( 5 Pfennig) Neüaktion: EW. HS, �inöenstraße 3, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 161 30—161 97. Mittwoch, de« 34. Mai 1916. Expedition: EW. HS, Linöenstraße 2. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 16190—16197. Nr.14S.-ZZ.I-hrs. Zentralorgan der roztaldemokratifcben Partei Deutfchlands. Hbonnements-Bedlngnngoi: Hfionnemeiüä> Preis pränumerando Bierteljährl. L.S0 Nii, Btonoü. 1�0 Ml. wöchentlich 80 Pfg. frei ins HauZ. Einzelne Nummer b Pfg. Sormtags» nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well' lO Pfg. Post- Abonnement: l,M Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2.80 Mark, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen an Belgien. Dänemarl, olland. Italien. Luxemburg. Portugal mnänien, Schweden und die Schweiz. cischtldl lZgNch. Vit Inlei'Nonz-eedllhk beträgt fär die sechsgespallene Kolonel- zelle oder deren Raum CO Pfg, für politische und gewerlschaftliche Vereins- Und Bcrsammlungs- Anzeigen 80 Pfg. „Kleine Hnicigen", das tettgedruilre Wort 20 Pfg.(zulässig 2 setigedruiktc Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort bPsg. Worte über 16 Buch- Naben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exvebition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. relegramm-Adrcffe: „Sszlaliiciiioiirat Rerlla". Aufgabe des neuen Kriegs- ernährungsamtes. Als zuerst der Plan einer sogenannten Lebensmittel- diktatur austauchte, begegnete er in einem Teil der liberalen Presse einem gewissen Widerspruch. Inzwischen haben jedoch selbst jene liberalen Blätter, für die das Prinzip des „Laisser faire, laisser aller" die Summe aller politisch- ökonomischen Weisheit enthält, sich größtenteils ebenso mit dem Diktaturgcdanken abgefunden wie vorher mit den sogenannten kriegssozialistischen Maßnahmen. Außergewöhn- liche Umstände erfordern eben außergewöhnliche Maßregeln. Zudem herrscht auch heute schon eine Art Lebensmitteldiktatur, wenn auch gerade keine einheitliche, straff organisierte, sondern zerstückelt in kleine Teildiktaturen und einzeln verteilt über L5 Bezirke der stellvertretenden kommandierenden Generäle. Auch dem, der bisher völlig in den alten Anschauungen der Manchesterschule befangen war, haben doch nach und nach die Mißstände der privaten Lebensmittelversorgung— vorausgesetzt, daß er nicht selbst von der Lebensmittelspekulation pro- fitiert— einige wirtschaftliche Einsicht eingepaukt und die Er- kenntnis beigebracht, daß es ohne eine staatliche systematische Organisation nicht mehr geht. Die heutige Anarchie der Lebensmittelverteilung frißt immer weiter um sich, wenn ihr nicht energisch entgegengetreten wird. Zwar organisiert ist ja in letzter Zeit. genug geworden, von den einzelnen Bundes- staaten, Kreisen und Gemeinden; aber jeder Teil organisierte meist für sich auf eigene Faust nach eigenen Gesichtspunkten und Interessen. So ergab sich ein buntes Durcheinander ver- schiedcnartiger, teilweise sogar gegensätzlicher Verordnungen und Maßregeln, kein organisatorisches Ganzes. Organisierte Anarchie ist jedoch nicht minder unerträglich als unorganisierte. In dieses Gemengsel der verschiedenartigsten Verordnungen und Ausführungen eine gewisse Einheitlichkeit zu bringen, wird schon eine ansehnliche Portion Energie und»goldener" Rücksichtslosigkeiten erfordern. Daneben aber ist nicht nur notwendig, daß die neue Diktatur regelnd in die Lebensmittel- Produktion eingreift, vor allem genaue Verfügungen über die Verwendung der reifenden Ernte trifft und unter Berück- sichtigung der örtlichen Produktionskosten für eine Reihe weiterer ländlicher Produkte sogenannte Erzcugungspreise fest- setzt, sondern daß auch endlich der wüsten, die Preise schamlos in die Höhe treibenden Spekulation mit Lebensmitteln ohne Rücksicht auf die beteiligten Kreise und ihre Presse entgegen- getreten wird. Der Ltricg hat zur Folge gehabt, daß sich ein großer Teil jener„nützlichen" Elemente, die sonst an der Börse jobberten, als sogenannte„Schieber" fungierten, auf Rennbahnen Wetten abschlössen oder auch nüt alten Hosen handelten, auf die Lebensmittelspekulation warf und die starke Zahl der auf diesem Gebiet Tätigen noch beträchtlich vermehrte. Immer wieder tauchen in dem Inseratenteil gewisser liberaler Blätter Anzeigen auf, in denen Riesenposten von Nahrungs- Mitteln aller Art angeboten werden, oft ohne Nennung des Namens desjenigen, der die betreffenden Waren zu verkaufen hat, und ohne Preisangaben, dafür aber mit dem bekannten Zusatz„offeriere freibleibend",„ab Lager freibleibend",„sofort Preisofferten er- beten",„gegen Höchstgebot". Oder eS heißt auch kurzweg:„Was brauchen Sie? Besorge die meisten beschlag- nahmefreien Waren durch meine guten Verbindungen" usw. Da werden die schönsten Dinge angeboten, die heute der kleine Mann kaum mehr auf seinen Tisch erblickt, und zwar in enormen Mengen: 100 000 Dosen Rindfleisch, 10000 Dosen Nindsgulasch, 10 000 Dosen Leberpastete, 5000 Pfund Leberwurst, 2000 Pfund Teewurst, 100 Zentner Schokoladenpulver usw. usw. Diesen Angeboten nachzuforschen und dem Speku- lantentum das saubere Handwerk zulegen, das muß eine der ersten Aufgaben des neuen Lebensmittel- dittators sein! Reichen dazu die vorhandenen Bestimmungen nicht aus, dann müssen neue, schärfere erlassen werden. Eine gewisse Handhabe zur Einschränkung dieses Treibens dürfte schon die am 18. Mai erlassene neue Bundesratsverordnung bieten, durch die der Reichskanzler ermächtigt wird, künftig anzuordnen, daß bei Gegenständen des täglichen Bedarfs Packungen oder Behältnisse, in denen sie dem Verbraucher ab- gegeben werden, mit bestimmten, Herkunst und Inhalt kenn- zeichnenden Angaben zu versehen sind. Insbesondere soll der Reichskanzler vorschreiben können, daß bestimmte Angaben über die Person dessen gemacht werden, der die Ware in den Verkehr bringt, über die Zeit der Herstellung, sowie über Maß und Gewicht. Auch kann verfügt werden, daß auf den Paketen, Kannen, Gläsern usw. der Klein- Verkaufspreis angegeben wird. Ferner kommt eine Verschärfung der Wucherbestimmungen in Betracht. Heute sind die Lebensmittelspekulantcn, selbst wo ihre Absicht der Preistreiberei deutlich erkennbar ist, schwer zu fassen, denn bei dem einzelnen Wiederverkauf ist keines- wegs der Profit immer ein derarstger, daß der Begriff des Lebensmittelwuchcrs gegeben ist. Die enorme Verteuerung entsteht dadurch, daß die Ware(z. B. Fleischkonserven), bis sie vom Fabrikanten an den Verbraucher gelangt, oft durch die Hände von acht, zehn, zwölf Zwischen- Händlern geht, die alle ihren guten Profit haben wollen. So kostet denn vielleicht die Dose Rindsgulasch, die der erste Zwischenhändler von der Fabrik für eine Mark bezogen hat, schließlich dem Konsumenten 2 Mark 50 Pf. Zum Beispiel hat kürzlich die Frankfurter Preisprüfungsstelle festgestellt, daß Schnittbohnen, für die dort im Zwischenhandel 1,20 und 1,25 M. pro Zweipfund-Dose verlangt wurden, bei den Konservenfabriken nur 35 bis 50 Pf. gekostet hatten. Ebenso hatten Spinatkonserven, für die 82 Pf. ge- fordert wurden, beim Bezug von der Konservenfabrik nur 38 Pf. gekostet. Inzwischen aber war die Ware von einem Zwischenhändler an den anderen abgesetzt und dabei der Preis immer höher hinaufgetrieben worden. Dieser spekulative Zwischenhandel muß rücksichtslos aus- geschaltet werden, ganz gleich, ob die Spekulanten hinterher über Schädigung ihres schönen Geschäftsbetriebes schreien und und sich vielleicht Blätter finden, die sich unter allerlei Vor- wänden ihrer sauberen Praxis annehmen. Vor allem müßte gegen jene vorgegangen werden, die fortgesetzt Waren anbieten, die sie gar nicht besitzen. Sie verfolgen lediglich den Zweck, Kaufangebote herauszulocken, um dann, wenn sie darunter ihnen zusagende Angebote finden, sich die von ihnen offerierten Waren erst nachträglich zu verschaffen— nicht selten in schlechterer, billigerer Oualität, als sie angepriesen hatten. Zudem aber müßte der, der Eßwaren über eine bestimmte Dauer vom Lebensmittelmarkt zurückgehalten und dadurch ihr Verderben bewirft hat, in harte Strafe genommen werden. Zur Durchführung solcher Wucherbekämpfung wäre nöttg, daß die Zwischenhändler mit Nahrungsmitteln(nicht die Kleinverkäufer) gezwungen werden, bestimmte Bücher zu führen, aus denen die Herkunft der Ware, Abnehmer, Einkaufs- und Verkaufspreis, Zwischengewinn, sowie Abnahme- und Lieferzeit genau zu ersehen sind. Und diese Bücher müßten in bestimmten Fristen nebst den zur Ergänzung nötigen Belegen, z. B. den Schlußscheinen, den Zenttalstellen oder oberen Auf- sichtsbehörden zur Kontrolle vorgelegt werden. Neben dieser Aufsicht über den wucherischen Zwischen- Handel ist eine größere Abhängigkeit der einzelnen Ausführungs- behörden vom neuen Kriegsernährungsamt nötig. Es kann nie eine einheitliche, gleichmäßige Organisation der Lebens- mittelversorgung zustande kommen, wenn es den einzelnen Ausführungsbehörden überlassen bleibt, die Verordnungen nach ihrem Belieben zu interpretieren und die besonderen Jntcr- essen ihres Landesteils den allgemeinen Interessen des Reiches entgegen zu stellen. Es handelt sich dabei keineswegs um irgendeinen bösen Willen der einzelnen Ausführungsbehördcn, sondern vielmehr um eine gewisse Gegensätzlichkeit der Wirtschaft- lichen Grundanschauungen, um ihre Ansichten über Nützlichkeit und Geltungsumfang der einzelnen erlassenen Verordnungen, besonders aber um die Voranstellung lokaler Interessen. Jede Aufsichtsbehörde hat natürlich das Bestreben, in erster Linie die besonderen Interessen des ihrer Obhut unterstellten Be- zirks wahrzunehmen— sei es auch auf Kosten anderer Reichsteile. Die Folge ist, daß heute die Kreise mit einer relativ bedeutenden Landwirtschaft weit günstiger gestellt sind und durchweg viel niedrigere Lebensmittelpreise haben, als die industriellen Landesteile. Zu dieser starken Ungleichheit der Lebensmittelversorgung hat die von manchen größeren Stadtgemeinden betriebene starke Einhamsterung nicht unwesentlich beigetragen. Es ist sicherlich anerkennenswert, daß die wohlhabenden Stadt- gemeinden für ihre Einwohner Sorge tragen unb Vorräte für die kommenden Zeiten aufstapeln, hätte nur nicht diese Vor- sorge, genau ebenso wie die des Hamsterns wohlhabender Privatpersonen, die Folge, daß anderen schwächeren Gemeinden dadurch die Möglichkeit der Beschaffung der nötigen knapp ge- wordenen Lebensmittel für ihre Bevölkerung noch mehr er- schwcrt und überdies durch die forcierte Nachfrage die Preise andauernd weiter in die Höhe getrieben werden. Aber daneben gibt es leider viele Städte mit einer großen Arbeiter- bevölkerung, wo es mit den Fleisch- und sonstigen Vorräten recht schlecht bestellt ist. Auch in dieser Hinsicht muß ein gewisser Ausgleich geschaffen werden. Nur energisch an- gepackt! Heinrich Cunow. Das Kriegsernährungsamt. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die ausreichende Ernährung unserer Bevölkerung ist völlig ge- sichert und wird, solange der Krieg auch dauern möge, durch keine noch so rücksichtslosen Sperrmatznahmen der feindlichen Staaten in Frage gestellt. Die Notwendigkeit aber, unseren Verbrauch bei wesentlich verminderter Einfuhr aus der schwachen Ernte des Jahres 1916 zu decken, hat bekanntlich im einzelnen zu teil- weise recht fühlbaren Knappheitserscheinungen geführt. Seit Monaten ist die Reichsleitung im Verein mit den bundesstaatlichen Regierungen und den Organen der Selbstverwaltung bemüht, die auf den verschiedensten Ge- bieten entstehenden Schwierigkeiten zu bekämpfen und die fort- laufende, ausreichende und gleichmäßige Versorgung der Be- völkerung zu sichern. Mehr und mehr hat sich indes gezeigt, daß das System unserer bundesstaatlichen Behördenorganisation dem vollen Gelingen jener Bemühungen hindernd im Wege steht. Beim Erlaß der die Versorgung grundsätzlich regelnden Verordnungen, bei der Errichtung der mit Teilen der ErnährungSverwaltung betrauten, besonderen Organisationen, noch mehr aber bei der Ueberwachung der Durchführung allgemeiner Borschristen war bisher ewe größere Zahl von amtlichen Stellen beteiligt, die keiner zentralen Ober- leitung unterstanden und deren Zusammenwirken deshalb von gegenseitigen Verhandlungen, Auseinandersetzungen und Zu- geständnissen bedingt war. Dies tat der notwendigen Einheitlichkeit und Schnelligkeit Abbruch. Der Bundesrat hat deshalb in seiner Sitzung vom 22. Mai den Reichskanzler ermächtigt, eine eigene, neue, ihm unmittelbar unterstellte Behörde, das„Kriegsernährungs- a m t", zu errichten. Der Präsideut dieser Behörde erhält das Verfügungsrecht über alle im Deutschen Reiche vorhandenen Lebensmittel, Rohstoffe und andere Gegenstände, die zur Lebensmittel- Versorgung notwendig sind, ferner über die Futtermittel und die zur Viehversorgung nötigen Rohstoffe und Gegenstände. Das Ver- fügungsrecht schließt die gesamte Verkehrs- und Ver- brauchsregelung(damit erforderlichenfalls natürlich auch die Enteignung), die Regelung der Ein-, Aus- und Durchfuhr sowie der Preise ein; zur Sicherung der Durchführung können Zuwiderhandlungen mit Gefängnisstrafe bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bedroht werden. Der Präsident kann in dringenden Fällen die Landesbehörden unmittelbar mit An- Weisungen versehen. Die Verordnungen des Bundesrats bleiben un- berührt; in dringenden Fällen können aber— unter unverzüglicher Vorlage an den Bundesrat— abweichende Bestimmungen getroffen werden. Im KriegSernährungSamte werden bewährte Männer aus den wichtigsten, wirtschaftlichen Interessengruppen— der Land- Wirtschaft, des Gewerbes und Handels, der Heeresverwaltung und der Verbraucher— mitarbeiten; die Beschlnßfaffung wird aber aus- schließlich dem Vorsitzenden zustehen. In einem Beirat werden Vertreter der Bundesregierungen, der behördlichen Kriegsstellen und der Kriegsgesellschaften Sitz und Stimme haben. Die Anordnungen der militärischen Befehlshaber werden den Maßnahmen der zentralen Ernährungsbehörde angepaßt. Der aus der Mitte des Reichstags berufene Beirat für VolkSernährung bleibt neben der neugeschaffenen Einrichtung bestehen. Bei dieser neuen, straff organisierten Regelung wird eS möglich sein, die im Reiche greifbaren Nahrungsvorräte vollständig zu er- fassen und ihre Verwertung und Verteilung ohne jede Verzögerung in der zweckmäßigsten Weise durchzuführen. Einschränkungen, An- paffung des Bedarfs, Verständnis für die Notwendigkeiten und Schwierigkeiten unserer wirtschaftlichen Lage werden selbstverständlich auch weiter vonnöten sein. Die Organisation kann nur gewähr- leisten, daß innerhalb der Grenzen des Möglichen das Aeußcrste für die Befriedigung der Ansprüche deS Bedarfs geschieht. Die Vorarbeiten zur Einrichtung der neuen Behörde sind im vollen Gange; der Zeitpunkt, an dem sie ihre Tätigkeit aufnimmt, wird durch den.Reichsanzeiger' bekanntgegeben. Seine Majestät der Kaiser, der den Fragen der Volksernährung ganz besonderes Interesse entgegenbringt, hat sich über die neue Organisation vom Reichskanzler wiederholt ausführlichen Vortrag halten lassen und Allerhöchst genehmigt, daß zum Präsidenten des KriegSernährungSamtS der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, v. B a t o c k i, berufen wird. Die Zusammensetzung deS Vorstandes steht bor ihrem Abschluß und wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben. Der Reichskanzler über Breys Rede. Berlin, 22. Mai.(W. T. B.) In einer Unterredung mit dem amerikanischen Journalisten K. v. W i e g a n d hat der Reichs- kanzler zu den jüngsten Auslassungen des englischen Ministers Sir Edward Grey Stellung genommen. Herr b. Wiegand telegraphierte der»New A o r k World" über dieses Interview folgendes: „Nach 22 Monaten eines furchtbaren Krieges, nach Millionen Opfern an Toten, Verwundeten und Verstümmelten, nachdem den Schultern der gegenwärtigen und künftigen Geschlechter eine schwere Schuld an Gut und Blut aufgebürdet worden ist, beginnt England einzusehen, daß d a s d eu t s ch e V o lk nicht zermalmt, daß die deutsche Nation nicht vernichtet werden kann. Jetzt, wo es dies erkennt, erklärt Sir Edward Greh, daß die britischen Staats- männer niemals Deutschland zermalmen oder vernichten wollten, trotz gegenteiliger Aeußerungen seiner Ministerkollegen, trotz der Forde- rungen der englischen Presie und trotz des KöderS, den Präsident Poincare dem französischen Volke vorgehalten hat, daß, wenn es bis zum Ende durchhalte, England und Frankreich Deutschland den Frieden diktieren würden." So äußerte sich heute der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, als ich auf meine Bitte von ihm empfangen wurde, um ihn zu stagen, ob er zu den Auslassungen Sir Edward Greys zu Herrn Edward P. Bell von den»Chicago Daily News" Stellung nehmen wolle. Glauben Sie, daß eine Preßpolemik uns weiter führt? sagte der Kanzler. Sie zwingt uns, auf Vergangenes zurück- zublicken, anstatt daß wir uns der Zukunft zuwenden solllen. Ja, warf ich ein, ist es nicht gerade Sir Edward Greh, der seine Blicke auf die Zukunft richtet. Was er anstrebt, ist doch eine friedliche Zukunft der Welt, wenn er auch meint, vorher müsse der preußische Militarismus niedergeworfen sein. Ich wundere mich, erwiderte der Kanzler, wie Sir E. Grey inimer noch von Preußen im Gegensatz zu Deutschlaud sprechen kann. Ich weiß sehr wohl. daß die Unkenntnis der deutschen Zustände, die vor dem Kriege in England sowohl wie in Frankreich herrschte, daß die Speku- lation auf innere Uneinigkeit Deutschlands Wasser auf die Mühle der englischen und stanzösischen Kriegsparteien gewesen ist. Wer ich haiis geglaubt, die Ivundcrbare und heldenmiUige Einheit des gesamten deutschen Volles in der Verteidigung der Heimat hätte jetzt den Herren die Augen geöffnet. Und dann der Militarismus! Wer war eS, der in den letzten 20 Jahren mit Militarismus Politik getrieben hat. Deutschland oder England? Denken Sie doch an Aegypten, an Faschoda. Fragen Sie die Franzosen, welche Macht damals Frankreich durch seine Drohungen die Demütigung ans- erlegte, die lange als die„Schmach von Faschoda" bitter empfunden wurde. Denken Sie an den Burenkrieg, an Algeciras. wo England nach der eigenen Erklärung Sir Edward GreyS Frankreich i;u verstehen gab, dag es im Falle eines Krieges auf Eng- lands Hilfe rechnen könne, und die Gcneralstäbe beider Länder sich entsprechend zu verständigen begannen. Dann kam die bosnische Krisis. Deutschland war es. das damals den Krieg abwendete, indem es Nuszland zur Annahme eines Vermittelungsvorschlages bewog. England gab in Petersburg sein Mißvergnügen mit dieser Lösung zu erkennen. Sir Edward Grey aber erklärte bei dieser Gelegenheit, wie mir zuverlässig bekannt ist, er glaube, die englische öffentliche Meinung würde, falls es zum Kriege gekommen wäre, die Beteiligung Englands an Rußlands Seile gebilligt haben. Tann Agadir. Wir waren im besten Zuge, unsere Differenzen mit Frankreich im Verhandlungswege zu schlichten, � als England mit der bekannten Rede Lloyd Georges dazwischen fuhr und die Kriegsgefahr hcrausbeschwor. Ich will nicht entscheiden, ob Euere Exzellenz Recht haben, sagte ich, aber Sir Edward Grey meinte doch, Euere Egzellenz hätten genau gewußt, daß England niemals BöseS gegen Deutsch- land inr Schilde geführt habe. Ich brauche als Antivort wohl bloß das Wort„EinkreifungS- Politik" auszusprechen, erwiderte der Kanzler. Aus den vcröffcnt- lichten Dokumenten der belgischen Archive weiß alle Welt, daß auch neutrale Staatsmänner, wie die belgischen Diplomaien, nicht nur in Verlin, sondern auch in Paris und London in dieser Einkreisungs- Politik nichts anderes sahen, als eine eminente Kriegsgefahr. Was ich gegen diese Gefahr tun konnte, habe ich getan. Das Neutra- litätSabkommen, das ich Lord Haldane anbot, hätte nicht nur Europa, sondern der ganzen Welt de» Frieden gefichert. England hat eS abgelehnt. Ja, erlaubte ich mir zu bemerken, Sir Edward Grey meint aber doch, Deutschland hätte absolute Neutralität verlangt, auch für den Fall, daß Deutschland auf dem Kontinent Angriffskriege führen wollte, und darauf hätte England doch wohl nicht ein- gehen können. Ich habe, erwiderte der Kanzler, am 10. August 191S im Reichs- tag den Wortlaut der Formel mitgeteilt, die ich dem englischen Kabinett in den damaligen Verhandlungen vorgeschlagen habe. Die letzte Formel lautete:„England wird diese wohlwollende Neutralität bewahren, sollte Deutschland ein Krieg aufgezwungen werden."— Aufgezwungen— bitte ich Sie zu bemerken. Es widerstrebt nur, auf alle diese Dinge, die ich ganz ausführlich vor aller Welt erörtert habe, zurückzukommen, aber wenn Sie mich auf die Be- merlung anreden, die Sir Edward Grey hierüber gemacht hat, bin ich gezwungen, festzustellen, daß sie den Tatsachen nicht entspricht. Und, fuhr der Kanzler fort, lassen Sie mich noch eine, aber die letzte Bemerkung über die Vergangenheit machen. Immer erneut kommt Sir Edward Grey auf'die Behauptung zurück, Deutschland hätte den Krieg vermeiden können, wenn es auf den englischen Konferenzvorschlag eingegangen wäre. Wie konnte ich diesen Vorschlag annehmen, angesichts der umfangreichen, in vollem Gang befindlichen Mobilisicrungs maßnahmen der russischen Armee, fragte der Kanzler. Trotz amtlicher russischer Ableugnungen und wiewohl der formelle MobilmachungS- befehl nicht vor dem Abend des 80. Juli ausgegeben wurde, war uns genau bekannt, und ist seitdem bestätigt worden, daß die russische Regierung einem schon am SS. Juli gefaßten Entschluß entsprechend, bereits mit der Mobilisierung begonnen hatte, als der Greysche Konferenzvorschlag erfolgte. Angenommen, ich wäre auf den Vor- schlag eingegangen und nach Verhandlungen von 2 bis 3 Wochen, währond denen Rußland stetig mit der Ansammlung seiner Truppen an unserer Grenze fortfuhr, wäre die.Konferenz gescheitert � würde England uns dann vielleicht vor der russischen Invasion bewahrt oder uns mit seiner Flotte oder mit seinem Heere unterstützt haben? Im Hinblick auf die späteren Ereignisse muß ich sehr stark daran zweifeln. Mit zwei zu verteidigenden Grenzen konnte sich Deutsch- land auf keine Debatten einlasien, deren Ausgang äußerst proble- matischcr Natur war, während der Feind die Zeit zur Mobilisiernng seiner Armeen ausnutzte, mit denen er uns überfallen wollte. Sir Edward Grey hat in den kritischen Tagen de? Juli 1314 selbst anerkannt, daß mein Gegenvorschlag einer unmittelbaren AuS- spräche zwischen den Kabinetten von Wien und St. Petersburg besser geeignet sei, den östcrreichisch-serbischen Konflikt zu begleichen, als eine Konferenz und diese von Deutschland betriebene Aussprache war nach Ueberwindung mancher Hindernisse auf dem besten Wege, als Rußland durch die entgegen seinen uns ausdrücklich gegebenen Zu- sicherungen erfolgte plötzliche Mobilmachung seiner gesamten Armee den Krieg unvermeidlich machte. Hätte England damals ein ernstes Wort in St. Petersburg gesprochen, so wäre der Krieg vermieden tvorden. England tat das Gegenteil. Aus dem Bericht des belgi- schen Gesandten in Petersburg weiß die Welt, daß die russische Kriegspartei die Oberhand erhielt, als sie wußte, daß sie auf die englische Unterstützung rechnen konnte. Und weshalb handelte England so? Lassen Sie mich ganz kurz rekapitulieren, was die englischen Staatsmänner darüber gesagt haben. Am 3. August 1914 sagte Sir Edward Grey, England werde kaum weniger leiden, wenn es am Kriege teilnehme, als wenn es sich nicht daran beteilige. Zugleich wies er auf das große vitale Interesse hin, das England an Belgien habe. Nicht um Belgiens, sondern um Chtglands willen hielt also Grey Englands Eintritt in den Krieg für angezeigt. Drei Tage später erklärte Herr Asquith, der KriegSgrund Englands sei ein doppelter gewesen: erstens um eine feierliche internationale Verpflichtung zu erfüllen, zweitens um dem Prinzip Geltung zu verschaffen, daß kleine Nationen nicht er- drückt werden dürften. Derselbe Herr Asquith hat in seiner letzten Rede erklärt, Eng- land und Frankreich hätten am Kriege teilnehm-n müssen, um Deutschland zu verhindern, eine beherrschende Stellung zu gewinnen. Ist es nicht der Gipfel des Militarismus, sich an einem Kriege gegen ein anderes Land zu beteiligen, mit dem� man tatsächlich keinen anderen Streitpunkt hat, als eS zu verhindern, stark zu werden. Ja, aber Belgien, erlaubte ich mir einzuwerfen. Belgien, sagte der Kanzler. England hat cö meisterhaft der- standen,' der Welt einzureden, es habe zum Schutz Belgiens zum Schwert greifen müssen, und müsse um Belgiens willen den Krieg bis ins Unendliche fortsetzten. Damit stimmen die soeben zitierten Reden der englischen Staatsmänner doch recht wenig übcrcin und, wissen Sie, wie man in früheren Zeiten in England über belgische Neutralität dachte. Am 4. Februar 1837 sagte daS offizielle Organ der damaligen konservativen Negierung. der„Standard", daß, wenn Deutschland im Fall eines Krieges ein Wegerecht durch Belgien in Anspruch nähme, das in keiner Weiie Englands Ehre verletzen .oder seine Interessen schädigen würde, solange nur die Integrität und Unabhängigkeit Belgiens nicht in Frage gestellt werde. Kein englisches Blatt erhob gegen diesen Standpunkt Widerspruch, ja die liberale„Pall Mall Gazette" schloß sich ihm ausdrücklich an. Wie aber war e-Z jetzt vor Ausbruch des Krieges? Ausdrücklich bot ich England volle Garantie für die Integrität und Unabhängigkeit Belgiens. England aber wies dieses Angebot als einen„nieder- trächtigen Vorschlag" ab. 1837 galt eben Frankreich als Englands Rivale, 1914 war es Deutschland, und deshalb gab Englands Interesse den Ausschlag für den Krieg. Euere Exzellenz wollen, erlaubte ich mir zu bemerken, lieber von der Zukunft als von der Vergangenheit sprechen. Ja, versicherte der Kanzler, das ziehe ich vor, denn mit retrospektiven Bemerkungen kommen wir nicht vorwärts. Mm des Mev ßMWrkw. Amtlich. Großes Hauptquartier, dcu 23. Mai 1916. nicht eingetretenen Vermögensverlustes. Der Kompromihvorschlag sieht eine Besteuerung von einem Prozent vor. Die Sozialdemokraten beantragen folgende Staffel: 1 Proz., sofern das Vermögen am 81. Dezember 1918 weniger als 133 333 M. betrug, IM Proz., sofern das Vermögen am 31. Dezember 1918 weniger als 103 330 bis 233 033 M. betrug, 2 Proz., sofern das Vermögen am 81. Dezember 1313 weniger als 200 00 bis 533 333 M. betrug, 2M Proz., sofern das Vermögen am 31. Dezember 1913 weniger als 533 033 bis 1303 333 M. betrug, 3 Proz., sosern das Vermögen am 31. Dezember 1913 weniger als 1 033 330 bis 2 333 333 M. betrug, 3M Proz., sofern das Vermögen am 31. Dezember 1913 weniger als 2 333 333 bis 5 333 333 M. betrug, 4 Proz., sofern das Vermögen am 31. Dezember 1913 mehr als 5 303 300 M. betrug. Auch diesen Antrag begründet Abg. Keil, indem er beson- ders die Ungerechtigkeit hervorhebt, die darin liegt, daß kleine Vermögen stärker als große Vermögen gefaßt werden. Je größer das verbleibende Vermögen ist, desto weniger fühlbar ist die Abgabe, wenn sie gleichmäßig auf ein Prozent beschränkt bleibt. Die Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge würde beweisen, daß sich Regierung und bürgerliche Partei«: schützend vor die be- sitzenden Klassen stellen.— Staatssekretär Helfferich bezeichnet die Anträge als nicht anehmbar. Die im Kompromiß ent- haltenen Vorschläge würden recht fühlbar wirken.— D i e sozialdemokratischen Anträge werden gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Der Rest des Gesetzes wird angenommen.— DaS Gesetz erhält die Bezeichnung: Kriegsabgabe. Die Kommission wandte sich dann dem Etat der allgemeinen Finanzverwalwng zu. Es liegen verschiedene Resolutionen vor, die Kriegsteuerungszulagen für die Reichsbeamten und Arbeiter sondern.— Staatssekretär Helfferich sichert wohlwollende Er- wägung zu. Die Durchführung der Beschlüsse des Reichstags zum Besoldungsgesetz von 1914 könne er nicht in vollem Umfange zu- sagen. Doch wolle er in den nächsten Tagen die Besoldungs- Novelle von 1914 wieder vorlegen. Weiter könne er nicht gehen. Abg. E b e r t(Soz.): Ich hätte gewünscht, daß die Regierung wegen der Berücksichtigung der Anträge, die eine Erhöhung der Einkommensgrenze für die Kinderzulagen und Gewährung von Teuerungszulagen an nicht etatsmäßig Angestellte und Arbeiter verlangen, eine bestimmtere Zusage gemacht hätte. Was in den Anträgen verlangt wird, ist dringend geboten. Dabei sollten auch. die Aushilfsbeamten berücksichtigt werden. Bedauerlich ist, daß die Besoldungsnovelle nicht nach den Beschlüssen des Reichstags vom 18. Mai 1914 durchgeführt werden soll. Die Vorlage ist damals wegen der Rücksichtnahme auf Preußen gescheitert. Wir halten die damaligen Reichstagsbeschlüsse nach wie vor für gerechtfertigt und müssen ibre baldige Durchführung verlangen. Wir wollen aber in der jetzigen Situation den alten Streit nicht wieder auf- nehmen und stimmen deshalb dem Vorschlag« der Regierung zu. — Staatssekretär Helfferich versichert nochmals, daß den Be- amten gegenüber das größte Wohlwollen geübt werden solle. Die Etatsberatung war damit erledigt. Zur Verhandlung kommen dann noch eine Reihe von Petitio- nen. Bei dieser Gelegenheit erörtert Abg. H o ch die zurückgestellte Petition des Barons v. Lieb ig in München wegen der voui dortigen Generalkcmrando über ihn verhängte Brieffperre. Der Referent beantragt lleberweisung zur Berücksichtigung.— Ein bayerischer Vertreter stützt sich darauf, daß der bayerische Landtag über die gleiche Petition zur Tagesordnung übergegangen ist. Daß in diesem Fall schikanös verfahren würde, ist nicht richtig� seit 29. April ist die Brieffperre wieder aufgehoben.— Unter diesen Umständen wurde die Petition für erledigt erklärt. Mittwoch beginnen die Verhandlungen über die ErnähruAgs- fragen. Die Novelle zum Vereinsgesetz. Die Reichstagskommission zur Vorberatung des Entwurfs einer Novelle zum Reichsvereinsgesetz setzte am Dienstag ihre Be- ratungen fort. Sie hatte den Genuß, Herrn Oertel seinen in der ersten Sitzung begonnenen ObstruktionSfeldzug fortsetzen zu sehen. Er prophezeite für den Fall der Annahme des Gesetzentwurfs in langatmigen Ausführungen, an den«, ausschließlich er selbst Be- ' gen empfand, die schwerste Beeinträchtigung des Volkswohls. : zitierte die Forffchrittler Kerschensteincr und Traub, die für Herrn Oertel urplötzlich Autoritäteu geworden sind, weil sie setzen die Zulassung der Arbeiterjugend zu den Gewerkschaften eine nicht zu verstehende Abneigung haben. Zeitungsausträger, Kegeljungen und Backfische werden nach Herrn Oertel in Zukunft Einfluß auf die Verbandlungen der Gewerffchaften gewinnen. Diejenigen Anhänger der Vorlage, denen diese nicht weit genug geht, forderte Herr Oertel nachdrücklich auf, ihre Wünsche in Anträge» zum Ausdruck zu bringen. Ministerialdirektor Dr. Lewald heckte näm- Die polnische Konstitution vom 3. Mai. Am 3. Mai fand im okkupierten Polen aus Initiative und unter Führung der nationalistischen Elemente des Bürgertums, Adels und Klerus eine öffentliche Feier statt zur Erinnerung an die an diesem Tage deS Jahres 1791 für das damalige polnische Reich von seinem Reichstage beschlossene Verfassung. Saure Wochen— frohe Feste, sagt ein Sprichwort. Und die Wochen des Krieges waren ja gerade in diesem Lande sauer genug. Auch daß eine derartige Kundgebung überhaupt zustande kommen konnte, ohne wie bisher nach zarischer Manier von vornherein untersagt oder mit dem Säbel unterdrückt zu werden, auch dieser Umstand mußte ihr freilich einen besonderen Reiz verleihen. Vor allem jedoch mochte der hallende Jubel der glorreichen Legende entsprechen, die um jenes geschichtliche Ereignis von Anfang an ilnrner wieder von neuem mühsam und absichtlich von den Wort- führern des Besitzes gesponnen wurde: daß es ein glänzender Ausdruck und Erfolg gemeinsamer aufopfernder Anstrengungen der ganzen Nation im Kampfe um die Rettung des Vaterlandes, ein epochemachender, verheißungsvoller Versuch seiner Regeneration gewesen sei. So weit, so schön. Aber entspricht nun die Legende selbst, durch die diese Kreise auch jetzt mit Hilfe der Feier die nationale Einheit künstlich zu schaffen suchten, der historischen Wahrheit? Wir übergehen schon das rein theoretische Interesse, das hier jeder denkende Zuschauer an der Beantwortung der Frage haben dürfte. Viel wichtiger ist sie vom sozialen bzw. politischen Gesichtspunkt ausgenommen. Da bekommt das nationale Faktum internatio- nale Bedeutung, sintemal das Volk auch in allen anderen auf Klassenunterschieden und-gegensätzen beruhenden� Ländern so oft und so gern mit ähnlichen Legenden gespeist und ähnlichen Feiern bedacht zu werden pflegt. Der polnisch« Staat, dessen allmählicher tragischer Untergang durch seine dritte Teilung im Jahre 1795 endgülttg besiegelt wurde, blieb bis zum letzten Moment seines Bestehens eine auf feudaler Wirtschaftsordnung bzw. Leibeigenschaft basierende Adelsrepublik mit einem gewählten Paradekönig an der Spitze. Doch nach seiner ersten Teilung im Jahre 1772 setzte in ihm, begünstigt durch die aufklärerische Bewegung in Westeuropa, eine „Pci�pde der Reformen" ein. Die Reformdestrebungen gingen von einem Teile namentlich des kleineren Adels selbst aus, der, um von sich das Schicksal seiner Klassengenossen in den verlorenen Landesgebieten abzuwenden, nunmehr bereit war, manche Aende- rungen zur allgemeinen Besserung und Kräftigung der Republik herbeizuführen. Die Landwirtschaft dieser Gutsherren war unrentabel ge- worden. Der Absatz ihrer Produkte geriet immer mehr ins Stocken. Die fortwährend zunehmonbe llÄberlasttmg und Verarmung der Bauern verminderte ihre Produktivkraft und führte zu ewem Be- Völkerungsrückgang. War schon der Verfall der Landwirtschaft, der Grundlage des Staates, für diesen ein Verhängnis, so wurde seine Schwäche noch mehr gesteigert durch die dezentralistischen Ten- dengen und Willkür der großen Magnaten, die sich in ihrer Politik auf die von ihnen unterhaltenen proletarischen untersten Schichten des Adels oder auch eigene bewaffnete Macht stützten. Tie Republik konnte saniert und ihre Unabhängigkeit gerettet werden, wenn sie zu einem modernen Staatswesen mit geordneter Finanz- und Mtlitärorganisatton umgewandelt worden wäre. Dazu brauchte es vor allen Dingen einer höheren ökonomischen Basis, der Uebcrführung der bestehenden naturalen ProduktionS» weise in eine kapitalistische, die eine intensivere Ausnützung der vorhandenen wirtschaftlichen Kräfte ermöglichte. Die erste Vor- bedingung aber einer solchen Umgestaltung war die Aufhebung der Schollenpflichtigkeit und der Frondienste der Bauern, ihre voll- ständiae Befreiung. Sodann mußte der Grundbesitz beweglich gemacht werden, auch die Städte wiederbslebt, Handel und In- duftrie entfaltet werden, um einen innern Absatz zu schaffen. AlS Klasse konnte der Adel nicht alles dies gegen sich selbst vollbringen, was in Westeuropa der Absolutismus oder der dritte Stand im Kampf gegen ihn vollbracht hatte— Faktoren, die in Polen gänzlich fehlten. Er konnte nicht mit eigenen Händen den Ast absägen, auf dem er saß, aus seine Machtposition verzichten, sich an den materiellen Ruin bringen. So wurde denn die Reform dadurch, daß e r ihr Träger war und sie seinen Interessen möglichst anzupassen suchte, dadurch, daß sie von diesen und nicht von den produktiven Kräften der kapitalistischen Entwicklung diktiert war, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ihre Glanzleistung war nun die berühmte Konstiwtton vom 3. Mai. Die Neuerungen, die sie brachte, waren im wesentlichen folgende: Sämtliche Konfessionen sind fteigegeben worden, doch die katholische Religion weiterhin als die herrschende anerkannt und der Uebergang zu einer anderen unter Kriminalstrafen ver- boten. Die Wahlmonarch'ie wurde abgeschafft und der Thron, der nach dem Tode des damaligen Königs Poniatowski auf daS Kurhaus Sachsen übergehen sollte, fortan für erblich erklärt. Die vollziehende Gewalt stand dem König, dessen Macht erweitert wurde, sowie den von ihm ernannten, aber dem Reichstag verant- wortlichen Mimstern zu. Bei diesem, dem in zwei Kammern(der Landboten und der Senatoren) g»schiod»nen Reichstag(sejm) blisb die gesetz- gebende Gewalt. Das aktive und passive Wahlrecht, somit auch das GesetzgabungSrecht sollte einzig und allein der Adel besitzen. (Und Kvar der wohlhabende. Bereits zivei Wochen vorher wurden nämlich die ärmsten Schichten desselben vom Wahlrecht gänzlich ausgeschlossen, das nur noch die ansässigen Gutsbesitzer, die min- bestens 133 Gulden des Opfers des zshlcken Groschen- zahlten, ausüben durften.) Das liberum veto, das Recht eines Mit- gkieds des Reichstags durch seinen Einspruch jeden Beschkuß des- selben ungültig zu machen, wurde aufgehoben. Ebenso das Recht des Adels zu Konföderationen,— bewaffneten Aufständcil gegen jede mißliebige Einrichtung. Begüterten Stadtbürgern wurde die Erhebung in den Adelsstand erleichtert und erlaubt, Grundbesitz zu erwerben sowie sämtliche geistliche und zivile Aemter und militärische Ränge zu bekleiden. Die städtischen Berufe sind als den ländlichen gleich- würdig erklärt worden. Die Städte erhielten Selbstverwaltung sowie eigene Rechtsprechung zugesichert. Doch wurden die Bürger nicht gleichgestellt mit dem Adel in bezug aus die Teilnahme an der Gesetzgebung. Sie durften höchstens 22 Vertreter in den Reichstag entsenden, mit dem Recht, ihm über die Bedürfnisse der Städte Mitteilungen zu machen. UebrigenS erhielten diese Zugeständnisse nur die königlichen Städte, die die Privilegien des deutschen Rechts genossen, während ihre Erweiterung auf alle anderen, adeligen, vom guten Willen eben ihres Besitzers abhing. Endlich sollte die bäuerliche Bevölkerung unter den Schutz des Gesetzes und der Regierung gestellt werden, aber nur in bezug auf Freiheiten, Konzessionen und Verträge, die mit ihr der Gutsherr freiwillig eingeht. Letztere sollten also für beide Seiten Geltung haben. Ueberdies stand es jedem zu, der nach Polen neu ankommt oder zurückkehrt, frei Verträge über die Ansiedlung, Fron- dienste und Zinsen abzuschließen, sowie nach Gutdünken sich in der Stadt oder auf dem Lande niederzulassen. Wie wir sehen hat die Konstitution, dieser letzte und wichttgste Gesetzgebungsakt der selbständigen polnischen Republik zur Rcfor- mierung derselben, in der Hauptsache alles beim alten gelassen. Nach wie vor blieb die rechtliche Ungleichheit der Klassen bestehen, nach wie vor blieb unbeschränkter Herr im Staate der Adel, dem— wie es in der Konstitutioii heißt—.aufs feierlichste alle seine Gerechtsame, Freiheiten und Präroaationen und der Vorrang im Privatleben und im öffentlichen Leben' zugesichert wurden. Und seine Interessen waren vor allem daniit gemeint, wenn sie weiter feierlich verspricht, „die Rechte... deS beweglichen und unbeweglichen Eigentums ebenso heilig und unverletzlich als seit Jahrhunderten... einem jeden zu- statten kamen... zu bewahren und beizubehalten". Die Bauernfraae, deren radikale Lösung allein eine durchgreifende Reform des damaligen polnischen Gemein- und Staatswesens her- beizuführen imstande war, diese Kardinalftage wurde in ihrem Kern gar nicht berührt. Die Leibeigenschaft wurde nicht aufgehoben, die Natur und Zahl der Dienste und Pflichten der Bauern um kein Jota geändert, diesen weder Freizügigkeit noch Sicherung und Schutz ihrer Scholle gewährt. Auch blieben sie weiter der Patrimanial- gerichtsbarkeit unterstellt, wie denn überhaupt ihre Zukunft der Gnade des Grundherrn überlassen wurde. In grellem Lichte erscheint die— milde gesprochen— Dürftigkeit dieser ganzen Reform, wenn man sie, unter Berücksichtigung ftei- Ikh der damaligen polnischen Verhältnisse, jenen großen sozialen und politischen Umwälzungen gegenüberstellt, die zu gleicher Zeit in Frank- reich stattgefunden haben. Nicht umsonst hat die grtige, ruhige, lief) vorher wiederholt mit 55eftiinmtfjcif_ erklärt, dn§ jede(?r- weiterung der Novelle das Geseh zum Scheitern bringen werde. Genosse Landsberg suchte der Regierung klar zu machen, daß die Aufrechterhaltung des Sprachenparagraphcn in einer Zeit, in der man eine polnische Universität in Warschau eröffnet habe und für die Gründung einer vlamischen Universität in Gent ein- trete, sie der Lächerlichkeit überantworten müsse, und regte eine Fassung der Novelle an, die die Gewerkschaften in höherem Maße als der Entwurs gegen Schikanen der Verwaltungsbehörden und richterliche Willkür zu schützen imstande sei. Ministerialdirektor Lewald erklärte, sich zu der Frage der Aenderung des Wortlauts der Novelle erst nach Stellung eines Antrags äußern zu können. Gen. Q u a r ck legte gegenüber der konservativen Befürchtung, daß die Zulassung der Jugend zu den Gewerkschaften zu einer Vcr- wilderung der jungen Leute führen werde, an der Hand der Bil- dungsprogramme der Verbände der Lithographen, der Buchbinder, der Transportarbeiter und der Metallarbeiter dar, in wie hohem Maße die Gewerkschaften sich um die Förderung der Bildung ihrer jugendlichen Mitglieder und damit der Gesamtkultur verdient machten. Nicht die gewerkschaftlichen Bestrebungen brächten die Sittlichkeit der Jugend in Gefahr, sondern die Arbeitsverhältnisse der Jugendlichen; ihre Verbesserung lehnten aber gerade die Kon- fervativen hartnäckig ab. Der Fortschrittler Dave und der Nationalliberale L i st er- klärten übereinstimmend, daß sie das Zustandekommen der Novelle wünschten, und, um sie nicht zu gefährden, alle weitergehenden Anträge ablehnen würden. Der letztere sprach übrigens namens seiner Partei aus, daß sie gegen die Beseitigung des Sprachen- Paragraphen sei.— Auch der Zentrumsabg. Becker, der sich von der Novelle namentlich für die christlichen Gewerkschaftsorganisa- tioncn Nutzen versprach, stellte sich auf den Standpunkt, daß alle Abänderungöanträge, so bedauerlich das Unannehmbar der Ver- bündeten Regierungen sei, abgelehnt werden mühten.— Für einen Teil des Zentrums kündigte Frhr. v. F r a n k e n st e i n die Ab- lehnung des Entwurfs an, da derselbe eine neue Gelegenheit zur sozialdemokratischen Beeinflussung der Jugend schaffe. Schließlich erklärte Gen. Heine namens seiner Fraktion daß diese, da sie das Gesetz nicht gefährden wolle, leine Tbän- dsrungsanträge st« l l« und alle von anderer Seite herrührenden Anträge auf C'Nvciternng des Rahmens der Vor- läge ablehnen werde. Weitergehende Wünsche auf Beseitigung des Sprachenparagraphen, des Jugendparagraphen, des Ausnahme- zustandeS für ländliche Arbeiter habe die Fraktion in Resolutionen niedergelegt. Unmittelbar nach Verabschiedung des Gesetzes werde sie den Kampf für einen weiteren freiheitlichen Ausbau de? Ver- einSgesetzes wieder eröffnen. Festzustellen ist aus Grund der Erklärungen des Ministerial- direktors Lewald: 1. daß die Verbände der Staatsarbeiter und der Landarbeiter unter das Gesetz fallen, sich also in Zukunft mit sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Dingen beschäftigen dürfen, ohne Gefahr zu laufen, daß sie für politische Vereine er- klärt werden; 2. daß Personen, die das 13. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, an öffentlichen Gewerkschaftsversammlungen, selbst wenn sie sich nicht mit rein politischen, soirdcrn mit sozialpolitischen oder wirtschaftspolitischen Angelegenheiten befassen, auch in Zu- kunft nicht werden teilnehmen dürfen. Di« Kommission dürfte ihre Beratungen am Donnerstag zu Ende führen._ ßeftstellung von Kriegsschäöen. Vor Eintritt der ReichstagSkommission in die TageSordnug erklärte am Dienstag der Vertreter der Reichsregieruny. v. Jon- quiereS: In der ersten Sitzung der Kommission sei ein Antrag angenommen worden, daß die Entschädigung für Kriegsschäden dem Reiche obliege. Bei der Kürze der Zeit konnten die Verbündeten Regierungen dazu keine Stellung nehmen. Aus der weiteren �e- teiligung der RegierungSvertreter an der Kommissionsberatung dürfe nicht geschlossen werden, daß die Regierung bereit sei, diesem Antrag zuzustimmen. � Die Beratungen erstreckten sich wahrend der ganzen«Itzling auf den 8 2 und 3 der Regierungsvorlage und eine Reihe dazu gestellter Anträge von konservativer und sreikonservativer Seite, Der§ 2 der Regierungsvorlage lautet: -Als durch den Krieg verursacht gelten Dcischadtgungen, vte unmittelbar hervorgerufen sind: l. durch die kriegerischen Unternehmungen deutscher, derdün- deter oder feindlicher Streitkräfte;... 2. durch Brand oder sonstige Zerstärnng, Diebstahl äder Plünderung in den vom Feinde besetzten oder unmittelbar be- drohten Gebieten während der Tauer der Besetzung oder Be- drohung, es sei denn, daß nachgewiesen wird, daß ein Zusam- menlwng der Entstehung und des UmfangS des Schadens mit dcen Kriege nicht vorliegt: t 3. durch die Flucht, Abschiebung oder Verschleppung der Be- Völkern, ig dder die Wegschasfuna ihrer Habe aus den vom Feinde besetzten oder unmittelbar bedrohten Gebieten. Dieser Paragraph der Regierungsvorlage wurde angenom- Uten; die gestellten Abänderungsanträge wurden zurückgezogen bzw. abgelehnt. Die Weiterberatung findet am Mittwoch statt. Au? Vereinsgesetznovelle. Der.Vorwärts" läßt sich aus Gewerkschaftskrelsen berichte», daß die von mir am 17. Mai d. I. im Reichstage ausgesprochenen Ansichten nicht auf eine Stellungnahme der Gewerkschaftsvertreter zurückzukühren sind. Die Begründung für diese Behauptung ist nach dem.Vorwärts": Obgleich während der Kriegszeit mehrere Kon- fcrenzen von Vertretern der Gewerkschaftsvorstände stattgefunden haben, die sich widemchilich mit der Politik des 4. August beschäftigten, bat keine zur Tereinögesctznovelle Stellung genommen. Dem gegenüber stelle ich fest, daß am 10. Januar 1916 eine Konserenz der Vorstandsvertreter in der gleichen Weise und mit demselben Nesultat zur Aenderung deS Vereinsgesetzes im Sinne der RegieruiigSvorlage Stellung genommen hat, wie die fozialdemo» kratische Fraklion des Reichstages am 21. Dezember 1915. Damit ist die Zuderläsfigkeit dieser»Gewerkschaftsquelle" deS „Vorwärts" genügend erwiesen. Der„Vorwärts" hätte bester getan, seine Leser an den von der sozialdemokratischen Fraklion betreffend eine Aenderung des Vereins gei'etzeS am 21. Dezember 1915 gefaßten Beschluß zu erinnern. Dieser ist nach Befürwortung durch den Vorsitzenden der Sozial demokratischen Arbeitsgemeinschaft angenommen worden und nur zwei der heutigen Mitglieder der letzteren lehnten ihn ab. Statt dessen läßt sich der„vorwärts" ans den Artikeln einiger Gewerk schaftsblätter einige Sätze herausklauben, durch die erwiesen werden soll, daß die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft Gcwerkschafts. Politik betreibt. Berlin, 23. Mai 191«.«. Legiert. Die vorstehende Einsendung enthält keinerlei sachliche Erwiderung auf die durchaus zutreffenden Bemerkungen an? Gcwcrlschaftstreisen. denen wir gestern Raum gaben, wohl aber eine sehr unangebrachte Mahnung an den„Vorwärts",„seine Leser an den von der sozial� demokratischen Frakton betreffend eine Aenderung deS Vereinsgesetzes am 21. Dezember 1915 gefaßten Beschluß zu erinnern". Die Mahl n»ng ist unangebracht, weil die sozialdemokratische Fraktion dem „Vorwärts" keinen Beschluß vom 21. Dezember betreffend eine Aenderung des VcreiiisgcsetzeS mitgeteilt hat, und weil wir Grund haben, anziinehmey, daß die Fraktion schwerlich am 21. Dezember 1915 mit dem vom Bundesrat am 1. Mai 1916 beschlossenen End Wurf eineS VereinSgesctzeS sich befaßt haben kann. Ebenso schwer dürste c« einer GewerlschaftSkonferenz gefallen sein, am 15. Januar Stellung zu einem Entwurf vom 1. Mai 1916 zu nehmen. Bei der jetzt zur Beratung stehenden VereinrechtSnovelle steht zur Frage, ob sie in der Tat einen Fortschritt bedeutet oder nicht vielmehr eine Gefährdung der freien Gewerkschaften in noch höherem Maße, als das bestehende Gesetz in sich trägt. Darüber haben wir unS bereits nach Erscheinen der Novelle ausgelassen und müssen bekennen, daß in der Novelle leider kein wenn auch noch so kleiner Fortschritt liegt, so daß sie auch nicht als eine Abschlagszahlung auf die berechtigten Forderungen der freien Gewerkschaften anzusprechen ist. Keichswshnungsfürforge. polnische„Revolution" einen so ausgezeichneten.Eindruck«ff fast alle europäischen Höfe gemacht, auf oicselben absolutistischen.Man- archien, die, vereint in Haß und Wut gegen die gewaltsame französische Revolution, sie mit Feuer und Scywcrt zu ersticken suchten... � � Dem einheimischen Junkertum, das seine alte»goldene Freiheit um kein Haar geschmälert wissen wollte, war die Konstitution aller- dingS ein Dorn im Auge. ES ist bezeichnend, daß ihre Urhederin. die„patriotische Partei", nicht einmal gewagt hatte,, öffentlich mit ihrem Projekt hervorzutreten. Sie arbeitete es in strengstem Ge- beimniS aus und, die Gelegenheit benutzend, daß gleich nach dm Lsterfeiertagen über zwei Drittel Mitglieder des Reichstags ab- wesend waren, setzte sie eS einfach durch eine Ueberrumpelung des- selben durch. Die Rache der Magnaten ließ aber nicht lange auf sich warten. Kaum ein Jahr verging, und die neue Verfassung wurde von deren Taraowitzer Konföderation unter dem Schutz der russischen Bajonette für Null und nichtig erklärt. Daß sie, auf die Rettung des Staate? ausgehend, daS gerade Gegenteil davon, seine zweite Teilung erzielte, diese Tragik lag tief in ihrem eigenen Wesen begründet. Für die großen Absickten waren ihre Kräfte viel zu schwach. Daö bißchen Korrektur des RegierungS- apparates— das einzige Nennenswerte, was sie brachte— reichte lange nicht aus, um dem Staate die nötige Macht und Resistenz zu verleihen, die, wie gesagt, vor allem durch eine radikale Umgestaltung seiner wirtschaftlichen Basis geschaffen werden konnte. Die Konstitution vom 3. Mai war ein Minimum dessen, was der Adel durch die drohende Gefahr des gänzlichen Verlustes seiner Herrschaft gezwungen war zu vollbringen. Und über dieses Mini- nium hinaus vermochte er sich selbst in der Stunde des letzten Ber- zweiflunaskampfes, der höchsten patriotischen Begeisterung, nicht cmporzu)chwingcn. Im Ausstand von 1794 wurde den Bauern keines- Wegs die unbedingte Freiheit gewährt. Sie erhielten von seinem „revolutionären" Anführer K o s z i u s k o die Freizügigkeit, aber mit dem Vorbehalt, vor dem Wegzug die Staats- und Privatschulden zu bezahlen, sowie eine Reduktion der Frondienste um einen bzw. zwei Täge, und dies auch nur während des Krieges, mit der erbaulichen Belehrung, daß„durch die Erfüllung der Dienste der Bauer dem Gutsherrn gegenüber nur seine Pflicht erfülle, indem er damit für die Benutzung des Bodens bezahle, den er vom Gutsherrn er- halten hat". Kein Wunder nach alledem, daß ssch die Masse des polnischen Volkes weder für die Reformbewegung der damaligen Patrioten samt ihrer gepriesenen Konstitution,� noch für ihre Kämpfe gegen ihre inneren und äußeren Feinde erwärmen konnte. Und ebensowenig hat sie heute ein Interesse daran, ob deren Erinnerung zu jubeln. Am allerwenigsten aber kann ein solches Interesse die Nachkam- mcnschaft jener geknechteten und geschundenen Bauern haben, die das moderne polnische Proletariat bildet. L. O— ski.(z) Die Anträge, auf die ssch der WohnungsauSschuß des Reichstags geeinigt hat und die im Plenum zur Beratung kommen, bedeuten in ihrer Gesamtheit nichts weniger als ein völlig einheitliches WohiiuiigSprogramm; es handelt sich vielmehr um eine Reihe von Maßnahmen, von denen jede einzelne für sich durchgeführt werden kann, wenn anders die Negierung den ernsten Willen hat, dem WohiiungSeleiid energisch zu Leibe zu gehen. Leider halteu. wie aus dem KoinmissionSbericht ersichtlich ist, die Verbüiideten Regierungen noch immer daran fest, daß sich da! Reich lediglich als Arbeitgeber um das Wohnwesen der im Reichs dienst bcichäftigtcn Arbciicr und gering besoidetcn Beamten nach Möglichkeit zu kümmern habe, daß es aber für die übrigen Teile der Wohnungsfrage nur soweit zuständig sei, als besondere Gesetze ihm eine Täiigkeil hier ausdrücklich zuweisen(Mieirecht, Hypotheken recht, Erbbaurecht), und daß darüber hinaus die Regelung deS gesamten Ansiedlungs wesenS Sache der Einzelstaate» sei. Der Bundesrat setzt sich mit dieser Auffassung in Wider ipruch zu dem Reichstag, der im Mai 1912 durch einmütigen Beschluß die Zuständigkeit des Reichs für die Wohnungsfrage als solche, wenigstens für deren grundlegende Teile, in Anspruch ge- nommen hatte, ohne dabei die Tätigkeil der Einzelstaaten, der Ge meiiidcn, sonstigen Körperschaften und freien Vereinigungen, sowie den Weltbewerb überhaupt auszuschalten. Leider ist es auch jetzt im Ausschuß nicht zu einer Verständigung zwischen den beiden Faktoren der Gesetzgebung gekommen. Der Bundesrat lehnt eine allgemeine WohnuiigSfürsorge mit siiianzieller Beteiligung deS Reiches schön wegen der Unmöglichkeit einer ördnungSmäßigen dauernden Konirolle ab, er erklärt, daß dem Reiche dazu die Organe fehlen und daß besonders ReichLdarlehen zum Wohnungsbau an Private uninögllch seien. Im Gegensatz hierzu vertritt die Mehrheit deS Ausschusses die Ansicht, daß der Bundesrat nach dem Kriege seinen bisherigen Standpunkt des bloßen Arbeitgebers unmöglich mehr innehallen könne, denn der Krieg habe die Bedeutung eines gesundheitlich und sittlich einwaudfreicir WohnwesenS mit solcher Macht in den Vorder grund gerückt, daß die Sorge für ein solches Wohnwesen eine der allerwichtigsten RcichSmigelegenheiten geworden sei. Gerade der Krieg habe den engen Zusammenhang des WohnwesenS mit Wehr haftigkeit und Kinderreichtum unwiderleglich gezeigt. ES sei doch unmöglich, die Krieger, die im Felde dem Feinde ihre Brust dar geboten hätten, wieder in das System der Mietskaserne und des Massenpserchö einzuzwängen, in die engrämnigen Wohnungen der Hof- und Hintergebäude einzusperren, die der Tod eines gesunden Familienlebens, kinderreicher Ehen und der Wehrhaftigkert seien. DaS Reich Habs das größte Interesse daran, daß das' kommende Geschlecht mehr als bisher in engem Zusammenhaiig mit der Natur auswachse; daß die städlisckeir Ehen lvieder fruchlbar würden, daS sei die wichtigste Kriegsrüstung für die Zukunft. Der bisherige A r b e i t e r f ch u tz, der sich für die Wcbrhaftigkeit der Nation so gut bewährt habe, müsse ausgebaut werden zu einem großzügigen Volks schütz im Wohnungswesen. Das Reich darf das nicht dem guten Willen der Einzelstaatcn überlassen; gerade das Schicksal des preußischen Wohnungsgesetzes beweise die Notwendig- keit einer Nachprüfung der bisherigen Stellung des Bundesrats zur WohnungSiroge. Angesichts der Haltung der RegierungSvertreter blieb dem Aus- ichiiß, wenn ander» er positiv wirk-'!, wollte, nicht» weiter übrig, als diejenigen Beschlüsse zu fassen, die sich aus den Erscheinungen deS Kriege» von selbst ergeben. ES handelt sich hierbei einmal um Neichsunterstützung für Gemeinden und Koiinniinalverbände, welche den Kriegsteilnehmern bezw. den betreffenden Hausbesitzern MietS- beitrüge gewährt haben und weiter gewähren, sowie um Reichshilte kür die Äbbürdung der während des Krieges gestundeten Mieten bezw. Hypothekenzinsen der heimkehrenden bedürftigen oder schwach bemittelten Krieger, unter Mitwirkung der Gemeinden. Ferner sollen in den Etat neben einer Summe von 30 000 Mark zur Uiiterstützung derjenigen Vereitligungen, welche die allgemeine Förderung des KleinwohnungSwesens bezwecken. 10 Millionen Mark eingestellt werden zur Förderung der Herstellung geeigneter Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte in den Betrieben deS Reiches und ReichsheereS sowie für Kriegsbeschädigte und Witwen der im Kriege Gefallenen. Außerdem beaniragi der Ausschuß die Einbringung mehrerer Gesetzentwürse, und zlvar einer Novelle zum ZwangSversteigeriingSgesetz, und eines Gesetze» betr. Bürgschaften des Reiches zur Förderung des Baue» von Kleiiuvobuungen jür KriegSteiluchiner und deren Hinterbliebene, wie jür Reichs- und Mililärbedienstete; Weilers Gesetzentwürfe bezweckten die Schaffung einer gesetzlichen Unterlage zur Errichtung von jiriegersiedelungeii in Stadt und Land sKriegcrhcimstätten), die pra'liichc Ausgcstalluiig des Erbbaurechls, die Sicherung der Hausbesitzer und Mieier gegen die Folgen des Krieges durch Ausdehnung der Wirksamkeit der be- treffenden BundeSraisverordnungen über die KriegSzcit hinaus und durch Sicherung der Mieter gegen willkürliche, der Billigkeit wider- sprechende Kündigung und Sieigerung des Mletziiises, und endlich die Förderung der linkündbareii TllgungShypolhekfür stüdli'chen Bodenkredit an erster und zweiter Siellc. Schließlich solle» noch die Regierungen der Bundesstaaten, die bisher auf diesem Gebiet noch nicht vorgegangen sind, veranlaßt werden, schleunigst öffentliche Schätzungsämier zur Gesundung de? städtischen BodenkrediiS zu schaffen und für die größeren Städte bezw. größere Landssteile Stadlschaften für zweite Hypotheken zu errichte».' Es ist ein ziemlich buntscheckiges Programm, daS der Ausschutz entworsen hat. Hoffen wir, daß die Regierung den Beschlüssen Folge leistet und so wenigstens die schlimmsten Mißstände beseitigt, linser Ziel, die Schaffung eines e in h e i t l i ch e n W o h n u n g s g e s e tzes' für das Reich, dürfen wir aber darüber nicht aus dem Auge verlieren. politische Uebersicht. Eine neue Kvicgskredit-Vorlage. Dem Reichstage wird noch in diesem Tagungsabschnitt eine weitere ttriegskreditvorlage zugehen, die wieder zehn Milliarden Mark anfordern wird. Die Vorlage dürfte in der Woche vor Pfingsten zur Erledigung kommen. Zu der in Aussicht gestellten Vorlage bemerkt das„Bcrl. Tageblatt": „Eine neue Anleihe wird vor dem Herbst d. I. nicht zur Aus- gäbe gelangen; vieimebr dürften die erforderlichen Suiiimcn, wie bisher, zunächst durch die Begebung kurzfristiger Schatzanweisuiigru beschafft werden. So beirachlel, hat die Kreditvorlage einstweilen nur einen vorsorgenden Charakter. Notwendig war diese Vorlage deshalb, weil den früher genehmigten i0 Milliarden Mark vier An- leihen gegenüberstehen, die— abgesehen von begebenen Schatz- scheinen— den Betrag von 35 Milliarden Mark erreichen. Die Summen, die der Weltkrieg verschlingr, sind außerordentlich groß. Sie erreichten zeitweilig zu Lasten der Rcichskasse zwei Milliarden Mark für den Monat, sollen aber zuletzt geringer gewesen sein...* Lebensmitteldiktator und Oberpräsident. Die Königsberg«„Allg. Zeitung" berichtet, daß der neue Prä- sident des KriegSnahrungSamtS v. B a t o c k i neben seinem neuen Amt vorläufig auch das alte fortzuführen gedenkt, und zwar im Jnteresie des ungestörten Wiederaufbaus Ostpreußens. Dort werde er zwar durch den Oberpräsidialrat v. Bülolo vertreten, doch hoffe er, von Zeit zu Zeit persönlich nach dort kommen zu können. Charakteristisch ist auch die weitere Mitteilung de» BiatleS, die wir dem. Lokalanzeiger" entnehmen: Die Nachricht von seiner Be- rufung an die Spitze de« neuen NahrungSmittelamte» traf Herrn v. Batocli ganz unerwartet auf einer Besichtigungsreise durch Ost- Preußen mit dem Amerikaner Rippert; bis Donnerstag voriger Woche war ihm von der Absicht, ihn mit dem neuen Amt zu be- trauen, nichts bekannt.___ Gegen daS Steucrkompromiß. Inder„Liberalen Korrespondenz' wird eine Er- läuterung der Haltung der Fortschrittlichen Volkspartei zum Steuer- kompromiß versucht. Es heißt da u. a.: „Bei den weiteren Verhandlungen(nach d« ersten Ausschuß- lesung. D. Red.) stellte es sich heraus, daß die national- liberale Fraktion für eine einfache Wiederholung des Wehr- beitrogeS nicht eintrat. Auf der anderen Seile ließen die Ver- Handlungen über die Verkehrs- und Verbrauchssteuern klar er- kennen, daß die Sozialdemokraten vom Boden ihres Parteiprogramms aus nicht in der Lage waren, für irgendwelche indirekten Steuern einzutreten. Bei dieser Sach- läge waren die Fortschrittler bor die Frage gestellt, ob. sie bei der Deckung de? notwendigen Bedarfs mit den Sozial- demokraten auf der Forderung des Wehrbeitrages beharren und damit in die Opposition gegen da» ganze Steuerprogramm der Regierung eintreten, oder ob sie gemeinsam mit den übrigen Par- teicil einen Weg suchen sollten, um zu ein« Verständigung zu gelangen. Wenn die Fraklion sich einmütig in letzterem Sinne entschieden hat, so war dabei ausschlaggebend, daß es nicht an- gängig sei, mitten im Kriege dem feindlichen Auslande da» Schaujpiel eines ParteieusireiteS über die Deckung der Aus- gaben zu bieten, die der Reichstag für die Kriegszwecke bewilligt hatte..." DaS ,B«l. Tageblatt' bemerkt dazu:„Wir gestehen, baß wir nnS mit einem Steucrkompromiß, das so ostentativ eigenartig einseitig Industrie, Handel und Verkehr belastet und eine derart ausgeklügelte Vermögensabgabe vorsteht, nicht befreunden können. ES hat fast den Anschein, als ob die liberalen Parteien gar zu sehr dem Wunsche der Regierung entsprochen haben, da« Kompromiß s o rasch als möglich zustande zu bringen, damit sich Dr. Helfferich seinem neuen Aufgabenkreise widmen kann." Eine Absage. Die„Liberale Arbeitsgemeinschaft" hatte auf ihrer Tagung in München den Wunsch ausgesprochen, an die Stelle der bisherigen liberalen Parteien eine große liberale Einheitspartei zu setzen. Darauf erwidert„Die Wacht", das Korrespondenzblatt der rechtsrheinischen nationalliberalen Partei: „Wir können es uns wohl angesiefits des erhebenden Verlaufes der KricgStagung der nationalliberalen LandeSpartci ver« sagen, auf den Beschluß der Liberalen Arbeitsgemeinschaft näher einzugehen, und glauben, daß es genügt, fmutidien, daß auf unserem Vcrtretertag die einmütige AusfassullAtllpchte, daß die nationalliberale Partei niemals und g e c tz t nickt ihre Selb st ändigkeit aufgeben und darf. Das gilt für Bayern— und ftir daS Deutsche RRch in ganz be- sonderem Maße." Das Blatt will wissen, daß das auch der Standpunkt der Fort- chrittlicken Volkspartei sei. Auch der Z e n t r a l v o r st a n d der nationalliberalen Partei hat sich in sein« jüngsten Berlin« Sitzung außer mit Deutschlands Kriegszielen auck mit dein BerhältniS der Nationalliberalen zu an- deren Parteien beschäftigt und folgenden Beschluß gefaßt: „Die gewaltigen Aufgaben auf dem Gebiete der politischen imd wirtickaftltckeii Gesetzgebung stellen die nationalliberale Partei beute und in der Zukunft vor Entscheidungen, welche nur unter Aufrechterhattung der vollen Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Partei zu lösen sind.' Aus diesem Grunde fordert der Zentralvorstand die Parteigenossen auf, unter Ablehnung all« Versucke. diese Selbständigkeit aufzu- heben oder einzuengen, den Ausbau der Parteiorganisationen im Lande mit allen Mitteln zu fördern." Diese Entschließung ist sehr lehrreich für alle diejenigen Ele- mente der bürgerlichen Linken, die bereits die große und einheitliche liberale Partei auf dem Marsche glauben— bemerkt das„Verl. Tagebl." hierzu. Vermehrung der NuSlandSkenntniffe. Im Herrenhause ist folgender Antrag des Uniberfiiäts- Professors Trs H i l l e b r a n d t eingegangen:.Das Herrenhaus wolle beschließen: die königliche StaatSregierung zu ersuchen, zur Vermehrung der Auslands kennt nisse 1. an einer Reihe höherer Schulen statt des bisherigen Englisch oder Französisch allmählich andere moderne Sprachen obligatorisch einzu- führen, 2. bei der Wahl dieser Sprachen die besonderen Verhältnisse der Provinz oder des Ortes(geographische Lage, Jndustriebedürs- nisie usw.) in Betracht zu ziehen, 3. durch Reisestipendien nicht nur Oberlehrern, sondern auch jüngeren Universitätsdozenten die Möglichkeit zn gewähren, im Ausland sich die praktische Kenntnis der Länder zu erwerben, 4. besondere Vorkehrungen zur Förderung der Orientalistik zu treffen." Schiebungen im Tuchhandel. Vor einiger Zeit konnte der KriegsauZschutz für Konsumenten interessen auf Grund eines offenherzigen Aufsatzes de?.Konfettio» närS" Bestrebungen von TextilhandelSkreisen zur Zurückhaltung von Stoffen zwecks Preissteigerung aufdecken. Jetzt erhält er auS einer glaubwürdigen Lachener Quelle die Meldung, daß dort in der Tuchbranche allerhand Manipulationen zur Umgehung der bskannilich nach obenhin begrenzten Fabrikantenpreise gemacht werden: Die Fabrikanten setzen ihr eigenes Fabrikat nicht mehr direkt an die Geschäfte ab, sondern der eine verkauft dem andern sein Fabrikat, um dann die Ware des anderen als Großhändler weiter zu verkaufen. Frage man z. B. bei einer Tuchfabrik, die schwarze Kammgarnstoffe herstellr, nach dieser Ware, so sei sie nicht zu haben, wohl aber bunte Stoffe. Umgekehrt liefert der Fabrikant bunter Stoffe jetzt nur noch schwarze Kammgarnstoffe usw., damit nur nicht zu Fabrikantenpreisen geliefert zu werden brauche. Zwist in der Zigarettentndnstrie 7 Von dem Bund deutscher Zigarettenfabrikanten wird uns ge- schrieben: Vor einigen Tagen wurde die Nachricht verbreitet, daß sich in der Arbciisvcreinigung der Zigareitenindustrie neue Gegensätze er« geben haben wegen der vom Reichstag neu vorgeschlagenen Kontingen- tierung. Die Meldung ist unwahr. Die Arbeitsvereinigung, die KS Prozent der gesamten Zigarettenindustrie verkörpert, steht nach wie vor geschloffen auf dem Standpunkt der Ablehnung der borgeschlagenen Kontingentierung und weiß sich einig mitmindestens weileren LS Prozent der Zigarctienerzeugung aus dem Verband der deutschen Zigarettenindustrie, welcher den Kontingentiermrgsantrag gestellt hat._ Bedingte Begnadigung in der schweizerische« Militär- justiz. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Der schweizerische Bundesrat hat soeben eine Verordnung mit sofortigem Inkrafttreten erlassen, durch die dem General(Ober- b e f e b l e h a b e r der schweizerischen Armee) da? Recht gegeben wird, bei allen Strafurteilen der schweizerischen Militärgerichte die Begnadigung der Verurteilten eintreten zu lassen. Vorbehalten sind nur die Todesurteile und Urteile des außerordentlichen Militär- gerichts, denen gegenüber der Bundesversammlung das Recht der Begnadigung zusteht, und ausgeschlossen davon sind nur die Kon- tumazurtcile. Hingegen wird kein Unterschied gemacht zwischen Militär- und Zivilpersonen. Die Straftat, wegen der die Verurteilung erfolgte, darf nicht aus einer verwerflichen Gesinnung des Täters beruhen. Die Bedingungen, unter denen die Begnadigung eine definitive werden fall, werden vom General im einzelnen Falle be- stimmt und er trifft auch die Maßnahmen zur Upberwachung der bedingt Begnadigten unter Mitwirkung det Militärdeparrements und der bürgerlichen Behörden. Die Aufsicht über bedingt begnadigte Dienstpflichtige während des Dienste? wird durch Armeebefehl geregelt. Diese hundesrätkilbe Begnadigungeverordnung ist ein Erfolg der scharfen Kritik der schweizerischen sozialdemokratischen Preste und der sozialdcmokraiischen Initiative auf gänzliche Abschaffung der Militärjustiz. Zugleich soll durch die Verordnung der sozial- demokratischen Initiative der Wind auS ihren Segeln genommen werden. Die Verordnung macht einen undemokratischen Eindruck wegen der dem General übertragenen reinen Willkür zur Begnadigung, die vielmehr dem Gericht hätte übertragen werden sollen. Mit dem Dienstansiritt des Generals gehen die ihm zustehenden Befugnisse auf den Bundesrat über, der auch den Zeilpunkt für die Außerkraft- sctzung der Verordnung festsetzt. Siegt die sozialdemokratische Initiative, so fällt damit die ganze Miiilärjustiz dahin und die bedingte gerichtliche Begnadigung wird durch das in der Vorbereitung befindliche neue BundeSstrafgesetz eingeführt werden.__ SiT örst» und Zleischversorgung. Die„N o r d d. A l I g. Ztg." schreibt in der Wirtschaft»- politischen Wochenschau: „Tie Berichte über den Saatenstand lauten nach wie vor außerPdentlich günstig und lassen erwarten, daß der Mißernte von ISIS in diesem Jahre ein reicherer Bodenertrag folgt. Wir haben nach der amtlichen Statistik im Jahre 1916 im Deutschen Reiche 9 152 402 Tonnen Roggen und 3855841 Tonnen Weizen geerniet— insgesamt aso 18 008 243 Tonnen von beiden Hauptbrotgctreidcarten. Im letzten Friedensjahre 1913 betrug die Weizcncrnte 4 055 958, die Roggenernte 12 222 394 Tonnen; die Erntesumme für Weizen und Roggen also 16 873 850 Tonnen. 1912 wurden rund 16 Millionen Tonnen Weizen und Roggen erzeugt. Und zwischen diesen beiden Ernten, von denen also die eine um drei, die anoere um fast vier Millionen Tonnen größer war als die von 1915, wurde 1913 nach Um« und Abrechnung des Mchlexports doch nicht viel weniger als eine Mil- lion Tonnen Brotgetreide mehr ein- als ausgeführt. Schon die erste Kricgsernte von 1914 war recht mäßig, aber sie überragte die jüngste doch um mehr als 114 Millionen Tonnen. Eine Roggen- ernte von so geringem Umfange wie die von 1915 haben wir seit mehr als einem Dutzend Jahren nicht mehr gehabt. Stärker noch als bei Prot- war der Ausfall beim Futtergetreide. Ter Hafercrtrag stellte sich auf 5 936 034 Tonnen � gegen rund 0 Millionen Tonnen 1914, beinahe 10 Mil- lionen Tonnen 1913. An Sommergerste wurden 2 483 752 Tonnen geerntet— um rund 1,2 Millionen Tonnen weniger als 1918. Zieht man Weizen, Roggen. Gerste und Hafer zusammen, so be- läuft sich der Mindcrertrag unserer Körnerernte von 1015 gegen- über 1913 aui rund neun Millionen Tonnen. Auch sonst waren unsere Futtermitteleriräge nichts weniger als reichlich. Die Kleernte war(mit 7 731 822 Tonnen) die zweit- schlechteste des letzten Jahrzehnts(nur die des Dürrejahres 1911 blieb noch hinter ihr zurück). Der Wiesenertrag war der dritt- schlechteste des letzten Dezenniums; er war mit rund 24 Millionen Tonnen um 5 Millionen Tonneu kleiner als 1914 und 1913. Diese schwere Mißernte hat ihre Ursache nicht etwa in schlech- ter Bestellung. Im Gegenteil, selten ist der Acker so sorgsam und umfassend bestellt worden wie zur Ernte 1915. Nicht die Anbau- fläche, sondern di« Hektarerträge sind zurückgegangen. Der Grund des Mißerfolges war das ganz ungewöhnlich ungünstige Wetter im Frühjahr und Sommer. Wie stehen tvirjetzt? Tie straffe Regelung unserer Ge- treide- und Mehlversorgung sichert uns unseren rationierten Ver- brauch bis zum Ende des Erntejahrcs, sichert uns darüber hinaus eine Reserve, die den Uebergang ins neue Erntejahr auch bei un- verhofstcn Ernteschwierigkciten gewährleistet. Auch unsre Kartoffelversorgung ist auf der gegen- wärtigen Beschaffungs-, BerteilungS- und Rationierungsgrundlags bis zur neuen Ernte durchaus gewährleistet. Die Aufnahme vom 26. April liegt für das Reich noch nicht bor. Für Preußen hat sie einen Gesamtbestand von 92 723 804 Zentnern ergeben gegen nur 55 429 942 Zentner am 15. Mai 1916. Von den Ende April er- mittelten Vorräten geht allerdings noch ein ziemlich erheblicher Saatgutbedarf ab. Auch darf nicht übersehen werden, daß der Zu- griff auf die Kartoffel wegen der Knappheit der übrigen Futter- mittel groß ist und sparsamer Verbrauch daher notwendig erscheint. Wird andererseits berücksichtigt, daß das Ergebnis der Aufnahme auS� technischen Gründen zweifellos hinter dem wirklichen Bestände zurückbleibt, und daß mit einer Frühkartoffelernte von mindestens 8% Millionen Zentnern für Preußen und mindestens 11% Millionen Zentnern für das Reich zu rechnen ist, so kann man das Resultat der Bestandaufnahme nur als Bestätigung völliger und zweifelsfreier Sicherung unserer KartoffelbedarfSdcckung deuten. — An Kartoffeltrockenprodukten wurden am 26. April im ganzen Reiche Vorräte von 1329 428 Zentnern ermittelt— eine Menge, die etwa dreimal so groß ist, als vor der Aufnahme ange- nommen wurde und die für die vorgeschriebene Verwendung und Verarbeitung ohne weiteres ausreicht. Die stärksten Wirkungen hat die vorjährige Mißernte, verbun- den mit der Abschnürung der in Friedenszeiten regelmäßigen, außerordentlich großen Futrermitteleinfuhr, naturgemäß und un- vermeidlich auf unsere Viehbestände geübt. Zwar ist selbst- verständlich alle? geschehen, um die Einfuhr an Bodcnerzeugnissen zur menschlichen und tierischen Ernährung zu heben; die mit Nu mänien abgeschlossenen Verträge sind ja auS früheren Mitteilungen der Presse betannt. Die Schwierigkeiten(vor allem tranSporttech. nischer Art), die sich rascher Abwickelung der Einfuhren in größerem Umfange entgegenstellten, sind nach Möglichkeit beseitigt worden. Die Einfuhrziffern der Zentraleinkaufsgesell- schaft für Getreide, Futtermittel und Saaten zeigen deshalb eine ständige, erfreuliche Aufwärtsbewegung; während sie in den letzten Monaten 1915 noch weit unter 100 000 Tonnen monatlich betrugen, stellten sie sich beispielsweise im April 1916 auf mehr als das Doppelte dieser Menge. Insgesamt ist aber durch die Einfuhr natürlich der Minderertrag der Heimaterzeugung nur zu einem geringe» Bruchteil ausgeglichen worden— von den Aus- fällen an derFriedenSeinfuhr ganz zu schweigen. Der ganze Winter stand deshalb im Zeichen drückender Futter- mittclknappheit, und es trat ganz von selbst ein, was so häufig programmatisch gefordert wird: die Anpassung unseres Vieh- bestandeS an die vorhandene Futtermittelbasis. Nach den vor- läufigen Ergebnissen der Viehzwischenzählung vom 15. April betrug die Zahl der Schweine an diesem Tage(im MMl Reiche) 13 303 500 Stück— gegen 16 569 090 ein Jahr ÖOther, 19 289 483 am 1. Oktober und 17 292 892 am 1. Dezember 1915. Der Bestand ist also gegen den 1. Dezember um 23,1 Proz. zurück- gegangen. Am stärksten ist die Verminderung naturgemäß bei den Yt und 1 Jahr alten und über ein Jahr alten Tieren— gegen- über dem 1. Dezember 46,7 und 39,7 Proz. Etwas weniger, aber immerhin erheblich(um 21,3 Proz.) ist die Zahl der 8 Wochen bis Z4 Jahr alten Schweine verringert. Dagegen haben die unter 3 Wochen alten Ferkel— also das Aufzuchtmaterial für eine etwas spätere Periode— um 31,6 Proz. zugenommen(1. Dezember 2 812 206, 15. April 3 700 460 Stück). Das bedeutet, daß in den nächsten Monaten die schlachtreifen Schweine sehr knapp sein werden, und daß die Schweineschlachtungen auf das äußer st e eingeschränkt werden müssen, wenn nicht durch Wegschlachten unreifer, junger Tier« die Hoffnung auf eine bessere Fletsch, und Fettversorgung im nächsten Winter ver- e i t e l t werden soll. Weniger angegriffen, wenn auch in seiner Zusammensetzung zuungunsten der unmittelbaren gegenwärtigen Versorgung ver- schoben, ist unser Rindviehbe stand. Insgesamt wurden an Rindvieh im Deutschen Reiche am 15. April 1916 19 873 169 Stück gezählt. Da» ist nur um etwas über eine Million weni- g e r als am 1. Oktober 1915 und um noch nicht zwei Millio- nen wenig er als am 1. Dezember 1914— zu einer Zeit also, wo in der Futtermittelversorgung noch beinahe normale Verhält- nisse herrschien. Gegen den 1. Dezember 1915 betrug der Rückgang am 15. April nur 2,1 Proz. Das bezieht sich freilich bloß auf die Gesamtzahl. Im einzelnen haben seit 1. Dezember die drei Monate biö noch nicht zwei Jahre alten Jungtiere um 6,9, die Bullen, Stiere und Ochsen um 8,7, die Kühe um 4 Proz. abgenom- men; die Zahl der unter drei Monate alten Kälber dagegen ist— ähnlich wie die der Ferkel— um 41,1 Proz. gestiegen. Die Zahl der Milchkühe ist um noch nicht 800000 klenter als im Dezember 1014. Auch hier also eine starke Verminderung der schlachtreifen Klassen, die eine erhebliche Einschränkung der Schlachtungen im Sommer bedingt, wenn wir nicht durch Schlachten von Milchkühen die Milch- und Buttererzeugung, durch Schlachten von unreifem Jungvieh die Fleischversorgung für den nächsten Winter gefährden wollen. Wir müssen also— das ist die klare und eindeutige Schlußfolgerung aus dieser Statistik— in der nächsten Zeit mit stark eingeschränkten Mengen tierischer Nähr- Produkt« vorliebnehmen, haben aber die Grundlage des Wieder- aufbaueS unsere» vor dem Kriege so reichen Viehstapel» so gut wie unversehrt bewahrt. Die sommerliche Jahreszeit erleichtert einen weitgehenden Verzicht auf Fleischnahrung. Hält die neue Ernte auch nur annähernd, was sie verspricht, dann stehen wir in wenigen Monaten auf fühlbar weiterer und freierer Nährbasi». Nur ein, zwei Millionen Tonnen Brotgetreide, zwei, drei Millionen Tonnen Futtergetreide mehr bedeuten bei unserer straffen Organisation für die Brot- wie für die Fleisch- Versorgung außerordentlich viel. Statistlk der Prüfuugsstell«». Noch den der NeichspreiSstelle bis zum 31. März 1916 ge« wordenen Mitteilungen sind auf Grund der Bundesratsverordnung über die Errichtung von PreiSprüfungSstellen und die VerwrgungS- regelnng vom 25. September 1915 im Deutschen Reich 910 Preis« V r ü s» n g S st e l l e n errichtet worden; hierunter sind neben der Reichspreisstells 12 LandcspreiSstcllcn und 1 ProvinzialpreiSstelle mitgezählt; von den 12 LandeSpreissiellen sind 4 zugleich als Ortspreisstellen tätig. Werden sie auch dort mitgerechnet, so haben wir in Deutschland 900 Orispreisstellen bezw, Stellen sür ein örtlich enger begrnizies Gebiet. Davon entfallen 560 auf da? Königreich Preußen. 34 auf das Königreich Bahern, 116 auf das' Königreich Sachsen, 21 auf das Königreich Württemberg, 68' auf das Großherzogium Baden, während sich die übrigen 95 auf die anderen Bundesstaaten verteilen. Von den 900 Ortspreisstellen sind 458 sür größere Gemeinden errichtet, die dazu verpflichtet sind, und 442 sind sonstige PreisprüfungS- stellen. Llstr den ersteren sind 355 für den Bezirk einer Gemeinde(da- von in Preußen 251), 14 sür den Bezirk mehrerer Pflichtiger und auch nichtpflichtiger Gemeinden(davon in Preußen 10), 64 für einen Kreis, in dem Pflichtige Gemeinden liegen, und 25 für mehrere Kreise oder größere Bezirke, in denen Pflichtige Gemeinden liegen. Den weitesten Umfang umspannt die Pretspriifungsstelle Groß- Berlin: zu ihrem Bereich gehören neben vielen nichtpflichtigen 27 Pflichtige Gemeinden._ Vrotzulagcn für Schwerarstcitende. Demnächst sollen neue Zulagen zu den Brotrationen sür die schwerarbeiiende Bevölkerung gewährt werden. Die Errechnungen der möglichen Höhe dieser Zulagen sind noch im Gange. das tägliche örot. Anzeigepflicht für Flcischwaren. (Amtlich.) Der Bundesrat hat in der Sitzung vom 22. Mai 1916 beschlossen, daß wer Fleischwaren(FleischkonwMN, Räucherwaren von Fleisch, Dauerwürste aller Art, fleräitiQtttoL Speck) im Gewahrsam hat, zur Anzeige seiner nicht ledigfW zur seinen Haushalt bestimmten Bestände sowohl an den Kommuna?� verband de« Lagerungsortes, wie auch, soweit die Mengen über 2000 Kilogramm betrogen, an die Reichsfleischsielle verpflichtet ist. Die näheren Vorschriften Lber die Form der Anzeige werden von den Landeszentralbehörden getroffen. Abgabe von Fleisch a« fleischlosen Tagen. In einem Erlaß der zuständigen Ministerien werden die O r t s« Polizeibehörden ermächtigt, die Abgabe von Fleisch an fleischlosen Tagen im E i n z e l f a l le ausnahmsweise dann zuzulassen, wenn bei längerer Ausbewahrung ein Verderb des Fleische? zu befürchten ist. Von dieser Ermächtigung ist, wie eS in dem Erlaß heißt, namentlich auf dem Lande für den Verkauf von Fleisch auf Freibanken und für den Verkauf von notgeschka-btelen Tieren Gebrauch zu machen. Da dort Freibänke vielfach nicht mit Kühleinrichtungen versehen sind, würde e» zu einem Verderben des Fleisches führen können, wenn der Verkauf von Fleisch insbesondere auch der verkauf de« oft nur beschränkt halibaren Fleisches von not- geschlachteten Tieren, grundsätzlich und ausnahmslos an den fleisch- losen Tagen verboten bliebe, was unbedingt vermieden werden muß. Ms Industrie und Handel. Neutrale KriegSgewinue. Der„Tconomtste Fran?aiS" enthält in seiner Nummer vom 22. April eine interessante Uebersicht der Gewinne der Schiffahrts- gesell>chaften der verschiedenen Länder, von denen, neben den eng« lischen und japanischen, besonders die SchiffohrtSuitiernehmungen der n e u t r a l e n Länder besonders prosperieren. Ueber die Gewinne der h o llä n d i sch en Gesellschaften im Jahre 1916 gibt folgende Tabelle Ausschluß: Holland-Amerika-Lini«.... 69 Proz. Dividende Oostzee......... 25,, Stomboot Maats Hillegersberger 40,, Sollcweld van der Meer... 100,» Hontlvaart Co....... 100,, Triton.......... 40,, Zeevart S. S. Eo...... 60,„ Die erste der genannten Gesellschaften, die Holland-Amerika- Linie, deren Kapital nur 25 Millionen Frank beträgt, weist im Jahre 1915 einen Ueberichuß von 48 Millionen Frank aus. Die Dividenden der acht s kandtnabtschett Gesellschaften für 1915 sind in folgender Tabelle zusammengefaßt: Dampskibsselskabet Progreß.. 50 Proz. Dividende DampSkibSielSkabet Skandia.. 50,, Somdenijeld NorSke Dampsk.. 20,„ Brunsgaard Dampskibsselskabet. 20#» Ak Borgcsiad et Bergenske DampSk. 15., Stavangerske Dampskibsselskabet 8,» Sie. Norden Kopenhagen.... 80,„ Sie. Danmark....... 80„, Selbstverständlich wird dieser glänzende Geschäftsgang auch auf die allgemeine Lage der Schiffahrt nach dem Kriege nicht ohne Einwirkung bleiben. Der Verfasser des Artikels im.Economtsts Fran�ais" schreibt darüber:.Es ist wahrscheinlich, daß während der ersten drei oder vier Jahre nach dem Kriege die Frachtsätze hoch bleiben werden, ohne so ungeheuer groß wie heute zu sein. Tie englischen und neutralen Schiffahrtsgesellschaften, die un- geheure Gewinne während des Krieges erzielt haben, werden ihre Flotten wicdcraujbauen und erweitern können. Die Vereinigten Staaten schicken sich ebenfalls an, einen Teil ihrer zahlreichen Flotte, die jetzt den Kabotagedienst versteht, für die große Schisfahrt zu verwenden, und auch ihre Werften entwickeln gegenwärtig eine außergewöhnliche Tätigkeit." Auch die deutsche Handelsflotte werde wahrscheinlich intakt dastehen. Am schlimmsten dagegen sei die französische Handelsflotte daran, die stark abgenützt sei. Reue Ausfuhrverbote. Wie der Handelskammer zu Berlin miigeteilt wird, sind in Schweden Ausfuhrverbote für unbearbeitetes Holz und mit Beil oder Säge hergestellte Holzwaren von Esche, Ulme und Eiche, Reis- wurzeln. Reisstroh, in Dänemark Ausfuhrverbote sür Säcke- absälle, BambuS, spanisches Rohr, Rohrftöcke erlassen worden. Bankverluste iu der Schweiz. In 4'/, Jahren von 1910 bis zum Kriegsausbruch sind in der Schweiz nicht weniger als 50 Bankuntcrnehmungen verkracht, wo- durch die Aktionäre, öffentlichen Körperschaften und Genossenschaften um 53'/z Millionen Frank, die Bankgläubiger um � 59 Millionen Frank, zusammen um ll2V, Millionen Frank geschädigt wurden. Gerade gegenwärtig spielt sich vor dem Gericht im Kanton Tessin eilt solcher Banlprozeß ab. Der Bundesrat bereitet ein Gesetz für die Beaujsichtigung der Banken vor. Die Ausfuhr der Kcreinigteii Staaten bekirf sich 1915 auf 3486 Millionen Dollar gegen 2071 Millionen Dollar 1914. Diese Vermehrung erstreckt sich auf: Brotgetreide.... 528 Millionen Dollar gegen 310 Rohbaumwolle... 417».» 343 Eisen u. Stahlwaren. 389.».200 Fleisch...... 259,., 183 Explosivstoff«.... 182,, ,10 Kupfer...... 125,,, 117 Leder und Häute.. 117,..07 Schuhwaren.... 89». ,17 Automobile.... III»,» 34 Baumwollwaren.. 96,, ,50 Ehemische Produkte. 80„, 29 Im Dezember 19t 5 allein hat die Ausfuhr verschiedener Artikel eine 10— 20fache Höhe der im Dezember 1914 erreicht; z. B.: 1914 1915 Explosivstoffe.... L 299 000 46 100 000 Dollar» Eisen und Kohle.. 14 900 000 45 800 000 Kupfer...... 7 100 000 18 100 000. Fleisch u. Konserven. 12 700 000 25 100 000, Aus diesen Zahlen ergibt sich die Tatsache, daß der europäische Krieg dank der Unterstiitzung der Vereinigten Staaten geführt wurde. Erncst I u d e t hofft in einen» Leitartikel des„Eclair", daß nach dem Kriege die 600 000 amerilanischcit Touristen, welche sich bereits zur Besichtigung der Schützengräben angemeldet haben, wieder einen guten Teil der Milliarden in das Land bringen werden, die nach drüben gewandert sind. Sozmies. Haftet der Arbeiter für Diebstähle anderer? In mehreren Arbeitsordnungen befindet sich die Vor- schrist, daß der Arbeiter für das ihm übergebcne Werkzeug auch dann einzustehen hat, lvcnn es ohne sein Verschulden, z. B. durch Diebstahl eines Dritten abhanden gekommen ist. Das hiesige Gewerbegericht wandte sich am Dienstag gegen solche Vorschrift. Ein Aurogenschweiher, der bei der A. E. G. beschäftigt war, klagte beim Gewerbegericht auf Zahlung von 43 M., die ihm ab- gezogen worden sind, weil ein von ihm benutzter Schweißbrenner abhanden gekommen war. Die Firma berief sich auf eine Be- stimmung ihrer Arbeitsordnung, wonach der Arbeiter haftet für das durch sein Verschulden abhanden gekommene Werkzeug. Der Kläger wies nach, daß er den Brenner am Abend in den ihm zugewiesenen Werkzeugkasten gelegt und den Kasten verschlossen hat. Als er den Kasten am nächsten Morgen öffnete, war der Brenner verschwunden. Der Kläger hat das sofort im Betriebsbureau gemeldet � und einem Angestellten des Bureaus an Ort und Stelle nachgewiesen, daß zu seinem Werkzeugkasten auch die Schlüssel anderer Kästen paffen, ein Diebstahl also leicht ausgeführt werden kann. Trotzdem hat die Firma dem Kläger den Wert des Brenners vom Lohn abgezogen.— Das Gericht verurteilte die beklagte Firma zur Zahlung von 43 M., weil der Kläger für einen in seiner Ab- Wesenheit verübten Diebstahl seines Werkzeuges nicht haftbar ge- macht werden kann._ Unzulässige Nachtarbeit. Auch bei Heereslieferungen sind die Schutzvorschriften der Gewerbeordnung maßgebend, die Nachtarbeit sür Arbeite- rinnen in Betrieben mit zehn Arbeiterinnen verbieten. Ein ohne ausdrückliche behördliche Gestattung(§Z 138, 139 der Gewerbeordnung) erfolgtes Zuwiderhandeln des Verbots der Nachtarbeit für Frauen ist strafbar. In diesem Sinne entschied dem Gesetz entsprechend das Zwickauer Landgericht in einer Strafsache gegen den Wirkwarenfabrikanten Bernhardt in Lichtenstein, der Monate lang Arbeiterinneu von 8 Uhr abends bis morgens 6 Uhr, oder von 7 Uhr abends bis 12 Uhr nachts oder bis 7 Uhr morgens beschäftigt hatte, wiewohl die Be- schäftigung für die Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens der- boten ist. DaS Gericht trug dem Einwand des Angeklagten, er habe geglaubt, auf Heereslieferungen finde die Vorschrift keine Anwendung, bedenklich weit Rechnung und verurteilte ihn deshalb nur zu ein- hundert Mark Strafe. Diese niedrige Strafe steht in schlechtem Verhälwis zu dem durch die Verletzung der Schntzvorschrift erzielten eigenen Gewinn und zu der erheblichen Gesundheitsschädigung der Arbeiterinnen._ Gehört Polen noch z» Rußland? Diese Frage soll demnächst nicht etwa von Politikern und Diplomaten, sondern vom— Berliner Gewerbegericht ent- schieden werden. Die Entscheidung wird natürlich nicht die künftigen Staatsgrenzen festlegen, sondern nur dahin gehen, ob einem Schlächtergesellen, der sich gegenwärtig im besetzten polnischen Gebiet aufhalten soll, eine Lohnforderung gezahlt werden darf. Den Anlaß zur Aufrollung dieser Rechtsfrage bot folgender Fall, der am Montag vor der Kammer 6 des Gewerbegerichts verhandelt wurde. Die hiesige Firma„Allgemeines Handelskontor� hatte für ihre Fleischkonfervcnfabrik eine Anzahl von Schlächtergcsellen durch Vcr- mittlung der deutschen Arbeiterzentrale aus Polen eingestelll. Einer dieser Schlächter hörte auf und trat bei einem Geschäftsinhaber in Charlotienburg in Arbeit. Als er hier arbeitete, beauftragte er dem Angestellten der polnischen Berufsvereinigung, beim Gcwerbegcricdl gegen die Firnia„Allgemeines Handelskontor" auf Zahlung des noch rückständigen letzten Wochenlohnes zu klagen. Hieraus verschwand der polnische Schlächter aus Berlin. Wo er sich gegen- wärtig aufhält weiß sein Prozeßvertreter nicht, er meint aber, sein Mandant sei von hier nach Hamburg in Arbeit gegangen.— Der Vertreter der beklagten Firma behauptet dagegen, der Kläger befinde sich in Polen und so lange er sich dort aushalle, dürfe die Firma nicht an ihn zahlen, denn durch die im September 1914 er- lassene Verordnung werde ja verboten, Zahlungen nach Ruß- land zu leisten. Uebrigens habe der Kläger seinen Lohn erhalten. DaS könne aber nur in seiner Gegen- wart bewiesen werden. Denn zwei Zeuginnen, welche die Lohn- zahlung bekunden könnten, müßten dem Kläger gegenüber gestellt werden, weil sonst eine Persouenverwechselung leicht möglich wäre Zur Frage des Zahlungsverbots meinte der Vertreter des Kläger?, dasselbe könne sich sinngemäß nicht auf das in deutschen Händen befindliche und von deutschen Behörden verwaltete polnische Ge- biet erstrecken. Die Rettagte vertrat dagegen den Standpunkt: Als die Verordnung erlassen wurde, gehörte Polen ohne Zweifel zu Rußland. Staaisrechilich müsse es auch jetzt noch als ein Teil Ruß- lands angeschen werden. Die Firma würde sich also strafbar machen, wenn sie an den Kläger nach Polen Zahlung leisten würde. Das Gericht beschloß, vom Reichsjustizamt und vom deutschen Verwaltungschcf in Warschau amtliche Auskunst darüber einzuholen, ob die in Rede stehende Verordnung auf das besetzte polnische Ge- biet anzuwenden sei. Dem Vertreter des Klägers wurde auf- gegeben, zum neuen Termin den Aufenthaltsort seines Mandanten anzugeben.(z) 1 SozIaltakraöselieF Mmelv! Nenitölln, Am 21. Mai verstarb im La-! zarett unser Parteigenosse Franz Jäger München er Str. 24, 23. Bezirk. Echre seinem Zlndenkeu! Die Beerdigung findet heute, den 24. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Garnison-Kirchhos in 8 der Hasenheide statt. 237/18 Vor Torstand. cauBuszxiieszsa Als weiteres Opfer des Welt-! kricges siel am 8. Mai unser t lieber Freund, der Musletier HaH Zern Infanterie-Regiment 52, 12. Komp.[ im 2L Lebensjahre. 7376 f Wir werden ihm stets ein\ ehrendes Andenken bewahren. Seine Freunde. I Nach etnundeinbalbtägigem Kampf I erlitt durch Granatsplitter den I Tod am 9. April 1916 mein I liebster jüngster Bruder, Gatte j und Vater, der Musketier psuZ Paeisch Res.-Jns.-Rcgt. Nr. 51, 6. Komp., im Wer von 26 Jahren. Wen» Schwesterliebe könnte Wnn- der tun Und mein« Tränen könnte» Dich erwecken, Ach, bann würde Dich,mem armes, liebes Bruderherz. Dort nicht die fremde, kalte Erde decken. Zogst w den Krieg, als ahntest Du den frühen Tod. Starbst nun so schnell, so jung und früh, geliebtes Brüdcrlein, Wirst nie von mir vergessen sein. Zu Haus' Hab' ich ein Plätzchen, Du liebe gute See!', Daran ich fitz' und weine, weil wir uns nicht mehr wiederschw. Und immersiag: warum? warum? Im tiessten Schmerz Deine trauernde Schwester Luise, Gertrud Pactsch als Gattin und i Klcm-Üuliioden. ES Ist so schwer dies zu verstehe. daß wir Dich sollen nicht mehr wiederseh'n. Dem Auge enirissen, dem Herzen geblieben I Ruhe sanft, mein Lieb, so weit von Deinen Lieben. 17A «itglied des ArbeHer- Turner-Bondes. Wiederum haben wir folgende Turngenossen akS Opfer dcS Weltkrieges z« beklage«: KickaB'eZ 1. Männer-Abt. Cxustav Waschkowsky, i.MSuner-Abt. Walter S�ittag, 2. Msnaer-Mt. Walter. Voigt, 2. Manner-m Wir werde» ihnen ein ehrende? Andenken bewahren. 185/9 Der Vorstand. der linunerlente Groß-Beröes. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser langjähriges Mitglied I und Kamerad Albert Qualifz Stettiner Straße 38 | verstorben ist. Ghre seinem Andenke« I Die Beerdigung erfolgt am j I Donnerstag, den 25. Mai, nach- j mittags 5 Uhr, auf dem alten I ! Pauls-Kirchhof in Plötzensee. ! 733b Der Vorstand. . Gewidmet zu seinem WÄ 23. Geburtstage. Als Opfer des Welt- krieges fiel am 23. Novbr. 1915 mein lieber Mann, unser lieber ältester Sohn, Schwiegersohn und Bruder, der Musketier 731b Qtto Brauer geb. 24. Mai 1893. j DieS zeigen im tiefsten Schmerz an Frau Auguste Brauer geb.David. Wilh. Brauer und Frau Rudolf als Eltern. Brauer als Bruder !sM!idd.GeM!!lIe-ii.GtsztMli.j ViUolviW. s. so. Wenzels, Markus strrße 36. Fischer, Bastianstraße 6. I. Hönisch, Müllerftr. 31a. L. Zucht, Fmmanuelkirch str. 12. A. Wolgast, Wattstraße 9. H. Karl Mars, Greisenhagener Str. 22. H. Böget. Lortzingitr. 3. VW. Daloinon Joseph. WilhelmShavener Str. 48. G. Schmidt, Bärwaldste 42. St. Fritz» Prinzenftr. 31. H. Lehmann, Kottbuser Damm 8. Paul Böbm, Lausttzer Platz 14/15. P. Horkch, Engeluser 15. ,ldIer«Iiok. Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 28. Bnnmsetinlenrreg. H. Hornig, Maricnthaler Str. 18, I. Borsisjvrnlde. Paul Kienast, Räuschftr. 10. Vknriottenknr-. Gustav Scharnberg, Sesenbeimer Str. 1. Zei-Iedrietrskn-ei». Ernst Werkmann, Köpenicker Str. 18. tirimnn. Franz Klein, Friedrich str. 10. dokmumstlinl. Max Gonschur, Parkstr. 23 l4nrI«lior«t. Hermann Billing, Dönhoffstr. 23. Köpenick. Emil Wiffler, Kietzerstr. 6, Laden. Luchtenberg 1. Otto Seifet. Warteubergslr. L Lichtenberg II. A. Rosenkranz, All-Boxhagen 5«. Xcnkölln. M. Heinrich, Neckarstr. 2. C. Nohr, straffe 28/29. Nioder-Schönewelde. Wilh. Unruh, vrückenstr. 10. .Xotvatves. Karl Krähnberg, Eisenbahnslr. 10. Ober-Sehönesveide. Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden. Bnnko«-. Otto Riffmann, Müblenslr. 30. 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Berkag> VorwaririLuchbrucksrÄ ckk. Pertugstttsittth P Funktio- näreu besuchten Jugeirdversammlung, die dem B. I. A. folgende Vorschläge unterbreitet«: 1. Einsetzung eines Zentralvorstandes, der sich aus Dele- gierten der einzelnen Ortsvorstände zusammensetzt. 2. Wahl von Vorständen in den einzelnen Orten. 3. Gründung eines einheitlichen Mitteilungsblattes. 4. Bei Notwendigkeit auch Kassierung von Beiträgen. Am 25. Februar 1916 beschloß der B. I. A. mit Stimmen- Mehrheit(von 9 Anwesenden stimmten 7 dafür, 2 enthielten sich), an die Vorarbeiten zu einer Vereinsgründung heranzugehen. Ehe noch der B. I. A. weitere Beschlüsse fassen konnte, beriefen einige Jugeirdfunktionäre zum 26. Februar eine Versammlung ein, in der u. a. auf der Tagesordnung stand:„Berichte der Sitzung des Arbeitsausschusses und Wahl des Aktionsausschusses." Diese beiden Körperschaften waren in letzter Zeit von einer bestimmten Gruppe von Jugendlichen ins Leben gerufen worden, ohne hierzu die Zu- stimmung der Jugendausschüsse einzuholen oder sie auch nur in Kenntnis zu setzen. Am 19. März berichtete der B. I. A. im Zentralvorstand von Groß-Berlin über den Wunsch der Jugend, sofort eine Umgestaltung der Jugendbewegung vorzunehmen, der Zentralvorstand stimmte dem fast einstimmig zu und beauftragte den B. I. A., einen Plan der Neuorganisation auszuarbeiten, womit der B. I. A. die Vor- sitzende betraute. Am 18. März wurde der Statutenentwurf einer Versamm- lung, die ausschließlich aus Berliner Helfern und Funktionären be- stand, vorgelegt. Die Mehrheit der Diskussionsredner sprach sich dafür aus, zwei hielten den Zeitpunkt für eine Neugründung noch nicht gekommen und nur zwei forderten auf. dem inzwischen von einer Gruppe Jugendlicher gegründeten Jugendbildungsverein beizutreten, obwohl er noch keine Satzungen besaß. Am 29. März nahm der B. I. A. das von der Vorfitzenden ent- worfene Statut mit einigen Abänderungen an, dem auch der Zen- tralvorstand beitrat. Der B. I. A. rief auf den 9. April eine Konferenz der Jugeirdausschüsse für Groß-Berlin ein. Zu dieser waren zwar zahlreiche Anträge eingegangen, doch nur einer davon wollte grundsätzliche Aenderungen. Er war eingereicht im Auftrage des neugegründeten Bilduugsvereins und forderte:„von einer Neu- gründung abzusehen und sich diesem Verein anzuschließen. Sein Statut, das nun vorgelegt wurde, unterschied sich in zwei Haupt- punkten von dem des B. I. A.: Dieses forderte für die Vereinsmit- glieder das 29. Lebensjahr als Altersgrenze, während jener Verein überhaupt keine Altersgrenze zieht. Ferner fordert der B. I. A, entsprechend dem Nürnberger Beschlutz, daß dem Vereinsvorstand ein Beirat von Erwachsenen mit Stimmrecht angehöre, der auf der jährlichen Generalversammlung von der Jugend zu wählen ist. Hauptsächlich gegen diese Bestimmung wendeten sich die Vereinsmit- glieder. die von einem stimmberechtigten Beirat nichts wissen wollten. Als Vorstand waren zwölf Jugendliche und der Jugend- sekrctär vorgeschlagen. Doch wurde ausdrücklich hervorgehoben, daß es den Jugendlichen völlig anhcimgestellt sei, auch eine größere Zahl von jugendlichen Vorstandsmitgliedern durch Statut festzu- legen. Es ist also eine irreführende Berichterstattung, wenn der ..Bremer Bürger-Zcitung" aus Berlin berichtet wird:„der Vor- itand des zu gründenden�„selbständigen Vereins" sollte aus acht stimmberechtigten Erwachsenen und neun Jugendlichen bestehen". Bei den Beratungen auf dieser Konserenz ergab sich nun das Unerwartete, daß die meisten Vororte von dem Plan einer Reorga- nisation überhaupt nichts wußlen, ja sogar ein Teil der Berliner Jugendsunktionäce schien ebenfalls überrascht! Von denen, die be- reits Stellung dazu genommen hatten, waren ungefähr ebenso viele für wie gegen eine Vereinsgründung. Völlig ablehnend ver- Helten sich nur die Anhänger des bereits gegründeten Jugend- bildungsoereins. Um den nicht unterrichteten Vorortausschüssen und den An- Hangern des neuen Bildungsvereins erneut Gelegenheit zu geben. die Frage eingehend zu prüfen, wurde einstimmig ein Vertagungs- antrag angenommen. Es wird also erst die nächste Konferenz, die Ende dieses Monats stattfinden soll, zu entscheiden haben, ob es bei der bisherigen losen Form der Jugendbewegung in Groß-Berlin bleiben oder ein Bildungsvcrein gegründet werden soll. l Mus Groß-öerlin. vom Kohlenverbrauch üer Staöt Derlin. Der Plan, für die Stadt Berlin ein eigenes Kohlenberg Werk zu erwerben, legt die Frage nahe, welchen Kohlender brauch die Stadtverwaltung in ihren Werken und A n � stalten hat. Aus den Etats der einzelnen Werke und An stalten die Verbrauchsmengen vollständig zusammenzustellen oder die Kostenbeträge genau zu berechnen, ist leider nicht durchführbar, weil in den Angaben nicht immer die Mengen und Kosten der Kohlen, des Koks, des Holzes, des Heiz gases usw. von einander getrennt sind. Möglich ist aber, einen Ueberblick wenigstens über den Verbrauch derjenigen Werke und Anstalten zu gewinnen, die nach ihrer Größe und Be deutung hauptsächlich für die vorliegende Frage in Betracht kommen. Wir benutzen dabei die für das laufende Etats jähr 1916 angenommenen Verbrauchszahlcn, wie sie in den Etatsentwurf eingestellt worden sind. Der weitaus größte Teil des Kohlenverbrauchs der Stadt Verwaltung entfällt begreiflicherweise auf die Gaswerke und auf die jetzt gleichfalls der Stadt gehörenden Elektrizitätswerke. Für das Etatsjahr 1916 wird bei den Gaswerken ein Verbrauch von über 22 Millionen Zentner Kohlen zur Gas> erzeugung erwartet, der bei einem Preis von 1,10 M. für den Zentner eine Gcsamtaufwendung von reichlich 31 Millionen Mark erfordert. DieE lektrizitätswerke rechnen mit einem Verbrauch von 19 Millionen Zentner Kohle zu 1,29 M., das gibt eine Gesamtaufwendung von 12 Millionen Mark. Diese beiden Betriebe zusammen erfordern allein iiber 32 Millionen Zentner Kohle verschiedener Güte, für die über 43 Millionen Mark ausgegeben werden sollen. Dazu kommen als Ver brauch für den Betrieb der Wasserwerke 489 999 Zent ncr Kohle zu 1,33 M., also zu einem Gesamtbetrag von 648 999 M. Bei den Kanalisationswerken sind die für den Betrieb der Pumpstationen nötigen Brennstoffe nebst elektrischem Strom mit zusammen 847 999 M. angesetzt, wovon über zwei Drittel für Kohlen(hauptsächlich 463 999 Zentner ivestfälische Nußsteinkohle) draufgehen dürften. Der Brennstoffverbrauch des Vieh- und Schlachthofes soll(abgesehen von Koks und Holz) hauptsächlich durch 227 999 Zentner Jndustriebriketts gedeckt werden, und 46999 Zentner Briketts will außerdem die Fleischverwertungsanstalt brauchen, so daß hier bei zusammen 273999 Zentner Briketts rund 299999 M. ausgegeben werden müssen. Für die Markt hallen werden(immer abgesehen von sonstigem Brennstoff) hauptsächlich 25 999 Zentner Nußkohle erforderlich sein, macht etwa 36999 M. Der besondere Verbrauch für Bureaus von Werken kann außer Betracht bleiben, weil er für das Gesamt' ergebnis nicht ins Gewicht fällt. Erheblich sind auch die Brennstoffmengen, die in den An stalten der Stadt teils zur Heizung, teils für den Maschinen und Wirtschaftsbetrieb gebraucht werden. Mit dem größten Verbrauch stehen hier an der Spitze die Heil- und P f l e g e a n st a l t e n für körperlich oder geistig Kranke. Die „Krankenstadt" Buch hat ihre eigene Zentrale, die alle dortigen Anstalten mit Heizung, Beleuchtung, Warmwasser, Gebäck, Wäsche usw. versorgt. An Kohlen will die Zentrale rund 439 999 Zentner im Werte von 523 999 M. verbrauchen. Für die übrigen, nicht in Buch gelegenen Heil- und Pflegeanstalten(Krankenhäuser, Irrenhäuser, Heim- statten) ist in den Etat eingestellt ein Kohlen- verbrauch von etwa 999999 Zentner, deren Wert über 1 Million Mark beträgt. Dazu kommen bei den Bade- an st alten 239 999 M. Ausgaben für Brennstoffe, wohl gleichfalls zumeist für Kohlen. Die gesamten Ausgaben des Gesundheitswesens für Kohlen sind auf etwa 2 Millionen Mark anzunehmen. Für die Anstalten der Armen- und der Waisenpflege(Hospitäler, Arbeitshaus, Obdach, Waisenhäuser, Erziehungshäuscr) wird ein Kohlenverbrauch von rund 149999 Zentner im Werte von über 159999 M. erwartet. Die Heizung der Schulen und aller sonstigen Unterrichtsanstalten soll etwa 139999 Zentner Kohlen im Werte von etwa 135999 M. erfordern. Diese Aufzählung macht Anspruch weder auf Vollständig- keit, noch auf Genauigkeit, die nach den Angaben des Etats- entwurfs, wie schon gesagt, ohnedies nicht zu erreichen wäre. Es fehlen in unserer Zusammenstellung noch manche kleineren Ausgabeposten für Kohlen, die in Anstalten und Bureaus der Stadt(z. B. in der Desinfektionsanstalt, in den beiden Rat- Häusern, in den Standesämtern usw.) verbraucht werden. Nebenbei bemerkt: es sind auch immer nur die Ausgaben für Kohlen(einschl. Briketts), auf die es uns hier ja nur an- kommt, nicht aber die für Koks, Holz, Heizgas usw. berück- sichtigt. Alles in allem kann mau die jähr- lichen Aufwendungen der Stadt Berlin für Kohlen zum Betrieb ihrer Werke sowie zur Ver- sorgung ihrer Anstalten jetzt auf 47 Millionen Mark oder mehr veranschlagen. Der Gesamtbetrag ist gegenüber dem der vorhergehenden Jahre infolge der Kohlen- tcucrung ganz außerordentlich gestiegen. Bei einem solchen Verbrauch ist wohl nicht zu bezweifeln, daß der Erwerb eines eigenen Kohlenberg- Werkes für die Stadt vorteilhaft wäre. Er könnte sich lohnen schon bei Deckung nur ihres Eigenbedarfs, wobei sie als ihre eigene Kohlenlieferantin einen beträchtlichen Ge- winn behielte._ Türkische Abgeordnete wurden gestern im Berliner RathauZ von den städtischen Behörden empfongen. Der Oberbürgermeister hielt eine Ansprüche, die von den Gästen erwidert wurde. Schulkinder begrüßten die lürkischen Gäste durch Absingen einiger schöner Lieder. An den Empfang schloß sich eine Besichtigung verschiedener städtischer Einrichlungen._ Bestrafungen wegen Kriegswuchers. Verurreilr wurden: Vorn A m t s g e r i ch r Berlin-Weißensee: Bäckermeister Albert N e u m a n n, Weißensce, Berliner Allee 230, am 26. April zu einer Geldstrafe von 30 M., hilfsweiie zu 6 Tagen Gefängnis, weil er Roggenbrole verlaust bat, die nicht das vorgejchnebene Einheitsgewichr von 1950 Gramm hatten. Vom Amtsgericht Köpenick: Kaufmann Oskar Trenner. Oberschöneweide. Wattstr. 1, am 10. März zu 50 M. Geldstrafe eventuell zu 10 Tagen Haft wegen Ueberschreilung der auf dem Aushang stehenden Preise. Kolonialwarenhändler Paul Höppner, Johannisthal, Friedrichstraße 59, am 14. April zu 30 M. Geldstrafe event. sechs Tagen Gefängnis wegen Ueberschreilung der Höchstpreise sür Schlack- Wurst. Kolonialwarenhändler A u g u st Könnecke, Oberschöneweide, Wilhelmlnenhosstr. 43, am 31. März zu 30 M. Geldstrafe eventuell sechs Tagen Gefängnis wegen Ueberschreilung der Höchstpreise für Schlackwurst und Nichtausführung der Schlackwurst auf der ausge- hängten Preistafel. Milchhändlerin Berta Krätke, geb. Sielaff, Oberschöne- weide, Edisonstr. 20, am 26. April zu 20 M. Geldstrafe event. 4 Tagen Gefängnis wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Butter. Schlächtermeistersfrau EmilieBrey, geb. Winter, Friedrichs- Hägen, Scharnweberstr. 24, am 26. April zu 30 M. Geldstrafe event. 6 Tagen Gefängnis wegen u> Ueberschreitung der Höchstpreise sür Fleisch und Fett, d) Zurückhalten von Schweinefett. Handelsfrau Auguste L u k o w geb. Halbmeier, Oberschönc- weide, Rathenaustr. 33, am 1. April zu 30 M. Geldstrafe eventuell 6 Tagen Hast wegen Zurückhaltung von Bandnudeln. Frau Agnes Brauer geb. Lehmann, Oberschöneweide, Wil- belmtncnhofstr. 16, am 5. Februar zu 6 M. Geldstrafe ev. 2 Tagen Gefängnis wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Schweine« fleisch. Frau Ida Wandelt geb. Wendt, Lichtenberg, Wördenstr. 65. am 6. Mai zu einer Geldstrafe von 20 M. evtl. 4 Tagen Gefängnis wegen Ueberschreitung der Höchstpreise in Wurstwaren und in einen, zweiten Falle zu einer Gcldstrase von 10 M. evtl. 2 Tagen Gesäng- nis wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Schlackwurst. Frau Elise G r e n'd geb. RaudiuS, Lichtenberg, Türrschmidt- straße 16, am 10. April zu 30 M. evtl. 6 Tagen Gefängnis wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Schlackwurst. Die Kolonialwarenhändlerin Margarete Dörr geb. Kern, Oberschöneweidc, Luisenstr. 7, am 24. Januar zu 9 M. Geldstrafe event. 3 Tagen Gefängnis wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Milch. Frau Emma Kleischmann geb. Rauscher, Oberschöneweide, Siemensstr. 18, am 29. Januar zu 25 M. Geldstrafe event. 5 Tagen Gefängnis wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für frisches Schweinefleisch. Handelsmann Julius Kruse, zu Neuhönow, Kreis Nieder- barnim, am 28. März zu 20 M. Geldstrafe eventuell 4 Tagen Ge- fängnis wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Kartoffeln. Handclsfrau Marie Kruse geb. Pichera, zu Neuhönow, Kreis Niederbarnim, am 28. März zu 20 M. Geldstrafe eventuell 4 Tagen Gefängnis wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Kartoffeln._ Ter Straffenbahnwagen in der Baugrube. Ein eigenartiger Unfall, bei dem es zum Glück gut abging, stieß gestern einem Straßenbahnwagen an der Ecke der Zimmer- und Charlottenstraße zu. Hier werden seit einiger Zeit größere unterirdische Arbeiten an den Gasleitungen ausgeführt. Die Bau- grübe ist wie üblich mit Bohlen abgedeckt. Als nun der Trieb« wagen 1898 der Linie 17 mit dem Anhänger 518 von der Zimmer« in die Charlottenstraße einbog, entgleiste der Anhänger und geriet auf den Bohlenbelag. Dieser erwies sich auf der linken Seite als zu schwach, um die schwere Last zu tragen. Die Räder brachen durch, der Wagen legte sich auf die Seite und sank ein, bis er mit der Kante des Oberbaues auf dem Asphalt wieder Halt fand. Der Zug blieb mit einem gewaltigen Ruck stehen. Die Fahrgäste des Anhängers sprangen erschrocken auf und liefen schreiend aus dem Wagen heraus. Alles beruhigte sich aber gleich wieder, als man sah, was geschehen war und feststellte, daß niemand eine Verletzung erlitten hatte. Auch die Scheiben des Wagens waren ganz ge- blieben. Nur der Rahmen der Räder war eingedrückt. Ein Nettungs- wagen der Straßenbahn brachte den Anhänger mit drei Winden wieder auf die Schienen. Die Verkehrsstörung hatte eine halbe Stunde gedauert._ Ein langjähriger Spandaucr Parteifunktionär, der Gefreite Ge- nosse Wilhelm F r o m m a n n, ist am 11. Mai als Opfer des Weltkrieges gefallen. Genosse F. war unausgesetzt tätig als Be- zirksführer, Kassierer des Bildungsausschusses und Delegierter des Kartellausschusses. Der Spandauer Wahlverein verliert in dem Verstorbenen einen eifrigen Genossen, der stets in uneigennütziger Weise seine ganze freie Zeit in den Dienst des Proletariats stellte. Die Arbeiterschaft wird ihm stets ein treues Andenken bewahren. Arbeiterbilduugsschule. Auf den Lichtbildervortrag„Die Mark Brandenburg als Naturwissenschaft- liches Wandergebict", der heute, Mittwoch abend 8ffz Uhr im Hörsaale der Schule, Liiidenstr. 3, 4. Hof rechts 3 Tr. stattfindet, sei nochmals hingewiesen. Der Vortrag soll die naturwissenschaftlichen Sonntagsausflüge einleiten, die in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" im einzelnen angeführt sind. Es sei dabei erwähnt, daß die Teilnehmerkarten für den nächsten Ausflug(Rüdersdorser Kalkberge usw.) schon jetzt an den angegebenen Stellen für 39 Pf. zu haben sind. Die Ausflüge finden bei jedem Wetter statt. Donnerstag, den 25. Mai, abends 8'/z Uhr, im Hörsal der Schule: Wissenschaftlicher Einzclvortrag: Eng- land und Irland. Vortragender: Genosse Eduard Bernstein.— Eintrittspreis 19 Pf. Uebcr 1000 Brotkarten besaß ein„Arbeiter" Paul Polack, der gestern in der Gipsstraße festgenommen wurde. Ein Kriminal- beamter stieß vor einigen Tagen wieder auf einen Mann, der in Schankwirtschaften Brotkarten an die Gäste zu verkaufen versuchte. Er hielt ihn an und brachte ihn nach der Wache. Hier fand man bei ihm, einein ländlichen Arbeiter, nur 6 Karten. Der Mann gab zu, daß er einige verkauft habe und behauptete, er habe alle zu- sanimen von einem anderen Mann, der bei seiner Festnahme auch in der Nähe gewesen sei, zum Verkauf erhalten. Diesen Mann kannte er nicht. Er beschrieb ihn aber so emgehcnd, daß der Beamte auf ihn fahnden konnte. Nach längeren Beobachtungen sah der Beamte den Beschriebenen gestern in der Gipsstraße, nahm ihn fest und brachte ihn nach dem Polizeipräsidium. Bei ihm fand man nicht weniger als 600 M. in barem Gelde und noch über 1000 Brotkarten, die nachweislich durch Einbruch den Brotkommissionen in der Demminer Slraße und in der Boddinstraße zu Neukölln gestohlen worden sind. Der Ver- haftete, der„Arbeiter" Paul Polack, der erst vrr einigen Wochen aus dem Gefängnis entlassen wurde, behauptet, daß er zweimal je 400 Karten von einem Unbekannten für 150 M. gekauft und die anderen irgendwo gefunden habe. Er ist aber dringend verdächtig, die Eindrücke selbst verübt oder wenigstens an ihnen teilgenommen zu baben. Sein Handel muß sehr lohnend gewesen sein.— Einen „Mißgriff" machten Einbrecher bei der Brolkommission in der Culni- straße. Es fielen ihnen zwar mehrere Hundert Brot- und Zusatz- karten in die Hände, alle diese galten aber nur sür die 64. Woche. Nur die Milchkarten, die sie außerdem noch mitnahmen, sind noch güllig. Den Tod im Wasser suchten gestern eine 58 Jahre alte Frau Elisabeth K. aus der Soldiner Straße und ein 21 Jahre altes Dienst- mädchen Elise H. aus der Hohenstaufenstraße. Frau K. war unheil« bar krank und ging, weil sie die Schmerzen nichl mehr ertragen konnte, an der Fcnnbriicke in den Spandauer Schiffahrts« kanal. Sie hinterließ einen Brief, daß ihr Vorhaben gelungen sei, wenn sie bis um 8 Uhr nicht wieder zurückkehre. Man solle sie dann an der Fennbrücke suchen. Kort wurde sie dann auch ge, und SN. Man dachte sie noch nach dem V!rchow-Krankenhaus, die Aerzie konnten aber nur noch feststellen, daß sie schon tot war. Das junge Mädchen sprang in Neukölln an der Kaiser-Friedrich- Straßen-Brücke in den Schiffahrtskanal und ertrank. Abends landete man seine Leiche. Was es in den Tod getrieben hat, ist noch nicht bekannt. Es diente seit einem Vierteljahr bei einem Kauf- mann. AuS dem Vcrbindungskainil gelandet wurde an der Kaiserin- Augusta-Allee die Leiche einer unbekannten Frau von etwa 50 bis 55 Jahren, die ihrem Aeußeren nach wohl dem Arbeiterstande an- gehörte. Die Tote ist ungefähr 1,65 Meter groß, hat schlechte Zähne und trug einen schwarzen Umhang, eine schwarze Bluse, einen dunklen Rock und einen rot-braun gestreiften Unterrock. Nack dem Zustande der Leiche hat sie wohl nur erst kurze Zeit im Wasser gelegen. Mehrere Gewitter gab eS gestern in den frühen Morgenstunden in der Umgebung Berlins. Sie waren nichl sehr schwer und die Entladungen nicht heftig. Um so erfreulicher ist, daß sie wenigstens hier und da ergiebigen und ruhigfallenden Regen brachten. Die Niederschläge, die schon seit Sonntag abend eine sehr ersehnte Er- frischung brachten, fanden so eine recht erfreuliche Ergänzung. Die reiche Winterfeuchtigkeit hat zwar bisher noch standgehallen. Aber die Oberschicht unseres Sandbodens verlangte doch schon wieder nach Regen, der jetzt besonders auch dem Gemüse und den Kartoffeln zugute kommt. Der Dicbesörief. Mit einem neuen Trick arbeiten Einbrecher, durch die eine Kriegerwitwe in Wilmersdorf empfindlich geschädigt worden ist. Die Zigarrenhändlerin Glawe in der Berliner Str. 127 in Wilmersdorf, deren Mann vor einigen Wochen im Felde gefallen ist, erhielt dieser Tage einen Brief, in welchem ein angeblicher Ka- merad ihres Mannes sie bittet, mit ihm auf dem Bahnhof Friedrich- straße zusammenzutreffen, da er ihr Grüße von ihrem Manne und einige Werigegenstände zu überbringen habe. Die Kinder möchte sie mitbringen. Frau G. machte sich natürlich auch auf den Weg, wartete aber längere Zeit vergeblich auf den Feldgrauen. Als sie nach Hause zurückkehrte, mußte sie erkennen, daß sie in eine Diebes- falle gegangen war. Während ihrer Abwesenheit hatten nämlich Einbrecher ihrem Geschäftslokal einen Besuch abgestattet. Die Ver- brecher hatten versucht, die Ladenkasse zu sprengen, was ihnen aber glücklicherweise nicht gelungen war. Sie hatten jedoch einen erheb- lichen Posten teurer Zigarren und Zigaretten mitgenommen, wodurch die Kriegerfrau erheblichen Schaden erleidet. ftiis öen Gememöen. Oeffentliche Massenspeisung in Schöneberg. Bei der Prüfung der Frage, ob Fahrküchen oder Volksküchen entschieden sich die städtischen Körperschaften in ihrer Sitzung am Montag für Einrichtung öffentlicher Speiseanstalten. Dem Schöne- berger Volksküchcnverein ist die Aufgaibe übertragen worden, die öffentliche Speisung durchzuführen. Die Speisung soll je nach dem Bedürfnis durch Einrichtung und Betrieb von Volks- und Mittel st andsküch en erfüllt werden. Zu Mittelstandsküchen ist man übergegangen, da diese Einrichtung sich in Hamburg sehr gut bewährt hat. In diesen Küchen sollen die Selbstkosten durch den Verkaufspreis(zirka 60 Pf.) gedeckt werden. In den Volksküchen kostet die ganze Portion 35 Pf., eine kleinere 25 Pf. Die hierbei erforderlichen Zuschüsse trägt die Stadt, ebenso werden auch die ersten EinrichtungSkosten für beide Arten Küchen übernommen. Zur Beschaffung von Vorräten erhält der Verein einen Betriebs- fonds in Höhe von 150 000 M. Zur Deckung der Einrichtung und sonstigen Zuschüsse werden außer den bereits bewilligten 50 000 M. weitere 100 000 M. bewilligt. Die Stadt übernimmt für die weitere Dauer des Krieges die bisherigen Einrichtungen des Vereins und seine Vorräte und gibt am Schlüsse des Krieges bzw. beim Aufhören der Massenspeisungen die dann vorhandenen Einrichtungsgegen- stände und Vorräte gegen Erstattung des Geldwertes dem Verein zurück. An der Spitze dieses Vereins für öffentliche Massen- speisungen steht ein Vorstand, dem zwei Magistratsmitglieder, der Kämmerer Machowicz, der Dezernent der Lebensmittelver- sorgung Stadtrat Licht, von der Liberalen Fraktion die Stadtver- ordneten Brun huber, Meyer, Dr. I a c o b y und von den Sozialdemokraten Genosse K ü t e r angehören. Der laufende Betrieb der Volks- und Mittelstandskllchen geht dom 1. Juni ab auf städtische Rechnung. Eine neue Volksküche wird Monumentenstraße 35, während im„Nollendorfhof", Bülow- straße 8, und im„Nembrandt", Rembrandt-, Ecke Beckerstratze, Mittelstandsküchen eröffnet werden. Außerdem besteht eine Mittel- standsküche in der Eisenacher-, Ecke Schwäbische Straße und je eine Volksküche in der Grunewaldstraße 30 und Sedanstraße 81. In der Debatte wünschte Bester(Lib. Fraktion) in dem Ver- trage einige Aenderungen, die der Oberbürgermeister D o m i n i- c u s ersuchte, abzulehnen. Genosse Bern st ein wünschte nur eine Art von Küchen, und zwar nur Volksküchen, befürwortete aber sonst den Vertrag. Genosse K ü t e r schloß sich dem an urid betonte, daß der Stadtverordnetenversammlung mehr Rechte eingeräumt werden müßten. Wenn im Vorstand ein Stadtverordneter durch seine Kri- tik sich mißliebig gemacht hat, dann wird bei einer Nachwahl an seiner Stelle ein anderer gewählt. Das Recht, Neuwahlen vorzu- nehmen, dürfe aber nur der Stadtverordnetenversammlung zustehen. Genosse Hoffmann sprach ebenfalls für einheitliche Küchen. Hievauf wurde der Vertrag genehmigt. Sodann wurde davon Kenntnis genommen, daß die unentgelt- liche Behandlung in der Schulzahnklinik von jetzt ab auch auf die Freischüler und Freischülerinnen der höheren Lehranstalten ausge- dehnt werden soll. Den Schwestern des Krankenhauses wird mit Rücksicht auf die durch den Krieg bedingten Mehrleistungen eine Monatszulage von 10 M. gewährt. Genosse B ä u m le r verlangte, daß dieser Betrag den Schwestern zu überweisen sei und nicht dem Gräfin-Rittberg-Schwesternverein; der Magistratsvertreter ver- sprach, die Angelegenheit in dieser Weise zu erledigen. Die Kraftwagenführer der Straßcnreinigung sollen auf ihren dienstfreien Sonntag verzichten und für die drei Arbeitsstunden einen Lohnzuschlag von 100 Proz. erhalten. Genosse K ü t er ver- langte, den Betrag auf mindestens 150 Proz. zu erhöhen. Der Magistratsvorschlag gelangte darauf zur Annahme. Hierauf kam die von dem Magistrat vorgeschlagene Er- höhungder Teuerungszulage für die städtischen Arbeiter und Angestellten zur Debatte. Der Etatausschuß beantragte außer den vorgeschlagenen Sätzen, die Einkoinmensgrenze von 3600 auf 4000 M. zu erhöhen, ferner noch Personen, die ein Einkommen von -mehr als 4000 M. bis 5000 M. beziehen, eine Kinderzulage von 4 M. für jedes Kind zu gewähren. Nach der Magistratsvorlage werden nunmehr monatlich erhalten Arbeiter und Beamte mit einem Jahreseinkommen bis 3000 M.: Verheiratete ohne Kinder und Ledige mit eigenem Hausstand 12 M., mit 1 Kind 18 M., mit 2 Kindern 24 M., mit 3 Kindern 30 M., mit 4 Kindern 36 M. und für jedes weitere Kind 6 M. mehr. Ledige oder Verwitwete ohne eigenen Hausstand erhalten 6 M. Ferner bekommen monatlich: Verheiratete Arbeiter und Be- amie ohne Kinder und Ledige mit eigenem Hausstaicd, die ein Jahreseinkommen von 3001 bis 3600 M. beziehen, 6 M., mit 1 Kind 10 M., mit 2 Kindern 14 M., mit 3 Kindern 13 M., mit 4 Kindern 22 M. V»n einer Erhöhung des Lohnzuschlags für Reinmachefrauen in den Schulen wurde Abstand genommen, da in nächster Zeit eine Neuordnung stattfindet und eine Gleichstellung mit den Rathaus- frauen erfolgen soll. Nachdem Genosse Küter diese Anträge nochmals befürwortete und ersuchte, auch den Hilfsarbeitern, die fünf Jahre und darüber tätig sind, eine höhere Entlohnung zu gewähren, wurde die Vorlage errrftimDrig angenommen._■ verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Kür des Kriegswohlfahrt in Charlottenvurg. Die Unterstützungen für Kriegerfamilien in Charlottcnburg be- trugen seit Kriegsbeginn am Ende April d. I. 17 Mill. Mark, die« jcnigen für Nichlkriegsleilnehmer und deren Familien über ftz Mill. Mark, sodatz zu diesem Zeilpunkt in Charlottenburg 17ftz Mill. Mark an Kriegsunterstützungen gezablt wurden. Das ist gegen den Vormonat mehr 1 300 000 M. Der Magistrat hat beschlossen, die Gemeindeschule im Grüne- wald zur Erteilung von Unterricht an Verwundete während des Sommerhalbjahres 1916 zur Verfügung zu stellen. Eröffnung der Walderholungsstätte Königsheide. Der Vaterländische Frauenverein Neukölln Abt. II E. V. teilt mit, daß die Walderholungsstätte Königsheide bei Baumschulenweg auch in diesem Jahre trotz der bedeutenden Schwierigkeiten, die der Beschaffung der Lebensmittel usw. cntgegeustehen, wieder in Beirieb genommen wird. Als Eröffnungstag ist Freitag, der 2. Juni vor- gesehen. Die Erbolungsstätle ist wie bisher für den Aufenthalt von erwachsenen weiblichen Personen und Kindern bestimmt. Als Ver- pflegungssatz ist für Erwachsene 1 M. täglich, für Kinder 80 Pf. fest- gesetzt worden. Die Besucher der Erholungsstätte erhalten Mittag- brot und täglich lli Liter Milch. Die Erholungsstätte ist vom Bahnhof Baumschulenweg in 20 Minuten Fußweg zu erreichen. Den Besuchern steht Fahrpreisermäßigung auf der Eisenbahn nach Erteilung einer Bescheinigung der leitenden Schwester der Anstalt zu. Aufnahme kann im Bureau der Erholungsstätte Neukölln, Richardsir. 118, Dienstags und Freitags(5—6 Uhr nachmittags) oder unmittelbar in der Erholungsstätte bei der leitenden Schwester beantragt werden._ Verteilung von Einmachczucker in Neukölln. Der Bedarf an Zucker für die häusliche Obstverwertung, ins- besondere für Erdbeeren, Stachelbeeren usw., jedoch mit Ausschluß des Kernobstes, wird nach einer Anordnung des Ministeriums für Handel und Gewerbe besonders zur Verfügung gestellt werden. Diejenigen Einwohner Neuköllns, die Obst der oben erwähnten Art für ihre Haushaltungen selbst einmachen wollen, können ihren Zucker- bedarf für diese Zwecke bis Donnerstag, den 2 5. Mai d. I., bei der zuständigen Brotkommission während der Sprechstunden von nachmittags 3 bis 7 Uhr anmelden. Bei den geringen Mengen, die zur Verteilung zur Verfügung stehen, wird zweckmäßig auch auf Einmachen ohne Zucker Bedacht zu nehmen sein. Einrichtung einer Kinderkrippe in Pankow. Mit dem 1. Juni l. I. wird Breitestr. 47 eine Kinderkrippe vom Berliner Krippenverein eröffnet, zu deren Erhaltung und Ein- richtung die Gemeindeverwaltung einen erheblichen Beitrag leistet. Die Krippe soll vorläufig 50 Kindern bis zu einem Alter von 3 Jahren Aufnahme und Pflege gewähren. Mütter, die erwerbs- tätig sind, können ihre Kinder gegen geringes Wochengeld tagsüber dort unterbringen, in beschränktem Maße wird auch dauernder Auf- enthalt gewährt. Es ist zu wünschen, daß dieses Kinderheim, an besten Verwaltung sich auch einige Genosse» und Genossinnen be- teiligen, recht viel von arbeitenden Frauen in Anspruch genommen wird. Besonders die Mitglieder der UntersiützungSkommission werden auf diese gemeinnützige Einrichtung aufmerksam gemacht. Auskunft über Aufnahme erteilen unsere Genossen R. B o h n. Kaiser-Friedrich- Straße 68, R i ß m a n n, Mühlenstr. 30, und G a ß m a n n, Kreuz- straße 14._ Die 5?leischversorgung in Köpenick. Die Fleischmenge, die der hiesigen Bevölkerung auf jedem Karten- abschnitt zugeteilt wurde, beträgt 100 Gramm. ES ficht jedoch zu erwarten, daß in nächster Zeit 125 Gramm abgegeben werden Das unangenehme Ausstellen vor den Schlächterläden dürfte durch die Einteilung der vorhandenen Fleischmengcn beseitigt werden, da jedem Schlächter das nötige Ouanlum zugewiesen wurde. Die Fleischentnahme kann in der Folge in der Zeit von 7—1 Uhr vor- mittags und 4—8 Uhr nachmittags und zwar am Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend erfolgen. Auch ist den Schlächtern ein bestimmtes Quantum Fleisch für Zubereitung von Kochwurst zuge- teilt worden; Daucriourst darf daraus nicht hergestellt werden. Diese Kochwurst Ivird nach Maßgabe der vorhandenen Bestände gegen die betreffenden Kartenabschnilte abgegeben. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Martendorf. Donnerstag, den 25. Mal, nachmittags 5 Uhr, im Rat- haussitzungssaate, Kaiserstraße. Diese Sipungen sind ösfentlich. Jeder GemelndeangehSrtge ift berechtigt, ihnen als Zuhörer bcizuwohiicil. Gerichtszeitung. Kleine Leute bestohlen. Eine Massenschwindlerin und Diebin, die in 60 Fällen in raffiniertester Weise Diebstähle in Wohnungen kleiner Leute ausgeführt hat, wurde gestern in der Person der Margarete Charlotte Geier dem Schöffengericht Berlin- Mitte aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Sie hat sich der verschiedensten Methoden zur Durchführung ihrer diebischen Pläne bedient. In einigen Fällen hatte sie auf der Slraße die Bekanntschaft von Frauen gemacht und irgendeinen Vorwand gefunden, sie in deren Wohnung zu begleiten. In anderen Fällen suchte sie die Frauen in S ch w e st e r n t r a ch t auf, behauptete, daß sie dem Frauenverein angehöre und erkundigte sich nach ihren Bedürfnissen, um daraufhin eine Unterstützung für sie zu er- wirken. Dann wieder gab sie sich für die Abgesandte eines Geist- lichen ans, oder sie erschien als der rettende Engel in der Butternot und erklärte sich bereir, Butter zu besorgen. In vielen Fällen er- schien sie bei Frauen, über deren Familienverhältnisse sie gut unter- richtet war und überbrachte Grüße von Bekannten oder Verwandten aus dem Felde. Der Schlußeffckt bei allen solchen Besuchen war immer derselbe: Die Angeklagte bat die Wohnungs- inbaberin. ihr doch ein Geldstück zu wechseln; wenn dann diesem Ersuchen bereitwilligst Folge geleistet worden war und die Wohnungsinhaberin ihr Portemonnaie neben sich auf den Tisch gelegt harte, spürte die Angeklagte plötzlich großen Durst, die Wohnungsinhaberin ging in die Küche, um ein Glas Wasser zu holen, die Angeklagte aber benutzte diese Zeit, um sich des Portemonnaies zu bemächtigen und damit so schnell wie möglich zu ver- schwinden. Die Angeklagte gab sämtliche zur Anklage stehenden 60 Fälle zu. Sie wurde zu einem Jahre Gefängnis ver- urteilt und ihr ein Monat UiitcrsuchungShaft angerechnet. Entwendung von Elektrizität. Der Entwendung elektrischer Kraft war der Maschinist Johann Heinrich Dietzler in Metz beschuldigt. Das dortige Landgericht hat ihn jedoch am 23. Januar von der er- hobenen Anklage freigesprochen. Er war Vorsteher der Elektrischen Sammlerladestelle deim Postamt in Metz, wo die Akkumulatoren geladen wurden. In einem Nebcnroum war eine Anlage zum Laden der Mikrophone, die aber von der Post nicht mehr benutzt wurde». In dieser Anlage hat er mehrmals kleine Sammler, die ihm gehörten, geladen, auch einigen Bekannten ihre Akkumu» latoren für die Nachttischbeleuchtung geladen. Es handelte sich dabei immer nur um Werte von wenigen Pfennigen, im ganzen hat der Angeklagte etwa für 1,50 M. elektrische Kraft entnontmcn. Das Landgericht hat geglaubt, das Gesetz deshalb nicht anwenden zu können, weil bei der Entnahme ein Leiter nicht benutzt worden ist. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück, weil das Gesetz rechisirnümlicherweise nicht angewendet worden ist, obwohl der strafbare Tatbestand ausreichend festgestellt worden ist._ Inseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag:»orwärt« Mus aller Meli. Bauernschläue. Das Verbot der Hausschlachtungen hat eigenartige Praktiken gezeitigt, die Bestimmungen zu umgehen, indem man'künstliche N o t s ch l a ch t u n g e n herbeiführt. In Hessen— und anderswo wird es wohl ähnlich sein— ist man dahinter gekommen, daß einzelne Landwirte bei ihren schlachtreifen Schweinen vorübergehende Verdauungsbeschwerden hervorriefen. Als dann die Tiere„trauerten", lief man schnell zum Fleischbeschauer, beantragte eine Notschlachtung und hoffte, das so erhaltene Fleisch im eigenen Hausball ver- wenden oder unter der Hand absetzen zu können. Die Behörden waren in diesem Falle schlauer als die Bauern. Sie ordneten an, daß Notschlachtungen nur nach vorheriger Besichtigung des lebenden Tieres durch den Kreistierarzl vorgenommen werden dürfen und daß nach der Schlachtung dennoch einwandfrei befundenes Fleisch der in Betracht kommenden Fleischvcrleilungsstelle überliefert, nicht ladenreines Fleisch aber durch die Gemeindeverwaltungen auf der öffentlichen Freibank verkaust werden muß. Damit der Besitzer des notgeschlachteten Tieres kein Fleisch zurückbehalten kann, muß die Notschlachtung unter Aussichl des Fleischbeschauers in öffentlichen Schlachthäusern oder in den Schlachträumen eines Metzgers ge- schehen. Derartige Anordnungen sollten allgemein erlassen werden. Vorsicht beim Pilzesammeln. Die Gefahr, beim Pilzesammeln auch giftige Sorten mit auf- zulesen und sich durch den Genuß derselben in schwere Lebensgefahr zu bringen, ist trotz aller Belehrungsversuche noch groß genug. Nach Angaben, die der Gymnasialoberlehrer Dr. Dittrich-Breslau in der Deutschen Botanischen Gesellschaft machte, sind im Jahre 1915 248 Pilzvergiftungen zur Kenntnis der Behörden gekommen. 85 Fälle halten den Tod zur Folge, in 163 Fällen gesundeten die Erkrankten wieder. Die meisten Vergiftungen verursachte der Genuß des Knollenblätterschwammcs, der von den Sammlern häufig mit dem Grünreizker verwechselt wird. 247 Pilzvergiftungen waren auf den Genutz selbstgesammelter Pilze zurückzuführen, nur in einem einzigen Falle waren die giftigen Pilze auf dem Markte gekauft lvorden. Wer also nicht pilzkundig ist, sollte das Sammeln unter- lasten oder es nur unter Anleitung von geübten Pilzsuchern tun. Ohne Weib und ohne— Speck. Im Friedeberger„Oueistalboten" zeigte ein verlassener Ehe- mann an: Achtung! Mit für 17 Mark Räucherspeck davongelaufen ist meine Frau Klara Frieß. Dieselbe befindet sich als Hilfsivirtschafterin bei Lidwina Hofsmann in Birkicht. Ich warne jeden, der Person etwas zu borgen, da ich Schulden für dieselbe nicht bezahle. Hausbesitzer Hermann Frieß, Gcppersdorf, Kreis Löwenberg. Hätte die Frau doch wenigstens den Speck dagelassen. Aber nun auch noch den schmerz! O, ihr Weiber!!! Zwei Jahre Gefängnis für einen Postrüuber. Der Landbricf- träger Max Scherz in Lukau, der, wie wir seinerzeit mit- teilten, am 26. Januar als Postschaffner eine ihm.übergebene Geldsendung von 23 000 M. mit dem Behältnis sich aneignete und einen Postraub vorzutäuschen suchte, wurde von der Kottbuser Straf- kammer zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Verurteilung eineS vierfachen Mörders. Das Schwurgericht in D a n z i g verurteilte den Schmied P a s ch k o w s k i zum Tode. Paschkowski hatte Ende Oktober v. I. in Hoch st ü b I a u bei Preußisch-Stargard die Ehefrau des im Felde befindlichen Mühlen- besitzcrs Schwedowski, dessen Schwiegermutter, eine Frau B lo ckus sowie dessen 14- und 3jährigen Söhne vorsätzlich gelötet, die Wohnung ausgeraubt und dann in Brand gesteckt. Zwei Tage vor seiner Verurteilung hatte Paschkowski in seiner Gefängniszelle einen Selbstmordversuch gemacht, indem er mit verborgen gehaltenen Streichhölzern sein Bett anzündete und sich da hinauf- legte. Das Vorhaben wurde vereitelt, da der Braird sofort bemerkt worden war. Zwei Schutzleute von einem Einbrecher ermordet. In Z o p p o t bei Danzig wurden in der Nacht zum Dienstag zwei Schutzleute von einein Einbrecher ermordet. Sie wurden, nachdem sie den Einbrecher zur Wache gebracht hatten, in der Wachtstube erschossen ausgcsundcn. Der Täter ist entflohen._ Eingegangene Druckschristen. Der Neue Merkur. Monatsschrift für geistiges Leben. Heraus- geber: E. Frisch. Jährlich 15 M. G. Müller. München. Vieh- und Gctrctdemonopol in Oesterreich. Ein Vorschlag von PH. Gras v. Gudenus. 15 S. Buchhandlung I. Leon ien., Klagcnsmt. Karte der Länder und Völker Europas.„Volkstuni und Staaten- bildung". Von Pros. Dr. D. Schäser. 2 M. D. Reimer, Berlin LIV 48. Sriefkasten üer Redaktion. Dle Illrifttlche Eprechslunde stndet für Llbonnenten Llndenftr. Z, IT.®oI rechts, parterre, am Montag blS Freitag von t bis 7 Nor, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder sllr den Brietlasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Ladt als Merlzeichen beizufügen. BriefUchs Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonnemenISauUrnng beigefügt ist, werden nicht bcantworlet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde dor. Berträge, Schrisistüchc und dergleichen bringe mar in die Sprechstunde mit. Rauchverbot 3. 1. Soviel uns bekannt, ist ein solches Verbot von der Berufsgenossenschaft erlassen. 2. 45 Mark.•— R. 09. Eine Reklamation wäre zwecklos; da Sie ein Eintoinincn über SM M. tährlich haben, müssen Sie Steuein zablcn.— Ztz.$ch. 86. Für den Besitz des Eise ncn Kreuzes wird bis jetzt keine besondere Zuwendung gemacht.— F. V. 1000. Es ist nicht notwendig, daß Sie erst Miete rückständig bleiben. Verständigen Sie sich mit der Wirtin. MietSzilschuß haben Sie vom 1. Juni an zu be- anspruchen. 2. Der Zuschuß beträgt 12.50 M. Die Wirtin müßte 10— 25 Prozent herablassen. 3. Die staatliche Unterstützung beträgt 22,50 M: die kommunale ebensoviel. 4. Die Mietsuntcritützuiig kann Jlmen in diesem Falle verweigert werden. 5. Sie müssen unter Vorlegung des Unlcrsliitzungs- schcincS Antrag bei der Steuerkasse stellen.— Erna#00. Da Sie das Klageobjckt nicht angegeben haben, können wir nicht sagen, ob die Kosten richtig berechnet sind. Wahrscheinlich aber ist das der Fall.— R. M. CO. 3(. Wenn Bedürftigkeit vorliegt, erhält Ihre Frau die Unterstützung.— — P. 15. Dem Hauswirt steht das Kündigungsrccht zum 1. Oktober zu. Er kann nicht verpstichtct werden, den Vertrag mit Ihnen zu verlängern.— Rotzmann, Slckerstrastc. Es empfiehlt sich. sofort Antrag aus Auszahlung der Löhnung stir Ihren in russischer Gefangenschaft befindlichen Ehemann zu stellen. Der Antrag muß beim Ersatzbataillon desjenigen Regime- ts gestellt werden, zu dem Ihr Mann eingezogen wurde.— Kny. In zwei Jahren.— M. K. 22. La; Sie dürscn die Briese, die an Ihren Ehe- mann gerichtet sind, nicht einbebalten und öffnen.— F. R. 40. Zur Erlangung der ärztlichen Bescheinigung muß der Sohn sirfx beim Vorgesetzten beschweren, wenn der Arzt ihm die Ausstellung des Scheines verweigert.— A. Sehl. 36. Die Steuersordmmng ist nicht verjährt. Sie sind zur Zahlung verpflichtet. Unter Darlegung Ihrer Ver. hältniffe konnten Sie um Stundung beziehungsweise Ratenzahlung einkommen, sonst könnte Psändung vorgenommen werden.— X. Ja. öriefkasten üer Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer klbonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heil- statte bleiben, wollen ihrem bisherigen Spediteur wegen der Ucberweisung von Freiexemplaren sofort ihre genaue Adresse sAbteilung, Pavillon usw.) einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Zuchö ruckerei n, Verlagsanstalt Paul Singer& Co� Berlin SW.