Ar. 137.-33. Jahrg. flbenncmentS'Bedlngungen: Wonnements. Preis ptäimmeimib» eiraeljätitl 3,90 Ml. monaiL 1,30 Ml. -»öchenllich 30 Vfg, frei ins Haut- Einzelne Nuvuner 5 Pfg, SorattagJ. runmiei mit wustrierter Sonntogä- SeUage.Die Neue Welk' tO•Pjg. Post. «ibonnemeM: 1 ,30 Marl Uro Monat eingetragen in die Posi.Zettungz. Srerslisie, llnter Kreuzband lür Deutschland und Oeiierreich- Ungarn if Biarl, für das übrige Ausland t Marl pro Monat Postabonnements nehmen an Belgien, Dänemarh Polland, Italien, Luxemburg, Poriugah «tutnänien Schweden und die Schweis [ 5 Pfennig) Die TnfertionS'Gebüljr betrügt für die sechsgesvaltene Kolonelzeile oder deren Raum SO Pig,, für holitifche und gewerlfckaftliche Vereins» und Versarnrnlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Znreigen". das fettgedruclte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fetigcdruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. Ltellengesuche und �chlafficllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Buch- 'taben zählen für zwei Worte, Nnieral« "t bie nächste Nummer müssen bis _ Uhr nachmittags in der Expedition »dgegeben werden Die Exveditw» ijt dt» 7 Uhr abends geöffnet. CrfdieiDt ldgllch. Verlinev Volksblcrkk. Ilelegramm-Adreffe: �»ÄdiaewsIiM llerlilt". ZcniraXorqan der rozialdcmokratircbcn Partei Deutfcblands. UeöaPtion: EW. 68, Linüenstraße 3. kfernivrerber: Am, Morjtzvla«, Nr. ISl 30—131 37. Freitag, den 19. Mai 1916. Expedition: Ew. 68, Linüenstraße 3. Kernsprecher: Amt Morichplati, Nr. 131 33—131 37. Die /Ilanösfrage. Die nachstehend wisdergegebene Erörterung der Alands- trage in beiden Häusern des schwedischen Reichstags bildet eine wichtige Etappe in der Entwickelung der Beziehungen zwischen Schweden und Rußland, die jetzt in ein kritischeres Stadium eingetreten zu sein scheinen als während der gairzen Kriegszeit. Den Anstoß für diese Erörterung gab die Interpellation, die der frühere Sozialdemokrat Professor Steffen am 2. Mai in der schwedi'chen Ersten Kammer einbrachte. Diese Interpellation richtete sich gegen die feit November vorigen Jahres von Rußland widerrechtlich vor- genommene Verstärkung der Befestigungsanlagen auf den Alands-Jnseln, die eine Bedrohung Schwedens bilden. Die Erste Kammer stimmte der Interpellation Steffen mit 77 gegen 52«stimmen bei, und von diesem Augenblick an kon- zentrierte sich die Aufmerksamkeit der breitesten Kreise der schwedischen Bevölkerung auf diese Frage, die in der Tat für die künftige Politik Schwedens von eminenter Bedeutung ist. Um diese Tatsache zu würdigen, müssen zunächst einige kurze geographische und geschichtliche Daten angeführt werden. Tie Alands-Jnseln sind eine Gruppe von vielen hundert Granitinseln, mit einem Flächenraum von 1426 Quadrat- kilometern, die am Eingang aus der Ostsee zum Bottnischen Meerbusen zwischen der finnischen Hafenstadt Abo und Stock- Holm liegen. Die Entfernung von der finnländischen Küste beträgt hier 86— 156 Kilometer, doch ist hier nicht offenes Meer, sondern ein wahres Labyrinth von winzigen Eilanden, Holmen und Klippen. Die Bewohner dieser Inseln sind schwedischer Herkunft, und die Inseln gehörten jahrhunderte- lang zu Schweden. Erst nach dem vierten Russisch-schwedi- scheu Kriege in den Jahren 1868/69 fielen sie laut dem Friedensvertrag von Frederikshamm an Rußland. Indessen mußte sich Rußland im Jahre 1856 in einem Zusatzabkommen zum Pariser Frieden, der den Krimkrieg abschloß, verpflichten, die Alandsinseln nicht zu befestigen. Allerdings wurde dieser Vertrag nicht zwischen Rußland und Schweden, sondern zwischen den Kontrahenten dieses Spezialabkommens, näm- sich Rußland, Frankreich und England, abgeschlossen. Der entsprechende Passus dieses Aktenstückes lautete, »daß die Alands-Jnseln nicht befestigt werden sollen und daß daselbst ein militärisches oder maritimes Etablissement weder unierbalten noch begründet»verden soll". Einen internationalen Charakter gewann dieses Spezialabkommen dadurch, daß es dem an demselben Tage unterzeichneten Pariser Friedensvertrage einverleibt und von den Unterzeichnern dieses Vertrages, zu denen auch Preußen und Lesterreich-Ungarn gehörten, ausdrücklich bestätigt wurde. In der Tat wurde denn auch bis in die neueste Zeit hinein allerseits an dieser Bestimmung festgehalten, und als der russische Minister des Aeußeren, Jswolsky, im Jahre 1968 den Versuch machte, die Aufhebung des Vefestigungsver- bots der Alands-Jnseln durchzusetzen, scheiterte dieses Vor- haben nicht bloß an der heftigen Protestbewegung in schweben, sondern auch an dem ausdrücklichen Einspruch Englands, alä eines der Kontrahenten des Abkommens von 1856. Gegenwärtig hat sich die Frage des Befestigungsverbots auf den Alands-Jnseln insofern geändert, als Frankreich und England, als die Verbündeten Rußlands, ein gemeinsames Interesse mit ihm haben, daß die maritime Stellung Ruß- lands im nördlichen Teil der Ostsee und der sinni'che Küsten- schütz durch die Errichtung von Befestigungen aus den Alands- Jnseln verstärkt werden sollen. Es ist deshalb kaum anzu- nehmen, daß die Mitunterzeichner des Spezialabkommens von 1856 jetzt gegen den Bruch dieses Abkommens durch Ruß- land protestieren würden. Anders jedoch liegen die Dinge für S ch w e d e n. Me Professor Steffen bei der Begründung seiner Interpellation in der Ersten Kammer auseinander- setzte, sind die jetzt angelegten russischen Befestigungswerkc auf den Alands-Jnseln so gruppiert, daß sie offensiven Zwecken dienen, obwohl sie außerdem auch, was die auf der Südseite gelegenen Werke anbelangt, bei einein feindliche« Aniall gegen die finnische Bucht zum Schutz der Flanken- stellung beitragen, die die russisch-engsischen Torpedoboote an den Schären Alands und Abos besitzen würden. Ferner tragen diese Befestigungen einen solchen Charakter, daß sie den Bott- niscben Meerbusen völlig versperren und eine gesicherte Brücke zwiseben der sinnischen Küste und der nächsten Umgebung der schwedischen Hauptstadt bilden können. Nun erklären zwar die Russen, daß diese Befestigungen nur einen defensiven und provisorischen Charakter trügen und keinesweas gegiw das befreundete Schweden gerichtet seien. Es bleibt aber auch bei wohlwollender Einschätzung dieser russischen Zu- Sicherungen von schwedischer seite trotzdem wahr, was Ge- nosie Branting im Jahre 1968, als� die Gefahr der Bcfesti- gung der Alands-Jnseln auftauchte, im Stockholmer„Sozial- democraten" schrieb: »Ein mit Gewalt verrußtes Finnland und ein befestigtes Aland schließen Konsequenzen ein. die auch für Schweden von schicksalsschwerer Art sind." Eine ähnliche Einschätzung haben nun die widerrechtlich vorgenommenen Befessigungen der Alands-Jnseln in den beiden Kammern des schwedischen Reichstags gefunden. Ten Kernpunkt dieser Erörterung bildete die Erklärung des Ministers des Aeußeren Wellenberg, daß diese Frage eine Lebensfrage für Schweden sei, und zwar jetzt genau so wie 1968. Im Namen der Regierung gab er der Kammer die Zusicherung, daß die Regierung es für ihre Pflicht halte, diese Frage mit der unerläßlichen Aufmerksamkeit zu ver- folgen, und daß sie nichts unterlassen werde, um auf diesem wie auf anderen Gebieten die Rechte und Interessen Schwedens wahrzunehmen. Diese Erklärung ver dient um so mehr Beachtung, als sie verknüpft wurde mit der Versicherung, daß Schweden den festen Willen habe, seine Selbständigkeit und Neutralität zu wahren. Die Vertreter der verschiedenen Parteien, die nach dem Minister zu Worte kamen, schlössen sich den Erklärungen des Ministers einmütig am Insbesondere ist hervorzuheben, daß der Redner der sozialdemokratischen Neichstagsfraktion, Ge- nosse Branting. dem Minister für seine Erklärung dankte, die Regierung werde nach all en Seiten hin an dem Selbstbestimmungsrecht Schwedens und an der bisher be- obachteten Neutralität festhalten. In der Alands-Fragejtellte sich Branting im Namen der Fraktion auf denselben Stand- Punkt, den sie im Jahre 1968 einnahm und sprach die lebhafte Hoffnung aus, daß es der Regierung gelingen möge, durch- zusetzen, daß die Inselgruppe wie bisher auch in Zukunft unbefestigt bleibe. Gerade diese durchaus loyale und konsequente Erklärung des Genossen Branting verdient be- sonders hervorgehoben zu werden, angesichts der Schmähun- gen. die der Genosse Wolfgang Heine auch in dieser Frage in einer vier Spalten langen Anklageschrift gegen den Ge- nassen Branting in der„Frankfurter Zeitung" jetzt zu ver- öffentlichen für zeitgemäß gehalten hat. •• •• die Manösfrage im sthweöischen Parlament. Bei der Besprechung einer Regierungsvorlage über die Ver- mehrung der Arbeitskräfte im Ministerium des Aeußern in der Zweiten Kammer des schwedischen Reichstages sagte der Vizepräsident der Kammer P e r s s o n:„Die Regierung hat von Anfang des Krieges an unter kräftigster Unterstützung seitens des Reichstages eine vollkommen unparteiische Neutralität Schwedens gewahrt. Im Laufe des Krieges hat sich indessen allerlei ereignet, was in mehrfacher Hinsicht besonders in der letzten Zeit geeignet war, Unruhe zu erwecken. So erhielten wir Angaben über Besestigungeu und andere militärische An lagen auf den A I a n d S i n s e I n. die insofern ernste Besorgnisse erweckten, als es für unser Land besonders wichtig ist. daß diese Inselgruppe in derselben militärpolitischen Lage verbleibt wie vor dem Krieg. In, öffentlichen Erörterungen sind Seußerungen bor- gekommen, welche zu der Auffassung führen könnten, daß man bei der Behandlung dieser Frage andere als schwedische Gesichtspunkte anlegen wollte, und daß man von der so oft bekundeten Neutralitätspolitik der Regierung abzuweichen wünschte. Ich bin persönlich überzeugt, daß die Regierung immerfort an der bisher verfolgten Neutralitätspolitik festhält und daß sie auch in der wichtigen AlandSsrage wie in anderen Fragen das Recht und die Interessen Schwedens wahrt. Es wäre jedoch von großem Interesse für die Kammer und von großer Bedeutung für die öffentliche Meinung des Landes, wen» die Regierung sich darüber äußern wollte." Der Minister des Aeußern Wallenberg ergriff darauf das Wort und sagte:.Es ist wiederholt und in unzweideutigen Worten von maßgebender Stelle ausgeführt worden, daß Schweden in dem gegenwärtigen Weltkrieg unter Wahrung seines Selbst- bestimmungsrechteS nach allen Seiten hin eine strenge und unparteiliche Neutralität ausrecht- erhalten will und sehr lebhaft wünscht, in den Krieg nicht verwickelt zu werden. Ich bin in der Lage, die Erklärungen, die in dieser Hinsicht von feiten der Re« gierung abgegeben worden sind, völlig aufrecht zu erhalten. Die Bestrebungen der Regierung, ihrer Pflicht entsprechend die Rechte und das Interesse Schweden? unbeeinträchtigt zu wahren, dürfen nicht mißverstanden oder mißgedeutet werden, in Anbetracht der Art und Weise, in der Schweden die Forderungen der Neutralität in schwieriger Lage stets erfüllt hat. Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß die Regierung während des ganzen Verlaufe? der Krise jeder volitischen Erörterung ferngestanden hat, die in dieser oder jener Richtung von den wiederholten Erklärungen der Regierung ab« weicht, und daß die Regierung solche Erscheinungen bedauern muß, die geeignet sein können, das Vertrauen zu dem Willen, Schwedens Sejbständigkeit und Neutralität zu wahren, zu vermindern. Was die vom Vorredner besonders berührte Frage betrifft, muß jeder, der die geschichtliche Entwicklung der sogenannten AlandSsrage studiert hat, einsehen, daß diese Frage eine Lebensfrage für Schweden ist. Dies war auch die Ansicht deS schwedischen Reichstags 1303 und ist die Ansicht der schwedischen Regierung 1316. Ich bin überzeugt, daß diese Mei- nung auch jetzt vom schwedischen Reichstag geteilt wird. Aus diesem Grunde kann ich der Kammer in Uebereinslimmung mit dem, was ich eben ausgesprochen habe, versichern, daß die Regierung es für ihre Pflicht hält, diese Frage mit der unerläßlichen Aufmerk- l samkeit zu verfolgen, und daß sie nichts unterlassen wird, um auf diesem wie auf anderen Gebieten die Rechte und Interessen Schwedens wahrzunehmen. Nähere Erklärungen kann ich aus leicht begreiflichen Gründen jetzt nicht abgeben," Der Sozialist Branting führte aus:.Ich bin überzeugt, im Namen der ganzen sozialdemolratischen Reichslagsgruppe sprechen zu können, indem ich dem Minister des Aeußern für die von ihm abgegebene unzweideutige Erklärung danke, daß die Regierung an ihren Bestrebungen, nach allen Seiten hin das Selb st be st im- mungsrecht Schwedens zu verteidigen, festhält und gleichzeitig ihre früheren Erklärungen, entschieden in der Neutralität verharren zu wollen, völlig aufrechterhält. Gerade in der jetzigen Lage ist eine solche Versickerung der Regierung weiten Kreisen unseres Volkes willkommener als je, seitdem das große Unglück über die Welt hereingebrochen ist. Was nun im besonderen die Alandsfrage betrifft, so hat im Jahre 1303 unsere damalige Fraktion im Reichstage sich ans den in Schweden allgemein geteilten Standpunkt gestellt, daß es für die Sicherheit Schwedens unumgänglich notwendig ist. daß die Inselgruppe, wie bisher, so auch in Zukunft, unbefestigt bleibe. Unsere gegen» wältige sozialdemokratische Reichstagsgruppe ist der Ansicht, daß die- selben Gründe für dieie Ansicht unverändert fortbestehen, und spricht daher die lebhafte Hoffnung aus, daß es gelingen möge, durch die in der soeben abgegebenen Erklärung des Ministers des Aeußern er- wähnten Verhandlungen auf überzeugende und erfolgreiche Weise das Recht und die Interessen Schwedens in dieser Sache zu ver- teidigen." Der Führer der Rechten Lindman äußerte darauf:.Zu den von dem Minister des Aeußern gemachten Angaben erkläre ick, daß meine Partei sich der Neutralitälspolitik anschließt, die die Regierung erklärt weiterhin beobachten zu wollen. Mit Befriedigung erfahren wir, daß die Regierung nichts unterlassen will, um in der wichtigen AlandSsrage die Rechte und die Interessen Schwedens wahrzu- nehmen. Die einstimmige Meinung, die in dieser Frage im Jahre 1303 in dieser Kammer ausgedrückt worden ist, kann in diesem Jahre unter einmütiger Teilnahme der Partei der Landwirte und der Bürger erneut ausgesprochen werden." Darauf sprach der Führer der Liberalen Eden:.Ich möchte meiner Zufriedenheit darüber Ausdruck geben, daß der Minister des Aeußern im Namen der Regierung die Erklärung abgegeben hat, die die Kammer eben entgegengenommen hat. Die Richtlinien für unsere auswärtige Politik, die in dieser Erklärung dargelegt worden sind, dürsten nach meiner Meinung geeignet sein, die vom Minister des Aeußern erwartete einstimmige Zustimmung zu finden. Die Negierung hat von neuem den bestimmten Willen Schwedens festgestellt, seine Selbständigkeit und strenge un- parteiliche Neutralität im gegenwärtigen Welt- kriege zu wahren, und die Regierung hat in der für unser Land so bedeutungsvollen Alandsfrage der Kammer und dem Lande versichert, daß sie nichts unterläßt, um das Recht und die Interessen Schwedens wahrzunehmen. Ich kann versichern, daß die Partei, der ich angehöre, sich dieser Politik völlig anschließt, und ich drücke die feste Hoffnung aus, daß diese glücklich durchgeführt werden könne." In der Ersten Kammer wiederholte der Minister des Aeußern die Erklärung, die er in der Zweiten Kammer abgegeben hatte. Der Führer der Rechten, Trhgger, führte darauf aus:.Ich bin davon überzeugt, daß diese Kammer mit Zufriedenheit die Er- klärung des Ministers des Aeußern gehört hat, daß an der Neutrali- tätspolitik, der wir zugestimmt haben, von der Regierung auch weiterhin festgehalten werden wird, und daß die Regierung bei ihrer Auffassung über den Sinn und die Bedeutung der sogenannten Alandsfrage für Schweden bleibt, die im Jahre 1308 in der von der damaligen Regierung unter einmütiger Billigung des Reichs- tages abgegebenen Erklärung einen so deutlichen Ausdruck erhallen hat. Die Partei, der ich angehöre, hegt die wärmsten Hoffnungen, daß die Bestrebungen der Regierung, diesen Standpunkt zu verwirk- lichen, einen vollen Erfolg haben möchten." Die übrigen Partei- führer, KvarzeliuS für die Liberalen und Wavrinsky für die Sozialdemokraten, wiederholten die von ihren Parteiführeiu in der Zweiten Kammer abgegebenen Erklärungen.(W. T. B.) Die öfterreichifthe Offensive in Süö-Tirol. In dreitägiger Offensive haben die Oestcrrcicher in Süd-Tirol auf der Linie Nordende Gardasee—Mori— südlich Rovereto— Südostraum der Hochfläche von Vielgereuth(Folgaria)— Süd« und Ostrand der Hochfläche von Lafraun— Tal der Brenta und einer weiterhin nordöstlich verlaufenden Linie beträchtliche Erfolge erzielen können. Ihr Erfolg findet nicht nur in der merklichen Vdrschiebung ihrer Stellungen, sondern auch in der Kriegsbeute(außer zahlreichen Geschützen und Maschinengewehren auch zirka 7300 Gefangenen) seinen sichtbaren Ausdruck. Die österreichische Offensive begann am Abend des 14. Mai mit schwerer Artillerievorbereitung. Am Morgen deS 15. Mai gingen im Abschnitt Rovereto bis zum Ostrand der Vielgereuther Hochfläche die österreichischen Sturmkolonnen vor. Am Abend waren die Italiener auf der ganzen Front aus ihren ersten Stellungen ge- worfen. Sie büßten 65 Offiziere und über 2500 Mann an Ge- fangenen ein und verloren 3 Geschütze, 2 Maschinengewehre. Am 16. Mai wurde der Angriff fortgesetzt. Am Ostrande der Hochfläche von Vielgereuth wurde eine italienische Hauplstellung ge- nommen. Auch im Tarrogusto-Tal mußten die Italiener nach hart- näckiger Verteidigung wichtige Stützpunkte räumen. Nicht weniger als 7 Kilometer wurden sie von ihrer ersten Stellung aus zurück- gedrängt. Am Morgen deS 17. Mai war die Zahl der Gefangenen auf 141 Offiziere, 6200 Mann angewachsen; das erbeutete Kriegs- gerät hatte sich auf 17 Maschinengewehre und 13 Geschütze erhöht. Wozu bis zum 18. Mai noch weitere 300 Gefangene kamen. Die österreichischen Erfolge sind um so höher zu berechnen, als sie in gebirgigem Gelände mit Höhenunterschieden bis zu 1000 Meter erfochten werden mußten, in einem Terrain, das zum Teil noch tief verschneit war. Der französische Tagesbericht. Paris, 18. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Mittwoch nachmittag. Artilleriekampf an verschiedenen Stellen der Front, namentlich in der Champagne im Abschnitt der Höhe von Le Mesnil. In den Argonnen bei Fille Morte für uns erfolgreicher Minenkampf. Auf dem linken Maasufer Beschießung unserer ersten Linien. Ein mit Handgranaten unternommener Ver- such des Feindes, am Toten Mann Fortschritte zu erzielen, scheiterte vollständig. Auf dem rechten User lebhafte Tätigkeit der beider- seifigen Artillerien in der Gegend zwischen dem Haudromont-Walde und dem Teich von Vaux. Nordwestlich des Thiaumont-GchöfteS wurde ein Handgranatenangriff des Feindes gegen einen unserer Horchposten zurückgeschlagen. Flugdienst: In der Nacht zum 17. Mai warfen 13 von unseren Beschießungsflugzeugen 24 Bomben auf die Biwacks in der Gegend von Damvillers und Lille-devant-Chaumont ab, 11 auf de» von VrieulleS und auf Mrh. ii auf die Tnippenlager von NantilloiS und von Romagne» 21 auf den Bahnhof von Apre- >nont und auf Grand-PeS. Mehrere Brände wurden festgestellt. Einer unserer Flieger schoß ein deutsches Flugzeug nördlich von BiC'sur-Aisne herunter, dessen beide Flügel sich während des Sturzes lösten. In derselben Nacht ivarf ein anderes unserer Flugzeug- geschwader 20 Bomben auf die Bahnhöfe von Ars und von Metz ab, 40 auf die Ballonhallen von FreScaty, 40 auf den Bahnhof Annaville und 30 auf die Eisenbahnlinie und die Bahnhöfe zwischen Metz und Tiedcnhofcn. Paris, 18. Mai.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch abend. In der Gegend von Berdun lebhafte Täligkcil der beiden Artillerien in den Abschnitten von Avocourt, der Anhöhe 304 und zwischen Touaumont und Baux. Von der übrigen Front ist lein bedeutendes Ereignis zu berichten, außer ziemlich starkem Minenkampf in den Argonnen. Flugdienst: Im Laufe des TageS schoß einer unserer Führer im Luflkampf einen deutschen Flieger ab. der nordwestlich von Nczonville abstürzte. Ein anderer feindlicher Flieger wurde von dein Maschincngewehrscuer eines der unseren getroffen und stürzte in der Gegend von Ban de Sapt ab. Während des Tages belegte eines unserer Flugzeuggeschwadcr den Bahnhof von Metz- leS-SablonS mit 26 Bomben schweren Kalibers. Belgischer Bericht. Zeitweilige gegenseitige Tätigkeit der Artillerie an verschiedenen Punkten der belgischen Front. Orientarmee. Bericht über die Kampfhandlungen vom l. bis zum 16. Mai. An beiden Wardarufern und westlich vom Doiransee hat sich die Lage nicht wesentlich verändert. In der ersten Hälfte dcS Mai fand dort keine erhebliche Jnfanterietätigkeit statt. Auf beiden Seiten wurde die Einrichtung des Geländes fort- gesetzt. Unsere Artillerie beschoß wiederholt feindliche Lager. An- lagen und Arbeitergruppen. Die Tätigkeit der beiderseitigen Artillerie war besonders bemerkenswert am 2., 3., 4., 8. und 14. Mai. Nordöstlich vom Doiransee haben unsere vorgeschobenen Ab- teilungcn Towa Tepe besetzt. Andere Abteilungen drangen in der Richtung auf Bitolja vor. Im Flugdienst war während der letzten acht Tage eine etwas geringere Tätigkeit als vorher zu ver« zeichnen. Am 14. Mai beschossen unsere Flieger Xanthi. Der Zeppelin ,L 86', der am 6. Mai aus TemcSvar nach Saloniki ge- kommen war. wurde von unseren Fliegern angegriffen und verfolgt und in der Wardarmündung von unseren Schifisgeschützen und Auto« kanoncn abgcschoffen und zerstört. Tie ganze Besatzung ist gefangen genommen. Dieses lenkbare Luftschiff hatte vorher zwei Flüge über das befestigte Lager von Saloniki unternommen. In der Nähe von Boroj nahmen die Griechen einige Bulgaren in deutschen Uniformen gefangen. Ergänzende Meldung zum Flugdienst. In der Gegend von Verdun war die Fliegertäligkeit besonders lebhaft. ES wurden 33 Luftkämpfe geliefert. Drei deutsche Flieger wurden abgeschossen unseren sind alle glücklich zurückgekehrt. Sie englische Meldung. London, 17. Mai.(W. T. B.) Amtlicher HeereS- b e r i ch t. Heule fanden größere Artillerie- und Schützengraben- mörsergefechle statt. Zwei Erlundungsabteilungen der �easorlhS drangen gestern nacht nördlich von Roclincourt in die deutschen Gräben ein. In einem Graben wurden fünf Deutsche getötet. Drei mit Deutschen besetzte Unterstände lvurden mir Bomben be- ivorfen und einer in die Luft gesprengt. Unsere Verluste sind leicht. Sämtliche Erkundungsabteilungen sind zurückgekehrt. Zwischen den Trichtern des Bergrückens von Bimh dauern die Kämpfe fort. Gestern wurden 27 Luftgefechte geliefert. Ein angegriffenes Albatros- slugzcug lvurde schwer beschädigt bei Lille heruntergeholt, ein an- dereS wurde nördlich von Vitrh w beschädigtem Zustande zur Lan« dung gezwungen, ein drittes, das von einem unserer Beobachtungs- ilugzeugc aiigegrisfen worden war, wurde dicht über der Erde auf der Seite liegend bemerkt. Eine Erkundungsmaschine ist nicht znrückgekehrr und auf feindlichem Gebiet gelandet. Ein Beobachtungs- slugzcug lvird ebenfalls vermißt. Es gelangen viele erfolgreiche pholographische Aufnahmen der feindlichen Artillerie. Ein englisches Luftfahrtministerium. Amsterdam, 18. Mai.(T. U.) Dem.Telegraaf' wird aus London gemeldet: Im Unterhouse fand eine interessante Debatte über den Lufrsahrldienst statt. Churchill trat als Führer der Lppo- sition auf und beschuldigte die Regierung der Vernachlässigung des so wichtigen LuflfahrtdiensteS. Er erklärte frei heraus, die Regie- rung stehe einer kräftigen Reorganisation im Wege, und verlangte ichließlich die Einsetzung eines besondere» Luslsahrtministeriums. Lord Hugh Cecil. der Bruder von Robert Cecil, erzählte von seinen eigenen Erfahrungen als Offizier deS Fliegerkorps. Bei seinem Dienste a» der Front habe er erfahren, daß die britischen Maschinen und Flieger toenigstens den Deutschen gleich, ja oft überlegen seien. Bonar Law, welcher im Namen der Regierung sprach, erklärte, roarum Churchill ein Luftministcrium erst jetzt für nötig halte, nach- dem er vor einigen Monaten aus der Regierung ausgeschieden sei. Churchill fiel ihm in die Rede mit der Bemerkung, daß er mit dem Ministerpräsidenten über die Zweckmäßigkeit eines solchen Ministe- riumS gesprochen habe. Bonar Law antwortete ruhig: Ja, aber das geschah, nachdem Sie zurückgetreten waren. Bonar Law teilte weiter mit, daß Churchill, während er jetzt für ein Zusammenarbeiten im Luftwesen eintrete, als Marineminister ein besonderes Flugwesen tür die Flotte eingerichtet habe. Der Flieger Willing nahm nach Bonar Law das Wort und erging sich in Beschuldigungen über die Verwahrlosung des Lustwesens. Der Radikale Sir Markham unter- brach ihn durch den Zuruf: Sie sind niemals über die feindlichen Linien geflogen. Das HauS wurde unruhig, und während Willing seine rheatralische Rede fortsetzte, verließen die meisten Mitglieder das HauS. Schließlich mußte eine Abstimmung vorgenommen werden und Willing daher seine Rede beenden. Der rustische Kriegsbericht. Petersburg, 13. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 17. Mai: Westfront: In der Gegend südlich vom Obolesee wiesen wir einen deutschen Angriffsversuch zurück. In der Gegend der Eisenbahn Mitau— Kreuzburg(nördlich Jakobstadt) entsandte der Feind Wolken von erstickenden Gasen gegen unsere Gräben. In der Gegend des SwentenseeS warfen unsere Truppen Vorhuttruppeu des Feindes zurück, durchbrachen seine Drahthinderniffe, machten dann einen Einfall in den deutschen Graben, töteten einen Teil der Verteidiger im Bajonettkampf und zwangen die übrigen zur Flucht. In der Nacht zum 16. Mai ließen wir in der Gegend von Nowosjolki südlich Krewo(12 Kilometer) eine Mine springen; wir richteten den Trichrer ein, wiesen dann einen Angriff der Deutschen auf ihn durch Feuer ab und fügten ihnen schwere Verluste zu. Westlich von Olhka machten unsere Abteilungen Fortschritte. In derselben Gegend zerschossen wir einen feindlichen Scheinwerfer. Oestlich von Jezierna lebhaftes Artilleriegefecht; unsere Artillerie zerstörte dort Panzerungen deS Gegners. Nördlich von Bojan ver- 'uchten die Oesterreicher anzugreifen, wurden aber durch unser Feuer gezwungen, sich in ihre Gräben zurückzuziehen. Kaukasusfront: In Richtung Diarbekr wiesen wir einen Angriff der Türken ab. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 18. Mai.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von gestern. Vom Tonalegebiet bis nach Judicarien hin Artillerie- MW Oes MW SWWMS. Amtlich. Großes Hauptquartier, 18. Mai 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Südwestlich von Leus wurden die Handgrauatenkämpfe fortgesetzt. Drei weitere französische Angriffe gegen unsere Stellungen auf der Höhe 961 wurden heute früh ab- geschlagen. Beim Rückzug über Esues erlitt der Feind in dem übersichtlichen Gelände schwere Verluste. Es handelte sich diesmal um Versuche einer frischen afrika- nischen Division, die anS weißen und farbigen Franzosen gemischt ist. Ein von schwachen feilldlichen Kräften unternommener Borstoß südwestlich des ReichSackerkopfcS scheiterte voll- kommen. westlicher Kriegsschauplatz. Oestlich von Kraschi« wurde ein feindliches Flugzeug abgcschoffen. Balkan-Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereiguiffe. Oberste HeereSleituug. m« * Set SilmelMe MettHMsMOL Wien, 18. Mai.(W. T. B.) Amtlich wird verlautdart: Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nicht? von Bedeutung. Italienischer Kriegsschauplatz. B» der küstenländische» und kärntner Front war die Artillcrietätigkeit zumeist durch Bodcnucbcl behindert. Südöstlich Monfalcone wurde ein Bcrsuch der Italiener, ihre unlängst ver- lorenc Stellung bei Bagni wiederzugewinnen, abgewiesen. Im Col die Lapa-Gcbiet scheiterteu wiederholte feindliche Angrifft. I» S ü d t i r» l nahmen unsere Truppen im Angriff zwischen Astech- und Lain-Tal iAstico- und Leno-Tal) den Grenzrücken deS Mrggio in Besitz, bemächtigten sich nach lleberschreiteu deS Lain- TaleS südöstlich Platz» iPiazza) der Costa Bella und schlugen südlich von Möschen auf der Zugna Torta mehrere feindliche Gegenangriffe ab. Ter gestrige Tag brachte �über 966 weitere Gefangene, darunter zwölf Offiziere, und eine Beute von acht- zehn Geschützen und achtzehn Maschinengewehren ein. Tie Berichte deS italienischen Gcneralstabes vom 16. und 17. d. Mts. behaupten, unsere Verluste in diesen Kämpfen seien schrecklich und ungeheuer gewesen. Diese Angaben, die den Ein- druck des Rückzuges abschwächen sollen, sind frei erfunden. Die Verluste des Gegners kann man uur abschätzen, wenn man das Schlachtfeld behauptet. Die Italiener sind nicht in dieser Lage. Tagegen können wir bei voll» Wertung des BlutopferS jedes einzelnen unser» Braven erklären, daß unsere Verluste dank der Geschicklichkeit unser» Infanterie, dcS mächtigen Schutzes unserer Artillerie« irkung und der Kricgscrsahrung unserer Führung außer- ordentlich gering sind. Der Stellvertreter des ChefS des GcncralstabrS von Hoefer, Fcldmarschallcutnant. kämpf. Im Lagarinatal richtete der Feind nach einem heftigen Feuer gestern fünf starke Angriffe auf unsere Stellungen an den Nördhängen der Zugna Torta. Er wurde zurückgeschlagen und erlitt sehr große Verluste, die ihm durch das vernichtende Feuer unserer Artillerie und Infanterie zugefügt wurden. Zahlreiche feind- liche Leichen wurden von den Fluten der Elsch fortgeführt. In dem Gebiete zwischen dem Terragnolatal und dem Hochastico zwang uns gestern eine heftige Verstärlung des Artilleriefeuers aller Kaliber, unsere Front nochmals zu berichtigen, indem wir einige vorgeschobene Stellungen aufgaben. In der Nacht vom 15. auf den 16. Mai machte der Feind unaufhör« lich im Abschnitte von Asiago Angriffsversuche. Er wurde zurück- geschlagen und erlitt sehr schwere Verluste. Während deS ganzen Tages verhielt sich der Feind untätig. Im Sugana- tal griff der Feind in der Nacht auf den 16. Mai und am folgenden Morgen mit großer Kraft den Abschnitt der Front zwischen dem oberen Maggiotale und dem Colloberge an. Er wurde zurück« geschlagen. Wir machten einen Gegenangriff, und er ließ gegen 300 Gefangene, darunter einige Offiziere in unserer Hand. Aus dem übrigen Teile der Front fanden gestern noch unaufhörlich Bc- schießungen der feindlichen Artillerie statt, ebenso wie verschiedene vereinzelte Angriffs im Tal von San Pellegrino, am Hohen But. am Monte Roffe(Monte Nero), am Mrzli Vrh, im Gebiete von Tolmein, auf den Nordhängen des Monte San Michele und östlich von Selz und Monfalcone. Alle diese Angriffe wurden abgeschlagen, und der Feind erlitt schwere Verluste. Wir nahmen ihm etwa 100 Gefangene ab. Feindliche Flieger haben Castel-Tesino, Ospedaletto Montebclluno, einige Bahnhöfe an der Kärntner Grenze und Gemona bombardiert. Sie forderten einige Opfer, haben aber keinen Schaden angerichtet. Eines unserer Geschwader hat auf Dellach und Kotschach im Gailtale Bomben abgeworfen und Brände hervorgerufen. italienischer Fliegerangriff gegen Trieft. Rom, 17. Mai. Meldung der Agenzia Stefani. Gestern abend warf eines unserer Wasserflugzeuge Bomben auf Schuppen in der Nähe von Trieft ab und setzte sie dadurch in Brand. vom U-Hootskrieg. London, 18. Mai.(23. T. 25.) Der britische Dampfer.M a? Research' wurde in der Nordsee versenkt. Ein Mann tot, zwei verwundet; die übrigen wurden gelandet. Englischer Monitor gesunken. London, 17. Mai.(W. T. B.) Die A d m i r a l i ä t gibt de- kannt: Sine verspätet eingetroffene Depesche deS Befehls- Habers im Mittelmeer meldet, daß in der Nacht zum 13. Mai der kleine Monitor.14 S0' von der feind- lichen Artillerie getroffen wurde, in Brand geriet und vernichtet wurde. Zwei Tote und zwei Verwundete. Die Mit- teilung vom Verlust des Schifies im türkischen Kriegsbericht wurde für falsch erklärt, weil zwei Tage nach dem Vorfall eingegangen- Meldungen von der Sache nichts erwähnten. Es ergibt sich jetzt, daß die erste britische Meldung ein Irrtum war. sluf eine Mine gelaufen. Rotterdam, 17. Mai.(W. T. B.) Wie gemeldet wird, ist der Dampfer.Batavier V, dessen Untergang gestern berichtet wurde, in der Nähe der Gabbardboje auf eine Mine gelaufen. Unter den vier Personen, die um« Leben kamen, war ein amerikanischer Rei- send». Auf der.Batavier V befanden sich unter anderem vier- zehn Kisten mit sechzigtausend Pfund Sterling in Gold. Der Dampfer hatte achtundzwanzig Mann Besatzung und acht Fahrgäste an Bord. ileber öie Kämpfe in flften. Von Richard Gädke. Spärlicher als über die Kampfe auf den europäischen Kriegs- schauplätzcn gehen die Kachrichten über die jeweilige Lage in Armenien, in Persien und Mesopotamien, auf der Sinaihalbinscl ein. Tie Ereignisse dort verlaufen für uns in einem Halbdunkel, das nur an wenigen Höhepunkten der Entwickelnng sich ein wenig aufhellt. Und doch haben auch sie ihre Bedeutung für den Fortgang des Krieges, nicht nur, weil sie Kräfte beider Parteien in größerem oder geringcrem Maße binden und dadurch auch auf die Haupt- kämpfe zurückwirken, sondern weil sie in ihrem günstigerem oder weniger günstigem Verlaufe Friedensbedingungen vorbereiten, die für die spätere Politik beedutungsvoll werden können. Die zu- künftige Lage der beiden großen Mächtegruppierungen im nahen Osten wird durch den Ausgang der dortigen Unternehmungen wesentlich mit beeinflußt werden. Soweit die Nachrichten und das sehr dürftige Kartcnmaterial gestatten, werden wir daher von Zeit zu Zeit versuchen müssen, uns über den Stand der Tinge dort zu umerrichten. Tie Ereignisse im Irak, die schon neulich beleuchtet wurden, werden dabei nur flüchtig gestreift werden, insoweit sie sich mit den übrigen Unternehmungen berühren. Den Ausgangspunkt der gegemvärtigen Lage bildet die große Winteroffensive des Großfürsten Nikolai, die umsichtig und mit verhältnismäßig starken Kräften vorbereitet, die russische Krieg- führunz zu unerwarteten Erfolgen trug. Einen Augenblick konnte man befürchten, daß sie trotz der großen Räume, um die es sich dort handelt(die kleinen Maßstäbe unserer Karten täuschen den oberflächliche» Beurteiler leicht) auch auf den Fortgang der Er- eignisie im Irak zugunsten der Gegner rückwirken würden. Der Vorstoß des Großfürsten traf die Türken insofern in einem unglücklichen Augenblick, als die Aufgabe der Dardanellen- angriffe durch Ei�zländer und Franzosen zu jener Zeit eine Ver- ftärkung der östlichen Heere noch nicht ermöglicht haben konnte. Man vergißt gar zu leicht, daß zwischen Konstaniinopel und der ruffisch- armenischen Grenze eine Strecke von 1106 Kilometern in der Luftlinie liegt, die noch durch keine Bahn verkürzt wird. Der nächste Punkt der einen anatolischen Bahnlinie aber ist noch immer gut 360 Kilometer von Erzerum entfernt. Ter Endpunkt der ruffischen Kaukasusbahn hingegen führte—' während des Krieges verlängert— bis auf weniger als 100 Kilometer an die armenische Hauptstadt heran. Dazu kam die Wegelosigkeit, die Dürftigkeit und dürme Bevölkerung des Gebietes im türkisch-armenischen Hinterlande. Endlich waren die Russen auch in der Nachfuhr des �chießbedarfs günstiger gestellt als ihre Gegner. Der Großfürst konnte also eine große, verhältnismäßig gut versorgte Uebermacht vereinen, mit der es ihm am 16. Februar nach einer Reihe glücklicher Kämpfe gelang, Erzernm zu nehmen. Nach türkischen Berichten bat er oder sein General Judenitsch dort 120 000 gegen 40 000 Mann geführt. Er ging aber gleichfalls zc:- tiger nördlich und südlich in breiter Front vor, mit seinem rechten Flügel längs des Schwarzen Meeres, mit dem linken noch westlich des Wansecs, auk Müsch und Bitlis. Die gesamte Frontlänge betrug also rund 360 Kilometer. Als eine Verlängerung des linken Flügels mußten diejenigen Streitkräfte gelten, die in Nordpersien von Choi und Täbris aus zu beiden Seiten des großen Urmiasees und von Teheran in südwestlicher Richtung über Hamadan und Kermanschah mit der Richtung auf Bagdad vordrangen. Wenn sie auch überwiegend aus Kosaken bestanden, so waren sie doch gleich- falls crbeblich verstärkt worden und den unregelmäßigen Streit- kräften, die die persischen Patrioten aufgebracht hatten, wie auch der geringen Hilfe, die die Türken zunächst dorthin abgeben konnten, an Stärke und Zahl der Geschütze überlegen. So gelang den russischen Streitkräften' nach der Besetzung von Erzerum zunächst noch ein verhältnismäßig rasches Vorgeben. Am 26. Februar besetzten sie Kermanschah in Persien und standen damit nur noch 160 Kilometer von der türkischen Grenze, 256 Kilometer von Bagdad entfernt. Da Kut-el-Amara erst am 20, Apxil kapitulierte, so wäre vielleicht eine Einwirkung auf die Lage in Mosopotamien nicht völlig ausgeschlossen gewesen— allerdings nur bei ungewöhnlich glücklichem Fortgang der Dinge! Aber zuguterletzt waren die russischen Kosakentruppen gegen die um Bagdad allmählich versammelten, unter hervorragender Ober- leitung stehenden Streitkräfte der Türken doch nicht stark genug. Auch auf ihrem rechten Flügel drangen die Russen zunächst kräftig vor; am 1. März scheinen sie den Vormarsch auf die Hafen- stadt Trebizonda angetreten zu haben, am 7. Rlärz hatten sie sich ihr bereits bis Riza, auf 80 Kilometer, genähert. Am 2. März besetzten sie Bitlis, 27 Kilometer westlich des Wansees, 160 Kilo- meter östlich Diarbekir. freilich noch 600 Kilometer nördlich von Bagdad. Von der großfürstlichen Hauptarmee war also eine Be- drohung Mesopotamiens in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Und das um so weniger, als das Zentrum von vornherein weniger rasch vorwärts kam. Erst am 16. März gelang es ihm. Mamachatun, 90 Kilometer westlich Erzerum, zu besetzen. Immerhin muß die durchschnittliche Tagesleistung von 3.1 Kilometer für jene Gegenden noch als eine hinreichende angesehen werdein Dann aber verlangsamte sich die Offensive mehr und mehr. Erst am 14. April hatte der rechte Flügel längs der Küste den Karadere, 26 Kilometer östlich Trapezunt, erreicht. Seit dem 28. März hatte er noch nicht 2 Kilometer täglich zurückgelegt. Immerhin konnte er vier Tage später Trapezunt besetzen. Im übrigen aber erscheint die russische Angriffsbewegung gegen EndedesMonats März ihr Ende erreicht zu haben. Augenscheinlich, weil sich der türkische Widerstand vor ihrer Front numnebr verdichtete. Schon am 28. melden die Türken siegreiches Fortschreiten im Tale des oberen Tschornk, etwa halbwegs Trapezunt und der Straße Erzernm— Erzingjian. Später berichten auch die Gegner wiederholt über Angriffe türkischer Truppenabteilun- gen, wenn sie natürlich auch hinzufügen, daß sie abgewiesen seien. So wollen sie am 14. April Vorstöße in der Gegend von Baiburt, ebenfalls im oberen Tschoruptal, zurückgeschlagen haben, gestehen also damit ein, daß sie selbst inzwischen keine Fortschritte gemacht hatten. Der Ort liegt etwa 90 Kilometer nordwestlich Erzerum. Später scheinen dann sogar rückwärtige Bewegungen der rnssischcn Truppen eingetreten zu sein; am 24. April wurden sie bei Suren, unmittelbar südlich Biilisk, von den Türken geschlagen, wo sie sSon am 2. März eingezogen waren. Am 26. April siegte auch der tür- tische linke Flügel bei DschewiSlik. Und am 27. mußte der russische Bericht eingestehen, daß ihre äußersten Truppenabteilungen des linken Flügels in Persien, augenscheinlich nur einige tausend Mann, sich in der Provinz Luristan, noch immer 176 Kilometer östlich oder nordöstlich von Kut-el-Amara, befänden. Zwei Tage später fiel, wie wir sahen, der befestigte Ort. Der Feldzug in Persien hatte ebenso seinen Zweck verfehlt wie der der Engländer im Irak. Endlcch, am 8. Mai, kamen die Hauptkräfte beider Gegner auf der Straße Erzerum— Ersingjian zur Schlacht, und zwar am Ropberge. östlich Mamachatun. Tie Russen waren also schon vor der Schlacht in rückwärtiger Bewegung gewesen; das läßt die Angaben der Türken zutreffend erscheinen, daß sie ihrerseits die Lingreifer gewesen seien. Sie warfen die russischen Truppen um 7 bis 8 Kilometer zurück; am folgenden Tage setzten sich diese nach dem Eintreffen von Verstärkungen wieder fest und gingen am 10. und 11. Mai zum Gegenangriff vor, der von den Türken Verlust» reich für den Gegner abgeschlagen wurde. Soweit man sehen kann, hat also der armenische Feldzug unter der besonderen Leitung des Generals Judenitsch schließlich doch nicht zu einem großen Erfolg geführt. Der türkischen Heeres- leitung ist es vielmehr gelungen, ihre dortigen Armeekorps noch rechtzeitig zu verstärken, dem Vormarsch des Gegners Halt zu ge- bieten und ihn stellenweise in eine rückläufige Bewegung zu ver- wandeln. Nur die Grenzsttiche Armeniens und die Hafenstadt Trebizonda werden von ihm behauptet, das Vordringen gegen Meso« potamien ist mißglückt, und auch die Truppen in Persien haben die türkische Grenze nocki nicht erreicht. Dagegen sollen die— schwachen— englischen Truppen in Südpersien durch nationale persische Scharen tn Buschir, am Persischen Meerbusen, belagert werden. Tie allgemeine Lage an der Ostgrenze ihres Reiches iweint sich also in einer für unsere Verbündeten aussichtsreichen Weise gestaltet zu haben. Tie nächsten Bewegungen im Irak wie auch in Armenien werden wir mit Aufmerksamkeit, aber Ruhe verfolgen dürfen. In jedem Falle werden dort recht erhebliche Kräfte unserer Gegner beschäftigt. Deutsche Dampfer torpeöiert. Stockholm, 17. Mai.(W. T. B.) Ter deutsche Dampfer .Hera" ist auf der Höhe von Landsort torpediert worden. Die Besatzung wurde durch den schwedischen Dampfer„Göhr" gerettet und wird nach Stockholm gebracht. Laut„Aftonbladet" soll der Kapitän gefangen sein. Stockholm, 18. Mai.(W. T. B.)..Tagens Nhheter" teilt mit: Die Torpedierung des Dampfers...Here" fand un- fähr 2ö Distanzminuten südsrid westlich Landsorts 9 Uhr früh durch ein russisches II- B o o t statt. Die Besatzung erhielt Befehl, in zehn Minuten das Schiff zu verlassen. Ter Dampfer sank nach 20 Minuten. Stockholm, 18. Mai.(W. T. B.) Gestern nachmittag wurden noch zwei deutsche Dampfer durch ein ü- Boot, wahrscheinlich ein russisches, auf der Hobe von Landsort versenkt. Die„K o l g a" auf der Reise von Hamburg nach Stockholm wurde 5 Uhr nachmittags 20 Minuten südsüdöstlich Landsort von einem Ii-Boot mit Granatfeuer beschossen. Zwei Mann der Besatzung wurden leicht verletzt. Ter Dampfer wurde danach torpediert und sank sofort. 13 Mann der Besatzung wurden von dem schwe- di'chen Dampfer„Soedra Sverige" gerettet. Ter Kapitän, der zweite Steuermann und noch zwei andere Männer werden vermißt. Uin 6,20 Uhr wurde der deuttcke Dampfer ..Bianca" am gleichen Platze ebenfalls beschossen. Zwei Mann wurden leicht verletzt. Ter Dampfer wurde torpediert und sank nach 20 Minuten. Der Kapitän wurde gefangen genommen, die Besatzung von der„Soedra Sverige" aufgenommen. Sie ist heute früh in Stockholm eingetroffen. Amerikas Protest gegen üie Dehinüerung öes Postverkehrs. New Dork, la. Mai.(F u n k s p r u ch des Vertreters von W. T. 53.)„Associated Preß" berichtet aus Washington: Die amerikanische Regierung bereitet einen Protest gegen die Behinderung des Po st Verkehrs von und noch den Vereinigten Staaten durch England vor. welcher von amtlichen Kreisen als sehr scharf bezeichnet wird. Die Note, welche binnen kurzem abgesandt werden soll, wird den Standpunkt einnehmen. datz die Vereinigten Staaten die Wcgnabme und Festbaltung solcher Postsachen, besonders von neutraler Herkunst oder Bestimmung. nicht länger dulden können. England wird verständigt werden, daß die Vereinigten Staaten es für eine gebieterische Not- wcndigkeit fyjlten. daß das gegenwärtige Verfahren geändert werde. Die amerikanische Regierung hat Proteste von vielen Einzelpersonen und Firmen erhalten, welche durch die bäufige lange Festhaltung von Postsachen geschädigt worden sind. Staats- se.retär Lansing hat heute abend erklärt, obwohl die Regierung es infolge der in der letzten deutschen ll»tcrseeboots-9lotc enthaltenen Aeußcrungcn schwierig finde, aus Verhandlungen mit England aus dem Gebiete der Blockade zu bcstcben, so würden die Verhand- lungen doch in nächster Zukunft sortgesetzt werden. Er fügte hinzu, man würde größere Eile angewandt haben, wenn Deutschland sich enthalten hätte, darauf zu dringen, daß die Vereinigten Staaten sofort gegen England handelten. Wilsons Antwort an üen Papst. Londou, 17. Mai.(W. T. B.) Das Reutersche Bureau meldet aus Washington: Präsident Wilson hat die jüngste Botschaft des Pap st es beantwortet. Von amtlicher Seite wird zwar eine Aeußerung über die Antwort Wilsons abgelehnt, doch wird augedeutet, daß der Briefwechsel nur entfernt auf die Frage des Friedens in Europa Bezug nahm. Dem Vernehmen nach hat Wilson dem Papst mitgeteilt, er sei eifrig darauf bedacht, die Vereinigten Staaten vom Kriege fern zu halten und alles mögliche zu tun, was sich mit der Wahrung der Ehre und Rechte der Vereinigten Staaten vertrage. Weder die Botschaft des Papstes noch Wilsons Antwort werden veröffentlicht werden. Eflglische Frieöenspropaganüa. Turin, 18. Mai.(T. U.) Der Londoner Vertreter der .Stampa" berichtet feinem Blatte, daß die in London ge- gründete Friedensliga ein Bureau eröffnete und einen Friedensappell ausgab. Es wurden Druck- s ch r i f t e n ausgelegt, die zur Unterzeichnung einer Petition an die Regierung um Friedens- s ch l u ß auffordern. �squith Staatssekretär für Irland. Amsterdam, 13. Mai.(W. T. B.) Ein hiesiges Blatt meldet aus London: Vermutlich wird A s q u i t H bis auf weiteres Staatssekretär für Irland werden. London, 17. Mai.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Tie Mitlcilung, daß Asguith Mitglied des irischen Geheimen Rats geworden ist, wodurch er tatsächlich ein Mitglied der Regierung in Irland wird, hat hier großes Interesse erregt und zu vielen Vermutungen Anlaß gegeben. ES ist das erstemal, daß ein englischer Premierminister in den Geheimen Rat Irlands eingetrelen ist. Der Schritt, durch den Asquiih eine direkte Slimme in den Einzelfragen der Verwaltung Irlands erhält, wird als ein weiterer Beweis dafür angesehen, daß der Premiennimster keine Mühe sckeur, um eine Besserung der Verhältnisse in Irland herbeizuführen. Nü'ckkehr ües rustlschen Roten Kreuzes nach Rußlanü. Petersburg, 17. Mai.(W. T. B.) Meldung der Petersburger Telegrapbei'.agsrnur. Das russische Rote Kreuz hotte kürzlich Delegierte nach Stockholm gcichickr, die an der internationalen Koirferenz der Vertreter des Roten Kreuzes teilnehmen sollten. Es hatte je- doch bestimmt, daß seine Delegierten an den Arbeiten nur teil« nehmen sollten, wenn die Vertreter Deutschlands ihr Bedauern über die Torpedierung des Hospital schiffes „Portugal" ausgedrückt hätten. Da die Bemühungen deS Prinzen Karl von Schweden, eine folckie Erklärung des Bedauerns vom deutschen Roten Kreuze berbeizmührcn, keinen Erfolg gehabt haben, hat das russische Rote Kreuz seine Delegierten angewiesen, nach Rußland zurückzukehren. Sie sind daher sofort abgereist. Pernze türkischer Unterstaatssekretär. Wie ans nationalliberalen Kreisen verlautet, ist der frühere langjährige Vertreter sür Dresden im Reichstag sächsischer Reichs« aertchtsrar Dr. Heinz e. ein hervorragender Jurist, als Unrer- st a a t S i e k r c i ä r ü, das türkische J u st i z m i n i st e r i u m berufen worden. politische Ueberficht. Briefgeheimnis und Reichstag. Die vorgestern begonnene Beratung deS Postetats wurde gestern im Reichstage zu Ende geführt. Herr Dr. O c r t e l bequemte sich dabei zu dem Eingeständnis, daß die Ersahrungen, die in der Kriegszeit mit der Verwendung von Frauen im Poftdienst gemacht worden sind, seinen früheren Widerspruch dagegen nicht mehr berechtigt erscheinen lassen. Genosse Z u b e i l. der, wie alljährlich, auch heute wieder die mannigfachen Wünsche und Beschtverden der vielerlei Angestellten der Reichspost in nachdrück- licher Weise vertrat, ging dabei parallel mit dem Ge- nassen Taubadel, der vorgestern bereits diese Dinge behandelt hatte. Wie dieser wandte sich auch Genosse Zubeil mit besonderer Schärfe gegen die Verletzungen des Briefgeheimnisses, die auf Anordnungen des Generalkommandos erfolgt sind. Er vertrat dabei eine Resolution der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, die vom Reichs- kanzler die Wahrung des Briefgeheimnisses fordert und der- langt, daß die Postbehördcn den auf Verletzung desselben gerichteten Ersuchen der Militärbefehlshaber keine Folge geben. Herr K r a e t k e, der Staatssekretär des Reichspostamts, bestritt zunächst, daß das Briefgeheimnis verletzt würde, es seien wie im Frieden lediglich g e s e tz m ä ß i g e B e s ch l a g- nahmen erfolgt. Diese Behauptung wurde vom Genossen Stadthagen niit dein Hinweis auf die in der Budget- kommission erörterten Fälle widerlegt, in denen die Brief- sperre n i ch t v o m z u sl ä n d i g e n R i ch t e r, sondern vorn Mlitärbefehlshaber erfolgt ist. Das seien Gesetzesverletzungen, gegen die eingeschritten werden müsse. Ministerialdirektor Dr. L e w a l d vom Reichsamt des Innern suchte der Post- erzellenz zwar beizuspringen niit der Behauptung, daß die Militärbefehlshaber dazu unter dem Belagerungszustand durchaus berechtigt seien, Genosse Stadthagcn erwies sich aber in den staatsrechtlichen Fragen, die hierfür in Frage kommen, als der besser Beschlagene und trat dem Herrn Ministerialdirektor wiederholt scharf entgegeir. Als daS staatsrechtliche Duell, in deni Stadthagen unbestritten Sieger blieb, bereits vorbei war, erschien auch der anscheinend zur Hilfe herbeizitierte Staatssekretär des Reisjustizamts Dr. L i s c o verspätet auf dem Plan, um sogleich wieder zu vcr- schwinden. Diese staatsrechtlichen Fragen werden zweifellos noch weiter bei den Reichstagsverliandlimgen eine Rolle spielen. Genosse Stadt Hägen betonte besonders, daß die VerordnungsgeDält der Militärbefehlshaber aus!; 9d des Belagcrungszustandsgesctzes sie nur zu Ausführungs- maßnahmen im Rahmen und zur Durchführung eines Gesetzes, nicht aber zu seiner Aufhebung berechtige, wie das durch die Verletzung des Briefgeheimnisses mit dem Z a des Reichspostgesetzes geschehen sei. Ueberaus bezeichnend war das Verhalten der bürgerlichen Parteien bei der A b st i m in u n g über den Antrag zur Wahrung des Briefgeheimnisses. Außer den beiden sozial- demokratischen Fraktionen stimmten nur drei Fortschrittler und etwa die Hälfte der Polen sür den Antrag; er war daher abgelehnt. Nach dein Postetat wurde noch der Etat des Reichsamts des Innern in Angriff genommen und die Beratungen dann auf morgen vertagt. » Der Arbeitsplan des Reichstags. Im Reichstag werden die Ausschüsse noch in dieser Woche die Beratung der Steuerborlagen beenden, so daß in der nächsten Woche die Steuerdebatten im Plenum beginnen sollen. Bis jetzt hofft man, die Session bei größter Selbstbeschränkung bis zum g. Juni— Freitag vor Pfingsten— zu Ende zu führen. Jirdeffen ist es nicht ausgeschlossen, daß die Sitzungen auch noch nach Pfingssen fortgeführt werden müssen. Anfragen. 1. Die Genossen Reichstagsabgeordneten Ledebour und Stadthagen haben folgende Anfrage im Reichstage eingebracht: .Am 16. Mai sind 22 auf denselben Tag anberaumte Mit- gliederversammlungen des sozialdemokratischen Wahlvereins für den 6. Berliner Reichst a.gs» w a b l k r e i Z mit der Tagesordnung.Kassenbericht und Neuwahl de» Vorstandes" vom Oberkommando in den Marken verboten. Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, damit in Zukunft die Ausübung des VersammlungS- und Bereinsrechts nicht gehindert wird, insbesondere Versammlungen, die sich lediglich mit inneren Vereinsangelegenheiten befassen wollen, nicht verboten werden?" 2. Ferner hat der Genosse Stadthagen folgende Anfrage eingebracht: »Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß das Auswärtige Amt als Zensurbehörde einen Zeitungsartikel nicht deshalb, weil der Artikel militärischen Interessen oder den Interessen der öffenllichen Sicherheit widerspricht, sondern deshalb verboten hat, weil fein Inhalt der Mehrheit einer Fraktion des Reichstags nicht gefallen möchte? Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um ähnliche Vor- kommnisse für die Zukunft zu verhüten?" 8. Der Reichstagsabgeordnete Werner- Gießen hat folgende Anftage eingebracht: .Seit Beginn des Kriege« bietet der Anzeigenteil ganz be- stimmter Zeitungen eine vortrefflich bediente Angebot« und Nach- fragestelle für Kriegswuckerer aller Art, und damit, angesichts der Zeit- und Wirtschaftsverhältnisse, einen immer stärker empfundenen Mißstand unseres öffentlichen Lebens. Ist der Herr Reichskanzler bereit, ein Verbot jener höchst ein- deutigen Anzeigen, die lediglich dem preiSverteuernden Kettenhandel dienen, anordnen zu lassen? Mir genügt eine schriftliche Beantwortung." Diese Anfragen gelangen nach der Geschäftsordnung auf die Tagesordnung der Dienstagssitzung. t-- Das Steuerkompromist. Auf das gestern von uns nach der„Germania" wieder- gegebene Steuerprogramm scheinen sich tatsächlich Regierung und bürgerliche Parteien geeinigt zu haben. Einzelheiten mögen in der endgültigen Fassung des Steuerprogramms vielleicht noch etwas anders aussehen, als die„Germania" mitteilte, aber die Grundzüge stehen wohl fest. Danach würde von den ursprünglichen Steuerforderungen des Reichs- schatzsekretärs der Ouittungsstempel fortfallen, der schon im Steuerausschuß des Reichstages abgelehnt worden ist. In abgeänderter Form sind von den Regierungsvorschlägen in das Kompromiß hineinqenommen worden: die Erhöhung der Post- gebühren, der Frachturkundcnstempel, die Tabak- und Zigarettensteuer und schließlich die Kriegsgewinnsteuer, in die eine einmalige Reichsvcrmögenssteuer hineingearbeitet worden ist. Neu hinzugekommen ist endlich die vom Reichstags- ausschuß beschlossene Umsatzsteuer. Die„Germania" rühmt an dem Kompromiß, daß es auch den Wünschen der Linken Rechnung trage, die einen stärkemr Vorspann an direkten Steuern vor den Wagen der indirekten Steuern als Bedingung sür ihre Zustimmung zu dem Kom- promiß gestellt hätten. Das„Berliner Tageblatt" glaubt so- gar zu wissen, daß sich alle Parteien auf die nunmehrigen Vorschläge geeinigt hätten. Wir halten es für ganz ausge- schlössen, daß eine sozialdemokratische Fraktion indirekten Steuern zustininien könnte. Die„Germania" ist weiter deshalb auf das Kompromiß so stolz, weil es dem Reich mehr Einnahmen bringen würde, als von der Reichsregienmg ursprünglich gefordert waren. nämlich 780 statt 500 Millionen Mark. Wir halten eS da mit dem Genossen Bernstein, der es vor kurzem als völlig falsch bezeichnete, der Regierung mehr Steuern anzubieten, als sie selbst forderte. Die„Germania" schreibt schließlich in dem erwähnten Steucrartikel:„Das deutsche Volk wird die neuen Lasten in dem Bewutzsein, ein Stück Kriegsarbeit geleistet zu haben, willig tragen, mögen sie auch in manchen Reihen nicht ganz nach Wunsch sein." DaS Zentrumsblatt scheint wirklich von der in breiten Massen herrschenden Stimmung keine Ahnung zu haben, sonst könnte es nicht behaupten, daß das Volk damir zufrieden sei, daß die Postgebühren, die Tabak- und Zigaretten- steiler erhöht werden sollen.__ Gegen ein Reichs-Wirtschaftsamt. Ter bayerische Landwirtschaftsrat erklärte sich nach einer Meldung des„Berl. Tageblatts" aus München in seiner letzten Sitzung über Gestaltung des Wirtschaftsplanes sür das kommende Erntejahr gegen die Errichtung eines Reichs-Wirtschafts- amtes. Dagegen werden zur Herbeiführung eines einheiilichen Zu- sammenarbeilsnS der verschiedenen ReichS-WirtichaflSstellen und LandeSzentralstellen regelmäßige gemeinschaftliche Beratungen dieser Stellen unter Teilnahme von Veriretern deS Heeres und der Marine» Verwaltung für sehr zweckdienlich erachtet. Neue Bundesratsverordnung. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme der Entwurf einer Bekanntmachung über die Gründung einer R e i ch s st e l l e für Gemüse und Obst, der Entwurf einer Bekanntmachung über die äußere Kennzeichnung von Waren, der Entwurf einer Bekanntmachung über eine Ernteflächen- erhebung im Jahre 1916. der Antrag, betreffend die Verwcn- dung der Malzkonlingente der Kleinbrauereien und der Entwurf einer Bekanntmachung über Aenderung der Verordnung zur Eni- lastung der Gerichte vom 9. September 191S. Ausdehnung der Laudtagssession. Bei der Besprechung, die kürzlich Parteisührer de» Abgeordneten- Hauses mit dem Präsidenten Grafen Schwerin-Löwitz hatten, ging man von der Ansicht au?, daß, wenn die Arbeiten des Landtages am 30. Mai wieder aufgenommen würden, sie noch vor Pfingsten ihr Ende erreichen könnten. Voraussetzung dabei war, daß das Herrenhaus die Steuernovello gleichfalls noch vor dem Fest beraten und erledigen würde. Diese Voraussetzung erweist sich als irr- tümlich. Der Präsident des Herrenhauses hat die nächste Sitzung auf Diensiag, den 2v. Juni, angesetzt mit folgender Tages- ordnung: 1. Antrag v. Bissing betreffs Sexualaufklärung; 2. Steuergesetz. Die Session des Landtage» kann also nunmehr frühesten» Ende Jnni ihren Abschluß finden. Politisch bedeutet, laut„Voss. Ztg.", diese Verzögerung, daß das Herrenhaus so lange wie irgend möglich Einfluß auf den Gang der Dinge, wie sie sich Hinsicht- lich der Steuerverhältnisse im Reiche gestalten werden, auszuüben versucht._ Weltkrieg und Kolonialpolitik. Mittwoch abend sprach der Staatssekretär des Reichs-Kolonial- amts Dr. Solf in einer von der Deutschen Kolonialgeiellschast ein- berufenen Versammlung im großen Saale der Philharmonie�über „Weltkrieg und Kolon ialpolilik". Bevor Dr.«so I f seinen Vortrag begann, begrüßte der Präsident der Deutschon Kolonialgesellschaft Herzog Johann Alb recht zu Mecklenburg-Schwerin die Aliw«'endeii mit folgenden Worten: Es gereicht mir zur besonderen Ehre und Freude, Seine Exzellenz den Staatssekretär des Reichs-Kolonialamt» Herrn Dr. Solf begrüßen zu dürfen, um seine Darlegungen über die kolouiake Entwicklüug Deutschlands entgegenzunehmen. Euer Exzellenz haben in dieser ernsten und enischeidungsschweren Zeit schon an manchen bedeutungsvollen Orten das Wort ergriffen und diese Worte haben in weitesten Kreisen hellen Widerklang hervor« gerufen. Wenn auch nach dem heißen Ringen um unser Bestehen d ie Grenzen deS Deutschen Reiches nach Westen und O st e n weiter g e st e ck t sind und unter ihrem Schutze neues Siedelungslano dem deutschen Volke entsprießt, wenn durch das Bündnis mir treuen Kampfgenossen unserem Handel ein sicherer Landweg nach fernen Gebieten bevorsteht, so wird doch nur die eigene Arbeit in eigenen Kolonien unter dem Schutze unserer starken unbehinderten Flotte unserem fleißigen gewerbetreibenden Volke die Unabhängig- k e i t sichern, die wir brauchen wie das heimische Brot und sür dasselbe. In der Einleitung betonte Dr. Solf, daß man, wie die Ver- hältnffse nun einmal lägen, von ihm keine.Kriegsziel- rede" erwarten dürfe. Seine Absicht sei nur, in dieser für die Weiterentwicklung Deutschlands so entscheidenden Zeit vereinzclc kaut gewordenen Zweifeln und Bedenken gegenüber da» koloniale Interesse zu sammeln, neu zu beleben und wenn möglich, die Zweis-l und Bedenken, die seiner Ansicht nach nur auS rein ärgerlichen Bor« gängen entstanden seien, zu zerstreuen. Eine andere Absicht, bat er, auch nicht hinter seinen Worten zu suchen. Dr. Solf faßte seine Ausführungen ungefähr wie folgt zu- sammen:.Ich glaube dargetan zu haben, daß die Ursprung- lichen Gründe für eine aktive deutsche Kolonial- Politik nicht nur weiter bestehen, sondern noch triftiger ge- worden sind, daß ein neuer, militärischer, dazu gekommen ist, daß wir wegen der Verteidigungsfähigkeit eines deutschen Kolonial- besitzes in«iikunfl nicht allzu ängstlich zu sein brauchen, daß für einen deutschen Kolonialbesitz die Beherrschung der Meere keine absolut itot wendige Voraussetzung ist, wohl aber, daß ein deutscher Kolonialbesitz eine wertvolle Unterstützung der deutschen Seegeltung bilden kann und schließlich, daß der koloniale Wirlschaftsbund Berlin- Bagdad eine wertvolle Ergänzung eines deutschen Kolonialreiches zu bieten vermag. Ich glaube weiter nachgewiesen zu haben, daß nicht die Erhaltung eines deutschen Kolonialbesitzes den Keim zu neuen triegerischeu Ver- Wickelungen in sich trägt, sondern daß viel eher ein erzwungener oder freiwillger Verzicht auf ihn diese Gefahr mit sich bringen würde." Auf Grund dieser Zusammenfassung und nach einer kurzen Würdigung der Vorteile, welche gerade unsere Hauptseinde aus ihrem Kolonialbesitz gezogen haben, zog der Vortragende da» Fazit seiner Aussiihrungen:„Obne eine aktive Kolonialpolitit ist eine gesicherte und ruhige Weiterentwickelung Deutschlands Vicht denkbari" Gewerkschaftliches. Der Tarif im Saugewerbe unter Dach! Telegraphisch wird gemeldet: Hannover, 18. Mai. Der Deutsche Arbeitgeber- verband für das Baugewerbe hat in einer heute hier abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung die im Reichsamt des Innern getroffene Vereinbarung über die Verlängerung des Tarisvertrages und Bewilligung von Kricgsznlagen genehmigt. Der mit großer Mehrheit gefaßte Beschluß lautet: Tie außerordentliche Hauptverlammlung deS Deutschen Arbeitgeber Verbandes für das Baugewerbe ermächiigt den geschäfts iübrenden Ausschuß, dem Reichsamt des Innern die Annahme der Vereinbarung vom 3. Mai d. I. über die Verlängerung der Tarif» vertrüge zu erklären, nachdem das Reichsamt des Innern die Au- sage gegeben hat, bei den Reicks- und Staatsbehörden daiür ein- treten zu wollen, daß die in der Vereinbarung vorgesehene Kriegs- leuerungszulage der Bauarbeiter den bauausiiihrenden Mitgliedern des Arbeilgeberbundcs in allen Fällen zurückel stattet werden, in denen der Bauvertrag vor dem Austandekommen der Vereinbarung abgeschlossen worden ist. den Baugeschätlen also die Verpflichtung zur Aahlung so außerordentlich hoher KriegSleuerungszukagen an die Bauarbeiter nicht bekannt war. Serlin unü Umgegenü. Buchbinder und Lebensmittelversorgung. Die Zahlstelle Berlin des Deutschen BuchbinderverbandeS hatte am 16. Mai eine Generalversammlung, in der der Ge- schäfts» und Kassenbericht vom ersten Quartal dieses Jahres gegeben wurde.— Die Aentralkaise rechnete in Einnahme und Ausgabe mit 33 232.48 M. Dabei sind 2018.32 M. mit eingeiechnet, die für das zweite Quartal am Ort behalten wurden.— Die L o k a l k a s s e hatte am Schluß des vierten Quartals 1915 einen Bestand von 93 561.34 M. Dazu kam eine Einnahme von 14325.92 Mark, was die Summe von 197 887,26 M. ergibt. Dieser Ein- nähme einschließlich des alten Bestandes stehen als Ausgabe des ersten Quartals 8643,45 M. gegenüber. Es verblieb am 1. April 1916 demnach ein Bestand von 39 238.81 M. Am Schlüsse des ersten Quartals waren 3363 weibliche und 1558_ männliche Mitglieder, alio zusammen 4421 Mitglieder der Zahlstelle vorhanden. Das ist gegenüber dem 4. Quartal 1915 eine Zunahme von 59 Mitgliedern. Die Arbeitsgelegenheit war im ersten Quartal nicht ganz un- günstig, wenn auch em Nachlassen des Beschäftigungsgrades be- merkbar war. Die immer mehr anschwellende Lebensmittelteuerung führte dazu, daß die schon im vorigen Jahre unter den Mitgliedern ein- setzende Bewegung zur Erlangung einer Teuerungszulage im ver- flossenen Quartal allgemein wurde. Es kam in Betracht, daß fast alle abgeschlossenen Tarifverträge in diesem Jahre ablaufen. Mit Rücksicht aus die unsicheren wirtschaftlicheu Verhältnisse wurde in allen Branchen beschlossen, die Tarife aus ein Jahr zu verlängern und eine angemessene Teuerungszulage zu verlangen. In der Album-, Mappen- und Galanteriebranche kam nach erfolglosen zentralen Verhandlungen eine örtliche Vereinbarung zu stände, die im wesentlichen folgende Teuerungszulagen, zahlbar ab 1. April 1916, brachte: 1. Jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen von 14—16 Jahren 5 Pf.�pro Stunde.— 2. Weibliche Arbeiter über 16 Jahre 6 Pf. pro Stunde.— 3. Arbeiter mit einem Stundenlohn bis zu 55 Pf. einschließlich 7 Pf. pro Stunde.— 4. Arbeiter mit einem Stunden- lohn über 55 Pf. 19 Pf. pro Stunde.— 6. Sämtliche Akkord- und Heimarbeiter erhalten 19 Pf. KriegöteuerungSzulage.— 6. Für Ueberstunden gibt es keinen Kriegsteuerungszuschlag, sondern nur den bisher üblichen Tariflohn und Tarifzuschlag.— 7. Die vorstehenden Zulagen werden nicht in die einzelnen ZeiV und Stücklöhne verrechnet, sondern sind gesondert als Kriegs� teuerungszulage aufzuführen.— 8. Lehrverhältnisse bleiben hier' von unberührt. Die Verhandlungen im Buchbindergewerbe führten im Mai zu den Vereinbarungen mit den organisierten Buchbindermeistern für das Gebiet des„Dreistädtetarifs" und mit dem Verein der Ber liner Buchdruckereien, die der.Vorwärts" bereits mitteilte.— Es bleibt noch die Tarisverlängerung für die Kartonbranche übrig, die demnächst in Angriff genommen wird. Was die Vereinbarung in der Album-, Mappen- und Galanterie- blanche angeht, so hat die Durchführung, soweit die Fabrikanten der vertragschließenden Vereinigung der Unternehmer angehören, keine Schwierigkeilen gemacht. Größere Firmen, die nicht der Ver einigung angehören, haben sich der Vereinbarung angeschlossen und auch gezahlt. Einige weitere Firmen stehen noch aus; es wird aber geglaubt, auch sie noch zur Beachtung jener Vereinbarung in der Elbum-, Mappen- und Galanteriebranche veranlassen zu können. Wie sich die Verhältnisse infolge der Vereinbarungen mit den Buchbindereibesitzern und den Buchdruckereien gestalten, mutz abge- wartet werden. Nach kurzer Diskussion über den Geschäfts- und Kasienbericht wurde beicklossen, die Ortsverwallung zu ermächtigen, in besonderen Notfällen Exlraunterstützungen bis zur Höbe von 39 M. zu ge- währen. Ausgeschlossen ist jedoch die Gewährung von Darlehn.— An die im Felde stehenden Kollegen sollen nächstens wieder Liebes- gabenpäckchen gehen, und zwar Zigarren und Zigatelten. Lobhaft erörtert wurden dann Anregungen zur Förderung der Fugendsektion und ihrer Wirksamkeit. Vertreter der Ortsverwaltung sagten zu, datz für Zwecke der Weiterbildung und geistigen Förde- rung der Jugendlichen wie bisher auch weiter den Wünschen Rechnung getragen werde. Für reine Vergnügungszwecke könne jedoch kein Geld bewilligt werden. Auch wäre es untunlich, zur freien Ver- sügung bestimmte Summen auszuwerfen. Folgender Antrag ging ein: .Die Generalversammlung �beauftragt die Ortsverwaltung. durch die Gewerkschaflskommission dem Magistrat Mittel und' Wege vorzuschlagen, um den Arbeiterinnen nach Feierabend den Einkauf von Nahrungsmitteln zu ermögltchen. da gewöhnlich die Lebensmittel in den Abendstunden bereits vergriffen sind." Eine Arbeiterin begründete eingehend den Antrag. Sie legte dar, wie die verschiedenen Schritte, die sie unternommen habe, um sich die Möglichkeit der Erlangung von Lebensmitteln zu verschaffen, fehlgeschlagen seien. Auch die Erfahrungen anderer Arbeiterinnen. die tagsüber an den Betrieb gefesselt sind, teilte sie mit. Es müsse unbedingt in dieser Richtung etwas geschehen.— Alle Redner, die zu der Sacke sprachen, auch der Vorsitzende waren der Meinung, daß der Antrag sehr wohl im Rahmen gewerkschaftlicher Aufgaben lieae, da die Gewertickaflen ein großes Interesse daran hätten, die Lebenshaltung ihrer Mitglieder zu sichern. Es wurde allerdings auch von einem Redner darauf aufmerksam gemacht, daß man eventuell mit einem Fehlichlag rechnen müsse: gleichwohl sei auch er für den Antrag, damit man wenigstens in dieser sehr wichtigen, weile Kreise berührenden Sache einen Versuch mache. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Der Vorsitzende versprach, sich schleunigst der Sache anzunehmen. Nach einem Antrag aus der Versammlung soll sich in nächster Zeit eine Mitgliederversammlung mit der Hallung der»Buchbinder- Zeitung" beschäftigen._ ' steigern wird. Die Verwaltung hat auch im ersten Quartal wieder nack Möglichkeil versucht, Teuerungszulagen beziehungsweise Lohn erböhungen für die Kollegen m erlangen. Bei 89 Firmen mit 19 257 Befchästigten wurden Forderungen gestellt. Für 19 219 Beteiligte wurden Lohnerhöhungen erzielt, die sich insgesamt auf 17 119 M. pro Wocke belaufen. An diesen Erfolgen sind nicht nur Mitglieder. sondern auch Unorganisierte beteiligt.— Die Agitation hatte den Erfolg, daß 1339 neue Mitglieder aufgenommen wurden. Auf der anderen Seite war auch ein Abgang zu verzeichnen, aber die Fluktuation war nicht so stark wie in früheren Zeiten. Die Mit- gliederzahl betrug am 1. Januar 17 115. am 1. April 16839. Sie ist also um 276 zurückgegangen. Der Mitgliederbestand setzt sich zu- sammen aus 14 357 männlichen, 1623 weiblichen und 859 jugend- lichen. Rusland. Bcrbandsausschuß und Zentralvorstand des Zimmererverbandes haben beschlossen, eine weitere Unterstützung sdie fünfte) an die Familien der zum Kriegsdienst eingezogenen Mitglieder zu zahlen und zwar in der Zeit vom 19. bis 39. Juli dieses Jabres. Die Unterstützung soll in drei Klassen von 8, 9 und 19 M. zur Aus- zahlung kommen. Noch eine zeitgemäße Ieftftellung. Bon Otto Braun. In der Nr. Die Transportarbeiter im ersten O-uartal. In der am Mittwoch abgehaltenen Generalversammlung de§ Transportarbeiierverbandes(Bezirk Groß-Berlin) erstattete der Vor- fitzende Werner den Geichäitsbericht für das erste Quartal. Er führle'unler anderem aus: Die Arbeitsgelegenheit war Verhältnis- mäßig günstig. Aber>n den Monaten April und Mar ist die Ar- beitsloienziffer von 76 auf 199 gestiegen. Es ist jedoch anzunehmen. Atbeilsgelegenbeit in den Sommermonaten sich wieder 131 des„Vorwärts" wurde unter der Ueber- schrift„Eine zeitgemäße Feststellung" ein Artikel veröffentlicht, der leicht mißdeutet werden kann und in der Partei auch be» reits mißdeutet wird. Das läßt mir nachstehende Feststellung gleichfalls als zeitgemäß erscheinen. Der Artikel wendet sich dagegen, daß bei den gegen- wärtigen Auseinandersetzungen in der Partei vielfach damit operiert werde, daß dieser oder jener sich hier- oder damit „außerhalb der Partei stelle". Unter Hinweis auf die Ver- Handlungen des Parteitags in Magdeburg über die Budgetfrage wird dann nachgewiesen, daß diese Begviffsanwendung falsch sei, im Widerspruch mit dem Organisationsstatut der Partei stehe. Denn in Magdeburg sei der Zusatzantrag Zubeil und Genoffen, der dahin ging, daß diejenigen Parteigenossen, die der Resolution gegen die Budgetbewilligung zuwiderhandelten, sich damit ohne weiteres außerhalb der Partei stellten, von Bebel namens des Parteivorstandes bekämpft mit der Be- gründung, daß die Organisation kein Außerhalb-der-Partei- stellen kenne, ein Genosse nur im geregelten Ausschlußver- fahren außerhalb der Partei gestellt werden könne. Dieser Auffassung habe der Parteitag zugestimmt und entsprechend beschlossen. Daß ein Parteigenosse, der nicht einer anderen Partei beitritt, und der gewillt ist, seine organisatorischen Pflichten der sozialdemokratischen Partei gegenüber zu erfüllen, im Falle einer ehrlosen Handlung, eines Perstoßes gegen die Grundsätze des Parteiprogramms oder wenn er durch be- harrliches Zuwiderhandeln gegen Beschlüsse seiner Partei- organisation oder der Parteitage das Parteiinteresse schädigt, nur im Wege des Ausschlußverfahrens außerhalb der Partei gestellt werden kann, ist wohl selbst in der heutigen Zeit, wo in der Partei über organisatorische Begriffe die sonderbarsten Auffassungen proklamiert werden, nicht strittig. Wenn es aber in dem Artikel in bezug auf die erwähnte Redewendung heißt: »Sie wird aber auch in dem Sinne gebraucht, datz jemand sich organisatorisch»außerhalb der Parlei stelle" und da mit ohne weiteres deren Organis alio n nicht mehr an- gehöre. Auch in Publikationen von Parteiinstanzen findet sich diese Begriffsanwendung. Sie ist aber s a k s ch und stehl im Widerspruch mit dem Organifationsstatut.der Partei, das ein.außerhalb-der-Partei-siellen" nicht kenn:," so muß das zu irrtümtichen Auffassungen führen und hat auch bereits dazu geführt. Deshalb ist es notwendig, festzustellen, daß jeder Parteigenosse sich jederzeit organisatorisch außerhalb der Partei stellen kann, indem er sich weigert, feine Partei- beitrage zu zahlen. Wer seine Beitragspflicht nicht erfüllt, scheidet organisatorisch aus der Partei aus. Auf diese Weise stellen sich leider alle Jahre viele Tausende Parteigenossen außerhalb der Partei. Es ist bisher niemand auf den Ge- danken gekommen, daß es im Widerspruch zum Organisations- statut der Partei steht, wenn diese Personen aus den Mitglieder- listen gestrichen, ihnen die Rechte der Parteigenossen entzogen werden. Was für das einzelne Parteimitglied gilt, gilt auch für Gruppen von Mitgliedern, die in Ortsvereinen oder Kreis- vereinen oiganisatorisch zusammengefaßt sind. Auch ihre Beitragspflicht ist, wie die des einzelnen Mitgliedes, im Z 5 des Organisationsstatuts der Partei festgelegt. Durch Nicht- erfüllung dieser Beitragspflicht stellen auch sie sich organisa- torisch außerhalb der Partei, verwirken die Rechte, die mit der Zugehörigkeit� zur Partei verbunden sind. In diesem Sinne ist wohl bisher nur in Publikationen von Parteiinstanzen von einem Außerhalb-der-Partei-stellen die Rede gewesen. Das steht aber zweifellos im Einklang mit dem Organisationsstatut und der jahrzehntelangen Uebung der Partei und ist auch neuerdings in dem württembergischen Organisationskonflikt von der Kontrollkommission durch Ab- Weisung der Beschwerde der Beitragssperre gegen den Partei- vorstand als berechtigt anerkannt worden. Darlegungen müssen wir die in Ansicht vollständig aufrecht er- Gegenüber Brauns unserem Artikel dargelegte halten. Wir schätzen die organisatorische Einheit und das feste Ge- füge unserer Parteiorganisation nicht minder hoch ein, als Genosse Braun und haben deshalb mit Entschiedenheit davor gewarnt, durch Sperrung der Beiträge an den Parteivorstand eine Lockerung dieses Gefüges herbeizuführen. An dieser Stellungnahme halten wir ausdrücklich fest! Aber gerade im Interesse der wirklichen Parteieinheit müssen wir mit aller Entschiedenheit davor warnen, die rein formale Einheit der Parteiorganisation zu überspannen und durch eine allzu bureaukratische und künstliche Auslegung erst recht die Gefahr einer Parteizersplitterung und Parteizerrüttung heraufzubeschwören. � Die Einheit der Partei ist uns ein heiliges Gut, weil sie die Vorbedingung der Kampfkraft, der politischen Wirksamkeit der Partei ist. Eine wahrlich nicht geringere Voraussetzung dieser Kampfkraft ist aber auch die grundsätzliche Klar- heit und taktische EinHeft der Partei. Diese aber kann nie- mals bloß durch organisatorische � Zusammenfassung erzielt werden, sondern nur durch den freien und ehrlichen Kampf der Anschauungen, der keinerlei Einschnürung und Bevor- mundung erträgt. Würde je das organisatorisch-bnreaukratische Moment in der Partei in den Vordergrund geschoben und zu einem Mittel der Unterdrückung der Meinungsfreiheit inner- halb der Partei mißbraucht werden, so wäre das die schwerste Gefährdung der geistigen Gesundheit der Partei, damit aber auch zugleich die stärkste Förderung aller Tendenzen, die zu einer Zersetzung der Partei und damit auch zu ihrer organi- satorischen Auslösung führen müßten. Die schwere Krise der Partei kann nur durch den freien Meinungskampf nach dem Kriege überwunden werden. Diese Lösung der inneren Konflikte hat vor allem durch die Parteitage zu erfolgen. Sie wird zugleich alle organisatorischen Schwierigkeiten beseiftgen und damit der Partei ihre volle Kampfkraft und Geschlossenheit nach außen wiedergeben. Kleinliche Versolgungssucht und Vergewaltigungsversuche durch organisatorische Maßnahmen dagegen müßten vorhandene Gegensätze vertiefen und verewigen. Wer das verkennt, ver kennt das ganze Wesen der Partei wie aller sozialen Bewegungen. Unsere Mahnung an alle Parteigenossen bleibt deshalb Vermeidung aller Sonderbündelei. aber auch Verzicht auf alle organi satorischen Schikanen und Spitzfindigkeiten! ?tos öer Partei. Stellungnahme zu den Parteidifferenzen. In einer Sitzung der Bezirksführer des WahIvereinS für den zweiten Berliner Reickstagswablkreis wurde folgende Resoluiion angenommen: „Im Interesse der Parteieinigkeit und zur Verhinderung einer Spaltung unserer Partei ist sofort eine Wiedervereinigung unserer Reichstagsfraktion anzustreben, die möglich ist auf folgender Grundlage: In all den bekannten zurzeit strittigen Fragen der Partei, in denen ein geichloffenes Vorgeben durchaus nicht zu erreichen ist, gibt die Froktionsmebrheit der Minderheit Freiheit für die Ab- stimmungen im Parlament sowie die Möglichkeit zur Darlegung ihres Standpunktes in den Generaldebatten des Reichstages. Diese Abmachung gilt bis zum nächsten Parteitage. Die Vertreter beider Anschauungen haben in Zukunft im Par- lament und in der Preffe sich auf die Hervorkehrung der sachlichen Gegensätze zu beichlänken und alle persönlichen Anfeindungen sireng zu' vermeiden, dann muß ein ersprießliches Arbeiten neben- und miteinander möglich sein trotz gegensätzlicher Anschauungen.— Diese Resolution ist zur sofortigen beschleunigten Weiter- behandlung dem Parteivorstand sowie beiden Fraktionen zu über« Mitteln. Die Genoffen Groß-BerlinS erwarten von beiden sozialdemo- kratischen Fraktionen, daß sie durch sofortige Verständi- g u n g auf obiger Grundlage den Genossen im Reich ein gutes Bei- spiel geben, bevor die Parteizerrüitung unheilbar geworden ist. Diese Gefahr steht unmittbar bevor." Angenommen gegen einige Stimmen. Ferner wurde beichlossen: „Die heutige Bezirks fllhrerkonserenz de? 2. Berliner Reichstags- Wahlkreises schließt sich den Beschlüssen des Zentral- Vorstandes sowohl im„Vorwärls"-Konsliki, als auch in bezug auf Abhaltung einer VerbandSgeneralver» l'ammlung an. Ferner unterstützt sie das Vorgeben der Preß« kommission und billigt die von derselben im»Vorwärts"-Konfllkt gefaßten Beschlüsse. Die vom Vertreter deS Kreises Genossen Richard Fischer eingenommene Stellung im„VorwärtS"-Konflikt wird von der Konferenz als parteischädigend bewertet und die Leitung der Kr-eisorganisation aufgefordert, diesem Verhalten sowie dem des Parlcivorstandes in Sachen Meyer mit allen zu G- böte stehenden Mitteln entgegenzutreten. Dem Parteivorstand steht ein Recht auf eigenmächtige An- stellung und Entlassung von„Vorwärts"-Redak!euren nicht zu. sondern er hat in dieser Hinsicht nur gemeinsam mit der Preßkommiision zu handeln." Diese Resolution wurde mit 53 gegen 27 Stimmen ange- nommen. Nochmals vcrlogeue Berichterstattung. AuS einer inzwischen eingetroffenen Nummer der„Humanitö" ersehen wir, daß der von uns gekennzeichnete»Bericht der Bau- m e i st e r s ch e n I. K. über die zweite Zimmerwalder Konferenz im wesentlichen ein gekürzter Auszug auS einem Arlik des Homo(Grumbach) in der„Humanits" ist. Unter Urteil über den I. K.-Bericht bezieht sich also auch auf den Arrilel des Homo, dessen.Informationen" offenbar aus Berliner Caisklaisch be- ruhen und durch gehässige Unterstellungen Homos ergänz! worden sinv. Die I.$. halte Homos Bericht nicht als Quelle zitiert, waS verständlich ist, da die I. K. Homo, de» Korrespondenten der .Humaniis", allerdings aus anderen Gründen wie wir, ständig bekämpft. In der Auseinandersetzung der Internationale finden sich eben die ionst satndlichen Seelen, die, nach einem Wort Victor Adlers, beide daraus ein Geschäft machen. Der Herausgeber der I. K., S. Baumeister, sendet uns zugleich eine„Berichtigung", der wir folgendes entnehmen: „Der von der I. K. versandte Bericht über die zweite Zimmer- walder Konferenz ist nicht.verlogen" und enihällt»keine Fälichungen und verlogenen Unterstellungen", wie Sie schreiben, vielmehr ist jede der von uns mitgeteilten Einzelheiten schweizerischen und französischen sozialistischen Zeitungen entnommen(war also svrachkundigen Leuten auch ohne die I. K. zugänglich), wobei wir alles verschwiegen, was unsere eigenen Berichterstatter außerdem meldeten, um auch den Tapfersten keinen Vorwand zu geben, von Denunziation zu reden." Wir haben dieser»Berichtigung" nach der obigen Kennzeichnung Homos nichls hinzuzufügen. Wenn der Herausgeber der I. K. uns weiter auffordert, den Beweis für unser Urteil im einzelnen anzu- treten, und ihn in der I. K. veröffentlichen zu lassen, so möchten wir dieser naiven Aufforderung gegenüber nur bemerken: Wenn der I. K. an wahrheitsgetreuen Berichten liegt, so brauchte ße nichl die trübe Homo-Ouelle zu benutzen, sondern hätte sich einen brauchbaren Bericht aus den bisherigen Meldungen der Schweizer Parleipresse und Anikeln in der»Sozialistischen Aus- lands-Koirespondenz" und in der„Neuen Zeil" zusammenstellen können, falls sie es nicht vorzog, auf den oistziellen Berhandlsngs- bericht im Jnlernaiionalen Bulletin der Berner Kommiision zu warten. Ihr diese Arbeit abzunehmen, hoben wir umso wenige» Veranlassung, als wir keinen eigenen Berichl bringen konnlen. flus Znöustrie und Kandel. Gegen das deutsche Kapital in Australien. Voriges Jahr wurde im australischen Parlament ein Gesetz beichlossen, durch dos die Verträge zwischen den australischen Bergwerksgesellschasten, besonders der Geiellichaslen. die die großen Bergwerke in Brockenhill betreiben, und den beut- schen Schmelzhütten ausgehoben werden. Der Zweck deS Gesetzes war, die australische Blei- und Zinkindustrie vom deut'chen Einfluß zu befreien. Das briliiche Handelsaml bal jetzt eine ähn- liche Verordnung erlassen, durch welche die Verträge der britischen Gesellschaslen. die Bergwerk« in Brockenhill besitzen, mit den deutschen Schmelzereien aufgehoben werden. Die hauplsächlichsten Gesellschaften von Brockenhill haben beschlossen, sich zu einer neuen Vereinigung von Zinkerzeugern unter dem Schutz der australischen Regierung zusammenzuschließen. Einige Geseischaften planen die Errichtung moderne! Schmelzhülten in England. dasi die Aibeitsgelegeiibeit in____„________._____________ 'Veranrw. Redakt.: Alfred Wielcvv. Neukölln. JnstratenkeU vercmtw. Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlaa: Borwärts Buchor. u. Verlagsannall Paul Singer& Co„ Berlin 5 W. Hierzu 1 Beilage u. llnterhaltungsbl. 8t m 33 Keilllge des„Dmärts" Mm ioltelilatl lm... a N-i.»a Reichstag. 4g. Sitzung. Donnerstag, den 18. Mai ISIS, nachmittags 2 Uhr. Am BundesratStisch: K r a e t k e. Die zweite Beratung des Postetats wird fortgesetzt. Hierzu liegt folgender Antrag Bernstein sSoz. Arbg.) bor: Den Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß daS Brief- gehcimnis gewahrt wird und die Neichsbehörden angewiesen werden, auf Verletzung des Briefgeheimnisses gerichteten Ersuchen von Mllitärbefehlshabern keine Folge zu leisten. Abg. Oertel(k.): Die Klagen über die Feldpost— an deren anfänglichen Mängeln die Postverw'altung selbst gar nicht schuld hatte— sind völlig ver- schwunden. Auch mit den Briefträgerinnen habe ich die besten Erfahrungen gemacht(Heiterkeit), ick kann deshalb meine frühere Ausfassung, daß Frauen für den Postdienst nicht geeignet seien, auf Grund der Erfahrungen im Kriege nicht mehr aufrecht erhallen. sHört l hört!)— Redner tritt des weiteren für Aufbesserung der Postagenlureninhaber, der Landbriefträger und anderer Beamten- gruppen ein. Bei der Beförderung und Besoldung müssen die kinder- reichen Familien bevorzugt werden. Abg. Bruhu(Deutsche Fraktion) schließt sich dem Dank an die Postbeamten an, äußert ebenfalls einige Wünsche auf Besserstellung von Beamtenkategorien und führt Beschwerde darüber, daß die Postverwallung m Belgien in ihren Veröffentlichungen die vlämische Sprache zu wenig berücksichtige. Abg. Zubcil(Soz. Arbg.): Unsere Anerkennung für die Leistungen der Feldpost kann nicht vergessen machen, daß bei Ausbruch des Krieges sich deutlich zeigte, wie mangelhaft die ganze Organisation der Reichspost war. Mit der Zeit ist es etwas besser geworden; aber sehr schlecht ist eS mit dem Postdienst noch immer bestellt. Selbst in Berlin erreichen Briese den Adressaten keineswegs stets in 24 Stunden. Ein sehr schwarzes Kapitel, das an die schwärzeste Reaktionsperiode des borigen Jahrhunderts erinnert, ist die Verletzung des Briefgeheimnisses. sSehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Unser Ansehen im Auslande kann dadurch nicht gefördert werden. sSehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Es ist gar keine Rede mehr davon, daß, wie Herr Stephan einst mit Stolz sagte, der Brief bei der Post so heilig sei wie die Bibel auf dem Altar. Unser Antrag fordert mit Neckl, daß die Postbeamten dem Ersuchen von Milirärbefeblshabern auf Verletzung des Briefgeheimnisses keine Folge leisten. Die militärischen Befehls- Haber sind keine Vorgesetzten der Postbeamten, aber auch abgesehen davon, dürfen Befehle, die im Widerspruch mit dem Gesetz stehen, nicht ausgeführt werden, und der Reichskanzler hat alle Ursache, dem Gesetze Achtung zu verschaffen.(Zustimmung bei der Sozialdemokr. Arbeitsgemeinschaft.) Sehr zu tadeln ist auch daS Verhalten der Postbehörden solchen Kriegerfrauen gegenüber, deren Männer, unlere Beamie und Angestellte der Post, als vermißt gemeldet werden, und die von der Postverwallung nach einiger Zeil ohne weiteres für tot erklärt werden, ohne daß ein sicherer Anhalt dafür vorliegt. Dadurch werden die Frauen sehr geschädigt. Auch mit den Teuerungszulagen ist die Reichspostverwaltung zurückhaltender wie die Verwaltungen der Einzelstaaten ihren Beamten gegenüber und wie die Postverwaliung des verbündeten Oesterreich-Ungarn. Die notwendige Folge dieses Verhaltens ist eine immer stärker um sich greifende Unter- ernäbrung in den Kreisen der unteren und mittleren Postangestellten. Postboten beziehen nach langer Dienstzeit in dieser Zeit 3.80 M.! Ein Privatunternehmer würde sich schämen, heule noch derartige Löhne zu zahlen. Wenn der Staatssekretär nur einmal eine Woche gezwungen wäre, mit 26,60 M. auszukommen, würde er selbst ein- sehen, wie unhaltbar solche Zustände sind. Dabei wird von allen Angestellten der Post jetzt da« äußerste an Anstrengung verlangt. In den Beförderungsverhältnissen muß eine durchgreifende' Aende- rung Platz greifen. Wie bei den Heuligen Hungerlöhnen von den Postbeamlcn durchgehalten werden soll, ist unverständlich. Aber die Parole ist ja heute: Durchhalten, Maulhalten, stillhalten. (Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Ferner wird noch immer darüber geklagt, daß der Urlaub, ungerecht verleilt wird. Die Obersckaffner, die die Arbeit von Aisistenten macken müssen, erhallen dafür nicht mehr bezahlt, und behalten außerdem noch ihre frühere gegenüber der der Assistenten erheblich längere Arbeilszeit.(Hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Die Aufbesserung der schlecht entlohnten Post- angestellten, im Kriege durch Teuerungszulagen und nach dem Kriege ganz durchgreifend, erfordert natürlich Mittel. Daß wir des- halb aber der Erhöhung der Postgebühren zustimmen müssen, wie Konservative und Zentrum behaupten, müssen wir ganz entschieden bestreiten.(Lebhafte Zustimmung bei der Soz. Arbg.) Auf vielen Postämtern wird über Mangel an Personal geklagt. Aber das an Zahl geringere Personal mutz die vermehrte Arbeit bewältigen. Nicht verringert ist dagegen daS Aussichtspersonal, und dieses nimmt Hilfskräfte für periönllcke Dienstleistungen in Anspruch, die somit der amtlichen Arbeil entzogen werden, wodurch die Ueberarbeit der anderen noch wächst. In der Beziehung komnien Klogen nickt nur aus Berlin, sondern in gleicher Weise aus Düsseldorf, auS Leipzig und anderen Orlen. Sehr gellagt wird auch über die Regelung der Kleiderfrage, die den unlercn und mittleren Angestellten ganz unnötigerweise große Kosten verursacht.— Nicht hart genug können Schurken bestraft werden, die sich an Liebesgaben vergreifen. Dabei darf aber dann nickt Rücksicht genommen werden auf Beamte, die in gesicherter Stellung und schon lange im Dienst sind, wie das bei einem Sekretär der Fall zu sein scheint, der schon 40 Jahre im Amt ist und Brief- niarken von Feldpostpaketen abgelöst und für sich verwendet hat. (Beifall bei der Soz. Arbg.) Staatssekretär dcS Neichspostamts Kraetke: Es kann gar keine Rede davon sein, daß Postbeamte daS Briefgeheimnis verletzen. Gesetzmäßigen Beschlagnahmen müssen sie natürlich Folge leisten.— In bezug ans den letzten Fall, kann ich nur wiederholen, daß Anhaltspunkte für eine Hinterziehung von Postwertzeichen sich nicht ergeben haben und infolge dessen auch nicht eingeschritten werden konnte. Abg. Meyer-Herford(natl.) tritt für den Antrag der Kommission ein, daß nach einer bestimmten Frist alle Disziplinarstiafen in den Personalakten der Postbeamten gestrichen werden sollen und schließt sich den Wünschen auf Besser- stellung der verschiedensten Beamtenkategorien an. Abg. Stadthagen(Soz. Arbg.): Der Staatssekretär sprach davon, daß die Postbeamten gesetz- mäßigen Beschlagnahmen Folge leisten müssen. Ihm ist aber be- kannt. daß in der Kommission Fälle vorgetragen worden sind, in denen nickt auf richterliche Anordnung, sondern auf Anordnung vom Generalkommando Briefe geöffnet worden sind. Dazu hat der Staatssekretär erklärt er wäre dafür nicht verantwortlich. Ein solcher Zustand aber ist r e ch t s w i d r i g. Ter Staatssekretär geht um die Sache herum. Er müßte klipp und klar erklären, daß er gegenüber Anforderungen vom Generalkommando keine Gesetzes- Verletzung zulasien wird. Wo soll es hinführen, wenn ein Staats- sekretär strafbare Handlungen soll begehen dürfen, wenn es ein Generalkommando will. Wir verlangen Unverlctzlickkeit des Brief- geheimnisses auch gegenüber Generalkommandos. Strafbare Hand- lungen dürfen von den obersten Beamten des Reiches nicht geschützt werden.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Ministerialdirektor Lewald: Ich mutz die Behauptung, daß Stellvertretende Kommandierende Generale, wenn sie die Oeffnung von Briefen anordnen, etwas Strafbares tun, entschieden zurückweisen. Unter dem Belagerungs- zustand sind bekanntlich eine Reihe Garantien der persönlichen Freiheit aufgehoben. Dazu gehört es auch, daß über gewisse Per- sonen Briefsperre verhängt und festgestellt wird, mit wem sie kor- respondieren. � Das geschieht auf Grund der Aufbebung der be- treffenden Bestimmung der preußischen Verfassung unter dem Be- lagerungzustandsgesetz. Das hat auch das Reichsgericht anerkannt. Abg. Stadthagen(Soz. Arbg.): DaS Gegenteil ist richtig. Durch Aushebung eines Artikels der preußischen Verfassung, der sich nicht mit der Briessperre beschäftigt, kann nicht eine ReichSbeslimmung aufgehoben werden. Die periön- licke Freiheit in der preußiscken Verfassung hat mit§ 5 des Reicks- postgcsetzes nichts zu tun. Da wo das Belagerungszustandsgesetz überhaupt eingreift, z. B. das Preßgesetz, ist das ausdrücklch be- stimmt. Von einer persönlichen Freiheit ist hier überhaupt nicht die Rede, durch die Verletzung des Briefgeheim- nisses wird ein Staatsbürgerrecht, ein Staatsgesetz verletzt. Die Sperre kann nur der Richter anordnen, niemals ein Generalkommando. Das Reichsgericht hat im Band 49 seiner Eni- scheidungcn, Seite 162, ausführlich dargelegt, daß die vollziehende Gewalt, die die Militärbefehlshaber erhalten haben, sich nur darauf beziehe, daß sie die zur Ausführung eines Gesetzes nötigen Anord- nungen zu erlassen haben, also zu prüfen haben: Ist es nötig, solche Anordnungen zu erlassen? Niemals aber sind sie dadurch berechtigt zur Aushebung eines Gesetzes. Eine solch ungeheuerliche Auslegung ist in keinem Kommentar zu finden. Es wäre dasselbe, als wenn man deduzieren würde, der König sei als vollziehende Gewalt be- rechtigt. ein Gesetz aufzuheben. Das Tatbestandsmerkmal einer straf- baren Handlung liegt bei diesem Vorgehen des Generalkommandos zweifellos vor. Diese Verletzung des Briefgeheimnisses erinnert an die schwärzesten Zeiten des schwarzen Kabinetts. In einem um seine Freiheit ringenden Deutschland dürfen solche Dinge nicht vorkommen. (Bravo l bei der Soz. Arbg.) Ministerialdirektor Lewald: Der Vorredner legt das BelagerungSznsiandsgesetz zn eng aus. DaS Reichsgericht hat wiederholt anerkannt, daß aus Grund des Z 8b auch neues Recht geschaffen werden kann. Abg. Stadthagen(Soz. Arbg.): § Sb handelt nur von Verboten. Was für ein Verbot ist denn hier ergangen? Glaubt der Ministerialdirektor etwa, daß ein Gericht sich'findet, das einen Postbeamten bestraft, wenn er ent- gegen der Anordnung des Generalkommandos einen Brief aus- händigt? Er ist ja zur Aushändigung verpflichtet. Wir müssen diesen Anfängen eines schwarzen Kabinetts mit aller Entschiedenheit entgegentreten.(Bravo I bei der Soz. Arbg.) Damit schließt die Debatte. Die Resolutionen der Kom- Mission zum Posteta t werden angenommen. Die Resolution B e r n st e i n über die Verletzung des Briefgeheimnisses wird gegen die Stimmen der Soz. Arbg., Sozialdemokraten und Polen ab- gelehnt. Ter Rest des P o st e t a S wird debatteloS erledigt, ebenso der Etat der Reichsdruckerei. Es folgt die zweite Beratung deZ Etats des Rcichsamts des Inner»». Hierzu liegt ein Antrag A l b r e ch t(Soz.) bor, der die Be- seitigung der auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 4. August 1914 gestatteten Ausnahmen von den Schutzbestimmungen für jugend- liche Arbeiter und Arbeiterinnen verlangt. Ein Antrag Bernstein(Soz. Arbg.) wünscht einen Gesetz- entwuri, wodurch Mutter- und Säuglingsschuh sowie die Geburts- Hilfe allgemein reichsgesetzlich geregelt werden. Auf Vorschlag des Berichterstatters Graf Westarp werden die Fragen der Kriegerheimstätten und des Wohnungswesens, die Zensur- frage und die Ernährungsfrage von der Erörterung ausgeschlossen, sie sollen später gesondert diskutiert werden. Abg. Giesberts(Z.): Auch im zweiten Kriegsjahre hat die deutsche Volkswirtschaft sich allen Anforderungen als gewachsen erwiesen. Die Leistungen der deutschen Industrie sind mustergültig. Der von unseren Gegnern immer und immer wieder erörterte Handelskrieg nach dem Kriege ist nur ein Eingeständnis ihrer Schwäche, eine Industrie, die sich als so leistungssähig erwiesen hat wie die deutsche tu diesem Kriege, kann nicht kaputt gemacht werden.(Lebhaftes Sehr richtig! im Zentrum.) Selbstverständlich müssen wir aber das wirtschastliche Zusammen- arbeiten mit unseren Verbündeten fördern.(Zustimmung im Zentrum.) Die vom Reick an die arbeitslosen Textil- arbeiter gewährte Unterstützung sollte auch auf die selbst- ständigen Konfektionsarbeiter ausgedehnt werden.— Dem fozialdemokratischen Antrag betreffend den Schutz der jugend- lichen Arbeiter und Arbeiterinnen stimmen wir zu, man darf nicht etwa aus der zeitweiligen Aufhebung der Bestimmungen folgern, daß der Arbeiterschutz nicht weiter gefördert zu werden braucht.(Sehr gut I) Dem bisherigen Staatssekretär gebührt hohe Anerkennung für seine Leitung der schwierigen Verhandlungen zwischen den verschiedenen Jnteressenorganisationen.(Bravo! im Zentrum.) Ministerialdirektor Caspar: Der vom Abg. Giesberts geäutzerte Wunsch auf Ausdehnung der Unterstützungen der Textilarbeiter auf die selbständigen Konfeltions- arbeiter ist bereits erfüllt. Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf F r e r- t a g 2 Uhr. Schluß 6 Uhr.____ Herabsetzung öer /lltersgrenze für öie Altersrente. Bei der Fortsetzung der Beratung in der Kommission des Reichstags wurde zunächst über§ 1382 betreffend Erhöhung der Beiträge um 2 Pf. entschieden. Molkenbuhr führt an, daß die Erhöhung der Beiträge jährlich 16 Millionen Mark bringen würden. Die erhöhte Ausgabe für Altersrente durch Herabsetzung der Altersgrenze wird zirka 9 Millionen Mark� kosten. Die von der Regierung vorgeschlagene Erhöhung der Waisenrente wird dem Kapitalwert der bewilligten Renten vorläufig um 680 02� M. er- höhen, wenn 42 000 sogenannte weitere Kinder in«rage kommen; später wird diese Summe auf höchstens 1 336 230 M. steigen. Den Versicherungsträgern solle also ein Gewinn von zährlich b bis 6 Millionen Mark zugeführt werden. Erst durch Bc,chlusse der Kommission, wodurch die Rentensteigerung der weiteren Kinder auf die fünffache Höbe der Vorlage gesetzt sind, ist ein annäherndes Verhältnis zwischen Mehreinnahmen und Ausgaben herbeigeführt. — Geheimrat Aurin glaubt, daß Molkenbuhr seine Annahme über die Mehreinnahme darauf gründet, daß er rechnet: es sind 16 Millionen Versicherte vorhanden und für jeden Versicherten steige der Beitrag um 1 M. Diese Rechnung sei falsch, denn nicht jeder Versicherte zahle jährlich 60 Wochcnbeiträgc. Die männlichen Versicherten zahlten nur wenig über 46, die weiblichen nur 37 Wochenbeiträge im Jahre.— Molkenbuhr erwidert, daß er so unsichere Schätzung nicht vorgenommen habe; sondern aus dem Umstände, daß in den letzten drei Jahren vor Ausbruch des Krieges durchschnittlich 800 Millionen Wochenbeiträge bezahlt worden seien, nehme er an, daß das auch nach dem Kriege der Fall sein werde. 800 Millionen Wochenbeiträge ä 2 Pf. bringen 16 Millionen Mark. Die Beitragserhöhung wurde bewilligt. Dann wurden die 88 1294 und 1296, wonach die Hinterbliobe- nenrenten gekürzt werden, wenn sie das Alrderthalbfache der In- validenrente übersteigt, beraten. Die Sozialdemokraten hatten beantragt, diese Paragraphen zu streichen. Diesem Antrag wurde vom Vertreter des Reichsschatzamts widersprochen, weil zu befürchten sei, daß man diese Bestimmung auch auf das allgemeine PenfionS» gesetz übertragen werde.— Die Streichung wurde gegen die Stimmen der Freisinnigen beschlossen. Ter Rest des Gesetzes wurde nach der Vorlage beschlossen. ES fand dann eine allgemeine Besprechung statt über Fragen, die sich aus der Durchführung der Reichsversicherungsordnung cr- geben haben und die zeigen, daß Mißstände entstanden sind, die auf jeden Fall nicht gewollt sind, oder die aus den neuen Verhält- nisscn entstanden sind.— Genosse Giebel bringt eine Petition zur Sprache, aus der hervorgeht, daß bei Einführung der Reichs- Versicherungsordnung an Hinterbliebene von Versicherten weder die Beiträge erstattet, noch daß sie Hinterbliebenenrente erhalten haben. Dieses ist bei solchen Leuten eingetreten, die am 1. Januar 1912 krank waren und dann starben.— Die Regierungsvertretcr erkennen an. daß das zu Unrecht geschehen ist; aber es sei ungemein schwierig, das Unrecht wieder gut zu machen.— Genosse Bauer bestreitet, daß diese Schwierigkeit vorhanden ist. In den Landesversiche- rnngsanstalten werden die Anträge registriert und bei jedem Fall wird bemerkt, aus welchem Grunde der Antrag abgewicscn ist. Auch könne man den Ausweg wählen, daß betanntgeinacht wird, erneut den Antrag auf Beitragserstattung zu stellen. In welcher Form ein Ausgleich herbeigeführt werden soll, soll in der nächsten Kommifsionssitzung entschieden werden. *» * Der Kampf um öie Arbeitsvermittlung. In zwei Sitzungen hat die P e t i t i o n s k o m m i f f i o n d c S Reichstags die besonders für die Zeit nach dem Kriege sehr wichtige Frage der Arbeitsvermittlung ehlgeheud behandelt. Arn 20. März 1916 hat der Reichstag beschlossen, die Arbeitsnachweise einer gesetzlichen Regelung zu unterziehen. In der dem Beschlutz voraufgegangenen Aussprache wurde von einem natioualliberalcn Redner betont, die Stellenvermittlung für Angestellte und Hand- lungsgehilfen bliebe von dem Beschlüsse unberührt. Ein Redner der Rechten, Herr Behrens, dagegen betonte, eine solche Schluß- folgerung könne man nicht ziehen. Der Vorstand des Bundes der techmsch-industtnellen Beamten sandte nun dem Reichstag eine Eingabe, in der gefordert wird:„nach ähnlichen Grundsätzen, wie sie in der Entschließung des Reichstags aufgestellt, auch für die technischen und kaufmännischen Angestellten die Schaffung eines zentralisierten Netzes öffentlicher Stellennachweise in die Wege zn leiten". Die Ortsgruppe Groß-Bcrlin des Verbandes der Bureau- angestellten fordert„baldigst einen öffentlich-rechtlichen paritätischen Stellennachweis für Privatangestellte zu schaffen". Der Verband deutscher Handlungsgehilfen, der Deutsche Verband kaufmännischer Vereine zu Frankfurt a. M. und die Gomeinnützige kaufmännische Stelleuvermittlung für Deutschland verlangen dagegen„durch keinerlei Maßnahmen in die ftete Feststellung der berührten kauf- männischen Verbandsftellcnvermittlung einzugreifen". Die Genera!- kommtssion der Gewerkschaften Deutschlands, der Gesamtverband christlicher Gewerkschaften, der Verband der deutschen Gewert- vereine, die polnische Berufsvereinigung, das Bureau für Sozial- Politik und die Soziale Reform stellen Mindestforderungen für eine vorläufige Regelung des Arbeitsnachweises für die Kriegszcit, die in der Errichtung gemeindlich unterstützter Arbeitsnachweise bei paritätischer Verwaltung unter Errichtung von Fachabteilungen gipfeln. Der Vertreter der Regierung will von Eingriffen des Gesetz- gebers über die getroffenen Regierungsmatznahmen hinaus nichts wissen. Die bürgerlichen Vertreter lehnen die Unterstellung der Stellenvermittlung für Angestellte und Handlungsgehilfen unter öffentlich-rechtliche Nachweise ab. Ein fortschrittlicher Antrag ver- langt Uebergang zur Tagesordnung über jene Eingaben, die die Angestellten unter die öffentlich-rechtliche Vermittlung bringen wollen. Die Sozialdemokraten beantragen, die Eingabe für Schaffung öffentlicher Nachweise fiir Arbeiter und Angestellte der Regierung zur Berücksichtigung, die Gegeneingabe aber als Ma- terial zu überweisen. Beschlossen wird: Empfehlung der gemeinsamen Eingabe der Gewerkschaftsrichtungen zur Berücksichtigung. Alle weiteren Eingaben, die sich mit der Stellenvermittlung der angestellten Handlungsgehilfen befassen, wurden der Regierung als Material überwiesen. � • Die Jeftstellung von Kriegsschäöen im Reichsgebiete. Am Donnerstag trat die Kommission zusammen, die sich mit dem Gesetzentwurf über die Kriegsschäden zu beschäftigen hat. Von einer Generaldebatte wurde Abstand genommen. Man trat gleich in die Beratung des 8 1 öes Gefetzentwurfs ein, der folgenden Wortlaut hat: „Die durch den gegenwärtigen Krieg innerhalb des Reichs- gebicts verursachten Beschädigungen an beweglichen und unbe- weglichem Eigentum(8 36 des Gesetzes über die Kriegsleistungcn vom 13. Juni 1873) werden nach den Vorschriften dieses Gesetzes festgestellt. Dies gilt nicht für die Beschädigungen, deren Ersatz auf Grund der sonstigen Bestimmungen über die Kriegsleistungen vom 13. Juni 1873 des Gesetzes betreffend die Beschränkungen des Grundeigentums in der Umgebung der Festungen vom 21. De- zeinber 1871 oder der Verordnung über die Sicherstellung von Kriegsbedarf vom 24. Juni 1916 und 26. November 1916 be- ansprucht werden kann." Mit dem§ 1 wird auch der§ 16 der Gesetzcsvorlage bcratcn, der lautet: „In welchem Umfange der Ersatz der nach Maßgabe dieses Gesetzes festgestellten Schäden vom Reiche übernommen werden wird, bestimmt ein späteres Gesetz." Zu diesem 8 1 haben die Konservativen den Zusatz gestellt: „und die ermittelten Entschädigungsbeträge binnen Jahresfrist nach Beendigung des Krieges aus Reichsmitteln dem Beschädigten gezahlt oder, soweit ein Bundesstaat oder Elsaß-Lothringen Vor- cntschädigungen geleistet hat, diesem erstattet werden". Die Freisinnige Volkspartei beantragt, dem 8 1 hinzuzu- fügen: „Die Bundesstaaten haben die nach diesem Gesetze festge- stellten Schäden alsbald zu bezahlen, vorbehaltlich der AuSeln- andersetzung mit dem Reich. Das Reich hat den Bundesstaaten im Bedürfuisfalle die erforderlichen Vorschüsse zu leisten." In der Diskussion war man sich darüber einig, daß grund- sätzlich das Reich für die Haftung der durch den Krieg verursachten Schäden aufkommen müsse. Der Krieg werde ja vom Reich im Einvernehmen mit den einzelnen Bundesstaaten geführt. Besonders hervorgehoben wurde von jozialdemokratischer Seite, daß itvtfn rrüfif etwa den Bundesstaaten, die in erster Linie von dem Krieg heimgesucht werden, wie Ostpreußen und Elsaß-Lothringen, besondere Lasten auferlege» wolle, an denen sie Jahrzehnte lang zu bezahlen hätten. Hier müssen alle Bundesstaaten hinzugezogen werden, weshalb der einfachste Weg der ist. daß die Schäden vom Reich übernommen werden müssen. Damit in den geschädigten Bundesstaaten schon setzt mit dem Wiederaufbau der nicht mehr vom Feinde bedrohten Ortschaften begonnen werden kann, müsse vom Reich ein Garantiefonds übernommen werden. Woher sollte beispielsweise Elsaß-Lothringen das Geld hernehmen, um die Schäden, die bis jetzt eine halbe Milliarde betragen sollen, zu be- seitigcn? Von verschiedenen Regierungsvertretern wurde betont, daß man über die Regierungsvorlage nicht hinausgehen solle, weil da- durch Kompetenzschwierigkeiten mit den Bundesstaaten sich heraus- stellen würden. Die Reichsregierung wolle sich vor der Zahlung der Kriegsschäden nicht etwa drücken, sondern es könnte der Fall eintreten, daß das Reich die volle Entschädigung übernehmen würde. Rur jetzt könne man sich in irgendeiner Form nicht festlegen. Zudem sei ja die jetzige Vorlage nur eingebracht worden, damit einheitliche Grundsätze für die Feststellung der Schäden geschaffen werden. Einer späteren Zeit müsse es vorbehalten bleiben. Auszahlungs- gesetze zu schaffen. Gerügt wurde noch, daß in Elsaß-Lothringen sehr langsam ge- arbeitet würde bei der Feststellung von Kriegsschäden, und daß da- durch viel Erbitterung in den weitesten Kreisen der Bevölkerung hervorgerufen würde. Die Beratung wird am Freitag fortgesetzt. Wo stecken Sie Lebensmittel! Auf diese Frage antwortet der halbamtliche»Nachrichtendienst für Ernährungsfragen*: Eine Berliner Firma bietet in einer großen Zeitung gewaltige Mengen von Nahrungsmitteln unter der Ueberschrist»Sofort greif bar abzugeben* an. Es handelt sich hierbei um 100 000 Dosen Rindfleisch a 2 Kilogramm— 200 000 Kilo 4000 Pfund Rindsgulasch.....-»- 2 000» 1000 Dosen Rindfleisch a 6 Pfund..--- SOOO» 12 500 Dosen Rindfleisch a 1 Pfund.. 6 250, 25 000 Dosen Rindfleisch a 1 Pfund.. 12 600, 10 000 Dosen gekochter Schinken a 6—6 PfundL!pieiplätzen, Anstellung von Jugendhelsern und Jugendpasloren, für Ausbildung und Weilerbildung der Helfer und Leiter.* Daß diese Jugendpflege eine ganz andere ist, als wir sie auf- fasten, geht aus den angenommenen Leitsätzen klar hervor. Von Schuldirektor Dr. Knauer wurde angeregt, das stellver- tretende Generalkommando zu bitten, auch für Berlin der Jugend unter achtzehn Jahren den Besuch der Kneipen und das Rauchen zu verbieten. Fast einstimmig beschloß die Synode, der Anregung Folge zu geben und das stellvertretende Generalkommando ferner zu bitten, die Löhne der Jugendlichen energischer als bisher dem Sparzwange zu unterwerfen. Diese letzte gefaßte Entschließung über den Sparzwang der Jugendlichen scheint uns eine große Weltsremdheit der Synode zu beweisen. Alle Praktiker, welche die Arbeits- und Lebensmittel- verhältniste kennen, wissen, wie schwer durchführbar und unpraktisch sich der Sparzwang erweist. Die städtische Eewerbedeputation, viele Unternehmer, die Gewerkschaften haben sich gegen den Spar- zwang geäußert. In dieser teueren Zeit aber diesen Sparzwang noch mehr zu verschärfen, ist ein Ansinnen, dem nicht energisch genug ent- gegengetreten werden kann. Ter Mann mit den vier Ziegelsteinen. Ein Logisschwindler, der mit einem neuen Trick arbeitet, treibt gegenwärtig in den westlichen Vororten, besonders in Schöneberg und Wilmersdorf, sein Unwesen. Er mietet unter dem Vorgeben, als Monteur bei einer Groß-Berliner Firma angestellt und von außerhalb zugezogen zu sein, ein Zimmer, das er sofort bezieht. Sein Gepäck will er stets noch auf der Bahn haben, dagegen trägt er immer vier Kartons bei sich, mit denen er besonders ängstlich tut. Er erklärt, daß die Kartons seine wertvollen Werkzeuge ent- hielten und bittet die Wirtin stets, die Pakete nicht in sein Zimmer zu stellen, sondern dieselben sicherer unterzubringen, am besten in einen Schrank zu verschließen. Diesem Wunsche kommen die Vermieterinnen natürlich gern nach und zeigen dem Mieler dann das sichere Versteck, das gewöhnlich das Kleiderspind ist, damit der Monteur weiß, wo er sein Werkzeug findet. Der neue Mieter bleibt jedoch immer nur höchstens zwei Tage wohnen. Wenn die Vermieterin die Wohnung verläßt um einzukaufen, was jetzt bekanntlich immer sehr lange Zeit in An- spruch nimmt, benutzt der angebliche Monteur die Gelegenheit, um olle Behälter der Wohnung gründlich auszuräumen, wobei er Schmucksachen, Kleidungsstücks und bares Geld bevorzugt. Die Beute verpackt er in die vier mitgebrachten Kartons und verschwindet. Statt der vier Kartons findet die Wirtin nur vier Ziegelsteine vor, die den angeblich so wertvollen Inhalt der Pakete gebildet hatten. Auf diese Weise ist es dem Schwindler in bequemer Weise geglückt, in zahlreichen Fällen erhebliche Beute zu machen und namentlich alleinstehende Frauen empfindlich zu schädigen. Bisher ist es leider nicht gelungen, den dreisten Betrüger zu ermitteln. Er ist etma 2ö bis 30 Jahre alt, hat dunkelblondes Haar und dunklen Schnurrbart, eingefallenes Gesicht. Bekleidet war er mit grauem Jackcttanzug. schwarzem Schlapphut und schwarzen Zugsticfeln. Aus der Unfallchronik. Ein tödlicher Unfall hat sich am gestrigen Donnerstag in der Königstraße ereignet. Dort bog an der Ecke der Klosterstraße der 36jährige Hermann Wielfeld auf einem Zweirade kurz vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 72 aus das Gleis. Obwohl der Führer des Bahnwagens mit aller Kraft bremste, ver- mochte er doch auf so kurze Entfernung den Wagen nicht mehr zum Stehen zu bringen. Der Radfahrer � wurde umgestoßen und in weitem Bogen auf das Straßenpflaster geschleudert. W. erlitt einen schweren Schädelbruch, an dessen Folgen er im Krankenhause Friedrichshain, wohin er gebracht worden war, bald nach der Aufnahme starb.— Ein schwerer Unfall hat sich gestern nachmittag gegen ö3/4 Uhr in Friedenau zugetragen. Vor dem Hause Rheinstr. 19 wurde ein Herr Ernst Dahlenburg von einem in der Richtung nach Neukölln fahrenden Straßenbahnwagen der Linie V ersaßt, umgestoßen und geriet mit dem linken Fuß unter den seitlichen Schutzrahmen, wobei ihm der Fuß abgequetscht wurde. Der Verrmglückie erhielt auf der nächsten NeriungswaÄe einen Notverband und wurde von dort nach dem Kreiskrankenhausc in Lichterfelde geschafft.— Beim Abspringen von einem fahrenden Straßenbahnwagen ist gestern ein 25jähriges Fräulein Wolf verunglückt. Die Wolf hatte gegen Vzll Uhr vormittags einen Wagen der Linie 12 benutzt, den sie trotz der Warnung der Schaffnerin vor dem Hause Wiener Str. 13 während der Fahrt verließ. Fräulein Wolf kam dabei zu Fall und zog sich einen Bruch des linken Oberarmes zu. Die Verunglückte fand im Urban-Kranken- hause Aufnahme.— Von einem Radfahrer umgerissen und über- fahren wurde gestern nachmittag in der Grunewaldstraße der Maler- Meister Julius Schüler. Als er den Fahrdamm überschreiten wollte, fuhr ihn der ISjährige Schlosserlehrling Fritz Werner aus der Vor- bergstraße auf einem Zweirade an. Schüler wurde umgerissen und zog sich bei dem Sturz aus dos Straßenpslaster eine schwere Gehirn- erichütterung, eine Wunde über dem Auge und erhebliche Haut- absäiürfungen zu. Der Verunglückte wurde nach dem städtischen Schöneberger Krankenhause gebracht. Zu der Bluttat in der Wassertorstrasze wird berichtet, daß die verhafteten Brüder Karl und Willi v. Klopotek nunmehr der Staats- anwaltschafl vorgeführt werden. Ihre Beute versteckten die Jungen im Strohsack eines Bettes in der elterlichen Wohnung und im Keller. An berden Stellen wurde das Geld noch gesunden. Im ganzen waren den beiden gegen 3(K> M. in die Hände gefallen. Es scheint, daß der jüngere Bruder Willi den Kindern der Ermordeten wieder- holt heimlich Essen zugeführt hat, uni die Entdeckung der Tat hin- auszuschieben. Bei einer Bootfahrt ertrunken ist am Mittwoch nachmittag der 19 Fahre alte Schriftsetzer Reinhard Scholz aus der Grünstraße 2. Er nahm mit einem Freund in Treptow am Deutschen Bad ein Boot und fuhr die Spree hinauf. Als sie zurückkehrten, schlug der Wind gegenüber dem Deutschen Bad ihr Boot gegen die Kähne, die dort lagen. Bei dem Versuch, es mit der Hand abzustoßen, fiel Scholz über Bord, ging sofort unter und ertrank. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern am Bahnhof Belle- vue. Dort wird in der Nähe eine Brücke über das Wasser ge- schlagen. Von dem Gerüst stürzte plötzlich der Tischler Paul Schröder aus Glogau, der in der Ealvinstraße wohnt, IX Stock herab. Er schlug zweimal mit dem Rücken auf und fiel dann ins Wasser. Hier konnte er nur mit Mühe herausgeholt werden. Der Schwerverletzte wurde sofort nach der Charite gebracht. Hier stellte man schwere innere Verletzungen und einen Schlüsselbein- bruch fest. Ter Zirkus Busch wird Ende dieses Monats seine Spielzeit be- enden. Bis dahin wird das reichhaltige Programm das Publikum angelrehm rmterhalte«. Bus den Gemeinden. Meischkartcn für Neukölln. Die Lebensmittelkommission beschloß in ihrer gestrigen Sitzung die geplanten Fleischkarten vom Montag, den 29. Mai ab zur Ein- führulig zu bringen. Die Karte hat nicht den Charakter einer so- genannten Spcrrkarte, wonach jeder für eine bestimmte Zeit An- spruch aus ein festgesetztes Quantum Fleisch hat und dann zusehen muß. wo er dasselbe bekommt, sondern ist so gedacht, daß jeder Karteninhaber der Reihe nach mit Fleisch versorgt wird. Erst wenn alle einmal mit Fleisch versehen sind, beginnt die Runde von neuem. Die Verteilung des Fleisches erstreckt sich auf alle vier Sorten, Schweine-, Rind-, Hammel- und Kalbfleisch und wird so vorge- nommen, daß vom Schweinefleisch 75 Proz. fnscki verlaust und 25 Proz. zur Wurstbereitung bleiben, die übrigen Sorten bis auf die großen Knochen beim Rindfleisch aber restlos verkauft werden. Die Fleischkarten sind nicht Einzelkarten, fondern Familien- karten, die zum Bezüge folgender Mengen berechtigen: für einzelne Personen h's Pfund, für Familien bis zu vier Köpfen 1 Pfund, für Familien bis zu 8 Köpfen 2 Pfund und für Familien über 8 Köpfen von 3 Pfund. Fet: wird jedoch in allen Fällen nur bis zu einem Pfund abgegeben. Micker darf nicht als Fett verkauft, sondern muß zur Wurstverarbeitung verwendet werden. Die Organisation der Verteilung ist so gedacht, daß jedem der 125 bis 139 Schlächtermeister ein bestimmter Kundenkreis, möglichst aus seiner Nachbarschaft, zugewiesen wird, die er der Reihe der ans- gestellten Flcischkarte nach, z» bedienen bat. Um unnützes Warten zu vermeiden, werden die Schlächtermeister durch Aushang in ihrem Schaufenster bekannt geben, in welchen Stunden die einzelnen Nummern abgefertigt werden, als Verteilungszeit ist zu- nächst Mittwochvormittag und Sonnabendnachmittag vorgesehen. Eine Auswahl der einzelnen Fleischsorten konnte dem einzelnen Käuier nicht zugebilligt werden, da die Nachfrage nach Schweinefleisch zu groß und die Lieferungen zu gering sind. Wer also einmal Schweinefleisch bekommt, erhält das nächste Mal Rind-, dann Hammel- und zuletzt Kalbfleisch. Welchen Teil von einer Sorte der Käufer entnehmen will, bleibt ibm überlassen, solange Auswabl vor- banden ist. Ehe der Einkauf vollzogen wird, müssen sich die Käufer zunächst von den im Schlächterladen anwesenden Mitgliedern der Kontrollkommission ihre Fleischkarten abstempeln lassen. Es ist ge- stattet, für Hausbewohner, die an der rechtzeitigen Entnahme ver- hindert sind, Fleisch mitzubringen. Für die Abgabe der Wurst- waren ist bestimmt worden, daß die Inhaber der Fleiichkarten der Reihe nach bedacht werden sollen, solange Vorräte vorhanden sind; es soll dabei aus'/z-Phmd-Fleischlarte i/4 Pfund Wurst, auf 1 Pfund Fleisch Vs Pfund Wurst, auf 2 Pfund Fleisch sli Pfund und auf 3 Pfund Fleisch 1 Pfund Wurst abgegeben werden. Stadtverordnetenversammlung in Wilmersdorf. In der Sitzung am Mittwoch wurde der von uns schon mit- geteilte Antrag auf Einführung von fahrbaren Volksküchen, nach den schlechten Erfahrungen, die Charlottenburg damit gemacht hat, abge- lehnt. Ein vom Stadtv. Dr. Lewinsli begründeter Antrag auf Er- öffnung einer Mittelstandsküche im Ortsteil Halensee wurde nach be- sonderer Befürwortung durch den Stadtv. Maaß angenommen. Eine dringliche Vorlage des Magistrats fordert die Bewilligung von KX) 000 M. zur weiteren Fürsorge für die Wilmersdorfer Bevölke- rung. Die Vorlage wurde dem Finanzausschuß überwiesen. Kinderveranstaltungen in Mariendorf. Die Kinderferienspiele finden jeden Mittwoch nachmittag statt. Treffpunkt am Rathause um 2 Uhr. Am Sonntag, den 21. Mai, findet ein Ausflug nach Sadowa statt. Proviant und 30 Pf. Fahr- geld sind mitzubringen. Treffpunkt morgens 8 Uhr Dorfstraße an der Endhaltestelle der 79. Kinder unter 8 Jahren nur in Begleitung Erwachsener._ Soziales. Einseitige Lohnhcrabsctzung. Die in der Werkstatt des Deutschen Offiziervereins beschaff tigten Sattler erhielten auf ihren Akkordlohn einen Kriegs- zufchlag von 2 5 Prozent, der zwischen den Sattlern und der Betriebsleitung vereinbart war. Eines Tages wurde den Sattlern erklärt, von nun an würden nur 29 Prozent Zu- schlag gezahlt, wie es im Tarif vorgesehen sei. Die Sattler er- klärten dagegen, sie könnten von der ursprünglichen, auf 25 Proz. lautenden Vereinbarung nicht abgehen, weil die 5 Prozent über dem tariflichlm Kriegszuschlag als Entschädigung dafür anzusehen seien, weil in der Werkstatt des Deutschen Offiziervereins Mehr- arbeiten geleistet würden, die in den Akkordpreifen des Tarifs nicht inbegriffen seien. Den Sattlern wurden darauf die 26 Proz. weitergezahlt, aber nach einigen Wochen setzte die Betriebsleitung ohne Verständigung mit den Sattlern den Zuschlag endgültig auf 20 Prozent herab.— Einer der Sattler, dem hierdurch an den bereits fertiggestellten Arbeiten ein Lohnverlust von 1,99 M. ent- stand, klagte beim Gewerbegericht auf Zahlung dieser Differenz, was der Vertreter des Beklagten grundsätzlich ablehnte.— Die Kammer 2 des Gewerbcger ich ts verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 1,90 M., weil unstreitig ein Zuschlag von 25 Proz. zwischen den Parteien vereinbart wor- den ist und diese Vereinbarung nicht durch die einseitige Ver- fügung des Arbeitgebers geändert werden kann. Gerichtszeitung. Unachtsamkeit. Wie gefährlich politische und militärische Gespräche unter Fahrgästen auf der Stratzenbahn sind, hat der frühere Korrektor, Arbeitsinvalide Wilhelm Reich an sich erfahren müssen. Er stand gestern unter der Anklage des groben Unfugs vor der 8. Slrafkammer des Landgerichts I. Als der Angeklagte am 2. Oktober v. I. auf der Plattform eines durch die Invaliden- straße fahrenden Straßenbahnwagens stehend, einem Trupp feld- marschmäßig ausgerüsteter, mit Blumen geschmückter Soldaten begegnete, fing er mit einem Kausmann Zander, der erzählt hatte, daß er auch noch ausgemustert sei, ein Gespräch an, das sich über alle möglichen politischen und militärischen Fragen erstreckte und in immer lauter werdendem Ton geführt wurde. Die sehr laut und erregt vorgetragenen Ansichten des Angeklagten drangen in das Innere des Wagens und erregten dort Mißmut, so daß eine mitfahrende Dame ihr Erstaunen darüber äußerte, daß keiner der Herren dem Manne auf der Plattform den Mund zu stopfen sich bequeme. Dann trat der mitfahrende Beamte Wolf auf die Plattform hinaus und forderte den Angeklagten auf, seine „Redensarten, für vre er eiaentlich Ohrfeigen verdiente, zu unter- lassen". Der Angeklagte wies Herrn Wolf sehr energisch zurück. Dieser ersuchte darauf einen Schutzmann um die Feststellung der Persönlichkeit des Angeklagtem. Dies geschah, auch wurden die Namen dreier Mitfahrer, die sich als Zeugen anboten, notiert.— Der Angeklagte bestrilt. daß seine Unterhaltung, die er auf der hinteren Plattform des Wagens geführt, verhetzend und aus- reizend gewesen sei und berief sich auf den jetzt Heeresdienst tuenden Zeugen Zander, der den Eindruck gehabt hat, daß ohne besondere Erregung nur Fragen besprochen worden seien, die zurzeit jedermann bewegen. Dem wurde von dem Zeugen Wolf und einer Ohrenzcugin entschieden widersprochen. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten wegen grobe» Unfugs hu ö W o ch e n H a f t verurteile~ Hiergegen war Berufung eingelegt worden.— Vor der Strafkammer machte Rechtsanwalt Dr. H a l p e r t geltend, daß§ 360" St.G.B. hier keine Anwendung finden könne, da eS sich hier nur um ein Privatgespräch zwischen zwei Leuten handle und das Publikum als solches gar nicht in Frage gelommen sei. Eine besondere Belästigung habe auch nicht vorgelegen, es komme höchstens in Frage, ob es geschmack- und taktvoll ist, solche Gespräche auf der Plattform eines Wagens derStratzenbahn zuführen.— Die Straf- k a m m e r hielt groben Unfug nach den Zeugenaussagen für er- wiesen. Die gebrauchten Redensarten seien so kraß, scharf und ver- letzend gewesen, daß das Gericht darin eine Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung erblickt habe. Solches Verhalten sei in einer Zeit, wie die jetzige ist, besonders schwer zu ahndenund deshalb sei die Berufung verworfen worden. Höchstpreise gelten auch für alte Bestände. Eine Fleischivarcnhändlerin in Berlin hatte, nach der„Allgem. Fleischer-Zeitung", für Schinken einen Preis gefordert, der die von dem Berliner Magistrat in der Verordnung vom 16. November 1915 festgesetzten Höchstpreise um 60 Pf. für das Pfund überschritt. Schöffengerichl und Strafkammer verurteilten die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 100 M. Sie hatte geltend gemacht, daß die Schinken vor dem Inkrafttreten der Verordnung gekauft seien, wo- bei mehr, als der Höchstpreis für Schinken betrage, gezahlt worden sei. Die Verordnung könne nicht auf solche Fleischwaren, die der Händler zuvor gekaust habe, bezogen werden. Die Strafkammer betonte, daß die unterschiedslos erfolgte Bestimmung der Höchstpreise in der Verordnung des Berliner Magistrats bindendes Gesetz sei. Der Strafsenat des Kammergerichts schloß sich den Aus- fuhrungen der Straskammer an und wies die Revision der An- geklagten zurück._ Bus klier Welt. Verurteilung eines Mietesteigerers. Der Gouverneur des Reichskriegsbafcns Kiel bat die Miete- iteigerung bis zum Herbst verboten. Der Zahntechniker A. in Kiel hatte trotzdem seinen Mietern am 31. März angekündigt, daß sie vom 1. Juli ab monatlich 5 M. Miete mehr zu zahlen hätten. Dabei log er seinen Mietern vor, der Gouverneur habe ihm mit Rücksicht auf die Verluste, die er im verflossenen Jahre an dem Hause erlitten habe, die Erlaubnis zur Mietesteigcrung erteilt. A. stand nun wegen Uebertretung der Anordnung des Gouver- neurs vor Gericht. Das Gericht sprach ihn schuldig, sah jedoch von einer Freiheitsstrafe ab und erkannte auf eine Geldstrafe von 8 00 M., was der Summe entspricht, die der Angeklagte sich durch die Mietesteigerung jährlich hatte verschaffen wollen. Die Buße mutzte innerhalb 24 Stunden gezahlt werden. Schweres Explosionsunglück. In der Kesselschmiede der Gebr. Kilthau in W a l d h o f bei Mannheim erfolgte eine Explosion de» Schweitzapparates. Vier Arbeiter wurden getötet und der Besitzer schwer verletzt. Das Fabrikgebäude ist zusammen- gestürzt. BootSunglück im Hafen von Swincmünde. Am Mittwochabend nach 9 Uhr stieß im Hasen von Swinemünde ein Fischerboot mit dem Beiboot des Schleppers„Habsburg" zusammen. Von den drei Insassen des Fischerbooles sind zwei gerettet, der dritte, namens L a b a h n, wird vermißt und ist vermutlich ertrunken. Ein Mord. Am Mittwochabend wurde in Halle a. S. der Trödler Hermann Haedicke genannt Röder in seiner Woh- nung. die ihm gleichzeitig auch als Geschäftslokal diente, durch Beilhiebe ermordet aufgefunden. Die Polizei hat auf die Ergreifung des Täters eine Belohnung ausgesetzt. Ein blutiger Racheakt. In H a m b u r g wurde am Donnerstag- vormittag der praktische Arzt Dr. Grumbrecht in seiner Woh« nung von einem Patienten aus Rache durch zwei Schüsse getötet; seiner Verhaftung erwehrte sich der Täter durch mehrere Schüsse und verwundete einen Polizeibeamten an der Schulter nicht unerheblich. Erst die herbeigerufene Feuerwehr konnte ihn überwältigen. Erdbeben in Italien. Am Mittwoch gegen 1 Uhr 60 Minuten nachmittags wurde in den Provinzen Forli, Ravenna und A n c o n a ein Erdbeben verspürt, das teilweise schweren Schaden anrichtete. Eine leichte Erschütterung wurde auch in einigen Städten von Venetien verspürt.— Der stärkste Stoß traf das an der adriaiischen Küste gelegene Pesaro fProvinz Pesaro- Urbino), wo sieben Personen verwundet und mehrere Ge- bände schwer beschädigt wurden. Auch in dem nicht weit von Pesaro entfernten Rimini ist der Sachschaden ziemlich groß. Der ungarische Fraucnmördcr am Leben. Wie aus Budapest gemeldet wird, ist in der Angelegenheit der Czinkotaer Frauen- morde eine sensationelle Wendung eingetreten, die zu beweiscu scheint, daß der Mörder noch im Vorjahre in der Raaber Waggon- fabrik gearbeitet hat. Ein Feldwebel, dem die Photographie des Mörders Kiß gezeigt wurde, erklärte, daß dieser unter dem Namen Stephan S u k a t i als Klempner in der genannten Fabrik beschäj- tigt gewesen sei. Sukati habe ihm erzählt, daß er aus Valjewo aus der Gefangenschaft entflohen sei. Die Leitung der Fabrik teilte der Polizei mit, daß Sukati wohl aus der serbischen Ge- fangenschaft kam, jedoch nicht direkt nach Raab, sondern nach Klojier-Neuburg, wohin er auch wieder zurückgekehrt sei. Sollten sich die Angaben bestätigen, so wird es möglich sein, den schon tot geglaubten Massenmörder wegen seiner grausigen Bluttaten zur Verantwortung zu ziehen. In Valjewo wurde das Grab des Czinkotaer WaffcmnörderS Bela Kitz nicht aufgefunden. Ein Wiener Kellner, namens Frei, erklärte, daß Kiß tatsächlich in Valjewo an Jnfcktionserkrankung daniederlag. Am 7. Dezember 1914 verschwand er aber spurlos aus dem Spital. Folgenschwerer HauSeinsturz. Aus New Dort wird der Agence Habas gemeldet: In A k r o n sOhio) trug sich ein schreckliches Un- glück zu. Das Kristall-Reftaurant ist eingestürzt; zwölf Leichen wurden bereits geborgen. Entdeckung großer Mctallagcr. In den Sayansk-Bergen zwischen Sibirien und der Mongolei sind reiche Lager von Gold, Silber und Kupfer entdeckt worden. Man hat dort Kupferstücke von etwa vier Kilogramm und Silberstücke von dreißig Gramm gefunden. Einige Adern enibalten gleichzeitig Gold, Silber und Kupfer. Eine Gruppe von amerikanischen Kapitalisten interessiert sich lebhaft für diese Lager. Die Sommerzeit in England. Das britische Oberhaus hat da? Sommerzeitgesctz ebenfalls angenommen. Es tritt am 21. Mai in Kraft._ Zrauenveranftaltungen. Berciu für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag. 22. Mai, nachmittags: Geselliges Beisammensein mit Kindern, Äasseekochcn im Bootshaus des Ruderllubs„Vorwärts", Wilhelmsstrand, gegenüber Baumschulenweg._ Jugenöveranftaltungen. Lankwitz-Lichteifelde. Sonntag, den 21. Mai: TageSpartte nach NüderSdors/zUhr Scydlitzstraßc, Bahnübergang.— Mittwochs spiele aus dem Felde. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis So nuabcud mittag. Ocfllich dsr Oder zciiwcise aufllarend. jedoch meist lrübe bei geringen N«gcnjällcn, im Westen ziemlich heiler; Temperaturen wenig verändert. Angegangene Druckschristen. ®cn der„Neuen Zeit« ist soeben das 1. Scst vom 2. Band des 34. LahrgangS erschienen. Aus dem Jnbalt des Heftes heben wir hervor: Vom Marxismus zum Imperialismus. Von Spectator.— Zur zweiten Zimmerwaider Konserenz. Von tbrnst Meyer.— Das Jubiläum der Buch- druckcr. Von Adols Braun.— Vom Wirtschastsmartt. Die kommende Aera der Fusionen der Trusts. Von Heinrich Cunow.— Literarische Rundschau: August Winntg, Zur Neuorientierung der deutschen Zozialdemokratic. Von H. iiehlinger. Genossenschaftliche Kultur. Von H. Fleigner. Georg Inner, Völkcrdämmcrung im Stillen Ozean. Von-ot?.-.— Anzeigen: Archiv für die Geschichte dcS Sozialismus und der Arbeiterbewegung. Gesegnete und Verfluchte. Novellen von H. Steiniher. 3,50 M, E. Flctschcl u. Co.. Berlin, Linkslr. lb. Tie dramatische Idee in NiozartS Qpcrntexten. Von H. Cohen. IIS S. V.(las sirer, Berlin. Shakespeares Werke. Ncbersctzt von Schlegel und Tieck. Herausgegeben, nach dem englischen Text revidiert, init Biographie und Ein- leitungcn versehen von Pros. Dr. W. Keller. 15 Teile in 5 Leinenbänden 11,50 M. Bong u. Co., Berlin XV 57. Gehirn und Krieg. Von Dr. Gerhardt. 80 Pf. Verlag Hellmann, Glogau. Dn'efkasten öer Neöaktion. Tie lurislischi Eprechstunde findet sür llbonnente» Ltndcnftr. z, IV. rechts, varrerre. am Monlag b:s Freilag von t bis 7 Ugr, am Sonnabend von 5 bis K Uhr statt. Jeder sür den B r r e I k a st« n bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Fahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nich: erteilt. Anfragen, denen keine Lbonnementsauitiung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, echriststücke»nd dergieicheu bringe mar in die eprechstniide mit. A. K. Ausbildung zum Volksschullehrer durch dreijährigen Besuch einer Präparandeuanstall(nach dem 14. Lebensjahr) und durch dreijährigen Besuch eines Lehrerseminar«(nach dem 17. Lebensjahr). Präparandcn- anstalten fordern sür das Jahr etwa 150 M. Schulgeld. Solche Anstalten gibt es in Neukölln, Lichtenberg. Weißensee, Tegel. Lehrerseminare ver- zichten aus«chulgeld gegen schriftliche Verpflichtung des aufzunehmenden Zöglings, nach der Abgangsprüfung sich als Lehrer fünf Jabre der Schul- behörde zur Verfügung zu stellen. Auch Unterstützungen werden in Lehrer- seminaren gezahlt. Wegen näherer Auskunst wenden Sie sich am besten an den Rektor Ihres Sohnes.— Karlstiorft. Uns nicht bekannt. Viel- leicht kann Ihnen die Redaktion des.Volkswillen' in Hannover Auskunft geben.— 21. P. 51. 1. Zurückgestellt wegen Schwäche eines größeren Gliedes naS Verletzungen oder Kranlheitcn. 2. Ein an der Seele Leidender. von leichter Gemütskrankbeit Befallener.— 21. B. 50. 1. Stillprämien gibt auch die Berliner Säuglingsfürforge bei geringem Einkommen des Manne?. Durch Inanspruchnahme der Säugllngsflrsorge wird da? Wabk- recht nicht geschmälert. Die nächste Fürsorgeilellc sur Sie wäre in der Mirbachstraße 10. 2. Ja.— H. V. 100. Wenden Sic sich mit einer Beschwerde an den Magistrat.— K. P. LI. Sie sind zur Nachzahlung der Alimente verpftiihtei. Tie Unterstützung wird nicht mehr nachgezahlt werden.— N. W. 63. Sie müßten dem Wirt davon Mitteilung machen. — W. B. 200. Jnvalidenbeiträge werden bei der Verheiratung nicht mehr zurückerstattet. Es ist Ihrer Frau sehr zu empfehlen, die Versicherung sortzusctzen. Sie braucht innerhalb zweier Jahre nur 20 Marken der niedrigsten Klasse zu kleben; Sie muß die Karle aber am Fälligkciistage umtauschen.— P. S. 32. Wenden Sie sich mit einer Beschwerde an den Polizeipräsidenten.— 21. R. 11. Wenn die Ehe nach 1V00 geschlossen ist, erben Sie vom Nachlaß des Mannes ein Viertel: den übrigen Teil erben die Kinder.— Lette. 1. Während der Einziehung zum Kriegsdienst sind Sie nicht steuerpflichtig. 2. Eine Reklamation ist wahrscheinlich aussichls- los, da Ihr jetziges Einkommen versteuert wird.— R. 1000. 1. New. 2. Ja. 3. Tie Scheidung lann nur voin zuständigen Landgericht ausge- sprocheil tverden. Uebrigens ist Ihre Frage bereits beantwortet worden. — M. H. 8. Da Sie Ihr Einverständnis mit der Kürzung des Zu- schusscs ausgesprochen haben, so können S:e jetzt nachträglich einen Anspruch aus Erhöhung nicht geltend machen.— O. S. 47. Die Zurechnung des Verdienstes Ihrer Frau ist in der Art zulässig.— 74. Sie sind ver- pslichtet, die Miete zu zahlen.— F. R. 30. 1. Sie sind zum Eriatz der Scheiben nicht verpflichtet. 2. Nur un Falle der Verheiratung können Sie eine Rückerstattung der Beiträge beantragen, wenn Sie 120 Monatsdeiträge gezahlt haben. SozIaWeinokpatlsclierWalilyerelii f. il. 4. 3er!. Reiciistagswahlkreis. Landsberger Viertel. Bezirk 411 Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau «»rgArele Zedeoer Ebertystr. 15, gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 10. Mai, nachmittags :i Uhr, von der Halle des ZentralsriedhofeS in Friedrichs- jelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer lieben Multer sagen wir allen Be< seiligten, insbesondere dem 10. Bezirk des soz. Wahlvereins(Frauenlese- abend) und dem Pslanzcrverein Ziller- tal unseren herzlichsten Dank. HerKert Wendclborn 11821 nebst Geschwistern. Deutscher Buchliintjerrerbaul (Zahlstelle Berlin.) Unseren Mitgliedern die trau- rige Nachricht, daß unser lang. jährigeS Mitglied, die Kontobuch- arbcitertn Gertruc! Toppel verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet Freitag, den 19. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des alten Luifenkirchhofes, Bergmannftraße, aus statt. Um zahlreiche Beleillgung ersucht 23/13 Die Ortsverwaltung. Hierdurch sagen wir allen Der- wandten und Bekannten sür die zahl- reiche Beteiligung und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres un- vergeßlichen Vaters Zlaeloselivlr insbesondere dem sozialdemokratischen Wahlvercin Bezirk Borsigwalde, Herrn Dr. Schütte, sowie auch dem Borsig- walder Gesangverein unser» herz- lichsten Dank. 702b Die trauernden Hinterbliebenen. Nachruf zum 35. Geburtstage. Fem von der Heimat starb am 13. November 1915 an seiner schwe- ren Verwundung beim Sturm- nngrisf mein lieber, unvergeßlicher Mann, mein lieber, guter Vater, der Landsturmmanu Karl Knobel (Ers.-Regt. III Königsberg). In schmerzlicher Erinnerung Deine Dich nie vergessende Rtartlm und Tochter Lieschen. Ruhe herrscht an Deinem Grabe, Wehmut im verlasswen Haus, Und die Liebe spricht in diesem Ausruf ihre Schmerzen aus. Mein lieber Vater, ruh' in Frieden. Unsere Liebe deckt Dich zu. ö99b Mekssss ehemaliger Pflugscher Arbeiter (Hetzeische Kasse). Den Mitgliedern der Kasse zurNach- daß die Zahlstelle264 88 635 862 840 3031 68 260 494 663 639 763(1000) 934 4010 98 144 209 62 783 843 46 86 6 002 40 42 398 749 888 6024 269 364 622 41 777(1000) 7087 183 2)7 501 8 878 825 8136 323 688 860 715 66(600) 9008 138 209(600) 680 840 44 69 772 628 11600, 19047 85 124 43(3000) 465 5>9 856 953 83«047, 581500) 70 378 479 836 917 60 1 2093 18, 662 866 80 849(3000) 80(600) Sil 66 1 3027 70(1000) 248 318 494 666 1 4019 460 593 686 745 921 15066(600) 188 225 390 587 629 730 851 69 1 6070 218 63 433 692 1 7168 619 62 640 48 720 826 1 8446 58(3000) 510(1000) 60 70 59 762 878 976(600) 18060 343 418 687 663 74 88 773 85(600) 839 72 984 84 88 29,60 410 19 28(600) 629 700 8 993 21060 64 130 47 655 801(600) 24 914(500) 38 39 2 2039 146 94 300 18 65 687 99 794 879 2 3003 19 68 76, 98 207 682 706 837 2 4105 209 29 341 91(3000) 603 847 983 2 S041 63 102 3 228 373 98 650 801 66 900 2 8045 63(1000) 148 203 312 403 621(3000) 74 638 2 7008 473 664 713 46 69(1000) 864(1000) 69 2 8077 84 110 72 76 421 685 2 9054 163 274 84 342 426 68 76 837 3 9 025 65(600) 189 228 35( 600) 52 72 469 895 697 721 61 870 0,4 21 77(1000) 31146 258 418 82 674 78 769 880 3 2096 153 261 663(600) 65 76 818 31(1000) 62 881 93 3 3184 263 64 281 400 721 63 820 903 3 4183 937 64 3 8 078 328 425 636 89(1000) 674 904 96 3 8372 406 630 3 7 077 117(3000) 79 351 447 668 668 715 967 63 3 8127( 600) 01 206 34 673 99 633(3000) 616(600) 39200 37 99 301 422 58 666 819(600) 40146 304 464 605 11 777 41008 10 220 414 650 808 21 91 4 2037 289 325 64 413 68 865 960 43113 389(600) 713 78 823 966 73 98 4 4063 142 267 638 860 893 4 6 569 638 4 6 014 53 95 443 606 621 47 767 301(1000) 78 952 4 7 053 228 333 67 517 42 855 948 65 79 4 8162(600) 233 69 69 331 69 408(,000) 97 610 4 9118 18 46 269 8 7 337 428 614 85 (10001 600 769 836 5 0622 38 62 530 725 69(3000) 807 27 51000 218 361 623 31 48 776 994 5 2620 684 845 67 60 6 3 023 92 264 481 673 89 728 43 67 825(3000) 966 8 4013 61(600) 343 428 31 650 814(10001 908 30( 600) 36 69 6 6 051 81 324 404 683 93(600) 662 782 871 6 6028 164 86 90 269 368 603 85(60001 621 702 5 7168( 600) 99 208 360 604 48 622(600) 37 742 838 6 8269 310 465 626 5 9261 608 745 901 3 57 78 6 0395 722 62 61231 37 79 418 76 717 21 833 66 90 6 2011 48(,000) III 72 362(500) 65( 600) 687 716 852 81 63133 63 66 229 332 471 631 782 63 6 4052 162 97 239 664 82 653 60 712 6 5066 71(600) 76 367 415 676 90 6 6009(600) 69 ,97 202 19 98(1000) 355 427 616 61 804 18 27 49 923 81 6 7064 243 465 630 807 812 6 8004 312(500) 69 469 664 91 97 708(600) 845(1000) 914 76 6 9196 409 693 93 70104(600) 478 825 37(1000) 676 907 71006 67(1000) 148 265 454 77 668 662 7 2004 68 83 118(600) 40 228 327 744 900 7 3 077 81 182 96 311 20 62 430 693 707 892 980 74106 69(600) 224 25 35 399 647 708 6, 78101 22 225 67 614 609 33 829(3000) 7 6390(1000) 618 668 817 7 7127 724 28 74 937 69 7 8205 30 488(3000) 686 785 909 7 9102 19 194 490 694 804 900 3 8 0444(600) 638 43 710 79 906 39 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Mal Ist die Nr. 59 9t57 nicht gezogen worden, dagegen Nr. 70 987 mit 600 M— F» der NnchinlUaginebung«UjitI aus Sir. 229371 ein<ü:wiun»o» 500 AL 7. Prenßirch-Suddetttrche (»33. Königl. Vrrnß.) Klassenlottcrie 5. Klasse 11. ZiehungStag 18. Mai 191» Nachmittag Aus jede gezogene Stummer sind zwei gleich hob« Gewinne gesalle», und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer tu de» beide» Abteilungeu I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigesügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. s. Z.)(Nachdruck verboten) 229 680 771 83 984 94 1014 73 299(1000) 401 66 680 766 017 45(600) 2038 189 200(1000) 456 664 671 97 707 76 3037 408 62 85 619(3000) 21 83 665 67 79 ,1000) 888 89 40,7 47 129 336«73 610 49(1000) 5087 104 70 320 75 402 792(3000) 666 72 8121 63 237 709 36 69 7101 19 400 61(600) 80 538 BS 607 84 968 8188 707 620 9286 360 613 637 726 63 604 29(1000) 35) 10019 68(500) 94 690 768 966(600)«034 73(3000) 162 295 391 449( 500) 672 614 37 979(1000) 12065 331 611 13065 (1000) 255(3000) 64 413(1000) 721 964 1 4202 8« 329 611 43 725 36 805 67 918 1 5104 29 89 94 347 71 478(1000) 709 29 67 70 886(3000) 933(600) 16102(500) 60 214 74 371 640 74 916 1 7102 299 309 487 83 603 861 18408 70 629 340 90 927 19006 106(600) 203 623 919 29000 139 228 309 46 428(600) 81 683 914 21188 223 397 633 714 17 828 906, 5 2 2074 378(600) 484 697 788 885 941 89 2 3017 109 23 88(690) 353(1(500) 607 621 766 600) 849 66 087 2 4261 380 603 64 66 801 41 724(600) 31 96 3 5 069 (600) 143 606 738 2 8106 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