( sptMinia) pontititonno.anbe(T ) Ar. 140. Ndonnements-keSingllngen- Nboiinomenl-- Breis PräNumerando: Vierteljährig LL0 W, monetlg 1�0 Mh, wöchentlich S0 Pfgg frei ins Haus. Einzelne Shumner ö Pfg. Sonntags- nunrmer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue WelN" 10 Pfa. Post- Abonnement: l,M Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeilungs- Preisliste. Unter Kreuzband lär Deutschland und Oesterreich- Ungarn LA) Mark, Uir das übrige Auoland t Mar! pro Monat. Postabonnements nehmen an Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. eNchiiit lzglich. <3. Jahrg. Die Iniertions-GcBüljf beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 60 Psg.. jär politische und gewerlschafMche Vereins- und Versammlnungs-Anzeigcn 80 Pig. ..Ulrine Snreigcn", das setlgedruUle Wort 20 Pfg. tzulässig 2 settgedruckt« Worte), jedes wnlere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasilcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort S Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserat« fir die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition »bgcgeben werden. Tic Exvedition izl his 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ..ZdsizlilcmolirZi Kerlia". Zentralorgan der fozialdemokratif&en Partei Deutrcblands. Redoftton: SW. 08, Linöenstroße?. »crnsprechcr: Amt Moritzplast, Skr. 131 S«— ISl»7. Montag, den AÄ. Mai 1916. Expedition: SA). 08, Lindenstroße 5. I Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 131 it<1—131 97. Weib oder Surgerm! Der Weltkrieg hat ein gerüttelt Maß von Sorge und Last auf die Schulter der Frau gehäuft. Als Gattin, Mutter und Hausfrau bedrängt das Leben sie in gleichem Maße. ,sn der Seele der Gattin lebt die gnälende Sorge um den Mann im Felde oder die Trauer um seinen Verlust. Sie steht allein der schweren Not der KriWszeit gegenüber, zeit- weise oder dauernd. In der Aufrechterhalwng des Haus- standes, in der Ernährung und Erziehung der Kinder"trägt sie die Last allein, die sie einst mit dem Gatten treulich geteilt. Und diese Plagen sind größer denn je, Lebensmittel und Kleidungsstücke sind kaum noch zu bezahlen, oft überhaupt nicht zu bekommen. Die Lebensmittelrationen werden den Frauen und ihren Kindern zugeteilt. Zum ersten Male fühlt jede Frau, auch die bisher politisch uninteressierte, wie eine starke, unfaßbare Gewalt in ihr ureigenes Gebiet, die Hauswirtschaft, eingreift. Von_ der Brot- und Butterkartc ausgehend, wird ihre Auf- merksamkeit auf jene Stellen gelenkt, die darüber nachdenken und verfügen, wie man niit Hilfe kleiner Pappmarken der Frau den Brotkorb höher hängen kann. Ihr Interesse für das Wirken und� für die dem naiven Gemüt übermenschlich erscheinenden Befugnisse dieser Organe wird rege und die Frage nach Ursache und Berechtigung dieses Rechts drängt sich der Frau täglich von neuem auf. Dazu kommt, daß die aktive Teilnahme des Gatten oder Bruders am Kriege ihr Augenmcrkstärker auf die zahlreichen politi- schcn Vorgänge außerhalb der Brotversorgung lenkt. Sie alle drehen sich ja nur um den Krieg, der ihre Gedanken Stunde für Stunde gefangen hält. Zahlreiche Frauen, die früher— leider— nie ein politisches Blatt gelesen haben, verfolgen heute die Ereignisse des öffentlichen Lebens mit starkem Interesse. Und sie sprechen vom Bundesrat und Magistrat, von Frankreich und Amerika, von Rumänien und Mesopota- mien mit weit größerem Verständnis, als einst die Kanne- gießer am Spießerbiertisch. Es ist zu bewundern, welch guter Lehrmeister der harte Zwang gewesen ist. Und zu der dämmernden Erkenntnis tritt sofort die Klage, daß die Frau den Dingen ihrer jungen Neigung so völlig mit gebundenen Händen und geschlossenem Munde gegenübersteht. Zahlreiche Frauen sind sich schon jetzt bewußt, daß das gc- ändert werden muß. Sie haben keine Neigung zu politi scher Passivität, wenn die Politik der Männer sie in schwer st er Zeit zu starker Aktivität zwingt. Vielleicht haben die Frauen auch schon bemerkt, daß die so plötzlich vor sie hingetretene Macht der heute Herrschenden dadurch gesteigert wird, daß die eine Hälfte des�Volkes, die Frauenwelt, � politischer Rechte und Machtmittel völlig ent- dchrt. Besäße die Frau das gleiche Maß öffentlicher Rechte wie der Mann, wäre sie in der Lage, unmittelbaren Einfluß auf Regierung und Verwaltung des Landes auszuüben, und wäre ihr Blick und ihre Energie durch die erprobte Anwen- duug politischer Rechte geschult, dann wäre manches anders. Tann würden die Frauen trotz der Lasten der Kriegszeit noch Kraft und Zeit zur aktiven Beschäftigung mit dem Völker- schicksal finden, ja gerade ihre Nöte würden sie zu energischem Handeln anregen. Und das durch den Gebrauch polltiicher Freiheiten geübte Augenmaß würde ihnen den rechten Weg zur Tat schon weisen. Die Bewegung für den Frieden würde dann von erheblich größerer Stärke sein. Es gibt allerdings Kreise, die diese Gedanken und Wünsche ablehnen. Sie sind vor dem Kriege gegen die Vermehrung der öffentlichen Rechte der Frauen aufgetreten und werden auch nach dem Kriege, wenn diese Fragen die Oeffentlichkeit von neuem beschästigen werden, von diesem Kampfe nicht ab- lassen. Die Beschäftigung mit diesen Fragen wird aber unvermeidlich sein, denn der durch den Krieg angeregte politische Instinkt der Masse der Frauen wird sich iveiter ent- wickeln und zu klarer Erkenntnis gedeihen, die ihre Forde- rnngen mit Sicherheit und Selbstbewußtsein stellt und vertritt. Die Frauen, die der Sozialdemokratie schon früher angehörten, werden dann ein reiches Feld für ihre Werbearbeit finden. Aber es gibt auch noch andere Leute, die das Erwachen des„Bürgerbewußtseins" der Frau mtt Bedauern wahr- nehmen, �»n dem für gewöhnlich liberalen„Berliner Tage- blatt" stimmte Leopold von Wiese jüngst ein Klagelied darüber an. Erreichtet leine Pfeile allerdings in erster Linie gegen eine Kundgebung von 35 Frauenvereinen, die gegen den Kleiderleichtsinn vieler Frauen das Wort erhebt. Würde es sich nur darum handeln, dann lohnte es nicht, ein Wort zu verlieren. Auch wir haben nichts dagegen, daß die Frau sich schön kleidet, aber wir würden auch keinen Leitartikel schreiben, wenn eine Gruppe von älteren Damen im guten Geichmack einen„Mangel an vaterländischen Ge- stnnung" lieht. Es steckt aber mehr dahinter. Wiese schreibt selbst:„Die leider wage ist nur ein Einzelfall aus dem gegenwärttgen Geiamtvorgange der Verbürgerlichung der Weiblichkeit". Und: „Es wäre schauerlich, wenn der eigentlich Besiegte dieses Krieges das Weib, die Hauptsiegerin die Bürgerin wäre." IRMw m Men ßW»Ms. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 21. Mai 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Aus den Süd- und Südwcsthängeu des„T v t e n M a u n c s" wurden nach geschickter Artillerievorbereitung unsere Linien vorgeschoben. 31 Lfsizierc, 1313 Mann wurden als Gefangene eingebracht, 16 Maschinengewehre und 8 Geschütze sind außer anderem Material erbeutet. Schwächere feindliche Gegenstöße blieben ergebnislos. Rechts der Maas ist, wie nachträglich gemeldet wird, in der Nacht zum 29. Mai im Caillcttc-Walde ein französi- scher Haudgranatcnangrisf abgewiesen worden. Gestern gab es hier keine Jnfanterietätigkeit, das beiderseitige Artillcriefencr erreichte aber zeitweise sehr große Heftigkeit. Kleine Unternehmungen, so westlich von Beaumont und südlich von Gondrexon, waren erfolgreich. Bei O st e n d e stürzte ein feindliches Flugzeug im Feuer unserer Abwehrgeschütze ins Meer. Vier weitere wurden im Lustkampf abgeschossen; zwei von diesen in unseren Linien bei Lorgics(nördlich von La Bassec) und südlich von Chütcau-Salins, die beiden anderen jenseits der feindlichen Front am Bourrns-Walde(westlich der Maas) und über der Cüte östlich von Vcrdun. Unsere Fliegergeschwader haben nachts D ü u» k i r ch e n erneut ausgiebig mit Bomben angegriffen. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Balkan-Kriegsschauplatz. Tie Lage ist im allgemeinen unverändert. Behinde- rungeu, die durch erhebliche Uebcrschwcmmungeu im Vardar-Tal eingetreten waren, sind beseitigt. Ober st c Heeresleitung. ** Set KemWW GmrKÄMM. Wien, 21. Mai 1916.(W. T. B.) Amtlich wird per- lautbart: Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts von Bedeutung. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe an der S ü d t i r o l c r Front nahmen an Au-aehnung zu, da unsere Truppen auch auf der Hochfläche von Lafraun zu Angriffe schritten.— Der Gipfel des Armenterra- rückcns ist in unserem Besitz. Auf der Hochfläche von Lafraun drangen unsere Truppen in die erste, hartnäckig verteidigte feindliche Stellung ei«. Die auS Tiroler Kaiserjägcrn und der Linzer Jnfanterie-Truppeudivision bcsichcndc Kampftruppe seiner k. und k. Hoheit des Feldmarschallentnants Erzherzogs Karl Franz �osef erweiterte ihren Erfolg. Die Cima dei Laghi und— nordöstlich dieses Gipfels— die Cima di Mesole sind ge- nommen. Auch vom Borcola-Paß ist der Feind verjagt. Süd- lich des Passes fielen drei weitere 28-Zcntimctcr-Haul>ltzcn in unsere Hände. Vom Col Santo her dringen unsere Truppen gegen den Pasubio vor. Im Brand-Tal ist Langeben sAnghc- benis von uns besetzt.— Gestern wurden über 3969 Italic- n e r, darunter 84 Offiziere, gefangen genommen, 25 G c- schütze und 8 Maschinengewehre erbeutet. Der Stellvertreter des Chefs des GencralstabcS. v. H o e f e r, Fcldmarschallcutnant. Leopold von Wiese fürchtet, daß die Frau durch die„Ver- bürgerlichung" den„Reiz des Weibes als Weib" verlieren und zu einem Baume werden würde,„der nicht mehr blühen, sondern nur noch nützliche Früchte tragen will". Die Frau soll also das— Weibchen sein und bleiben. So ist es doch viel deutlicher, Herr von Wiese, und warum sind Sie nicht selbst so ehrlich und sprechen es offen aus? Die Frau soll lediglich der Verschönerung des Lebens des Mannes dienen und. falls die Sache ernst wird, legitime Kinder und Erben zur Welt bringen dürfen. Sollte es anders kommen, dann will der Mitarbeiter des„B.£." lieber sein Leben auf den Totenfeldern Europas aushauchen. Wir möchten ihm indes raten, den Gang der Dinge in Ruhe und ohne Resignatton abzuwarten. Wir erhoffen von der Zukunft allerdings die„Verbürgerlichung" der Frau. stellen uns diesen Vorgang aber nicht so schauerlich vor wie Wiese. Wir glauben nicht, daß die Frau durch eine ihrer Stellung im Wirtschaftsleben entsprechende Mitwirkung im politischen Leben auch nur ein Iota ihres Reizes als Weib, soweit dieser Anspruch auf Echtheit erheben kann, einbüßen würde. Es ist wohl wahrscheinlich, daß nicht alle Frauen mit gleicher Intensität an den politischen Sorgen, die die Volks- massen bewegen, teilnehmen werden. Aber bringen denn alle Männer den Fragen des gesellschaftlichen und politischen Lebens das gleiche Interesse entgegen? Gibt es unter ihnen nicht viele, die so gut wie gar keine Neigung haben„Bürger" zu sein? Und diese Indifferenten sollten dauernd von höherem Werte und mtt größeren Rechten ausgestattet sein als die denkende Frau, als die Frau, die es ablehnt, nur „Weib" im Sinne Leopold von Wieses zu sein? Und Wetter: gibt es nicht zahlreiche Männer, die durch ein reges öffentliches Wirken nicht die geringste Einbuße an ihren Fähigkeiten als Gatten, Familienoberhäupter und Er- zieher erleiden? Und die Frauen, die in diesem furchtbaren Kriege so Un- geheures geleistet, sollten nicht die gleiche Kraft besitzen? Warum sollte gerade die Frau ihrer Reize als„Weib" entblößt werden, wenn sie dazu übergeht, am politischen Leben teilzunehmen und sich tatkräftig zu wehren, wo cs� not tut? Allerdings: n u r„Weib"— immer im Sinne der„Herren" um Leopold von Wiese— wird sie nicht sein wollen. In dieser Stellung, die man der Frau da anweist, liegt ja gerade eine Hauptursache und zugleich ein Mittel der gesellschaftlichen und politischen Unterdrückung, in der der Mann sie jähr- hundertelang gehalten hat. Wir beglückwünschen die Frauen, die das Unwürdige dieser Stellung erkannt haben und sich anschicken, die Fesseln des Unrechts und des Vor- urteils zu brechen. Und das Volk, dessen weiblicher Teil nicht die Kraft besäße, stck) die öffentlichen Rechte zu erringen, die ihm gemäß seiner Leistungen im Rahmen des Gesellschasts- ganzen zustehen, würden wir aufs tiefste beklagen. Nicht „Weib oder Bürgerin?" lautet die Frage, sondern„Weib und Bürgerin!" ist das Ziel. Wilson als Zrieüensvermittlec. Londou, 19. Mar.(W. T. B.)„Mornrng Post" meldet aus Wash ington vom 18. Mai: Obwohl dementiert wird, daß P r ä s i d e"n t Wilson ivgenbeinen Schritt in der Rrch- tung auf den Frieden tun wolle, wird doch von einer cinge- weihten Persönlichkeit versichert, daß Wilson aus Frie- densanrcgungcn eingehen werde und so weit rn die Zukunft zu sehen suche, um sich zu vergewissern, ob ein Auge- bot zur Vermittlung oder von guten. Diensten, oder wie man es nennen will, sympathisch aufgenommen würde. Der Frie- densbund, dessen Präsident Taft ist, und dessen Ziel es übrigens nicht ist, diesem Kriege ein Ende zu machen, sondern künftige Kriege zu verhindern, wird bald in Washington eine Versammlung abhalten, bei der Präsident Wilson sprechen wird. Wilsoiz wird sich vermutlich auf Allgememheiten bc- schränken, aber man erwartet, daß die Versammlung. und Wilsons Rede die Friedenspropaganda stärken wird, die�in Amerika jetzt vielleicht stärker ist als je zuvow Jnnerpolitische Fragen spielen hier hinein. Der Präsident wird crbarmungs- los bestürmt, seine wirkliche Neutralität dadurch zu be» weisen, daß er England gegenüber dieselbe Festigkeit zeigt wie gegen Deutschland, und daß er den britischen Ein- griffen in den neutralen Handel alsbald ein Ende macht. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß das einflußreichste Blatt in den Neu-Englandstaatcn, der„Springfield Rcpublican", das bisher energisch für die Alliierten und ebenso für den Präsidenten eintrat, jetzt erklärt/daß nur die Herstellung des Friedens einen dsvlomatischen Konflikt mit England verhindern könne. Nicht nur die Demokraten, sondern auch die Republikaner würden eine große Erleichterung empfinden, wenn diese unbc- gueine Frage noch vor dem Beginn der Kampagne für die Präsidentenwahl aus der Welt geschafft werden könnte, damit der Wahlkampf auf der Basis rein imterpolHischer Fragen ausgefochtcn werden kann. Vorbereitungen für ein Welt-Schieösgericht. Washington, 29. Mai. Durch Funkspruch vom Vertreter des W. T. B. Der Marineausschuß des R e p r ä s c n t a n t e n- Hauses hat einstimmig eine Resolution des Abgeordneten Hensley angenommen, den Präsidenten zu ermächtigen, bei Abschluß des europäischen Krieges die S ta a t e n d e s E r d- bji l l s zu einer Konferenz einzuladen, um einen Schied sgerichtshos oder eine andere Körperschaft zur Beilegung aller Streitigkeiten unter den Nationen zu bilden und zu diesem Zweck 299 999 Dollar zu bewilligen. Der französische Tagesbericht. Paris, 21. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonnabend nachmittag.) In Belgien wurden feindliche Gruppen, die den Dserkanal zwischen Steenstraete und HetsaS zu überschreiten versuchten, durch unser Infanterie- und Artilleriefeucr angehalten. In der Champagne unternahmen die Deutschen einen starken Gasangriff auf unsere Front zwischen der Straße von Sll Hilaire und St. Couplet und der Straße Souain— Somme Py, Durch unser sofort gegen ihn gerichtetes Sperrfeuer angehalten, konnte der Feind den Angriff nicht vortragen, den er vorberertete. Westlich der Maas im Lause der Nacht heftige Beschießung unserer Stellungen zwischen dem Walde von Avocourt und dem Toten Mann. Jnsanterieangriffe erfolgten nicht. In den Bogesen miß- glückte ein Handstreich gegen einen unserer kleinen Posten am Lingc. Flugwesen. Am gestrigen Tage schoß Unterleutnant Na. varre sein elftes deutsches Flugzeug ab. Das Flugzeug siel in unseren Linien fiet l�atiancourt nieder! die beiden Flieder wurden zu Gefangenen gemacht. Am selben Tage wurde ein anderes deutsches Flugzeug vom Unterleutnant Nungesser angegriffen; es zerschellte im Walde von Farges. Tas ist das fünfte feindliche von diesem Fliegcroffizicr abgeschossene Flugzeug. Drei weitere deutsche Flieger, die von den unserigen aus Maschinengewehren be- 'choffen wurden, stürzten, wie beobachtet wurde, senkrecht in ihren Linien ab. Ein deutscher Flieger warf in dieser Nacht zahlreiche Bomben auf Dünkirchcn und Bergues. In Dünkirchen wurde eine Frau getötet und 27 Personen wurden verwundet. Aus Bergues werden fünf Tote und elf Verwundete gemeldet. Zur Vergeltung suchte ein französisches Geschwader sogleich die feindlichen Lager bei Wyfwcge, Zarren und Handzaeine heim, sowie ein belgisches Geschwader das Flugzentrum Ghistcllcs. Tie meisten Bomben trafen ihr Ziel. Paris, 2l. Mai. sW. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonnabendabend. Nordwestlich von Nol?e hat unsere Artil- leric feindliche Vcrpflegungsdepots beschossen, wo mehrere Brände ausbrachen. Nördlich von Soissons wurden zwei starke deutsche Er- kundungsabteilungen durch unser Feuer zerstreut. In der Eham- vagne hat uns ein Handstreich gestattet, nordwestlich von Villc sur Tourbe in die feindlichen Linien einzudringen und einen deutschen Schützengraben zu säubern, dessen ganze Besatzung niedergemacht oder gefangengenommen wurde. Auf dem linken Ufer der Maas haben die Deutschen heute nachmittag nach einer äusserst heftigen Artillerievorbereitung einen gross angelegten Angriff auf die ganze Gegend des„Toten M a n n e s" unternommen. In dem Ab- schnitt östlich des„Toten Mannes" wurde der Feind, der einen Augenblick in unsere Linien eingedrungen war, durch einen lebhaften Gegenangriff unserer Truppen daraus vertrieben, wobei er schwere Verluste erlitt. In dem Abschnitt westlich des„Toten ManncS" und an den Nordhängen desselben gelang es den Deutschen nach einer Ncihc von vergeblichen Stürmen, die ibnen dank unseres Sperrfeuers und unseres GewehrfeucrS mörderische Verluste kosteten, am Ende des Tages einige Stücke unseres vorgeschobenen Grabens zu besetzen. Feindliche Abteilungen, die bis zu unserer zweiten Stellung durchgedrungen waren, wurden von unseren Geschützen unter heftiges Feuer genommen und fluteten in Unordnung unter Hinterlassung von zahlreichen Toten zurück. Tie Tätigkeit der Ar- nllerie war im Laufe des Tages in der Gegend von Avocourt und der Höhe 3l)! gross. Auf dem rechten Maasufer und in der Woevre zeitweise unterbrochenes Geschützfeuer. Flugwesen: Eines unserer Geschützautomobile hat ein deutsches Flugzeug in der Gegend von Verdun abgeschossen. Belgischer Bericht: Mittlere Tätigkeit der feindlichen Artillerie, besonders in der Gegend von Tixmude. Als Vergeltung?- Massnahme für das Abwerfen von Bomben seitens feindlicher Flie- ger auf unsere Lager haben unsere Flieger Bomben auf deutsche Flicgcrschuppcn abgeworfen. Die englische Melöung. London, 20. Mai.(W. T. B.i A m t l i ch e r B e r i ch t. Nach einer heftigen Beschießung griff der Feind gestern abend unsere Linie südwestlich von Laos an. Er brach in den vordersten Graben ein, wurde aber unverzüglich hinausgeworfen. Ter Feind versuchte auch einen Posten nordwestlich von Wieltje zu überraschen, wurde aber abgeschlagen. Die Royal-Northlaneashires eroberten einen Sprcngtrichtcr auf dem Bergrücken vom Vimy zurück, den der Feind am 28. Mai genommen hatte. Beträchtliche Artillerietätigkeit herrschte heute an verschiedenen Punkten der Front, hauptsächlich bei Souchez und nordöstlich von Fauquissart. Wir brachten heute eine Mine im Abschnitt von Hulluch zur Explosion und besetzten den Trichter. Wir waren bei Luftkämpfen sehr erfolgreich. Bei dem gestern herrschenden günstigen Wetter kam es zu dreizehn Luftgefechten. Zwei feindliche Flugzeuge wurden hinter den deut- sehen Linien zum Absturz gebracht. Der Dericht öer rutschen Heeresleitung. Petersburg, 21. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht v p m 20. M a i. Westfront: Ein Versuch des Feindes, sich nach heftiger Artillerievorbereitung unseren Stellungen bei Darowo(11 Kilo- meter) südöstlich von Baronowitschi zu nähern, wurde durch unser Feuer leicht vereitelt. Auf der übrigen Front das gewöhnliche Artillerie- und Qkwehrfeusr, in der Gegend von Uexküll, Jlluxt, von öer weftftont. Erlebnisse und Eindrücke.*) Auf der„Ferme". Halb Ruine, zwischen zerschossenen, zerschlissenen Bäumen ragt die„Ferme" in das Dunkel. Gott sei Tank, ein vorläufiges Ziel! „Sammeln Sie die Kompagnie da im Hof. Und passen Sie aus,' dah keiner Licht macht!" befiehlt der Kompagnieführer den Zugführern. Der Hof ist eine einzige Schlaminpfütze, in die man bis weit über die Knöchel versinkt. Und alles voll von Menschen. Ein paar Feldküchen sind bis hierher gekommen. Die Essenholer drängen sich herum. Ordon- nanzen und Offiziere rufen und eilen hin und her: denn in der Ferme hat ein halb Dutzend Stäbe Eefechtsstand genommen. Ver- wundete, mit weißen Binden umwickelt, bahnen sich einen Weg; ab und zu auch Träger, die einen stöhnenden Schwerverletzten aus der Bahre tragen; denn mit den Stäben hat der Hauptverbands- platz für diesen Abschnitt sein Quartier hier ausgescblagen. Sanitätsloagcn und Sanitätsautos halten neben den Feldküchen, vollgesrachtete fahren ab, neue kommen, die gleich umringt und bc- setzt werden. Es wirrt und wogt. Es ist nicht leicht, die Kompagnie zusammen zu bekommen. Immer wieder muß gerufen, gesucht, gemahnt werden. Auch was sich eingefunden hat, ist leicht wieder in dem Gewühl verschwunden. ... Und da hinten irgendwo soll ein Brunnen sein.... Nach einer kleinen halben Stunde kommt der Kompagniefiihrer zurück, einen Stabsoffizier in seiner Begleitung. DaS Rufen und Suchen beginnt von neuem. Dann soll Ordnung geschafft werden. „Abzählen!"—„Nochmal!"—„Nochmal!" Der Befehl ist leichter gegeben als ausgeführt. Na, schliesslich kommt es jetzt auch nicht so genau darauf an. Der Stabsoffizier teilt ein.„Eins bis zwanzig: Ersatz für die erste Kompagnie; einundzwanzig bis vierzig: zlveite Kompagnie; einundvierzig bis sechzig: dritte Kom- pagme; der Rest und alles, was noch kommt: vierte Kompagnie.— Die Unteroffiziere mal hierher!.. „Aufpassen!" ruft der Kompagnieführcr.„Jeder merkt sich genau, welcher Kompagnie er zugeteilt ist. Keiner darf den Hof hier verlassen. Um vier Uhr geht es weiter." Die Ordnung löst sich allmählich wieder. Gut vier Stunden Zeit zum Ausruhen. Aber wo, wie?—_Sie sind müde zum Um- fallen. Aber in dem Gewühl, in dem Schlamm, der den Boden bedeckt, ist an ein Niederhocken oder gar Niederlegen gar nicht zu denken. Nur der Stall dort... •) Siehe Nr. 135 des„Vorwärts". Smorgon, an der oberen Strhpa und bei Tarnopol war es zeitweise etwas lebhafter. P c r s i e n: Unsere Truppen besetzten die Stadt S a k i z(120 Kilometer südlich des Urmia-Sees) und gingen weiter bis Bane vor(SO Kilometer südwestlich Sakiz). Melöung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 21. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonnabend. Im Ortlergebiet kleine für uns günstige Gefechte. Zwischen der Etsch und dem Terragnolotal wiesen wir in Richtung auf Marco und entlang der Eisenbahnlinie geführte Angriffe ab. � Der Gegner nahm die heftige Artillerietätigkeit gegen unsere Stellungen auf dem Nordabhang des Pasubio wieder auf. Auch dort stellten wir fest, daß der Feind Explosivstoffe und tränenerzeugende Granaten anwendet. Im Gebiet zwischen dem Terragnolotal und dem oberen Astach hielten unsere Truppen der feindlichen Angriffsbewegung fest stand. Wir wiesen einen Angriff gegen den Coston der Laghi ab. Auf der Hochfläche von Asiago scheiterten Angriffe, die von Milegrobe und den Fronten von Basson und Busaverle ausgingen, trotzdem sie gut vorbereitet waren und von sehr heftigem Artilleriefeuer unter- stützt wurden, am festen Widerstände unserer Truppen. Im Sugana- tal ist die Lage unverändert. Aus der übrigen Front verstreute der Feind das Feuer seiner Artillerie, ohne ein genaues Ziel zu nehmen, und unsere Artillerie vermied es, zu antworten. Gestern in der Morgendämmerung versuchte der Gegner eine ausgedehnte Luftstreife aus verschiedene Punkte der venetianischen Ebene zu unternehmen. Wenige Opfer sind zu beklagen, fast gar kein Schaden wurde ange- richtet. Die. feindlichen Geschwader, die die Richtung auf Udine und Casarsa genommen hatten, wurden durch das schnelle Eingreifen unserer Flieger zurückgewiesen. vom U-Dootskrieg. Toulon, 20. Mai.(W. T. B.)(Meldung der Agence HavaS.) Ein gricchiscber Kohlcndampfer wurde am 18. Mai von einem österreichisch-ungarischen Unterseeboot versenkt. Der Kommandant ließ den Dampfer halten und schickte einen Mann an Bord, der das Schiff in die Luft sprengte, nachdem die Bcman- nung in die Boote gegangen war. 27 Mann wurden von einem Torpedoboote aufgenommen und nach Toulon gebracht. Zusammenstoß Zwischen l�-Doot und Dampfer. Kopenhagen, 20. Mai.(W. T. 33.) Vor dem hiesigen See- Handelsgericht fand heute das Verhör über den Z u s a m- m e n st o ss de» dänischen Dampfers„Vendsvessel" mit einem englischen Unterseeboot statt, der am 10. Mai kurz nach der Abfahrt dcS Dampfers vom Tyne nach Kopen- Hagen erfolgte. Die vernommenen Zeugen machten folgende An- gaben: Das englische Unterseeboot tauchte plötzlich eine halbe Schiffslänge vor dein Dampfer aus, so daß ein Zusammenstoß un- vermeidlich war. Das Unterseeboot versuchte noch unterwtaucben, aber man verspürte aus dem Dampfer mehrere heftige Stöße. Das Unterseebcot kam bald wieder an die Oberfläche; seine Beschädigung ist unbekannt. Der Dampfer verlor einen Schraubenflügel, der im Unterseeboot stecken blieb. Ter Kommandant des englischen Tor- pedojägers Talisman kam an Bord des Dampfers, um sich über die Ursachen de» Zusammenstoßes zu unterrichten. Darauf setzte der Dampfer seine Reise fort. Das beschädigte Unterseeboot gehörte einer manövrierenden Unterseebootsslottillc an. Die Offiziere des dänischen Dampfers erklärten sich an dem Zusammenstoß für schuldlos. Deutsch-norwegischer Notenwechsel. Kristiania, 20. Mai. iW. T. B.) In Beantwortung eines Schrittes der norwegischen Gesandtschast in Berlin wegen des Verlustes der norwegischen Schiffe„Baus",„Kannik" und„S i l i u s" hat das deutsche Auswärtige Amt der Gesandtschaft folgende Note zugestellt: Auf im französischen Kriegshafen Le Havre liegende Kriegs- schiffe und Hilfsschisfc, die mit Teutschland kriegführenden Mäckten gehörten, sind mehrmals von deutschen U-Booten Angriffe gerichtet worden. Deutsche Seestreitkräfte haben auch die Aufgabe gehabt, durch Minen die Verbindung mit diesem KriegShasen zu sperren. Ten deuffchen Behörden ist es nicht möglich gewesen, ins Klare zu bringen, ob die genannten Schiffe infolge dieser Massregeln ver- senkt wurden. Aber selbst wenn neutrale Schiffe, die sich im fran- Ach was: Not kennt kein Gebot. Immer hinein! Da ist es wenigstens trocken. Und vielleicht auch ein bißchen wärmer. Der Stall ist vollgepfropft. Einige Dutzend Pferde in der Mitte. Zwischen ihnen, unter ihnen, um sie herum: Menschen Menschen— Menschen. Pserdeburschen und andere Burschen der Stabsoffiziere, Ordonnanzen, Esscnboler. die sich hier ein Stund- che» ausruhen möchten, weiss Gott, wer sonst noch alles. Teilweise liegt man mehr übereinander als nebeneinander. Hat aber auch einen Vorteil: es wärmt. Das Dach ist zur Hälfte abgedeckt; man� sieht die ziebenden Wolken und hin und wieder auch ein paar Sterne. Die Türen schließen nicht. E» zieht jämmerlich. Es flucht und schimpft durcheinander, Neuankömmlinge treten auf die Liegenden. Immer wieder knipst einer seine Taschen- laterne an. Und schon ruft ein Dutzend Stimmen„Licht au»! Sollen sie wieder hier ein paar Dinger Heremsengen?" Aber der Weg war zu weit, zu schwierig, die Müdigkeit ist zu groß. Und wenn schon—! Nur erst einmal die Beine von sich strecken, die Schultern irgendwo anlehnen können. An Schlaf ist ja nicht zu denken. Aber Ruhe ist Ruhe. Gott sei Tank! • Hinter einer kleinen Waldhöhe, von der man Schutz erwartet, haben sie sich Löcher gebuddelt, wie es gerade traf. Hier drei, vier, fünf ein größeres, dort einer ein kleines für sich allein. Meist sind es nur kunstlose, knietiefe Gruben zum Hocken oder Liegen; man ist müde, und der Boden mit seinem Gestein und Wurzelzeug ist bart und widerspenstig. Nur hier und dort ist eins der Löcher besser ausgestaltet, mit Sitzstuse versehen, durch Zwcigverhaue geschützt. Frierend, in Zeltbahnen und Decken gehüllt, hocken sie da und beobachten die Granaten, die über ihre Köpfe hinweg zischen und brausen und auf den Berghängen, die der Blick überschaut, bald hier, bald da Erd- und Rauchsaulen aufwirbeln. Ohne Unterlaß saust es berüber, von Sekunde zu Sekunde steigen die gelben, weissen, schwarzen Fontänen, die das Auge früher steht, als die Schallwellen den Krach der Explosion dem Ohr zutragen. Mitunter nähern sich die Einschläge bis auf gefährlichste Nähe. Eine Batterie nimmt augenscheinlich mit immer grösserer Sicher- heit das Tal unter Feuer, in dem das Bataillon die Zeit abwartet, bis es vor soll, um wieder eingesetzt zu werden. Gellend zevsprin- gen die unheilschwangeren Geschosse jetzt hier, jetzt dort. Dann entsteht wohl an den Stellen, die sie heimsuchten, eine Bewegung. Die Nächsthockenden springen aus ihren Löchern und suchen anders- wo Sicherung... Bis die Batterie sich wieder ein anderes Ziel nimmt und ihre Granaten weiterhin sendet, Erkundung. „Morgen mittag sollen wir das Dorf stürmen. Wollen die Herren einmal mitkommen, daß wir uns über die Situation klar werden? 1* zösischen KriegShasen befanden, durch derartige Maßregeln beschä- digt sein sollten, würde man daraus keine Ansprüche gegen das Deutsche Reich herleiten können, da dieser Schaden als unmittelbare Folge einer berechtigten milrtärischcn Kricgshandlung erscheinen würde und deshalb als unabwendbar und notwendige Folge des Krieges erduldet werden müßte. Die norwegische Gesandt schast hat im Auftrage des norwegischen Ministeriums des Aeutzern erwidert: Die norwegische Regierung glaubt nicht, die deutsche Regierung verantwortlich machen zu dürfen für den Schaden, welcher den norwegischen Schis- fen zugefiigt wurde als unmittelbare Folge einer berechtigten mili- tärischen Kriegshandlung, sei es, daß diese in einem deutschen U-Bootangrisf auf die Seestreitkräfte des Gegners oder in der Auslegung von mit den Völkcrrechtsregeln übereinstimmenden Minen bestünde, aber die norwegische Regierung behält sich vor, ihre und ihrer Staatsangehörigen Rechte geltend zu machen, wenn es sich zeigen sollte, daß die genannten Schiffs durch einen direkten Angriff deutscher Seestreitkräfte vernichtet wurden, welche sie trotz der sichtbaren Neutralitätszeichen für feindliche gehalten hätten. Die norwegische Regierung bittet deshalb die deutsche Regierung um Mitteilung, sofern weitere Auskünfte über den Verlust der drei Schiffe eingeholt werden können. Amerika unö ö:s österreichische Dubrovnik-Mote. New Dork, 20. Mai.(Durch Funkspruch vom Vertreter des W. T. B.) Die österreichische Note über die Ver- senkung des Dampfers„Dubrovnik" hat hier grosse Beachtung gefunden. Telegramme des Hearstschen Interna- tionalen Nachrichtendienste» aus Washington be. sagen, daß, wenn die Beweise überzeugend sind, das Staatsdepartc- ment gezwungen sein wird, bei den Regierungen der Alliierten, die dieses Verbrechens beschuldigt werden, energischen Protest einzu- legen, und daß über die Weisungen, die den Unterseebootkomman. danten der Alliierten erteilt wurden. Erhebungen angestellt werden würden. Das StaatSdeDprtement konnte sich"nicht verhehlen, daß, falls es sich herausstellen sollte, daß die Flottenbefehlshaber der Alliierten sich einer Handlungsweise schuldig gemacht hätten, für welche die Vereinigten Staaten die diplomatischen 3Aeziehungcn zu Deutschland abzubrechen drohten, der Fall besonders schwer liegen würde. Die Regierungen der Verdandsstaaten hätten Amerika keine Abschriften ihrer Weisungen an die Unterseeboots- lommandanten geliefert. „E v c n i n g Po st" schreibt, die österreichische Note an die neutralen Mächte über die Versenkung des Tamvfers„Dubrovnir" mache so bestimmte und genau umschriebene Angaben, daß eine schnelle Mitteilung der Tarstellung des Falles von feiten der Alliierten gebieterisch erforderlich erscheine, denn, wenn ein italieni- scbes, britisches oder französisches Unterseeboot de» Frevel» schuldig wäre, dessen sie angeklagt seien, so hätte gerade unsere eigene Re- gicrung das ernsteste Interesse an der Angelegenheit. Die ameri- kanische öffentliche Meinung wird sich ebenfalls nicht damit be- gnügen, daß man leicht über den Vorfall Hinwegzugleiten sucht. Wenn die Tatsachen die österreichische Anklage unterstützen, so möge die Regierung, die für das Verbrechen verantwortlich ist, den Beweis erbringen, daß die alliierten Mächte aufrichtig gewesen sind, al» sie die Deutschen eines gleichen Verbrechen» bezichtigten. Englische Mrbeiteroertreter Zur Dienftpflicht. Tie dritte englische Dienstpflichtbill ist angenommen und wird in kurzer Zeit in Kraft treten. Gegen den Gesetzentwurf stimmten 38 Mitglieder des Unterhauses, und zwar 9 Ar- beitervsrtreter, 26 Radikale und ein Unabhängiger Ratio- nalist. Zum erstenmal hat ein Mitglied der Unabhängigen Arbeiterpartei, I. Parker, für die zweite Lesung gestimmt. I. R. Clynes enthielt sich der Stimme. Dafür gingen drei Mitglieder der Arbeiterpartei, W. Abraham(Bergarbeiter), F. Goldstone(Lehrerverband), W. Hudson(Eisenbahner), niit der Unabhängigen Arbeiterpartei. Bei der dritten Lesung ist höchstwahrscheinlich die Stimmenverteilung die gleiche ge- Wesen. Für die zweite Lesung stimmten 1-t Mitglieder der „Labour Party". Glasgow„Forward" veröffentlicht nun noch einige Reden während der zweiten Lesung, die von der bürgerlichen Presse verschwiegen worden sind, obwohl sie im offiziellen Der Kompagnieführer mit den beiden Zugführern verlassen die Schlucht, in die das Bataillon gezogen wuroe, und Iletiern, so gut es gehen will, den Hang zur Höbe hinauf, auf der das Dorf liegt. Es dämmert sachte. Aber noch ist größte Vorsicht geboten. Kriechen wir lieber das letzte Stück!" Auf allen Vieren, schließlich gar mit dem Bauch fest auf den Boden gedrückt, gehl es Weiler, ein paar verkrüppelten Bäumen zu, die ziemlich vereinzelt am Saum der Höbe gedeihen. In ihrem Schutz kann man sich etwas empor richten und nun ohne Schwierigkeit das Feld überblicken. Hinter starkem Drahtverhau, in den nur hier und da eine Granate Lücken gerissen hat, ruht daS Dorf. Es brennt. Nicht ganz und lichterloh. Aber gleich vorne glühen die Sparren einiger halb niedergebrannter Häuser zwischen dem Schwarz verkohlten Holzes teilweise auch noch hell und rot, und drüben lodert es von Minute zu Minute züngelnd empor. Gelbgraue Rauchwolken lagern sicd über dem Brande. Heil und ganz ist nichts mehr. Auch wo die Flammen nicht hingegriffen haben, starren nur noch zackige, niedrige Ruinen zwischen ausgewühlten dunklen Erdhaufen. Menschen nirgends zu sehen. Alles wie tot und verlassen. Nur hin und wieder knacken einstürzende Balken in den brennenden Gc- bänden, neue schwere Rauchwolken aufwirbelnd. Aber die da kmecnd durch ihre Feldstecher beobachten, wissen, daß dieier Schein der Verlassenheit trügt. Zwischen den Trümmern sitzt noch der Feind. Und aus dem Gemäuer und Erdgewühl des Dorfrandes spieen erst vor wenigen Tagen, als dort weiter hinten daS Bataillon über die Höhe mußte, Maschinengewehre ihm dutzend» weis ihren Kupferhagel entgegen. Der Kompagnieführer gibt mit gedämpfter Stimme einige Er« läuterungen: In jenen Abschnitt dort sollen die Wellen unseres Ba- taillons angreifen. Rechter Flügel: hier die Reste der Kirche, linker Flügel: dort die Straße mit den Baumreihen.. Einer der Zug- führer zeichnet mit fliegenden Strichen eine Skizze. Peng! Peng! Ein paar Schüsse. Die drei Köpfe ducken sich rasch. Erst nach einer Weile wagen sie sicki wieder boch. „Hauptsache ist. daß der Graben richtig angelegt wird. DaS Gelände ist sonst nicht übel." „Wenn wir nur feststellen könnten, wo die Kerls noch befestigte Stellen hier am Dorfrand haben, und wo die Maschinengewehre eingebaut sind." Schars lugen wieder drei Augenpaare, Gedanken werden aus- getauscht. An einer Stelle glaubt man in einem Gemäuer einen Schlitz, wie für ein Maschinengewehr, zu entdecken. „Ich werde die Herren von der Artillerie verständige». Sie müssen morgen noch ordentlich hier hineinballern." Die Dämmerung nimmt zu, weicht langsam der Finsternis. „Kommen Sie!" Gebückt geht es wieder zurück. «Na, hoffentlich klappt alles!" � j» .Ncmsard-.VerW erWenen. Ganz?esonZei? inleressank sind darunter die Reden von Barnes und Goldstons. Barnes sehte sich mit großer Lebhaftigkeit sür die Dienstpflicht ein und erklärte, daß er, wenn es nötig sei, sogar noch weiter gehen würde, dagegen fordert er Respekt vor den Geivissens- bedenken gegen die Dienstpflicht, die er selbst zwar nicht teile. Dreine Rede klang aus in einen starken Appell an die Ar- beiter, seine Kameraden an der Front. Er wisse, daß viele von ihnen nicht nur gegen Deutschland, sondern auch gegen das soziale System kämpfen, das einige Männer reich und sie selbst,„wie sie glaubten", arm gemacht habe. Demgegenüber müsse er sie daran erinnern, was alles mit der Zeit errungen worden sei: besserer Kinderschutz, Fürsorge für die Alten, Wahlrecht und bessere Erziehung. Wenn all das richtig ge- handhabt werde, könnten die Arbeiter für sich selbst die Gleich- heit der Lebensmöglichkeit erringen! Es sei keine Zeit, um die Unterschiede zwischen den Klassen zu betonen. Alle Klassen würden gemeinsame Sache machen, um das, was gewonnen sei, zu verteidigen und aufrechtzuerhalten. Wobei BarneS offenbar Vergißt, daß von den? Errungenen in diesem Kriege zum Schaden der englischen Arbeiterklasse vor allem schon viel verlorengegangen ist. Die Rede des Arbeitcrparteilers Barnes gehört offenbar zu denen, die der konservative Kapitän T y s o n im Auge hatte, als er meinte,„einige der treffendsten, klarsten und, wie ich glaube, wirksamsten Reden für den Gesetz- entwurf sind von der Arbeiterpartei gekommen". Ein zweifel» Haftes Lob! Der Liberale Holt sprach gegen die Bill, und zwar in einer Weise, die Lloyd George zu einer langen Rede heraus- forderte. Tie Rede Lloyd(Seorges wurde vollkommen von allen Zeitungen wiedergegeben, aber„Forchard" macht darauf aufmerksam, daß kein einziger liberaler Kabinettsminister, während Lloyd George sprach, auf der Regierungsbank saß.— Besoirders beachtenswert war sedoch die Abrechnung Goldstones mit seinem engeren Parteigenossen, dem Ar- beiierminister Henderson. Er erinnerte Henderson dara??, daß zweimal eine Konferenz der Arbeiterpartei, als deren Sekretär Henderson jedesmal fungiert habe, sich mit aller Eni- sänedenheit gegen die Dienstpflicht ausgesprochen habe. Er erinnerte ferner daran, daß er, Goldstone, der letzten Kon- ferenz den Borschlag geniacht habe, zu beschließen, daß die Arbeiterminister bei einer Erweiterung der Dienstpflicht die Regierung verlassen sollten. Nur die Versicherung des Premierministers, daß eine Ausdehnung nickt möglich sei, habe die Konferenz veranlaßt, keine solche Resolution anzu- nehmen. Diejenigen, die iin Parlament gegen die Dienst- Pflicht aufträten, sprächen im Namen der Arbeiterklasse. Das müsse allen klar sein, ebenso wie die Tatsache, daß die organi- sierten Arbeiter fürchten, daß der Tienstzwang verbunden mit dem industriellen Zwang ein dauernder sein werde. Goldstonc weist noch eininal auf die falschen Berechnungen hin, die den verschiedenen Dienstpflichtgesctzen zugrunde gelegt worden sind, und entwickelt ein Bild, wie die Gesetzgebung in kurzer Zeit auf diesen? Wege weitergehen werde.„Der nächste Schrei wird der von den industriellen und kommerziellen Nöten, hervorgerufen durch die Versenkung von so vieler nnserer Tonnage durch die Unterseeboote sein: und dann wird die Ueberführung aller Reserven— nicht unbedingt in Kbaki — zu den SchiffsKerften kommen, mit einer Drohung, daß sie, wenn es irgendwelche Störungen gibt, entlassen werden ?tnd wieder in die Armee kommen. Wenn das kein in- dustrieller Zwang ist, was ist es sonst?" Alles das sei ein Teil des Spiels der Northcliffcpresse und gewisser anderer Interessen. Er könne nicht verstehen, wie ein Arbciterver- tretcr ein Gesetz annehme, das dieses System fördere. Jeder müsse ernstlich in Sorge sein, daß der Dienstzwang nicht mit dem Kriege verschwinde. Die Antwort Henöersons war sehr bezeichnend. Er der- wies Goldstone mit seiner Kritik an eine Arbeitcrkonferenz. Tie Partei habe seine Ansichten gekannt und dennoch ein- gewilligt, daß er in das Ministerium eintrete. Wenn sie nicht mit seiner Haltung einverstanden sei, nun, das Land stehe ihm näher als die Partei.— Deutlicher konnte die Absage an diePrinzipien der Arbeiter- Partei nickt sein. Man darf mit einiger Spannung erwarten, wie die Arbeiterpartei als solche, das heißt eine Konferenz Metropol-Theater: Sie Herzogin von Gerolstein. Mit dieser am Sonnabend aufgcfübrten Operette Offen- b a ch s hat es eine eigene Bewandtnis. Die Denthandlung vermag m,r noch historisches Interesse zu erregen. Sie steht unlöslich ver- knüpft mit einer tHoflexwirkung des deutsch-österreichischen FcldzugS von auf die Pariser. Ist ooch der brave, reichlich tölpelhaft ge- sehene Grenadier Fritz im blitzartigen Auf- und Abstieg feines Heldentums nichts mehr als die weidliche Verspottung des damaligen militärischen Preutzenwms. Sein Gegenpol, der General Bumm, in dein sich die französische Großmannspvahlerei verkörpert, wirkte damals allerdings nicht weniger verständlich an der Seine— und daher wohl noch boshaft-ergotzlicher. Heute versteht man schwer, warum einst die Zensur dieser Satire Daumenschrauben anzulegen für gut befand. Was funkelte, ist nun verblaßt. Das mutz der Musik halber bedauert werde«: denn sie stammt aus Offenbachs künstlerisch reifster«chaffensperiode. Wohl machen sich in der Par- titur schon Anzeichen eines ftomprrranpcs zwischen genialer paro- distischer Laune und erkünstelter von den Franzosen herzuleitender Sentimentalität bemerklich. Es sind aber doch einige Perlen von unversiegbar melodischem Glänze darin, wie beispielsweise das in den Wucht igen Trioien pompöser Metzerbeerscher Hymnen einher- stürmende Degenlied, das Briefkuplet, das groteske Verschwörer- terzclt ein Rondo der Grotzherzogin und mehrere Lrchcsternummern. Um aber auch einen dem prachtvollen Finale des ersten Aktes gleich- wertigen Abschluß des zweiten Aktes berbeizuführen, wurde die Ebmnpagnertrinkmusik mit der Quadrille aus dem 3. Akt von Osfcnbachs„Pariser Leben" hinübergenommen. Dies Experiment kann im ganzen als geglückt gelten. Datz der Schlußakt schwächlich ausklingt, liegt an der etwas gewaltsamen Umbiegung der Fabel. In Wahrheit hätte es ja die Grotzherzogin anders gemacht, um einen kräftigen„Mam? aus dem Volke" für ihre Liebestollhcit ein- zufangen. Dem reichlich prunkenden Publikum gefällt das Werk aber auch so— der stürmische Beifall bewies es. Freilich gblt dieser nicht so ausschliehlich Offenbach als weit ersichtlicher der glänzenden dekorativen Ausstattung und den Mitwirkenden. Fritzi M a s s a r y er- füllt in stimmlicher Hinsicht zwar nicht alle Bedingungen; als Dar- stellerin der Titeliigur hat sie jedoch zurzeit schwerlich eine eben- bärtige Rivalin. Desgleichen kann sie sich keinen besseren Partner als den glänzenden Operettentenor Albert K u tz n e r(Fritz) wün- schen. der seine Rolle nur noch siegreicher gestalten würde, wenn er den in einem Atem bis zum obersten..Hcer"führcr hinaufsteigenden Soldaten weniger jolpatschig erscheinen ließe. Peter Lordmann — hier der Dritte im Bunde und sonst als Ritter Falstaff in Rico- lais„Lustigen Weibern" unübertrefflich— stellt den General Bumm. wie zu erwarten stand, mit überwältigender Grotesk-Komik auf die Beine, lind wenn wir noch den prinzlichen Freier und den Gesandten mit der Schafsvisage hinzunehmen, so läßt sich der „Herzogin von Gerolstein" ein großer andauernder Sommererfolg voraussagen. eü. Te? ÜDHkglt&ef, sich zll Siefen AeußeruiMrr fkellen finrb. Vön der parlamentarischen Arbeiterpartei ist in dieser Beziehung nichts zu erwarten. Die Abstimmungsziffern haben deutlich genug gezeigt, daß nur einige wenige den Standpunkt der Arbeiterklasse nicht verlassen haben und sich auch durch geringe Konzessionen der Regie/ung nicht haben fangen lassen.__(z) Zur Lage in Urlaub. Rotterdam, 20. Mai.(2B. T. SS.)„Rotterdamsche Eourant" meldet aus London: Nach Berichten aus Irland hat Asquith dort hauptsächlich über die Bildung eines irischen ausführen- den Rates mit Verwaltungsbefugnissen verhandcli, der als eine Art irisches Kabinett in Dublin seinen Sitz haben und dem englischen Parlament verantwortlich sein soll. Ter Rat soll keine gesetzgebende Gewalt und auch nicht das Recht zur Ausschreibung von Steuern erhalten. In den nächsten Tagen>vird sich nach Beratung mit dem Kabinett und mit den irischen Führern zeigen, ob dieser Plan Aussicht auf Gelingen hat. „Daily Telegraph" erfährt aus Belfast, datz die politische Lage in U l st e r von einem ernsten Beobachter in folgenden Worten zusammengefaßt wurde: Obwohl die Unionistcn von Ulster es bei weitem vorziehen würden, sich ganz der Fortsetzung des Krieges zu widmen und die Erledigung der irischen Fragen bis nach dem Frie- densschlutz aufzuschieben, erkennen wir an, datz der Premierminister nach Irland gekommen ist, um einen Ausweg aus den Schwierigkeiten zu finden, und daß er mit dem Eindruck zurückgekehrt ist, einen solchen illuSweg gesunden zu haben. Ein solcher� Ausweg wäre nur möglich, wenn ganz Ulster von der Ober- Herrschaft eines Homcrule-Parlaments ausgeschlossen würde. Die Unionisten würden dann in der Lage sein, abzuwarten, wie das Dubliner Parlament sich gebärden wird, und würden, ivenn es mit Erfolg tätig ist, leicht ein Abkommen treffen können, um sich dem Parlament anzuschließen. Wenn dieses den Erwartungen nicht entspräche, so würde niemand Ulster tadeln können, datz es sich da- von ausschlictzt. Es ist auch gar kein Grund vorhanden, warum wir nicht einer allgemeinen Entwaffnung aller Frei- willigen zustimmen sollten. „I r i s b New s", das Blatt des Nationalisten Devlin in Belfast, schlägt eine Art Diktatur in Irland vor, in die Redmond, Carson und sechs bis acht Männer, die als Vertrauens- würdige Leute bekannt sind, aufgenommen werden sollen. Eine solche Diktatur bis zum Ende des Krieges würde günstig aufgenom- inen werden, vorausgesetzt, datz ihre Mitglieder wirkliche Macht- befugnisse erhielten und in dem Augenblick zurückträten, da die irische gesetzgebende Versammlung eröffnet würde. Cnglanö beschlagnahmt öänischen Kaffee. Kopenhagen, 20. Mai.(W. T. B.)„Ekstrabladet" zufolge zwan- gen die Engländer die drei dänischen Dampfer„Moskow", „Holmblad" und„Pennsylvania", in Ncwcastle ihre gesamte Kasfccladung zu löschen. Die beiden erstgenannten Dampfer werden seit längerer Zeit in Sltcwcastle zurückgehalten, während der„Pennsylvania" die Weiterfahrt ohne Ladung gestaltet wurde. Das Blatt schreibt, Dänemark sei infolgedessen von Kasiee- mangel bedroht. internationale wiffenschast unü öer Krieg. „Manchester Guardian" vom?ä. Mai schreibt: Gelegentlich der Jahresversammlung der Gesellschaft der Altertumsforscher bemerkte der Vorsitzende, Sir Arthur Evans, die Frage des Ausschlusses, wenigstens des zeitweiligen, deutscher Ehrenmitglieder aus dieser und anderen wissenschaftlichen Gesellschaften Englands liege in der Luft. Ehe man ober zu irgendeiner allzu weitreichenden Maßnahme schreite, solle man daran denken, daß einige deutsche Ehrenmitglieder zu jener edlen Klasse gehören, für die der verstorbene Dr. Helvig ein hervor- stechendes Beispiel sei, eine Klasse, für die wissenschaftliche Bruderschaft ein mindestens edcm'o starkes Bond sei. wie das der Ratio- nalität und der Sprache. Trotz des„Evangeliums des Hasses" müsse man es den gelehrten Gesellschaften und Akademien Teutschlands zugute halten, daß sie, von unwesentlichen Ausnobmen abgesehen, da- von Abstand genommen hätten, ibre englischen Mitglieder aus ihren Listen zu streichen. Trotz amtlichen� Drucks habe sich die Berliner Akademie zweimal geweigert, diesen Schritt" zu tun. Er selbst schäme sich nicht einzugestehen, datz er während des Krieges herzliche und sogar unverlangte Hilfe von einem deutschen Altertumsforscher emp- sangen habe, der eine hohe amtliche Stellung einnehme. Er wandte sich dann gegen die vielen von Deutschland und Oesterreich begangenen Grausamkeiten und sagte:„In diesen Zeiten unerträglicher Heraus- forderung haben wir und die Mitglieder ähnlicher Gesellschaften, die auf dem neutralen Grund der Wissenschaft stehen, eine hohe Pflicht zu erfüllen. Daß eine ernstliche und lange Entfremdung zwischen dem gesamten britischen Volke und dem Deutschen Reiche vorhanden sein wird, ist unvermeidlich geworden. Aber das berührt nicht die unveränderliche Grundlage für alle Zweige der Forschung, ihre starke gegenseitige Abhängigkeit. Wir haben stets mit denen, die heyte unsere Feinde sind, eine gemeinsame Aufgabe geteilt. Wir können nicht die Tatsache umgehen, datz wir morgen wieder einmal ans demselben geschichtlichen Geviete als Arbeiter zusammenstehen/ ES liegt uns ob, nichts zu tun, was den gegenseitigen Verkehr auS- schließen könnte auf Gebieten wie den unseren, die fern von der Herrschaft menschlicher Leidenschaften an den stillen Straßen der Vergangenheit liegen." Italienische? Ministerrat. Bern, 21. Mai.(W. T. B.) Der gestrige italienische Min i st e r r a t, dem alle Minister beiwohnten, beschäftigte sich insbesondere mit den jüngsten militärischen Ereignissen und der Lage im Trentin o. Obivohl die amtliche Mitteilung an die Presse darüber nichts verlauten läßt, sondern nur von gefaßten administrativen Beschlüssen spricht, vertreten alle Blätter diese An- ficht.„Corriere della Sera" schreibt, es sei klar, datz die Prüfung der Lage an der italienischen Front den Hauptgcgenstand der Be- sprechung des Ministerrats gewesen sei. Kriegsminister Moroue habe ausführliche Erklärungen über die militärische Lage seit Beginn der österreichischen Offensive gegeben.„Secolo" schreibt, datz nach den Ausführungen Morones der bereits gefaßte SSeschlutz rückgängig gemacht worden sei, zum Jahrestag der italienischen Kriegserklä- rung Gedenkreden zu bal'en. Kein Minister werde Rom verlassen. politische Uebersicht. Neue Mä,,ner. Während der letzten Tage hatten die politischen Rätsel- rater in den bürgerlichen Redaktionen Hochkonjunktur. Die Frage nach den? Nachfolger des aus seinem Amte geschiedenen Leiters des Reichsamts des Innern, des Herrn Dr. Delbrück, und die Erwartungen, die sich an die in Aussicht gestellte Er- nährungsdittatur knüpfteil, gaben Anlaß zu allen möglichen Kombinationen und Vermutungen, die je nach den Be- ziehungcn der Blätter zu den Behörden als mehr oder weniger „zuverlässig" der Welt verkündet, von anderer Seite be- stritten, lviderrufen lind dann von neuem dem Leser aufgetischt wurden. Daß dabei eine Menge versöi?l?cher Tratsch mit unterlief, ist selbstverständlich. Amtlich ist bis zur Stunde aber noch nicht mitgeteilt worden, wer die neuen Männer sein Sie das schwierige Problew 5er inneren Politik urch das noch schwierigere einer ausreichenden Volksernährung restlos und zur allgemeinen Zufriedenheit lösen sollen und wollen. Wir haben unsere Leser bisher mit dem Wust von Kombinationen verschont und wollen sür heute nur die Namen derer anfifljren, die am meisten als die„neuen Männer" emp- fohlen u?rd genannt werden. So heißt cs, daß die Ernennung des Schatzsekretärs Professors Dr. Helfscrich zum Staats- sekretär des Jmrern und Stellvertreter des Reichskanzlers bc- reits erfolgt fei. Als seinen Nachfolger im Reichsschatzamt bezeichnet die„Germania" den derzeitigen Unterstaatssekrctär für Elfaß-Lochringen, Graf von Rocdern. An die spitze der in ihren Grundzügen nunmehr fertig- gestellten Organisation für Volksernährung, zu der der Bun- desrat heute endgültig Stellung nehmen lvird, soll der Ober- Präsident v. Batoekiin Königsberg treten, als dessen Stell- Vertreter der Unterstaatssekretär v. F a I k e n h a?? s e n ge- ??ailnt wird. Tie nrilitärische Leitung soll dem Generalmajor G r ö n e r übertragen werden, der???it großer Energie den Verkehr in den Kriegsgebieten geregelt hat. Völlige Ausschaltung des Reichstags? Ueber die Frage der Lebensmitteldiktatur wird heute die Vollversammlung des Bundesrats endgültig Beschluß fassen. Nach Meldungen eines Berliner Blattes be- steht die Absicht, das Gesetz in einen einzigen Paragraphen zu fassen, der dem Reichskanzler die Befugnis zur Ein- richtung und Zusammensetzung einer Reichslebensmittelzen- träte gibt. Alles übrige, die Organisation und die einzelnen Aufgaben dieser Zentrale, soll danach dem Reichskanzler überlassen bleiben. Falls der Entwurf dieses Ermächtigungsgesetzes wirklich so aussehen sollte, würde der Reichstag auch in dieser Frage vollkommen ausgeschaltet fein. Bekanntlich ist das allgemeine Ermächtigungsgesetz vom 4. August 1914 bc- reits derart weit ausgelegt worden, daß von verschiedenen Seiten dagegen Einspruch crbobei? wurde. Durch das neue Gesetz würde eine ungeheure Machtibesugnis gar in die Hände einer einzigen Person, des Reichskanzlers, gelegt werden, was noch größere Bedenken erweckt, als wenn die Befugnis wiederum dem Bundesrat übertragen worden wäre. Dazu liegt um so weniger Veranlassung vor, als die bisherigen An- rogungen des Reichstags, die in den mehrfachen Nahrungs- nntteldebatten gegeben wurden, sehr selten berücksichtigt worden sind. Augenblicklich aber ist der Reichstag versammelt, und es wäre ein leichtes, ihm die Pläne der Reichsregierung zur Begutachtung und eventuellen Aenderung vorzulegen. Ihn auch im gegenwärtigen Moment wieder auszuschalten, heißt den Reichstag geradezu brüskieren. Man wende nicht ein, daß der Reichstag unnütz über die Organisation der neuen Reichslebensmitteljentrale debattieren würde. Jeder Abgeordnete weiß, wie sehr uns die Ernährungsfragen unter den Sllägeln brennen. Der Reichstag würde also sicher seine Beratungen über diese Frage, falls sie ilm? vorgelegt würde, beschleunigen. Die Regierung hat ja volle 22 Monate lang gezögert, ehe sie daran ging, sich zu einschneidenderen Maß- nahmen zu entschließen. Selbst seitdem der feste Vorsatz der Regierung zur durchgreifenden Regelung vorliegt, sind allein bis heute wiederum zehn Tage vergangen, ohne daß ein fester Plan bereits der Oeffcntlichkeit vorgelegt worden wäre. Da kann man gewiß�nicht sagen, daß durch die Mitberatung des Reichstages die Sache irgendwie verzögert worden wäre. Aber die Regierung hat es ja sogar abgelehnt, im Reickshailshalts- ausschuß vertrauliche Mitteilungen über die Pläne der Rc- gierung zu inacken und damit dem Reichstag ein gewisses Recht der Beeinflussung einzuräumen. Jetzt soll, wenn die Pressemeldungen zutreffen, der Reichstag auch zu dem ferti- gen Plane nichts zu sagen haben. Wir flehen sicher nicht in dem Verdacht, die Bedeutung des deutzhen Parlaments in seiner gegenwärtigen Zusammen- setzung zu überschätzen. Aber daß ein Parlament derart bei- seite geschoben werden soll, wie die Regierung es tut, scheint uns doch unglaublich. Ebenso halten wir es für ausgc- schlössen, daß der Reichstag sich diese Ausschaltung wiederum ruhig gefallen lassen wird, Friedensgerüchte. Der„Berliner Lokalanzeiger" lbrinA in seiner SonntagSausgabe einen langen, offenbar inspirierten Artikel, per sich mit den fortgesetzt auftauchenden Friedensgerüchte» befaßt. In oen letzten Tagen hat die Presse des feindlichen Auslandes mehr- molk Mitteilungen veröffentlicht, die daraus zugespitzt waren, als versuche Deutschland durch Mittctspersonen den feindlichen Staaten FriedenSvorscHläge zu machen. Im„Lokalanzeiger" werden diese Behauptungen als Legenden bezeichnet und daran wird dann folgende Auslassung geknüpft: „In erregten Zeiten werden selbst die dümmsten Lügen zu festgeglaubtcn Legenden, wenn sie von großen und einflußreichen Blättern immer wieder verbreitet werden. Darum halten wir es nicht für überflüssig, einmal mit aller Entschiedenheit zu er- klären, daß an allen diesen Gerüchten kein wahres Wort ist. Die deutsche Regierung hat vor der ganzen Welt durch den Mund des deutschen Reichskanzlers ihre Friedensbereitschaft er- klärt, weil sie cs für die sittliche Pflicht des Stärkeren hält, dem Feinde bekanntzugeben!, datz er den Frieden haben kann, wenn er will, t-ie hat auch die Bedingungen nicht vseschwiegen. unter denen sie i m gegenwärtigen Augenblick zum Frieden bereit ist. Wir glauben nicht zu irren, ivenn wir behaupten, datz diese Bedin- gungen sich im Verhältnis zu den Opfern, die uns die Fortsetzung des Krieges auferlegt, verschärfen werden. Aber wir wissen, datz, abgesehen von der vor aller Oeffentlichkeit vom deut- schen Reichskanzler bekundeten Friedensberei tschast, keine Schritte amtlicher oder nichtamtlicher Natur von oder auf Veranlassung der deutschen Regierung getan worden sind, um Deutschlands Gegner zu einer Antwort auf diese Frie- densbereitfchaft zu veranlassen." Tie folgen der lokalen Nahrungsmittel-Ausfuhrverbote Der vorwiegend Industrie aufweisende Kreis Hirschbcrg i. Schl. ist durch die Nahrungsmittel-Ausfuhrverbote der benachbarten ländlichen Kreise hinsichtlich der Lebensmittelversorgung in eine so schlimme Lage geraten, datz Hirschberger Konsumentenkrcise beim Regierungspräsidenten in Liegnitz beantragt haben, die Kreisaus- fuhrverbote aufzuheben, da diese übrigens jeder gesetzlichen Grund- läge entbehren. Letzte Nachrichten. Tod eines alte» Revolntionsgenerals. Budapest, 21. Mai.(W. T. B.) Arthur G ö r g c y, der seinerzeitige Oberkommandant der Armeen des ungarischen Frei- heitskampfes von 1515/40 ist nachts um 1 Uhr im 03, Lebensjahr gestorben. Bus Groß-Serlin. Schutz für Nuttec und Kmö. In einer Zeit, wo der Krieg täglich so viele Menschenleben erbarmungslos vernichtet, sind Bestrebungen zim: hilf reichen Schutz des werdenden Menschen doppelt nötig. Die vor sechs Iahren iu Berlin gegründete„D e u t s ch e G e s e l l- s ch a f t für Mutter- und K i n d e s r e ch t" ist seit Ausbruch deS Krieges bemüht gewesen, in ihrer Fürsorge- arbeit für Mutter und Kind auch die gesteigerten Anforde- rungen zu befriedigen, die au sie herantraten. Dem uns überreichten Rechenschaftsbericht über ihre Tätigkeit in dem Jahre vom Oktober 191l bis zum Septem- ber 1913, das sich ungefähr mit dem erstenKriegs fahr deckt, entnehmen wir, daß diesmal 2827 hilfesuchende Frauen und Mädchenvor oder nach ihrer Ent- b i n d n n g eine Fürsorge der Gesellschaft genossen. Daß die Leistungen hinter der zu lösenden Aufgabe zurückbleiben, weil die Mittel unzulänglich sind, hebt der Bericht ausdrück- lich hervor. Ter Beistand für die Schwangeren oder Ent- bundenen war in jedem einzelnen Fall eine Erteilung von Auskunft und Rat, ferner oft eine besondere Hilfe, z. B. Ber- Mittelung Von Frühunterstützung, Unterbringung in Gebär- austalten mrd Heimen, Beschaffung von Wöchnerinnenfür- sorge, Usberweisuug an Säuglingsfürsorgestellen. Nachweisung von Pflegestellen, Unterstützung mit Säuglingswäsche, mit Betten, risit Kinderwagen usw., auch mit Darlehen, mit Erholungsaufenthalt, weiter Gewährung von Rechtsschutz, Vermittelung von Arbeit. Die Gesellschaft unterhält in Ber- lin und einigen Vororten mehrere M ü t t e r b e r a t u n g s- st e l I e n, bietet Schwangeren sowie Entbundenen mit ihren Kindern eine Zufluchtsstätte in dem Hei m �.M u t t e r- Hilfe"(bisher in Wilmersdorf. Düsseldorfer Str. 14, jetzt in Berlin, Auguststr. 17) und hat für die Kriegszeit noch ein besonderes Heim„K r i e g s m u t t e r h i l f e"(in Berlin, Lindenstr. 74) eingerichtet. Die„Mutterhilfe" wurde nach Kriegsausbruch stärker als sonst in Anspruch genommen, weil die plötzlich anschwellende Arbeitslosigkeit viele werdende Mütter in Bedrängnis brachte. In der Zeit von Oktober 1914 bis September 1315 mußte dieses Heim 138 Schwangere und 192 Mütter mit 197 Kindern beherbergen, so daß kaum jemals ein Bett unbesetzt blieb. Tie.„Kriegswochenhilfe" wurde im November 1914 eröffnet, war bis September 1913 für 89 Schwangere und 126 Mütter mit 121 Kindern eine Zufluchtsstätte und sah sich bei stets voller Besetzung leider oft zur Abweisung von Aufnahmesuchenden genötigt. In beiden Heimen werden die Pfleglinge angehalten, zu den Pjlegekosten beizutragen, soweit sie dazu imbaude sind. Das volle Pflegegeld für den Tag beträgt 1 Mk. für eine Erwachsene, 1,50 Mk. für Mutter und Kind, doch werden oft nur Teilzahlungen geleistet und noch öfter Freiaufnahmen gewährt. Das Heim„Mutterhilfe" wird in den neuen Räu- m e n, die es jetzt auf dem früher vom Jüdischen Kranken- haus benutzten Grundstück bezogen bat, seinen Pfleglingen einen behaglicheren Aufenthalt gewähren können. Hier ist eS befreit von der beschränkten Enge des Miethauses, in dem es bisher untergebracht war. hier konnte man mit den Wohn- und Schlafräumen der Pfleglinge sowie mit allen übrigen Räumen für den gesamten Heimbetrieb aus dem Vollen wirtschaften. Bei einer Besichtigung, zu der uns der Vorstand eingeladen hatte, empfingen wir von dem Heim einen freundlichen Eindruck. Die Gesellschaft für Mutter- und Kindesrecht plant eine Erweiterung ihrer Arbeit durch Einrichtung von Vorträgen über Säuglingspflege, die nicht nur ihren Pfleglingen, son- dern auch anderen Müttern zugänglich sein sollen. Von der Reichsregierung fordert sie eine großzügige Fürsorge für Mutter und Kind, die zur Grund- läge eines wirksamen Mutter- und Kindesschutzes werden müsse._ Zum Wohnungswechsel. Das Polizeipräsidium teilt mit: Beim nächsten Viertel- jahrs-Wohnungswechsel im Stadtbezirk Berlin sind zu räumen: 1. kleine, aus höchstens 2 Wohnzimmern und Zu- behör bestehende Wohnungen bis zum 4. Juli abends, 2. mittlere, aus 3 oder 4 Wohnzimmern und Zubehör bestehende Wohnungen bis zum 7. Juli abends, 3. große, mebr als 4 Wohnzimmer umfassende Wohnungen bis zum 12. Juli abends. Die Inhaber der aus 1, 2 oder 3 Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen müssen jedoch ein Wohn- zimmer und die Mieter von Wohnungen mit mehr als 8 Wohnzimmern und Zubehör zwei Wohnzimmer schon am Sonnabend, den 1. Juli, vollständig geräumt dem künftigen Wohnungsinhaber zur Verfügung stellen. Die Saatkrähe. Bei dem Mangel an Schlackuvieh werden die verschiedensten Vorschläge gemacht, um Ersatz für fehlendes Fleisch zu erlangen. Ein Waidmann weist in einer Ernährungszeitschrift auf die Saat- krähe hin, die in Masten vorbanden sei und die sehr wohl als Fleischnahrung Verwendung finden könnte. Auch von behördlichen Stellen wurde auf die Saalkrähe besonders aufmerksam gemacht. Wer aber glaubt, daß in Berlin baldigst Saatkrähen zu billigen Preisen auf den Mar» kommen würden, der wird schwer entläuscht werden, wenn er folgende an die»Deutsche Tageszeitung" gerichtete Ein'endung liest, nach welcher eine Saatkrähe wohl eine Mark kosten dürfte. Der Einsender schreibt: »Für 20 bis 2ö Pf. ist eine Jungkrähe in Berlin nicht zu der- kaufen möglich, weil die Voraussetzungen des Erlegens und der Ver- sendung dieser Tiere andere find, als der Herr Waidmann an- nimmt. Ich habe an einer Reihe von Jägern und Gutsbesitzern des Verkaufspreises wegen geichrieben, und auf noch höhere An- geböte, wie der Herr Einsender als Höchstpreis annehmen möchte, wurde mir ausnahmslos geantworlet, datz diese Preise zu gering seien. So schreibt u. a. ein Gusbefitzer aus West- preutzen:,.. Der Preis von 30 Pf. ab hier für das Stück ist unter den jetzigen Umständen— unter Berücksichiigung der teuren Palronen, der hohen Fleischpreise feine Henne kostet hier 7 M.)— zu niedrig. Auch Portolostcn und Rücksendungsgebühren für die Körbe u. dergl. verteuern die Ware, ebenso ist das Papier zum Verpacken teurer geworden. Ich glaube, die Krähen in der nächsten Stadt günstiger verkaufen zu können." Ein Grünrock aus Hinterpommern antwortet:»... Leider ist die Munition sehr teuer geworden, so daß bei einem Preis von 40 Pf. pro Slück wirklich nichts übrig bleibt. Wegen der Höhe der Bäume ist man sehr zufrieden, wenn man durchschnittlich mit zwei Schutz eine junge Krähe hat; sehr viele bleiben auf den Bäumen hängen oder fie fallen in die Nester. Nun kostet die Patrone jetzt 14 Pf., statt 6 Pf. früher! jede Krähe kann man al'o mit rund 25 Pf. ' Kosten rechnen, ehe man sie hat. Nun aber gehören auch zu jeder Sendung zwei Fuhren, auch das Gewehr wird abaenutzl— da ist also der obige Preis nur angemessen." Ein Mecklenburger Förster meint:„Es kommen nur ausgewachsene Jungkrähen zum Versand, und bei der vielen Arbeit des Zurechtmachens— alle Krähen werden genügend ausgekühlt und ausgezogen und kommen völlig einwandfrei]ptm Versand— ist der Preis von 45 Pf. ab hier ein recht geringer." Tann wird dargelegt, daß durch Versand, Lagerung und was damit zusammenhängt, hohe Kosten entstehen, die einen Höchstpreis von etwa 80 bis 90 Pf. im Grotzhandel und 1 M. im Kleinverkauf erforderlich machen werden. Die Saatkrähe dürfte also für weitere Kreise keinen Ersatz für das sehlende Fleisch bieten. Anstatl auf die Saatkrähe zu warten, haben sich viele Leute dem Genutz von Pferde- fleisch ergeben. Leider sind aber die Preise für Pferdefleisch rapide in die Höbe gegangen. Es sind in letzter Zeit für das Pfund Pferde- fleisch 2—3 M. gefordert und gezahlt worden. (Keburicn und Sterbefälle in Berlin. Im ersten Viertel des Jahres 1916 hat in Berlin die outzerordenlliche Minderung der Geburten sich fortgesetzt. Die drei Monate Januar. Februar, März halten in 1915 noch 9816 Ge- borene ergeben, in 1916 dagegen ergaben sie nur 6575 Geborene (immer einschl. Totgeborene). DaS Weniger im ersten Viertel von 1916 beträgt mit 3241 nahezu ein Drittel der Geburtenzahl desselben Zeitraumes von 1915. Vermindert haben sich auch die Sterbefälle, doch ist hier der Rückgang nur mätzig. Die drei Monate brachten in 1915 8446 Sterbesälle, iu 1916 7974 Sterbe- fälle(hier gleichfalls immer einschl. Totgeborene). Die Ab- nähme der Sterblichkeit um 472 ist fast nur durch Minde- rung der Säuglingsstcrbefälle zustande gekommen, diese aber er- klärt sich ziemlich restlos aus der Gcburtenminderung. An der Gesamlsterblick'keit der drei Monate waren die Säuglinge beieiligl in 1915 mit 1286, in 1916 mit 853, das ist für 1916 um ein Drittel weniger. Einen Geburtenüber schütz bat Berlin feit Herbst vorigen Jahres nicht mehr gehabt. Schon vom November ab war das Ergebnis so gering, datz Monat für Monat die Zahl der Geburten unter derjenigen der Sterbefälle blieb. Januar, Februar, März hatten in 1915 noch einen Ueberschutz von Geburten, der sich auf 1870 belief. Für dieselben drei Monate von 1916 war die Zahl der Geborenen um 1399 niedriger als die der Ge- storbenen._ Das Weisienseer Säugliitgs-Krankenhaus in der Lhsiegszeit. Während mit Ausbruch des Krieges zunächst ein Anwachsen der Belegungsziffer des Krankenhauses bemerkt wurde, fand nach Regelung der Unterstützungsfrage der Kriegerfraucn eine deutliche Abnahme der Aufnahmen statt, augenscheinlich aus dem Grunde, weil die Mütter in der Lage waren, sich der Pflege ihrer Kinder nunmehr widmen zu können. Am 1. April 1915 befanden sich im Säuglings-Kranken- tjauie 49 kleine Kinder. Bis Milte März 1916 war ein Zugang von 394 Kindern zu verzeichnen. Ter höchste Tagesbeftand waren 81, der niedrigste 49 Säuglinge. In letzter Zeit ist infolge der Schwierig- keit, vollwertige Säuglingsnahrung zu beschaffen, und in der ge- steigerten Morbidilät der Säuglinge eine bedeutende Erhöhung der Ausnahmen eingetreten. Der Durchschnitt der Aufnahmen betrug im Januar des Jahres 1915 43, im Februar 47 und im März 47; im Jahre 1916 für Januar 61, für Februar 66 und im März 73 Säuglinge. Karioffeln auf 1000 Zentner, für Weihkohl auf 8000 Zentner, für Rollohl auf 4590 und für Wirsingkohl auf 2800 Zenmcr, Mohr« rüben werden etwa 4500 Zentner, Kohlrabi 1300 Schock, Grünkohl 2600 Zentner, Blumenkohl 210 Schock, Sellerie 600 Schock, Slaugen» bohnen 120 Zentner, Spinat 160 Zentner, Teltower Rüben 28, Zwiebeln 16 und Kohlrüben 1400 Zentner ergeben. Die städtische Parkdeputation hat mit Hinsicht auf dies erfreuliche Ergebnis in Ueberelnstimmnng mit einem jüngst gefatzten Beschlutz der Lebens- mitieldeputation beschlossen, dem Magistrat die Fortsetzung der Gemüsekulturen in Gatow auch nach dem Kriege zu empfehlen mit der Begründung, datz Holland auf Jahre hinaus als Bezugsland für Gemüse nicht mehr in Betrachl kommt, weil die durch das Meerwasfer versauerten Becker und Wiesen vorlänfig nicht mehr kultiviert werden können. Es müsse danach getrachtet werden, im Jnlande durch verstärkten Anbau von Gemüse den Ausfall aus Holland zu decken. Verbot des Verkaufs von Milchkühen in Wilmersdorf. Der Magistrat hat verordnet, datz Abmelkwirtschaften(Molkereien) zur Anzeige verpflichtet sind, wenn sie beabsichtigen, ihren Beirieb aufzulöien oder einzuschränken. Ter Verkauf von Kühen ist von der Genehmigung des Magistrats abhängig. Matznahmen, die die de- absichtigle Auflösung des Betriebes zur Durchführung bringen, dürfen erst eine Woche nach erfolgter Anzeige getroffen werden. Tie Charlottenburger städtischen Gemüsekulturen. Wie ansehnliche Erträge eine Gemeinde durch Anbau der ihr zu Verfügung siebenden Ländereien bei rationeller Bewirischaflung er- zielen und dadurch die Lebensmittelveriorgung für ihre Einwohner fördern kann, geht aus dem BesiellungSplan der Charlottenburger Parkverwaltung für. das Jahr 1916 hervor... Nachdem schon im Vor- jähre Anbauversrche auf dem städtischen Rieselgelände bei Galow höchst erfreuliche Erfolge gezeitigt haben, sind dort im laufenden Jahre bestellt worden: mit Kartoffeln 30 Morgen, mit Weißkohl 18, Rotkohl 17. Wirsingkohl 16, Mohrrüben 21, Kohlrabi 10, Spinat 23. Salat 9. Kohlrüben 10. Grünkohl 12, Blumenkohl 10, Rosenkohl 2, Teltower Rüben 6, Sellerie 4 und eine Reihe anderer Gemüse mit je 2 und 1 Morgen. Das Gesamtergebnis aus Feldgemüie wird nach den Erfahrungen aus dem Jahre 1915 sich etwa belaufen für Fahrpreisermäßigung für Laubenkolonisten. Von der außerordentlichen Fahrpreisermäßigung für Eigen- tümer, Pächter, Nießbraucher von Landparzellen zum Zweck der Bodenbestellung, besonders aber für Laubenkolonisteit, wird bisher noch kein ausgiebiger Gebrauch gemacht. Es wird jetzt ein Schreiben des Eiscnbahnministcrs veröffentlicht, woraus hervorgeht, daß von dieser Ermäßigung Gebrauch machen kann, wer Gelände in der Größe von 200 bis 1500 Quadratmeter Fläche in einer Entfernung von 7,5 bis 40 Kilometer von Berlin bewirtschaftet. Die Vergünsti- gung wird auch auf nahe Verwandte, die bei dem Nietzbrauchcr wohnen, ausgedehnt. Auskunft erteilen alle Schalterbcamten. Ungeheure Mückcuschwärme zeigten sich in den letzten Tagen in der Umgebung von Berlin. Die Plagegeister treten in solchen Massen auf, wie man sie hier wohl noch nie beobachtet hat. Die Scbwärme waren, wie uns aus einem Südostvorort geschrieben wird, dort be» sonders vorgestern abend so stark, daß sie selbst mit bloßem Auge bis auf Hunderte von Metern deutlich zu sehen waren. Es war eine lange Kette, die sich entsprechend der Windrichtung von Nordwesten nach Südosten in schier endloser Ausdehnung auf und ab bewegte. Die Kette wurde durch Windstöße oft zerrissen, und die einzelnen Schwärme wogten dann auf und ab. Sie fielen niiiunter>o tief, daß sie dicht über den Gärten lagen und erhoben sich dann wieder bis weit über die Gipfel der hohen Kiefern. Nach Eintritt völliger Dunkelheit verstummte das Geräusch, die unheimlichen Schwärme sind spurlos verschwunden. Kleine Nachrichten. Vergiftet hat sich im Treptower Park der Pförtner eines großen Fabrikgrundstücks, der in Gemeinschaft mit zwei dort beschäftigten Lagcrverwaltern der Fabrik entwendetes W- Material für sich verkaufte. Als die Polizei den Diebstahl aufdeckte, entfernte sich der Pförtner mit der Erklärung, daß er in den Tod gehen werde. Später wurde er dann im Park als Leiche wieder- gefunden.— Krankheit und Familien zwistigkeiten haben den 63jährigen Dreher G. Necke aus der Seestraße in den Tod getrieben. Ms er Sonnabend allein in seiner Wohnung war, benutzte er die Gelegenheit, um sich cm der Swbentür zu erhängen. Sportpark �Treptow. Das Zusammentreffen unserer drei besten Flieger Riltt, Stabe und Lorenz hat auch gestern der kleinen Rad- renn bahn ein volles Haus gebracht. Ein Zeichen dafür, daß erstklassig zusammengesetzte Fliegerrennen den Dauerrennen an Anziehungs- kraft nicht nachstehen. Einsetzenden Regens halber konnten aber die Rennen nur teilweise zum Austrag gelangen. Nur ein Prämien» fahren der Treptower Rennmannschaft fand seine Abwickelung. ES wurde von dem besten Treptower Flieger Lowanow, vor Behrend und Abraham, gewonnen. Tie Förffetzung der abgebrochenen Rennen und ein ganz ausgefallenes Vorgabesahren finden heute abend 8 Uhr statt. Die Gesamtresultate werden wir in der Dienstagnummer unseres Blattes veröffentlichen. Wcttcrausstchte« für das mittlere Norddeutschland bis Dienstag mittag: Ein wenig kühler, zeitweise heiter, aber veränderlich und im Norden vielfach leichte Regenfälle. WÜL Am 18. Mai verstarb unser Parteigenosse• Bruno Retzerau Weisestrage 36, 16. Bezirk. ttlre seinem Audeukenl Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Mai, nachmittags 51/, Uhr, aus dem Jaiobi- Kirchhof, Hermannsttatze SÄ, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. VeHuurä Mmra- u. Kiitilea- aiiieiieru. verw. Bernlspossen Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nach- rich t, datz uns er Mstglicd, der Brauer kränz Ahnert (zuletzt Deutsche Bicrbiauerei) gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Montag, den 22. d. M., nachm. 4>/z Uhr, aus dem Klrchhos der Friedens- gemeinde inNordend, Blankenfelde- ftraze 6, statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. ll!s Ortsvoewsltung. NiB. Die Betriebe sind benach- richtigt. Den Vertrauensmännern konnte infolgederKürzederZett keine Mitteilung mebr zugehen. D. O. Uxndsnl.ltaiiz H.€» raff, Leipzigerst. 7511 8 Volle normale Beleihung, Diskretion, Reellität �"•snOelegenheltskäufe Uhren— Brillanten . tioltt waren■■ i 10—50°l„ unter Ladenpreis. Fliesenleger finden dauernde Beschäftigung be> Friedrich Trandt, • Nur-eberg. i. Geschlechtskrankheiten. Harnleiden, Schwäche, Ehriich-Hata-Kuren, Blut- und Harn-Untersuchungen Dr. med. Karl Reinhardt. Institute: Prinz�nstr 64 zwischen Dresdener und ÜnnenstraSe Lpte ollst. Sonntagrs 10— 11. Pntcdjimfr �fr 117 � d- Lützowstr, Spreolst l/,ll--- rülbUdmer Olr. 11/ U.'/.S-VO U. abäs. Sonnt. 11-1 48 Seiten starke Broschüre gratis und post Aufklärende frei in verschlossenem Kuvert. Jise Boss und das große Mai-Pro gTamin. 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