itt.148.-88. gulp» Hbonnfments-Bedlngnnfl«: Abonnements- Preis pränumerando Wierteljährl. 8.20 Ml, monatl. I,ZO Ml. wöchenttich 80 Pfg. frei in» HauS. Einzelne Nummer S Pfg. SonnlagS» nummer mü illustrierter SormlogS. Vellage.Die Neue Wein 10 Pfg. Post- Abonnement: 130 Marl pro Monal Eingetragen in die Post. ZeirungS- Preisliste. Umer Kreuzband für Deullchlanb und Oesterreich. Ungarn £50 Marl, für das übrige Ausland i Marl pro Monal PostabonnemenlS nehmen an Belgien. Dänemarl Holland. Italien. Luxemburg. Portugal Rumänien, Schweden und die Schweis ClffttlDt IZgNch. � 5 Pfennig) Die TnfertlonS'GebQbr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel- »elle oder deren Raum 60 Pfg, für politische und gewcrlschaftliche Vereins- Vevlinev Volkslklcrkk. und PersammlungS- Anzeigen 80 Pfg. -Alelne Rnreigen", das ictlgedruclie Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und SchlafNellenaii- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weuerc Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buch- 'laben zählen für zwei Worte. Inserate "ir die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Exveditton abgegeben werden. Die Eivcdilion ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Xeiegramm-Adreff»: .Soxtaliieinokrat dtrila", Zentralorgan der rozialdemokratifchen Parte» Deutfchlands. Redaktion: SV. 68, Linüenstraße Z. Ferm'precher: Amt Moriuplatz. Nr. 181 S0— 181 S7. Dienstag, de« 30. Mai 1910. Expedition: EW. 68, Einüenstraße Z. Nernfprecher: Amt Mortttpla«, Nr. 181 S 0—181 S7. Handelspolitik und Sozialdemokratie. I. rUis wird geschrieben: Auch ohne den Krieg wäre über kurz oder lang die Frage der künftigen Gestaltung der deutschen Han- delspolitik aktuell geworden, denn mit dem 31. De- zembcr dieses Jahres sind alle auf Grund des Zolltarifs vom Jahre 1902 abgeschlossenen Handelsverträge mit einjähriger Frist kündbar geworden. Daß da alles beim Alten geblieben wäre, ist sehr unwahrscheinlich, denn Oesterreich-Ungarn war keineswegs mit seinem deutschen Handelsvertrag zufrieden, und vor allem war es Rußland, das sich benachteiligt und vergewaltigt glaubte, und in dessen einflußreichen Wirtschafts- kreisen schon längere Zeit gegen das Weiterbestehen des deutsch-russischen Handelsvertrages Sturm gelaufen wurde. Durch den Krieg nun sind die wichtigsten deutschen Handelsbeziehungen zerrissen worden, und vor allem sind seit Beginn des Krieges die Getreidezölle, der Eckpfeiler des deutschen Hochschutzzollsystems aufgehoben worden, so daß es sich bei ihnen, um die Frage ihrer Wieder- einführung drehen wird. Daß somit die ganze Wirt- schaftspolitische Frage in Fluß gekommen ist, daß jetzt über die ganze Richtung unserer künftigen Handelspolitik entschieden werden muß, das allein schon wäre Anlaß genug, daß sich die Sozialdemokratie intensiv mit ihr befaßt. Eine prinzipielle Erörterung unserer Stellung- nähme würde allein schon nahegelegt durch den wirtschaftlichen Charakter des Krieges, durch die Kundgebungen der führenden Wirtschaftskreise in den kriegsührendrn Ländern über die künf- tige Gestaltung der wirtschaftlichen Beziehungen mit den femd- lichcn Ländern. Dazu kommt die auch in unseren Kreisen über Gebühr in den. Vordergrund geschobene Frage eines engeren Zollbündnisses mit Oesterreich-Ungarn, eventuell auch mit den anderen verbündeten Ländern, weiter noch das Lieb- äugeln mit jenem wirtschaftlich-rcaktionären, dabei aber choll- kommen. utopischen Ideal des sich wirtschaftlich selbstversor- genden oder selbstgenügsamen Staats- oder größeren Wirt- schaftsgebietes. Die aus der Zwangslage des Krieges geborene Ab- schncidung unserer wichtigsten Handelsbeziehungen, die Not- läge unserer wirtschaftlichen Absperrung haben dem schütz- zöllnerischen Gedanken auch in unseren Reihen Eingang ver- schafft. Gewiß gab es schon vor dem Kriege eine Reihe von Eingängern in der Partei, die gegen die prin- zipielle Ablehnung der Zölle durch die Partei. wie sie auf dem Stuttgarter Parteitag 1898 fest- gelegt wurde, ankämpften, sei es. daß sie gegen»die unbegrenzte Billigkeitsschwärmerei" loszogen, oder die Frage des Schutzzolles mit der des Arbeiterschutzes verquickten, sei es, daß sie unter falscher Voraussetzung über die Wirkung der Zölle dem Agrarschutz oder wenigstens einer Zurückstellung unserer Schutzzollgegnerschast das Wort redeten, um in den Kleinbauernkreisen oder den Kreisen der ländlichen Arbeiter, deren Löhne man mit den Zollgewinnen ihrer landwirtschaft- lichen Arbeitgeber in Zusammenhang brachte, Anhänger für unsere Partei zu werben. Ein anderes Gesicht bekommt aber diese Frage angesichts der da und dort propagierten Neuorientierung der Partei in der Zollfrage, zumal angesichts des Umstandes, daß sie nur im Gesamtzusammenhang unserer Stellung zu den Fragen der inneren und äußeren Politik für uns gelöst werden kann. Man meint da, wunder wie marxistisch zu sein, wenn man alle die Genossen, die in der Zollfrage den früheren Standpunkt auch heute noch für den richtigen halten, mit der Bezeichnung„Freihandelshausierburschen" für erledigt dekretiert, und wenn man sich dabei noch auf irgendwelche Aussprüche von Marx und Engels berufen zu können glaubt. Wobei aber geflissentlich übersehen wird, daß jene Rede von Marx zu Brüssel(9. I. 1849) über„Die Frage des Frei- Handels", wie der Aufsatz von Engels in der„Deutschen Brüsseler Zeitung"(18. IV. 1847) über„Schutzzoll- und Frei- Handelssystem" entstanden waren angesichts des Kampfes innerhalb der englischen Bourgeoisie für und wider den Freihandel, wo Engels den deutschen Arbeitern riet, den schutzzöllnerischen Teil der Bourgeoisie zu stützen, um dieser Klasse zum Siege über die histoiisch und Wirt- schaftlich rückständigen Klassen zu verhelfen, und Marx von den englischen Arbeitern aus dem gleichen Grunde die Unterstützung der freihändlerischen Bourgeoisie erwartete, wo aber beide sich leiten ließen einzig und allein von den großen wirtschaftlichen Zukunftsintercssen der Pro- letarierklasse. Daß beide heute jede deutsche Schutzzöllnerei als reaktionäre wirtschaftspolitische Maßnahme, als„Weiß- blutung der Volksmassen zugunsten einer geringen Minder- zahl" ansehen würden, hat Mehring in seiner neuen Ausgabe jener Schriften mit Recht betont. Denn darüber braucht wirklich nicht mehr geredet zu werden, daß die h e u ti g en Zölle nichts, auch gar nichts mehr zu tun haben mit staatlichen Erziehungs- und Schutz- maßnahmen für einzelne sich entwickelnde und noch nicht konkurrenzfähige Produktionszweige. wie sie die beginnende merkantilistis ch e Handelspolitik charakterisierten und wie sie noch Friedrich List gegen die übermächtige englische Industrie zugunsten der kontinentalen, speziell der deutschen industriellen EntWickelung forderte, aber immer mit dem Ausblick auf ihre Beseitigung bezw. ihr Ueberflüssigwerden im Augenblick der Erreichung der Kon- kurrenzfähigkeit. Und zu bestreiten, daß heute die deutsche Industrie die Konkurrenz mit jeder ausländischen aufnehmen kann, wird wohl auch dem enragiertesten Schutzzöllner nicht einfallen. Selbst Delbrück, einer der überzeugtesten Anhänger von der Notwendigkeit und Vorzüglichkeit der gegenwärtigen deutschen Wirtschaftspolitik, erklärt, daß die Ausbildung der Jndustriekartelle schon wor dem Kriege die Frage habe auswerfen lassen, ob die i n d u st r i e l l e n Schutzzölle nicht über- flüssig geworden seien; und was den Agrarschutz anlangt, so weist er darauf hin. daß z. B. die Tonne Roggen 1913/14 auf 153 M. zu stehen kam, daß eS höchst unwahrscheinlich sei, daß sie nach dem Kriege von dem jetzt auf 220 M. festgesetzten Höchstpreise erheblich herabsinken würde, daß weiter aber kein Landwirt— da scheint uns allerdings Delbrück unsere Land- Wirte,: speziell die ganz großen, schlecht zu kennen I— die Wiedereinführung der Getreidezölle verlangen werde, so- lange der Roggenpreis auf 220, 200 oder auch nur 160 stehen werde.. Das sind aber alleS mehr oder minder nur GelegcnheitS- argumente, die den prinzipiellen Kern der Sache nicht be- rühren. Im übrigen sollten doch die Schutzzöllner, die sich heute so gern auf L i st s„Nationales System der politischen Oeko- nomie" berufen, nicht vergessen, daß von Fr. List auch jener bis heute noch nicht erschütterte Satz stammt:„Die innere Agrikultur durch Schutzzölle heben zu wollen, ist ein törichtes Beginnen". Und wer dafür einen Beleg. haben und wer das wahre Gesicht des AgrarschutzeS, seine tatsächlichen Wirkungen auf die landwirtschaftliche Pro- duttion, ihre Steigerung und ihre Konkurrenzfähigkeit er- kennen will, der nehme die Denkschrift Lujo Brentanos „Die deutschen Getreidezölle"(Stuttgart und Berlin 1910) zur Hand; er wird dann gründlich geheilt von der I l l u s i o n, alS ob durch Agrarzölle eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität erzielt, eme bessere Eigenversorgung herbeigeführt werden könne. Daß dieser Illusion jetzt auch in sozialistischen Kreisen Vorschub geleistet wird, ist auch ein Zeichen der Zeit. So heißt es z. B. bei K r a n o l d„Der deutsch-österreichische Wirtschaftsbund als sozialdemokratische Aufgabe": „Das in Deutschland bestehende, im Kriege zur Rot zu er« tragende Defizit in der Eigenversorgung mit landwirtschaftlichen Gütern ist. im Verein mit den Schutzmaßnahmen zu- gunsten der privatwirtschaftlichen Rentabilität der Landwirtschaft im Zollsystem und mit der PoNtik der inneren Kolonisation die beste Förderung einer allmählichen Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Eigenversorgung Deutschlands."_ Geschästsreifenüer Niljukow. Einem Mitarbeiter des„Oeuvre" gegenüber machte der Führer der liberalen Partei. M i I j u k o w, bei dem Besuch der Duma- Mitglieder in Paris folgende Seußerungen, dir das„Oeuvre" vom 22. Mai mitteilt: Unsere Truppen sind gut ausgerüstet und reichlich mit Artillerie und Munition versehen. Sie warten nur auf den Befehl, um sich für die große Offensive in Bewegung zu setzen. Das ganze russische Volk will den Krieg bis zum Ende, das heißt bis zum Sieg durchführen. Wir wollen nicht unser Gebiet erweitern. Das moskowilische Reich ist groß genug. Wir wollen einen Ausgang zum freien Meer, ohne den unsere Entwicklung für immer unmöglich ist. Wenn die Türken nicht so verblendet gewesen wären, hätten wir gewartet. Aber seit sie unter deutschem Oberbefehl stehen, haben wir keine Wahl mehr. Wirmüssen die Meerengenfrage endgültig ent- scheiden. Niemals wird der Augenblick dafür günstiger sein, denn unsere Verbündeten sind ebenso sehr an einer festen und dauer- haften Regelung interessiert. Der April 1918 wird für immer ein wichtige« Datum der russischen Geschichte bilden. Damals wurde uns in dem Weltkriege der Orient als unser Gebiet zu- gewiesen. Aehnlich wie in Pari« hat Miljukow sich auch in London geäußert. Einem Vertreter des„Manchester Guardian" sagte er: .llnserKriegSzielistderBefitzKonstantinopelS. Rußland will auch den Bosporus und die Dardanellen haben mit dem Recht, dort Befestigungen zu errichten und die Durchfahrt von Kriegsschiffen zu verbieten." Der„Labour Leader" gibt nach dem„Berl. Tageblatt" auf diese Forderungen deS liberalen Agenten des russischen Ministeriums des Aeußeren, der noch während deS Russisch-Jopanischen Krieges nach Berlin reiste, um den Plan einer russischen Anleihe zu Hintertieiben und die Regierung deS Zaren zu Konzessionen zu zwingen, die Antwort, daß das englische Volk nicht Rußland zpliebe gedenke, den Krieg ohne Ende weiter- zuführen. Im Gegenteil stimmt daS Blatt der Absicht W i l s o n s zu, alS Vermittler aufzutreten und hofft, daß Wilson sich nicht durch den Widerwillen eines Kriegführenden, der nicht Frieden schließen wolle, werde einschüchtern lassen. Wenn er im Zusammenwirken mit andern neutralen Ländern eine die Parteien zufriedenstellende demokratische Vereinbarung vorschlüge, so würden, meint das Blatt, die Völker selbst bald die Regierungen zwingen, in Friedensverhandlungen auf solcher Grundlage ein- zutreten. Dieser durchaus zutreffenden Antwort unseres englischen Bruder- organS wäre noch hinzuzufügen, daß auch daS russische Volk wegen Konstantinopels und der Meerengen sich nicht weiter an die Schlachtbank treiben lasten würde. ES ist zwar anzuerkennen, daß Miljukow jetzt, im Widerspruch zu seinen früheren Aeußerungen, Gebietserweiterungen ablehnt. Aber wenn er im Namen des „ganzen russischen Volkes" den„Krieg bis zum Ende' proklamiert und al» ein solches„Ende" die Eroberung Konstantinopels und der Meerengen hinstellt, maßt er sich Vollmachten an. die ihm das„ganze russische Volk" und namentlich die arbeitenden Klaffen nie und nimmer erteilt haben. Zum Kapitel üer Zernwirkung. Theodor Wolff schreibt im„Berliner Tageblatt": „Da eS nicht ganz bedeutungslos ist, greift die französische KriegSpreffe zu einem Mittel, daS sie seit vielen Monaten, in jeder Stimmungskrisis, zur Aufstachelung der Geister benutzt. Wie in früheren Fällen, haben bei uns gewiste Kreise und Personen, die sich durch eine glückliche politische Begabung auszeichnen, ihr auch jetzt wieder die Möglichkeit zur Anwendung dieses Mittels ver« schafft.... Der„Temps" hält dem ftanzöstschen Volke warnend eine KriegSzielresolution vor. die eben in Deutschland— eS kann hier nicht gesagt werden, von welchen Politikern— be- schlössen wurde, und widerlegt damit triumphierend die Argumente der langsam futzfaffenden Friedenspartei. Verführte Verführer, „(Im endonneurs",.Einschläferer", flöteten dem französischen Volke ein energietötendes Schlummerlied? Die Resolution zeige mit erfreulicher Deutlichkeit, was Deutschland wirklich will.„So hat man keine Entschuldigung," sagt der„Temps",„wenn man sich über Deutschlands Ziele irrt. Diejenigen, die das Ziel Deutsch- landS im gegenwärtigen Kriege nicht erkennen, bleiben ewig blind. Eroberungskrieg und Organisationskrieg, Krieg der Zerstörung und der Annexion. Anzunehmen, daß Deutschland an einen ehr- baren Frieden denke, wäre toll..." Im Anschluß hieran wendet sich Theobor Wolff gegen den nationalliberalen Abgeordneten Hirsch-Effen, von dem er an anderer Stelle sagt, er wäre immer„der geschickteste Vertreter schwerindustrteller Scharfmach er ei gewesen und spendete wohl auch bei der Überannexion i st ischen Ver- bänhedenkschrift, die für eine längere Kriegsdauer ausreicht, Hilfe und Rat", mit folgenden Worten: �-- „Der Abgeordnete Hirsch aus Effen, hat daS Wort„ge« schäftlich", das im Zusammenhang mit jener Resolution ge« braucht worden ist, übel vermerkt. ES ist selbstverständlich, daß nicht eine ganze Partei sich bei hochpolitischen Beschlüffen von Jnterestenerwägungen leiten läßt. Ob die nichtpolitischen Einzel» Personen mit dreißig und vierzig Prozent Kriegsdividende und die« jenigen Politiker, die als Vertreter solcher Gewinnerkreise gelten, sich bei allem, waS zur Verlängerung, Herbeiführung und AuS- dehnung von Kriegen dienen kann, eine gemessene Zurückhaltung auferlegen sollten, ist eine Frage, die schließlich jeder nach seinem Gefühl beantworten wird. Daß eS Reden, Programme und , sonstige Kundgebungen gibt, die den Frieden sehr weit hinaus- zögern können, weiß auch der kluge Herr Hirsch." Noch nicht! In einem„Noch nicht" betitelten Artikel schreibt Herr v. Ger- lach in der„Welt am Montag": Nichts liegt mir serner, als zu behaupten, Herr von Dethmann habe die Absicht gehabt, durch seine Aeußerungen zu dem Ameri- kaner v. Wiegand einen kalten Wasserstrahl irgendwohin zu richten. Aber es ist nun einmal so, daß es bei den Aeußerungen eines Staatsmanns wenig auf das ankommt, was er wirklich gesagt, und noch weniger auf das, was er sich bei seinen Aeußerungen gedacht hat, sondern fast ausschließlich darauf, was die anderen davon denken und darüber sagen. Und da muß denn allerdings zugegeben werden, daß Bethmanns letzte Kundgebung fast überall angesehen wird als eine Absage an Grehs Friedensprogramm.... Grey hat promptest geantwortet. Des Kanzlers retrospektiven Betrachtungen setzte er ebenso wenig furch tbvingende historische Ex- kurse entgegen. Bethmanns Ablenken auf Poincare veranlaßte ihn dazu, nun ebenfalls die französische Regierung in den Vordergrund zu schieben, womit der Frieden ganz gewiß nicht näher gebracht wird. Die Ablehnung seiner Anregung wegen der internationalen Konferenzen, die er aus Bethmanns Schweigen über diesen Kardi- nalpunkt heraushört, quittiert er mit der Feststellung, die Zeit zu FriedenSreden sei noch nicht gekommen. Der Krieg müsse zu dem noch nicht erreichten Punkt gebracht werden, wo die Aussicht auf sicheren, dauerhaften Frieden zur Wirklichkeit werden könne. Gute Tage sind angebrochen für die Chauvinisten hüben und drüben. Beruhigt kann Medizinalrat Dr. Fuchs wieder schlafen, der oben in der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" den Frieden als K a t a st r o p h e bezeichnet und den ewigen Krieg gefordert hat. Und die„K r e u z- Z e i t u n g" kann Hof- fen, daß sie mit ihrer Zukunftsperspektivc recht behält: Man wird die Geduld nicht verlieren dürfen und den Zeitpunkt abwarten müssen, bis eine der beiden Parteien offen er- klärt:„Wir können nicht mehr." Erst dann ist die Zeit für den Frieden und die Friedensbermittlung gekommen. Also wirklich Krieg bis zum Weißbluten I Muß das sein? Gewiß, durch die letzten Bechmann-Greyschen AuKeiuaul.r- setzungen sind die Friedenserörterungen vorläufig auf den toten Punkt gelangt. Trotzdem scheinen mir die ehrlich neutralen„Nieuws van den Dag" auch heute noch mit dem Artikel recht zu haben, den sie am 19. Mai schrieben, also ehe die Dinge die schlimme Wendung genommen hatten. Das holländische Blatt knüpfte damals an den. Wahlspruch an. den die Königin von Holland unier ihr Bild ge- schrieben hatte, das sie ihrem Ministerpräsidenten Cort van der Linden zu seinem 70. Geburtstag schickte.„Nunc aut nunquaml" stand darunter. Jetzt oder niemals!„Nieuws van den Dag" meinen, die Pflicht der Neutralen bestehe nicht blotz in absoluter Passivität. Beschränke sich ein neutrales Land darauf, so werde „ein stiller Groll ringsum" sich dagegen erheben: Es sei denn, daß wir rechts und links dieHand auS- strecken und versuchen, diejenigen, die sich müde gekämpft haben, zusammenzubringen. DaS wird unsererseits nur eine gute Auf- wallung kosten, einen schneidigen Versuch. unS von den materiellen Unannehmlichkeiten und Sorgen des Augenblicks loszumachen, um etwas Großes, dabei aber ganz Einfaches zu leisten, etwas, worauf die abgehetzte Menschheit wartet. Beschäftigt man sich damit im Haag mit der aufmerksamen Sorge, die diese große Sache erfordert? Ist man gut unterrichtet? Bereitet man sich vielleicht schon zum Anbieten von guten Diensten vor? Begreift man das Gewicht dieses Schrittes, auch für unser Land? Alles, was gegenwärtig im Haag sich ereignet oder nicht er- eignet, kann man nur raten. Dies steht indes auch für uns fest: Wenn Ihre Majestät die Königin, durch ihre Ratgeber informiert, beschließen sollte, die Macht ihres königlichen Wortes anzuwenden, um dies em Greuel ein Ende zu machen, unter dem die Welt seufzt— dann wirdihrdieganzeNat ionzujauchzen, und der Name, den sie sich dadurch erwürbe, wäre in der Geschichte aller Jahrhunde rte un st erblich. Natürlich würde es, vom allgemein menschlichen Standpunkt aus betrachtet, keinen Unterschied machen, ob die Vermittlung von Däne- mark, Spanien, Amerika oder von unS ausginge; vielleicht von allen Neutralen gemeinschaftlich. Sollte jedoch Holland den allerersten Schritt tun, welche ruhmvolle Rückwirkung würde dieser der Mensch- !>oit geleistete Dienst auf unser eigenes Land haben! Der Frie» denspalast steht bereit.... Wenn zwei Privatleute sich verzanken, und wäre es um der jämmerlichsten Jämerlichkeit willen, so scheitert die Versöhnung manchmal auf Jahre, manchmal ftirS Leben einfach daran, daß keiner den ersten Schritt tun will. Findet sich aber«in guter ge- meinsamer Bekannter, der auf die Gefahr hin, zunächst bei beiden wenig Entgegenkommen zu finden, sie doch wieder zusammenbringt, so sind ihm beide schließlich herzlich dankbar. Geht der Krieg so lange weiter, wie die„Kreuz-Zeitung" will, bis endlich der eine verscheidend haucht„Ich kann nicht mehr", so ist zwar nur der eine ganz verblutet. Aber auch der andere hat so entsetzlich viel Blut verloren, daß er Menschenalter bedarf, um wieder zu Kräften zu kommen. Und der Rest deS ganzen unendlichen Kulturguts der europäischen Welt geht überdies darüber zum Teufel. Immer deutlicher sieht man, nur die Neutralen können eS verhüten, daß diesem entsetzlichen Kriege wenigsten? das entsetzliche Ende erspart bleibe. Wer von ihnen kühn den ersten Schritt tut, ist Nebensache. Die Hauptsache ist, daß endlich irgendeiner sich entschließt. Am besten freilich wäre es, sie alle täten sich zusammen zu einer Kollektivnote an die Krieg- führenden. Gemeinsame Anfrage aller Neutralen an alle Kriegführenden, ob sie bereit seien, sich auf Friedensverhandlungen init dem Ziel einer internationalen Sicherung eines dauerhaften Friedens einzulassen. In solchem Schritt der Neutralen kann ich nicht einmal ein Risiko für die Neutralen erblicken. Denn welcher kriegführende Staat möchte wohl vor Geschichte und Menschheit die Verantwor- tung übernehmen, daß an seinem Widerspruch die Beendigung des Bölkermordens gescheitert sei? Der französische Tagesbericht. Paris, 29. Mai.(W.T.B.) Amtlicher Bericht vom Sonntag nachmittag. In den Argonncn haben wir an der Höhe 286(Haute Chevauchee) den Südrand von drei durch die Sprengung deutscher Minen entstandenen Trichtern besetzt. Auf dem linken MaaSfer ziemlich lebhaftes Geschützfeuer auS der Gegend öst- Üch vom„Toten Mann*. Auf dem rechten M»«»ufer und in der Woevreebenc Artilleriekampf mit Unterbrechungen. Im Elsaß wurden zwei Angriffsversuche nordwestlich von Wattweiler und nordwestlich von Allkirch durch Feuer aufgehalten, welche» den Feind verhinderte vorzubrechen. An der übrigen Front daS gewohnte Geschützfeuer. Paris, 29. Mai.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von Sonntag abend. In der Champagne brachte das Feuer unserer Artillerie ein feindliches Munitionslager in der Gegend von Ville- inr-Tonrbe zur Explosion. Heftige Beschießung der ganzen Gegend des Toten Mannes aui dem linken User der Maas sowie des Ab- sbnittes westlich des Thiaumont-GehöfteS auf dem rechten Ufer. Im Laufe des Tages keine Jnfanterietätigkeit. Auf der übrigen Front zeitweilig aussetzende Artillerietätigleit. Belgischer Bericht: Artilleriekampf ohne große Heftigkeit an verschiedenen Punkten der Front. Die englische Nelüung. London, 28. Mai.(W. T. B.) Heeresbericht. Gestern nacht überfiel nach kurzer heftiger Beschießung der Feind unsere vtaufgräbcn östlich von Calonne. Sein Versuch mißglückte. Kein einziger Feind drang in die Laufgräben ein. Eine feindliche Patrouille wurde bei Hebuierne in die Flucht geschlagen, ein Feind ivurde getötet. Am frühen Morgen wurde da« Gebiet südwestlich von Zillebeke vom Feinde schwer mit Granaten beschossen. Auch die VcrbindungSlaufgräben wurden unter Feuer genommen. Südöstlich von Neuville— Sl. Vaaft, südlich von Loos und östlich von Souchez ließ der Feind Minen springen. UnsereLausgräben wurden einigermaßen beschädigt; wir hatten aber keine Verluste. Die Artillerietätigkeit bei Mametz. Hohenzollern und St. Elvis war stärker als ge- wohnlich. Wir beschossen die Laufgräben westlich von BeaurarnS gegenüber HannckcampS mit sehr großem Erfolg. Feindliche Lauf- grabenmörser waren in der Gegend von Anthuille, Serre und an den Steinbrüchen tätig. Unsere Aeroplane verrichteten viel nützliche Arbeit. Die feindlichen Aeroplane waren untätig. Der russische Kriegsbericht. Petersburg, 29. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 28. Mai. Westfront: In der Nacht zum 27. Mai griffen die Deutschen nach heftiger Artillerievorbereitung südlich des DryS- wjaly-Sees unsere Gräben an. Durch konzentrisches Feuer unserer Artillerie und Infanterie zwangen wir die Deutschen, sich zurück- zuziehen und in ihren Gräben zu verbergen. Auf der ganzen übrigen Front Gewehrfeuer. Feindliche Flugzeuge überflogen zahl» reiche Abschnitte der Front; eine« derselben wurde durch unser Feuer getroffen und mußte hinter der Stadt Jlluxt niedergehen.— Schwarzes Meer: Unser H-Boot versenkle an der anaiolischen Küste im Feuer der Küstenbatterien und eines feindlichen Wasier« siugzeuges eine große türkische Brigg.— Kaukasusfront: Auf der Front RewanduS— Dergnla(29 Kilometer südöstlich RewanduS, Richtung Mosul) wiesen wir einen Angriff stärkerer türkischer Kräfte ab. Wllg m GlMil SlWkMklM. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 29. Mai 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Monitore, die sich der Küste näherten, wurden durch Artillcriefener vertrieben. Dcu Flugplatz bei FnrneS bewarfen deutsche Flieger erfolgreich mit Bomben. Auf beide« Ufern der MaaS dauert der Artilleriekampf mit unverminderter Heftigkeit an. Zwei schwächliche fran- zSsische Angriffe gegen daS Torf CnmiörcS wurde« mühe- los abgewiesen. Oestlicher und Balkau-Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. «* * MMmIMe HemMMberW. Wien, 29. Mai.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Stärkere russische Kräfte versuchten in den letzten Tagen, sich durch Laufgräben und Sappen an unsere beharabifche Front heranzuarbeiten» daS Feuer unserer Geschütze und Minenwerfer vereitelte die Arbeiten des Feinde«. Sonst nichts von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. Im befestigten Räume von Asiago überschritten unsere Truppen bei Roana daS Assatal, warfen de» Feind bei Eanova zurück und breiteten sich auf den südlichen und ipliche« Talhängen aus. Andere Kräfte nahmen nach Uebcrwindung der Besestignngen auf dem Monte Jntrrrott» die Höhen nördlich von Astago in Besitz. Weiter im Norde» find der Monte Zedi», Monte Zingarella und Corno dt Campo Biameo in unseren Händen. Im oberen Posina-Tal wurden die Italiener nach hartnäckigem Kampfe anS ihren Stellungen westlich un» südlich Bettale vertrieben. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Ruhe. Der Stellvertreter de» Chef» de» Generalstabe». ». H o e f e r, Fcldmarschallcutnant. Nelöung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 28. Mal.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Im Lagarlnatal erhöhte der Gegner feine Truppenstärken und erlitt vor unseren Stellungen um so stärkere Verluste, ohne jedoch den kräftigen Widerstand unserer tapferen Truppen erschüttern zu können. Am 2S. Mai abend» haben wir einen heftigen Angriff auf unsere Linien südlich vom Eameraflusie abgewiesen. In der Nacht zum 27. und am folgenden Vormittag wurden drei andere Angriffe in der Rich« tung des Col Buole gleichfalls abgewiesen. An der übrigen Front, abgesehen vom Astach-Tal, hauptsächlich Geschützkampf; unsere Batterien haben an mehreren Punkten feindliche Truppen- ansammlungen und marschierende Kolonnen zerstreut. Zwei Angriffe auf unsere Stellungen am Posina» Bach in der Gegend von Astaga wurden abgewiesen. Am 27. Mai dauerte der starke Druck des Feindes im oberen Asta-Tal und im Galmarar-Tal an. Im Sugana-Tal wurde ein kleiner Angriff de» Feinde» im Umkreis von Striegen abgewiesen. Die Anzahl der Gefangenen, welche dem Feinde in dem Gefecht am 26. Mai östlich vom Maso-Bache durch unsere Alpini abgenommen worden sind, beläuft fich auf 167. Da» 8. und da» 101. ungarische Bataillon, welche einen Angriff machten, wurden vollständig geschlagen und ließen auf dem Gesechtsfelde über 609 Gewehre und einen ganzen Zug Maschinengewehre zurück, welche wir sofort gegen den Feind wandten. In der Gegend am Monte San Michele zerstörte eine unserer Minen einen breiten Abschnitt der feindlichen Gräben östlich von Peteano; die fliehenden Verteidiger fielen unter dem Ver- folgungSseuer unserer Artillerie und Infanterie. C a d o r n a. Hericht öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 28. Mai.(W. T. B.) DaS Haupt- quartier teilt mit: An der I k a f r o n t keine Veränderung. An der K a u k a s u s f r o n t auf dem rechten Flügel Gefechte zwischen Erkundungsabteilungen; ein überraschender Angriff einer feindlichen Kompagnie auf unsere vorgeschobenen Posten scheiterte und wir inachten einige Gefangene. Im Zentrum Ruhe. Auf dem linken Flügel vertrieben wir durch einen Gegenangriff den Feind, welcher einen Teil unserer Vorposten- stellungen besetzt hatte, und erbeuteten eine Anzahl Gewehre und Pionierwcrkzcuge. Ein die Halbinsel G a I l i p o l i über- fliegendes feindliches Flugzeug floh in der Richtung auf Im- bros, sobald einer unserer Flieger erschien. Ein in der Um- gebung von Keusten und Ada erschienenes Torpedoboot wurde durch Feuer vertrieben. Zwei feindliche Monitore und einige Torpedoboote beschossen darauf unsere in der Umgegend auf- gestellte Artillerie ohne Wirkung; als ein Monitor durch unser Gegenfeuer getroffen wurde, stellten alle feindlichen Schiffe das Feuer ein und entfernten sich. Sonst nichts von Bedeutung. vom U-Dootskrieg. Haag, 28. Mai.(W. T. B.) Eines von zwei Leichterschiffen. die von dem Schleppdampfer„Lauwerzee* von Rotterdam nach London gebracht wurde» und am 26. Mai Nieuwcn Waterweg ver« ließen, ist in der Nordsee von einem Ü-Booi torpediert worden und gesunken. Mit dem anderen Leichter kam der „Lauwerzee* wohlbehalten in London an. Menschenleben find nicht verloren gegangen. Mißglückter U-Sootangriff auf deutsche Erzöampfer. Kopenhagen, 29. Mai.(W. T. B.)„BerlingSke Titende* meldet aus Stockholm: Bei Oxeloesund wurde vorgestern abend vom Meere her heftiges Geschützfeuer gehört, das eine Viertelstunde andauerte. Es rührte von dem Angriff eines feindlichen Unterseebootes auf vier deutsche Erzdampfer her, die von drei deutschen bewaffnetenVorpostens ch iffen begleitet waren. Der Angriff mißglückte, das Unterseeboot stellte plötzlich sein Feuer ein. Die sieben beut- schen Schiffe passierten gestern vormittag Ocland. Es ist un- bekannt, aus welchem Grunde das Unterseeboot das Gefecht unvermittelt abbrach. verdächtiges Schiff eingebracht. Emden, 29. Mai.e laden mich nickt ein, um den Kaffee mit Ihnen einzunehmen? Wenn Sie darauf rechnen, mir einen Prozeß der Disziplinlosigkeit zu machen, so werde ich keine Mühe haben, zu beweisen, daß von uns beiden der Indisziplinierte Sie sind. Ich habe in Kienthal gegen diejenigen gekämpft, die eine dritte Internationale gründete wollt-n. Ich bin der zweiten treu ge- blieben, die— von französischer Seite— durck JaursS, Jules Guesde, Vaillant und... LouiS Dubreuilh geschaffen worden ist. Sie dagegen, Sie haben mit ihr gebrochen. Mit dem Krieg kennen Sie Poincarö; Sie kennen nicht mehr die zweite Jnter- nationale, wsder ihr Bureau, nock ihren Sekretär. Ich kenne sie noch und das tötet Sie... Wenn ick nach Kienthal gegangen bin. daS ist Ihr Fehler: eS geschah, weil Sie sich der Bereinigung des Internationalen Sozia- listischen Bureaus widersetzt haben... Beabsichtigen Sie außerdem, uns, Raffin-DugenS, Blanc und mir, und allen denen, die im Herzen mit unS sind, einen Delikt der Doktrin vorzuwerfen? Wenn eS so sein sollte, würden wir im voraus antworten, daß wir, wenignenS nach Maßgabe unserer Kräfte, versuchen werden, keinen Kollektivismus für die Toten zu machen. Ich werde jedoch vor meinen Richtern erscheinen, ohne Furcht— weil ohne Borwurf. E>n letzte? Wort. Ich habe in allen bürgerlichen Zeitungen Ihr kleines D-Saveu gelesen.913 zur S t e u e r f r a g e maßgebend sein muß. Da» gilt auch sür diejenigen Parteigenoffen, welche Einzelheiten diese» BcschluffeS bekämpft haben und auch heute noch nicht billigen können. Nach diesem Beschluß ist für die Bewilligung von Steuern nicht allein matzgebend die Art der Steuern, sondern auch ihr Ver- wendungSzweck, und auch jede direkte Steuer abzu- lehnen, falls der Verwendungszweck den Jntereffen der Arbeiterklaffe widerspricht, es sei denn, daß die Ablehnung eine für die Arbeiter- klaffe ungünstige Besteuerung zur Folge haben würde. Tie Versammlung erklärt gemäß unserem Parteiprogramm und diesem Jenaer ParleitagSbeschluß. daß jede Besteuerung von Massen« konsumartikeln, also auch deS Tabaks, und jede Besteuerung des Massenverkehrs, also auch der Po st porti, Quittungen, Fra chturkunden und deS Warenumsatzes abzulehnen ist. Die Versammlung verlangt, daß die gesamten Kosten deS gerade der Arbeilcrklaffe ungeheuere Opfer au Gut und Blut abfordernden Weltkrieges, soweit diese Kosten durch Steuern aufznbringen sind, allein der besitzenden Klasse... aufzuerlegen find. Die Versammlung erwartet, daß die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten nach wie vor unablässig auf Erfüllung dieser Verpflichtung de» Bürger- tumS dringen werden. Da aber der Verwendungszweck aklrr dieser von der Regierung geforderten und von den bürgerlichen Parteien gebilligten Steuern, auch der direkten... und da in der gegenwärtigen politischen Situation die Ablehnung der diretten Steuern durch die soziakdemotratischeu Abgeordnete» eine für die Arbeiterklasse un-. günstige Besteuerung nicht zur Folge haben würde, so fordert die Versammlung, daß die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten nicht nur die übrigen Steuern, sondern auch die direkten Steuer» der Regierung verweigern und im Reichstag ablehne»." Gegen die Freizügigkeit. Die Konservativen sind alte Feinde der Freizügigkeit, und au» den Organisationen, die ihnen nahe stehen, kommt von Zeit zu Zeit immer wieder der dringende Ruf nach einer Vernichtung od« doch wenigstens Beschränkung der Freizügigkeit. Der Deutsch-evangelische Bund, eine ganz im Fahrwasser der Konservativen segelnde Ber- einigung hielt dieser Tage seine 19. Generalversammlung ab. bei welcher Gelegenheit ein Fräulein Dr. v. Rund sie dt über die wirtschaftlich-soziale Hebung des Volkslebens auf dem Lande sprach. Als unentbehrliche Grundlage für die Festwurzelung des Volksleben» auf dem Lande und«einziges wirksames Mittel gegen die Land- flucht" bezeichnete die Rednerin die Beschränkung der Freizügigkeit. Sie wieS u. a. darauf hin, daß im Jahre 1913 33 999 Mädchen vom Lande in die Stadt zogen, 1914 49 999 und 1915 39 999, 59 Proz. aller Stadtdienstmädchen seien vom Lande und eine entsprechend hohe Zahl verfalle der Prostitution; sie glaubt deshalb, daß die Landbewohner einem gewissen Zwang von oben, namentlich jetzt während des Krieges, wohl zugängig seien, zumal wenn man ihnen klar mache, daß Landflucht Fahnenflucht bedeute. Gegen diesen Zwangsvorschlag deS Fräulein v. Rundstedt erhoben sich auch innerhalb der Generalversammlung schon einige Bedenken. Man muß aber solchen Gedankengängen mit um so größerer Eni« schiedenheit entgegentreten, je mehr die wahren Ursachen der Land« flucht dabei umerdrückt werden. Die schleckten sozialen Verhältnisse treiben die Arbeiter vom Lande in die Städte. Der Königsberger Arzt Dr. R o s e n b e r g hat kürzlich erst darauf hingewiesen, daß die armenrechtliche Stellung der ländlichen Arbeiter völlig un- gesichert ist und daß in bezug auf Kranken- und Geburtshilfe alle» zu wünschen übrig bleibe. Die Besitzer, die zu ihren Ar- heitern und Dienstboten in gar keinem persönlichen Verhältnisse mehr ständen, entzögen sich vielfach ihren Verpflichtungen und überließen die in Not geratenen Leute ihrem Schicksal. Dazu kommt neben den schlechien Lohn- und Arbeitsverhältnissen die oftmals ge« radezu rücksichtslose Behandlung der Landarbeiter, gegen die sie nicht hinreichend geschützt werden. Wenn man der Landflucht steuem will, muß mit diesen Mißständen aufgeräumt werden. Erlaubm'skartcn zum Betrete« der Strafte. In Leipzig ist es den Jugendlichen verboten, abends nach 9 Uhr die Straße zu betreten. Das Polizeiamt in Leipzig hat nun am 27. Mai eine neue Verordnung erlassen, die gewisse Ausnahmen von dieser Regel gestattet. Es wird darin bestimmt: «Den jugendlichen Mitgliedern solcher Vereine und Anstalten, deren Zweck in körperlicher und geistiger Förderung der Jugend besteht, kann von der Polizeibehörde auch abends nach 9 Uhr die ungesäumte Zuriicklegung des WegeS unmittelbar zwischen Woh« nung und Vereinsstelle genehmigt werden." Gesuche sind von den Vorständen für die Gesamtheit der jugendlichen Mitglieder, deren Namensnennung nicht erforderlich ist, beim Polizeiamt einzureichen. Mit der Genehmigung erhalten die Vorstände die Befugnis, Ausnahmekarten auszustellen. Die Verwendung von Putzlappe«. Zum Beseitigen von Zweifeln wegen der Anordnungen der Bekanntmachung betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von Lumpen und neuen Stoffabfällen aller Art vom 16. Mai 1916 wird amtlich darauf hingewiesen, daß das Putzen mit Putz- läppen und ihr Waschen oder ihr>onstiges Remigen nicht al» V e r st o ß gegen die Beschlagnahmebestimmungen anzusehen und demgemäß erlaubt ist. Ebenso ist gegen den Weiterverkauf von Putzlappen an solche Abnehmer, die die erhaltenen Lappen ledig- lich zu Putzzwecken gebrauchen, also nicht verarbeiten, nichts ein- zuwenden.— Putzlappen, die gewaschen, gerollt, gebügelt oder in anderer Weise wieder als Putzlappen gebrauchsfertig gemacht sind, fallen unter Klasse 196 der Preistafel 3 der Bekanntmachung IV 4 959/4. 1» KRA betreffend Höchstpreise sür Lumpen und neue Stoffabfälle aller Art. Die für die übrigen Putzlappen festgesetzten Höchstpreise sinden somit auf die vovbezeichneten Putzleippen keine Anwendung._ Berichtigung. Im letzten Absatz de» Artikel»«veitrag»» sperre und Agitationspflicht" ist durch ein versehe» eine Zeile fortgeblieben. Es muß heißen: In freier Rede und Gegenrede müssen die Meinungen geklärt und auf dem Parteitage, der Gesamtvertretung der Partei, zum endgültigen AuStrag gebracht werden. Letzte Nackrichten. Wiedcrzusammentritt der Duma. Petersburg, 23. Mai.(W. T. B.) Duma und Reichsrat haben ihre Sitzungen wieder aufgenommen. Die Reaktiv» in Rußland. Kopenhagen, 29. Mai.(W. T. B.)„RuÄffja Wjedomosti" bringen die aufsehenerregende Nachricht, daß neben den bereits angekündigten reaktionären Maßnahmen des Mimsterpräsi- denken Stürmer auch dieAuflösungallerArbeiter- Vertretungen in den Kriegsindustriellen« komitees bevorsteht. Die Regierung bereitet eine besondere Veröffentlichung vor, in der dargetan werden soll, daß die Arbeitervertreter, die nachweislich antimilitaristischen Gruppen angehören, ihre Wahl in die Kriegsind ustrieklenkomitees dazu benutzt haben, eine sozialrevolutionäre Propaganda zu ent- falten. Diese habe die Auflösung der Arbeitervertretungen notwendig gemacht. Franzosen für ruffische Munitio»sfabriken. Hamburg, 29. Mai.(W. T. B.) Dem„Hamburger Fremden» blatt" wird unterm 29. Mai aus New Kork gemeldet: Die fran- zösische Heeresleitung hat allen Regiment sSommandeuren und Kommandeuren von selbständigen Truppenteilen znr Angab« der Zahl der in ihren Truppenteilen befindlichen Ingenieure, Techniker und ausgebildeten Metallarbeiter ersucht. Diese Leute sollen durch andere ersetzt werden. Sie wer- den zum größten Teil nach Rußland geschickt, um in der Leitung und im Betrieb von Fabriken Verwendung zn finden, die für die russische Heeresleitung arbeften. Diese Maß- regel hat ihre Ursache in einem vor längerer Zeit zwischen Ruß- land und Frankreich getroffenen Mkommen, laut welchem franzö- fische technisch geschulte Arbeiter durch russische Truppen auSge- tauscht werden sollen. Diesem Abkommen liegt die Absicht zu- gründe, Rußland von der Kriegslieferung Japans unabhängig zu machen, da man in Rußland und Frankreich die schwersten Be- denken gegen die Ausdehnung der japanischen Wastenmdustrie hoch Gewerkschaftliches. Serlin und Umgegend. N«s dem Kriegsausschnft für die Metallbetriebe Grofz-Berlins. Der Schraubenschneider Sch. sollte bei der Firma Schw. in W. die bisher von ihm mehrere Jahre geleistete Arbeit nicht mehr machen, sondern in der Kesselschmiede beschäftigt werden. Sch. der» suchte das, erklärte sich aber bald außerstande, in der Kessel- schmiede zu arbeiten und wünschte andere Arbeit. Die Firma lehnte dies ab. Die Verhandlungen im Kriegsausschuß führten dahin, daß das Verlangen des Schraubenschneiders als berechtigt erklärt wurde, und ist der Firma aufgegeben, dem Schraubenschneider andere Arbeit zu geben oder den Kriegsschein. Der Former K. bei der Firma Sch. hat Differenzen mit seinem Meister gehabt, die dahin führten, daß der Meister den Former nicht weiter beschästigen wollte. Nachträglich sollte das rückgängig gemacht werden, doch ist bei den Verhandlungen festgestellt, daß der Former tatsächlich entlassen war, und ist somit die Firma verpflichtet, den Kriegsschein auszustellen. Der Einrichter Sch. bei der Firma W. war vom Militär abkommandiert und der Firma W. zur Arbeit überwiesen. Die Firma gab dem Einrichter nicht den Lohn, wie ihn andere Einrichter verabredungsgemäß als Einstellungslohn bei dieser Firma erhalten. Hiergegen wehrte sich der Einrichter, und— wie im Krigsausschuß festgestellt wurde— mit Recht. Es kam zu einer Verständigung dahingehend, daß die Firma sich der- pflichtete, daß dem Einrichter gegenüber das Unrecht gutgemacht wird, und setzt unter diesen Umständen der Einsetzer S. die Arbeit fort.— Elf Gußputzer bei der Firma H. wollen mehr verdient haben. ES soll festgestellt werden, ob der Verdienst der Putzer bei der Firma H. geringer ist als der Verdienst der Putzer bei anderen Firmen. Zu dem Zweck wird die Sache ausgesetzt und soll nach Vornahme der Feststellungen im Betriebe nochmals verhandelt werden, eventuell unter Hinzuziehung von Vertretern der Organi- sationen. Bei der Firma K. u. Th. sollte der Hilfsarbeiter K. als Maschinen former angelernt werden. Der Mann war auch sehr anstellig, aber da er früher einen schweren Unfall erlitten hatte, fiel ihm das Eisentragen schwer. Das Verlangen des Arbeiters K den Betrieb zu verlassen und einen Kriegsichern zu erhalten, wird als berechtigt erklärt und der Firma aufgegeben, den Kriegsschein auszustellen. Bei der Firma S. ist der Mechaniker F. beschäftigt und will aufhören, weil er bei einer Arbeit nicht auf seinen Lohn gekommen ist. Da der Mechaniker dieselbe Arbeit schon mehr« fach gemacht und dabei zeitgemäß verdient hat. kann der Minder- verdienst bei der letzten Arbeit nicht durch einen zu niedrigen Akkord- preis begründet werden. Es liegt hier wahrscheinlich nur Schuld des Mechanikers selbst vor, wenn er beim letzten Mal nicht ent- sprechend verdient hat. Da die Auseinandersetzungen im Kriegs- ausschuß kein anderes Resultat ergeben, wird die Erteilung eines Kriegsschsiues abgelehnt.— Der Dreher Sch. bei der Firma G. will aufhören, weil er in- folge eines chronischen Halsleidens den Straub beim Drehen von Gußstücken nicht vertragen kann. Ein vom Dreher Sch. vorgelegtes Attest bestätigt seine Angaben. Infolgedessen bekommt der Dreher den Kriegsschein.— Der Einrichter K. bei der Firma St. hatte Entlassung und Kriegsschein erhalten, aber auf dem Kriegs schein war eine unzulässige Bemerkung. Der Kriegsausschuß gibt der Firma auf, dem Einrichter einen neuen, einwandfreien Kriegsschein auszustellen.— Der Schlosser M. bei der Firma S. will aufhören und den Kriegsschein haben, weil ihm angeblich die Arbeit zu schwer ist. M. behauptet, leidend zu sein. Es wird ihm aufgegeben, durch ärztliches Attest den Nachweis zu erbringen, dann soll er den Kriegs- schein haben.— Der Schlosser I. in der Kunstschmiede-Werkstatt Charlottenburg will aufhören, weil er sich mit dem Meister nichtver- stehen kann. Durch Aussprache wird eine Verständigung er- zielt, wodurch sich die Entscheidung über den Kriegsschein unnötig macht.— Der Dreher W. bei der Firma H. will aufhören, weil an seiner Arbeit auch etwas F e i l a r b e i t ist, und W. behauptet, das wäre keine Dreherarbeit. Da alle anderen Dreher die- selbe Arbeit unter den gleichen Umständen machen, liegt kein Grund vor, dem Dreher W. den Kriegsschein zu erteilen. Teuerungszulage« für die EisenkonstruktionSarbeiter. Die Arbeiter der Eisenkonstruktionsbetriebe hatten an ihre Arbeitgeber die Forderung gestellt, eine Teuerungszulage von 20 Pf. für Verheiratete und 15 Ps. für Ledige zu bewilligen. Am Sonntag fand nunmehr eine Versammlung statt, in der von Siering Bericht über die Verbandlungen mit den Unternehmern erstattet wurde. Diese hatten in erster Linie die Angaben im.Vorwärts''- Bericht vom 6. Mai bemängelt und erklärt, daß sie nach ihrer Fest- stellung den Arbeitern wesentlich höhere Löhne zahlen und daß deshalb eigentlich die Forderung gegenstandslos sei. Trotzdem machten sie dann den Vorschlag, für Verheiratet 5 Pf. und für Ledige 3 Pf. pro Srunde Zulage zu gewähren. Dieses Angebot wurde von der Kommission abgelehnt und� den Unter- nehmern erklärt, daß man auf keinen Fall eine Verständigung für möglich halte, wenn nicht den Verheirateten mindestens 10 Pf. und den Ledigen 7 Pf. gewährt werden. Die Unternehmer haben dann in einer besonderen Versamm- lung dazu Stellung genommen und sich bereit gefunden, ihre ur- sprüngliche Zusage noch etwas zu erhöben, und zwar für Hau?- Haltungsvorstände 8 Pf. und für Unverheiratete 5 Pf. pro Stunde. Dieser Teuerungszuschlag wird als besondere Zulage für alle in der Werkstatt geleisteten Arbeitsstunden wöchentlich gezahlt. In der sehr eingehenden Diskussion, die nahezu drei Stunden währte, wurde das Zugeständnis allgemein als zu gering bezeichnet. und es fand dann auch eine Resolution Annahme, in der die Ar- beiter dies zum Ausdruck bringen und gleichzeitig die Erwartung aussprechen, daß die Arbeitgeber bei künftigen Forderungen größeres Entgegenkommen zeigen werden. Gegen eine starke Minorität ge- langten schließlich die Zugeständnisse der Unternehmer doch noch zur Annahme._ Die Berliner Holzarbeiter nahmen in einer Delegiertender- sammlung den Bericht vom 1. Quartal d. I. entgegen. Glocke wies auf die starke Wirkung des Kvieges auf die Wirtschaftsverhält- uisse der Arbeiter, insbesondeer der Holzarbeiter, hin, die noch der- schärft worden sei durch das gewissenlose Treiben von Spekulanten und Wucherern. Dies führte dazu, daß auf die Verbesserung der Lebenslage der Mitglieder hingewirkt werden mußte. Die abnormen Verhältnisse rechtfertigten ein solches Bestreben. In den verschie- denen Branchen sind Teuerungszulagen erzielt worden, wo es noch nicht geschehen ist, wird wohl demnächst ebenfalls eine Aufbesserung erfolgen. Es haben im letzten Quartal 2 Generalversammlungen, Z2 Vertrauensmännerversammlungen und 53 Mitglieder- und Branchenversammlungen, außerdem 9 Verwaltungssitzungen(darunter 2 engere Vertvaltungssitzungen) stattgefunden. Den Kassen- bericht erstattete Miele, der u. a. darauf hinwies, daß in diesem vergangenen Quartal eine kleine Zunahme von Beiträgen zu der- zeichnen war, was seit Beginn des Krieges nicht vorgekommen ist. Auch die Mitgliederaufnahme hat sich vermehrt. Die Hauptkasse bilanziert mit 116 909,40 M. Bilanz der Lokalkasse: Einnahme 89 775 93 M. Ausgabe 53 687,36 M., Mehreinnahme 16 088,57 M., iKizu' Bestand 243 461,12 M. Bestand am 31. März 1916 259 549 69 M. Eimvendüngen gegen die Geschäfts- und Kassenberichte wurden nicht erhoben. Hierauf nahm die Versammlung noch die Berichte von den beiden Arbeitsnachweisen entgegen, sowie den Bericht von der Bibliothek. 1915 Bände wurden gelesen. vevtfthes Reich. Gewerkschafte«««d Parteistreit. Das Gewerkschaftskartell für Riesa und Umgegend beschäftigte sich in seiner Versammlung vom 24. Mai 1916 in der Hauptsache mit der Stellungnahme der Generalkommission und des„Corre- spondenzblattes" der Generalkommission. Folgende Resolution wurde nach längerer, eingehender und sachlicher Diskussion ein- stimmig angonommen und beschlossen, diese der Generalkommission zuzustellen: Die am 24. Mai 1916 tagende Vevsammlung des Gewerb schaftskartells für Riesa und Umgegend mißbilligt die Ein- Mischung der Gewerkschaftsleitungen in die Politik der sozial- demokratischen Partei. Insbesondere verurteilt sie die gehässige Stellungnahme des„Correspondenzblattes" gegen eine bestimmte Richtung innerhalb der Partei und sieht darin eine Gefahr inso- fern, daß der Streit in die gewerkschaftlichen Organisationen ge- tragen tmrd, was zur schwersten Schädigung derselben führen muß. Die Versammlung ist der Meinung, daß der gewerkschast. liche Kampf gegen die niederdrückenden Tendenzen wieder auf- zunehmen ist._ Ausland. Tie amerikanische Eiseuhölle. Unter dem an die zwei Millionen Köpfe zählenden Arbeiter- Heer der Riesenwerke des amerikanischen Stahltrusts besteht seit geraumer Zeit schon eine immer weiter um sich greifende Gärung, die auch bereits in lokalen Streiks ihren Ausdruck gefunden hat. Die Arbeiter wollen die günstige Zeit der beispiellosen Kriegs- konjunktur, die den Trustherren ungeheure Gewinne in den Schoß wirft, auch ihrerseits zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und Lohnverhältnisse ausnutzen. Und daß dieses Verlangen nicht unberechtigt ist, darüber belehrt überzeugend der Bericht, den die „Kommission der Jndustrieverhältnisse Amerikas" über den in den Stahlwerken in Joungstown kürzlich ausgebrochenen Ausstand erstattet hat. Die Werke des Trusts in den Staaten Pennsyl- vanien, Illinois, Indiana, New Jork, Maryland, Alabama, Colo- vado und Ohio werden in genanntem Bericht bezeichnenderweise stets als„Höhlen der Hölle" anfgeführt. „Die Arbeitszeit in den Betrieben des Stahltrusts"— so heißt es in dem Bericht—„beträgt zwölf Stunden, auch heute noch, nachdem der Aufsichtsrat des Trusts offiziell den Zwölf- stundentag abgeschafft hat. An den Hochöfen arbeiten 80 Proz. der Arbeiter regelmäßig sieben Tage in der Woche. Das ge- samte Gebiet der Eisenindustrie vom Norden bis zum Süden, vom Osten bis zum Westen der Union ist für einen Streik nur allzu reif, und die Lohnerhöhung von 10 Proz., die in Aussicht eestellt wurde, ist schwerlich dazu angetan, die Lage zu vcr- essern. Joungstown ist einfach, wenn man den Zusammen- hang der Dinge betrachtet, der erste Aufbruch des Vulkans, der viele und gefährliche Krater aufweist. Zweifellos wird sich der Streik immer weiter ausdehnen, wenn man nicht zumindest den Arbeitern eine zwanzigprozentige Lohnerhöhung nicht nur in Ausficht stellt, sondern verbürgt, und ihnen weiter den acht- stündigen statt des zwölfstündigen Arbeitstages gewährt. Vor allem aber wird man mit dem System der industriellen Zwangs- Herrschaft endlich brechen müssen, das der Trust wie die söge- nannten„Unabhängigen" eingeführt haben, um jede Koalitions- bildung der Arbeiter von vornherein zu unterdrücken." Der amerikanischen Regierung, die sich für die Wahrung der Menschlichkeit und der Menschenrechte so heftig ins Zeug legt, scheint nach diesem Bericht ein reiches Betätigungsfeld für ihre humanen Bestrebungen offenzustehen. Daß den Millionen der Arbeitsftlaven in den Vereinigten Staaten menschenwürdige Per- Hältnisse gewährt werden, scheint ihr fteilich nicht so sehr am Herzen zu liegen, zumal sie sich mit solchen Bestrebungen den allmächtigen Trustkönigen sehr unbeliebt machen würde. bei fltis öer Partei. Arciskoufereuz des Wahlkreises Spandau-Osthavellaud. In der am Sonntag tagenden Kreiskonferenz in Velten wurden nach einem Referat des Genossen Ströbel und einem Korreferat des Genossen Wels über die Fraknonsspalwng folgende Resolutionen angenommen: .Die am 28. Mai in Velten tagende Kreisgeneralversammlung verurteilt scharf das Verhallen der Frallionsmehrheii in der Reichs- tagssitzung vom 24. März, zu dem die Rede des Genossen Haase nicht die mindeste Veranlassung bot." (Mit 19 gegen 8 Slimmen angenommen.) »Die fireisgeneralversammlung sprichl ihrem Abgeordneten Ge- nassen Liebknechi für fein Eintreten für das interuaiionale Pro- letariat ihre vollste Sympathie aus. Sie veruneilt das... Per- hallen des deutschen Reichstags, welcher eines seiner Mitglieder der Militärjustiz auslieferte." (Mit 19 gegen 7 Stimmen angenommen.) .Die Generalversammlung weist die Angriffe, die gegen ihren Vertreter im Reichstage, dem Genossen Dr. Karl Liebknecht erhoben werden, als ob er durch seine Politik den Feinden des Deutschen Reiches habe nützen wollen, entschieden zurück. Sie ist überzeugt, daß derselbe nur in durchaus selbstloser Weise und von den ehren- hastesten Motiven geleilet die Politik verlrat, die er für die schnellste Herbeiführung des Friedens am geeignetsten hielt. Wenn über die Zweckmäßigkeit seiner Politik die Meinungen auch auseinandergehen können, so gibt sie doch keinem Menschen das Recht, die persönliche Ehrenhastigleit deS Genossen Liebknecht anzugreifen und die Laulerkeit seiner Absichten, zum Besten des deutschen Volkes einem baldigen Frieden zu dienen, zu bezweifeln". Gegen die letzte Resolution stimmten nur einige Genossen, weil ihnen dieselbe nicht weitgehend genug war. DeS weiteren wurde die Preßlommission einstimmig beauftragt, bei der.Brandenburger Zeitung" dahin vorstellig zu werden, daß Leitarlikel wie der am 1. Mai 1916, in Zukunft zurückgewiesen werden, da der Artikel eine direkte Verhöhnung unseres Mai-Jdeals darstellte. Die Abstimmungen über die Resolutionen zeitlgten da? Resultat, daß 7—8 Delegierte auf dem Boden der Fraktionsmeblheit stehen, die anderen Delegierten entschiedene Anhänger der Fraktionsminder- heit sind, die sich wiederum in zwei Lager spalteten. Mit 15 gegen 11 Stimmen und einer Stimmenthaltung_ wurde der KreiSvorsttzende Genosse Pieper wiedergewählt und die übrigen Mitglieder des Kreisvorstandes ohne Gegenkanoidale«. Zum Königsberger Konflikt. Zum Konflikt zwischen der Parteileitung und den Gewerkschafts- Vorständen hat eine Sitzung der Vorstände der Gewerkschaften mit 39 gegen 6 Slimmen- nachstehende Entschließung angenommen: .Die am 25. Mai 1916 versammelten Gewerlschaftsvorstände billigen den Standpunkt, den der Kartellausschuß in der Abwehr der Angriffe seitens des Vorstandes des sozialdeinokratiichen Vereins eingenommen hat. und erwarten, daß der Kartellausschuß auch in Zukuiist wie bisher die Interessen der Gewerkichaften m geeigneter Weise vertritt. �...... 1. Die Auffassung, daß der sozialdemokratische Verem mcht die zuständige Parteiorganisation und die Parteileitung nicht deren rechtmäßige Vertretung ist, ist niemals von unS bekundet worden. 2. Wir betrachten vielmehr den Sozialdemokrattichen Verein Königsberg und dessen Vorstand solange als die zuständige örtliche Vertretung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, als der Verein und dessen Vorstand sich innerhalb der Grenzen betätigt, die das Parteistatut zur Ausrechlerhaltung der einheitlichen Organisation der Sozialdemokralischen Partei Deutschlands vorsieht. 3. Bis zu einer eventuellen anderweitigen Entscheidung durch den nächsten Parteitag resp. Gewerkschaftskongreß sehen wir aber auch in dem Parteivorstand-Berlin resp. Generalkommisfion-Berlin die allein zuständigen zentralen Vertretungen der Gesamtpartei Deutichlands resp. der freien Gewerkschaften Deutschlands. 4. Als Gewerkschaften lehnen wir deshalb eur örtliches gemeinschaftliches Zusammenarbeiten nicht grundsätzlich ab. sondern nur in allen Fällen, in denen die etwa von uns gewünschte Mit- arbeit gegen die Vereinbarungen und Anordnungen der beider« seifigen zentralen Instanzen verstoßen würde. Ob letzteres zutrifft, kann nur von Fall zu Fall geprüft werden. Unter den gegen- wärtigen Differenzen zwiswen örtticher und zentraler Vertretung der Parleiorganisalio» muß deshalb vor der Inangriffnahme jeder ge- meinschaftlichen Arbeit eine loyale Verständigung mit uns als Vorbedingung für diese gemeinschaftliche Arbeit anerkannt werden. Das Rundschreiben, welches der Vorstand des Sozialdemokrati- schen Vereins am 19. Mai 1916 an die Vorstandsmitglieder der dem Kartell angeschloffcnen Gewerlschaften gerichtet hat, erachtet die Vor- ständesitzung hiermit als erledigt." Eine Erklärung des Genossen Henke. Wir hatten vor einigen Tagen über den Preffekonflikt in Bremen berichtet. In dem Bericht wurde u. a. behauptet, daß von den Re« dakteuren der.Bremer Bürgerzeitung" zwei Anhänger der Fraknoirs- Mehrheit, zwei, darunter der Reichsiagsabgeordnete des Kreises, Henke, zum Parteizentrum, und die übrigen' zwei zur Gruppe der Linksradikalen gehören. Gleichzeitig war in derselben Nummer der „Bremer Bürgerzeitung", in der über die Versammlung berichtet wurde, ein Leiiarfilcl unter der Ueberschrift.Bürgerliches Recht und Privatrecht" enthalten, dessen einleitender Absatz folgender- maßen lautete: «Es hilft nicht, die Augen vor Tatsachen zu schließen und au» feiger Hoffnungsduselei notwendigen Kämpfen auszuweichen. Es ist Tatsacke, daß die Parteieinheit nickt mehr aufrecktzuerhalten ist. Die Spallung wird und muß kommen. Nur wer nickt sehen will, kann sich an die Illusion klammern, daß die sozialdemokialische Partei ihre jetzige Krise überdauern werde. Wer die Konsequenzen all der Vorgänge, die wir erlebt, sckarf ins Auge faßt, wer seine Stellung nicht danach wählt, nicht rüstet, nicht kämpft, über den wird eines Tages das Rad der Gesckickte hinweggegangen sein. Das Bewußtsein, das Beste sllr die Parteieinheit gewollt zu haben, mag wohl dann tröstlich sein, aber es wird die leeren Hände nicht füllen. und keine Ewigkeil wird wiederbringen, was von dem Augenblick ausgeschlagen wurde. Die Organisation der sozialdemokraii- schen Partei umfaßt heute schon gegnerische Parteien, und das Band ist nur deshalb noch nichi gesprengt, weil der innere Kampf noch nickt entschieden ist. Und'dieser Kampf geht um die Köpfe der Parteigenossenschast und ihre Machtmittel: den Organisationsapparat und die reff e." In der Sonnabendnummer der.Bremer Bürger-Zeitung" ist nun eine Erklärung des Genossen Henke erhallen, in der er sich zu- nächst gegen seine Einreibung in das Zentrum wehrt, um dann zu dem oben erwähnien Leitarlikel zu erklären: Von der Auffassung:„Die Spaltung wird und muß kommen", bis zu dem, was man.rüsten" nennl, ist naiürlich nur ein Schritt. Ick rcile aber weder die Auffassung in dieser Bestimmtheit, noch billige ich gewisse Schritte, die man unter den Begriff.rüsten" faßt. Weil auch nach meiner Ucberzeugung.über Einheit od�er Spallung der Partei entschieden wird durch mächtige Massenströmungen" lsiehe.Bürger-Zeitung" vom 13. Mai, Leitartikel), bin ich zwar dafür, daß den.Massen" immer und immer wieder begreiflich gemacht wird, wie das, was die sogenannte Mehrheit als.Partei- einheit' lobpreist, um ihr parteischädliches Treiben dahiiiler zu verbergen, wirklich nicht das Höchste einer sozialdemokratischen Pari« sein kann; ich bin aber auch dafür, daß mir zäber Energie im Rahmen der Partei bis zum äußersten darum gekämpft wird, der Einheit zum Siege verhelfen, wie sie, lagen wir, ein Friedrich Engels oder ein Marx verstanden haben. Das wird ein langandauernder Kampf werden, der mir dem nächsten Parteilag ganz gewiß nickt zu Ende kommt. Wer aber nach dem Dlktum bandelt:.Die Spaltung wird und muß kommen", der kann natürlich nicht auf den Sieg der von mir gemeinten Einheit, der kann sich natürlich nur auf die Spaltung einrichten, der muß ihr vorarbeiren. Das will ich nicht, selbst auf die Gefahr hin. unter das»Rad der Geschichte" zu kommen. Und um auch das noch zu sagen: als eine der wichtigsten Aufgaben er« scheint mir gegenwärtig die Einigung der Linken; ich er- hoffe sie einstweilen neben anderem auch mittels der Sozialdemo- krafischen Arbeilsgemeinschafl noch mir erreichen helfen zu können. Sie allein bietet zudem die Möglichkeit, parlamentarisch für die Sache des Linksradikalismus zu wirken. Deshalb gehöre ich zu ihr. Ein russisches Arbeiterblatt über die Spaltung der deutsche» Reichstagsfraktion. Das in Samara ericheinende russische Arbeiterblatt.Nasch G o I o S" widmet in seiner Nummer vom 7. Mai der Spaltung der deutschen Reichstagsftaklion einen eingehenden Artikel.„Wie tief und bedeutend— so schreibt das Blatt— auch die Meinung«- verschiedenhcilen waren, die vor dem Kriege die deuliche Sozial- demokrafie in.Opportunisten" und.Orihodoxe" teilte, denen sich von linker Seite eine kleine Gruppe Radikaler anschloß, und wie heftig zuweilen dieser Kampf der verschiedenen Richtungen auch vor dem Kriege war, so blieb die Partei doch, entgegen den Hoffnungen und Erwartungen der Bourgeoisie, bisher einrg. Was aber die früheren Meinungsverschiedenheiten nicht zustande bringen konnten, haben die jetzigen.kriegerischen" Differenzen vollbracht. Offenbar ist die durch den Krieg entstandene Teilung der deutschen Parier in eine sozialnafionalisfischc.Mehrheit" und eine inlernafionalistiiche „Minderheit" ernster, riefer und bedeutender, als alle vorhergehenden Teilungen, Gruppierungen und Differenzen." Nach einer eingehenden Schilderung des immer schärfer werdenden Kampfes der Richtungen in der Partei, der schließlich zur Spallung der Reichslogsftakrion führte, und nach einer Charaklertstik der jetzigen Verhältniffe in der Partei schließt das Blatt..._ Die holländische Arbeiterpartei i« der Kriegszeit. Aus Amsterdam wird unS geschrieben: Der Ausweis der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei über das erste Vierteljahr 1916 lautet recht günstig. Die Mitgliederzahl ist von 24 018 auf 24170 gestiegen; 18 neue Parteiabteilrmgen wurden errichtet, da- gegen eine aufgelöst. Die Ziffern sind um so erfreulicher, als die fortdauernde Mobilisation und die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf dem Gebiete der Konsumtion wie auf dem der Produktton die Organisationsarbeit wirklich nicht erleichtern. Dazu kommt die verwickelre innerpolitische Situation und schließ- lich auch die scharfe Agitation der„sozialdemokratischen Partei" und der„Sozialrevolutionäre".— Diese beiden Gruppen stehen jetzt übrigens vor der organischen Verschmelzung, die schon be- schlossene Sache ist. Eingegangene druckschristen. Universal-Bibliotbek. 5837: Brunhild. Tragödie aus der Nibelungensage von E. Geibel— 5843: Kamen s»t»wen. Lulyplel von O. Hinnerk.— 5848: Herrenrecht. Schauipiel von M. Bernitem.— Einzelnummer geh. 20 Pj. Pb. Reclam, Leipzig._„ mt Prostitution und Abolittonismus. Von«nna Pappritz. 30 Pf. Am Südhaug. Erzählung von E. v. Keyserling. 1 geb. 1,28 M. S. Fischer. Berlin, Bülowftr. 90,....„ Wagner und Nietzsche zur Zeit ihrer Freundschaft. Bau Elisabeth Förster-Nietzsche. 290 S. G. Muller. München Bulgarien, Land und Leute. Bon Pros, Dr. K. Kaßner. Geh. 1,50 M. Dr. W. Klinkhardt. Leipzig-.., Die BeHorauttaöattfpruchL KriegAteiluehmerA und feitttc Familienangehörigen. Von G. Ströhmseld. Geh, 50 Ps. A. Auer, �" Georg Büchners gesammelte Werke. In Pappband 4 M. Insel- Verlag, Leipzig. Lerantw. Redakt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Jns�atenteil vercmtw. Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Maul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltung»»«. »t. U8. 33. mm t Keilage des Jonnarts" Kerlim golfesMntl � 30 ——— W— B—— C3—i— Hi�BBBaiWWiWM— BMMM— 11 Hill W'iiMff I HHHIMniMUI I......... II.......... II IUI I WT-Wl-Tl das Manifest öer irischen tzomeruler über Ken irischen Aufstand. Von Ed. Bernstein. Die irische nationalistische Parlamentsfraktion. deren Führer John Rvdmond ist, hat aus Anlaß des jüngsten Aufstandcs ein Manifest an das irische Volk erlassen, das in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswertes Zeitdokument ist. Indem es die Anschau- ungcn darlegt, aus Grund deren diese Partei, hinter der die große Mehrheit der irischen Parlamentswähler steht, dem Aufstand fern- geblieben ist und ihn mißbilligt, gewährt es Einblicke in die geistige und politische Verfassung Irlands, die nicht wenig zur Beurteilung der dortigen Verhältnisse beitragen. So hat es denn auch für den deutschen Politiker, welcher Partei immer er angehört, heute ein besonderes Interesse. Wir geben es im Nachstehenden in seinem vollen Wortlaut und mit den Auszeichnungen des englischen Textes in Uebersetzung wieder. Es bautet: „An das Volk von Irland. Eine weitere Tragödie ist dem langen Kapitel der Tragödien in Irlands Geschichte hinzugefügt worden. Irlands Hauptstadt war der Schauplatz eines wahnsinnigen und erfolglosen Versuches etner Revolution. Blut ist in Masse vergossen worden. ES ist wahr, daß Irland bitter herausgefordert worden ist durch das Anwachsen einer ähnlichen revolutionären und gesetzwidrigen Bewegung in einem anderen Teil Irlands, der einer rebellierenden Armee Deckung bot.*) Es ist wahr, daß auf den Leitern jener Bewegung eine schwere Verantwortung ruht für diese Borgänge in Dublin. Diese Dinge werden zu geeigneter Zeit zur Sprache zu bringen sein. Es ist wahr, daß Irland durch die Reihe militärischer Hin- richtungc», welche in Dublin von Kriegsgerichten verfügt worden find, in Abscheu und Schauder versetzt worden ist. Diese Dinge sind im Angesicht unablässiger und heftiger Proteste der irischen Führer geschehen, und die Proteste werden ohne Nachlassen und mit kräftigem Nachdruck fortgesetzt werden, bis die unbeschränkte Herr- schaft der Militärbehörden in Irland beseitigt ist. Aber es ist auch wahr, daß trotz dieser bitteren Herausforderungen das Volk von Irland nicht ansteht, den Aufstand in Dublin als einen gcfähr- lichcn Schlag wider das Herz und die Hoffnungen Irlands zu ver- urteilen. Am Morgen nach dieser Tragödie fühlen wir den Ruf an uns ergehen, das Volk von Irland feierlich aufzufordern, die Folge- rungen sich zu vergegenwärtigen, die diese Vorgänge ihm aufer- legen. Wir dürfen kein Mißverständnis hinsichtlich unserer Heber- zeugungen und unserer Entschlüsse in uns zurücklassen. Entweder «st Irland erfolgloser Revolution und Anarchie auszuliefern oder die verfassungsmäßige Betvegung muß die volle Unterstützung des irischen Volkes haben und ihren Fortgang nehmen, bis sie ihr Werk völlig verrichtet hat. Wir unterbreiten diese Alternativ« dem irischen Volke nicht zum erstenmal. Totsächlich ist, gewisse kleinere Volksteile ausge- nommen. diese Entscheidung für eine verfassungsmäßige Bewe- gung seit nahezu einem halben Jahrhundert getroffen und an ihr festgehalten worden. Nach der revolutionären Bewegung der sechziger Jahre ver- kündete Jsaac Butt dem irischen Volke, daß eine verfassungsmäßige Bewegung die einzige sichere und zuverlässige Methode sei, seine Rechte zu erlangen. Parncll hat diese Politik und dies« Hoffnung erneuert. Das Volk von Irland hat diese Politik akzeptiert, und sie ist niemals von dem irischen Volke ernsthaft in Frage gestellt worden. Was war die Lage Irlands, als es von Butt und Parnell auf- gefordert wurde, für rinc verfassungsmäßige Bewegung sich zu rnt- scheiden? Das Bodensystrm verharrte in praktisch demselben Zu- stand verschanzter Ucbcrmacht wie zu irgendeiner Zeit in der irischen Geschichte. Die Pächter waren die Opfer crprcsscrischcr, kurzfristiger Pachtzinsen. War rS ihnen unmöglich, die Wucher- zinscn zu zahlen— und oft sogar, wenn diese bezahlt wurden—, so wurde ihnen die Exmissionsverfügung ausgehändigt. Das Land blutete aus allen Poren, und seine Jugend und besten Kinder wanderten aus. Das ländliche Irland bot der Welt das tragische und fast durchgängig gleiche Schauspiel einer Nation in Ruinen: jämmer- liche Hütten, nngenügeirde Nahrung, Lumpen statt anständiger Kleidung und der Schrecken wie die Erniedrigung der Sklaverei gegenüber dem Grundherrn. Die Landarbeiter erreichten eine noch größere Tiefe der Verzweiflung. In Häusern, die für Tiere nicht genügten, mit dürftigen Löhnen und ohne Land waren sie für Gegenwart und Zukunft ganz ohne Hoffnung. Und zu allem diesen schien der Gedanke der Anerkennung ihrer Nationalität durch ein irisches Parlament, der die irische Nation während ihrer ganzen Existenz wie eine Vision beherrscht hatte, von seiner Erfüllung weiter entfernt als zu irgendeiner Zeit in der irischen Geschichte. Butt, Parnell und die von ihnen inS Leben gerufenen Organisationen legten Irland das Versprechen ab, daß in einer ver- fassungsmäßigcn Bewegung eine Waffe zu finden sei, deren Kraft ausreiche, alle diese Beschwerden zu beseitigen. Diese Beschwer- nisse und die Reformen, die sie erheischten, wurden in den Pro- «rammen der verschiedenen, von Butt und Parnell gegründeten Organisationen Jahre bevor irgendeine der Beschwerden auch nur angerührt wurde, in kurzen Sätze» kundgetan. Nach der Unterdrückung der Landliga ward als ihre Nachfolge- rm die Nationale Liga gegründet, und das Programm der Nasio- nalen Liga, wie es auf der am 17. Oktober 1882 in Dublin abge» haltenen Konferenz angenommen wurde, lautete wie folgt: l. Nationale Selbstregierung. 2. Reform der Selbstverwaltung. 3, Lokale Selbstverwaltung. 4. Erweiterung des Wahlrechts zum Parlament und den Lokalverwaltungen. 5. Entwicklung und Förderung der Arbeiter, und Industrie- interessen Irlands. Die Frage, die wir jedem Jrländer auffordern, in dieser feier- lichen Stunde feinem Urteil und Gewissen vorzulegen, ist die, ob die von Butt und Parnell gemachten— und von deren Nachfolgern er- neuerten— Versprechungen, sowie die Ziele der nationalen Orga- nisationen verwirklich� oder Lügen gestraft worden sind. Welch- andere Antwort kann jedweder urteilsfähige und wahrheitsliebende Jrländer geben, als die, daß die verfassungsnläßige Bewegung nicht nur alles erlangt hat, was Butt, Parnell und die irischen Organi- fationen an Forderungen aufgestellt haben, sondern noch ein gutes Teil mehr. Denn waS verzeichnen die Jahre, die verstrichen sind, feit Butt die Homerulc- und verfassungsmäßige Bewegung gründete? Die Wuchcrpachtcn, die Exmissionen, die PachtzahlungSstuben, der Pachtenmahner, der GutSvcrwalter und zu einem großen Teil der Gutsherr sind aus dem Leben Irlands verschwunden. Zwei Drittel des ganzen Bodens des Landes ist in die Hände des Volkes ubergegangen. Das lebte Drittel ist im Prozeß schrittweiser lieber- tragung, und der Grund und Boden Irlands ist nunmehr sicherer *) Gemeint ist die antinationaliftifche Bewegung in Ulster, die den vewanneten Widerstand gegen die Durchführung des Home- xulc-Gesetzes organisierte..Eiü B, dem Volk von Irland verbrieft als zu irgendeiner Periode in der Geschichte unseres Landes. Zehntausende von Arbeiterhäusern sind über ganz Irland hin- weg errichtet worden, in denen zu mäßigem Mietsatz und mit einem Stück Land die irischen Landarbeiter von der am schlechte- stcn behausten, am schlechtesten gekleideten und am schlechtesten ge- nährten Klaffe in Europa zum bestbehausten, bestgestellten und un- abhängigsten Körper von Landarbeitern u in gewandelt sind. In den Distrikten mit zu eng sitzender Bevöltcrung sind Gras- weiden erworben und in wirtschaftliche Kleingüter für das Volk aufgeteilt worden. Mit Schiefern gedeckte, geräumige und gesunde Häuser sind an die Stelle der erbärmlichen Hütten getreten, und in einigen der am meisten der Armut verfallenen Distrikt« des Nordwestens, des Westens und des Südens von Irland ist ein neues Irland von glücklichen und prosperierenden Heimen er- standen. Die exmittierten Pächter, die ehedem keine Abhilfe kannten und nur die Wahl hatten zwischen dem Arbeitshaus und der AuS- Wanderung, sind so gut wie sämtlich in ihre früheren Pachtgüter oder in andere ebensogute oder bessere Pachtgüter eingesetzt worden. Die Lokalverwaltung Irlands ist den Landlords abgenommen worden und jetzt völlig in den Händen des Volkes, mit vom Volk selbst frei gewählten Vorsitzenden und Mitgliedern. Die Wahlberechtigung für das Parlament und für die Ge- meinden, die in den Tagen von Butt und Parnell mit Erfolg dazu benutzt wurden, die Ueberzeugungen und Interessen des Volkes fälschlich zu vertreten, sind so reformiert worden, daß die Ver- tretung von drei Vierteln Irlands den nationalen Bestrebungen des Volkes entspricht. Bei jedem Bemühen, die Schwitzarbeit und dir Miißbräuche des TruckstzstrmS auszurotten, die Fabrikgesrtze wirksam anzuwenden» daS Koalitionsrecht sicherzustellen und die Interessen der Gcwert- schoflen zu schützen, ist die irische Rationalpartei fähig gewesen, jeden Vorteil, den die Volksvertretung von Großbritannien für die von ihr Vertretenen erlangen konnte, auf Irland auszudehnen. Auf dem Gebiet des höheren Unterrichts ist die irische Partei in die Lag« gekommen, Irland eine nationale Universität zu verschaffen, vermöge deren zum erstenmal in seiner Geschichte die Söhne von Katholiken Zutritt zu den höchsten Errungenschaften des Lernens erlangen können. Der Elementar- wie der Sekundär- Untervicht, die Schulen wie die Lehrer, haben in Einkommen und Stellung gewaltige Verbesserungen erfahren. Die Mieter in den Städten haben einen Freibrief erlangt, der alles weit hinter sich läßt, was jemals einer Cith oder Provinzial- stodt in England zuteil geworden ist. Mit England hat Irland am ganzen Programm der Sozial- reformen Teil genommen. Die Alterspensionen haben Zehn- taufenden alter Männer und Frauen, die sonst im Alter in Armut und Verzweiflung gelebt hätten, Trost und Hoffnung gebracht. Die nationale Versicherung hat den Arbeitern Irlands dieselbe Sich«- rung gegen Krankheit, Beschäftigungslosigkeit und Siechtum ge- bracht, wie den Arbeitern Englands. Schließlich hat die irische Partei das letzte und höchste Ziel aller irischen Bewegungen seit dem Bestände der Union mit England damit errungen, daß daS größte und umfassendste Matz irischer Selbstregierung, das je beantragt und erzielt worden ist, Gesetzes- kraft erlangt hat. Wenn somit die verfassungsmäßige Bewegung sich triam- phierrnd gerechtfertigt hat, wenn auf der anderen Seite eine revo- lutionäre Bewegung sich sowohl fruchtlos wir auch unheilbringend gezeigt hat, haben wir dann nicht da» Recht, da» irische Bolk auf- zufordern, zur verfassungsmäßigen Bewegung zu stehen und sie aufrechtzuerhalten, biS ihre ganze Mission erfüllt ist? Haben wir nicht das Recht, an diejenigen Personen in allen Lebensstellungen in Irland, welche daS Bolk bei seinen Entscheidungen zu leiten dir Pflicht und die Möglichkeit haben, den Ruf ergehen zu lassen, einen kraftvollen und einheitlichen Mahnruf an das Bolk zu richten,«S möge in der irischen Politik die weisen Methoden wählen und die unsinnigen bekämpfen? Diese ganzen Jahre über, welche den glänzenden Vormarsch unseres irischen Volkes zur Beseitigung seiner Beschwernisse und Verwirklichung seiner Hoffnungen gekennzeichnet haben, sind dessen Vertreter, welche die getreuen Werkzeug« der Durchführung dieser Politik gewesen sind, den wütendsten und ungerechtesten Angriffen ausgesetzt gewesen. Ihr Werk ist, statt anerkannt zu werden, de- krittelt und verspottet worden. Jede Waffe der Zwietracht, deS persönlichen Hasses, der journalistischen Verdächtigung ist gegen sie angewandt worden, und oft haben sie nicht die kräftig« Unterstützung geftinden, die sie wohl de- rechtigt waren, vom Volke zu verlangen, wenn, wie es sicher war, das Volk so gut wie einstimmig ihre Politik guthieß. Tie Zeit für solches Schwanken ist nun vorüber. Wir wieder- holen, daß das Land vor der Wahl steht zwischen wirkungsloser Revolution und Anarchir und der vom irischen Volke vollständig und kraftvoll unterstützten verfassungsmäßigen Bewegung. Jeder irisch« Nationalist hat sich diese Alternative vorzulegen. Wir bezweifeln nicht, welche» die Wahl de» irischen Volke» sein wird. Zlber von dieser klntwort muß die verfassungsmäßig« Be- »vegung und unsere zukünftige Haltung abhängen. Wenn daS Volk die verfassungsmäßige Bewegung nicht will, so will es un» nicht. Ohne seine tatkräftige Unterstützung würden wir uni einer un- möglichen Aufgabe widmen. Mit seiner Unterstützung können wir das Gebäude irischer Reform und irischer Freiheit fertigstellen, daS wir in dem hinter uns liegenden halben Jahrhundert aufgerichtet haben. Wir werden alle Reformen und alle Hoffnungen verwirklichen, die wir und unsere Vorgänger in der verfassungsmäßigen Bewegung ihm verkündet haben. Wir werden daS irische Volk in das Parlamentshaus führen, wofür«S über ein Jahrhundert gefleht und gearbeitet hat." »« » So das Manifest. E» wäre in verschiedener Beziehung zu kritisieren. Die Schilderung der Errungenschaften Irlands ist sicher zu rofenfarben aufgetragen, und von dem, wa» wirklich errungen wurde, ist vieles dem Zusammenwirken von Umständen geschuldet, bei dem die geschildert« verfassungsmäßige Politik keineswegs der entscheidende Faktor gewesen ist. So wäre zum Beispiel gerade die große irische Agrarreform schwerlich so glatt zustande gekommen, wenn nicht der ungeheure Preissturz der Landwirtschaftsprodukte in den achtziger und neunziger Jahren de» vorigen Jahrhunderts auf der«inen Seite und die organisierte Widerstandsbewegung der Pächter gegen die Fortzahlung der Pachten auf der anderen Seite die Grundbesitzer so mürbe gemacht hätte, daß ihnen der gesetzliche Auskauf schließlich als das kleinere Uedel selbst nicht unwill» kommen war. Nach anglourischen Begriffen mag natürlich jener Kampf der Pächter auch noch verfassungsmäßig gewesen sein. Aber er wurde mit Mitteln geführt, die— man denke an das dlo Kent-Manifest Parnells und die Art seiner Befolgung— der Sache nach revolu- tionär waren, so sehr sie der Form nach sich im Rahmen des ver. fassungsmäßigen Kampfe» hielten und hatten im Hintergrund stet« noch Aktionen, die, wie der TerroriSmus der Mondscheingesellen, aus jenem Rahmen heraustraten und auch der Form nach revolu- tionär waren. Indes sind das Nebenfragen für denjenigen, der den Gründen nachforscht, warum heute die revolutionäre Bewegung in Irland nicht gezündet hat. Wie die gegenwärtige wirtschaftliche und poli- tische Verfassung Irlands zustand« gekommen ist, und ob sie in Wirllickskeit sich weniger rosig ausmacht, als in der Darsicllung des Manifests, ist für diese letztere Frage von wenig Belang, sobald die Darstellung in den wescutlichen Punkton die Zustände richtig schil- dert. Je nachdem die Antwort darauf lautot, wird das politische Urteil— mit dem strafrechtlichen haben wir es nicht zu tun— über die Versuche ausfallen, erregbare Teile des irischen Volkes zu revolutionärer Erhebung zu veranlassen. Nicht der Erfolg oder Mißerfolg einer Aktion schlechlhin bestimmt dieses Urteil. War aber nach Lage der Dinge jeder Erfolg überhaupt ausgeschlossen, dann haben die Anstifter in der Tat schwere politische Schuld auf sich geladen. Die Organisation öer Volks- ernährung. Am Montag trat die Budgetkomwission des Reichs, t a g S in die Beratung der neuen Organisation der Polls- ernährung ein. Zu dem bereits veröffentlichten Organisationsplan beantragen die Sozialdemokraten und Fortschrittler,„den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, die Aussührungsbestimmungcn zur Ver- ordnung über Kriegsmaßnahme» zur Sicherung der Volisernäh- rung vom 22. Mai 1916 dahin abzuändern, daß der Vorsitzende des Kriegsernährungsamts in wichtigen Fragen erst entscheidet, wenn er neben dem Vorstand auch den Ernährungsbeirat des Reichstags gehört hat". Das Zentrum beantragt eine Resolution, die u. a. fordert: 1. in den Vorstand deS Kriegsernährungsamis je einen Vertreter der norddeutschen und süddeutschen Erzeuger zu bc- rufen; 2. dem Präsidenten des Kriegsernährungsamts einen aus 16 Mitgliedern des Reichstags bestehenden Ernährungsbeirat bei- zugeben, welcher wie der Borstand in wichtigen Fragen zu hören ist und das Recht hat. Anträge zu stellen. Die Entscheidung in Ernährungsfragen bleibt, wie der 3ie- ferent Graf Westarp mitteilt, in der Hand des Reichskanzlers, dem aber neuerdings eine Reihe weiterer Befugnisse durch den Bundesrat übertragen worden sind. So kann er in dringenden Fällen Verordnungen erlassen; er muß sie aber nachträglich dem Bundesrat vorlegen. Neu ist, daß der Reichskanzler den bundes- staatlichen Behörden direkt Anweisungen erteilen kann. Ob diese nene Regelung st a a t S r e ch t l i ch haltbar ist. kann nach Ansicht deS Referenten zweifelhaft sein; aber es wird von keiner Seite Wert darauf jjelegt werden, diese Fragen jetzt aufzurollen. Gleich- wohl sollen diese Bedenken-wenigstens konstatiert werden, dciui es darf nicht der Eindruck erweckt werden, als ob die bundesstaatlichen Instanzen versagt hätten. Jedenfalls dürfen aus den Rechten, die dem Reichskanzler jetzt eingeräumt sind, keine Folgerungen für die Zukunft gezogen werden. Die Frage bedarf noch der Klärung, wie daS Verhältnis des Kriegsernährungsamis zur Heeres- und Mariueverwaltung steht. Die Bedürfnisse von Heer und Flotte müsicn in erster Linie berücksichtigt werden.— Graf W e st a r p bemängelt dann, daß die Landwirtschaft in dem Borstand des neuen Amtes nicht vertreten ist. Vornehmste Aufgabe des Präsidenten muß sein, einen einheitlichen Wirtschaftsplan für die kommende Ernte aufzustellen. Weiter muß das neue Amt unter Benutzung der Presse Aufklärung verbreiten. Die Konservativen sind nichl für eine straffe Zentralisation; sie erwarten mehr davon, wenn den einzelnen Bezirken ein bestimmtes Maß von Freiheit gelassen wird. Abg. Hoch(Soz.) stellt die Frage, ob der Reichstag die Auf- Hebung der vom Reichskanzler erlassenen Verordnungen beschließen kann. Wie steht es mit der regelmäßigen Einberufung des Bei- ratS, und wie gestaltet sich das Verhältnis der PreiSprüfungSstellen zum neiien KriegSernährungsamt? Dringend erforderlich ist eine genaue Statistik über die Ernte. Uebcr die Tätigkeit des Beirat- müssen ausführliche Berichte der Oeffentlichkeit übergeben werden. Staatssekretär H e l f f e r i ch hält einen anderen Weg, als er jetzt eingeschlagen werden soll, für ganz ungangbar. Durch die neuen Bestimmungen kann der Reichskanzler rasch handeln; er muh nicht erst auf die Beschlüsse der Instanzen warten. Llnßcrdcm ist nunmehr oie Einheitlichkeit der Durchführung der Verordnungen gewährleistet. Die ganze Kriegswirtschaft wird jetzt zentralisiert. DaS Eingreifen der kommandierenden Generale wird künftig in ein einheitliches System gebracht; die Generale haben sich den An- ordnungen des Kriegsministeriums zu fügen. Unterstaatssckretär v. Stein ergänzt diese Ausführungen dahin, daß, sobald das neue Amt funktioniert, die Befugnisse genau begrenzt werden tollen. Der neue Beirat wird neben Vertretern der amtlichen Stellen auch Sachverständige aus allen Gebieten um- fassen. Die vom Abg. Hoch geforderte Statistik werde gegeben werden; die Vorräte müssen auch erfaßt werden. Präsident v. Batocti: Ich habe zunächst mit den Dingen so zu rechnen, wie ich sie vorfinde, lieber Vorräte aus dem Aus- land kann ich erst verfügen, wenn sie da sind. Auf die militärischen Behörden kann ich einen zwingenden Einfluß nicht ausüben. Weit- gehender sind die Befugnisse gegenüber den Einzelstaaten, aus deren Unterstützung man in der Hauptsache angewiesen ist. Zu- nächst müssen vorhandene Mißstände beseitigt werden. Eine An- zahl Pläne sind bereit? fertig. Tie größte Sorge macht momeiitan die Fettversorgung. Es ist zu hoffen, daß bis Pfingsten der größte Mangel beseitigt ist. Die Klarstellung der Bestände ist sehr not- wendig; sie bildet die Boraussetzung für die Möglichkeit der Ver- teilung. Ein klares Bild tan» man trotz alledem nicht gewinnen. Man kann vorhandene Vorräte ersassen, aber auch hier ist eine ge- wisse Vorsicht nötig. Wirtsckjaftlich waren wir für einen Krieg nicht genügend vorbereitet. Die ErnteMtzungen werden nie ein wirkliches Bild der tatsächliche» Erträge geben lönnen. Nicht minder schwer ist das Erfassen der Vorräte angesichts der Tatsache, daß unsere meisten landwirtschaftlichen Betriebe kleinere Betriebe sind. Die Bevölkerung soll durch Mitteilung der Tatsachen auf- geklärt werden; übertriebene Rücksicht auf den Eindruck im Aus- lande ist nicht angebracht. Abg. E ber t(Soz.): Die Notwendigkeit der neuen Organi- sation ist leider von der Regierung zu spät erkannt worden. Hätte man im Herbst 1314 scharf zugegriffen, dann ginge es uns heute besser. Es ist ein völliges System der Systemlosigkeit eingetreten. Der Wucher hat sich immer mehr ausgebreitet, man hat wenig oder gar nichts dagegen getan. In einem Lande, das mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, mußte der freie Markt längst aus- gehoben werden. Die Ausführungen des Präsidenten Batocti haben eigentlich wenig Positives enthalten. Tie Grundsätze für die Brotverteilung hätten auch auf die Verteilung der anderen Lebens- mittel angewendet werden müssen. Bei der jetzigen Bestandsaus- nähme von Lebensmitteln muß die Höhe dessen festgestellt werden, wa! als zum eigenen Bedarf erforderlich behalten werden darf. Ter Handel darf nur noch Hilfsorgan der neuen Organisatio» sein. Die Verteilung muß Sache der Kommunalverbände sei», denen die Rationierung gesetzlich vorgeschrieben werden muß. Der Gedanke der M a s s e n s p e i s u n g muß in die Tat umgesetzt werden. Insbesondere für die erwerbstätigen Frauen bedeutet das eine große Erleichterung, nicht minder auch für die alleinstehenden Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Maffenspeisung ist allerdings zunächst ein« Frage der Organisation. Es ist dringend zu wünschen, daß den Gemeinden zu diesem Zwecke vom Reiche Geldmittel zur Versüguiig gestellt werden. Der Bedarf der Heeresverwaltung an Lebensmitteln ist riesig; die Art aber, wie dieser Bedarf gedeckt wurde, hat direkt zu Preistreiberei und Scbädignng der Zivil- bcvölkerung geführt, Kie kommandierenden Generale dürfen in fie TMZernäbrung nicht durch AusfukrverLste eingreifen. Die sli� t geübte«Zchlagbaumpolitik muß verschwinden. Die Schwierig- feite»''' wit denen dgs neue Amt zu kämpfen hat, sollen nicht ver- kannt werden; es muß aber daran festgehalten werden, daß das neue A».'ichsa>nt der Kritik des Reichstags untersteht und�daß die getroffene».' Verorbiiungen der Kontrolle durch den Reichstag nicht entzogen morden. Die Bestrebungen, mehr Vertreter der Land- Wirtschaft in.den Vorstand zu bringen, sind in keiner Weise be- rcchkigt; viel iostchtiger wcere es gewesen, wenn in den Borstand auch, eine Krau Kbufen wondcn märe, wie es auch iwttvendig ist, den Fronen im neuen Beirat eine Vertretung zu sichern. Neben dem große« Beirat soll aber auch der Ernährungsbeirat des . Reichstags iii Funktion bleiben. Präsident i'. Batocki stiznmt den Ausfiihrungen Sberts zu; er hält es auch für notwendig,. daß Frauen in den Beirat be- rufen werden. Den Vorstand zu verstärken, ist bedenklich. Man solle es zunächst bei der jetzigen Organisch ion belassen. Den Bor- schlügen Eberls betr. die Masscwjpeisung stimme er ebenfalls zu. Auch halte er es für notwendig,»daß die Gemeinden eine Ratio- nscruna durchführen...Die Bestandsaufnahmen an Fleisch sollen eine Ausdehnung erfahren. Eine Mgemeine Rationierung nach dem Muster des Brotes ist ganz unmöglich. Abg. Erzbergcr sZ.): Schuld disran. daß die neue Regelung der Volksernährung erst jetzt erfolgt, ih't der Bundesrat, der sich stets hinter verfassungsmäßige Bedenken verschanzte. Das Ver- hältnis zum Kriegsministerium muß genau geklärt werden, sonst legt man den Keim zu neuen Disferenzen. Der Bundesrat darf nur noch in Fragen der Förderung der Produktion hineinreden. Auf.die freiwillige Mitarbeit der cin�Ästaatlicheu Organe ist das neue Amt angewiesen, deshalb mutz die Landes zentral- bchördc mit der Aufgabe betraut tnerden. den nötigen Druck auf nicht willfährige Beamte au�zuübem. Wo die Dezerrtrali- sierung sich bewährt hat, soll man sie nicht beseitigen. Die Zu- sammensetzung des Vorstandes leidet unter dem Mangel, daß Ver- treter der Landwirtschaft fehlen, weshalb das Zentrum fordert, daß ein süddeutscher»nd ein norddeutscher Landwirt mit in den Vorstand berufen werden sollen. Ter vom Reichstag gefchassene Ernährungsbeirat darf nicht ausgeschaltet werden. In diesem Beirat sollen künftig auch die Deutsche Fraktion und die Sozial- demokratische Arbeitsgemeinschaft vcrtreijeir sein. Unterstaatssekretär v. S t e: n erktärt, daß der Bundesrat die Verordnungen des Reichskanzlers abändern kann. Das Kriegs- ernährungsamt refsortiert eigentlich nicht zum Rcicksamt des In- nern, muß aber wenigstens in der ersten. Zeit im engsten Zu- sommenhang mit dem Reichsamt des Innern stehen. Gegen die Landcszcntralbehörden kann das neue Amt nicht arbeiten; es soll mit diesen Behörden arbeiten. Tbeorekisch ist es richtig, daß ein widerspenstiger Beamter bestraft werden kann; in der Praxis dürfte dieser Fall kaum eintreten. Staatssekretär Helffcrich erklärt, daß es seinen Wünschen entspricht, das neue Amt jo rasch aV möglich in organisatorischer Beziehung völlig selbständig zu macheu. Aber das Rcichsamt des Fstnern kann nicht ganz ausgeschaltet werden. Gesetzgeberische Borarbeitcu aus seinem Gebiet macht das Kricgscrnährungsamt stlbständig. General v. Owen teilt mit, daß die Kccrcsvcrwaltung in engster Vorbindung mit dem neuen Amt stehen werde, genau wie dids bisher mit dem Rcichsamt des Innern der Fall war. Tie oberste militärische Stelle kann aber nicht einer anderen Stelle untergeordnet werden. Die ergangene Order bestimmt ausdrücklich, daß die militärischen Befehlshaber die Anordnungen, des Kriegs- Ministers, der in der neuen Organisation vertreten ist, zu befolgen hüben. Tie Generäle haben also kein Recht mehr, z. B. Ausfuhr- verböte aus ihren Bezirke,-, zu erlassen. Abg. Böhme(natl.) begrüßt diese Erkläncng, von der er sich eine klare Abgrenzung der Befugnisse verspricht. Daß Landwirte in. den Vorstand des Kriegsernährnngsamts berufen werden müssen, sei eine Selbstverständlichkeit. In einzelnen Bezirken Deutsch- lands herrrscht offenbar nost; I lebe r flu ß, so iiisvesoudere in Mecklcn- -'•chung; diesem Staat möge Präsident v. Batqcli zuerst«neu Besuch abstatten. Redner erörtert dann eine lange Reihe agrarischer Wünsche, deren Beachtung er dem Präsidenten dringend empfiehlt.. Unterstaatssekretae v. Stein bemerkt, daß es dem Vorstand des neuen Auits an larcdwirtsthaftlichen Tachverstäichigen nicht fehle. Wenn es der Reichstag aber wünscht, werde man erwägen, einen Landwirt zuzuziehen. Ter parlamentarische Ernährungsbeirat tonn aber dem neuen Amt nicht angegliedert werden. Seine Wünsche aber sollen nach Möglichkeit beachtet werden. Abg. Dr. Roes icke(B. d. L.) verlangt, daß in den Vorstand auch Landwirte berufen werden; aber man soll sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß kleine L-rndivirtc dabei sein niüsscn. Diese und auch die Kleinhändler sollen eine Vertretung im Beirat bekommen. Die Landwirte, die Futter bauen, müssen unter allen llmständen das Reckt haben, zunächst ihren eigenen Bedarf zurück- zubehalten. Dringend mutz davor gewarnt werden, zu sehr in den bäuerlichen Betrieben herumzuschnüffeln, sonst werden die Land- wirte unmutig. Skaatssekretär Helfferich tritt einigen Ausführungen des Vorredners entgegen und stellt fest, daß es nie die Absicht der Regierung war, einen Lcbensmikteldiktator zu schaffen. Durch die neue Organisation ivird ein rascheres Handeln ermöglicht; es muß nickt immer erst der Bundesrat verhandeln und beschließen. Tie bisher bestanvekien Hemmnisse sind jetzt beseitigt. Wenn sich heraus- stellt, daß dem Präsidenten Batocki größere Machtbcsugnissc ein- geräumt werden müssen, dann wird das geschehen. Das Kriegs- ernäbningsamt unterstellt direkt dem Reichskanzler, aber es kann � nicht einfach vom Reichsamt des Innern völlig losgelöst werden. Der sozialdemokratische Antrag, der dem Ernährungsbeirat einen größeren Einfluß verschaffen will, ist praktisch nicht durchführbar, weil damit die Schnelligkeit des Handelns beeinträchtigt würde. Tic Entscheidung über Ausfuhr, Durchfuhr und Einfuhr hat sich der Reichskanzler ausdrücklich vorbehalten. Präsident v. Batocki versichert, daß er nicht schematisch ar- betten, sondern den Bedürfnissen der Allgemeinheit Rechnung tragen werde. Aus einen Schlag kann das neue Amt nicht ein- gerichtet werden. Bei der Auswahl der Personen hat die Re. gierung eine durchaus glückliche Hand gehabt. Die Situation ist so ernst, daß das Interesse der Erzeuger für die nächste Zeit nicht � berücksichtigt werden kann. Vor allen Dingen jcnß die Not gelindert werde»; selbst auf die Gefahr hin, daß einmal kurze Zeit mit unserem landwirtschaftlichen Besitz Raubbau getrieben wer- den muß. Abg. Frhr. v. G a m p verlangt, daß die Kompetenzen des Reichstags gegenüber dem Kriegsernährungsamt sehr genau fest- gelegt werden. Vor einer zu straffen Zentralisation ist zu warnen. Die Gemeinden müssen eine strenge Kontrolle über den Verbrauch führen, aber vor einer zu weit getriebenen Rationierung kann nicllt genug gewarnt werden. Abg. Hofs(Vp.) begrüßt eS, daß Präsident v. Batocki für die nächste Zeit wenigstens die Interessen der Erzeuger in den Hinter- grund treten lassen wolle. Herr v. Oldenburg hat die Bauern direkt aufgefordert, die Verordnungen des Bundesrats nicht zu befolgen. Im Interesse der Volkscrnährung liegt es, den Vieh- stapcl nicht größer zu halten, als er auch tatsächlich ernährt werden kann. Für das Verfüttern von Getreide sind strenge Strafen am Platze; deshalb haben die Fortschrittler beantragt, den Herrn Reichs- kanzlcr zu ersuchen, Bestimmungen zu erlassen, wonach bei Zu- Widerhandlungen gegen die Verordnungen des Bundesrats und des Kriegscrnährungsamts der gesamte aus der Zuwiderhandlung sich ergebende Nutzen eingezogen und daneben auf eine angemessene Geld- oder Gefängnisstrafe erkannt werden muß. Es ist keine fühlbare Bestrafung, wenn ein Lederfabrikant, der infolge seiner Verstöße gegen die Gesetze Zchntauscnde verdient hat, eine Geld- strafe von 15l>0 M. bekommt. Abg. Herald(Z.) befürchtet, daß das Kriegsernährungsamt derart in den Betrieb der Landwirtschaft eingreifen wird, daß ein Uebermaß von Unzufriedenheit entsteht. Deshalb müssen einige Landwirte in den Vorstaiid berufen werden. Ueber die Pläne des neuen Amtes wisse man bis jetzt eigentlich noch gar nichts, deshalb sei es doppelt wichtig, daß dem parlamentarischen Ernährungs- bcirat ein weitgehender Einfluß eingeräumt wird. Präsident v. Batocki erklärt, daß er seinen Widerspruch gegen eine Verstärkung des Vorstandes aufgebe und dem Reichs- kanzler vorschlagen werde, zwei Vertreter der Landwirtschaft zu ernennen. Ilnterstaatssckretär v. Stein stellt noch einmal fest, daß der parlamentarische Beirat vielleicht später, nicht aber schon jetzt dem Kriegsern'äbrungsmnt beigegeben werden kann. Abg. Wurm(Soz. Arbg.) empfiehlt, daß der Präsident des Kriegsernährnngsamts dafür sorgen möge, daß die öffentliche Kritik an den Ernährungssragen freigegeben würde. Hoffentlich wird im Vorstand mit dem Grundsatz seines Mitgliedes v. Braun gc. brocken, daß Höchstpreise das Volk zum Sparen bringen. Die preußischen Verwaltungsstellen baben bisher am meisten passive Resistenz geübt. Den Gemeinden, missen Vollmachten gegeben werden, ihre Anordnungen auch durchzuführen. Die Anzeigen, die in Berlin wegen Ueberschreitung der Preise schon vor Monaten erfolgt sind, schweben zum Teil heute noch. Die Beschlüsse des Beirats werden jetzt hoffentlich mehr beachtet als seither. Die Rationierung hat nur Zweck, wenn sie für das ganze Reich erfolgt. Aber die Preise müssen auch so gehalten sein, daß sie von den Massen auch bezahlt tverden können. Was aber soll mit der künstigen Ernte geschehen? Darüber ist bis jetzt nichts gesagt worden. Präsident v. Batocki meint, daß man jetzt an dem System der Höchstpreise nichts ändern kann. Die Erweiterung der Macht- Vollkommenheit der Gemeinden werde erwogen. Abg. David(Soz.) erblickt in dem neuen Amt eine Instanz, die ohne Rücksicht vorgehen kann. Wenn sie aber sich erst an die Landeszentralbebörden wenden mutz, dann schwächt man ibre Stoß- kraft. Diese ist aber gerade gegenüber preußischen Behörden sehr notwendig. Bedauerlich wäre eine Erweiterung des Vor- standes, in dem schon jetzt die Interessen der Landwirtschast stark vertreten sind. Die Interessen der Konsumenten haben demgegcn- übecr eine weit schwächere Vertretung. Besser wäre es, eine Frau in den Vorstand auszunehmen. Den parlamentarischen Beirat will man ganz offenbar zum fünften Rad am Wgen machen. Dieser Beirat gebört zur Exekutive, nicht zum Reichskanzler, der gerade diesen Teil seiner Befugnisse abgetreten hat. Es ist eine sehr wichtige Aufgabe des neuen Amtes, das Publikum auszu- klären, damit es in dieser schweren Zeit durchhalten kann. Das Publkium muß aber auch zur Mitarbeit herangezogen werden, damit dem Wucher endlich mit Erfolg zu Leibe gegangen werden kann. In der weiteren Debatte bespricht Abg. Schmidt(Soz.) die Frage der Höchstprcispolitik und weist darauf hin, daß eine der wichtigsten Fragen die der Rationierung ist. Auf diesem Gebiet hat die bisherige Organisation völlig versagt. Der Handel hat große Vorräte einfach verschwinden lassen. Höchstpreis« müssen in dem Moment einsetzen, in dem die Preise steigen. Auch bei der lvlassenspcisung ist darauf zu sehen, daß die Preise so fest- gesetzt werden, daß sie auch bezahlt werden können. Surrogate sollten nur dann zum Markt zugelassen werden, wenn sie vorher untersucht und wenn der Preis angegeben ist. Abg. Graf Westarp(k.) warnt davor, zu tief in die Privat- Wirtschaft einzugreifen, und empfiehlt eine bessere Ausnutzung der besetzten Gebiete. Abg. E b e r t(Soz.) hebt noch besonders hervor, daß die schwer- arbeitende Bevölkerung am' Rande ihrer Leistungsfähigkeit cmge- langt ist. Selbstverständlich soll erhalten werden, was für die Zukunft notwendig ist. Das Verhalten der Gerstenvertvertungs- gesellschaft, die pro Tonne 5 M. Provision berechnet hat, ist auf das allerschärfste zu verurteilen. Erst seit kurzer Zeit ist die Pro- Vision aus 2 M. herabgesetzt worden und damit immer noch hoch genug. Mit dieser Gesellschaft sind Verträge geschlossen worden auf Licferüng'vöu Gerste-zud Hdrstellung bon Graupen und Malz- kaffee. Hier wäre es Pflicht des Reichs gewesen, die Preise erst genau zu prüfen. Der Direktor der Gerstesiverwertuugsgescllschaft steckt nicht weniger als 60 000 M. Gehalt pro Jahr ein. Solche Zustände müssen empörend wirken. Damit war in der Hauptsache die Debatte erschöpft. Tic Ab- stimmung über die Anträge wird später vorgenommen. Die Be- ratung über die anderen Punkte werden Dienstag fortgesetzt/ das tägliche Srot. Mr höhere Milchpreise. Kaum hat das neue Kriegscrnährungsamt zu arbeiten begonnen, als ihm auch bereits die Wünsche von Interessenten aus Produzentenkreisen zur Berücksichtigung übermittelt werden. Die Absicht des Bundesrats bei der Gründung des neuen Reichsamts bestand sicher darin, die schwierige Lage der K o n s u m e n t c n zu verbessern. Die Produzenten da- gegen verlangen, daß Herr v. Batocki ihren Wünschen entgegenkomme. So fordert die„Deutsche Tageszeitung", daß mehr landwirtschaftliche Sachverständige, d. h. wohl aus- gesprochene Anhänger des„Bundes der Landwirte", in den Borstand des neuen Amtes berufen werden sollen. Einzelne Zeitungen gehen mit ihren Wünschen noch weiter und ver- langen bereits bestimmte Maßnahmen zugunsten der Produ- zenten. So tritt der„Reichsbote" dafür ein, daß manche Höchstpreise, z. B. die für M i l ch, erhöht werden müßten. Selbst der außerordentlich hohe Preis für Milch in Berlin ist dem„Reichsboten" noch viel zu niedrig. Er schreibt: „Wenn in Berlin die Eier das Stück 30 Pf. kosten, so steht dazu der Preis von 30 Pf. für 1 Liter guter Vollmilch in keinem Verhältnis. Man zahlte gern auch 40 Pf., wenn man sie nur unverfälscht und uugewäsiert erhielte. Aber wenn der kleine Molkereibesitzer in Berlin 1600 M. für eine Kuh zahlen und das Futter usw. für sündteures Geld erwerben mutz, kann man sich an den Fingern abzählen, daß er gute Vollmilch nicht für 30 Pf. verkaufen kann, wenn anders er bestehen will." Der„Reichsbote" scheint sehr merkwürdige Vor- stellungen über die wirtschaftliche Lage der breiten Bevölke- rungsschichten Berlins zu haben, wenn er behauptet, man würde„gern" 40 Pf. für das Liter Milch zahlen wollen. Aber auch die Begründung für die gewünschte Milchpreis- erhöhung durch den„Reichsboten" ist keineswegs stichhaltig. Sollte es für kleine Molkereibesitzer wirtschaftlich unmöglich sein, bei einem Einkaufspreis von 1600 M. für eine Kuh „durchzuhalten", so wäre daraus unseres Erachtens nur die Forderung zu ziehen, daß Höchstpreise für Rindvieh(Milch- kühe) eingeführt werden, die die Milchwirtschaft rentabel gestalten, ohne den Konsumenten die Lebenshaltung noch mehr zu erschweren._ Die lokalen Ausfuhrverbote. Der preußische Minister für L a n d w ir t s ch a s t hat sich in einem Runderlaß an die Regierungspräsidenten gegen die Ausfuhrverbote in einzelnen Landesteilen gewandt. Danach sind Anordnungen der Gemeinden und Kommunalverbände nur in einem Umfange zuzulassen, der unter allen Umständen jede Be- einträchtigung der allgemeinen Lebensmittelversorgung ausschließt. Ausfuhrverbote für Gegenstände deS täglichen Bedarfs, die nicht der öffentlichen Bewirtschaftung unterliegen, werden hiernach allgemein * untersagt werden müssen. Die besonderen Machtvollkommenheiten die den, Gemeinden und Kommunalverbänden übertragen worden sind, seien lediglich dazu erteilt, die Gemeinden in die Lage zu ver- setzen, ungerechtfertigten Preistreibereien entgegenzutreten. Sie seien aber nicht dazu gegeben, um einzelnen Landesteilen während des Krieges eine wirtschaftlich günstigere Lage auf Kosten der übrigen zu sichern. Gegen den Schiebcrhandel mit Lebensmittel«. Der Abgeordnete Werner hatte bekanntlich im Reichstage eine kleine Anfrage eingebracht, was die Regierung gegen die Lebens- mittelanzeigen in großen Blättern, die den Schieberhandel be« günstigen, unternehmen will. Es ist ihm von dem neuen Staats- fekretär des Innern, Dr. Helfferich, folgende schriftliche Antwort er- teilt worden: „Auf die Anfrage beehre ich mich zu erwidern, daß Berhand- lungen darüber schweben, wie den Uebelständen in bezug auf Zeitungsanzeigen über Angebote und Nachwogen von Lebens- Mitteln und sonstigen Gegenständen des täglichen Bedarfs im Groß- und Zwischenhandel begegnet werden kann. Es steht zu hoffen, daß die Verhandlungen in Kürze zur Beseitigung der Miß» stände führen werden." Regelung des Eierhandels. Im Herzogtum Oldenburg ist der Eierhandel— mit Ausnahme des unmittelbaren Verkaufs vom Erzeuger an den Verbraucher— nur denjenigen gestattet, die vor dem 1. Mai 191S im Herzogtum Oldenburg mit Eiern gehandelt haben und einen Erlaubnisschein besitzen. Alle Eierhändler haben ein Zehntel der ganzen Eiermenge, die sie absetzen, in frischen, gesunden Eiern von durchschnittlich mindestens 53 Gramm Gewicht zum Preise von 17 Pf. für das Stück an die Nahrungsmittelzentrale in Oldenburg abzuliefern. Jedes Aufkaufen von Eiern von Haus zu Haus, im Umherziehen, ist verboten; der Verkauf auf Wochenmärkten und durch Anbieten an den Türen zunächst jedoch noch gestattet. Der Händler hat genau Buch zu führen._ Städtische Versorgungsmaftnahme«. Die Stadt Köln unterhält 45 Verkaufsstellen mit eigenem Personal in gemieteten Räumen, in denen Kartoffeln, Reis, Graupen, Heringe, Gemüse, Obst, kondensierte Milch und andere Lebensmittel verkauft werden. Außerdem sind etwa 1000 kleine Verkaufsstellen für Kartoffeln bei Gemüsehändlern eingerichtet worden. Ferner unterhält die Sladt über 50 Niederlagen für den Verkauf der von ihr beschafften Klipp- und ftischen Seefische. Sie gibt an etwa 150 Verkaufsstellen Milch, an etwa 800 Geschäfte Butter sowie an über 1900 Kolonialwarengeschäfte Petroleum ab. Daneben unterhält die Stadt noch 85 eigene Felt- Verkaufs« stellen. Der gesamte Umsatz dieses Lebensmittelgeschäfts, der bis Mitte Oktober 75Vz Millionen Mark betrug, ist bis Ende Dezember auf 94 Millionen Mark gestiegen. Bis Ende März 1916 hat der Umsatz 100 Millionen Mark erreicht. Zur Entladung. Lagerung und Beförderung der Lebensmittel bildete die cstadt eine besondere Zentrallagerverwaltung, Der Umfang ihrer Geschäfte machte die Einrichtung besonderer Dienststellen auf den Bahnhöfen sowie die Annahme von mehreren hundert Arbeitern und die An« mietung einer Reihe von Lagern notwendig. Zur Verarbeitung der Küchenabfälle sowie zur Trocknung von Obst und Gemüse sind Dörranlagen eingerichtet worden. Zur Behebung der Futter« knappheit hat die Stadl ein Mischsutter hergestellt. In der Kölner Stadtverordnetenversammlung kam es anläß- lich eines liberalen Antrages. Speisegcmeinschaften in größtem Um- fange einzurichten, zu sehr lebhasten Debatten. Der Antragsteller erklärte, daß die Stadt hier schließlich 100 000 bis 200 000 Menschen täglich ernähren könne. Bürgermeister Adenauer betonte im all- gemeinen seine Zustimmung;' schon jetzt beständen in Köln vier Volksküchen, 13 Abgabestellen für Eintopfgerichte, 13 Suvpenküchen, 7 Gulaschkanonen; 19 680 Portionen würden täglich verabreicht, und im ganzen könnten heute schon 80' 000 Personen versorgt werden. Die Speffegemeinschasten garantierten auch eine bessere Ausnutzung der vorhandenen Lebensmittel. Die Stadt Augsburg hat eine Einrichtung geschaffen, durch welche denjenigen Familien mit billigen Lebensmitteln geHolsen werden soll, die keinen Anspruch auf Erwerbsfürsorgc. Kriegsfürsorge oder Armenpflege haben. ES sind Einkommensabstufungen von 1800— L400 M. gemacht, wobei Rückficht genommen wird auf die Kinderzahl.' Familien mit 5 Kindern und einem Einkommen unter 2400 M. erhalten Bezugsscheine, mit denen sie Nahrungsmittel in städtischen Berkaufsstellen zu billigeren Preisen entnehmen können. Der Flcischpreis wird beispielsweise ermäßigt um 60 Pf., Speise- kartoffeln werden der Zentner zu 2 M. abgegeben. Die Zuschüsse zu dieser ErnährungSbflfe leistet die Stadt oder sie werden aus privaten Mitteln bestritten. In den ersten Tagen seit Bestehen dieser Ernährungshilfe find über 3000 Gesuche eingegangen. Neben Ar- beitern mit geringem Verdienst sind es hauptsächlich kleine Hand- werker und Gewerbetreibende, die von der Ernährungshilse Gebrauch machen.__ Zentralstelle für Trocknungswesen. Amtlich. Auf Anregung des Reichsajnts des Innern ist am L6. Mai eine„Zentralstelle für das Trocknungswesen" errichtet worden. Die Zentral- stelle soll eine Auskunftsstelle für alle Fragen auf dem Ge- biete der Trocknung von Nahrungs- und Futtermitteln sein. >Lie soll die Aufgabe haben, mit allen geeigneten Mitteln für die Ausbreitung der Trocknung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und aller Stoffe, die für?iahrungs- und Futterzwecke in Frage kommen, zu wirken. Die Geschäftsführung liegt vor- läufig in den Händen des Herrn Direktors Ernst Scharrer. Die Geschäftsräume befinden sich in Berlin W. 9, Köthener- Straße 38._ Gewaltsames Hochtreiben der Obstpreise. In der letzten Sonntagnummer gaben wir einer Mitteilung der „Deutschen Tageszeitung" Raum, wonach bei der Verpachtung der Obstchaussee im Kreise Trebnitz die Händler sich gegenseitig gewaltig überbieten und die Taxen um das Achtfache höher treiben. Unser Breslauer Parteiorgan, die„Volkswachl", weiß dasselbe zu melden und fügt noch hinzu, daß auch bei der Verpachtung der Kreis- und Provinzialchaussee im Landkreise Breslau das gleiche zu beobachten war. Dort wurden im ganzen statt des taxierten Wertes von 10620 M. 34710 M. gezahlt. Die„Volkswacht" bemerkt dazu, daß also jetzt schon die Kirschen, wo sie noch am Baume hängen, auf den dreifachen Preis getrieben werden. Wenn nun noch die verschiedenen Zwischenhändler dazu kommen, wird es unS mit dem Obst genau so oder noch schlimmer gehen wie mit Eiern und Heringen. Denn auf die Kirschen folgen Birnen und Acpfel. und die Hoffnung auf den großen Segen der Obsternte ist für die breiten Massen dahin, wenn nicht ein energischer Machthaber durch sehr niedrige Höchstpreise bald ein Halt gebietet. Wir möchten diese Vorgänge ebenfalls dem ErnährungSamt als Material überweisen und erwarten, daß von dort aus ohne Rück- ficht auf einen eventuellen Schaden der Preistreiber bereu Hoff- nungen auf hohe Obstpreise zuschanden gemacht werden. Jim Znöustrie und Handel. Stinnes uud Thyffen als Schiffsrceder. � Die rheinisch-westiälischen Mamuiulh-Jndustriellen gewinnen ständig mehr Einfluß auf das Reedereikapital. Bislang besaß nur K ru p p�die Germaniawerst in Kiel. Kürzlich hat nun die Firma Hugo S t i n n e s, die Repräsentantin der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hülten-Aktiengesellichaft. einen Teil dcS Aktienkapitals der Wörmannlinie und der deutschen Lstafrikalinie erworben. Und jetzt wird gemeldet, daß A u g u st Thyssen den vierten Teil der 10 Millionen Aktien des„Bremer Vulkan" übernommen hat und zugleich in den Aussitfitsrat dieies Schissbauunternehmens eingetreten ist. Der„Vulkan" ist vertraglich verpflichtet worden, bei einer etwaigen Auslösung de» Schlsfbaustahlkonlors seinen ganzen Stahl- bedarf bei den Thyssenschen Werken zu decken. Vermutlich wird später auch Thyssen zum Bau eigener Schiffe übergehen, wie Stinnes ihn bereits auf den Emdener Nordseewerken betreibt. Der Vater Stinnes war ursprünglich nur Rhein- und Ruhrreeder und erwarb später erst eigene Gruben und Hütten. Ä apitalkonzentration. Jimner mehr streben die großen Aktiengesellschaften dahin, durch Aufkäufe von Werken ihren Produktionskreis zu erweitern und ihre Rcinprodukte wie Kohle und Eisen, nicht mehr abzugeben, soirdern sie selbst zu verbrauchen. Selbswerständlich erhöhen sie die Gewinne dadurch bedeutend, und ein ungeheures Kapital sam- melt sich in diesen Aktiengesellschaften an. So wurde kürzlich im „Reichsanzeiger" zu einer außerordentlichen Hauptversammlung der Aktionäre der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft ein- geladen, die am lZ. Juni stattfinden soll. Als Verhandlungsgegen- stände sind angegeben: l. Ilcbernahme des Vermögens der Hüstener Gewerkschaft A. G. zu Hüsten, unter Ausschluß der Liquidation gegen Gewäh- rung von Nennwert 3 730 000 M. neuen Aktien unserer Gesell- schaft im Umtauschverhältnis von 5:8 und Uebernahme de» Vermögens� der Düsseldorfer Röhren-Jndustrie zu Düsseldorf unter Ausschluß der Liquidation gegen Gewährung von Nenn- wert 3 500 000 M. neuen Aktien unserer Gesellschaft im Umtausch- Verhältnis 1: 10, unter Genehmigung der darüber abgeschlos- senen Verträge. 3. Erhöhung des Grundkapitals um 8 000 000 M. durch Ausgabe von 6065 Stück neuen, vom 1. Januar 1016 ab gewinn- berechtigten Aktien über je t-00 M. und von einer neuen, voui 1. Januar 1916 ab gewinnberechtigten Aktie iiber 2000 M. unter Ausschluß des Bezugsrechts der Aktionäre und Verwendung von Ltennwcrt 7 250 000 M. dieser Aktien zu den unter 1 genannten Zwecken, Festsetzung de» Mindestkurse» der Ausgabe für die übrigen Nennwert 7.->0 000 M. und Ermächtigung des Vorstandes zur Begebung im Einverständnis mit dem Aufsichtsrat. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Vorschläge auf der außer- ordentlichen Hauptversammlung gutgeheißen werden. Durch die An- gliederung der Hüstener Gewerkschaft setzt die G. B. A. G. ihre Be- strcbungen fort, über die Erzeugung von Roh- und Halbfabrikaten die Verfeinerungsindustrie in die Hände zu bekommen. Mit der Düffel- dorier Röhrenindustrie A.-G. bestand schon seit 1010 Interessen- gemeinschast und wird diese Aktiengesellschaft nun ganz in die Hände ihrer Gelsenkirchener Jnteressenschwester übergehen. Durch die Kapitalscrhöhung um acht Millionen Mark steigt das Kapital der betriebsamen Gesellschaft auf 188 Millionen Mark. Noch ist aber kein Ende dieser Konzentration zu erwarten, immer weiter wird sie schreiten, denn die migehäuften, durch überreichlichen Gewinn sich fortdauernd vermehrenden Kapitalien sollen nutzbringend angelegt werden, und der Großindustrielle Kirdorf, der das Zepter bei der Gelsenkirchener A.-G. führt, ist der Mann dafür. Von der Förde- rung der Rohkohle und des Eisenerzes bis zur Herstellung des Draht- nageis ist schließlich der einzelne Betrieb eingerichtet.— Es gibt schon drei Unternehmungen, die über 200 Millionen Mark Aktienkapital haben. So..verfügt die Tiskontogesellschaft über. 300 Millionen, die Deutsche Bank über 250 Millionen Mark, über dasselbe Aktienkapital die Firma Krupp. 15 Unternehmungen haben ein Aktienkapital von 100 bis 200 Millionen, darunter die Gelsenkirchener Bergwerksgesell- schast nach ihrer Kapitalserhöbuna über 188 Millionen, die Deutsch- Luxemburgische Bcrgwertsgescllschaft über 100 Millionen, die Phönix 106 Millionen Mark. Soziales. Die Landbeschaffung für Ariegersiedlungen. Der westfälische Aleinwohnimgsvercin berichtet in seinem .Wohnungsblatt" über die Erfahrungen, die er bisher bei dem Bemühen um die Bereitstellung von Land für Kricgcrsicdlungcn gemacht hat. Er hat bei den Gemeinden und Kreisen deswegen angefragt, die Antworten sind aber zum Teil sehr wenig g ü n st i g und im übrigen so gehalten, daß man nur fragwürdige Hoffnungen haben kann. Im Jndustricrcvier„steht und fällt die Bodenfrage mit der Frage der Verwertbarkeit des um- fangreichen Zechengeländcs".?lber hier werde wohl ein gangbarer Weg zu finden sein. In den landwirtschaftlichen Gegenden werden im Guten kauin etwas zu machen sein, da die Groß- und Mittelbauern immer bloß zukaufen, aber nichts abgeben wollten, obgleich es gerade hier an intensiver Ausnutzung der Bodenschätze vielfach fehle. Die Wichtigkeit der Sache rechtfertige hier ein zielbewußtes Vorgehen,„wenn es auch vielleicht manchem zu seinem Eigentumsbegriff nicht recht passen möchte". Wo es ein Landwirt an intensiver Bearbeitung des Bodens fehlen lasse, muffe eine Handhabe geschaffen werden, daß ihm das Land ent- zogen wird. „In den fruchtbarsten Bezirken sitzt der Groß- und Mittel- besitz fest." Nur in den Gegenden mit zersplittertem Boden- besitz ist reichlich Ansiedliingsland zu haben, aber hier ist meist weniger fruchtbarer Boden." Aus einem Kreise wird allerdings berichtet, daß die Ansied- lung von Heuerlingen erwünscht sei, „aber auch hier(Kreis Halle) sind die Preise, selbst für Oed- und Heideland, so hoch, daß das Herauswirt- schasten einer angemessenen Verzinsung unmöglich ist". An einigen Stellen könne man vielleicht hoffen, daß die Kirche ihren Grundbesitz zu Kriegssiedlungen hergäbe. Recht und billig sei es auch, daß der mit staatlicher Unterstützung durch ländliche Ge- nossenschaften(Kricgsgefangcnenarbeitl in Kulturland verwandelte Oed- und Moorboden herangezogen würde. Im allgemeinen aber heißt es: „Für die landwirtschaftliche Kleinsiedlung scheint nach alle- dem unter den jetzigen Verhältnissen in Wejrfalen verhält- niSmäßig wenig Aussicht zu bestehen." TaS soll heißen: Wenn nicht Gesetze gemacht werden, die es ermöglichen, die angenommenen Bedürfnisse auch gegen den Willen der Grundbesitzer zu befriedigen, dann wird die Arbeit nicht viel Erfolg haben. Ter Gedanke der landwirtschaftlichen Lileinsiedlung für Krieger ist in Kreisen, die gewiß gute Absichten, aber wenig Nachdenken und wenig Verständnis für die Lage der Tinge haben, mit Begeisterung aufgenommen worden. Es zeigt sich aber auch diesen Leuten immer mehr, welche Schwierigkeiten da im Wege stehen, und mit dieser Erkenntnis flaut die Bc- geisterung ab. Das ist auch nicht so schlimm, denn die land- wirtschaftliche Kleinsiedlung kann nicht das erstrebenswerte Ziel unserer Krieger, und zumal der verwundeten, sein. Ist sie schon überhaupt eine sehr fragwürdige Sache, so ist sie es unter den heutigen Besitz, und Produktionsverhältnissen doppelt und dreifach. Und um eine intensive Ausnützung des Bodens zu erreichen, dazu bedarf es der Kleinsiedlung nicht, — die läßt sich bei gutem Willen und weniger Rücksichtnahme auf private Liebhabereien auch so durchführen. Gerichtszeitnng. Kriegssachen. Die Vergeben gegen Kriegsgesetze und-Verordnungen werden vom 1. Juli ab einheillich von der 1.'Strafkammer des Land- gerichts I unter Vorsitz des Lanögerichtsdireklors Dr. S ch iv a r tz e abgeurteilt werden. Es gehören dazu die Bergehen gegen das Gesetz betr. den Belagerungszustand, das Reichsgesetz über die Ermächligung des Bundesrats zu wirlschaftlichen Maßnahmen, das Reichsgesetz betr. Höchstpreise— sowie die auf Grund derselben vom Bundesrat, vom Reichskanzler, vom Kriegsernährungsamt und von Militär» und Zivilbehörden erlassenen Verordnungen und An- Ordnungen. Ein Profcssorcnstreit. Ein Professorenstrcit beschäftigt zurzeit sowohl das Zivil- wie dos Strafgericht. Der Spezialarzt für Augenheilkunde, Dr. med. Maximilian Graf W if e r ist Besitzer des Bades Liebenstein in Sachsen-Mei- ningen uni) leitender Arzt eines daselbst von der Herzogin von Mei- ningcn begründeten Sophie-Charlottc-Heims für Kriegsblinde. Gegen Dr. Graf W i fe r und feine Bedeutung auf dem Gebiete der Augenheilkunde hat sich unter den Inhabern von Lehrstühlen ein- schlägigen Gebietes auf verschiedenen Hochschulen eine recht lebhafte Agitation geltend gemacht, die sich nach einer seinerzeit hier im Hotel Bristol stattgehabte» Versammlung zu einer van 22 Prafcssaren genreinsam beschlossenen Erklärung verdichtet hat. Gegen die llntcr- zeichner dieser Erklärung hat Graf Wiser beim hiesigen Landgericht den Erlaß einer Verfügung beantragt, durch welche den 22 Pro- fessorcn verboten werden soll, solche Behauptungen, wie sie in jener Erklärung enthalten sind, gegen den Dr. Wiser zu veröffentlichen. Es haben in dieser Sache schon mehrere Termine stattgefunden; der Versuch einer gütlichen Beilegung der Streitsache ist bisher ge- scheitert. Daneben läuft eine Privatklage, die Dr. Graf Wiser gegen den Universitätsprofessor und Geheimen Medizuiairat, Direktor der Königlichen Augenklinik in der E h a r i l e, Tr, med. Greeff angestrengt hat. In dieser Sache stand gestern Verhandlungstermin vor dem Schöffengericht Berlin-Mittc an. Es handelt sich in diesem Falle um den Inhalt eines Briefes, den Gel). Rat Dr. Greef vor längerer Zeit an den Professor Abel in Jena gerichtet hat und der durch Zufall zur Kenntnis des Privatklägers gekommen ist. Auch in dieser Sache wurde ein Vergleich abgelehnt. Vor Verlesung des Erösfnuiigsbeschlusse» erhob der Vertreter des PrivatkiägcrS de» Eiiiioan� der Unzuständigkeit des Sch ö f fe n g e r i ch t s, inde... er darauf hinwies, daß Geh. Rat Dr. Greeff hier Am Karlsbad wohne und nach der Einteilung der Gerichtsbezirke für Grotz-Berlin die Sache vor das Amtsgericht Berlin-Schönebcrg gehöre. Da diese Behauptung den Tatsachen entsprach, beschloß der Gerichtshof, die Privatklage an da» Schössen- gericht Berlin- Schöncberg zu verweisen. Liebesgabenschwindel. Wegen ganz verschmitzt ausgeführter Liebesgaben- fchwindeleien standen gestern die verwitwete Atathilde Gell- Hardt, deren Tochter Elly und die Schwester der Erst- angeklagten vor der I. Strafkammer des Landgerichts I. In einem Wurstwaren-Verkaufsstand in der Wedding-Markthalle war im Juli v. I. ein Frl. N. als Verkäuferin tätig. Sie hatte ein mildtätiges Herz, äußerte Kunden gegenüber, daß sie gern an mittellose Soldaten im Felde Liebesgaben opfern möchte uud bat um Angabe von Adressen. Daraus meldete sich Frau G, und erklärte, sie unterstütze bereits eiyen. mittellosen Soldaten, aus einem Lazarett in der Scharnhorsislraße, der fast-jeden Tag bei ihr zu Mitlag äße und sie würde ersreut sein, wenn Frl. R. ihr kurzer Hand die Liebesgaben, die sie für diesen Soldaten, den sie Max Günther nannte, spende, zur Weiterbeförderung übergebe. Das leichtgläubige Fräulein N. ging auch darauf ein und gab der Frau G. für den bedauernswerten„Max" fort und fort Liebesgaben in Gestalt von Schokolade, Zigaretten, Torte uiio. im Werte von etwa 71 M., ohne zu ahnen, daß der arme Max nur ein Phantafiegebilde der Frau G. war und letzlere die„mit allen Schikanen" ausgestatteten Dankesbriefe des Max, die ihr von der Tochter der Frau G, überbracht wurden, von der Mutter selbst geschrieben waren. Und wie eifrig war Fräulein N. bestrebt, den Wünschen des Max entgegenzukommen: hat sie eS doch verstanden, eines Tag» einen Ochienichwanz zu be- schaffen, als Max in einem Dankschreiben einen unstillbaren Appetit nach solch' einem leckeren Gericht bekundete. Alle diese Liebesgaben fanden aber willkommene Verwendung in dem Haushalt der Frau G.. die recht kränklich und stärkungsbedürstig. aber keineswegs notleidend war.— Auch ein mildherzige» Fräu- lein Gr., gleichfalls cine Verkäuferin, ist von Frau G. bewogen worden, Liebesgaben im Gesamtwerte von 00 M. herzugeben für einen in demselben Lazarett liegenden Soldaten, dem in Belgien die rechte Hand abgehackt und drei Finger der linken Hand ab- geschnitten worden seien. Auch die Existenz diese» Soldaten wurde durch die Erfindungen einer blühenden Phantasie glaubhaft gc- macht. Ter etwa drei ivtonate ausgenutzte Schlvindel kam als solcher endlich zutage.— Der Staatsanwalt brachte gegen Frau G. und deren Schwester je 0 Monate, gegen die Tochter 2 Monate Gefängnis in Antrag. Frau G,, die inzwischen in der Charite auf ihren Geisteszustand untersucht worden ist, ist nach dem ärzt- lichcn Gutachten eine schlver hysterische, exaltierte und geistig minderwertige Person.— Das Gericht verurteilte Frau G. zu fünf o n a t e n, deren Schwester zu vier Rk o n a t c n, die noch nicht Ivjährige Tochter zu einem Monat Gefängnis. Verletzung eines Schulknaben beim Hantieren an einem Fleischwolf. Kinder soll man nicht in gewerblichen Betriebs- räumen dulden, wo sie durch Hantierung an Maschinen und Werkzeugen sich leicht verletzen können. In der Duldung solchen Hantierens ist stets eine den Betriebsnnternehnier zum Schadenersatz verpflichtende Fahrlässigkeit zu finden, und zwar eine Fahrlässigkeit mit Außerachtlassung derjenigen Aufmerksamkeit, zu der der Beiriebsunternehmer zufolge feines Gewerbes besonders verpflichtet ist. Das um so mehr, wenn die Maschinen nicht mit den vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen versehen sind. Solchenfalls kann die B e r u f s g e n o s s e n s ch a f t, die den verletzten Knaben entschädigen muß, weil er gelegentlich Handreichungen geleistet hat und deshalb als in dem Betrieb„beschäftiger" Ar- beiter gilt, nach 8 136 des Gewerbeunfallversichernngsgesetzes Ersatz ihrer Auswendungen von dem Betriebs unter- n e h in e r verlangen. So entschied am Mittwoch das Reichs- gerickst. Am 29. Januar 1910 ist der damals 11 Jahre alte Schulknabe S. in der Wurstküche des Kleischermeisters I. in Berlin mit der linken Hand in den Fleischwolf geraten; dabei wurde ihm die Hand von der Welle der Maschine abgerissen. Die Unfallver- sicherungsbehörden nahmen an, daß ein entschädigungspflichtiger Betriebsunfall vorliegt, weil der Knabe in der J.schcn Wurstküche öfter kleine Handreichungen geleistet hatte und damit in dem Betriebe beschäftigt worden sei. Die Fleischerei- berufsgenossenschaft in Mainz muß deshalb dem Jungen cine monatliche Rente von 42 M. zahlen. Sie verlangt Ersatz dieser Rentenzahlungen von dem Fleischermcister I. mit der Be- hauptung, dieser habe durch Fahrlässigkeit den Unfall herbeige- führt, well er entgegen dem gesetzlichen Verbot' den noch nicht 12 Jahre alten Knaben beschäftigt habe und weil der Fleischwolf nicht mit einem Schutztrichter versehen gewesen sei. Das Landgericht I zu Berlin wies die Klage ab. Das Kammergericht verurteilte den Beklagten zum Ersatz. Das Reichsgericht bestätigte das Urteil des Kammer- gerichts._ Mus aller Welt. Kurze Freude. Ueber cine ulkige Schmugglcrgescyichte, die in Kunstkreisen viel belacht worden ist, schrieb eine holländische Zeitung:„Gestern abend wurde auf der Station Zc v e n a r eine>schmugglcrbaitde gefaßt, wie sie unsere braven Zollbeamten nicht jeden Tag zu fassen kriegen. Wie sich bei einem' gemütlichen Vcrhdx herausstellte, war diese unter dem Vorwand nach Holland gekommepi, eine Reihe Vorstellungen der„Waltüre" und des„Siegfried" zu geben. In der Tat hatten solche Vorstellungen stattgcsunden, und vsxi dem Erlös kauften die Herren und Damen cine Ladung, Speck, Fett, Butter, Seife, Margarine und andere dergleichen Sachen, um sie in ihren Requisiten verborgen über die Grenze zu schmuggeln. Tie Zollbcamtev in Zevenar, die ganz besonders neugierig zu sein scheinen, wollte» diese Gelegen- Heft nicht versäumen, mal eine solche Walhalla zu schon, und fanden statt dessen einen kompletten Kramladen. Der Drache Fafner, der in einer Ecke des Wagens treue Wacht hielt, schien sich an ver- schledenen Säcken Mehl gütlich getan zu haben, und als die Zoll- bcamten— wir müssen gestehen, daß diese» sehr unehrcrbictig war — alle diese Götter, Helden und Menschen am Leibe untersuchten, kam heraus, daß sie allerhand Schmugglerwaren unier den Klei- der verborgen halten. Ter Waggon mit dem Walhalla-Amestblc- ment wurde vom Zuge abgehangen, und die Gesellschaft bekam keine Erlaubnis, ihre Reise fortzusetzen." Die Freude Wotans über die Speckseiten und Siegfrieds Wörme über den schölten Kalbsbraten waren also nur von kurzer Dauer,(z) Zwei Arbeiterinnen vom Eisenbahnzug überfabren. Ei» schwerer Unglücksfall ereignete sich am Freitag voriger Woche auf der Bqhir- strecke Königsberg— Pillau. Wie Königsberger Blätter melden, wurden dort die Arbeiterfrau N a g r a s ch i ck und die Kutscherfrau Graßmann zwischen den Gleisen in schwerverletztem Zustande aufgesundett. Der Frau N. waren der linke Fuß und das rechte Bein abgefahren, während der Frau G. der linke Fuß glatt ab- gefahren war und sie auch außerdem schwere innere Verletzungen davongetragen hatte. Die beiden Frauen hatten auf den Gleisen Arbeiten auszuführen und waren dabei von einem die Strecke passierendeir Zug erfaßt worden. Mord. Am Soimtagvormittag wurde die Jnbaberin eines Ein- und Verkaufsgeschäfts in A l t e n b u r g, die Trödlerin E m m a Kohlenleitner, ermordel aufgefunden. Es ist nach nicht festgestellt, ob es sich um einen Raubmord handelt. Am Sonnabend war ein unbekannter Käufer im Geschäft, auf den sich der Verdacht richtet. Tie Sturmschäden in CYeiititi«. Bei dem schweren Unwetter in Chemnitz, bei dem, wie schon gemeldet, eine Windhose' die schönsten Anlagen der Stadt beim Schloßteich verwüstete, wurden etwa 100 Gebäude mehr oder weniger beschädigt. Sechs Personen wurden verletzt, indem sie durch den Sturm zu Boden geworfen oder durch fallende Bäume getroffen wurden. Da der Windhose ein schwerer Hagclschlag voranging, so waren glück- I icherweise die Straßen der Stadt menschenleer, als die Windhose losbrach. Vier Soldaten, die in einem von Limvach nach Chemnitz fahrenden Zuge waren, wurden durch ein Holzstück verletzt, das der Sturm durch dos Fensler in ein Abteil schleuderte. Die'von der Windhose betroifenc» Teile von Chemnitz' sehen aus, als ob sie einer tagelängen Beschießung-durch Granaten ausgesetzt gewesen wären. Feuer in der Petersburger Admiralität. In der Polrrsbürger Admiralität brach Donnerstag mittag ein gefährliches Grotzfeuer aus, da» sich mit unglaublicher Schnelligkeit im ganzen Gebäude schnell verbreitete. Unter der Beamtenschaft brach cine Panik aus, da die Treppen infolge des Rauches unpassierbar waren. Ter Mavineministcr G r i g o r o w i t sch entkam mit knapper Not aus dem dritten Stocktverk springend; der Ministergehilfe Admiral M u r a w j e w erlitt schwere Brandwunden. Der Schaden ist außer- ordentlich bedeutend, unersetztiche Akten wurden ein Raub der Flammen. Die Ursachen find noch unaufgeklärt, doch wird allge- mein Brandstiftung angenommen, da das Feuer an verschiedenen Stellen zu gleicher Zeit ausbrach. Großscuer i» Kristiania. Am Sonntag sind, dem„L.-A." zu- folge in Kristiania 9000 Tonnen Zucker, Korn und Mebl ganz oder teilweise durch Feuer vernichtet worden. Die Waren lagerten im Haien und wurden ausgeladen. Ein 4000 Tonnen großer dänischer Dampfer war lange bedroht. Der Schaden ist sehr bedeutend. Die Sommerzeit in Italien. Die„Agence HavaS" meldet aus Rom: Ein Dekret bestimmt, daß vom 3. Juni ab bis auf neue Weisung die gesetzliche Zeit Italiens um eine stunde vorgerückt wird. Sriefkasten üer Redaktion. P. A. 7. Da Sie der Firma gegenüber doch für den fehlenden Gegen- stand hasten müssen,'so wird es wenig Aussicht aus Ersolg haben, öle Forderung durch Klage einzutreiben.— H. L. 4. �cie haben keinen Anspruch aus Löhnung.— W. 13. Hcrlzeldend, dienstuntauglich.— G. 0. t. Sic brauchen nur einen?lntra,? an das Amlsgcricht zu stellen. Einer Urkunde bedarf es dazu nicht. 2. Wenn Ihr jetziger Verdienst der Steuer- Veranlagung zugrunde gelegt ist, können Sic mit Erfolg nicht reklamieren. Der Verdienst vom vorigen Jahre ist nicht absolut inasgcbcnd, da sie im vorigen Jahre wahrscheinlich längere Zeit nicht in Arbeit standen. 3. Der Antrag auf Unlerstützung sür den zum Heeresdienst eingezogenen Sohn kann letzt sosort gestellt werden. 4. Der Umzug würde sich nicht cmv- fehlen. Auch würde die dortige Gemeinde Slrmcnunterstutzung nicht zahlen.— L. 100. Die Kündigung durch den Hauswirt konnte erfolgen. Sie haften für die Mietsschuld auch über den 1. Oktober hinaus.— F. St. 15. Eine solche Verordnung ist uns nicht bekannt. — M. F. 150. Die Bezeichnungen kennen wir niHl. Sic sind jeden- falls cine Messung der Armmuslein.— 285. Dienstuntauglich. Die Nummer hat keinen Bezug aus die Krankheit.— B. 101. 1. Der Adoptivvater beerbt nicht das Adoptivkind. 2. Wenn der Sohn vor seiner Einziehung zum Heeresdienst zu Ihrem Unterhalt bcigclragen hat, könnte» Sie Antrag aus Zahlung des Knegselterngcldes beim zuständige» Polizei- revier einreichen.— A. H. Borkum. Nein.— Ss). 78. 1. Die staatlichen Versicherungsbcilräge und die Beiträge zur Lebensversicherung. 2. und 3. Nein.— Fritz 32. Sie sind verpflichtet, an die Gemeinde Charlottcnburg den Betrag zu zahlen. Suchen Sie um Ratenzahlungen nach von etwa 5 M. im Monat.— 88—88. 1. Ja. 2. Der wöchentlich 38,47 M. übersteigende Arbeitsverdienst. 3. Aus Grund deS voll- streckbaren Urteils müssen Sie Lohnpsändung beantragen.— H. R. 53. Nein.— I. H. 23. Ter Antrag wäre bei der Steuer- lasse zu stellen. Er erscheint uns aber in diesem Falle aussichtslos. — B. 7V8. Es würde sich wohl cinpschlcn, das Gesuch erneut einzu- reichen. Sie können später noch Beschwerde beim Regierungspräsidenten erheben.— Trudchen 6. Der Mann geht dadurch seiner Anrechte nicht verlustig.— M. L. 100. 1. Der Miclszuschusi kann Ihnen in diesem Falle nicht entzogen werden. 2. Bei diesem geringen Verdienst wird Ihnen die Unterstützung nicht entzogen.— Mcmlcrstr. 1>. Wenden eic sich an den Lorfitzendn der Brutkommissioti mit Ihrem'Anliegen.— St. H. 39. Für den Unterhalt des- Kindes muß doch Ihr Ehemann sorgen. Sie müssen durch eine UMerballstlage Ihre Rechte sür sich und das Kind geltend machen.— W. H. Ncrvcnlcidcnd; zurückgestellt.—®. H. 101. 1. Wahrscheinlich nicht. Es liegt das aber bei der Entscheidung des Militär- arztes. 2. Durch Antrag bei der Landesversichcrungsanstalt, bei der man Versichcrungsmarken geklebt hat. Wetteraussichten iür das mittlere Norddeutschland dt» Mttttvoch mittag. Zunächst überall ziemlich warnt und viclsach heiter, später: westlich der Oder strichweise Gewitter mit Abkühlung.. Sozialdemokratiseher Wahlyerein für den 3. Berliner Heiehstagsvahlkreis. Heute Dienstag, den Äv. Mai, abends 8V2 Uhr: General-Versammlung im<Ä s. II. Nur die Mewinne über 210 M. stnd in Klammern beigefügt. (Ohne Gewahr 81. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 53 235<5«) R0 535 541«2(500)«05»25 1075 175 225 «1 74 210 514<10001 554 54» 909(3000) 2031«O 143 773 806 8007 19 57 133 68 205 314 611 674 753 94(500) 865 78 4160 (1000) 68 353 883 89 933 40 72 8065( 500) 217 382 455 88 579 94 645 738 65 942 54 0049 154(30001 85 91 382 48« 727 892 7019 34 108 21(5000) 378 621 721 814(3000) 28 8011 32 66 149 89 263 348(600) 499 835(3000) 45(1000) 74 97«065 HO (3000) 21 434 546 855 853 10067 264 333 642 94 97 733 835 70 11405 65 e4Z?12271 847 83 664 626(600) 67(3000) 744(600) 60 1 8210 89 87 311 87 6«6(1000) 995 1.040(3000) 72 249 480(600) 623 699 705 27 72 875 800 7 38 80 98 1BI28 74 237(500) 420 662 951 18085 354 497 1 7024 76 264 324 88 89 447 68 689 624 740 819 49 928 46 1 8262 357 620 622 1 8137 78(1000) 236 38 70 366 637 761 928 20192 427 31(1000) 628 809 82(1600) 790 21tJl 97(500) 244 343 402 691 2 2015 63 416 638 673 708 841 901 19 2 3436 73(1000) 647(3000) 636 702 995 2 4007 233 635 618 790 867 2 6 063 66 167 206 12 16 401 60 845 96 701 882 28253 376 697 711 27169 291 339 719(10 000) 927 28018 86 167 367 418 522 49 732»60 2 9254 610 618 19 67 744 3 0005(600) 29(1000) 137 307 60 99 993 31068 422 84 62 602 7 57 793 822 44 3 2054 106 10 256 391 802 83 3 3017 75(500) 88 147 72 99 226 46 326 60 71 92 624 32(500) 86 932 34036(600) 197 209 64 306 409 665 852 3 6 014 248(1000) 465(3000) 601 73 811 940(1000)«6023 98 154 73 266 83 865 66 602 781 84 869 83 93« 7081 138 65(600) 272 348 406 781 890 938(600) 38164 66(3000) 73 213 476 634 716 38000 226 346 69 666 843 64 998 40122 402 ES 684 680 88 791 894 982 83 41142 334 473 640 70 787(3000) 4 2059 133 391 497 821 94 904 4 3 049 102 242 80 340 616(500) 60 747 80 847 936( 600) 4 4063 337 414 48 866 4 6044 219 31 674 4 0291 461 86 676 636 86 83 822 4 7 004 281 330 615 22 629 4 0051 104 6(600) 393 416 686 49134 43($00) 203 40 446 47 625(1000) 846 50104 381 460 68 643 48 603 41 47 789 94 81148 79 247 369 412(3000) 38 63 68 629 943 8 2110 98 366 409 709 811 5 3066 106 363 664 647 983 6 4161(600) 62 247 69 68 (600) 410 11 23 649 602 85 90 807 902 77 5 5178 384 604 709 48 817 64 816 17 5 6163 358 402(3000) 40 672 834 883 917 96 6 7049 94 113 31 232 348 63 457(600) 688 722 48 97 815(1000) 25 B 8021 59 262 63 315 64 418 69 687(500) 673 775 813 26 8 9049 249 326 41 42 611 17 664 793(600) 678 647 6 0318(1000) 49 60 466 668 674 61138 212 40 370 646 78 838 62003 15 82 213 351(30001 85 405 21 595 721 78 84(500) 84 993 6 3000 246 75 431 624 737 821(600) 77(600) 937 64082 350 562 65 731 38 60 827 6 3 232 330 424 681 753 89 84 940 6 8034 108 81 213 81 361 93 449 978 6 7 067 68 283 67 409 14(600) 676 620 82 711 28 811»64 6 8035 366 68 92 434 655 67 778 823 42 73 915 42 0 8947 88 148 60 214 342(1000) 60 414 70194 293 361 93 609 86 780 879 8# 71183 308 84 978 7 2266 98(600) 412 659 788 818 22 33 7» 014 16 24 141 (1000) 243 408 697 646 740 60 96 902(6001 62 78(600) 7 4061 61 101 49 94 624 631 67 773(600) 932 7 8 260 61(600) 638 758 899 986 7 6001 31 172 214 31 54 64 632(3000) 809 853 63 960 7 7 002 66 III 347 96 482 67 682(600) 514 871 911 7 8132 74( 600) 211 343 438 629 69 7 9012(1000) 28 70 80 83 100 97 293 379 493 719 836 918 80135 307 IV 442 90 766 869 917 01209(600) 81 389 95 814 62 737 834 941 82146 89 276 437 554 603 772 813 63 (3000) 95 986 0 9033 36 220 68 98 613 661 914 32 8 4 060 (1000) 286 315 451 65 741 96 962 0 3 078 84(500) 93 214 633 744 808 9(500)92920 8 0 218(600) 64 431 73 652 64 792 0 7 303 78 607 823« 3023 130 37 65 765 8 8074 204 27 343 466 82 637 737 63 803 70 «0060 400 603(1000) 85 700 21 61(1000) 835(600) 87 669 81006 191 217 35 44 88 312 23 620 97 9 2010 39 162 60 878 600( 600) 45 768 849(600) 9 3281(3000) 569 662 726 803 934« 4190 221 93(600) 369 69 483 685 8 5017 38 283 306 67 449 605 741«0071 126 300 763 878 963« 7227 41 366 498(EOOl 661 782 825 903(500) 33 74« 5327 96 486 630 93 «5314 426 638 716 908 47 89 19 9043 49 93 134 238 331 89 612(600) 666 I9I175 212 36 365 764(1000) 72 881 939(1000)19 2270 77 308 43 70 900 61 68 90 1 0 3055 134 975 305 449 75 627 789 98 927 1 04076 126 257 72 79 347 37(600) 497(500) 617 711 60 662 68 913 (3000) 99 1 05136 769(5001 990 1 0 0487 643(600) 720 1 07167 227 350 484(500) 674 95(3000) 830(1000) 44 60 193546 64 85 795 971 100118 200 28 650 674 993 II 9617 628 66 745(5001 65 96(500) 833 962 82 111037 27»(500) 99 397 471 628 04 630 742 72 112062 291 463£3 (8000,«87 882 113018 139 201 94 349 81 683 715(1000) 61(1000) 692 820 114126 400 907 83 118017 276 39«(600) 600 20 740 830 88 1116364 73 486(1000) 832 11711? 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Mal Ist ti« 91c. 65 314 mU 606 M. gejogen ngetes. 7. VrenHifch-Suddeutsche (230. Konigl. Kreutz.) Klasseulotterke 5. Klasse 20. LiehUNgStag 29. Mal 191S Nachmittag Auf tede gezogene Nummer sin» zwei gleich hob» Eewnise gefallen, und„war je einer asf die Lose gleicher Nummer tu den beiden Sibtellunge» I II. II. Nur die Wcwtnii« über 240 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr ll. St.-A. f. Q.)(Nachdruck verboten) 22 39 83 332 84 641 601 889 1076 154 479 Kl 2008 36 167 344 64(606) 614 19 2 068 228 43 319(6001 Uro 068 4149 612 701 869 962«078(600) 616 706 891 6056 169 86(600) 270 373 434 835 7099 212 53 67 99 648 63 601 741 76 818 (1000, 63 95 987 8025 34 46 258 330 633 65 631 39 77 4 76 (600) 87 977 8001 248 323(600) 82 664 745 862 63 10258 66 360 88 11060 214 43 69 826 913 81 12047 84 (600) 344 604 80 772 79 982 1 0228(6001 379(1000) 89 618 65 607 764 94 844(600) 918 14074(600) 75 265 84(600) 435 604 26 15006(3000) 127 376 414 653(30001 802 34 984(1000) 10074 80(3000) 136 200 309 627 40 89 606 817 960 81 17013 131(600) 298 367(1600) 68 627 92 870 774 810 1 8001 80 81 382 426 72 C16 45 91 801 70 938 1 9034 537 675 867 2 0018 199 244 318 536 716 83 21317 840 83 2 2002 269 443 66 546 676 914 47 2 0464 679(1000) 94 862 862 93 900 38 44 24147 67 264 317 44 49 439 628 68 761 823 2 5644 737 43 86 952 61 2 8266 422 23 62 557 663 2 7001 181 421 66 643 61 63 792 816 2 8062 336 73 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415 698(500) 777 815 39 90»07(600) 39 2 2 4114 234 43 302 431 737 82 851 049 2 2 5 030 204 13 36 678 649 52 66 84 992 2 2 6023 187(1000) 271 BS 828(600) 616 92 615 60 743 70 860 2 2 7 024 69 160(1000) 358(600) BS 453 634 93 728 2 2 8117 493 735 93 908 2 2 9062 88 131 37 (1000) 66 648 86 612 71 778(500) 89 868 2 3 0186 682 659 767 839 936 231010 24(600) 308 13 482 780(600) 823 919(500) 80 2 3 2007 310 513 604 769 93 2 3 3047 70 79 91 117 66 315(1000) 82 431(600) 649 641 "LeTanmo.ttlicher Redclteur: Nlsred WieieLL.»euMs. güs de» Lnjeraterueil verantvu Drud u.«erlaa:Vorwär« Buchbriutem n. iöetiaa«ntpaU Paul Singe,* Ca, verlm SÄ »t 148 33. 2. Keilllge des Lsmarts" Keelim Dslksblatt. 30 N« 1916 Mus Groß-öerlin. verspätete Steueremsprüche. Bei Empfang von Steuerveranlagungen sollte jeder sich beizeiten darum kümmern, ob er Einspruch dagegen erheben kann und bis wann das geschehen muß. Das Veranlagungs- schreiben, das ein Vorsichtiger nicht nach flüchtigem Blick halb- gelesen weglegen wird, gibt die Einspruchsfrist genau an. Wer sie versäumt, wird mit dem zu spät kommenden Einspruch erbarmungslos abgewiesen. Selbst wenn es ganz offenkundig ist, daß er zu hoch veranlagt war, gibt es bei Fristversäumnis keinen Pardon. Hat er die Ein- spruchsfrist nicht inne gehalten, so gilt er grundsätzlich als zu Recht veranlagt und nmß zahlen. Auch Petitionen, mit denen einer nachher sein Heil der- sucht, helfen nichts. Das zeigen wieder mehrere Petitionen, die in letzter Zeit an die Berliner Stadtvcrordnetenversamm- lung gerichtet wurden. Ein kleiner Geschäftsmann bat um Erlaß von Hunde- steucr. Für einen Kettenhund, den er zur Bewachung braucht, hatte er früher Steuerbefreiung. Er wußte aber nicht, daß er die Gewährung des Freischcins alljährlich neu beantragen muß. Weil er das unterließ, wurde ihm für das folgende Jahr wieder Hundesteuer abverlangt. Zu spät tat er Schritte dagegen, so daß wegen Fristversäumnis die Stcuerdeputation ihn ab- weisen mußte. Die Steuerforderung traf ihn um so härter, da er infolge Geschäftsrückganges starke Einkommensverluste gehabt hatte. Doch von dem Grundsatz, daß bei Frist- Versäumnis Abweisung erfolgen muß, konnte auch gegenüber ihm keine Ausnahme gemacht werden. In gewisser Hinsicht„besser" ist ein Almoscnempfänger daran, der gleichfalls um Hundesteucrerlaß bat. Auch sein Einspruch ist wegen Fristversäumnis als verspätet zurück- gewiesen worden, aber Geld wird die Steuerkasse doch nicht von ihm kriegen. Er sagt das in seiner Petition ganz offen, indcni er darauf hinweist, daß er Almosenempsängcr ist. Uebrigens ist bereits ein Pfändungsversuch bei ihm fruchtlos gewesen, so daß die Stcuerverwaltung den Betrag als un- bcitreiblich„in den Rauch geschrieben" hat. Die Ablehnung seiner Petition braucht ihm keine Kopfschmerzen zu machen: er ist sicher vor weiteren Eintreibungsvcrsuchen. Neben dem Almoscnempfänger erscheint als Petent ein hausbcsitzendcr Rentier. Bei ihm handelt es sich um Grund- steuern, deren Rückzahlung er wünscht. In einem Jahr hatte er gegen zu hohe Veranlagung sich durch Einspruch gewehrt, wobei er nach anfänglichcni Mißerfolg dann im Vcrwaltungs- streitvcrfahren eine Herabsetzung erzielte. Während die Sache noch schwebte und sich hinzog, kamen die Veranlagungen für das folgende und später auch für das nächstfolgende Jahr. Einst- weilen wurde dem Hausbesitzer immer wieder der Steuer- betrag abgefordert, den er als zu hoch angefochten hatte. Er meinte nun, sein Einspruch für das erste Jahr{jelte während der ganzen Dauer des noch schwebenden Streitvekfahrens ohne weiteres auch für die gleich hohen Veranlagungen der folgen- den Jahre, und unterließ daher die Wiederholungen des Ein- spruches. Die einstweilige Zahlung auch der zu hohen Be- träge wird bekanntlich durch keinen Einspruch aufgehalten. Als aber der Steuerzahler nach der für ihn erfolg- reichen Beendigung des Streites um die Steuern des ersten Jahres auch die für das zweite und das dritte Jahr schon bezahlten Mehrbeträge zurückverlangte, wies man ihn wegen Fristvcrsäumnis ab. Jetzt erst erfuhr er, daß er— wie übrigens jedes Veranlagungsschrciben aus- drücklich sagt— immer wieder aufs neue hätte Einspruch erheben müssen. Da er das nicht getan hatte, galt er als zu Recht veranlagt. Auch aus Billigkcitsgründcn, die er geltend machte, konnte keine Rückzahlung gewährt werden. Ganz ähnlich erging es einem Aklienbauvcrcin, der um Rückzahlung zuviel gezahlter Gewerbesteuer bat. Sein Einspruch gegen zu hohe Veranlagung führte zu einem Vcrwaltungsstreit- verfahren, aber auf Erfolg beim Obcrvcrwaltungsgericht hoffte die Direktion nicht mehr. Gegen gleich hohe Veranlagung auch für das nächste Jahr sich rechtzeitig zu wahren, hielt sie für aussichtslos. Daß sie es nicht doch tat, muß eigentlich über- raschen. Als sie dann wider Erwarten vor dem Ober- Verwaltungsgericht siegte,„saß sie da mit ihren Kenntnissen". Obgleich für das erste Jahr auf Herabsetzung der Steuer er- kannt wurde, mußte für das zweite Jahr die gleich hohe Steuer wegen Fristversäumnis als zu Recht eingefordert gelten. Die glücklich-unglückliche Direktion versuchte es nun mit einer Petition, natürlich ohne Erfolg. Solche Abweisungen wiederholen sich Jahr für Jahr. Manchmal führt das zu argen Härten, aber nach den gel- tcndcn Bestimmungen ist nichts dagegen zu machen und auch die Stadtverordnetenversammlung kann da nicht helfen. Wer die Einspruchsfrist versäumte, kriegt von der zuviel gezahlten Steuer nichts zu- rück. Gerade jetzt, wo wieder den Steuerpflichtigen die Ver° anlagungsschrcibcn zugehen, sollte jeder daraus eine Lehre ziehen. An unsere Feldpostabonnentcn l In verschiedenen Zuschriften aus unserem Leserkreise wird das Fehlen der Beilagen mit den Todesanzeigen in der Sonntagnummer der für den Versand mit der Feldpost be- stimmten Zeitungen bedauert. Wir sind infolge des größeren Ilmfanges der Sonntagnummern öfter genötigt gewesen, den Inseratenteil der Sonntagnummer ganz oder teilweise bei der Feldpost wegzulassen, da nach den postalischen Bestimmungen portofreie Feldpostbriefe nicht über 30 Gramm wiegen dürfen. Bei Bestellung des„Vorwärts" beim Postamt resp. Feldpost- amt beträgt der Bezugspreis inS Feld oder in die Garnison inkl. einer besonderen Umschlaggebühr von 40 Pf. pro Monat 4,70 M., dagegen kostet der„Vorivärts" für Feldpostabonncments bei Bezug von unserer Haupt- erpedition oder unseren Filialen nur 4,10 M. pro Monat, Bei diesem im Verhältnis zum Postbezugspreis bedeutend niedrigeren Betrage sind wir an den Versand durch Porto- freien Brief gebunden, da der Abonnementspreis von 1,10 M. eine Belastung durch Porto ausschließt. Um nun allen Lesern die Todesanzeigen der Wahlvereine. Gewerkschaften usw. wieder zugänglich zu machen, haben wir die entsprechenden Vorkehrungen getroffen. Wird sich die Mitgabe aller Beilagen der Sonntagnummer nicht immer ermöglichen lassen, so wird in solchen Fällen die Beilage an einem der' nächste» Tage beigefügt werdet» Ein neuer Herr am Alexanderplatz. Die Berliner Bevölkerung wurde gestern durch die Mitteilung überrascht, daß der Polizeipräsident von Berlin, von Jagow, zum Regierungspräsidenten in Breslau ernannt worden ist und daß an seiner Stelle der Breslauer Polizeipräsident von Oppen zum Polizeipräsidenten von Berlin ernannt worden ist. An diesen Wechsel knüpfen Berliner Blätter verschiedene Kommentare, und wie das immer so geht, besonders im Kriege, werden dem Scheidenden die wärmsten Nachrufe gewidmet. Wir gehören nicht zu denen, die an einem Personenwechsel in Regierungsstellen größeres Interesse nehmen; das System bleibt schließlich dasselbe. Herr von Jagow, dessen Lapidarstil in dem berühmt gewordenen Plakat vom 13. Fe- bruar 1910, an dem Wahlrechtssonntag, mit dem Wortlaut:„Es wird das Recht auf die Straße vorkündet! Die Straße dient dem Ver- kehr! Ich warne Neugierige I" noch in Erinnerung ist, wird durch Herrn von Oppen ersetzt, der in Breslau nicht anders zu unserer Partei gestanden hat, wie Herr von Jagow zu uns in Berlin. DaS Märkische Musen« ist am Himmelfahrtstage gefchlosien. Zur Regelung der Lebensmittelverteilung in Berlin schreibt der Magistrat:„Im Reichshaltsausschuß, in welchem es den Gemeindeverwaltungen an der Möglichkeit fehlt, den Sachverhalt aufzuklären, wurde nach den Mitteilungen der Presse bei der Be- ratung der Butterfrage mehrfach Gelegenheit genommen, unter Hin- weis auf die Ansammlungen vor den Butterläden Vorwürfe gegen die Groß-Bcrliner' Verwaltungen wegen mangelhafter Organisation zu erheben. Man wird feststellen müssen, daß diese Ansammlungen, die bedauerlicherweise nicht nur in Berlin, sondern auch in einer sehr großen Anzahl von Städten und bei verschiedenen Lebensmitteln auftraten, wohl ausnahmslos ein Symptom dafür waren, daß nicht für daS deutsche Wirtschaftsgebiet in seiner Gesamtheit die Regelung des betreffenden Nahrungs- mittels in Angriff genommen worden war, und daher den lokalen Anordnungen der feste Boden fehlte. Daß auch Groß-Berlin bei der Butterversorgung unter dieser Unsicherheit aufs höchste litt, ist bereits mehrfach hervorgehoben worden. Eine kurze Zusammenfassung wird dies von neuem zeigen. Als kein Zweifel mehr bestand, daß die in Deutschland produzierte Buttcrmenge zur Befriedigung des normalen Gesamtbedarfs nicht mehr hinreichte, lag es sehr nahe, je nach der Produktion zu bestimmen, wie viel jeder Deutsche an Butter noch verzehren dürfe. Unerwarteterwcise ging man diesen Weg nicht, sondern drängte dahin, daß Groß-Berlin eine Sonderregelung treffe. Heute, wo wir uns an Verhältnis- mäßig geringe Butlerportionen gewöhnt haben, wird man sich kaum noch erinnern, auf welcher Höhe sich der normale Groß-Bcrliner Butterbedarf hielt und welche ungeheure Verantwortung daher in einer Zeit, die auch sonst Einschränkungen verlangte, in einer starken Verkürzung des Butterverbrauchs lag. Es war ganz un- denkbar, daß die Groß-Berliner Verwaltung diesen Schritt allein unternahm— und daß sie die Bevölkerung zu Beschränkungen nötigten, von denen andere Bezirke sreiblieben. Damals bildeten sich, während eine wirksame gesamt-deutscke Regelung ausblieb, die ersten Ansammlungen und zog die Unruhe in die Bevölkerung ein. Die Bedenken der Groß-Berliner Bevölkerung wurden zum Teil be- seiligl, als der Reichskanzler und der Minister des Innern allen Städten, die Butter von der Zentral-EinkaufSgesellschaft erhielten. die Verpflichtung auferlegten, eine Regelung der Butterversorgung einzuführen. Groß-Berlin hielt sich, mangels jeder Möglichkeit, einen eigenen Einfluß auf die Gesamtverhältnifse zu gewinnen, streng an diesen Ministerialerlaß. Nach vorübergehender Bindung deS Butterbezuges an die Butterkarte wurde ganz nach der Empfehlung des Ministers die Butterkarte als Sperrkarte eingeführt, und auch die Portion von 126 Gramm, über die nach Ministerialerlaß nicht hinausgegangen werden sollte, zugrunde gelegt. Die Zentral- einkaussgesellschaft halte überdies der Groß-Berliner Verwaltung eingebend vorgerechnet, daß die auf Groß-Berlin entfallende Butter- menge die Gewährung des genannten Wochenquantums gestatte. Bald aber zeigte sich,' daß diese Berecknung nicht stimmte. Groß- Berlin erhall nämlich nur einen Teil seiner Butter von der Zentral-Einkaussgesellschaft, während einen erheblichen Teil der fteie Handel imporlicrr. Diese Handelsbutter ließ in ihrer Menge mehr und mehr nach, ohne daß die Groß-Berliner Verwaltung zuverlässig feststellen konnte, ob cS sich um eine dauernde oder eine vorüber- gehende Erscheinung handelte. Die Händler gaben als Gründe für das Ausbleiben einmal die lokale Aussperrung in den Produktions- gegenden an, dann aber auch die Wirkung des Reichsgcsetzcs, daß bei den größeren Molkereien 15 Proz. der Produktion beschlag- nahmt hatte, weshalb diese Molkereien die Lieferungen an die Groß- Berliner Händler einstellten. Die Groß-Berliner Verwaltung hat in verschiedenen Eingaben auf diese Verhältnisse hingewiesen und wiederholt die Bitte ausgesprochen, ihr soviel Butter zu überweisen, daß die alte Rechnung, auf Grund deren man ihr die Kopfportion auf 128 Gramm errechnet hatte, wieder stimmend würde. Es wurde von ihr auch mehrfach betont, daß, wenn eS irgend gehe, man es für die reichshauptstädtische Bevölkerung, die sich schon durch die überaus geringe Anlieferung von Fleisch benachteiligt fühle, bei der einmal festgesetzten Buttermenge belassen möge. Als schließlich die maßgebenden Stellen keinen Zweifel darüber ließen, daß eine höhere Zuteilung an Groß-Berlin nicht erfolgen werde, und als die durch den freien Handel importierte Butter sich bedauerlicherweise nicht steigerte, blieb schließlich nichts anderes übrig, als die Wocheumenge von 128 Gramm auf 90 Gramm zu ermäßigen. Selbstverständlich konnte sich die Groß-Berliner Ver- waltung zu einer so einschneidenden und von der Reichshauptstadt aus weithin sichtbaren Maßnahme erst entschließen, nachdem alle Mittel zur Steigerung der Buttermenge erfolglos geblieben waren. Gegenüber der Ermäßigung der Wochenmenge ist die jetzt in Kraft tretende Bindung des Kunden an einen bestimmten Laden nur sekun- därcr und unterstützender Natur. Die Unsicherheit in der Groß- Berliner Butterzufuhr aber bleibt bestehen; reichlichere Vorräte, wie sie sich in der letzten Zeit teilweise zeigten, können, wie gerade von Händlerseite betont wird, sofort wieder durch knapperen Import ab- gelöst werden. Ueberblickt man diese Entwickelung, so wird man die Behauptung bestätigt finden, daß der lokalen Regelung unerwünschte und der Bevölkerung schädliche Unsicherheiten und Schwankungen gar nicht er- spart bleiben können, wenn nicht von der Zentralstelle aus für eine gleichmäßige Verteilung des Lebensmittels innerhalb des gesamten deutschen Gebiets Sorge getragen wird und damit der lokalen Rege- lung die richtigen Bahnen gewiesen werden. Es ist daher von höchster Wichtigkeit, daß in der letzten Sitzung der Rcichstagskommission von amtlicher Stelle aus erklärt worden ist, eine solche Regelung stehe unmittelbar bevor." „Nur Höchstgebote finden Berücksichtigung." Mit dieser oder inhaltlich ähnlicher Bedingung werden häufig in den Tageszeitungen Waren angeboten. Bei knapp vorhandenen Lebensmitteln, oder wie sich daS neuerdings gezeigt hat, bei starker Nachfrage nach Kleintiercn ist die Klausel ein stark preissteigerndes Moment. Jeder, der Wert darauf legt, die betreffende Ware zu er- langen, setzt von vornherein das Preisangebot hoch an und der Ver- käufer ersieht aus den gebotenen Preisen die Dringlichkeit der Nach- frage und den Grad der Knappheit und richtet sich natürlich entsprechend ein. Oft genug hält er weiter zurück, bis erhöhte An- geböte einlaufen. Zweifellos hat diese Gcschäftsklausel die Wirkung, die Preise anziehen zu lassen, um so mehr dann, wenn, wie uns von emwandjreicr, mit den Lerhältnisie» genau vertrauter Seite mitgeteilt wird, die betreffenden Verkäufer die Ware sehr häufig gar nicht besitzen, sondern nach Kenntnis des angebotenen Preises irgendwie beschaffen. Wenn dieser Tatbestand vorliegt, dürfte der 8 8 des Gesetzes über übermäßige Preissteigerung vom 23. Juli 1918 in Anwendung kommen, je nachdem auch mit der Wirkung der Un- zulässigkeitserklärung. Arbeitcrbildungsschule. Der nächste naturwissen- schaftlicheSonntagsausflug erfolgt am kommenden Sonntag, den 4. Juni, und zwar als N a ch m i t t a g s- Wanderung. Ihr Ziel ist nicht, wie ursprünglich an- gegeben wurde Lübars, sondern der Grunewald(Dahlem— Riemeister- und Teufelssee— Pichelsberge). Treffpunkt ll/2 Uhr mittags am Haltepunkte der Unter- grundbahn Dahlem-Dorf. Fahrkosten 40 Pf. Teilnehmerkarten zu 30 Pf. sind zu haben im Bureau des IV. Wahlkreises, Stralauer Platz 10/14, im Bureau des VI. Wahlvereins, Gerichtstraße 71, und im Bureau des Bezirksbildungsausschusses(Jugend- sekretariat), Lindenstraße 3. In dieser Woche ist mit Rücksicht auf den Himmelfahrts- tag die Bibliothek der Schule nicht Donnerstag sondern Mittwoch abend offen. Ter Anbau von Sonnenblumen und Mohn. Der Kriegsausschuß für Oele und Fette macht darauf aufmerk- sam, daß die Aussaatzeit für Sonnenblumen und Mohn bereits verstrichen ist. Weitere Bestellungen auf Saatgut sind deshalb zwecklos. Die Bestellungen von Saatgut aus allen deulschen Gauen sind so zahlreich eingelaufen, daß bereits zu Beginn diese» Monats über das gesamte Sonnenblumensaatgut verfügt war. Die Ab- lieferung der Sonnenblumenernte regelt sich in einfacher und zweck« mäßiger Weise wie folgt: Jede Station aller deutschen Eisenbahnvcrwaltnngen nimmt Sonnenblumensamen gegen ein Entgelt von 4V Pf. für das Kilo- gramm entgegen. Die beabsichtigten Masscnspcisungen in Berlin. Im Berliner Rarhaus fand gestern vormittag unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth eine Besprechung in der Auge- legenheit der Massenspeisung statt. Vom Magistrat waren die Geheimräte Dr. Ludwig Hoffmann und Dr. Weber sowie der Dezernent Stadtrat Doflein, aus dem Stadtverordnetenkollegium die Stadtverordneten Unger, Hintze, Thieme und Feuerstein anwesend. Ferner nahmen an der Besprechung teil Frau Hedwig Heyl, Frl. Elisa- beth Landsberg(vom Nationalen Frauendienst), Herr Lohnerl von der Aschinger-Aktiengcsellschast, Dr. Hugo Cassircr, für die Gewertschasts- kommission deren Borsitzende Reichstagsabgeordneter. Körsien und Stadtverordneter Ritter, der Vorsitzende des Vereins der Berliner Volksküchen von 1860, Lehmann, sowie Beamte des städtischen Medizinalamts. Die zusammengetretene Kommission für die Massenernährung hat sich zu einem dauernden Wirtschaftsausschuß für Vollsspeisung konstituiert. Sie hat bereits die ersten zu unter- nehmenden Matznahmen festgestellt. Danach soll in allernächster Zeit die Berliner Bevölkerung unter genauer Mitteilung der in Betracht kommenden Bedingungen zu einer Anmeldung aufgefordert werden, in welchem Umfange sie schon im Laufe deS Sommers von der neuen Einrichtung Gebrauch zu machen gedenkt. Nach Maßgabe dieser Anmeldung werden dann unter Vorbehalt unausgesetzter weiterer Ausdehnung die verschiedenen Stadtteile, sei es gleich- zeitig, sei es nacheinander, in Angriff genommen werden. Die Stadt soll in 28 bis 30 große Kochbezirke geteilt werden, welche unter Aufsicht von fünf bis sechs Ausschüssen stehen, die ihrerseits wiederum von dem Magistrat und dem Wirtschaftsausschuß geleitet werden. Für die Ausmittelung geeigneter Räumlichkeiten und für deren Versorgung mit Kocheinrichtungcn ist ein besonderer Ausschuß unter dem Versitz des Stadtbaurats Geheimrats Dr. Ludwig Hoffmann gebildet worden. Endlich wurde ein Sonderausschuß für die Be- schaffung der Nahrungsmittel und zur Feststellung des Verhältnisses der Volksspeisung zu dem bisherigen Kartensystem eingesetzt. Die bestehenden Volksküchen sollen in die gemeindliche Orgam- sation durchweg einbezogen werden. Warnung vor Salatölersatz. In der Presse wurde wiederholt vor sogenanntem Salatöi- ersatz gewarnt. Trotzdem besteht aber Veranlassung, diese Warnung nochmals zu wiederholen, da immer noch große Mengen„Salatöl-Ersatzstoffe" unter den verschiedensten Namen ohne jeden Wert zu teuersten Preisen in den Handel gebracht und auch gekauft werden. Derartige Erzeugnisse haben nur wegen ihrer Farbe den Schein der bei der Salatbercitung in Betracht kommenden Oele, Ersatz für Oel vermögen sie aber nicht zu bieten. Die Hersteller und Vertreiber der Ersatzstoffe werden darauf hingewiesen, daß nicht nur nach dem Nahrungsmittel- gesetz, sondern anch auf Grund der Bekanntmachung des Bundesrats zur Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915 unnachsichtlich gegen sie ein- geschritten werden wird._ Sendungen an Kriegsgefangene in Rufiland. Verschiedentlich ist in letzter Zeit die Nachricht gebracht worden, daß an die Kriegsgefangenen in Rußland entgegen dem früheren Verbot nunmehr auch Schweinefleischwarcn ge- sandt und den Paketen russische und fremde Münzen sowie mit künstlichen Zuckerstoffen versüßte Nahrungsmittel beigefügt werden dürften. In der Annahme, daß viele Familien die Absicht haben werden, von dieser Vergünstigung Gebrauch zu machen, um ihren in der Gefangenschaft befindlichen Angehörigen eine Ver- besscrung der Kost zu ermöglichen, wird darauf hingewiesen, daß die Unterstützung der Kriegsgefangenen mit Geld vorteil- hafter ist, als eine solche mit Nahrungsmitteln. Die Beförderung von Paketen nach den Gefangenenlagern Rußlands dauert oft 2 bis 3 Monate, sodaß der Versand von Fleischwaren jeder Art verfehlt sein dürfte, da ein Verderben, noch dazu bei der beginnenden Sommerhitze, beinahe unaus- bleiblich ist. Die Ueberwcisung von Geldbeträgen, auch kleinste� Summen, ist bisher durch die dankenswerte Vermittelung der Deutschen Bank in größtem Umfang und mit sehr günstigen Erfolgen durchgeführt worden. Bei der jetzt in Rußland herrschenden Teuerung der Lebensmittel wird den deutschen Kriegsgefangenen ein Zuschuß in Geld sehr erwünscht sein. Nach den bisherigen Erfahrungen würde ein Betrag von monatlich 3 Rubeln genügen, um die Gefangenen vor&ot z» schützen. Erhängt. Unglückliche Familienberhältmfse haben die im Hause Sonnenburger Str. 7 ivohnbafte Ehefrau Anna Janh in den Tod- getrieben. Als Sonntag morgen gegen 10 Uhr eine Schwester der Verstorbenen die Milch brachte, erhielt sie leinen Einlaß. Als auf wiederholtes Klopfen und Klingeln niemand öffnete, wurde die Woh- nung erbrochen. Man fand die Gesuchte tot auf dem Fußboden liegend. Sie hatte um den Hals eine durchgerissene Zuckerswnur. Das andere Ende der Schnur hing von einem Nagel herab. Dieser Tatbestand ließ zunächst das Gerücht von einem Morde entstehen, das sich später aber als unbegründet herausstellte. Der Schrittmacher Max Bauer, der. wie wir gestern berichteten, bei dem Radrennen im Treptower Sportpark stürzte, ist seinen schweren Verletzungen bald nach der Einlieserung in das Kranken» haus Bethanien erlegen. Bauer hatte bei dem Sturze einen Schädel- bruch erlitten. Er starb, ohne noch einmal zum Bewußtsein zu kommeo._ Ein großer Juwelcndiebstahl. Für 100 000 M. Schmuck- und Wertsachen erbeuteten Einbrecher gestern nachmittag bei einer adligen Dame am Kurfürstendamm. Die Dame ging um S'/j Uhr aus. Auch das Personal verließ gleich darauf die Wohnung, so daß diese ohne Aufsicht stand. Als man um SVa Uhr zurückkehrte, fand man die Flurtür verschlossen, wie sie vorher gewesen loar. Uni so größer war die Ueberraschung, als man innerhalb der Räume mehrere Behältnisse erbrochen fand. Einbrecher, vielleicht Klingelfahrcr, hatten die Flurtür mit einem Dietrich oder Nachschlüssel geöffnet und in einem erbrochenen Schranke einen kleinen gelbbraunen Pedcrkofser mit vielen wert- vollen Schmuck- und Wertsachen gefunden. Sie hatten den ganzen .Koffer mitgenommen und außerdem noch Pelzwerk verschiedener Art. Zu den Schmuck- und Wertsachen gehören: Ein Brillantkollier mit Pe.rlen in Herzform, ein rundes Kollier mit neun Perlen, eine Brillantnadel mit Smadragden in Cabouchonfaffung, ein runder Brillantenanhänger mit Saphiren, zwei Brillantarmbänder, das eine mit einem Einzelbrillanten, das eine mit zwei kleinen Brillantsteinen besetzt, ein Armband mit Saphiren und Brillanten, ein Platinarm- band mit kleinen Saphiren, ein Armbaud und Ringe mit Saphiren und Cabouchon, ein Ring mit Brillanten, Perlen und Edelsteinen, eine Sicherheitsnadel mitSaphiren, Ohrringe mit Perlen und grünen Steinen, eine grüne Perlenkette, eine Goldtasche mit Portemonaie und Anhänger, ein Spiegeletui mit Brillanten, ein goldenes, ein Perlmutter- und ein Silberbesteck mit dem Zeichen K S., 5 goldene Etuis mit der Widmung eines Fürsten, ein getriebener kleiner Silberkasten mit altpolnischen Ornamenten, 6 Zentimeter hoch und, 10 Zentimeter breit, eine kleine und zwei große silberne Handbürsten mit der Wid- mung:„Meinem lieben Fritz". Unter den Pelzsachen befindet fich ein Seefuchskragen. Vor Ankauf der gestohlenen Sachen, von deren Verbleib noch keine Spur gefunden wurde, wird gewarnt. Das nächste Bolkskonzert des Philharmonischen Orchesters findet am Mittwoch den 31. Mal, im Stadtlhealer in Moabit 47/48, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Der Vorverkauf zu den Volkskonzerten findet in der Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 1ö, Zimmer 13, außer Sonnabends nachmittags, und in den betreffenden Konzertsälen statt. Die im Vorverkauf nicku untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf., Kaffen- eröffnung 7 Uhr. BerkehrSnachrichten. Zur besseren Regelung des Verkehrs in der Frankfurter Allee erfahren vom 1. Juni ab die Fahrzeiten der Linien 68, 168, 69, 71 eine geringfügige Verschiebung. Näheres ist aus den in den Wagen angebrachten Aushängen zu ersehen. Die Große Berliner Straßenbahn weist darauf hin, daß die Ausfertigung von Zeit« und Schülerkarten in den Abfertigungsstellen Nollendorfplatz, Kleine Frankfurter Straße 2, Ackerstraße 3/4 und Slraßenbahnhof Westend sowie die Markenausgabe in den Ab- fertigungsstellen Nollendorfplatz und Kleine Frankfurter Straße in- folge der andauernd geringen Inanspruchnahme künftig auf die Zeit von 8—6 Uhr am ersten und letzten Werklage im Monat beschränkt wird._ Ms öen Gemeinöen. Weitzensecr Wohlfahrtspflege im Jahre 1913. Der Besuch der Säuglingsfürsorgestelle ist im verflossenen Jahre wesentlicki gestiegen. Ganz besonders segensreich erwies sich die Fürsorgestelle für die Kinder der Kriegerfrauen. Die dreimal wöchentlich stattfindenden Sprechstunden wurden durchschnittlich von 30 Müttern besucht. Neuaufgenommen wurden 475 Mütter. Aerzt- liche Untersuchungen fanden 1337 statt. Tie Fürsorgeschwesler machte 672 Besuche. An Vollmilch und an Nährmitteln wurden 1047 Portionen ausgegeben. In der Kinderfürsorgestelle sind aufgenommen worden 122 Kinder. Beratungen fanden 241 und Wohnungsbesuche der Schwester 364 statt. Neu eingerichtet wurde am Mirbachplatz eine Säuglingskrippe zur Aufnahme von«äuglingen der Frauen, die tagsüber außerhalb des Hauses der Arbeit nachgeben. Eine Erweiterung erfuhr auch der Kinderhort der Frauenhilfe im Interesse der Kriegerkinder. Auch die Lungen- fürsorgestelle konnte einen regen Zuspruch aufweisen. Es fanden 209 Beraiungen statt. Untergebracht wurden 31 Patienten in Heil- statten, 37 in Erholungsstätten, vier in Pflegeheimen und drei in Krankenhäusern. Die Zahl der Besuche in den Wobnungen der Kranken durch die Fürsorgeschwester betrug 421. Die Tätigkeit der Trinkerfürsorgestelle war infolge der Einziehungen zum Heeresdienst und des Alkoholverbotes nur eine geringe. Kinderveranstaltung in Neukölln. Mittwochnachmittag SpielauSflug nach Treptow. Teffpunkt 3 Uhr Wildenbruchbrücke(Elsensteg). parteiveranstaltungen. Dritter Kreis. Heute Dienstag, den 30. Mai, abends S'/, Ubr, findet im Gewerkschastshaus, Engeluser 15, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Aus der Tagesordnung steht Bericht deS Vorstandes und Neuwahl desselben. Wir machen daraus ausmertsam, daß die Mitgliedsbücher vorzuzeigen sind. Charlottenburg. Dienstag, den 30. Mai 1Sl6, abends Sll„ Ubr: Mitgliederversammlung im Vollshans. Rofinenstr. 4. Anträge zur' Kreisgeneralversammlung. Diskussion und Beschlußjassung. Verschiedenes. Mit- glicdsbuch legitimiert. Iugenüveranftaltungen. Jugendbildungsverein Schöncberg tfrüher Abonnenten der„Ar- beiter-Jugend"). Mittwoch, den 31. Mai. Zusammenlunst im BereinSlokale, Eauptstr. 5. Himmclsjahrlstag: Fahrt nach Cladow. Treffen'/.T Uhr aiser-Wilhelm-Platz.______ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Maricnfelde. Mittwoch, den 31. Mai, nachmittags 6 Uhr. im Schul- Hause, Dorjstr. 53. Diese Sitzungen find Sssentlich. Jeder Eemeindcangehörige ist de- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Ter Gesangverein»Männer- und ftfraucnchvr Cft" Berlin. M. d. D. A.-S.-B., veranstaltet am Himmelsahrtstage eine Herrenpartie nach Nowawes— Ferch— Michendorf. Abfahrt 6 36 vom Schlcsischcn Bahnhos. In Nownwes, Restaurant Pmger, Frühsprache, zu welcher alle Arbeitersänger von Nowawes und Umgegend herzlich eingeladen find. Der Frauenchor hat als Ziel Hermsdorf. Treff: Vormittag 10 Uhr, Restaurant Waldschlößchen in Tegel. Gäste sind bei beiden Partien willkommen. Am Sonnabend, den 27. Mai 1916, 8ll, Uhr vormittags, starb. nach langem Krankenlager mein inniggeliebter, guter .Wann, unser tiesoerehrter, vielgeliebter Vater Hvinnicl? Hilpert. Seine reiche Güte, sein gerades, mannhasteS Wesen lebt unS uls Lorbild weiter. IHarie Hilpert geb. Litzinger Hr. Konstantin Hilpert Heinz Hilpert Käthe Hilpert geb. Schuppau Hache Hilpert geb. Mauerhoff. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Mai 1916, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Zenwal-Friedhoses in Friedrichsjelde aus statt. 8742 Allen Freunden und Bekannten geben wir hierdurch die traurige Nachricht, daß unser Kollege Heinrich Hilpert am Sonnabend, den 27. Mai 1916, nach langem, schwerem Leiden gestorben ist. Der Verstorbene war uns in den langen Jabren seiner Tätigkeit ein stets opserwilliger, guter Kamerad. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Angestellten des Deutschen MetallarbeiterverbandcS. Verwaltungsstelle Berliu. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Mai 1916, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoses in Frredrichsselde aus statt. 117/16 SozialdemokratiseberWablvereifl LllßerLReichstagswablkrels. 17. AbL Bez. 801. Am Sonnabend, den 27. Mai, verstarb unser Genosse, derSchlosser keiodoll! Tamm Kolberger Straße 10. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 31. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des Freireligiösen Gemeinde- Friedhofes, Pappel- Allee 15/17, aus statt. 226/11 Um rege Beteiligung ersucht Her Voratanä. Soziaiiknokratiscber Wablvereln LI SÄReichstagswabtols. Am Son.nabendvormittag verschied unser langjähriges Mitglied, der Genosse tteinricd Hilpert Dreher, Zehdenicker Straße 3a, zugehörig zur 5. Abteilung. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Mitt- woch, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Zentralsricdhoses, Friedrichsselde, cmS statt. 222/15 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Her Voratanä. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Schlosser 126A �einkolcl lamm am 27. Mai nach kurzem, schwe« rem Krankenlager nach vollende- tem 65. Lebensjahre sonst ent- schlasen ist. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen. Mtwe Anna Tamm und Kinder, Kolberger Str. 10, Die Beerdigung findet am 31. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Freireligiösen Fried- hoses, Pappelallee, aus statt Am 22. Mai 1916 fiel als Opser Ides Weltkrieges neben seinem Bruder, durch eine Granate gc- Waffen, unser ältester Sohn, Reserv. Willi SchläcIitGr >6. Garde-Jns.-Regt., 12. Komp. nach kurz vollendetem 23. Lebens. jähre. 762b Der Kauernde Bruder und Eltern Famwe Sehläehler, Danziger Str. 46. Den Heldentod fürs Vaterland erlitt am 18� Mai 1916 unser herzensguter Sohn, mein lieber Bruder, Neffe und Enkel, der Schütze 32 A Ernst Schneider geb. am 9. Mai 1897, | Garde-Jns.-Reg. 7, M.-G.-Komp. Dies zeigen an w ttesem l Schmerz Familie Karl küchnelder, Neukölln, Saaleslr. 2. i Zum seinen Grab schwelst wänen schwer der Blick, | Nichts bringt Dich Braven, Guten uns zurück. Ruhe in Frieden k Infolge seiner am 5. Mai 1916 durch Granatsplitter erhaltenen Verwundungen und hinzu- getretener Blutvergiftung hat unser lieber Sohn und Enkel, der Grenadier 765b frieh Labowsky Gren.-Regt. Nr. 3, 8. Komp. am 22. Mai in einem Feldlazarett im 26. Lebensjahre den Helden- tod erlitten. Neun Geschwister find ihm im Tode vorangegangen. Er war unser Letzter. Neukölln, den 29. Mai 1916, In tiefer Trauer Htto L-abowaky u. Fran geb. Sprengel nebst Großmutter verw. Sprengel. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 31. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Neuköllner Friedhofes (Ehrensriedhos), MariendorserWeg, aus statt. veutzeber Baiiarbeiter-Yerbaiid. Zweigverein Berlin. Bezirk NO. Am 26. Mai starb unser Mit- glied, der Hilssarbetter Stanislaus Hin?. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 30. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Bartholomäus-Kirch- hoses in Weißensee, Falkenberger Straße, aus statt Um rege Beteiligung ersucht 142/1 Die örtliche Verwaltung. Am 26. Mai starb mein lieber Mann, der Arbetter Emil Brinekmaim. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 31. Mai, nachm. 4 Uhr, aus dem Emmaustirchhos statt. �.ngnate Brlnckmann geb. Riesenweber. 7636 Schmerzliches Gedenken zn seinem 25, Geburtstage| am 29. Mai. Am 9. DItoBer 1915 mußte auch] mein guter Sohn, unser tnnigit- i geliebter Bruder, Schwager, Ontei s und Bräutigam, der Gesreite Paul Kugas Ritter deS Eisernen Kreuzes, nach 14Monatenschwcren Kämpsen sein junges Leben lassen. Paul Kugas als Bater, Elisabeth Tieger geb. KugaS, Gertrud und Erna KngaS als Schwestern. Walter Tieger alö Schwager, Helene Graap als Braut. Du gingst von uns mit mutigem Deutscher Metallarbeiler-Verbanii Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Heinrich Hilpert am 27. Mai au Magenleiden ge- starben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Mai, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen balle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichsselde auS statt. Rege Beteiligung erwartet 117/15 Tie Ortsverwaltnng. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lackierer Eelix Neumanowski am 22. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Metallarbeiterüt Henriette Schahn am 20. Mai gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»: Tie OrtSverwaltung. Herzen offte' Und hofftest aus ew Wiedersehen, Doch um so größer find die Schmerzen, Da eS nun nie mehr kann ge- schehen. Dein treues Auge ist geschloffen— Dein Mund bleibt stumm für alle Zell. So ruhe sanft. Du edleS Herz, Du hast den Friede»— wir den Schmerz, Heines Werke - I bände 4 NIart> Buchhandlung Vorwärt« Bei Blutarmut Bleichsucht, Appetitlosigk., allgem. Schwäche besond. bei Frauen u. Kindern ist das wohljchmeck. Hacmaticum-Slausch ärztt. bevorz. Gr. Fl. 2.50 d. alle Apoth. Kranken-llnterstiitzDiigs- iiiid De- gräbnisverein für Bau- und ge- werbüebe Arbeiter Berllna und L'mgceend. Am 26. Mai starb unser Mitglied Stanislaus Hinz. Ehre feinen Andenken: Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 30. Mai, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen. halle des BartholomäuSkirchhoses in Weißensee an der Falkenberger Straße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 37/6»er Voratand. Ais Opfer des Weltkrieges starb am 19. Mai 1916 an semer schwe- rcn Verwundung unser lieber, guter Sohn, Bruder und Bräuti- gam, der Gesreite Paul Eterxnnde (7. Earde-Jnf.-Regt., 1. Bat. M. G, K.) im 23. Lebensjahre. 79A Die trauernden Hinter- blieb euen. Emmy Wlssell als Braut. Ruhe sanft in Feindesland. ReukersWerke . 3 Bände 4 Nl-rk• Buchhandlung Vorwärts Trotz der Teuerung •.« 0 liefert zu mässigen Preisen» : elegante Heiien-liaMe! •• G fertig und nach Maß* ® zu erleichterten Zabliutgs-_ O licdlngungcn : Julius Fabian: Schneidermeister Gr. Frankfurter Str, 37 � und Turmstr. 18 •........•* flnnaljtneftelkD für„Kleine anzeigen" Fischer, Bastianstraße 6. I. Hönisch, Müllerstr. 34a. Herlin C. A. Habnisch, Ackerstr. 174. H. Karl Melle, Petersburger Pias 4. R. Wenzels, Markus straße 36. stlH. S. Zucht, Immanuelkirchstr. 12. X. A. Wolgast, Wattstraße 9. H. Karl Mars. Greisenhagener Str. 22. H. Bogel, Lortziligür. 8. HTW. Solomon Joseph, Wilhelmshavener Str. 48. SW. G. Schmidt. Bärwald st>- 42. b». St. Fritz. Prwzeniw. 31. H. Lehmann. Kottbuser Damm 8. SSH. Paul Böhm. Laniiyer Platz 14/15. P. Harsch, Engeluser 15. Adlerithof. Karl Schniarzlosc, Bismarckstr. 28. Haamnehnleaivee. H. Hornig, Marienthaler SW. 13, I. BorHlgivalde. Paul Kicnast, Ränschstr. 10. Charlotteaharx. Gustav Scharnbcrg, Sesenbeimer SW. 1. Frledrichbhagea. Ernst Wcrkinann, Köpenicker Sw. 18. Grünau. Franz Klein, Friedrichstr. 10. «lohaaatnthal. Max Gonschur, Parkstr. 23 Karlitborst. Hermann Billiug, Dönhoffstr. 28. Köpenick. Emil Witzler. Kictzcrstr. 6, Laden. Eieateahers 1. Ctto Seikel» Wartenbergstr. 1. Etehteaherx II. A. Rosenkranz. All-Boxhagen 56. ZieaköIIa. M. Heinrich, Neckarsw. 2. E. Rohr, slraße 28/29. h'Ieder-Sichöae weide. Willi. Unruh. Brückenstr. 10. ATowawe». Karl Krähnberg, Eisenbahnslr. 10. Hher-Sehöaewelde. Alfred Bader. Wilhelminenhosstr. 17, Laden. Pankow. Ctto Riffmanu, Mühlenstr. 30. Ueinlckendorf. P. Gursch, Provinzstr. 56, Laden. hichöaeherx. üäilbclm Bäumlcc. Meminger Str. 9 im Laden. Spandau. Schuhmacher, Breitestr. 64. Steglitz. H. Bernsee» Aljenstr. 5. Tcmpelhof. Joh. Krohn. Borussia str. 62. Treptow. Robert Gramenz. Kteiboizstr. 412, Laden HVeUieacee. Gustau Rohkopf. Berliner Allee lt. �VIlnter»dore. Paul Schubert. W>lhclmSaue27. Siegfried- & fö ££ ÜM es ciit! öls heute vleustag, den 30. Mai, abends, müssen die Eintragungen in die in meinen sämtlichen Geschäften ansliegenöen Knnöenlisten gegen Abgabe ües oberen Teiles üer Zuckerkarten erfolgt sein? Sann kann öle znstehenüe Menge Buttel» ganz bestimmt onö an jedem beliebigen Tage in Empfang genommen werden. 3ch liefere Sntter nicht an Wiederverkänfer, sondern nur an private Verbraucher, ferner an Gastwirtschaften, Hotels und Lazarette.— öntterhanölung Wilhelm Göbel Hoflieferant Gr. flongl. Hoheit ö. Großherzogs v. Mecklb.-Schw. Heereslieferant. Kontor und Lager: Berlin O. 17, Oroße frankfurter Straße I37. 32 eigene Gesthaste in Groß-Gerlin. �3 m W m