Jlif* 138»— 83» 3ol|i� HtonnemcntS'Bcdingungcn; Rbonnementä■ Preis ttönuntetanbo Vierieljährl. 8,90 MI, niaualL ILO MI, wöchentlich SO Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Big. Sonntags- nummcr mit illustrierter Eonntaas- Vcilage„Die Neue Welt" 10 Psg, Post- Abonnement: 1,30 Marl leo Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliile. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat, Postllbonnements nehmen an Belgien, Dänemarh Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. ( 5 Pfennig) Die InTcrtions-GebQIjr betrögt für die scchSgesvaltene Kolonel- zeile oder deren Raum KO Psg,, für bolitische und gcwcrlschastliche Vereins- und Versammlungs- Anzeigen SO Pig, „Kleine Hnzeigen", das settgedruclie Wort 20 Psg.(zulässig 2 fetlgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellena»- zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weucre Wort ö Psg. Worte über IS Buch- staben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Exvedition abgegeben werden. Die Exvedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. cilcheiol täglich. NO Vevlinev Volltsblnkk. Telegramm-Adreffe: „hoiliillemolitiU kelilii". Zentrahrgan der fodaldcmokrati rch«n parte! Deutfchlands. Neöaktion: EW. öS, Linöenstraße 2. Fernsprecher: Amt Morippla«, Nr. 131 90—151 97 die Aukunfl öes öalkans. Bon D. Blagojew-Sofia. Der bekannte Führer der bulgarischen Sozialdemokratie (enge Richtung) schreibt in dem in Sofia erscheinenden «Rabotnitscheski Wjestnik" sArbeilerzeituitg): Das Feuer des europäischen Krieges brach auf und wegen der Balkanhalbinsel aus. Auf der Bahn der Eroberungs bestrcbuiigen der kapitalistischen Staaten stehend, befand sich der Balkan immer vor der Gefahr der Eroberung und Auf- teilung unter diese Staaten. Diese Gefahr war aber nie so offenbar und so nahe, wie seit dem Ausbruch des europäischen Krieges.... Die Dingo liegen so, daß die Veränderungen, die der Krieg bisher in die Karte des Balkans hineingetragen hat, ein ganz anderes Aussehen gewinnen können. Eine Mög- lichkeit besteht darin, daß die Eroberungen der Zentralmächte auf dem Balkan einen noch größeren Umfang annehmen. Es ist aber auch möglich, daß bei einem Friedensschluß, der niit einem Kompromiß zwischen den kriegführenden Mächten endet, der Balkan als Wechselmünzc für Kompensationen dienen wird. Dies alles hängt von dem Ausgang des Krieges wie von den Umständen ab, unter denen der Friede geschlossen wird. Indessen, wie diese Unistände sich auch gestalten mögen, eines ist klar, und zwar, daß der jetzige europäische Krieg die Widersprüche nicht aufzuheben vennag, die der Kapitalismus auf dem Balkan geschaffen hat, daß er die sogenannte Balkanfrage nicht zu lösen vermag, und daß folg- lich die Gefahr der Eroberung und Aufteilung des Balkans nicht aus der Welt geschafft ist. Im Gegenteil, die Wider- spräche verschärfen sich mehr und niehr, und die Furcht Vörden drohenden Gefahren muß den Balkan endgültig zum Sklaven machen. Die Balkanbalbinsel bleibt nach wie vor ein Herd für künftige Feuersbrünste zwischen den europäischen kapitalistischen Staaten, falls den Eroberungsbestrebungen der letzteren nicht durch den jetzigen Krieg ein Ende gesetzt wird. Ter europäische Krieg hat in unzweifelhafter Weise ge- zeigt, daß die Politik Rußlands gegen den Balkan überhaupt und gegen Bulgarien im besonderen nur eine Erobe- rungspolitik gewesen ist. Als dieser Krieg ausbrach, hat die russische Regierung offen erklärt, daß das Kriegsziel Rußlands in der Eroberung Konstantinopels und der Herrschaft über die Meerengen bestehe. Allein die Eroberung Konstantinopels und der Meerengen bedeutet auch die Eroberung Bulgariens. Denn wie die Geschichte gezeigt hat, ist es umnöglich, dieses Ziel durchzusetzen ohne von Bulgarien Besitz zu ergreifen. Noch mehr: der leichteste Weg nach Konstantinopel und den Meer- engen führt über den südlichen Teil des Balkans und in erster Linie über Bulgarien. Rußland hat Bulgarien„befreit", um es in ein Gouvcrne- mcnt jenseits der Donau zu verwandeln. Wenn nicht der Widerstreit der Interessen der westeuropäischen kapitalistischen Mächte und ihr Widerstand gegen die russische EroberungS- Politik auf dem Balkan gewesen wäre, so wäre Bulgarien schon nach der„Befreiung" im russisch-türkischen Krieg von Rußland erobert und in ein„Transdonaugouvernemcnt" ver- wandelt worden, was zur Folge gehabt hätte, daß Rußland schon damals mit einein Fuß in Konstantinopel und an den Meerengen gestanden hätte. Indessen ist Rußland seitdem fortgesetzt darin enttäuscht tvordei?, daß Bulgarien die Rolle eines unbedingt willfährigen Werkzeuges zur Realisierung der russischen Eroberungspläne spielen würde. Infolge dessen nahm die Politik Rußlands gegen Bulgarien einen Charakter an, der, wenn auch nicht auf die völlige Vernichtung Bulgariens, so doch auf seine Schwächung gerichtet war. Jetzt jedoch zielt die russische Politik offensichtlich auf die Eroberung Bulgariens hin. Wir sind überzeugt, daß Rußland in diesem Kriege diese seine Eroberungspolitik nicht durchsetzen wird. Zugleich sind wir aber auch überzeugt, daß wenn die russische Gefahr heute für Bulgarien nicht existiert, sie doch für die Zukunft nicht aus der Welt geschafft ist. Die russische Gefahr wird be- stehen, solange die russische Eroberungspolitik besteht, und die letztere wird offenbar solange bestehen, wie der Kapita- lismus besteht. Solange Rußland sich auch weiter kapitalistisch entwickelt und die Notwendigkeit dieser EntWickelung empfindet, wird seine Politik den Charakter einer Eroberungspolitik tragen, und zwar hauptsächlich in der Richtung nach Konstan- tinopcl und den Meerengen, folglich auch in der Richtung Bulgariens.... Der jetzige europäische Krieg vermag nicht, wie wir eben erwähnten, die Balkansrage zu lösen. Unabhängig davon, daß die jetzt durch den Krieg geschaffene Lage sich nach dem Friedens- schlutz in einer Weise ändern könnte, die die Widersprüche nur noch vermehrte, lösen auch die jetzt erzielten Resultate noch keineswegs das Problem des Balkans. Die Dinge liegen so, daß Bulgarien heute eine Bürg- schaft für sich' und einen Schutz vor den Gefahren in der Ge- stalt Deutschlands besitzt. Deutschland jedoch braucht Bulgarien zum Schutz des Weges nach Konstantinopel und Kleinasien. Andererseits stellt Bulgarien für Deutschland, wie die Ideologen seiner Kapitalistenklasse nicht nur einmal katego- risch erklärt haben, einen sehr guten Markt für seine Kapitalien und Waren dar und eine vortreffliche Bczugsstelle für Roh- stoffe, die die deutsche kapitalistische Industrie braucht. So [ veranlassen die zunehmenden wirtschaftlichen und politischen . Interessen Deutschlands, für Bulgarien wie überhaupt für die > Erhaltung der jetzigen Lage ans dem Balkan einzutreten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Wirtschaftspolitik Deutschlands gegenüber Bulgarien, lvie sie ihrer kapitalistischen Ideologie vorschwebt, auch als Hemmnis für seine Wirtschaft- liche Entwickclung auftreten kann. Indessen bildet Deutsch- land, in Voraussicht der dem Balkan drohenden Gefahren, heute einen gewissen Schutz für Bulgarien. Trotzdem bleiben die größeren Gefahren vor der Eroberungspolitik Rußland für den Balkan bestehen und bedrohen die Existenz der Balkanstaaten. Der Schluß der obigen Dalegungcn ist, daß der Balkan von der ihm drohenden Gefahr gerettet werden könnte, wenn er sich aus den Weg der von der Sozialdemokratie empfohlenen Politik— auf den Weg der Politik einer Balkan födc r a t i o n— begeben würde. Die Ereigniffe nach deni AuS bruch des europäischen Krieges sagen jedem Einsichtigen, daß die Zukunft einer solchen Politik gehört. Denn die Staaten können auf dem Balkan vergehen, aber die Völker bleiben, und diese werden stets nach Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie streben. Die bittere Erfahrung aber lehrt, daß Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie hier nicht ander als auf dem Wege einer Balkanfödcration errungen werden können. Die großen Ereignisse, die nach dem Kriege in Europa einsetzen dürften, werden auf die Balkanvölker in diesem Sinne einwirken.__ Deutschland und der Berlin, 19. Mai.(W. T. B.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schlecht: Nach einer Reutermel- dung Hat der englische Minister Grey im Unterhause mitgeteilt, der Vatikan habe in Deutschland Vorstellungen erhoben, um Deutschland zum Ausgeben des Unterseebootkrieges zu be- wegen. Diese Mitteilung entspricht nicht den Tatsachen. Vielmehr hat der Pap st, wie wir von zuständiger Seite hören, Deutschlaich und den Vereinigten Staaten seine Bereit- Willigkeit zu erkennen gegeben, in der Streitfrage zwischen den beiden Regierungen zu vermitteln. Seine Majestät der Kaiser hat deni Papst unter Hinweis auf die inzwischen bereits an Anierika erteilte Antwort für die guten Absichten gedankt. Wilsons Botschaft an den papft. New Dork, 18. Mai.(Durch Funkspruch vom Vertreter des W. T. S3.) Associated Preß meldet aus Washington: Wilson plant, mit Lansing während der nächsten Tage über die Botschaft des Pap st es zu beraten, die vor kurzem durch den apostolischen Delegaten Monsignore Bonzano im Weißen Hause überreicht worden ist. Die Botschaft betrifft die Fortsetzung freundschaftlicher Be- ziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und den Vereinigten Staaten, und deutet indirekt die Möglichkeit an, einen all- gemeinen Frieden in Europa zustande zu bringen. Nach der Besprechung mit Lansing wird Wilson seine Antwort an den Papst absenden. Englanö und Irland. Amtliche Darstellung öes irischen stofstanös. London, 18. Mai.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. In der königlichen Untersuchungskommission über den Auf st and in Irland las Unterstaatssekretär S i r Matthew Nathan eine Erklärung vor, tn der die Arbeit der Leute geschildert wird, die Rcdmond und der irischen Parka- mentSpartei feindlich gegenüberstanden und die sogenannten irischen Freiwilligen organisierten. Von den 180 000 nationalistischen Frei- willigen, die ursprünglich existiert hätten, hätten sich nur 11000 an die unlohalcn irischen Freiwilligen angeschlossen. Tie Zahl der letzteren wurde beim Beginn des Krieges auf 1o 200 geschätzt, wovon sich weniger als 3000 in Dublin be- fanden. Die sogenannte Bürgcrarmee, die in Dublin ungefähr 3000 Mann stark gewesen sei, müsse man noch hinzurechnen. Die Führer der Bürgerarmee seien für gcwaltsaineS Auftreten gewesen und seien dabei von den irischen republikanischen Führern, einer kleinen Gruppe von Männern, von denen einige bereits wegen der Dynamitanschläge von 1883 zu Zuchthausstrafen verurteilt waren, unterstützt worden. Diese Männer seien mit größter Heimlichkeit vorgegangen und hätten mit einer Organisation in Amerika, die sie mit Geld versorgt habe, in enger Verbindung gestanden. Es sei nach dem September 1011 unmöglich gewesen, herauszufinden, wie das Geld nach Irland kam. Es sei für die Veröffentlichung aus- rührerischer Blätter und die Verbreitung solcher Schriften sowie zur Bezahlung der heimlich herumreisenden Organisatoren der irischen Freiwilligen verwendet worden. Nathan teilte ferner mit, auf welche Weise die Freiwilligen in den Besitz von Waffen gelangten. Viele wurden aus militärischen Einrichtungen gestohlen, andere von beurlaubten Soldaten gekauft. Eine Menge Revolver wurde von Reisenden im Gepäck verborgen mitgebracht. Die Munition verschaffte man sich auf ähnliche Weise, aber die Munitionsvorräte waren nicht groß. Gegen Ende des Jahres 1911' war aus dem Widerstand der irischen Freiwilligen gegen die Bemühungen Re'vmonds und seiner Partei, Irland mit dem Recht des Reiches in eine Linie zu bringen, bereits hervor- gegangen, daß die Organisation unloyal war. Von da an wurde sie scharf beobachtet. Di« Waffeneinfuhr wurde streng geregelt, und eS Expedition: EW. 68, llinöenstraße 3. Krrnjprecher: Amt Moritzplatt, Nr. 131 90—131 97. wurde viel getan, um die Verbreitung aushetzender Literatur zu ver- hindern. Dennoch schrieb Nathan an den Generaladjutanten in einem Brief, daß er trotz der Lebhaftigkeit der irischen Freiwilligen« bewegnng nicht glaube, daß die Führer einen Aufstand hervorrusen wollten, oder daß die Freiwilligen genug Waffen hätten, um einem solchen Aufstand einen ernstlichen Charakter zu geben. Er fügte hinzu, daß die Regierung keine Entwaffnung der unlohalen Frei- ivilligen versuchen werde, da das ihrer Ansicht nach zu Blut« vergießen und einem sofortigen Ausbruch des Ausstandes führen würde. London, 18. Mai.(W. T. B.) Reuter. Leutnant White, ein Sohn des aus denr Burenkricge bekannten Feldmarschalls Sir George White, wurde in Wales verhaftet unter der Anklage, daß er waliser Bergleute zum Streik aufreizen wollte, weil der irische Auf- ständische Connoly erschossen wurde. Zum Prozeß Casement. Manchester, 19. Mai.(W. T. 83.) Der Londoner Korrespondent der„Mambcstec Guardian" betont, daß die Anklage gegen Sir Roger Easement sich nur auf die Handlungen beziehe, die er im Aus- lande begangen habe. Em irischer Sozialist. Unter den bei den irischen Unruhen Verhafteten befindet sich auch schwer verwundet der irische Sozialist James Connolly. „Justice" und„Glasgow Forward" beschäftigen sich mit seiner Anteilnahme an der Bewegung.„Justice" schreibt von den guten Diensten, die Connolly der Sozialdemokratie geleistet habe, che er sich mit Larkin verband, und daß er auch noch in Verbindung mit diesem Hervorragendes für die arbeitende Klaffe getan habe. Daß tüchtige nnd fähige Menschen wie Connolly so wenig Hoffnung sür ihre Klasse und ihr Land gehabt haben, daß sie ihr Leben auf solche Weise fortwarfen, und daß die nationalen Soldaten aus derselben sozialen Schicht wie sie gehießen wurden, sie wie Kriminalverbrechcr niederzuschießen, sei eine traurige 5lritik an der heutigen Gesell- schaft. „Glasgow Forward" gibt ein Lebensbild von Connolly, der bor 30 Jahren noch im Reinigungsdepariement des Edinburger Stadtrates zu einem Wochenlohn von 1 Pfund arbeitete. Seine freie Zeit verbrachte er in Bibliotheken, in denen er nach Daten sür eine wirkliche Geschichte der arbeitenden Klassen Irlands suchte, oder er beteiligte sich an der sozialdemokratischen Agitation durch Reden unter freiem Himmel. Er wurde verfolgt und ging nach Irland, wo er vergeblich juchlc, eine irische Arbeiterpartei ins Leben zurufen. Später wanderte er nach Amerika aus, und als er zurückkehrte, ver- suchte er„eine irische sozialistische Meinung zu gründen, die zur Tat bereit sein soll, an deni Tag, wo die Homernlc-Bill durchgcbracht worden ist". Seinen Standpunkt zur irischen Bewegung erklärte er im„Glasgow Forward" im Jahre 1913 dahin, daß er als Sozialist Anhänger von Honiernle(Selbstregicrung) sei,„aber an dem Tage, an dein die Homerule-Regicrnng in Krajl tritt, wird die sozialistische Bewegung zur Opposition übergehen." Tausendmal hat er dem Volk von Irland auSeinalidergesctzt, daß Homerule an sich nichts bedeute, und daß, solange sie sich bei einem System des Privat- eigentums an Land und Kapital beruhigen oder es unterstützten. Elend und Entwürdigung aus ihrer Seite sein würden. Er wußte genau, daß es gleichgültig sei, ob der Unterdrücker oder Ausbeuter Ire oder Brite, Jude oder Chinese sei..AnSnutzung ist das Unrecht; und Grundeigcnlum und Kapitalismus und nicht ein bloßer Wechsel der Fornr oder deS Namens der ausführciidcn Regierung beeinflussen das ökonomische System." Das Erscheinen Connollys bei dem Ausbruch der Sinn-Fcin- Unruhen sei für die Sozialisten Englands absolut unerklärlich. Viclleichr hoffte Eonnolly die proletarische Bewegung verstärken und Verliesen zu lönnen, wenn erst ein irisches Parlament und eine irische Regierung existieren; und die Aussichtslosigkeit auf die Er- iiilluug der irischen Forderungen während des Krieges sowie die Ungewißheit über die Zukunft Irlands nach dem Kriege in einer Zeit, wo scharfe Machtkämpfe der Heiden großen Parteien in Groß- vritannien ausgetragen iverdeu müsien, trieben ihn wohl dazu, au den Kämpfen in Dublin teilznnehmen. Bewahrheitet es sich, daß die englische Regierung den Versuch machen will, durch Einsetzung einer iriichcii Regierung die Ueber- leituug zur vollkommenen Homerule noch während des Krieges zu schaffen, so sind wenigstens die Kämpfe, bei denen fähige Männer fieleu, die ihr Leben für eine Idee hingegeben haben, nicht ganz umsonst gewesen. Das irische Proletariat wird das Andenken der Sozialisten, die an dieser Bewegung teilgenommen haben, am besten dadurch ehren, daß sie die Lehren Eonnollys nnd seiner engeren Freunde bewahren und nach ihnen handeln, sobald ihre Zeil gekommen ist. Irische Kunögebungen in Amerika. New Jork, IS. Mai.(Durch Funkspruch vom Ver- t r e l e r d e S W. T. B.) Gestern wurden in den meisten katholi- scheu Kirchen des ganzen Landes Requiems oder Gebete für die bi,r gerichtete u Führer des irischen Aufstandes abgehalten. Monsignore McQuirk von der St. Paulslirche in New Nork, forderte die Gemeinde auf, Gott zu bitten, England zu demütigen, indem er die Hinrichtung der irischen Führer eine Tat des Wahnsinns nannte. Der Prälat sagte, wen Gott verderben lvill, de» schlägt er mit Torheit. Nachmittags und in der Nacht wurden etwa 120 Versa mm- lungen in den verschiedene ir Städten der Ver- einigten Staaten mit Einschluß Washingtons abgehalten, um die Sympathie mit der Erhebung Irlands und den Abscheu über Englands tyrannische Maßnahmen zur Unterdrückung des AusstandeS auszudrücken. DaS bedeutendste Kennzeichen der Bersammllmgcn lvar der Umstand, daß fast alle Sprecher nicht der allen separatistischen Minorität angehörten, sondern der großen Zahl der Konvertiten. Die Sache der irischen Unabhängigkeit hat hier während der letzten drei Wochen gewonnen. Ueberall ver- glichen die Redner den irischen Ausstand mit der amerikanischen Re- volution. Sie hoben hervor, daß die barbarische Hinrichtung der IS irischen Führer das Schicksal Washingtons und der anderen amerikanischen Helden der Revolution.. gewesen tväre, wen» sie keinen Erfolg gehabt hätte. An einer Massenbersamm- lung in der Carnegie Hall in Nelv V o r k nahmen über 3000 Personen teil, unter ihnen viele Priester. 20 000 konnten wegen Mangels an Raum keinen Zutritt finden. Der Nichter dcS Obersten Gerichtshofes Gavegan führte den Vorsitz in der Versammlung. Er erhob sich zum Gedächtnis„der irischen Märtyrer von ISIS" und gab einen Ueberblick über die Verdienste, die Selbstlosigkeit, die Vaterlandsliebe und Tapferkeit der hin- gerichteten Führer. Einige Sprecher berührten den jüngsten deutsch- amerikanischen Streitfall und wiesen darauf hin, dag Präsident Wilson die Nolle eines Vorkämpfers der Humanität angenommen habe und daher verpflichtet sei, mit England wegen der Ermordung der irischen Führer zu unterhandeln, die keine Verbrecher, sondern Kriegsgefangene feien. Es wurde einstimmig eine Neso- Iniion angenommen. in der England beschuldigt wird, Männer iüc die Erslrcbung eines Zieles hingerichtet zu haben, das von Carson öffentlich aufgestellt wurde, der später zum Mit- glied des englischen Kabinetts gemacht worden sei. Viktor Herbert kündigte eine öffentliche Subskription zugunsten der Witwen und Waisen der Opfer der englischen Brutalität an. Mit stürmischer Begeisterung wurde die Flagge der irischen Republik begrünt. Die Erivähnung der Namen der 12 Unterzeichner der irischen Un- abhängigkcitZerklärung, die im Wortlaut verlesen wurde, rief begeisterte Beifallsrufe hervor. Auch die Erwähnung Casc- mentö fand wiederholt lauten Beifall, während jede Erwähnung Englands, Rcdnionds und Carsons anhaltendes Zischen und Rufe: „Schlnach den Mördern 1' veranlagte. Ein Telegramm, in dein sich der bisherige Führer der amcrikamschcn Anhänger Nedmonds, Michael Ryan in Philadelphia, zugunsten der irischen Separatisten erklärte, machte gewaltiges Aufsehen. Die Redner mir Einschluß von Colby, Rooney und Eockran sprachen von der hohen Bedeutung des gcgciiwärtigcn Krieges. Jeder kleinen Nation mit Einschluß Irlands müsse das Recht zugebilligt werden, selbst zu entscheiden, unter welchen politischen Bedingungen sie leben wolle. Tic allgemeine Ansicht gebt dahin, daß infolge der irischen Ereignisse Englands Sache hier schwer gelitten habe und noch weiter leiden werde. Der französische Tagesbericht. Paris, IV. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Donnerstag nachmittag. Zwischen Oise und AiSnc wurde eine starke feindliche Aufklärungsabteilung, die bei OucnnevidrcS in unsere Linien einzudringen versuchte, durch unsere Gegenangriffe zerstreut, wobei sie Tote auf dein Platze ließ. Auf dem linken Maasufcr versuchten die Deutschen nach lebhafter Artillerie« Vorbereitung in mehreren Angriffen im Laufe der Nacht unser Kern- werl im Walde von Avocourt zu nehmen. Der Feind wurde jedes- mal durch unser Feuer zurückgeschlagen und erlitt sehr ernstliche Verluste. Wir unscrerseiis führten gegen 3 Uhr morgens im Norden der Höhe 287 auf einen deutschen Graben einen Handstreich aus, dessen Insassen getötet oder zu Gefangenen gemacht wurden. Zur selben Zeit bemächtigten sich unsere Truppen nach einem erbitterien Kampfe eines fcstausgebautcn feindlichen Stützpunktes auf dem Nordostabhaug der Höhe 804. Auf dem rechten MaaSnfcr und in der Woevre beiderseitiges Artillericfcuer. Flugwesen: In der Nacht vom 13. zum 17. Mai führten unsere Flugzeuge zahlreiche Bombardements auf die Front nördlich Verdun ouS. Besonders wurden fünfzehn großkalibrige Granaten auf ein wichtiges Munitionslager zwischen Raucourt und Haraucourt, 10 Kilometer südlich von Sedan, S auf den Bahnhof von Sedan, wo eine FeuerSbrnnst festgestellt wurde, und fünfzehn aus ein Mu- nitionslager bei Azanncs abgeworfen. In derselben Nacht warfen zwei unserer Apparate achtzig Granaten aus den Bahnhof von Metz- Sablons. Feindliche Flugzeuge warfen während der Nacht mehrere Bomben ans die Gegend von Luneville, Epinal und Bclfort, wo sie unbedeutenden Sachschaden anrichteten. Paris, lv. Mai.(W. T. B.) Amtlicker Bericht vom 18. Mai abends. Nördlich von der Aisne haben wir eine feindliche Abteilung zerstreut, welche einen unserer Gräben südlich von Nouvron anzugreifen versuchte. Auf dem linken Maasufcr machte der Feind gegen 5 Uhr nachmittags nach heftigem Artillerie- fcucr einen starken Angriff auf unsere Stellungen im Gehölz von Avocourt und an der Höhe 304; unser Sperrfeuer und unsere Wkoschinengcwchre haben den Feind aufgehalten, welcher erhebliche Verluste erlitten zu haben scheint; das Geschützfeucr dauert in dem ganzen Abschnitt sehr heftig fort. Ans dem rechten MaaSufer Geschütz- feuer mit Unterbrechungen, heftiger bei EpargcS. Nichts Wichtiges von der übrigen Front zu melden. Belgischer Bericht. Am 17. Mai abends machte nach heftigem Feuer aus Schützengrabenmörscrn und Geschützen aller Kaliber eine deutsche Abteilung einen Angriff gegen einen unserer Posten auf dem Ostufer der Dser nördlich von Stccnstracle; der Feind wurde durch unser Sperrfeuer und Gcwehrfeucr auf- gehalten. Die englische Melöung. London, 18. Mai.(W. T. B.) Meldung des Rcutcrschen Bureaus. Heeresbericht. Gestern belrächtliche Tätigkeit in der Luft. Es fanden 13 Luftkämpfe statt, eine feindliche Maschine wurde, wie man glaubt, niedergeschossen, man sah sie vertikal niedergehen. Der Feind be- , nächtigte sich nachmittags»ach einem heftigen Bombardcnient eines Rkinenkraters aus dem Rimyhügel, der von uns besetzt war. Eine starke feindliche Patrouille versuchte letzte Nacht, einen Posten bei Wieltje zu stürmen, wurde aber zurückgeschlagen. Heute nichts von Bedeutung. Der englische Luftöienst. London, 17. Mai.(W. T. B.) Unterhaus. In der De- hatte über den L u f t d i« n st tagte Johnson H i ck s, alle Maß- regeln zur Verteidigung Londons gegen Luftangriffe seien erst seit dem letzten Januar ergriffen worden. Wenn nichts geschehen wäre, so hätte man Balfour längst an einem Laternenpfahl auf- gehängt. Es sei zwar nicht möglich, die ganze Ostküste zu schützen, aber etwa 00 Geschütze mit Scheinwerfern, die zwischen Wash und der Themse aufgestellt mären, könnten deutsche Luftschiffe ver- hindern, die Küste zu überfliegen. Weshalb sei dieser Plan, den der frühere Kommandant der artilleristischen Verteidigung Londons befürwortete, nicht ausgeführt worden. In den östlichen Graf- schaften sei das'MwchrgeschiitzkorpS noch immer mit denselben alten Geschützen und Maximkanonen bewaffnet. Seit der letzten Debatte im Unterhans habe man neue Geschütze gesandt, aber es fehle an der Munition, die gegen Zeppeline wirk- sam sei, vor allem aber sei eine Uebcrlcgenheit des Luftdienstes an der Front nötig, um die deutsche Aufklärung zu verhindern. T e n n a n t erwiderte, das Bcnachrichtignngssystcm über drohende Luftangriffe sei jetzt über das ganze Land vollendet. Es seien noch nicht alle Geschütze zur Abwehr von Luftschiffen da, aber man bekomme sie jetzt. Es sei eine Schießschnle für Offiziere eingc- richtet._, Der russische Kriegsbericht. Petersburg, 19. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 13. Mai: Westfront: In den Gegenden von Pulkarn(21 5iilometer südöstlich Riga), Olyka und Nowo Aleksinicc versuchte der Feind, sich unseren Gräben zu nähern, wurde aber durch unser Feuer zurückgeworfen. In den anderen Abschnitten gewöhnliches Gewehr» und Geschützfeucr. Kaukasusfront: In Richtung Diarbekr Vorhutgesecht«. MW Oes Sketzkli SWtWMim. Amtlich. Großes Hauptguartier, 19. Mai 1916.(W. T. Ä.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf dem westliche« MaaSufer wurden die französischen Gräben beiderseits der Straße Haucourt— EsncS bis in die Höhe der Südspitzc des Camard-WaldcS gcnommcu und 9 Offiziere und 129 Mann zu Gefangenen gemacht. Ein erneuter feindlicher Angriff gegen die Höhe 391 brach unter sehr erheblichen Verlusten für den Feind zu- sammcu. Auf dem östlichen Maasufcr steigerte sich zeitweise die gegenseitige Artillcrictätigkeit zn großer Stärke. Die Fliegcrtätigkeit war aus beiden Seiten groß. Oberleutnant Boclckc schoß das 16. feindliche Flugzeug südlich von Ripont ab. Bahnhof Luneville sowie Bahnhof, Lnftschiffhallc und Kasernen bei Epinal wurden mit Bomben belegt. Ocstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Ncnes. Balkau-Kriegsfchauplatz. Ein Flugzcnggefchwadcr griff die feindlichen Lager bei KnknS, Causice, Mihalova und Saloniki an. Oberste Heeresleitung. ** M MiMW SMNÜWMW. Wien, 19. Mai.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: Nufsifchcr und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Die an der küstcnländischcn und Kärntner Front eingetretene Feuerpause hielt im allgemeinen auch gestern an. Heute früh wurden zwei feindliche Angriffe auf die von unseren Truppen unlängst gewonnenen Stellungen östlich Monfalconc abgeschlagen. Eines nnsercr Sccflngzcnggrschwader belegte die Bahnhofsanlage von San Giorgio Vi Rogaro und die feindliche Sceflugstation nächst Grads erfolgreich mit Bomben. An der Südtirolcr Front gewann unser Angriff unaufhaltsam Raum. Ans dem Armcntcrra-Rückcn wurden sechs italienische Angriffe abgewiesen. Unsere zwischen dem Astach« und Lain- Tale vorgerückten Kräfte unter Führung seiner k. und k. Hoheit dcS FeldmarschallcutnantS Erzherzogs Karl Franz Joseph trieben de» Feind an der ganzen Front weiter zurück und bemächtigten sich heute früh der italienischen Panzcrwcrke Campomrlon und Toraro. Zwischen Lain- und Lrand-Tal(auf Lallarsa) erreichte» unsere Truppen den Nordrand des Col Santo. Im Etsch-Tale mufften die Jtalicircr die Orte Marco und Mori räumen. Die Zahl der seit Beginn unseres Angriffs gemachten G e- f a n g r n c n hat sich auf über zehntausend und hundertsechs und neunzig Offiziere, die Beute auf 51 Maschinengewehre und 91 Geschütze erhöht. Der Stellvertreter des Ehcss des GcncralstabcS von Hoefer, Fcldmarschallcutnant. Nlelöung öe? italiemschen Heeresleitung. Siom, 18. Mai.<23. T. B.) Amtlicher Bericht. Im. Adamclloabschnitt machten unsere Truppen reiche Beute an Waffen, Munition und Material, das vom Feinde an: Col Topctc und am Col Fargorida zurückgelassen worden war. Lim 17. Mai dehnten unsere Alpcntruppen die Eroberung des KammeS nördlich von Far- gorida bis zum Matarotl-Abschmtt und der Quelle der Sarca au?. Im Ledrolale griff der Feind nach kräftigem Artillericfeucr, das die ganze Nacht zum 17. Mai dauerte, bei Tages- anbruch unsere Stellungen an den Hängen des Monte Pari an. Er wurde unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. In, Lagarinatal erneuerte der Gegner gestern mit zahlreichen und starken Batterien die Beschießung unserer Stellungen auf der Zugna Torta. Darauf unternahm er noch fünf heftige Angriffe. Er wurde jedesmal unter blutigen Verlusten zurückgeschlagen. I» dem Abschnitt zwischen dem Terragnoloiale und dem oberen Aslach- talc dauerte das kräftige feindliche Artilleriefeuer ohne Unterbrechung gegen die Stellungen unserer Hauptvertcidigungslinie an. Wir wiesen die Angriffs ab, die hintereinander im Tale von San Pole- grino im Abschniit der Marmolada, am Fcdciapaß(Hochavisio) und im Hochcordovole unternoninren wurden. Am Jsonzo mäßige Tätigkeit beider Artillerien. Im Abschnitt von Monfalcone eroberten unsere Truppen in einem glänzenden Gegenangriff ein dem Feinde bei dem Kampf am 15. Mai gebliebenes Schiitzengrabensiück zurück. C a d o r n a. Die türkische ffauptquartiersmelüllng. Koustantinopcl, 18. Mai. Man messe dem Siege Raisulis über seinen unversöhnlich a Feind Abd el Kennin große Bedeutung bei. 10 000 Mann spanischer Truppen sind in diesem Gebiet zusammengezogen, die jetzt eine Vereinigung mit den Truppen bei Larrasch anstreben. Eine, führende ö rutsche Persönlichkeit� übc? Greps Reüe. Dem.Berliner Lolal-Anzciger" wird aus Rotterdam ge« meldet: Der Berliner Vertreter des„Nicuwe Notterdamsche Eourani" hatte eine Unterredung niit einer führenden d c n r) ch c n Persönlichkeit über den Eindruck der Erklärungen GreyS m deutschen Kreisen. Er berichtet darüber folgendes: Es war nickt schwer, meinen Gewährsmann zu Aeußcrungcn zu veranlassen. Cr wünschte offenbar selbst sein Erstaunen zu äußern über die Tai-- fache, daß der engNiche Minister des Aenßern in so vielen Punkten mit den führenden deutschen Kreisen einig sei. Ebenso wie Grey. so sagt mein Gewährt- mann, wünsche man in Berlin lein Europa. daL von einer einzigen Nation übcrhcrMcht weedc. Man wünsche kein andauerndes Säbelg crafsel, keine mächtig große Armee, ober auch auf der anderen Seite keine über- mächtig große Flotte. Man sehne sich nicht nach einem Europa, da§ von Berlin aus regiert werde, aber man könne ebenso- wenig sich zufrieden geben nnt einem Europa, das die Ausgabe haben würde, die inneren Zustände Deutschlands gcgc» den Willen sänrilichcr deutschen Stämme zu verboKern oder die an- geblichen Fehler der deutschen Philosophie mit dem Schwert auszumerzen. Wenn Grey die deutschen GkiatSoiniickningcn wegen ihrer demokratischen Schönheitsfehler für erne Gefahr ansieht, so könne er ohne jede Schwierigkeit in Europa noch beträchtlich aulokratischere Staaten finden, die der Verbesserung mehr bedürfen würden. Man sei in Deutschland der Ansicht, daß Grey. wenn er überall seine Forderung über die wahre Freiheit der Nalioncn gewaltsam durchsetzen wollie, damit leicht in Verlegenheit kommen könne. Mit Vergnügen habe man in Berlin von Grcys Versicherung, daß er das D e n t i ch e Reick, frei sehen-volle, Kenntnis genommen. Diese Verfichenma siehe in erft-eulichcm Gegensätze zu den Wünschen, die man bisher von führende» Männern und anderen EntentelÄidcrn gehört hat, nämlich, daß Deutschland zerschmettert werden müsse.— Der Korrespondent des.Nicuwe Rolterdamsche Eourant" fügt hinzu: Die Bemerkungen meines Gewährsmannes wurden zum Teil mit einiger Ironie geäußert, zum Teil aber auch mit einer wirklichen Beachtung von Greyö Aeuiitrungcn, die man jedvexfrilks als einen Fortschritt betrachten kann. Mein Gewährsmann hat sich mit großem Nachdruck gegen die Behauptung Grcys gstomide, daß Dsrrffchiand an dem Kriege schuldig sei. Der Korro�>oird«lt will es sich aber ersparen, die Argumente, die man aus den deutschen Weiß- büchern kennt, zu wiederholen.„Aber auch uns", so sagt der Korrespondent weiter,.drängt sich die Frage aus, ob dieser Konstikt nicht aus anders Weise als durch das Säen von Tod und Verderben beendet werden könne, und wir fragen deshalb. ob die beiderseitigen Kriegszicle. nämlich die Bethmann HollwegS einerseits und die von Grey an- dcrerseits nicht zu weit auseinandergehen, als daß man von der fortgesetzten Waffengewalt ewe Lösung erhoffen könne. Mein Ee- waZrsmann Bctonic tit fehter Aniwori auf diese Frage die in mancher Hinsicht auszerordentlich verwickelte Lage auf sämtlichen Kriegsschauplätzen, wonach ich mir die Frage erlaubte, ob hier Aussicht bestehe, dah diese Lage durch Fort- setzuug des Krieges sich jemals weniger verwickelt gestalten würde. Er erinnerte mich auch au die eigentümlichen Bedingungen, die birch für die neutralen Staaten stellte, welche sich als Berinitller anbieten würden. Jene Bedingungen machen eS den jetzt noch neutralen Staaten, von denen kein einziger Luft zu haben scheint, seine Ansicht über die Streitfrage zu äußern, wie Grey das verlangt, unmöglich, sich als Friedensvermiltler zu erbieten." Dennoch bat die Unterredung mit einem führenden Mann, so schreibt der Korrespondent des«Niculve Rotterdami'che Courant", m'ch in der lleberzcugung bestärlt, dajz angesichts der Tatsachen, d. b. Belhmann Hollwegs AuSsüHrungen in seiner letzten Zlcde im Reichstag und dem versöhnlichen Geist, welchen Deutschland in seiner Note an Amerika äußerte, einerseits und Grcys Bedürfnis, weniger aggressive Forde- rungen zu stellen, andererseits, es möglich sein müsse, die Parteien einander näherzubringen. Dee englische Schatzkanzlee über Sie Zinanzlage. London, 18. Mai.(53. T. B.> Bei der zweiten Lesung de» Etat» behandelte der SÄatzkanzler zunächst die allgemeine Finanzlage und sagte: Die gegenwärtige Lage unserer Finanzen bat nach einer beispiellosen Störung des Verlehr» die Kraft der Nation gezeigt. W>r haben die Einnahmen von 200 000 000 Pfund auf 500 000 000 Pfund gesteigert. Kein andere» Land hat ein Gleiches versucht und kein anderes Land hat ein Gleiche» gekonnt. Der Minister stellte dem Vorgehen Englands, da» 800 000 000 Pfund neue Steuern erhebe, dem Vorgehen Deutschlands gegenüber, das 25 000 000 Pfund erhebe, und sagte: Wenn wir unsere Hilfsquellen überanstrengten, würde eine Abnahme der Sleuereingänge vorhanden sein. Aber das sei nicht der Fall, da die gegenwärtigen Einnahmen den Vor- airschlag ivcit überträfen. Üebcr die Frage des kommerziellen Wiederaufbaues nach dem Kriege sagte er, niemand könne sagen, welches die Grenzen der möglichen Abkommen wären. Kein Teil des Hauses meine, daß das Werk des Wiederausbaues dem Zufall überlassen bleiben könne. Niemand glaube, daß man eine Politik des laisssr faire verfolgen lönne. E» sei die gemeinsame Grund- anschauung, daß die iltcgicrung helfen, organisieren, unterstützen und darauf sehen müsse, daß die wichligftcn Judustiien er- halten bttebcn, und daß Industrien, die man bei Ausbruch des Krieges nicht besessen habe, die aber von viialer Wichtig- keit seien, nicht wieder zermalmt loerden dürfren, sondern erhalten werden müßten, soweit sie für das volle Leben der Nation wesentlich seien. Weder jetzt noch in Zukunft werde er sich genau an die Richtlinien gebunden.erachten, die er vor dem Kriege befürwortet habe. Er fordere daS Haus auf, mit iicuen Gcsiniiungeii an die neuen Probleme hcranzulrctcn und sie ohne Vorurteil in Erwägung zu ziehen. HinsichUich der Pariser Konferenz lehne er es aber ab. irgend eine Erktärung abzugeben, doch versichere er dem Hanse, daß die Vcrlreter der Regierung zur Konferenz gehen würden, nicht gebunden durch irgendwelche starre Lehren einer natioiialökonomischcn Schule. Sie würden hingehen frei und nur tu der Lwsicht, zu sehen, auf welche Weise die gemein- samen Interessen am besten gcförderl loerden und. die Lilliicrlcn nnd die Engländer selbst in Zukunft zusammen wachsen und gedeihen könnten. Ter hervorstechendste Zug des Budgc!» in diesem Zu- sammcnhang sei die Bereitivilligleil, mit der es im Hause und im Lande aufgenommen worden sei. Ter Minister fuhr fort: Wir hatten riesige Anstrengungen für die Flotte und das Heer zu machen, aber nicht weniger lvichlig al» diese, nicht allein für den Erfolg unserer Lperalioncn, sondern auch für den Erfolg unlerer Alliierten,>vnr die sinanziclle Slärke und Beständigleit der Hilfsquellen dieses Landes. Jeder, der dic dcntfchc Presse verfolge, werde sehen, daß diese Presse in den finanziellen Hilfsquellen Englands ein Maß für die Fähigkeit zum Widerstands der alliierten Nationen sehe. Ich glaube, schloß der Minister, daß bei dicicr großen Last, die zu lrngen war, die Stimmung des Volke» die Möglichkeil gegeben hal, diese Last mit solcher Bercilwilligkeit und gulem Willen zu tragen, und daß man nach fast zwei Jahren Krieg verhältnismäßig leicht eine Sleuerlast trägt, die irgendeinem Schatzlanzler vor verhälmismäßig wenig Jahren unglaublich vorgekommen wäre, und daß unsere finanzielle Lage, anstatt mit der Fortdauer de-Z Krieges schwächer zu lvcrdcn, immer siärler werden wird mit der Erfahrung, die wir gewonnen, mit dem Vertrauen, daS wir erworben, und mit der Achlung, die wir durch unsere Ansirengungcn erlangt haben. Die Sozialistenverfolgungen in Cnglanü. Am �il. d. M. waren die Genossen James M a x t o n und I. Tunlop Wkac D o u g a l I vor dem Juryhof in Glasgow wegen Versuch, die MunitionSproduktion zu„hindern, zu verzögern und einzuschränken", d. h. wegen Aufforderung zum Streik angeklagt. Sie wurden zu 12 Monaten G c- s ä n g n i s verurteilt.— Zugleich mit ihnen war wegen des gleichen Vergehens Jack S m i t h angeklagt, von dem-der Staatsanwalt auf Grund eines PolizeiberichtL sagte, daß er mit einein„wohlbekannten Londoner Anarchisten assoziiert" sei, mit einem Komitee zur Beendigung des Krieges in Verbindung stehe nnd im Besitz cincr Nummer des Dubliner Blattes „Workers Republic" gewesen sei. Ter Angeklagte wurde dieser erschwerenden Umstände halber zu 18 Monaten verurteilt.— französische Steuerprojekte. Paris, 13. Mai.(W. T. B.) In der Kammer brachie Finanz- minister R i b o l den Gesetzennvurf betreffend die vorläufigen Kredite für das drille Ouarlat 1916 ein. Sie belaufen sich für das allgemeine Budget auf 7 891 852 714 Frank und für das NachlragSbudget auf 010 742 771 Frank. In der Begründung wird die Lage des cschatzes und der Bank von Frankreich erörtert und auf die Mincl hingewiesen, den Baigeldunilauf zu beschiänlen, so- wie auf die Maßnahmen, der Erhöhung des Wechselkurses vorzu- beugen. Ilm den wachsenden Lasten nach Maßgabe des öffentlichen Vermögens und der privaten Einkominen zu begegnen, schlägt der Minister die Erhebung von direkten Steuern und in- direkten Abgaben auf g e i st i g e Getränke. Wein, Bier, Slpselwcin, Zucker und Tabak vor, iv odurch dem Staatsschatz 900 000 000 Frank Mehreinnahmen gc- sichert würden. Das Privilegium der Braimlwehibrenner soll bc- f eiligt werden. Schließlich spricht der Minister über die Erhebung der Elntvmmensteuer. Die ersten Erfahrungen, die man mit ihr unter ungünstigen Bedingungen gemacht habe, seien immerhin er- MUlKXird. Ans Ersuchen des Ministerpräsidenten Briand hat die Kammer die Beiprechung der Jirtcrpellaiion wegen der Zensur vertagt. Bei die>er Gelegenheit erkannte Briand die Arbeit der Kaminer an, deren Zusammenwirken mit der Regierung sich im Geiste des Krieges voll- ziehen müsse, und fügte hinzu: Wir stehen in einer entscheidenden Stunde, in welcher wir alles erhoffen dürfen(Lebhafter Beifall), in der ich aber auch sagen darf, daß ein tieseS, wahres, beinahe brüderlich»» Vertrauen zwischen Regierung und Kammer»ölig ist, um den Truimph unseres Landes zu sichern. Bon der Gemeinsamkeit unserer Arbeit hängt es ab, daß morgen der Sieg unsere Fahnen bestrahlt. „Surgftieöett* in Zrankreich. Mit dem Burgfrieden in Frankreich sieht es trübe aus. Verschiedentlich mußte schon die Parteipresse heftige Angriffe der re- akliocären Blätter gegen die Sozialdemokratie zurückweisen. Sie konnte das um so leichter, als die Bourgeoispreffe sich zwar über ein Zusanlinentreffen von deutschen und französischen Sozialisten aus neutralem Boden hoch entrüstete, aber kein Wort gegen die Be- sprcchungcn von deutschen, französischen und belgischen Geistlichen in Italien zu sagen wagte. Vor kurzem mußte sich nun die„Humaniiö" mit einer Anschuldigung des„TempS" beschäftigen, der eine lügen- haste Behauptung über Versprechungen der französischen Sozial- dcmokralie an die deutsche und indirekt an die deutsche Regierung aufgestellt hatte. Der„TempS" kam auf den Besuch de» Gc- uosscn Müller vom deutschen Parteivorstand in Paris zurück und schrieb: „Müller kam nach Pari», um zu versichern, daß seine Partei die KricgSkrcdile verweigern würde. Er erlangte, daß die französischen Sozialisten die Zurückziehung der Bedeckungstruppen auf acht Kilo- metcr von der Grenze forderten." Dazu bemerkt R e n a u d e l in der„Humanste": „Ter erste Satz ist richtig. Der zweite ist falsch. Wir verstehen sehr wohl den polemischen Teil, den der „TempS" aus seiner Behauptung zu ziehen hofft. Könnte man nicht aus dem Moment, daß die französischen Sozialisten, um„einem Sozialisten des Kaisers" Freude zu machen, die„Zurückziehung der Bedeckungstruppen" gefordert haben, irgend eine der guten Anklagen der Unvorsichtigkeit, um nichts Schlimmeres zu sagen, schmieden, auf die unser Kollege so lüstern ist, wenn es sich um Sozialisten handelt? Aber wieso fühlt der„TempS" nicht, daß er, indem er die Sachen so darstellt,»iefit dem Sozialismus Unrecht tut. sondern Frankreich selbst, seinem Friedenswillen. Ja, die Sozialisten haben verlangt, und sie haben sich gefreut, daß M. Viviani alle Maß- nahmen ergriffen hat, daß nicht ein unbedeutender Grenzzwischen- fall als falscher Vorwand zur Entfeffelung des Krieges dienen könnte. Nicht in der Zurückziehung der VedeckungS- t r u p p e n, sondern in der Festhaltung der Armeen auf zehn Kilo- metcr von der Grenze." Gerade das habe den französischen Sozialisten das Recht gegeben, eben in der Besprechung vom 1. August zu erklären, wenn dieser und andere Beweise für den Friedenswillen der sranzösischen Regierung aufreckt erhalten würden, so würde bei der Abstimmung über die ftanzösischcn KriegSlredite nicht eine sozialistische Stimme fehlen. Diese Tatsachen seien bekannt, warum bestrebe sich nun der „TempS", sie zu vergessen? Nun auS dem gleichen Grunde, aus dem heraus er über eine Rede von Sembat folgendes schrieb: „Der Klassenkampf wird ein Ende nehmen. Der Krieg gegen die kapitalistische Gesellschaft wird aufhören. Wenn die äußeren Feinde besiegt sind, wird sick keine Stimme mehr in Frankreich er- heben, um den arbeitenden Massen die Jndustrieherren, die Arbeit- geber, die Meister, die Kapitalisten als ihre natürlichen und ewigen Feinde zu denunzieren. Die verhaßten Vorurteile, die die politische Leidenschaft zum Schaden des öffentlichen Friedens und der nationalen Macht nährte und denen sie schmeichelte, werden sollen. Wenn der verabscheuungS würdige deutsche Angriff eine solche Erneuerung zur Folge hätte, würde man beinahe geneigt sein zu sagen, daß er nicht zu teuer bezahlt tväre, so fruchtbar würden die leicht gewordenen U in.w andlungen für die Zukunft des Landes s ein." Mit aller Schärfe wendet sich Renaudel gegen das Ungeheuerliche de? letzten Satzes.„Die Millionen Toter, die verlassenen und er- schlagenen Arbeiter, die ökonomischen und finanziellen Ruinen, alles da» erscheint dem„TempS" nickt zu teuer, wenn die Arbeiterklasse ihre legitimen Forderungen aufgibt..." Der Klassenkampf ist für da» Proletariat niemals etwas anderes gewesen als die Konstaiie- rung einer Tatsache. Diese Tatsache könnte die„Heilige Union" in Zukunft mildern, aber sie könnte sie nur unterdrücken, wenn sie sich zur Annahme eines sozialen Regimes entschlösse, wo die„Kriegs- solidarität sich in eine ständige Solidarität des Friedens um- wandelte und nicht wieder zu dem Egoismus der Vergangenheit zurückkehrte". Die Hekatomben des Krieges als ein Lösegeld zu betrachten, sei ihnen niemals in den Sinn gekommen, sie seien im Gegenteil stolz darauf, bis zum letzten Augenblick gekämpft zu haben, um das Entsetzliche sowohl Frankreich wie Europa zu er- sparen. * In den beiden folgenden Nummern kommt Renaudel noch ein- mal auf die Anschuldigung des„TempS" zurück. Er stellt fest, daß Jaurös am 31. Juli zu Bsdouce Mitteilung von dem Versprechen Vivianis gemacht habe, die französischen Truppen acht Kilometer von der Grenze entfernt zu halten.— Müller sei aber erst am 1. August in Paris angekommen. Renaudel fordert daraufhin den„Temps" auf, seinen„Irrtum" einzugestehen, und da der„TempS" auf alles schweigt, nennt Renaudel die Behauptung mit dem Namen, die sie verdient, sie ist eine Lüge._(z) von öer französischen Zensur. Die Blätter der Linken haben in Frankreich augenblicklich wieder sehr unter der Zensur zu leiden.. Bonnet Rouge",„Journal du Peuple",„Radical",„Soir" sind für mehr oder weniger lange Zeit verboten;„Hommes du Four" mußte die Beschlagnahme einer Nummer über tick ergehen lassen. In den Spalten des„Populaire du Centre", der„Bataille" und selbst der„Humanste" mehren sich die weißen Stellen, wenn auch natürlich die„Humanite" am wenigsten von den drei letztgenannten Blättern zu leiden bat. Am merkwürdigsten ist es aber der „Emanripation juive" ergangen. Ihr ist der ganze dokumentarische Teil der letzten Nummer, das sind 14 Seilen von 20, gestrichen tvorden. Sie enthielten die wörtliche Wiedergabe der Dumadebatten über die jüdische Frage nach russischen Zeitungen, besonders der„Rjetsch". Also auch im republikanischen Frankreich ist es nicht immer ge- stattet, in den Zeitungen Berichte zu bringen, die im zarischen Ruß- land geduldet werden I M. F. Buissou, der Vorsitzende der„Liga der Menschenrechte" hat beim Konseilpräsidenten angeftagt, ob er ein solches Vorgehen für zulässig halte. verWunöeten-Austausch. Koiistunz, lg. Mai.(W. T. 33.) Der Austausch von Schwer- verwundeten hat gestern wieder begonnen. Ilm 7.40 abends traf der erste Zug mit kriegsuiitauglicken Franzosen hier ein. Ein Zug mit deutschen Kriegsinvaliden trifft am Soniiabendmorgen um 8.80 Uhr aus Frankreich hier ein. Der Transport kranker Kriegs- gesangencr nach der Schweiz wird vorläufig eingestellt. Seit dem i. Mai wurden in 15 Sondcrzügen rund 6300 erholungsbedürftige französische Kriegsgefangene von hier nach verschiedenen Kurorten der Zentral- und der Westschweiz transportiert. Entente-Zusicherungen in öer Manöfrege. Paris, 19. Mai.(W. T. B.)„Echo d c Paris" meldet: Obwohl der schwedische Minister des Aeuffern in seiner Erklärung im Reichstage nicht in Erörterungen eingetreten ist, erhielt gleichwohl Schweden von den Alliierten die Gewähr, daß die Alands- inseln nach Beendigung deS Krieges nicht De« festigt bleiben würden. Regelung öer§rage öer heimatlosen. Kopenhageit, 17. Mai.(W. T. B.) Der Minister des Innern brachte heute im Reichstag eine Gesetz csvorlage ein, wonach der Minister ermächtigt wird, auf Ersuchen Persoueu dänischer Abstammung das dänische H e im a t S r e ch t z ir bewilligen, die in die dänische Stammrolle aufgenommen sind oder waren und die nicht daS Staatsbürgerrecht eines fremden Staates besitzen. Das Gesetz hat Gültigkeit bis zum Ende dieses Jahres und tritt sofort in Kraft. Bei der Einbringung der Vorlage führte der Minister aus, die Betreffenden könnten ganz besonders während der augenblicklichen kriegerischen Verhältnisse fremden Ländern gegenüber in eine schtvicrige Lage kommen, wenn diese meinten, ebenfalls Anspruch auf Ableistung der Militär- Pflicht der Betreffenden zu haben. ES liege in der Natur der Sache, daß diese Schwierigkeiten, besonders im Vcr- hältnis zu Deutschland, hervortreten müßten. Nachdem solche sich herausgestellt hätten, seien, um Abhilfe zu schaffen, Verhandlungen zwischen der deutschen und der dänischen Regierung geführt worden. Die dänische Regierung hätte gemeint, daß ein einseitiges Vorgehen dänischerseits in dieser Angelegenheit unangebracht wäre. Die Verhandlungen, bei denen die dänische Regierung bei der deutschen verständnisvolles Entgegen- kommen gefunden habe, seien nun soweit gediehen, daß die Regierung gemeint habe, eine Vorlage über die Gewährung des Heimatsrechtes an die genannte Gruppe der Heimatlosen einbringen zu müssen. Die Vorlage wurde darauf e n d- gültig und e i n st im in i g in beiden 5k a in m e r n dcL Reichstages angenommen. das rujsifchs Rote Kreuz imö öer Dampfe?„Portugal"'. Berlin, 10. Mai.(W. T. B.) Zu der Petersburger Meldung, wonach die russischen Mitglieder der nach Stock- Holm einberufenen Kommission von Vertretern des Roten Kreuzes ihre Teilnahme an der Tagung abgelehnt haben, weil das deutsche Mitglied sich geweigert hatte, das Bedauern über die Versenkung des russischen Lazarettschiffe»„Portugal" auszusprechen, wird von zuständiger Seite folgendes mitgeteilt:� Nach der amtlichen türkischen Darstellung hat der russische Dumpfer„Portugal" bei seiner Torpedierung durch ein türkisches Unterseeboot nicht die vorschriftsmäßigen klbzcichen des Roten Kreuzes getragen, auch Truppen und Kriegsmaterial befördert; die Versenkung ist somit gerechtfertigt gewesen. Das Deutsche Rote Kreuz konnte daher, ohne zu der amtlichen Darstellung in Gegensatz zu treten, dem Verlangen des Russischn Roten Kreuzes, dem Bedauern über die Versenkung des Dampfers Ausdruck zu geben, nicht entsprechen. Es hat aber schon vor dem Eintreffen der Kommissionsmitglieder in Stockholm dem Russischen Roten Kreuz sein Bedauern über den Verlust von Mit. gliedern des Roten Kreuzes aus 5lnlaß der Versenkung übermitteln lassen. Auch hat es, ebenso wie das Ocstcrrcichische und das Un- garische Rote 5ireuz, seinen Vertreter in der Kommission er- mächtigt, gemeinsam mit den übrigen KommisswnSmitgliedern das Bedauern der an der Kommission beteiligten Verbände des Roten Kreuzes darüber auszusprechen, daß bei der Versenkung der„Portugal" und des österreichischen Hospitalschiffes„Elektra" Mitglieder des Roten Kreuzes verunglückt sind. Da die russischen Delegierten hierauf nicht eingegangen sind, hat die Kommission leider ihre Tätigkeit nicht beginnen können. Die Rüstungen Kanaöas. Ottawa, 10. Mai.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. DaS Parlament wurde heute vertagt.— In der Thronrede wird ans die große Wichtigkeit der Gesetze verwiesen, die während der eben beendeten Sitzung angenommen wurden, da sie wesentlich zum Siege beitragen würden: ferner wird die Aufmerksamkeit auf die heftigen Kämpfe an der Westfront gelenkt, wo man den Kanadiern die Verteidigung wichtiger Siellungen anvertraut habe. Im ganzen Lande sei der Aufruf, dem Reiche in seiner Not beizustehen, mann- hast beantwortet worden. Fast 170 000 Mann seien bereits über die See geschickt und weitere 140 000 Mann würden in Kanada ausgebildet, um die nötigen Verstärkungen zu liefern. Während der ersten vier Monate dieses JabreZ hätten sich mehr Rekruten ge- meldet, als in irgend einer früheren Periode des Krieges. Chinesisch-japanische Reibungen? Kopenhagen, 18. Mai.(W.T.B.) Die Petersburger Telegraphen- Agentur meldet aus Tokio: Die ch in e j i s ch e R eg ie r un g hat Einspruch gegen das Verhalten eines japanischen Regi- mentSkommandcurs erhoben, welcher den Kommandeur einer chinesischen Division überreden ivollie. vor den Revolutionären zu iapitulieren und die llnabhängigkeit Schaninngs zu erklären, damit die Unruhen ein Ende nähmen. Diesen Protest will die j a p a- Nische Regierung Gerückten zufolge mit einem Gegenprotest wegen der Ermordung eines japanischen Soldaten und der Vernich- tung des japanischen Telegraphen in Schantung durch chinesische Soldaten beantworten. kriegsbÄankttWachLngetl. Pakete an Heeresaugehörige und Kriegsgefangene. Unbestellbar zurückkommende Pakete an Angehörige des mobilen Feldheeres und an deutsche Kriegs- gefangene im Zlnslandc können häufig an die klbjendcr nicht zurückgegeben werden, weil die ursprünglichen Aufschriftsabgabcn aus der Zlußeuseite der Sendungen infolge Beschädigung oder Er- Neuerung der Umhüllung nicht mehr vorhanden oder unleSbar geworden sind und somit jeder Anhalt zur Ermittlung der Absender fehlt. Es wird deshalb empfohlen, bei derartigen Sendungen neben den vorgeschriebenen Vermerken in der Paketaufschrist den Namen, Wohnort und die Wohnung des 5l b s e n d e r s noch auf einem besonderen, in das Paket einzulegenden Zettel deutlich und vollständig anzugeben. Zu sonstigen schriftlichen Mit- teilungen darf der Zettel nicht benutzt werden. * Es wird über die mangelhafte Verpackung der Pakete an die deutschen Kriegsgefangenen geklagt. Bei der Uebernahme an der französischen Grenze hat die Vcr- Packung oft schon so gelitten, daß der Paketinhalt jedem Zugriff offen liegt. Den deutschen Absendern wird erneut empfohlen, Vakcte an die Gesangenen recht sorgfältig und fest zu verpacken. Die deutschen Posiansialten sind angewiesen, Pakete, die den 5ln- fordcrungcn nicht genügen, zurückzuweisen. » Die Unterbrechung in der Beförderung der Kriegs- gefangene ii parcie nach Oiußland durch die Eisverhältnisse auf dem Torncn,>»m hat rnffpwfjlirt. Solche Pakete werden daher von den Postanstalten wieder angenommen. Letzte Nachrichten. Beschlagnahme holländischer Post. Amsterdam, 10. Mai.(W. T. B.) Tie Post der Dampfer „D r a ch t e r l a n d" und„Grotius" für Ostindien mußte in .England zurückgelassen werden, Gewerkschaftliches. 50 Jahre Huchöruckerverbanö. Der Verband der Deutschen Buchdrucker feiert am heutigen 20. Mai den Gedenktag-bOjährigcr Tätigkeit. Versuche zur Gründung von zentralen Organisationen sind im Buchdruck- gewcrbe allerdings schon früher unternomnien worden. Am it. Juni 1848 trat in Mainz eine National-Buchdrucker- Versammlung zusammen, die damals schon unter großer Begeisterung die Gründung eines Deutschen National-Buch- drnckervereins beschloß. 10000 Buchdruckcrgehilfen in 00 deutschen Städten entsandten Abgeordnete in diese Versammlung. Die Gehilfen von 141 Städten hatten ihr Einverständnis mit der Gründung einer Zentralorganisation erklärt. Die einsetzende Reaktion verhinderte das Jnsleben- treten der Organisation. Am 30. September 1849 erfolgte dann in Berlin die Begründung des Gutenbergbundes, der nicht zu verwechseln ist mit der gegenwärtig bestehenden Institution gleichen Namens, die ursprünglich ein Zusammen- schluß von Arbeitswilligen aus dem Nennstundenkampf der Buchdrucker in den Jahren 1891/92 ist. Auch der damalige Gutenbergbund fiel gleich dem National-Buchdruckcrverein der Reaktion zum Opfer. Am 25. Juni 1850 wurde der Gutenberg- bund, daS Zentralkomitee und der Berliner Lokalverein der Buchdrucker behördlich geschlossen. Nur das Vereinsorgan „Gutenberg" konnte noch ein paar Jahre länger leben. In den Pfingsttagen des Jahres 1806 fand dann ein Buchdruckertag in Leipzig statt, der als„erster Bnchdruckertag" firmierte und von 34 Delegierten aus 85 Städten in Ver- tretung von rund 4000 Gehilfen besucht war. Unter der Leitung des Vorsitzenden des Leipziger Fortbildungsvercins Richard Härtel beschloß man die Errichtung einer zentralen Organisation auf föderativer Grundlage. Zu ihrer Leitung wurde eine ständige Kommission von 19 Mitgliedern eingesetzt. Nach dein in der ersten Sitzung dieser Kommission erstatteten Bericht tvaren 3500 Verbandsniitglieder in 60 Städten und 32 Vereinen vorhanden. Im Jahre 1867 trat der Verband mit 4960 Mitgliedern in 350 Druckortcn in Wirksamkeit. Zur Ver- besserung der Lage der VerbandSmitgliedcr irmrdc zunächst eine Regelung des Unterstützungswesens ins Auge gefaßt und dann die Lohnfrage energisch in Angriff genommen. Eine Mitte 1868 eingeleitete Bewegung zur Abschaffung der noch allgemein üblichen Sonntagsarbcit war in vielen Orten mit gutem Erfolge gekrönt. Anfang der 70er Jahre setzten bc- reits die Bestrebungen ein, welche auf die tarifliche Regelung der aus dem Arbeitsverhältnis erwachsenden Beziehungen zwischen Prinzipalen und Gehilfen abzielten. Diese Be- strcbungen machten von jeher einen wichtigen Teil der gc- wcrkschaftlichen Tätigkeit der Buchdrucker aus. Dabei ist ihnen allerdings nichts erspart geblieben von alledem, was andere Arbeiter ebenfalls durchkosten mußten bei der Ver- fechtung gewerkschaftlicher Forderungen. Der schwersten Kämpfe mit den Unternehmern hat es vielmehr bei den Buch- druckern bedurft, uin die Gleichberechtigung der Gehilfen bei der Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen zu er- reichen. Die Anfang der 70er Jahre an verschiedenen Orten geltend gemachten Forderungen der Gehilfen zur Besserung der arg daniederliegenden Arbeitsverhältnisse veranlaßten den Vorstand der Prinzipalsorganisation, des 1869 gegründeten Deutschen Buchdruckcrvereins, zu einer umfassenden Aus- sperrung der Vcrbandsmitgliedcr. Von 6900 Verbandsmitglicdcrn wurden rund 2000 in 300 Druckereien von der Aussperrung betroffen. Tank glänzender Opfer- Willigkeit konnte der Kampf durchgeführt werden, bis sich die Prinzipals zu Verhandlungen bereit erklärten. In diesen wurde durch die Schaffung eines Rormaltariss der Grund für den heutigen Reichstarif im Buchdrnckgewerbe gelegt. Der Tarif von 1873 sah für die Akkordarbeit die Alphabetberechnung vor, die einen wesent- lichcn Vorteil gegenüber der seitherigen Berechnungsmethode bedeutete, setzte den Minimallohn auf 19,50 M. fest und regelte die Bezahlung der Uebcrarbcit. Die tägliche Arbeits- zeit wurde auf zehn Stunden begrenzt. Für Orte mit verteuerter Lebenshaltung traten besondere Vereinbarungen Kraft. Die ersten Jahrzehnte standen überhaupt für den Verband der Buchdrucker im Zeichen fortgesetzter Kämpfe. Neben den vielen Kämpfen örtlicher Natur zur Durchführung des Tarifs nimmt der um die Erringung des Neunstunden- tages geführte große Kamps der Buchdrucker im Jatzre 1891/92 eine besondere Stellung ein. In diesem sich über ganz Deutschland erstreckenden Kampfe wurde der erste Versuch gewagt, den Zehnstundentag auf der ganzen Linie des Gewerbes zu durch- brechen. Wenn auch von einem Teil der Gehilfen wesentliche Zugeständnisse erreicht wurden, so mutzte doch nach elf- wöchigem opfermutigem und begeistertem Ausharren� der Kampf abgebrochen werden. Trotz der Auflösung der Tarif- gemcinschaft blieb der bis dahin geltende Tarif zwar formell in Kraft, aber unter den Nachwirkungen des erbittert ge- führten Neunstundentagkampfes trat eine teilweise Ver- schlechternng der Arbeitsbedingungen und eine maßlose Lehrlingszüchterei ein; außerdem wirkte empfindlicher Lohndruck stark auf die Konkurrenzverhältnisse im Gewerbe. Unter diesen Umständen war es begreiflich, daß sich in beiden Lagern die Erkenntnis der Notwendigkeit Bahn brach, ein neues Vertragsverhältnis einzugehen. Im Jahre 1896 traten die Mitglieder aller größeren Druck- orte mit entsprechenden Forderungen an die Prinzipale heran und nach Ueberwindung mancher Schwierigkeit gelang die Ab- schließung eines neuen Tarifs mit erhöhter Entlohnung und neunstündiger Arbeitszeit. Im Anschluß an diesen Tarifabschlutz kam es im Ver- bände zu äußerst heftigen inneren Streitigkeiten über die Tarisvertragsfrage. Einer der Hauptsührer der Opposition war der damalige Redakteur G a s ch des offiziellen Verbands- organs, des„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker". Die Generalversammlung in Halle enthob deswegen Gasch seines Postens als„Korrespondent"- Redakteur. Die Neu- ausschreibung der Stelle ergab dann die Wahl Rcxhäuscrs als Redakteur, der leider durch seine Redaktionssührung oft Anlaß zu Zwisiigkeiten zwischen den Buchdruckern und der übrigen organisierten Arbeiterschaft gab. Der entlassene Gasch gab dann die„Buchdrucker-Wacht" als Organ der Opposition heraus. Sein Ausschluß und der von sechs Kollegen aus Leipzig, Dresden und Zwickau führte dann zur Gründung einer Sonderorganisation, deren Mitglieder sich längst wieder im Verbände zusammengefunden haben. Das U n t e r st ü tz u u g s w e s e n ist ivohl in keiner Or- ganisation derart ausgebaut, lvic es im Verbände Deutscher Buchdrucker der Fall ist. Die geringe Fluktuation im Ver- bände dürste zu einem nicht unwesentlichen Telle auf den Aus- ' vercmtw. Redakt.: Alfred Wielepp. NeuSll». Lnisstentest fesaniää bau dieses Unterstützungswesens zurückzuführen sein. Dasselbe ermöglicht den Mitgliedern des Verbandes aber auch, bei Arbeitsangeboten den Lohn- und Arbeitsbedingungen ihre be- sondere Aufmerksamkeit zu widmen. Sie werden nicht durch die Not gezwungen, Arbeit um jeden Preis anzunehmen. Im Jahre 1875 wurde die Reiscunterstützung geschaffen, 1876 die Jnvalidenunterstützung, 1880 die Arbeitslosenunterstützung und 1831 die Krankenunterstützung. Rund 49 Millionen wurden für diese Untcrstützungszwcige allein aus der Haupt- lasse aufgebracht, ungerechnet die gleichfalls nach vielen Millionen zählenden Beträge aus den Kassen der Gauvercinc und Mitgliedschaften des Verbandes. Die Schar jener Mitglieder, die am Jubiläumstagc der Organisation 25, 30, 40 und 50 Jahre angehören, ist im Buchdruckerverbande unvergleichlich hoch: sie beträgt 7188. Von den 120 Verbandsvetcranen, die auf eine 50jährigc Mit- gliedschaft zurückblicken können, gehörten 73 bereits vor der Gründung des Zentralvcrbandcs örtlichen Organisationen an. Erwähnung verdient schließlich noch, daß auch die inter- nationalen Verbindungen bis zum Kriegsausbruch im Interesse der Mitglieder in praktischer Weise geregelt waren, indem diesen die Ansprüche auf Unterstützung durch Gcgenscitigkcits- Verträge auch im Auslände gesichert blieb. Der unselige Krieg störte natürlich die friedliche Eni- Wicklung des Buchdruckerverbandes, der einen Mitglicderstand von 70452— 92 Proz. aller BerufSgcnosscn und ein Ver- mögen von IIV2 Millionen Mark aufzuweisen hatte, in empfindlicher Weise. Vom 2. August 1914 bis 31. März 1916 erforderten die UnterstützungSzwcige des Buchdruckerverbandes die Summe von 6 916 204 M. Davon entfielen 1 182 933 M. auf die außcrstatutarische Unterstützung der Familien im Felde stehender VerbandSmitgliedcr. Dank der von jeher bewährten Opferbereitschaft der Buchdrucker vermochte selbst der gewaltige Sturm des Weltkrieges das innere Gcfüge ihrer Berufs- organisation nicht zu erschüttern. Kraftvoll steht sie da als Wahrzeichen fester Entschlossenheit und eisernen Willens! vcrlin unü Umgegenü. Lohnforderungen in den Schraubenfabriken. Zu dieser Frage natnn am Tonnerstag eine gut besuchte Ver- s a m m l u n g alter in der S ch r a n d e n b r a n ch c b e s ch ä f- t i g t c n Arbeiter und Arbeiterinnen Stellung. Daß im Hinblick auf die ganze Gestaltung der Lebensverhältnisse eine Auf- besserung der Verdienste notwendig sei, war schon in einer früheren Versammlung festgestellt worden. Jetzt handelte es sich in der Hauptsache um die Frage, wie man am besten dieser Notwendigkeit gerecht werden könne. Nach Erörterung der Situation kam die Versammlung zu dem Entschluß, daß in den in Betracht kommenden Spezialbetrieben betriebe, weise vorzugehen sei, wofür sich vor Beginn der Versammlung auch die Vertrauensleute ausgesprochen hatten. Alan einigte sich aus eine Forderung von 26 Proz., sowohl für Wkord- und Lohnardeiter, als auch für die Arbeiterinnen. Für die Arbeiterinnen soll ein M i n d c st- E i n st c l I u n g s l 0 h n von 56 Pf. pro Stunde zugrunde gelegt werden. Auch die jugendlichen Anfänger sind bei den Forderungen zu berücksichtigen. Es tvurde noch betont, daß die Erhöhungen als Zuschläge zu den Löhnen und nicht als Teuerungszulage zu bezeichnen wären. Wo in den in Frage stehenden Spczialbetrieben die Arbeiter und Arbeiterinnen zur Stellmig der Forderungen gewillt sind, wird ihnen die Branchen- kommiffion zur Seite stehen. flus öer Partei. Noch ein Wort zur„zeitgemäßen Feststellung". Die Redaktion des„Vorwärts" bat in einem Artikel„Mich eine zeitgemäße Feststellung" in Nr. 137 eines ihrer üblichen Neda?- tiousschtvänzche» angehängt, das dazu angetan ist, von dem Gegen- stand der Erörterung abzulenken und die Leser zu verwirren. Das zwingt mich, zur Klarstellung des Sachverhalts noch einmal fest- zirstellen, daß der„Vorwärts" in seinem ersten Artikel die Behaup- tung aufgestellt hatte, es könne sieh niemand organisatorisch außer- halb der Partei stellen. Demgegenüber habe ich nachgewiesen, daß sich jährlich Tausende durch Einstellung ihrer Beitragszahlung außerhalb der Partei stellen und daß es in der Partei darüber keinen Streit geben kann, daß Parteigenossen, die sich weigern, die Parteibeiträge dem Organisationsstatut der Partei gemäß zu zahlen, damit organisatorisch aus der Partei ausscheiden. Tie„Vorwärts"-Redaktion erklärt darauf, daß sie ihre ent- gegengesctztc, in ihrem Artikel dargelegte Ansicht vollständig auf- rechterhalte, geht aber mit keinem Wort auf meine sachliche Be- Weisführung ein. Sie hilft sich mit einem vom Kern der Sache ablenkenden Herumgerede, ans dem nur herauszulesen ist, daß ihr die selbswerständliche Feststellung, daß sich Parteigenossen mit der Einstellung ihrer Beitragszahlung außerhalb der Partei stellen, als organisatorische Schikane und Spitzfindig- k c i t erscheini. Darauf etwas zu erwidern erübrigt sich. Organisierte Ar- beitcr werden diese absonderliche Auffassung der Redaktion unseres Zentralorgans von der Bedeutung der Organisation richtig zu würdigen wissen. Otto Braun. *» ♦ Das allzu verstaubte Echcrzchen Brauns über das„Redaktions- schwänzchen" übergehen wir mit Nachsicht. Genosse Braun muß sich schon mit der für ihn schmerzlichen Tatsache abfinden, daß wir in unserer ketzerischen Verblendung Aeußerungen von Partcivor- standsmitgliedern nicht als Offenbarungen höchster, unfehlbarer Weisheit hinnehmen und daß wir dazu sagen, was wir zu sagen für notlvendig halten. Wenn Genosse Braun unseren sehr ernst gemeinten Hinweis auf den G e i st unserer Partei als„Herum- geredc" bezeichnet, so wundert uns das von diesem Parteivorstands- Mitglied nicht weiter und wir nehmen von diesem Stück Selbst- charaktcristik gern Kenntnis. Im übrigen haben wir unseren Be- merkungcn nichts hinzuzufügen. Wenn Braun unsere Antwort als„ablenkend" und„verwirrend" empfindet, so ist das seine Sache; unsere Leser dürsten unsere Warnung vor organisatorischen Schikanen um so besser verstanden haben. Berichtigung. In unsere gestrige Notiz.Nochmals verlogene Berichterstattung hat sich ein sinnentstellender Druckfehler ein- geschlichen. Am Schluß des ersten Absatzes muß eS dort(über Homo und die I. K.) heißen: .In der AuScinanderhevung fnicht RuZeinandersctzung) der Inter- nationale finden sich eben die sonst feindlichen Seelen...* Auch beruhen Homos„Informationen" offenbar auf B e r n e r Casöklatsch(nicht Berliner). Mus Industrie und Handel. Krupp in München. 'Die„Voss. Ztg." vom Donnerstag abend bringt in ihrem Handelsteil längere Ausführungen über den Kruppschen Plan, bei München eine Zweigniederlassung zu errichten. Es wird mit- geteilt, daß militärische Erwägungen es ratsam haben erscheinen lassen, die Geschütz- und Munitionsherstellung i» Teutschland mehr zu dezentralisieren, als es bisher der Fall war. Ausschlaggebend für die Niederlassung bei München sei aber vor allem der längst gehegte Wunsch der bayerischen Regierung gewesen, in Bayern £&. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärts Auchdr. B. Verlageanstalt eilte Waffenindüstrie großzuziehen, die es ihr ermöglicht, den Bedarf der bayerischen Truppen innerhalb des Königreichs möglichst restlos zu decken. Weiter bemerkt das Blatt, es werde nicht ohne Gruna damit gerechnet, daß die Krupp-Gründung nur ein erstes Glied in einer nachfolgenden Reihe von Unternehmungen bildet, die dar- auf hinauslaufen, in Bayern allmählich eine Großindustrie ins Leben zu rufen. Daher habe auch die Stadt München im Anschluß an die von Krupp ertvorbenen 1166 Tagwerk(1 Tagwerk gleich 46 666 Ouadratfuß) sofort ein großes Jndustriegelände von 326 Tagwerk angekauft und weitere 266 Tagwerk aus altem Besitz mit Gleisanschluß zu gleickcm Zweck zur Verfügung gestellt. Das, was Bayern einer künftigen Großindustrie bieten könne, sind seine Wasserkräfte und sein zunächst noch des Ausbaues bedürftiges Wasserstratzensystem, das den Verkehr die Donau abwärts zu dem Balkan und Orient vermitteln soll.(r) Ans die vierte Kriegsanleihe sind in der Zeit vom 6. bis 15. Mai 215 Mill. M. neu eingezahlt worden. Dadurch ist die bisherige überhaupt geleistete Einzahlung auf 8919 Mill. M. gleich 83,3 Proz. des gesamten gezeichneten Betrages gestiegen. Die von den Dar« lehnskasscn für die Zwecke der vierten Kriegsanleihe hergegebenen Darlehen verminderten sich in der Berichtswoche um 35,6 Mill. M. und betragen nur noch 318,6 Mill. M. Gerichtszeitung. Bundesratsverordnung über Entlastung der Gerichte. Entsprechend einer vom Reichstag am 8. April 1916 ange- nommcnen Resolution hat der Bundesrat in seiner Sitzung vom Donnerstag einige Aendcrungen der Verordnung zur Entlaitunz der Gerichte, vom 9. September 1913(Reichs-Gesetzbl. S. 562) bc» schloffen. Das Mahnvcrfabren vor den Landgerichten kommt in Fortfall. Im amtsgerichtlichen Mahnversahren wird an die Stelle der einwöchigen Widerspruchsfrist eine bewegliche, den Vorschriften über die Einlassungsfrist entsprechend zu bemessende Frist gesetzt. Tie Einschränkung der Erstattungsfähigkeit von Anwaltskosten (§ 19) wird aufgehoben. Tie Zulässigkcit der Berufung und Bc- schwerde wird in einer den Wünschen der Mehrheit des Reichstags entsprechenden Weise erweitert. Dem Antrage der sozialdemo- kratischen Arbeitsgemeinschaft, die Beseitigung der Berufung in zivilrechtlichen Sachen bis 59 M. aufzuheben, ist nicht statt- gegeben. Die Acndcrungen treten mit dem 22. d. M. in Kraft. Ein Jahr Gefängnis wegen Ucbcrschrcituug von Höchstpreisen. Wolffs Bureau meldet: Wege» Vergehens gegen die Bundes- ratsvervvdming vom 11. Dezember 1914(Höchstpreise für Metalle) wurden von der Strafkammer 1 des königlichen Landgerichts ll Berlin gestern die Direktoren des Hüttenwerks Riederschöneweidc(vormals I. F. Ginsberg, Berlin-Nieder- schäneweide), G. und F., zu der Höchststrafe von je einem Jahr Gefängnis und je 19 666 Mark Geldstrafe verurteilt. Buttcrangcbote. Ein nicht alltäglicher Verstoß gegen die für Butter festgesetzten Höchstpreise führte gestern den_ Kaufmann Bruno B e r sch aus C h a r l 0 t t e n b u r g vor die 3. Straf- kamlner des Landgerichts III. Der Angeklagte kündigte im Dezember v. I. an, daß er im- stände sei, Butter aus dem Auslande zu beschasfen. Die sich mel- dcnden Personen erhielten zunächst einen Prospekt zugestellt mit der Ueberschrist:„Beste dänische Butter in Posrpalcten erhältlich". Der Angeklagte teilte serner darin mit, daß er am 16. Dezember nach Kopenhagen abfahre und dort Butter kaufen werde. Er osserierte den Interessenten ein Postpaket von netto 9 Pfund Inhalt, welches sich einschließlich aller Unkosten, Verpackung und Porto auf 3 1,56 M. stellen würde. Zugleich mit dem Auftrage müßte dieser Betrag dem Angeklagten zugestellt werden, das Paket würde dann in höchstens einer Woche im Besitze der Besteller sein. Tann hieß es in dem Prospekt:„Sollte ich wider Erwarten durch höhere Gewalt(z. B. durch inzwischen etwa erfolgendes Aussuhr- verbot der dänischen Regierung) in Kopenhagen die gewünschte Butter nicht kaufen oder nicht zur Post geben tonnen, so verpslichtc ich mich, den erhaltenen Betrag durch Postanweisung abzüglich Porto zurückzuzahlen usw.". Bei der herrschenden Butterknapphcit in Deutschland fanden sich mehrere Personen— darunter auch einige Charlottenburger Stadträte—, welche diese Gelegenheit, überhaupt zu Butter zu gelangen, gern ergriffen, um selbst für den sich herausstellenden Preis von 3,56 M. pro Pfund sich 9 Pfund Butter zu verschaffen. Sie zahlten infolgedessen das Geld ein. Der Angeklagte hatte so kalkuliert, daß, wenn auf die 396 Prospekte, die er versandte, eine genügende Anzahl Bewerber sich meldeten, er pro Pund 2,56 M. verdient haben würde. Der Plan scheiterte aber schließlich daran, daß ein Empfänger des Prospekts mit Unrecht hinter dem ganzen eine Unreellität witterte und den Prospekt der Polizei unterbreitete. Die Folge davon war. daß der Angeklagte keinen Paß erhielt und die Reise nach Kopenhagen nicht antveten konnte. Er hat den Reflektanten ihr Geld zurück- erstattet, sich aber eine Anklage toegen Ueberschreitung des Höchst. prei ses zugezogen. Das Charlottenburger Schöffe ngericht hatte auf Freisprechung erkannt, weil es den Angeklagten nur für einen Vermittler, nicht aber für einen Selbstkontrahcntcn hielt. Die Strafkammer stellte sich auf entgegengesetzten Standpunkt und verurteilte den Angeklagten zu 166 M. Geld» straf e. Urteil im Nepper-Prozest. Der timsangreiche Strafprozeß gegen den Darlehens- chwinöler und„Vorschnß-Nepper" Karl W i n k lc r, der seit ein Jahr nnd 10 Monaten in Unterftuhnngshaft sitzt, ist gestern von der 1. Strafkainmer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgenchtsdirektors Dr. Schwartze zu Ende geführt. Der Vorsitzende verkündete das Urteil dahin: Der Ge- richtshos habe keinen Zweifel, daß der Angeklagte von vornherein aus Vorschußnepperei ausgegangen sei, unterstützt durch Auskünfte von WinkelauSkunfteien, und die von ihm beliebte Hinhaltungs- taktik. Die Gestaltung solcher Darlehnsgeschäfte habe er von 'einem Lehrmeister Eichbaum gelernt. Das Geschäft war außer- ordentlich umfangreich, das ganze Verhalten Winklers kennzeichne sich als Ausfluß eines erheblichen verbrecherischen Willens, er habe daS, was er bei Eichbaum gelernt, in erhöhtem Maße weiter aus- gebaut. Er habe außerordentlich hohe Jahreseinnahmen gehabt. ans Vorschüssen allein eine Reineinnahme von jährlich etwa 48 666 Mark, so daß er für seine Person ganz erhebliche Ausgaben gemacht haben müsse, obwohl er seiner ganzen Herkunft und seiner geringen Bildung nach nicht das Recht gehabt hätte, jahrelang so zu leben, wie er gelebt hat. Er habe in der Hauptsache arme Leute, kleine Beamte, Arbeiter usw. nicht nur um die Vorschüsse gebracht, son- dern sie auch in schwere Wechselverbindlichkeiten verwickelt. In kalter und ganz rücksichtsloser Weise habe er von den Aermsten der Armen Vorteile gezogen. Wenn ihm auch seine Unbestraftheit, 'eine Krankheit, sein Geständnis und seine Reue zugute kommen, so handle es sich doch um ein für die Allgemeinheit höchst gefähr» liches Treiben, so daß die Strafe, schon zur Abschreckung für andere unsolide Vermittlergeschäfte dieser Art, hoch ausfallen müsse. Der Gerichtshof hat den Angeklagten zu 4 Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 1 Jahr 6 Monaten Untersuchungshaft und zu 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.__ �aul Singer k Co.. Berlin SW. Hierzu 2«. fit. 138, 33. ZahrMg. eilMk des " Ktrlim KIKslilÄ, Aonnitblltd. 30. Mai 1916. Reichstag. 5 0. Sitzung. Freitag, den 19. Mai 1916, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstiich: Kommissare. Die zweite Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern wird fortgesetzt. Abg. Giebel(Soz.): Dag in der jetzigen Zeit die Sozialpolitik nicht stillstehen darf, hallen meine politischen Freunde für selbstverständlich. JBor allem kommt es aber auf den Inhalt und das Tempo der Sozialpolitik an, namentlich für die Zeit nach dem Kriege. Die Lcbcnsinterefjen der Millionen von Arbeitern und Arbeiterinnen, der Angestellten in Reich, Staat und Gemeinden sowie in den Privatbetrieben sind mir den Allgcmcininteressen identisch, deshalb mutz aus den Kriegs- eifahrungcn die Lehre gezogen werden, die Arbeitcrintcressen als Allgemeininteressen des Volkes künftig mehr denn je staatlich zu schützen und zu fördern. Das heißt nichts anderes, als das deutsche Volk lcistungS- und widerstandsfähig zu halten aus allen Gc- bieten. Das haben auch hervorragende Leute, die nicht auf dem Boden der Anschauungen meiner Freunde stehen, anerkannt, ich nenne nur den Präsidenten des NeichsversicherungSamts Kaufmann. Daß die Bestrebungen, Deutschlands Wirtschaftsleben auch nach dein Kriege zu erdrosseln, ergebnislos sein müssen, glaube ich ebenso wie der Abg. Gicsbcrls dazu sind die wirtschaftlichen Beziehungen der Völker viel zu eng. Aber um so dringender ist eine großzügige Sozialpolitik auch nach dem Kriege— ist doch das größte und vornehmste Vermögen einer Ration die nienichliche Arbeitskraft, von der so viel durch den Krieg vernichtet wird und die daher nach dem Krieg nur um so mehr geschützt und gefördert werden mutz. Durch den Krieg ist der allgemeine Lebens- stand, den die Arbeiter erreicht haben, auf das schwerste erschüttert. Das gilt mchr rnindcr für den gewerblichen Mittel- stand. Der Arme ist cnmer geworden, während eine Reihe von Kapitalsinieressentengruppen recht hohe Kriegsgewinne gemacht dabcn. Die Teuerung wirkt aus die Lohnempfänger wie eine Lobnvenninderung von 50 Proz. Gewiß haben manche Fabiikanten die Löhne wegen der Teuerung erhöbt, doch handelt es sich da nur um einen ganz geringen Ausgleich. Auch die Kriegslöhne, die niaiiche Arbeiter erhallen, bedeuten keineswegs einen Ausgleich für die Teuerung, zumal die Arbeitskraft in der Kriegsindustrie auf das äußerste angestrengt wird, ist doch die A r b e t I s z e i l in der Kriegsindustrie um 30 bis 56 Proz. verlängert worden. Viele Iliiternebmcr gewähren leine Teuerungszulagen. In einer Brikett- fabrik sind Arbeiter, die unter dem Druck der Teuerung um eine Lohnerhöhung eingekommen waren und klnterschriften dafür ge- sammelt hatten, tündigungslos entlassen wmden. sLebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und das Antreten der Arbeit auf einer anderen Grube wurde ihnen unmöglich gemacht. Das ist ein krasser Fall von Bruch des Burgfriedens, der doch zwischen Kapital und Arbeit eingehalten iverden soll. sSehr richtig I bei den Soziatdemokraten.s Auch sonst haben die Berg- arbeilcr vielfach wegen schikanöser Berechnung der Löhne zu klagen. In verschiedenen Industrien find die Löhne nicht nur erhöht, sondern sogar verniigcrl worden. Es sollten überall schiedsgerichtliche In- stanzen bei solchen Differenzen zwischen Kapital und Arbeit ein- gerichtet werden und diese Instanzen sollten auch in den Dienst der P r i v a l a n g e st e I l l e n gestellt werden. Auch diese haben in den Kriegsindustrien keine guten Ersahrungen gemacht. Bei einem großen Berliner Betriebe harten die Angestellten um eine Teuerungszulage gebeten, aber erst als sie fich an die Oeffeut- Iichlcit wandten, kam die ElcklrizilätSgeselljchaft teilweise den.Wünschen der Angestellten nach, schloß aber einen erheblichen Teil der Angestellten von der TeucrungSzulogc aus. Ich komme dann zur Frauenarbeit. Hunderttausende von Frauen sind in fast alle Berufe als Arbeiter und Angestellte eingetreten, selbst in Berufe, die eigentlich für die weibliche Arbeitskraft mit Rückficht auf den weiblichen Organismus gar nicht geeignet sind. Es ist leider zu befürchten, daß der Wirt- schaftliche Zwang für die Froneir, verdienen zu müssen, auch nach dem Kriege noch bestehen bleiben wird, schon deshalb, weil aller Voraussicht nach die Verteuerung des ganzen Lebens- Unterhalts anhalten wird. Angesichts des großen Verlustes an Männern im Kriege wird auch die deutsche Volks- tvirlschaft kaum ohne die Frauenarbeit auskommen. Ten Unternehmern ist dieser Znstand natürlich sehr willkommen, denn die Löhne, auch für schwerarbeitende Frauen und Mädchen sind sehr niedrig. Das ist vom Deutschen Bergarbeiterverband z. B. auch für den Bergbau festgestellt. Meist stehen die Löhne der Frauen und Mädchen 50 Proz. bis 60 Proz. unter den Löhnen der Männer, trotzdem die Unlernehmer selbst das Geschick und die Leistungsfähigkeit der Frauen anerlannt haben. Selbst die Stücklohnsätze sind für Frauen wesentlich niedrigere festgesetzt als für Männer.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Aus dieser vermehrten Frauenarbeit ergeben sich für die Zu- kuuft ernste Gefahren für unsere Volksernährung. Daraus er- gibt sich die dringende Notwendigkeit eines obligatorischen Mutler schafls- und Säuglingsschutzes. Wir hoffen, daß die Lehren des Krieges dazu führen werden. Laß künftig unsere Forderungen aus diesem Gebiete nicht auf Widerstand stoßen werden wie bisher. Dem Antrag Bernstein in dieser Richtung, der sich mit dem deckt, was wir seither vertreten haben, stimmen ivir natürlich zu. Vor allem müssen aber, wie des unser Antrag fordert, die AuS- nahmen von den Schutzbestimmungen für Jugendliche und Arbeite- rinnen sofort wieder beseitigt werden. ES wird jetzt im Kriege förmlicher Raubbau getrieben mit der Arbeitskraft der Jugend- lichcn, dem kostbarsten Gute der Nation.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Allein i n B e r l i n sind w e i t m e b r als 90 000 Jugendliche unter 18 Jahren beschäftigt. Man sagt, die geringere Arbeitszeit für Jugendliche und für Frauen mache tcchui'che S-bwicrigkeileu, da sie mit Männern im selben Betrieb arbeiten. Ein Beweis dafür ist nicht gegeben. Man könnte ja doch auch an Stelle der Frauen, die zu einer bestimmten Zeil aufhören, andere einstellen anstatt die ersteren so lange arbeilen zu lasten. An einem Angebot von weibtilben Arhcilskräflen bat eö noch niemals geiehlt. Dann sagt man. das völlige Verbot der AuSnavmebestimmüngen sei für' Schlesien undurchführbar. Nun gut, was bindert denn dann, in anderen Bezirken, wo es möglich ist, der längeren Arbeitszeit dcr Frauen und der Fugendlichen ein Ende zu macben. lsellr wahr I bei den Sozialdenrokralen.) In der Koninnision haben wir auch Einiprnch gegen den von militärffcheit Kommandoslelleil veisügle» Sparzwang für Jugendliche erhoben. Mit der Teueruna ist eine so generelle Verfügung für alle Jugendlnbe iiicvt rn Einklang zu bringen. Niemand kann doch be- liaupieii, daß auch nur ein großer Terl der Juqcndliltien zu lcicbt- sinnigem Lebenswandel neigt, es kann sich da höcbsrens um 5 bis 10 Proz. handeln. Dieser Spar, Wang wirkt geradezu schädlich, in- dem er den Jugendlichen die Freude gm Erwerb nimmr.(Sehr wahr! bei den Soz'aldemokrakcli.) Sehr viele Jugendliche haben ibren Verdienst mit Freuden ihrer Mutter ausgehändigt, weil sie sich in dieser schweren Zeit mir Stolz als Träger des Unterhalts der Familie süvllen. Tiefe Sparcrlasse sind umsomehr zu beklagen, als sie zum Teil auch eine Be- schränkung der Freizügi gleit enthalten, wie der Erlaß im Bezirk des 10. Armeekorps. Und will man denn für jeden Arbeitgeber die Garantie übernehmen, daß er die Sparsummen auch auf Heller und Pfennig abführt, namentlich in der Kriegszeit, wo recht zweifehafre Elemente, sogenannte Schieber, sich bei den Unternehmern eingeschoben haben. Wer wird dann den Jugend- lichen die hiirterzogeucn Summen ersetzen? Auf die Frage, oli für derartige Erlasse überhaupt ein gesetzlicher Boden vorhanden ist, ist in der Kommission keine Antwort erteilt worden. Um so inehr sollte die Reichsregiernng dafür sorgen, diese Erlasse aus der Welt zu schaffen und ich bitte unseren dahingehenden Antrag an- zunehmen. Daß das Direktorium der Reichsversicherungsanstalt sich jetzt bereit erklärt hat, Mittel zur Bekämpfung der Geschlechts- l r a n k h e i I e n auszuwenden, ist erfreulich, wenn diese Bereit- erklärung auch sehr spät erfolgt. DaS ändert aber nichts an der Tatsache, daß im Gesetz durch den§ 36 eine Handhabe für solche Aufwendnngen nicht gegeben ist. Die Konimission hat daher gc- wünscht, den Z 36 des VersichernnzSgesetzcs entsprechend zu ändern und ich bitte diesem Antrag zuzustimmen. Bei Kriegerfrauen wird auch für die in die Ehe eingebrachten Kinder Unterstützung gewährt. Ich bitte diesen Grundsatz auch auf das Mann schaflsversorgungsge setz zu übertragen nnd Kriegswaisenrenten auch in solchen Fällen zu gewähren, falls nicht etwa anderweitig eine Unterhaltspflicht borliegt.— Bedauerlich ist. daß bei der Hiiiterbliebeiieiilcnte immer noch Aufrechnungen vor- genommen werden, für die die rechtlichen Unierlagen im Gesetz voll- ständig fehlen. Die Verhandlungen darüber, ob daS Verbot der Nachtarbeit im Bäckereigewerbe auch nach dem Kriege aufrechterhalten iverden soll, sind noch immer nicht zum Abschluß gekommen. Eine iittärung dieser Frage ist aber dringend, notwendig. Die Leute müssen wissen, ob sie stell auf einen Betrieb mit oder ohne Nachtarbeit einzuricbteii haben. Sehr wichtig ist ferner die Frage, welche Vorlehrnngcn für die Ucberleitung in die Friedens- Wirtschaft getroffen werden sollen. Im Arbeitsnachweis- tvesen müffen organisatorische Maßnahmen auf breitester Grund- läge getroffen werden, damit die Zustände, die wir bei Ausbruch des Krieges erlebt haben, nicht nach Beendigung des Krieges wieder- kehren. Hierher gehört auch die Frage der Arbeitslofenfür sorge. Immer weitere Kreise der Arbeiter bedürfen derielbcn Fürsorge, die man den Textilarbeitern bat zuteil iverden lassen. Die beim- kehrenden Krieger dürien für die Zeit ihrer Arbeitslosigkeit keinesfalls sich selbst überlassen werden. Es wird sich jedenfalls eine Weiterzahlung der Famikienunterstützung not- wendig machen, bis der beinikebrendc Krieger den ersten Lohn verdient bat. In Oesterreich ist für die Privatanncstcllteii eine sehr günstige Liegelnng getroffen insofern, als sie einen Anspiuch darauf haben, nach ihrer biückkehc vom Militär wieder an der alten Stelle beschäftigt zu werden. Das muß sich auch bei uns durchführen lassen. Auch sehr viele Arbeiter, die sich in Betriebs- kaffen durch lange Mitgliedschalt Rechte erworben haben, sind daran interessiert, in den alten Betrieb lvicder zurück- zukommen, damit sie nicht ihre alten Siechte verlieren. Auch die Frage taucht ans, was mit den Rechten der Mitglieder solcher Betriebskassen wird, die als Invalide zurückkehren. So stellt der Krieg selbst eine ganze Reibe sozialpolitischer Anfordernngen an die Gegenwart. Auf jeden Fall»niß die Sozialpolitik nach dem Kriege kraftvoll fortgeletzt werden. Ich will hoffen, daß mit Rück- ficht auf die große Wichtigkeit dieser Dinge die Männer im Reichs- amt des Innern dafür sorgen, daß durch eine großzügige Sozial- Politik die täglichen Wirkungen des Krieges für die deutsche Arbeiter- klaffe und das deutsche Volk überhaupt soweit wie möglich beseitigt werden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nnterstaatssekretär Richter: Die große Bedeutung einer pfleglichen Sorge für daS Wohl der Weiblichen»md Jugendlichen erkeimt die Verwaltung durchaus an. Ausirahmeit von den Scdutzbesijmmungen sind nur in ganz be- sonderen Fällen für einzelne Betriebe gemacht worden. In dem be- treffenden Rundschreiben des Reichskanzlers an die Bundesregierung ist ausdrücklich darauf hingewieicii worden, daß nur im aller- dringendsten VedürsrnSfall solche Ausnahmen gestattet werden. Jeder Antrag eines einzelnen Betriebes geht zunächst an den Gewerbe- inspektor, und wenn dieser auf Grund seiner Prüfung aller ein- schlägigen Verhältnisse die Ausnahme nicht für notwendig hält, wird sie von der höheren Verwaltwigsbehörde auch nicht genehmigt. Der vorliezcnden Resolution lernn man aber in der KriegSzeit doch nicht zustimmen. Es gibt doch Bc»riebe, denen eine so große Zahl von Arbeitern durch den Militärdienst entzogen worden sind, daß sich eine Beschäftigung von Frauen und Jugendlichen in ihnen nicht ganz der- meiden läßt. In der Schwerindustrie finden die Frauen so lohnende Beschäftigung, daß es auch sie selbst sehr schwer treffen würde, wenn man jetzt flimtliche Ausnahmen beseitigen würde. Aber sobald der Krieg beendet sein wird, werden wir erneut prüfen, ob nicht die Aus- nahinebsftinlmiuigen bald beseitigt werden können, sofort wird es auch gar nicht möglich sein. In der Schwerindnstrie loird übrigens, soweit es irgend geht, darauf gsliaktcn, daß die Frauen nicht länger als acht Stunden beschäftigt sind.— Der Sparerlaß ist lediglich von niiliiärischcii Slcllen ausgegangen, das Reichsamt des Jnnerii ist niit ihm nicht befaßt worden.(Hört! hört! bei den Sozialdcmo- traten.) Die Militärbehörde hat sich dabei sicher von der besten Absicht leiten lassen. Es mag sein, daß der Erlaß in einzelnen Fällen nicht zutreffend ausgesiihrl oder auch nicht gerade glücklich von dem betreffenden(tzeneralivinmaiido gefaßt worden ist. Jeden- falls ist es der Wunsch des KriegSministcrs, daß die ganze Frage nochmals geprüft wird. Tie Wirlungen werden verfolgt werden, und sollten sich etwa die Nachteile als größer herausstellen als die Vorleile, so würde er aufgehoben werden. Unser Bestreben ist jedenfalls, daß die Schäden des Sparcrlasscs beseitigt werden.— Das Nachtbackverbot besteht bekanntlich während des Krieges und es gilt so lange, bis es vom Reichskanzler nach dem Kriege aufgehoben wird. ES ist alio vorläufig gesichert. Aiif jeden Fall wird rechtzeitig eine Regelung getrosscii werden, damit Seine Lücke in den Maßnahmen iii dieser Beziehung auch nach dem Kriege eintritt. Daß wir nach dem Friedensschluß mit einem großen Heere von Arbeitslosen zu rechnen haben werden, glaube ich nicht. Ich bin i»i Gegenteil überzellgt, daß eine starke Nachfrage auf allen Gc- bieten herrschen wird." Es wird doch sicher jeder Arbeitgeber daS Bestreben haben, seine früheren Arbeitskräfte wieder in den Betrieb zu bekommen. Wir beschäftigen uns aber selbstverständlich auch mit der Frage der Arbeitslosenfürsorge. Abg. Gothcin(Vp.): Gegen Sinn und Wortlaut des Uiucrstützungsgesctzes ist vielfach verstoßen, namentlich in ländlichen Bezirken. Ist doch z. B. einer 70jät>rraen Witwe die Unterstützung verweigert worden, weil sie monat- lich 4,t5 M. von der Gutsverwairung und 2 50 M. von der Stadl � bekommt, und der Kreisaus'chuß hat das für ausreichend erklärt. (Lebhaftes Hört I hört I linis.) Unterstützung sollte nicht bloß an Jibriegersamflien gewährt werden, sondern an alle Famiiien, die durch den Krieg in Not geraten sind. Auch muß der j Reichszuschuß für die Unterstützung erhöht werden, wie! die Kommiision es wünscht. Auch sollte, ivenn die Mutleri stirbt, der auf sie entfallende Untcrstütznngsbelrog� für Kinder Weiler gezahlt werden. Diesem Wunsch der Kommission stimmen wir zu.— Daß im Kriege AuSnabinen von den Schutzbestimniungeir für Frauen und Jugendliche gemacht werden, ist crllärltch. Aber darin ivird entschieden zu weil gegangen. Freilich kann in manchen In- dustrien die Arbeitszeit für Frauen und Jugendliche nicht anders festgesetzt werden wie riir die erwachsenen männlichen Arbeiter, locil sie einander in die Hand arbeiten müssen.(Widerspruch bei den Sozieldemolraten. Zustimmung bei der Volkspartei.) Den Versuchen, das deutsche Wirtschaftsleben nach dem Kriege durch Boykottierung zu erdrosselu oder nur erheblich zu schädigen, können ivir mit Gemütsruhe entgegensehen. Bei der starken Be- schäftigung der Industrie nach dem Kriege iverden wir die weiblichen Arbeitskräfte nicht entbehren tvnneii. Um so notwendiger ist ihr Schutz gegen übermäßige Ausbeulung. Soweit die Resolutionen das fordern, stimmen wir itzneii zu. Notwendig ist auch, recht frühzeitig für Regelung und Zentralisierung der Arbensverniittelung zu sorgen.— Recht frühzeitig, schon im Kriege, nillssen wir unseren Schiffsbau fördern. Abg. Stresemailn(natl.): Vielleicht wird das Reichsamt des Innern geteilt werden müssen. indem ein eigenes Reichshandelsamt oder ein Reicbsamt für Handel nnd Industrie geschaffen wird. An der gegenwärtigen Mammut- Organisation müssen ja die besten Kräfte zu Grunde gehen. England, Frankreich, die Vereinigten Staaicn von Nordamerika besitzen längst ein eigenes Handelsamt. Wäre die Teilung schon früher erfolgt, so wäre unsere wirtscbaftliche Mobilmachung sickerliev besser vonstatlen gegangen. Uebrigens ist die NichtVorsorge für im- enlbehrliche Rohstoffe der beste Beweis, wie weltenfern uns die Ge- danken an Krieg und Welteroborung lagen, sonst hätten wir wohl nicht noch im Juli 1914 Getreide ausgesührl.(Sehr richlig! b. d. Nail.)— Der Friedensschluß muß aiicti ein wirtschaftlicher sein und darf nicht mit einem Saldo zum Schaden unserer Bolkswirtschast enden. Deshalb müssen auch alle Gewalttaten gegen deutsches Eigentum im Ausland beachtet werden. Wer tut das bei uns, wer bereitet bei uns den Gegenschlag bor, falls es England gelingt, eine Wirlschaslskoalition gegen uns zustaiide zu bringen. Hierzu brauchen wir notwendig ein eigenes Handelsamt mit einem eigenen Staatssekretär.(Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Der Haß wird freilich nicht dauernd sein. Aus Liebe hat uuS auch vor dem Kriege niemand etwas ab- gekauft.(Sehr richtig!) Ter Sparzwang, der erst bei einer gc- wissen Höhe des Lohnes eintritt, hat gewiß etwas Erziehliches.�— Der neue Staatssekretär möge mit weilau-schauendeni Blick unsere wirtschaftliche Zukunft sicheistellen und mit sozialpolitischem Ver- ständnis den Weg sozialpolilischen Fortschritts gehen, den wir auch in Zeiten schwerer wirtschaftlicher Bedrängnis und der Anipannung aller Sieiierkräfte für notwendig halten.(Beifall bei den National- liberalen.) Die Weiterberatung wird vertagt auf Sonnabend 11 Uhr. Schluß gegen 6 Uhr. Die �bänSerung öes Reichsvereinsgefetzes. Die Kommission, der die Novelle zum Vereinsgesetz zur Vorbc- reitung überwiesen wurde, trat am Freitag zusammen. Gleich bei Beginn der Sitzung verlangte Abg. Dr. Ocrtel Vertagung, weil die Konservativen durch die Verhandlungen über das Steuer- kompromiß zu stark in Anspruch genommen sind. Gegen diesen ganz unverhohlenen Verschleppungsversuch wandten sich der Vor- sitz ende Abg. Dr. Junck und Müller- Meimngen. Der. Antrag auf Vertagung ivurde abgelehnt. Run versuchte cs Dr. Ocrtcl auf andere Weise. Er verlangte eine Ergänzung der Begründung durch Abdruck aller Gerichtsentscheidungen, die sich auf das Vereinsgesetz beziehen. In der Diskussion über diesen weiieren Obstruktionsversuch wurde betont, daß die Zusammenstellung dieser Entscheidungen ein dickes Buch geben würde. Der neue Vc rschleppungsantrag wurde ebenfalls abgelehnt.— Endlich konnte in die sachliche Beratung eingetreten iverden. Die Sozialdemokratische Ardeitsgemeinschaft hat folgende Ab- äniderungsau träge gestellt: Ten 8 des Äcremsgesetzes wie folgt zu fassen: Ein Verein, der bezweckt, politische Gegenstände in Ver- sanimliingeii zu erörtern(politischer Verein), muß einen Vor- stand und eine Satzung haben. Nicht als politische Vereine gelten Vereine von Berufsgenossen oder Angehörigen verschiedener Be- rufe und Siaudesvereine, auch wenn sie zur Verfolgung ihrer Zwecke politische Gegenstände in Versammlungen erörtern. Der§ 12(�prachenpareigraph) soll gestrichen werden; ebenso der ganze 8 1� �Jngendlichenparagraph)' Dem§ 23 soll hinzugefügt werden:„Alle Verbote und Strasbestimmungcn gegen läud- Ii che Arbeiter und Dienstboten wegen Einstellung der Arbeit oder Verabredungen zur Einstellung oder Verhinderung der Arbeit."— In Konsequenz dessen soll Absatz 3 im 8 24 gestrichen werden. Abg. Legren(Soz.) fiibrt ans, daß seine Fraktion keine Abänderungsanträgc gestellt habe. Daraus dürfe aber nicht etwa der Schluß gezogen werden, daß man mit der Vorlage zufticdcn sei. Es soll nur verhütet iverden, daß die Vorlage, die. immerhin einen kleinen Fortschritt bedeutet, schkietzlich scheitert. Damit gibt man Iveder den Wunsch, noch das ernste Bestreben auf, das Bcreinsgesetz noch weiter zu verbessern. Abg. Dr. Oertel bezeichnet die Vorlage als für die Konser- vativcn unaiiiichintbar, wenn daran festgel)alteli iverden soll, daß Jugendliche derartigen Vereinen beitreten dürfen. Redner setzt auseinander, daß aus diese Weise die Jugend so ziemlich an der Erörterung aller politischen Fragen sich beteiligen könnte, bis herunter zu den Kindern von nenn Monaten! Zeitungsausträger und Kegeljungen sollen Politik treiben dürfen. Mittlerweile hatten airch die Polen den Antrag eingebracht, den Sprachenparagraffh z» ftreicheii. Abg. Gröber(Z.): Man legt der Vorlage eine Bedeutung bei, die sie gar nicht hat. Sie soll nur Kar zum Ausdruck bringen, was der Reichstag bei Schafftmg des Gesetzes gewollt hat. Tie Vorlage ist nötig geworden, weil die Praxis Wege eingeschlagen hat, die im Gegensatz zu den Absichten des Reichstages stehxn. Sicher isfl-daß auch die neue Vorlage mit Definitionen arbeitet, die der Auslegung einen weiten Spielraum lassen. Zollsragen können schließlich eine Lebensfrage für die Gewerkschaft sein: deshalb müssen sich diese Vereine damit befassen können. Wahlrechtsfragen sind unter Umständen Existenzsragen für den gewerkschaftlich or- gaiiisicrten Arbeiter. Die jetzige Faßimg der Vorlage ist aber so »nbesiimmt, daß damit die Uebelständc, die sich herausgebildet haben, nicht unbedingt beseitigt werden. Allerdings ist cs eine Unmöglichkeit, völlig klare Bestimungen zu trefft». Abg. Müller-Meiningeu: Die Schwierigkeit, eine klare Fassung zu finden, die jede mißbräuchliche Deutung ausschließt, ist leider nicht zu beseitigen. Die Jugendlichen von den GeWerk- schaften fernhalten zu wollen, ist direkt sinnlos. Direktor L c w a l d stellt fest, daß der Antrag der Sozialdemo- kratischen Arbeitsgemeinschaft zu§ 3 für die Regierung nn- annehmbar ist. Abg. Leine: Besser wäre cs gewesen, man hätte der vom Reichstag im Sommer 1915 beschlossenen Abänderung des Vereins- gesetzes zugestimmt, dann hätte man jetzt diese Debatten nicht. Die Praxis der landcsrcchtlicken Behörden hat sich glatt über den Willen des Gesetzgebers hinweggesetzt. Der vorliegende Entwurf ist weiter nichts als ein Gewerkschaftsgesetz, das nur verhüten soll. daß Gewerkschaftc» als politische Vereine erklärt werden, wenn sie sich mit Fragen der Sozialpslitik beschäftigen. Während des Krieges sind aber die Gewerkschaften gerade durch die Regierung veranlaßt worden, über solche Fragen zu beraten. Sollen sie da- für nach dem Kriege gestraft werden? Redner zitiert Beispiele aus der Praxis, die zeigen, aus welch nichtigen Gründen oft GeWerk- schaften für politisch erklärt worden sind. Tic Vorlage will nur den Gewerkschaften einen Nachwuchs sichern. Abg. v. Laszcwski(Pole) begründet den Antrag auf Auf. Hebung des Sprachenparagraphen. Polnische Bernssvereine sind schon deshalb für politisch erklärt worden, weil sie sich als polnisch bezeichnet haben. Ab st. Tr. H er z f e ld(Soz. Arbcitsg.�: Da? Gesetz ist polt- tischer Natur und von sehr stroßer Bedeutung. Das neue Gesetz soll das Instrument für die kommenden Kämpfe sein. Dann aber darf man den Bestimmungen keinen Kautschuk-Charaktcr geben. Das scheint aber offenbar mit der Absicht geschehen zu sein, um der Auslcgungskunst der Gerichte den weitesten Spielraum zu schaffen. Auch mit Annahme der neuen Vorlage werden die Ge- werkschaften verfolgt werden können. Das neue Gesetz bedeutet einen direkten Nachteil für die Gewerkschaften; in ihm soll verniuilich bereits die Neuorientierung zum Ausdruck kommen. Wenn die Regierung die von der Sozialdemokratischen Arbeitsge- meinschaft vorgeschlagene Fassung für unannehmbar erklärt, so dürfe sich der Reichstag dadurch nicht abschrecken lassen. Redner begründet dann die Anträge auf Streichung des Jugend- � und Sprachenparagraphen. Rein politische Dinge gibt es nicht, jedes wirtschaftliche Gesetz hat einen politischen Untergrund, und wenn nian den Jugendlichen zugestehen will, sich mit Wirtschafts- und Sozialpolitik zu befassen, dann hat es keinen Sinn, ihnen die Be- tätigung auf anderen Gebieten der Politik zu untersagen. Ganz unberechtigt aber ist es, die Landarbeiter auch fernerhin unter einem Ausnahmerecht zu belassen. Die Diskussion wird in der nächsten Sitzung, deren Termin noch unbestimmt ist, fortgesetzt. P* * Die Kriegsschäöen im Reichsgebiet. Am Freitag setzte die Kommission die Beratung beim Z 1 fort. Die Sozialdemokraten beantragen:„Die EnlschädigungSpfllcht liegt dem Reiche ob." Im Falle der Ablehnung dieses Antrages haben die Sozialdemokraten den Eventualantrag eingebracht, im K 15 folgende Bestimmung einzufügen:„Den nicht leistungS- fähigen Bundesstaaten und Elsatz-Lothringen leistet das Reich Vor- schösse bis zur vollen Höbe der Entschädigung. In welchem Um- fange das Reich die Entschädigung übernimmt, wird durch beson- dereS Gesetz festgestellt. Sofern das Reich nicht die Entichädigung in voller Höhe übernimmt, sind die Vorschüsse zurückzuzahlen. Die RückzahlungSpflicht fällt weg. insoweit die LeistungSunfähigkeit bei Erlast des Gesetzes feststeht." Tie Freisinnige Volkspartei hat beantragt, dem Z 1 folgenden Absatz 3 hinzuzufügen:„Die Bundesstaaten haben die nach diesem Gesetz festgestellten Schäden alsbald zu bezahlen vorbehaltlich der Auseinanderictzung mit dem Reich. Das Reich hat den Bundesstaaten und Etsast-Lvthringen im Bedürfnisfalle die erforderlichen Vorschüsse zu leisten." Dann ist noch von elsässischer Seite ein Antrag eingebracht worden, dast das llieich die volle Entschädigungspflicht über- nehmen soll. In der Kommission herrscht Einstimmigkeit darüber, dast daS Reich die Entschädigungspflicht hat. Nur gehen die Meinungen auseinander, ob dies in diesem Gesetzentwurf, der nur ein Fest- stellungsgesetz darstellt, zum Ausdruck kommen soll. Von sozialdemokratischer Seite ist während der Vor- Handlungen init Nachdruck betont worden, dast der Krieg vom Deutschen Reich geführt wird und infolgedessen auch das Reich die Bezahlung der Kriegsschäden zu garantieren habe. Dieser Ansicht schlössen sich die Konservativen und ein Mitglied der ZcntcuniS- Partei sowie der Elsässer und der Pole an, während die übrigen Mitglieder der Kommission die Meinung bertraten, dast, wer zu zahlen habe, einer späteren Gesetzcsvorlage vorbehalten bleiben müsse. Bei der Abstimmung wurde ein Antrag der Sozialdemo- kraten, der abgeändert lautet:»Die volle EntschüdigungSpflicht liegt dem Reiche ob", mit 17 gegen 9 Stimmen angenommen. An- genommen wurden noch aus dem Antrage der Freisinnigen die Sätze:„Die Bundesstaaten haben die nach diesem Gesetze festgestellten Schäden bald zu bezahlen.... DaS Reich hat den Bundesstaaten und Elfast-Lothringen die erforderlichen Vorschüsse zu leisten." Der Z 15 der Vorlage, der lautet:„In welchem Umfange der Ersatz der nach Mastgobe dieses Gesetzes festgestellten Schäden vom Reiche über- nomnren wird, bestimmt ein späteres Gesetz", wurde abgelehnt.— Die Wciterberatung wurde auf nächste Woche vertagt. »* * Die KattgesetzkommWon ües Reichstages setzte am Freitag ihre Beratungen fort. Im Namen der eingesetzten Unlerkommission beantragte Abg. G o t h e i n, für die Dauer deS Gesetzes eine Verlängerung der Frist über den 31. März 1317 hinaus, bis zum 30. Juni 1S17. Dem Antrage stimmte die Kom- Mission einstiinniig zu. Dann wurde die Festsetzung der Preise beraten. Ein Antrag der Unlerkommission geht über die Preise der Regierungsvorlage bei den besseren Salzartcn hinaus. Der Antrag der Unterkommission wurde einstimmig angenommen. Zur Lohnfrage haben die Sozialdemokraten mehrere Anträge gestellt, u. a., dast im Z 13, welcher bestimmt, dast infolge Lohn- Herabsetzungen die Werke mit einer Beschränkung der BeteiligungS- zisier bestraft werden können, die Jahreszahlen 1907/00 durch die Jahreszahl 1913 ersetzt werden sollen. Diese Anträge wurden ab- gelehnt. Angenommen wurde ein Antrag Schiffer» Borken, nach welchem die Jahresziffer 1912/13 eingestellt wurde. Die Sozialdemokraten beantragten dann weiter zu Z 13 einen neuen Absatz, der den Arbeitern bestimmte Teuerungszulagen sichern sollte. Der Antrag wurde bekämpft und gegen die sechs Stimmen der Sozialdemokralen abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ein Antrag mit der Wirkung, dast bereits gewährte Teuerungszulagen zur Anrechnung kommen können, den im Kalenderjahr 1912/13 gc- zahlten �chichtlöhncn aber 80 P f g. hinzuzuzahlen sind. Einstimmig angenommen wurde dann noch der Antrag der Sozialdemokraten, im Gesetz zu sagen:„Die Beiträge dürfen nicht dazu führen, die nach§ 13 sich ergebenden Löhne herabzudrückcn oder die Schutzbestimmungen dieses Paragraphen zu umgehen." Damit wurden die Beratungen abgebrochen. Politisihe Ueberftcht. Sozialpolitik im Reichstage. Seit Donnerstag redet man im Reichstage über das R e i ch s a m t d e S Innern, daS sich im Laufe der Jahr- zehnte zu einer wahren„Mammutorganisation" ausgewachsen hat, wie Herr Stresemann gestern sehr zutreffend bemerkte. Der Stuhl auf der Bundesratscstrade, den sonst bei diesen Debatten Staatssekretär Delbrück, einzunehmen pflegte, um sein umfangreiches Ressort vor dem Parlament zu vertreten, war verwaist. Der erkrankte Minister hat seinen Abschied genommen, sein Nachfolger ist noch nicht bestimmt. Trotzdem redet man seit einundeinhalb Tagen über sein Gehalt und wird morgen weiter darüber reden. Herr Gicsbcrts vom Zentrum begann vorgestern den Reigen der General- redncr, gestern folgten ihm Genosse Giebel, der Fort- schrittltzr G o t h c i n und der Nationalliberale S t r e s c- m a n n. Wie seit dem Erstarken der Arbeiterbewegung alljährlich, so beherrschte auch diesmal die Sozialpolitik die Debatte. Die mehr als cineinhalbstündige Rede deS Genossen Giebel behandelte die Fülle der durch den Krieg aufgc- worfencn sozialpolitischen Probleme mit Sachkenntnis und Geschick voni Standpunkt unserer Partei. Er bezeichnete die menschliche Arbeitskraft als das höchste Gut einer Nation und forderte den nachdrücklichen Schutz dieses vornehmsten Gutes im Interesse der Polksgcsamthcit. Sehr wirksam bekämpfte er den Raubbau, der während des Krieges mit der Arbeitskraft, besonders derjenigen der Frauen und der Jugendlichen bc- trieben worden ist. Er vertrat dabei die Anträge der sozial- demokratischen Fraktion, die A u s n a h m e n von den Schutz- b e st i m m u n g e n für Frauen und Jugendliche wieder außer Kraft zu setzen und die S p a r z w a n g e r I a s s c vcrschie- dener Generalkommandos gegen Jugendliche wieder aufzu- heben. Die Teucrungs- und Lohnvcrhältnisse, die Unter- stützung der Kricgerfrauen und viele andere wichtige Fragen der Sozialpolitik rmtcrzog Genosse Giebel weiter einer eingehenden kritischen Besprechung. Mit besonderem Nach- druck verlangte er eine umfassende soziale Fürsorge für den Uebergangsznstand vom Kriege zum Frieden und eine groß- zügige Sozialpolitik für die Zeit nach dem Kriege. Vom Ncgierungstische antivortcte Unterstaatssckrctär Richter, der sich gegen die Aufhebung der Ausnahmen wendete, die jetzt in überreichem Maße von den Schutzbestim- mungcn für Frauen und Jugendliche gewährt worden sind. In der Frage der Sparzwangerlasse zeigte er ein halbes Eni- gegcnkonimen und war recht optimistisch bezüglich der Ar- beitsverhältnisse nach dem Kriege. Der Fortschrittlcr G o t h e i n wendete sich gleichfalls gegen die zu niedrige Unterstützung der durch den Krieg in Not Geratenen und gegen die übermäßige Ausbeutung der Arbeitskraft der Frauen und der Jugendlichen. Auch Herr Stresemann sprach in ähnlichem Sinne; er wendete sich aber in der Hauptsache solchen Fragen zu, die für Handel und Industrie jetzt im Vordergrunde der Diskussion stehen, und forderte schließlich ein besonderes Rcichsamt fiir Handel, Gc- werbe und Industrie. Gegen 6 Uhr vertagte das Haus bie Weiterberatung auf heute vormittag 11 Ubr. * Der Seniorenkonvent des Reichstags trat heute mittag zu einer Besprechung zusammen und einigte sich dahin, die Plcnar- sitzung am Sonnabend um 11 Uhr, am Montag um 12 Uhr zu beginnen und den Dienstag nächster Woche wegen des Empfanges der türkischen Parlamentsmitglieder sitzungSftei zu lassen. Der Hauptausschust und der Steuerausschust des Reichstags haben ihre nächsten Sitzungen bisher noch nicht angesetzt. Bedingte Begnadigung. Ms„Germania", das führende Zcntrumsorgan, gibt an leitender Stelle den Inhalt des in Nr. 18 des„Corrcspondcnz- blattcs der Gcneralkommission der Gewerkschaften Deutsch- lands" erschienenen Artikels von Paul U m l> r c i t„Die Gewerkschaften und die Politik des 4. August" wieder, der, wie das ZcntrumSblatt schreibt,„mit dem Treiben der Minderheit noch einmal ausführliche Gcneralabrech- n u n g hält". Es geschieht dies„in der geschickten Form eines erneuten Bekenntnisses der Gcwork- schaften zu der eben von der Minderheit perhorreszierten Politik des 4. August 1914". Ucbcrflüssig zu sagen, daß die „Germania" dieses Bekenntnis tvohlwollcnd akzeptiert und bereit ist. die Gewerkschaften in Gnaden aufzunehmen: „Man mag den Gewerkschaften aufrichtig wünschen können, dast ihre Entivickelung nach Fricdcnsschlust möglichst ungestört durcki die de st ruklivcn Tendenzen der Minderheit vor sich gehen möge." Indessen kann sich das Blatt auch nicht versagen, den Gewerkschaften ihre frühere Schuld vorzuwerfen und ihnen für die Zukunft Bedingungen zu stellen: „Andererseits— fährt es sort— darf man sich wohl nicht verhehlen, dast dieselben Gewerkschaften viel weniger der Gefahr solcher Einflüsse unterliegen würden, wenn sie es zeitig vcr- standen hätten bezw. bereit gewesen wären, nach jeder Richtung hin wirklich neutral zu sein. Weil sie das aber nie gewesen sind, vielmehr seit dem Mannheimer Parteitag vom Jahre 1906 sogar mit der politischen Partei der Sozialdemokratie ein offizielles Bündnis eingegangen sind, müssen sie die F o l g e n auch tragen, die sich aus diesem Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und der Partei nun einmal ergeben, wenn andererseits sie allerdings die Minderheit als nicht mehr zur Partei gehörig zu betrachten gewillt sind." Die hier empfohlenen Verhaltungsmaßregeln lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Ungerechtfertigte Versammlungsauflösung. Auf eine Beschwerde über die Auslösung einer Versammlung in Breslau, in der Abgeordneter Bauer sprach, hat der Minister des Innern wie folgt geantwortet: An den Herrn Reichstagsabgcordnetcn G. Bauer, Berlin. Die Auffassung, der überwachende Polizeibeamte habe nicht das Recht, darüber zu entscheiden, was zu dem von einem Redncr zu behandelnden Thema gehöre, ist unzutreffend. Ich habe indes mit Rücksicht darauf, dast im vorliegenden Falle die Abweichungen vom Th�ma nicht wesentlich waren, Ihnen auch bei Erteilung der Genehmigung keinerlei Bedingungen gestellt worden waren, dem Herrn Regierungspräsidenten mitgeteilt, dast ich die Auflösung der Versammlung nicht als eine gerechtfertigte Mastnah m e ansehen könne und ihn ersucht, den Herrn Polizeipräsidenten hiervon in Kenntnis zu setzen. _ gez. v. L o e b e I l. Zur Förderung der Jugendpflege! In das badische Staatsbudget sind für die Budgetpcriode 1916/17 50 000 M. zur Förderung der Jugendpflege eingestellt. Mit diesem Betrage sollen Vereine gesördcrl werden, die durch Turnen, Spielen und Wandern, sowie durch andere körperliche Ucbungen die Jugend weiter bilden. Die Kreisleitung des Arbciter-Turnerbundes für Baden hat an daS Ministerium deS Kultus und Unterrichts daS Ersuchen gerichtet, auch dem Arbciter-Turnerbund auS diesen Mitteln einen entsprechenden Betrag zur Verfügung zu stellen. Nunmehr teilt das grostherzogl. Bezirksamt Mannheim im Auf- trage deS Kultus- und UitchcrrichtSnrmffrcriiimS dem Kreisvertreter deS Sfcbeiter-Twnerbundes mit, dast diesem 1000 M. als Beihilfe bewilligt worden seien. Aus dein besetzte» Polen. Mit 1. Mai wurde von der deutscheu Verwaltung das Gou- verncment Suwalki von der eigentlichen Verwaltung des besetzten Polens abgetrennt und mit dem Gouvernement Wilna vereinigt. Es wird dadurch eine litauisch-weißrussische„Provinz" im besetzten Gebiet gebildet, während nach polnisch-nationalistischer Auffassung Suwalki zu Polen gehörte.(z) Baltische Tarlchnskasse. Durch die Kriegscreignisse ist es einer grosten Zahl deutscher Balten aus den drei Lstseeprovinzen nicht möglich, in ihre Hennat zurückzukehren. Viele von ihnen sind jetzt, da sie ihr Vcr- mögen in Rustland zurücklasien mustten, insofern in eine schwierige Lage gekommen, als ihre Einkünfte für sie nicht er- rcichbar sind und ihnen deshalb die zum Lebensmiierhalr er- forderlichen Mittel fehlen. Ebenso sind zahlreiche ständig in Teutschland lebende Balten von ihrem zuin Teil noch in Rustland festliegenden Vermögen abgeschnitten. Um allen diese» Landsleutcn zu helfen, ist nunmehr, wie wir hören, auf Veranlassung des Baltischen VertraucnSrates bei der Disko nto-Ge- i e l l s ch a f t in Berlin eine DarlehnSkasse ins Leben ge- treten, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den in Deutschland be- findlichen Balten die notwendigen Mittel in Form von Darlehen zu verschaffen, Zur Hergäbe dieser Darlehen hat sich die Direktion der Dis- konio-Gesellschafl in Berlin bereit erklärt. Die DarlehnSnehmer, die nach Wiederkehr geordneter Verhältnisse mit Bestimmtheit hoffen, in den Besitz ihres Vermögens zurückzugelangen, verpflichten sich, die ihnen gewährten Vorschüsse nach Friedenschlust zurückzuzahlen. An- träge sind zu richten an den Baltischen Vertrauensrat, Berlin V? 57, Billowstr. 88 L___ Das tägliche Srot. Gesetzwidriger Graupcnhandcl. Die Graupenzcntrale teilt folgendes mit: In letzter Zeit mehren sich in steigendem Mäste die Angebote in sogenannten beschlagnahme- und verlebrsfreicn Ger st engraupen und Gerstengrütze zu Wucherpreisen. Die Herstellung von Graupen und Grütze aus Gerste ist nur den von der Reichsfuttcrmtttelslelle komingentierlen Graupenmühlen gestattet und der Verkaufspteis der Mühlen auf 67 M. für 100 Kilo- gramm einschliehlich Sack festgesetzt. Nunmehr kommen in letzter Zeit Angebote grostcr Mengen Graupen an den Markt mit der ausdrücklichen Verkaufsbedingung: „Verkehrs- und bcschlagnahmcsrei"; hierdurch soll der Anschein er- weckt werden, als ob die Ware aus dem Auslände eingesührt worden sei. Die aus dem Auslände eingeführte Ware darf aber durch den Handel nicht in den Verkehr gebracht werden, da laut BundcSratsverordnung vom 4, März d. I. Fabrikate aus Gerste, welche aus dem Auslande eingeführt werden, der Beschlagnabme für die Zentral-EtitkaufSgesellschaft in Berlin unterliegen. Die Vcr- kaufSpreise der sogenannten beschlagnnhmefreien Graupen und Grütze schwanken im Grosthandel zwischen 220—800 M, für 100 Kilogramm gegen den von der ReichsfuttermiUelstelle festgesetzten und von den kontingentierten Graupenmühlen eingehaltenen Höchst- preise von 67 M. Von den Rcichsbehörden sind schon Nachforschungen angestellt, um diesem ungesetzlichen Handel ein Ende zu machen. Die Käufer derartiger„beschlagnahinefteier" Graupen sollten eine Be- scheinigung von den Verkäufern fordern, welche die Ware als vom Aus- lande eingeführt glaubhaft macht. Da es unmöglich ist, eine solche Bc- scheinigung beizubringen, weil die vom Auslände eingeführtc Ware der Zenträl-Etttkaufsgcsellschaft zu übereignen ist, so bandelt es sich um iuländtsche Ware, die zu Wucherpreisen verkaust wird. Zucker zu Einkochztvccken. Auf Anfrage ist dem KricgSauSschust für Konsumentenintcreffen von der Reichszuckerstelle geantwortet worden, dast für das Ein- kochen von Obst den Kommimalverbättden eine besondere Zuckcrmenge überwiesen wird. Auf die Frage des Ausschusses, in welcher Weise die eigentliche Verteilung an die Verbraucher, ob durch Zu- satzkartcn an die nachweislich Einmachobst Besitzenden oder sonstwie erfolgen wird, steht die Antwort noch auS. Höchstpreise für Eier. Das Ministerium deS Innern hat neuerdings Höchstpreise für Hühnereier für das Grosthcrzogtum Mecklenburg-Schwerin festgesetzt. Der Höchstpreis für das Ei beträgt beim Verkauf durch den Produzenten 12'/» Pf., und beim Verkauf durch den Handel an den Verbraucher 15 Pf. Verkaust der Produzent unmittelbar an den Verbraucher, so gilt gleichfalls der Höchstpreis von 16 Pf. Tie Ausfuhr von Eiern nach Orten austerhalb des Grosthcrzoglums bedarf der vorherigen Genehmigung der zuständigen Krcisbchörde für Bolkscrnährung. Für die mit der Post oder Eisenbahn erfolgende Sendung von Eiern an 1. den Magistrat, Abteilung sür Lebensmittelversorgung, zu Berlin, 2. an die staatliche Kommission für Kricgsversorguug zu Hamburg ist jedoch keine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Malzvcrbrauch i» Brauereien. Nach einem Beschlust des Bundesrats können die Landes- zentralbehörden den Bierbrauercien im Falle eines besonderen Bc- dürfnisseS aus Antrag gestatten, das für das drille Vierteljahr 1916 festgesetzte Malzkontingcnt im zweiten Vierteljahre voraus zu ver« wenden. Wirtschaftsrcgister. Ein vom Verbände rheinisch-wsstfätischcr Gemeinden eingesetzter Ausschust sür die Ernährungsfragen hat eine wertvolle Anregung ge- geben. Er bezeichnet die Einrichtung eines WirtschaftSrcgistcrS mindestens sür alle Betriebe mit mehr als einem Hektar Anbaufläche für notwendig. In das Register soll genau eingetragen werden, wie grost die Besitzung ist und ivic man sie ausgenutzt hat; ferner der Ernteertrag im ganzen und im einzelnen usw. Beschlagnahme von Wild in Braunschwcig. Im Herzogtum Braunschweig ist sämtliches erlegte Wild von dem Verfügungsberechtigten gegen Bezahlung deS festgesetzten Höchst- Preises an denjenigen Kretskommtntalverband zu liefern, in dessen Bezirk cS erlegt ist. In sämtliche Verträge über Lieferung von Wild tritt der Kreiskommunalverband ein, in dessen Bezirk der zur Lieferung Verpflichtete seinen Wohnsitz oder seine gewerbliche Nieder- lassung hat. In der wegen der Verbranchsregelinig an die Kreis« kommunalverbände ergangenen vorläufigen Anweisung ist bestimmt, dast das Wildfleisch in erster Linie den Krankenhäusern, Lazaretten und ähnlichen Anstalten und der ärmeren Bevölkerung zuzuwenden und dast ein Teil des Wildes aus den benachbarten Kommunal- verbänden an die Stadt Braunschweig abzugeben ist. kaufen Sie von Kavalieren wenig getragene sowie im Versatz gewesene Jackett- und ütock- anzüge, Paletots, Ulster, Serie 1: 18—25 M., Serie II: 20— 30 51,, größtenteils auf Seide. Femer Gelegenheitskäufe in nener Maßgarderobc, enorm billig. Riesenposten Kleider, Kostüme, Hüntel, auf Seide, jetzt nur 20— 35 Mark. 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Allen Freunden und Belannlen> f die traurige Nachricht, dag meiner liebe Frau AI Marie Zenke geb. Schulze, im Alter von 46 Jahren am 16. Mai verstorben ist. In tiefer Trauer liui-l Xenkc z. Zt. im Felde. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 20. Mai, nach- mittags 4'!, Uhr, von der Leichen- halle des Garnison-Kirchhoses in der Müllerstrage aus stalt. Mtralrttliani! der Zioimcrer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 12. Den Berussgcnosscn zur Nach- richt, dag unser Mitglied Franz Prehra am 17. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Einäscherung findet heute, vormittags 10 Uhr, im ftädtifchen Krematorium, Gcrichiflrage, statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/!> Uli- Vorstand. Zum 28. Gcbnrtstuge gewidmet meinem inniggclicbten, unvergeglichen Mann, dem Musketier A Karl Siliainick gefallen den 8. November 1915. Biel, fast alles, gab' ich— Dürft ich Dir heute wünschen Glück— Kehrst aber nimmermehr zu mir zurück.— Kann nicht mit Blumen schmücken Dein Heldengrab— Nähmest dafür meine Liebe mit hinab.— Ich denke Dein bis ich gcr usen werde.— Ja wann, ach wann, fragt meiner Sccl' erstickicr Schrei— Begrabene Sonne, begrabener Mai! In schmerzlichem Gedenken Tciue kleine Eusti. jj Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben ManncS Willi Dannenberg sage ich hiermit meinen besten Dank. Witwe Hedw. Tannenberg. Speziaiarzt Dr. med. IVockcnfnß, Fricdrlchstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Ta�o), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- störung. Teilzahlung. Sprech stunden: 10— 1 und 5— 8. Grolles Frühjahrs-Angebot. 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Nur in den von vereideten Sachverständigen slcis zu kontrollierenden Fleischerei- betrieben wird ihnen die Gewähr geboten, dah alles einvsangenc Fleisch an das grojzc Publikum verkaust und nicht etwa, wie es bis- her geschehen, verwurstelt oder ganz und gar dem Verkehr entzogen wird. Die Behörde bcabsichligt. die von den wilden Flcischerei- gcjchäflcn etwa gesammeUcn Brotkartcnmiticlstückc zu entziehen. (üsodslla, vuvdorkjik'v!Dtspp2.Fboiton, lür UfiTSn» Terarbeitu&p, le.ue I'arbeo, lanj; und halblanp:. iescha Gloclconformon, nat ratter u. un�elüttert GO,- 43,— 36,— 24,— 18.- Fsiche Phantasis-Backfischmantel 12,— Selden-Müntcl(Modelle) aau Eolienne, TafiEnt, kurz, lanos, iinprägnierter »Seide, Ersatz für Gurami, ßlatfc und Phanlasie- lormen, prachtvolle Ausführungen 65.— 53,— 42,— 33.- 29,- S 8 V Hübsche Gummimantel mit Kappenmütze, wunderbare, leichte Guraraierung, in herrl. 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Z,>(Nachdruck verboten) 15 155 ZSS 285(600) 97(1000) 477 678 607 64 766 962 1232 332 63 430 39 76 676 81 723 96 841 931 93(1000) 2024 73 131 60 65 378(500) 412(3000) 626 81 3041 121 62 93 237 497 726 65 4105 76 233 323 61 99' 410 628(1000) 732 872 8032(1000) 143 241 342 90 649 711 944(1000) 69 6118 280 321 62 562 600 945 71(600) 7206 317 71 82 83 490 96 637 604 79 874 81(10001»31g 513 29 91 716(1000) 28(600) 879 8020 30(500) 06 151 309 29 477 679 907 1O0S6 108 f500) 301 711(600) 54 901(3000) 84 11115 283 Sil 639 864 1 2215 739 813 956 1 3035 164(3000) 205 331 418 702 656 67 917 1 4290(500) 318 41 619 43 766 804 42 914 40 63 1 5086(3000) 93(30001 248 456 680 1 0027 233 509 975 17007 43 02(600) 391 436 618 713 1 8008 69 225(1000) 316 453 713(600) 21 39 68 90 1 8057 108 244 90 97(1000) 408 833 954 20017 83 424 602 9 811 27 941 21336 56 99 601 70 99 611 750 666 89 990 2 2098 308 490 653 71 638 730 45 76 833 2 3209 99 311 636(1000) 24382 649 2 5106 36 99 201 376 601 786 913 57 76(1000) 80 2 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Mai ist oir'toU Nr. 46 001 die Nr, 4S 301 mit 1000 äÄ. und anstatt Nr. 132007 die Nr. 132067 mit 1000 M. gezogen worden. In der Nachmitiagljiehung fiel auf Sic. 190 228 ein S-mion»°» 500 Sl 7. Vreutzisch Süddeutsche (238. König!. Z�reuß) K!a!sen!otterie 6. Klaffe 12. ZiehungStag 10. Mai 1016 Nachmittag Aus jede gezogeue Nummer sind zwei gleich Hobe Gewtulie gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Siummer tu den beide» Abeeiliiiigen I u. N. Stur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 14 88 362 76 414 83 634 878 1140 77 545 624(3000) 66 701 92 922 64 2147 210 310 464 805 79 901 3278 386 432 755 819 922 4120 293 411 707 859 971»196 203 14 617 70 766 72 816 905 8126 48 78 336 683 808 66 911 87 7027 370 603 841(600) 937 8 205 8 334(1000) 603 624 69 816 8265 420 604 895 831(600) 10041 87 88 103 21 217 300 429 589 729 633 11057 91 57 169 297(1000) 440 63 628 64 82 761(500) 918 27 1 2129 294 327 614 807 981 92 1 3044 60 166 290(600) 465(500) 616 622 91(600) 756 76 14084 236 72 605 24 854 l»U9(10 000) 202 58 337 62 688 1 8002 447 67 95 579 964 1 7252 643 532 706 867 97 1 8032 120 232 74 335 60 416 785 861 980 1 8004 194 315 462 693 717 944 2 0073 142 396(600)402 623 68 625 802(600)92 21010 245 76 330 36 60 607 929 2 2040 170 78 376 429 44 606 605 750 813 965 2 3 060 189 303 41 446(1000) 612(500) 710 600) 861 77 903 2 4021 63 330 437 74 78(1000) 654 707 29 76 872 88 2 5 065 85 450(600) 668 752 849 2 6 037 107 293 332 533 676 766 808 99- 2 7015 134 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305 449 630 833 908 I53I61 86 219 73 92 487 94 800 1 6 4 478 619 606 748 98 821 66 941 15 5 051 222 661 676 800 1 5 8 217 88( 600) 360 462 609 72 722 808 955 16 7056 91 217 381 482 603 622( 500) 44( 600) 814(500) 63 I5E 060 93 173 225 311 470(1000) 86 688 908 1 5 9 294 734 839 16 0073 89 94 165 395 568 613 842 923 64 94 1 61265 346 481 678 671 97(600) 944 162166 93(500) 358 405 48(3000) 581 715 73 1 6 3 274 381 416 17 668 677 755 910 31 16 4083 310 21 75 641 778 944 1 65181 84(600) 2)8 96 648 93 756 877 901 30 1 6 8 009 163 95 2)1 48 66 3)8 29(600) 36(500. 64(600) 421 96 688 756 817 72 1 6 7 038 313 639 750 1 68110 427 83 624 1 6 9085 142 271 689(500) 606 789(3000) 835 667 60 83 17 0008 65 173(600) 260(600) 303 93(3000) 444 672 804 94 954 1 71172 97( 500) 390 419 690 819 910 90 1 7 2 044 (600) 312 16 55(500) 78 452 1 73133 213 300 6 15<65(600) 95 600 609 776 928 1 74174 78 306 574 89 632(1000) 73 801 4 56 99 949 1 7 8 086(500) 104 78 259 690 666 80 848 910 60 17 6 260(1000) 306 443 763 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258 352 463 652 730 01 948 200458 507 29 762 890 903 201296 338 94 468 631(500) 80 710 86 943 2 0 2045 163 267 620 746 81 979 2 0 3 068 (-000) 433 550 204U44 222 349 74 443 735 825 985 2 0 5162 90 322 610<50(41, 619 689 2 0 8032, 500) 243 91 403 57 528 898 2 0 7096 172(600) 755 815(1000) 926 2 0 8216 637 675 2 0 9051 69 114 65 228 84 301 67 469 539 621 811 21 0221 471 607 44 624 47 68 827 916 43 211000 24 38 291 92(600) 431 676 320(600) 21 2114 232 479 535 677 700 30 895 937 2 1 3163 257 87 499 672 632 66 701 11 20 27 802 810 43 214036 52 148 266 365(3000) 621 817 21 5089 96 (600) 135 70 205(1000) 662(1000) 708 72 801 955 21G078 107 229 351 414 23 612 46 2 1 7C02(600, 98 114(5000, 245 90 351 438 51 707 83 887 918 2 1 3145 90 273 787 01 803 926 93 2 1 9030 225 535 94 690 708 826 220093"30 81(600) 410 83 605 719 81 221072 197 224 79 394 602 727 823 48 906 91 2 2 2135 227 62(500) 87 487 563 763 818( 5000) 913 2 2 3100, 500) 62 84 236 88 407 13000) 17 64 508(3C00) 691 957 88 224041 660 793 993 225028 301 40 67 71 410 619 640 44(1000) 722 905 15 2 2 8336 47(10001 55(1000) 424 543 61 13000) 69 673(1000) 768 75 833 2 2 7149 242 446 612 79 89 719 37 890(600) 924 22E071 99 103 72 212 46 329 83 435 620 92 761 819(5000) 76 2 2 8059 209 345 651 881 652 2 3 0114(1000) 41 99(1000) 215 93 339 68 516 75 723 75 637 97(£00) 231045 61 620 766 2 3 2112 67 441 73 621 98 712 30 74 860 78(3000) 2 J3US 212 507(1000) 62 74 76(600) 635 4 Alkoholtr. 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Die NeichSstclle bat die Auf- gäbe, die Erzeugung, Verwertung und Haltbar- in a ch u n g von Gemüse und Obst z u fördern. Die Ver- wallungSabteilung ist eine Behörde, die GeschäftSableilung eine Gcsellichast mit beschränkter Haftung, die, ohne in den Ge- müse- und Obsihandel uniiölig einzugreifen, für die rechtzeitige Ab- nähme. Beschaffung,- Unterbringung und Verwertung des angelauften Gemiiies und Obstes zu sorgen hat. Sie hat A b n a h m e st e l l e n einzurichten. Tie GeschäftSableilung wird bekanntmachen, welche Sorten Gemüse und Obst sie erwerben will, unter welchen Bedin- gungen und bei welchen Ahnahmestellen. Wer Gemüse und Obst zu den bekanntgeinachteu Bedingungen abgeben will, kann es bei der GeschäslSabtcilung anmelden, die es durch ihre Abnahmestellen ab- zunebnien hat. Hat die GeschäftSableilung sich bereit erklärt, Gemüse und Obst auch ohne vorherige Anmeldung abzunehmen, so kann es den bekanntgegebenen Abnahmestellcn ohne weiteres zur Abnahme zugesendet werden. Betriebe, die sich mit der Haltbarmachung von Gemüse und Ob st beschäftigen, haben Men- gen, die ihnen von der Reichs st elle zugewiesen werden, nach deren Anweisung zu verarbeiten. Die Verordnung ist sofort in Kraft getreten. Anordiiuitg einer Ernteflächcnerhebung. Ter Bundesrat hat durch Bekanntmachung vom 18. Mai eine Ernteflächenerhebung angeordnet, die in der Zeit vom 1. bis 20. Juni 1ö16 stattfindet und sich auf Weizen, Spelz, Roggen, Gerste. Gemenge aus diesen Getreidearten. Hafer. Buch- Weizen, feldmäfiig gebaute Hülsenfrüchte. Oelfrüchte, Gespinstpflanzen (Flachs und Hauff, Kartoffeln, Zuckerrüben, Futterrüben, seldniäsffg gebaute Gemüie zur menschlichen Nahrung, Futterpflanzen zur Grünsulter- und Heugewinnung, auf Wielen, erstreckt und die ge- samten bestellien und nicht bestellten Anbauflächen und die Weide- flächen feststellen soll. Die Landeözentralbehörden können die Er- Hebung auf andere Früchte ausdehnen. Die Erhebung erfolgt gemeiiidcweise durch die kommunalen Behörden oder zu diesem Zwecke ernannte Sachverständige und Vertrauensleute! sie wird durch Befragung der BelricbSiiihaber oder ihrer Stellvertreter durchgcsührl(Jndividualerhebung). Im Votjahrc fand vom 23. Mai bis 4. Juni die auch in Friedenszeilen übliche Schätzung der Anbauflächen bestimmter Ge- lreidc- und Fruchtarten durch die Gemeindevorsteher und vom 1. bis 4. Juli eine Ernteflächenindividualerhebung nach Art der jetzt an- geordneten statt. Tie Ergebnisse beider Erhebungen wiche» stark von einander ab. Da nach allen Anzeichen die Jndividualerhebung der Ernleflächen die bei weitem zuverlässigeren Ergebnisse geliefert bar, i'oll die Schätzung der Anbauflächen diesmal in Wegfall kommen. Die späteren Ernleerhebungen werden natürlich an die Ernteflächen- erhevnng anzuknüpfen haben. Die Wahl der der Erhebung unter- liegenden landwirtschaftlichen Produkte, deren Zahl in dein neuen Aufrechnen stark vermindert wird, ist durch die Bedürfnisse kriegt- wirtschaftlicher Versorgungsregelung bestimmt. Kcliuzcichiiungcu von Packungen, Sionservcnbüchscn«. a. Eine Bekanntmachung dcS Bundesrats vom 13. Mai ermächtigt den Reichskanzler, anzuordnen, das; bei Gegenständen des täglichen Bedarfs Packungen oder Behält nisse, in denen sie an den Verbraucher abgegeben werden, niit bestimmten, Herkunst und Inhal: kennzeichnenden Angahen zu versehen sind. Insbesondere können Angaben vor- geschrieben werden über die Perlon dessen, der die Ware in den Verkehr bringt, die Zeit der Herstellung, den Inhalt nach Art und nach Zahl, Mag oder Gewicht, den KleinverknuiSprciS. Ten Kreis der zu kennzeichnenden Waren bestimmt der Reichskanzler. Durch die gleiche Verordnung ist es— auch wenn entgegengesetzte Abreden vorliegen— verboten, den Preis für Gegenstände des täglichen Bedarfs, die zum Weiterverkauf unter Festsetzung eines KleinvcrkaufSpreiscS geliefert worden sind, nach- träglich zu erhöhen. Die Uebcrtretung der Vorschriften der Verordnung ist mit Geldstrafe bis zu 1500 M. und Gefängnis bis zu 0 Monaten oder mit einer dieser Strafen bedroht. Anlast zu diesem Eingriffe haben bekannte Mist stände im Kl er ii verkehr mit nulwendigen Bedarfs gegenständen gegeben. Soweit diese in Packnngeir verabfolgt werden— eine genaue Prüfung der Menge und Güte vor dem Ankaufe also unmöglich ist — steht der Inhalt der Packungen zu den? geforderten Preise oft in starkem MistverhältniS. Recht häufig sind solche Fälle beispielsweise bei Konserven. Die Versolgnng der Ilcbcrvortcilung nach den be- stehenden Verordnungen ist durch das Fehlen kennzeichnender An- gaben sehr erscliwett.— Die PrciSeihöhung auf Lager befindlicher, zu frühereu, billigeren Preisen eingekaufter Waren ist, auch wenn neu erzeugte Waren gleicher Art teurer werden, duich nichts gerecht- fertigt, wird aber leider ziemlich allgemein geübt; dem Händler weiden von den Produzcntc» zu diesem Bebufe oft sogeuannte .Ueberklebezettel" zur Verfügung gestellt. Nach der neuen Verord- nung ist solche Preissteigerung unter allen Umständen veibolcn und strafbar.___ Mus Groß-öerlin. fleischlose Tage— fleischlose Monate. Tie Einführung der fleischlosen Tage dürfte angesichts der Lage des Fleisch- und Bichmarktcs gegenstandslos gc- worden sein. Durch die Praxis sind sie längst überholt. Die zwei fleischlosen Tage, die durch Anordnung des Bundesrats eingeführt wurden, haben sich ganz von selbst vermehrt und sind in vielen Familien längst in fleischlose Wochen um- gewandelt worden. In einer längeren Auslassung im„Verl. Tageblatt"(Abendausgabe vom 18. Mai) unter dem Titel: „Der Kampf ums Fleisch" untersucht Herr Sanitätörat Prof. Dr. A. Boas die Frage des Nährwerts des Fleisches und zieht Vergleiche mit anderen Eiwciizkörpcrn: der Milch und dem weifi.en Käse. Er sucht nachzuweisen, welch größeren Eiweißgehalt Milch und Käse im Verhältnis zu dem jetzt nur in geringen Mengen erhältlichen Fleisch habe und kommt dazu, daß die Sorge dahin gehen müsse, für größere Mengen dieser Naturprodukte zu wirken. Das sei seiner Meinung nach möglich durch einen Vegetarismus auf Zeit und Einführung zweier fleischloser Monate. Als solche hält er die Sommermonate Juli und August für geeignet. Es wäre zu erwägen, die Fleischnahrung(abgesehen von Wild und Geflügel) in dieser Zeit gönzlich auS dem Verkehr zu ziehen. Geschähe das, so würde Milch, Butter und Käse in größerem Maße vorhanden sein. Seine Ansicht begründet der Herr Profcffor wie folgt: .Infolge des schlechten FutterzustandeS ist schlachtreifes Vieh zurzen nur in geringem Umsangc vorhanden. Dagegen kann bei ausgiebiger Weidesülterung der Milchertrag und in gleicher Weise der Gewinn an sonstigen Molkereiprodutlen(vor allein Butter und Käse) im Laufe des Sommers um so mehr gesteigert werden, je geringer sich die Fleischansprüche gestalten. Werden sie, wofür ich mit Entschiedenheit eintrete, während der heißen Sommer- monate von feiten der Regierung suspendiert, so bleibt uns in dieser Zeit ein völlig ausreichender Vorrat von Milch. Butter und Käse gesichert. Damit ist, zumal bei dem Gemüse- und Obstreichtum dieser Zeitperiode und der ausreichenden Versorgung mit Kartoffeln, Brot, Mehl und Eiern ein Durchhallen nicht nur möglich, sondern unter Bedingungen möglich, die für eine ausreichende Ernährung als geradezu ideal betrachtet werden müssen. Dabei ist es nicht einmal notwendig, ans ani- malisches Eiweiß ganz zu verzichten, da gerade der Sommer mit seiner gesteigerten Produktion an frischen und geräucherten Fischen eine reiche Fülle von Abwechslungsmöglichkeitcn bietet. Welche große Bedeutung ferner eine intensiv betriebene Milchprodnkiion für die Kinder- und Krankenernährung hat, braucht Nicht näher begründet zu werden. Die Notwendigkeit de? Fleischverbots während der zwei Hoch- sommermonate ist auch noch aus einem anderen Grunde von Wichtigkeit, und zwar aus einem prophylaktischen, der ernste Be- achtung verdient. Wir haben jetzt im Frühjahr und während der Sommermonate glücklicherweiie eine genügende Zufuhr von Eiern, und zwar zu erschwinglichen Preisen. Hört im Herbst die Tier- produkiion auf und müssen wir uns uns auch dann mit minimalen Fleischrationen begnügen, so würden wir leicht mit Unzuträglich- leiten zu rechnen haben. Können wir dagegen bei der vorgeschlagenen zweimonatigen Fleischkarenz im Herbst und Winter einem Fleischvorrat entgegen- seben, der jedem einzelnen ein gewisses, annähernd den Friedens- zeilcn entsprechendes Fleischguantuni zu erschwingliche» Preisen sichert, so sind wir, zunial wir auch sonst aller VormiSsicht nach einer ausgezeichneten Ernte entgegensehen, aller Schwierigkeiten enthoben." Wenn man's so liest, so hören sich die Vorschläge des Herrn Boas leidlich an. Es inag auch eine ganze Anzahl Menschen geben, die nach dem Rezept deö Herrn Professors leben können, zurzeit sogar leben müssen. Daß aber die schwer arbeitende Bevölkerung auf Monate hinaus sich nach diesem Rezept ernähren soll, ohne schweren Schaden zu leiden, muß ernstlich in Abrede gestellt werden. Die kommende F-leischkarte in Berlin. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung die Grundsätze für die Verteilung des Fleisches durch Fleischkarten festgestellt. Da- nach werden in die Fleischregelung im Wege der Fleischkarte Fleisch, Fett und Wurst aus dem gesamten der Stadt gelieferten Vieh ein- bezogen. Die Karte wird auf die Person und nicht auf den HauS- halt ausgestellt, und zwar ohne Rücksicht auf daS Lebensalter. Sie wird nicht auf eine fest bestimmte Menge lauten; der Magistrat wird vielmehr nach Maßgabe des wöchenllichen Viehauftriebes da? auf jede Woche entfallende Quantum bestimmen. Es wird eine Differenzierung zwischen Fleisch mit Knochen und Fleisch ohne Knochen eintreten. Die städtischen Schweine werden dem all- gemeinen Verbrauch zugeführt. Für Besucher von Hotels werden besondere TagcSfleischkarten ausgegeben werden. Krankenanstalten, Hospitäler, Heilanstalten und dergleichen erhalten eine bestimmte Menge pro Kopf der veipflegten Person. Im übrigen wird daS bei dem Brotkartensystcm geübte und bewährte Verfahren zur Anwendung gebracht werden. Sobald am Mittwoch, den 24. Mai, die Anmeldungen zum Kundenverzeichnis vorliegen, wird der endgültige Plan zur Ver- teilung des Fleische? auf die Ladenfleischer festgestellt und zur AnS- gäbe der Fleischkarte geschritten werden, so daß diese am 1. Juni in Wirksamkeit tritt. Bis dahin verbleibt es bei der jetzigen Regelung. jedoch mit der Maßgabe, daß der Magistrat schon am beutigen Sonnabend die neuen Wochcnmengen für die Zeit vom 22. bis 23. Mai feststellen wird, welche aus dem Auftrieb auf dem Vieh- markt sich ergeben werden. « Die Eintragungen in die Kundcnllfle der Schlichter müsien unter Vorlegung de? Brotkartenmittelstücks von heute ab erfolgen. Die Eintragungen können nur bis DicnStag siatlfinden. Die Wahl des SchlächlerS steht frei, der Kunde ist aber einen Monat an denselben gebunden._ Tie Butterversorgung in nächster Woche. SV Gramm Butter pro Kopf. Der Magistrat gibt bekannt:„Da die für die gegenwärtige Zeit erwartete Erhöhung der Butterzufuhr ausgeblieben ist, haben sich die zur Butterversorgungsstelle Grotz-Bcrlin gehörigen Ge- meinden und Kreise zu einer Neuregelung der Butterversorgung entschlossen. Die im Anschluß an einen Ministerialerlaß einge- führte Sperrkarte hat die bedauerlichen Ansammlungen auf der Straße für die Dauer nicht zu verhindern vermocht, da die zur Ver- sügung stehende Gesamtmenge die Einlösung einer jeden Karte nicht gestattete. Tie auf die einzelne Buttcrkartc entfallende Portion mußte daher vermindert werden. Wie eine heute veröffentlichte Verordnung ergibt, dürfen vom Montag, den 22. d. M. ab auf den Butterkartenabschnitt nicht mehr 126 Gramm, sondern nur noch 80 Gramm abgegeben werden. Es verringert sich daher da? Wochenquantum der Erwachsenen und das Zweiwochenquantum der Kinder auf 80 Gramm. In dieser Menge kann aber jede Butterkarte auch tatsächlich einge- l ö st werden. Die Bevölkerung wird dies in aller Kürze erkennen und daher die Ansammlungen vermeiden. Die Festsetzung der Wochenportion auf 80 Gramm ist lediglich eine einstweilige; es soll auch in Zukunft die Portion jeweils nach der zur Verfügung stehenden Gesamtmenge bemessen werden. Eine weitere Neu- rcgelung steht dahin bevor, daß ähnlich wie bei der Flcischver- sorgung, der Ankauf von Butter nur in dem Geschäft zulässig ist. in dem der Käufer seinen Bedarf vorher angemeldet hat; die Frei- zügigkeit seines Einkaufs wird daher aufgehoben. * Entsprechend der Verringerung der Butterportion find auch die Butterhöch st preise neu festgesetzt worden und zwar dahin, daß der Höchstpreis für die im Verkehr fast allein vorkommende Ware 1. Klasse auf 60 Pf. für 30 Gramm bestimmt und die ande- rcn Vuttersorten mit entsprechend billigeren Preisen eingesetzt worden sind._ Amerikanisches Schmalz in Berlin. In Friedenszciten zahlte man 68—30 Pf. für ein Pfund ame- rikanisches Schmalz. Diese Ware fand wenig Liebhaber. Nur die ärmsten Leute kauften sie. Am Donnerstag und Freitag bot das Warenhaus Tictz amerikanisches Schmalz an zum Preise von drei Mark das Pfund, und die früher so wenig begehrte Ware fand reißenden Absatz. Es ging dqs Gerücht, daß große Posten amerikanischen Schmalzes zum Verkauf ständen. Man sprach von 26 080 Pfund. In dem Tictzschen Warenhause in der Frankfurter Allee Ecke KönigSbergcr Straße währte der Schmalzvcrkauf unter, ungeheurem Andrang des Publikums nur einige Stunden. Aber am Freitag früh sollte der Verkauf fortgesetzt werden. Der An- drang nach dem jetzt so heiß begehrten Fett war geradezu un- heimlich. Schon vor Sonnenaufgang rückten die ersten Käufer an und warteten geduldig auf die Oeffnung des Geschäfts, die um 8 Uhr erfolgt. Um 7 Uhr waren die Straßen in der Nähe des Warenhauses schon von vielen Tausenden, meist Frauen, besetzt und fortgesetzt mehrten sich die Scharen der Wartenden. In Gliedern zu 6 bis 7 Personen, dicht gedrängt, standen sie an der einen Seite des Straßendammes, die ganze Gubener Straße ent- lang, von der Frankfurter Allee bis zur Warschauer Straße und in dieser bis an die Ecke der Kopernikusftrahe. Das ist eine Weg- strecke von rund einein Kilometer. Außerdem war noch ein Zug von etwa 200 Meter Länge in der Litthauer Straße aufgestellt. Um die eine Straßenhälfte sowie die Straßenkreuzungen für den Verkehr frei zu halten, waren etwa 30 reitende und vielleicht die doppelte Zahl von Fußschutzleuten zur Stelle. Das Publikum. an stundenlanges Harren vor Lebensmittelverkaufsstellen seit Mo- naten gewöhnt, befolgte die Ordnungsvorschriften, ohne daß es eines Eingreifens der Beamten bedurfte. Jedem Käufer wurde nur ein Pfund Schmalz verabfolgt. Man erzählte aber von Hamstern, die unter Mitwirkung mehrerer Familienmitglieder und fortgesetztes Anstellen drei, fünf Pfund und mehr von dem früher so gering geachteten amerikanischen Schmalz erobert haben sollen. « Einen Maffenverkauf von Schweineschmalz— das Pfund zu 3 M.— veranstaltete am Donnerstag ein am Alexanderplatz bc- legeneS Warenhaus. Es kamen 20 000 Pfund dänischen Schmalzes zum Verkauf. Obwohl das Vorhaben des Geschäftsinhabers (wegen der umfangreichen Vorarbeiten) geheimgehalten worden war, erhielten die Bewohner des Alexandcrplatzviertels doch bald Wind von der Sache, und so begannen sich Hunderte van Kauf- lustigen anzusammeln. Viele führten Stühle, Bänke und andere Sitzgelegenheiten mit sich. Gegen Morgen stauten sich gegen 30 008 Personen bis in die Nachbarstraßen an. Ihre Ausdauer wurde belohnt: jeder erhielt sein halbes oder ganzes Pfund Schmalz (mehr wurde an den einzelnen nicht abgegeben); um 11 Uhr 18 Minuten. waren die 28 808 Pfund ausverkauft. » Die Zcntral-EinkaufSgcscllschaft teilt mit: „Schmalzverkäufe in hiesigen Warenhäusern. Auf viele Anfragen, die bei der Zentral-Einkaufsgesellschaft in. b. H. eingelaufen sind, teilt die Gesellschaft mit, daß sie den in den letzten Tagen in Berliner Warenhäusern vorgenommenen Schpialzvcrkäufen völlig fernsteht." Der im Wertheimschen Warenhause erfolgt« Schmalzverkauf ist beendet. Neue Sendungen sind, wie die Firma mitteilt, nicht zu erwarten. Die Mchlstrerkung, Der Magistrat teilt mit: Wiederholt ist zur Kenntnis der Be- Hörden gekommen, daß die Bäcker die gesetzlichen MischungS« und SlreckinigSvorschriften, insbesondere die Mogistratsverordnung vom Ii. März 1818. wonach bei Bereitung von Roggenbrot das Roggenniehl zu mindestens 20 GewichtSteilen durch Weizenmehl ersetzt werden muß, unbeachtet lassen. Jin Interesse der Ernährung der Bevölkerung ist es unbedingt er- forderlich, daß diese Vorschristeu strengstens innegehalten werden. Sollte sich bei den vorzunehmenden Revisionen herausstellen, daß auch weiterhin dagegen verstoßen wird, so wird die Schließung der Betriebe der zuwiderhandelnden Bäcker angeordnet werden. Ter Höchstpreis für Sauerkraut. Vielfach ist beim Kleinhandel die Meinung vertreten, daß die Aufhebung der Höchstpreise für Kohlrüben, Mohrrüben und Zwiebeln. gemäß Verordnung dcS Berliner Magistrais vom 27. Miirz 1816 auch für Sauerkraut Geltmig habe. Die Preisprüfungsstelle weist auf die Irrigkeit dieser Auffassung hin. Für Sauerkraut(inländisches wie ausländisches) besieht in Berlin nach Maßgabe der Verordnung vom 3. Februar 1816 nach wie vor der Kleinhandelshöchstpreis von 16 Pf. für das Pfund._ Vuttcrersatz. In einem Geschäft in der Türrschmidtstraße in Lichtenberg (Kaiifinann St.) wurde Buttcrersotz angepriesen. Wer greift da nicht zu in einer Zeit der Butterliiapphcit, wenn er die Hoffnung hat, eiiicn Ersatz für Butter zu finden. Käuferinnen verlangten diesen Buitercrsatz und zahllen die geforderten 60 Pf. Aber die Eni- länschung, als sie nach Hause kamen und den in schönes Papier ver- packten Biitlcrersatz sich näher betrachteten. ES ergab sich, daß die Käuferinnen einen Handteller großen— besser gesagt, kleinen— schwedischen Käse gekauft hatten, der ein Zettelchen trug mit der Aussckrisr:»Schwedischer Gervais. Auslandskäse". DaS war doch kein Buttcrersatz. Wenn die Verkäuferin Käse verkaufen will, soll sie'S anschreiben. Und dann 80 Pf. für daS Häppchen Käse, der eine Art Früh- stückskäse darstellte. Eine Beschwerde bei der Polizei hatte nur den Erfolg, daß gestern der sogenannte Butterersatz noch die Bezeichnung „Auslandskäse" enihielt und anstatt 60 Pf. 60 Pf. kostete. Besser ist davon der Butterersatz alias AuSlandSkäse nicht geworden und viel billiger auch nicht._ Morgcnsuppe— Mittagsmahlzeit. Unsere unter obiger Spitzmarke veröffentlichte Notiz, die an die Mahnung des KriegSausschusses für Kaffee und Tee, die Morgen- suppe wieder einzuführen, anknüpfte und schilderte, was man noch alles für Ratschläge geben könnte, um auch schmackhafle Mittags- mohlzeitcn herzurichten, hat uns eine Reihe Zuschriften aus unserem Leserkreise eingetragen. Besonders Leserinnen sind erbost auf uns, daß wir solche Kochrezepte veröffentlichen und sie fragen uns ganz ernsthaft, wo sie eigenllich die Bulter zum Spargel hernehmen sollen. DaS sollen wir ihnen mal vormachen. Ein alter Leser schreibt uns sogar: »Da es Tinte noch ohne Karte gibt, möchte ich auch mal an .unS" schreiben. Mir ist Mehlsuppe auch lieber, aber wie ich Mehl besorgen kann, ist mir bei einer vierköpfigen Familie— ich muß 12 Stunden schaffen— ein Rätsel, denn der Schrei nach Brot— ist Freitags immer sehr rege. Wenn die Kartoffel nicht aushelfen würde, na, dann nicht»Prost Mahlzeit"! Und mit dem irregeleitelen Fleischgennß bei mir ist seit Oktober 16— weiter möchte ich nicht zurückgreifen, aber bis dahin kann ich's beschwören—>/< Pid. Speck ins Haus gekommen und Rücken- feit hat sich meine Frau dieses Jabr bis jetzt 2 Pfd. in 7 Stunden erstanden. Davon habe ich beschlossen, 1 Pfund für uns zu ver- brauchen, 1 Pfund habe ich meinem Sohn, welcher Soldat ist, geschickt. Ich für meine Person weiß noch nicht, ob ich diese? Jahr eine Eilifeltuiigskur durchmache, bei meiner Frau, welche schon über 20 Piund leichter, geworden ist. wird's nicht nötig sein. Also kehren wir zurück zu Erbsen, Bohnen uiw. Ich habe bei der LebcnSmitlelkarle 1 Piund Bahnen und 2 Psund Reis dieses Jahr eingehamstert, leider sind die 3 Psund schoirwieder alle und mit dem guten Stück Butter? Weiß denn der Schreiber nicht, daß m5r pro SBoflic nicht gonz 1 Ptund Butter swenn ich sie kriegen kann) zustehl? Ich empfehle dcmjclbeil mal Erbsen, wenn er keine bat, mir der Butterkarte gu kochen und mir dann den Geschmack mitzuteilen, vielleicht versuche ich eS dann auch. Fleisch habe ich nianchnial acht Tage gar nicht, manchmal bei vier Köpfen(drei Erwachsene) 1 Pfund; ob man da Gefahr läuft, die Gicht zu bekommen, weih ich auch nicht, Mir kommt es so vor, als ob der Einsender nicht weiß, daß wir von den Engländern, oder wie die Leute so heißen, aus- gehungert werden sollen, oder ich könnte annehmen, daß er noch mehr als ich eingehamstert hat. Ich möchte noch bemerken, daß ich keine Kriegerfrau oder wer bin, sondern regelmäßig außer kleinen(?) Zuichüssen 45 M, pro Woche nur für Ernährung zahle. Möchte auch noch bemerken, daß ich mich entsinne, daß es früher nial Wurst gegeben bat. Wie die Milch zu den Milchspeisen beschafft wird, weiß ich auch nicht." Wir haben daS Schreiben gern abgedruckt, weil wir die Ge- legenheit benutzen wollen, dem Einsender aus diesem Wege zu sagen, daß er eine Satire mit bitterbösem Ernst betrachtet bat. Wenn nämlich der Kriegsausschuß für Kaffee und Tee der Bevölkerung den guten Nat erteilt,„zur alten guten Sitte der Morgensuppe" zurück- zukehren, ohne für das hierzu nötige Mehl zu sorgen, so kann er auch einen Schritt weiter gehen und raten, sich an Erbsen mit Speck oder Spargel in Bulter gütlich zu tun. Diese Mittagsmahlzeilen kann man sich dann natürlich, ohne Speck oder Butter zu erhalten. ebensowenig gönnen als die angebotene Morgensuppe ohne das dazu gehörige Mehl. Und deshalb warten auch wir noch auf Antwort vom Kriegsausschuß für Kaffee und Tee wie viele unserer Leser und Leserinnen. Das gestreckte Bier. Ter Finanzminister bat durch Erlaß vom 6. Mai lölb darauf hingewiesen, daß die Mischung von Lagerbier und Earamelbier beim Ausschank unzulässig sei. Der Vorstand des „Verbandes obergäriger Brauereien" ist beim Finanzministerium vorstellig geworden; auf Grund dieser Vorstellung hat das Finanz- Ministerium den Erlaß zurückgezogeu. Ein mysteriöser Diebstahl. UnS wird mitgeteilt: Am 12. d. M. ist in den Mittagsstunden aus dem Bureau des Rechtsanwalts Genossen Dr. Karl Lieb- k n e ch t eine Schreibmaschine gestohlen worden. Unter dem dringenden Verdacht des Täters steht der Mechaniker eines Schreibmäschinen-Reinigungsinstituts. der nach Beobachtungen von Hausbewohnern an dem fraglichen Tage eine Schreibmaschine einem im Hausflur wartenden Manne in Uniform übergeben hat. Gegen den betreffenden Mechaniker ist Strafanzeige erstattet worden. Es ist zu erwarten, daß der Polizeipräsident Herr v. Jagow, der so großes Interesse für das Verfahren gegen den Genossen Karl Liebknecht bezeugt hat. daß er sogar in den Akten seine unmaßgebliche Meinung über Liebknechts Verhalten dem Gericht mitteilte, nach den Tätern und eventuellen Anstiftern dieses mysteriösen Diebstahls mit aller Energie fahnden wird._ Der Trick mit dem Vereinsspind. Gastwirts werden vor einem Schwindler gewarnt, der angibt, Vorsitzender eines Vereins zu sein, der ciir TagnngSlokal sucht. Um seinen Angaben den nötigen Nach- druck zu geben, gibt er vor, das Bereinsspind sofort oder am nach- steu Tage aus dem alten Lokal abzuholen. Unter verschiedenen Volwänden versteht es der Herr VcreinSvorsitzende Lokalinhaber an- zuborgen, um dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Der Trick ist nicht neu, wird aber jetzt wieder erneut angewendet, um viele schwer um ihre Existenz ringende Gastwirte zu betrügen. Ein Zuckerschwindler ist im Westen der Stadt aufgetreten. Er besucht die Geschäftsleute und spiegelt ihnen vor, daß er durch irgendwelche Glücksumstände in der Lage sei, ihnen Zucker zu dem außerordentlich billigen Preise von 30 M. den Zentner zu liefern. Tie arglosen Lerne, die seinen Erzählungen glauben, zahlen dem Schwindler den Kaufpreis für die Ware, die auf dem Güterbahos Berliii-Wilmersdors liegen soll, im voraus oder geben ihm wenigstens die Anzahlung, die er verlangt. Erst auf dem Bahnhof erfahren sie, daß gar keine Ware vorhanden ist und daß sie einem Schwindlerin die Hände gefallen sind. In mehreren Fällen trug der Spezialist ein braunes Samtjacketr. Untersagter Handelsbetrieb. Das Polizeipräsidium teilt mit: Auf Grund der BundcSratsverordnung vom 23. September 1915 bat der Polizeipräsident von Berlin dein Großschlächtcrmeisier Dsivald Brunzcl, Berlin-Stralau, All-Stralau IL, den Handel mit Nahrungsmitteln wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt. Der Stand befindet sich in der Berliner Zentralmarkthalle I A.._ Ms den Gemeinden. Eine Jtt-Millionen-Auleihe der Stadt Spandau. Die Stadtverordneten beschäftigten sich am Donnerstag mit einer aufzunehmenden Gefamtanleihe von 39 Millionen Mark. Die Anleihe dient zur Beschaffung der Mittel für die Nestkostcn des NathausbaucS in Höhe von 2 041000 21?.. Erweiterung der Gas- anstalt 1200 000 M., Erweiterung des Elektrizitätswerks 1000 000 M., Erhöhung des Stammkapitals beim Städtischen und Kreis- Kraftwerk 1250 000 M., Reslkosten für die Erweiterung des Schlachthofs 72 502 M., Rieselfeld anlage und KanaliiationS- umbauten 4 000 000 M., Anlauf des Ritterguts Wansdorf. Restbetrag 1119 594 2)?., Slresow-Enifesiigung 3 233 494 M., Neubau der Charlottenbrücke 2 515 000 M., Neubau der Berliner Brücke 2 650 000 M., Ausbau der Berliner Chaussee 2 500 000 M., Straßenregulierung auf den: früheren Abdeckereigrund- stück 1 300 000 M., Ankauf der Rustwiesen, Restbetrag 4S5 702 M., Ausleihung von Hypotheken auf Neubauten mit Kleinwohnungen 1000 000 M., Erweiterung des Krankenhauses 1312 000 Vi., Neu- bau des Oberlyzeums 910 000 M., Erweiterung der Oberrealschnle 140 800 M., Erweiterung des Friedhofs in der Pionrersiraße 53800 M., Erhöhung des Grundslückserwerbungsfonds 500 000 M., Kursverlnst und Unkosten 10 Proz. sowie zur Abrundung 2 698 105 M. Wie der Referent Stadtv. P r a g e r mitteilte, soll die Anleihe mit 4 bis 5 Proz. verzinst und mit 1,62 Proz. unter Zuwachs der er- sparten Zinsen getilgt werden. Der Slaatszuschuß zur Charlotten- brücke von voraussichtlich 1,2 Millionen 2>?ark soll zur Tilgung der Anleihe verwendet werden. Leistet de: Fiskus den Zuschuß nicht, so bleibt die Charlottenbrücke als Verkehrshindernis bestehen. Stadlkämmerer Weber gab einen kurzen Bericht über die Finanzlage Spandaus, nachdem der Gesamtanlcihebctrag seit der letzten großen Anleihe von 1908 von 11544 000 Mark sich nach dem Etat 1916 auf 48 900 000 Mark erhöht. Das Anwachsen der Schuldenlast sei auf das Ausführen von großen Projekten infolge der schnellen Entwicklmig der Stadt zurückzuführen. Trotzdem sei die Finanzlage eine günstige, da die Einnahmen an direkten Steuern jährlich um 260 000 M. steigen. Für 1916 sind die direkten Steuern mit 3 332 883 21?. veranschlagt worden und es sei erfteulich, daß die Stadt trotz der großen Ausgaben ohne Erhöhung der Steuersätze auSlomme. Nach kurzer Debatte wurde die Auf- nähme der Anleihe genehnngt. Zur Linderung der Wohnungsnot beantragte der Magistrat, daß auf dem städiischcn Gelände an der Adamstraßc Wohnhäuser mit vier Geschosien und 1— 2-Ziminerwohnungen von einer zu gründenden Gesellschaft mit beschränkter Hajtmig � gebaut und die für die Gründung erforderlichen 2i?iitel von 20000 M. bewilligt werden. Ferner soll der Block O. in der Wald- siedelung bebaut werden und die Stadt sich zu der Her- gäbe einer Hypothek bis zu 550 000 M. bei 4 Proz. Zinien und 3/4 Proz. Tilgung und Gewährung eines einmaligen Zuschusses in Höhe der Srinimc verpflichten, nm welche die Erbauung des Blocks infolge der KriegSzeil teurer wird. Die Höchstgrenze für den Zuschuß wird aus 150 000 M. festgeietzt. Stadlv. K a t i e be- tonte, daß am 1. April 120 wobnungslose Kriegerfrauen nach den umliegenden Ortschaften abgeschoben werden mußten und insgesamt 410 Personen keine Wohnung finden konnten. Gen, Piever krili- srcrte den hohen Mictspreis, der in der Waldsiedelung für 53 Wohnungen mit dllrchfckniltüch 48 M. monatlich veranschlagt worden sei, und be- amragle, die Miclspreise herabzusetzen, da anderenfalls die minder- bemittelte Bevölkerung, der doch in erster Linie die Wohnungs- fürsorge zu gute kommen soll, nicht in der Lage sei, die teueren Mietspreife zu erschwingen. Einigen Hausbesitzern waren aber die veranschlagten Mietspreise noch zu niedrig und von liberaler Seite wurde beantragt, die Zinsen von 4 Proz. auf l'/z bezw, auf 4> 4 Proz. für die zu gewährende Hypothek zu erhöhen. Gegen die übergroße Mehrheit der liberalen Fraktion wurde die Zinserhöhung abgelehnt und der Vorlage zugestimmt._ Aus der Gemeindevertretung Weiftensee. Die letzte Sitzung nahm die Einführung der wieder- und neu- gewählten Gemeindeverordneten vor, die sich verzögert hatte, weil einige der neugewählten Gemeindeverordneten im Felde sind und deren Annahmerklärung erst vor kurzem eintraf. Von der sozial- demokratischen Fraktion konnten daher die Genossen Simon, Blendinger und Gottschalk noch nicht eingeführt werden. Tie Sitzung beschäfligte sich sodann in der Hauptsache mit der Pacht- verlrogsentlassung der Brauerei Gabriel u. Richter aus ihrem Pachtvcrhälinis im Restaurant Schloß Weißensee. Nachdem die- selbe eine namhafte Abfindungssumme angeboten hatte, stimmte die Vertretung zu; dadurch ist die Möglichkeit gegeben, die Ufer- Promenade um den ganzen See herumzuführen, ein diesbezüg- liches Projekt wird der Vertretung vorgelegt werden. Stellungnahme zu den Parteidifferenzen. Die am 16. d. 21?. tagende Generalversammlung des Wahl- Vereins Reinickendorf-West nahm zunächst den Jahres- bericht der Bezirksleitung entgegen; hervorzuheben ist, daß trotz des Verlustes an Mitgliedern sich die Käsjenverhältnisse gegen das ver- gangene Jahr verbessert haben. Nach Erledigung des Berichtes lvurde die gesamte alre Bezirksleitung wiedergewählt. 1. Bezirks- leiter: MonkowSki, 2. Bezirksleiter: Glamann, Kassierer: Schulz, Schriftführer: Alexandrowicz. Sodann wurde folgender Antrag und Resolution einstimmig an- genommen: „Die Delegierten zur Kreis- und Verbandsgeneralversammlung haben die Pflicht, ihre Stimme im Sinne des Programms der So- zialdemokratiichen Slrbeitsgenieinfchaft abzugeben. Der Bezirk Reinickendorf-West spricht sein Bedauern aus und verurteilt das Verhalten der ReichstagSfrakiionsmehrheit betreffs der Bewilligung der Kriegskredite, ebenso das Verhalten des Partei- Vorstandes gegen die Redaktion des„Vorwärts" und seine Maß- nahmen, unbequeme Angestellte nach dem Borbild reaktionärer Unter- nehmer zu maßregeln." Des weireren wurde scharfe Kritik geübt an der manaelhaften Versorgung der Einwohnerschaft mit Lebensmitteln durch die Ge- meiude. Die Geineiudevcrlreter werden beauftragt, bei der nächsten Gelegenheit dahin zu wirken, daß hier Besserung geschaffen wird. Ms aller Welt. Ucber die Ennordung eines Hamburger Arzte? durch einen seiner Patienten, über die wir berichteten, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: 2lls Dr. Grumbrccht am Vormittage die üb- liche Sprechstunde abhielt, betrat der 32jährige Fabrikarbeiter Bernhard Draheim aus Jaktuske aus dem Warteranm das Sprechzimmier und feuerte, als er kaum die Tür hinter sich zugemacht Hatte, zwei Revolverschüffe aus den?lrzt ab. Dr. Grum- brecht, der in die Bruit und in den Kopf getroffen war, besaß noch die Kraft, an daS Telephon zu gehen, um einen Kollegen zu ver- ständigen, brach aber bald zusammen, wurde- von seiner HanS- hältcrin aus das Bett gelegt und starb nach lurzcr Zeit. Um den Täter an der Flucht zu hindern, hatte man inzwischen die Haustür verschloffcn. Der Mörder eilte daber wieder nach oben, ging in das Sprechzimmer und versperrte die Türen von innen; er drohte jeden zu erschießen, der sich ihm nähern würde. Einen Schutz- mann, der aus ihn eindrang, verletzte Draheim durch einen Revolverschuß. Erst als die herbeigerufene_ Feuerwehr erschien und einen Wasierstrahl ans den Attentäter richtete, tonnte dieser überwältigt und festgenommen werden. Die draußen stehende Volksmenge stürzte sich aus Draheim und wollte ihn lynchen. Der Grund zu der schweren Bluttat soll darin liegen, daß Dr. Grum- brecht dem an Nervosität leidenden Draheim die Ausstellung eines gewünschten Attestes verweigert hatte. Ter Unfug, mit Schußwaffen zu spielen, hat abermals zu einem bedauerliSeir Unglücksfall geführt, dem�ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen ist. Alis dem Gute S a s s e ir b u r g(Pommern) battcn zioei Gärtnerlehrlinge mit eiiienr Gelvehr gespielt, von dem sie amrabmen, daß es ungeladen sei. Als der eine Lehrling im Scherz die Waffe auf seinen Kollegen, den 16 jährigen Alfred Schön Herr, anlegte und abdrückte, ging ein Schuß los. Die Kugel drang dem Schönhcrr in die Brust und streckte ihn tot nieder. DaS Erdbeben in Italien. Mailänder Blätter melden aus R i in i n i, der Schaden des Erdbebens sei sehr erheblich; etwa 1000 Baulichkeiten seien beschädigt worden. 10 zusammengestürzt; viele, darunter öffentliche Gebäude, seien dem Zusammenbruch nahe. Einige mußten auf polizeilichen Befehl geräumt werden. Das Rathaus in Dirschau niedergebrannt. Wie aus Danzig gemeldet wird, ist am Donnerstag das 1580 erbaute Rathaus in Dirschau völlig niedergebrannt. Die Bestände der Stadtlasse und die Akten wurden gerettet. Die Ursache des Brandes ist noch nicht ermittelt. Zum Frauenmord in Czinkota. Die Erhebungen der Wiener Polizei führten zu der Annahme, daß Kiß auch die Tochter der in Wien wohnenden Aufwärterin Anna Nemetz ermordet habe. Diese gibt an, daß ihre Tochter Juliane vor drei Jahren nach Budapest gereist sei und seitdem kein Lebenszeichen von sich gegeben hat. Sic war Dienstmädchen und besaß Ersparnisse im Betrage von 200 Kronen.— Die Budapester Polizei ermittelte den Schuhmacher Ändris Talviga, der im Czinkotacr Hause mit Kiß anfangs eine Wohnung gemietet hatte. Im Frühjahr 1306 wurden Talviga und seine Frau durch weibliche Angstruse aus dem Schlafe geweckt. Sie vernahmen verhallendes Röcheln. Um Weihnachten desselben Jahres borten sie wieder weibliche Klagerufe und Stöhnen. Ein drittes Mal, im Frühjahr 1907, drang aus der Wohnung des Kiß abermals entsetzliches Wehklagen an ihr Obr, darauf böricn sie Gepolter und röchclirde Rufe. Damals ging Kiß auch in den Hof. Die Fenster dech Kiß waren finster. Am nächsten Morgen suchte er Kiß. Dieser war jedoch unsichtbar. 2tn seiner Tür hing ein Täfelchen mit der Aufschrift:„Ich bin abwesend." Er kam erst am dritten Tage wieder zum Vorschein. Damals erstattete Talviga über alle drei Fälle die Anzeige bei der Ortspoiizci. Seines Wissens geschah aber gar nickts. Er sah wiederholt, daß der jetzt unter dem Verdacht der Beihilfe zu den 2k?ordcn stehende frühere Poligeibcamte Naoy dem Kiß beim Verlöten großer Blechtonnen behilflich war, was dieser jetzt hartnäckig leugnet. Parteiv�ranftaltungen. Friedrichsbagen. Um unseren Mitgliedern mit ilren Familien in der Sommer, zeit einige frohe Stunden zu bereiten, will der BildungS- ausschuß" möglichü in jedem Monat on einem Sonntag Spiele im Freien veranstalten. Ter erste svielnachmiltag sindct am sonntag, den 2 1. Mai, von nachmittags 3 USr ab im Walde an der verlängerten rienranc fnn'.-c den Wasserwerken) statt. Um rege Beteiligung der Miiglieder mit idren Frauen und Kindern wird ersucht. Jugenöveranftaltungen. Pankow-vliederschönliausen. Sonntag, den 2t. Mai: Spielvartie nach Bernau. Trcsfvunkt 8 Ulir Bahnhof Pankow-Schönbausen. Abfahrt 8.20 Ubr. Nachzügler trmeii sich nachmitiags 2 Uhr. Abfahrt 2.15 Uhr. Fahrgeld 50 Pf. Gäste willkommen! Freireligiöse Ge-neinve. Sonntag, den 21. Mai. vormittags 3 Uhr. Pappel-Allce l5il7; Neukölln,„Jdealpassage" sFdealkasiono) und rUbcrschöiieircidc, Klaraitr. 2: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr. Kleine Franlsurter Straße 6: Vortrag des Herrn Dr. M. Brie:„Her- mann Sudermanns ausgewählte Dramen". Nrheitcr-Saiiiaritervu»». Kolonne Grotz-Berltn. Lehr- stunde haben nächste Woche abends 80» Uhr: 1. b i s 0. A b t c i I n n g: Montag, den 22. Mai, Köpenicker Str. 62(Vereinshaus): Vortrag. Nach dein Vortrag prakiijche Verbnndsubungen. Mittwoch, den 3i. Mai, abends S1/» Uhr: Mitaliedc r versa m in l u n g ini demielben Lola!.— Sonütag, den 28. Mai, nachmittags 2 Uhr: Besichtigung der Ausstellung(Wohlfahrt), Ehartottenburg, Fraunhoscrstraße._ Hriefkasten der Neöoktwn. S. L. 43. Sie tönncn beim hiesigen Vormundschaftsgericht Antrag aiii Bestellung eine- Vormundes stellen. Der Bricj cnthätt unseres Er- achtens tcine Beleidigung.— Ld. 704. Bejchwerde ist bei der Dberstaats- anwattsckiaft beim Kammergcricht einzulegen.— Vruiicl V. 1. Nein. 2. Das könnte nicht als.liündigungSgrund gelten; die Firma könnte Sie ja aber odne Grund, allerdings unter Einbaltuna der sür den Handels- angestellien geltenden Frist, kündigen.— vi. 3. 10. 1. Wenden Sic sich ini: einem solchen Antrag an das Regiment. 2. Ter Schuldschein braucht nicht ei neuert zu werden, er behält seine vitlltigkeit.— 3t. 8t. 4. Sie müssen den Bescheid abwarten.— M. P. 10. Wenn es sich um ein Urteil des Schöffengerichts handelt, mußten Sic innerhalb acht Tagen nach Ver- tündung des Urteils Einspruch erheben; im anderen Falle haben Sic vier Woibcn nach Zustellung des Urteils dazu Zeit,— II. B. 1. 1. Ja. 2. Nein. 8. Die Unterstützung wird in diesem Falle nicht weiter gewährt. — P. 3. 86. Monatliche Kündigung ist in Ihrem Falle nicht statthast. Wenn der Hauswirt übrigens nicht sein Einverständnis mit der Lösung des Vertrages zum!. Lltober gegeben hat. so erscheint es noch sehr zweijel- hast, ob Sie am 1. Oktober ziehen können und nicht bis 1. Llpril wohnen btciben müssen.— M. T. Gcrichtftrastc. Sie geben Ihres Anspruches nus Rente jel;t verlustig. Sie lönnen weiteren Bescheid abwarten.— 3k. St. 10. 1. La. 2. Staatseinkommenstcuer wird nur einmal erhoben: da- gegen können von beiden 6'cmeinden Gemeiudecinlominenitencrii erhoben werden. Staatsemkommen-teucr zahlen Sie dort, wo Sie jetzt Ihren Wohnsitz haben. 3. Nach dein jetzigen Verdienst.— Tora 6. Ja.— 31. L. 1875. 1. Ja. aber nur aus Antrag des anderen Ehegatten. 2. Nein.— I. H. 99. An den Ncgimentskom- mandeur dcS Truppenteils, zu dem Ihr Mann eingezogen ist.— L. Ja. iNctteraiissichten für das mittlere Norddeutseblan» diS Sonntag mtirag. Ziemlich kühl, vielfach heiter, aber veränderlich und besonders östlich der Oder ösler etwas Regen. DU zltmaltungsstelle Kerlin. N 54, Fiuienkr. 83—85 Telephon: Amt Norden 18S, 1233, 1387, 3714. Bureau geöffnet von 9 bis 1 Uhr und von 4 bis 7 Ulir. S o u n t a g, den 21. Mai 1916, vormittags 9Vz Uhr, im Lokal von Müller, Alexandrinenstr. 32: SU- Versammlung dcr Zink-, Zinn- und Bleigießer. §!S$r- In Anbetracht dcr äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kollegen erforderlich. 117/3»ic Ortsvcrnaltanpr. BezugsqueSScri-Verzeichnäs BeiHin-Westen Bwliefnl TTÖcTieutllch rinmcl, üntenstehemJe Geschäfte mpl>lil«n gicl'- FnHnfCT. Brauereien & IUI Akt.'Brauerei Potsdam �Eig. Niederlag. Berlin SW.47H Kreuzbergstrasse 23, Bran-H Idenburg a. II., Willielms-r dorferstraße 72. Potsdam.Stangen-l biep BurBerbräi3.| - Fleisch- n. Wurst waren Potsdamer" Strasse 7Gb. Wü -------- Mm BaSolow D cb Gelegcnheltskäufe_ Ihslfiitaasi. fiiK'salllOI „Weine, Prnciitsifte, Liküre ■E, L KI. Ctisrlottenbur g azn Mehlhdl., Kolonw.l filmend. Str.60 61.( btsafte, Likörejni Les/mciio i jjjjij � Schuhw.-Lag., Kep. bill. 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Preis i Mark j Protokoll der Verhandlungen, die am 9,Iannar 1916 zwischen der sozialdemokratischen Fraktion deS deutschen NeichStageS. dem sozialdemokratischen Parteivorstand und Parteiausschuß, der Generallommission und den Vorständen der dculsÄ)en Gewerkschaften, einerVcrtretungdesZentralverbandes deulscherKon, um- vereine und einer Vertretung der sozialdemokratischen Partei Oesterreichsund der österreichischen Gewerkschaften inBerlin Uder die wirtschaftliche Ännäherung Deutschlands und Oesterreich-Ungarns staltfanden. � Bezugsquellen- Verzeiclznus Berlin-Osten üniktlil«>»»»>. CalMitalmäe Ctichüfla«gproilen>1» tri EliVIrf« „cker- und B onrlitoreien B BäcHePBritordslem Inb. Gust. 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