforte zu der Mutter und dem Kind, fuhr das himmlische Gesind fort im Sternenraum zu singen, fuhr der Äimmel fort zu klingen: .Friede, Friede! auf der Erde I" Seit die Engel so geraten, o wie viele blutge Taten hat der Streit auf wildem Pferde, der geharnischte, vollbracht! In wie mancher Heilgen Nacht sang der Chor der Geister zagend, dringlich flehend, leis verklagend: „Friede, Friede... auf der Erde!* Doch es ist ein ewger Glaube, daß der Schwache nicht zum Raube jeder frechen Mordgebärde werde fallen allezeit: Etwas wie Gerechtigkeit webt und wirkt in Mord und Grauen, und ein Reich will sich erbauen, das den Frieden sucht der Erde. Mählich wird es sich gestalten, seines Heilgen Amtes walten, Waffen schmieden ohne Fährde, Flammenschwerter für das Recht, und ein kvniglich Geschlecht wird erblühn mit starken Söhnen, dessen helle Tuben dröhnen: .Friede, Friede auf der Erde I" Konrad Ferdinand Meyer. LNai. Der Wonnemonat im deutschen Volksglauben. „Der Mai ist gekommen"— so sang Emanuel Geibel als Student in Bonn im Jahre I8S0, doch scheint er damals das getan zu haben, was er fühlte und empfand, hinauSzuwandern in den schönen Frühlingssonnenschein; denn das beliebte Lied ist erst lö4l in Lübeck fertig geworden. Der Mai ist schon von jeher der Lieb- lingsmonat des deutschen Volkes gewesen. Kein Monat ist in Deutschland mehr besungen worden als er; in den den„Wonne- Monat" verherrlichenden Liedern kommt die Freude über die neu aufkeimende Blumen- und Blütenwelt sinnfällig zum Ausdruck. Der Südländer kennt dieses Gefühl nicht; er verzehrt unser« Zugvögel zu Poleiüa und Risotto und singt nachher eine Mandolinata oder ein fades Liebesgedicht. Einer der bedeutsamsten Tage im Mai ist der erste des Monats. Am 1. Mai begingen die Germanen ihr höchstes Fest, die Hochzeit Wotans mit Freia. die Vermählung des göttlichen Sonnenstrahls mit der mütterlichen Erde. In der Walpurgisnacht hat sich die Erinnerung daran bis auf den heutigen Tag erhalten; im Laufe der Jahrhundert« sind die Geister der Walpurgisnacht zu Teufeln Und Hexen geworden. Tie Ahnfrauen der Hexen waren die ger» Manischen Walas, die als Priesterinnen, Aerztinnen und Zaube- rinnen hohes Ansehen genossen. Uebrigens war die heilig« Wal- purga eine Nichte des Bonifazius, Schwester des ersten Bischofs Willibald von Eichstädt und des ersten Abtes Wunibald von Heiden- heim an der Brenz. Sie war Aebtissin des dortigen Klostsrs und starb am 25. Februar 779. Es liegt ein eigenartiger Zauber über der Walpurgrsnactit. der ersten Maiennacht. Die Hexen rücken auf Besen zu dem Blocksberge, wo der Hexensabbat und der Rundgang um Satans Thron der VolkLmeinung nach in einer Weise festlich begangen wird, die kaum jemand verlocken wird, zum Teufel zu gehen. Drei Kreuze an die Häuser und Zäune gemalt, sollen nach altem Aberglauben vor dem Spuk in der Maiennacht schützen. Daß alte Hagestolze und alte Jungfern vom Teufel besessen sind, war unseren Alten ein« ausgemacht« Sache. Auch die kinderlosen Ehen stnd darauf zurückzuführen. Deshalb versammelten sich früher d,e jungen Torfburschen vor den Häusern, wo solche wohnten,„den Maydag inzuklappen". Diese alte Sitte bestand darin, daß mrt Peitschen. Topfdeckeln und dergleichen um Miternacht ein Hollew spektakel verübt wurde. Im Lippischen ist dieser Brauch heute noch im Schwange, und dem Hüter der Macht gelingt es mir selten, dt« äußerst vorsichtigen„Klapper" abzufangen. Nichts soll nach einiger Leute Meinung über die Walpurgis- nacht auf dem Brocken gehen. Zwar fahren die waldfrischen schwarzen braunen und blonden Teufelinnen, an denen die Gegend so reich ist, nicht mehr auf Besen zum Schornstein hinaus, sondern sie bedienen sich eines recht neuzeitlichen Beförderungsmittels, der Brockenbahn. Diese günstige Gelegenheit vereinigt denn auch vi- über ganz Deutschland verstreuten„Brocken brüder" aus dem alten sagenumwobenen Bergesgipfel, die an dem Hexensabbat und seinem -Atz" teilnehmen wollen. Die Speisekarte ist recht reichhaltig. Es gibt Schlangensuppe mit Salamanderschwänzchen", dann„Kröten- würzfleisch mit Froschlaich", daraus„Hcxenschinkcn vom Rost mit Teufelstunke" und als Rachtisch„Nebelbutter mit AnsichtskSs«. D«m Feste entsprechend ist die Teufel-musik, die durch Radaufloten, Geklapper Gejohle und Getöse aller Art zu einem recht eindruckS- vollen Ohrenschmaus wird Hinzu kommen noch eine recht waprige Teufelspredigt. abgedroschene Witze von des Teufels«rotzmutttt und sonstiger Unsinn._ Ein klimatischer Kurort.st der Saal des �Di�WaÄrgisÄ-st"der letzte Rest von den„neun Rächten" die ihr vorangehen, in denen nach altem Glauben d.e holl.ichcn Gewalten die Macht ans Erden ausüben. Da siebt man e,n we.ß--. mit einer Krone ges-bmückt-s Weib m.t feurigen Schuhen über d.. Fluren schreiten Kn seiner Hand tragt es ein Bündel goldener Aehren, die Frucht�seines Siegeszuges über Felder, Wiesen und Weiden. Tann sieht man sie über Wälder �d B«rge d-hin. fl-egen. umgeben von Fledermäusen Hexen. Teufeln und Un holden aller Art. Tie Menschen schlagen ein Kreuz und wenden s'ch voll Abscheu ab. So sehen sie nicht den.Glorienschein um der Heiligen Haupt, beachten es nicht, daß die Heilige für si 8 0 Witte Heer kämpft machen Walpurga gar zur Fuhrerln des graus lichen Teuselstreibens in dieser Nacht. Die kahlen, grun wachsenen„Hexenringe" aus den Triften sind ein �tiick heraoge- 'ullenec Himmel, auf denen die Heilige Schutz vor den st« der- folgenden Feinden gefunden hat. Wer unter Gebeten von den Gräsern und Kräutern dieses Ringes einiges mit der Wurzel auf- zieht, daraus kleine Kreuze flicht und diese zu einem Ring ver- einigt, der gewinnt damit ein treffliches Schutzmittel gegen Blitz und Brandschaden, gegen Krankheit und Hexerei aller Art. Man kann diesen Ring auch als Wünschelrute benutzen, damit ge- stohlenes Gut ausfindig zu mache" und andere Künste mehr. Die Naturwissenschaft lehrt zwar, daß die„Hexenringe" oder„heiligen Zirkel" dem zentrifugalen Wachstum des Wurzelgeflechts verschie» den«r Hutpilz« ihre Entstehung verdanken, aber da« Volk mag da- von nichts wissen und hält an seinem poetischen Aberglauben fest. Seit der Mitte des 17. Jahrhundert» gilt der Brocken als der Haupttummelplatz der Hexen. Wohl nur aus diesem Grunde warten die Hirten mit dem Austrieb d«s Viehs so lange bis der.Walpert- tag' vorbei ist und all« Hexe« und Unholden in die Flucht geschlagen sind. /lrbeiter-Kriegslprit. Der vierte der Kriegslyriker aus deutscher Arbeiterschaft, die Eugen Diederichs Verlag mit trefflich hergerichteten Ausgaben be« dacht hat, ist Max B a r l h e l. Auch er, dem der Krieg eine weiiere Ocffentllchkeit gibt, ist den Arbeitern schon seit mehreren Jahren bekannt. Junges Wollen, junges Erleben und Werden, frisch, herzhast, dreist, brausköpfig, aus dem proletarischen dunklen Nichts hinaus nach der Sonne langend, an das zuckte in den Blättern ans Bers und Proia. die in den Arbeiter- zeitungen immer häufiger auftauchten. Als Gelegenhetts- arbeiter fing Max Barthel den Kampi ums Dasein an. als Obstpflücker m seinem Dresdener HeimatSrevier und in so und soviel andern Tätigkeilen, machte sich aus« Wandern, nach O-sterrei». der Schweiz. Italien, fand in den Hellerauer Werkstätten längere Zeit feste Arbeit, ging wieder kreuz und quer durch Deutsch- lano, und weil er in Stuttgart saß, als d« Krieg über uns kam, liegt er heute i»it Jahr�und Tag als württemborgischer Soldat in den Argonner Waldaräben. Sein lyrisches Krieasbuch heißt so „Verse aus den Argonnen", ist„den namenlosen Kameraden in den Schlachtfeldern gewidmet' und stellt seiner Seele nach ein Buch vom Frühling im Kriege dar, worin der Frühling der her»- liche Freund und der Krieg der verworfene Feind ist. Der Vorspruch des Büches spinnt die Widmung nicht weiter, er hält vielmehr, ganz ab- seit« vom.Kriege,»ine persönlich« Selbstschau, deren stärkste Zeilen den Werdewlllen lrotzig herausstellen, der in gesunder Jugend gärt. Gleichwohl wil der Dichter diesen Vorspruch alt Gedicht seiner Kriegszeil belonen. ES kommt ihm durchaus nicht vor allem darauf an. den Krieg in der Fülle seine« gewaltsamen Beengens dichterisch zu durchleben: er ist einer, dem es nicht gegeben scheint, in dieser Umwell aufzugeben. Wenn sie ihm schon den Tag bestimmt, so hat sein innerstes Leben doch nicht teil daran. AlS eine widernatürliche fremde Macht hat der Krieg sich m seinen Weg gedrängt, ein Ver- gewaltiger seines besten Wollens. Als dritte« Gedicht stellt Barthel in sein Buch de» �striegsspruch�. der das Motto semer Stwmmng b-dsuto« kann: Was in dir brennt, erkennst d» nicht. Was in dir wühlt, erfühlst du nicht. Was in dir quillt, das stillst du nicht, Und was du willst, erfüllst du nicht. DaS Buch hat also seinen kriegsfeindlich grollenden Grundklang. Neben ihm und über ihn hinaus tönt aber die dringende Lust am geben. Barthel bat m den Argonnen den Frühling knospen und sprießen und ichwellen sehn. Der hat lbm das Blut gefülll und ist in seine Verse gedrungen. Mir morgenklaren Sinnen ist hier land- schaftliche Natur geschaut. Des Dichters Herz geht aus Du und Du in ihr auf. Ihre Zeichen reg«« sich als Gleichniffe klaren Lebens. Dies Schauen und Beseelen der Ratur, das den beglückten Atem jun?«' Erwachen? hat, gibt dem Buche viel Kraft, dem Leser nah« zu kommen; es hält auch Ge- dickte, die als Ganzes tünstleriich ihr Ziel nicht erreichten. Aber dieser Frühling ist«in besonders gearteter, er ist Argonnenfrühling! in feine Schönhe« donnern die Todmörser des Krieges. Das setzt der Lenzlyrik Barthels herbe Farben ein. Jugend hat diese Lyrik gelchrteben, und Jugend bat ein Vorrecht, dem Tode zu zürnen. Wir kennen den Todesmut junger Krieger, aber der Kriegs- lad bleibt am Zweck des LebenS gemessen ein höhnischer Widersinn. Dem Soldaten blaßi der Todesgedanl« ab, weil er ihm alltäglich nahe ist: sein Denken bangt dem Glauben an eine Heimkehr an. Die Heimkehr ist der Frieden, und Lebenslust und Friedensdrang, die nach Schönheit de« Daseins begehren, schwingen in der jungen Seele dieses Arbeiterdichters so mächtig, daß für den Gedanken an den eigenen Tod in seiner Dichtung nur Sekunden Raum bleibt. Ein Gedicht— überschrieben.Goethe"— schildert den Soldaien, der bei lobendem Granatenseuer im Graben- versteck ein abgegriffenes Büchlein aus dem Ranzen zieht und Goelhes Früblingstiedcr liest; die reißen ihn aus Schreck und Kamps. Gebet und Fluch empor: Da schrie in mir die Lust zum Lebe» Und jubelte ihr Gloria. Sich tausendfältig z» erbeben, Und— war noch nie dem Tod so nah. Da fühlt ich aus den wilden Wehen. Aus all dem Quoll und Schall der Wut Siegbast den neuen Mensch erstehen: Edel, hilfreich, gut. Will man die Argonnenvers- Max BarthelS recht verstehen, so gehört dazu, zu wissen, daß sie stammen von einem der den idealsten Geist der deutschen sozialdemokratischen Jugendbewegung einsog. Er stand unler dem günstigen Stern ihres Bildungs- gedankens. In dieser Schule erhob sich das proletarisch» Vertrauen aus die eigen- Krait zu stülmischer Freude am SelbstenifalteN. Das eben ging dem Kriegserleben voraus. Und setzte sich nun in diesem fort. An dem Aroonnenbuche läßt st» ablesen, wie es seinen Kampf mit der härtesten Wirklichkeit, die furchibarer ist als der proletaiisch? Broikampf. aussieht. Die Schlachiennot lebt in kiafivoll erschauten. crschülicrnd geiaßten Bildern, die große, gewaltig anschwellende des Masientobens und die Not des endlosen Liegens und Lauerns in den Gräven. Bleibend wirst die Slimmung des Gedichtes „Mühle zum toten Mann": einst von Gesechien umstirrt, ist sie nun eine letzte SeidcnSstStie Schwerverwundeter: und ebenso ist in der Slimmung stark„Der Weg": aus verlassenem Dorf führt er in ein schönes Tal. an dem Schützengraben vorbei, aber der Feind hält ihn vom blauenden Hügel aus im Auge, und mancher Freund, der den Weg ging. siel. Wieviel indsS diese eigenartigen Bilder gelten mögen, wesentlicher im ganzen des Buchs« als der Quell, aus dem sich auch diele Gedichte losten— sind all die andern, in denen die Seele des Dichters sich auf- bäumt gegen das innere Vergeben, das ihn schreckenichwer be- drohl. In Liedern an die Braut bricht Grauen und sehn- juchl nach bluligen Stunden in schauernder Ergriffenheit hervor. In dielen Liedern ist unmiitelbarsteS Nachziltern des Er- lebten. Sie haben die graulende Scheu, die sich vor sich selbst ver- kriechen möchte, und haben den heißwilden Schrei um Erlolung. den die liessle Not ausstößt. In den Anfängen des Buches steht das Gedicht von der Arbeit, die. als der Krieg kam. halbfertig an den Bänken stehen blieb; da kommt im Sieges, ubeln die Sehn- 1 luchi mit der stillen Frage:.ob denn kemer die Arbeit vollenden will". Dieser glimmende Funk« wird durch da« Buch hin Feuer. Groß fchwillt sein BesrelungSdrong in> den letzten Gedichten an. die von lastenden Herbsttaaen> zeugen. Der Friedens rus. der io de» Krieg tönt, wird hier einS t mit jener Glut, die das eigene Werden über alles Hemmen triumphierend emportreiben will. Das G-dicht„Die Wildgänse' wächst zu herrlichem Ungestüm der Lichtbegierde. Und in dem an Form Klang. Stimmunq und Gedanken edlen Gedicht„Er- Hebung" � einem der schönsten, die das Buch krönen � tönt eS aus de« einpressenden Schützengraben des ArgonnenwaldeS: Ring dich aus der Grabenenge, Heb dich m die freien Weilen, Werde gut»nd herzbafi wehr! Immer irotzen I immer schreiten I Immer Flamme I immer Karl _ Fr. D. Kleines Jeuilleton. Vaha und Irrtum im �ebeu der Völker. Als derzelliger Rettor der Universität Tübingen hatte sich Prof. Gaupp zur Festrede am Geburtstage des König« von Württemberg das zeitgemäße Thema erwählt:„Wahn und Jrrlum im Leben der Völker". Die Frage, ob es geistige Volkskrankheiien— einen Völkerwahn— gibt, muß die ärztliche Wissenschaft verneinen, während der Kuliurhistonhr sie angesichts der Greuel deS Hexenwahns, der reli- aiölen, polilischen und wirtschaftlichen Volkserregungen aus Vergangenheit und Gegenwart zu bejahen geneigt ist. Was man Wahn eines Volkes oder Vollsteiles nennt, sind Wirkunge» der Suggestion, die von Kranken und Gesunden, von leidenschaftlich begeisterien Schwärmer» und kühlen Betrügern ausgeübt werden. Voraussetzung aller Suggestiou ist die geistige Lenksomteit, und diese beruht leii« auf allgemeinen dauernden Kattoren sBUdung. Temperameni, Phantasie usw.), teils auf besonderen und veränderlichen fallgemein« Zustimmung Einfluß aroher Sreigniffe, Zahl und eng« Gemeinschaft in der verlammelien Mengch. Sie»« handelt es sich um aufgepfropfte Ideen, die gläubig übernommen, aber auch leicht wieder abgestreift, nicht wie der Wahn des Verrückten in tiefem, oft schmerzlichem Erleben erzeugt werden. So grundverschieden die„suggerierte Idee" vom Wahn eines Geistes- kranken ist, kann sie doch gelegentlich in gewissen Epochen der Ge« ichichle eine Macht über die Gemüter ausüben, die dem Wahn des Kranken nicht viel nachzugeben scheint; ihrem Wesen nach ist st- ein korrigierbarer Irrtum, und der Lauf der Geschichte hat immer gezeigt, daß die Korrektur eintritt, sobald die Selbstbesinnung zu ihrem Recht kommen kann. Die Zahl der Irrtümer, von denen wir die europäische Menschheit beute erfüllt sehen, ist unendlich, und zwar nicht nur bei unseren Feinden, sondern auch bei unserem eigenen Volke; aber dor heutige Zustand will für die Lebensbeziehungen der Völker nach dem Kriegs gar nichts besagen. Die hoben Ideale einer über den Nationen stehenden Meschlichkeit, einer reichen, aller Völker um- fassenden Weltkultur sind nicht für alle Zukunft ernsthaft gefährdet. Die Leidenschaften der Stunde werden vergehen, die G-yteSarbeit der Jahrhunderte wird bestehen. Wichtiger als die Sorge um die künftigen Beziehnngen der Völker unserer Erde ist beute der gemein- same Kampf gegen die verheerende Mach! des internationalen Kapitalismus, auf dem der Fluch dieses Weltkrieges ruht, und die klare Besinnung der Vötfer aus die letzten und höchste» Werte alles uienjch- liichs« Seins._ Tolstoi-Jünger vor dem Kriegsgericht. Das Moskauer Kriegsgericht verhandelt feit einigen Tagen bei geschlossen Türen gegen eine Anzahl Anhänger der Lehren Leo Tolstois Sie stehen, wie man dem„Journal de Gensve" berichtet, unter Anklage: weil sie im Qttober 1814 durch eine im Bezirk Tula an Zäunen und Telegraphenstangen angeschlagene Proklamation die bekannten Anschauungen Tolstois über den Krieg zu verbreiten suchlon; daß sie Soldaten zum Ungehorsam und zur Dtenstverweige« rung aufgefordert haben, kann ihnen nicht nachgewiesen werden. Die Auftmfe wiesen d«, vollen Ramen und die genauen Adressen der Bnfass-r auf. Bei einer sofort vorgenommenen Haussuchung fand man emen zweiten Aufruf, der von zahlreichen Tolswianern aus ollen Teilen llinßlands unterzeichnet, aber nicht für die Qeffentlichkeit bestimmt war. Unter den Angeklagten befinden sich Tolstois ehe- maltger Sekretär Bulgatow und der greise Hausarzt des Dichter- Philosophen Dr. Makowizky, der österreichischer Uniertan ist. Im ganzen sind 2« Perionen angettagt, unter ihnen eine ganze Familie Rodin— Bater, Mutter, Tochter und zw« Söhne—. serner der finnische Schriftsteller Arvtd Ernfeld und ein gewisser Gremberg, der wegen des gleichen„Verbrechens" schon in Charkow vor Gericht stand und zum Verlust aller bürgerlichen Rechte und zur lebens- länglichen Verbannung nach Sibirien verurteilt worden ist. Einer der Hauptangeklagten, Popow, stammt aus einer reichen Kaufmanns« familte; schon als Gymnasiast wurde er ein Jünger Tolstois und gino. nachdem er fem Vaterhaus verlassen halle, aus die Wanderschaft. AtS ihn der Vorsitzende des Gerichtshofes fragte, «er et sei. antwortete er:„Gottes Sohn." Für die Arbeit, die er bei Bauern verrichtete, nahm er kein Geld, sondern nur Brot und Feidsrüchte. Gr ist Vegetarier der strengsten Qbservanz und ißt zum Beispiel keinen Honig, weil man, um ihn zu erlangen. Bienen töten muß. Er hält es auch für Sünde, mit Pserden zu pflügen. Der Angellqgte Bespalow, der in einer dörflichen Gemeinde als Schreiber angestellt war. erregt Aufsehen durch sein gründliches Wissen auf dem Gebiete der Philosophie und der Lileratur. Der Angeklagie Nowikow ist jener Bauersmann, zu dem Tolstoi sich begeben wollte, als er kurz vor seinem Tode die berühmte Flucht in Szene setzte... Halsworthp über den Veltkrleg. Die �.International« Rundschau" veröffentlicht„Glossen zum Weltkrieg", die der bekannte englische Schriftsteller Galswortbv vor kurzem in„Scribnsrs Magazine" schrieb. Heute lesen wir in den Zoitun�en. daß in dm Reihm unserer Feinde ein Sozialist oder»in Pazifist seine Stimme erhobm hat gegen die Pöbelletdmschaft und die Kriegswut seiner Landsleute, und wir denken:„Wahrlich, welch aufgeklärter Mannl'-�am nächsten Tag lesm wir in denselben Zeitungen, daß der Herr Soundso das- selbe getan hat, aber in unserem eigenen Land, und wir sagen: „Herrgott, den sollte man aufhängen!" Jetzt hören wir begeistert einem unserer Staatemänner zu, der uns von dem letztm Blutstropfen«nd von dsm letzten Pfennig spricht!»Das ist Patriotismus!" Dann lesen wir, wie ein feindlicher Staatsmann seinem festen Entschluß Ausdruck gibt auch Hunde und Katzm zu bswaffnm, und wir schreien:»Welch sin barbarischer Wahnl" Am Montag erfahren wir, daß ein verkleideter Mitbürger bis in? Innerste d»s Feindeslandes vorgedrungen ist, um uns irgendeine wichtige Aufklärung zu verschaffen. Wir denken uns:„Das ist echter Heldenmutl" Am DimStag erbittert uns die Nachricht, daß mitten unler uns ein Feind gepackt wurde, der spionieren wollte, und wir sagen:„Gemeiner Spion I" Unser Blut locht am Mittwoch weil wir von der schlechten Be- Handlung härm, die einer der Unser» in Feindesland erdulden mußte. Am Donnersiagabend nehmen wir dm Bericht von der Zer- störung feindlichen Elgmtums durch unfern Pöbel mit Befriedigung zur Kenntnis:„Was tönnm Leute anderes.'rw arten, wenn sie zu dieser Nation gehören?" Unsere Feinde singen einen Haßgesanp rnd wir verachten sie deshalb. Wir selbst hassen und schweigen. Aber wir fühlen uns ihnm sehr überlegen. Sollten wir nich> lieber unfern Kampf ehrlich zu End. kämpfe» und aus diese Jroni« verzichten?(K) Ms Groß-Serlin. Die neue Zeit. Wenn unsere Leser heute ihr Blatt zur Hand nehmen, leben sie bereits in einer„neuen Zeit". Leider besteht die neue Zeit nur darin, daß die Uhren am Sonntagabend um 11 Uhr auf 12 Uhr gestellt wurden. Wir gehen um die gleiche Zeit, welche die Uhr anzeigt, an unser Tagewerk und doch ist es eine stunde früher als sonst. Tie Kinder gehen um 7 oder um 8 Uhr nach der Schule, in Wirklichkeit beginnt die Schule um 6 oder um 7 Uhr. Wir gehen um 12 oder um 1 Uhr zu Tisch, und doch ist es eigentlich erst 11 oder 12 Uhr, wenn wir ■Kern SW n rt f.A r"r mtf St/m-t rt rt v» 4-. a n Hnv/fTmafvirf �16©l Oil} It den Montag mit dem Sonntag vergleichen. fährt auf Grund desselben Fahrplans, wie an den Tagen vorher, und die Post hat ihre Dienstzeit in gleicher Weise ge- ordnet. Für den Arbeiter ist es besonders wichtig, daß der Schluß der Arbeitszeit nicht ctüva noch verlängert wird, wie das in der Gärtnerei zu befürchten ist, wenn dagegen nicht entschieden Einspruch erhoben wird. Es ist bemerkenswert, daß die neue Zeit in der Wal- purgisnacht einsetzt, wo bekanntlich die Hexen auf Besen- stielen nach dem Blocksberg hinaufgeritten sein sollen, und man denkt unwillkürlich in diesem Zusanimenhang an den Hexenkessel, in dem alles siedet und brodelt. Auch unsere heutige Zeit, in der die Völker sich schlagen, erinnert an einen Hexenkessel: sie soll aber zugleich Neues schaffen helfen. Die neue Zeit fällt auf den 1. Mai. Dieser Zeitpunkt hat im Lesben der Völker schon immer eine große Rolle gc- spielt. Schon die Völker des nordischen Altertunis verließen um diese Zeit ihre Winterquartiere: sie zogen hinaus in das Soinmcrleben und versammelten sich als freie Menschen auf dein Maifclde. Die Maienzcit galt als Jahreswende. Das Privateigentum, die EntWickelung des Kapitalismus hat eine andere Zeit geschaffen. Die Beziehungen der Menschen zu- einander, ihre Jirteressen wurden andere, oft gegensätzliche, und es begann jene Zeit, in welcher der große Emanzipations- kämpf der arbeitenden Menschheit einsetzte. Gerade der Mai- monat hat große Kämpfe der Arbeiter gesehen. Es sei nur au jene große amerikanische Maibewegung im Jahre 1886 zur Erringung des Achtstundentages gedacht, eine Bewegung, an der mehr als 300 006 Arbeiter teilnahmen. Und als im Jahre 1889 der internationale Arbeiterkongrcß in Paris den 1. Mai als internationalen Arbeiterfeiertag festsetzte, ging eine freudige Erregung durch die Arbeiterichaft oller Länder. Seitdem ist der 1. Mai in unzähligen Reden und Gedichten gewürdigt lind besungen worden: wie der Maimonat über- Haupt den Dichter besonders begeistert hat. Am heutigen 1. Mai ruht nicht wie sonst zur Feier des Tages die Arbeit. Der Krieg hat alle Feiern verstummen lassen: zum Feiern ist heute auch kein Anlaß, solange draußen der bittere Kampf tobt. Wir begnügen uns. die neue Zeit mit der Umstellung der Uhr einzuleiten und hoffen, daß eine andere Zeit ist, wenn wir ain 39. September der Uhr wieder die alte Zeit geben. Mosses unlauterer Wettbewerb. gibt wohl kein Gebiet gewerblichen Lebens, das der Krieg unberührt gelassen hätte. Während aus der einen Seite der Krieg Manchen Betriebsunternehinungen große Gewinne bringt, leiden andere schwer unter den Kriegssolgen. Zu der letztgenannten Kate- gorie gehört u. a. auch das Zeitungsgewerbc. Eine Zeitung kann nur dann prosperieren, wenn sie einen angemessenen Inseratenteil besitzt. Und gerade diese Einnahmequelle fließt durch den Krieg nur spärlich. Tie früher inserierenden Geschäfte haben ihr Jnseratewkonto stark eingeschränkt. Tie Zeitungen suchten sich zu helfen durch Verminderung des Textes, um die Leser vor höheren Abonnementspreisen zu bewahren. Tas ging eine Zeit. bis außerordentlich hohe Preisheigerungen für Truck und Papier den bisherigen Zustand unmöglich machten, zumal die Zeitungen durch den unentgeltlichen Abdruck der zahlreichen behördlichen Bc- kanntmachungcn und Verordnungen auch noch große Opfer auf sich genommen hatten. Je länger je mehr ließen sich Erhöhungen der Abonncmenlspreise nicht mehr umgehen. Ter Verein Deutscher Zeitungsverleger, dem der größte Teil der deutschen Zeitungsunter- nehmen angehört, veröffentlichte deshalb Mitte März einen Aufruf, in dem es hieß: »ES ist bekannt, daß gerade das Zeitnngswescni vom Kriege hart getroffen ist. Eine große Zahl deutscher Zeitungen wurde von vornherein in eine Notlage gebracht, und manche von ihnen hat inzwischen ihr Erscheinen einstellen müssen, denn längst schon hat, wie viele Gebiete des Wirtschaftslebens, auch unser Gewerbe mit bedeutenden Preissteigerungen der ihm not- wendige nMaterialien zu kämpfen. Namentlich beginnen nunmehr auch in unserem Vaterlande aus dem wichtigsten Gebiete des Zeiiungsbctriebcs, auf dem Ge- biete der Papierbeschaffung, ernste Schwierigkeiten, wie sie im Auslande und besonders bei unseren Gegnern längst beobachtet worden sind. Im engen Zusammenhange hiermit steht eine be- lorgniiserregende Steigerung der Papierprcisc. Diese Tatsachen zwingen die deutsche Presse zu einer Einschrän- �V�ILshrer Ausgaben und Erhöhung ihrer Einnähmen, damit ihr S�c�i' bleibt, ihre ÄricgSaufgaben auch weiterhin so zu erfüllen, wie das Vaterland es erwartet. Dem unterzeichneten Vorstände des..Vereins Deutscher Zeitungsverleger", als der berufenen Organisation der deutscheu Zeitungen, ist cS unnachweisbare Pflichl, daö deutsche Volk aus diese Gestaltung der Dinge hinzuweisen. c-fA1 daran die Bitte: Möge jeder seinem alten, bewahrten Blatte die Treue bewahren, und möge jeder das im Vergleich zu den hohen Preissteigerungen aus anderen Gebieten geringfügige Opfer auf sich nehmen, das die bevorstehenden Preissteigerungen mit sich bringen werden." Um zu verhüten, daß die etwaigen Erhöhungen des Wonne- mcntspreises zu einer unlauteren Konkurrenz ausgenutzt werden, erließ der Vorstand des Zeitungsvcrlcgervereins eine weitere Bekanntmachung, in der zum Ausdruck gebracht wird, „daß es als ein Verstoß gegen die guten Sitten angesehen werden muß, wenn ein Verleger diese Gelegenheit benutzt, um seinen Konkurrenten, der sicki zu einer Bezugspreiserhöhung gezwungen sieht, aus diesem Anlaß in irgendwelcher Form, und sei es auch nur durch die Erklärung, daß seine Zeitung für den alten Preis weiterhin bezogen werden könne, zu schädigen sucht." Es sei unbedingt erforderlich, daß sich die Verleger den gegenseitigen Besitzstand sichern, wie dies in vielen Bezirken bereits geschehen ist. So haben die Verleger des Magdeburger Bezirks, wie bereits in Nr. 10 dcö„Zeitungsvcrlags" mitgeteilt werden konnte, auf eine Anregung des Vorstandes hin ein Abkommen getroffen, wonach sie sich verpflichten, jeden Versuch zu unterlassen, aus Anlaß der bc- schlossenen Preiserhöhung anderen Verlegern Konkurrenz zu machen und hiernach ihre Boten anzuweisen, solche Abonnenten, welche ans Anlaß der Preiserhöhung von einer Zeitung abgehen, ihrerseits als Abonnenten nicht anzunehmen. Fälle, in denen gegen die hier niedergelegten Anschauungen verstoßen wird, sind zur Kenntnis der Geschäftsstelle des Vereins bzw. der Redaktion deS„ZeitungSver- lags" zu bringen und ferner dem Ehrenrate des Vereins zur Ahn- dung zu unterbreiten. Gegen diese hier niedergelegte»uffasiung verstößt der„Verlag der Berliner Volkszeitung" in der gröblichsten Weise, der in einer Abonnementseinladung„An die Berliner!" darlegt, daß das Blatt nach wie vor für denselben Preis wie bisher geliefert wird, und dann folgende Sätze verbricht: „Es sind keine leichten Lasten, die der Verlag damit auf sich nimmt, aber in dieser Kriegszeit müssen eben Opfer gebracht werden. Eine Preissteigerung gerade bei einem Voiksblatte wird besonders den breiten Schichten fühlbar. Auch wenn der Be- zugspreis in der Woche nur um 5 Ps. erhöht wird, so macht das doch im Monat ein Mehr von 20 Pf. und darüber, und im Jahre sind es M. Mehrkosten. Eine solche Verteuerung soll man in dieser Zeit nicht ohne zwingende Not vornehmen." Jeder Leser dieser Wonnemcntseinladung sieht auf den ersten Blick, wohin der Verlag der„Volks-Zeitung" mit seinen Be- merkungen zielt. Der„Vorwärts" hat sich genötigt gesehen, den bisherigen Abonnementspreis vom 1. April ab um 20 Pf. monat- lich zu erhöhen. Unserem Verlag ist diese Maßnahme nicht leicht geworden; er hat sie unseren Lesern in der eingehendsten Weise begründet und wir haben die Erfahrung machen müssen, daß unsere Leser volles Verständnis für diese hoffentlich nur vorübergehende Maßregel bekundet haben. Unsere Leser wissen, daß der„Vor- wärts" kein kapitalistisches Unternehmen ist, das dem einzelnen Gewinn« abwirft, sondern daß es ein Organ ist, welches sich die Wahrung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung zur Aufgabe gemvcht YÄ. Das Opfer, das Misere Leser bringekk, ist um so höh« zu bewerten, weil gerade sie am schwersten unter der gegenwärtig� Teuerung zu leiden haben. Aber es gibt eben immer Leute, welche die durch die Kriegs»«' läge geschaffenen Verhältnisse zu ihrem Vorteil auszunutzen suchet Die„Volkszeitung" gehört dem Mosseverlag. In diesem Verlaz erscheint auch das„Berliner Tageblatt". Von diesem Blatt zchö die„Volkszeitung" und gerade deshalb die billigere Herstellung�' Möglichkeit. Aber Masse hat den Abonnementspreis des„Berliiicr Tageblatt" während der Kriegszeit zweimal erhöht, ohne darüber öffentlich ein Wort zu verlieren. Tie letzte Erhöhung des Abonito mentspreises für das„Tageblatt" liegt nur einige Monate zurük, wodurch die Abonnementseinladung des Mosseorgans„Volk»' zeitung" besonders charakterisiert wird. Wie über den von dem Mosseverlag ausgeübten unlautcrc« Wettbewerb militärische Stellen urteilen, ergibt sich aus einer Vc» fügung des Stellvertretenden Generalkommandos des ö. Armeekorps in Posen, die besagt: „Die wachsenden Schwierigkeiten im Zeitungsgewerbe und die dadurch notwendig gewordenen Erhöhungen der Bezugs- und Anzeigenpreise geben Veranlassung zu dem Hinweis, daß es als Verstoß gegen die guten Sitten angesehen werden müßte, wenn leistui»gssähige Firmen diese Sachlage in irgendeiner Weise, z. B. durch Abtreibung von Beziehern, zum Nachteil der Wirt« schaftlich schwächeren Presse ausbeuten würden." Das Stellvertretende Generalkommcmdo bittet etwaige solche Fälle einer unmoralischen Konkurrenz aus dem KorpS< bezirk sofort der Presseabteilung z» mdfcen." ße0% Cigaretten. Vor der Steuererhöliung Direkt ab Fabrik l'/KUDO SM 0,35 M. SVg n»»» MO S' 2„„ m 1.75 5„„„ 2.80 Gute Qualitäten. »» \"ar eigenes Fabrikat. GeSffn. v. 8-8 Uhr, Sonnt. 8—10, 12—2. Bei Bestellungen yon 20 M. an Versand franko geo;. Nachnahme. Sendungen ins Feld nur gegen Voreinsendung des Betrages. Preislisten und Stückmustel werden nicht rersandt. La Liebermann Berlin X 89, Chausseestr. 86,; Fabrikgebäude, eine Treppe. SUo-vCcLayt�/VV! �uXaofi/- SVtvbUcA«''15% SbvtscA, 15 cT-f ji ist der schönste Ausflugsort? + Immer ivoch Pichelswerder, °He«ft-atze beim Alten Freund. Spezialarzf f. Geschlechtskrankheiten, Harnleiden, Schwäche, Ehrlich-Hata-Kuren, Blut- und Harn-Untersuchungen. Dr. med. Karl Reinhardt. 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Landgericht durch Zeugeneid am 16, Oktober 1915 bestätigt in Gegenwart der gerichtlichen Sachverständigen: Millelohreilsrang: g-feistTV Ä» Sa1- Hierenleiden: _ erationverweig., geheilt asselbe Kind, 7 Jahre alt, knorpelharte Geschwulst, Äräfer" o;reohteI1 schlagen, geheilt in 3 Monat, seit 5 Jahren Kind dauernd OnterieibsblutuDg, Halsseite, Operation vorge- esund. unstiüb.: Frau B., dadurch gr. Körperschwäche, trotz Operat nicht gebess. i schwere Operat verwoig., bei 6. Kinde A.Sch., drei _ Mon. alt, 5'/, Pfd. schw. in drei Monaten dauernd geheilt. Seit 5 Jahren bis heute Kind geheilt in' 3 Wochen. dem Tode verfallen, -n ival/ Gu:nd- GesiehtsMuiung und Schwer- ilDrlrkelt ,'n � Wochen geheilt— Frau P.; Partielle beider Beine und Ischias innerhalb Lähmung 4 Wochen geheilt.— Frau St., 77 Jahre: Akute Knochenhautentzündung am Schädel, innerhalb 4 Wochen geheilt.— Frau f, fMtjonelle Nervenschwäche Fwochern 3 9 J nhre: Oiabetes mellitus Rückenmarkleiden SääS (Znckcrkranktaelt) , tv-ivv Die Ware wird Immer knapper! Versorgen Sie sich rechtzeltig mit unseren gestrickte» Schuhwaren. Kein vrenn.nd.Ttiihe. k. Achi-eistlils!-.' N«l»w»ll. G-lenI-.! j«ramvlad.,l P-nenent,.,!..Viifn:er�nac». i«allen. l.Trnet a. empl. knnlili-!,. A-Ven. s. azjcht, i. iUbeiiwatismus meat; au, i»mi°ge'-d.W.iÄ.-laiti1ch.an»Vänstanas Ma. Garantie luv nch-re. daner,.de Ulse.e. Analyse der luter- i suchnngsstelle. Xliherc» über die Prinzipien meiner Heii- ' methode ist an» der Streitschrift„Wachet anf" ersehen. Zu haben gegen Einsendung von Te" «O Plg. portofrei von der Heilanstalt. Vexantwortlicher Redakteur: Ernst Däumig» Steglitz. Für de» Inseratenteil veramw.: Th. Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsaustalt Paul Singer Le Co, Berlin SW, l