Ur. 153. c 5 Pfennig) Montagsausgatte( 5 Pfennig) flbonnementS'Qcdlngungen: Vdonnmient»> Preis pränumerando: ZZicrteijährl. 8,W Mk, monatl. IM Mi, wöchentlich SV Pfg. frei WZ Haus> Einzelne Siummcr S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntag?- Beilage»Die Neue Well" 10 Pia. Post- Abonnement: IM Mari pro Monat. eingetragen in die Post-Zellunas- Preieliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn ZbO Marl, für das übrige Ausland 4 Mari pro Atonal. PoslabonnemeMs nehmen UN Belgien. Dänemarl, öolland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumäiiien. Schweden und die Schweiz. «chelol täglich. 3 3. Jahrg. Dk InkMions- Gebühr teträgl für die fechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Baum sä Pfg, für polilllche und geweillchastliche Vereins- und Versammlnungs-Anzeigen 30 Pfg. Kleine?na«>gen", das fctlgedrucile Wort so Pfg. lzuläffig 2 fettgedruckte Worte). ledes wtitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche»nd Schlaistellenan- zeigen daS erste Wort>U Pfg.. jedes weitere World Pfg. Worte über löBuch- Naben zählen für zwei Worie. Inserate für die nächste Nummer niüiscn bis t> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erdedition ist bis 7 Uhr abends geöfiiict. Telegramm- Adresse: „SozUldemeHrat Berlin". Zcntralorga« der Ibzialdcmohratl fehen parte! Deutfchlands. Reöaktion: SW. 6$, Lknüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. löl S0— 1S1S7. Expedition: SW. öS, Linöenstraße 3. Fernsprecher t Slmt Moritzplatz. Nr. IUI»0—151 97. Unterstaatsfekretär Dr. Richter und der Mrbeiterinnenfchutz. Am Freitag, t>en 19. Mai d. I., ist im Reichstage eine Resolution der sozialdemokratischen Fraktion behandelt worden, durch welche gefordert wird, daß die Schutzbestim- mungen tür Frauen und jrigendliche Arbeiter, die durch Gesetz vom 4. August 1914 außer Kraft gesetzt waren, wieder in Kraft treten sollen. Die Behandlung dieser Frage, ganz beson- ders aber die hierzu abgegebenen Erklärungen des Vertreters der Reichsregierung, des Unterstaatssekretärs Dr. Richter, haben�in der Arbeiterschaft große Enttäuschung hervorgerufen. Tie Enttäuschungen, welche seine Ausführungen brachten, sind doppelter Art. Einmal sollen während der gesamten Kriegsdauer die Schutzbestimmungen außer Kraft bleiben und mit Beendigung des Krieges nicht ohne weiteres wieder in Kraft treten, lonöern mit Eintritt des Friedens soll erst eine eingehende Prüfung darüber eintreten, ob die Ausnahme- bewilljgungen bald beseitigt werden können. � Wenn die Gründe, die der Unterstaatssekretär für die Außerkraftsetzung der Schutzbeftimmungen anführt, zutreffen würden, müßte man sich ja schließlich damit abfinden, so be- dauerlich es ist, daß der ohnedies nicht ausreichende Schutz für Arbeiterinnen und Jugendliche fortfällt. Wir bedauern aber, bemerken zu müssen, daß nach unseren Feststellungen die vom Unterstaatssekretär angeführten Gründe, besonders soweit sie die unbegrenzte Dauer der Arbeitszeit betreffen, nicht zu- treffend sind. In einer Reihe schriftlicher Eingaben und mündlicher Verhandlungen an die zuständigen Behörden ist dies auch schon wiederholt zum Ausdruck gebracht. Was zunächst die Ausführungen des Gesetzes anlangt, wonach die oberen Verwaltungsbehörden das Recht haben, Ausnahinen für einzelne Betriebe zuzugestehen und dies auch erst nach.Prüfung eines jeden Antrages, so lväre es mehr als merkwürdig, wenn die Prüfung in jedem einzelnen Falle, zum Beispiel in den Betrieben der Metallindustrie Groß-Berlins, ergeben hätte, daß überall die Voraussetzungen für die Außer- kraftsetzung der Schutzbestimmungen gegeben waren. Wenn wirklich eine Prüfung durch die Gewerbeinspektion vorgc- nommen ist, so kann diese Prüfung nicht als ausreichend be- trachtet werden. Die Betriebe werden durchschnittlich kaum einmal im Jahre einer Inspektion unterzogen, deswegen reicht die Kenntnis eines Gewerbeinspekrors nicht aus, um die Be- triebsverhältnisse aus eigener Kenntnis eingehend zu prüfen. Es ist hier also eine Information der Gewerbeinspektion durch die Betriebsleitung nötig. Diese kann aber nicht objektiv sein. Die Betriebsleitung hat schon allein angesichts der Minderbezahlung der iveiblichen Arbeitskraft nicht geringes Interesse daran, daß dem Antrage entsprochen wird. Ein von der Organisation der Metallarbeiter schon vor längerer Zeit an die Behörde gestelltes Verlangen, bei diesen Prüfungen auch die Arbeiter und ihre Vertretung zu hören, ist leider bis jetzt nicht erfüllt, so daß die Gewerbeinspektoren nur von den Arbeitgebern insormiert werden. Angesichts dieser Tatsache kommt man auch bei sorgfältiger Prüfung nicht zu richtiger Erfassung der Sachlage. Wenn der Unterstaatssekretär sagt, daß in der gegen- wärtigen Zeit, wo eine so große Zahl von männlichen Arbeitern ihrer beruflichen Arbeit entzogen wurde, den indu- striellen Betrieben Hilfe geschaffen werden müßte, so ist das an sich ja durchaus richtig, aber es bedarf trotzdem keiner Ueberzeitarbeit durch die Arbeiterinnen, denn es hat von Be- ginn des Krieges an noch nicht an tveiblichen Arbeitskräften gefehlt, im Gegenteil, die Berichte aller Arbeitsnachweise zeigen, daß sich überall beschäftigungslose Arbeiterinnen meldeten, die nicht untergebracht werden konnten. Wer in den ersten Nachmittagsstunden durch die Straßen Berlins geht, wird jeden Tag an den Ausgabe- stellen der großen Zeitungen, die einen sogenannten„Arbeits- markt" herausgeben, große Scharen von arbeits- losen Frauen finden, die im„Arbeitsmarkt" nach Be- schäftigung suchen. Dazu kommt auch noch, daß viele Betriebe bei der Ein- stellung eine Auswahl unter den beschäftigungslosen Arbeite- rinnen nach der Richtung hin treffen, daß sie Frauen oder An- gehörige von Kriegsteilnehmern bevorzugen. Auch die Frauen gefallener Kriegsteilnehmer werden zuerst berücksichtigt. Da- gegen läßt sich ja an und für sich nichts sagen. Nur soll man, venu infolge dieser Praxis eine große Anzahl weiblicher 'lrbeitskräfte, die nicht Angehörige von Kriegsteilnehmern ind, arbeitslos bleiben, die Arbeitszeit auf die in den Schutz- bestimmungen festgelegten Grenzen einschränken. Schließlich wollen doch auch d i e Arbeiterinnen leben, die nicht Ange- hörige von Kriegsteilnehmern sind! Tie vollständige Außerkraftsetzung der Schutzbestimmun- ten läßt sich angesichts dieser Tatsachen nicht begründen. Mag sein, daß, wenn die Arbeiterinnen anstatt in Zweischicht, wie jetzt vielsach üblich, in Dreischicht arbeiten würden, die Be- aussichtigung etwas mehr Umstände macht: aber allein deshalb darf man doch den Unternehmern nicht zuerkennen, daß sie den Beweis erbracht haben, die vollständige Außerkraftsetzung der Schutzbestimmungen sei notwenllig. Noch viel weniger ist an- MM Des(Siogeo SWWMs. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 4. Juni 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Gegen dir von uns gewonnenen Stellungen südöst- lich von Apern richteten die Engländer mehrere Angriffe, die restlos abgeschlagen wurden. Der Artilleriekampf nördlich von ArraS«nd in der Gegend von Albert hielt auch gestern au; englische Er- kundungsabteilungeu wurden abgewiesen; mehrere Sprengungen des Feindes südöstlich von Neuville— St. Vaast waren wirrungslos. Aus dem linken Maasufer wurde ein schwächlicher feindlicher Angriff westlich der Höhe 364 leicht zurück- gewiesen, ein Maschinengewehr ist von uns erbeutet. Auf dem Ostufer sind die harten Kämpfe zwischen Eaillette-Wald und Tamloup weiter günstig für uns fortgeschritten; es wurden gestern über»66 Franzosen, dar- unter drei Offiziere, gefangen genommen und vier Maschinengewehre erbeutet. Mehrere feindliche Gasangriffe westlich von Mar- kirch blieben ohne die geringste Wirkung. Bombenwürfe feindlicher Flieger töteten in Man- dem mehrere Belgier; militärischer Schaden entstand nicht; bei Hollebeke wurde ein englisches Flugzeug von Abwehrkanonen abgeschossen. Oestlicher und Batkan-ZkriegSschauplatz. ES hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Oberste Heeresleitung. Vettere Erfolge zur See. Amtlich. Berkin, 4. Juni.|W. T. B.) Am 31. Mai bat eines nnferer Unterfeeboate vor dem Homber eine» modernen großen englischen Torpedoboots» Zerstörer vernichtet. Nach Angabe eines durch nuS ge- retteten Mitgliedes der Besatzung deS gesunkenen englischen Zerstörer„Tip per arv" ist der englische Panzer. k r e u z e r„E u r N a l u S" von unseren StreitkrLften in der Seeschlacht vor dem Skagerrak in Brand geschossen und voll» ständig ausgebrannt. Der Chef de? AdwiralstabeS der Marine. » Der Panzerkreuzer„TurhaluS* ist am 20. Mai 1901 vom Stapel gelaufen. Er hatte eine Wasserverdrängung van 12 200 Tonnen, eine Schnelligkeit von 23 Seemeilen,, ein« Artillerie von zwei 23,4 Zentimeter-, sechzehn lö-Zentimeter- und zwölf 7,0-Zentimeter-Gsschützen, sowie eine Besatzung von 755 Mann. •• Dn llmeWW SeMM«erW. Wie«, 4. Juni.ork, 3. Juni.(Funkspruch des Vertreters von W. T. B.) .World" weist in einem Artikel der Rebaktivu die Kritik des Lord Cromer und anderer an dem Verlangen des Präsidenten Wilson nach Freihcit der Meere als einer der Friedcnsbedingungen zurück. Das Blatt schreibt: Tie Freihcit der Meere ist nicht lediglich ein schöner Ausdruck, der in Berlin für die Zerstörung der britischen Vormachtstellung zur See geprägt worden ist. die Freiheit der Meere ist deute genau so wie immer ein Bestandteil unserer Seepolitik als Anspruch auf das Handctsrechl der Neu« tralen außerhalb blockierter Häfen, auf die Unantastdarkeit des. Privateigentums auf dem Wasser und auf die Sichtung vor Mm- schenlebrii, die aus den Memsstraßen friedlich beschäftigt sind. Weil uns die Freihcit der Meere beschnitten wurde, entstand im Jahre l8lL unser Krieg mit England. Bor 60 Jabren sind wir auf der Pariser Konferenz dafür eingetreten. Solange der gegenwärtige Krieg andauert, sind alle unsere Streitigkeiten mit England wie die mit Teutschland au» der Verfechtung der Freideit der Meere hervorgegangen. Wir haben unS nie über einen rechtmäßigen Gc- brauch der Secgewalt gegen Leegctvalt beklagt, aber wir haben unS gegen ihren Mißbrauch gegen Neutrale gewehrt. Der Präsident gibt sich nicht einem eitlen Trauine hin. wenn er den Kriegführenden ein großes Ideal empfiehlt. Sie haben da« Völkerrcuht auf dem Lande zerstört, nnd wenn nicht die Bemühungen Wilsons gsvesen wären, wäre auch auf der See nicht« davon übrig geblieben. Wenn er verlangt, daß es wiederhergestellt und erweitert wird, fo bcmint er niemandes Seegcwalt und nieinande« Landmacht,'die richtig an- gewandt wind. Ihm sebwebt eine Gelt vor. die sich zur Vernunft und zur Zivilisation bekehrt hat, die gestärkt und geläutert in der Anerkennung der Freiheit der Meere zum Dusdruck kommen muß. politische Uebersicht. „Neuorientierung" im Kampf«m die Arbeiterjugend. In einem Leiiaussatze der.Kölnischen Volks, eiiung' cNr. 442t bespricht ein aller Ze»m»nsvarlamentar>«r die Verctnsgesetznovelle und den Kampf um die Arbeiietjugrud. ES ist interesianl. wie er dies mitten im fchönsien Burgfrieden tut. Er begreift, daß es fo manchen gibt, der der soziatdeinokraiischen Jugendbewegung mit der .Radikalkur'«ine» Verbote« den Earau« machen möchte. Aber .wer möchte rL nach den hillmn Erfahrungen de« Sozlallsteu- gesctze« noch einmal mit einem solchen AuSnahnicgefetz versuchen? Und da« setzt«iitlen oder nach dem Kriege? Kurz und mit: mit polizeilichen Ausnahmegesetzen gegen die Sozial« demoiratie kommen wir nicht weiter.' Da nun doch einmal die Jugend im Kampfe siehe, möge man sie lieber den freien Gelverkschaften als der freien Jugeudbelvegung lassen und deshalb fei die BereinSgefeynovell« zu begrüßen: Die Gesabmi der inonistischen und sozialistischen Jugend« bewegung sind locit größer als die der Gewcrk- l ch aft« n.... S o w ei t die Jugend der sozialdemokralischen Richtung folgt, sehen wir sie immer noch lieber iu der lLewcrtschaft al» in den sozialislischrn Jugendklubs. An den sozial islijchcn Jugendoercinen, Turn-, Spiel« und WanderkubS, Bildungsvercineu, die zu»Kampf und Haß' erzöge», wird natürlich Ici» gutes Haar gelasfen. Aber noch einmal wird betont, daß die Polizei nicht bclscn könne, eine Einsicht, zu der auch der Zentrumsabgeordncte Äuckhoff im»Tag' gekommen ist. Die Jugend soll iii Zukunst durch grietzlich« Maßnahme», die hinzielen auf Stärkung der elterlichen Autorität, durch Eparzwang, durch rcligiöS-sitiliche Bearbeitung in den Fortbildungsschulen, durch strengere Durchsührimg der sittlichen Schutzbestiinmungcn der Gr» wcrbcordnuiig dem Ehristentum erdatten bleiben. Auch die» gehör« zur.Neuorientierung' und zwar zu ihren dringenden Forderungen. QaS von dieser Art.Neuorientierung' zu halten ist. brauche» wir wohl laum oustühikich darzulegen. DaS gebt auch aul den NuSsllhrungen dcS Generalsekretär-;? a e p p e r ebenfalls in der .Kölnischen Volkszeitung'(Nr. 444) in einem Artikel über die weibliche Jugendpflege hervor: Die Grundsätze de« Christentums für Erziehung und Charakter« bildung find für all« Zeit und alle Verhältnisse maßgebend: link» von ihnen stellt, obgleich sich'« so schlecht schießen läßt. Cest la gnerre, la guerre... Tort— nun Hat'S auch den ersten der eigenen Kameraden gepackt; er läßt das Gewebr loS, sink: zurück. Sein Rachbar beugt sich nieder....Haft eins abgekriegt? Wo? Ist es schlimm?"— Laß man... es wird schon gehen... Bloß hier im Arm... Weißt du. wo der Sanitäter ist? Latz mich'mal vorbeil' Ich will sehn, daß ich zurückkomme...." Er klettert hinter den Schützen entlang, über die verwundeten Franzosen hinweg, so gut eS geh» will. ..Sanitäter hierher!" schreit es nun auch schon weiter vorne. Und hinten klingt es wie ein Echo. ..Sie kommen unS in den Rücken!" ruft einer plötzlich. , Wo?" Alles in der Nähe dreht sich um, duckt sich..WaS ist los?' geht es auch schon den Graben entlang weiter. „Quatsch! Mach du die Leute verrückt!" widersetzt sich ein Unteroffizier in der Nähe de» ersten Rufers.„.Kein Mensch kommt da! LoS, nehmt die Rasen wieder'rum! Da, jetzt könnt ihr sie drüben ganz deutlich sehen— die Stahlhelme— das blaue Tuch... Feste! Feuer! Wir haben sie direft in der Flanke. Sie schießen nach drüben hinüber!" Die Verwirrung legt sich. Wieder knattert und zischt'S.... Dazwischen Stöhnen und Rufen.... Handgranaten. „Achtung! Handgranaten van links!" Diesmal ist es kein falscher Alarm. Krachend gellt schon da» erste der �heimtückischen Geschosse seine Bestätigung dem Rufer. Wenige Schritte vom Graben entfernt wühlt cS seine splitter- schwangere Wolke empor. Alles wendet sich nach links, dorthin, wo vorne die ersten Halt mochten, weil gesprengtes Gemäuer ein Vordringen bindert«. Bruch! Wieder eine Granate, nicht fern der ersten. Und da, ?chau: Regelrecht sieht man einen Arm sich über dem weißen Schutthaufen erheben, die einen fauitgroßen, dunklen Ball an halb- -meterlanger Scknur schwingt, diese losläßt, rasch wieder vcrschwin- "det.... Ha! Ter Kerl hat gnt gezielt. Unmittelbar neben den Dichtgedrängten schlägt das splitternde Geschoß auf eineu Stein» Haufen, daß Splitter und Steine stieben. Nun steht aber auch für die im Graben das Ziel fest. Schon habe» die ersten ihre Handgranaten au» dem Koppel gehakt und schwingen sie durch die Lurt. Deutlich siebt man sie durch die Luft sausen, jenseits der Steinhaufen niedergehen, hört sie krc- Pieren, kann die Wolle beobachten, die sie aufgewühlt haben. Rasch folgt nun Krach auf Krach. Dazwischen Geschrei, Aeckzen.„Handgranaten von hinten durchgeben!... Hilfe! Sanitäter!....Feste! Feste!— Nicht doch von hinten schmeißen!'...„Die saß! Gut so! Nochmal sol' „Jetzt wirds gleich heißen: Mit dem Bajonett drauf und dran! — pißt auf!" vermutet einer. „Ra, ewig können wir doch auch hier nicht bleiben. Wir wer- den hoch wcilermüssen." Da surrt und brummt es ihm gewaltig in den Qhren, daß alles andere dahinter verschwindet. Es ist ein furchtharcS, atenr- raubendes Dröhnen und Rumoren. Er weiß, er ist getroffen. Einen Gedanken noch faßt er: Ist das nun der Tod? Ter Tod oder nur ein Versagen der Sinne, das vorübergehen wird? Tann ist alles ringsum still und dunkel. L. N.'(z) Volksbühne:„Robert und Sertram". Wanderburschen-Poesie ist niemals volkstümlicher gewesen, als zur Zeit des WiedererwachenS der Naturwissenschaften und pöli- tischer Freiheitsidecile, durch die um 1830 aller mittelalterlichen Romantik ins Grab geläutet wurde. In der Literatur des Vor» märz wie der Reaktionsjahre nachher spielt das unruhige Völkchen uiii herziehender Handlverksgesellen und Kunstzigeuner keine geringe und keine unrühmliche Rolle. Es ist für jene Epoche eines Polizei- lich bevormundeten Bürgertums, wo man„das Maul halten" mußte, der sichtbarlich gemachte Typus alles Befrcitscins vorn läh» mendcn Truck eines beamteten Bureaukratismns. So sckiricb der Qesterrcicher Nestrov seine Posse„Der böse Geist des Lumpazi- vagabudus"(1833), so später Holtei die„Vagabunden" und andere Vagantcnromane. „Robert und Bertram" nun, die beiden Stromer in Gustav RäderS vor genau sechzig Jahren entstandener GesangSposse sind allerdings nichts weiter als ins norddeutsckte Volkstum übersetzte „Nestroyaner". Daß sie der Polizei so manches böse„Schnippchen" schlagen, den„braven" Bürgern so manche Nase drehen— im übrigen ohne Paß oder Heiinatschein uncherstreichcn dürfen, erfreute damals jung wie alt. Aber auch noch heutzutage hat man seinen Spatz an Robcr' und Bertram» Streichen— so harinloS-Iilstig sie sein mögen. Ja, daZ elegante Publikum, das am Sonnabend bei der nack Jahren aufgcnolninenen Wiederholung dieser erst vom Schillcrtheater, dann von Reinhardt aufgefrischten GesangSposse versammelt war, geriet vor Lachen schier ans Rand und Band. Ter alte Geist ist e? freilich nicht mehr. Von der nrsprüng. lichen Begleitmusik hören Ivir wenig; und die Nelsonscken„Schla- gcr" sind zu auffällige„großstädtische" Nachtkabarcttstückchen, um melodisch zu heißen. Auch sonst erscheinen manche Züge ziemlich verwischt und willkürlich verändert. Aller ursprünglich liebcnSioürdigc Humor hat einem allzu lärmtollen lllk den Platz räumen müssen. Die Darsteller der beiden Titelfigurc» Wntzmann-Biensfcld sind gewiß ein Paar derbe Witzbolde; aber dic Pategg und Köstlin(Schiller« theater) waren mir doch lieber. Uebrigens erwiesen Robert und Bertram ihres Daseins Unverwustlichkeit nusS neue. Rassigkeit hastet einigen Verireiem der Bankicrfamilie an. Marie Fein war echt in jeder Gebärde. Der Gendarmeriewachtmeister Win» tersteinS trug zu seiner Grobschnäuzigkeit als Polizeier eine vortreffliche MaSke. AlleS in allem: die Altberliner Possen bringen ibren mit neu» zeitlichem(tzefchäfisöl gesalbten Verarbcitern reichlichen Gewinn und dem Publikum viel Gelegenheit, LachmuSkeln und Klatsch» Hände zu betätigen. eL seit 2000 Jahren bat die Kirche danach nicht nur Jugend« sondern überhaupt Menschheitspflege mit staunenswertem Erfolge geübt, und wenn auch die Zciivcrhälluiss«! andere geworden sind, die Grundsätze und Ziele bleiben dieselben. Auch die m«der ir»Jugendpflege bedarf in diese m Sinne keiner„Neuorientierung". . Di« kakhoUschrn Qrgauisalionen kündigen verstärkien Kampf um dce Jugend an. Em« konservative Kundgebttng. Der Weitere Vorstand der deutsch-konservativen Partei tagte am Donnabend unter dem Vorsitze des Abgeordneten von Hepdebrand im Abgeordnelcnhause.' Eö wurde folgend!: Entschließung angensmmen: .Der Weitere Vorstand der deutsch-konservativen Partei billigt einmütig die seit seinem letzten Zusammensein von der Leiiung der Partei beobachtete Haltung, insbesondere auch die Stellungnayme der konservativen Fraktionen des Preußischen Ab- geordnetenbauses und des Reichstages in Sachen des U-Boot- kriege» und der Friedenszielc. Er spricht der Leiiung der Partei, insbesondere dem Geschästefiidrende» Ausschusse und seinem Vorsitzenden. Adzeordnelen von Heydebcand, volles Per trauen und den Tank für die Vertretung einer aktiven, zielbewuß- tcu, konservativen Politik aus." Rüstungen nach dem Kriege. Immer häufiger äußert sich nun die burgertichc Presse über die Verhältnisse nach dem Kriege, ohne ein Hehl daraus zu machen, baß sie eine Verschärfung und Vertiefung derselben Gegensätze und Kämpfe erwarte!, die die Periode vor dem Kriege kennzeichneten. So schreibt Herr Stadtpfarrer Schiller in der„Kreu-zeitnng": „Die neue Zeit wird eine harte, eiserne sein, eine Zeit gesammelter Anspannun», eine Zeit alles umspannender Rüstung und Bereitschaft, eine Zeil gesprengter Brücken und zerrissener Bande, die sich nur schwer wieder knüpfen lassen. iv«v» tiJSfv mirS Haß. den Grimm, die Bitterkeit, die sie jetzt gegen uns angehäuft baben, mit dem Friedensschluß ablegen, wie die Schauspieler ihre Masken? Glaubt man, daß irgendwelche Verträge sie binden? Nein, wenn die Völker nach diesem Kriege wieder er- machen, dann finden sie zwischen sich Berge von Leichen, ver- beerte Länder, verwüstete Städte, zerrütteten Wohlstand, eine verarmte, zerschlagene Weit. Tic zitternde in allen Fugen krachende Welt wird noch lange Nachbeben. Air einen r u h i g e n Ä u S g l e i ch ist n o ch I a» g e n i ck t zu denken. Der Sieg mag noch so vollständig sein, ein anderes, uiclü minder hartes Ringen wird dann erst beginnen. Neue, schwierige Ans- gaben tauchen auf, neue schwere Gefahren und Pcrsuchungrn. We&c uns, wenn dann eine Abspannung unserer Kräfte ein- träte, wenn wir locker ließen! Rur die äußerste An- spanuung Iiilst dann weiter, nur das strengste Zusammen- halten unserer BolkSkraft und Volkstüchtigkeit." Diese Aeußerungcn des Herrn Stadtpfarrers Schiller gelviimen eine besondere Bedeutung dadurch, daß sie un- mittelbar nach den Zensurdebatten im Reichstag beröffenikicht wurden, in denen uamentlich Genosse N o S k e keinen Zweifel darüber bestehen ließ, daß die Anhänger des ufcr- losen Wettrüstens nach dem Kriege ihr blaucS Wttndcr er- leben würden. Gegen die„Abneigung gegen neue Rüstungen" zieht »un auch Graf Reventlow in der.Deutschen Tageszeitung von Leder. Man lobe, so fuhrt cr auS. seit einer Reihe von Monaten besonder» dat wachsende L e r st ä n d n i ö aus sozialdemokratischer Leite für K o I o u i a I p o l U i l. „An und für. sich wäre ein solches gewiß lobenswert, aber wir können eS nicht als BcivclS eine» Verständnisses ansehen. wenn sozialdemokratische Führer und Schriftsteller c- auf die Grundlage des alten Unverständnisses für die Machtfrage im Völkerieben aufbauen. Ausschlaggebend für seine Betrachtung der Politik ist aber einzig und allein die Macht frage, folglich auch die Frage der f o r t g e s e tz t e r R ü st u n g e n. „Die ungeheure Gefahr— schreibt er—, welche schon im Gedanken einer RüstuugSeinschränkuug nach dem Kriege lieg!, besonder«, da dieser Gedanke sckwn jetzt während beS Kriege? gefaßt worden ist und geäußert wird, ist jedem ohne weiteres klar. welcher begreift, daß auch in Zukunft die M acht f rage für das internationale Leben maßgebend blclbeu Auf die Rüstungsfrage angewandt, bedeuten diese Aeußerungcn RevenllowS dasselbe, wa» auf breiterer politischer Snmdlag« von den Hirsch. Stresemann und Graefe im Reichstage ver- treten worden ist._ W Herabsetzung der Preise für Kälber. Ter Z e n t r o l> V i e h tz a n d e i» v c r b a n d bat hie itzm anae chlosfentn VictzhantzclSverbände ersucht, die Prci'e für Käloer vom Juni atz um 10 M. bis L0 M. für tzcn Zentner tzerabzujctzen. Für schwerste Ware(Mastkalbcr und Doppellender libcr 200 Pfund Lcbendacwicht> darf von seist üb nur noch 120 M., statt wie bictzcr 1