Ar. 13 5.- 33» Jahrg. kldorniementz-Bcdmguncjen: Kionnememä• PreiZ prünumer>m!>» Visrteijährl. 8.30 Ml, rnonaU. 1,30 M. wöchemlich 30 Pfg. frei ins Haus Einzelne Nummer S Pfz. Sonntags» nunimer mit illuürierter SonniagS» Beilage»Die Neue Bell" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,30 Marl vro Monat. Eingetragen in die Pott- Zeitnnas» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn SP0 Marl. Mr das übrige Ausland « Mark pro Monat. Pofmbonnements nebmen an Belgien, Tänemart tolland, Italien, Luremburg, Portugal, umänieiu Schweden und die schweij. crlcheivl lZgüch. Verlinev Volksbltttt. f 5 Pfennig) Die IntcrtionS'Gcbüljr betrügt für die fechsgespa�ene Kolonel- zeUe oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewerlschastlime P neins- und Bcrsammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,Ul-lne Anreizen", da-- iettgedruilie Wort 20 Psg.(zulässig 2 fengedruclie Worte), jedes weitere Wort in Psg. Stellengesuche und Sailasstellenan» zeigen das erste Sari 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über I Z Buchstaben zählen für zwei Worte, �nscroie für die nächste Numiner müssen bis ti Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werdeiu Die Exveditlo» ist bis 7 Uhr abends gedssnet. relegramm-Adresse: .ZspiZläcwolllZl KctU»-. Zentralovgan der fodaldemokrati fcheti parte» Deutfcblands. Neöaklivn: SM. 68, Linöenstraße 3. Fernsprecher: 2lmt Moritzpla«, Nr. 151 90—151 97. Expeüitjon: SM. 68, Lmöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morinplan, Nr. 151 90—151»7. Ein konservativer Arbeitsplan für öas neue Reichs!ebensmjtte!amt. Der Plan der Errichtung einer Zentrale für die Er- nährung der deutschen Bevölkerung während des Restes der Kriegszeit findet, wie vorauszusehen war, am wenigsten Bei- fall bei den Konservativen. Zwar ist noch nicht entschieden, wie dieses Reichslebensmittelamt organisiert werden und wie weit sich seine Kompetenz erstrecken soll, selbst die Besetzung der wichtigsten Posten des neuen Amtes steht, wenn auch bestimmte Personen dafür bestimmt sind, noch nicht fest, doch das hindert die leitenden Blätter der Konservativen nicht, schon heute allerlei halbversteckte Einwürfe und Mahnungen gegen die Zentralisierung und Vereinheitlichung der Lebensmittelversorgung zu erheben. So sehr die Konservativen sonst für alle möglichen Arten von Diktaturen eingenommen sind, besonders für militärische und polizeiliche, so wenig entspricht die Lebensmitteldiktatur ihren politisch-ethischen Anschauungen. Selbst die Aussicht, daß viel- leicht ein General zum Leiter der Lebensmittelversorgungs- zentrale bestimmt oder wenigstens die Heeresverwaltung einen starken Einflutz auf das neue Reichsamt erhalten wird, vermag ihre sogen,„verfassungsmäßigen" Bedenken nicht zu beschwich- tigen, obgleich die konservativen Preßleiter infolge ihrer guten Beziehungen sehr wohl wissen, daß die geplante Lebensmittel- diktatur— man weiß nicht, ob man nicht in diesem Fall in Anbetracht der heutigen Lebensmittelverhältnisse„leider" sagen soll— nur eine sehr mäßige sein soll, da' nach dem vorhandenen Arbeitsplan das neue Reichslebensmittelamt nicht nur von den Entschließungen und Verordnungen des Bundesrates abhängig sondern auch mit dem Reichsamt des Innern in einem gewissen Zusammenhang bleiben soll. Doch selbst bei solcher Beschränkung der sogenannten Diktarur erscheint den Konservativen die Errichtung einer Lebensmittelversorgungszcntrale noch immer als eine Maß- nähme, für die eigentlich gar keine zwingende Notwendigkeit vorliegt, denn sie wissen recht Wohl, daß wenn die Teuerung uud Lebensmittclknappheit sich in nächster Zeit weiter steigern sollte, die Regierung und nicht minder die Heeresverwaltung, schon um die weitere Kampffähigkeit des deutschen Volkes sicher- zustellen, sich leicht zu festeren Eingriffen in das heutige anarckische Wirtschaftsgetricbe gezwungen sehen könnten; hat man doch in England und Frankreich die frühere Hoffnung. die Mittelmächte noch durch Waffengewalt niederzwingen zu können, talsächlich— wenn man das auch natürlich nicht offen eingesteht— mehr und mehr aufgegeben und setzt jetzt alle Erwartungen nur noch auf die zunehmende Lebensmittel- knappheit in Deutschland, die man in der feindlichen Presse zur Stärkung des sogenannten Kriegswillens in den grellsten Farben malt. Außer dieser Befürchtung, die Rücksicht auf das Wirtschaft- liche Durchhalten könnte das Reichslebensmittelamt in weiterem Verlauf zu Maßnahmen treiben, an die vielleicht die zur Leitung bestimmten Personen jetzt selbst noch nicht denken, hat man jedoch, wie sich aus den Aeußerungen kon- servativer Blätter ergibt, noch allerlei andere Bedenken, deretwegen man eine energische Leitung der Lebensmittel- Versorgung durch ein straff organisiertes, selbständiges Reichslebensmittelamt nicht wünscht; denn ein solches Amt, das zugleich die Aufsicht über die sachgemäße Durchführung seiner Verordnungen in den verschiedenen Reichsteilen in der Hand hätte und kontrollierte, stände den oberen und niederen Aus- führungsbehörden wesentlich anders gegenüber, als das heute bei den betreffenden Abteilungen des Reichsamts des Innern der Fall ist. Das hält man aber allem Anschein nach in gewiffen konservativen Kreisen durchaus für keinen Vorteil. Dort wünscht man vielmehr, datz� diese Aussührungsbehörden, vornehmlich die Landratsäniter, möglichst weiten Spielraum in der Auslegung und Durchführung der Verordnungen behalten, um„mit ungetrübtem Blick" diese den besonderen Bedürfnissen und Interessen der Land- Wirtschaft ihrer 5lreise und Bezirke anpassen und den so- genannten historisch gewordenen Verhältnissen der- grund- besitzenden Bevölkerung Rechnung tragen zu können. Daher nur ja keine Vereinheitlichung, keine schcmatische Durchführung der Lebensmittelverordnungen. sondern weitgehendste„fach- gemäße Berücksichtigung" der speziellen örtlichen Umstände. Mit anderen Worten: es soll den Aufsichtsbehörden der länd- lichen Kreise möglichst das Recht gewahrt bleiben, die de- sonderen landwirtschaftlichen Interessen ihres Kreises gegenüber den größeren Städten zu wahren. Vor allem aber fürchten manche ländlichen Großgrundbesitzer, daß endlich das neue Reichslebensmittelamt sich be- wogen fühlen könnte, regelnd in die Produktion einzugreisen, indem es den Anbau bestimmter, mehr dem Luxus als dem eigentlichen Bedarf dienender Produtte einschränkt oder verbietet und dafür eine Ausdehnung des Anbaus anderer notwendiger Produtte anordnet, so daß nicht mehr dem Gutdünken des Einzelnen überlassen bleibt, was er mit seinem Boden machen will. Vielleicht könnte auch gar vie neue Lebensmittelvcrsorgungszcntrale auf den Einfall kommen, es sei endlich an der Zeit, das durch die bisherigen Bundesratsverordnungen Versäumte nachzuholen und bei der Preisregulierung von der landwirtschaftlichen Produktion(auch der Vichproduktwn) auszugehen, I also zunächst für diese in den einzelnen Gegenden die durch ! schnittlichen Produktionskosten und Erzeugungspreise fest zustellen, an die sich dann erst die Festsetzung der Groß- und Kleinhandelspreise auf den Lebensmittclmärttcn anzuschließen hätte. Von einer solchen Untersuchung der Produktionskosten und Festsetzung von Verkaufspreisen fürdie ländlichen Produzenten unter Hinzusügung eines bestinimten Verkaufszwanges oder des Rechtes, der Beschlagnahme ordnungswidrig zurückgehaltener Erzeugnisse durch die Aussührungsbehörden will man jedoch in den Kreisen der Agrarkonservativen nichts wissen. Es soll dem ländlichen Grundbesitz in der Ausnutzung der jetzigen Lebensmittclknappheit freie Hand gelassen werden und in sein Belieben gestellt bleiben, welche Preise er für durch setzbar hält und fordern will. Erst bei dem Weiterverkauf im Zwischenhandel und bei dem Absatz an den Konsumenten mag die Behörde Preisfestsetzungen treffen.— Es ist in dieser Hinsicht recht charakteristisch, daß der im Haushaltsausschuß des Reichstages von den Abgeordneten Kreth, Rösicke und Graf v. Westarp eingebrachte Lebensmittel- versorgungsanttag kein Wort über eine Produktionsregelung und Festsetzung von Erzeugungspreisen sagt, sondern nur be- züglich der Verteilung folgende Forderung stellt: .Zwecks Durchführung der Verteilung und zur Ausschaltung - eines unnötigen und die Nahrungs» und Verbrauchsgegenstände unberechtigt verteuernden Zwischenhandels sind gemäß Beschluß des Reichstages vom 14. Januar 1916(Steno- graphische Berichte 29. Sitzung vom 14. Januar 1916, Seite 615) in den einzelnen Kommunalverbänden die Kleinhändler und ent- sprechende Abiatzorganifalioncn zu einer Kriegsbezugsvereinigung zusammenzuschließen, die unler Aufsicht des Kommunalverbandes Verreilung und Absatz nach Maßgabe der gegebenen Bcstim- mungen und unter Ausschluß jedes übermäßigen Gewinnes herbei- zuführen haben." Dagegen wird empfohlen, daß die jetzige„Dezentrali- sation der Brotgetreidegesellschaft" aufrecht erhalten bleibt, und ebenso die jetzige Organisation der Kar- tofselverteilung, die demnach von den Antragstellern für �echt vortrefflich gehalten werden muß. Ferner soll der im letzten Januar erhöhte Haferpreis nachträglich auch noch den.Grundbesitzern gewährt werden, die schon vor dem Januar ihren Hafer abgeliefert hatten. Außerdem wird gefordert. daß' das Hausschlachtungsverbot aufgehoben wird und die Gemeinden angehalten werden, den Viehhandels- verbänden das Vieh rechtzeittg abzunehmen. Die Vieh- h a n d e ls v e rb än d e wie auch die Viehzüchter selbst dürfen hingegen nicht belästigt werden. Das sind die Wünsche der konservativen Reichstags- stattion. Und auf dieselbe Litanei sind die Auslassungen ihrer Presse gestimmt. So heißt es in der letzten Montags- abendnummer der„Deutschen Tageszeitung"(im Artikel„Die Erbschaft des Staatssekretärs Delbrück"): „Es liegt menschlich nahe, wenn im Augenblick in der Presse vor allem betont wird, daß für eine richtige und ge- rechte Verteilung der vorhandenen Lebensmittel Sorge zu tragen sei. Daß in dieser Richtung mit aller Kraft durchgegriffen werden muß, erscheint auch uns natürlich nicht nur angebracht. sondern selbstverständlich. Unbedingt muß dafür gesorgt werden, Daß nicht Händler oder Ringe von Händ- lern spekulative Zurückhaltung mit Nahrungsmitteln treiben und dadurch nicht nur die gleichmäßige Verteilung, sondern auch eine angcmesiene Preisbildung verhindern dürfen. Gegen Spe- kulanten und Wucherer solcher wie jeder Art muß unnachsichilich vorgegangen werden.... Warnen aber möchten wir doch vor der Anschauung, daß es nur einer Vereinheitlichung aller Maßnahmen unserer Lebensmittelversorgung bedürfe, um eine weil bessere Versorgung der Gesamtheit als bisher zu gewähr- leisten." Also nur Händler und Händlerringe dürfen keine spekulative Zurückhaltung mit Nahrungsmitteln treiben. Von den ländlichen Produzenten kein Wort. Bei ihnen kommt so etwas wohl nie vor? Wenn das neue Reichslebensmittelamt sich von den gleichen Grundsätzen leiten läßt, wird es seinen Zweck ver- fehlt haben. Sicherlich, aus der kapitalistischen Wirtschaft läßt sich nicht im Handumdrehen eine gut funttionierende sozialistische Wirtschaftsorganisation machen. Sie hat nun mal ihre eigenen Gesetze und Schönheiten, und wenn ein Auswuchs gekappt wird, schießt sogleich daneben ein anderer hervor. Für manche Regelung, die sich wenige Monate nach Kriegsbeginn noch mit ziemlicher Leichtigkeit hätte durchführen lassen, ist es zudem heute zu spät. Immerhin läßt sich noch jetzt manches bessern, falls energisch durchgegriffen und nicht das wundersame Rezept der konservativen Reichstagsfraktton dem Arbeitsplan zugrunde gelegt wird— nötig ist nur, daß man mit der Regelung nicht bei den Kleinverkäufern, sondern bei den ländlichen Produzenten einsetzt und Beschlagnahmen nicht scheut. Heinrich Cunow. �Sozialüemokraten� erhofft Irieüens- Verhandlungen. Kopenhagen, 16. Mai.(W. T. B.)„Sozialdemokraten" erklärt in Besprechung der gestrigen Ausführungen Grcys, man erhalte den Eindruck, daß England zu einem Frieden bereit sei, der Belgien, Serbien und Montenegro die Unabhängigkeit wiedergibt und ein internationales Schiedsgericht einführt. Grehs Erklärung und die neue Friedensvcrlündigung, von denen die letzten Wochen soviel gebracht hätten, deuteten nicht wenig darauf hin, daß in diesem Sommer Friedens- Verhandlungen eingeleitet ivürdcn. Auch andere Blätter fassen die Ausführungen Greys als für den Frieden günstig aus. Die Manüsfrage. Kopenhagen, 16. Mai.(W. T. B.) Die Petersburger.5? o w o; e. Wremja" schreibt über die Jnterpellaiion Steffens bezüglich der russischen Befestigung der Alandsiiisein in der schwedischen Ersten Kammer, der Verlrag von 1856 verbiete allerdings Rußland, auf den Alandsinseln Seebeiestigungen anzulegen. Der Vertrag sei aber zwischen Rußland einerseits und England und Frankreich anderer- seits abgeschlossen worden. Schweden habe somit kein Recht zum Einspruch. Stockholm, 16. Mai.(23. T. 35.)(Meldung des Schwedischen Telegrammbureaus. s Der Londoner Vertreter von„Stock- Holms Tidningen" meldet, er habe aus Anfrage vom englischen Auswärtigen Amt s olgcnde Erklärung über die AlandSfrage erhalten: Tic Agitation, die in der letzten Zeit im Zusammenhang mit der AlandSfrage � betrieben worden ist, scheint uns hier von nicht ehrlichem und gewissermaßen unechtem Charakter zu sein. Dies geht aus der Tatsache hervor, daß sich, soweit wir wissen, die schwedische Regierung seit Beginn der Agitation in dieser Frage nicht an die russische Regierung ge> wandt hat. Hätte die schwedüche Regierung dies getan, io sinS wir überzeugt, daß die russische Regierung, die in seder Hinsicht gute Beziehungen zu Schweden wünscht, eine freundschaftliche Aus- sassung den schwedischen Interessen gegenüber darlegen wurde. � Die Zeitung bemerkt zu dieser Erklärung, daß der indirekte Tadel, der darin gegen die schwedische Regierung gerichtet wird, diese sogar für die Agitation mit verantwortlich machen will, die gleichzeitig als nicht ehrlich bezeichnet wird. Eine solche Unter- stellung mutz auf das Bestimmteste zurückgewiesen werden, wie auch jeder Schwede mit Sinn für die Würde seines Landes es sonderbar finden mutz, daß man im englischen Auswärtigen Amt überhaupt meint, man könne sich in dieser Weise darüber aussprechen, welche Anfragen die schwedische Regierung bei einer anderen Regierung gemacht oder nicht gemacht hat. Rußlanü zu den rumänischen Handelsverträgen. Petersburg, 16. Mai.(W. T. B.) Alle Petersburger Zeitungen haben eine Mitteilung aus dem Pressebureau des Ministeriums des Auswärtigen veröffentlicht, in welcher es heißt: Die Handelsverträge Rumäniens mit den Mittelmächten überschreiten, indem sie jenen einen Markt zur Beschaffung notwendigster Naturcrzeugnisse eröffnen, offensichtlich den Rahmen reiner Handelsabmachungen: viel- mehr hat das Abkommen Rumäniens mit Deutschlands und Oesterreich-Ungarn nach Auffassung unserer leitenden Kreise größere politische Bedeutung, obwohl die rumänische Regierung den Verbandsmächten zu versichern sich bemüht, daß der Ab- schluß dieses Abkommens nicht als Zeichen für eine Aenderung der politischen Richtung der rumänischen Regierung angesehen werden darf. Daher haben die Verbandsmächte Schritte für nötig gehalten, um die Umstände, welche zum Abschluß des rumänischen Handelsabkommens zuerst mit Deutschland und dann auch mit Oesterreich-Ungarn geführt haben, genau zu er- fahren. Die serbisch-italiem'schen Deziehungen. Petersburg, 15. Mai.(W. T. B.) Das Preßbureau des Ministeriums des Aeußern verbreitet folgende Mitteilung über das Ergebnis der Verhandlungen PaschitschS tu Peters- bürg: Unsere gutunterrichteten politischen Kreise stellen mit großer Befriedigung die tatsächlichen Ergebnisse der Sendung PaschitschS fest, welcher nacheinander Rom, London, Paris und Petersburg be- sucht hat. Die nationalen Ideale Serbiens, die Bereinigung aller serbischen Länder und Völker und die Angliederung Mazedoniens an Serbien sind, wie wir schon berichtet haben, von allen Entente- mächten ohne Ausnahme mit Zustimmung begrüßt worden. Es gilt als ein gutes Zeichen, daß das bei Beginn des Krieges zwischen Italien und Serbien bestehende Mißtrauen und die gegenseitigen Verdächtigungen jetzt völlig beseitigt sind. Obwohl die künftige Verteilung und Organisation der adriatischen Küste in ihren Einzel- heilen jetzl noch im ungewissen bleiben muß. erwecken die zwischen Italien und Serbien entstandenen freundlichen Beziehungen die volle Zuversicht, daß diese Frage zur Befriedigung beider Parteien gelöst werden wird. Dieser Lage entspricht es, daß der italienische Botschafter Marchese Carlotti Pai'chitsch zu Ehren ein Frühstück gibt, zu dem die Diplomaten der alliierten Länder geladen sind. Der französische Tagesbericht. Paris, 16. Mai.?aas. Auf den Maashöhen hatte ein durch unsere Artillerie vorbereiteter Handstreich vollen Erfolg. Unsere Patrouillen haben die feindlichen Gräben auf einer Front von ungefähr zweihundert Meter gesäubert und Gefangene mitgebracht. Unsere Artillerie hat feindliche Abteilungen beschossen, die aus der Straße Essy— Penncs �südwestlich von Thiaucourt) gc- meldet waren. Belgischer Bericht: Der Artillerielampf hat mit großer Heftigkeit im Laufe des Morgens im Abschnitt von Dixmude wieder begonnen. Eine deutsche Abteilung, die versucht halte, in einem Groben nördlich von LhZ Fuß zu fassen, wurde alsbald zurück- geschlagen. die englische Meldung. London, 13. Mai.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Eomnmnique: Gestern abend und letzte Nacht herrschte an unserer Front zwischen LooS, Dixmuiden und Le Basse-Kanal betiächtliche Tätigkeit. Ter Feind beschoß heftig einen kleinen Teil cmc-Z Laufgrabens östlich von Bethune und es gelang den An- yrcifern, einzudringen, aber nur für wenige Minuten. Wir richteten abends ein heftiges, wirksames Feuer gegen die deutschen Slcllungeii nördlich Hohenzollern, und ließen weiter nördlich, gerade südlich vorn Kanal, 25 DardS vor unseren Laufgräben eine Mine springen und besetzten den Trichter. Wir machten Gefangene und fanden auch einige tote Deutsche aus beiden Seiden der explodierteir Mine. Nordwestlich von Hulluch kein Infantericgefccht. Wir führten mit Erfolg ein Bombardement aus die feindlichen Stellungen gegenüber von Fauguissart aus und brachteir feindliche Mincnwerfer rn der Nähe von St. Elvi zum Schweigen._ der rutsche Kriegsbericht. Petersburg, 16. Mai. sW. T. B.) Amtlicher Bericht. Westfront: Auf der Front der Truppen des' Generals Ewert an mehreren Lrtcn lebhafte Feuertätigkeit der feindlichen Artillerie. Kaukasus front: In Richtung Mamachetum für uns günstige Unternehmungen unserer Aufklärungsabteilungen. In Richtung Diabckr wiesen wir durch Feuer einen Angriff von Kur- den ab. In Richtung Mosul drangen unsere Truppen in die Stadt Rcwardus(135 Kilometer östlich Mosul) ein und erbeuteten Mu- nitionsdcpots. Ter Feind trat überstürzt den Rückzug an und ließ Zufuhr mit Begleitung und Kriegsmaterial zurück. Unsere Ka- vallcric bleibt dem Gegner auf den Fersen. � Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 15. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Im Adamello-Gebiet verbollständigten unsere Alpcntruppen die Besitz- nähme des Kammes westlich vom Fargorida- und vom Larcs- Gletscher und besetzten den Teil zwischen dem Fargorida- und dem Lares-Grat. Außerdem eroberten sie die gegnerische Stellung am TcufclSgrad in 3015 Meter Höhe und machten etwa zwanzig Ge- fangene. Aus dem Ledrotal meldet man weitere Fortschritte bei unserem Vorgehen auf dem Monte Sperone. Nach heftigem Artillerie- scuer auf alle unsere Stellungen im Norden des Tales versuchte der Feind einen Angriff gegen die Eima del Coste, nördlich von Lenzumo, wurde aber sofort zurückgewiesen. Auf der ganzen Front vom Largarina-Tal bis zum oberen Ende des Ässa-Talcs unterhielt die feindliche Artillerie gestern ein lebhaftes Feuer, auf welches unsere Batterien wirksam antworteten. Einige Geschosse großen Kalibers fielen auf Asiago, wo sie geringen Schaden unter der Bevölkerung anrichteten. Gleich heftig war das Feuer an der Jsonzofront vom Monie Nero bis zum Meere; ihin folgten in der Nacht kleine feindliche Angriffe in der Gegend von Plava und San Martiuo auf dem Karst, die jedoch sofort abgeschlagen wurden. C a d o r n a. die türkische tzauptquartiersmelüung. Konstantinopel, IL. Mai.(W. T. 25.) Das Haupt- quartier meidet: Von der Kaukasus- und der Jrakfront keine wichtige Meldung. Einv unserer Wasserflugzeuge überflog in der Nacht des 1?. Mai die Insel Jmbros und warf mit Erfolg Bomben auf zwei große feindliche Schiffe, die in der Bai von Keptelos ankerten. Unser Wasserflugzeug kehrte trotz des Feuers der feindlichen Artillerie unversehrt zurück. Ein feindlicher Monitor, der in eineni Hafen an der Nordwestküste der Insel Keusten von der Westfront. Erlebnisse und Eindrücke. Lehm. Zwei Wochen harter Frost; ein wenig Schnee. Tann ein paar Tage warme Vorfrüblingssonnc. Da schmolz der Schnee, da taute die harte Kruste des Bodens, da wandelte sich die feste Fläche der Straßen in weichen Brei. Und unausgesetzt folgten und begegneten sich, Tag und Nacht, auf diesen Straßen die schweren Munitionskolonnen, die hochbeladenen Last- automobile, die neu aukommcndeir Mörsevbatterien, die Feldküchen und«Sanitätswagen, die feldgrau gewordenen Personenautos, die ehemals als bunte Omnibusse die Berliner Fricdrichstraße entlang ratterten, die Trainkolonuen und die leichteren Fahrzeuge der Herren von den Stäben, die marschierenden Truppen und die langen Züge der Ersatzpferdc. Und immer tiefer ward der weiche Brei aufgewühlt, immer mehr verwandelte er sich in grundlosen, zähen Morast mit hinterlistigen Löchern und bloßgelegten Steinen. Wew vorher gute Straße war, ist jetzt ein tückisches Ungeheuer, das mit taufend Saugarmen feine Leute festzulMlten und um ihre Kraft zu bringen sucht. Soweit das feindliche Feuer, das unausgesetzt herübergrollt, nicht hinreicht oder daö bügelige Gelände dem Gegner die Einsicht verwehrt, sind ständig Kolonnen von Schippern in beschmutzten Röcken, mit wettergehärteten Gesichtern au der Arbeit, die Löcher mit herangeschleppten Steinen zn stopfen, allzu ausgefahrene Wagenspuren auszuebnen, mit Hacken und Spaten die Straße vassierbar zu halten. Aber eS ist ein aussichtsloser Kampf gegen Wetter, natürliche Bodenbeschafsenhcit und Unablässigkeit deS Per» tehrs, der keine Rücksicht nimmt. Immer wieder wühlen die viel- Zentnerschweren Fahrzeuge, die ihre Munition den mordgierigen Schlünden da vorne bringen, die schweren Autos, mit Draht, Schienen und Kisten bepackt, die zurückkommenden Gefährte mit Verwundeten, die Batterien und Kolonnen die kaum geebneten Strecken auf und mehren den lehmigen, zähen Brei, der alles fest- zuhalten sucht, als wolle er es nie mehr fortlassen. Wieder und wieder bleiben die Gefährte stecken. Fauchend und rasselnd mühen sich dann die Autos. Die pferdebespannten schweren Wagen suchen Vorspann. Zitternd, schweißbedeckt stehen die Pferde. bis die Rufe wieder erschallen, die Peitschen knallen; dann straffen Mwig lies Srsw MWMs. Amtlich. Großes Hauptquartier, de» 16. Mai 1916. iW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Kleiuerc Unternehmuugen an verschiedenen Stelle» der Front führten zur Gefangennahme einer Anzahl Eng- länder und Franzosen. Auf dem westlichen Maasnfer wurden mehrere schwächliche Angriffe gegen unsere Stellungen auf Höhe 39-1 durch Artillerie-, Infanterie- und Maschinengewehrseucr blutig abgewiesen. Das gleiche Schicksal hatte ein Angriff/den der Feind nördlich von Vaux-lcs-Palemeix(südwestlich von Eombres) gegen einen vorspringende» Teil unserer Stellung unter» nahm.» Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. O b c r st e Heeresleitung. «* M»reWA MmlMMW. Wien, 16. Mai.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Tie Artilleriekämpse dehnten sich gestern auf die ganze Front aus und steigerte sich vielfach zu großer Heftigkeit. Im Abschnitt der Hochfläche von Dobcrdo drang das bewährte Egerer Landsturmrcgimcnt in die feindlichen Gröben östlich von Monfalcone ein, nahm 5 Offiziere und 159 Mann verschiedener italicnischcr Kavallerieregimenter gefangen und erbeutete ein Maschinengewehr. Unsere vorgestern gewonnene Stellung westlich von San Martina wurde trotz aller Anstrengungen des Gegners, sie zurückzuerobern, behauptet und befestigt. Hier fielen 3 Ossi- ziere, 119 Mann, ein Maschinengewehr und viel sonstiges Kriegs« matcrial in die Hände unserer Truppen. Heute früh warfen Flieger auf Kostanjevice und auf mehrere deutlich gekennzeichnete Sanitätsanstalten Bomben ad, ohne Schoden anzurichten. Im Görzcr Brückenkopf bei Plava und im Tolmciner Abschnitt hielt unsere Artillerie die Deckungen deS Gegners unter kräftigem Feuer. Brrschicdciie Jnfantcricunlernchmungen an dieser Front brachten einen Offizier und 116 Mann als Gc- faiigcnc ein. An der Kärntner Front rutspanorn sich bei guter Sicht gleichfalls lebhafte Gcschützkämpfe und bei bei Pondcbba auch Jnfantcricgefcchte unserer Truppe» mit Bersaglierie- abtcilungen. In den Dolomiten wurden mehrere italienische Angriffe auf unsere Stellungen im Eol di Lana und Tresassi- gebiet abgewiesen. In S ü d t i r o l nahmen unsere Truppen, unterstützt durch überwältigende Artilleriewirkung, die ersten feindlichen Stellungen auf dem Armenterrarücken (südlich vcs Suganer TaleS), auf der Hochfläche von Biclgerruth nördlich deS Tcrragnolotalcs und südlich von Rovreit(Rovcrato). In diesen Kämpfen wurden 65 Offiziere, darunter ein Oberste und über 2599 Mann ge- fangengenommen nnd Mf Maschinengewehre und sieben Geschütze'e rü e jH e t. Ein feindliches Flugzeug wurde abgeschossen. Ter Stellvertreter des EhcfS dcS GencralstabrS von Hocfer, Feldmarschellcutnant. einlaufen wollte, periet in das Ueberraschungsfeuer unserer Artillerie. Ihre Volltreffer ließen den Monitor in Flammen gehüllt und rauchend scheitern. Während der mehrere Stunden andauernden Fcuersbrunst wurden deutlich die Explosionen gehört, die von der in dem Schiffe befindlichen Munition her- rührten. Ein feindliches Flugzeug, das inzwischen erschienen war, warf 6 Bomben auf das Gestade von Onrla, tötete einen Mann und zwei Frauen der Zivilbevölkerung und ver- letzte ein Kind. Türkische Klagen über ruPsche Kriegsgreuel Konstantinopel, 16. Mai.(W. T. B.) Meldung der Telegraphen-Agentur Milli. Nach soeben eingelaufenen a m t- l i ch c n Meldungen ist ein Teil der muselmanischen Bevölkerung, die in den Dörfern des Distrikts Chitak, den die Russen besetzt haben, zurückgeblieben war. durch den sich die Muskeln, die Zunge hängt aus dem Maul; ein Ruck, noch einer. Ho— hü— ho... langsam mahlen die Räder wieder, langsam geht es wieder vorwärts. Oft auch nur, wenn noch ein paar Dutzend starker Menschenarme in die Speichen fassen und hinten schieben. Nicht selten hilft auch das nichts mehr. Alle paar hundert Meter ein festgefahrenes, verlassenes Auto, ein aufgegebener Wagen; meist am Rande der gewölbten Straße, beim Ausweichen gegen ein entgegenkommendes Gefährt zu tief in den Morast geraten. Es sind nicht die einzigen Opfer. Fast ebenso oft liegen neben der Straße tote Gäule, deren Kraft dem Wege , licht gewachsen war. Mit starren Augen, die Bäuche massig heraus- gewölbt, schmutzig von Kot und Schlamm, reifen sie der Verwesung entgegen. Tort hat man eine abgetriebene Mähre, deren Rippen voll- zählig durch das struppige Fell stoßen, ausgespannt nnd an einen Baum gebunden. Hatte man keine Zeit, ihr den Todeöschuß zu geben? Hielt man es nicht für nötig? Ober dachte man, das arme Tier noch wieder abzuholen und vergaß es vielleicht? Die Kniee der Vorderbeine ein wenig gekrümmt, das eine Hinterbein in Ruhe- stellung, blickt es mit unsagbar traurigen?lugcn auf das Leben, das an ihm vorbeiströmt, horcht auf das Rattern und Knarren, Schreien und Stöhnen, das dumpfe Gedröhn der Geschütze. Keiner kümmert sich um das Tier. Wer weiß, wie lange es dort schon so steht, frierend, hungernd, sterbend---- Seit dem frühen Mittag unterwegs, immer auf dieser end- losen, schrecklichen Straße, stapft eine Kompagnie durch die sacht sinkende Dämmerung, langsam der Front zu, um die Nacht in Stellung zu geben. Längst hat sich die feste Ordnung gelöst. In lang auseinander- gezogenem Zuge waten die Leute einher, die einen rechts, die anderen links der Straße. Stellen suchend, die weniger glitschig. lehmig, morastig sind. Viele haben die Straße ganz verlassen und arbeiten sich lieber mühselig jenseits der Gräben durch die weichen Aecker und naßglatten Wiesen. Langsam. langsam geht es vor- wärts, selten nur klingt noch ein Gespräch auf. Um so häufiger ein Stöhne», ein grimmiger Fluch. .Ich bin in Polen, in Nußland, in Galizien gewesen. Schlimmer war es da auch nicht/ sagt einer..Im Gegenteil," de- stätigt ein anderer. .Ich dringe meine Stiefel nickt mit nach vorn," sucht einer etwas wie«inen Witz zu machen. Aber die Nachbarn empfinden es gar nicht als Witz: Bei jedem Schritt zieh! sich der Fuß weit aus dem Stiefel heraus, und hier und dort bückt sich einer, um durch Feind niedergemetzelt worden..Haupisachlicki wurden die Dörfer Erkenis und Hassis angezündet und die Einwohner in den genannten Dörfern, ungefähr 569 Personen, Frauen, Kinder und Greise darunter, lebendig verbrannt. Aue Torpeöierimg öer»Sufsex�. Basel, 13.?5!ai.(?. 11.) Havas meldet aus Madrid: Das spanische Ministeriuni des Aeußcrn erhielt ein Telegramm des spanischen Botsehaftcrs in Berlin, in welchem er eine amtliche Note übermittelt, in der die Kaiserliche Regierung anerkennt auf Grund neuen Tatsachenmaterials und nach Aufklärung bisher zweifelhaft gewesener Punkte, daß die „Sussex" torpediert wurde. Ter Unterseebootkommandant habe sich im Glauben befunden, daß es sich um ein Kriegs- schiff handele. Die Kaiserliche Regierung beklage lebhaft das geschehene Unglück und spreche um so lebhafter ihr Bedauern aus, als sich unter den Opfern auch der Komponist Gra- nados und seine Frau befanden. Deutschland ist geneigt, die Familien der Verunglückten zu entschädigen. Der spanische Minister des Aeußern er- suchte den Botschafter, der deutschen Regierung zu danken. Eine österreichische v-Soot-Note. Wien, 15. Mai.(W.?. B.) Da? Ministerium dcS Aeußern überreickte heme den am Wiener Hofe beglaubigten Vertretungen der verbündeten und neutralen Staaten folgende Note: Das Ministerium des Aeußern war am 22. März in der Lage, bei den am Wiener Hofe beglaubigten Vertretern der ver- bündeten und neutralen Määfte gegen die Torpedierung des Seefpitalichiffes„Elektra* durch ein feindliches Unierfee- boot nachdrücklich Protest zu erheben. Es war dies indessen keines- wegs der erste Fall, daß ein feindliches Unterseeboot in österreichischen Gewässern friedliche Schiffe angriff. Schon am 12. Februar hatte ein Unterseeboot unweit der Punta Planta ohne vorherige Warnung einen Torpedo auf den Dampfer der ungarisch-kroatischen Gesell- schaft D a ni e I E r n ö abgeschossen, welcher der Vernichtung nur durch ein geschicktes Manöver entging. Der Kavitän deS Dampfers hatte laut eidlicher, von zablreichen Zeugen bestätigten Aussage das Periskop des Tauchbootes und die Bahn des Torpedos deutlich ge- sehen. Am 28. Februar lanzierte ein Unterseeboot, ohne daß auch nur das Periskop wahrzunehmen war. gleichfalls in der Nähe der Punta Planka einen Torpedo auf den Dampfer „Zagreb" derselben Gesellschaft. Das Schiff/ vermochte dem Geschoß, dessen Bahn von zahlreichen Personen an Bord be- obachtet wurde, nur durch rasche Wendung auszuweichen. Am 5. April wurde gegen den Dampfer.Daniel Ernö" neuerlich von einem Unterseeboot, auch diesmal ohne Warnung, ein Torpedo lanziert, der dann an der nahen Felslüste explodierte. Die öster» rcichisch-ungarische Regierung hat diese Vorkommnisse, die glücklicher- weise mit einer Schädigung nicht verbunden waren, bis jetzt nicht zur allgemeinen Kenntnis gebracht. Sie hat sich darauf beschränkt. von den am 12. Februar und 28. Februar erfolgten Attentaten auf Lokaldampfer die Regierung der Bereinigten Staaten zu verständigen, welche die sich aus dem Unterseebootkrieg ergebenden Fragen wiederholt zum Gegenstände des Einschreitens be: den Zeplralmächten gemacht hat. Angesichts dieser Häusung der Angriffe feindlicher Unterseeboote auf harmlose und durch die Haager Konventionen besonders ge- schützte Fahrzeuge und bei dem Umstände, daß die feindlichen Staaten nicht, wie die Zentralmächte, gezwungen find, gegen den ruchlosen Plan, ganze Völker auszuhungern, zur Wehr zu setzen, kann die Vernichtung friedlicher Schiffe, welche Me Kriegsziele der' Gegner in keiner Weite zu fördern vermag,. nur auf blinde Zerstörungswut zinückgefiikrt werden. Diese'. Deutung findet nunmehr ihre volle Bestätigung in der jüngst wider den österreichischen Dampfer„Dubrovnik" verüblen barbarischen Tat. Dieses der Navigazione a Valore Ragusa gehörige Schiff wurde am 9. Mai um 19 Uhr 39 Minuten vormittags im Narenta- kanal zwischen San Georgia auf der Insel Lesina und Kap Gomena auf der Halbinsel Sabioncello von einem feindlichen Unterseeboot ohne jede vorherige Warnung durch zwei Torpedolchüsse vernichtet. Der eiste Torpedo traf den Dampfer auf der Steuerbordseite und hatte zur Folge, daß das Schiff rasch zu sinken begann. Alle Personen an Bord eilten in die ins Wasser gelassenen Retkungs- boote. Als diese Boote abzustoßen im Begriffe waren, explodierte ein zweiter Torpedo, welcher aus der gleichen Richtung kam wie der erste, achter Steuerbord unter dem Decksalon. Infolge der Explosion wurde das Steuerbordretiungsboot samt den Insassen in die" Luft geschleudert und ging in Trümmer. Ein zweites Boot fuhr mit 16 Personen gegen Land und nahm unterwegs zwei Schiff- brüchige auf. Tie zur Hilfe herbeigeeilten Barken Hollen noch einige Personen aus dem Wasser. Auf dem Schiffe befanden sich im Augenblicke der Torpedierung außer der Besatzung des Dampfers, die einschließlich des Kapitäns aus 19 Manu bestand, Passagiere in der gleichen Zahl, darunter zwei Priester und mehrere Frauen und Kinder. Drei Leichen ertrunkener Frauen sind bereits geborgen und begraben. Von der Bemannung und den Fahrgästen werden je vier Personen vermißt._ Zerren am Schaft das Schuhzeug wieder richtig mit dem Fuß aus dem Lehm zu bringen. Kurze Rast bei einer Artilleriestellung neben dem Wege. Er- schöpft sinken die ersten auf die Stapel von leeren Geschoßkörben, die neben der Straße aufgeschichtet sind; allmählich kommen die Hinteren heran, erschöpfter noch als die ersten; wenn nicht anders. werfen sie sich auf den feuchten Lehm der blanken Erde. Immer wieder klingt es auf:„Wie weit soll es denn nun noch gehen?" „Tie Hauptsache hätten wir!" meint der Leutnant, der den Transport führt. Der?lbend dunkelt über die Hügel. Jenseits steigen die Sterne der Leuchtraketen. Das Gekrach und Gebrumm der Ge- schütze schwillt auf. „Los, Jungcnö! Es hilft alles nichts!" Langsam hcvt sich einer nach dem anderen wieder auf und stapft weiter. Das Dunkel macht den Weg schlimmer als am Tage. Man sieht die Locher nicht mehr. Und immer häufiger und unan- genehmer wird das Ausweichen vor langen Wagenzügen, die im Schutz der Nacht ihren Weg bis nahe an"die Front suchen. Hier und dort glühen durch die Bäume die Lagerfeuer heraus- gezogener, in Bereitschaft ruhender Truppen oder rühriger Muni- Nonskolonnen. Immer näher kommt das Geballere der Geschütze. Schon hört man das Summen und Fauchen der fliegenden Ge- schösse. Laut gellt immer häufiger der krachende Abschuß schwerer Mörser dazwischen, die in gedeckter Stellung unweit der Straße Aufstellung gefunden haben, von dem eigenartigen zischelnden Flattern gefolgt, das dem fliegenden Geschosse seinen Gruß nach. sendet. Unausgesetzt wetterleuchtet cs im Halbrund am Horizont von den Geschützen der Feinde. Schon schlagen die ersten Granaten heulend in die Täler, durch die sich die Straße windet. Ader kaum einer achtet das groß. Man ist zu müde, z-u abg«. stumpft. Mechanisch setzt sich Fuß vor Fuß. Es scheint, als würde der Brei immer tiefer, der Lehm immer zäher. Da. endlich... längs des Weges aufgefahrene Feldküchen. dutzende und aderdutzende. Herumgedrängt dunkle Gestalten. Ge» dämpfte Rufe, klappernde Kochgeschirre. Geruch von Erbsen und Kaffee.... „Wo kommt Ihr der?"„Welches Regiment?"„Wen sollt Ihr ablösen?"„Ist vielleicht ein August Meher bei Euch, aus Ebers- Walde?" tönt es den vorbeitapfenden hundertfältig entgegen. Zur Antwort nur immer aus trockenen Keblen:„Wie weit ist es denn nun noch!"„Sind wir denn jetzt endlich bald da?" j-) Die Meldung der Tgenzia Stsfanla vom 10. Mai gibt die Tatsache der Versenkung des Schiffes zu, als deren Urheber sie ein den italienischen Seeslreiilräften bcigegebeneS französisches Tauchboot bezeichnet, fügt aber bei, der Dampfer sei ein Transportschiff und mit Kriegsmaterial beladen ge- Wesen. Diese Angabe ist glatt erfunden und dient äugen- scheinlich dem Zwecke, die Versenkung als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Das Schiff, ein kleiner Lokaldampfer von bl Meter Länge und 480 Tonnen Raumgehalt, konnte selbstverständlich weder Truppen noch Kriegsmaterial an Bord haben; ebenso wenig war dies bei irgendeinem der früher genannten Dampfer der Fall. Usbrigcns war die Besatzung des Tauchbootes, das sich der Ge- pffogenheit der feindlichen Unterseeboots entsprechend, während der Tor'pedierung in möglichst weiten Abständen und vollkommen unter Wasser hielt, gar nicht in der Lage, sestzusiellen, welche Perjonen und welche Fracht der Dampfer führte. Stellt sich sonach die tückische Beschießung des kleinen Fahr- zeuges schon an und für sich als ein brutaler, durch nichts zu ent- schuldigender, der Menschlichkeit hohnsprechender Gewaltstreich dar, so konnte das Abfeuern des zweiten Torpedos auf den bereits im Sinken begriffenen, von Rettungsbooten umgebenen Dampfer nur bezwecken, die Rettung der Personen, deren Leben andernfalls hätte bewahrt werden können, zu verhindern. Dieses Vorgehen läßt sich daher nur als vorbedachter Mord bezeichnen. Wenn auch die italienische Regierung in ihrem Kommunique, sicher- lich in vollem Bewußtsein, daß sie der Oeffentlichkeit von einer schmählichen Tat Kunde gibt, besonders hervorhebt, es sei ein fran- zösischeS Kriegsschiff gewesen, welches die Tat vollbrachte, so trifft die Verantworlung dafür auch die italienische Regierung, da das Unterseeboot, um das es sich handelt, im Verbände der italienischen Seestreitkräfte operierte. Die österreichisch-ungarische Regierung legt gegen die angeführten Freveltaten, denen nur jene gleichkommen. deren sich die Entente-Mächte in diesem Krieg bereits schuldig gemacht haben, in schärf st er Weise Verwahrung ein. Sie bittet die Botsckasl(Gesandtschaft) von dem Vorstehenden ihrer Regierung ehesten Mitteilung machen zu wollen. kämpfe Zwischen Deutschen unö Portugiesen. Kapstadt, 1ö. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht aus Lo- renzo Marques(Ostafrika). Tie Deutschen griffen mit zwei Maschinengewehren und 100 Eingeborenen am 8. und 12. d. M. den portugiesischen Posten Rhiha am Rovumeflutz an. Sie wurden zurückgeschlagen. Die Portugiesen hatten einen Toten. Vom übrigen Riongaabschnift wird Gcwehrfeuer gemeldet. Tic Verluste aus beiden Seiten sind gering. Regierungshilfe zur verbilligung von Lebensmitteln in hollemö. Aus Amsterdam schreibt man unS: Die holländische Regierung hat der wachsenden Unzufriedenheit über die Teuerung Rechnung getragen und einen Entwurf eingebracht, der das Ackerbaubudget dieses Jahres um 20 Millionen Gulden erhöht, die als Reichsbeitrag an die Gemeitiden zunr Zwecke der Beschaffung ver- billigter Lebensmittel dienen sollen. In der auch für Deutschland beachtenswerten Begründung weist der Minister auf die wachsenden Schwierigkeiten der Lebensmittelversorgung hin, die sich in verschiedenen Formen zeigen: als Erschwerung der Zufuhr von Kunstdünger und daraus folgende Verminderung der landwirtschaftlichen Er- träge; Erschwerung der Einfuhr von Nahrungsmitteln für Mensch und Tier mit daraus folgender Knappheit und Teuerung auch der tierischen Produkte; Verteuerung von Werkzeugen, Gerätschaften, Lohnstcigerung u. a. mit folgender Verteuerung der Produktion; Verringerung der Kaufkraft der großen Massen durch die Teuerung und infolge der durch den Mangel an Roh- und Hilfsstoffen manchen Industrien drohen- den Betriebsstörung u. a. Die Verbilligung der Volksernährung soll mit Hilfe der Gemeinden geschehen. Mit einem Rundschreiben vom 20. August 1015 hat der Ackerbauministcr eine Umfrage bei den Gemeinden über ihren Bedarf an den wichtigsten Lebensmitteln angestellt. 480 Bürgermeister antworteten da- mals, daß � eine solche Versorgung unnötig sei, 70 hielten sie in mancher Hinsicht für nötig, die übrigen antworteten nicht. Indes haben im Laufe des Winters 310 Gemeinden Gemüse und 603 Hülsenfrüchte bestellt. Der Minister glaubt nun, daß die gemachten Erfahrungen die Gemeindeverwaltungen besser instandsetzen werden, ihren Be- darf voraus festzustellen. Die Verteilung unter die Bevölkerung kann den in der Gesellschaft dafür bestehenden Organen überlassen oder auch den Gemeinden selb st übertragen werden. Der Minister will nicht verhehlen, daß die e r st e r e n ihn in mancher Hinsicht enttäuscht haben. Zweifellos werde eine Verteilung von Gemeinde wegen dem Preis und der Oualität der Waren zugute kommen. Indes meint der Minister, daß die Ausschaltung breiter Schichten des Mittelstands„bedenkliche Folgen" haben könnte. Die Wahl des Weges werde am besten durch die Ge- meinden getroffen werden. Reich und Gemeinde aber würden bei der V e r s o r g u n g der in Betracht kommenden Bevölkerung mit billigen und guten Lebensmitteln am besten zusammenwirken. Soweit bei der zu erwartenden bedeutenden Verminderung von Pflanzen- und tierischen, für menschliche Ernährung dienenden Produkten noch von Ausfuhr die .'l e d e sein könne, könne das Reich durch die genaue Be- Messung des für die Ausfuhr freigelassenen Quantums das 'ur m 8UE. Verfügung bleibende beeinflussen. -Iva» dw B e st i m m u n g der Preise anlangt, so ist der jenen Produkten, deren Erzeugung den Verbrauch über- lnfft und so die Ausfuhr zuläßt, die Sicherung eines niedrigeren Inlandspreises am leichtesten. Indes ist ein be- deutendes Sinken dieser Ausfuhr in der kommenden Zeit und dadurch die Erhöhuitg des Inlandspreises vorauszusehen. Schwieriger ist die Pieisbestimmuilg bei den Produkten, bei denen die Jnlandsproduktion den Bedarf gerade deckt oder hinter ihm zurückbleibt. Der Minister hält die Preisbildung durch das Spiel von Angebot und Nachfrage für die beste, gibt aber zu, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen von der Regel abgewichen werden müsse. Nur dürfe man nicht so weit gehen, daß man weniger als die Produktionskosten bezahle, da dies zur Einschränkung der Produktion führen würde. Was aber die Lebensmittel anlange, deren Produktion dem Bedarf nicht entspreche, müsie noch die Vermehrung der Erzeugung angestrebt werden und für diese sei das beste Mittel, die Produktion lohnender zu machen als die anderer Produkte. Tie Preisbestimmung tür die im lleberfluß und für die zu wenig erzeugten Produkte will der Minister nicht den ge- setzlich vorgesehenen Schätzern, sondern lieber dem Ein- vernehmen mit den Produzentenvereini- g u n g e n anHeim geben, von denen so die gewünschten Pro- duktc freiwillig abgestanden werden sollen. Die Regierung Will zwischen den Gemeinden und diesen Vereinigungen � vermitteln. Für den Minister sieht es fest, daß der Preis über den bisherigen st eigen kann. Da dieser Preis über die Leistungsfähigkeit eines Teiles der Bevölkerung geht, die Leistungsfähigkeit in den verschiedenen Gemeinden aber verschieden ist und der Preis in den verschiedenen Gemeinden und Jahreszeiten wechselt, muß die Gemeinde iu die Versorgung von Lebensmitteln unter demKostenpreis einbezogen werden. Darum muß sie auch einen bedeutenden Einfluß auf die Verteilung, die dafür notwendigen und durch den Konsumenten zu bezahlenden Kosten und die Verhinde- rung von hierbei vorkommenden Mängeln und Mißbräuchen bekommen. Der Minister kommt zu folgendem Schluß. Durch Reich und Gemeinde zusammen wird für die Einwohner sedcr Gemeinde eine von ihr selbst zusammengestellte Quantität Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt. Welche Nahrungsmittel darunter fallen, bestimmt die Gemeinde selbst. Für alle Gemeinden wird die betr. Quantität natürlich durch die im ganzen ver- fügbare Quantität begrenzt. Die Bestimmung des Preises der verschiedenen, den in Betracht kommenden.Einwohnern zur Verfügung gestellten Lebensmittel glaubt der Minister vor- läufig den Gemeinden selb st überlasten zu müssen. Die administrativen Kosten sind durch die Gemeinde zu tragen, im übrigen wird das Reich den Preisunterschied zu drei Vierteln decken. Der Mangel an bestimmten Daten macht es dem Minister nicht möglich, den für das Reich nötigen Betrag auch nur annäherungsweise zu bestimmen. Die Forderung von 20 Millionen soll nur eine Grundlage schaffen. Ueberblickt man den ganzen Plan im Licht seiner Be- gründung, so fällt der Pessimismus, womit die Regierung die Lage betrachtet, ebenso auf wie ihre Sorge, bei den Land- Wirten wie im Mittelstand keine Befürchtungen aufkommen zu lassen. An einer Stelle des Motivenberichts wird aus- gesprochen, daß die ländlichen Unternehmer ermutigt iverden müßten, Grasland in Ackerboden zu verwandeln. Es ist aber klar, daß das nur bei einer bedeutenden Preissteigerung der Feldfrüchte zu erreichen ist. Andererseits sind dazu bedeutende Kapitalien nötig. Nun sind nach einer von der Regierung mitgeteilten Statistik in Holland 90000 kleine Grundbesitzer und 96 000 Kleinpächter; weiter gibt es in der Landwirtschast .58000 mittlere und 2369 Großbetriebe. Wie da eine rasche Redolutionierung der ländlichen Produktion herbeigeführt werden soll, ohne daß der Staat in die Sphäre der Privat- eigentumswirtschaft eingreift, ist nicht recht klar. Was nun die Organisation der Verteilung der billigen Lebensmittel durch die Gemeinden anlangt, so scheinen zwei Umstände hierbei bedenklich. Erstens wird die Initiative den Ge- meinden überlassen und die Erfahrung hat gelehrt, daß das Kleinbürgertum, das in dcu meisten Gcmeindestuben regiert, zu Maßnahmen, die vom üblichen Schlendrian abweichen und die namentlich auch die Profitmachcrei des Zwischenhandels einschränken nicht recht willig ist. Andererseits droht die Ge- fahr, daß die Preistreiberei der Landwirte solche Maße an- nimnit, daß die von der Regierung geleitete Hilfe tatsächlich in Nichts zerrinnt oder vielmehr in die Taschen der Agrarier fließt und die unter der Teuerung leidenden Massen für die Aktion, die ihnen keine billigen Lebensmittel sichert, hinterher noch mit indirekten Steuern aufzukommen haben. Immerhin ist die Vorlage der erste Schritt, womit die Regierung den Forderungen der Arbeiterschast entgegenkommt, die auf der am 6. und 7. d. M. abgehaltenen Teuerungs- konferenz der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, des Niederländischen Fachverbandes und der Konsumgenossen- schaften formuliert worden sind. Eine energische Aktion im Parlament und besonders auch äußerhalb wird dem Kampf für die im Manifest dieser Konferenz geforderten Maßnahmen dienen. Gewijsensskrupel und Dienstpflicht. Rotterdam, 16. Mai.(W. T. B.) Der„Rotterdamsche Courant" meldet aus London, daß bei den Verhandlungen über bas Dien st Pflichtgesetz im Unterbaute die Frage der Gewissensskrupcl gestern neuerlich zur Sprache kam. Der Unionist Banbury hat einen Zusatzantrag eingebracht, daß Männer mit Gewissensskrupeln nur dann befreit werden sollen, wenn sie am 1. Juli 1914 Mitglieder von religiösen Sekten waren, die gegen den Militärdienst sind. Der Arbeiterparteiler Thomas schlug vor, daß man Männer mit Gewiffensskrupeln für irgend- welche Arbeiten im nationalen Dienst verwenden solle, anstatt sie einzustellen. Lord Hngh Cecil glaubt, daß Menschen mit wirklichen Gewissensskrupeln nur eine sehr kleine Gruppe bildeten und daß man von ihnen den Beweis verlangen müsse, daß ihre Be- denken tatsächlich auf moralische und religiöse Gründe zurück- zuführen seien. Die Entscheidung darüber sei von den Gerichtshöfen zu fällen. Kierauf wurde der Antrag Banbury zurückgezogen und Harvey(liberal) beantragte, daß Männer mit Gewissens- skrupeln in der Armee, die sich weigern, Befehlen zu gehorchen, vor ein Kriegsgericht gebracht werden sollen, und daß die Verhcmdlung gegen sie, wenn ihre Vergehen wirklich eine. Fohze von GewissensbedeiÄen waren, einem bürgerlichen Gerichtshose übertragen werden soll, der zu entscheiden habe, ob die Angeklagten im nationalen Dienst zu verwenden oder zu Gefängnisstrafe zu verurteilen seien. Er verlangte, baß der von ihm beantragte Ge- setzeSartikel auf siebzebn Soldaten mit Ge-tviffensskrupeln angewendet werben soll, die bereits nach Frankreich ge- schickt worden seien, denn es sei die Rede davon gewesen, daß sie erschossen werden würden. Der Solitor General George Cave sagte, daß durch eine solche Bestimmung Männern mit Gewissensbcdenkcn eine bevor- zugte Stellung eingeräumt werden würde. Es gehe nicht an, daß man vom Kommandanten im Felde verlange, daß er die Beweggründe von Soldaten, die ungehorsam seien, genau unter- suche. Alle Soldaten müßten gleich behandelt werden. � Hierauf folgte eine Szene, die von der„Daily News folgen- dermaßen geschildert wird: Als es klar war, daß das Leben der siebenzehn Mann init Gewisscnsbedenken so gut wie verwirkt sei. sprang der Arbeiterparteiler Snowden auf und fragte m erregtem Tone: W erden d i e jungen Leuteerfwossen werden ocr nicht? Die Minister Long und Cave fchwiegen. Es war ein Stillschweigen, das einer Bejahung gleichkam. Hier- auf rief Snowden mit drohender Stimme: Laßt nur den ersten Swuß losqchcn. Cave erhob sich nun ebenfalls und sagte, daß Soldaten an der Front erschossen werden können, wenn sie f,ch der Desertion oder der Feigheit vor dem Feinde ichuldlg machen. Vor dem Feinde bedeutet im ersten Laufgraben. Diese Manner mit Gewi ssensskurpcln seien jedoch mit Arbeiten nsw. bqchaftigt worden. Die Regierung habe das Versprechen, das sie dem Hause gegeben babe, auf den Buchstaben genau eingehalten. Sodann wurde der Antrag Harvey mit 151 gegen 52 Stimmen abgelehnt. Der �ochverratsprozeß gegen Casement. London, 15. Mai.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Sir Roger Casement erschien heute unter der Anklage wegen Hochverrats vor dem Polizeigerichts- hos in Boowstrect. Ein Soldat namens Bailh, der gestern in Wandsworth, einem Vorort von London, verhaftet wurde und unter derselben Anklage steht, teilte mit ihm die Anklage-! 1 Bank. Casement war Blaß und aBgemagert. Ein großer Teil des kleinen Verhandlungssaales war von Journalisten besetzt. Für die Vertreter der neutralen Presse waren besondere Sitze reserviert. Der Generalanwali eröffnete das Verfahren mit einer Schilderung von Casement» Laufbahn im Konsulardienst. Der Ruf nach englischen Irachthöchstpreisen. Paris, 16. Mai.(W. T. B.) Im„Journal" bespricht Georges Prede die Kohlenkrise an der Hand statistischer Aufstellungen, aus denen hervorgehoben werden mag, daß die Tomie Kohlen av Cardiff nach Havre, die im Frieden 43 Fr. kostete, auf 140 Fr. ge- stiegen sei. Nachdem er betont hat, daß von der gegenwärtigen Hausse Frankreich nicht den geringsten Vorteil habe, schließt er mit folgenden Worten: Frankreich führt heute wie früher 20 Millio- neu Tonnen Kohle ein, wofür die Schifssreeder im Frieden 100 Millionen Frank Transportkosten erhielten. Heute st reichen sie 1 Milliarde 340 Millionen eilt. Da mutz es für das Reckt, sich zu bereichern, Grenzen geben, da so viele andere nur das Recht haben, sich totschießen zu lassen. England, das allein den kostbaren Brennstoff besitzt, ohne den die Transport- dampfer nicht verkehren können, mutz ihn für diejenigen reservieren, welche diese Schiffe benutzen, und ihn denen verweigern, die Miß- brauch damit treiben. England ist es, das die Kohlenkrise in Frankreich lösen mutz, indem es F r a ch t h ü ch st p r e i s e einführt und die Kohle denjenigen neutralen Reedern verweigert, die sich den Höchstpreisen nicht unterwerfen wollen. Italienische Arbeiter in Frankreich. Rom, 7. Mai.(Eiq. Bericht.) Der reformistische Abgeordnete Angiolo C a b r i n i schreibt im„Messaggero" über die Stellungnahme der sogenannten interproletarischen Konferenz, die dieser Tage in Paris getagt hat, zur Frage der Einführung ito- lienischer und belgischer Arbeiter in Frankreich. An der Konferenz haben die Vertreter der Zentralorganisationen der italienischen. belgischen, französischen und englischen Gewerkschaftsbeivegung teil- genommen. Bon französischer Seite wurde die Notwendigkeit an- erkannt, in immer ausgedehnterem Umfange auswärtige Arbeiterin das Land zu ziehen. Das französische Proletariat fordert aber, daß ge- naue und umfassende Ausnahmen des Bedarfs an Arbeitskräften in den einzelnenJndustrien und Provinzen gemacht werden, um zu verhüten, daß die Einwanderung den Unternehmern zum Mittel diene, die Löhne zu drücken. Andererseits muß sowohl das italienische als das belgische Proletariat danach streben, im eigenen Lande einen mög- lich'st großen Teil der Arbeitskräfte verwendet zu sehen und nach Frankreich nur soviel zu senden, als mit dem Interesse der sranzö- fischen Gewerkschaftsbewegung vereinbar ist. Es ist begreiflich, daß sich ein derartiges Gleichgewicht nicht bloß durch den guten Willen auf beiden Seiten erreicyen läßt. Es ist eine umfassende statistische Vorbereitung nötig, für die, Cabrini zufolge, die Mitwirkung des Staates unerläßlich ist. Vor dem Kriege sei es, bei der syndika- listischen Tendenz der französischen Gewerkschafisbelvegung. un- möglich gewesen, ein entsprechendes Uebcreinlommcn mit den Franzosen zu erzielen, die von Eingreifen des Staates nichts wissen wollten. Durch den Krieg sei aber auch das organisierte iranzösische Pro- letariat von der Notwendigkeit der Slaatshilfe überzeugt worden. Der Zentralrat der Confoderation Generale du Travail hat dieser Tage beschlossen, von der Regierung die Einrichtung eines Aus- Wanderung» komm issariats nach dem Borbild des italienischen zu fordern, mit paritätischer Vertretung der Organisattonen der Arbeit und des Kapitals. Dieses Kommissariat, da» sich mit der Ein- Wanderung zu beschäftigen hätte, soll das Arbeitsbedürsnis feststellen und dann die Löhne und die Arbeitszeit festsetzen. Auch die An- Werbung sollte von ihm ausgehen, wobei ihm die italienische Gesetzgebung zum Schutze der Auswanderer entgegenkommen würde. Von italienischer Seite wurde die Gleichstellung der eingewanderten Arbeiter mit den einheimischen ver- langt, Aufnahme in die Gewerkschaften. Wählbarkeit in die Ge- werbegerichte usw. Diese Forderung hat die französische Kon- fvderalion noch durch den Zusatz erweitert, daß in Streiksällen die Ausweisung der Ausländer verboten sein soll. Cabrini betont, daß zwischen Frankreich und Italien mehr als ein Vertrag über die Ar- beitsversicherung ein solcher über die Auswanderung und Ein- Wanderung not tue, der nicht von der Auffassung ausgehen darf, daß es eine Wohltätigkeit sei, italienischen Arbeitern Arbeit zu geben, sondern eine gesunde Grundlage für einen Austausch im beider- seitigen Interesse schaffen soll. Er weist auch auf die Gefahr der privaten AuswanderungSagenten hin, die im Dienste der Ausbeuter stehen. Clementel über vorbeüingung öes ßrieöens. Sern, 16. Mai.(W. T. B.) In einer U n t c rr edung m i t einem Mitarbeiter des„Corriere della Sera" er- klärte der französische Minister Clementcl, im Grunde genommen sei Deutschland gewillt, heute den Angriff einzustellen, um die Wiederaufnahme des Wirtschaftskrieges zu organisieren. Selbstverständlich sei Deutschland, das sein Heer in gleicher Stärke wie früher und alle militärischen OrganisationSmöglichkeiicn bei- behalte, immer bereit, den Angriff bei gelegener Zeit unter Aus- imtzmtg der jetzigen Erfahrungen zu erneuern. Der Wirt- schaftskampf bereite also das Feld für einen künftigen militärischen Angriff vor, wie es auch vor August 1914 geschehen sei. Dagegen müsse sich der Viervcrband, solange es Zeit sei, schützen, d. h. während der Dauer de» Krieges, solange es in der Macht des Vierverbandes sei, den Krieg fort- zusetzen. Deutschland sei und dürfe nicht Herr über Krieg und Frieden sein. Deutschland habe den Krieg ge- wollt, als andere ihn nicht wollten, heute, da Deutschland ihn nicht mehr wünsche, wohl aber die Alliierten, müsse es ihn erdulden. Die vollständige Erschöpfung der deutschen An- griffskrask sei eine Vorbedingung für daS Auf- hören des Krieges, was bis heute nicht der Fall sei, und so- lange dies nicht eingetreten sei, täten die Alliierten wohl daran, sich militärisch und wirtschaftlich für die Gegenwart und Zukunft zu organisieren. Die Unruhen bei üer nieöerlänöisch- inüischen Kriegsmarine. Haag, 16. Mai.(W. T. B.) Amtlich. Nach Berichten von dem Kommandanten der Seestreitkräfte in Niederländisch-Jndien ist es am 7. d. Mts. in Socrabaja anläßlich einer unerlaubten Kund- gebung von Matrosen gegen das Militärspital und später auf dem Panzerschiff„De Zeven Provincicn" zu Unruhen gekommen. Der Kommandant hatte sich mit dem Dampfer„Aldebaran" nach Soerabaja begeben und ist bereits wieder mit demselben Schiff nach Tandjoeng zurückgekehrt. Ein Amsterdamer Blatt meldet dazu, daß vierzig Fahnen- flüchtige mit dem Dampfer„Rindjant" nach Holland zurückgc. schickt wurden. Die Behörden in Indien haben Briefe erhalten, in denen gedroht wurde, das Hospital in Socrabaja in Brand zu stecken. Das Hospital wird von den Truppen streng bewacht. Letzte Nachrichten. Beschlagnahme holländischer Post. Haag, 16. Mai.(W. T. B.) Die Post des Dampfers„Rondo", von Amsterdam nach Batavia, mußt- in England ausgeschifft werden. Hewerkfchastiiches. ReichsmNe! für öie MbsZts.losen öer Sizßrvarenmöuftrie. DurÄ Bundesratsverordnung vom 16. Dezember 1915 wurde der Süßwarenindustrie nur noch die Hälfte des früheren Zuckervcrbrauchs zugestanden, und da obendrein die Zufuhr von Rohkakao flockte, so brach für die Tausende der Arbeiter und Arbeiterinnen dieses Fabrikationszweiges eine schlimme Zeit an. Vor deur Äriege bestanden über 866 Be- triebe dieser Art, die 50666 bis 60666 Personen— zu Zwei- drittel weibliche— beschäfüaten. Viele größere Betriebe haben ihren Sitz in kleineu Gemeinden. Die Hauptsitze dieser Industrie sind Dresden, Berlin. Magdeburg. Köln und Her- ford. Diese Gemeinden werden durch die große Arbeits- losigkeit stark belastet. Die Arbeitslosigkeit von Tausenden dieser Leute— viele Betriebe sind ganz oder abtcilungsweise geschlossen, andere arbeiten nur tageweise oder mit der- kürztcr Stundenzahl— rechtsertigt das Verlangen nachs einer besonderen Unterstützung. Die Organi- sation, der Zentralverband der Bäcker und Kon- ditoren, hat deshalb au Bundesrat und Reichstag eine Eingabe gerichtet und darin ersucht, Mittel zu bewilligen, da- mit die Gemeinden und Gemeindeverbände durch erhöhte Zuschüsse in die Lage kommen, eine solche Unterstützung leisten zu können. Die in dieser Industrie Beschäftigten wurden schon ünmer schlecht entlohnt. Die Organisation hat nur langsam die Verhältnisse bessern können, weil, wie erwähnt, ein so großer Prozentsatz weiblicher und jugendlicher Personen beschäftigt werden. So betrug der Durchschnittslohn sür erwachsene Arbeiter vor dem Kriege 22 M. wöchentlich, für erwachsene Arbeiterinnen 11,46 M. Und diese sätze wurden erst nach teilweise großen Kämpfen erzielt. Unter diesen Umständen ist die jetzige Lage der Arbeitslosen natürlich eine sehr schlimme, und weil sie auch in anderen Industrien kaum unterzubringen sind, wäre nur zu wünschen, daß Reichstag und Bundesrat dem gestellten Verlangen recht bald entgegenkommen. verlin unö Umgezenü. Entscheidungen des Kriegsansschnffes für die Metallbetriebe. Der Hofarbeiter K., der in einem der Spandauer Staats- betriebe beschäftigt ist, will bei der Arbeitsannahme nicht gehört haben, daß ihm mitgeteilt wurde, was es Lohn gibt. Als er späler hörte, wie hoch der Lohn sei. war er damit nichl zufrieden und wünschte seinen Kriegsschein. Nach einigen Bemerkungen erklärte der Vertreter des Betriebes, dem Arbeiter K. den Schein auszustellen. Ter Schlosser S. bei der Firma S. will aufhören und den Kriegsschein, weil er nicht genug verdient. Auch patzt es ihm nicht, datz'das Kolonnensystem, das in diesem Betriebe herrscht, nicht so geregelt ist, datz jeder einzelne Arbeiter kontrollieren kann, ob ihm auch' der ihm zustehende Verdienst wird. Durch die Auseinander- setzung wird festgestellt, datz der Arbeiter mit seiner Beschwerde im Recht ist, und erhält derselbe den Schein. Der Firma wird empfohlen, den vorgebrachten Beschwerden über das Kolonnensystem Rechnung zu tragen, da sonst auch andere Arbeiter mit derselben Berechtigung den Schein bekommen mutzten. Der Dreher O. bei der Firma C. will aufhören, nachdem er vor kurzem ausgelernt hat. Sein Verdienst beträgt 80 Pf. O. ist 17 Jahre alt. Vr wünscht Zulagen von 14 Tagen zu 14 Tagen um je Lstz Pf., bis er 1 M. Lohn erreicht bat. Da O. der einzige Dreher im Betrieb ist. also alle Dreberarbeilen machen mutz, wird dieses Verlangen als berechtigt anerkannt, und die Firma verpflichtet sich, io zu verfahren. Damit war die Sache erledigt. Bei der Firma M.. C. u. Co. erhält der Schlosier 25.. der 18 Jabre alt ist, einen Lohn von 80 Pf. pro Stunde. W will einen höheren Lohn haben. Rät Rücksichl daraus jedoch, datz W. erst vier Tage dort beschäftigt ist und im Gesamtbetriebe der Lohn sür Schlosser nur wenig höher ist, wird die Ausstellung eines Kriegs« schcins abgelehnt, da nach Meinung des KriegsauSicdusses hier eine allgemeine Aufbesserung norwendig ist. denn sonst würden die Schlosier alle einzeln kommen und mit derselben Berechtigung wie 2L. ihren Schein fordern. Bei der Firma I. hat der Scbmied Scki. gearbeitet und aus- gehört, weil ihm die Firma einen Vorschutz, den er sür seine Mietezahlung brauchte, nicht geben wollte, obgleich er einen LLocken- lohn zur Verrechnung stehen halle. Als der Schmied von der Be- schwerdestelle wieder zur Arbeit bis zur Erledigung seiner Angelegen- heit bor dem Kriegsnussciiutz zurückgeschickt wurde, bat man ihm seitens der Firma eine Arbeit gegeben, bei der er 10 Pf. weniger ver- dienle als vorher. Der Kriegeausschlitz stellt sich auf den Stand« punkt, datz man rn der Situation,>n der sich der Schmied befand. ihm wohl hätte einen Borichutz geben können, und der Vertreter der Firma verspricht auch, sich hierüber mit dem Schmied zu ver- sländigeu. Als durchaus unzulä'sig bezeichnet es der Kriegsoussckutz, datz die Firma nach der Rückkehr von der Beschwerdestelle dem Schmied 10 Pf. weniger Verdienst zukommen lietz. Es wird der Firma anfgsgebei!, das sofort zu korrigieren, denn die Einreichung einer Beichiverdc darf nichl dazu führen, datz dem Slrbeiter ein niedrigerer Verdienst wird. Tie Firma sagt die korrclte Erledigung dieser Ängelegeuheil zu, und war damit die Ausstellung eines Kriegs- scheins überflüssig. Der Werkzeugmacher K. von derselben Firma hat einen Stunden- verdienst von 80 Pf. Tie Firma ist der Meinung, datz, da es sich um einen sehr jungen Arbeiter handelt, dies genug isi. Es wird der Firma empfohlen, dem Manu zunächst sofort 1ö Pf. pro Stunde nwhr zu zahlen, und— falls die Firma das nicht glaubt tun zu können— dem Arbeiter den Kriegsschein auszustellen. Der Dreher Sch. ist bei der Firma K. beschäiligt und hat einen Lohn von pro Stunde 1 M. Das Verlangen nach mehr Lohn oder Kricgslchein wird als berechtigt mierkannl und erfolgt eine Ver- ständigung auf der Grundlage, datz der Lohn sofort um 10 Pf. erhöh: wird und in längstens 3 Wochen um weitere 10 Pf. Sollte die Firma aus irgend einein Grunde diesen Lohn nicht zahlen können, siebt nach Meinung des Kriegsausschusscs dem Dreher der Kriegsschein zu. Der Werkzeugmacher D. von der Firma Sch. erklärt, datz ihm der Kriegsschein vorenrhalten wird, obgleich er vom Betriebsleiter entlassen' ist. Der Vertreter der Betriebsleitung bestreitet, datz eine glatte Entlassung vorliege. Im Verlause der weiteren Aussprache eriolgt eine Verständigung dahin, datz die Firma dem Werkzeugmacher den Kriegsschem ausstellt. Tarife und Teu-rungszulagen im Buchbindereigewerbe. Eine sehr stark besuchte, vom Buchbinderverband einberufene Mitgliederversammlung der in Buchbindereien, Buchdruckereien und GeschäfiSbuchfabriken bcschästigten Personen nahm am Montag die Berichte entgegen über das Resultat der Verhandlungen betreffend den„Dreistädtetarif"(Berlin, Leipzig, Stuttgart», und über das Resultat der Verhandlungen zu dem Tarif zwiscdei, der Berliner Filiale des Buchbinderverbandes und dem Verein Berliner Buch- drucrereibesitzer. R ü g e r erstaltete die Berichte. Nach seinen Dar- legungen war in den'Verhandlungen mit den Prinzipalen trotz aller Versuche, ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen, nicht mehr zu erreichen, als schließlich vereinbart wurde. Was zunächst den sogenannten Dreistädtetarif angeht, der die Städte B e r li n, Leipzig und Stuttgart betrifft, so handelt es sich dabei um eine Abmachung zwischen dem Verband deutscher Buchbindereibe sitzer und dem Deutschen Buch- binderverband.__' Verantw. Redakt.: Mrcd Wielevv. NeMLn. JnstäZtenteil verantw. In Bezug auf diesen Tarif wurde nun in Leipzig am 8. Mai folgendes vereinbart: „Die Kündigung des Tarifs wird aufgehoben. Der Tarif- vertrag wird bis zum Friedensschlutz, mindestens aber um ein Jahr, ab 1. Juli 1916, verlängert. An Teuerungszulagen werden gewährt, mit der Wirkung ab 1. April 1916: Männliche� Personen erhalten bei einem Stundenlohn bis zu 53 Ps. pro Stunde 3 Pf., bei einem Lohn von 54 bis 60 Pf. pro Stunde 6 Ps.. bei einem Lohn von 61 bis 65 Pf. pro Stunde 5 Ps.. bei 66 bis 70 Ps. pro Stunde 3 Pf., bei 71 bis 75 Ps. pro Stunde 2 Pf.— Ungelernte Arbeiterinnen erhalten keine Teuerungszulage. Andere Arbeite- rinnen erhallen bei Stundenlöhnen von 29 bis 35 Ps. pro Stunde 3 Pf. bei solchen von 36 bis 38 Pf. pro Stunde 2 Pf., bei 39 und 40 Ps. pro Stunde 1 Pf. Die seit dem 1. Dezember 1915 freiwillig gewährten Kriegs- Zulagen oder Lohnerhöhungen sind bei Berechnung der Teuerungszulagen in Anrechnung zu bringen.— Autzer den zu- gebilligten Siundenzulagen ist noch folgendes vereinbarr worden. mit Geltung vom Tage der Vereinbarung ab: Für alle Kinder unter 14 Jahren wird eine besondere Kinderzulnge von 2 M. monatlich gezahlt, ungeachtet der sonstigen Lohnhöhe. Akkordarbeiler, die nach ihrer in der Woche geleisteten Arbeits» zeit nicht wehr wie 65 Pf. in der Siunde verdient haben, er- halten eine Kriegszulage von 5 Pf. pro Stunde. Die Unter- stützungen für Akkordarbeiler werden monatlich gezahlt. Bei Kündigung seitens der Prinzipale werden sie anteilig verrechnet.— Für Handfalzarbeiten werden auf die bestehenden Akkordsätze 19 Proz. Teuerungszulage gewährt, die wöbentlich verrecimet werden. Die Einkommensiätze mit der Teuerungszulage dürfen küiiftigen Tarisverhandlungen nicht als Basis zugrunde gelegt werden. Für alle Meinungsverschiedenheiten können die zuständigen Tarifschiedsgerichle angerufen werden." Die in Berlin zwischen der B e r l i n e r Filiale des Buch- binderverbands und dem Berein Berliner Buchdruckerei- b e s i tz e r vor einigen Tagen getroffene Vereiubarung besagt zu- nächst, datz der zwischen diesen beiden Kontrahenten bestehende Tarif- verlrag, einschließlich der Vereinbarung mit den Geschäftsbücher« fabriken, bis zum Friedensschlutz, mindestens aber bis zum 31. De- zember 1917. unverändert verlängert werde. Aus diesem Grunde werden folgende monatliche Teuerungszulagen vereinbart: „Es erhalten Gehilfsn: verheiratete 10 M. und ledige 8 M. bei einem Wochenlohn bis 1 M. über dem Minimum; verheiratete 8 M. und ledige 6 Dt bei einem Wochenlohn von 1 bis 3 M. über dem Minimum; verheiratete 6 M. und ledige 4 M. bei einem Wochenlohn von 3 bis 5 M. über dem Minimum; verheiratete 5 M. und ledige 3 M. bei einem Wochenlohn von 5 bis 7 M. über dem Minimum; ver- heiratete 4 M. und ledige 2 M. bei einem Wochenlohn von 7 bis S M. über dem Minimum.— Akkordarbeiter, die im Monatsdurchschnitt der geleisteten Arbeitszeit nicht mehr als 70 Pf. pro Stunde verdient haben, erhalten denjenigen Teuerungszuschlag, der sich sür die betreffende Klasse der Lohnarbeiter versteht.— Arbeiterinnen im Wochenlohn, die über 20 Jahre alt find, erhalten 6 RA monatlich, und die unter 20 Jahre all find, 4M.— Aikordarbeilerinnen, die im Monatsdurchschnitt nicht mehr als den tarifmätzigen Minimallohn der entsprechenden Lohn- klaffe verdient haben. erhalten den obigen Zuschlag gleichjalls. Bei Handfalzarbelten im Akkord werden zehn Prozent auf die tariflichen Akkordlöhne gezahlt. Autzer- dem wird für alle Kinder unter 14 Jahren eine Kinderzulage von monatlich je 2 Mark cm Verheiratete und Ledige gezahlt, un- geachtet der Lohnhöhe und Beschäftigungsart. Die seit dem 1. April 1916 freiwillig gewährten Kriegszulagen oder Lohnerhöhungen können bei Berechnung der Teuerungszulagen in Ilnrecvnung ge- bracht werden. Wo bereirs höhere, als die obigen Tcuerungs- zulagen gezahlt sind, dürfen diese infolge der jetzigen Vereinbarung nicht gekürzt werden.— Die Teuerungszulagen gellen milWstkung vom 1. April dieses Jahres und sind stets in der ersten Woche des nächsten Monats zahlbar. jür den April baldlunkichst. Der Aufschlag für Handfalzarbeiten wird wöchentlich berechnet. Bei Neueinstellungen und Aushilfen sind die Teuerungszulagen gleichfalls zu zahlen. Wer auf eigenen Wunsch innerhalb des Monats aus der Stellung austritt, hat keinen Anspruch auf Teilbeträge an den Teuerungszulagen. Wer entlassen, zum Militär eingezogen oder krank wird, erhält den be- treffenden Teilbetrag. Die Emkemmenssätze mit den Teuerungs- zulagen dürfen künftigen Tarisverhandlungen nichl als Basis zu- gründe gelegt werden. lieber alle Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Teuerungszulagen cnricheidet eine beiderseitige Kornnriision von je 3 Mitgliedern. Die Kommission soll auch bei Friedensschluß entscheiden, ob und in welchem llmtange obige Vereinbarung nach Friedensschlutz bis Ablauf des Tarifs in Kraft bleiben soll." In der folgenden Diskuffion trat die Unzufriedenheit mit der Geringfügigkett der Zugeständnisse zutage. Es wurde dann folgende Resolution angenommen: „Die Veriammlung hat den Bericht über das Ergebnis der Verhandlungen mit den Buchbinderei- und Buchdruckcreibesitzern zur Kenntnis genommen. Wenn die Versammlung auch trotz der enormen Teuerung nichl eine nur einigeimatzcn besriedigende Erhöbung der Löhne erwartet hat. so ist doch die getroffene' Ver- einbarung für alle Berliner Kollegen und Kolleginnen eine arge Enttäuschung. ES wird erwartet, datz die Kollegenschaft in allen Betrieben mit den zulässigen Mitteln versucht, höhere, als die gewährten Zulagen zu erreichen, um einen gerechten Ausgleich herbeizuführen" Ueber die Wirkung, welche die zugebilligten Teuerungszulagen haben, wird eine Statistik aufgenommen werden. Die Bäckermeister wittern Morgenluft! In Berlin scheinen sich rech: bedenkliche Zustände im Bäcker- gewerbe herausbilden zu wollen. Bei der langen Dauer des Krieges ist es nur zu erklärlich, datz fast alle Eingezogenen bestrebt sind, nach Home zurückgekehrt in ihr altes Zivilverhälmis zu kommen. Auch sind die„nur Garniiondienstsähigen", deren Neklamation nichl so große Schwiergkeiten olS die der.Felddienstfähigen" macht, bc- strebt, zur Arbeit beurlaubt zu werden. Können sie doch auf diese Weise bei der ungeheueren Teuerung durch ihre Arbeit, wenn auch sehr kümmerlich, ihre Familie durchbiingen. Aber dieie Beurlaubung hat auch ihre Schattenseiten, wie folgender Vorgang beweift: Ein„nur garnisondienstfähiger" Bäcker war zur Arbeit in die Bäckerei von..... Straße beurlaubt worden. Nun aber sollte er mit dem dort noch bestehenden Kost- und Logiszwang zufrieden sein, obgleich er verheiraiel ist und schon seit vielen Jabren für Kost und Logis selbst sorgt. Der Lodn— 28 M.— war für diejenigen, die mit dem Kost- und Logisshsiem zufrieden sind, den Umständen ent- sprechend nicht das kleinste Uebel. Für einen Familienvater jedoch, der autzer für sich selbst auch sür Frau und Kinder zu sorgen hat, ist es geradezu unmöglich, mit 28 M. Wochenvcrdienst feine Familie zu ernähren, während überdies seine Kollegen in anderen gleich- artigen Stellen und Belrieben das Doppelte und mehr verdienen. Auch die in geradezu erschreckender Weise znnebmende Arbeits- losigkeit wird schon von spekulativen Bäckermeistern auszunutzen gemcht. So wurde der Organisation ein Fall gemeldet, datz ein Bäcker mit 40 M. Wochenlohn eingestellt wurde. Bei der nächsten Lohnzahlung wurde jedoch dem beireffenden vom Arbeitgeber erklärt. daß es in Zukunft nur noch 35 M. Wochenlohn gäbe! Im Hinblick auf die herrschende Arbeitslosigkeit gab sich der betreffende, wenn auch mit dem äußersten Widerstreben, zufrieden. Aber bei der nächsten Lohnzahlung wurde das Manöver wiederholt. Wieder wurden 5 M. vom Lohn abgezogen, so datz von den 40 M. jetzt noch 30 M. übrig blieben. Die Organisation der Bäcker will zunächst von einer öffentlichen Kennzeichnung der fraglichen Meister abseben, hoffi auch, datz solche Maximen von Bäckermeistern vereinzelt bleiben werden. Aber die 'ThTGlöcke. Berlm. Druck u. Verlag: Vorwärls Bucher. u. Verlagsanilal,! Bäckereiarbeiter glauben, datz es Pflicht der Innung wäre, dieses Treiben öffentlich zu verurteilen. Sollten dennoch solche Fälle in der Zukunft sich wiederholen, dann wird die Organisation der Bäcker mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dagegen einschreiten. veutscdes fteich. Die Reichskonfercuz des Deutschen Bauarbeiterverbaudes, die in Hamburg tagte, und über deren Stellungnahme zum Rcichstaris für das Baugewerbe wir in der gestrigen Nummer bereits tele« graphisch berichteten, beschloß außerdem gegen wenige Stimmen, sür Arbeitseinstellungen, die etwa zur Durchführung der Vorschläge notwendig würden, die Streikunterstützung um 3 M. pro Woche zu erhöhen. Danach berichtete Odenthal über die Verhandlungen im Stukkatenrgewerbe. Mit dem süddeutschen Unternehmer- verband find dieselben Teuerungszulagen vereinbart worden, wie sie d>e Borschläge für das Hochbaugewcrbe bringen. Für Westdeutsch« land gehen die Verhandlungen noch weiter. Die weiteren Beratungen betreffen interne Angelegenheiten und entbehren des öffentlichen JmercsseZ. Ms?nöustrie unö kanöel. Euglrsch-italieuische Handelsfragcn. (Eig. Ber.) Die stets wachsende Liste der Waren, deren Einfuhr in Grotzbrnannien verbolcn ist, erweckt eine gewisse Beuiirubigung in den Kreisen der auf den Export angewiesenen ilaiienitchen Industriellen. In der leyren Liste finden sich auch zwei Artikel, die aus Italien in erheblichem Umfange ausgeführt wurden, nämlich konservierte pflanzliche Erzeugnisse irgendwelcher Art und PneumaK für Automobile. Als Grund gibt die englische Regierung die Not« wcndigleit an, die Inanspruchnahme der Schiffe durch überflüssige Waren zu verhüten. Dagegen macht nun der„Corriere della Sera" geltend, datz das für Italien nicht in Frage kommen kann, da England nach Italien das Zehnfache an Ge« wicht ausführt von dem, was Italien nach England exportiert. Das bedeutet also, daß die Schiffe zum großen Teil leer zurückkommen. Italien hatte natürlich Interesse daran, sich den englischen Markt nach Möglichkeit offen zu erhalten, um das Defizit seiner Handelsbilanz zu vermindern und den Wechsel auf England zu verbessern, der heute mit 30,08 Lire für ein Pfd. Sterl. immer noch recht hoch ist. 4 Pfd. Sterl., deren Nominalwerl 100 Lire beträgt, kosten bei diesem Wechsel 120.32 Lire, fast ebenso viel wie 100 Frank Schweizer Währung(Papier», die heule auf 121,25 stehen, weil mehr als Gold, das 117 Lire bezahlt wird, und als französisches Papier, dessen Kurs 106.45 ist. Die Turiner„Stampa" hebt hervor, datz die französische Regierung zu einer Abmachung mit der englischen gekommen ist. der« zufolge englische Kohle in Frankreich 62 Frank pro Tonne kostet, während dieselbe Gewichtseinheit heute in Italien mit 220— 240 Lire bezahlt wird. Das Turiner Blatt schlägt vor. den Transport auf dem französischen Landwege zu ermöglichen, mit den Waggons der italienischen Staatsbahnen, während die römische„Tribuna" die Regierung daraus aufmerksam macht, daß in Frankreich eine eigene SÄiffohrtsgesellichast gegründet wurde, wie der Board of Trade vor- ichreibt, mit englischer Firma, zu dem Zweck, die Kobleuveriorgung für Frankreich zu übernehmen. Für diese SchiffahriSgesellschatt wurde von englischer Seite von der Rcguirierung der schiffe ab- gesehen. Die„Tribuna" fragt nun, ob die italienische Regierung noch Zeit hat, ein ähnliches Abkommen mit der engltschen zu treffen. SoZiales. Wenn man de» Tcruttu versäumt. Ein Revisor, der bei der Gesellschaft sür Maschinenbau und Metallverarbeitung beschäftigt war. klagte gegen die Firma beim Gewerbegericht auf Zahlung von 665 Mark und Erteilung einer Arbeitsbescheinigung. Tie Firma war im ersten Termin nicht vertreten. Deshalb erging gegen sie ein dem Klage- antrage entsprechendes Versäumnisurteil. Hiergegen legte die Firma Einspruch ein. Im zweiten Termin erschien wieder lein Vertreter von ihr. also war das Versäumirisurteil rechtskräfllg geworden. Die Firma zahlte dann dem Kläger die 665 Mari, gab ihm aber leine Arbeitsbescheinigung. Der Kläger wartete noch eine Zeitlang. Dann erhob er eine neue Klage auf Er- teilung der Arbeitsbescheinigung und Zahlung von 500 Mark Schadenersatz, weil er ohne Arbeitsbescheinigung keine Stellung finden konnte. Der Anspruch aus Schadenersatz ist vom rechtlichen Standpunkt nicht zweifelsfrei. Denn der Kläger, dem ja durch Urteil des Gerichts die Arbeitsbescheinigung zu- gesprochen war, hätte die Erteilung derselben im Wege der Zwangs- Vollstreckung beantragen können. Statt dessen hat er aber öie neue Klage angestrengt. Doch, es konnte in dem neuen Termin nicht zur Sache verhandelt werden, werk wieder kein Vertreter der beklagten Firma anwesend war. Auf Antrag des Klägers erließ das Ge- r i ch t auch in diesem Falle ein Veriäumnisurteil, wonach die Firma dem Kläger 500 M. zu zahlen und ihm eine Arbeitsbescheinigung zu erteilen hat. Außerdem wurde der zum Termin geladene Geschäfts- sührer der Firma, weil er nicht erschienen war, in eine Ordnungs« strafe von 20 M. genommen. Eine Masseuklaze vor dem Potsdamer Gewerbcgericht. Ueber dreißig in Bornstedt wohnhafte Kriegerfrauen machten vor dem Potsdamer Gewerbegericht rückständige Lohnansprüche gegen den Sattlermeister Teichner in Potsdam geltend, der mit �riegsbcginn Hccrcslicferungcn ausführte und zahlreiche Leute beschäftigte. T e s ch n e r selbst zahlte seinen Angestellten Löhne nach dem Reichstarif, bettaute aber einen Zwischen meist er Jahn mit der Ausführung von Arbeiten, die er in seiner LSerkstatl nicht ver- richten lassen konnte. Jahn erhielt von Teschner zwar den tarif- mätzigen Lohn, türzte aber die Löhnung der Kriegerfrauen ganz erheblich. Teilweise im Stücklohn für Geschotzkörbe und Munirions- körbe von 55 aus 30 Pf. Nach de» Angaben des Vertreters des Beklagten erzielte Jahn dadurch hundertprozentige Gewinne. Als die Frauen drängten, verwies sie Jahn an Teschner, der sich schließlich um alles Aufheben zu vermeiden, erbot, 20 M. einzeln nachzuzahlen. Die Gesamlsorderungen der allein in Born- stedl wohnhaften Klägerinnen belaufen sich aber auf 3 3 8 9 M.. wenn man ihre Höhe nach dem Reichstarif für Slücklohnkürzungen ermittelt. Der Vertreter der Klägerinnen erklärte, datz durch Ver- ordnung deS Kriegsministeriums vom 24. Februar 19l6, abgevruckt im Verordnungsblatt, die Heereslieferanten verpflichtet seien, die ausbedungenen Löhne zu zahlen und daß sie auch für Kürzungen der Zlvlschenmeister hafteten. Der Vorsitzende riet der Ver- tretung des Beklagten, dem Jahn den Streit zu ver- künden und vertagte zwecks Herbeischaffung der Unterlagen und Nachprüfung der Klageforderung den Termin auf drei Wochen. Die Entscheidung gewinnt erhöhte Bedeutung für die übrigen in der Korbflechterei und Sattlerei beschäftigten Frauen.' Gegen Geschlechtskrankheiten in Italien. Wie der römische„Meffaggero" meldet, hat der Kriegsminister an die Sanitätsbehörden ein Rundschreiben gerichtet, in dem er sie aus die Notwendigkeit aufmerksam macht, energi'ch gegen das Um- sichgreifen der Geschlechtskrankheiten vorzugehen, das sich im Anschluß an die Truppenverichiebungen bemerkbar macht. faul Singer-ck- Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. UnterhaltungsblT' |!t. 185. 33. Jahrgang. Itildjt i>es Jdtmötlfi" KnlimMMR Wtwlich. 17. N-i 1916. tzaus- und GrunöbeMerfragen. s Kommissionsbeschlüsse des Abgeordnetenhauses.) Tie Zustände, die sich nach dem Kriege aus dem Grundstücks- und Wohnungsmarkt herausbilden werden, rufen schon jetzt die ernsteste Aufmerksamkeit aller Sozialpolitiker und auch der gesetz- gebenden Körperschaften hervor. Kein Mensch vermag in die Zu- kunst zu blicken, niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, wie es bei Fnedensschlug aussehen wird. Während die einen»ach dem Kriege einen Mangel an kleinen und mittleren Wohnungen be- fürchten, reden andere davon, daß die großen Terraingesellschafien mit Sehnsucht darauf warten, ihren zurzeit unrentablen Besitz abzustoßen, daß sich infolgedessen eine rege Bautätigkeit entwickeln wird und daß kleine und mittlere Wohnungen im Ueberflutz, zum mindesten aber in genügender Zahl zur Verfügung stehen. Wir wollen an dieser stelle nicht entscheiden, welche von beiden An- sichten die richtige ist. Nach unserer Meinung wird der schon vor dem Kriege bestehende Mangel an kleinen Wohnungen, das jähre- lange Daniederliegen der Bautätigkeit und die Verteuerung des Geldes in Verbindung mit dem Anwachsen der Zahl der Krieger- witwen, die gezwungen sind, mit mittleren und kleineren Wohnun- gen fürlieb zu nehmen, und endlich auch die Verteuerung der Lebenshaltung, die viele Familien veranlassen wird, in erster Linie an dem Wohnbedssrfnis zu sparen, die Wohnungsnot vergrößern. Wir werden nicht nur mit einem Mangel an Wohnungen für die ärmere und mittlere Bevölkerung zu rechnen haben, sondern auch die Mietpreise gerad« für diese Wohnungen werden gewaltig in die Höhe gehen, um so mehr, da auch die Hausbesitzer genötigt sein werden, höhere Zinsen für ihre Hypotheken zu zahlen. Von diesem Gesichtspunkt aus ist es verständlich, daß sich nicht nur der Wohnungsausschutz des Deutschen Reichstages mit diesen Fragen beschäftigt hat. sondern daß auch die zur Vorberatung des Entwurfs eines Schätzungsamtsgesetzes und des Gesetzentwurfs detreffend die Förderung von Stadtschaften eingesetzte Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses über den Rahmen ihrer eigent- lichen Aufgaben hinaus Vorschläge ausgearbeitet hat, die in ihrer Gesamtheit darauf hinauslaufen, die Zustände auf dem Grund- stücksmartt einer Gesundung entgegenzuführen. Ob dies Ziel mit solchen kleinen Mitteln zu erreichen ist, bleibe dahingestellt; einige Vorschläge der Kommsssion mögen, wenn sie verwirklicht tverden, vielleicht geeignet sein, die Verhältnisse zu bessern, von anderen ver- sprechen wir uns eher das Gegenteil. Das letztere gilt z. B. von dem Beschluß, der die Regierung auffordert, von neuem in Er- wägung zu ziehen, ob nicht eine landesherrliche Verordnung herbei- zuführen sei, durch die der zweite Teil des Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen vom 1. Juni 1909 in den Gemeinden, in denen Bauschwindel festgestellt ist, auf die Tauer von 19 Jahren in Kraft gesetzt wird. Ganz abgesehen von der grundsätzlichen Stellung, die die Partei uyd die Gewerkschaften zu dem zweiten Teil des Gesetzes über die Sicherung der Bau- forderungen einnehmen, dürfte doch das eine feststehen— und darauf hat auch der Vertreter des Handelsministers nachdrücklich hingewiesen—, daß die Einführung dieses Gesetzes eine Ver- teuerung des Bauens zur Folge haben und der Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses nicht förderlich, sondern hinderlich sein würde. Wir können es deshalb verstehen, wenn die Regierung sich vorläufig abwartend verhalten will. Eine Reihe anderer Kommissionsbeschlüsse bezwecken Mass- nahmen zum Schutze des Grundbesitzes. Auch wer grundsätzlich die Vergesellschaftung des gesamten Grund und Bodens fordert, wird zugeben müssen, daß namentlich der städtische Grundbesitz durch den Krieg in eine schwierige Lage geraten ist. Wir werden uns deshalb Maßnahmen zur Stützung des Haus- und Grundbesitzes nicht widersetzen können, allerdings nur unter der Voraussetzung, daß solche Matznahmen nicht einseitig nur dem Hausbesitzer zugute kommen, sondern daß auch der W o h n u n g 6 m i c t e r davon pro- fitiert. Kein Zweifel, die Hausbesitzer haben durch die Kriegsnot- gesetze zum Teil recht erhebliche Einbuhen erlitten, aber anderer- seitß haben die Gemeinden durch die von ihnen gewährten Miet- Beihilfen die allerschlimmsten Schäden abzuwenden sich bemüht. Unberührt von den Wirkungen des Krieges sind nur die Hypo- thekengläubiger geblieben, insbesondere die großen Hypotheken- danken, sie haben trotz der schwierigen Verhaltnisse im grossen ganzen keine oder doch nur ganz geringfügige Ausfälle zu ver- zeichnen, und nicht wenige Hypothekengläubiger haben es sogar verstanden, während des Krieges den Zinsfuß für die von ihnen fewährten Darlehen nicht unbeträchtlich in die Höhe zu schrauben. l?an kann es deshalb verstehen, wenn der organisierte Haus- und Grundbesitz in Eingaben an die gesetzgebenden Körperschaften ver- langt, daß auch die Hypothekengläubiger an den Ausfällen mit be- teiligt werden. Soweit will freilich weder die Regierung noch der Landtag gehen; auch von dem Erlaß eines Moratoriums für Hypo- thekenschuldner oder von einer allgemeinen Bestimmung, wonach die Hypothekenschulden bis zu einer gewissen Zeit nach Beendigung des Krieges nicht zurückgezahlt zu werden brauchen und die Zinsen nicht erhöht werden dürfen, wollen die gesetzgebenden Körperschaften nichts wissen. Wohl aber hat sich die Kommission des Abgeord- netenbauses einmal für eine Erweiterung der Befugnisse der Eini- gungsämter und zweitens für steuerliche Erleichterungen zugunsten des Grundbesitzes ausgesprochen. Nach den Beschlüssen der Kom- Mission, soll ein Verfahren geschaffen werden, durch welches auf Antrag eines der Beteiligten im Wege der Einwirkung von Eini- gungsamtern oder anderen Behörden eine Vereinbarung von Gläu- bigern und Schuldnern unter billiger Berücksichtigung der beider- seitigen wirtschaftlichen Lage über da» Fortbestehen des zeitigen Schuldverhältnisses in und unmittelbar nach der Kriegszett ermög- licht wird und daß im Falle einer getroffenen Vereinbarung die Eintragung der Verlängerung des Schuldverhältniffes im Grund- buch kostenfrei erfolgt. Ferner wünscht die Kommission die Aus- dehnung der Wirksamkeit der Bundesratsverordnungen betreffend die Bewilligung von Zahlungsfristen bei Hypothekenschulden in solchen Fällen über die Kriegszeit hinaus, in denen es nach der angestellten Prüfung durch die besonderen Verhältnisse der Be- teiligten geboten erscheint. Sehr beachtenswert scheinen uns ferner eine Reihe weiterer Vorschläge, die für nachstehende Hypotheken- gläubiger, welche gezwungen sind, ein Grundstück in der Zwangs- Versteigerung zu erstehen, gewisse Erleichterungen vorsehen. Eine andere Gruppe von Kommissionsbeschlüssen bezieht sich auf die Herbeiführung steuerlicher Erleichterungen sowohl beim Verkauf von Grundstücken, als auch für die Mieter in Form einer Herab- setzung-des Mietstempels. Man wird zugeben können, daß diese Beschlüsse, wenn die Regierung ihnen beitritt, bis zu einem gewissen Grade geeignet sind, dem städtischen Grundbesitz, soweit er sich nicht schon vor Aus- bruch des Krieges in einer Notlage befunden hat, eine gewisse Hilfe zu bringen. Die Wohnungsmieter werden davon freilich keinen direkten Vorteil haben. Aus diesem Grunde hatte das sozial- demokratische Mitglied der Kommission einen besonderen Antrag eingebracht, der die Regierung ersucht, dem Landtage noch in der gegenwärtigen Tagung eine besondere Gesetzesvorlage zu unterbreiten, durch welche den Gemeinden Mittel zur Verfügung gestellt werden, um Kriegsteilnehmern bzw. ihren Hinterbliebenen und sonstigen durch den Krieg in Not geratenen Personen die Abbürdung ihrer während des Krieges entstandenen Mietschulden zu ermöglichen. Die Kommission hat den Antrag in ver- änderter Form angenommen, sie hat die Regierung um Borlage eines Gesetzentwurfs ersucht, durch welchen Mittel bereitgestellt nwrden, um Gemeinden Hilfeleistungen zu ermöglichen, erstens für durch den Krieg und Kriegsmaßnahmen in Not geratene Haus- besitzer, und zweitens für Kriegsteilnehmer oder deren Hinter- bliebene und sonstige durch den Krieg und Kriegsmaßnahmen in Not geratene Personen. Daß durch diese Kommissionsbeschlüsse allein die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt einer Gesundung entgegengeführt werden, erwarten wir nicht. Dazu bedarf es durchgreifender Maßnahmen. TaS Scbicksal des Schätzungsamtsgesetzes, das den ersten Schritt hierzu bcdeutet, ist leider völlig dunkel, über sehr wesentliche Punkte ist es in der Kommission bisher noch zu keiner Einigung zwischen Regierung und Volksvertretung gekommen, und selbst wenn eine solche Verständigung noch erzielt wird, so ist doch die Verabschiedung des Gesetzentwurfs nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen in«ine weite Ferne gerückt. Frühestens in der Herbstsession wird sich das Plenum des r'lbgeordnetenhauses damit befassen, und wann es von hier an das Herrenhaus gelangt, läßt sich überhaupt noch nicht übersehen. Auch mit dem zweiten der Kommission zur Vor- beratung überwiesenen Entwurf, dem Gesetzentwurf betreffend die Förderung von Stadtschaften, ist der organisierte Hausbesitz nicht zufrieden, einmal weil seine weitergehenden Wünsche dadurch nicht erfüllt werden, und zweitens weil er davon, daß dem Haus- und Grundbesitzer eine allmähliche Abtragung seiner Hypothekenschulden zur Pflicht gemacht wird, eine zu große finanzielle Belastung be- fürchtet. Wir verzichten, auf die Wünsche der Haus- und Grund- besitzer im einzelnen einzugehen, aber das eine sei gesagt, daß die gesetzgebenden Körperschaften sich unmöglich darauf einlassen können. So ist z. B. eine Aenderung des Hypothekenbankgesetzes nach der Richtung hin verlangt, daß die Grundstücke bis zu 7S Proz. beliehen werden dürfen, unter der Voraussetzung, daß der über 69 Proz. hinausgehende Teil der Beleihung in Gestalt einer Til- gungshypothek gegeben wird und daß die Kommunalverbände die Garantie für die Sicherheit dieses Mehrbetrages übernehmen. Die Kommission hat den Antrag mit Recht abgelehnt, sie befindet sich dabei in Uebereinstimmung mit dem Realkreditausschuß des preu. ßischen Städtetages, der in einer Eingabe der Befürchtung Aus- druck verleiht, daß schon durch die bloße Annahme eines solchen Antrages in den städtischen Körperschaften Debatten hervorgerufen würden, deren einziges Ergebnis die Abneigung der Städte gegen jede Mithilfe zur Befriedigung des Realkredits sein würde. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Resolutionen der Kom- Mission unabhängig davon, wie sich daS Schicksal der ihr zur Vor- beratung überwiesenen Gesetzentwürfe gestaltet, bereits in dem Ende Mai beginnenden Sessionsabschnitt an das Plenüstr des Hauses gelangen. Ein Teil der Wünsche der Hausbesitzer wäre dadurch erfüllt. Aber für die groß« Masse der Wohnungsmieter wäre damit erst herzlich wenig erreicht. Und vor allem wäre davon eine Beseitigung der Mißstände im Wohnungswesen noch lange nicht zu erwarten. Hierzu bedarf es einer gründlichen gesetz- geberischen Reform, und zwar nicht eines Wohnungsgesetzes in der Gestalt, wie es vor dem Kriege in Preußen beinahe verabschiedet worden wäre und wie es das Abgeordnetenhaus auch im vorigen Jahre wieder angeregt hat, sondern des Erlasses eines Reichs- w o h n u n g s g e s e tz e s, wie wir es seit Jahren gefordert haben und wie es auch der jetzt aus seinen« Amte geschiedene Staats- sekrctär Delbrück für den Fall, daß in Preußen nichts zustande kommt, in Aussicht gestellt hatte. P. H. politische Ueberflcht. Der Fall Liebknecht im preuszischen Landtag. Der Reichstag hat den Antrag, Liebknecht aus der Haft zu entlassen, abgelehnt. Diese Angelegenheit wird nun aber auch noch im preußischen Landtage spielen, denn der Reichstag kann nicht auch die Immunität Liebknechts in seiner Eigenschaft als preußischer Landtagsabgeordnetcr auf- heben._ Die Ministerkonferenz. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" meldet: „Die heute vormittag sortgesetzten Besprechungen des Staatssekretärs Dr. H e l f f e r i ch mit den einzelstaat- lichen Finanz mini st ern über die Streitpunkte, die sich zwischen Bundesrat und Reichstag in den schwebenden Steuerfragen aufgetan haben, konnten bis Mittag noch nicht abgeschlossen werden. Man erwartet frühestens für die morgige Sitzung des Hauptausschusses bezw. des Steuer- ausschusscs des Reichstags eine Erklärung des Schatzfekretärs über die endgültige Stellungnahme des Bundesrats, nament- lich zur Frage der Neuerhebunq des Wehrbeitrags sowie zu der Umgestaltung, welche die striegsgewinnsteuer im Haupt» ausschuß des Reichstags erfahren hat. Ein Weg, auf welchem die weitauseinandergehenden Wünsche und Forderungen der Parteien mit dem grundsätzlichen Standpunkt der Reichsleitung in Einklang gebracht werden könnten, scheint bis zur Stunde noch nicht gefunden zu sein. Auch in den schwebenden Personalfragen war bis heute mittag noch keine Entscheidung herbeigeführt." Der Steuerausschuß des Reichstags hat die für Dienstag vorgesehene Sitzung auf Mittwoch verschoben. Auch der Haupt- ausschuß des Reichstags hielt am Dienstag keine Sitzung ab. Uns die Freiheit— den anderen die Fessel! Gegen die Slimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen ist bekanntlich nach Ablehnung des sozialdemokratischen und des frei- sinnigen Antrages in der Budgetkommission des Reichstags der ge« meinfame Antrag der Konservativen, der Nationalliberalen und des Zentrums angenommen worden, den Reichskanzler zu ersuchen, „dafür zu sorgen, daß das Vereins- und Versamm- lungSrecht und die Pressfreiheit nur insoweit einge- schränkt werden, als dies im Interesse einer siegreichen Kriegführung unbedingt geboten ist, daß eine gleichmäßige Handhabung der Zensur sichergestellt wird, und daß. wo von Zivilbehörden auf die Hand- babung der Zensur ein Einfluß ausgeübt wird, die zuständigen Behörden und Beamten kraft der ihnen obliegenden Verantwortung die getroffenen Massnahmen nach Maßgabe der behördlichen Mit- Wirkung vertreten." Dieser Beschluß der Budgetkommission wird nun in der „Deutschen Tageszeitung" in einer Weise kommentiert, die den lebh aftesten Widerspruch wachrufen muß. Einer der Hauptschriflkeiter des Blattes schreibt darüber: „Die Unzufriedenheit mit der Handhabung der politischen Zensur hat sich, wie im Reichstagsausschuß zutreffend hervor- gehoben wurde, im Laufe des Krieges dauernd nur noch, entsprechend ihrer tatsächlichen Handhabung, vermehrt. Mit Recht wurde betont, daß manche ReichSstellen gegen eine Kritik ihrer Politik zu empsindlich seien, daß eine sachliche Kritik gestattet sein müsse. Nur wenn die Krilik die Grenzen der Sachlichkeit klarerweise überschreitet, sollte eine Unterdrückung durch die Zensur überhaupt in Frage kommen. Eine weitere Richtschnur für die Handhabung der politischen Zensur sollte das Verhalten Bismarcks während des Krieges gegen Frankreich geben. Damals i st man nur gegen Aeutze- rungen vorgegangen, die sich gegen die volle Durchführung des Kampfes und gegen eine Politik richteten, die uns die Früchte unserer Siege und Opfer zu sichern bestrebt war; gegen Aeutzerungen also, die die Stellung der Regierung gegenüber dem Auslände notwendig schwächen mußten. Dazu�da- gegen, der Regierung die Verteidigung ihrer Politik gegenüber dem Jnlan de bequemer zu machen, ist die Zensur nicht da und darf sie nicht angewendet werden." Der Sinn dieser Ausführungen wäre also der, daß die Zensur etwa für Herrschaften vom Schlage Reventlows aufgehoben, für ihre Kritiker jedoch aufrecht erhalten werden soll. Noch deutlicher tritt dieser Wunsch aus den weiteren Darlegungen des Blattes hervor, in denen die Freigabe der Kriegsziel- erörterung verlangt wird: „Das deutsche Volk hat ein Recht darauf. sich über die Lebensfragen seiner Zukunft durch freie Er- örterung klar zu werden und seine Meinung über die Ziele zum Ausdruck zu bringen, um die es in diesem Kriege mit seinen unerhörten Opfern kämpft. Die Spannkraft und der Siegeswille des Volkes leiden, wenn ihm noch lange die freie Erörterung der Ziele versagt würde, für die es diese Opfer bringt. Demgegenüber kommt ein Schade, der vielleicht durch die Aufstellung ungeeigneter Forderungen entstehen könnte, um so weniger in Betracht, als es immer noch möglich wäre, die Ueberschreitung gewisser Grenzen bei der Erörterung zu verhindern." Der letzte Satz läuft auf die Forderung hinaus, nur den- jenigen Preßfreiheit zu gewähren, die in der Kriegszielfrage etwa die gleichen Anschauungen wie die„Deutsche Tageszeitung" ver- treten. Für sich will das konservative Blatt also die ganze Frei- cheit; die anderen dagegen sollen die Fesseln weiter tragen! Das- ;e1be Ziel grundsätzlich ungleicher Behandlung der verschiedenen Auffassungen verfolgt übrigens auch der in der Budget- kontmission gegen die Stimmen der linksstehenden Parteien angenommene Antrag der Konservativen, Nationalltberalen und des Zentrums. Sollte auch das Plenum des Reichstags diesen Antrag annehmen und die Regierung dieser Praxis entsprechen, so würde das nicht eine Verbesserung, sondern noch eine gewisse Verschlechterung des gegenwärtigen Zustandes bedeuten. Reichstags-Kandidntur. Für die Reichstagselsatzwahl im Wahlkreise Waldshut-Säckingen hat das Zentrum den Fabrikanten van Eyck als Kandidaten auf» gestellt. Umfangreiche Landankäufe der Firma Krupp. Essen a. d. Ruhr, 16. Mai. sW. T. B.) Wie wir er- fahren, hat die Friedr. Krupp A.-G. in der Nähe von München umfangreiche Grundstückserwerbungen vorgenommen. Amiliche Erklärung über die Reichsbekleidungsstelle. Berlin, 15. Mai. sW. T. B.) Ueber die Reichsbekleidungsstelle und ihre voraussichtliche Tätigkeit waren in den letzten Tagen Nach- richten im Umlauf, welche zum Teil auch ihren Weg in die Presse fanden. Diese Nachrichten beruhen zum grossen Teil auf falschen Voraussetzungen und unrichtigen Informationen. Schon jetzt kann mitgeteilt werden, daß nicht beabsichtigt ist, den Handel bei der Versorgung der bürgerlichen Bevölkerung mit Web«, Wirk- und Strickwaren auszuschalten. Die Erwägungen über die endgültige Regelung im einzelnen sind jedoch noch nicht ab- geschlossen. Es ist sicher verfrüht, Vermutungen über die künftige Ausgestaltung der Reichsbekleidungsstelle aufzustellen. Reichsstelle für Gemüse und Obst. Der„Köln. Zeitung" wird aus Berlin gemeldet, daß auf Veranlassung des preußischen Landwirtschaftsministers eine eigene Zentralstelle für Gemüse und Obst, mit dem Sitz in Berlin, errichtet werde, die für eine ausgleichende Verteilung der Gemüse und Obst- Vorräte in den einzelnen Gegenden im Deutschen Reich, für Ver- arbeitung von Gemüse zu Konserven, für weitgehende Trocknung oder Verarbeitung von Obst zu Marmelade usw. zu sorgen hat. Die Organisation der neuen Reichsstelle soll der ReichSgetrcidestelle nachgebildet werden, also auS einer Verwaltungsabteilung und einer GefchäftSabteilung bestehen._ Die Aerzte zur Lebensmittelfrage. Der SerzteauSschuß von Gross-Berlin hat fich in seiner letzten Sitzung mit Nahrungsmittelfragen Groß-BerlinS vom ärztlichen Standpunkt aus beschäftigt. Er hat hierbei folgende Eni- schliessung angenommen: „Der SerzteauSschuß von Groß-Berlin hält im Interesse der Volksgesundheit«ine einheitliche Regelung der Lebensmittelversorgung der ganzen Reichsbevölkerung für notwendig. Alle Ab- sperrungSverfuche und Ausfuhrverbote einzelner Landesteile, Distrikte und Orte müssen im In- teresse einer gleichmäßigen und gerechten Ver- s o r g un g aufgehoben werden. In diesem Sinne begrüßt der Ausschuß die beabsichtigte Schaffung einer Reichsbehörde für Volksernährung als den ersten hoffnungsvollen Schritt auf dem erstrebten Wege." Außerdem hat der AerzteauSschuß von Groß-Berlin beschlossen, eine begründete Eingabe an den Herrn Reichskanzler zu richten. Ter Aushungerungskrieg gegen die Groststädte. Nnter dieser Ueberschrift veröffentlicht das„Berk. Tagebl." eine Verordnung, die vom Stadtrat der Stadt E i s e n a ch unter dem 19. Mai erlassen ist. Danach ist eS verboten, folgende Lebensmittel aus jenem Kreise auszuführen: alle Arten Fleisch, frisch, ge- räuchert, gesalzen und in Konserven; alle Arten Wur st waren, frisch, geräuchert, gesalzen und in Konserven; alle Sorten G e» flügel, auch in Konserven; olle Arten Fische, frisch, geräuchert gesalzen und in Konserven; alle Arten Fette und Oele, auch in Dosen; alle Arten Kolonialwaren; alle Arten Seifen und Seifenpulver; alle Arten Käse und Eier; alle Arten Backwaren, Konditorwaren, Torten. Obstkuchen usw.; alle Arten Gemüse, frisch, gedörrt und in Konserven. Wir be- zweifeln, daß einer Kommune überhaupt das Recht zusteht, derartige Verbote zu erlassen.__ Der winkende Gewinn. Die Tabakbauern bereiten, in Erwartung des neuen Tabaksteuer- gesetzes, immer größere Flächen für den Anbau des Tabaks vor. Im Eichsfelde hat sich deshalb der Landrat veranlaßt gesehen, da- gegen auszutreten. Er macht bekannt:„Wie mir bekannt geworden ist, beabsichtigen die Landwirte, in diesem Jahre mehr Tabak zu bauen als früher. Wenn auch für Tabak ein höherer Gewinn als in früheren Jahren zu erwarten ist, so muß im Interesse der Volks- ernährung doch eindringlichst vor einer umfangreichen Vergrößerung der Tabakanbaufläche auf Kosten des Kartoffellandes gewarnl werden." Die Grundbesitzer richten sich eben danach, was ihnen den größten Vorteil bringt. Sie stellen ihre Privatinteressen über die Lebensnotwendigkeiten der Allgemeinheit. Merkart« iv Bad«. LuZ Karlsruhe wird gemeldet: Da» badische Ministerium deS Innern beschloß die Einführung von Eierkarten. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen wöchentlich drei Eier. Die Ber- sendung von Butter und Eiern an auswärts wohnende Angehörige ist verboten. Hausschlachtungen. Das sächsische Ministerium deS Innern hat die Verordnung über das Verbot von Hausschlachtungen wegen der zutage getretenen Mißstände geändert und die Kommunalverbände ermächtigt, Haus- schlachtungen zu genehmigen, wenn die örtlichen wirtschaftlichen VerV Hältnisse dies notwendig machen. Welche Zerfahrenheit auf dem Gebiete der Nahrungsmittel- Versorgung herrscht, kann man auch aus folgendem ersehen: Mitte April war in Preußen ein ministerieller Erlaß an die Oberpräsi- deuten ergangen, die HauSschlachtungen vorübergehend, bis längstens 1. Oktober, zu verbieten. Trotzdem gibt der RegierungSpräji- dent zu Frankfurt a. O. im dortigen Regierungsblatt jetzt be- könnt: .Dem Vernehmen nach ist unter der landwirtschaftlichen Be- völkerung vielfach die Ansicht verbreitet, daß Hausschlachtungen für den hiesigen Regierungsbezirk untersagt sind. Demgegenüber weise ich darauf hin, daß ein derartiges Verbot von mir nicht erlassen worden ist. Sollte von einem Kommunalverbande ein solches Ver- bot ohne mein Wissen erlassen worden sein, so ist eS sofort aufzubeben. Unberührt davon sind die Bestimmungen der ministeriellen Ausführungsanweisung vom 29. März zur BundeSratsverordnung über die Fleischversorgung, wonach insbesondere HauSschlachtungen von Rindvieh der Genehmigung des Kommunalverbandes bedürfen und Hausschlachtungen von Schweinen und Schafen von ihm unter gewissen Voraussetzungen untersagt werden können.' Zahlungsverbot gegeu Portugal. Der Bundesrat hat im Wege der Vergeltung die Vor- schriften der Verordnung betreffend Zahlungsverbot gegen England vom 30. 9. 1914 auch auf Portugal und die portugiesischen Kolonien für anwendbar erklärt. Auch die Vorschriften der Verordnung über die Anmeldung des im Inland befindlichen Vermögens von Angehörigen feindlicher Staaten vom 7. Oktober 1915 finden insoweit, als sie sich auf die Beschränkung der Verfügung über das inländische Ver- mögen und das Verbot der Abführung des Eigentums feind- licher Staatsangehöriger beziehen lH 5 bis 11,§13 der Verordnung). auf das Vermögen portugiesischer Staatsangehöriger Anwendung. Ebenso sind die Vorschriften der Verordnung, betreffend die zwangsweise Verwaltung französischer Unter- nehmungen, vom 20.?lovember 1914, in der Fassung der Verordnung vom 10. Februar 1916(Reichs-Gesetzbl. S. 89 1, auch gegenüber portugiesischen Staatsangehörigen für anwend- oar erkürt. Mus öer Partei. Verlogene Berichterstattung. Die Daumerstersche„Internationale Korrespon- d- n z" versendet einen„Bericht" über die zweite Zimmer- walder Konferenz, der an Fälschungen und verlogenen .______ Unterstellungen sogar das noch weit übertrifft, was diese„Nach- I.- richtenguelle" schon bisher geleistet hat. Wir verzichten-darauf. da»"im einzelnen nachzuweisen, zumal es uns leider unmöglich �' gemacht worden ist, unseren Lesern einen eigenen Bericht zu - dreien. Durch den offiziellen Verhandlungsbericht. der in kurzem in der Schweizer Presse erscheinen soll, werden die Fälschungen der „I. K." sofort deutlich werden. Hoffentlicb druckt die Parteipresse das Machwerk der„I. K." nickt ab; eS ist genug, daß schon die bürgerliche Presse auf die Fälschung hineingefallen ist. Stellungnahme zu de» Parteidiffereuzeu. Anr Sonntag tagte die ordentliche Generalversammlung für den 13. sächsischen Kreis lLeipzig-Land, Reichstags abgeo cd- nster Genosse Geyer), die von 272 Vertretern besucht war. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, daß die Mitgliederzahl von 40017 im Jahre 1914 auf 32 885 zurückgegangen ist. Nach der Entgegen- nähme der Berichts beschäftigte sich die Versammlung mrt den Varteistreitigkeiten und wurde der Antrag des OrtSvereinS Eutritzsch veriiandelt, der verlangte: Dem Parteivorstand find bis auf weiteres die abzuführenden Gelder zu sperren. Gegen den Antrag wendeten sich die Genossen Lipinski, Block und Geyer, der dann auch mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. In einer vom Vorstande vorgelegten Resolution brachte Genosse Hentfchel eine Aenderung ein, die von Lipinski, Geher und dem Vorsitzenden Müller bekämpft und von Hentfchel und Schumann befürwortet wurde. Schließlich wurde die Reso- lution des Vorstandes abgelehnt und die des Genossen Hentfchel angenommen. Sie lautet: „Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins fiir den 13. sächsischen ReichStagSwahlkreis«Leipzig-Land) sieht in der«-paltung der Reichstagsfrattion die notwendige Folge daraus, d-rß die Mchriieit die sozialdemokratischen Grundsätze preisgegeben, den' Boden des...... verlassen und ins Lager der Kriegspartei emgeschwenkt ist. Nach den Beschlüssen der internationalen Kongresse in Stuttgart und Basel mußten die Kriegskredite abgelehnt werden. Nach den Beschlüssen der Partei- tage in Lübeck und Nürnberg müssen die Budget», also auch die Notbudgets, abgelehnt werden. Wer diese Beschlüsse mißachtet, kann nicht mehr als Vertreter der Sozialdemokratie betrachtet werden. Die Generalversammlung hält das Vorgehen der Arbeits- gemeinschaft für dringend notwendig und erwartet von ihr, daß sie den...... unbeugsam und konsequent, uebekümmert um alle Anfeindungen, führt. Sie fordert alle Mitglieder der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion, die für Ablehnung der Kriegs- kredite eintreten, auf, sich der Arbeitsgemeinschaft anzuschließen. Die Generalversammlung protestiert gegen den Versuch der Fraktionsmehrheit, die Schuld für den Bruch der Minderheit auf- zubürdeu, und verurteilt aufS schärfste die Maßregeln des Partei. Vorstandes, unbequeme Parteianaestellte nach dem Vorbild reaktiv» närer Unternehmer zu maßregem oder aus Vertrauensämtern zu verdrängen. Die Gewaltpolitik des Parteivorstandes gefährdet die Einheit der Partei aufs schärsi'te. Die Generalversammlung erwartet vom nächsten Parteitag, daß er die Parteiinstanzen wie die parlamentarische Vertretung ver- pflichtet, die Grundsätze der Partei und die Entschließung der Parteitage strikte zu beachten." Bei den darauf vorgenommenen Vorstandswahle» wurden ent- fchiedens Anhänger der Opposition als Vorsitzender und Schrift- führer gewählt. Die Generalversammlung des Wahlkreises Dortmund- Hörde ndjm zunächst den Bericht des Vorstandes entgegen. Danach ist die Mitgliederzahl. die am Schlüsse des vorigen Ge- schäftsjahres 8629 betrug, auf 7251 zurückgegangen. Den Aus- gaben von 22 007,02 M. steht eine Sinnahme von 21169,59 M. gegenüber. Der aus dem Vorfahr übernommene Bestand ist auf 14 237,53 M. zurückgegangen. Vom erweiterten Vorstand wurde ein Antrag vorgelegt auf vorläufige Einstellung der Lieferung der„Neuen Zei t", dafür soll die„Partei» Korrespondenz" überwiesen werden. Außerdem legte er nachstehende Resolution zur Lebensmittelfrage vor: „Die Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden werden von der Versammlung mit allem Nachdruck auf die noch immer unzuläng- liche Versorgung des Volkes mit Lebensmitteln hingewiesen. Tie längst unerträglich hohen Preise und die mangelhaste Verteilung müssen in Verbindung mit der an sich aus» äußerste Maß herab- gesetzten Lebenshaltung die Arbeitskraft und die Volksgesundheit untergraben und zu den sckwersten Schädigungen führen. Tie Versammlung fordert, daß die Bebörden im Sinne des Antrages der sozialdemokratischen Fraktion die Erzeugung und gleickmäßige Verteilung allen Lebensbedarfs, notwendigenfalls unter ZuHilfe- nähme von Zwangsmaßnahmen, so regeln, daß die Bevölkerung an Gesundheit und Vermögen nicht zu Schaden kommt. Die Ver- sammlung beauftragt ihre Vertreter, in allen Parlamenten und in der Presse den Kamps um eine bessere Lebensmittelversorgung mit aller Entschiedenheit fortzusetzen und dahin zu wirken, daß der Vernichtung von Getreide jur Herstellung von Schnaps und Bier ein Ende gemacht wird. Sie fordert ferner die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Freiheiten, damit das Volk in freier Schrift und Rede sich selbst gegen diese unhaltbaren Zustände wenden kann." Beide Anträge wurden angenommen. Sodann beschäftigte sich die Versammlung mit der Stellungnahme zu den Parteistreitig- leiten. In der lebhasten Debatte trat dem Abgeordneten des Kreises Genossen Dr. Erdmann, der zur Mmderheit der sozialdemokratischen Fraktion gehört, ein Abgeordneter der Mehrheit, Genosse König, gegenüber. Am Schluß wurde mit 103 gegen 1Z Stimmen beschlossen: „Die Versammlung billigt die Tätigkeit der Fraktionsmehrheit. � Sie erklärt, es ist Pflicht der Genossen, die Einheit der Partei zu wahren. Sie verurteilt deshalb aufs schärsi'te die Spaltung der Fraktion, für die die Gruppe um Haase die Verantwortung trägt. Die Versammlung spricht die Erwartung aus, daß die Einheit der Fraktion bald wiederhergestellt wird. Die Kreise, die auch die Spaltung in die Partei tragen wollen, stellen sich durch ihre Tätig- keit außerhalb der Partei. �Die Versammlung billigt die vom Parteivorstand gegen die Zerstörer der Parteieinheit unternommenen Schritte und erwartet, daß er auch fernerhin mit kräftiger Hand alle Zerstorungsversuch« abwehren wird." • Die Genossen des Wahlkreises Höchst-Homburg-llsin- gen haben_m zwei Generalversammlungen— 30. April und 14. Mai— Stellung zu den in der Partei schwebenden Fragen ge- nvmmen. Neben der schon veröftentllckten, von der Generalversammlung angenommenen Resolution beschäftigte sich die Tagung am letzten Sonntag mit dem ausgebrochenen Pressekonflikt. Nach eingehender Beratung nahm die Generalversammlung einen Antrag des Kreis- Vorstandes mit 38 gegen 14 Stimmen an, wonach sämtliche Be- zichungen zur Uniondruckerei, Verlagsanstalt G. m. b. H.(„Volks- stimme", Frankfurt a. M.) abgebrochen und der Äreisvorstand be- auftragt wird, das Projekt der Uebernahme des Buchhandels in eigene Regie zu prüfen und sobald wie möglich in die Wege zu leiten. Von dem Begründer des Vorstandsantrages wurde jedoch besonders hervorgehoben, daß der Antrag nicht den Boykott der .Volksstimme" und auch nicht die Empfehlung anderer Partei- zeitungen bezwecken sollte. * Der sozialdemokratische Verein für den 6. sächsischen Reickstagswahlkreis(den Genosse Horn im Reichstage vertritt), die zivettstärkste Parteiorganisation Sachsens, hielt am 14. Mai seine Generalversammlung ab. Sie nahm einen leb- haften, teilweise stürmischen Verlauf und wurde schließlich nach über fünfstündiger Dauer abends. 149 llhr vertagt. Den Geschäfts- und Kassenbericht gab der Sekretär des Kreises, Genosse Kahmann. Danach hat die Zahl der Leser der„Dresdener Volkszeitung" um zirka 3000 abgenommen; Mitglieder verlor der Verein in den zwei Kriegsjahren— ungerechnet die zum Militär eingezogenen— rund 5000.— In der Debatte wurden zunächst einige Angaben des Jahresberichts bemängelt, worauf der Sekretär erwiderte. Ein Beschluß, wonach Vereinsmitglieder, die nicht die„Dresdener Volkszeitung", sondern ein anderes Parteiblatt lesen, keine Ver- lrauensäurter in der Organisation bekleiden sollen, stieß auf starken Widerspruch: er wurde als im Widerspruch mit dem Statut der Gesamtparter stehend bezeichnet. Im übrigen drehte sich die De- batte um die politische Haltung der„Dresdener Volkszeitung" und um die schwebenden Parteifragen. Re- dakteur B a r t h e l verteidigte die Haltung der Redaktion und er- klärte, daß die Pretzkommission und die Parteiinstanzen in der Hauptsache ihr Einverständnis erklärt hätten. Demgegenüber wuröe weiter darauf hingewiesen, daß im 6. Kreise wiederholt Be- schwenden gekommen, aber nicht beachtet worden seien. Eon beiden Seiten wurden die Behauptungen in Einzelheiten noch weiter begründet. Redakteur Tr. Sacks richtete seine Ausführun- gen in der Hauptsache gegen Fleiß» er. Ihm traten u. a. Arbeitersekretär Weiß und Genosse Sckulze-Cossebaude entgegen. Genosse F l e i ß n e r ging dann auf olle gegen ihn persönlich er- hobenen Vorwürfe«in und erklärte sie als haltlos. Im ganzen sprachen 3 Redner der Mehrheitsrichtung und 5 Redner der Min- derheit. Die Versammlung, die sehr stark besucht war, wurde auf den 28. Mai d. I. vertagt. » Die Generalversammlung de» Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Düsseldorf, die am Sonntag tagte, beschäftigte sich ausschließlich mit dem Jahresbericht und den Parteidifferenzen. Nach einer ausgiebigen Aussprache, in der sowohl Anhänger der Mehrheit wie der Mmderheit das Wort nahmen, gelangten nach- stehende Entschließungen gegen ganz geringe Minderheiten zur Annahme: � .1. Die heutige Generaldersammlung wendet sich entschieden gegen die einseitige Verwendung der auch von den Angehörigen der Minderheit aufgebrachten Parteigelder im Sinne der Mehrheitspoliiik. Sie spricht die Erwartung aus, daß die örtliche Parteileitung Schritte unternimmt, eine weitere Verwendung der gemeinsamen Partei- gelder im Sinne der Politik vom 4. August 1914 zu verhindern." .2. Die Generalversammlung des Wahlkreises Düsseldorf spricht dem Genossen Lieb knecht für sein tapferes Eintreten für eine wirkliche sozialdemokratische Politik ihre Anerkennung aus. Die Versammlung erklärt, im Sinne dieser Politik weiterzuarbeiten." Ferner gelangte folgender Antrag zur Annahme: .Die Generalversammlung beschließt, gegen den Redakteur Franz Pokorny wegen unsolidariscken Verhaltens gegenüber den gemaßregelten Genossen Schoch und Minster aus Duisburg, daS Ausschlußverfahren einzuleiten." Jgnllz Brand gestorben. Aus Wien kommt die Meldung, daß dort einer der in der Wiener Arbeiterbewegung bekanntesten Genossen freiwillig aus dem Leben geschieden ist: Jgnaz Brand, der seit der Gründung der Wiener Volksbuchhandlung deren Leiter gewesen und sich vor einigen Jahren mit Rücksicht auf sein Alter zur Ruhe gesetzt hatte. In einem hinterlassenen Briese sagte er, daß er schon immer beab- sichtigt habe, nicht länger als 70 Jahre zu leben, da er sich nicht in Siechtum, sondern in voller Geistessrische von der Welt trennen wolle. Er habe die Absicht, sich vom Dampfschiff des Traunsees in das Wasser zu stürzen. Dies Vorhaben hat Brand am 13. d. M. ausgeführt. Er ist 72 Jahre alt geworden. Die Partei bedauert seinen Hingang aufs jiesi'te. Mus Groß-öerlin. Mehr Kirchensteuern! Nachdem alles teurer geworden ist, will nun auch die Kirche ihren Anhängern mehr abfordern. Für die evangelischen Kirchengemeinden Berlins soll— ein bürgerliches Blatt nennt das„eine wenig erfteuliche Ueberraschung"— die Kircken- steuer erhöht werden. Während bisher die Mitglieder dieser Gemeinden als Kirchensteuer 20 Proz. der Einkommensteuer zahlten, meint die Stadtsynode künftig 30 Proz. erheben zu müssen. Mit weniger auszukommen, sei— so wird zur Be- gründung gesagt— infolge der besonderen Verhältnisse der Kriegszeit nicht weiter möglich. Erwarten konnte man die Er« höhung der Kirchensteuer schon lange, und sie wäre gewiß auch ohne den Krieg in nicht zu ferner Zeit nötig geworden. Die Stadt- synode seufzt unter einer drückenden Schuldenlast, die sich infolge der Erbauung neuer Kirchen und der Anlegung großer Fried- Höfe aufgehäuft hat. Für Verzinsung der Schulden müssen alljährlich bedeutende Mittel aufgewendet werden, für die ein ansehnlicher Teil der Kirchensteuereinnahmen draufgeht. Dazu kommt, daß die Kirchenaustrittsbewegung in den letzten Jahren vor dem Krieg immer mehr auch auf wohlhabende Be- Völkerungsschichten übergegriffen hat. Der Austritt steuer- kräftiger Gemeindemitglieder dürfte seine Bedeutung für die Kirchensteuereinnahmen, die er natürlich ganz besonders fühl- bar geschmälert haben muß, erst jetzt in vollem Umfang zeigen Die Kirchensteuerpflicht erlischt ja immer erst mit dem Schluß desjenigen Jahres, das auf das Jahr des Austrittes folgt. Wer z. B. bis Ende 1916 seinen Austritt erklärt, wird von Ende 1917 ab steuerftei.« » Die Kirchensteuerpflicht der Französisch-Reformierten ans den Vororte» Berlins. Verschiedene Personen aus den näheren Vororten Berlins, deren religiöses Bekenntnis französisch-reformiert ist, darunter der Senarspräsident Marsson vom Kammergericht, hatren die Heranziehung zur Kirchensteuer durch die für ihre Vororts- Wohnorte maßgebenden evangelischen Gemeinden im Rechtswege angefochten. Sie hatten geltend gemacht, daß sie nur gegenüber der sranzöfisch-reformierten Kirchengemeinde in Berlin zu Abgaben verpflichlet seien. Das Oberverwaltungsgericht erkannte jedoch die Auf- fassung der Kläger nicht an, sondern stellte sich auf den Standpunkt der in den Orten Charlottenburg, Lankwitz, Steglitz. Wilmersdorf und Friedenau maßgebenden evangelischen Kirchengemeinden, die die dort wohnenden Kläger zur Kirchensteuer herangezogen hauen. In der Hauptsache vertritt das Oberverwaltungsgerichi den Grundsatz. daß zwar die ftanzöfische Kirchengemeinde in Berlin eine Personal- gemeinde sei, trotzdem aber eine terrnoriale Abgrenzung habe, die sich mit den Grenzen Berlins decke. Wer nicht in Berlin seinen Wohnsitz habe, könne nicht als Angehöriger der ftonzösischen Kirchen- gemeinde in Berlin angesehen werden.»Da die Kläger als Fran« zösisch-Reformierte evangelisch seien, so unterlägen sie der Kirchen- steuer derjenigen evangelischen Kirchengemeinden, in derem Bezirk in den genannten Vororten sie ihren Wohnsitz hätten.(ViLL A. 2. 16.) Beratung der Grost-Berlincr Ernährungsfragen. Unter Vorsitz des Ministers des Innern findet heute vor- mittag im Ministerium des Innern eine Besprechung über die Lage der Volksernährung in Groß-Berlin statt. An der Be- sprechung nehmen neben den Vertretern der Ressorts teil: Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, der Regierungs- Präsident in Potsdam, der Polizeipräsident von Berlin, die beteiligten Oberbürgermeister, die Landräte der Kreise- Teltow und Niederbarnim sowie die ersten Referenten vouE Berlin, Charlottenburg, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg und Wilmersdorf._ Abgabe von Fleisch und Fett auf Brotkarte. In der Stadt Berlin tritt von heute ab eine vorläufige Re« gelung bezüglich der Abgabe von frischem Fleisch und frischem Fett an die Bevölkerung in Kraft. Von heute an darf frisches Fleisch oder Fett von Ladenschlächtern und Markthallenstandinhabern nur unter Vorlegung der für die jeweilige Woche geltenden Berliner Brotkarte abgegeben werden. Auf eine Brolkarte entfallt eine Menge bis zu einem Pfund frischen Fleisches oder Fettes. Mehr darf auf eine Brotkarte nicht abgegeben und entnommen werden. Bei einem Einkauf bi» zu Vs Pfund frischen Fleisches oder FetteS muß der Verkäufer das Mittelstück der Brotkarte einmal, bei einem Einkauf von über Vs Pfund bis zu 1 Pfund zweimal durch- lochen. Die Verwendung einer zweimal durchlochten Brotkarte zum Fleisch- oder Fettbezug ist untersagt. Die Durchlochung hat so zu geschehen, daß die Serie und Geltungsdauer auf dem Brot- kartenabschnitt klar erkennbar bleiben. Den Kranken- und anderen Anstalten wird von der Stadt Fleisch durch besondere Ladenschlächter zugewiesen. Gast- und Speisewirtschasten erhalten, soweit sie nicht unmittelbar Vieh beziehen, den ihnen vom Magistrat zugebilligten Bedarf aus Bezugsscheine; sie können auf diese Bezugsscheine bei Ladenschlöchtern, Markthallenstandinhabern und städtischen Verkaufs- Vermittlern kaufen. ES wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen. daß nur die Brotkarten zum Bezug von Fleisch berechtigen, welche auf die Serien Ibis XIX und XXXVI lauten.__ Wer Butter von auswärts bezieht. Der Magistrat teilt mit: .Nach§ 9 der Verordnung über die Abgabe und Entnahme von Butter hat jeder Verbraucher, der Butter von außerhalb bezieht, dies der zuständigen Brotkommission mitzu- teilen und die entsprechenden Abschnitte seiner Butter- karte bei dieser abzuliefern. Diese Bestimmung wird ollem Anschein nach vielfach nicht beachtet, sei es, daß die Anmeldung unterlassen wird, sei eS, daß die Butterkartenabschnitte nicht abge- liefert werden. Es wird jetzt eine genaue Kontrolle der nach Berlin auch durch Postpakete gelangenden Butter eingerichtet werden. Wird hierbei festgestellt, daß die genannte Vorschrift nicht befolgt wird, so wird eine straftechtliche Verfolgung eintreten. Wer freiwillig die bisher unterlassene Anmeldung und Ablieferung vornimmt, soll nicht zur Strafanzeige gebracht werden. Zur Aufklärung über da? bei der Anmeldung einzuschlagende Versahren seien die hiersür maß- gebenden Grundsätze nochmals wiedergegeben: Wer Butter von außerhalb erhält, hat bei Eingang der Butter die Gesamtmenge seiner Brotkommission anzuzeigen. Weiterhin hat er von den Butterkarten der in Wirtschaftsgemeinschaft mit ihm zusammenlebenden Familienangehörigen so viel Abschnitte der Bezugswoche abzutrennen, wie der erhaltenen Butter entspricht. Ist die bezogene Buttermenge größer, so verbleibt ihm der Ueberschuß. Sind die Abschnitte der Bezugswoche bereits ganz oder zum Teil verwendet, so find insoweit Abschnitte der nächsten Woche abzu« ttennen und abzuliefern. Bezieht jemand Butter von außerhalb, die ganz oder zum Teil für andere, nichts mit ihm in WirtschastS« gemeinschaft lebende Personen bestimmt ist und von ihm an diese abgegeben wird, so haben in der Regel alle diese Personen als Bezieher zu gelten; jeder hat also daS auf diesem mittelbaren Wege erhaltene BuUerquantum anzuzeigen und die entsprechenden Butter- kartenabschnitte abzutrennen und abzuliefern." Teigware» für Berlin. Seitens der Reichsgetreidestelle ist für die Stadt Berlin ein größerer Posten Teigwaren(Teigröhren, Nudeln und dergleichen) zur Verfügung gestellt worden. Der Verkauf an das Pnblikum er- folgt durch den Handel; jedoch nur Einwohner des Stadt- b e z i r k s Berlin. Es ist deshalb die Abgabe von der Vor- zeigung eines Ausweises für deu ftädlischen Lebensmitlelverkauf ab- hängig. Die Ausweise sind für jeden Berliner Einwohner ohne weiteres bei den Brotkommissionen erhältlich. Wohltätigkeils- anstalten, die im Stadtbezirk Berlin ihren Sitz haben und sich ver- pflichten, die Teigwaren nur an Einwohner des Stadtbezirks Berlin (nicht der Vororte und Nachbargemeinden) abzugeben, können sich wegen des Bezugs der Teigwaren an die Zentral-Vertriebsgesell- schaft, IfW. 21, Bundesralsufer 12 wenden. Aus dem vierten Stockwerk auf die Straße. In einem Anfall von Geistesgestörtheit sprang gestern morgen der 40 Jahre alte Bau- und Zimmermeister Paul Müller aus der Dircksenstraße 2 vier Stockwerke tief auf die Straße hinab. Der Unglückliche, der in der letzten Zeit Spuren von Verfolgungswahnsinn zeigte, zog sich so schwere Verletzungen zu, daß der Tod aus der Stelle eintrat.— Aus dem Fenster des vierten Stocks des Hauses Pflügerstraße 16 stürzte gestern vormittag das ein Jahr und zwei Monate alte Söhnchen Fritz des Schlossers Hannuk aus der Ossa- straße 46. Die Eltern hatten den Kleinen zu der ihnen bekannten Frau Bachmann in der Pflügerstraße auf ein Weilchen zur Beauf- sichtigung übergeben. Die neun Jahre alte Tochter der Frau Bach- mann spielte mit dem Kleinen und setzte ihn an das offene Fenster, damit er die Leute auf dem Hofe sehen konnte. Plötzlich verlor er das Gleichgewicht und stürzte kopfüber aus dem vierten Stock in die Tiefe hinab. Mit einem Bruch des Nasenbeins und einer schweren Gehirnerschütterung blieb das Kind auf dem Hofe liegen. Auf dem Transport nach dem Krankenhause starb das Kind an seinen schweren Verletzungen.- Frostschaden. Ein Laubenkolonist aus einem südöstlichen Vorort Berlins schreibt uns: In unseren Kolonien ist der Frost besonders stark aufgetreten. Die ältesten Kolonisten entsinnen sich nicht, jemals solchen Schaden durch Maifrost gehabt zu haben wie jetzt. Das Thermometer war stark unter Null gesunken; die Dächer waren mit Eisdecken bezogen. Bis 2 Millimeter starke Eisdecken konnte man am Sonntagmorgen auf mit Wasser gefüllte Konservenbüchsen wahrnehmen. Die Frucht- ausätze der Obstbäume, Stachelbeer- und Johannisbeersträucher, die Blüten der Erdbeeren, viele Blumen, die neuen Triebe der Wein- reden und selbst die unter Schutz gehaltenen Bohnen und Kartoffeln sind dem Frost zum Opfer gefallen. Ein großer Schaden in dieser schweren Zeit, eine verdorbene Freude denen, die Mühe, Zeit und Geld aufwenden, um sich durch eigene Ernte Vorteile verschaffen zu wollen. Ein schwerer Straßcnunfall hat sich gestern morgen in der Neuen Hochstraße ereignet. Als gegen 1IS Uhr der zwölfjährige Artur Hintzpeter vor dem elterlichen Hause Nr. 8 den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde er von einem Geschäftsautomobil, das die Nummer 3612 trug, und dessen Annäherung der Knabe wohl nicht bemerkt hatte, umgerissen. H. erlitt bei dem Sturz aus das Straßenpflaster einen schweren Schädelbruch. Von der Unfallstation in der Lindower Straße, wo der Verunglückte einen Notverband erhielt, wurde der Knabe in sehr bedenklichem Zustande nach dem Virchow-Krankenhause gebracht. Im Straßciigctricbe schwer verunglückt ist-Montagabend der 'Offizierstellvertrüler Nähert. Westphäk aus Weueüd. Als er am Leipziger Platz zwischen den-Torgebäuden den/Fahrdamni der Leipziger Straße überschrmten wollte, stieß eine Kraftdroschke ihn um und schleifte ihn ein Stück Weges mit. Der Verunglückte wurde dann mit dem Wagen nach der Verbandsstelle des Roten Kreuzes auf dem Potsdamer Bahnhof und von dort nach dem Reserve- lazarett im Kunstgewerbemuseum gebracht. Dort liegt er schwer danieder. Die Aerzte stellten außer Quetschungen am Hinterkopf und dem linken Arm und Bein und Hautschürfungen am Gesicht auch einen Rippenbruch an der rechten Seite fest. Vermißt wird der Musketier Paul Schleuß, Res.-Jnf.-Regt. Nr. 59, 1. Bataillon, 3. Komp., seit 31. Juli 1315. Kameraden oder deren Angehörige, welche Nachricht geben können, werden höflichst ersucht, solche an die Eltern, R. Schleuß, Berlin N 58, Lhchener Str. 22, zukommen zu lassen. Mus öen Gemeinöen. Charlottenburger Lebensmittelversorgung. Die Charlottenburger Lebensmitteldeputation befaßte sich in ihrer letzten Sitzung eingehend mit der Frage der Milch- und Butterversorgung. Es wurden Maßnahmen beschlossen, die eine vermehrte Einfuhr von Milch erzielen sollen. Die Stadt Eharlottenburg hat, wie schon berichtet, für die Ver- sorgung ihrer Bevölkerung mit frischem Gemüse in umfang- reichem Maße dadurch gesorgt, daß sie etwa 156 Morgen mit Ge- müse bebaut hat, die recht erhebliche Erträge schon in diesem Jahre auf den Markt bringen werden. Aber auch für die Versorgung ihrer Bevölkerung mit Dauergemüse wird der Magistrat durch Sicherstellung des Bezuges Sorge trägem Die Stadt wird sich an der von den Groß-Berliner Gemeinden geplanten Gemüse- einkaufs-Gesellschaft beteiligen.— Die Frage der Fleisch ver- s o r g u n g beschäftigte die Deputation in längerer Aussprache. Sie stimmte grundsatzlich einem Vorschlage zu, jedem Haushalt entsprechend der Zahl seiner Mitglieder durch eine Fleischkarte eine destimmte, der Zufuhr entsprechende Fleischmenge sicherzu- stellem Im Zusammenhang mit der Ausgabe der Fleischkarte sollen noch andere Maßnahmen getroffen werden, um den An- drang vor den Läden zu beseitigen. Die bisher für den Ankauf des städtischen Schweinefleisches ausge- gebenen Fleischkarten werden nicht erneuert. Bei dem Fleischvcrkauf am heutigen Mittwoch haben sie zum letztenmale Gültigkeit, und zwar wird auf die nicht eingelösten Abschnitte der Woche vom 8. bis 14. Mai ein Pfund Fleisch oder ein Pfund Fett abgegeben werden. Bis zur Ausgabe der ge- planten neuen Fleischkarten wird das Schweinefleisch wie die ande- ren Fleischarten in Charlottenburg in bestimmten Mengen gegen Vorzeigung der Lebensmittelkarte verkauft werden. Goulaschkanonen in Charlotteuburg. Bei dem am Montag eintretenden ungeheuren Andrang während des ersten Versuches der Speisung durch Goulaschkanonen ist es nicht möglich gewesen, die Ausgabe, wie beabsickitigt, auf der Straße statt- finden zu lassen. Es sollten versuchsweise nur eine Menge von 666 Liter Speise verausgabt werden. Die Bevölkerung hatte sich zu Ta usenden angesammelt. Es kann daher bis auf weiteres die S peisung in dieser Weise nicht stattfinden. Der Magistrat will ich leunigst für andere Regelung dieser Angelegenheit die nötige Vor« sorge treffen.__ Billiger Kartoffelvcrkauf an Neuköllner Kriegerfrauen. Der Magistrat Neukölln gibt bekannt, daß vom 15. d. M. ab Speisekartoffeln in halben und ganzen Zentnern zum Preise von 6 M. der Zentner auf dem städtischen Eiswerk. Mittelbuschweg 26/27, an Kriegerfrauen gegen Vorzeigung der Unterstützungskarte und Ab- gäbe der erforderlichen Kartoffelkartenabschnitte verkauft werden. Lebensmittelversorgung in Köpenick. Die Fleischdersorgung wird durch Bekanntmachung des Magistrats vom 15. Mai wie folgt geregelt. Die Brotkarten der vorigen Woche werden bei dem Schlächter abgegeben, bei dem man Fleisch zu ent- nehmen gedenkt. Ueber die Ausgabe der Fleischkarten erfolgen weitere Bekannlmachungen. Die Hausbesitzer sind aufgefordert, bis 18. d. M. die Hauslisten abzugeben.— Der Preis der Speise- kartoffeln beträgt vom gestrigen Tage ab für 16 Pfund 76 Pf. An die Händler der Stadt sowie an die Verkaufsstellen des Konsumvereins werden in diesen Tagen aus den städtischen Beständen verschiedene Waren zum Verkauf an die Kövenicker Einwohner und zwar gegen Vorlegung der Brotkarlen von Nr. 36 666—61 666 ab- gegeben. Auf jede Brotkarte wird �/zPfd. Kartoffelmehl abgegeben. Die Konserven werden in geöffnetem Zustande verkauft, um der Hamsterei vorzubeugen. Auch sind Fleischkonserven bei den Schlächtermeistern zu haben. Die fleischlosen Tage sind seit dieser Woche auf dieselben Tage verlegt(Dienstag und Freitag) wie in Berlin. Die vom Magistrat fest- gesetzten Preise für die von der Stadt abgegebenen Lebensmittel lauten wie folgt: Es kostet je ein Pfund Marmelade-Sorte I Vier- ftucht, Johannisbeer mit Apfel 6,66 M., Kartoffelmehl 6.32 M., Haferflocken 6,76 M., Maisgries 6,66 M., Makkaroni 6,75 M., Spaghetti 6,75 M., 1 Zweipfunddose Reisgemüse 1.26 M., 1 Zwei- pkunddose Rindfleisch mit Graupen 3,26 M., 1 Dose kondensierte Milch 1,26 M. Die Stadt hat ferner eine größere Menge Futterschrot für Schweine und Kleintiere überwiesen bekommen und wird dieses pro Pfund mit 26 Pf. gegen Vorlegung der Köpenicker Brotkarte abgegeben, und zwar bei Liese, Schloßstratze 8; Schneider, Müggelheimer St. 5; Stippekohl, Glienicker Straße 25, und Hoffmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 9. Die Auszahlung der Kriegsfamilienunterstützung für die Be- wohner der Kictzer Borstadt findet jetzt in der Turnhalle der Doro- theenschule in der Freiheit statt. Kinderveranstaltung in Neukölln! Heute Spielausflug nach dem Treptower Park. Treffpunkt 3 Uhr Wildenbruchplatz(Elsensteg). Gerichtszeitung. Unterbrochene Strafvollstreckung. Der preußische Justizminister weist in einer Verfügung darauf hin, daß seit Beginn des Krieges zahlreiche zu Gefängnisstrafen ver- urteilte Personen aus verschiedenen Gründen aus den Gefängnissen entlassen worden sind, ohne daß sie in das Heer eingestellt worden wären. Es bedeute nur eine unbillige Härte, wenn ein Verurteilter zur Verbüßung eines kleinen oder eines im Verhältnis zu dem be- reits verbüßten Strafteil unerheblichen Strafrestes die Strafe wieder antreten müßte. Die Ersten Staatsanwälte haben deshalb in ge- eigneten Fällen über Erwirkung eines Gnadenerweises oder einer sonstigen Vergünstigung an den Justizminister zu berichten. Ueber Strafvollstreckungen, die den Amtsgerichten obliegen, ist an den Ersten Staatsanwalt zu berichten.___ Umfang der Steuererklärung. Wegen unrichtiger Steuererklärung war der Kaufmann Koop- mann in Herford angeklagt worden, weil er in einer Steuererklärung für 1913 das Zinseinkommen aus 5666 M. nickit angegeben halte. Diese Summe war auf die Namen seiner unmündigen Kinder bei der Sparkasse eingezahlt. Die Summe hatte er für seine Verdienste um eine Herforder Ausstellung erhallen. Der Angeklagte bestritt, sich strafbar gemacht zu haben. Das fragliche Kapital gehöre seinen Kindern, aus deren Sparkassenbücher es eingetragen sei. Er würde nur verpflichtet gewesen sein, es anzugeben, wenn er ausdrücklich zu Angaben für die Kinder aufgefordert worden wäre, was nicht ge- schehen sei. Die Strafkammer in Bielefeld verurteilte� jedoch den An- geklagten zu einer Geldstrafe Won 1 6 6 M a r k. weil er das Zins- emkömmen aus dem Kapital seiner Kinder ohne weiteres hätte' an- geben müssen. Das Ka mmergerich t verwarf jetzt die noch vom Angeklagten eingelegte Revision mit folgender Begründung: Die Einwände des Angeklagten gingen fehl. Er übersehe dabei, daß das Zinseinkommen der noch unmündigen Kinder nach dem Bürgerlichen Recht gar nicht ihr Einkommen, sondern sein Einkommen sei, da er den Nießbrauch habe. Als sein Einkommen hätte er es aber ohne weiteres in der Steuererklärung angeben müssen. „Wahrsagerin wunderbar". Eine jener Personen, die die Hintettreppen der Wohn- Häuser unsicher machen und leichtgläubigen Dienstmädchen durch allerlei Hokuspokus Geld abzunehmen verstehen, ist die Händlerin Marie W a p p l e r, die gestern unter der Anklage des Betruges vor dem Schöffengettcht Berlin-Mitte stand. Als Belastungszeuginnen gegen sie traten zwei Dienstmädchen auf, deren eines, eine Köchin, beim Betreten des Saales mit erhobenem Schirm auf die Angeklagte losstürzte und sie am liebsten verprügelt hätte, wenn sie nicht der Gerichtsdiener daran gehindert hätte. Die Angeklagte handelt mit Spitzen und sucht ihre Kund- schaft zumeist unter den weiblichen Dienstboten. Der einen der beiden Zeuginnen hat sie vorgeflunkert, wahrsagen zu können, wenn sie ihr ihre Sachen, um den Segen darüber zu sprechen, auf eine Viettelstunde überließe. Das Mädchen kam dieser Anregung in erstaunlich naiver Weise nach und, brachte der Angeklagten ihre Habseligkeiten im Werte von 27 M., mit welchen sich Frau Wappler entfernte, ohne zurückzukehren.— In dem zweiten Falle hat sie der Köchin vorgeredet, sie könne ihre „Flechtenkrankheit" heilen, wenn sie ihr ihr Geld, ihre Wertsachen, ihre Kleidungsstücke und Bettwäsche auf eine Viertel- stunde überließe. Auch in diesem Falle hatte sie vollen Erfolg; hier fielen ihr Sachen im Gesamtwerte von 256 M. zur Beute.— Da die Angeklagte auf gleichem Gebiete schon einmal vorbestraft ist, be- antragte der Staatsanwalt gegen sie ein Jahr und sechs Mo- nate Gefängnis. Das Schöffengericht erkannte auf neun Monate Gefängnis und rechnete einen Monat der Untersuchungshaft auf die Strafe an. �-• Wann wird der Aberglaube aufhören, der solchen Wahr- sagereien günstigen Boden schafft? Kriegerfranen vor dem Schöffengericht. Vier Arbeiterfrauen, deren Männer im Felde sind, standen mit einer Masse anderer eines Tages in der Dresdener Hauptmarkthalle, um auch ein kleines Teil von Kartoffeln zu erlangen, deren Verkauf angekündigt war. Es war um dte Zeit der größten Kartoffelnot. Die vier hatten, wie sie an- geben, schon seit längerer Zeit keine Kartoffeln mehr kaufen können. Die eine der Frauen hatte sechs Kinder zu ernähren. In der angesammelten Menge herrschte furchtbares Gedänge und große Aufregung. Der Hallenaufseher ließ sich dem Un- willen der vier Frauen gegenüber dazu hinreißen, der einen eine Ohrfeige zu versetzen. Viele der stunden- lang wartenden Frauen mußten ohne Kartoffeln wieder heimgehen. Ein Trupp von etwa� 80 Frauen zog nach dem Rathause, an der Spitze die vier. Unterwegs wurden sie von Gendarmen angehalten und aufgefordert, auseinanderzugehen. Zwischen den vier Frauen und den Beamten kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen und schließlich zur Arretur. Die eine der Frauen wurde zunächst von einem Gendarmen angehalten, der ihr die Arme nach dem Rücken drehte. Die Frau behauptet, daß ihr das große Schmerzen verursacht habe. Die vier sollen� sich gewehrt beziehungsweise versucht haben, die eine zu befreien. Sie wurden nach diesem Vorfall angeklagt und vom Dresdener Schöffengericht wegen Widerstand, Gesang enenbefr ei ung und grobem Unfug zu zwei bis sieben Wochen Gefängnis und Haft verurteilt. Gegen diese Urteile legten alle vier Frauen Berufung ein, die jetzt vom Landgericht verworfen wurde. Das Gericht erklärte in der Begründung, daß daS Urteil als sehr milde bezeichnet werden müsse, denn das Ver- hasten der Frauen grenze an Aufruhr und Ländfriedens- bruch._. Mus aller Welt. Tie verkannte Fürsorge des LandratS. �Jn Nr. 37 des Karthäuser„ÄreiSblattes" veröffentlichte der dortige Landrat nachstehende öffentliche Bekanntmachung: Fleischversorgung in Karthaus. Am Sonnabend, den 6. Mai, sollte nach Bekanntmachung im Kreisblatt Nr. 36 auf der hiesigen Freibank eine Kuh Versteigerl werden. Nach Bericht des Schlachthofbeamten ist über die Hälfte von dem Fleisch an hiesige Fleischer abgegeben, weil'das Publikum mäkelte. ein Beweis, daß für dieKarthäus er noch zu viel Fleisch auf den Markt kommt, was ich im Jnter- esse anderer Gemeinden ändern werde. Wer in der jetzigen Zeit übermütig ist und mäkelt, dem müssen die Fleischtöpfe noch höher gehängt w e r d e n I Karthaus, den 8. Mai 1916. DerLandrat. Simon. Hierauf erwiderten mehrere Karthäuser Hausfrauen in der „Danziger Zeitung" folgendes; i. Die Kritik des Herrn Landrats richtet sich allgemein an .die Karthäuser", trifft mithin uns Hausfrauen jeden Standes gleichmäßig. Hatte der Herr Landrat denn auch seine Wirtin zum Einkauf für den eigenen Bedarf geschickt? oder rechnet er sich noch immer nicht zu den Karthäusern, sollte das Freibank- fleisch nur bestimmt sein sür die anderen, die»verd... Kaschuben"? 2. Wir waren bisher der Änsicht, daß alle die Frauen, die in der Lage sind, sich' das teurere Fleisch vom Fleischer zu laufen, von den Freibankverkäufen zurücktreten müßten zugunsten der ärmeren Bevölkerung. An solche kleinen Grundsätze denkt natürlich der Herr Landrat nicht. 3. Hat der Herr Landrat sich das.bemäkelte" Fleisch an- gesehen, bevor er seinen Erlaß losließ? Wie uns gesagt wurde, war es Fleisch von einer irgendwo im Kreise von einem Arbeiter no tg e s ch l a'ch teten Kuh. Jedenfalls war das Fleisch schmutzig, zerrissen und hatte ein so unappetitliches und widerliches Ausseben, daß nickil nur das Publikum„mAelte", sondern der betreffende Schlachthofbeamte selbst zu einer Frau erklärte, das Fleisch könne man nicht essen. Aber auf höheren Befehl des Herrn Landrats war es nun einmal, weil es für die.Kaschuben" natür- lich noch gut genug war, aus die Freibank gekommen. Und Plötz- lich zeigten sich die.Kaschuben" so.übermütig", daß sie sogar dies Freibänkfleisch Nicht.fressen" wollten, wie man sich wohl aus- zudrücken beliebt. DaS ist der Sachverhalt. Wir Hausfrauen aber legen hiermit öffentlich Prolest ein gegen diese Art der Behandlung durch den Herrn Landrat und gegen die ganze Art, mit der wir .Kaschuben" abgetan werden. Wir wollen heute noch nicht all die schönen Titel wiedergeben, mit denen man uns täglich be- legt. Aber wir protestieren! Karthäuser Hausfrauen- �Diese energische Antwort wird der Herr- Landral wohl nicht hinter den Spiegel stecken._ Entdeckung eines schweren Verbrechens. Als vor einigen iZjäMstHh«VWjedMeiWi L-U II in V e r s i n bei Bütow(Pom- «ernj-stzinen Äcker umgvüb, sstietz er äü'f eine Kindesleiche, von der der Kopf abgetrennt war. Der entsetzte Mann erkannte in dem Toten seinen vor zwei Jahren plötzlich verschwundenen vierjährigen Sohn. Verletzungen waren zwar an der schon stark verwesten Leiche nicht mehr zu erkennen, aber- zweifellos ist der Knabe einem Verbrechen zum Opfer" gefallen. Uckter der Leiche lag ein Spazierstock, der jedenfalls dem Mörder angehört hat. Die Staatsanwaltschaft in Stolp hat auf die Ermittlung des Mörders eine Belohnung aus- gesetzt. Bier russische Mörder verhaftet. Die vier russischen Kriegs- gefangenen, die am Karfreitag zwischen Jakobshagen und Jakobs- dörf(Pommern) auf ihrer Flucht aus einem Gefangenenlager den Stellmacher Joecks aus Jakovsdorf so schwer verletzten, daß er bald darauf starb, sind festgenommen worden.- Sie hatten sich in zwei Gruppen geteilt und suchten nach Rußland zu gelangen.'Zwei der Flüchtlinge wurden bei Deutsch-Krone, die beiden anderen�dicht an der russisch-polnischen Grenze ergriffen und sämtlich nach Stargard in das Gefängnis gebracht. Schreckenstat eines Wahnsinnigen. Im Wahnsinn tötete der Hofbesitzer Grundj�äger in Nordendorf bei Augsburg seine Ehefrau mit einer Säget Zwei Kinder wurden von ihm schwer verletzt. Bootsunglück- auf dem Rhein. Bei Sphck i Regier ungsliezirk Düeldorf) kenterte aus dem Rhein ein mit fünf Personen besetztes Fischerboot. Drei Insassen ertranken. Nachforschung nach der Heiche des Frouenmöeders Kih. Aus Budapest wird gemeldet: Eine Polizeikommission hat sich nach Baljesso begeben� um den Leichnam des unter dem Namen Belg Kitz beerdigten Soldaten auszugraben. Man defürchtet aber, daß der betreffende Mann in ein Massengrab gelangt ist, so daß seine Feststellung unmöglich sein wird. Dieser Tage erhielt die Polizei die Anzeige, daß Kiß 1366 mit einer Artistin ein Verhältnis angeknüpft hat,'die' noch drei Tagen spurlos verschwand.— Im Lause der Verhöre mit Johann Nagy, dem vermutlichen Genossen des Cinkotaer Ptörders, wurde eine wichtige«spur zutage gefördert. 'Nagy mußte zugeben, eine Bekanntschaft mit der Vcszpremer Ein- wohnerin Katberine Grubics gehabt zu haben, die er hei- raten wollte. Er lernte'sie in Veszprem kennen; später kam sie nach Ofen-Pest und soll auch zugesagt haben, ihn zu heiraten. Aus der Ehe wurde abex nichts und die GrubicS blieb seither ver- schollen. Die Polizei bemüht sich nun, ihren Aufenthaltsort festzu- stellen. Auf Anordnung der Polizei wurde der Füßboden der Woh- nung von Bela Kiß aufgerissen und das Erdreich umgegraben. Bis- her wurde jedoch nichts Wesentliches gefunden. Einführung der Sommerzeit in England. Das Renterschc Bureau meldet aus London: Im Unterhaus wurde die Sommer- zeitbill in dritter Lesung einstimmig angenommen. Ein Fehlbetrag in Monte Carlo. Die Spielbank in Monte Carlo schließt zum ersten Male seit ihrem Bestehen mit einem Verlust ab. Der Verlust beträgt sechseinhalb Millionen Frank für das Jahr 1915. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindeverttetungen. Rosenthal. Donnerstag, den 18, Mai, abends 6 Uhr, im großen Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes, Hauptstr. S4. Diese Sitzungen sind össentlich. Jever GcmeindeangehSrige ist be> icchiigl, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. WetterauSsichten kür das mittlere Norddeutschland diS Donnerstag mittag. Ein wenig wärmer. Zunächst trocken und vielfach heiter, später im Westen beginnende neue Trübung und stellenweise elwaS Regen. Sriefkasten See Neöaktkon. E. G. 3Z. 1. Ja. 2. Sie müssen sich vom Armenvorstehcr ein?lrmin° öltest ausstellen lassen und unter Einreichung dieses Attestes beim üand' gericht einen Antrag aizs Beiordnung eines Rechtsanwalts stellen.— M- <15., Liebcnmaldcr Sitrasze. Der Erlag über die Zahlung der Löhnung datierst vom Juti tSIö. Die Löhnung wird erst vom Tag« der Stellung des Antrages gezahlst— Emma 50. Der Urlaub wird in diesem Falle sicher-gewöhrt werden. KriegZunkerstützUNg wird kewllligk, wenn Bedürftig- keit vorliegt. Die Witwcnreute wird nicht gezahlt, wenn der Tod des Kriegsteilnehmers innerhalb drei Monate nach Eingehung der Ehe erfolgt. — F. P. 120. 1. Ja, Antrag ist an das Ersatzbataillon des Regiments zu stellen, von dem der Sohn eingezogen wurde. 2. Nein. 3. Davon ist uns nichts belannt.— K. 11. 1. Von einer solchen Klausel ist uns nichts bekannt. Wir würden Ihnen empfehlen, wegen der Verweigerung des Ver< pslegungsgeldes den instanzenmätzigcn Beschwerdeweg zu beschreiten.— M. M., Berlin. In diesem Falle würden Ihnen aus Antrag beim Vormundschafisgericht die Vaierrechte wieder zugesprochen werden, s P. F. Sie müssen beim Amtsgericht die Ansehung eines Termins zwecks Austritts aus der Landeskirche beantragen. Sie erhalten dann eine Zlusfm derung, innerhalb einer vom Gericht festzusetzenden Frist Ihre Austrittserklärung vor dem Amtsrichter persönlich abzugeben.— Im Felde. 1. JJa, es soll ihnen aber vom BckleidungSgeld abgezogen werden. 2. Sie haben keinen Anspruch. Deutscher(Mailjeiter-Yepliaiiil Vorwaltungsstello Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Dreher Hermann Bornemann Elbinger Straße 55, am 13. Mai an Lungenlcidcn ge- starb en ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 17. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle d es slädtifcheii Zentral-FricdhoseS in Friedrichsseide aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dach unser Kollege, der Heizungsmonitcur Wilhelm Bannenderg Amsterdamer Straße 9, am 8. Mai gefbirben ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 18. Mai, nach. mittags 2°/, Uhr, von der Leichen- halle des Philips'us-Apostel Kirch- bofS in der Alüllerstraße, Ecke Seestraßc, aus statt. Rege Beteiligung wirb erwartet. Nacbruf. Den Mitaliedor» ferner zur Nachricht, daß u»!er Kollege, der Rsphrlcger ttermaall Lsrtelt am IQ. Mai an Nierenleiden ge- starben ist. Ehre seine« Andenken 1 Die OrtSverwaltnng. Tastlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Zigaretten- maschineiihilfsaibciterin Witwe Äiins Fulirmann am 14. d. Mts. im Alter von 31 Jahren verstört-«, ist. Ehre ihrem Slndenken! Die Beerdigung findet am Donnerstagnuchmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Neuköllner Friedhofes, Maricndorser Weg. aus statt. 187/3 Die Ortsverwaltnng. AlS Opfer des Weltkriege» siel l mein lieber herzensguter Mann, ! meines Kindes treusorgender I Vater, der Landsturmmann Fritz ilbrecht. DieS zeigen tiesbetrübt an Llise Albrecht, geb. FinricH«. Walter Albrecht. Treues Gedenken. Zum Sterbetage meines nmig- geliebten unvergeßlichen Mannes, guten Vaters, Sohn, Bruder und Schwager, des Wchrmannns Wi\Mm Pöngel gefallen am 17. Mai 1913. Aus fremder Erde schwer und müde Sank hm Dein Haupt zur ewigen Ruh. Fürs Vaterland gabst Du Dein Leben. Schlaf wohl, geliebter Mann, Vater und Sohn. 134A Deine Dich nie vergessende Frau Püngel geb. ti nitre nebst Tochter, Stolpischestr. 19. Deutseher fräuspl!rtarheit.-Verh. Berirl/, monatigen harten und schweren Kämpfen mein ge- liebter, treuer Mann, der Gefreite Franz Riesling H Füfilier-Reg. Nr. 33, 5. Komp. Deine trauernde Hinterbliebene Witwe.Jolmuna Kieslins, geb. Weber, Mirbach str. 68. Lieber Schuinmcl, Pinn, wir haben uns nie wieder gesehen, Du schläfst so weit von mir. 694b Dein liebes Hannchen. Am Sonnabend, den 13. Mai, verschied nach kurzen, schweren Leiden unser herzensguter Sohn, lieber Bruder, Schwager und Onkel psul Oenigk im 18. Lebensjahre. Die tiesbetrübten Eltern und Geschwister. Wilhelm Oenigk. 118A Schönweider Str. 4. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Mai, nachmittags 3'/. Uhr, von der Halle Gemeinde-'Friedhofs Neukölln, Maricndorser Weg, auS statt. Verhand der Fabrikarbeiter Deutsehlands. Zahlstelle Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Bnutio Anders am 13. Mai 1516 verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 17. Mal, nach- mittags U,5 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Die Ortsverwaltnng. Den Mitgliedern daß unser Kollege, wicht. ler Deotseher Holzarbeiterferband. Zahlstelle Berlin. ur Na> >er Tis Wilhelm Küthe Sorauer Straß« 6 im Alter von 58 Jahren ge- storben ist. Ehre seknem Andenke»! Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 18. Mai, nach- mittags 4 Uhr, im Krematorium in der Gerichtstraß« 37/38 stait. Um rege Beteiligung ersucht 86/17 Die Ortsverwaltung. Nach 16 jähriger glücklicher Ehe raubte mir der Tod meine liebe Frau Auguste Schuster geb. Gollnb. Im Namen der Hinterbliebenen Albin Schuster« Tilsiter Str. 48. Die Beisetzung geschieht Freitag 4'/, Uhr aus dem Zentral-Friedhof in Friedrichsfelde. Mastkostüme, Arbeitslohn 25,—, Einzelverkauf. Frühjahrs-Neuheiten. Reitzes, Tilsiterslraße 83. König- stadt 1109. 501b' Hnnahntestellen für„Kleine anzeigen" Fischer. Bastianstraße 6. I. Hönisch, Müllerstr. 34a. Kcrlin C. 91. Hahnisch. Nckerstr. 174. O. Karl Melle, Petersburger Platz 4. N. Wenzels, MarkuSsiraße 36. XU. L. Zucht, Jmmanueikirchstr. 12. Äf. 91. Wolgast, Wattstraße 9. H. Karl Mars, Greisenhazener Str. 22. H. Bogel. Lortzingstr. 37. 1VW. Salomon Joseph, Wilhelmshavener Str. 48. SW. G. Schmidt, Bärwaldstr 42. St. Frin, Prinzenstr. 31. H. Lehmann. Kottbufer Damm 8. 8Q. Pont Böhm, Laufitzer Platz 14vi?s I. Otto Seikel, Wartenbergstt. 1. L-ichtenberg II. 91. Rosenkranz. Alt-Boxhagen 5«. Kenkölln. Nt. Heinrich, Neckarstr. 2. E. Rohr, Siegfried- frraße 28/29. 3lIe«lei?-8Qkönen�eI«Ie. Wilh. Unruh, Brückeustr. 10. Xn-nnves. Karl Krohnberg, Eiscnbahnstr. 10. Uber-Sobönevelde. Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden. Pnnkan'. Otto Rist man», Mühlenstr. 30. Ilelnlekendarl. P. Gurich, Provinzstr. 56, Laden. SchönebcFg. Wilhelm Bäuinler, Ateininger Str. 9 im Lade». Spnndnn. Schuhmacher, Lreitestt. 64. tSreglltzr. H. Bernsee, Alsenstr. 5. Tempelbol. Joh. Krohn, Borujsiastr. 62. Dreptssv. 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