Ztr. 139. HbonnementS'Bedlngungen: Ufionnemenlä• Preis pränumerando Bicrteljährl. 3.90 Ml, monall. 1L0 Ml, wöchentlich W Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nununer 5 Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter SonntagS- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- «bonnement: l,Z0 Marl pro Monat. Eingelragen in die Post. ZcitungS- PreiSlifle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn ZIO Marl, für das übrige Ausland S Mar! pro Monat. BoftabonnemeniS nchuien an Belgien. Dänemarl. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Auinänicit. Schweden und die Schweiz. erldKlnl lägllch. Vevlinev Volksblakk. 83. IahrglMg. VIe Inserttonz-Kebilhi' teträgt für die fechsgefpaltenc Kownei- zeilc oder deren Raunt eo Pfg, für politische und gewerlschastliche Bcreins- und Versamnilttngs- Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Znrcigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zutäfstg s fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Eiellciigcsuche und Schlafstcllenan» zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes iveuere Wort 5 Pfg. Worte über>3 Buch- ftabcn zaglen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegrannn-Ad reffe: „Sozialilfmolirat Bcrllu". Zcntralorgan der rozialdemokratifchen Parte» Deutfcblawds. Ncöaktion: EW. HS, Lwöenstraße z. fscrnsHrccher: Amt Moristplatz, Nr.»S» 90— 151 97. Sonntag, den 21. Mai 1916. «Expedition: EM. HS, Lindenstraße Z. Skerusprecher: Amt MorifeDlafc, Nr. 151 ÖO— 15197. Sie Steuermacherei. Soweit Nachrichten aus dem Dunkelkämmerlein hervor� dringen, hat man sich über die Steuern auf Grund eines Kompromisses geeinigt, das lebhaft an jenes des Schnaps blockes erinnert. Es sollen dabei dem Volke die indirekten Steuern schmackhaft gemacht werden, indem man auch die Reichen„opfern" läßt. Die bösartigste der geplanten indirekten Steuern, die Ouittungssteuer, ist in der Kommission umgemodelt worden in eine U m s a tz st e u e r, die zwar etwas weniger schikanös ist, weil das Publikum nicht bei jedem Kauf durch Stempel markenpapperei sekkiert wird, aber um so drückender, weil die Sätze recht hoch sind. Nach dem vorliegenden, allerdings noch nicht ganz sicheren Text sollen die Warenumsätze mit 1l) Pf. für jede 100 M. besteuert werden, also mit eins pro Tausend. Da aber die Waren in der Regel einer ganzen Reihe von Kaufverträg«! unterworfen werben, ehe aus dem Roh- staff das Produkt entsteht und dieses auf dem Wege des Zwischenhandels an den Verbraucher gelangt, so handelt es sich in Wirklichkeit um eine Besteuerung der Produkte, alle notwendigen Gebrauchsgüter eingeschlossen, mit einer Steuer von mehr als 1 Proz. des Wertes. Daß die Steuer abge- wälzt wird, darüber besteht kein Zweifel, daß bei dieser Ab- wälzung die Konsumcntenmassen schließlich ein Vielfaches der Steuer zahlen werden, auch nicht. Produzenten und Händler dürften von dieser Steuerplackerci nicht gerade erbaut sein, aber die Aussicht einer so erfolgreichen Abwälzung dürfte sie mit der Steuer aussöhnen. Ganz besonders fällt ins Gewicht, daß die Steuer einge- führt wird in einer Periode sprunghaft steigender Waren- preise, wo alles, was der Preistreiberei Vorschub leistet, ver- nünftigerweise hätte vermieden werden müssen. Dafür scheint man indessen kein Verständnis zu haben. Die Herren Volksvertreter der bürgerlichen Parteien, die doch stets ein so warmes Herz für den Mittelstand haben, lassen sich offenbar auch nicht von der Erwägung beeinflussen, daß bei der allgemeinen Tendenz zur Verteuerung der Warem unter den gegebenen Verhältnissen, beim Bestehen der Kartelle, Konventionen und Trusts, schließlich die„kleinen Leute" unter den Gewerbetreibenden die ersten Opfer sein dürften. Es dürste nämlich die Steuer ein weiterer Anstoß sein für die Betriebskonzentration. Die Ware eines Unter- nehmens nämlich, das über eigene Rohstoffe und andrce Pro- duktionsmittel verfügt, sie also nicht zu kaufen braucht, das das fertige Produkt direkt an die Verbraucher liefert, ist eben mit weniger Umsatzsteuer belastet, als die Ware, die durch Dutzende Hände während ihres Entstehungs- und Ver- kaufsprozesses läuft. Auch das ist von Interesse, daß der Reichstag in seiner Bewilligungsfreudigkeit offenbar der Regierung mehr gibt, als sie verlangte. Denn obwohl man gar keine Unterlagen zur Beurteilung des Ertrages der Umsatzsteuer hat, ist doch wohl anzunehmen, daß sie allein mehr als eine halbe Milliarde abwerfen dürfte, während die Regierung aus sämtlichen Steuern nicht mehr herausschlagen wollte. Das Manzstück des Kompromisses ist die Kriegs- g e w i n n st e u e r, die in der Dunkelkammer sich in eine Kriegsgewinn- und verluststeuer verwandelt hat. Der ursprüngliche Plan ging dahin, die Kriegs- g e w i n n e zu besteuern, wobei man allgemein an eine scharfe Heranziehung jener Gewinne dachte, die von den braven Kriegslieferanten, Warenverteuerern und sonstigen Nutz- nießcrn der„großen Zeit" erzielt wurden. Dann wurde der Gedanke in die Debatte geworfen, den W e h r b e i t r a g er- neut zu»rheben. Davor schreckten indessen die Gegner der direkten Reichssteuern entsetzt zurück: wenn der„einmalige" Wehrbeitrag jetzt zum zweitenmal erhoben werde, so hörte er offenbar auf, einmalig zu sein, und der Weg zu einer Reichs- Vermögenssteuer war gebahnt. Deshalb wurde dieser Plan von den Konservative» und dem Zentrum abgelehnt. Dafür soll aber jeder Vermögenszuwachs während des Krieges ver- steuert werden, ja es soll das Vermögen auch dann heran- gezogen werden, wenn Vermögensvcrlust entstanden ist, so- bald dieser Verlust nicht 10 Proz. des Vermögens erreicht. Man könnte den Gedanken, wenn überhaupt bei dieser Steuermacherei noch Gedanken vorhanden sind, dahin for- mulieren: der 5?rieg bringt Verluste; wessen Vermögen nicht vermindert worden ist, soll heilfroh sein udn kann zahlen, wessen Vermögen vergrößert wurde, erst recht; nur wer mehr als 10 Proz. seines Vermögens einbüßte, soll ungeschoren davon- kommen. Es ist vollkommen klar, daß bei einer Steuer in dieser Form von einer Kriegsgewinnsteuer, wie sie das Gerechtig- keiksgefühl des Volkes forderte, gar keine Rede mehr sein kann. Im Gegenteil, es wird ganz sicher als schreiende Un- gerechtigkeit empfunden werden, wenn die kleinen Sparer oder kleinen Gewerbetreibenden selbst dann zu der Steuer herangezogen werden, w»nn sie durch den Krieg ein paar tausend Mark an Vermögen eingebüßt haben. Man denke sich etwa folgenden Fall: ein Kaufmann, dessen Vermögen 50 000 M. betragen hat, mußte zum Heere einrücken; die Frau hat das Geschäft mit Mühe und Not weitergeführt, aber der Verdienst blieb aus oder war so gering, daß schließlich 2000 M. während der Kriegszeit aus den: Vermögen ver- braircht werden mußten. Jetzt sagt man dem Manne: da dein Verlust nicht 10 Proz. beträgt, so werden dir 3000 M. als Gewinn angekreidet und du mußt genau so berappen wie ein j anderer, der daheim blieb, unter die Lieferanten ging und sein Vermögen vergrößerte. Für eine derartige Verdrehung des ursprünglich gesunden Gedankens der Kriegsgewinnsteuer gibt es nur eine Erklärung: es wollten offenbar die Urheber dieses Planes den Volksmassen die Kriegsgewinn st euer verekeln. Hätte man einfach eine Vermögenssteuer neben der Kriegsgewinnsteucr eingeführt, sei es auch nur eine einmalige in Form der Wiederholung des Wehrbeitrages, so wären der- artige Ungeheuerlichkeiten unterblieben. Das aber ließ die Steuerscheu nicht zu, die es verbietet,„das Portemonnaie der Besitzenden" dem aus allgemeiner Wahl hervorgegangenen Reichstage auszuliefern. Nun wird es freilich Leute geben, die trotz dieser tollen Konsequenzen das Gesetz begrüßen werden, weil es halt eine direkte Steuer bringt, eine Steuer, die die Besitzenden trifft. Da ist jedoch zu bemerken, daß es sich nicht um einen Schritt vorwärts auf der Bahn der Einführung direkter Reichs- steuern handelt, sondern im Gegenteil, durch dieses Gesetz jene Bahn von neuem ver- rammeltwird. Es handelt sich ja, wie ausdrücklich betont wird, um eine einmalige Abgabe, nicht um eine fortlaufend vom Ver- mögen zu entrichtende Steuer. Die große Aufgabe ist und bleibt, die bereits vor dem Kriege gänzlich verfahrenen Finanzen des Reiches in Ord- nung zu bringen. Die Riesenansgaben, die durch den Krieg verursacht werden, lassen diese Aufgabe schier unlösbar er- scheinen. Da aber der Krieg bewirkt, daß eine gewaltige Be- rcichernng eines Teils der Kapitalistenklasse eintritt, schon da- durch, daß ihr etliche Milliardcit aus der Verzinsung der Kriegs- schuld zufließen, so wäre eine Reform im Sinne der Beseiti- gung lästiger indirekter Steuern und starke Besteuerung von Einkommen und Vermögen immerhin möglich. Indem man aber jetzt durch die sinnwidrige Verballhornung des Ge- dankens der Kriegsgewinnsteuer jeden vernünftigen Ansatz dazu beseitigt und sich mit der einmaligen Abgabe begnügt, erschwert man die Reform. Das dürfte der Sinn der Winkel- züge sein, die die Kompromißler anstellten. Man hofft offen- bar auf solche Weise, durch die schreiende Ungerechtigkeit dieser Steuer weite Kreise kopsscheu zu machen, das Prinzip der direkten Besteuerung zu diskreditieren. Der Plan scheint indessen denn doch überschlau und dürfte deshalb nicht gelingen. Zwar ist es jetzt in der Kriegszcit leicht, die Massen irrezuführen, da es unmöglich ist, in Volks- Versammlungen und in der Presse das ganze Treiben nach Gebühr zu beleuchten. Aber soviel gesunden Sinn dürften die Volksmassen und vor allem die Arbeiterschaft sich doch be- wahrt haben, um zu erkennen, daß das ganze Machwerk darauf hinausläuft, dem Volke dauernd eine enorme Last indirekter Steuern aufzubürden, während man den Besitz einmalig zu einer Abgabe heranzieht, zu einer Abgabe, die sckueiende Ungerechtigkeit in sich schließt. � Die Steuermacher haben die Gelegenheit trefflich aus- genützt, wie sie meinen. Indessen werden die großen sozialen Fragen, zu denen auch die Steuerfrage gehört, nie und nimmer auf die Dauer durch schlaue Winkelzüge gebriebener Parlamentarier entschieden. Jetzt erst recht muß es Aufgabe der Sozialdemokratie sein, ihre Forderung einer gründlichen Finanzreform zu propagieren, als deren leitendes Prinzip bleiben muß: Ersetzung der indirekten durch direkte Steuern. Taft über öie ßneüensbeüingungen. Haag, 20. Mai.(T. U,).Daily News" bcriSten aus N e w D o r k: Am 18. Mai hielt Taft auf der jährlichen Friedens- Konferenz eine Rede über das internationale Schiedsgericht. G r e y und B r i a n d— sagte er— hatten ihre Z u st i m m u n g zu dem Plan gegeben, wonach ein Bund gebildet werden soll, der den Frieden aufrecht erhalten müsse. Ein zufrieden- stellender Friede kann nur auf der Grundlage geschaffen werden, die durch die Friedensverbände vorgeschlagen wurde, nämlich durch die Schaffung einer inter- nationalen Polizei, durch Abrüstung und Zustande- kommen einer Uebereinstimmung hinsichtlich des Völkerrechts. Amsterdam, 20. Mai.(W. T. B.) Einem hiesigen Blatte zufolge meldet die„Times" aus Washington, daß Wilson die Einladung angenommen habe, im Laufe der kommenden Woche auf einer Versammlung des Friedensbundes, dem auch Taft augehört, zu sprechen. Tlemenceau übt Kritik. Basel, 20. Mai. fT. U.) Clemenceau hat vorgestern versucht, die Rede zu beleuchten, die Poincars am Sonntag in Nancy gehalten hat und die in der Versicherung gipfelt, daß Frankreich nicht den Frieden wolle, den Deutschland anbiete, sondern daß es warte, bis Deutschland um Frieden bitte und die Bedingungen Frankreichs annehme. Clemencsau schreibt dazu: Es handelt sich, o Redner, nur darum, zu wissen, welchen Frieden wir wollen, und es ist nicht schwierig, sich darüber zu verständigen. Das Problem besteht darin, den Frieden zu machen, einen Frieden, wie wir ihn wollen, und die Mittel zu schaffen, die zu diesem Frieden führen. Wollen und tun! Das ist die einzige Tagesfrage. Aber die Worte Poincaros und Briands sind nur Musik in den Wind. Wenn es genügen würde, zu sagen„Ich will!" so wäre der letzte Küchenjunge ein Julius Cäsar. Den ganzen Rest des Artikels hat die Zensur unterdrückt. �populaire öu Ceutre' zur üeutschen Note an Wilson. Im„Populaire du Centre" knüpft A. P r e s s e m a n e an die Betrachtungen R e n a u d e I s in der„Humanite" über die deutsche Note an Amerika folgende Bemerkungen an: „Bravo! Das ist endlich die Sprache, die wir seit langem zu hören wünschen. Wieviel bester ist sie als die Nodomontadcn, als die Prahlereien, als die„bis zum Ende", die uns in der Vergangenheit betäubt haben, jedesmal wenn vom Frieden die Rede war. Ein aufmerksames Ohr leihen: das war gestern unsere Formel. Nicht entmutigen, fördern: das ist es, was wir verlangten. Die Kriegsziele der Alliierten feststellen und so von Deutschland er- langen, daß es seine Friedensbedingungen präzisiert, das erschien uns wünschenswert. Wir fügten hinzu, daß, wenn so die deutschen Forderungen sich gegen die Rechte der-Völker und die Würde der Alliierten richteten, unsere Soldaten dem Dienst der Nation, wenn es möglich wäre, noch Heroismus und Opferwillen weihen würden, da sie die Gründe eines verlängerten Krieges kennten. Aber wenn Deutschland endlich von der Nutzlosigkeit seiner Anstrengungen über- zeugt und auf die Vorherrschaft verzichtend Bedingungen anböte, die das Ende des Krieges erhoffen ließen, welche Verantwortung für diejenigen, die sie zurückwiesen, da sie ebenfalls imperialistische Ziele im Auge hätten? Unsere Sorge war, daß die sozialistische Partei, immer bereit für die Unabhängigkeit des Landes, keinen Anteil an diesen Ver- antwortlichkeiten haben sollte. Ja, unsere Regierung möge reden. Sie möge Herrn v. Beth- mann Hollweg auffordern, sich klar auszudrücken, nicht nur für einen oder mehrere der Alliierten, sondern für alle. Renaudcl hat recht. Man muß den Gegner verpflichten, sich bis zum Grunde zu enthüllen. Das ist nötig für die moralische Gesundheit der Nation. DaS ist noch unerläßlicher, wenn wir wollen, daß sich der Horizont erhellt." §r!eöenskunögebungen in öer Schweiz. Dem„Berl. Lokal- Anzeig er" wird gemeldet: Basel, 20. Mai. In'der Martinskirche zu Basel fand gestern(wie bereits berichtet. D. R.) eine eindrucksvolle Friedenskundgebung statt, an der gegen 2000 Personen, darunter auch Vertreter der Behörden, teilnahmen. Nach einer mit begeistertem Beifall auf- genommenen Rede von Nationalrat Dr. Scherrcr-Fullemann aus St. Gallen wurde einmütig nachstehende Resolution angenommen: „Angesichts der gegenwärtigen Kriegslage, die keine Hoffnung auf ein baldig es Ende des Krieges zuläßt, wenn bis zum endgültigen und niedcrschmet- ternden Siege der einen oder anderen Kriegs- gruppe gekämpft werden soll, in' der Ueberzeugung, daß die ungeheuren Opfer, die der Krieg für jeden weiteren Tag seiner Fortdauer erfordert, in keinem Verhältnisse zu den Vorteilen stehen, die allenfalls von der einen oder anderen Kriegsgruppe noch er- langt werden könnten, daß eine Zerschmetterung des Militarismus nicht durch Waffengewalt und die Sicherung der Landesgrenzen nicht durch Vernichtung des Gegners, sondern nur durch einen Aus- gleichsfrieden erreicht werden kann, der, auf den Grundsätzen des Rechts und der Gerechtigkeit fußend, jeder Nation ihr Selbstbestimmungsrecht gewährleistet, ihr Recht auf freie, friedliche ökonomische EntWickelung garantiert, zukünftig das Territorium eines jeden Landes gegen Angriffskriege sichert, die allgemeine Abrüstung gemäß internationalem Uebereinkommen ermöglicht und die Grundlage zu einer umfassenden internationalen Rechtsordnung schafft, im Hinblick auf die allgemeinen Grundsätze, die von der am 13. Mai 1899 zusammen- getretenen ersten Haager Konferenz einhellig angenommen und unter- zeichnet, in ihren fundamentalsten Konsequenzen aber nicht kodifiziert worden sind, wird Parlament und Regierung unseres Landes hier- mit dringend ersucht, alle nötigen und möglichen Schritte zu tun, da- mit eine Konferenz neutraler Staaten oder eine einzelne neutrale Regierung: a.) den kriegführenden Mächten gemäß Art. 2-�8 der Konvention vom 29. Juli 1899 ihre guten Dienste zu einer vermittelnden Intervention anbieten und d) die Ein- berufung einer allgemeinen Staatenkonferenz(3. Haager Konferenz) zur Beratung einer internationalen Rechtsordnung und zur Erledi- gung der allgemeinen territorialen, ökonomischen und Völkerrecht- jichen Streitftagen verlangen kann." Die Resolution wurde ein- stimmig angenommen und soll dem Bundesrat über- mittelt werden. Aehnliche Friedenskundgebungen wurden in den letzten Tagen auf Veranlassung des schweizerischen Friedensvereins auch in anderen Städten der Schweiz, so in Bern und Zürich, unter großer Beteiligung veranstaltet. Der französische Tagesbericht. Paris, 20. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Freitag nachmittag. In den Westargonnen versuchte der Feind nach der Explosion einer Mine in einen kleinen Vorsprung einzudringen, den unsere Front bei St. Hubert bildet. Unser Sperr- fever hielt den Feind glatt an und warf ihn in seine Gräben zurück. Auf dem linken Ufer der Maas erneuerten gestern gegen Tagcscnde die Deutschen ihre Angriffe auf die Gegend des Gehölzes von Avoucourt und der Höhe 304.- Diese äußerst heftigen und mit großen, zu zwei frisch an der Front angekommenen Divisionen gehörenden Beständen unternommenen Angriffs waren nicht imstande, uns aus dem Gehölz von Avoucourt und unseren Stellungen westlich der Höhe 304 zu vertreiben. Im Zentrum gelang es indessen dem Feinde, sich eines kleinen südlich der Höhe 287 gelegenen Werkes zu bemächtigen. Mehrere Versuche des Feindes, an diesem Punkte seine Fortschritte weiter auszubauen, wurden durch unser Feuer glatt angehalten. Auf den Nordwest- abhängen der Höhe 304 scheiterte ein Versuch der Deutschen, den von uns gestern genommenen befestigten Punkt wiederzuerobcrn. boHifaitbift. Auf dem rcdifert Ufer der Maas und in der Woevre initiiere Tätigkeit der Artillerie.' Flugwesen: Flugzeugs des Feindes warten in der Nacht vom 13. zum 19. drei Bomben aus Gerardmer. Der Sachschaden ist unbedeutend. Bei St. Menebould wurde ein deutsches Flugzeug gestern durch einen unserer Flieger zum Landen gezwungen; die Flieger wurden ge'angen genommen. Unterleutnant Navarre hat lein 10. deutsches Flugzeug abgeschossen. Der seindliche Apparat zer- schellte in der Nähe vor Bolante am Boden. Paris, 20. Mai.(23. T. B.) Amtlicher Be r i ch t von gestern abend. Aus dem linken User der Maas dauert der Artillerielampf an der Front beim Walde von Zlvocourt, an der Höhe 301 und in der Gegend des„Toten Mannes" mit groher Heftigkeit an. Der Feind machte im Laufe des Tages keinerlei Angriffsversuche. Auf dem rechten Maasufer und im Woevre-Gebiete inästige Tätigkeit der beiderseitigen Artillerie. Der Tag war ver» hältniSmähig ruhig an der übrigen Front, mit Ausnahme der Cham« pagne und den Vogcscn, wo sich unsere Artillerie besonders tätig erwies. Flugwesen: In der Nacht vom 13. auf den 19. Mai haben unsere Flugzeuge zahlreiche Unternehmungen und Beschiestungen vor» genommen. Der Flugplatz von Morhange, die Bahnhöfe von Metz- Sablons, Arnaville.'Bricullcs, Sienay. Scdan und Etain und Lager bei Montsaucon und AzanneS erhielten zahlreiche Geschosse. Belgischer Bericht. Lebhaste Artillerietängkeit an der Front der belgischen Arniee, besonders in der Gegend von Dix- nrude, wo unsere Geschütze aus allen Kalibern ein vernichtendes Feuer auf die Berteidigungsanlagen der Deutschen unterhielten. Die englische Melöung. London, 19. Mai.<23. T. B.) Britischer Kriegsbericht. Einige Slrtillcrielätigkeit zwischen Somme und Anire. Der Feind nahm letzte Nacht im Arras-Sektor einen kleinen Posten an einem am Slordende des Bimh-Rückens gelegenen Krater. Südlich von Neu« ville Granatenlämpse. Unsere Kanonen brachten heute die feindliche Artillerie im Sektor von Vailly zum Schweigen. Die Deutschen ließen südöstlich von Reclineourt eine Mine springen. Wir halten das uns zunäch't gelegene Ende des Kraters besetzt. Wir ließen eine Mine bei Calonne stwiregen. Im Sektor von Lens beschossen loir mit Erfolg die feindlichen Stellungen. Bei Souchez. Laos und Hulluch herrschte beträchtliche Arlillerielätigkeit. Wir beschossen letzte Nacht mit Erfolg die feindlichen Stellungen nördlich von Apern. Der Feind beschoß heute Polijze. Beträchtliche Tätigkeit i» der Luft. Eine feindlicii« Maschine Ivurde hinter den seindlichen Linien zum Landen gezwungen._ Dee rutsche Kriegsbericht. Petersburg, 20. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 1 9. M a i: W e st f r o n t: Bei Merzendorf brachten wir feindliche Slrtillerie zum Schweigen; unler Feuer rief eine Explosion in einer feindlichen Batterie hervor. Nordwestlich Krzemeniec stellten unsere Pioniere eine Minengalerie des Feindes fest und sprengten sie alsbald. Der Feind wurde vollkommen überrascht, er ergriff die Flucht und lieh sein ganzes Minenmaterial im Stich. Ein Versuch des Feindes, die verlorene Galerie wicderzunehmen, wurde durch Handgranaten abgeschlagen. Galizien: Nördlich von Toporoutz warfen sich unsere Pa- trouilleu zwischen eine stärkere feindlich- Abteilung und die feind- lichen Drahthindernisse. Die feindliche Abteilung wurde vernichtet. a u k a i u S: Aus der ganzen Front fanden unbedeutende Kämpfe von Teilen der Vorhuten statt. Die türkische tzauptquartiersmelüung. Konstatttinopel, 18. Mai.(W. T. B.) Amtlicher B ericht des Hauptquartiers. An der I r a k f r o n t nichts Neues. An der K a u k a s u s f r o u t hat unsere Artillerie auf dem rechten Flügel feindliche Lager unter wirksames Feuer ge- nomme». Oertlichc Feuerkämpse, Scharmützel und Patrouillen in der Mitte und atif dem linken Flügel. Zwei feindliche Flugzeuge, die, von Tenedos kommend, die Meerenge überflogen, wurden durch linser Feuer vertrieben. In den� Gewässern von Smyrna schössen zwei feindliche Kriegs- schiffe einige Granaten auf gewisse Oertlichkeiten und zogen sich dann zurück. Im übrigen nichts von Bedeutung. Dombarüement von El �rijch. Loudoii, 19. Mai.(28. T. B.) Neuler meldet amtlich: Am Morgen des 13. Mai bombardierte» britische Kriegsschiffe, Neroplane und Wasserflugzeuge El Arisch, einen wichtigen Posten einer Verbindungslinie zwiscben Syrien und Aegypten. Die Kriegsschiffe vefchossen das Fort südlvestlich der Stadt und man glaubt, dah es »i einen Trümmerhaufen verwandelt wurde. Der Luftangriff zerfiel in zwei 2Ibichnitte. Die Wasserflugzeuge eröffneten das Bombarde« inent. Später folgten ihnen Aeroplane, die den Austrag ballen, die seuidlirbeu Maschinen in Gefechte zu verwickeln und dem Lagerplatz der scindlicben Truppen besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Eine 1000 Mann starke Truppenabteilung war südlich der Stadt auf den Marsch gesandt worden. Drei Bomben explodierten unter den Truppen, auch die Lagerplätze wurden mit Erfolg mit Bomben belegt. Alle Schiffe und Flugzeuge sind wohlbehalten zurück- gelehrt. General B r h a n M o h o n hat das Kommando über die Truppen an der ägyptischen W e st g r e n z e übernommen, General Milner bekam das Kommando in Saloniki. Melöung üer italienischen Heeresleitung. Rom, 20. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Freitag. Im Adamellogcbiet besetzten unsere Truppen den Gipfel der Hohen Sarca und die benachbarten Höben, nahmen dem Feinde gegen 30 Gefangene ab und machten reiche Beute an Material und Lebensmitteln. Zwischen dem Chiese und der Elsch lebhafte Tätigkeit der beiderseitigen Artillerien. In dem Abschnitt der Front zwischen der Etsch und dem Terrognoloiale räumten wir die Stellung auf der Zugna-Torta, die das dreitägige ununterbrochene Bom- bardcment eingeebnet hatte. Zwei heftige, auf einander folgende Angriffe gegen unsere Stellungen südlich der Zugna-Torta wurden mit sehr schweren Verlusten für den Feind zurück- geschlagen, dem wir auster Gefangenen auch ein Maschinen- gewehr abnahmen. In dem Abschnitt zwischen dem Terragnolo- tale und der oberen Astach setzte der Gegner mit zahl- reichen Batterien aller Kaliber sein heftiges Bombardement gegen unsere Verteidigungsstellung vom Monte Maggio bis Soglio d'ASpio fort. Um nutzlose Verluste zu vermeiden, wurde diese Linie geräumt. Unsere Truppen zogen sich in guter Ordnung auf dahintergelegene Stellungen zurück, wo sie sich verschanzen. Im Suganatal griff der Feind nach einem heftigen Artilleriefeuer, das die ganze Nacht zum 18. Mai hindurch dauerte, am frühen Morgen unsere Stellungen vom Maggiotal bis zum Monte Collo an, wurde aber überall zurückgeschlagen- Unsere Artillerie bom- bordierte Jnnichen und Sillian im Drautale. Auf der übrigen MMg m ßnW HWWMS. Amtlich. Großes Hauptquartier, 2v. Mai 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. In den Argonncu drangen deutsche Patrouillen nach eigenen Sprengungen bis in die zweite feindliche Linie vor. Sie stellten beim Feinde starke Verluste an Toten fest und kehrten mit einigen Gefangenen zurück. Gegen unsere neugewonnenen Stellnilgen beiderseits der Straße Haucourt— Esncs wiederholt gerichtete An- griffe wurden wiederum glatt abgewiesen. Fünf feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen, und zwar eines durch Jnfantericfeuer südöstlich von Vailly, die anderen vier im Luftkampf bei Aubreville, am Süd- rande des Hessenwaldes, bei Avocourt und dicht östlich von Vcrdnn. Unsere Flieger griffen feindliche Schiffe an der flan- drischcu Küste, Unterkunftsorte, Flughäfen und Bahnhöfe bei Dünkirchcn, St. Pol, Dixmude, Poperinghe, Amiens, Chalons und Suippes mit Erfolg an. Oestlicher Kriegsschauplatz. In der Gegend von Smorgon brachte ein deutscher Flieger nach Luftkampf ein russisches Flugzeug zum Absturz. Balkan-Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Ober st e Heeresleitung. « ßlugzeugangriff auf die englische Küfte. Berlin, 20. Mai. 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Reichstag. öl. Sitzung. Sonnabeud, den 20. Mai 1S16, vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstisch: Kommissare. Die zweite Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern wird fortgesetzt. Abg. Schiele(k.): Bei der Unterstützung der Familien der Kriegsteilnehmer sollte man nicht knausern und Mitzgriffe vermeiden. Steuerrückstände dürfen nicht darauf angerechnet werden. Auch soll man die Unter- stlltzung nicht entziehen, wenn noch kleine Ersparnisse vorhanden sind. Die sozialdemokratischen Anträge auf Aufhebung der Sparcrlasse lehnen wir ab.— Das Nachibackverbot ist eine Kriegsmatznahme, die im Frieden nicht schemalisch beibehalten werden kann.— Für die Uebcrleitung der Volkswirtschaft aus dem Kriegs- in den Friedenszustand ist die Inangriffnahme des Neubaues von Handels- schiffen überaus wichtig. Unsere Industrie ist ein blühender Baum, von ihr kann man sagen, nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern mutz.(Beifall rechts.) Ministerialdirektor Dr. Lewald: � Bei den Familienunterstützungen der 51riegsteilnehmer kommen naturgemäh Unstimmigkeiten vor, doch ist vielen Beschwerden durch die letzte Verfügung des Bundesrats vom 21. Januar d. I. abge- bolfen. Die Formulierung der Resolution, datz die Bedarfssätze so bemessen sein sollen, datz unter der Berücksichtigung der Teuerung, Ernährung, Bekleidung und Wohnung gesichert sind, scheint mir be- denklich und unklar. Eine Anrechnung" der von Arbeitgebern frei- willig gezahlten Sätze auf die Reichsunterstützung ist unzulässig. Abg. Mumm(Deutsche Fraktion) wünscht, datz die Demobilisation ebenso unter dem Zeichen der Alkoholfreiheit stehen soll, wie es bei der Mobilisation der Fall war, und spricht sich für den Sparzwang der Jugendlichen aus. Abg. Stadthagen(Soz. Arbg.): Die BundeSratsverordnung vom Januar 1910 über die Familienunterstützung wird noch vielfach nicht richtig aus- geführt. Selbst der Regierungspräsident in Potsdam hat einer Kriegerfrau den Bescheid gegeben, es gebe nach der Verordnung keine Beschwerde gegen die Entscheidung der Lieferungsverbünde. Das widerspricht dem klaren Wortlaut der Verordnung. Wie mutz es erst drautzen auf dem Lande aussehen, wennschon in Potsdam so wenig Kenntnis einer eben ergangenen Bundesratsbestimmung besteht. Der Resolution aus Ausdehnung der Familicnunterstützung stimmen wir natürlich zu wie auch den anderen Resolutionen mit Ausnahme der einen, die eine Rcichshilfe für die deutschen Reedereien zum Neubau von Handelsschiffen verlangt. Wir sind die letzten die dagegen stimmen würden, wenn man allen durch den Krieg Ge- schädigten helfen wollte, aber wir sehen nicht ein, warum gerade die doch nicht zu den Aermsten gehörenden Reeder eine Reichsunterstiitzung bekommen sollen, solange nicht die geschädigten Kriegsteilnehmer»nd Nichtkriegsteilnehmer, die einen relativ grvtzeren Schaden erlitten haben, entschädigt sind.— Vor allem verlangen wir Beseitigung der Be- schränkungen, die der Arbeiterschutz seit Beginn des Krieges erlitten hat. Insbesondere bedürfen die Jugendlichen des Schutzes. Dem, was die Vorredner über das Z w a u g s s p a r s y st e m gesagt haben, kann ich nicht zustimmen. Die Klagen über die angebliche Verrohung und Zügellosigkeit der Jugend sind so alt, wie sie unberechtigt sind. Die heutige Jugend ist autzerdem sicher nicht schlechter, sondern besser als die frühere. Man verlangt Matzhalten von der Jugend. Die Klagen der Herren erinnern an den Ausruf:„O Jugend, Jugend, wirst Du nie der Freude reines Matz bezirken?" Den Herrn Oertel, Schiele, Mumm gibt auf solche Klagen über Exzesse der Jugend derselbe liebenswürdige Herold, dem ich diese Worte entliehen, die Antwort:.O Hoheit. Hoheit, wirst Du nie v er- n ü n f t i g wie allmächtig wirken V Aber die Jugend ist die Zeit des Wachstums, des Slrebens nach Vollendung, nicht die Zeit der Reife und der Vollendung. Man soll� in die Jugend hineinpflanzen das Streben nach Selbständigkeit, nach frischem Mut stir höhere Ideale, nach Solidarität, nach Menschen- Veredelung. Aber man soll ihr nicht mit Bevormundung kommen. Ich bedauere die Jugendlichen, die stets in ihrem Leben Maß ge- ballen haben, bedauere die Philister und Duckmäuser, die schon als Jugendliche immer Maß gehalten haben. Wer Charaktere haben will, muß wünschen, daß die Jugend in das Leben hinein- gezogen, datz sie selbständig wird, aber nicht durch solches Bevormunden gegängelt wird. Deshalb soll man alle Veranstaltungen unterstützen. die darauf ausgehen, die körperlichen und geistigen Eigenschaften der Jugend auszubilden. Wer die Selbständigkeit der Jugend beein- trächtigt, versündigt sich an dem kostbarsten Gute des Volkes. Gerade die Arbeiterjugend, und gegen sie allein richten sich die Aus- nahmebestimmungen, strebt nach Vervollkommnung ihrer geistigen Lebensüetätigung. Die junge Welt ist dankbar, wenn ihr die Aelteren dabei die Wege weisen. Fort mit allen Bestimmungen, die den Jugend- lichen das gemeinsame Turnen, das Wandern, die Betätigung in Jugendheimen erschwert. Gerade jetzt während des Krieges ist es völlig verfehlt, den Jugendlichen mit solchen Strasbestimmungen zu kommen, wie man sie ihnen an- gedroht hat für Theaterbesuch, Zigarettcnrauchen usw. Wen» ein solcher Jugendlicher bestraft wird, so ist das ein Unheil für fein ganzes Leben. Dadurch wird der Trieb zur Heimlichkeit, zur Lüge, zur Unwahrheit in die Seelen der Jugendlichen gepflanzt. Daher verlangen wir die Aufhebung all solcher Straf- bestimmungen, wie sie von GeneralkomnmndoS ergangen sind, und auch die Beseitigung der Sparzwangcrlassc, wie sie insbesondere in Kassel, in den Marken und inr Bereich des 10. Armeekorps ergangen sind.— Der Redner geht auf die einzelnen Bestimmungen der Erlasse näher ein. Die Erlasse sollen angeblich dazu dienen, die Jugendlichen vor vergnügungssüchtigem Leben zu bewahren. Aber verführt denn ein arbeitsloses Einkommen nicht viel niehr zu leichtsinniger Verschwendung als ein erarbeitetes Ein- kommen? Wenn es im Interesse der öffentlichen Sicherheit liegen soll, daß gegen Verschwendung und Vergnügungssucht vorgegangen wird, warum gehen dann die Generalkominandos nicht auch vor gegen die Studenten, die jungen Offiziere, die aus dem Vermögen ihrer Eltern ein Leven führen, das ich ihnen nicht verkürzen will, das man aber sicher mehr als vergnügungssüchtig bezeichnen kann, als das Leben der Arbeiterjugend.(Sehr wahr I bei der Soz. Arbg.) Darin liegt eine Verachtung der Arbeit. Der Erlaß im Bereich des 10. Armeekorps bedeutete eine starke Beschränkung der Freizügigkeit der Jugendlichen� Es wurde ihnen bei Strafe verboten, sich für die Dauer des Krieges aus dem Bereich des 10. Armcckorpsbezirks zu entfernen.(Hört! hört! bei der Soz. Arbeitsg.), wenn nicht etwa ein Wegzug der Eltern erfolgte oder die jugendlichen Arbeiter zu Montagearveiten nach auswärts geschickt wurden. Autzerdem sollte den Jugendlichen unter 18 Jahren nicht mehr als 10 M. von dem verdienten Wochen- lohn und den Jugendlichen von 18 bis 21 Jahren autzerdem nicht niehr als ein Drittel des Mehrverdienstes ausgezahlt werden. Der überschießende Teil sollte von dem Unternehmer bei einer Spar- lasse eingezahlt werden. Als dieser Erlatz erschienen war, hat sich wohl der Befehlshaber für das 10. Armeekorps selbst gesagt: das läßt sich ein anständiger Mensch nicht gefallen. Wenn die Jugend- lichen in Hannover oder gar in Braunschweig Charakterstärke haben, so werden sie Mittel finden, um diesem Erlaß zu trotzen. Daraufhin geschah folgendes: Der Erlaß datiert vom 22. April. Er sollte am 1. Mai in Kraft treten. Am 28. April wurde eine neue Verordnung erlassen, die die Beschränkung der Freizügigkeit sofort in Kraft setzte, also die Jugendlichen zu Gefangenen des 10. Armeekorps machte, während der Sparzwang nach dieser Verordnung erst am 1. Mai eintreten sollte. Natürlich hat dieser Erlaß in Hannover und Braunschweig unter den Jugend- lichen und unter den Erwachsenen, unter allen denen, die für Arbeit und Achtung der Arbeit sind, die hellste Empörung hervor- gerufen. Eine große Anzahl Jugendlicher haben sofort ihre Arbeit niedergelegt und auch Erwachsene schloffen sich dem Streik an. Die Gewerkschafiskartelle in Braunschwcig und Hannover traten mit dem Oberkommando in Verbindung wegen Aufhebung des Erlasses. Das Generalkommando er- klärte, es solle der auszuzahlende Betrag von 10 auf 24 Mark erhöht werden, wenn die Arbeit sofort aufgenommen werde. Die Hannoverschen Jugendlichen begnügten sich damit.(Abg. Brey(Soz.j: Das stimmt nicht!) Herr Kollege Brey, wenn Sie es besser wissen, können Sie es nachher schildern, ich habe nichts dagegen, dann melden Sie sich zum Wort. Meine Schilderung entstammt den Zeitungen. Im„Vortvärts" war dieser Bericht von der Zensur nicht zugelassen. Am Dienstag, den 2. Mai, wurde die Arbeit in Hannover wieder aufgenommen. Erregt blieben die Hannoverschen Arbeiter selbst- verständlich. Die Braunschweiger Arbeiter erklärten aber: Nein, diese Erhöhung von 10 auf 24 M. genügt uns nicht. Wir erachten als das schlimmste die Mißachtung unserer Persönlichkeit, die Be- schränkung der Freizügigkeit. Wir nehmen die Arbeit nicht«her auf, als bis die Verordnung vollkommen ausgehoben ist. D i e Zahl der Streikenden wuchs auf über 1000. Dazu kam Aufregung auf dem Lebensmittelmarkt, in die die erwachsenen Arbeiter hineingezogen wurden. Die Behörden in Braunschweig baten dringend, sie mögen doch die Arbeit wieder aufnehmen. Die erwachsenen Arbeiter erklärten dagegen, daß sie sich an dem Streik beteiligen würden wegen der Bedrohuirg der Menschenrechte. Es wurden die Brannschweiger erwachsenen Arbeiter dringend gebeten, hier einzugreifen. Es wurde auch die Redaktion des Braun- schweiger„Volksfveuird" ersucht, und auch mehrere angesehene Parteifreunde von mir. Aber auch die erklärten, daß ohne volle Aufhebung der Verordnung nicht daran zu denken sei, daß Ruhe geschaffen werden könne. Schließlich ging der Redakteur des„Volks- freundes" Wesemeier mit einer Deputation nach Hannover zum Generalkommando, verlangte Aufhebung der Sparzwangverordiiung und erklärte, datz vor Aufhebung an eine Beseitigung des Streiks nicht zu denken fei. Auch das Braunschweiger Gewerkschaftskartell habe eine scharfe Resolution gegen die Sparzwang-Verordnung er- lassen und autzerdem scharfe Matznahmen gegen die Lebensmittel- not. Da wurde am 4. Mar von dem Oberbefehlshaber erklärt, er werde diese Verordnung vollständig aufheben. Das wurde nach Braunschweig durchtelephoniert. Nun erklärten die Arbeiter, datz sie am ö. Mai die Arbeit wieder aufnehmen würden. Am ö. Mai erschien dann eine Verordnung des Generalkommandos, die dahin ging: „Hannover, den 15. Mai 1910. Infolge der erneut gesteigerten Teuerungsverhältnisse ist die Durchführung der Verfügung vom 22. April 1910 betr. den Spar- zwang der Minderjährigen auf besondere Schwierigkeiten ge- ftohen. Ich setze die Verfügung daher biK auf weiteres auher Kraft. Ter Kommandierende General: gez.: von Linde-Suden." Danach kann also die Verordnung jeden Tag wieder in Kraft treten. Deshalb ist es dringend erforderlich, datz der Reichstag sich gegen eine solche Drangsalierung der Arbeiter wendet. Diese Verordnungen vetstotzen gegen die Gewerbeordnung, gegen den Arbeiter'schntz und gegen die Reichsverfaffung. Nach der neulichen Erfahrung scheint ja allerdings der Reichstag auf dem Standpunkt zu stehen: Wo Ungesetz gesetzlich waltet, da ist der Reichstag ausgeschaltet.(Heiterkeit.) Auf jeden Fall verstößt die Verordnung gegen die Bestimmungen, nach denen eine Einhaltung des Lohnes unter Strafe gestellt ist. Das Existenzminimum des eiiv zclnen Mannes wird hier den Arbeitern genommen. Eine Lohn einbehaltung verstötzt auch zweifellos gegen die guten Sitten. Im alten und neuen Testament sowie in der Enzyklika des Papstes vom 17. Mai 1891 wird sie als Sünde bezeichnet, die zum Himmel schreit. Weiter wird der Grundsatz zur Gleichheit vor dem Gesetz durch die Ver- ordnungen verletzt, sonst müßten sie auf alle Minder- jährigen, nicht bloß die Arbeiter ausgedehnt werden. Sie sind auch sehr unzweckmäßig. Man will Eigentumsvergehen dadurch bcjciligeu, daß man die jungen Leute in Mangel versetzt, während doch gerade die Ursache der meisten Eigentuinsvergehen in einem Mangel an Eigentum liegt. Die Verordmmg läßt die Armen schuldig werden, dann überläßt sie sie der Pein. Wenn man den Berichten der mit der Jugendfürsorge Betrauten nachgeht, so findet man nicht erschreckend, was man bei der heutigen Jugend sieht, sondern höchst erfreulich. So heißt es in einem Bericht, daß die Jugendlichen viel- fach an die Pflicht gemahnt werden mützteir, an die eigene Zukunft zu denken und nicht nur die Eltern zu unterstützen. Wer der Jujjend helfen will, darf ihr Streben nach Selbständigkeit nickt unterbinden. Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern mutz. Das gilt auch für die Jugendlichen. Selbständigkeit und Charakter soll man der Jugend nicht zu nehmen versuchen durch Verfügungen von Generalkommandos. Ich bitte, unserem Antrag zuzustimmen und sich nicht hinter der Formalie zu verschanzen, als ob Sie nicht das Recht hätten, Aufhebung von Ver- fügungen von Generalkommandos zu verlangen.(Beifall bei der Soz. Arbg.) Abg. Schmidt-Meißen(Soz.): Die Erklärung des MinisterialdireltorS in bezug auf das Nachtbackverbot, es würde bei Schluß des Krieges keine Lücke im Gesetz eintreten, kann uns nicht genügen. ES mutz jetzt schon eine gesetzliche Regelung erfolgen, damit sich die Bäckereien darauf einrichten können. In bezug auf den Wunsch, den 8 1300 der Neichsversicherungsordnung durch einen Zusatz zu erweitern, datz im Krieg und im ersten Jahr nach Friedensschluß, falls der Tod des Ehemannes infolge des Krieges nicht festgestellt werden konnte, die Frist mit dem Tag beginnt, an welchem der Witwe der Tod auf dem Dienstweg bekanntgegeben ist, ist die Regierung durch eine Verfügung entgegengekommen, die jedoch nur die Angehörigen der bewaffneten Macht zu umfassen scheinen. Wie soll es z. B. mit denjenigen Verschollenen stehen, die auf Handelsschiffen angestellt waren?— Jnbetreff der Familien unrer st ützung der Kriegsteilnehnrer herrscht nach deni Ministerialdirektor ein be- medigendcs Verhältnis. Das ist keineswegs der Fall, auch jetzt be- stehen noch eine Unmenge Beschwerden. Das Reich wälzt die Lasten auf die Lieferungsverbände und Gemeinden ab, die oft gar nicht dazu in der Lage sind. Man berücksichtigt nicht, was eine Kriegerfamilie zum Leben braucht, sondern aus- schlaggebend ist die finanzielle Lage der Gemeinde. Da§ zeigt sich in einer Reihe ganz krasser Fälle. Vielfach treibt man von den Unterstützungen die Steuerrücksiände mir Nachdruck ein.(Hörv! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man sogt den Frauen, sie sollen arbeiten gehen. Ganz abgesehen davon, datz es vielfach keine Arbeit gibt, find viele Frauen auch schon wegen ihrer Kinder gar nicht in der Lage dazu. Im Landkreise Görlitz hat man zum 1. April die Unterstützungen sogar noch gekürzt.(Lebh. Hört! hört! b. d. Soz.) Leute, die das tun, können die Folgen gar nicht übersehen oder sind von allen guten Geistern verlassen.'(Lebh. Sehr richtig! bei den Sozialdemökr.) In rigorose st er Weise treibt in an die Kriegersrauen aus der Wohnung. Das Niederlansitzer Kohlenbergiverk z. B. tut es, weil eine Frau auf einer anderen Grube arbeitet. Eine andere Firma kündigte einer Frau die Wohnung, als der Mann eingezogen wurde, und wollte die Kün- digung nur zurücknehmen, wenn die Frau sich verpflichtete, für70Ps. zu arbeiten.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Datz gerade die Landkreise diese mangelhafte Fürsorge zeigen, ij: um so weniger zu verstehen, als die Landwirte während des Krieges keine Not leiden, sondern glänzende Geschäfte mackien.(Sehr wahr! bei den Soz.) Was soll eine Familie von drei Kindern wobl mit 12 bis 15 M. pro Woche anfangen, oder gar, wenn sie nur Reichs- Unterstützung hat, mit 9 M., das find 82 Pf. für den Kopf.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Es mag unangenehm klingen, daß eine ganze Reihe von Kricgcrfamilicn hungern muß, aber bestreiten läßt es sich nicht.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler sagte, er bcivundere den Opfermut der ärmeren Klassen in dieser schweren Zeit und svrach von dem stillen Heldenmut der Kriegerfrauen. Wer das anerkennt, hat die Pflicht, ihre Not zu mildern. Und Besserung ist möglich. Es sind n i ch t d i e Engländer mit ihrer Aus- h n n g e r n n g S p o l i t i k, die das Los der Kriegerfamilien so traurig machen, es ist vielmehr die mangelnde Hilfe im Inland. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Alle Er- Mahnungen der ReichSregierung und der Einzelregiernngen haben nichts genutzt. Sofort nach der letzten Erhöhung der'Reichssätze haben eine ganze Reihe von Genieinden, namentlich in Landkreisen, ihre bisherigen Sätze gekürzt.(Hört, hört! bei den Sozial- demokraten.) Auf unsere wiederholte Kritik hat man ans die auf- gewendeten Gesamtsummen verwiese». Gewiß sind sie groß, aber man darf nicht die lange Dauer außer acht lassen und mutz die Summe der Bedürftigkeit der Kriegerfainilicn zum Vergleich heran- ziehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb müssen wir der Resolution zustimmen, die genügende BedarsSsätze verlangt und weiter einer Erhöhung des an die Bundesstaaten gewährten Reichszuschusses. In der Kommission sagte der Ministerial- direktor Lewald, die ReichSregierung werde im Sinne dieses Antrages wirken. Heute sagte er nur, er wolle ihn zur Prüfung empfehlen. Hoffentlich steht er noch auf demselben Boden wie'in der Kam- Mission. Eine durchgreifende Besserung kann nur eintreten, wenn das Reich weit mehr als bisher hilft und auch für eine energiswc Durchführung sorgt.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Da§ wäre nur ein bescheidener Dank für die ungehenren Opfer, die die Ernährer der Familien auf den Schlachtfeldern bringen.— Angesichts der � Teuerung können auch die Invaliden- und Altersrentner nicht mehr durchkommen, auch eine ausreichende Erhöhung der Witwen- und Waisenrente ist notwendig. Gleich den Kriegerfranen sucht man auch die arbeitslosen Textilarbeiter durcki Entziehung der Unterstützung zur Arbeit zu zwingen. Sie sollen sich acht Monate lang zu landwirtschaftlicher Arbeil fern von der Heimat verpflichten. Auf eine Beschwerde des Textilarbeiterverbandes bei einer Bielefelder Firma kam die Antwort, eine solche Neuerung müsse sich erst einbürgern. Hier wäre es Sache der ReichSregierung, einzugreifen. Ich hoffe, datz sie erklären wird, daß sie mit diesem Vorgehen nichr einverstanden ist. Auch der Textilarbeiterberband bemiibt sich, Arbeiter für die Landwirtschaft zu erhalten. Aber die Herren Landwirte machen das nicht leicht. Beschimpfungen der arbeitenden Frauen sind an der Tagesordnung und wenn sich ein Mädchen dagegen wehrt, wird es auf'manchen Gütern mit dem Knüppel bedroht. So sehen die vielgepriesenen patriarchalischen Verhältnisse auf dem Lande in'Wirktichkeü aus: Arbeiten von morgens 5 bis abends 8 bei mangelhafter Ver- pflegung und beschimpfender Bebandlung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man soll bei Arbeitsverweigerung stets gründ- lich prüfen, was schuld daran ist, che man zu der härtesten Strafe in der Entziehung der Illiterstiitzung greift. Rigoros geht man auch mit Ausweisungen gegen Frauen vor,'die durch ihre Heirat österreichische Staatsangehörige geworden sind. Was wird denn mit den Familien der österreichischen Krieger, deren Ernährer fällt? Die Hiiiterbliebeneiirente ist in Oesterreich be- deutend geringer als bei uns. Bei der heutigen Praxis ist eine allgemeine Ausweisung dieser Kriegerfamilien zu befürchten. Die Regierung sollte frühzeitig Schritte einleiten, um das zu verhindern. Ileberhaupt sollte mit dieser eines Kulturvolks unwürdigen Auö- weisuugSpraxis gebrochen werden. Gerade mit Oesterreich sollte man sich doch leicht verständigen können.(Zustimmung bei den Soz> Wenn Arbeitskräfte vermittelt Iverden, so zieht man ihnen eine hohe Vermittlungsgebühr und die Fahrkosten von ihrem Lohne ab. Auch das ist ein unhaltbarer Zustand, dem die Regierung ein Ende machen sollte. Von den schönen� patriarchalischen Verhältnissen auf dem Lande merken die Landarbeiter wenig. Die Gesindeordnung mutz endlich beseitigt werden. Der Unwille gegen diese Zustände mutz sich steigern. wenn die Landarbeiter aus dem Kriege zurückkehren. Sie werde» ihre Rechtlosigkeit dann noch bitterer empfinden.(Lebhaflcr Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hitze(Z.): Den Zweck der Sparzwangserlasse billigen wir und können für ihre Beseitigung nicht stimmen. Bei Mutter- und Säuglingöschutz sind wir im Ziele einig, doch können diese Fragen kaum durch ein Reichsgesctz geregelt Iverden. Das Wettlaufen der Parteien mit einer möglichst großen Zahl sozialpolitischer Anträge hat keinen Zweck. (Zustimmung im Zentrum.) Abg. Bassen»»«»(natl.): Die prinzipielle Regelung des Mutter- und SäuglingSschutzes, wie sie der Antrag Bernstein wünscht, halte auch ich für wünschens- wert. Die Mittel gegen den Geburtenrückgang liegen vor allem in einem besseren Muller- und Säuglingsschutz. Sehr wichtig ist auch die Aufklärung der heranwachsenden Jugend über die Gefahren der Geschlechtskrankheiten. Dem Antrag Hitze, alle Fragen, die mit der Bcbölkerungspolitik zusammenhängen, in einem besonderen Ausschuß zu beraten, stimme ich zu! ich beantrage, dieser Kommission aucki den Antrag Bernstein zu überweisen und die Kommission ans 28 Mitgliedern zusammenzusetzen.(Bravo!) Abg. Bartschat(Vp.) stimmt diesem Antrag Bassermann-Hitze zu und befürwortet einen Antrag, die Verteilung des freigegebenen Leders den Schuhmacher- mnungen zu überweisen. Abg. Werner-Hersfeld(Deutsche Fr.): Der Sparzwang ist sehr vernünftig.— lieber Ungerechtigkeiten bei Auszahlung der Familienunterstütznng sind auch uns Klagen zu- gegangen. Abg. Irl(Z.) tritt für weitestgehende Kreditgewährung an durch den Krieg ge- schädigte Handwerker und Geiverbetreibende ein. Durch die Lie- fcrungsgeiiossenschaften sollten solche Handwerker bei den Lieseruugcn für das Reich besonders berücksichtigt werden. Abg. Brühnc(Soz.): Wir Sozialdemokraten tun alles, um die Jugendlichen zu er- ziehen und wir können auch sagen, datz gerade die Angehörigen unserer Jugendbewegung ihr sauer verdientes Geld nicht leichtsinnig ausgeben, londern zur Unterstützung ihrer Eltern verwenden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokralen.) Der Sparzwang wäre höchstens berechtigt, wenn er sich gegen alle Jugendlichen, nicht aber nur gegen die Arbeiter wendete.—' Die 1,50 M. VcrpflegungSgcld für Soldaten, die ans Urlaub sind, iverden noch immer in einzelnen Fällen verweigert.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das muß Erbitierung Lei bcit Leuten erzeugen.— DaZ Handwerk ist heute sicher am schlimmsten daran, isehr viel Geschäfte mußten geschlossen werden. Ohne staatliche Hilfe werden viele kleine Existenzen zu- gründe gehen müssen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Eine Anzahl Betriebe gibt es allerdings auch, die im Kriege ein glänzendes Geschäft gemacht haben. Zum Teil liegt das auch an den kolossalen Preistreibereien der Militär- Verwaltung im Anfang des Krieges. An 48(KX) Häuten sind z. B. in einem Falle in vier Monaten 4 Millonen verdient ivorden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Heute kommen viele Schuhmacher ins Elend, weil sie kein brauckbares Leder be- kommen. Hier muß die Kriegsledergesellschaft Abhilfe schaffen. Nur eins kann uns aus dieser ganzen Misere heraushelfen, das ist ein recht baldiger Frieden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Göttig(natl.): Der Sparzwang ist durchaus berechtigt. Der Hinweis auf die Jugendlichen der besitzenden Klaffen trifft nicht zu. Diese sind gerade unselbständig, können als Minderjährige keine Verträge schließen, während das Korvelat der Arbeit der Jugendlichen gerade ihre Selbständigkeit ist, sie können Verträge schließen und verfügen frei über ihre Einnahmnen.(Abg. Stadthagen sSoz. Arbg.j: Keineswegs!) In Braunschweig ist es wohl kaum der Sparzwäng allein, der zu solcher Erregung geführt hat. Abg. Stücklen(Soz,): ES ist sehr notwendig, etwas über die Besoldung der Zivil- beainten in den besetzten Gebieten zu sagen. Die viel besprochene Kriegsbesoldungsordnung ist dagegen noch ein Muster von Spar- samkeit. Die oberen Beamten beziehen Tagegelder von 33 M., dazu aber noch ihr Heimatsgehalt, WohnungSgeld und andere Zulagen. Ein Herr, der in der Heimat 10 000 M. Gehalt hat, hat draußen 'JOSOO M. Ein Assessor mit 3000 M. Gehalt hat draußen Zuschüsse von 6000 M. Auf die jüngeren Herren, die draußen 9—•10 000. M. beziehen, sollte mm, einen Sparzwang ausüben, daß sie etwa? für spätere Zeit zurücklegen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die von der Negierung beabsichtigte Reform ist das Muster einer Reform, wie sie nicht sein soll. Für die oberen Beamten werden monatliche Zuschüsie von 600 M. beabsichtigt, für die mittleren von 350 M.. für die Schutzleute 230 M. Die Verwaltungsckefs erhalten Zuschüsie bis 7200 M. und der Staatssekretär soll das Recht haben, über diese Sätze noch hinauszugehen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Das muß der Willkür freie Bahn schaffen. Aus den Proviantämtern sollen sie die Waren zu mäßigen Preisen erhalten Nun wird auch noch freie Fahrt auf den Eisenbahnen für sie angestrebt. Das kann nur den Zweck haben, den Herren aus kleinen Orten häufigere Fahrten nach den Großstädten zu ermöglichen, denn die Dienstsahrten werden ihnen ja bezahlt. Unsere unteren Beamten Wommen lächerlich geringe Teuerungszulagen; hier aber stecken Äne Reihe von Leuten Summen ein. deren Berechtigung nicht anerkannt werden kann. Diese Herren sind keineswegs besonderen Gefahren ausgesetzt und auch nicht mit Arbeit überlastet, wie es etwa bei den Aerzten der Fall ist, bei denen Seuchenzulagen angebracht wären. Von dem, was hier geschieht, hatte der Reichstag bisher keine Kenntnis. Er muß jetzt zum Aus- druck bringen, daß er hier Ersparungen wünscht. Flandern steht unter Militärverwaltung. Trotzdem sind dort eine Reihe Zivil- beamten installiert, die hohe Gehälter beziehen, aber absolut nichts zu tun haben und in absehbarer Zeit auch nichts zu tun haben werden. Wenn die Herren sich, wie man sagt, auf ihre künftige Tätigkeit in Flandern vorbereiten, so müssen die Steuerzahler diese Art Vorbereitung sehr teuer bezahlen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor Tr. Lewald: Von dem Gelde deutscher Steuerzahler wird kein Heller aus- gegeben für die Verwaltung der besetzten Gebiete, sie wird lediglich aus Mitteln geführt, die aus den besetzten Gebieten selbst aufgebracht werden. Solange diese Gebiete besetzt sind, ge« hören die Fragen der Beamtenorganisation und der Beamtengehälter in ihnen nicht zur Zuständigkeit des Reichstages. Mit diesem Vorbehalt ist der Reichskanzler gern bereit, nähere Aufklärung zu geben. Die Beamten in den besetzten Gebieten find keineswegs glänzend bezahlt. Sie dürfen ihre Familien nicht mitnehmen, die dock auch leben inüssen. So billig wie jetzt sind die besetzten Ge- biete noch nie verwaltet worden. Ich will gar nicht von der russischen Verwaltung Polens sprechen, auch Belgien spart jetzt die Kosten für das Parlament(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Spar- zwang ff, für zehn Minister, für neun Gouverneure.(Abg. Lede- bour sSoz. Arbg.j: Auch wir könnten zwanzig Fürsten entbehren!— Vizepräsident Dave ruft den Abg. Ledebour zur Ordnung.) Herr Stücklen unterschätzt auch das Maß von Arbeit, das in den besetzten Gebieten geleistet wird. Auch darf man nicht übersehen, daß die Beamten dort repräsentieren, daß sie des Deutschen Reiches würdig austreten müssen. Auch in Flandern ist ein Teil der Verwaltung von Zivilbeamten übernommen; es ist nicht richtig, daß diese Herren sich nur vorbereiten und nichts zu tun haben. Abg. Stadthagen(Soz. Arbg.): Die Verwaltungsfragen in den besetzten Gebieten gehören zweifellos zur Kompetenz des Reichstags. Die Hinweise auf die teuren Verhältnisse in Warschau usw. stehen im schreienden Gegensatz zum Sparzwang für die Arbeiter. Auch diese leiden unter der Teuerung. Herrn Götling muß ich entgegenhalten, daß rechtlich jugendliche Arbeiter und jugendliche Studenten usw. völlig gleich- stehen. Der§ 113 des BGB. sagt nur, daß, wenn Jugendliche er- mächtigt lverden, in Dienst oder Arbeit zu treten, sie für solche Rechtsgeschäfte unbeschränkte Geschäftsfähigkeit erhalten. Herr Vötting übersieht vor allem, daß durch die Sparzwangerlaffe auch den Eltern die Verfügung über den Verdienst der Jugendlichen entzogen wird.— Daß man die Jugendlichen zur Selbständigkeit erziehen muß, ist klar. Aber wer ihnen die Möglichkeit, sich geistig und körperlich zu ver- edeln, durch Wegnahme des Geldes nimmt, versündigt sich an den Jugendlichen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dove(Vp.) bestätigt als Mitglied des Wirtschaftsausschusses für die besetzten Gebiete in Polen die Ausführungen des Ministerialdirektors und betont die große Arbeit, die von den Beamten draußen ge- leistet wird. Abg. Stückle«(Soz.): Ich habe gar nicht behauptet, daß die Beaniten in den okku- Vierten Gebieten nichts tun. Aber zweifellos sind auch Beamte draußen, deren Arbeitskraft nicht voll ausgenutzt wird. Da die An- gelegenheit dem Reichsamt des Innern untersteht, ist der Reichstag ganz zweifellos zuständig.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Billiger wie ftüher wird gewiß jetzt in Polen gewirtschaftet, eö wäre auch noch schöner, wenn wir dort eine Verwaltung nach russischem Muster einrichteten, wo betrogen und gestohlen wurde, wie alle Welt weiß. Der springende Punkt ist das Mißverhältnis zwischen der Höhe der Gehälter und der Zuschüsse. Daß die Ge- bälter zu hoch sind, gibt die Verwaltung selbst durch den Vorschlag einer Reform zu, deren Sätze ich auch noch für zu hoch halte. Man sollte zu den Heimatsgehältern einen prozentualen Zuschlag in vernünftigen Grenzen machen. Richtig ist, daß die Verwaltung nicht von den deutschen Steuerzahlern bezahlt wird. Aber eine' gewisse Rücksichtnahme auch auf die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung der besetzten Gebiete ist durchaus am Platz.(Leb- Haftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor Dr. Lewald: In der ausländischen Preffe wird der lügenhafte Versuch unter- nommen, es so darzustellen, als wenn die deutsche Verwaltung aus den besetzten Ländern große Summen herauspreßt, ohne etwas dort zu leisten. Ich danke Herrn Dove für seine richtige Darstellung der Verhältnisse. Ganz entschieden muß ich zurückweisen, daß wir dort überflüssige Beamte haben. Es wird mit einem geringen Apparat so viel wie irgend möglich ist geleistet. Abg. Haas(Vp.): Die von Herrn Stücklen gemachten Ausführungen müssen einen schlechten Eindruck bei der Bevölkerung Polens erwecken, die unter allen Umständen, auch wenn die besetzten Gebiete zurückgegeben werden, eine gute Erinnerung an deutsche Arbeit und deutsche Ver- waltung bewahren wird.(Beifall bei der Volkspartei.) Abg. Götting(natl.) hält seine Behauptungen gegenüber dem Abg. Stadthagen aufrecht. Abg. Stücklen(Soz.): Ich verwahre mich dagegen, daß ineine Ausführungen eine Be- stätigung der Vorwürfe sein sollen, die der Minesterialdirektor angedeutet hat.— Eine große Beschränkung der Beamten in den besetzten Gebieten würffchs ich auch nicht, aber alles mit Maß und Ziel. Daß die Bezahlung gegenwärtig zu hoch ist, wird durch die geplante Reform von der Regierung selbst zugegeben.(Sehr richtig!) bei den Sozialdemokraten.) Abg. Fegter(Vp.) rühmt die Verhältnisse unter der deutschen Verwaltung Polen?. Damit schließt diese Debatte. Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Montag 12 Uhr. Schluß �46 Uhr._ politische Ueberstcht. Ter„Mammut"-Etat vor dem Reichstage. Arn gestrigen Sonnabend ging im Reichstage die De- batte über das Reichsamt des Innern weiter. Zunächst kamen Herr Schiele für die Konservativen und Herr M u ni m für die nougegründete Deutsche Fraktion zum Wort, die beide an den Sparz wangserlassen der komman- dierenden Generale gegen die Jugendlichen nichts auszusetzen fanden. Der Genosse Stadthagen ging daraus in sehr aussührlicher Weise besonders auf diese Frage ein und sch'l- derte dabei die Vorgänge in B r a>» n s ch w e i g, die den An- laß zur vorläufigen Aushebung des für den Ii). Armeekorps- bezirk erlassen gewesenen Sparzwangerlasses gegeben haben. Genosse Stadthagen kritisierte besonders die in diesen Er- lassen liegende, das Sel'bstbelvußtsein der Jugendlichen und ihrer Eltern aufs schwerste verletzende entwürdigende B e- vormundung nnd die damit verbundene B e s ch r ä n- k u n g der Freizügigkeit. Er wies dann nach, daß diese Erlasse durchaus ungesetzlich sind und forderte energisch ihre Aushebung. Der Genosse Sch mid t- Meißen, der als erster Redner der zlveiten Serie unmittelbar nach dem Genossen stadthagen sprach, vertrat in der Sparzwangsrage den gleichen Stand- Punkt und wußte in knapper und schlagfertiger Weise eine Reihe Einwände zu widerlegen, die gegen die sozialdemokra- tischen Forderungen erhoben worden waren. Mit großen: Nachdruck bekämpfte er besonders die enipörende Praxis mancher Gemeinden bei der Unterstützung arbeitslos geworde- ner Textilarbeiter, deren man sich zum Teil durch Aus- Weisungen und Einstellung zun: Heere zu entledigen sucht. An der Hand durchschlageirden Materials zeigte Genosse Schmidt weiter, wie es in Wahrheit bestellt ist mit den noch kürzlich im Reichstage von Herrn Oertel gerühmten„patri- archalifchen Verhältnissen" aus dem Lande. Die weitere Debatte drehte sich dann um die Frage des -Mutter- und-Säuglingsschutzes, dessen reichsge- setzliche Regelung von einem Antrage Bernstein der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft verlangt wurde. Ein Antrag Basserinann forderte die Beibehaltung der jetzi- gen R e i ch s w 0 ch e n h i l f e als Regelleistung der Kranken- kassen. Ein Zentrumsantrag Hitze wollte beide Anträge einer Kommission überweisen und noch eine Reihe ähnlicher Fragen damit verbinden. Herr Hitze, bekanntlich der erste Sozialpolitiker der Zentrums, sprach sich sehr warm für Mutter- und Säuglingsschub aus im Interesse der Volksver- mehrung, und auch Herr Bassermann und der Fort- schrittler Bartschat gaben ihrer Sympathien dafür Aus- druck. Genosse K u n e r t kam gestern nicht mehr zum Wort, um dM Antrag der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft näher zu begründen. In die Debatte über die Fragen der Volksgesundhcit hatte sich inzwischen eine kleine Mittel- standsdebatte eingeschoben, in der die bedrängte Lage der kleinen Gewerbetreibenden im Kriege zur Erörterung kam. Ter Antisemit Werner- Hersfeld, der Zentrums- mann Irl, der Genosse B r üb n e und der Nationallibcrale G ö t ti n g bestritten diese Debatte. In ihr fand auch die Sparzlvangdebatte noch einen Nachhall: der Genosse B r ü h n e verwies treffend darauf, daß die Sprößlinge der Besitzenden oft mehr Taschengeld vergeuden als zwei jugendliche Ar- beiter zusammen überhaupt Verdienst haben. Die bürger- lichen Redner, besonders Herr Götting, traten dagegen für den Sparzwang ein, weswegen ihm Genosse Stadt- Hägen eine kleine politisch-juristische Lektion erteilte. Am Schlüsse der Sitzung schnitt Genosse Stücklen ein sehr heikles Kapitel an, als er aus Grund genauen Zahlen- Materials aus die hohen Gehälter und N e b e n b e- züge der Bamten der Zivilvcrlvaltung in den besetzten Gebieten hinwies. Diese Darlegungen riefen-den Ministerialdirektor Dr. Lc Wald auf den Plan, der zunächst betonte, daß nicht die deutschen Steuerzahler, sondern die Bewohner der besetzten Gebiete diese Gehälter aufzubringen hätten und diese Gebiete wegen des Fortfalls der Gehälter für Minister, Parlament usw. so billig verwaltet würden wie nie zuvor. Genosse Stadthagen trat Herrn Ministerial- direktor Dr. Lewald entgegen und hob hervor, daß eine Ver- schlvendung der in den okkupierten Gebieten aufgebrachten Gelder ebensowenig zu billigen sei wie die der eigenen Steuer- zahler. Der Fortschrittler Dove glaubte Herrn Dr. Lewald beispringen zu müssen, worauf Genosse Stücklen nochmals das Wort nahm. Ihm antwortete wieder Herr Dr. L e- Wald und auch der Fortschrittler Haas, der in der Warschauer Zivilverwaltung beschäftigt wird, nahm diese gegen Stücklens Ausführungen in Schutz, desgleichen der Fortschrittlcr Fegter, nachdem Genosse Stücklen sie noch .einmal unterstrichen hatte. Dann vertagte das Haus um tyo Uhr die Weiterberatung auf Montag Mittag 12 Uhr. Staatssekretär a. D. Dr. Delbrück wird in F e n a seinen Wohnsitz nehmen; er hat dort bereits eine Villa gemietet. An der Jenaer Hockschule wirkt ein Verwandter von ihm, der berühmte Philologe Professor Dr. Berthold Delbrück. Wie die„B. Z.' erfährt, wird Siaatssekretär Delbrück eine Professur an der dortigen Universität annehmen und Vorlesungen über Staats- wiffenschaften halten. Keine Reichstagskandidatur Professor Onckens. Zur ReichstagSersatzwahl. im Landkreise Heidelberg- Eberbach- Mosbach hotte die Nationalliberale Korrespondenz vor einigen Tagen gemeldet, daß für den durch den Tod des Reichs- tagsabgeordneten Obkirchner erledigten Posten der Heidelberger Ge« schichtsprosessor Oncken als Kandidat ausgestellt worden sei. Wie jetzt das„Heidelberger Tageblatt" mitteilt, hat Professor Oncken den Vorsitz des Nationalliberalen Vereins offiziell niedergelegt, so daß seine Kandidatur überhaupt nicht in Frage kommen dürfte. Arbeiterfürsorge im Kaligesetz. Die Kommission behandelte am Sonnabend den§ 19, der von der Entschädigung von Arbeitern und Be- a m t e n handelt, die infolge der Uebertragung von Beteiligungs- ziffern beschäftigungslos werden. Es wird beschlossen, das Beamten und Arbeitern die wegen Uebertragung von Beteiligungsziffern auf einer anderen Arbeitsstelle Arbeit nehmen, die mehr als 6 Kilo- meter von dem bisherigen Wohnort entfernt ist, von dem über- tragenden Kaliwerksbesitzer die Umzugskosten gewährt werden müssen, sofern dies nicht von einer anderen Seile bereits geschieht. Zwei anders Anträge der Sozialdemokraten und der Unterkommission sollen der Spekulation in Kaliwerten entgegenwirken durch Verweigerung einer Beteiligungsziffer für neu errichtete Werke. Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt, der Antrag der Unterkommission durch eine Resolution Golhein ersetzt, die durch eine Bundesratsverordnung, auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 4. August 1914, die Angelegenheit geregelt wissen will. Dann wird folgende von der Sozialdemokratie eingereichte Re- solution angenommen: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß fiskalische und private Kaliwerke mit ihren Arbeitern tarif« liche Lobnvereinbarungen treffen und die Vertreter der gewerkschaftlichen Berufsvereine als Berater der Arbeiter hinzu- gezogen werden. Darauf wurde eine zweite Lesung beschlossen. Donau— Oder-Kanal. Eine Abordnung unter Führung des Wiener Bürgermeisters Weiskirchner und des Präsidenten des Zentralvereins für Fluß- und Kanalschiffahrt Dr. Ruß überreichte dem Handelsminister eine ausführliche Denkschrift, in der die Forderung vertreten und begründet wird, daß die Regierung den Bau eines Donau— Oder— Weich sei- Kanals mit eine m Stichkanal nach Brünn und im Anschluß an das deutsche Wafferstroßenuctz mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln fördern möge. Im Laufe der Be- sprechung wies Dr. Ruß auf die militärische Bedeutung eines Donau— Oder-Kanals, besonders aber auf die Forderung nach einem billigen Verfrachtungswege für die Versorgung mit Lebensmittel« und für die Rohstoffbehandlung hin. Von besonderer Bedeutung sei die Frage auch mit Rücksicht auf die zukünftige Gestaltung des Wirlschaftsverhältnisses Oesterreichs zu dem Deutschen Reich. Der beabsichtigte Bau eines deutschen Rhein— Donau- Kanals würde, wenn gleichzeitig nicht auch der Bau eines Donau— Oder-Kanals in Angriff genommen werde, eine große ver- kehrswirtschaftliche Benachteiligung der österreichischen Sudeten- länder zur Folge haben. Der Handelsminister erwiderte. daß die Kanalangelegenheit bereits wiederholt seitens der Regierung eingehend beraten wurde, und zwar auch während der KriegSzeil. Doch sei eine abschließende Stellungnahme der Regierung zurzeit nicht möglich. Der Minister betonte, daß im Kriege jede wahrhaft produktive Aktion auf volle Beachtung der Regierung zählen dürfe. er wies aber darauf hin, daß nach dem Kriege der Staatshaushalt mit der größten Sparsamkeit geführt werden müsse. vas tägliche örot. Fehler. Gleich der konservativen Presse wendet sich nun auch, die „Post" gegen die Vereinheitlichung der Eruährungs- maßnahmen. Das freikonservative Blatt muß zwar zugeben, daß es bei der Regelung der Lebensmittelversorgung überall gefehlt hat und daß sogar die Verordnungen des Bundesrates durch die Souderbestrcbungen untergeordneter Behörden durch- kreuzt worden sind. Es schreibt: „In dieser Beziehung sind beträchtliche Fehler be- gangen worden. Die Verfügungen des Bundesrates haben bei den ei nzel staatlichen Regierungen nicht durchweg die gebührende Hochachtung gefunden, p a r t i k u l a r i st i s ch e Jn'l er essen durchkreuzten wiederholt die gleichmäßige Be- Handlung des ganzen Reichsgebietes; viele Gemeindeverwaltungen legten in der Beschaffung der Nahrungsmittelvorräte eine arge Indolenz(Trägheit) an den Tag. vielleicht weil sie eS mit den örtlichen Handelsleuten nicht verderben wollten. Das Einschreiten gegen den Lebensmittelwucher und gegen die passive Zurückhaltung der Produzenten ließ oft viel zu wünschen übrig." Die„Post" gesteht also selbst zu, daß es dem neuen Reichsnahrungsmittelamt an Arbeit nicht fehlen würde. Trotz- dem bezweifelt die„Post" die Zweckmäßigkeit einer neuen Reichsstelle— aus Gründen, die indessen nicht ausgesprochen werden. Wahrscheinlich sind es gerade partikularistische Jnter- essen, die die„Post" bei ihrem Urteil leiten. In gewissen Kreisen fürchtet man eine Ausschaltung des preußischen Land- Wirtschaftsministeriums und die Stärkung der Reichsgewalt gegenüber den bundesstaatlichen Regierungen. Die„Post" tröstet sich schließlich mit dem Gedanken, daß alle Maßnahmen doch„eine voll befriedigende Lösung der Verpflegungsstörungen freilich nicht bringen werden, weil dieses Problem stets einen unverrechenbaren Rest hinterlassen wird, solange die Nahrnngs Mitteldecke für die Ernährung der Gesamtheit schlechterdings z u k u r z i st". Dieses Urteil paßt wiederum schlecht zu der Behauptung der„Post" von einer nur„zeitweiligen Knapp- heit und Teuerung". In Wirklichkeit leiden wir an allem: an absolutem Mangel einzelner Vorräte, an schlechter Orga- nisation bei der Verteilung des Vorhandenen und an Unter- lassung von geeigneten Maßnahmen zur Steigerung der Produktion._ Zentral- Erschwerungs- Gesellschaft. Die Zenlral-Einkaufs-Gesellschaft soll dem Namen nach die Auf« gäbe haben, für Einfuhr, Aufkauf und entsprechende Verteilung die Ernährung der Bevölkerung zu erleichtern. Uns scheint nach Ver- schiedenem, waS über ihre Tätigkeit bekannt geworden ist, sie führe ihren Namen zu Unrecht und müsse eher Zentral-Erschwerungs-Ge- sellschaft heißen. Kürzlich erst machte der Reichstagsabgeordnele Ge- noffe Wurm im Berliner Stadlverordnetenkollegium die Mitteilung, daß die Stadl Berlin in der Lage gewesen sei, 68 000 Ztr. Schmalz zu sehr billigem Preis im Auslande einzukaufen, daß sie aber an diesem Ankauf verhindert wurde. Eine erschöpfende Aufklärung, warum ist noch nicht erfolgt.— Fetzt erhalten wir aus Elberfeld Mitteilung über einen geradezu unglaublichen Fall von Erschwerung und Verhinderung notwendiger LebenSmiltelzufuhr. Es wird uns geschrieben: In verschiedenen Städten des Westens kann jeder in beliebiger Menge Butter kaufen, der über soviel Moneten verfügt, daß ei» Preis bis zu 4,80 M. für das Pfund ihm nicht zu hoch ist. Diese Butter stammt zumeist aus Holland, zu einem Teil aber auch aus Molkereien de- Inlandes. Die holländische Butter kostet im Eirr kauf 2,30—2,40 M. das Pfund. Die Händler, die sie zu dem hohen Preise absetzeu, machen also ein vorzügliches Geschäft. Nun gedachte die Konsumgenossenschaft„Befreiung" in Elberfeld dem Wucher da durch zu steuern, daß sie WO Tonnen Butter zu 2,37 M. das Pfund in Holland aufkaufte, die sie mit 2,S0 M. das Pfund abzu- setzen gedachte, dreißig Pfennig unter dem Höchstpreis für Butter in dieser Stadt. Zur selben Zeit erließ die Behörde in Elberfeld ein Verbot des Verkaufs ausländischer Butter. Damit wurde der Genosienschaft ihr gemeinnütziges Vor gehen unmöglich gemacht. Die Butter wird nun vermutlich von einem Händler aufgekauft, der sie zu teuren Preisen weitergibt „unter der Hand" wird nämlich der verbotene Handel flott weiter betrieben. Hinter der Maßnahme der Stadtverwaltung Elberfeld steckt die Zentral-Einkaufsgesellschafl, die wohl auch auf diesem Gebiete der Lebensmittelversorgung ihre Verbotspolitik betätigt. Bei der vor- handenen Fettknappheit ist ein derartiges Vorgehen allerdings einfach unverständlich, und es ist zu erwarten, daß das Reichsamt des Innern, dem der Fall vorgetragen worden ist, hier schleunigst eine Llenderung herbeiführt. Zucker gegen Bezugsschein. Der Reichskanzler bat laut Reichsgesetzblatt verfügt, daß die Vorschriften des§ 12 Abs. 1 Satz 3 der Zuckerveror'dnung vom 10. April d. I. mit dem 20. Mai in Kraft getreten sind. Danach darf Zucker nur noch gegen Bezugsschein abgegeben und bezogen werden, soweit nicht die Kommunalverbände für den Bezug andere Bestimmungen treffen. Mus öer Partei. Beitragspflicht und Mitgliedschaft. Zu diesem Thema wird uns geschrieben: Von Ausnahmen für Kranke, Invalide und Erwerbslose ab- gesehen, setzen die Statuten der Wahlkreisorgmrisationen unserer Partei gemäß§ S ihres allgemeinen Organisationsstatuts für jedes Mitglied eine bestimmte Beitragspflicht fest, deren Nichterfüllung zum Verlust der Mitgliedschaft führt. Wann diese Folge eintritt, darüber sagt das allgemeine Organisationsstatut der Partei nichts, meistens cntl�alten aber die Statuten der einzelnen Wahlkreisorganisationen darüber nähere Bestimmun- gen. Es heißt in ihnen meist, daß derjenige, welcher mit seinen Beiträgen länger als drei oder sechs Monate im R ü ck st a n d e ist, als ausgetreten gilt. Erst ein Rückstand in der Beitragszahlung von der im Statut angebenen Zeitdauer berechtigt die Organisationsleitung, ohne weiteres den Austritt als vollzogen anzusehen. Eine innerhalb dieser Zeit etwa im Unmut oder im Aergcr getane Acußerung, keine Beiträge mehr zahlen zu wollen, berechtigt dazu nicht, wenn sie nicht zugleich verbunden ist mit der unzweideutigen Erklärung, die Mitgliedschaft aufgeben zu wollen. Denn die Beitragszahlung ist wohl eine der wesentlichsten Pflichten der Mitgliedschaft, nicht aber die Mitgliedschaft s e l b st, die nur durch ausdrücklichen Verzicht auf sie, durch Ausschluß oder durch Ablauf der statutarisch festgesetzten R ü ck st a n d s f r i st verlorengehen kann. Das Recht der Streichung wegen rückständiger Beiträge ist stets sehr nach- sichtig gchandhabt worden, und es wurde immer als illohal an- gesehen, wenn darin kleinlich buchstaLengerecht verfahren und je- mand ohne Mahnung aus der Mitgliederliste gestrichen wurde; manche Statuten schreiben deshalb vorherige Mahnung vor. . Wo das Statut keinerlei Bestimmungen über Mahnung und Rückstandsfrist enthält, dort b e st e h t kein Recht der Organi- sationsleitung, in Rückstand befindliche Mitglieder nach Belieben aus der Liste zu streichen. Wo es dennoch geschieht, wird bei Ein- spruch des Gestrichenen st i l l s ch w e i g e n d die Streichung rück- gängig gemacht, denn nicht die Hinausdrängung der vorhandenen Mitglieder, sondern ihre Erhaltung in der Or- ganisation und die Gewinnung neuer Mitglieder gilt den Organisationsleitungcn als ihre vornchmstc Aufgabe. Wer als Organisationsleitcr anders handelt, treibt organisatorische Schikane und handelt nicht loyal partcigcnösiisch, sondern kleinlich- spitzfindig und bureaukratisch. Wenn in Zeiten innerer Konflikte einzelne Parteigenossen oder Gruppen solcher aus bestimmten Gründen zeittveilig die Bei- tragszahlung an bestimmte Personen oder In- stanzen verweigern, dabei aber ausdrücklich die Aufrechterhaltung ihrer Mitgliedschaft betonen, so mag man das für eine verfehlte Kampfmethode halten; aber ebenso verfehlt ist es, wenn dann die Gegenseite daraus die Berechtigung herleitet, die Beitragsverweigerer ohne weiteres als„außerhalb der Partei st e h e n d", als ausgetreten hinzustellen. Der Streit liegt dann überhaupt auf anderem Gebiet, denn es handelt sich dabei nicht um die Weigerung, überhaupt Beiträge zu zahlen, sondern darum, an wen sie zu zahlen sind. Wenn die Statuten der Organisation, und eventuell auch die kompetenten höchsten Körperschaften derselben, dalvüber bestimmte Vor- schriften machen, was in der Regel der Fall sein wird, so mag man, wenn man glaubt, absolut Organisationszwang anwenden gu müssen, in solcher Beiträgsvcrweigerung allerhöchstens„ein das Parteiintercsse schädigendes beharrliches Zu- widerhan dein gegen Beschlüsse der Partei- organisatio n" sehen, das laut§ 23 des Organisationsstatuts zur Einleitung des Ausschlußverfahrcns berechtigt, aber sie ist kein„Außerhalb-der-Partei-stellcn", kein Austritt aus der Organisation. Wem cS nicht auf Verschärfung solcher Konflikte ankommt, der wird in solchen Situationen überhaupt auf die Anwendung rein formal organisatorischer Mittel verzichten und die Lösung in einer Behebung der sachlichen Differenzen suchen, die dem Streit zugrunde liegen. Differenzen zwischen Partei und Gewerkschaften in Königsberg. Wir haben wiederholt über die Polemik unterrichtet, die sich Anfang dieses Monats zwischen der Königsberger Gewerkschaft! und Parteileitung entwickelt hatten, weil die Gencralvcrsanun- lung der Partei das Hineintragen von Parteistrcitfragen in die Gewerkschaften bedauerte, da diese zu ihrer Entscheidung nicht berufen seien und die gedeihliche Zusammenarbeit dadurch gefährdet werden könnte. Verurteilt wurde ferner der Mißbrauch von ge werkschastlichen Organisationscinrichtungen zur Bekämpfung einer Parteirichtung, wie es in Königsberg erfolgt sei. � Gegen diesen Beschluß wehrten sich die Gewerkschaftsvorstände in einer Rcso- lution, in der sie die erhobenen Beschuldigungen für unrichtig und unzutreffend hinstellten und betonten, daß die theoretische Auf klärung über politische Zeitfragen niemals ausschließliches Recht der Parteiorganisationen gewesen' sei, weiter wurde zum Ausdruck gebracht, daß keine Sonderfraktion als parlamentarische Vertretung gewerkschaftlicher Arbeiterinteressen für die Gewerkschaften in Betracht komme. Gegen diese Stellungnahme der Gewerkschaften folgte eine neue Erklärung der Parteileitung, in der zum Schluß zum Aus druck gebracht wurde, daß eine Verständigung über die obwaltenden Differenzen wohl möglich sei. Der Kartellausschuß hat dann folgeirdermaßen geantwortet: „Der Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins Königsberg hat beim Lesen der Entschließung der Königsberger Gcwerkschasts- vorstände den springenden Punkt wohl übersehen, sonst könnte ihm die deutliche Absage, die an die Adresse der Vertreter der„Sozial- demokratischen Arbeitsgemeinschaft" gerichtet ist, unmöglich cnv- gangen sein. Und darauf kommt es doch gerade an. Alle früheren Vereinbarungen, die bis zum Kriegsausbruch und jetzt noch Geltung haben, sind mit der Sozialdemokratischen Partei, nicht aber mit der„Sozialdemokratischen Arbeitsgemein- schaft" getroffen. Diese Vereinbarungen bestehen aber für Königsberg nicht mehr, da die Königsberger Parteileitung auf dein Boden der von den Gewerkschafisvorständen abgelehnten Politik der„Arbeitsgemeinschaft" steht und diese Politik von der Generalversammlung gebilligt wurde. Damit ist der gemein- samcn Arbeit der Boden entzogen. Auf weitere Auseinandersetzungen lassen wir uns zurzeit, weil zwecklos, nicht ein." Die Königsberger Parteileitung hat darauf nachstehendes Schreiben an sämtliche Vorstandsmitglieder der freien GeWerk- schaftcn versandt: Sekretariat der Königsberg, den 19. Mai 1910. Sozialdemokratischen Partei Königsberg i. Pr. Vorder-Roßgarten 61/62 I. An die Gewerkschaftsvorstände hier. Werte Genossen! Der Entschließung der Vorstände der Königsberger freien Gewerkschaften vom o.' d. M.(f.„Königsberger Volkszeitung"' vom 6. Mai 1916) hat der Kartellausschuß in seiner Erklärung vom 10. Mai in der„Königsberger Volkszeitung" die Auslegung gegeben, die Entschließung besage, daß die Gewerkschaften den Sozialdcnwkratischen Verein für Königsberg nicht mehr als zuständige Vertretung der Sozialdemokratischen Partei aner- kennen und daher die bisherige gemeinsame Arbeit mit uns ab- lehnen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß der Kartellausschuß hierbei nicht im Auftrage und im Sinne aller Gewerkschafts- vorstände gehandelt hat, und fragen Sie daher an, ob Sie diesen Standpunkt des Kartellausschusses billigen oder ob Sic bereit sind, mit uns, als der zuständigen Vertretung der Sozialdemo- krattschen Partei in Königsberg, nach wie vor zusantmcn- zuarbeiten. Mit Parteigrriß _(Unterschrift.) Stellungnahme zu den Parteidifferenzen. Die Generalversammlung des Kreises Randow- Grcifenhagen(Reichstagsabgeordnetcr Genosse Körsten) beschäftigte sich neben der Erledigung des Jahresberichts auch mit den Parteidlfscrcnzcn. Ter Vorsitzende des Kreises unterbreitete nachfolgende Resolution: „Die am 24. Mm in Bredow tagende Kreisgen eralversamm- lung bedauert auf das tiefste die in der sozialdemokratischen Frack- tion des Reichstags eingetretene Spaltung und gibt ihrem Un- willen über die Maßregelung der 18 Genossen den ichärfsten Aus- druck. Tic Kreisgeneralversamnrlung kann der Fraktion, dem Parteivorstand und dem Parteiausschutz das Entscheidungsrecht in diesem Falle nicht zugestehen, derartige schwerwiegende Entschei- düngen hat nur der nächste Parteitag zu fällen. Ebenso sieht die KreiSgenerakversammlung In dem Vorgehen des P arieivorftand es gegen die Redaktion der„Niederrheinischen Arbeiterzeitung" wie gegen die„Vorwärts"-Redaktion nicht das Mittel, die Einheit der Partei zu stärken. Die Versammlung protestiert entschieden gegen die Einführung einer Partei-Pressezensur und gegen die Hinaus- drängung des Genossen Haase aus dem Parteivorstand. Sie for- dcrt alle Genossen zur einmütigen Arbeit für die Einheit, Ge- schlossenheit und den Ausbau der Organisation auf." Nachdem zwei Redner dagegen, darunter Genosse Körsten, nnd sieben Redner dafiir gesprochen hatten, wurde die Resolution mit 56 gegen 4 Stimmen bei 2 Enthaltungen angeirommen. Ferner wurde noch zum Ausdruck gebracht, daß � die Mehrheit der Vcr- sammlung mit der Haltung des Stcttiner„Volksboten" nicht ein- verstanden fei. 3. Lssr ßäflStrJßpriifz�Allee Moderne Herren, und Knaben-Anzüge. WiQgSQp Eleg. Paletots, Ulster Joppen i.jod.Preislag. Gr. Stofflager z. eleg. Maßanfertigung Uaf Billigste, feste Preise. Spezialärzs sür Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Bcinkranke jeder ArhEhrlich-zillta-Kuren, Friedrichstr, 81, PlZmZ. Sprchst. 10-2, 5-9, Somitgo. 11-2. f Honorar mäßig, auch Tcilzahl,? — Separates Dantenzimmer.— G Petunien in Töpfen und Pflanzen, Tomatcnvstanzcn billig, Gärtnerei Schdel, Neukölln, Köllnischc Allee.* schmerzhastc Fußsohlcnverhärtung u. aornhaut cntsernt mit absoluter icherbeit Reichels„Rosco". Einziges Nadifalmittcl sür eingewurzelte lleiden. Seit 25 Jabrcn bewährt l Dose 7» Pf., gegen M. 1.— sranka durch Otto lieichel, Berlin 43, Eiscnbahnstraße 4. 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Z.)(Nachdruck verboten) 65 153 269 464 661 856 1048 65 230 77 634 86 832 607 63(1000) 76 2 003 208 22 400 88 608 76 8034 94 120 60 396 667 652 761 813 39 98 930 4 229 46 84 427 714 973 8163 63 264 378 610 717 40 44 90 819 43 6090 228 397 737 76 7116 (3000) 28 295 372 456 669 94 876 80 976 90 8 240 99 302 80 (6001 473 64 5 762 973 80 9023 177 95 241 366 439 56 886 >0091 163 220 87 678 11001(1000) 326 48 804 31 67 987 12013 145 376 416 31 43 615(600) 740(3000) 831 964 1 3102 252 54 315 74 434 38(600) 671(1000) 611 717 958 81 81 14176 406 823 904 6 1 5164 307 53 564 680 98 349 66 60 970 1 6001 61 152(600) 399 677 895 908 32 1 7123 463 76 502 738 876 18730 11000) 830 1 9008 84 141 47 285 379 425 876 2 0227 83 363 430 816(600) 966 21034(600) 178 84 276 64(3000) 331 497(3000) 649 65 681 90 740 842 2 2303 48 679 783(3000) 860 2 3 025 61(1000) 163 86 227 80 324 32 620 677 772(1000) 24028 34(500) 69 188 626(1000) 94(1000) 606 838 931 2 8052 III 42 79(1000) 239 351 67 1500) 87 428 46 614 610 739 869 903 2 8260 416 604 66 616 743 51 983 2 7034 161 226 67 345 61 631 332 947 97(600) 28023(1000) 188 418 60 601 23 44 64 68 777 2O006(600) 74 267 69 330 700 43 868 64 933 49 3O028 88 89 166 85 206 360 473(600) 639 69 81059 147 217 86 609 37 706 3 2102 49 278 301 62 481(1000) 638 61 84 765 3 3123 88 660 91 686 722 880 3 4307 402 773 3 5104 293(SÜCO) 410 42 629 32 44 46 666 773 817 991 3 6382 466 (600) 503 641 703 891 919 3 7 036 633 676 733 60 66 84 867 38116 324 636 930 3 8092(3000) 135 222 83 84 311 37 412 82 680 715 916 80 4 0069(1000) 60 118 470 748 41045 81 274 321 635 41 642 966 69 4 2113(600) 82 429 627 34 4 3029 140 338 433 62(600) 632 92 609 705 864 4 4090(600)336 619 877 4 8 317 84(1000) 434 689 762 70 811 4 B 043 241 388 484 912 22 40 71 94(600) 4 7 095(500) 181 320 6X6 620 48C25 294 383 67 466 614 16 625 718 45 47 804 60 69 4 B038 84 384 424 839(600) 76 716 19(3000) 34 91(3000) 993 58045(1000) 98 401 14 93 693 766 61058 88 114 283 678 721 33 5 2233 71 398 618 726 822 48 973 5 3103 88 270 394 638 654 737 912 84 6 4037 88 155( 600) 242 361 461 631 603 712 882 6 5 232 329 85 600 1 4 650 821 978(5000) 5 6008 54(3000) 667 71 703(1000) 5 7045(10001 176(1000) 88 222 41 90 315 404 32 665 609 53 822 84 8 B231 307 43 (1000) 684 726 967 6 9166 74 815 60127 61 463 656 71(1000) 613(1000) 960 61113(600) 277 387 426 88 611 693 729 39 884 903 7 36 69 6 2 062 86 326 81 98 475(500) 91 544 91 662 60 720 25 808 966 98 6 8046 128(600) 200 47 341 410 66(1000) 79 604 726 89 931 80(3000) 64125 69(500) 309 609 615 37 61 800 955 6 5160 244 628 784 98 876 96 6 6535(600) 632 951 76(3000) 6 7105 38 39 82 230 68 407 23 76 80(3000) OOS 845 89 90 B8001 69 241(3000) 409 641 69 780 396 943 66 6 8 053 81 260 397 498 528 792 801 953 7 0028 80 183 249(3000) 67 377 429 632 863 71090 122 649(600) 693 828(3000) 79 89 7 20)9 23 76 104 23 369 617 (500) 43 60 824 7 3271 368(600) 424 662 74(3000) 705 15 21 74 816 7 4077 192 222 466 91(600) 625 71 744 827 977 99 (3000) 7 8 003 140 204 67 68 75 360 73 79(1000) 83 404 623 89 47 80 653 67 721 7 8 044(1000) 206 339 518 88 730 85 813 71 7 7 060 117 431 795 827 7 8011 158 422 603 63 80 776 835 93t 79328 421 660 80113 279 424 521 603 12 67 771 831 81022 47 148 226 323(10D0) 481 631 64 8 2147 62 262 414 714 46 830 93 8 3122 261 97 460 882 702 8 4271(500) 334 421 90 675 646 778 805 (600) 8 89 88071 282 31?, 82 492 701 23 046 8 8011 47 81 127 533 742 837 60 97 8 7108(500) 90 265 337(3000) 545 f 8 762 928 8 8090 432 618 54 95(500) 978 89918 43 80 88 132 264 366 425 52 54(1000) 90 749 813(500) (10057 125 60 68 253 378 496 669 652 775 991(1000) 81183 651 783 67 93 884 918» 2050 109 38 246 97 382 617 69 917 36 9 3 004(1000; 462 668 720 47 806(1000) 922 9 4291 339 626(600) 616 73 BÖ064 264 407 749 89 832 922 63 9 8 043 333 487 633 628 81 96 770 88 812 30 96(1000) 87179 86 303 61 636 658 746 58 861.3000) 920 9 8124 367 473 87 651 795 808 22 74 920 9 9027 94 145 89 276 417 64 676 627(1000) 734 65 848 IOO026 110(600) 29 61 206 13 24 473 652 64 623 726 926 88(1000) 95(3000) IOH67 229 469 680 779 816 68 938 39 66(500) 10 2063 133 218 69 690 670(500) 767 93(1000) 834 902 1 08151(1000) 334 407(500) 36(500) 663 911 104296(3000) 622 96 633 64 713 74 922(600) 105194 599 541 635 98 638 972 >6 9 014 260(3000) 78 612 628 90 870> 0 7036 72 83 118 66 236(1000) 469 518(1000) 64 664 831 10 8 076 130 473 603 624 109109 670 796 800 110324 628 893(600) 919»1010 83 134 66 462 613 26 650 63(600) 736(3000)»2033 38 63 314 97 477 665 704 10 25 95 847>13061 106 96 674 631(1000) 760 93 801(600) 44 58 930 36 90(1000)»4654 269 300 420 991»5201 339(1000) 403 722 33» 8130 90 264 326 436 64 622(600) 34 663 720 34(600) 86» 7080 167 200 368 472 662« 9029 205 237 73 426(3000) 32 67(500) 670 73 689 660» 9026(6000) 212 412 83 616 40 84 >20021 41 626(3000) 838(1000) 907 20 26 1 21197 672 948 1 22155 253 412 46 63 611 737 855 61 991 12 3020 222 81 85 402 631 94 633 748 806 66 1 2 4048 412 61 69 627 616 29 88 795 805(1000)>2 5023 47(600) 272 92 442 61(500! 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Mai ist cmftaii d-r Sit. 219 669 d!t Sir. 228 569 mit 1000 3!- ge- jooen ioscliiu 7. Vr-uMch-Siidd-uts-che (233. Königt. Vrenß.) Klassentotterie b.»lasse 13. ZichiingSiag 20. Mai ISIS Nachmittag Auf iebr getoaeiie Nnmn-er flnb zwei oieirti beste (gewinne gesaUe», uub zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in bot beiden Abteilungen I». II. Nur die Gewinne Über 240 M. find in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. s. Z.)(Nachdruck verboten) 101 846 478 84 669 906 1015 885 769 971 2291 413 77 626 89(600) 98 798 3023 328 433 659 730 948 62(1000) 4035 62 79(600) 492 619 36(1000) 713 23»141 93 343 629 867 926 6132 247(500) 88 311 632 34 72(600) 618 7 214 747 82(1000) 932 8177 420 644 705 83(600) 9034 129(1000) 317 2 6 469 703(1000) 9 66 96 968 1O035 52 211 372 480(500) 518 705 97 895»142 362 530 675 777 94 856> 2017 44 141 429 60 628 42 67 698 796 839 63 926 60 89(500) 13306 404 64 602 799 857(1000) 68(600) 14070 128 99 261 346 838> 5067(3000) 98(1000) 124 340(1000) 499 659 839 1 8065 273 391 412 56 670 797 906(600) 17068 (1000) 130 221 356 402 623 96 700 90 854 95 960(600) 95 1 8028 61 166 265 84 320 439 506 765 82 808 1 8105 288(1000) 419 77 87(1000) 525(5000) 743 89 28005 134 68 230 364 425 603 666 898 946 47 21039 64 173 377 462 68 91 747 852 69 920 40(600) 22116 25 265 63 97 331 406 14 99 618(3000) 36 304 2 3056 68 124 49 53 611 97 647 2 4046(600) 263 458 517 46 607 779 2 5010(600) 164 282 87 339 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Glocke. Berlin. Druck».Bertag:«orwärtH Buchdrucker« n. BertagSanpalt Paul Singer& Co, Berlin SW. Dr. 139. 33. Jahrgang. 2, SkilU des JurmärtD" fotlintr Sonntag. 21. Mal 1916. Soziales. Uuterlicgcn kommandierte Personen des Soldalcnstandes der Bersicherung? Das neueste Armeeverordnun�sblatt teilt mit: Personen dsZ Soldatenstandes, die in Privatbetrieben beschäftigt werden, unter- liegen der gesetzlichen Kranken-. Unfall-. Invaliden- und Hinter- bliebenen- sowie der Angestelltenversicherung nur dann, wenn sie „beurlaubt" sind. Dagegen kommt bei einer„Kommandierung" die gesetzliche Versicherung nicht in Betracht; sie darf daher, wie dies in einigen Fällen geschehen sein soll, nicht von den Dienststellen den Unternehmern gegenüber gefordert werden. Vom Dienst „Zurückgestellte" sind in versicherungsrechtlicher Beziehung wie Zivilpersonen zu behandeln. Allerhöchst mit Wahrnehmung beauftragt: v. Wrjsbevg. I Soltauer Kaliwerke zu werden. Dieses Vorgehen wurde als �„Hausierhandel mit AufsichtsratZmandaten" gegeißelt und als Gimpelfang bezeichnet. Daraufhin hat Herr Funke die Privat- klage angestrengt, diese aber mit so zahlreichen heftigen Beleidigun- gen gegen den Angeklagten ausgestattet, daß dieser wegen jenes von Beschimpfungen strotzenden Schriftstücks die Widerklage erhob. Nachdem die Vergleichsverhandlungen gescheitert waren, erkannte das Schöffengericht auf Freisprechung des Ange- k l a g t e n. da die in dem Artikel festgestellten Tatsachen auf Wahr- heit beruhen, verurteilte dagegen den Privatkläger und Widerbeklagten zu 100 M. Geld st rase. Zahlung für Uebcrstunden. Das Kaufniannsgericht Berlin betätigte in feiner letzten Sitzung in der Klage eines Buchhalters gegen die Geldschrank- fabrik von Aricheim ihre alte zutreffende Anficht, daß Ueber- stunden stets zu bezahlen sind. Das Kaufmannsgericht beschloß, dem Kläger den Eid aufzuerlegen, daß er die von ihm behaupteten Ueberstunden in der von ihm angegebenen Höhe gemacht hat und auch hat machen müssen, um die Arbeit fertig zu bekommen. Leistet der Kläger diesen Eid, so wird Beklagte nach dem Klageantrag verurteilt. Ueberstunden müßten, so heißt es in der Begründung, auch dem kaufmännischen Angestellten gezahlt werden. Hier käme auch noch besonders in Betracht, daß trotz der Mehrarbeit dem Kläger eine Gehaltszulage abgelehnt wurde._ Gerichtszeitung. Ende des„Zcntral-Krcditgcsellschast"-Prozesics. Seit dem 28. Februar wurde vor der 3. Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Ungcr der große Be- trugsprozeß gegen Steinbock und Genossen verhandelt. Jetzt ist der Prozeß zu Ende gegangen. Ueber 300 Zeugen wurden vernommen. Der Harstitangeklagte ist des fortgesetzten Betruges in strafschärfendem Rückfall, der Er- Pressung, des Wuchers und des Arrestbruchs angeklagt. Das Urteil lautete gegen Steinbock, der ein gefährlicher, erbarmungsloser Blutsauger und eine Geißel der Menschheit sei. auf 15 Jahre Zucht- haus unter Anrechnung von 2 Jahren Untersuchungshast, 15 600 Mark Geldstrafe, eventuell noch das höchst zulässige Maß der Ersatz- freiheitsstrase und 10 Jahre Ehrverlust; gegen Grünberg auf 1 Jahr Gefängnis(als verbüßt> erachtet); gegen R o t h e r auf 4 Jahre Gefängnis(1 Jahr 6 Monat angerechnet) und 3 Jahre Ehrverlust; gegen die Angeklagte Roell auf 1 Jahr Gefängnis(voll verbüßt durch die Untersuchungshaft). Hausierhandel mit AufsichtZratsurandatcn. Eine Privatklage, die der Direktor der Soltauer Kali- werke Funke gegen den Handelsredakteur des„Berliner Tage- blattes", Dr. Pinner, angestrengt hatte, führte gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu einem von dem Privat- klüger nicht erwarteten Ergebnis. In Nr. 606 des Handelsblattes war eine Kritik über gewisie Maßnahmen der Verwaltung t»er Soltauer Kaliwerke enthalten und es wurde namentlich in scharfer Weise verurteilt, daß sich der Privatiläger an eine Anzahl Personen, die als vermögend be- kannt waren, schriftlich gewandt habe, wir sie zu bewegen, für das Unternehmen, das in dem Artikel als notleidend dargestellt wurde. Geld herzugeben und dafür Mitglied des Gvubenvorstandes der Ei» teurer Funke». Für Sachschaden, der beim Betriebe einer Eisenbahn einem Dritten entsteht, ist nach dem preußischen Eisenbahn- gesetz von 1838 die Bahn haftbar, ohne daß ein von der Bahn zu vertretendes Verschulden vorzuliegen braucht. Danach ist die Bahn für einen infolge Funkenflugs aus einer Loko- motive entstandenen Brandschaden ersatzpflichtig. Es muß aber natürlich der ursächliche Zusammenhang zwischen dem Funkenflug und dem Brand zur Ueberzeugung des Gerichts nachgewiesen werden. Das Reichsgericht bestätigte am Montag ein Utteil des Ober- landesgerichts Köln, das auf Grund dieser Rechtsnormen den Eisen- bahnfiskus zu 8 2 00 0 Mark Schadenersatz verurteilt hatte. Ein Funken hatte eine Waldparzelle in der Nähe der Bahnstation Blanken- Heimerwald in Brand gesetzt. Auf dieser lagerten für 82 000 M. geschlagenes Holz._ Jugendbewegung. Wandervogel und Jugeudwehr. Als die militärischen Jugendkompagnien in der Bildung be- griffen waren, hatten sofort alle bürgerlichen Jugendvereine, wie auch der„Wandervogel e. V.", der bis dahin ein grundsätzlicher Gegner der militärischen Jugend„ertüchtigung" war, feine Be- teiligung an dem neuen Unternehmen zugesagt, d. h. nicht die Mitgliedschaft, sondern die Leitung. Diese suchte nun die sich sträubenden Wandervögel dadurch für die Teilnahme an den mili- tärischen Uebungen geneigt zu machen, indem sie ihr« Mitglieder schmeichelte, die„Jugeudwehr bedürfe des Geistes der Wander- Vögel".(Mit ähnlichen Warten suchten bekanntlich auch einige unserer Genossen die Arbeiterjugend für die Teilnahme an der militärischen Vorbildung zu gewinnen.) Dagegen haben sich ver- schiedentlich viele Führer der Wandervögel energisch gewandt. Ein Vertreter dieser Gruppe, ein Hamburger Wandervogel, schreibt jetzt in Nr. 5 der„Freideutschen Fugend": „In einer Gemeinschaft, in der die absolute Unterordnung verlangt wird, ist die Entfaltung unseres Geistes unmöglich. Eine Einordnung zum Ganzen ist immer notwendig, doch eine Unterordnung als Grundlage der systematischen Jugendbildung widerspricht gerade dem Wollen des Wandervogels. Wir streben nach Erziehung zur Persönlichkeit, die allen Lebenslagen ge- wachsen ist; die Jugendwehr aber nur nach systematischem Drill. Darum darf der Wandervogel sich ihr niemals anschließen." Aus diesen Gründen hätten die Wandervögel, die dem Aufruf der Jugendwehr bei Beginn des Krieges gefolgt seien, sich nach und nach wieder zurückgezogen.„Es war ihnen unmöglich, in ihrem Sinne in der Jugendwehr zu arbeiten. Viele Führer arbeiteten ihnen sogar durch ihr persönliches Beispiel entgegen. Diese Wandervögel haben dadurch erst richtig den freien, sich gegenseitig bestimmenden, von wahrer Jugendfreude getragenen Geist ini Wandervogel erkannt." Diese Erfahrung ist auch für die Leiter unserer, der proletarischen Jugendbewegung recht wertvoll. Der Aufsatz des Wandervogels schließt mit dem Zuruf an den Wander- bogel: Halte an Deiner Sache fest! Ein Ruf, den auch die Ar- beilerjugend beherzigen sollte. Mus aller tvelt. Ter Rekord des Völkerhasscs. In der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" wendet sich der Medizinalrat Dr. W. Fuchs gegen die Flaumacher und sagt dann wörtlich: „Nun wird niemand mehr der logischen Folgerung ausweichen können, daß der Friede eine Katastrophe wäre, daß die einzige Möglichkeit der Krieg bleibt. Der Krieg, bisher Ne- aktion auf Reiz, Ehrensache, Mittel zum Zweck, von jetzt ab wird er Selbstzweck I Die ganze Nation wird wie ein Mann den ewigen Krieg fordern," Die ganze Nation— das ist in diesem Sinne wohl nur der seltsame Verfasser. Wie kann eine angesehene ärztliche Zeitschrist solchen„logischen Unsinn" drucken! Eine während des Krieges erschienene Broschüre desselben Ver- fassers schließt mit den Worten: „Erziehung zum Haß! Erziehung zur Hochachtung des Hasses! Erziehung zur Liebe zum Hasse! Organisation des Hasses I Fort mit der unreifen Scheu, mit der falschen Scham vor Brutalität und Fanatismus! Auch politisch gelte das Wort Marinettis: Mehr Backpfeifen, weniger Küsse! Wir dürfen nicht zögern, blasphemisch zu verkünden: Uns ist gegeben Glaube, Hoffnung und Haß! Aber der Haß ist der größte unter ihnen!" Medizinalrat Dr. W. Fuchs wirkt als Oberarzt an der staat- lichen badischen Irrenanstalt in Emmendingen. Anne Geisteskrankel Explosion einer Handgranate. Der schon so oft gerügte Unfug, daß Kriegsteilnehmer Geschosse und Blindgänger mit nach Hause nehmen, hat in dem badischen Dorfe Hessental zu einem schweren Unglück geführt: Ein eben auf Urlaub angekommener Ersatzreservist zeigte seinen Familienangehörigen eine von ihm unerlaubterweise mitgebrachte Handgranate vor. Auf noch nicht festgestellte Weise explodierte diese, riß ihm selbst alle fünf Finger der linken Hand weg und verletzte seinen 1 7jährigen Bruder so schwer, daß dieser in Lebensgefahr schwebt. Der Vater des unglücklichen Urlaubers und seine beiden 7 und 17 Jahre alten Schwestern wur- den leichter verletzt und stehen in ärztlicher Behandlung. Schweres Unglück bei einer Filmaufnahme. Bei einer Film- aufnähme in Rom stürzte eine hohe Tribüne, auf der sich viele Darsteller befanden, zusammen, wobei 64 Persouen zumeist schwer verletzt wurden. Böse Folgen eines Bergrutsches. Laut Karriere della Sera" erfolgte oberhalb der Straße von B i e l l a nach Palma ein starker Bergrutsch, Landstraße und Eisenbahnlinie sind vollständig zer- stört. Verschiedene Gemeinden haben keine Lebensmittelzufuhr. Ein großer Steinbruch der Gebrüder Bianco, Hauptlieferanten für Pflastersteine in Italien, sst vollständig verschüttet. Zahlreiche Arbeiter sind dadurch brotlos geworden. TaS Erdbeben in Italien hat in der am meisten betroffenen Stadt N i ml n i noch größeren Schaden angerichtet, als die ersten Meldungen verrieten. Tausend Häuser find teilweise sehr schwer beschädigt. Zehn Häuser sind eingestürzt. Bedeutend ge- litten haben das Rathaus, die Präfektur, das Theater und ein Schul- gebäude, wo ganze Seitcnwände eingestürzt sind. Mehrere Kirchen mußten geräumt werden. Die alte schöne Colonellakirche ist zum Teil ein Trünimerhaufen. Die Erdstöße dauern noch an. Die Bchörden haben große Mühe, die ihrer Wohnung beraubte Be- völkerung unterzubringen. Auch der Badeott Battolica bei Ri- mini ist schwer mitgenommen. Eine Reche Häuser ist ganz oder teilweise zerstört. Die Sommerzeit in Norwegen. Die Zweite Kammer hat die Einführung der Sommerzeit in Norwegen einstimmig angenommen. Der Beschluß wird noch vom König gutgeheißen werden, worauf die neue Sommerzeit Sonntagabend in Kraft tritt. von öer Ostfront. Man schreibt uns: Kartoffeln sind ein unentbehrliches Nahrungsmittel in der Heimat und auch im Felde. Um so größer wird die Sehnsucht nach Kartoffeln, je länger man dieselben hat entbehren müssen. Und malt man sich in Gedanken ein Bild von einer Portion Gerösteter mit den dazugehörenden Eiern aus, so läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Auch wir träumten und sprachen oft da- von. Auf ein Kommando kamen wir nun aus dem unergründ- lichen Wald heraus und trafen einen Acker mit trockenem Kartoffel- kraut. Nach einigem Für und Wider, ob wohl noch gute Kartof- feln im Acker sein würden, untersuchten wir den Boden, und zu unserer Freude fanden sich auch noch gute Knollen in reichlicher Zahl vor. Wir nahmen nun erst eine kleine Probe mit, um uns von dem Geschmack der runden Knollen zu überzeugen. Wider alles Erwarten fiel der Versuch gut aus. Es waren große weiße Kar- toffeln mit süßlichem Geschmack. Doch sahen wir gern darüber hin- weg, zumal die Feldküche wenig Abwechslung und Kartoffeln im Winter fast gar nicht kennt. In einigen dienstfreien Stunden gruben wir uns von der köstlichen Frucht einen großen Sack voll aus und gaben ihn unserer Munitionsbespannug mit. Es ist zwar sonst unser Essen annehmbar, doch die Gleichförmigkeit verdirbt zu leicht den Appetit. Jetzt konnten wir uns auch eine Portion Ge- rösteter leisten, doch die Eier dazu mußten wir uns schon denken, Die leichte Anpassungsfähigkeit und Findigkeit, zu der der auf sich selbst angewiesene Mensch kommt, ist erstaunlich. Das beweist die verschiedene Art der Zubereitung der Kartoffeln. Da gab es nun Pellkartoffeln, Salzkartoffeln, ja sogar Kartoffelplinsen. Auch gute Zwiebeln fanden wir im Acker. Diese waren uns auch sehr willkommen zur Bereicherung und Geschmacksverbesserung unserer Beköstigung. Daß die Zwiebeln und Kartoffeln nicht erfroren waren, ist dem frühen Schneefall zu danken. Da konnte der Frost die Erde nicht so tief durchdringen. Auf unserem Marsch nach hier sahen wir noch sehr viele Kartoffelfelder, die durch Flucht der Bevölkerung nicht abgeerntet werden konnten. Auch sehr viel Getreide stand noch in Mandeln im Januar auf dem Felde. Dieses ward und wird noch von unserem Heere, je nach der Tauglichkeit, zu Häcksel oder als Streu verwendet. Auch unsere Strohsäcke füllten wir uns damit, die uns von der fürsorglichen Division ge- liefert wurden. Im Stellungsktteg ist dies für die Gesundheit der Soldaten ein großer Vorteil, da hierdurch Lüftung des Lagers und bessere Reinhaltung der Unterstände möglich ist. Zum großen Teil können wir es auch den Strohsäcken verdanken, daß das Ungeziefer aus unserem Unterstand verschwunden ist.— Hier will ich noch etnflechtcn, daß das Land nicht besonders gut bearbeitet ist. Zum Beispiel das Kartoffellaud ist sehr flach gepflügt. Das bedingen auch die Ackergeräte; die Spaten sind aus Holz, an den Kanten mit Eisenblech beschlagen. Für dieses Gerät paßt sehr gut die alte Bezeichnung Grabscheit. Auch die Pflüge, die wir hier sahen, sind sehr klein; sie erlauben auch kein tieferes Beackern des Bodens. Jedoch trafen wir in der Gegend von Wiln« große Güter an, wo wir moderne und praktische Ackergeräte und landwirtschafUiche Ma- schinen fanden. Den Erfolg der besseren Bearbeitung sahen wir an der Qualität der Früchte. Hier sind nur kleine, verstreute, ein- zeln liegende Gehöfte mit wenig Acker. Ein großer Teil des Bo- dens liegt brach oder ist mit Heidekraut und niedttgem Kiefern- gestrüpp bewachsen. Wohl auch aus dem Grunde blieb die Be- völkerung in der Bearbeitung des Lodrup zurück. Dies zu beob-j achten hatten wir und haben wir noch oft genug Gelegenheit im jetzigen Stellungskttoge.— Was heißt nun Stellungskrieg? Als unausgebildeter Land stürmer machte ich mir eine andere Vorstellung vom Stellung- krieg, als er in Wirklichkeit ist. Auf der Bärenhaut liegen, gibt es da nickt. Da ist so vieles zu bauen und bessern und neu zu bauen, daß die Arbeit nie abreißt. In dem flachen, sandigen, zum Teil sehr sumpfigen Gelände sind vor allem erst Straßen zu bauen und auszubessern. Denn was heißt hier in Rußland nicht alles Straße! So geht vom Bahnhof T. nach der Ish Stunden entfernten Stadt F. eine Chaussee, die nach unseren Begriffen doch nur ein Holzweg ist. Die Merkmale sind lediglich Tele graphenstangen und zu beiden Seiten kleine oder größere Gräben. Sonst keine BePflanzung durch Bäume, keine Einteilung durch Kilometersteine. Die Annehmlichkeit, auf den Straßen zu fahren, hatten wir kennen gelernt, als wir einige Fuhren Bretter und Bohlen zu unserer Attilleriebeobachtung fahren mutzten. Der Wagen schaukelte wohl bedächtig, doch waren wir an dergleichen schon gewöhnt. An einer besonders schmalen Stelle des Weges ereilte uns dann doch das Schicksal. Das rechte Hinterrad ruffchte m den Graben, die Pferde schafften den Wagen nicht mehr heraus und wir flogen im Bogen ins Gestrüpp, glücklicherweise ohne uns Schaden zu tun. Nun blieb uns nichts weiter übrig, als den Nest auch noch abzuladen, den Wagen aus dem Graben zu bringen und schnell nochmals aufzuladen. Dergleichen Unfälle sind uns auch oft im Winter auf dem Morsch mit unseren Geschützen und Munitionswagen passiett. Dann heißt es ausladen, Kanoniere in die Taue, und mit vereinten Kräften wird das Gefähtt auf die Straße gebracht,— um schließlich in 10 Minuten an anderer Stelle im Graben zu liegen. Das sind nun Straßen im kulti vierteren Kurland. Der Wald ist stellenweife etwas durchforstet und in Jagen geteilt, auch notdürftig entwässett. Doch Können die Wälder ins- gesamt keinen Vergleich mit unseren Wäldern aushalten. Jetzt kommt erst so manchem zum Bewußtfein, daß in unserer lieben Heimat viel mehr Schönheit, Freundlichkeit und bessere Kultur zu finden ist. Doch für einige sonnige Tage sind wir auch hier empfänglich, da auch uns jetzt die Sonne den Frühling bringen will und mit ihm das grüne Laub, Gras, Blumen und den lieben Vogelgesang. Auch der Glaube an das Leben und die Zukunft be- lebt uns wieder. So batte ich auf meinem Dienstgang meine Freude an der erwachenden Nawr und war in Gedanken auch nach Hause ge- eilt zu meinen Lieben, als ich plötzlich wieder an den Krieg ge- mahnt werde durch lautes Bellen der Flieger-Zlbwehrkanonen. In einer Lichtung konnte ich dann sehen, wie am tiesblauen Himmel die platzenden Schrapnells den feindlichen Flieger seinem Siche- rungsbereich zutrieben. Mein Weg führte mich dann an alten Drahtverbauen, Astvcrhauen, Schützenlöchern und Unterständen vorbei und ich sab die Zeicben der menschlichen VerteidigungS- und Vernichtungsmittel. Es ist bedauerlich, dasi das Können der Menschheit sich so an dem männermordenden Krieg beteiligen mutz. Und wo die Kriegsfurie vorüberzog, was blieb zurück? In Aschen- Haufen verwandelte Wohnstätten, von Granaten zerrissene Ge- bäude. Was noch übrig blieb, wurde als Deckwittch für Unter- stiinds und Schützengräben perwandt und mutz jetzt in der Erde modern und faulen. Auch die Serbstfrucht mußte zum großen Teile auf dem Acker und in der Erde verkommen. Da sind noch viele Felder mit Kattoffeln, Gerste, Weizen und wunderbarem Flachs. Was konnte da nicht alles zum Wohle der Menschheit gewonnen werden! Und nun die Aecker und Wiesen, welch arge Verwüstung! Da zieht sich Schützengraben hinter Schützengraben hin. Diese wieder sind mit vielen Laufgräben verbunden. Dann noch die Sprengttichter und Granatlöcher überall. Wenn der ehe- malige Besitzer zurückkehren sollte, ich glaube, in Tränen bräche er aus ob der großen Verwüstung und Zerstörung. Auch nichts ist verschont geblieben. Die schönen Obstbäume und Sttäucher zer. fahren, zerbrochen und zertreten. Und wenn das noch alles wäre. Aber das Wertvollste ist leider in sehr großer Zahl verloren ge- gangen. An allen Wegen, im Feld und tief im Wald auf Wiesen und Hügeln, überall sind lebensfrohe Menschen begraben. Ein schlichtes Holzkreuz mit der Jnschttft„Den Tod fürs Vaterland starb der Reservist oder Landstürmer soundso". Die Gräber sind alle mit kleinem Schmuck versehen und mancher Wanderer wird später seinem Fuß Halt gebieten und derer gedenken, die hier ihren Vater, Bruder oder Sohn in fremder Erde lassen mußten. So groß auch die Anhänglichkeit sein mag. wird es doch den wenigsten Angehöttgen möglich sein, die Grabstätten ihrer Lieben zu finden. Kein Weg, kein Steg weist dahin. Denn ihrer sind zu viele über das weite Rußland verstreut. Wir müssen einen vussffchen Schützengraben abbrechen und Plagen uns ehttich dabei. Denn die Russen haben gute gedeckte Gräben gebaut. Dazu sind 8 Zenttmeter starke Bohlen und starke Baumstämme verwendet und mit 7zölligen Nägeln zusammenge- schlagen. Obenauf noch Erde und mit Rasen verkleidet. An der vorderen Seite sind nur kleine Schießscharten, in denen das Ge- wehr im Anschlag liegt. Und doch ist es unserer Artillette und Infanterie gelungen, den Feind aus den Gräben zu vertreiben. Daß dieses nicht so leicht war. zeigen die Granatlöcher vor, hinter und im Schützengraben. Auch die Sprengstücke der Geschosse, die in den Bohlen steckten, beweisen, daß die Russen große Verluste ge- habt haben müssen. Von seiner Vertreibung zeugen auch noch allerhand Gegenstände. Da liegen Verbandpäckchen in großer Zahl längs allen Gräben, ferner Feldspaten, Feldflaschen, Helme, Mützen, Handgranaten, Seitengewehre, Zinkkasten mit und ohne Munition, wegen der Seereise von Amerika in wasserdichten Behältern ver- schlössen. Schrapnellhülsen, Kugeln und Zünder sind überall zu finden. Auch viele Blindgänger liegen noch uniher. Die Bohlen aus dem russische» Graben brauchen wir zum Verkleiden des Lauf- graben? z-um Beobachtungsstand. Denn bei der jetzigen Witterung füllt die Erde nach, und um dieses zu verhüten, müssemdie Wände gut abgesteift werden. Was für Arbeit an einem Beobachtungs- sind ist, kann nur der richtig fassen, der schon selbst daran mitge- arbeitet hat. Der Boden mutz ausgehoben werden in einer Tiefe von 5 Meter, nach den Seiten von 3,50x5 Meter. Ist der Unter- stand fertig, so mißt er innen 2,50x3,50 Meter und in der Höhe 2 Meter. Das ist nun der Wohnraum für einen Offizier, einen Unteroffizier und 2 Fernsprecher. Von diesem Unterstand führt noch ein sicherer Gang zum Scherenfernrohr. Die Decke des Unter- standes besteht aus 3 oder 4 Lagen von Baumstämmen von je 30 Zentimeter Stärke im Durchschnitt und 1 M Meter Erde. Da» ist nun Arbeit, die im Stellungskrieg ausgeführt wird. Ebenso werden die Mannschafts-, Geschütz- und Munitionsu-nterstände bombensicher gemacht. Taiii, sind noch Pferdeställe zu bauen, Wagen- schuppen usw. Da bleibt kaum noch Zeit, die Mannschaftsunter- stände freundlich und sauder einguttchten. Aber die aufsteigend« Sonne lockt doch noch so viel Lust zum Arbeiten hervor, daß vor jedem Unterstand ein Schmuckplätzchen geschpffen wird. Allerdings blühen noch keine Blumen im Wald. Doch einige kleine Tannen, Tannereisig, grünes und weißes Moos ergeben manch schönes Bild. Jedoch ist da? nur möglich in Reservestellungen oder bei sonst mehr zurückliegenden Truppen. Denn im Bereiche der feindlichen Ge- Wehrgeschosse darf man sich nicht vor dem Gegner blicken lassen.(4 Sozialdemokratischer VahlTerein für den 6. Berliner Reietistagsvahlkreis. DienZtag, den 23. Mai, abends 8�/2 Uhr, in den Pharus-Sälen, Müllerstraße 142: Generai-Versammlung, Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Neuwahlen des Vorstandes. Die Legitimation erfolgt durch die Delegiertenkarten. 226115* Ter Vorstand. Speziabrzt Dr. med. WockcntnU, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleide»— Ehrlich-Hafa-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- stSrung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10—1 und 5— 8. Praktiziere wieder. 146/1* Dr. med. Frepenn, Kiiobelsdorffstrake 4. Spr. 4—5. Terwaltnng Berlin. Tel-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestratze 30. Vertranensmänner-Versammlnng Kistenenacher. Montag, de« lvS. Mai. abends«'/, Uhr, bei E. Sackseh, Krautstr. 81. Tagesordnung: Bericht Ader die Verhandlungen die TeuernngSznlage betreffend. Vertrauensmänner-Bersammlung der Perlmutt- und Knopfarbeiter Mittwoch, de» 24, Mai, abends 6 Uhr, bei Thomas, Melchiorstr. 6. Sraitehen-Versammlmtgeti: Mas chinenarbeiter! Sonntag, den 21. Mai, vormittags»'/, Uhr» im Gewerkschaftshaus, Engelufer 13, Saal 3. Tagesordnung: 1. Unser««Schften Vertragsantgaben. Resereni: Gauvorstehcr Franz T tusche. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegen- Herten._ Sargtischler! Sonntag, den'-il. Mai INI«, vormittags 10 Uhr, bei Merkmann, Gr. Frankfurter Str. 13. Tagesordnung: 1. Bericht von der letzten Generalversammlung. 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Vemliltmigsflelle Ktrlin N 54, Lniikkstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9—1 und von 4—7 Uhr. Montag, den SS. Mai l»!«, abends S'/j Uhr: kezlrks-Versammlungen für folgende Bezirke: Norden: Frankes Festsäle, Badstraße 19, Moabit: Sands Festsale, Beusselstraße 9, Charlottenburg: Volkshaus, Rosinenstr. 3. Lichtenberg! Bestaurnnt Knrkowskl, Pfarrstrahe 74. Tagesordnung in allen Versammlungen: Fortsetzung der Kemdsversommlung vom 15. Mo! 1916. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 117/4 Die Ortsverwaltung. Berlin C W � Wallftr. 1» ardmen Spezialsirma: Ci£/4iO*n!\9us Bernhard Schwarte Mttfikmstrmnentenarbeiter! o Uta g, den SÄ. Mai 101«, abends 8 Uhr, im Berbandshaus, Rungestr. 30, Zimmer 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Konunission. 2. Stellungnahme zur Generalversammlung. Stockarbeiter! Dienstag» den 2'i. Mai 1916, abends 3»/, Uhr, im Berbandshaus, Rungestr. 3V, H. Part. Tagesordnung: 1. Feuerbestattung mid Krieg. Vorführung eines Krematorium- modeliz. Resereni: Herr Julius Carsch. 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Korbmacher! Dienstag, den 23. Mai 1916, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 13. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Adolf Ritte». 2. Branchenangelegenheiten. Ordeirilkhe Gcncralverlammlung Donnerstag, den 23. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 13, großer Saal. Tagesordnung: 1. Bericht der Verwaltung. 2. Kaffenbertcht. 3. Bericht der Ardeit»ver«tt«ler und de» Bibliothekars. 87/1_ Die OrtsverwaltwnK. der Ui Zahlstelle Berlin. Bureau: Engeluser 14/15, Part.— Telephon: Amt Moritzplatz Nr. 8430. Gcissnei: Bonn. v. 10—12, Nachm. v. 4—7 Uhr, Dienstag Nachm. geschloffen. Mittwoch, den 24. Mai er., abends 8'/, Uhr: kenerai- Versammlung bei Boeker, Bieberstr. 17. Tagesordnung: 1. Kassen- und GeschästSbericht pr. 1. 6. 16. 2. Der Ansang der Rohstoffkrise in Schuhindustrie und Handwerk. 3. Verschiedenes. 169/7 Kollegen und Kolleginnen! Der zweite Punkt der Tagesordnung beleuchtet den Ernst der gegenwärtigen Lage. Wir ersuchen daher, vollzählig zu erscheinen. Die Ortsverwalwug. Rasch und sicher wirkend bei: Lieht Lexenachuß Rheuma Nerven- und Ischias Kopfschmerzen Aerzll. glänzend begutachtet.— Hunderte von Anerkennungen. Ein Versuch wird jeden von der Vorzüg- lichkeit de» Präparates überzeugen.»Togal-Tabletten- sind in allen Apotheken erhältlich. Preis pro Packung 3.50 Mark. Probepackung 1.40 Mark. vi« einzig richtige Elukaufsquelle{ AUF KREDIT auch wtthreod des Krieges tat und bleibt i. FEDER Korden: Brunnanstrassa I Kingang: Weinbergsweg 28 Oslon: Frankfurter Allee 350 SUden: Kottbuser Damm 103 Wostin; Charlttbg., Scharrenatr. K Ecke Wllmersdorfer Strasse I7u�Mt��I«nM�rL!�«mgT�tkliM!ö«� Mdbel B.Waren blfrgt mein 25 jähr. 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ES wird stets ehrend seiner gedacht werden. 65/2 Der Verbandsvorstand. Ein Opfer deS Weltkrieges wurde am 7. Mai d. J. unser stets arbeitsfreudiger Jugend- tollege Max Knobloch im Aller von 20 Jahren. Ein dauerndes Angedenken de. wahrt ihm 284/3 Die Arbeiter-Jugend Schöneberg. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz meine liebe Frau iugusle Krösel geb. Dange nach kurzen Leiden gestorben Ist. Die Beerdigung sindet am Montag, nachmittags 31/, Uhr, aus dem Kirchhose in Ähren«. selbe statt. 123A Der trauernde Gatte Xuxust Krösel, Reichenberger Str. 141. Allen Bekannten die traurige Nachricht, datz unser inniggeliebter Sohn und Bruder kruno �etzerau am 18. Mai verstorben ist. In tiefer Trauer 31A Emil Neherau nebst Frau, Geschwistern und Schwager. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Mai. nachm. 5'/, Uhr, aus dem St. Jakobi- Kirchhos, Neukölln, Hermann- siratze 99, statt. Am 19. Mai entschlief sanft nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, trensorgender Vater seines einzigen Kindes, Bruder, Schwager und Onlel, im 39. Lebensjahre, Emil Kolodieiiih. Die» zeigt tiesbetrübt an Aana Kolodzeizik geb. Moritz und Sohn Erwin, Neulölln. Nogatstratze 40. Die Beerdigung sindet am Montag, den 22. Mai, nachmittags i1/, Uhr, auf dem neuen Jatobi- Kirchhos, Neulölln, Hermannstratze statt._ 7116 Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz unser lieber Vater, der Gastwirt (jusfsv Lauber nach kurzem Leiden verstorben Ist. Di« Beerdigung sindet am Dienstagnachmiltag 5 Uhr von der Leichenhalle de» Freireligiös en Friedbosc», Pappeiallee 15—17, au» statt. Im Namen der Hinierdliebenen: Frau A. Badekow. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dag am 19. d. M. mein lieber Mann, unser trensorgender Vater, Bru- der, Schwager und Onlel, der Gastwirt Emil Paul verstorben ist. In tiefst« Trauer Frau Emilie Paul geb. Köckert Tochter Luise. Max Paul al« Bruder Frau M. Paul al» Schwägerin und Neffe«. Neukölln, Siegsriedsiratze 57. Die Beerdigung findet am 23. d. M., nachm. 3'l, Uhr, von der Leichenhalle, Mariendorser Weg, aus statt._ Als Opfer des Völkerringens starb am 15. Mai 1916 im Feld- lazareit infolge Bauchschutz uns« lieb« Freund und Wandergenosse, der Musketier 134A Kar! Lutty Jns.-Reg. 64, 9. Komp. im blühenden Mter von 19 Jahren. Wir verlieren in ihm einen guten Freund und stets lustigen ß Gesellschaft«. Wir werden ihm" ein dauerndes Andenlen bewahren. Seine Freunde. Willi Bremer. Paul Tcheffler. Heini Schumann. Willi Treppe. W. Kaufmann] R. Schröder I zurzeit W. Schumann l im Felde. A. Weise) Möge ihm die fremde Erde leicht sein Im Feldlazarett starb am 15. Mai 1916 infolge sein« schweren Verwundung, erlitten am 13. Mai(Bauchichutz, Granatspl.). mein lieber, einzig«, hoffnungsvoll« Sohn und Bräuiigam, der Musketier Karl Lutty Jnsant.-Reg. 64, 9. Komp. im 20. Lebensjahre. 13431 Die tiestraurige Mutter Witwe Johanna lutty, Frida Walter als Braut, Nun bist Du gebettet in fremder Erde, wo Dich traf daS tödliche Blei. und als ich bekam die Trauerlundc, zu meinem MeburtSiag am lS.Mai, mir brach fast das Herz vor Gram und Schmerz um Dich, mein einzig geliebter Sohn. Du warst meine Stütze, mein Sonnenschein, doch Du gingst dahin und ich blieb allein. So jung bist Du von mir geschieden, mein lieber Sohn, ruh' sanst in Frieden. Fern von der Heimat und seinen Lieben siel als Opfer des Weltkrieges am 16. Mär, 1916 durch Kopsschutz mein lieber nn> vcrgetzlich« Mann, unser teurer Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegersohn, der Wehrmann Wilhelm Kirbs Jns.-Regt. Nr. 48, 12. Komp. In tiefe»! Schmerz Im Namen der Hinterbliebenen Wwe..Anna Klrbs, Lichtenberg, Gürtelstratze 26a. Die Freude Dein« Wiederkehr War nicht vergönnt den Deinen, lind mögen sie auch noch so sehr Ihr Liebstes nun beweinen. Drum ruhe sanst im Helden- grab. Besrelt von allen Schmerzen, DaS Blei, das Dich zu Tode traf, Zerreitzt daheim die Herzen. Geliebt, beweint, ewig unvergesien. 113A Ruhe sanft I Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz meine innigstgeliebte Gattin, gute Mutter und Schwester 725b Mma Wölbling geb. Stelnborn nach langen, schweren Leiden sanst verschieden ist. Der trauernde Gatte Hugo Wölbling nebst Kindern. Olga Kowalski als Schwester. Robert Steinbor» als Bruder. Die Necrbigung sindet Montag nachmittag 3'/, Uhr vom neuen grwdhos. Treptow- Baumschulen- weg, Kiesholzslratze, au» statl Im grotzen Bölkerringen fiel am 30. Marz 1916 mein lieber unvergetzllch« Sohn, unser teurer Brud«, Schwager und Onkel, der Friseur 123« Gustav Pflltzenrcuter im 30. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbetrübt an Familie A. Pfützeiireuter. Ruhe saust im fremden Land. Am Montag, den 15. Mai, abend» 7'/, Uhr, ist un» unser einziges, üb« alle» geliebte Kind Fritz im Alter von 1 Jahr und 2 Mo- nalen durch einen Unglücksfall plötzlich entrissen worden. DieS zeigen tiesbetrübt an Wlfft. Hannuth und Frau Charlotte geb. Gänicka. Neukölln, Ossastratze 40. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Mai, nachmittag» 3'hUhr, von der Halle de» Neu- tölln« GemeindejriedhcseS, Ma< riendorser Weg, au» statl 71bb Im gretzen Völkerringen fiel unser lieber, treuer Freund, der Krankenträger Artur Lux. Seinen edlen Charakter sowie den nie versagenden Humor werden nicht vergessen Georg Heinecks und Frau. Gebrüder Weinstein. 722b Zm Memen Wsllll ml Se« Mvlchmlit seWeiieii Smkn! Gefallen am S. Mai der Maler Hacker Bezirk 34, Im Alter von 26 Jahren. 2061/1 Sozlaidemokr. WahWereln t. ä. X. Barllaar Rtlekatagawalilkr. Am 30. März fiel im Alter von 30 Jahren der Friseur Gustav Pflitzenreuter Kottbuser User 34, Bezirk 159 n. Am 29. April fiel im Alter von 22 Jahren der Tlsthler Fritz Hagen Etralauer Allee 29b, Bezirk 296. 214/6 Sozlaldemokr. WahWeroln f. d. 4. Bari. BaleliatafawiMkrala. Am 25. März siel der im 40. Lebensjahr stehend« Maler Otts Jaap Transvaalstrabe 19, 22. Abt. Bez. 776b. 226/14 Sozlaldemokr. Wahlverein i. d. 6. Berliner Releketeginaklkr. Gefallen am 16. März d. I. durch Kopsschub Ukilkeim Hirde Gürtelstr. 26a, S. Abt. 41. Gruppe. Als Opfer des Wellkriege» fiel am 6. Rat 1916 unser Genosse, der Fcilenhauer Hermann Reichelt Alt-Boxhagen 28, im Alter voa 33 Jahren, Gruppe 19 1. viertel. 13/5 Sozlaldemokr. Waklver, Niederbarnini. Bez. Llehtenberj. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Ortsverwaltung: Berlin* Dem Andenken unserer im Felde gefellenen Kollegen. Franz Berkholz,«rtaBarwtct, geb. 4. Mörz 1882 in Berlin. Paul Götter, Schloff«. geb. 13. März 1893 in Berlin. Paul Jericke, Dreh«. geb. 27. August 1885 in Zschepplin. Hugo Klitnke, Form«. geb. 18. Januar 1883 in Charlotten�«». Willi Kochtegei, Metelerhett«, geb. 14. September 1890 in Britz. Johannes Kritsch, Dreh«, geb. 9. September 1895 in Berlin. Alfred Kürig,»«r««�«. geb. 30. April 1876 in Berlin. Karl Langer, Helf«. geb. 1. Mat 1886 in Berlin. Paul Paetsch, Helf«. geb. 11. Januar 1890 in Berlin. Hermann Reichelt, Feilenh«»«. geb. 3. Juli 1878 in Militsch. Franz Stumpfe, Dreh«, geb. 7. Februar 1894 in Berlin. Ernst Voigt, 8«**«$«. geb. 3. Juli 1896 in Berlin. Nikolaus Walther, fum««. geb. 19. Mai 1886 in Grabenau. August Weide, Dreh«. geb. 16. August 1878 in Fürstenwerder. Karl Welski,«etaiurwt«, geb. 20. Juni 1887 in Greisenau. Ehre ihrem Andenke«! 117/5' Di« Ortsoerwaltnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berllm. I« Uelde gefallen flu» folgende BKIt«lied«i Fritz Hagen, 2, sah««*. Friedrich Hertel,« s-h« Wilhelm Kohl, ww«. ss Iah««tt PaUl MatZkOW, M»»-lpolie»e». 38 Jahre alt. Karl Schilde,««»»««««. so Jahr» Otto Schneider,«wu».-sgahr« Albert Thimm,«w»«. 31«it. Adolf Wolff,»ischl«.»» Jahr. ntt. Adolf WorlitZ,«schler. 39 Jahre a«. Ehre ihre««ndenkr» l nie Ortavez�valtam». Bezirk Grvh-Berlin. Folgende Kollegen find im Felde gefalle«: Richard Flügge, Geschsstsknisch«, Hermann Hinzer, Geschsftschanffenr. Karl Knüppel, Bierfahrer, Kugust IRvlchor, Industriearbeiter, Hermann Hsrlich, Rollkntfch«, Franz Oschinski, M-belpack«, Emil Pankau, Jndnstriearbeit«. Fritz Pilz, GcschSftSdieo«, Gustav Spitzkat, GeschäftSdieuer, Adolf Ulrich, Arbeitskutscher, Georg Weber, Geschäftsdien«, Karl Wuttke, GeschäMien«. Ehre ihrem Andenken: 65/1 nie neMlehnleltzuzU. Ortsgruppe QroßoBerlin. Den Mitgliedern und Freunden wallungsmitglied und lieber Kollege zur Rachticht, daß unser Ber- 78/9 Uermsstn Selissrsellmillt am 8. Mai verwundet und am 10. Mai seinen Wunden erlegen ist. Wir betrauern in ihm einen treuen, fleißigen Mitarbeiter, dem die Organisation viel verdankt. Mit feiner Arbeit hat er sich feibft einen Denkstein gefetzt. Die OrtSverwaltnng. ferband der Sattler und Porteleulller. Ortsverwaltung Berlin. Als Opfer de« Weltkriege» ver- starb in der Gesangenfchast unser Mitglied Hennaim Teuber 39 Jahre alt. Ehre seinem Andenke«: 157/20«die Ortsvrrwaltung. Am 23. April fiel al» Opfer de» vilterringens mein lieber jüngster Sohn, unser guter Bruder, Schwa- ger und Onkel, der Pionier Fr'iti Paul Hagen im Frühling seine» Leben», im 28. Lebensjahre. 7065 In unköstlichem Schmerz Uwe. Harle Itagen geb. Schwensow, Unna Nagen als Schwester, Klara Sobwalbaoh geb Hagen, Riehard Sehwaibaoh(zurzeit im Felde) als Schwager, Max Hagen mit Frau und Kindern, Ualdeinar Hagen(zurzeit Im Feld«) nebst Frau, Hermann Hagen(zurzeit im Felde) nebst Frau. wenn allen brennen würde Der Schmerz so Heist wie uns, Hätt' diese» Völkerringen Sin End' in erster Stund'. Ruhe sanft in fremder Erde I Verband der BoreaDangestellteo Deutschlands. Ortsgruppe CäroU-Bcrlln Am 18. Mai verstarb unser Mit- glied, Krankenlafienangestellter Bnuio Retzerau im 25. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Mai, nach- mittags 5'/, Uhr, aus dem Jakobl- Kirchhof in Neukölln, Hermann- slraste 99, von der Leichenhalle aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Kollegen ersucht 46/7 Ole Ortsverwaltung. Als Opfer des Weltkrieges starb infolge seiner erhaltenen schweren Verwundung am Oberschenkel am 10. Mai mein lieber, guter Sohn, Bruder, Onkel und Neste, der Grenadier Res.-Jns.-Reg. 201, 4. Komp. im 24. Lebensjahre. 703b In tiefem Schmerz seine betrübte Mutter n. Enkel. Gar einfach war Dein Leben, Du dachtest nie an Dich, Nur für die Deinen streben, Hieltst Du für Deine höchste Pflicht. Ruhe sanst in Feindesland l Am 8. d. Mts. Krankenträger fiel infolge Gasvergiftung unser Artur Lux Kollege, der 723b im 37. Lebensjahre. Er war einer der Besten. Sin ehrende» Andenken bewahren ihm die ßkolleginnen«nd Kollegen der Zlgaretten-Fabrik Manoli. Möge Ihm die Erde leicht fein. Nachruf. «I» Opfer de» Weltkriege» fiel am 9. Mai unser lieber Kollege 7186 Hermann Runge. Wir»erben ihm stets ein treues Andenke« bewahren! Die Koliep der Firma M. Waper, Hille& Co.. Willn. Am 21. April verstarb im Feldlazarett infolge Verwundung unser lieber Kollege, der Dreher HA .4rtur Cioska. Wir werden ihm stets ein ehrende» Andenken bewahren! Die Heister ood Koliep der Firma Koorrbremse i. G. Verband der treten Gast- und Ortsvcrwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau des Kollegen Kirscker', Auguste geb. Xlk»U Autonstr. 3, Bezirk L am 16. Mai verstorben ist. Chre ihrem Andenken: Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dast der Kollege (justav Lauber Förster Str. 22, Bezirk 4 am 18. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet Dirns- tag, den 23. Mai, nachm. 5 Uhr, von der Halle aus dem Friedhos der Freirellgiüsrn Gemeinde in der Pappel-Allce statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/5 Die Ortsverwaltung. Dealstber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast uufer Kollege, der Mechaniker �ickarä Liekken Dragoncrstr. 22 am 18. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Di« Beerdigung findet am Montag, den 22. Mai, nach- mittag» 4 Uhr, von der Leichen- halle de« alten Georgen- Kirch- hoscS am Köntgstor ans statt. Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltnng. Nachruf. Den Mitgliedern ierner zur Nachricht, das, unser Kollege, der Schiosscr Ott« Dippelt am 8. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken: 117/6 Die OrtSverwaltnng. AlS weiteres Opfer des Weli- kriege» starb om 12. Mai 1916 an Blutvergistung nach einen» Hüftgelenlschuk in einem Lazarett unser lieber Kollege, der Setzer Idols Geisler im Alter von 28 Jahren. s714b Ehre seinem Andenken t Hie Knilegen der OncbdmM Imberg& Leisen, Berlin. Es ist bestimmt in Gottes Rat, bab man vom Liebsten, was man hat mutz scheiden. 71Zb Den Heldentod sllrs Vaterland starb am 8. Mai 1916 mein innig geliebter Mann, unser lieber, guter Vater, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Hornist Kar! Knüppel Grenadier-Rgt. 12, 1. Komp. im Alter von 37 Jahren. In ttesstem Schmerz Frau Marie Kallppel geb. Gemkow nebst Kindern Elsa und Paul, Emma Knüppel al» Nichte, Willibald-AlexiS-Stratz« 20. Am 19. Mai entschlief sanst nach langem, schwerem Leiden unser langjähriger Kollege und Mitarbeiter, der Schriftsetzer Emil Kolodzeizit im 39. Lebensjahre. Wir werden dem Verstorbenen ein ehrende» Andenken bewahren. DaS Personal der Bnchdnufmi Strauß A.-G. Beerdigung: Montag, 22. Mat, nachmittags 4'/, Uhr, aus dem Jalobiktrchhos, Neulölln, Her- mannstra�k��������AS� Am 8. Mai fiel al» zweite» Opser de» Welltriege» aus un- serer Familie durch Volltrefier einer Granate mein tnntgstgeltcb. ter Sohn, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel, der Mus- letier A Lrnst Oremser Jnsanterte-Negiment 64, Ritter des Eisernen Kreuzes, im blühenden Alter von 20Jahren. Die tieftrauernde Mutter Wwe.»ans Bremsar, Att-Glienicko. Familie Bremser, Berlin. , Lebrlder, Alt-Glienicke. , Hirthe, Oberschöneweide. . Slawin, Berlin. Anna, Ella, Hildegard als Nichten. Willi und ßustav als Neffen. So schläjst Du jetzt den letzten Schlas. Wir denken Dein mit Schmerzen. Das Biet, das Dich zu Tode tras, Zerreitzt daheim die Herzen. Ruhe sanst in Feindesland I Infolge Bauchschusses verstarb k am 16. Mai im Feldlazarett unser j lieber Kollege, der Schriftsetzer ECsH Lutty Jnj.-Rgt. 64, 9. Komp. im blühenden Mcr von 19 Jahren. Leicht sei ihm die Erdet Das Personal der Bncbdrnckerei kl. S. Hermann. am 27. April mein innigstgelicbter herzensguter Man», treusorgender Vater seiner Kinder, Sohlt. Bruder und Schwiegersohn, der Kranken- träger 707b Otto Rstschko im 38. Lebensjahre. Dies zeigt tiejbetrübt an« die trauernde Gattin Helene Batschka nebst Kindern,( Berlin, Grünauer Stratze 29. So schiäst Du denn den letzten Schlas, Wir denken Dein mit Schmerzen, DaS Blei, das Dich zu Tode tras, Zerreibt daheim die Herzen. Wer Dich gekannt, so treu und schlicht. Im Leben, im Berus, vergiht Dich nicht. Ruhe in Frieden. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, datz mein einziger Sohn Georg Tetzlaff am 12. d. Mts. im Lazarett, wo er am 10. d. Mis. mit einer Bein- verletzmig eingeiiejert wurde, ver- schieden ist. 717b In tiejeu» Schmerz sein Bater Willi. Tetzlaff. Ais Ovier des Weitlricges starb am 7. Mai an schwerer Ober- schenlel-Verwundmrg im Feld- lazareit unser lieber Sohn, Neste und Vetter 3Nl Otto Heuter. Die? zeigt trauernd an niivent Heuter und Familie F.Ibcrt. War' jeder so wie er, Gab'» weder Krieg„och Not. Als Sohn des Volles starb er Getreu bis in den Tod. Erneut« herbe Verluste hat der Weltkrieg von uns ge- sordert. An den Folgen schwerer Verwundungen verstarben im Lazarett unsere Kollegen Georg Tetzlaff im Alter von 20 Jahren, und fferm. Sebaarsehmidt im Alter von 24 Jahren. Beide haben viele Jahre lang treu und unervzüdlich sür die freie Jugendbewegung gewirit und die erste» VeUrauensämler bekleidet. Sie werden uns als leuchtende Beispiele rastloser Arbeit sür unsere Sache unvergessen bleiben l Die Arbeiterjugend Berlin. —— 284/1 AlS Opser des Weltkrieges fiel unser lieber Kollege und lang-, jähriger Mitarbeiter Karl Lutty im Alier von 20 Jahren. Sein Andenken iverden wir allezeit in Ehren halten l Die Arbeiterjugend Schönhauser Vorstadt. Danksagung. Fttr die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinfchetden meines lieben Mannes, des Tischlers \V!lkelm Küthe sag« ich allen Verwandten, Freunden, Bekannten, Kollegen und seinen SangeSbrüdern sowie Herrn Manasse sür die trostreichen Worte meinen allerhenztichslen Danl. 123A Herta Küthe, Sorauer Str. 0. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Verwand- >en. Freunden und Bekannten, ins- besondere meinen Kollegen meinen tiesgesübltesten Dank. USA Etäusfd Dillmann. Neulölln, Kaiser-Friedrich-Str. 5. Allen denen, die meiner lieben Frau das letzte Geleit zur Ruhe gegeben haben, sage ich meinen herzlichstcnDank. Heinrich Scheuer. Danksagung. Allen Frcnndcn und Bekannten sagen wir sür die zahlreiche Betet- ligung und reiche Kranzipend« bei der Einäscherung meines lieben Mannes und BaterS Paul Isdiactischall insbesondere Herrn Waldeck Manasse für die trostreichen Worte, sowie dem Milchhändler- Verband, dem Milch- bändler-Verein und den Mietern des HauseS Martin-Opitz-Str. 22 unseren besten Danl. 12621 Elisabeth Tschachschall nebst Kindern. Dentsches Theater. Direktion: Max Beinhardt. Sonntag, Montag: 8 Uhr: Die grüne Flöte(Ballett). Vorher: Die Lästigen. KainincrKpIcle. Sonntag, Montag: 81/, Uhr: Der eingebildete Kranke. Vorher: Ballett. Volksbühne. Theater a. Blilowpl, Nachm. 3 Uhr(kleine Preise): Doppelselbstmord. Sonntag, Montag: S'h Uhr: Die Mottenburger. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i.d.Königgrätzerstraße 7M Uhr: Ein Tranmsplcl. Komödienhans. 8-/, Uhr;»er 7. Tag. Nachm. 3 Uhr:„Extrablätter I* gBerlisiep Thesaf0 S'/jU.: Wenn zwei Hochzeit machen. Fertaml lief Freien FoSshllliüen Sonntag, den 21. Mai 1916; Nachmittags 3 Uhr: Volksbühne, Theater am BülowPIatz: Doppelselbstmord. Deutsches Opernhaus: Der Wild schütz. Schiller-Theater Charlottenburz: Die fünf Frankfurter. Deutsches Künstler-Th.: Don Juan. Lessiiig-Thealcr: Komödie der Worte. Abends 8'/. Uhr: Volksbühne, Theater am BülowPIatz: Montag bis Donnerstag: Die Blottenburger. Kose-l'kSatei'. 3 Uhr: Cirigri. 8 Uhr: zum 1. Male: Berliner Blut. Bei günstigem Wetter: Gartcnv erstell. Theater für Sonntag, den 21, Mai. Deutsches Opernhaus Charlottbg. 3 Uhr: Oer Wildsciiiitz. 7 Uhr; Die Meistersinger v. Nürnberg. (Sachse, Kammers. Fr.Plaschke). Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. 3 Uhr: Rigoletto. 81/4 U.:»um OrelnaUderlhnus Kleines Theater. 3'/, Uhr; Tlari» Magdale ne. 8v.it.: Valer und Sohn. Komische Oper. 3'/, Uhr: Jung muß man sein 8�/, Uhr: Der Favorit. Lustspielhaus. s'i,uhr: Brauchbar& Fix. Metropol-Theater 8u.:DieGroßlierzogln?.GeroIs(elo. Montis Operetten-Theater s'/i u.: Der selige Balduin Residenz-Theater 8'/. uhr: Fliegende Blätter. Schiller-Theater O. 8 Ulrr: WM ü. FöliailtiSell. Sehlller-Th.Charlottenbg. 3 Uhr: Die fünf Frankfurter. s uhr: Alt-Heidelberg. Thalia-Theater. 3 Uhr: Johannisfener. 8'/4u.:B!ondmelien. Theater am Vollendorf pl. '/A Uhr; Das Ffirstcnkind. s'i, u.; Immer feste druff! Theater de» Westens vi, u.: Kubinke. Trlanon-Theater. 4 Uhr; Der Pfarrer von Kirchfeld. S'/i Uhr: Tante Tüs'chen. Reiehshallen-Theater Stettiner Sänger. Sin Kaien- Spnh Studentenbild von Meyfel. Anfang 8 Uhr. Reute L Vorstellungen Ä 3�/ m. Nachm.ied.ßrw. Ott,,, 1 Kind frei. 0 fn beiden Vorstellungen Robert Steid3 Jlse Bois und das große Mai-Programm. Ssssittg-Theater. 8 Uhr: Niora. (Ibsen-Zyklus 6. Abend.) (Helmor: Albert Bassermann.) Nachm. 3 Uhr: Komödie der Worte. ßeutseh. Künstler-Theater. 87. U.; Die selige Exzellenz. Nachm. 3 Uhr: Don Juan. URANIA raÄtr- Sonntag 4 Uhr(halbe Preise): Aegypten, der 8nezkanal und der Weltkrieg. 8 Uhr: Von den Rokitnosiimpfcn zum Vareczsee. Montag 8 Uhr: Im eroberten Warschau. National-Theater Köpenicker Str. 68. Täglich 7,9 Heute 37, u. 87., Mai- Spielplan! das Mädchen mit den Schicksals- Augen Varieti- Operette in 2 Bildern von Bert rai Dcrp Tänze Johnson und Johnson Birkeneder Kremo Paul Jülich Wilma Kino* V olgt-Tlieater. Badstr. 38. Badstr. 58. Heule Sonntag 3 Uhr: Nache und Liebe. Heute Sonnlag 8 Uhr: Der Waldteufel. Ab Montag: Das Busch liesel. VValhalla-Theater. 8 Uhr: Kyritz-Pyrih. Sonntag bei günstiger Witterung 4 Uhr: im Garten Vorstellung. �Flämirsls�alast� Reute Ä Vorstellungen 47» und O Uhr. Das herrliche Eisballett V Frau Intasie. Nachm. kl. Preise, abd.2,3, 4M. 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Frankfurt a.M., schreibt uns: Nach den interessanten theoretischen Ausführungen in der Donnerstagnummer des„Vorwärts" über die Massenspeisung, erlaube ich mir, als Prak- tiker, einiges als Ergänzung hinzuzufügen, das allgemein inter- essieren wird. Zum Verständnis des Folgenden möchte ich darauf ver- weisen, daß in Frankfurt a. M. das Problem der Volksernährung gleich in den ersten Wochen des Krieges in Angriff genommen worden ist. In meinem Bezirk der Kriegsfürsorge, der ärmste Stadtteil Frankfurts, stellte sich gar bald heraus, daß den Kriegerfrauen mit der Zuwendung von Geldunterstützung allein nicht geholfen war. Man sah es ihnen und ihren Kindern an, daß sie schon zu einer Zeit, wo die Lebensmittel noch nicht die schwindelnde Höhe von heute erreicht hatten, an Unterernährung sichtlich litten. Da kamen wir, wie gesagt, schon im Oktober 1314 dazu, in Frankfurt zunächst zwei Kriegsküchen einzurichten, die heute auf elf angewachsen sind. An- fangs zeigte sich eine gewisse Abneigung gegen diese Form der Er- nährung, weil man dem Essen eine Art Armenunterstützung an- sehen wollte. Das änderte sich aber schon nach wenigen Wochen; bald konnten die Kriegsküchen die Massen nicht in chren Räumen aufnehmen, die täglich an unseren gedeckten Tischen gespeist werden wollen. Was wird in den Kriegsküchen geleistet? Das ist wohl die wich- tigste Frage. Wir haben im Anfang die Auswahl unserer Gerichte rein nach wissenschaftlichen Grundsätzen aufgestellt und bis heute, freilich unter den größten Schwierigkeiten, durchgeführt. In runden Mengen geben wir pro Tag und Kopf: Ein Pfund Kartoffeln, drei- viertel Liter Suppe(Reis-, Haferflocken-, Gries-, Sago-, Grünkern-, Kartoffel- oder Erbsen-Suppe), ein halbes Pfund Gemüse und im Durchschnitt öl)— 60 Gramm Fleisch. Zum Schmelzen des Essens wird für jede Portion 10— 12 Gramm Fett berechnet. Dazu gibt es hier und da Obst, Rhabarber usw. Was kostet nun der Kriegs- Fürsorge dieses Essen? Da will ich als Unterlage den teuersten Monat März heranziehen, dessen Schlußziffern mir vorliegen. In diesem Monat wurden 116 817 Portionen verausgabt, die an Lebens- mittel kosteten: 31 373,35 M., also 27,3 Pf. pro Portion. Dazu kommt nun noch das, was die Küchen an Berwaltungskosten, Mieten usw. verwirtschafteten, nämlich 4321,30 M.; damit erhöht sich die Portion um den Betrag von 3,7 Pf. Die Gesamtkostcn betrugen demnach für jedes Mittagessen, selbst wenn man noch einen Pfennig pro Kopf für Abschreibungen aller Art hinzurechnet, nur 31,8 Pf. Man wird zugeben, daß das ein so glänzendes Resultat ist, daß man sich nur Wundern kann, warum es erst den Krieg brauchte, um auf diese Vorteile der Massenspeisung hingewiesen zu werden. Massen- speisung nicht in dem Volksküchensinn, sondern so, wie sie in un- seren Frankfurter Küchen durchgeführt wird. Wie ist diese billige Herstellung möglich? Zunächst durch die größtmöglichste Ausnutzung der Lebensmittel, durch den Massenein- kauf, durch schnelle und sichere Verteilung an die Küchen, durch un- entgeltliche ehrenamtliche Arbeit bei der Verteilung und Organisation, Ersparnis der Mieten durch teilweise Benutzung von Turnhallen und gewerblichen Betrieben. Wie stellt sich nun der Vorteil für den einzelnen beim Bezug des Essens? Die Kriegsfürsorge gibt das Essen zum Preise von 20 Pf. pro Tag an die Kriegerfrauen ab. Außenstehende müssen den Herstellungspreis zahlen, der im Monat März also 2 M. die Woche betrug. Wenn eine Kriegerfrau drei Kinder hat, kommt sie immer mit drei Portionen aus. Diese kosten ihr 60 Pf. Sie hat aber in Wirklichkeit für 1 M. im Topf. Würde sie sich das Essen selbst kochen, so kostete ihr dieselbe Quantität in der gleichen Güte mindestens 1,40— 1,50 M. Dabei sind nicht gerechnet die Mühen des Einkaufens, die gerade jetzt sehr groß sind. Man sieht, die Massenkocherei bringt den Familien enorme Vorteile. Die� Frauen sehen das auch ein, der Züdrang ist sehr groß; wir müssen jetzt wieder einige neue Küchen eröffnen. Es werden dann täglich deren 14 im Betrieb sein, die jede über 1000 Portionen Essen, zusammen also 14 000 Portionen Essen pro Tag abgeben können. Nach Bedarf errichten wir dann wieder neue Küchen. Eine Warnung möchte ich aus meinen Ersah- rungen gegen die fahrbaren Küchen aussprechen. Die Vorteile der Bezirksküchen sind so groß, daß die Kochwagen ganz in den Hintergrund treten. In den Küchen der Frankfurter Kriegs- sürsorge braucht das Essen nicht, wie in den Gulaschkanonen, durch- einander gekocht zu werden. Jeder bekommt extra Suppe, seine be- sondere Portion Gemüse, Kartoffeln und Obst. Das sind so große Vorteile, die man gar nicht hoch genug anschlagen kann. Es kommt ja nicht nur darauf an, was der Mensch bekommt, sondern auch wie es ihm geboten wird. In der Abwechslung, in der schönen Auf- machung liegen sehr große Vorteile. Immer nur alles m einen Kessel durcheinander gekocht zu erhalten, kann den Appetit nicht an- reizen, ganz abgesehen von den sonstigen Unbequemlichkeiten. Ein anderer Umstand spricht ferner für die Bezirksküchen: Daß die Gäste kommen können, wenn sie wollen, daß sie nicht wie ein Sklave an die bestimmte Minute gebunden sind. Auch das ist ein wesentlicher Umstand, besonders für' arbeitende Frauen. Ferner können in un- seren Vezirksküchen die Gäste gleich ihr Essen einnehmen. Tausende machen davon Gebrauch, die Mittags nicht im eigenen Heim sein können. Und noch etwas ganz besonderes: Wir können die Gäste individuell behandeln. Wenn wir wissen: das ist eine arme Frau, die drei Portionen holt, die aber sechs Esser hat, schwapp, wird da yoch ein Löffel voll zugegeben; daS hört beim Kochwagen auch auf, weil jedes persönliche Verhältnis zum Gast schwindet. Aber auch das ist für die Küche sehr wichtig, wie überhaupt ein familiärer Ton herrschen soll. Dann können wir in der Bezirksküche Lebens- mittel verwenden, die der fahrbare Betrieb gar nicht gebrauchen kann, auf die man aber gerade jetzt nicht verzichten darf. Ich denke hier nur an gebackene Fische, Kartoffelklötze, Koteletts aus Soyama und Fleisch usw., wie will man die in eine Gulaschkanone bringen? Die Vorteile der Bezirksküchen sind also so groß, daß sie gar keinen Vergleich mit den fahrbaren Küchen vertragen; ich würde jede Gemeinde dringend warnen, sich auf diese Kochwagen festzulegen. In Wirklichkeit liegen heute die Tinge so, daß die Küchen nicht mehr verschwinden werden. Auch wenn der Krieg, hoffentlich bald, zu Ende geht; die Lebcnsmittelkalaniität wird mit dem Liuhen der Waffen nicht abgestellt sein. Statt Kriegerfrauen werden dann die Massen der Arbeitslosen und der mindererwerbsfähigen Kriegsbeschädigten unsere Gäste sein,' für sie wird die öffentliche Familienküche— ich betone, keine Volksküche im üblichen Sinne— eine dauernde Ein- richtung werden müssen. Warum soll dann nicht gleich die Sache so eingerichtet werden, daß sie dauernden Bestand hat? Wir haben unsere sämtlichen Küchen unter einer einheitlichen Leitung einer Zentralküchenkommission gestellt. Daß es gerade ein Sozialdemokrat und Gewerkschafter ist, dem man die Leitung über- tragen l}Qt£ mag ein Zeichen fein,, daß man mit Recht geglaubt hat, hier im Interesse der Oeffentlichkeit die jahrzehntelangen Erfahrun- gen auf dem Gebiet der Arbeiterbewegung in den Dienst der Volks- ernährungen stellen. In dieser Zentralküchenkommission wird der ganze Einkauf besorgt, die wirtschaftlichen Ergebnisse der einzelnen Küchen sofort nachgeprüft und die Kontrolle des Essens durchgeführt. Daneben sind noch täglich etwa 8 bis 10 Frauen, darunter auch drei Genossinnen unterwegs, die die Kontrolle des Essens ausüben. Alles natürlich nur ehrenamtlich. Ab und zu wird auch einmal ein Arzt zu Rate gezogen. In der letzten Zeit hat sich die Beschaffung der Lebensmittel natürlich sehr erschwert, aber es ist noch genug in Deutschland, wenn man nur hohe Preise anlegen kann. Auf ein einziges Inserat haben wir so viel Angebote bekommen, daß wir jahrelang kochen könnten, allerdings zu Preisen für unsere Kriegerfrauen, wie sie etwa im„Rheingold" in Berlin in normalen Zeiten ge- fordert wurden. In den Dienst der Beschaffung unserer Vorräte mutz immer mehr die Stadt gestellt werden, die sich in letzter Zeit auch mehr angelegen sein ließ, Lebensmittel an uns abzugeben. Je mehr diese Küchen öffentliches Bedürfnis werden, um so größer ist das Interesse der Behörden an ihnen. Wir haben— heute kann man das ja sagen— im Anfang mit den verschiedenen Instanzen sehr schlechte Erfahrungen gemacht, die Küchen sind zum Teil gegen chren Willen errichtet worden. Wir sind jetzt am Werk, bürgerliche Kriegsküchen zu schaffen und die Schulkinderspeisung zu regeln. Unterernährte Kinder oder solche, die nach Krankheit usw. besseren MittagStisch brauchen� sollen in unseren Küchen besonders gespeist werden. Wenn ich ein Schlußurteil abgeben darf, dann ist eS dies: Richtet überall solche Küchen ein, sie sind ein Vorteil für jede Familie, für die Gemeinde, für die Volksgesundheit, Ms Groß-öerlin. Die Sommerarbeit öer �rbeiterbiLZmtgsfchule. Nach Beendigung des Unterrichts im Winterhalbjahr 1915/16 hatte sich der Bezirksbildungsausschuß für Groß- Berlin mit Rücksicht auf die durch den Krieg verursachten außerordentlichen Zeitverhältnisse entschlossen, in diesem Jahre ausnahmsweise von einem regelrechten Schulbetriebe mit Kursen usw. in der Zeit vom 1. April bis 1. Juli abzusehen. Damit soll aber die Bildungsarbeit im Sommerhalbjahr nicht völlig eingestellt sein. In Uebereinstimmung mit Wünschen, die in der letzten Hörerversammlung der Schule geäußert wurden, soll diese Arbeit in einer anderen Form geleistet werden. Es werden für die Sonntage n a t u r w i s s e n- schaftliche Wanderungen und an den Donners- tagen jeder Woche wissenschaftliche Einzelvor- träge veranstaltet werden. Die naturwissens chaftlichenWanderungen sollen hinausführen in die Umgebung Berlins und die Wanderer unter sachkundiger Führung bekannt machen mit Bodenform, Bodcnzusammensctzung, mit Siedlungskunde, Wirtschaftsgeographie usw. In der Regel wird es sich um ganze Tagesausflüge handeln, dazwischen sind aber auch Nach- mittagsausflüge vorgesehen, für solche, die wenig Zeit haben und nicht gut zu Fuße sind. Eingeleitet werden diese Wanderungen durch einen Lichtbildervortrag, der am Mittwoch, den 24. M a i, abends 8'/, Uhr, im Hörsaale der Schule, Lindenstraße 3, 4, Hof rechts 3 Treppen, stattfinden wird. Genosse Graf, der auch die Sonntagswanderungen leitet, wird über das Thema„Die Mark Brandenburg als naturwissenschaftliches Wandergebiet" sprechen. An diesem Abend wird auch noch nähere Auskunft über Art und Methode der Wanderungen gegeben werden. Für jede Wanderung wird eine Teilnehmerkarte ausgegeben, die im WahlvereinSburcau des VI. Kreises, Gerichtstr. 71, im Wahlvereins- bureau des IV. Kreises, Stralauer Platz 10/11, und im Sekretariat des Bezirksbildungsaus- schusses(Jugendsckretariats, Lindenstr. 3, zu er- halten ist und 30 Pfennig kostet. DaS Fahrgeld hat der Teilnehmer natürlich selbst zu tragen, ebenso wie jeder für Mundvorrat zu sorgen hat, da größere Mittagspausen aus verschiedenen Gründen nicht eingelegt werden können. Folgende Ausflüge sind zunächst vorgesehen: 2 8. Mai: Tagesexkursion. Rüdersdorfer Kalkberge— Woltersdorf— Kranichberge— Erkner. Ab Friedrichstraße 7.14(umsteigen in Fredersdorf) vormittags, an Rüdersdorf 8.20. Fahrkosten 1,50 M., Weg- länge 25 Kilometer. 4. Juni: Halbtagsexkursion: Hermsdorf — Lübars. 10—15 Kilometer, ab Stettiner Vorortbahnhos l18 nachmittags, an Hermsdorf I88. Fahrkosten 0,40 M. 18. Juni: Tagesexkursion: Rchagen-Klaus- dorf— Mellensce— Sperenberg— Solms-Ba- ruther Forst— Baruth. Ab Berlin-Schöncbcrg, Militär- bahnhof T0 vormittags, an Rehagcn-Klausdorf 8'8 vormittags. Fahrkosten: 2 M. Weggänge: 35 Kilometer. 2. Juli: Tagesexkursion: D a h m s.d o r f- Münchcberg— Scharmützclsce— Märkische Schweiz— Buckow— Dahmsdorf-Müncheber g. Ab Fricdrichstraße(Fernbahnhof) mit Sonntagsrückfahrtkarte 3. Klasse Dahmsdorf-Müncheberg 6" vormittags, an Dahms- dorf-Müncheberg 8M. Fahrkosten: 2,30 M. Weglänge: 35 Kilometer. »• * Die wissenschaftlichen Einzelvorträge finden jeden Donnerstag, abends 8'/z Uhr, im Hörsaal der Arbeiterbildungsschule statt. Für die nächsten Wochen sind folgende Vorträge vorgesehen: Am 25. Mai: Irland und England. Vortragender: Genosse Eduard Bernstein. Am 8. Juni: Mesopotamien und die englische Herrschaft in Indien. Vortragender Genosse Ernst D ä u m i g. Am 15. Juni: Shakespeare und Cervantes. Genosse Dr. Franz Diederich. Am 22. Juni: Der Kampf um die Kornzölle in England. Vottragender: Genosse Eduard Bernstein. Die weiteren Vorträge werden zu gegebener Zeit bekannt- gegeben werden. Das Antttttsgeld für den Vortrag beträgt 10 Pfennig. An den Vortragsabenden ist auch die Bibliothek der Schule geöffnet, in der gegen entsprechende Legitimation Bücher entnommen werden können. Tie �'leischration in nächster Woche. 250 Gramm Fleisch oder Fett. Auf Grund des Auftriebs der vergangenen Woche hat der Magistrat in einer vom 20. Mai erlassenen Verordnung bestimmt, daß ans eine Berliner Brotkarte(Serie I bis XIX und XXXVI) nicht mehr als 250 Gramm frischen Fleisches oder frischen FetteS oder beides zusammen abgegeben und entnommen werden darf. Der Verkäufer ist verpflichtet, bei Abgabe des Fleisches oder FelteS in Mengen bis zu 125 Gramm das Mittelstück der Brotkarte einmal, bei Abgabe von Mengen von über 125 bis 250 Gramm zweimal zu durchlochen. Die Durchlochung hat derart zu geschehen, daß die Geltungsdauer sowie die Serie bei dem Brotkartenmittelstück klar erkennbar bleibt. Die Verwendung einer zweimal durchlochten Karte für den Fleisch- oder Fettbezug ist untersagt. Wo bleibt die Wurst? Der Magistrat hat in voriger Woche eine Verordnung erlassen, nach welcher nur vier Sorten Wurst hergestellt werden dürfen und hat auch Höchstpreise für die einzelnen Sorten festgesetzt. Wie das nun immer so geht, wenn Höchstpreise festgesetzt werden, verschwindet nach einer solchen Verordnung fast regelmäßig die betreffende Ware. Sofort setzen Bestrebungen ein, um höhere Preise zu erreichen. So auch hier. Inhaber von Berliner Wurstfabriken haben sich mit einer Eingabe an den Magistrat gewandt, worin sie ausführten, daß sie zu ocir nunmehr festgesetzten Höchstpreisen eine wirklich nahrhafte und reelle Wurst nicht liefern könnten. Die zur Wurstherstellung nötigen Kram- teile müßten zum erheblichen Teil aus dem Auslande, und zwar zu Preisen eingeführt werden, die einen Verkauf zu den neuerdings verfügten Höchstpreisen unmöglich machten. Die Belastung der früheren Höchstpreise würde es dagegen den Wurstfabrikanten ge- statten, nicht nur Kramtcile, sondern auch bessere Teile des Tieres zu verwenden, wodurch der Nährweit der Wurst stiege. Schließlich schlägt die Eingabe vor, Vertreter des Gewerbes in dieser Sache zu hören, welche die Eingabe erläutern würden. Der beste Weg würde sein, wenn wie in Nürnberg die Wurst- Herstellung nur im Eigenbetrieüe der Stadt hergestellt werden würde. Seefische auf dem Berliner Markt. AuS dem Rathause wird geschrieben: „Seit einiger Zeit gelangen erfreulicherweise in Berlin Seefische in großen Mengen auf den Markt. Die Preise sind nicht hoch, und obwohl Fische und ganz besonders Seefische eine gesunde und kräftige Nahrung darstellen, entschließen sich unsere Berliner Hafissrauen schwer, Seefische zu kaufen. Es besteht vielfach noch immer das alte, ganz unbegründete Vorurteil, daß mau Fische nur lebendig kaufen soll, was ja bei Seefischen nicht möglich ist. Vielleicht hält wohl auch die Knappheit an Fetten die Hausfrauen vom Einkauf von Seefischen zurück; eS ist jedoch einer geschickten Hausfrau wohl möglich, einzelne Sorten dieser Fische, z. A. Scbollen. die sehr billig sind, ohne Fett oder nur mit ganz geringen Quantitäten Fett zu kochen. Es sei aber besonders daraus hingewiesen, daß Fischsuppen, die auf die verichiedeusten Arten hergestellt werden können, sehr schmackhaft und von hohem Nährwert sind." Daß die Seefische sehr billig sind, können wir nicht gerade finden._ Zucker für Einmachezwecke. Zur Feststellung des Bedarfs der Haushaltungen an Zucker für Einmachezwccke werden Vordrucke zur Anmeldung dieses Bedarfs bei unseren Steuerkassen ausgegeben. Im Hinblick auf die geringen Zuckerinengeu, die überwiesen werden können, soll der Bedarf möglichst niedrig angesetzt werden. Auf die Möglichkeit dcS Einmach enS zunächst ohne Zucker wird be- sonders hingewiesen. Haushaltungen, welche bei der Znckcrbestandsaufnahme vom 25. April d. I. im Besitz eines Zuckervorrates von über 20 Pfund waren, haben jetzt einen Bedarf überhaupt nicht anzumelden, ebenso wenig die Haushaltungen mit geringeren Vorräten, falls sie ihren Bedarf an Einmachezucker bereits gedeckr haben. Die ausgefüllten Vordrucke sind spätestens bis zum 25. Mai bei der nächsten Steuerkasse abzugeben oder an das Statistische Amt der Stadt Berlin, Poststr. 16, portofrei einzusenden. Bedarfsanmeldungen, welche bis zum 25. Mai nicht erstattet worden sind, können keinesfalls berücksichtigt werden. Bemerkt wird, daß auch die Bedarfsanmeldung noch keinen Anspruch auf Bezug vou Zucker gewährt._ Die Arbeitszeit in der Bekleidungsindustrie. Das Polizeipräsidium teilt mit:„Mit Zustimmung des Oberkommandos in den Marken bat der Polizeipräsident vou Berlin gestattet, daß es den Maßschneidereien solvie den offenen Detailgcschäften freistehen soll, nach ihrer Wahl auch die in Fabriken, Werkstätten und Konfektionsbetrieben vor- geschriebene Arbeitszeit anzunehmen. Außerdem bewendet es in besonderen Fällen bei der Ausnahmcmöglichkeit, welche bei der Abt. IV schriftlich zu beantragen ist. Die gewählte Ar- bcitszeit nebst den festgelegten Pausen�ist in jedem Betriebs- räume durch Aushang in deutlicher Schrift bekanntzugeben. In Maßschneidereien dürfen die Zuschneider über die fest- gesetzte Arbeitszeit von 40 Stunden wöchentlich hinaus mit dem Maßnehmen und Anprobieren beschäftigt werden." Neue Sparkafscusatzungen. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung die neue Sparkassensatzung zur Beschlußfassung zugehen lassen. Die in den geltenden Satzungen enthaltenen Einzelheiten über das Geschäftsverfahrcn sind beseitigt worden, um die Verwaltung beweglicher zu machen, damit sie sich in ihrer Organisation leichter den Anforderungen des Sparverkehrs anpassen kann. Die beschleunigte Abfertigung des Publikums soll u. a. durch Vermehrung der Zahl der Zweigkassen und Einführung des bargeldlosen Verkehrs durch Nutzbarmachung des Postscheckkontos erzielt werden. Die Beschränkung der Sparkasse auf die Einwohner Berlins ist fallen gelassen, ebenso die Beschränkung der Gesamt- cinlage für ein Sparbuch auf 3000 M. bei einer Höchst- einzahlung von 50O M. im Monat. Man hat bewußt da- von abgesehen, den Giro- und Scheckverkehr einzuführen, da hierfür ein Bedürfnis um so weniger vorliegt, als die Banken mit ihren Dcpositenkassen, die Privat- bankiers und die Genossenschaften alle Wünsche der Berliner Bürgerschaft befriedigen. Die Sparkasse will nur Spargeldcr, nicht aber Depositengelder im bims- technischen Sinne dcrwalten. Neu sind die Vorschriften über die Behandlung von Mündel- und Pflegschaftsgeldern und über die Sperre zu Versicherungszweckcn, die Einführung von Sparmarken und Sparprämien. Es äst eine besondere Geschäftsordnung in Aussicht gestellt, die über die Geschäfts- zesten der Sparkasse, die Freizügigkeit der Sparbücher, die allgemeine Einführung loser Konten, die Verwahrung don Kriegsanleihen, die Ausgestaltung des bargeldlosen Verkehrs Bestimmung treffen wird. Die im Etat bereits vorgesehene Stelle des Sparkassendirektors wird in nächster Zeit besetzt werden._ Ein neuer Spiel- und Erholungsplatz im Herzen Berlins. Durch den Vorfitzenden der Parldeputation, Bürgermeister Dr. Reiche, fand gestern!P?orgen die Uebergabe des bisher nicht zu- gänglich gewesenen Wasserwerkgrundstücks an der Belforter Straße für die öffentliche Benutzung statt. Da das Grundstück für Wasser- Werlszwecke seit längerer Zeit nicht mehr benutzt wird, hatte der Magistrat auf Anregung der Parkdeputation vor einiger Zeit beschlossen, es nach gärtnerischer Herrichtung bis auf weiteres unwiderruflich der allgemeinen Benutzung zu öffnen. Unter Leitung des Gartendirektors Brodersen ist nun binnen kurzer Frist die Umwandlung in einen richtigen Erholungs- platz ausgeführt worden, der der Bevölkerung jener stark be- wohnten Gegend sicher sehr zustatten kommen wird. Eine große Anzahl von Bänken bieten unter den Bäumen will- kommene Gelegenheit zum Ausruhen, an mehreren Stellen sind Spielplätze für Kinder hergerichtet, die beliebten Sandhaufen laden auch das kleinere Volk zum Spielen ein und auch ein bescheidener Blumenschmuck fehlt nicht. Namentlich die inmitten des Grundstücks gelegene Anhöhe, die bis zu 12 Meter ansteigt, wird durch ihre gegen Westen zu freie Aussicht auf die Kuppeln und Bäume des Doms am Lustgarten sowie ihre gärtnerische Ausschmückung einen berechtigten Anziehungspunkt für die Anwohner bieten, denen durch die Oeffnung des Parks wohl mancher heimliche und laute Wunsch er- füllt sein wird._ Türkische Abgeordnete kommen am Dienstag auf Einladung des Reichstags nach Berlin. Sie werden von den Reichsbehörden empfangen. Auch die Stadt Berlin wird den türkischen Besuch ins Rathaus laden und den Herren auch städtische Einrichtungen zeigen. regelmäßiges Baden. Die Gesundheit verlangt aber auch, daß alle Muskeln harmonisch geübt werden, und das findet in ausgiebiger Weise beim Schwimmen statt. Schwimmen erfordert Bewegung, gibt Kraft und Kraft schafft Schönheit. Der Kreis I des A.-W.-V. hat in Groß-Berlin in allen Orten Abteilungen und erteilt Auskunft R. Selchow, Lichtenberg,- Dossestr. IS. Organisation Berliner Hausbesitzerinnen. Die Berliner Hausbesitzerinnen wollen sich auch organisieren. In einer stark besuchten Versammlung nahmen sie Stellung zu den wirtschaftlichen Fragen der Hausbesitzer. Die zu schaffende neue Organisation solle eine Vermitte-lungssielle mit der bereits be- stehenden Hhpothekengenossenschaft bilden, die bereits große Erfolge aufzuweisen hat. Außerdem soll die neue Organisation den Mit- gliedern Rat erteilen und sie gegen böswillige Mieter schützen. Sie solle auch versuchen, die rückständigen Mieten einzuziehen, und weiter soll eine Darlehnskasse geschaffen werden. Der jährliche Beitrag •fei auf 86 M. zu erhöhen. Da bereits 15 066 Hausbesitzer dem Wunde der HauS- und Grundbesitzervereine angehörten, so würde, wenn all�e Hausbesitzer der neuen Organisation sich answlössen, ein Kapital zusammenkommen, das sich in 36 Jahren auf 97 Millionen Mark ansrügimeln würde. Nach einer ausgedehnten Aussprache, an der sich auch tffele Hausbesitzerinnen beteiligten, wurde der neu zu begrün- dende Perband beschlossen. Beschaffung der noch fehlenden Ofentüren. Von Zuständiger Seite wird uns geschrieben:„Es wird noch vielfach Kläffe darüber geführt, daß kein Ersatz für die beschlag- »ahmten Kochherd- und Ofentüren von den Hausbesitzern beschafft worden ist. Da reichliche Vorräte von Ersatzlüren vorhanden sind, kann es nux auf Nachlässigkeit der Hausbesitzer beruhen, wenn die Türen jetzt moch fehlen. Im Hinblick auf die durch das Fehlen der Türen begründete Feuersgefahr wird erforderlichenfalls zwangsweise die Anbringüng der Türen veranlaßt werden." Tot gequetscht. Das Opfer eines Unfalls ist die 19 Jahre alte Kontoristin Hedwig Hopp aus der Oldenburger Straße 32 geworden. Das junge Mädchen war in der Alten Jakobstraße 63 beschäftigt. Als es dort am Donnerstag seinen Dienst antreten wollte, kam vom zweiten Hof her ein Rollwagen herausgefahren. Um diesem auszuweichen, stellte es sich auf dem schmalen ersten Hof zwischen die Mauer und einen dort stehenden Rollwagen. Dieser wurde nun von dem anderen, der ausfuhr, so heftig angefahren, daß er gegen die Wand gedrückt wurde. So war das Mädchen eingeklemmt und erlitt so schwere Quetschungen an der Brust und am Leib, das es besinnungs- los zusammenbrach. Die Verunglückte wurde nach dem Kranken- hause Bethanien gebracht. Dort starb sie an den Folgen der Ver- letzungen._ Wo noch Gold steckt. Die Berliner Rennbahnen Karlshorst und Hoppegarten haben seit dem Osterrennen die Einrichtung getroffen, daß bei Einzahlung eines Zwanzigmarkstückes in Gold aus den Ein- trittspreis 2 M. und bei einem Zehnmarkstück 1 M. nach- gelassen werden. In drei Renntagen, die seit Inkrafttreten dieser Be- stimmung abgehalten worden sind, wurden durch diese Ver- billigung der Eintrittspreise rund 50 000 Mark in Gold vereinnahmt. Fast die Hälfte aller zahlenden Besucher zahlte Gold ein. Der Appell an den Patriotismus, das Gold im Interesse der Stabilität und der Währung an die Reichsbank abzuliefern, hat bei vielen nicht die Wirkung erzielt, als die Ver- günstigung, die den Rennbahnbe.suchern gewährt wurde. Recht bezeichnend!_ Im Zoologischen Garten ist ein junger Biber geboren, der sich im Biber»ümpel der Nagetiergehege den Besuchern schon öfter zeigt, namentlich abends, wenn seine Eltern aus der Userhöhle hervor- kommen und im Wasser umherschwimmen. Dann ist es hoch- interessant zu beobachten, wie diese Künste dem Kleinen bereits an- geboren sind: er schwimmt und taucht, mit dem platten Kellenschwanz aufschlagend, schon genau wie die Alten. Da der Biber, unser größtes Nagetier und das beste Pelztier, das wir hatten, eben wegen dieser nutzbaren Eigenschaft beinahe bis zum Aussterben gebracht ist und nur an der Elbe und Mulde noch in wenigen letzten Resten geschont wird, so ist jede Geburt mit besonderer Freude zu be- grüßen; trägt sie doch dazu bei, ein Naturdenkmal aus früheren, in dieser Beziehung besseren Zeiten noch etwas länger zu erhalten. Heute kostet der Eintritt während des ganzen Tages 23 Pf. Der Arbeiter-Wassersport-Verband(Kreis I) schreibt unS:„In jetziger Zeit, wo sehr hohe Anforderungen an die Nerven des einzelnen gestellt werden, ist es zweckmäßig, die Bestrebungen der dem Kreis I des A.-W.-V. angeschlossenen Vereine bekannt zu geben: Vielen Menschen, ob jung oder alt, das Baden und Schwimmen kostenlos zu zeigen und zu lehren, aus daß sie recht lange gesund bleiben an Körper und Geist I Durch nichts wird der Körper so gründlich gesäubert, als durch Der Berliner Kinderschutzverein, Bülowstr. 76 I, hat auch während des Krieges seine dankenswerte Aufgabe erfüllt und eine ganze Anzahl Kinder unbemittelter Mütter in Pflege genommen und in Pflege gegeben unter nicht unerheblichen Opfern. An Familien, die in der Lage sind, gebrauchte Kinderbettstellen und Wiegen abgeben zu können, richtet er die Bitte, ihm diese Gegen- stände überlassen zu wollen. Das neue Heim des„Bundes für Mutterschutz". Das Mütter- und Kinderheim des„Bundes für Mutterschutz", das sich bisher Wilmersdorf, Sigmaringer Str. 23, befand, ist nunmehr in neue vergrößerte Räumlichkeiten nach Wilmersdorf, Uhland- str aß e 143 I, verlegt worden. Telephonanschluß: Pfalzburg 2338. Es nimmt auch während des Krieges hilfsbedürftige werdende Mütter sowie Mütter mit ihrem Kinde auf. In der Auskunftsstelle wird täglich von 9—1 Uhr, Dienstag und Freitag auch von 7—9 Uhr abends, unentgeltlich Rat und Auskunft über Unterkunft, ärztlichen Beistand, Rechtsschutz, Vermittelung von Pflegestellen, Arbeits- Nachweis usw. erteilt. Mütter, welche die Hilfe des Bundes nachsuchen, werden gegebenenfalls in die Kriegsversicherung eingekauft. lilcine Nachrichten. Vor dem Hause Romintener Str. 53 wurde gestern nachmittag gegen Uhr der neunjährige Werner Vaupel von dem Straßenbahnwagen der Linie 6 ersaßt und umgestoßen. Der Knabe erfüt bei dem Sturz auf das Straßenpflaster einen Bruch des linken Schlüsselbeines. Er wurde, nachdem er auf der nächsten Unfallstation die erste ärztliche Hilfe erhalten hatte, nach der elterlichen Wohnung gebracht.— Auf der Straße gestorben ist gestern nachmittag der Oberbrandmeister Max Landsberg von der Treptower Feuerwehr. Als Herr L. sich gegen 4 Uhr aus dem Wege zu einer in Friedenau stattfindenden Versammlung der Groß- Berliner Brandmeister befand, brach er plötzlich in der Holzmarkt- straße besinnungslos zusammen. Der Erkrankte wurde zu einem in der Nähe wohnenden Arzt gebracht, der jedoch nur den infolge Herz- schlages bereits eingetretenen Tod feststellen konnte. Ms öen Gemeinden. Neuregelung des Fleischverkaufs i« Charlottenburg. Nach einer Verordnung des Magistrats darf vom Montag, den 22. d. M.. ab im Kleinverkauf frisches Fleisch und frisches Fett vom Rind, Schwein, Hammel oder Kalb nur noch gegen Vorzeigung einer Haupt brotkarte der laufenden Woche abgegeben werden. Mit der Brotkarte muß gleichzeitig die Charlottenburger städtische Lebens- mittelkarte vorgezeigt werden. Die Geltungstage und Zeiten der einzelnen Serien und Farben dieser Karten igrün und rot, Serie A, B und C) werden in sämtlichen Fleischgeschäften veröffentlicht. Der Verkauf von Fleisch an anderen Tagen und Zeiten findet nicht statt. Aus eine Brotkarte dürfen höchstens 125 Gramm Fleisch, Fett, Koch- oder Brühwurst abgegeben werden. Das Mittelstück der Brotkarte ist vom Verkäufer durch Lochung zu entwerten. Diese Bestimmungen haben nicht Bezug auf Krankenhäuser, Gastwirtschaften usw., denen für ihre Verbraucher Brotkarten nicht zugestellt sind. Diese Rege- lung des Fleischverbrauchs gegen Brotkarten ist nur eine vorläufige bis zur Einführung der Fleischkarten, die Ende nächster Woche zu erwarten ist. Zur Vorbereitung der Fleischkartenausgabe müssen sich die Haushaltungsvorstände Charlottenburgs in den Tagen von Dienstag, den 23., bis Donnerstag, den 23. Mai, abends 3 Uhr, unter Vorzeigung der städtischen Lebensmittelkarten und unter Abgabe der Mittelstücke ihrer Brotkarten, Serie XD, XIll, XUl, bei dem Fleischer eintragen lassen, von dem sie Fleisch be- ziehen wollen. Kinder unter zwei Jahren sowie Aftermieter, die nicht im Haushalt verpflegt werden, find von der Eintragung aus- geschlossen. Der Fleffcher darf keinen zurückweisen und hat bei jeder Eintragung in das Kundenverzeichnis dem Eingetragenen eine schriftliche Bescheinigung auszustellen. Die Unterlassung der recht- zeitigen Eintragung hat zur Folge, daß während der ersten Fleisch- kartenperiode den Betreffenden kein Fleisch zur Verfügung gestellt werden kann._ Die Fleischrationen in Charlottenburg. Die am gestrigen Sonnabend erfolgten Zufuhren an Fleisch haben es gestattet, die ursprünglich auf 123 Gramm auf eine Brot- karte abzugebende Neischmenge auf 256 Gramen zu erhöhen. Diese Festsetzung gilt aber nur für die Woche vom 22. bis 2Z. Mai. Für die folgende Woche vom 29. Mai bis 4. Juni wird die Fleischmenge noch bekanntgegeben. Die gegenwärtige Regelung ist ein Provisorium, das durch Ausgabe besonderer Fleischkarten ersetzt werden wird. Bei der in den Tagen vom Dienstag, den 23. bis Donnerstag, den 23. Mai vorzunehmenden Eintragung in den bei den Fleischern ausliegenden Kundenlisten ist das Brotkartenmittelstück der am heutigen Sonntag endenden Brotkartenwoche(15.— 21. Mai) abzugeben. Die Brot- kartenmittelstücke der mn heutigen Sonntag ablaufenden Brotkarte sind also nicht wie sonst beim Hausverwalter abzuliefern, sondern ausnahmsweise zurückzubehalten fiir die Eintragung in die Kunden- liste beim Fleischer. Beim Fleischbezug in der nächsten Woche sind die Brotkarten, die für diese Woche gelten, zur Entwertung vorzu- zeigen, aber nicht abzugeben.__ Verteilung von Einmachezncker in Charlottenbnrg. Zum Einmachen von Früchten wird den Haushaltungen Charlottenburgs eine begrenzte Menge Zucker zur Verfügung gestellt werden. Der Zucker soll in erster Linie für die Erhaltung und Ver- Wendung von Kleinobst(Stachelbeeren, Erdbeeren usw.) verwendet werden. Für die später in Frage kommende Erhaltung von Kernobst (Aepfel, Brrnen usw.) bietet das Dörrverfahren bei dem Zucker- mangel eine Abhilfe. Diejenigen Haushaltungen, die Zucker zu Einmachezwecken benötigen, müsien ihren Bedarf an Einmache« zucker dem Magistrat anmelden. Die Anmeldung hat auf einem vom Magistrat vorgeschriebenen Vordruck zu erfolgen._ Solche Vordrucke werden von Montag, den 22. Mai, ab bei den Brot- Kommissionen abgegeben. Die ausgefüllten Vordrucke find bis ausschließlich Mittwoch, den 24. Mai. b ei den zuständigen Brotkommissionen abzuliefern. Spätere Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Die neue Pankowev Lebensmittelkarte. Die an die Stelle der bisherigen eingeführte Lebensmittelkarte der Gemeinde Pankow hat zum Zweck die Regelung der Lebensmittel-� abgäbe durch die Gemeinde im allgemeinen, wie— bis zur Einführung einer Groß-Berliner Fleischkarte— des Fleischverkaufs im besonderen. Jeder Inhaber eines eigenen Haushalts erhält eine Karte(Einzelkarte) mit 26(beim Einkauf vom Ver- käufer abzutrennenden) Nummerfeldern. Familien von 2— 3 Personen erhalten eine Karte(Familienkarte) mit 2 X 26 Nummerfeldern, Familien von 4—6 Personen zwei und solche von 7 und mehr Personen drei derartige Karten. Es wird jedesmal bekanntgegeben, welche Lebensmittel und welche Mengen davon auf ein bestimmtes Nummernfeld der Karte ent- nommen werden können. Da die„Familienkarten" doppelte Nummernfelder enthalten, können Famlien je nach der Zahl(bis zu drei) der auf sie entfallenden Karten das Doppelte bezw. das Vier- fache oder Sechsfache der auf die„Einzelkarte" entfallenden Menge erhalten. Die Lebensmittelkarte ist vor Gebrauch vom In« haber mit Namen und Wohnung zu versehen und nicht über« tragbar. Durch fortlaufende Numerierung sämtlicher Kar« ten und geeignete Verteilungsorganisation kann jederzeit für eine möglichst gerechte, gleichmäßige und leicht zu bewirkende Ver- teilung der vorhandenen Lebensmittel gesorgt werden. Ganz be« sonders wichtig ist dies bei der Regelung des Fleischverkaufs. Um jedem Karteninhaber einen bestimmten Anteil an der auf Pankow entfallenden Fleischmenge in bestimmter Reihenfolge zu sichern, ist bekanntgegeben, welche Kartennummern bestimmten Schlächtern als Kundschaft zugeteilt sind, und dafür gesorgt, daß jeder Schlächter das für diese Kundschaft erforderliche Fleisch in der entsprechenden Reihenfolge zugewiesen erhält. Auf jeder Lebensmittelkarte ist der Name des zuständigen Schlächters vermerkt. Um ein Verderben des Fleisches zu verhüten, mutz dasselbe noch an dem zur Ausgabe bestimmten Tage von den betreffenden Karteninhabern abgeholt werden. Eine Stunde vor Ladenschluß kann dann das etwa nicht abgeholte Fleisch an Pankower Einwohner, auch ohne daß diese zum Kundenkreis des be- treffenden Schlächters gehören, gegen Vorzeigung derLebensmittelkarte, jedoch ohne Abtrennung des Nummernabfchnitts, verkauft werden. Die von der Gemeinde beschafften Lebensmittel sowie Fleisch ge« langen nur auf bestimmte Nummernabschnitte der Lebensmittelkarte nach vorheriger Bekanntmachung des Gemeindevorstandes zur Aus- gäbe. Die Bekanntgabe von Fleischverkäufen erfolgt der gebotenen Eile wegen nur durch Aushang Lei den betreffenden Schlächtern. Fleischkarten in Oberschöneweide! Neben der jetzt schon bestehenden Lebensmittelkarte, wird die Gemeindeverwallung noch eine besondere Fleischkarte einführen, die eine bessere Verteilung des Fleisches ermöglichen soll. Die Karten« inhaber erhalten der Reihe der auf den Karten enthaltenen Buch- stoben nach, ihr Fleisch, so daß alle Einwohner erst einmal Fleisch erhalten, ehe die Runde von neuem beginnt. Karten erhalten alle über 2 Jahre alten Personen, auch Schlafleute. Abhebetag, Fleisch- forte und-menge wird für jeden Buchstaben noch besonders bekannt- gegeben. Wie uns weiter mitgeteilt wird, entsprechen die am Ort ver- breiteten Gerüchte, wonach Einbrecher bei bekannten Persönlich- leiten größere Mengen Lebensmittel entwendet haben sollen, nicht den Tatsachen._ parteiveranftaltungen. Sechster Wahlkreis. Die Kreisgeneralvcrsammlung findet am Diens- tag, den 23. Mai, abends 8fl, Uhr, in den Pharussälen statt. Die Tages. ordnung lautet: 1. Kassenbericht. 2. Neuwahlen des Vorstandes. Die Legitimation erfolgt durch die Delegiertenkarten. Der Vorstand. Neukölln. Dienstag, den 23. Mai, abends 8V, Uhr, findet in den Pafiage-Festsälen, Bergstr. 151, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Bericht und Neuwahl des Vorstandes, Verschiedenes. Zuttitt nur gegen Vorzeigung des in Ordnung befindlichen Mitgliedsbuches. Oberschöneweide. Dienstag, den 23., 8'/, Uhr abends, bei Koschlitzki, Rathausstr. 16: Generalverjammlung des Wahlvereins. Neuwahl des Vor« ftandes und Stellungnahme zur Kreis- und Verbandsgeneralversammlung machen das Erscheinen aller dringend notwendig. Stralau. Diensiag, den 23., abends 8'/, Uhr: Generalversammlung im Lokal von Schulz, Markgrasendamm 6. Bericht und Neuwahl der Be- zirksleitung. Wahl der Delegierte» zur Verbands- und Kreisgeneralver« sammlung. Bezirksangelegenheiten. Tempelhof-Mariendorf. Dienstag, den 23. Mai, abends 8'/, Uhr, findet bei Benscheck, Mariendors, Cbausseestr. 27, die Generalversammlung des Vereins„Jugendheim" statt. Mitgliedskarte legitimiert. §rauenleseabenüe. Montag, den2 2. Mai, abends 8'/, Uhr: Charlottenburg. Im Volkshaus, Rosinenstr. 3. Mariendorf. Bei Benscheck, Chausseestr. 27. Reinickendorf-Lst. Vorttag im Jugendheim, Hoppestr. 32. Neukölln. Zu dem für Montag, den 22. Mai, angesetzten Lese- abend war es nicht möglich, die gewünschte Reserenttn zu bekommen. Der Leseabend fällt deshalb an diesem Tage aus und wird an einem noch be- kanntzugebenden Tage abgehalten werden. Jugenöveranstaltungen. Reiuickendorf-Ost. Heute Spielpartte nach Tegel. Treffpunkt 9 Uhr Bahnhos Schönholz. Für Nachzügler um 11 Uhr ebenda. Fahrgeld 16 Ps. Das Jugendheim bleibt geschlossen. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Pankow. Dienstag, den 23. er., nachmittags 5 Uhr. Aus der Tages- ordnung steht der Autrag unserer Genossen: Lebensmittelteuerung, Er- Weiterung und Ausbau der Voiksküchen. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jever Eemcindeangehörlge iß be- rechtigt. ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Sriefkaften üer Reüaktion. M. G. 87. Ihnen steht die Hälste des Erbteils zu.— Steuer 36. Sie müßten um zwei Stuscn herabgesetzt werden.— SP. B. III.«ie werden nach dem jetzigen Einkommen zur Steuer veranlagt.— AnsichtS- karre. Sie dürscn ohne Genehmigung des Photographen und der Verlagsfirma die Vervielsältigung der Karten nicht vornehmen.— H. P. 100. Die Mutter hat nur Anspruch aus 15 M. Kricgsunterstützung für den Sohn. — K. R. 100. Wenden Sie sich an den Verband der Schneider und Schneiderinnen, Sebastianstr. 33.— S. B. 100. Wenn jemand alles an sich eindruckslos vorübergehen läßt.— O. St. 1. Ja. 2. Pionier, Garnison wissen wir nicht. 3. Nein.— Grete 14. Wenden Sie sich an das Bureau der Buchdrucker, Engeluser 14.— C. R. T. 99. 1. u. 2. Nein. — Georg 68. 1. Sie könnten sich nochmals an das kgl. Kricgsministerium wenden, jedoch erscheint uns der Erfolg sehr zweifelhaft. 2. Wenn Sie mit den Zinsen ein Einkommen von 966 M. jährlich haben, sind Sie zur Steuer- zahlung verpfiichtet. 3. Ja.— R. S. 87. Da sich Ihr Jahreseinkommen durch den Lohnausfall jedenfalls nicht um ein Fünstcl verringert hat, so müssen Sie die Steuern zahlen.— Rosenbusch. Darüber ist eine sichere Voraussage kaum zu machen. Eine Gefahr wegen Verlust des Geldes be- steht wohl kaum. Es würde sich aber vielleicht doch empjehlen, das Geld in einem Grundstück anzulegen.— At. I. IL. Deshalb wird Urtand sicher nicht erteilt. Ein solches Testament kann Ihr Mann auch im Felso errichte», zu dessen Abfassung er dort Anleiwng erhält.— B. D. 24. Sie müssen einen solchen Antrag beim Amtsgericht einreichen.— A. S. 1. An- zeige bei der Staatsanwaltschast kann gemacht werden. Verjährung tritt m zehn Jahren ein.— Treptow 2. Sie dürfen die Brotkarte nicht ver- wenden, Sie machen sich sonst strafbar.— S. H. 25. Anspruch aus Witwenrente hat nur die Versicherte, die mindestens 266 Marken gellebt hat. Das wird in Ihrem Falle bei den vier Karten nicht zutreffen. WetterauSsichteu für daS mittlere Norddeutschlaud biS Montag mittag. Zunächst trocken und vorwigend heiter, in den �.ages- stunden mäßig warm, später langsam zunehmende Bewölkung und im ou< lichen Küstengebiet stellenweise etwas Regen. VieNge Mitteilung für alle Leser! Aue große illustrierte tfausbibiiiittiek gratis! Den Lesern teilen wir hierdurch ergebenst mit, dah wir eine reich illusttierte Wochenschrist unter dem TO« Welt und Wissen' herausgeben. Dieselbe bringt ge- meinverständliche Abhandlungen_ aus allen Wissenschaften. Die Ausslatwng ist eme erst lässige. Die Mitarbeiter sind erste Fachleute. Jedes He, t enthalt ca. 26 Artikel, von denen wir als Bwfo.A ewrige ern- Wille und dessen Gymnastik.— Das Leben unter Wasser.— Mmphotographie.— Liebe und Ehe bei den Naturvölkern.— Der Mensch und die Geisterwelt. — Flüssige Lust.— Einfluß der Lebensweise aus das Menschenalter.— Verschwundene Städte in der Sahara.— Die Znkunjt der Elekttizttät.— Unser Sonnensystem usw. usw. tlu�erdem erhält jeder Loser aus„Well und Wissen* zu jedem Jahrgang drei komplette Werk« vollständig gratis. Im ersten Jahre: Die illustrierte Himmels- lunde.— Illustriertes Buch der Technik.— Eni- deckungSreisen nach dem Nord- und Südpol. Um zu ermöglichen, daß alle Leser daraus ahon- nieren können, haben wir die kleine Entschädigung, die wir notwendig haben müssen, aus nur 15 Ps. sür ew 24 Sellen starics Hest festgesetzt. Den Bestellschein bitten wir auSzusüllen und ein- zusenden. Bestellschein Vw. An die Eepediilon von„Vllls Utld WiSSttl", Bcrlin-Schönebcrg. am Park 11. 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