Ur. 152. Hbonnemcnts-Bedlngungen: VlbonnementS• Preis pränumerando "'o•vM.tiMn.fc u fiü'»»vjMnuy»» nummex mit iHutfriertct Sonntag». Beilage.Die Neue Seit" 10 Big. Post. Slfionnement: 1,30 Marl t>ro Monat eingetragen in die Poll. Zeitung». Breislisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2,50 Marl, für da» übrige Ausland « Marl vro Monat Postabonnement» nehmen an Belgien, Dünemarh Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Kunuinien. Schweden und die Schweis «chewl lögllch. 33. Jahrgang. Vit Insertlonz-Ledllht betrüg! für die sechSgesvaltene Kolottti- icü» oder deren Raum 00 Psg, für dolitische und gcrocrlscfioftliche SBctefn». und PersammlungS- Anzeigen SO Psg, ..Kleine Hnreigen", das fettgedrurlle Wort 20 Psg.(zulässig 2 setigedruckte Worte), jede» weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasllellenan- zeigen da» erste Wort 10 Psg, jede» wettere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- slaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abend» geässnet Vevlinev VolkSblakt. Detegramm-Adresf« �»»>»>iIiM«IllZl llclllg-. Zcntr&Xorgzn der fozialdemokrati f eben partet Deutfcblands. Ueüaktion: SW. bS, Linöenstraße Z. ssernsvrecher: Amt Moritzvlav. Str. 15190—151»? die Vereinsrechtsnovelle. Am 4. Mai ljabon wir der Auffassung dcS Gcnoffcn Legien über die dem Reichstage zugegangene RercinSrechtsnovelle Raum. Am nächsten Tage mutzten wir an der Hand des Wortlauts und der Begründung des Gcsamtentwurfs erklären: die Vereinsrechtsnovelle droht Nachteile für die Gewerkschaften an. Aehnliche Befürchtungen wurden bei der ersten Lesung der Novelle(10., 11., 12. Mai) von den Rednern fast aller Parteien gcäutzert und dem Wunsch Aus» druck gegeben, eine andere, bedenkenfreie Fassung in der Kommission zu finden. Der gestern erschienene Kommissions- bericht zeigt noch deutlicher als die Berichte aus der Kommission, datz die dahin gerichteten Bestrebungen an dem Widerstand der Negierung scheiterten. Die sozial- demokratische Fraktion gab der Ansicht Ausdruck,„das Gesetz werde bei richtiger Anwendung und sinngemäßer Auslegung durch die Vcrwaltungs- behörden und Gerichte den gswerkschaftlichcn Organisationen und den Bcrufsvcreinigungen der Angestellten und Arbeiter die Tätigkeit wesentlich erleichtern". Der Kommissionsbericht, insbesondere die Darlegungen der Regierung, zeigen, datz die Annahme leider durchaus irrig ist, nach Annahme der Novelle würden künftighin Gewerkschaften nicht als politische Vereine angesehen werden können oder die Novelle werde auch nur bestimmten Fehlgriffen der Rechtsprechung und Verwaltung gegenüber den Gewerkschaften ein Ende machen. Der Bericht räumt zunächst mit der Legende auf,„daß eine Verständigung über die Regierungsvorlage zwischen den Parteien bereits vor geraumer Zeit herbeigeführt worden sei und keine Anträge gestellt werden sollten, um das jetzt Er- reichbare, das in der Vorlage ausgedrückt sei und einen Fortschritt gegenüber der jetzigen Fassung des Reichs- vereinsgcsctzes bedeute, zu sichern". Diese von einer Seite aufgestellte Behauptung wurde, wie der Bericht sagt,„von anderen Seiten übereinstimmend bekämpft". Aus dieL Formale legen wir kein entscheidendes Gewicht. Würde auch solche Vereinbarung stattgefunden haben, so dürften wir uns nicht abhalten lassen, die Vorlage zu bekämpfen, wenn sich herausstellt, datz die Unterhändler sich haben einseifen lassen, da die Vorlage in der Tat eine Verschlechterung der Vcreinsrcchte der Arbeiter im allgemeinen und der Ge- werkschaften im besonderen nach sich ziehen mutz. Ernste Gründe sprechen für die Annahme, datz leider die Sache so liegt. Bei der Schaffung des Reichsvcrcinsgesctzes hatte die Regierung eine Sicherstellung der Gewerkschaften gegen Politischerklärung und damit gegen Hinderung der Heran- ziehung der Jugendlichen unter 18 Jahren als überflüssig be- kämpft, weil gewerkschaftliche Vereine, die innerhalb des Rahmens des 8 152 der Gewerbeordnung sich nur mit Berufs- und Standesintercssen ihrer Mitglieder be- fassen, als politische Vereine nicht anzusehen seien. In den ersten Jahren nach Inkrafttreten des Reichs- vercinsgcsetzes blieben die Gewerkschaften von Versuchen ver- schont, sie als politische Vereine zu erklären und damit den Jugendlichen den Zutritt zu den Gewerkschaften zu sperren. Das änderte sich bald. Das preußische Oberverwaltungs- gericht entschied am 4. Juli 1911,„ein Verein sei dann ein politischer, wenn er auf die Verfassung. Verwaltung oder Gesetzgebung des Staates, die staatlichen Rechte der Bürger oder die internationalen Beziehungen der Staaten zu ein- ander einzuwirken suchen. Dies gilt auch für die Vereine der geiverkschastlichen Organisationen, und zwar auch dann, wenn sie im Rohmen ihrer Berufsinteressen politische Zwecke ver- folgen." Es wurde nun insbesondere in Preußen im Jahre 1913/14 der Versuch gemacht. Gewerkschaften für politisch zu erklären. Vorgegangen wurde nur gegen die„freien Gewerk- schatten". Ter Regierungsvcrtreter erklärte in der Kommission. .kein einziger Verein, der siltlich-rcligiöse Ziele ver- j folge, insbesondere weder ein evangelischer noch ein katholischer Arbeiterverein sei als etn� politischer Verein behandelt worden. Da- 1 gegen seien nicht lange vor dem Kriege einige der großen igewerblichen) Gewerkschaften, die zu den sogenannten freien Gewerkschaften gehören, im Verwaltungswege zu politischen Vereinen erklärt worden. Diese Maßnahmen wurden nach Ausbruch des Krieges rückgängig gemacht, aber der grundsätz- liche Standpunkt, daß das Vorgehen der Verwaltung dem Gesetz entspreche, keineswegs aufgegeben. Wie kann verhindert werden, datz den Gewerkschaften gegenüber in Zukunft ein ähnlich bedrohlicher Standpunkt ein- genommen wird? Die sostaldemokratische Fraktion hat im oergangeuen Jahre einen Weg hierzu gewiesen. Sie hatte in Anlehnung an das Oberverwaltungsgerichlserkenntnis vor- geschlagen, im Gesetz scstzulegen:„Nickt als politische Vereine gelten solche Vereine, deren Zweck ist. günstige Lohn- und Ar- beitsbedingungen für ihre Mitglieder oder weitere Kreise her- beizusühren oder zu erhalten, auch wenn sie bei Ver- iolgung ihrer Zwecke aus politische Parteien. auf die Verfassung. Verntaltung und Gesetz- gebung des Landes oder anderer öffentlicher Körperschaften einzuwirken suchen." DieserAntrag wurde am 2». März l9!5 vom Reichstag der Regierung zur Serücksicktigung überwiesen, dann wurde im August >915 m der Reichstagskomuiission m einem freien Unteraus- schütz folgende Fassung gewählt:„Nicht als politische Vereine gelten Vereine von Bcrufsgenossen oder Angehörigen ver- schiedener Berufe und Standesvereine, auch wenn sie zur Ver- folgung ihrer Zwecke politische Gegenstände erörtern." Diese Fassung wurde in der Kommission gegen eine Stimme, im Reichstag am 27. August nahezu einstimmig angenommen. Sie würde neuen Vexationen einen Riegel vorschieben. Die Regierung hat dieser Fassung nicht zugestimmt, vielmehr eine Fassung gewählt, die zwischen Politik und Sozialpolitik scheidet und vielen Anwendungen Raum gibt. Es soll als tz 17» in das Vereinsgesctz aufgenommen werden:„§ 17a. Die Vorschriften der§§ 3, 17 über politische Vereine und deren Vcrsamnilungen lind auf Vereine von Arbeitgebern und Arbeit- nehmern zum BeHufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht aus dem Grunde anzuwenden, weil diese Vereine auf solche Angelegenheiten der Sozial- Politik oder Wirtschaftspolitik einzuwirken bezwecken, die mit der Erlangung oder Erhaltung günstiger Lohn- und Arbeits- bedingungen oder mit der Wahrung oder Förderung Wirt- schaftlicher oder gewerkschaftlicher Zwecke zugunsten ihrer Mit- gliedcr oder mit allgemeinen beruflichen Fragen i n Zusammenhang stehen." Diese in unserem Artikel vom 5. Mai wiedergegebene Begründung und dieser von der Kommission leider unver- ändert angenomniene Wortlaut kann der Verwaltungsbehörde und Staatsanwaltschaft ein anderes, leicht wohl gegen jede Gewerkschaft anzuwendendes Formular schaffen, um den Zweck der Politischerklärung einer Gewerkschaft zu erreichen. Würde das nur die Folge sein, so könnte man sich vielleicht damit abfinden, daß die Novelle wenigstens keine Ver- schlechterung gegenüber dem heutigen Zustand schaffe. Aber der Kommissionsbericht ruft lebhafte Bedenken wach, ob nicht auch über diese formale Erleichterung eines Einschreitens hieraus auf Grund des Kautschukbegriffs der neuen Vorschrift den Gewerkschaften und den Arbeitern Nach- teile drohen. Wir führen nach dieser Rickstung an der Hand des Kommissionsberichts einiges an. Es ist im Bericht angeführt:„Vor dem Kriege habe man die Gewerkschaften für politisch erklärt, weil sie durch die Generalkommission, der sechs sozialdemokratische Abgeord- nete angehörten, mit der sozialdemokratischen Partei in Ver- bindung stünden." Hindert die neue Fassung, in gleicher Weise zu Unrecht vorzugchen? Kaum. Der Rcgierungsver- treter verwies darauf, man werde ja eine Gewerkschaft nicht gleich, wenn sie die von der Vorlage gezogenen Grenzen überschreite, als einen politischen Verein behandeln, sondern dann erst dazu schreiten, wenn eine Gewerkschaft dies wiederholt tue. Ein Befürworter der Vorlage meinte: „Es handle sich um ein V e r t r a u e n s g e s e tz für die Ge- werkschaften. Die Gewerkschaften hätten jetzt allen Grund, aus ihren Verhandlungen die reine Politik herauszunehmen und strenge Disziplin über die Jugendlichen zu halten, um sich nicht der auch hier zum Ausdruck gebrachten Sympathien zu begeben." Erleichtern solche Aeußerungen nicht später den VerwaltungS- und Anklagebehörden zwischen den artigen Schafen und den räudigen Böcken genau so wie vor dein Kriege zu scheiden? Legen sie es ihnen nicht geradezu nahe? Können die Gewerkschaften dann freibleiben oder bereitet die Novelle nicht einen Umstand vor, der dem russischen mit den offiziell geduldeten Gewerkschaften ähnelt? Die von dem Genossen Legien bereits im Plenum ge- stellte Frage, ob nach der Vorlage Personen unter 18 Jahren auch an öffentlichen politischen Versammlungen, die sich in den Grenzen des§ 17a halten, teilnehmen dürfen, hat der Regierungsvertreter in der Kommission verneint. Nach wie vor soll ferner nach den Darlegungen des Re- gierungsvertreters die Schule das Recht haben, den Fort- bildungsschülern die Teilnahme an Versammlungen und Vereinen zu verbieten:„das Recht der Schule werde durch das Vereinsgesetz nicht eingeschränkt". Ebenso wenig das L e r t r a g s r e ch t. Es sollen also nach wie vor Arbeit- g e b e r den Lehrlingen, den jugendlichen Ar- b e i t e r n oder den StaatSarbeitern den Beitritt zu Gewerkschaften verbieten können! Das ist. da der heutige Rechts zustund ein gegenteiliger ist. eine Verschlechte. r u n g des bestehenden Gesetzes. Wir geben an anderer Stelle die Ausführungen wieder, die am 10. Dezember 1912 Genosse Bauer im Reichstag über die Beschränkung des Koalitions- rechts durch Vertrag gemacht hat. Die Novelle enthält ein Ausnahmegesetz gegen die polnisch sprechenden Arbeiter. Die polnische Fraktion beantragte deshalb, festzulegen: die Bestimmung. daß die in ß 17a gedachten Vereine nicht aus dem Grunde für politisch erklärt werden dürfen, weil sie aus Reichsangehö- rigen nichtdcutscher Nationalität bestehen.„Die Gerichts- Praxis gehe davon aus, datz Vereine, welche sich„polnisch" bezeichnen oder in welchen polnische Politiker Mitglieder sind, oder welche hauptsächlich aus Polen bestehen, für politisch erklärt werden müssen, weil sie offenbar gegenüber dem Staat und den Deutschen Absonderungsbestrebungen haben. Gehe§ 17a ohne die vorgeschlagene Aenderung durch, dann bilde er eine neue Ausnahmebestimmung gegen die Polen, weil diese alsdann wegen ihrer Eigenschaft als Polen von den Vorteilen der Novelle ausgeschlossen sein würden." Der An- trag wurde aber abgelehnt. Nicht nur für die gewerkschaftlichen Organisationen kann die Novelle sehr bedenkliche Folgen zeitigen. Eine Gefahr be- Expeöltion: SM. öS, Llnüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplap, Nr. 151 90—151 97. steht auch für die heute bestehenden nicht gewerkschaftlichen Jugend bildungSvereine. Durch die neue Fassung und durch die Motive ist der Gerichtspraxis nahegelegt, den Begriff des„Politischen" noch zu erweitern und insbesondere die Fragen der Volksgesundheit und V o l k s b ijl- d u n g, die in den Motiven für sozial politisch erklärt sind, nunmehr jugendlichen, nichtgewerkschaftlichen Vereinen nicht zu gestatten. Von einer Praxis, die geglaubt hat, Vor- träge über Abwendung der Choleragefahr als politische anzu- sprechen, wird das zu erwarten sein. Dürfen nach Annahme der Vorlage Jugendliche noch an öffentlichen Versammlungen teilnehmen, die sich mit Bildung, mit Antialkoholbestrebungen, mit dem Achtstundentag, mit Gesundheitspflege befassen? Wie steht's mit den Turn- und Radfahrcrvereinen? Hindert endlich nicht die Annahme der Vorlage eine Bcfferung des gewerkschaftlichen und politischen Vereins- rechts für die Zukunft? Es wird ja die Novelle— genau so wie früher das Vereinsrecht— in den ersten Jahren nach ihrem Inkrafttreten vielleicht keine schädigenden Wir- kungen ausüben. Wie aber, wenn der unvermeidliche Wirt- fchastliche Kampf eine gewisse Höhe erreicht? Wird sich dann nicht zeigen, daß die Novelle ein Danaergeschenk ist? Wird dann nicht wahr werden, was ein freisinniger Redner im Reichstag aussprach, daß die unveränderte Annahme der Vor- läge einen politischen Katzenjammer hervorrufen wird? Gelingt es durchzusetzen, daß endlich die begrifflich un- mögliche Scheidung zwischen reiner Politik und Sozial- und Wirtschaftspolitik aus der Vorlage gestrichen wird, wie es im August 1915 geschah, dann würde zweifellos ein wirklicher Vorteil für die Gewerkschaften herausscheincn. Sonst fürchten wir, kann der vermeintliche Vorteil leicht in sein Gegenteil umschlagen. Die Vorlage steht bereits auf der Tagesordnung der Montagsvcrhandlung des Reichstags. Wird es noch im letzten Moment gelingen, die Regierung zu einem wirklichen Vorteil für die Gewerkschaften zu gewinnen? von öer Seeschlacht am Skagerrak. «mtlich. verlin, 3. Juni. schädigt. Ein deutscher leichter Kreuzer uud sechs deutsche Zerstörer wurden versenkt. Mindestens zwei weite« deutsche leichte Kreuzer wurden, wie beobachtet wurde, kampfunfähig gemacht. Auf drei anderen deutschen Schlachtschiffen wurden wiederholte Treffer wahr- genommen. Schließlich wurde ein deutsches Unterseeboot gerammt und versenkt. Notiz des W. T. B.: Die amtliche Veröffentlichung des deutschen Adm>ralstab«» straft die Behauptung der englischen Admi- ralilät Lugen. Einzelheiten über Üie Seeschlacht. Vmfterdtsm, 3. Juni.(23. T. B.)„H a n d e l S b l a d" meldet: Um 6 Uhr 15 Minuten kam der Trawler„Dmuiden 122" an, der 20 deutsche Seeleute und einen verwundeten englischen Offizier an Bord hatte. Unter den Teut- schen befanden sich drei Offiziere und drei Unteroffiziere. Die Deutsehen marschierten, von Neugierigen umgeben, nach dem Bureau des Kommandanten von Umnidcn, Kapitän van Stockum. Man hatte nicht den Tindruck, mit Schiffbrüchigen zu tun zu haben, so ordentlich sahen sie aus. Auf den Mützenbändern der Matrosen stand S. M. S.„E l b i n g". Nach einiger Zeit verließen die Unter- offiziere und Matrosen das Bureau und begaben sich nach dem König-Wilhelm-Haus. Dort erzählte einer der Unteroffiziere, daß die.Tlbing" ein Kreuzer war. Der Kommandant, Fregatten- tapitän Madlung, gehörte zu den Offizieren, die mit dem Trawler angekommen Ivaren. Die„Glbing" war so havariert worden, daß man beschloß, das Schiff sinken zu laffen. Die LI Mann, die mit dem Trawler angekommen waren, hatten da? Schiff zuletzt ver- laffen. Vorher waren alle übrigen gerettet worden. Sie sind jetzt vermutlich in Wilhelmshaben. Die drei Offiziere, Fregattenkapitän Madlung, Kapitärleutnant Werber und ein Oberleutnant, hatten sich unterdeffen in? Hotel begeben. Sie weigerten sich, über die Schlacht Mitteilungen zu machen und verwiesen auf den Bericht, den sie dem Kommandanten von Uinuiden erstattet hatten. Dieser teilte mit, daß die Schaluppe mit den LI deutschen Seeleuten am Donnerstag von dem Trawler„Fmuiden 122* in der Richtung der dänischen Küste segelnd angetroffen wurde. Auch der englische Marinearzt, der mit den Deutschen in Dmuiden an- gekommen war, befand sich an Bord. Die„Elbing" war so havariert, daß der Kommandant beschloß, sie zu versenken. Vom Aus- gang des Kampfes wußten die Offiziere nichts. Als sie aufgenom» men wurden, war die Schlacht noch im Gange. Es hatten an der Schlacht auf beiden Seiten ungefähr 15l> Schiffe teilgenommen. Von der Besatzung des Dampftrawlers„Berta Dmuiden 122* er- fuhr das„Handelsblad*, daß das Fahrzeug eben in den Fischerei- gründen von Horns Riff angekommen war, als man etwa 80 englische Kriegsschiffe sah. Auch einem großen treibenden Fischer» boot mit deutschen Seeleuten und einem englischen Arzt begegnete man. Alle wurden gerettet. Der Trawler wollte noch weiter fahren, um zu sehen, ob noch mehr Schiffbrüchige gerettet werden könnten, gab den Plan aber auf, da die Lage durch da? Manö- vrieren der Kriegsschiffe immer gefährlicher wurde. Die See war voll von Wrackholz und Leichen, die, soweit eS möglich war, durch englische Kriegsschiffe geborgen wurden. iTOctn sah auch, wie ein sinkendes Kriegsschiff von einem eng- lischen Kreuzer in den Grund gebohrt wurde. Der in Dmuiden eingelaufene Trawler„Vischjan* be. richtet, daß er ein Kriegsschiff unbekannter Nationalität in Flammen sah. Der englische Marinearzt Blurton erzählte, daß er sich auf dem Zerstörer„T i p p e r a r y* befand, der in der Nacht vom Mittwach zum Donnerstag um ungefähr 2 Ilhr zum Sinken aebracht wurde. Blurton fiel in? Wasser, wurde aber durch die Schaluppe der«Elbing* gerettet. Die Deutschen hätten ihn ireundlich behandelt, seine nassen Kleider ausgezogen und ihn in trockene Decken gehüllt. Blurton ist leicht verwundet. Der Kommandant von Dmuiden sagte, daß die Geretteten wahrscheinlich nicht interiert werden würden, da e? sich um einen ähnlichen Fall handle wie bei den drei englischen Kreuzern, die zu Beginn des Krieges torpediert wurden. Tie Schiffbrüchigen feien überdies von einem Handelsfahrzeug, nicht von einem Kriegs- schiff aufgenommen worden. Der kaiserlich deutsche Gesandte, Herr v. Kühlmann wurde gestern abend in Dmuiden erwartet. »« • Amsterdam, 8. Juni.(W. T. B.) Ein hiesige» Blatt erfährt aus Hock van Holland vom 2., daß abends acht Mitglieder der Be- iatzung des Kreuzers„F r a u e n l o b* dort angekommen sind. ES sind der Fähnrich zur See Walter Stoltzmann, die Maschinisten Sigrid, Bartold und Marguard und die Matrosen Gerd, GerrichS und Hillebrand. Ferner befand sich cm Bord der Steuermann Dieffelberg. Die«Frauenlob* wurde um ungefähr 1 Uhr nacht? von einem Torpedo im hinteren Maschinenraum getroffen und sank sofort. Die Besatzung trachtete, sich auf Flößen zu retten. Bis w Uhr früh trieben sie auf der See herum. Sie waren schon früher von einem englischen Torpedoboot gesehen worden. Dieses fuhr aber in rascher Fahrt an dem Kampfplatz vorbei. Schließlich wur- den die Leute von dem niederländischen Dampfer„Texel" bemerkt. In der Nähe des Dampfers lag das englische Torpedoboot 625. ZllS die Besatzung von dem holländischen Dampfer aufgenommen wurde, rief der Kommandant des TorpeedobootS, daß er die Schiffbrüchigen übernehmen wollte. Der Kapitän gab aber nicht feine Zustim- mung dazu. Später wurden die von der„Texel* Geretteten von dem Schleppdampfer„ThameS*, der bereits vier Mann an Bord hatte, übernommen. Sie waren alle sehr erschöpft. Während der „ThameS* die Schiffbrüchigen aufnahm. waS gerade nördlich von der Toggerbank geschah, wurden zwanzig englische Schiffe bemerkt, die sich in voller Fahrt befanden. Um den Steuermann, der sehr erschöpft an Bord gekommen war, bemühte man sich zwei Stunden vergeblich. Er ist während des Transport gestorben. Ueber das Gefecht selbst wußten die Leute nicht viel zu erzählen. Außerdem war ihnen vom Fähnrich verboten worden, Mitteilungen zu machen. Das einzige, was sie sagten, war, daß die deutsche Flotte fünf eng- iffche Schlachtschiffe angriff und daß auf den Geschützdonner hin sofort zehn kleine englische Kreuzer auftauchten, denen andere Schiffe folgten, so daß zum Schluß etwa sechzig Schiffe anwesend waren. Ueber die Stärke der deutschen Flotte ist nichts bekannt. Der französijche Tagesbericht. Paris, 3. Juni.(W. T. v.) Amtlicher Bericht vom 2. I u n i n a ch m i t t a g s. In den Argonnen Handgranatenkämpfe in den Abschnitten von VauqoiS, Eourte-Chaussee und Fille Morte. Die Franzosen sprengten mebrere Luelschminen und beschädigten unterirdische Arbeiten der Deutschen. Am linken MaaSufer ver- schaffte ein Gegenangriff den Franzosen einen Fortschritt um etwa Mbdo in Men SMMklm. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 3. Juni 1S1«.hre Ausgangsgräben zurückgetrieben, nachdem sie ihre Drahthindernisse über» schritten hatte. Gegen 7 Uhr morgens lieh das Feuer bedeutend noch. Vor dem Bahnhof Nizgal<27 Kilomeier nördlich Dünaburg) unternahmen unsere Kosaken ein« kühne Erkundung auf dem linken Ufer der Düna. Die feindliche Artillerie unterhielt ein gleichmäßiges Feuer auf unsere Stellungen im Abschnitt von Düna- bürg. In der Nacht zum 1. Juni griff der Feind nach heftigem Artillerie- und Gewehrseuer von kurzer Dauer auf unsere Stellungen südlich Smorgon das Dorf Suckow(10 Kilometer südlich Smorgon) an, wurde aber durch unser Gewehr- und Handgronatenfeuer zurück- gewiesen. Ein feindliches Flugzeug warf sechs Bomben aus den Bahnhof von Bogdanowa nordöstlich Wilejka(10 Kilometer). Kaukasus: Die Lage ist unverändert. Melüung üer italienischen Heeresleitung. Rom, 2. Juni.(W. S. 93.) Amtlicher Heeresbericht. Die Schlacht zwischen Etsch und Brenta wird immer erbitterter, insbesondere an der Front de» Posina-BacheS und im Gebiet der Sieben-Gemeinden südlich vom Assa-Tal. Im Lagarina-Tal wurde gestern der heftig« Artilleriekampf fortgesetzt. Unsere Batterien störten die Bewegungen des Feindes. Im oberen Teile des Brand- TaleS unternahmen wir einen Angriff und gewannen Raum. An der Front des Posina-Tales unternahm der Feind in der Nacht auf den 1. Juni heftige und wiederholte Angriffe gegen die Nordhänge der Forni-Alti und in der Richtung auf Ouaro(südöstlich von Arsiero). Diese Angriffe wurden mit ungeheuren Verlusten für den Feind zurückgewiesen. Das schnelle und genaue Feuer unserer Artillerie vervollständigte die Vernichtung der AngriffSkolonnen. Am Jnterrotio richtete der Feind gestern eine starke Beschießung auS zahlreichen Batterien aller Kaliber gegen unsere Linien vom Tolle dt Como bis zur Rochetta. Am linken Flügel hatte der Feind starke Kräfte zwischen Posina und Fusine zusammengezogen und machte blutige, aber vergebliche Anstrengungen, in der Richtung des Monte Spin vorzurücken. Auf dem rechten Flügel schritten starke feindliche Kolonnen nachmittags zu einem heftigen Angriff gegen die Front von Seghe Schiri. Nach einem wütenden Angriff wurden sie ober vollständig zurückgeschlagen. Auf der Hochfläche der Sieben- Gemeinden heißer, erbitterter Kampf läng» der Stellungen südlich vom Assa-Tal bis Schlegen (Asiago). Unsere Truppen, die den Gipfel des Monte Cengio immer noch in Händen halten, widerstanden den mächtigen und andauern- den feindlichen Jnfanierieangriffen, die von einer äußerst starken Artillerietätigkeit unterstützt waren. Auf dem Abschnitt der Front. der mit der Straße von Schlegen über Gallio in das Tal vom Eampo Mulo gleichläuft, unternahmen wir gestern nachmittag einen Gegenangriff, der un» trotz der Behinderung durch das heftige feind- liche 2Irtillenefeuer einige Fortschritte ermöglichte. Im Suganertale ist die Lage unverändert. Am Jsonzo beiderseitige Artillerietälig- keit auf den Höhen nordwestlich von Görz und im Abschnitt von Montfaleone. Feindliche Truppenbewegungen im Dahnhof von Ovcia Draga wurden durch unser Arlilleriefeuer wirksam behindert. Ca d o r n a. Herlcht ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 3. Juni.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e- r i ch t von gestern: An der I r a k f r o n t keine Nachricht von Bedeutung. An der K a u k a s u S f r o n t auf dem rechten Flügel keine Veränderung. Im Zentrum lvurden die Ortschaft Bashekcuy und die Höhen, die nördlich und östlich davon. 50 Kilometer südöstlich von Mamachatun, sowie die Höhe 2650, die in den Mairambcrgen, 16 Kilometer nordöstlich Mamachatun liegen, von uns besetzt. Auf dem linken Flügel wurden starke feindliche ErkundungSabteilungcn durch unsere Erkundungs- abteilungen zurückgeschlagen. Ocstlich von Samos wurde ein Motorboot deS Feindes, welches eine Barkasse schleppte, von unserer Artillerie unter Feuer genommen, die Barkasse versenkt und das Motor- boot schwer beschädigt und zur Flucht gezwungen. Unsere Flugzeuge führten vor vier Tagen einen glücklichen An- griff aus gegen ein feindliches Lager bei Rumani in der Nähe des Suezkanals und verursachten dort durch Bomben und Maschinengewehre ernsten Schaden an Leuten und Tieren. Englische Darstellung üer Slockaüe. London, 3. Juni.(W. T. B.) Daö Reutersche Bureau hat aus autoritativer brcliscber Quelle die folgende Mitteilung über die Wirkung der Blockade erkalten: WaS die Wirkung der Blockade an- betrifft, so ist es zweiielloS, daß sie Deutschland, waS die nördlichen Grenzen andetnffl, fest eingeschnürt hält, ob dasselbe von den Zu» gängen durch da« Mittelländische Meer und vom Balkan her gesagt werden kann, ist eine andere Sache. Einige dieser Straßen stehen offensichtlich nicht unter der Koirtrolle der brtlischen Flotte. Wo diese di« Kontrolle ausübt, wird die Blockade streng aufrechterhallen, und es werden leine Schiffe mit Konlerbande nach verdächtigen Be- stimmungSorlen durchgelassen. Es ist klar, daß nicht alle Schiffe, die zur Untersuchung herangezogen werden, zurückgehalten zu werden brauchen, da bei manchen von ihnen festgestellt wird, daß sie keine Konterbande an Bord haben, und andere nur veranlaßt werden, die Konterbande auszuladen, bevor sie die Reise fortsetzen. In anderen Fällen kann, waS technisch Konterbande ist gegebenenfalls an neutrale Länder hindurchgehen, falls unzweifelhaft gute Gewähr dafür geboten wird, daß der frag- liche Artikel nur für den Verbrauch im neutralen Lande bestimmt ist. Irgendein anderes Verfahren als das oben geschilderte, kommt bei der Durchführinig der Blockade für die Regierung nicht in Frage; jedes andere Verfahren würde in der Tat eine Auffassung seiw die weder die Alliierleu noch die Neutralen verteidigeu könnten. /tmerikas Ausfuhr unü �nglanüs ölockaöe. „Slockbolms Daqblad� vom 21. Mai schreibt: Die Wirkungen der sogenannten englischen Blockade und der Handclktontrolle, die England immer strenger durchführt, kommt in fehr bezeichnender Weise in der Ausfuhrstatistik der Vereinigten Staaten zum Ausdruck. Während die Ausfuhrziffern nach den Verbandsländern ständig steigen, zeig: die Ausfuhr nach dem neutralen Europa ausfallenden Rückgang. Im Februar 1916 bclief sich die amerikanische Ausfuhr nach den drei skandinavischen Ländern und Holland noch nicht au die Halste im Vergleich zum Februar 191S. Die Zunahme der AuS- fuhr nach den Verbandsländern war dagegen riesig. Dies geht ans folgender Zusammenstellung für Februar 1916 und 1916 hervor: Ausfuhr in 1666 Dollar: 1916 1916 Nach den Verbandsländern.. 202 069 397 936 . Deutschland...... 4 920 16 , neutralen Ländern... 50 243 22 847 Davon: Nach Schweden...... 18697 2449 , Norwegen...... 7 804 3 818 , Dänemark...... 10601 4869 . Holland....... 18 061 11721 Die amerikanische Ausfuhr nach Schweden ist also um 11,26 Millionen Dollar auf 2,46 Millionen Dollar oder fast 86 Proz. ge- sanken. Für Norwegen betrug die Verringerung etwa 60 Proz., sür Dänemark über 60 Proz. Während der acht Monate Juli bis Februar einschließlich betrug die Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten in den beiden letzten Jahren(in Taufenden von Dollar!: Hier treten die Wirkungen der Blockade noch deutlicher hervor. ES ist auffallend, dafz Norwegen im letzten Jahre mehr Ware als im Jahre zuvor erhalten hat. Amerika unü üer v-Soot-Krieg. New York, 3. Juni.(Funkspruch vom Vertreter deS W. T. B.) Der Hearstsche Internationale Nachrichtendienst meldet aus Washington: DaS Staatsdepartement hat mit einer Unter- suchung der Beschuldigung der Mittelmächt« be° gönnen, daß die Alliierten bei ihren Unterseebootsoperationen die Gesetze der Seekriegsführung in flagranter Weise verletzen. Kämpfe in Deutsch-Gftasrika. London 2. Juni.(W. T. B.) Meldung deS Reuterschen BureauS. General SmutS meldet: Di« stark verschanzte Stellung der Deutschen bei Nikocheni am Panganifluß ist am 30. Mai gestürmt und ge- nommen worden. Die Verluste sind gering, da die Stellung in un- zulänglicher Weise gehalten wurde. Der Feind zog sich auf die Station Nkomazi zurück und sprengte eine Brücke in dir Lust. Er liest seinen Train in unseren Händen. Unsere Kolonnen rücken weiter vor. Die Zrage eines �usgleichsfrieüens. Die.Zürcher Post' vom 27. Mai enthält solgende Zuschrift: In den letzien Spriltagen wurde die Berner Postbehörde von der französischen Poslbehörde verständigt, dast die Mililärzensur eine Sendung des.Bundes der MenschheitSinteressen" an den Präsidenten Wilson beschlagnahmt habe. Dieselbe enthielt die.Menschheit' und die.Voix de l�Humanitü' vom 16. März mit den von Profesior Dr. R. Broda(Bern) stammenden Vor- schlügen sür einen Ausgleichsfrieden und eine Bitte an die amerikanische Regierung, dieselbe wolle die Vorschläge zum Ausgangspunkt einer VermittelungSaktion nehmen. Soeben ist jedoch am Sitze des Bundes für Menschheitsinter- essen in Bern ein Schreiben deS Staatsdepartements zu Washing. ton eingetroffen, dahingehend, daß die amerikanische Regierung die Vorschläge erhalten habe und in entsprechende Erwä- g u n g ziehen werde. Es scheint also, daß die französische Regie- rung die auf Beschlagnahme lautende Verfügung der eigenen Zensurbehörde wieder zurückgezogen hat. Seither hat Präsident Wilson bekanntlich auch in seiner Rede zu Charlette eine solche Aktion in Aussicht gestellt. Ein weiteres Symtom für das Interesse an der Idee cineL Ausgleichsfriedens mag darin erblickt wer- den, dast dem Bunde für MenschheitSintercsscn auch von a m t- I ich er Stelle des Deutschen Reiche» ein Dankschreiben für die Ucberreichung seiner Vorschläge zugekommen ist. Erläuternd mag beigefügt werden, dast dieselben die tcrrito- rialcn Streitfragen durch einen auf die relativ stärksten spezifischen Bedürfnisse jedes Staates aufgebauten Austausch von Zu- g e stä nd n i s s e n zu lösen suchen und zwecks Sicherung nueS Dauerfriedens eine Ausgestaltung des Völkerrechts im einzelnen darlegen und begründen. Kriegsüebatte im Unterhaus. London, 3. Juni.(W. T. B.) Unterhaus. Churchill sagte: Verwundete Offiziere sollten bis zu ihrer Wieder- Herstellung indische und afrikanische Sprachen lernen. Die eine ganze Hälfte der britischen Armee stände in England, von der anderen Hälfte nehme wieder nur die eine Hälfte an den Kämpfen in den Schützengräben teil. Da» sei ein allzu ungünstiges Verhältnis. Etwa zwei Millionen eng- lischer Soldaten hätten noch keine Kugel pfeif en gehört. Churchill empfahl eine gründliche Prüfung dieser Dinge durch eine parlamentarische Kommission. Die Regierung habe mit der Angabe, daß die britische Armee im ganzen fünf Millionen Mann zählt, falsche Vorstellungen erweckt. Gerade diese Ziffer sei die schärfste Kritik an dem geltenden System, denn sie sei auster jedem Verhältnis zu der eigentlichen Gefechtsstärke der Armee. Mit solchen Zahlen mache man den Deutschen keine Angst, und die Franzosen glaubten, England habe noch viel Truppen, die e» nicht in» Feld stellen wolle, England mache keine so grosten Anstrengungen wie Frank. reich. England habe zwar in diesem Kriege mehr getan, als die Verbündeten berechtigt waren zu erwarten, aber von der Armee werde kein genügender Gebrauch gemacht. Mc. Kcnna sagte, das Verhältnis der Gesamtstärke und der Ge- fcchtsstärke der Armee sei dasselbe wie bei dem ursprünglichen Expeditionskorps. Man bekomme leicht«inen falschen Eindruck, wenn man soviel Soldaten in England sehe, aber der gröhte Teil bestände erstens aus Verwundeten und Rekonvaleszenten und zweitens aus den in der Ausbildung Befindlichen und den Re- scrvcn sowie aus den Truppen, die zur Landesverteidigung be- stimmt seien. Man könne darüber streiten, ob die Zahl der letzteren verringert werden könnte, aber deren Zahl war seinerzeit von dem KriegSamt und der Admiralität vereinbart worden, als Churchill der Erste Lovd der Admiralität war.— Generalmajor Herbert beantragte, bei dem Gehalt de» Kriegssekretär» einen Abstrich von j hundert Pfund Sterling zu beschliesten. Die Rede Churchills er- klärte den Mangel an Vertrauen, den man gegen Kitcheners Ver- waltung des Kriegsamtes habe. Der graste Mangel an Erfolg sei die Folge davon, dast man von Anfang an keinen bestimmten Plan gehabt habe. Redner forderte eine gründliche Untersuchung über die Expedition von Gallipoli. Asquith sagte, er glaube zwar nicht an eine Intervention, aber die Armee zur Landesverteidigung könne nicht vermehrt werden. Die Zahl von fünf Millionen, die er ge- nannt habe, schlösse alle Gefallenen und Kriegs- beschädigten ein, eS sei die Gesamtziffer von allen Kräften, die England aufgebracht habe. ASquith verteidigte Kitchener. Der Antrag Herbert wurde abgelehnt. Die englischen Dienstverweigerer. Der„Labour Leader' vom 26. Mai teilt mit, daß die Zahl der verhafteten Dienstverweigerer auf 610 gestiegen ist. Da- von sind 116 schon von den Kriegsgerichten verurteilt, 496 sind in Untersuchungshaft. Asquith bat im Unterhaus zugegeben, dast die.Dienstverweigerer wegen Gewissensbeschwerden' in Ketten gelegt und ge- fesselt worden sind, aber er behauptet, dast die» nur dann ge- ichehen sei, wenn sie gewalttätig wurden oder ihre Kleider zerrissen- Die Wahrheit ist, daß die.Gewalttäligkeit' darin bestand, dast sie sich nicht gulwillig entkleideten und in Uniform stecken lassen wollten. ASquith hat weiter bekannt gegeben, dast allen Verurteilten, die zwei Jahre Gefängnis bekommen haben, die Strafe auf 112 Tage herabgesetzt worden ist. Auch sollen alle Urteile revidiert werden. Daß die kriegsfeindliche Strömung in der Armee zunimmt, teilt ein Brief an den.Labour Leader' mit. Der Schreiber berichtet, dast im Lager alle Soldaten in den Baracken in der Nacht die.Rote Fahne' singen. Die englische Tagespreise hat in der vorigen Woche an einem Tag ungefähr gleichlautende Berichte gebracht, die das Leben des »KorpS der Nicht-Kombattanten' hinter der Front in Frankreich in recht idyllischem Licht schilderten. Der.Labour Leader' macht nun darauf aufmerksam, daß diese Berichte auf Täuschung des Publikums berechnet waren, das nicht weiß, dast zwischen den absoluten .ConicientiouS Objector»', die aus GcwissenSgründen jegliche Dienstleistung für die Armee verweigern und den Nichtkombaitanten unterschieden werden muß, die von den Gerichten ein Zertifikat be- kommen haben, das sie vom Kampfdienst enthebt. Auch die.Nicht- kombattanten' haben es nicht so gut, wie die gefälligen Journalisten sagen, aber für sie besteht nicht die Gefahr wie für die absoluten Dienstverweigerer—«S sind bisher 17, die nach Frankreich geschickt worden sind und 27 anderen ist dasselbe LoS angekündigt worden— die wegen Dienstverweigerung vor dem Feind von neuem vor daS Kriegsgericht kommen können. Zwar hat L o n g im Namen der Regierung im Unterhaus zugesagt, dast keiner von ihnen erschossen werden werde, aber der.Labour Leader' findet seine Erklärung nicht bestimmt genug, um befriedigend zu sein und fragt, wa« man mit dem Transport weiterer Dienstverweigerer nach Frankreich be- zwecke. Eine Lösung der Frage sei unumgänglich und ihre Grund- läge müsse sein, dast der.nichtkombattante' Dienst nur denjenigen auferlegt werden dürfe, die sich ihm unterziehen wollen und dast die Jurisdiktion in allen Fällen von Dienstverweigerung auS Gewissens- gründen den bürgerlichen Gerichten zufalle. Negeremfuhr in EnglanÜ? Im.Manchester Guardian' wendet sich ein Kenner afrikanischer Verhältnisse gegen die vorgeschlagene Verwendung von Neger- soldaten an der Front, von der er wegen der Schwierigkeiten der Ausbildung abrät, er meint aber, dast die 260 000 Aufseher, Stall- knechte usw., die hinter der Front bleiben, leicht durch Schwarze ersetzt werden könnten. Und noch eine Verwendung sieht er für die Neger vor: er sagt nämlich, dast viele als Schiffsbau- a r b e i t e r ausgezeichnete Dienste leisten und englische Hafenarbeiter sür den Heeresdienst freimachen könnten. Da werden aber wohl die englischen Arbeiter ein Wörtchen drein reden. Lohnbewegung in Lancaftershire. Die.Times' vom 27. Mai berichtet: In Manchester hatten 100 000 vaumwollipinner eine Lohnerhöhung von 10 Proz. be- antragt. Die Arbeitgeber boten daraufhin eine Erhöhung um 6 Proz. an unter der Bedingung, dast die Löhn« sür die nächsten zwei Jahre unverändert bleiben sollten und dast spätere Ver- Snderungcn immer nur mit Zwischenräumen von zwei Jahren während der nächsten zehn Jahre vorgenommen werden könnten und unter keinen Umständen im Einzelfalle die Höhe von 6 Proz. überschreiten dürsten. Dieses Angebot wurde abgelehnt, und sollte bis j�ur nächsten Woche kein neues Angebot der Arbeitgeber erfolgen, so wird der Streik neu angekündigt werden. Nach der Darstellung der»Mvrning Post' vom 27. Mai liegt die Sache so, dast die Spinner da» Angebot ablehnten, während die Kämmer und Weber eine Frist zur Erwägung forderten. Ein Protest gegen üen Sozialpateiotlsmus in Rußland. Eine Anzahl hervorragender Theoretiker und Praktiker der „menschewistischen' Richtung der russischen Sozialdemokratie, wie Paul Axelrod, L. Martow, A. Martynow, F. Dan, I. Z e r e t e I l t(Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion der 2. Duma) u. a. veröffentlichen im Arbeiterblatt„Nasch Goloö" (Samara) einen Protest gegen die sozialpatriotische Propaganda, zu der sich elf Genossen derselben Richtung vor einigen Monaten :m Sammelbuch„Samosaschtfchita'(Selbstverteidigung) zusammen- geschlossen haben.(Eine ausführliche Besprechung dieses Buches siehe„Neue Zeit' XXXIV. 2. Heft 3.) Die Unterzeichneten lehnen ieoe Gemeinschaft mit den in dieser Schrift propagierten Ideen und jede Verantwortlichkeit für sie ab und fahren dann fort: „Die Verfasser de» erwähnten Petersburger Sammelbuche» sind bestrebt, gerade die Rückstandsmvment« der Arbeitcrbewe- gung, deren Bankerott in der jetzigen Krise offenkundig gewor- den ist, zu erhalten und mit dem Marxismus organisch zu vereinigen. Diese Rückstandsmomente verwandeln sich in ein direktes Hindernis für das Bestehen der marxistischen Demo- kratie als einer aktiven Weltkraft. Für die russische Arbeiter- demokratie würde ein Erfolg der Propaganda des erwähnten SammelbucheZ die Schwächung des ohnehin in unentwickelten: Zustande befindlichen BewusttseinS ihres Zusammenhanges mit der Weltdemokratie bedeuten und auch die Verwirklichung ihrer besonderen geschichtlichen Aufgabe in Rußland verhängnisvoll beeinflussen. Der Versuch der Begründung diese» seinem Wesen nach reaktionär-eklektischen JdeenkreiseS erscheint in dem erwähnten Sammelbuch um dieselbe Zeit, wo überall bereits die Erkenntnis seiner schädlichen Wirkungen durchgedrungen ist und allerorts der Prozeß eines neuen JdeenaufschwungeS und einer Ideen- gefundung begonnen hat, ein Prozeß des Zusammenschlusses um die unvergänglichen Elemente de» Marxismus.' Mit aller Entschiedenheit protestieren die Verfasser der Er- klärung g'egen die Versuche der Sozialpatrioten, die s o z i a l d e m o- kratische Dumafraktion auf einen andern Weg zu drängen: „Mit aller Energie wenden wir uns gegen die Versuche, die Dumafraktion von dem richtigen Wege abzudrängen, den sie bis- her innegehalten hat. Diesen Versuchen muß von feiten der Kollektivmsinung der russischen Marxisten ein ernster Widerstand gegsnübergestellt werde»; es ig uotwevdi� daß die Dumafraktion durch Zustimmungs« und Solidaritätserklärungen ideell unter- stützt wird.' Recht bezeichnend für die von uns bereits gekennzeichnete Krise im Lager der„Menschewiki" ist der scharfe Protest der eigentlichen Führer dieser Richtung gegen den Jdeenwirrwarr, den die Sozialpatrioten in die Betvegung hineingetragen haben: „Gegen den Kreis der Ideen, die in dem erwähnten Sammelbuch ihren Ausdruck gefunden haben, protestieren wir im Namen der unerschütterlichen Grundsatze des Marxismus und der ideellen Traditionen der„menschewistischen' Richtung. Für uns war der„Menschewismus" stets nur die praktische Anwendung der Grundsätze des Marxismus in dem eigenartigen geschichtlichen Milieu Rußlands;— außerhalb dieser Grundsätze würde er seine Existenzberechtigung verlieren. Wir wissen, daß es erst später möglich sein wird, endgültige Folgerungen aus der Tatsache des Jdeenwirrwawrrs in einem Teile der„menschewi- stischen" Lagers zu ziehen, und zwar wenn die Stellung dieses Teiles ihren vollendeten Ausdruck gefunden haben wird und die äußeren Verhältnisse den breiten Massen gestatten werden, be- wüßt zwischen zwei Wegen zu wählen.' Zum Schluß werden die Genossen aufgefordert, sich zu diesem Protest zu äußern, ohne Furcht„die bereits nicht mehr be- stehende Einheit der Richtung zu kompromittieren' und ohne den Versuch zu machen, die wirkliche Tiefe der Meinungs- Verschiedenheiten zu verkleistern. Die Redaktion des„Nasch GoloS' stimmt diesem Protest inso- � fern zu, als sie ihn, bei aller Notwendigkeit, die Ideen deS er- wähnten Sammelbuches zu kritisieren, nicht gegen diesen„Ideen- k r e i S", sondern gegen die organisatorische Absonde- rung und die Handlungen der Mitarbeiter der sozialpatrio- tischen Programmschrift zu richten wünscht. Sie gibt selber zu, daß die Meinungsverschiedenheiten, die bereits in die breiten Kreise der Arbeiterschaft gedrungen sind, zurzeit vielleicht noch tiefer gehen, als die Verfasser des wiedergegebcncn Protestes annehmen, und daß infolgedessen eine völlig neue Gruppierung in der Ar- beiterbewegung sich anbahne. Trotzdem hält sie cS zurzeit nicht für opportun, diese Gruppierung durch Proteste und Gegenprotest« zu beschlounigen. Die weitere Entwicklung jedoch dürfte die Redaktion des Samaraer Blattes, das in den letzten Monaten von den Er- eianissen mehr und mehr zu größerer Klarheit und Folgerichtigkeit georängt worden ist, davon überzeugen, daß das offene Aus- sprechen dessen, was ist, für die Ueberwindung der letzigen Krise und die Zukunft der Arbeiterbewegung wichtiger ist als das Vertuschen der Gegensätze im Ramen einer nur nominell bestehenden Einigkeit. Die ergänzende amerikanische Marine» vorläge. Washington, 2. Juni.(W. T. B.) Meldung de» Reuterschen Bureaus. Die ergänzende Marinevorlage, die den Bau von 60 Schlachtkreuzern, 4 Aufklärungskreuzern. 10 Zerstörern, 60 Unterseebooten und 130«ero» planen vorsieht, wurde vom Repräsentantenhause angenommen. Die Vorgänge in»»»� v« v U Wespwaren Nackenrüsche«m BWemrcn, Balls.................... OO n- Faltenkragen am ges.iciu-m or D| Ballst gesleppl.............. ÖO �1- Nackenrüsche«m Baiw»n-i™ Hohisaum.................. 1*""_ flute",r"sche. 1.85 ßeule Sonntag sind unsere Qescbällstjäusee ßeipyget u. Xönigftraße 1.65 geschlossen. XosentJjaler Str. u. Moniplah von 2 bis 6 Uhr geöffnet. Waschblusen Mu!l-Bluse«Ich mU SlkKutI J Q/% Mull-Bluse e«p»»ht,«s«, tjc flarnlert.................. ä."U großem Revers.............. /./Ü Voile-Bluse»esiicki. ta qa Voile-Bluse m».landsiiAere., schledenen Mus'ern........... DrelYierlel-Aermel....... 8.75 Voile- Bluse mit A »lickerel............... Voi!G-l3IuSG mif Handsllckeret. /v m r A rmel................."./D Schriftliche Bestellungen an die Versand-Abteilung Berlin W 66 erbeten Gardinen Gewebte Künstler- Gardinen 2 Sdlalx, I Querbchw. fem»« 9 rt 14 M- Gewebte Stores a 3.35 5.50 Erbstüll- Stores sml 7.25 10.25 Erbsfüll-Halbst. smc 8.75 12.50 Erbstüll-Künstler- Garnituren 2 Srhah. I QtMrbehg� r«iit. H, 6 0 16.50 Etamine- Künstler-Garnituren «. 16 m. Bettdecken Tüll-Bettdeck. 3.75 5.50 TüII-Bettdedc 7.50 10 m. ErbstüIIBetldeck.'stB-7.50 9 m. Erbstüll-Bettdeds'i��M 17« Schirme Sonnenschirme Weifj-Bafist b«n*i........ 5.90 Seide»ln(att>tg. MI furttrd.,,, 6.75 Weifl-Balist mtl SlldarelKant.. 8.75 «In'arblg, mil Futteral and Ma- O H t\ 3eiae lakko-Rohrgritl...... O./U Seide JÄiÄ 13.50 15.75 Regenschirme Baumwollstott« eu»»«.. 3.90 Gloriaseide am fu»**..... 6.25 Halbseide». ruii«r* m** 9.75 Lerantw. Nedakt.: Alired Wielevv. Neukölln. Jnwratenteil oeranuv. TH. Glocke. Berlin. Druck u. Vertag: Vorwäris Buchdr. u. VertagSanstaü Paul Singer Co., Berlin 2W. Hierzu 2 Beilagen u. lluteryalluugödll 5U52. 33»« ijeilntje des Jormnrtö" berliner WlksdlM.--"w. 4.?.« Reichstag. V8. Sitzung. Sonnabend, den 3. Juni ISIS, vormittag« 10 Uhr. Rm BundeSratsiisch; Dr. Helfferich. Die zweite Beratung de« Cesetzentwurf« über di« Erhöhung der Tabakabgabeu wird fortgesetzt. Abg. Henke(Soz. Arbg.): Ueber da«, wa« die Industrie unter der neuen Tabakbesteuerung zu leiden haben wird, geht man hier mit einer gewissen Sorglosig- teil fort. Wenn einige« Verständnis sür die Lage der Tabatindustrie und Tabakarbeiter herrschte, so würde man diese Vorlage, die die Aermsten der Arbeiter trifft, sicherlich fallen lassen. Wenn nach dem Kriege da« Heer al« Auftraggeber wegfällt, wird ein starker Rück- gang der Produktion eintreten; das wird zu ArbeitSlosig« keit und zur Vernichtung zahlreicher Existenzen, nicht nur bei den Arbeitern, sondern auch bei den Händlern führen. Selbst Herr Gothein beklagt im.Tageblatt' diese Steuerpolitik, die zugleich so kurzsichtig ist, daß sie nicht einmal der Sozialdemokratie, ganz abgesehen von der Arbeitsgemeinschaft die Mitarbeit ermöglicht. Wir sind sicher, dag die bürgerlichen Parteien sich zusammenfinden werden, um die not- wendigen Kosten zu dewilligen, aber hüten werden sie sich, diese Kosten aus den Taschen der Besitzenden zu bewilligen. sSehr wahrl bei der Soz. Arbg.) Man weist darauf hin. dast die direkten Steuern stärker gewachsen sind al« die indirekten. Aber weit stärker sind die Einkommen und Vermögen der Besitzenden gestiegen.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Welche Gefühl« muff die Vorlage bei den Tabakarbeitern und Händlern hervorrufen, die im Schützengraben räglich bereit sind, ihr Leben hinzugeben! Die ssolge dieser Vorlage »nutz eine Summe von glühendem Hast sein. lZustimmung bei der Soz. Arbg.) Zu Anfang de« Kriege« rief Rohrbach den Besitzenden zu, wenn sie nicht bereit seien. Opfer zu bringen zugunsten der Besitz- losen und Armen, so stehe der günstige Ausgang de» Kriege« sehr dahin. Man hat hier beantragt, die grasten Reeder wegen ihrer starken Einbußen infolge des Kriege« zu entschädigen. An eine Hilse aber für die Tabakarbeiter und Tabakbändler sür rhre Einbuste denkt niemand. Wer eine solche Gesetzgebung mitmacht, der must gar kein Gewissen haben. lPrösident Dr. Kacmpf ruft den Redner wegen dieser Aeusterung zur Ordnung.) Solche Gesetzgebung, die auf ein Aufgeben unserer Grundsätze hinauslaufen würde, können wir nicht mitmachen. Herr Bassermann sprach von einer nationalen Tat, die mit dieser Gesetzgebung vollbracht werde. Wäre da« wirk- lich der Fall, so müstte es mit dem nationalen Gedanken sehr schlecht bestellt sein. Die LepenShaltung ist dauernd teurer geworden, weit mehr als die geringe Steigerung der Löhne der Tabaiarbeiter aus« macht. lJm Saal herrscht zufolge der Unterhaltung der Abgeordneten grost« Unruhe, so dost der Redner schwer zu verstehen ist. Präsident Dr. K a e m p s bittet um Ruhe.) Diese Unruhe ist der beste Beweis für die Interesselosigkeit der bürgerlichen Parteien gegenüber den Tabakarbeitern. sSebr richtig I bei der Soz. Arbg.) Auch die Hausindustrie ist in der Tabokindustrie stark vertreten. S. 7, 8 Stunden arbeiten hier Kinder noch auster der Schulzeit. Während in der übrigen Hausindustrie die K i n d e r a r b e i t ab- nimmt, nimmt sie in der Tabakindustrie zu. sHört l hört! bei der Soz. Arbg.) Ebenso steht e« mit der Frauenarbeit, die auch eine starke Säuglingssterblichkeit mit sich bringt. Gerade jetzt wäre ein« besondere Fürsorge für die Säuglinge nötig, im allgemeinen Voiksinteresse, meinetwegen auch im nanonalen Interesse. Statt dessen macht man Gesetze, durch die die Säuglingssterblichkeit ver- mehrt werden must. Auch die Sterblichkeit an Lungenschwindsucht ist umer den Tabakarbeitern am größten. Man hat sich für die Vorlage auf Eingaben der Jntereffenten be- rufen. Man hatte ihnen aber verboten, irgend etwas Aufreizende« in den Eingaben zu sagen, vor allen Dingen nicht«, was zum Klassen- hast aufreizt. Aber auch wenn wir gar nicht« sagen, must diese Vorlage zum Klassen hast aufreizen.ai man abgelehnt. Die andere Ausnahm« aber, die B c f r e i u n g der Fürsten, ihrer Witwen und Gemahlinnen von der Kriegs- abgäbe ist bestehen geblieben.(Hört! hörtl bei de» Sozialdcmo- kraten.) Wir haben den Antrag auf Beseitigung dieser Ausnahme zugunsten der regierenden Fürsten jetzt wieder eingebracht.— Der Resolution der Kommission auf baldmöglichste Einführung einheit- licher Postwertzeichen für das ganze Reich stimmen wir zu. Es würde das die Beseitigung der besonderen bayerischen Briefmarken bedeuten.— Wir können der Vorlage unmöglich zustimmen, wenn wir das Vertrauen bei unseren Wählern nicht verlieren wollen. Gerade jetzt im Kriege mußte man eine weitere Belastung des Ver- kehrS vermeiden. Hatte der Reichstag sich energisch gegen all diese indirekten Steuern gewandt, so wäre das Reichsschatzamt gezwungen gewesen, den Reichswagen auf die neue Bahn der direkten Besteuc- rung zu drängen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Carsten»(Vp.): In erster Linie freilich muß die Post VerkchrSanstalt bleiben. Andererseits aber müsse» diese Vcrkchrsanstalten auch rentieren. Die Telcphongebühren sind heute so niedrig, daß die Ausgaben dadurch nickt gedeckt werden. Im übrigen haben auch wir dieser Vor- läge gegenüber schlvere Bedenken. Am meisten stört mich das Briefporto von IS Pf. Die Folge wird eine starke Abwanderung zur Postkart« sein. Erfreulich ist der Beschluß, daß zwei Jahre nach dem Kriege eine Reform dieser Vorlage erfolgen muß, wenn der Reichstag es verlangt.— Grober Mißbrauch wird häufig mit der Portofreiheit der sogenanuten StaatStelegramme au« dem Felde und mit der Portofreiheit der Fürsten getrieben. so ist da» Telegramm eine« Rittmeister» an seinen Freund, er möge eine Dame, die zufällig durch Hannover komme, einer andern vorstellen, al« portofreie» StaatStelegram in vor allen anderen vorliegenden Telegrammen befördert worden.(Hört! hört!) Im November v. I. Ivurde eine Depesche an den Herzog von Braunschweig portofrei befördert, nwrin ihm die Beamten und Diener des herzoglichen.Hoftheater» ihre untertänigsten Glück- wünsche uuterbreltete». Da« betreffende Postamt in Braunschweig wie» die Oberpostdicektion bei einer Eingabe auf dies« mißbrauch- liche Benutzung der Gebührenfreiheit hin, erhielt aber den Bescheid, daß in einem ähnlichen Falle da» Reichspostamt zugestimmt habe, daß derartige Telegramme al« uiimittelbure Dienstpflicht und nicht als persönliche Angelegenheit der Absender anzusehen und gebührenfrei seien.— Dem Kompromiß stiininen wir zu entsprechend unserem vaterländischen Pflichtgefühl in dieser schweren Zeit. Abg. Bogtherr(Soz. Arbg.)(zur M'fcliSftsordnung): Ich habe den Einoruck, baß am BundesratStisch mehr Vertreter sitzen als im Hause. Das erscheint mir mit der Würde deS Hause» nicht vereinbar, und ich beantrage daher, die Sitzung zu vertagen. (Unruhe.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp): Der Antrag de» Vorredner» ist vollständig ungerechtfertigt. Gerade seine Partei ist am allerschlechtesten hier vertreten, nämlich durch ihn ganz allein.(Hörtl hörtl) Ein Anlaß zu einem der» artigen Vorgehen ist also durchaus nicht gegeben. Präsident Dr. Paasch« stellt di« UnterstlltzungSfrage für den Antrag auf Vertagung. E» erheben sich für ihn nur 7 inzwischen mit anderen Abgeordneten in den Saal gekommene Mitglieder der Sozialdemokratischen Ar- beitsgemeinschaft. Abg. Bogtherr(Soz. Arbg.): Die Folge der Vorlage wird sicher ein« Einschränkung de» Ver- kehrs sein. Es ist doch ganz zweisello», daß die Belastung, die hier beschlossen wird,«ine dauernde wird. Wir haben vollständige Be- seitigung d«r Portofreiheit der Fürsten beantragt. ES ist eine Halbheit. sie nur von der besonderen Kriegsabgabe zu befreien.(Kehrrichtig! bei der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft.) DaS Kapitel de» Mißbranchs dieser Portofreiheit ist sehr umfangreich. Der Wildhandel der fürstlichen Jagden rechnet ß. B. damit, daß ihm das erlegte Wild bis nach dem Domizil de» Händlers frei befördert wird.(Hört! hört! bei der Sozialdemokratischen Arbeiisgemein- schaff.) Das ist ein ziemlich ungenierter Mißbrauch einer ver- kchrsanstalt.(Vizepräsident Paasch«: Sie dürfe» nicht von einem Mißbrauch spreche», wo ein Recht m Frage kommt.)' Man ber- -nutet« in der Kommission, die Fürsten würden gelegentlich dieses Gesetzes freiwillig auf die Portofreiheit verzichten. Ich weiß nicht, ob diese Vermutung ernsthaft war. Jedenfalls ist bekannt, daß diese Herrschaften ihre Vorrechte sehr energisch zu wahren verstehen und niemals freiwillig darauf verzichten. Leider fehlt es dem Bürgertum an der nötigen Energie, um solche Vorrechte zu be- festigen. Die Fürsten, die auf Kosten der Allgemeinheit über- i rieben hohe Gehälter beziehen, die nicht einmal im Kriege eine Kürzung erfahren haben, sollten wenigstens zwangsweise dazu ge- bracht werden, auch ihr Opfer zu bringen, wo der kleine und kleinste Mann es tragen muß. sosehr währ! bei der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft.) Durch vieles Reden ist ja an dem Gesetz nichts mehr zu ändern. Die Kreise, die dadurch zu leiden haben werden, wissen, an wen sie sich zu wenden haben. Staatssekretär Dr. Helfferich: Die Portofreiheit der Landesfürsten beruht auf gesetzlicher Grundlage. Dieser Portoftciheit ist ebenso Rechnung getragen wie dar der Feldpost. Wenn man die Lairdesfürsten dieser Albgabe unterworfen hätte, wäre das ein Ausnahmegesetz gegen den Landesfürsten gewesen.(Lachen bei den Sozialdemo- traten.) Entschieden zurückweisen mutz ich es. wenn der Vorredner meinte, daß bei den Landesfürsten natürlich in dieser Richtung ein Verständnis nicht zu erwarten sei. Schon dem Wehrbeitrag daben die Landesfürsten sich freiwillig unterworfen in derselben Höhe wie jeder andere Staatsbürger.(Jurus der Sozialdemo- i ratischen Arbeitsgemeinschaft.) Einen Zweifel daran lasse ich nicht auftommen. Bei der Kriegssteuer habe ich den Reichskanzler veranlaßt, sich an Se. Majestät zu wenden, und die sämtlichen Landessürsten haben, ehe auch nur die Spur einer Anregung von der Volksvertretung ausgegangen ist, erklärt, daß sie freiwillig die Kriegssteuer zahlen wollen.(Beifall rechts.) Staatssekretär Kraetke: Eine Portofreiheit für Wildsendungen kann von den Hofver- waltungen nicht in Anspruch genommen werden, das gehört zum wirtschaftlichen Betriebe, der nicht unter die Portofteiheit fällt. Ratürlich kann auch mal ein Versehen eines Hofbeamten vor- loimnen. Abg. Buck(Soz.): Wenn unsere Anträge auf Beseitigung der Porto frei heit der Fürsten angenommen werden und zur Durchführung gelangen, so werden derartige Debatten hier von selbst fortfallen, llnser An- trag will nur die Kriegsabgabe von den Fürsten haben. Wir itimmen aber auch ftir den Antrag unserer Freunde von der anderen Fakultät(Große Heiterkeit), und schließlich werden wir auch ftir den freisinuigcu Autrag stimmen, der auf die Forderung einer Rcvi- dierung der Verfassung hinausläuft. Damit schließt die Diskussion, llnter Ablehnung der Anträge der Sozialdemokraten und der Sozialdemokratischen Arbeitsgemein- schaft wird die Vorlage nach de» Beschlüssen der Kommission an- genommen. Angenommen wird auch die Resolution der Volks- Partei, die einen Gesetzentwurf zur Beseitigung der Porwfreiheit der Fürsten fordert. ES folgt die Beratung der Resolution der Kommtssian aus Einführung einheitlicher Postwertzeichen filrS ganze Reich. Abg. Matz er-Kaufb euren(I.) bittet um Ablehnung dieser Resolution und Auf rechterhaüung des bayerischen Postreservats, dessen Bestehen eine heilsame Konturrenz für die Reichs postverwal tun g fei. Mg. Lieschmg(Dp.): Es handelt sich gar nicht um das Postreservatrecht; da? haben wir auch in Württembezg heute noch, obwohl wir seit zehn Jahren sie einheitliche Briefmarke haben. Das bayerische Reservatrecht wird durch die einheitliche Briefmarke gar nicht berührt, nur uu- nö'Kg« Unbeq-iemlichkeiteil-in Verkehrswesen sollen beseitigt werden. Die Resolution der Kommission wird gegen die Stimmen der Rechten und des Zentrums angenommen. ES folgt die Bevatung des Fracht» rknndenstempelgesetzeS. Mg. Reißhcms(Soz.): Nur die Sozialdemokratie hat eine grundsätzliche Stellung gegen diese Steuer eingenommen, die auch eine Steuer auf Handel und Verkehr ist, die von der breiten Masse getragen werden mutz. Abge- sehen vou der Kriegsgewinnsteuer bewegen sich alle Steuervorlagen in dem alten Geleise: Man wimmt das Geld, woher man es be- kommen kann, wenn Handel und Verkehr dadurch auch noch so be- lastet und in der Entwicklung gehemmt werden. Die Reichen werden diese Steuevu leicht abwälzen können, die wirtschaftlich schwachen dagegen nicht. Das gilt namentlich auch für die kleinen Industriellen und Gewerbetreibenden. Der Frachturkundenstempel nimmt auch nicht die geringste Rücksicht auf den Wert und Charakter der Sendungen. Die geringwertigen, aber schweren Dinge werden stärker besteuert, wie hochwertige, wenig wiegende Seirdungen. Durch diese Ungerechtigkeit werden wiederum die kleinen Leute besonders betroffen. Die Tapferen, die im Schützengraben für uns bluten, -oerden kein Verständnis hierfür haben und es bitter empfinden, daß >ie für alle Opfer, die sie bringen, mir neue Erschwerungen der Existenz bekmmne». Die notwendigen Kosten müsse» selbstverständ- -ich aufgebracht werden, ober'das sollte durch die Besitzenden ge- schehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun sagt man, die Stener soll nur vorübergehend sein. Di« Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Jedenfalls haben wir den Antrag gestellt, ausdrücklich zu bestimmen, daß späte- itens nach Ablauf des zweiten Rechnungsjahres nach Friedensschluß die Aufhebung des Frachturkundenstempels erfolgen muß, wenn sie der Reichstag fordert. Die Steuer wird, fürchte ich, nicht nur nicht vorübergehend sein, sondern später noch erhöht werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dies« den Handel und Wandel be- lastende Steuerpolitik machen wir nicht mit, die Verantwortung dafür überlassen wir den Kompromißparteien.(Beifall bei den « oz ialdem o kra ten.) Wg. Carstens(Vp.): Die hier vorgelegt« Steuer ist nur sehr gering und belastet Handel und Verkehr nur sehr wenig, die interessierten Kreise haben sich auch nicht dagegen gewendet. Das Gesetz wird angenommen. Der Antrag Albrccht auf Befristung abgelehnt. Damit sind die Steuervorlagen in zweiter Beratung erledigt. Der Etat der Reichsschuld, der Allgemeinen Finanzverwaltung und das Etatsgesetz werde» de- !>attelos bewilligt. Eine Resolution der Kommission, den Reichskanzler zu ersuchen, die für die Bewilligung von Krieg»- veihilfen festgesetzte EinrommenSgrenz« von 2100 M. für Beamte auf 3000 M. und von 2400 M. für im Vertragsverhält- uis stehende Angestellte auf 3300 M. zu erhöhen, wird ange- no mmen. Hierauf wird die Novell« zum Kaligesetz in dritter Lesung a ug e n o m m e n. Es folgt die zweit« Beratung des Gesetzes betreffend die Herab- setzung der Bezugsgrenze für die Altersrenten vom 70. auf das 65. Lebensjahr. Mg. Molkenbuhr(Soz.): Wir beantragen, entsprechend dieser Herabsetzung der Alters- grenze auch die Karenzzeit für den Bezug der Altersrente von l200 auf 1000 Wochen herabzusetzen. Geschieht das nicht, so werden dadurch namentlich die älteren Leute, die erfahrungsmäßig schwerer Arbeit finden, wenn sie einmal arbeitslos werden, ge- schädigt, weil sie leichter in die Lage kommen können, beim Ein- tritt in das 65. Lebensjahr nicht die notwendige Zahl von Bei- trägen nachweisen zu können. Daß die Lasten der Versicherung dadurch ins Unabsehbare vermehrt würden, wie die Bersicberungs- umthematikcr wohl behaupten werden, bezweifle ich. Jedenfalls ist der von uns beantragte Ausgleich aus Gründen der Gerechtig- keit notwendig..(Sehr wahr) hei heg Sozialdemokraten.) Ich beschränke mich heute auf diesen Antrag, werde aber mit meiner alten Forderung auf Erhöhung der Waisenrente auch nach Annahme dieses Gesetzes immer wiederkommen. Der von der Versicherung angesammelte Ueberschuß beträgt 263 Millio- nen.(Hört! bört! bei den Sozialdemokraten.) Es ist vollkommen verwerflich, solch riesige Summen aufzusparen auf Kosten der Waisen, denen man daraus eine ausreichende Rente gewähren könnte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich werde also meinen Kampf nicht aufgeben, bis man den armen Waisenkindern eine ausreichende Rente gibt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat Aurin wendet sich gegen die Herabsetzung der Karenzzeit. Auch bei der Invalidenversicherung ist die Wartezeit auf 40 Wochen pro Jahr festgesetzt. Für die Uebergangszeit sind in dem Gesetz selbst bereits Vorkehrungen getroffen, um Härten zu vermeiden. Abg. Büchner(Soz. Arbg.): Die Renten der Witwen und Waisen sind im allgemeinen viel zu niedrig. Die Witwen der Kriegsteilnehmer sind bedeutend schlechter gestellt als die Witwen in der Angestelltenversicherung. Ich bitte Sie im Interesse der Aermsten der Armen, den Antrag Molkenbuhr anzunehmen.(Beifall bei der Soz. Arbg.) Abg. Molkenbuhr(Soz.). hält dem Regierungsvertreter gegenüber an seiner Auffassung fest. Der Hinweis auf die Invalidenversicherung treffe nicht dte Sache, denn dort werde an der Bezugsgrenze nichts geändert. Unter Ablehnung des Antrage? Molkenbuhr wird das Gesetz in der Kommissionsfassung angenommen. Es folg) die Beratung des KaPitalabstndungsgesetzeS. Abg. Bauer(Soz.): Die Möglichkeit, daß ein mit Kapital abgefundener Kriegsbe- schädigter doch wieder in den Genuß der Rente kommen kann, wenn er das Kapital zurückzablt, ist in daS Gesetz eingefügt. Darauf legen wir großen Wert. Auch dafür müßte gesorgt werden, daß nicht zu leicht mit den Ansiedlungsgrundftücken operiert werden kann. Sonst könnte ein Kriegsbeschädigter sich leicht durch Belastung des Grundstückes an den Bettelstab bringen. Deshalb haben wir den Antrag 368 eingebracht, der die schnelle Weiterveräußerung des Grundstücks oder des an ihm bestehenden Rechts hindern soll und innerhalb bestimmter Frist an die Zustimmung der obersten Militär. behörd« bindet. An Stelle der fünfprozentigen ist ferner eine vier- prozentige Verzinsung für die Kapitalberechnung getreten. Da- durch ist der Kapitalbetrag erhöht worden. Eine weitere Verbeffe- rnng des Gesetzes ist, daß eine Witwe bei der Wiederverheiratung den dreifachen Betrag der Rente als Aussteuer erhält.— Das Gesetz kommt einem starken Bedürfnis entgegen, nament- lich auch der städtischen, industriellen Bevölkerung, und wird hoffent- lich unserer ganzen Volkswirtschaft zum Segen gereichen. Den Männern, die im Kriege ihre Gesundheit geopfert habe», gebührt unser Dank. Einen Teil dieses Danks statten wir ab durch die Verabschiedung dieses Gesetzes.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) General v. Llmgermann: Den Antrag 368 können die Verbündeten Regierungen akzephe- ren. Im übrigen bitte ich, im Interesse unserer Kriegsbeschadigteu das Gesetz bald zu verabschieden. Wg. Dr. v. NigolewSky 31 LuTke« SsHur MW 56 i. 57 Brunnenstr. 56 b. 57 Spesl&lhaua tHr Dunoa- o. Hüdohaa-Konfaktton, Leichte SommerbleNans U MlsückeadeB Keuh.eitea uad jodtr Preiilag«. Elegante Kostüme «.no�A-w-a 18», 2950,- 76.- Seidene Mäntel u. Jacken .or bMh. Vomn 19", 24°»,- 45.� Popeline-Mäntel n. Paletots w 16". 28»,- SS- Sportjacken v. Covercoat-Paletots, IS». 19», 27-, 34.- BMN>a4«ra billig«« Aiag«b«t In Eladtr- und Backflsch-Konloktion sowie in Keeken, Blusen eto. Popeline-Mantel 2400 Durch Selbstfabrikation in grouem Stil bin ich in der Lage, trotx der grouen Preinteigc- mngen und Mangel an Stoffen gani besondere Vorteile tu bieten. Seiden-Mantel 3475 arderobe auf Teilzahlung Woehcnrate 1 H. KostOme I» Corertooat sowie In allen Färb., Corertcoatmäntel, Bluten, Rücke j Entzückende Nenheiteo am Lager. Knaben- nnd Mädchengarderobe für jedes Alter. prrotas der TeaerauK billige Preise!! Riesen-Auswahl. Herren-Anzüge, Paletots nnd Ulster i Ifou't Hob. 8,i!Nchj., Münzen» Hdlg., Berlin, W!Ihelmstr.4S/t?- l. eeiss»», Lothringer Strslle 67 Sonntag v.S-10 u. 2-6 Uhr geöffnet. von vnerkennunge». sind In allen Apotheken erhältlich. Rasch und sicher wirkend Sei! Gicht Hexenschuß Rheuma Nerven- und Ischias Kopfschmerzen ülcrzli. glänzend begutachtet.— Hunderte Ein Versuch überzeugt. Togal-Tabletten > erbältlich. Prci« Mt. 1.40 u. Mk. 3.50. KnsdeU'Vssehsnzüge. Knabcudluseu. Knabcnhoscn usw. laufen Sie am preiswertesten direkt in der ffabrik' jAndreasstr.ßO,'�«!»». kein Laden, i Programme in guter Ausführung gehören zu jedem Arbeiterfest Kratuspenden sowie sämtliche Blumenarrangements liefert schnell und billig Gfobb, Lindonstr. 69, Tel.Z Paul bl.7203. m» Oer Arbeiterschaft würdige » Oruckarbeiten liefert die Vorwärts Vuchdruckerei Berlin SW.SS, Lindenstr. 3 Grüßte Einkaufsvorteile bietet mm LSV Emil ef övre Berlin S. Seit 1882 lüll Oranienstr. 158 Großes Teppich-Lager aller Größen nnd Qualitäten. Sofa-GröBe... A 10. 16—40 M. Salon-Größe a 15, 20, 30-150 M. Saal-Gröüo. A 45, 60, 76-800 M. Gardinen, Portieron, MBbelstoffo, Tlachdookon, Stoppdocken utw. 1 Posten M-MechB A 4,50, 6,00, 10,00 n. 18 M. Spezialkatalog Lombard-Haus GralT, Leipzigorst. 75 II Volle normale Beleihung Diskretion, Reellit&t. Gelegenhoitsk&ute IJhrcu nrlllanton Goldwapcn lO— SO•/„ unter Ladenpreis. SoMtdemoKratischer Mahl- vtreiu Kerli«- Fichterfelde. Dienstag, den«. Juni, Uhr. a a' abends 8'/, bei Wi»I»FeiUV!ll!>Vonaederxer und Huxo Kirst gefallm sind. Ehre ihre« Andenken! 76/7 Der Vorstand. Nachruf. Am 31. Mai fiel in dm Kämpf» der Dreher Emst Faak Landwehrmann im 41. Jns.-Reg., 11. Komp. 126« Er war uns ein Neber und ausrichtiger Kolleg«, dem wir ein ehrende« Andenken bewahren. Die Dreher der Abk. Matern« im Aatobau»er Bergmann- Werke, Rosenthal. Am 14. März verstarb als Opfer de« veltkrtege» im Feld- lazarett unser Kolleg« Nmz Swiecznik. Wir verllere« in Ihm einen pflichttreuen und titigen Kollegm. dessm Andmkm wir in Ehren hatte» werden. 106« Di» Kollegen der«.«.«. Bruanenftrsße, Abteilung Meister Branse. Am 13. Mal 1916 fiel al» Opfer de» Welikrtege« unser jüngster Sohn, Musketier kiuta» PI5se Jns.Rgt Nr. 20 Im noch nicht vollmdetm zwanzig- stm Lebmsjahre. 111A VI« tr-»T>«vntten Altern »seA Gesohwlster, Familie Plöse, Chariottenbarg. Dir die Ruhe, mt» der Schmerz. Hm 1. Juni verschied nach langem schwerem Leidm der Tischler 141b Heinrich Mestel. Um stille Teilnahm« bittet Kran Arlt. DI« veerdigung findet Montag. den S. Junt, nachmittag» b'/, Uhr, vom Emmaus-Nnchhos, Hermann- straffe, au» statt Aus dem Felde der Ehre fiel am 22. Mai 191» unser unver- geffllcher Sohn, guter Bruder, Schwagerund Onkel, der Musketier Gustav Lehmann Res.-Jns.-Regl. Nr. 207, 8. Komp. im blühmden Alter von 19 Jahren. Die» zeigen ttefbetrübt an Die trauernden Eltern nnd Geschwister. 17« Er starb so jung, '" i° früh. Er starb Wer ihn gekannt, Vergibt ihn nie. I Gustav Lehmann(Putzerl. Berlin- Schöneberg, Hohensned- beigstraff« 23. Al« Opfer diese« Kriege« fiel am 19. Mai mein lieber, guter Mann. Vater seine» einzigen Kindes. Sohn. Bruder, Schwieg«. (ohn und Schwager, der Land- turmmann Res.-Jnj.-Regt Nr. 35, 12. Komp. im blühmden Atter von 26 Jahrm. Im iiesstm Schmer» im Namen aller Hwierbliebmm(135« Frida Maamann und Söhnchen Kurt. Du starbst im Frühling Deines Geschafft basi D««st trmem gleiff. All' unser Hoffm«vor vergeben», Du kehrest niemal« wieder betm Nun schiummre Du In stiller Ruh', Unsere Liebe deckt Dich zu. Men- un öep Seilrasieder nul Benils- posssn. Dm Mitgliedern zur Kenntnis, dah unser Mitglied Paul Hodenherjjer an den Folgen einer Lungen- und Rippenfellentzündung m einem Lazarett verstorben ist. Ehre seine« Andenre«! 284/10 Der vorstand. Am 1. Juni verschied nach ian- aem, schwerem Leidm mein lieber Mann, unser Vater und Grog- vater, der Gürtler 7926 Emil Mengeier im 63. Lebensjahr. Augvsie Mengelsr, veno. Vollandi, geb. Dierich. Max und KSie Mehlitz. Franz und Else Kubach. z. Z. im Felde. Natter und Paul Vollandt z. Z. im Felde, und tiorsi als Eniel. Die Einäscherung findet am DimSiag, den 6. Juni, nachm. 5 Uhr. im städtischen Krematorium, Gerichtttraffe. statt._ Verband der Sattler nnd Porteteuiller. Ortavarwaltung Bartia. AI« Opfer des Seltkriege» fielm die Kollegen Richard Herbach 25 Jahre alt Franz Wusterack 25 Jahr« alt. Ehre ihrem Andenke»! 158/2 Die OrtSverwaltung. veiitKder Kilrschner-Verbasd, Filiale Barlin. Dm Mitgliedern zur Nachricht. 1 daff am 1. Juni unser Mitglied,| der Zurichter Hermann Hoffmann nach kurzer, schwerer Kranlheit im Aller von 29 Jahrm ver- starben ist. Ehre seine« Andenken! Die veerdigung findet heute j Sonnlag, den 4. Juni, nach- mlllaaS 3>/« Uhr. von der Leichen- ball- de« Falfenberger Kirchhofes. Weiffensee, au» statt. 100/2 Um zahlreiche BeieUigung ersuch! I VI« Ovtaverwaltnng. Al» Opfer dieses Weltkrieges> fiel am 26. Mal 1916 unser lieber i Sohn, Bruder, Bräutigam.! Schwager und Onkel, der MuSletier j pichsrd Mühle Jnf.-Regt. Rr. 189. 1. Komp.. im vollendeten 28. Lebensjahre. Die» zeigen ttefbelrübt an Die trauernden Eiter« und Geschwister, Elisabeth Feiten als Braut und Mutter. Wir komitm Dich nicht sterben sehen, Auch nicht an Deinem Grabe sieben, Nicht» können wir Dir mehr bieten, Mtt nicht» Dich mehr crjreu'n. Nicht eine Handvoll Blüten Aus Deinen Hügel streu'». Ruhe sanft l Zentrairertiand der iasctilalsten b. Beizer sowie Benifsg. Dentschl, Geichlftsstelle GroO-Berlin. Am Mittwoch, den 30. Mai, verstarb unser Mitglied August Geisler (Bezirk Gesundbrunnen). Ehre seinem Andcntou k Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Junt, nach- mittag« 4'/, Uhr, von der Seichen- balle de« Friedhose» der Himmel- sahrtSgemetiide in Nieder! chön- Hausen-Nordend aus statt Um rege Beteiligung ersucht 153/6 Die OrtSverwaltung. Gewidmet zum Geburtstage am 5. Juni 1916. De» Heldentod starb in treuer Pflichterfülluna am 7. Mai 1916 unser lieber Sohn und Bruder, der Musketier Nta» Knobloch Jns.-Regt 64, 11. Komp. im blühenden Aller von 20 Jahrm. Tie trauernden Elteru nnd Geschwister, Schönebcrg, Goienslraffe 23. Ein jeder, der Dich hat gekannt Und auch Dein treue» Herz, Der drückt an» nur noch stumm die Hand 79üb In diesem groffen Schmerz. IM MMeil Riem ml»m KeMmM gtloflm SmW! Cm tB. April 1916 fiel auf dem Tchlachtselde mifcr Anton Wycisk 206/4 Bautzener Str. 6, Bezirk 60. tntaldemokr. wshlverein i. d. 2. Berliner Reich«toieiraklkr. Am 8. Mai fiel im Alter von LI Jahren der Täschner Asnl 2vnn Oldinger Straße 2, Bezirk 399 H. Am 18. Mai fiel im Alter von 23 Jahre« der Aenoff» Erich Riemer Oppelner Straße 24, Bezirk 194. Cm 80. Mai starb infolge einer Verwundung im Aver den 39 Jahren der Schuhmacher Alhert Jasmann Goldaper Straße 8, Bezirk 432. Cm 88. Mai fiel im Alter von 28 Jahren der Klavierardeiter Richard Mühle Polen er Str. 6, Bezirk 318 L 214/9 Sozlaldemokr. Wahlvereln f. d. 4. Bert. P Cm 26. Mai fiel der Arbeiter Hermann Wesenberg JablonSkistraße 18, Abt. I*. Am 29. Mai fiel in einem Seegefecht der Packer Friedrich Knaak 222/9 Jinmanuellirchftr. 37, Abt. I. Sezlaldemokr. Wahlrcrein f. d. S. Bert. Reiohefegmhlkr. Am 26. Mai fiel im Alter von 42 Jahre» der Heizer Wilhelm vornemann Stettin« Str. 28, 18. Abt., Bez. 814. Am 18. Mai fiel im jugendlichen Alt« von 21 Jahre» d« Arbeiter Richard Steuer Ruppiner Str. 26, 9. Abt., Bez. 589. Am 19. Mai siel im Alter von 26 Jahren d« Werkzeugmach« Otto Reumann «öhrener Str. 13, 4. Abt.. Bez. 648». Cm 6. Mai fiel im Alt« von 29 Jahren der Schlaffer Fritz Jesorka SchLnhaufer Allee 50, 7. Abt.,«ez. 574. Am 22. Mai fiel im Alter von 25 Jahren d« Hautdien« Willi Schlächter Prenzlauer Mee 188, 4. Abt., Bez. 544. Infolge fchwcrrr Verwundung(durch Kopfschuß)»ersiatb am 17. Mai im Lazarett im Alter von 30 Jahren der Zlrankenkaffenbeamte Otto Imhoff Tilrkenstraße 17, 22. Abt., Bez. 778. I» einem Geficht siel im Alt« von 88 Jahre» der Otto Gabriel S-richtstr-ß- 85, 10. Abt., Bez. 651. Am 25. Mai verstarb Im Lazarett im All« von 89 Jahre» der Schloff«(frühere Bezirttführer) Max Oahme 226/19 Korförer Straße 14, 7. Abt., Be» 581» Sozlaldomokr. Wahlverein I. d. 6. Berliner Releketagewahlkr. starke« vlutvertnstet an feinen Im Feldlazarett verstarb Infolge schweren Verwundungen der Genosse Friedrich Rotzel (1 Pionier-Regiment Rr. 20) Charlotten bürg, Kantftr. 65. 260/12 Sezlaldemokratleoher Wahlverela Cherlottenbnrj. Am 21. Mai fiel im Felde der Gürtl« Otto vergor Kaifer-Friedrich-Straße 120, 11. Bezirk, Am 25. Mal fiel im Felde der Steinmetz Altred Bürger »öhmischestr. 60, 11. Bezirk. Im Oktober starb in Gesangenschaft d« väckerneetst« Raul Frischkernuth Pannierstr. 13, 3. Bezirk. Cm 18. Mai starb an ein« Verwundung der Metalldrstck« Ernst Giese Schillerpromenade 7, 11. Bezirk. Am 24. Mai starb an ein« Verwundung d« Aon»« Karl Krempler Steimnetzstr. 11, 19. Bezirk. Am 1. Juni starb im Lazarett an ein« Verwundung d« lvfchler Hermann Mündt Boddinstr. 7, 7. Bezirk. DI« Beerdigung findet morgen Montag, den 5. Juni,«achmtvag» 1'/, Uhr, auf dem Garnison-Kirchhof, Hasenheide, statt. 237/20 Sozleldemakratfccher Wahlverela Heek 811a. Am 27. Mai fiel alt Opfer d-S Weltkrieges uns« lieb« Genosse, der Metallarbeiter Willi Noppens. Sozialdemokratisohor Wahlverela Rudow. 196/1 Am 28. Mai fiel uns« Mitglied Theodor Sempf. 196/2 Sozialdemokratischer Wahlverein Adlerahoi. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unfer Mitglied, d« Genosse Raul Retrich Weichselstr. 33. 7. Abt.. Gruppe 31. im All« von 28 Jahren, von feiner Verwundung genesen, durch Un- vorfichttgkeit eines Kameraden verunglückt ist. 13/7 Sozlaldemokr. Wahlver. Niederbarnim. Baz. LleMoaberg. C» Opfer de« Weltkriege» fiel uns« Genofie Max Tetzlaff. 244/7 Sozlaldemokr. Wahlv. Niederbamim. Bez. Reinickendorf 0el. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Orfsverwaltung Berlin. De« Andenke« unserer im Felde gefallenen Kollegen. Otto Vergor, Riet«, geb. 1. 1. 1883 in B«Iin. Artur Cioska, Dreh«, geb. 18. 5. 1886 in Zabce. Max Dahms, Schloß«, geb. 18. 10. 1879 in Hanthage«. Georg Freund, Dreh«, geb. 16. 9. 1884 in Berlin. Erich Horn, Dr-h», geb. 4. 7. 1895 in Berlin. Artur Klemmer, Mtch°«k?«, geb. 3. 2. 1892 in Berlin. Karl Krempler, F-r««, geb. 7. 10. 1889 in Neukölln. Karl Madey, Metallarbeiter, gib. 14. 2. 1891 in Neukölln. Richard Markus, Dreh«. geb. 2. 12. 1886 in Berlin. Otto Naumann,«erkzengschless«, geb. 27. 3. 1890 in Raguhn. Johann Plath, Schloß«, geb. 30. 1. 1894 in Daber-Randon». Johann Ta?icznik,«chl-fi«, geb. 26. 12. 1885 In RoSnoche». Artur Waltzer, Open«, geb. 15. 5. 1893 in Berlin. Johann Wanzker. Metallarbeit«, geb. 24. 2. 1891 in Berlin. Alfred Wegner, Metnllarbeit«, geb. 17. 12. 1895 in Berlin. Artur Wiedrich, schloß«, geb. 19. 4. 1891 in AuguftuSbnrg. Ehre ihrem Andenken! ti7/is Die OrtSverwaltnng. 1 ttr Bezirk Grofi-Berlin. Folgende Kollege« find i» Felde gefallen t �bl-aksmsokn,«eschsstckdie»«. Paul Bielicke, Gesch»stsrutsch«. Otto Habermann, s»dustriearbeit«. Franz Heyer, GeschSstsdie»«. Gerhard Kellner, Geschsftsdie»«. Friedrich Knaak, Lag«arbeit«. Albert OttOW, MSbeltrSg«. Wenzel Pulz, Pack«. Paul Radzun, Rollkutsch«. Hermann Rebs, Fensterpnh«. Ernst Schneider, Geschsstsdie»«. Richard Steuer, Branerriarbeit«. Heinrich Weidner, Gefchäftsdieu«. Robert Zirpel, Judustriearbeit«. Ehre ihrem Andenke»: 65/6 l>le Beslrknlcltanc. Auf dem Felde der Ehre blieb am lt. Mai infolg« eine» Kopf- fchusse» durch Granatsplitter unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, d« Musketier Max Puschmann (Infanterie-Regiment 64) im blühenden Alter von 20 Jahren. In tiefstem Schmerz Frlta Paschmann l. Frau, Brüsseler Str. 23, als Eltern. Frlt» Pape u. Frau neb. Puschmann und Kinder. Fanallle Dahlmann. Ruhe sanft! 7786 Am 29. Mai fiel durch fcinb- liche Kugel unser lieb« Kamerad Fritz Knaak Unterosfizi« der Marine Inhaber de» Eisernen Kreuze». Er war un» stet» ein brav«, teurer Kamerad, dessen Verlust wir auf da»«efste bedauern. DieUuteroffiziere d. L.Komp. des 1. Matroseu-Regimeatö im Marine-KorpS. ümtrsl-Verdsnä der Steinarbeiier Deutschlands. Zahlstelle Berlin. AI» Opfer de» Weltkrieges starben uns«e Kollegen: Der Steimuetz Altred Bürger 35 Lahre alt D« Marmorsch leiser Karl Reidielt N> Jahr« alt D« Steinmetz Willi WÜkO M S-h«-lt. Ehre ihrem«»denken t 171/9 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband! Zahlstelle Berlin. Im Felde gefallen find folgende Mitglied«: Wilhelm vienz, Mgelpoli««. 30 Jahre alt. Artur KrUSChel, roofmd Frau geb. Kocdca. fBax Horn zurzeit tm Felde. Otto Horn. Ruhe sonst in fremd« Erde. AIS Obs« de» Weltkriege» und zum zweitenmal v«wundet, mußte unser Iteb« Sohn, uns« lieber Brud«, unser lieber Enkel, Neffe, Schwag«, Cousin und Bräutigam, der Unterosfizl« Karl Krempler 4. Komp. Leib-Grenad-Regt. 8, Ritter de» Eisernen Kreuze» am 24. Mai 1916 an den Folgen eines Schock» tnfola« viel» IrUiger Granatenverletzungen im 26. Lebensjahr« sein blühende» Leben einbüßen. Er war un» ein lieber Sohn, ein Neb« Bruder, nn vergeßlich ist un» sein Andenkeu. Die» zeigen an in tteser Trau« Barl Kremplcr al» Bat« Helene Krentpler geb. tienemann al» Mutter Hax, Paal, Otto al« Brüder, sowie seine liebe Braut und alle Verwandten und Bekannten. Neukölln, Stewmetzstr. 11. Zum zweitenmal mußt Du in» Feld hinan», Hast vor dem Feind gerungen, Da bauchtest Du Dein junges Leben a»», Nach großer Quai und viel Entbehrungen. Beim erstenmal recht froh Du warst, Du kamst auch glücklich durch. Du hast getämpft mit tapsrer Hand In Belgien, Frankreich, Galizien und Ruffenkand. Und als Du dann zehn Monat lang Keslrttten hast sürs Vaterland, Da tras in Feindesland Dich die Knget Doch hattest Du dabei noch Glück, Du wardst gut ausgeheilt, doch leid« Zum zweiten Male an die Front geschickt Du quältest Dich vier Monat lang Herum in Müh und Not, Un» war sehr um Dein Leben dang, Bald schlug Dich die Granate tot. Aus Wied«iibn schriebst Du so ost, Wa» nun nicht wird geschehn. Hast aus die Rücklebr auch gehofft, Wenn einst die FrtedenSgiocken tönstt Doch leider war Dir'» nicht««gönnt, Was Du so sehr ersehnt, Und unser Schmerz, er nimmt tein End', Weil wir un» nimmer wiedersehn. ItSA Ruhe saust in fremder Erde, von sremden Leuten begraben. Dem Völlerringen zum Opser fiel am 20. Mai 1916 durch Granat- treffer uns« lieber Sohn, Brud«, Ottlel, Schwager und Bräutigam, der MuSletier Erich Mücke im dlühendeu All« von etuund- zwanzig Jahren. 141A Die» zeigen w tiefem Schmerz an Paul Mücke»»V 9tm» als Eltern. Paul Mucke(zurzeit im Felde) als Bruder. Berta Schmidt geb. Mücke al» Schweiler. Fritz Mücke al» vrnd«, Land- sturmmann. Richard Mücke al» Brud« nebst Frau. «rnft Mücke all»rnd«. Hedwig Mücke geb. Ezach al» Schwägerin und Kind«. Ernst Schmidt al» Schwager und Kinder. Martha Mücke geb. Stange al« Schwägerin und Kinder. Hedwig Dziamsktz als Braut Berlin, den 4. Juni 1916. Schlesiiche Str. 25. Nun tönnen wir Dir nicht» mehr bieten/ Nicht eine Handvoll Blüten/ Auf Deinen Hügel streun. Ruh« fanft in fremd« Erde. AI» Opfer diefe» VölkerrtngenS fiel am 22. Mai mein Herzens- guter Manu, treuforgender Vater tein« drei Kinder,»«Armierung». foldat 783b Ms» Förster. Im Namen der tieftrauernden Gattin Witwe Emma Förster geb. Kesuegs nebst Kindern. Johannes KrauSpc nebst Frau als Schwiegereltern. Adolf Krauspe. Wilh. Krauspe, z. Z. Garnison, nebst Frau. Rudolf Krauspe nebst Frau als Schwag«». Schwägerin nebst alle» Verwandte». Ihm der Friede, nn» der Schmerz! AIS Ops« de« Weltkrieges fiel am 29. Mai durch Kopsschuß nach 22 monastgem Kriegsdienst mein inniggeliebt« Mann, Bruder, Schwager und Onkel 795b Fritz Knaak Unterosfizi« der Marine. Inhaber de» Eisernen Kreuze». In ttesem Schmer, Witwe Emma Knaak. Familie Harn. Familie Max KÜhltng. Familie Emil ÄühUng. Ruh« sanft in Feindesland. Freie TBrnerscbaltRuinnielshiirg (M. d. 0. T.-B.) Wiederum sind wir in der traurigen Lag«, zwei weitere Opfer diese» Weltkrieges zu melden. Am 15. April fiel d« Turn- genösse Otto kitter, am 23. Mai d« Turngenosse >Viili Uebermuth. Zwei blühend«, junge Menschen- leben, zwei hoftnungsvolle. tüchtige Sport, und Turngenossen gingen mit ihnen dahin, die in unserem ÄreiS unvergessen bleiben werden. Ehre ihrem Andenken I 7936 Ter Borstand. Danksagung. Für die zahlreichen und liebevollen Beweis« der Teilnahme bei der Be- «rdigung meine» lieben ManncS, uns««» guten Vater» Heinrieh Hilpert sagen wir allen Freunden, den Au- gestellten und Kollegen des Metall- arbciterverbandeS, dem Wahloercin, insbesondere dem Kollegen Robert B e h n, jür die«hebenden Worte am Sarg« de» Entschlafenen, unfercn besten Dank. 85A Harte Hilpert geb. tiulagcv und Söhne. Deutsches Theater. AHabendlicli 81/, Uhr: Die Familie Scblmek. Kainmersplele. Sonntag b. inkl. Donnerst., 81/, U.; Der Weihst enfel. Tolksbühne. Theater a. BQIowpl. AUabendlicb S'U Uhr: Robert und Bertram. Sonntagnacbm. 3 Ubr(kleine Pr.): Der Biberpelz._ Maut! i!er Freien folksliinen Sonntag, den 4. Jmri 1916: Nachmittags 3 Uhr: Volksbühne, Theater am Bülowplatz: Der Biberpelz. Deutsches Opernhaus: Der Vllb- schütz. Lejsing-Theater: Komödie der Worte. Abends 8-/. Uhr: Volksbühne, Theater am Bülowplatz: Allabendlich: Ztobert und Bertram. Hiestei* für Sonntag, den 4. Juni. Berliner Theater. Ab Dienstag, den 6. Juni: s'/�Mersen. litestreiek Deutsches Opernhaus, Charloltenb. 3 Uhr: Der Wildschütz. s uhr: Carmen. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater s1/. u.: B. Dremiäöcrlhaus Kleines Theater 31/, Uhr: Maria Hagdalenc. r,. Die Hochzeitsreise. ö/, U.: uie Dienstboten. Komische Oper S'/jU.: Der selige Balduin. Luslspielhatis 8'/-u.- Sranedvar& Fix. Metropol-Theater s uhr: BieGroBlierzoginv.Gefolst. Montls Operetten-Theater Gastsp. des Kleinen Th. 8'/« u.; Onkel Bernhard. Residenz-Theater 8'/. u.: Fliegende Blatter. Schiller-Theater O s uhr: Ehrliehe Arbeit. Schiller T. Charlottenb. s m-: BürserReli d. rornntiseli. Thalia-Theater 8',. u.: Biondiflchen. Theater am Xollendorfpl. 3'J, Uhr: Das Ftirstcnhlnd. w u.: immer feste druff! Theater des Westens ',.s u.: Kubinke. Trlanon-Theater i Uhr; Der Ptarrer von Kirchfeld. Sf, Uhr; Tante Tüs chen. Sesskg-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. S1/. Uhr: Schwarzer Peter. (Albert Bassermann.) Nachm. 3 Uhr: Komödie der Worte. Montag: Schwarzer Peter. öeutseh. Künstler-Theater. 81/. U.: Die selige Exzellenz. \ c u einstudiert: tt Operette i. 1 Akt v. Ose. Straus. Oscar Sabo Lucy Kieselhaosen sowie der große Variete-Spielplan. URANIA Tanbcnstr. 48/40. Sonntag 4 Uhr(halbe Preise): Der Isanzo und Oesterreichs Adriaküste. Sonntag und Montag 8 Uhr: An den Grenzen von Süd- tirol and Italien. Komiklienhaus Schiffbauerdamm 25 8vÄh: Der 7. Tag. Walhalla-Theater. 8j/4 Uhr: Gastspiel Alwin Neuß: Der Pfarrer von Kirchfeld. 11. Juni: Gartenvorftellnng. Kose-Tkeater. 8-/.Nhr:ÜEl!Fig,lIiEGME!!l!M 4 Uhr: Im Garte» Borstellung. V oigt-lTZteatvi'. Badstr. 58. Badstr. 5». Heute Sonntag 8 Uhr: Bei schön. Wetter im Garten. Ans. S U. Goldener Boden. Volksstück mit Gesang in 4 Aufzügen b. Leop. Ely u. Karl Wisci. (Ab Pfingsten Beginn d. Sommersais.) Z Torstelinn gen S In beiden Vorstellungen das ungekürzte Programm Der Sing nach d. Balkan Variete-Kevne in 5 Stationen Dazu die neuen iuni-Spcziatitäten. $Mrals-?alast iiente 2 Vor Stellungen 41/, nnd 9 Uhr. Das herrliche Eisballctt Irsu Fantasie. Nachm. kl. Preise, abd. 2,3, 4M., Reichshallen-Tbeater Stettiaer Sänger. m Sin Mn-Spuk Studentenbild 13011 "»W» älnfang 8 Uhr. � DIR S RADiUM- S RAUS! In den Hauptrollen: Leopoldine Konstantin, Käthe Haack, Hans Mle- rendorff, Bruno Kastner. U.T Änt-funtftiComm, JloflenborfpL, Friedrich» Ecke Saubenitr.'JJiotieBl., WeiiiBergsw.. Hasendeide, Echönederg Hauplstrahe. Die fetzten TAGE DEß ENTENTE aufGalUpoU! 1. Teil Hochinteressante authentische Aufnahmen! Ö.T thtciiirltcnbaun«, Nollendorsplaß. Friedrikd- Ecke Taubenslr. Mcindergsweg. 0� WjfOÜ- KAVALIER 1 Die spannende Komödie Unter den Smcen. Neinickexdorferftrabe. Und die Gbrisen Darbietunsen I Sonnlaa Ansang 3, 5. 7 und 9 Übt. Gr. Herl. teteSellii Alt-Roablt. Tägl. Militär-Konzert. Eintritt SO Pf. Zum Ausfluti! Lade meine werten Freunde und Genossen höflichst ein»ach Tegel- ort, Zum Llndenbanm, 787b» Max Goebel. Kad Ueinerz Dr. Stern Stif Suresmlg ö» ■K «.«»nd-»,», � Stadion Pstngffsonntag, 11. Iunl, 6 llhr nachmittags: Meistersinger Vorspiel» Festwiese Wattensteins Lager Lieber 2000 Mitwirkende preise der Plätze von Morl 1.- bis 10.50 karten zu haben in der Theater-Abtellang der Kgl. Kommandantur am Schinkelplah 6 und bei A. Wertheim Abtei Berubard Roffwaoii, Raas Relsebiag Reibt wegr» benlicher Veränderungen während diefe» Sommer» gosvkßossvn. Mtikf! mitti WttitÄ mtrn Elf- Sozialdemokratischer tf ahlverein für den 2. Berliner Reichsiagswahlkreis. Dienstag, den 6. Jnni 1916, abends 8�/2 Uhr: General-Versammlung in der„Viktoria-Brauerei", Lützowstr. IIS. Tagesordnung: 1. Geschäfts« und Kassenbericht deS Vorstandes sowie Bericht der Kommisfionen. 2. Aufstellung der Kandidaten zum Vorstand und zu den Kommissionen zu der am 18. Juni er. stattfindenden Urwahl. 3. Wahl des Kreis- Bildungsausschusses sowie des Zentral- WahltomiteeS und Wahl der Delegierteu zur Verbands. generalveriammlung. 4. Verschiedenes. 20(3/3» Cime Mitgliedsbuch fein Zutritt.— Der Torstand. Tatlonal-Theater Köponioker Str. 68. Tägl. st Heute 31/, nnd'1,9 Als ich noch im Fiügelkleide... (Grober Lacherioig.) «3 m EXcizt©* Gr. Miiitär-Konzert. Zoo 25 Pf•�Sp«zl«lftrmat aardlnanhaus Bernhard Schwarb iMT" Rente Sonntag 2— 6 dir geülfnet.-WlßZ■■_ Während des Krieges gibt Erste HeiTonkleldorfabrik Anzüge, Paletots, ifisier fertig Maß i« Einzelverkauf vom großen Fabriklager ab. Terkanlsaelt: IO— 8 Uhr. Sonntag>— G Uh*. JSolkonmarkt 7/8 IV, Fahrstuhl. ia&üo* Serien SSL Nr. 152. 33. Jahrgang. 3. Kkiluc des Jscmärts" Sttlintr UslKsdlM. Sonntag, 4. Juni 1916. y\m Groß-öerlin. Tränenüe Herzen. Ganz abseits von den übrigen Lauben steht eine ab- gesondert und einsam inmitten eines Brachfeldes. Ringsum Steingeröll, Brennesseln, dürftiges Gestrüpp und leuchtend gelbe Dotterblumen. Und mitten darin ein liebliches Idyll. ein kleines Paradies. Ein Häuschen, von fachkundiger Hand errichtet, grün und weist angestrichen und mit richtigen, blanken Fensterchen, hinter denen schneeweiste Gardinen prangen. Eine schlanke, hohe Pappel ragt weit über den spitzen Giebel des Häuschens hinaus und wirft einen langen Schatten auf das peinlich sorgsam gepflegte Gartenland, das die Besitzer nur unter unendlicher Mühe aus diesem Schutt- feld herausgeschält haben können. In den korrekt abgesteckten Beeten grünt und reift es, die Ränder sind mit Blumen aller Art eingefastt und die schmalen Wege sein säuberlich mit gelbem Kies bestreut. An das Häuschen schliestt sich eine luftige Sommcrlaube an, über deren Dach der wilde Wein in dichter Fülle rankt. Und davor ein Rondell, mit roten Blüten, von langen, melancholisch herniederhängenden Stengeln. Ihr wissenschaftlicher Name? Nur wenige werden ihn kennen. Der Volksmund hat die Blume.Tränende Herzen" genannt und sie somit poetisch erklärt. Und die kleinen roten Blüten sind wirklich wie blutige Tränen, die langsam im Sande ver- rinnen. In der Ecke des Gartens buddeln zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen mit roten Gesichtern und bauen und formen und freuen sich in jener glücklichen Unbekümmertheit, die das ausschliestliche Vorrecht der Kindheit ist. „Mutti, sieh mal, wie tief wir schon sind!" Alle beide rufen es mit wichtigem Stolz, bis sich auS dem Schatten der Sommcrlaube eine junge, schwarze Gestalt löst und hinzutritt. Ueber ihr blasses, müdes Gesicht huscht ein schwaches Lächeln. Ihre Hand streicht zärtlich über die beiden Blondköpfe, dann kehrt sie wieder an ihren Platz zurück. So sehe ich sie abends und an Sonntagen. Und manch- mal sitzen noch zwei alte Leute da, wohl Vater und Mutter der Frau. Dann sehen sie alle drei dem Spiel der Kinder zu, still und schweigsam. Kürzlich ging ich wieder vorüber. Die junge Frau verliest mit ihren Kindern gerade das kleine Besitztum. Ich fragte ein altes Weiblein, das auf dem Brachfeld GraS rupfte, ob die Frau ihren Mann verloren habe. „Jau, jau", sagte die Alte,„die ihr Mann iS jefallen, in Serbien oder sonstwo. Js schade, haben so jut jelcbt zu- sammen. Er war Tischler und det Laubenland haben se beede janz allcene anjelegt, det war keenc leichte Arbeet. Vor zwce Jahren haben se'S jemacht. Dann is er injerückt und vor Ostern iS er jefallen. Sie kann een leid dun, die arme Frau mit de Kindcrchens— aber wat is da zu machen— et jeht ville andern ebenso. Jau... jau..." Ich ging weiter. Vor mir, im dämmernden Abend, schritt die junge Frau und nebenher trippelten Hand in Hand die Kinder. Sie selbst trug in der einen Hand eine vollgepackte Markttasche und in der andern einen Straust von jener Blume, die der Volksmund mit dem schöneu Namen be- zeichnet:„Tränende Herzen". Kriegsanleihe und Schuljugend. Ueber die Beteiligung der Schulen Berlins an den im März dieses Jahres vollzogenen Zeichnungen auf die vierte Kriegsanleihe macht die„Pädagogische Zeitung" jetzt Mit- teilungen, die sich auf einen amtlichen Bericht der beiden Stadt- schulräte stützen. Manches daraus gibt zu denken, und wir dürfen wohl annehmen, daß es auch Lesern des„Vorwärts" der Beachtung wert erscheinen wird. Die KricgSanleihezeichnungen, an denen sich diesmal von den Gemeindeschulen alle mit einer Ausnahme und von den höheren Schulen alle ohne Ausnahme beteiligten, brachten au? den G e- meinde schulen(einschließlich HilfS- und Schwerhörigen- schulen) im ganzen 1044 939 M., aus den städtischen höheren Schulen(also ausschließlich staatliche und private) im ganzen 1 536 225 M. Hier wollen wir einschalten, daß im Winter 1915/16 die Gesamtzahl der Schulkinder sich in den Gemeindeschulen usw. auf 228 700, in den höheren Schulen der Stadt auf nur etwa 23 400 belief. Eine Vcrgleichung des Gesamtertrag? der durch die Schulen vollzogenen Zeichnungen auf vierte Kriegsanleihe mit der Gesamt- zahl der Schulkinder(die sich aber nicht alle beteiligten) ergäbe pro Schulkind in den Gemeindeschulen usw. ,4'A M.. in den höheren Schulen dagegen 05>4 M. Die Zahl der tatsächlich an der Anleihe- Zeichnung beteiligten Kinder ist nicht mitgeteilt, und auch über die Durchschnittszahl der beteiligten Kinder pro Schule erfährt man nichts. Angegeben ist aber, daß die Beteiligungsziffer in den Ge- meindeschulen zwischen 17 und 248 pro Schule, in den höheren Schulen zwischen 35 und 825 pro Schule schwankte. Zur Be- leuchtung dieser Ergebnisse weisen wir darauf hin, daß die Schul- kinderzahl in den einzelnen Gemeindeschulen meist sehr viel größer als in den höheren Schulen ist. Im letzten Winter war der Durch- schnitt pro höhere Schule knapp 5«S, während der Durchschnitt pro Gemeindeschule(wobei von den Hilfsschulen usw. abgesehen wird) beträchtlich über 700 stand. In der mit 825 Anleihezeichnern be- teiligten Schule, die vermutlich die starkbesuchte höhere Mädchen- schule in Moabit war, dürfte kaum ein Kind sich von der Anleihe- zeichnung ausgeschlossen haben. Daß in den einzelnen Schulen entsprechend den Schwankungen der Beteiligungsziffer auch der Zeichnungsertrag sehr ungleich war, darf ohne weiteres angenommen werden. Den überhaupt höchsten Ertrag hatte bei den Gemeinde- schulen die 173. Schule(Pallasstraße) mit 16 000 M., bei den höheren Schulen die 3. Realschule(Steglitzer Straße) mit 186 000 Mark, lieber die geringsten Erträge ist bezüglich der höheren Schulen und der Gemeindeschulen nichts angegeben. Nur das er- fährt man, daß die Hilfsschulen wegen ihrer geringen Schülcrzahl sowie wegen Armut der Eltern nur zwischen 100 bis 500 M. pro Schule zusammenbrachten und daß in vier von ihnen„die Werbung einen keinen Erfolg" hatte. Der für die einzelnen Schulen be- rechnete Durchschnittsbetrag pro beteiligte? Sind war bei den Ge- meindeschulen im Minimum 13,80 M.. im Maximum 141,25 M., bei den höheren Schulen im Minimum 35 M., im Marimum 885 M. Ueber die überhaupt geringsten und die überhaupt höchsten Einzel- leistungen, die in den Gemeindeschulen und in den höheren Schulen vorkamen, fehlt eine Angabe. Mitgeteilt ist auch einiges über daS Zeichnungsergebnis der Fach- und Fortbildungsschulen. Die„Pädagogische Zeitung" jagt, es betrage sin ganzen 77600 M, Die höchsten Et, träge wurden zusammengebracht bei den Pflichtfortbildungsschulen für Mädchen von der 2. Schule mit 14 000 M., bei den Pflicht- fortbildungsschulen für Knaben mit 6500 M., so daß diese beiden Schulen allein über 20 000 M. gezeichnet hätten. Wenn die Angabe des Gesamtbetrages auf nur 77 660 M. richtig ist, so wäre hier das Ergebnis überraschend gering. Schon die Pflichtfortbildungsschulen hatten fast 52 000 Schüler und Schülerinnen, für die Wahl- fortbildungsschulen darf man mit weiteren 12 000 rechnen, und auch für die Fachschulen werden 10 000 bis 12 000 nicht zu hoch gewesen sein.(Genaue Zahlen sind für den letzten Winter aus den WahlfortbildungS- und den Fachschulen noch nicht bekannt- geworden.) Wieviel Anleihezeichner überhaupt in den Fach- und Fortbildungsschulen sich beteiligten, ist nicht gesagt. In den ein» zelnen Schulen schwankte ihre Zahl zwischen 6 und 185. Die für die einzelnen Schulen berechnete Durchschnittsleistung pro Anleihe- zeichner betrug im Minimum 20 M., im Maximum 133,33 M. Nicht mitgeteilt find der überhaupt niedrigste und der überhaupt höchste Beitrag. Die Kirchensteuererhöhung. Für die evangelischen Kirchengemeinden Berlins ist nun die Erhöhung der Kirchensteuer beschlossen worden. Den an- sänglichen Plan einer Hinaufschraubung bis auf 30 Prozent der Einkommensteuer hat man nicht sogleich auszuführen ge- wagt. Die Stadtsynode Berlin hat jetzt die Kirchensteuer auf „nur" 26 Prozent der Einkommen st euer fest- gesetzt, aber gegenüber dem bisherigen Satz von 20 Prozent bedeutet auch das noch eine sehr fühlbare Anziehung der Steuerschraube. Eine Erhöhung des Satzes war nicht zu umgehen; denn die Kirche braucht Geld. Damit die Be- messung der Steuer auf zunächst 26 Prozent ermöglicht würde, hat die Synode den Ausweg gewählt, den durch Einnahme- Verminderung entstandenen Fehlbetrag nicht schon in diesem Jahr in voller Höhe zu verrechnen. Im nächsten Jahr wird es dann nötig werden, die Suche nach Deckung fortzusetzen. Man hofft, daß die Kirchensteuer bei 26 Prozent für dieses Jahr 5200000 M. bringen wird. Das ist um 800 000 M. weniger als bei 30 Prozent, aber immer noch um 1 200 000 M. mehr als bei 20 Prozent. In der beschließenden Sitzung der Synode äußerte sich als Vertreter der kirchlich Orthodoxen der Gcneralsuperintendent LahuseN über die von dem Erhöhungsbeschluß zu erwartenden Wirkungen auf die Mitglieder der Kirchengemcinden. Die Steuererhöhung sei drückend, und es könnten manche, die vielleicht ein neues Verhältnis zur Kirche gewonnen hatten, mißmutig werden. Das verstehe er, doch die Kirche sei vor harte Notwendigkeiten gestellt. Eine Austrittsbewegung infolge der Steuererhöhung würde für sie äußerst schmerzlich sein. Die kirchlich Liberalen gaben die Erklärung ab, daß sie 26 Prozent bewilligten, um 30 Prozent zu vermeiden. Ab- lehnen müßten sie aber die Verantwortung für die Austritts- bewcgung, die infolge der Steuererhöhung kommen würde. Die Post zu Pfiugsteu. Die Post bestellt an Sonn- und Feiertagen bekanntlich im allgemeinen nur Bricfsendungen. Für die Feste sind Ausnahmen vorgesehen. So hat die kaiser- liche Obcr-Postdirektion Berlin in ihrem Bezirk für Pfingst- sonntag eine einmalige Geld- und Pakctbcstellung im Orte in Aussicht genommen._ 330 Gramm Fsett oder Ffleisch pro Kopf in kommender Woche. Nach einer gestern erlassenen Verordnung deS Magistrats beträgt entsprechend des letztwöchentlichcn Vichaustricbs in Berlin die auf den Kopf der Berliner Bevölkerung entfallende Wochcnmenge an frischem Fleisch oder frischem Fett 330 Gramm. Neue Ausgabe von Zusatzbrotkarten. Die besondere Zuwendung an Mehl, welche die der Mehl- Verteilungsstelle Groß-Berlin ungehörigen 6 Städte erhalten haben, ermöglicht es diesen, eine weitere Anzahl von Zusatz- brotkarten auszugeben. Die Stadt Berlin beginnt mit der Ausgabe am Dienstag, den 6. Juni. Für die Zuteilung kommen nur Personen in Betracht, die zur erwerbstätigen Bevölkerung gehören und bei denen ein besonderes Brot bcdürfnis vorliegt. In erster Reihe sind nach der Anweisung des Landesgetrcideamts Industriearbeiter, namentlich soweit sie für Heereszwccke arbeiten, zu berücksichtigen. Auch ist die Austeilung vor allem an Personen in Aussicht genommen, die tagsüber außerhalb ihrer Wohnung beschäftigt sind und während dieser Zeit sich andere Nahrungsmittel als Brot nicht hinreichend verschaffen können, oder die in Nachtarbeit tätig sind. Personen, die zur wohlhabenden Bevölkerung ge- hören oder bei ihr als Dienstboten in Stellung sind, finden keine Berücksichtigung. Die Entscheidung über die Bewilligung liegt in der Hand der Brotkommissionen, bei denen die Zusatz- karten abzuholen sind. ES werden zunächst Zusatzkartcn für die beiden Wochen vom 12.— 18. und 19.— 25. Juni aus- gegeben. Am 6. Juni können die Personen, deren Namen mit den Buchstaben? beginnen, am 7. Juni die Buchstaben O— Ki, am 8. Juni die Buchstaben L— Q, am 9. Juni die Buchstaben R und 8, am 10. Juni die Buchstaben T— Z die Karten abholen._ Die Massenspeisung. Der Wirtschaftsbeirat für Masienfpeisung in Berlin wird am nächsten Montag im Rathaus wiederum zusammentreten. ES ist mit Sicherheit anzunehmen, daß er endgültigen Beschluß fassen wird über die Bedingungen, unter denen die Teilnahme an der Masten« speisung erfolgen soll. Auf Grund dieser Bedingungen wird bereits in den nächsten Tagen eine Anfrage an die Bevölkerung ergehen, in welchem Maße eine Bereitschaft zur Beteiligung besteht. Höchstpreise für Kandiszucker. Der Magistrat bat eine Verordnung erlassen, nach der in Ab- änderung der am 30. Mai erlassenen Verordnung über Kleinhandels- Höchstpreise für Kandiszucker anderweite Kleinhandelshöchslpreise fest- gesetzt werden, und zwar sür Kandiszucker farbig(außer schwarz) 50 Pf. und sür Kandiszucker weiß 54 Pf. sür je ein Pfund. Gerüchte über höhere Kartoffelprrise laufen seit einiger Zeit in Charlottenburg um. Nach diesen Gerüchten sollen die Kartoffeln von den nächsten Tagen ab 90 Pf. für 10 Pfd. kosten. Diese gänzlich unbegründeten Gerüchte haben eine sehr starke Nachfrage nach Kartoffeln in den letzten Tagen zur Folge gehabt. Diese starke Nachfrage führte dazu, daß bei den gegenwärtig nicht zu starken Zufuhren Kartoffeln zeitweise ausverkauft waren. Eine weitere Erhöhung her Kartoffelprrise wird auf keine» Fall eintreten. Ebenso haben die Zufuhren bereits wieder stärker eingesetzt, so daß keine Veranlassung besteht, sich für längere Zeit mir Kartoffeln zu ver- sehen. UebrigenS dürfen in Charlottenburg, wie bisher, an einen Käufer nur 10 Pfd. gegen Vorzeigung der Charlottenburger Lebens- mittelkarte verkauft werden. Sollten an einzelnen Verkaufsstellen mehr als 70 Pf. sür 10 Pfd. Kartoffeln gefordert werden, so bittet der Magistrat, diese Fälle ihm sofort zu melden. Die öffentlichen Versammlunge«, die zum Dienstag, den 6. Juni, geplant waren mit der Tagesordnung„Die Lebensmittelfrage und die Ernährung des deutschen Volkes" sind von der Polizeibehörde nicht genehmigt worden unter Bezugnahme auf die Anordnung des Oberkommandos vom 9. Dezember 1914, wonach öffentliche Ver- sammlungen politischer Parteien oder diesen gleich zu erachtenden Vereinigungen nicht zugelassen sind. Die Versammlungen können infolgedesten nicht abgehalten werden. Nachträgliche Anmeldung zum Butterbeznge. Personen, die sich in einem Berliner Buttergeschäft nicht an- melden konnten, weil sie nach Ablauf der Anmeldefrist von außer« halb zugezogen sind oder zur Zeit der Anmeldung verreist waren, erhalten auf Wunsch von ihrer Brottommisston eine Bescheinigung, daß sie dort als zugezogen angemeldet sind oder während der An« meldezeit verreist waren. Dies gilt entsprechend auch sür Militär« Personen, die außerhalb der Kaserne wohnen und nicht von der Heeresverwaltung beköstigt iverden. Die Bescheinigungen gelten in den sämtlichen Geschäften und Filialen der Bulter- Handlungen von Reichelt, Gebr. Manns und den B e r- einigten Pommerschen Meiereien als Anmeldelegitimation. Diese Personen können als bis zum Beginn der nächsten Anmeldeperiode nur in diesen Geschäften und deren Filialen Butter erhalten. Desgleichen ist für die Militärurlauber eine Regelung dahin getroffen, daß sie in den vorgenannten Geschäften gegen Vorlegung und Abstempelung ihres Urlaubsscheines die entsprechende Wochen- menge an Butter erhalten können. In allen Fällen müssen selbst« verständlich auch die Butterkarten vorgelegt und die eni« sprechenden Abschnitte abgetrennt werden. Wolkenbruchartigcr Regen verursachte gestern(Sonnabend) stüh zahlreiche Ueberschwemmungen. U. a. wurden eine Menge Keller in der Prinzessinnenstraße, Neuenburger Straße und am Halleschen Tor unter Wasser gesetzt. In der Großbeerenstraße 49 mußte eine Familie aus ihrer Wohnung flüchten. Diese stand um 5 Ubr voller Wasser. Auf dem Anhalter Güterbahnhof mußte die Feuerwehr den Keller eines Schuppens auspumpen, der mit Gefangenen belegt ist. Au« der Calvinstr. 29 wurde ein Wasserrohrbruch gemeldet. Das Tempelhofer Feld war stellenweise überschwemmt und glich einer Seenkette. Auch aus anderen Stellen Groß-BerlinZ wurden Ueber- schwemmungen gemeldet, die indes keinen Schaden verursacht baben sollen.— SpirituSlack brannte gestern in der Großgörschenstr. 38.> Mit Gas zu vergiften versucht hat sich gestern vormittag eine junge Verkäuferin, die in dem Hause Fürbvinger Straße 17 in Schlafstelle wohnte. Als die Wirtin abends von der Arbeit nach Hause kam, konnte sie keinen Einlaß finden, da die Wohnung von innen verschlossen war. Ein verdächtiger Gasgeruch veranlaßte die Frau, einen Schutzmann herbeizurufen, der die Wohnung aufbrach. Hier fand man das junge Mädchen besinnungslos am Boden liegen. Ein Vierteljahr Stellungslostgkeit hatte sie zur Verzweiflung ge- bracht. Das letzte Zchnpfennigstück, das sie besaß, steckte sie in den Gasautomaten, um durch das ausströmende Gas ihren: Leben sin Ende zu machen. Angestellte Wiederbelebungsversuche hatten jedoch Erfolg, und nachdem brachte man die Selbstmordkandidatin nach dem Urbankrankenhaus._ Ms öen Gemeinden. Einführung von Fleischfpcisekarten in Neukölln. Nach einer gestern mit Berlin getroffenen Vereinbarung hat sich nunmehr auch Neukölln der Berliner Fleischkartcnregelung an- geschlossen und wird in Kürze auch den Fleischverbrauch in den Ga st wirtschaften unter Kartenkontrolle stellen. Die bisher ausgegebenen Haushaltungsfleischkarten werden beibehalten, da sie sich gut bewähren und vor allen Dingen den Fleisch- verkauf wieder in geordnete Bahnen bringen. Auch bietet diese? System die sichere Gewähr, die bisherigen lästigen Ansammlungen vor den Fleischerläden zu beseitigen. Um den Anschluß an die Ver- liner Fleischregelung zu ermöglichen, wird der Magistrat Neukölln nunmehr für diejenigen Personen, die auf die Verpflegung in den Gastwirtschaften und Speiseanstalten angewiesen sind, eine bcson- dere Fleisch speisenkartc mit einzelnen Wochenabschnittcn ausgeben. Diese Karte wird nach Art der Berliner Fleischkarte mit je drei Abschnitten für die einzelne Woche ausgestattet sein. Nach den mit Berlin bereits getroffenen Vereinbarungen wird jeder dieser Abschnitte in gleicher Weise wie der einzelne Abschnitt einer Ver- liner Fleischkarte zur Entnahme eines Fleischgerichts in Neukölln, Berlin und voraussichtlich auch in Charlottenburg, Schöueberg, Lichtenberg und Wilmersdorf berechtigen. Für Neukölln hat der Magistrat auch noch die Teilung eines jeden Abschnittes in zwei Halbabschnitte für Fleischspeisen, in denen nur eine geringe Fleisch- menge vorhanden ist, vorgesehen. Die Ausgabe dieser Neuköllner Fleischspeisenkarte wird voraussichtlich Dienstag und Mittwoch er- folgen. Lebensmittelkontrolle in Charlottenbur,;. Die PreiS-Prüsungsstelle hat festgestellt, daß in vielen Geschäften die Verordnung über den Aushang von Preisverzeich- nisten nicht befolgt wird. Die Preis-Prüfungsstelle will derartige Uebertretungen mit aller Schärfe verfolgen und Nichtaushang des Preisverzeichnisses in Lebensmittelgeschäften unbedingt zur Bestra- fung bringen. Zehn Mitglieds: der PreiS-Prüsungsstelle haben sich bereit erklärt, bezirksweise die K�itrolle der Lebensmittelgeschäfte auszuüben. Die Preis-Prüfung�.elle bittet die Bevölkerung, ihr den Nichtaushang des Preisverzeichnisses ebenlo wie Ueberschreitung der Höchstpreise"zur Kenntnis zu bringen. Die Prüfungsstelle hat weiter festgestellt, daß in Fischgeschäften, und namentlich auf den Wochenmärkten, lebende Aale nicht, wie es Vorschrift ist, nach' Ge- wicht, sondern nach Stück verkauft werden. Hand in Hand mit diesem Verkauf nach Stück geht eine Ueberschreitung der Höchstpreise. Derartige Verstöße sollen rücksichtslos verfolgt werden. Mitgliederversammlung in Nowawcs. Der Wahlverein Nowawcs beschäftigte sich in einer außer- ordentlichen Mitgliederversammlung mit der am 18. Juni statt- findenden Kreisgenrralversammlung. Nach kurzer Aussprache fand ein vom Genossen Paul Neumann gestellter Antrag mit 16� gegen 14 Stimmen Annahme, der die Delegierten des Vereins verpflichtet, bei etwaigen Entschließungen im Sinne der Bestrebungen der Arbeitsgemeinschaft und des Genossen Zubeil zu stimmen. Ein weiterer, von anderer Seite gestellter Antrag wünscht, die Delegierten sollen gegebenenfalls für eine Annäherung bzw. friedliches Zusammenarbeiten der beiden Reichs- tagsfraktionen wirken, jedoch unter Wahrung des Rechtes getrennter Abstimmung für die Arbeits. gemeinschaft.— Einstimmig angenommen wurde ferner eine vom Genosten Neumann begründete Shinpathie-Resolutiou für Genoff« Liebknecht. Soziales. Aerztemaugcl. Unä wird mitgeteilt: In verschiedenen Kleinstädten und ländlichen Ortschaften der Provinz Ostpreußen, in denen es an einer ausreichenden ärztlichen Versorgung der Bevölkerung zurzeit mangelt, finden zu- ziehende jüngere Aerzte lohnende P ri v a t p r a x i s. Es besteht die Aussicht, ihnen in besonderen Fällen Einkommenzuschüsse zu gewähren, �wenn sie die Verpflichtung übernehmen, die ärmere Bevölkerung, soweit sie nicht der Krankenversicherungspflicht unter- liegt, unentgeltlich zu behandeln. Nähere Auskunft über die einschlägigen Verhältnisse erteilt der Re- gierungs- und Medizinalrat in jedem der drei Regierungsbezirke Königsberg, Gum binnen und U l l e n st e t tu Gerichtszettung. Tee-, Tisch- und Tafelbutter. Für die Hausfrauen im besonderen und das Publikum im allgemeinen recht lehrreiche Erörterungen knüpften sich an eine Anklage wegen Ueberschreitung der Höchstpreise, die gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsiß des Amtsgerichtsrats Reich verhandelt wurde. Am 16. Oktober v. I. setzte das Oberkommando den Höchstpreis für beste Butter auf 2,80 M. fest. Diese Verordnung wurde durch die Morgenblätter am Sonntag, den 17. Oktober, bekanntgemacht. Die bekannte Buttergroßhandlung von Otto Reichelt, die SO Filialen in Betrieb hat, gab sofort durch besondere Boten bzw. das Telephon den Filialen entsprechende Anweisung. Dort waren bisher drei Sorten verkauft worden: Teebutter zu 3 M., Tisch- und Tafelbutter zu 2,00 M. Ter Preis wurde nun, dem Höchstpreise entsprechend, durchgehend aus 2,80 M. festgesetzt. In- folge eingegangener Anzeigen wurde dem Geschäftsinhaber Fritz Rcichelt und dem Prokuristen Kleinfelö wegen Ueberschreitung der Höchstpreise ein Strafmandat über je 100 Mark zugestellt. In dieser Sache stand bereits einmal am 6. Januar Termin an, der vertagt wurde, damit die sämtlichen bezüglich der verschiedenen Filialen eingegangenen Anzeigen einheitlich zur Ab- urteilung kämen.— In der gestrigen Verhandlung beantragte Staatsanw.-Rat K o r t h, den Strafbefehl zu erweitern auf alle in den Akten vorkommenden Beschuldigungen, damit ein einheitliches Urteil ergehe. Die Angeklagten erklärten sich hiermit einverstanden. — Die vernommenen Verkäuferinnen bestätigten, daß früh am Morgen des 17. Oktober das Publikum die Butter zu 2,80 M. ver- langt habe und die Geschäftsleitung telephonisch angeordnete habe, daß die gesamte Butter gleichmäßig auf den Preis von 2,80' M. herabgesetzt werden solle, obwohl sie vorher zu verschiedenen Preisen verkauft worden war.— R.-A. Dr. Wert Hauer hatte Beweis dafür airgetreten durch Benennung des Sachverständigen Golden- ring, daß die drei Sorten: Tee-, Tisch- und Tafelbutter in Wirklichkeit gar nicht verschiedene Qualitäten seien. Das Publikum sei gewohnt, daß die Butter verschiedene Preise habe; um ihm entgegenzukommen, würde aus derselben besten Quali- tat je nach den verschiedenen Geschmacksrichtungen die verschiedenen Sorten bezeichnet. Die T e e b u 1 1 e r sei lediglich ungesalzen und schmecke deshalb— wie das Publikum sage—„milde"; sie gelte deshalb als die feinste. Die Tisch- und Tafelbutter sei gesalzen, ganz gleiche Butter, die nur, je nachdem die Produktion ausfalle, etwas strenger oder milder schmecke. Die Hausfrauen seien an„ihre" Sorte und ihren Laden gewöhnt und verlangen Butter bald zu 2,90 M., bald zu 3 M., in dem Glauben, daß die Qualität verschieden sei, während es sich tatsächlich nur um die Frage des Geschmackts handle.— Auf Veranlaussng des Magistrais war der Sachverständige Wienstruck als derjenige be- zeichnet worden, der bei der zweiten Verordnung über die Höchst- preise amtlich mitgewirkt habe, und war deshalb aus Veranlassung der' Staatsanwaltschaft geladen' worden. Herr Wienstruck gab sein Gutachten dahin ab: In Deutschland sei durch die Konkurrenz der Geschmack des Publikums so verwöhnt, daß die Molkereien prinzi- picll nur beste Qualitäten herstellen. Wenn einmal Butter ver- darben sei, etwa wegen der Witterung oder weil sie zu lange ge- lagert oder sonst Schaden genommen habe, so entstehe auf diese Weise eine minderwertige, sogenannte zweite Qualität. Deshalb wäre in der zweiten Verordnung vom 20. Oktober 1015 der Ausdruck„Beste Ware" überhaupt ver- mieden worden. Nach den bei der Firma Reichelt beschlag- nahmten Einkaufsrechnungen und der anerkannten Güte der Firma sei er überzeugt, daß überhaupt nur erste Qualität eingekauft worden sei. Die Nuance im Geschmack erkläre sich so, wie es die Angeklagten vorgetragen hätten. Der Einkaufspreis sei 2,85 bis 8,10 M. gewesen, so daß Reichelt, ebenso wie andere, mit er- heblichen Verlusten gearbeitet haben. Die Differenz in den Preisen bilde in der Regel nur ein Lockmittel, weil das Publikum daran gewöhnt sei, die mildeste Butter für die wertvollste zu halten und diese daher um 10 Pf. heraufgesetzt sei. Es sei damals sehr schwierig gewesen, Butter, auch nur besserer Sorte, zu erhalten.— Der Staatsanwalt beantragte hiernach die Freisprechung, da dorgetan sei, daß offenbar die Firma Zkeichelt nur„beste Ware" im Sinne der Verordnung vom 16. Ok- tober 1915 in ihren Filialen vertrieben habe; jener Ausdruck sei durch eine abgeänderte Verordnung bereits kurz darauf in Qua- litätsunterschiede gegliedert worden. Er möchte aber ausdrücklich hervorheben, daß die Firma Reichelt vollkommen gerechtfertigt aus der Sache hervorgehe und bedauere, daß der Inhaber habe angeklagt werden müssen; die eingehende Verhandlung habe aber auch in seinem eigenen Interesse gelegen, da dadurch seine volle Un- schuld erwiesen worden sei.— Das Gericht schloß sich dem an und erkamüe aus Freisprechung. Vutterkrawalle vor dem Schwurgericht. Vor dem Sdjmurgericht des Landgerichts III Berlin beginnt am Montag, den 5. Juni ein Prozeß gegen das Dienst- mädchen Bischof und Genossen wegen Landsriedensbruch, be- gangen bei einem in der Nacht vom ö. zum 6. Mai vorgekom- menen Butterkrawall in der Pestalozzistraße in Charlotten- bürg. Es ist zu diesem Zweck eine außerordentliche Schwur- gerichtssitzung unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hesse berufen. Als Verteidiger, und zwar als Offizialver- teidiger, sind bestellt worden die Rechtsanwälte Dr. M. Kan- torowicz, Walter Bahn, Dr. Krüger und Dr. Davidsohn. Es sind zwei Tage für die Verhandlung anberaumt. Die zurückgezogene Entbindung von der Schweigepflicht. Mit der interessanten Rechtsfrage, ob ein Patient, der i n einem schwebenden Prozeß den ihn behandelnden Arzt bereits von der Schweigepflicht entbunden hatte, nachträglich im Verlauf dieses Prozesses diese Erklärung zurücknehmen und dem Arzt das Schweigeverbot wieder auf- erlegen kann, hatte sich jetzt das Kammergericht zu befassen. Der betreffende Patient erteilte in aller Form dem Arzte die Erlaubnis, über seine Krankheit frei auszusagen. Hinterher stiegen ihm doch wohl Bedenken darüber auf, ob die Bekundungen des Arztes ihm doch nicht abträglich sein könnten, und er zog des- balb die Genehmigung zur Aussage zurück. Der Kläger K. bezog sich dabei auf ein früher ergangenes Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg, das einen solchen Widerruf für zulässig erachtete. Der 12. Zivilsenat des Kammergerichts trat dieser Auf- fasiung nicht bei, sondern entschied, daß die einmal erteilte Genehmigung zur Aussage des Arztes nicht zurückgenommen werden könne. Die erstere Erklärung sei als eine Prozeßhandlung anzusehen, die der Partei ungünstig sei. Als solche sei sie aber nicht zu widerrufen._ Mus aller Welt. Doppelte Moral. Neben den großen Tagessensationen bringen manche bürgerliche Blätter auch immer eine Reihe von kleinen Anzeigen, die der Bestellung des Liebesmarktes dienen. Um welche Sorte von„Liebe" es sich dabei handelt, geht zum Beispiel aus folgender Anzeige der „Reichenberger Zeitung" hervor Lust ige Hummel 27j ährig, sucht einen 36— 40jährigen sokden Brummer. Anträge bis spätestens 10. Juni unter„Hausmütterchen" an Zeitungsverschleiß Schade!, Gablonz a. N. Für solche Inserate streichen also die bürgerlichen Blätter schinunzetnd den Kuppellohn ein, während sie sich gelegentlich über die Unmoral und Sittenlosigkeit der— Arbeiter- oder der armen Kviegerfrauen furchtbar entrüsten I Für eine solche Doppelmoral haben wir kein Verständnis. Verhaftung eines Amtsanwalts. Unter dem Verdacht der Verleitung zum Meineide ist, wie die„Rathenower Zei- tung" meldet, der in weiten Kreisen der Altmark bekannte Amts- anwalt a. D. R i e b a u in Stendal verhaftet worden. Der Frauenmörder Beta Kiß verhaftet? Nach einer Meldung aus Prag wurde unter dem Verdacht, mit dem Massenmörder B e l a Kiß aus Czinkota identisch zu sein, ein in der Geschotzfabrik in Koinorau im Bezirk Przibram unter dem Namen Wilhelm L i P p a beschäftigter ungarischer Landsturm so ldat verhaftet. Der Verdacht erhielt dadurch große Wahrscheinlichkeit, daß die Bilder von Kiß eine auffallende AehnUchkeft mit dem Verdächtigen aufwiesen. Der an- gebliche Lipp« hat sich dadurch verdächtig gemacht, daß er mit zahl- reichen Frauen und Mädchen einen umfassenden Briefwechsel führte und den meisten die Heirat zusagte. Auch eine Narbe an der linken Hand sowie eine Schnittwunde an der linken Brustseite, die von den ungarischen Behörden als besondere körperliche Merkmale des gesuchten Massenmörders bezeichnet werden, finden sich bei dem Verhafteten vor. Parteiveranstaltungen. Treptow-Baumschulenweg. Die geplante öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung:„Unsere Lebensmittelveriorgung" kann nicht stattfinden, da das Oberkommando verfügt hat,„daß ösfent- liche Versammlungen politischer Parteien oder dreien gleich zu erachtender Ver ei nigungen' nicht gestattet werden. Pankow-Niederkchöiihausen. Dienstag, den(3. Juni, abends 8 Ubr: Oeffentlichc Versammlung im„Kurfürsten", Berliner Str. 102. Dazu findet in beiden Bezirken am Montag, den 5. Juni, von abends 7 Uhr ab Hand- zettelvcrbreitung von den bekannten Stellen aus statt. Niedcrschöilbnnsen-Nordend. Dienstag, den 6. Juni, abends S'l, Uhr, findet eine öffentliche Versammlung in Pankow zum„Kur- sürsten", Berliner Str. 102, statt. Dazu soll am Montagabend eine Hand- zettelverbreitung in unserem Ort! stattfinden. Die Zettel sind von heute ab bei den Bezirkssührern abzuholen. §rauenleseabenüe. Köpenick. Dienstag, den 6. Juni, abends 81/, Uhr, Im Lokale von Rieck, Grünauer Str. 7. Vortrag de? Genofien Dr. Moses. Der Turnverein Fichte hat eme neue Frauen- uud Mädchenabteilung gegründet. Diese siebente Turnerinnen-Abtellung hält ihre Uebungsabende Montags und Donnerstags, abends von 8—10 Uhr, in der Schulwrnhallc Görlitz er Ufer 2 ab. Eröfinririgsturirstunde Montag, den S. Juni, abends 8 Uhr. Alle Mädchen und Frauen, welche sich an diesem Abend in die Ab- tellung ausnehmen lasten, bezahlen kein Einschreibegeld. Zur Verhütung vieler körperlicher Schäden sind erfahrungsgemäß regel- mäßige Uebungsabende im Turnen das sicherste Gegenmittel. Ja selbst ältere Verbildungen können durch sachgemäße Turnübungen beseitigt, min- defiens aber sehr abgeschwächt werden. Wer Körperpflege beireibt, schützt sich vor Krankheit. Sriefkasten üer Neüaktion. Die turtstisitze Svrechstuave sindet für Abonnenten Llndenftr. 3. IV. Hof rechts, parterre, am Montag bis Freitag von* bis 7 Ugr, am Sonnabend von b bis 6 Uhr statt. Jeder sür den B r i« s k a st e n bestimmten Ankrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nich: erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsouilmng beigefügt ist, werden nichi beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde dar. Verträge, Schriftstücke und dergleichen bringe mar tu die Sprechstunde mit. E. M. Die Firma ist dazu berechtigt.— P. P. 10. Ein von Ihnen eingereichtes Gesuch wird wenia Erlolg haben, wenn der Arzt Ihren Mann sür arbeitsverwendungsfähig �bält.— I. H. 18. Landsturm, zurückgestellt wegen Herabsetzung der Sehschärfe.— S. 3. 30. 1. und 3. Ja. 2. Bewirken Sic die Umschreibung beim Standesamisregister.— I. E. 37. 1. Wegen Nervenkrankheit zurückgestellt. 2. Beim zuständigen Amtsgericht. 3. Sofort nach slattgesundenem Termin.— B. Z. Nein, der Paß kann Ihnen verweigert werden.— Z. 13. Der Wirt ist dazu berechtigt.— M. M. 20. Ihr Mann ist verpflichtet, für Sie die Kirchen. steuern zu zablen.— M. D. Nimderstr. Staatseinkommensteuer wird wöbrend der Einberufung Ihres Ehemannes nicht erhoben; Gemeinde. einkommenstcuer müssen Sie aber zahlen, wenn Ihr Einkommen 000. M. betrögt. Sie könnten Reklamation einreichen oder Stundung beantragen. — M. I. 55. UnS nicht bekannt. Vielleicht gibt die Direktion'des Theaters Auskunst.— O. B. 76. Blumenftr. 22.— Emil Pap kr. Könitz. Nach einer Vertagung des Kriegsministers ist den Soldaten das Lesen der sozialdemokratischen Zeitungen erlaubt, darf also ins Feld gesandt werde».— R. König. Ohne nähere Angaben(welche Gewerkschaft usw.) nicht zu beantworten. Sehen Sie cvent. Ihre VerbandSftatutcn durch.— P. 2. 1. Erkundigen Sic sich bei Ihrem Lotteriekollefteur, der zahlt auch aus. 2. Nein.— R. R. 1880. Etwa 50 Kilometer vor Dünaburg aus der Strecke Ponewjesch— Dünaburg. 60—65 M. die Hinfahrt: obne be- sondere Erlaubnis nicht möglich.— W. P. 73. Bromberg.— W. W. 30. Schlagen Sie nach: Adreßbuch II. Band, Teil I v, Seite 20—21. Eingegangene Druckschriften. „Ter Jude." Eine Monatsschrift. 1. Jahrg. Heft 2. Jährl. 10 M. — R. Löwit, Berlin kl. 37. „Zwischen Krieg und Frieden.« Heft 35: Teutschland uud Qesierreich-Ungarn. Gesichtspunkte ewcs Industriellen. Von I. Heller. IM.— Heft 36: Das politische Lebe» Finnlands. Von I. Ochquist. 1,50 M.— S. Hirzel, Leipzig. Friedrich NieNsche. der Jmmoralist und«ntichrist. Von Dr. I. Reiner. 1 M., geb. 1,60 M.— Deutsche Geschichte für das deutsche Boll. Von Dr. A. Wirth. 1 M., geb. 1,60 M.— Franckh'schc Verlags- Handlung, Stuttgart. Berzeichuis der Arbeitsnachweise im Deutschen Reich nach dem Stande vom 1. Mai 1916. Bearbeitet im Kaiserl. Statistischen Amt. 2 M. — Verlag: P. M. Weber, Berlin, Hollmannstr. 9s10. Betrachtungen zur Besteuerung der KriegSgewiune durch das Reich. Von Dr. G. Schuberth. Geh. 80 Ps. C. Heinrich, Dresden-N. BSettcrauSsichten kür daS mittlere Rorddeutschland diS Montag mittag. Im Osten, etwa bis zur Oder, größtenteils trübe und lühl, viclsach stärkere Regensälle; weiter wesllich geringere Niederschläge, dazwischen zeitweise aufklarend und ein wenig wärmer.