Ar. 154.- 58. Jahrg. Bbonneraotts-Bedlngnnj«! «bonnemenl»• Stell ptSnumetanko BietteljafttL 3,90 Ml. monatL ILO Ml. wöchenllich 30 Pfg. frei tat Haus. Sinz eine Nummer b Pfg. konnlags« nummer mit illustrierler Eonnlags. Seilage.Die Neue Seil'>0 Pia. Post- «bonnemeiu: ILO Marl vro Monat. Singelragen in die Post- Zeiwngs- Sreislilie. Unter Kreuzband lür Deutschland mid Oeslerreich. Ungarn ISO Marl, für dal übrige Uulland » Marl pro Monat. Sostabonnemenls nehmen an Belgien. DSnemarl, öolland. Jlalien. Luxemburg. Ponugal. «umänien. Schweden und die Schweiz. «che«,« tiiM. Verliner Volksblakk. ( 5 Pfennig) Dk InlCTfloni-Gfbflbr betrag« für die sechsgesdallene Koionel- zetle oder deren Raum 30 Psg., für dolittlche und gewerlschaftliche Vereins- und VersammlungS-SInzeigen 30 Pfg. „ixl-inc Snreigcn", das lellgedruclie «ort 20 Pfg. izwüifig 2 fellgedrackte «ortei, lebe* weitete«ort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafslellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitete Wort 5 Pfg. Sorte über 16 Buchstaben zählen für zwei Sorte. Inserate für die nächste Rümmer müssen bis 5 Ndr nachmiti igs in der Exbedition abgegeben werden Die Srredition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Tetegrainm-Sdrefs« jtMtaidemoKrat Berit«". Zentralorgan der rozialdemohrati Tchen Partei Deutfchlands. Rcdoftlou:'TW. t$, �tnSenstraße 3. aerniprcdier: lim, Morittvlau. Nr. lkil itv— liil»7. Dienstag, den<5. Juni 1916. CxpedÜton: EW. 68, Linüenstrahe 3. kerniprecher:«mt Morivvla«, Nr. 151 90—181 97. öethmanns „Zlucht in Sie Geffentlichkeit". Eine neue Kanzlerrede. Am Schlüsse der gestrigen Reichstagssitzung hielt der Reichskanzler. Herr v. Bethmann Hollweg. eine Rede. die dem Hause und dem Lande eine grotze Ueberraschung bereitete. Während alle bisherigen Reden des Reichskanzlers in der Kriegszeit so gut wie ausschließlich die Kriegslage und die internationalen Beziehungen zum Gegenstande hatten, war es bei seiner gestrigen Rede umgekehrt. Nach einer verhält- nismäßig kurzen Betrachtung der Kriegslage und der Frie- densaussichten wendete der Kanzler sich mit ungewöhnlicher Schärfe und Erregung gegen die unterirdischen Trei- b e r e i e n, die gegen ihn von einflußreichen und mächtigen Kliguen ins Werk gesetzt werden, um ihn zu stürzen. Es war eine Flucht in die Oeffentlichkeit, was der Kanzler mit dieser Rede unternahm. Wer da weiß, wie der Kanzler in den Kreisen der Großgrundbesitzer und der'Groß- industrie seit langem als S ch l a p p i e r bekämpft wird, wie geheime und anonyme Broschüren der Kriegshetzer und Kriegsinteressenten in Massen gegen seine Kriegspolitik ver- breitet werden, wer sich der Angriffe gegen diese Politik an- läßlich der U-Boot-Debatte und des konservativ-national- liberalen Vorstoßes bei der letzten Zensurdebatte erinnert, den wundert es schließlich nicht, daß der Kanzler gegen alle diese Treibereien einmal in aller Oeffentlichkeit Front gemacht hat. Man kann nur bedauern, daß die Zensur die Oeffentlich- keit solange gehindert hat, sich von diesen Dingen die nötige laufende Kenntnis zu verschaffen und ihrerseits unabhängig und selbständig dazu Stellung zu nehmen. So wird die gestrige Kanzlerrede zweifellos draußen im Lande, wo man von den unterirdischen Wühlereien keine oder doch nur eine sehr unbestimmte Kenntnis hatte, in noch viel stärkerem Grade als Ueberraschung wirken wie das gestern im Reichstage der Fall war, wo man doch die Fronde und ihr Treiben kannte. Das Verhalten der Rechten im Reichstage während der Kanzlerrede zeigte sehr deutlich, wo Bethmanns Widersacher zu suchen sind. Stumm und mit finsteren Mienen saßen die Herren Heydebrand, Westarp und Genossen da, während sich das Gewitter über sie und Ihresgleichen unter oft stürmi- schem Beifall der Fortschrittler und eines Teils der National- liberalen, des Zentrums und der alten sozialdemokratischen Fraktion entlud. Mit großer innerer Erregung und mit geradezu vehe- mentem Nachdruck wendete sich Herr v. Bethmann Hollweg gegen den in einer anonymen Broschüre gegen ihn erhobenen Vorwurf, er habe durch seine Verständigungsversuche mit England beim Ausbruch des Krieges die rechtzeitige Mobil- machung verzögert. Unter stürmischer Zustimmung forderte der Kanzler gegenüber dem Anonymus, der vorgibt im Namen einer niederdeutschen Bismarck-Runde zu sprechen: „Herunter mit der Maske, damit man sieht, wer sie trägt I" Diese Broschüre trägt den Titel:„Das Deutsche Reich auf dem Wege zur geschichtlichen Episode" von Junius Alter. Mit gleicher Heftigkeit verwahrte sich Herr v. Bethmann Hollweg gegen eine Broschüre des Generalland- schaftsdirektors Kapp, der ihm vorgeworfen hat, seine Parole zur Einigkeit fange an, dieselbe unglückliche Rolle zu spielen wie das nach Jena 1806 gefallene„hochverräterische" Wort:„Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!" Der Kanzler sprach dabei in sehr starken Worten von„Schmähungen und Ver- leumdungen" und rief in den Saal hinein:„Ich nehme den Kampf dagegen auf!" Gegen den Schluß seiner Rede prägte Herr v. Bethmann das sehr treffende Wort von den„Piraten der öffentlichen Meinung, die Mißbrauch treiben mit der Flagge der natio- n a l e n Ehr e". Er verwahrte sich gegen den Vorwurf, daß er sich in seiner Politik nur stütze auf die Sozialdemokraten, Flaumacher und Pazifisten und erklärte, daß er in diesem Kriege, in dem es nur Deutsche gebe, sich nicht an Parteien j halten könne. Er glaubte das Verschwinden der alten Partei- gegensätze nach dem Kriege prophezeien zu sollen und schloß � mit einer Ueberleitung zum Kriege und der Versicherung, � daß das deutsche Volk weiterkämpfen werde bis zum Siege.! Die Rede, über deren Einzelheiten noch viel zu sagen sein, wird, machte im Reichstage großen Eindruck. Man hielt sie � ziemlich allgemein für die bedeutsamste Rede, die der Reichs- kanzler bisher gehalten hat. Wahrscheinlich wird sie bereits i morgen in den Etatsdebatten des Reichstages ihren Widerhall und Nachklang finden. Wühlereien gegen üen Kanzler. Neber die eifrige Propaganda nationalliberaler und konservativer Kreise, gegen die der Reichskanzler gestern im Reichstag polemisiert hat, schreibt Tbeodor Wolfs im.Berl. Tageblatt": .Die Konservativen und die Nationalliberalen mit alldeutscher oder schwerindustrieller Herzensneigung, die am Mittwoch im Reichs- tag daß Wort nahmen, werden hoffentlich nicht behaupten wollen, auch sie wirkten für die Einigkeit. Die meisten von ihnen— nicht die unklar phantasierenden, beifallsüchtigen Mitläufer— erstreben ein ganz anderes Ziel. Weil sie fürchten, daß nach dem Kriege ihre Macht sich mindern, das Voll sich selbständiger fühlen, ein neuer Geist leucbten könnte, suchen sie das Mtitel, daS ihnen erlauben soll, die VolkSstimmung von so fatalen Wegen abzulenken, den Sinn der Menge noch einmal zu trüben und zu verwirren. Sie glauben, das Mittel gefunden zu haben, und verwenden e» mit jener Rücksichtslosigkeit, mit jener Gleichgültigkeit gegen allgemein- politische Jnleresien, die ihnen eigen ist. Die Klügeren von ihnen wisien ganz genau, und müssen seit den geheimen Ausschuß- i sitzungen wisien, waS der Konflikt mit Amerika für die weitere Kriegführung bedeutet hätte, und wie dt» Unter- .ieeboolfrage in Wahrheil liegt. Aber sie schieben die völlig � einwandfreien Gründe, die man ihnen hinter verschlosiener Tür gegeben hat, mit einer Kiastgeste beiseite und weisen jede lachliche Aufklärung zurück. Ihre Absicht ist, dem volle hinterher zu sagen:»Diese mit Sozialdemokraten und Lide- ralen verbündete Regierung hat. gegen unseren Willen, den besten Augenblick und die besten Möglichkeiten zur völlige» Nieder- wersung Englands verpaßt: diese Gesellichast von Flau- machern und Schwächlingen ist schuld an der langen KrtegSdauer, eicaelera." Gleichzeitig stellen sie in Reden, Denkschriften, Petitionen, heimlich verschickten Flugblättern unmögliche KriegSziele auf. fordern sie die Sonne und den Mond. Hinterher möchten sie erklären können:»Das hätte Deutschland erreicht, wäre man un» gefolgt." Die Mehrheit deS Publikums ahnt nicht, wieviel»als Handschrift gedruckte" Pro- schüren, anonyme Heftchen, vertrauliche Rundschreiben unbekannter Patrioten gegenwärtig von einer Hand in die ander» gehen. Mit berechtigter Neugierde fragt man sich, wer den Druck, da« Papier und da« Porto bezahlt. So soll dafür gesorgt werden, daß sich eine nationalistische lleberretzung erhält. Jene natio- nalistische Ueberreizung, die keine nationale, volkstümliche Enlwick- lung aufkommen läßt. Dieses ganze Unternehmen wird mißlingen, weil e« sich zu offenkundig verrät. Man wird nach dem Krieg» anders als heute sprechen können, wird nicht mehr gezwungen sein. Gründe und Material hinter verschloffenen Türen auszubreiten, und da« Publikum wird hören und sehen. E« wird auch außerordentlich leicht sein, darzulegen, ob in de» letzten Jahrzehnten die velätigung der jetzt so selbstbewußt austretenden Personen und Parteien genützt oder geschadet hat. Wenn man sich recht erinnert, haben doch sie die deutsche Politik in jene Situation, die wir vor dem Krieg« kannten, gebracht. Auf ihr besondere« ver langen und unter ihrem lauten Beifall wurde, hier und von wenigen anderen Kritikern bekämpft, die Marokkogeschichte in die bekannten Wege gelenkt. Um ihren Wünschen und Abneigungen zu genügen, geschah vieles, wa« dem stanzöstsch englischen Zusammenschluß höchst förderlich war. Wie sie e« heute tun, so begünstigten sie früher jene Agitation, die den deutsch- feindlichen Elementen in der ganzen Welt gestatteten, von Hegemonieplänen Deutschlands zu sprechen, überall Mißtrauen gegen Deutschland zu säen. Und wie können sie sich über die diplomatische Führung beklagen, da doch die Führung seit langem ihnen gehört? Bei ihrem heutigem Auftreten, wie bei ihrem früheren, sind sie verbündet mit hervorragenden Kreisen der Kriegsindustrie." In der»Deutschen TageSztg.' antwortet darauf Graf v. Reventlow: »Bereit» am b. April 1010 erklärt« in de»»Deutschen Tage«- zeitung' der Reichstagsabgeordnete Herr Dr. Roeficke in einem Artikel»Gegen Legendenbildung"! Die Aeußerungen de«»Berliner Tageblattes' und de».Lokal-AnzeigerS" über dte geheimen ver« Handlungen der ReichStagSkvmmisfion in der A-BoolSfrag« hätten den falschen Eindruck erweckt,»als ob durch die Ausführungen der Rcichsleitung erwiesen worden sei, daß die Anträge und Dar- legungen der Nationalliberalen und Konservativen auf u n z u l S n g- licher Sachkenntnis beruht hätten". Solche Darlegungen widersprächen den Tatsachen. Was ein Konflikt mit Amerika für die Kriegführung bedeutet haben und bedeuten würde, haben selbstverständlich jene Konser« vativen und Nationalliberalen genau gewußt und wisien e» auch heute. In der»Deutschen Tageszeitung' ist unser Standpunkt, so« lange es möglich war, ausführlich dargelegt worden. Die geheimen Ausschußsitzungen haben diejenigen Parteien überzeugt, die sich über« zeugen lassen wollten. Die anderen haben sich, weil sie über Sach« kenntnis und Urteil verfügten, nicht überzeugen lasien und stehen heute, ebenso wie wir übrigen«, genau auf dem gleichen Standpunkt wie früher, ja, nach manchen in- zwischen»ingetretenea Ereignissen» kortiori(in verstärktem Maßej."___ Zur Seeschlacht am Skagerrak. Eine Erklärung üer englischen /lümiralität- London, 6. Juni.(W. T. B.) Die Admiralität veröffent- licht folgende Erklärung über die Schlacht in der Nord- s e e: Als die Hauptmacht der britischen Flotte mit der deutschen Hochseeflotte in Fühlung kam. genügte ein sehr kurzer Kampf, um letztere, die schon schwere Einbuße erlitten hatte, dazu zu zwingen, Schutz zu suchen. DieS gelang, da infolge de» unsichtigen Wetters und des Nebels die britische große Flotte nur ab und zu in vor- übergehende Berührung mit dem Feinde kommen konnte und kein Dauergefecht möglich war. Die Verfolgung wurde fortgesetzt, bis es ganz finster wurde. Aber die britischen Zerstörer vermochten auch während der Nacht erfolgreiche Angriffe auszuführen. Nach- dem Jellicoe den Feind in den Hafen getrieben hatte, kehrte er zurück und fuhr den hauptsächlichsten Schauplatz des Gefechts auf der Suche nach havarierten Schiffen ab. Donnerstag mittag, als e« klar war. daß nichts mehr zu tun übrig blieb, kehrte die Flotte nach ihrer 100 Meilen entfernten Basis zurück, ergänzte die Heiz- Vorräte und war Sonntagabend wieder bereit, tn See zu stechen. Die britischen Verlust« wurden im vollen Umfange veröffentlicht. E» scheint all« Ursach« zur Annahme zu bestehen, daß die Deut- schen zwei Schlachtschiff« und zwei Dreadnought-Schlachtkreuzer der größten Type, zwei von den neuesten leichten Kreuzern, nämlich die.Wiesbaden" und dte.Elbing", einen leichten Kreuzer vom Rostockthp, den leichten Kreuzer.Frauenlob" und arindestenS neun Zerstörer und ein Unterseeboot verloren haben. Eine Erklärung Ehurchills. 4. Juni.(W. T. v.) Meldung d eS Reuterschen Bureau«.) DaS Preßbureau veröffentlicht folgende Er« k l ä r u n g Churchill«, der sich auf die Berichte der Admiralität stützt. Ehurchill sagt: Folgende Tatsatben scheinen festzustehen: 1. Die Ueberlegenheit der britischen Flotte an Großkampfschiffen � hängt von den UeberdreadnoughtS ab, die mit tS.b- und 1b zölligen Kanonen bewaffnet find. Diese sind an sich ausreichend zur Er« Haltung der Herrschaft über die Meere. Von diesen Einheiten, auf die e« ankommt, verloren wir nur eine, die»Queen Mary". Es scheint außer Zweifel zu stehen, daß die Deutschen mindestens ein damit vergleichbare« Schiff verloren. Sollte das die»Lützow" oder die.Derfflinger" sein, so ist daS ein schwererer Verlust für sie al« die „Queen Mary" für uns. L. An Schiffen zweiter Ordnung verloren wir den.Jndefatiaable" und.Jnvincible", dt« gegenwärtig nicht als erstklassige Einbetten rangieren. Ein Dreadnought-Schlachtschiff der Westfalenklaffe wäre dem Verlust jede» der beiden Schiffe vergleichbar. Die Panzer- kreuzer»Black Prince",»Defence" und.Warrior" gehören zu den Schiffen dritter Ordnung, tn deren Zahl wir den Deutschen sehr überlegen find. Die Versenkung von zwei funkelnagelneuen beut- schen letchten Kreuzern, nämlich der.Wiesbaden" und der.Elbing", ist für den Feind ein viel unangenehmerer Verlust. Die Verluste an Zerstörern scheinen ungefähr gleich zu sein, und da wir die Stärkeren find, haben wir auch gewonnen. Unsere Flottillen suchten seit langem nach solcher Gelegenheit. V. DaS Verhältnis unserer Ueberlegenheit ist in keiner Weise verändert. Dte Entsendung von Truppen nach dem Kontinent kann mit der größten Freiheit fortgesetzt werden, ja der erschütterte Zustand der deutschen Flotte bietet un« um so größere Sicherheit. 4. DaS unsichtige Wetter, der Einbruch der Nacht und der Rück- zug des Feinde» vereitelten dte hartnäckigen Bemühungen unserer vorzüglichen Kommandanten Jellicoe und Bealty, eine endgültige Entscheidung zu erzwingen. Obwohl es unmöglich war, die deutsche Hauptflotte dazu zu zwingen, eine Schlacht anzunehmen, so sind die Schlüsse, zu denen man gelangt ist, doch von allergrößter Bedeutung. Es sind jetzt auf beiden Seiten alle Schiffslypen miteinander im Kampf gewesen, und wir wisien, daß uns keine Ueberrafchungen oder unvorhergesehene Dinge erwarten. Man kann einen genauen Maßstab an die Stärke deS Feindes anlegen, und es ist auch die letzte Unsicherheit über seine definitive Unterlegenheit beseitigt. Die schnelle Division der Oueen-Elisabeth- Schiffe scheint alle an sie gestellten Hoffwrngen gerechtfertigt zu haben. Unsere tapferen Matrosen hielten sich ausgezeichnet und die Offiziere sind gestorben, wie sie sich gewünscht haben zu sterben, im blauen Waffer. Wenn das Gefecht studiert wird, wird sich mehr und mehr herausstellen, daß e» ein definitiver Schritt zur Erreichung de« vollständigen Sieges gewesen ist. (A n m. de« W. T. B.: Nach Churchill ist also der überzeugendste Beweis der Ueberlegenheit eine Niederlage.) Noch eine englische Darstellung. London, 4. Juni.(W. T. B.) Reuter meldet über die Seeschlacht au? Edinburg: Der Morgen war außergewöhn- lich schön, mit ruhiger See. Um ungefähr 4 Uhr nachmittags, als das Geschwader des Admirals Beatty sich etwa 100 Meilen westlich der dänischen Küste befand, meldete die Vorhut, daß der Feind mit ungefähr 100 Schiffen in Sicht sei. Darunter waren minde- stens 20 Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer. Die Vorhut bestand aus zahlreichen leichten Kreuzern und Zerstörern und die ganze Armada dampfte rasq in nordwestlicher Richtung heran. Die Be- dingungen waren alle für die Deutschen günstig, die auch den Vorteil besaßen, dte Küste hinter sich zu haben, so daß ihnen der Rückzug gesichert war. Auch die atmosphärischen Bedingungen waren für die Deutschen günsttg. DaS Wetter hatte sich verändert, ein feiner Staubregen behinderte die Aussicht. Während die eng- tischen Schiffe, mit der Sonne im Westen hinter sich, deutlich ficht- bar waren, konnten die Deutschen ihre Streitkräfte mehr oder weniger verbergen. Trotzdem zögerte Admiral Beatty leinen Augenblick, zum Angrift überzugehen. Mit schweren Kanonen wurden die ersten Schüsie auf ungefähr lb Seemeilen Abstand gewechselt. Nach den Wassersäulen, die rund um die vorgeschobenen englischen Schiffe aufstiegen, konnte kein Zweifel bestehen, daß die großen deutschen Schlachtschiff« im Gefecht standen und ihre vollen Lagen auf unsere Vorhut abfeuerten. Obwohl der berühmte neue „Hindenburg" niclit amtlich erwähnt wurde, ist anzunehmen, daß er bei dieser Gelegenheit schwer beschädigt wurde. Die Entfernung, in der Geschosse gewechselt wurden, verwindet« sich rasch von 15 auf lO und später auf b Seemeilen. Die englischen Kanoniere waren bald im Vorteil und man sah, kurz nachdem die Schlacht begonnen hatte, daß ein großer deutscher Kreuzer einen Treffer erhielt. Einen Augenblick später war er in Flammen gehüllt und sank fast sofort. Jetzt nahmen auch die großen deutschen Schlacht- schiffe an dem Kampf teil und ihre gewaltige Geschützkraft gewährte den Deutscher einen bedeutenden Vorsprung. Einer der ärgsten Feinde der Briten war das deutsche Minenfeld, das das britische Geschwader am freien Manövrieren hinderte, während die deutschen U-Boote und die Zeppeline unbehindert ihre Arbeiten verrichten konnten. Beatty beschloh, den Feind zu zwingen, in voller Stärke auf dem Kampfplatz zu bleiben. Mit der Hartnäckig- keit von Bulldoggen bekämpften unsere Kreuzer im Vertrauen darauf, daß Verstärkungen unterwegs seien, den Feind, obwohl sie in der Minderzahl waren. Nachdem der Kampf ungefähr zwei Stunden gedauert hatte, tauchten der„Jnvincible" und der ,,Jn- flexible" am Horizont auf. Die Deutschen waren noch immer in der Ueberzahl und auch das Lichtvcrhältnis hatte sich nicht zu- gunsten der Briten geändert. In diesem Abschnitt der Schlacht wurde hauptsächlich mit schweren Kanonen gekämpft und der Lärm war über alle Beschreibung entsetzlich. Der.„Jnvincible" ging, nachdem er mit dem größten Heldenmut gekämpft hatte, rasch unter. Beatty atmete auf, als 4 Schlachtschiffe der größten Klasse, nämlich„Valiant",„Barbam",„Malaya" und„Warspite" am Horizont erschienen. Als sie sich am Kampf beteiligten, änderte sich dieser sofort. Tie„Warspite" wurde sogleich von fünf deut» schen Schlachtschiffen oder Kreuzern angegriffen, bedeckte sich mit Ruhm und brachte drei der Angreifer zum Sinken oder fügte ihnen doch jedenfalls sehr schweren Schaden zu.„Valiant" rammte ein feindliches U-Boot und bohrte es in den Grund. Die Deutschen begannen nun zu fliehen. Die Leute von Jellicoes Flotte waren über diese Weigerung der Deutschen, den Kampf auszufechten, aufs yöchste entrüstet. Bei Anbruch der Dunkelheit stellten die großen Schiffe das Feuer ein, aber der Kampf wurde während der Nacht vis zum Tagesanbruch von den kleineren Schiffen fortgesetzt. Dann kehrte die englische Flotte nach den verschiedenen Häfen zurück, davom Feinde keine Spur mehr zu entdecken war. Das Urteil auslänöifcher Hlätter. New Dork, 4. Juni.(Durch Funkspruch vom Vertreter des W. T. B.) Die Zeitungen widmen dem deutschen Seesiege, der das ganze Land elektrisiert hat, mehr als drei volle Seiten. Sie machen keinen Versuch, den surchtbaren Stoß zu verkleinern, der dem englischen Seestolze versetzt worden ist. Die Ueberschriften, die über die ganze Breite der Seite laufen, lauten: Die Deutschen zertrümmern die englische Flotte! England verliert die größte Seeschlacht der Welt! Ein Leitartikel von „Times" sagt: Bei dem ersten großen Zusammen- stoß zwischen den Seestreitkräften Deutschlands und Englands erlitten die Engländer eine Niederlage. Ver- antwortlich dafür ist die Strategie, die Taktik, die Ausbildung im Kampfe und das Glück. Das Er- gebnis muß den englischen Seestolz dämpfen und die Deutschen ermutigen. Dies ist die erste große offene See- schlacht des Krieges, und sie ist den Engländern schlecht be- kommen. Das Blatt erinnert weiter an den Ausspruch von Churchill, die Engländer würden die Deutschen, wenn sie nicht aus dem Kanal von Kiel herauskämen, gleich Ratten aus- graben.„Tribun e" nennt das Ergebnis des Kampfes einen klaren Sieg von noch nicht abzusehender Größe und sagt weiter, das Ereignis werde voraussichtlich in England eine größere Bestürzung hervorrufen, als alle englischen Miß- erfolge seit Kriegsbeginn. Es sei klar, daß die britische Flotte nicht überrascht wurde.„World" sagt: Die Deutschen haben die größte Seeschlacht der modernen Geschichte gewonnen. Die deutschen Verluste sind gering im Vergleich zu denen der englischen Flotte. Es ist klar, daß die britische Flotte von ihrem Gegner niedermanövriert, zusammengeschossen und niedergefochten wurde.„S ü n" sagt: Die deutsche Flotte ist herausgekommen und hat einen glänzenden Sieg erstritten. Bern, 4. Juni.(SB. T. B.) Trotz aller Bemühungen, die See« schlacht am Skagerrak als deutsche Schlappe hinzustellen, wo- bei mit allerlei phantastischen Meldungen von keuschen Schiffs- Verlusten gearbeitet wird, können die Pariser Blätter doch nicht umhin, die ernsten Verluste der englischen Flotte anzuerkennen. Am ehrlichsten wird St.-Brice im„Journal" der wirklichen Lage ge« recht; er schreibt u. o.: DaS Zusammentreffen, das deutscherseits sehr gewagt war, hat einen etwas konfusen Charakter; eS entbehrt der eigentlichen Entscheidung und ist nicht ohne einige Unschlüssig» leiten auf englischer Seile. Angesichts der vernichtenden Ueberlegen- heit, über die die englische Flotte verfügte, sollte eigentlich eine Ueberraschung außerhalb der Vermutungen stehen. Das englische Geschwader, das offenbar in ein Wespennest geraten war, wurde hart mitgenommen. Die Bilanz ist schlimm, namentlich wegen der hohen Mannschastsverluste. Ueber die zweite englische Meldung, die „Journal" nur zum Teil genau, zum Teil aber hypothetisch nennt, heißt es: Wir werden bald wissen, wie weit diese Meldung richtig ,>t. Denn die deutsche Regierung hat sich bei aller Phantasie in ihrer Mitteilung zum Grundsatz gemacht, nichts zu verheimlichen, was doch bekannt werden mutz. Man darf ferner nicht vergessen, datz es bei einer Seeschlacht auf grotze Entfernung sehr schwierig ist, die gegnerischen Verluste zu erkennen. Stockholm, ö. Juni.(W. T. B.) Die schwedische Presse beschäftigt sich weiter in langen Leitartikeln mit-dem deutschen See- sieg. Zu den Behauptungen der Entente schreibt„Stockholms Dagblad": Die englische und die französische Presse suchen den englischen Mißerfolg möglichst zu bemänteln, der für das Ansehen ser englischen Flotte kaum günstig sein kann, denn, wenn auch ihre Ueberlegenheit nicht allzusehr erschüttert ist, mutz es doch zu dchuen geben, daß so große Verluste überhaupt möglich waren. Daß die Nachrichten aus der Nordsee tiefen Eindruck gemacht haben, geht unzweideutig aus den Kommentaren hervor, die die Verluste zu erklären suchen.—„S ve n s k a Dagblad" meint: Ganz natür- iich hätten die deutschen Verluste einen ganz anderen Umfang ange- »ommen, wenn die gesamte gewaltige und überlegene englische schlachtflotte Zeit gefunden hätte, einzugreifen. Daß die Deut- schen, als dies bevorstand, die Schlacht von selber beendeten und sich in ihre Häfen zurückzogen, ist nur folgerichtige Durchführung einer geschickt begonnenen Taktik, durch die sie den großen glänzenden sieg erfochten haben. Jeder kann leicht einsehen, welchen Stoß ein solcher deutscher Sieg für das englische Selbstbewußtsein be- deutet. Gewiß ist auf beiden Seiten seemannsmäßig tapfer ge- kämpft worden, aber das verhindert nicht, datz der erste Eindruck der Schlacht der ist, datz England ein Nelson fehlt, den es brauchen würde, um auch fernerhin zu dem alten„Rule tlie wavcs" imstande zu sein. Der französische Tagesbericht. Paris, 5. Juni.(SB. D©.) Amtlicher Bericht von Sonntag nacbmittag. Auf dem rechten Ufer der Maas machten die Deulschen gestern gegen Ende des Tages mehrere Ver- suche, das Fort Vaux von Südwesten zu umzingeln. Gegen 8 Uhr gelang es ihnen bei einem starken Angriff, in den französi- schen Gräben in der Schlucht zwischen Damloup und dem Fort Fuß zu fassen, aber ein sofortiger Gegen- angriff warf sie gleich wieder vollständig zurück. Ein zweiter deutscher Angriff auf dieselbe Stelle scheiterte im Feuer unserer Artillerie. In der Gegend westlich vom GeHöst Thiaumont wurden die Kämpfe in der Nacht mit Granaten fortgesetzt. Auf dem linken MaaSufer und auf der übrigen Front mäßige Tätigkeit der beider- seitigen Artillerien. Mw Des«eii AUMliers. Amtlich. Gr. Hauptquartier, 5. Juni 1916.: Wir werden Sie um Rat fragen. Heiterkeit.) Galizische. polnische nnd andere Arbeiter werde« Sie nicht mehr bekommen. Das einzige Mittel, Arbeiter auf das Land zu bekommen, ist die moderne Laildsklaverci aufzuheben und den Landarbeitern die Rechte nnd den Schutz der gewerblichen Arbeiter zu geben.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Der Lex Grober(Aushebung des Sprachenparagraphen) stinnnen selbst- verständlich auch wir zu. Auch dem■kleinsten Fortschritt für die Gewerkschaften hätten wir gern zugestimmt! dieses Gesetz aber ent- bält keinen Fortschritt, sondern nur neue Gefahren für die Gewerkschaften. Dafür können wir die Verantwortung nicht über- nehmen, wir müssen das Gesetz daher ablehnen.(Lebhafter Beifall bei der Soz. Arbg.) Abg. Dr. Lasziuski(Pole): Eine Aenderung des Reichsvereinsgesetzes ohne Aufhebung des Sprachenparagraphen reißt nur die Wunden der Polen auf und macht ihre Ausnahmestellung von neuen: deutlich und würde es ver- ständlich machen, wenn die Polen sie ablehnten. Trotzdem werden wir der Vorlage zustimmen, in der Hoffnung, daß nach den Er- klärungen der Regierung in der Kommission zu erwarten ist, daß die Polen nicht weiter schikanös behandelt werden sollen. Die Abstimmung über den zweiten Gesetzentwurf(Aufhebung des Sprachenparagraphen) wird auf Antrag S e Y d a(Pole) eine namentliche sein. Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich wiederhole die in der Kommission abgegebene Erklärung, daß Berufsvereine nicht deshalb als politisch angesehen werden sollen, weil sie aus Reichsangehörigen nichtdeutscher Nationalität be« stehen.— An der Beratung über die Initiativanträge aus dem Hause wird die Regierung wie auch früher sich nicht beteiligen.— Der Gesetzentiourf der Regierung enthält lediglich eine Deklaration des bestehenden Gesetzes. Dagegen glaubte die Regierung, auf einenr umstrittenen Gebiet keine Acnde- rung eintreten lassen zu sollen, solange der Krieg dauert. Jetzt gehören alle Arbeiten und alle Tatkraft dem Krieg. Wenn das Ergebnis des Weltkrieges mit dem rechten Geist ausgenommen wird, so wird der Geist der Einigkeit, der Brüderlichkeit, der gegenseitigen Achtung auch über den Krieg hinaus erhalten bleiben und sich frucht- bar criveisen. Auf diesem Boden werden wir nach dem Kriege wcilerbaucn.(Beifall.) Abg. Haussen(Däne) fordert die endliche Aufhebung des Sprachenparagraphen, dieses „Schandflecks" des Reichsvereinsgesetzes. Abg. Kerschenstciner(Vp.) erkennt die Notwendigkeit der Heraushebung der Gewerkschaften aus den politischen Bereinen nnd die Notwendigkeit, ihnen die Freiheit zur Erreichung ihrer Ziele zu geben, an, hat aber trotzdem pädago- gische Bedenken gegen die Zulassung Jugendlicher zu politischen Ver- einen. Wenn gesagt wird, welches der Unterschied zwischen öffent- lichen und nicht öffentlichen Versammlungen sei. so sage er, in nicht öffentlicken Versammlungen waschen sich die Mitglieder gegenseitig die Köpfe, in öffentlichen waschen sie die Köpfe der anderen.(Große Heiterkeit.) Davon müßten die Jugendlichen aus pädagogischen Gründen ferngehalten werden. Die Jugendlichen müßten erzogen werden zur Duldsamkeit und zur Achtung der Ansichten anderer; sie müßten erkennen, daß das Interesse am Slaatsleben ein gemeinsames ist. Eine Jugend ohne , StaatSgesinnung sei immer em Unglück. Das bedeute in keiner ' Beziehung eine Kritsk der Tätigkeit der Gewerkschaften: er ver«. traue- darauf, daß die Gewerkschaften weiter arbeiten werden an der sittlichen Erziehung der Jugend, aber Versammlungen ieien dazu nicht erforderlich. Man müste erkennen, daß allein über die Autorität der Weg zur Freiheit geht. Abg. Schulz-Erfurt(Soz.): ES tut mir in der Seele weh, daß ich Herrn Kerschensteiner in der Gesellschaft von Herrn Oertel sehe.(Heilerkeit.) Wir bedauern. daß die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft Arm in Arm mit der äußersten Rechten das Gesetz ablehnt; ich bin überzeugt, die Entwickelung wird uns recht geben. Es liegt uns fern, die Jugend m das parteipolitische Getriebe hineinzuziehen, aber die GeWerk- schaften können ohne Versammlungen nicht den erforderlichen Einfluß auf die Jugendlichen ausüben. In der gegenwärtigen schweren Kriegszeit gelangen auch junge Leute anderer Gesellschaftsklassen zu starker Kritik der GefellschastSzustände. Bei den jungen Leuten aus dem Arbciterstande ist dies zu allen Zeiten selbstverständlich. Sie können gar nicht mit gleichaltrigen G>»mnasiasten verglichen ' ivcrden, denn sie- stehen bereits im Berufsleben und lernen den Ernst des Lebens ganz anders kennen. Für ihre Weitererziehung ist nichts so wichtig, Jwie die Tätigkeit in den Gewerkschaften.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wer nicht weiß, was die Ge- iverkschaften für die körperliche und geistige Erziehung der Arbeiter- jugend bisher schon geleistet haben, sollte bei dieser Angelegenheit überhaupt nicht mitreden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) — Die Erziehung des proletarischen Nachwuchses wird auch in Zu- kunft ganz selbstverständlich im Geiste der sozialdemokratischen Welt- anschanung geschehen. Wir müffcn uns verbitten, diese Welt- anschauung etwa für moralisch anrüchig zu erklären und das durch die Gesetzgebung etwa zum Ausdruck zu bringen.— Der Vorlage stimmen wir zu, so wenig sie auch bringt. In der Kommission hat man das Gesetz eine Omelette genannt, hier hat man von den Brosamen des Gesetzes gesprochen. In dieser Kriegszeit haben wir auch Eier und Brosamen schätzen gelernt und iverden daher für das Gesetz mit seinen ganz geringen Fortschritten stimmen. Wenn wir gegen die weitergehenden Anträge stimmen, so nicht wegen ihres Sinns und Inhalts, sondern um das Zustande- kommen deS Gesetzes nicht zu gefährden. Wir geben uns auch der Erwartung hin, daß gleich nach der Erledigung dieses Gesetzes die Regierung dafür sorgt, daß alle schikanösen Maßnahmen unterbleiben. (Beifall bei den Soz.) Abg. Dave(Vp.): Die Anschauungen des Kollegen Kerschensteiner in bezug auf das Vereinsgesetz, speziell die Teilnahme der Jugendlichen am politischen Leben decken sich nicht mit den Anschauungen unserer anderen Freunde. Nebrigens handelt es sich hier vor allem um die Teil- nähme der Jugendlichen am gewerkschaftlichen Leben, und die Ge- werkschaften haben bewiesen, daß sie das Vertrauen verdienen, das wir ihnen entgegenbringen.'(Beifall bei der Freisinnigen Volks- Partei.) Abg. Stadthage»(Soz. Arbg.): Mit den Herren rechts stimmen wir öfter zusammen, die Herren rechts lehnen das Gesetz ab, weil sie fürchten, es wird etwas ge- geben, wir dagegen, weil zu wenig gegeben wird. Herr Kollege Schulz sprach von Brosamen, es sind aber vergiftete Brosamen. iPräsident Kneuipf rügt diesen Ausdruck.) Ohne unsere ständig verneinende Haltung hätten wir auch das� bisher noch nicht erreicht, was in Deutschland erreicht ist, und Sie, Herr Kollege schulz, würden dann überhaupt nicht hier sitzen.(Sehr wahr I bei der Soz. Arbeitsgemeinschaft.) Das Gesetz bringt keine Verbesserung, sondern Verschlechterungen. Die verschiedenen Auffassungen über den Sinn des Gesetzes traten schon hier in der kurzen Debatte zutage. Heine sagte, das Gesetz sei nicht deklaratorisch, sondern bringe etwas Neues. Legien fragte am 10. Mai hier und dann in der Kommission, wie es mit den öffentlichen Versammlungen der Gewerkschaften stehe, ob die Teilnahme der Jugendlichen daran gehindert werden solle. Die Antwort lautete, Jugendliche dürfen nicht daran teilnehmen. Herr Oertel bestritt da« zwar, aber Herr Müller- Meiningen widersprach ihm/ und zwar mit Recht; solange der Z 3 besteht, ist ja auch eine andere Auslegung nicht möglich. 191L be- zeichnete der Abg. Bauer die Rede Delbrücks, das Schulrecht und das Vertragsrecht können das Koalitionsrecht beschränken, für die reaktionärste Rede, die er jemals gehalten. Ministerialdirektor Lewald behauptet jetzt, jener Rede des Staatssekretärs Delbrück habe niemand widersprochen. Der Abg. Heine meinte, unsere Stellung zu dem Gesetz sei heute ebenso wie 1806 und 1899. Er irrt. 1896 erzwangen wir durch unsere Anträge die Erklärung des Reichskanzlers, daß das Verbindungsverbot der politischen Vereine noch vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches autgehoben werden würde. Das gegenwärtige Gesetz ist ein Danaergeschenk, auf das der moralische Katzenjammer folgen wird. Leider werden darunter sämtliche Organisationen der Arbeiter zu leiden haben. (Lebhafte Zustimmung bei der Soz. Arbg.) Abg. Graf Westarp(kons.): Ein Teil meiner Freunde wird dem Gesetz nicht zustimmen. Wir halten eine vorzeitige Regelung eines Teiles des Vereins- gesetzes nickt für angebracht. Für die schlietzliche einheitliche Regelung des ganzen Vereinsgesetzes behalten wir nnS die Stellungnahme vor. Damit schließt die Debatte. Unter Ablehnung aller Abänderungs- anträge wird der Gesetzentwurf gegen die Stimmen der Rechten und dev Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft angenommen. Die dritte Lesung wird sofort vorgenommen und auch in dieser das Gesetz mit der gleichen Mehrheit angenommen. Die namentliche Abstimmung über das zweite von der Kom- Mission vorgeschlagene Gesetz(sogenannte Lex Gröber auf Aufhebung des Sprachenparagraphen) und die Abstimmung über die Resolutionen wird zurückgestellt. Es folgt die dritte Beratung deS Kriegssteuergesetzes. Abg. Scheidemann,(Soz.): Die sozialdemokratische Fraktion ist bereit gewesen zur Mit- arbeit bei der Beschaffung der Mittel, die zur Leistung der aus dem Kriege erwachsenen außerordentlichen Lasten erforderlsth sind. Dies kann aber nicht dazu führen, neuen Belastungen des Verkehrs und Verbrauchs, durch die in erster Linie die Massen aller kleinen Geschäftsleute und Arbeiter, der mittleren und unteren Beamten be- lastet werden, zuzustimmen. Das deutsche Volk ist heute schon in so hohem Maße belastet mit indirekten Steuern, die die Lebens« Haltung erschweren, daß schon darin eine schwere Schädigung der Volksinteressen liegt. Wir haben diese V o l k s b e l a st u n g stets bekämpft und bekämpfen sie auch jetzt. In der gegenwärtigen Zeit ist die Ablehnung neuer Verbrauchs- und Verkehrs- abgaben für uns doppelte Pflicht, weil die Massen der Verbraucher durch die Kriegsleuerung in ihrer Existenz stark gefährdet sind und weil der Verkehr in der Kricgszeit und in der schwierigen Zeit des Ueberganges zur Friedens- Wirtschaft am wenigsten neue Belastungen verträgt. Wir lehnen darum die Erhöhung der Tabakbesteuerung, ebenso auch die Verkehrs- steuer als den wirtschaftlichen Interessen der Verbraucher und der Wiederbelebung unserer Volkswirtschaft schädlich ab. Die für die Balanzierung des diesjährigen Etats erforderlichen Steuern hätten, wie wir es angestrebt haben, sehr wohl ohne neue Steuern auf den Verbrauch und den Verkehr gewonnen werden können durch eine schärfere Heranziehung des Besitzes. Eine solche schärfere Belastung des Besitzes läßt sich schon durch die besonderen Vorteile rechtfertigen, die den Besitzenden aus den Erfolgen der deutschen Kriegführung erwachsen sind. Heute sind wir leider genötigt festzustellen, daß die Opferfreudigkeit der besitzenden Klassen angesichts der schweren Not- läge des Landes versagt hat und daß die Taten, die in den Be- schlüssen deS Hauses zum Ausdruck kamen, den Worten der patriotischen Hingabe, die hier besprochen worden sind, in keiner Weise entsprechen. Das Kriagssteu�rg�setz beruht aiff der Anerkennung der Tatsache, daß der- Krieg durch die Wirkung-des kapitälistischen Systems für eine, kleine Minderheit zur Ouclle ungeheuerer Be- reicherung geworden ist. Seine Grundgedanken billigen wir rück- haltlos. Die Beschlüsse zweiter Lesuug entsprechen allerdings nicht den Ansprüchen, die mindestens an ein Kriegssteuergesetz gestellt werden müssen. Da aber durch das Gesetz nur der Besitz getroffen wird, stimmen wir ihm zu in der Erwartung, daß der Gedanke, den ins massengroßs gewachsenen Bedarf des Reiches auS Steuern auf den Besitz zu decken, in erheblich erweitertem Umfange bei der nach dem Friedensschluß unerläßlichen großen Finanzreform zu konsequenter Durchführung gelangen werde. Dies zu erreichen, ist Sache deS Volkes, das aus der ersten Kriegssinanzreform seine Lehre zieht und für eine entsprechende Vertretung seiner Interessen im Deutschen Reichstag sorgen wird.(Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Haast(Soz. Arbg.): Unsere Haltung zu den Steuergesetzen wird im wesentlichen von folgenden Erwägungen bestimmt. Die Kriegs st euer dient letzten. Endes den, imperiali st ifchen Krieg, den wir verwerfen. Durw die Zustimmung zu ihr wird auch nicht eine für die Arbeiterklasse ungünstigere Besteuerung ab- gewendet. Wir stehen einem festen Block aller bürgenlichen Parteien gegenüber, der für sein Steuerkompromiß hier mit einer Drei- viertelmehrheit geschlossen auftritt. Die Sozialdemokratie ist mit ihrem Stimmengewicht völlig ausgeschaltet. Dieser Steuerblock hat die von der Regierung vorgeschlagene Belastung des Verkehrs und Verbrauchs durch die Ausgestaltung de§ Warenumsatzstempels noch gewaltig vermehrt. Abgelehnt sind dagegen die Anträge der Sozialdemokratie, die darauf gerichtet waren, den gesamten Kriegsgewinn, soweit es sich nicht um kleine Vermögen und Einkommen handelt, der Allgemeinheit zugute kommen zulassen, oder auch nur durch nochmalige Erhebung einer Ouote des Wehr- beitrages oder durch Besteuerung der Erbschaften den Besitz stärker zu erfassen und dadurch Ersatz für indirekte Steuern zu schaffen. Die ganz unzulängliche einmalige Abgabe des Kriegssteuer- gesetzes hat zum Zweck oder mindestens zur Folge, eine wirk- liche Kriegsgewi nn st euer zu vereiteln, wie sie von der großen Masse des Volkes gefordert wird. Sie ist nur ein kümmerliches Feigenblatt für die ungeheuerlichen Lasten, die nament- lich drückend die Arbeiterklasse und den Mittelstand infolge der anderen Steuern treffen. Die Kompromißparteien betrachten selbst ihr Steuerwerk als ein einheitliches Ganzes, an dem sie geschlossen iesthalten. Daß die einzelnen Steuergesetze nicht auch formell mit einander verbunden sind, ist nebensächlich. Dem gesamten Steuer- werk haben die Kompromißparteien den Stempel ihres Klassengeistes aufgedrückt. Sie haben auch das ganze Steuerwerk und alle feine Teile zu verantworten. Wir lehnen die Steuern ab.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Der Frachturkundenstempel, die Tabaksteuer, die Postgebührenordnung und der Warenumsatzstcmpel werden gegen die Stimmen der beiden sozialdemokratischen Fraktionen in dritter Lesung angenommen. In namentlicher Abstimmung wird das Kriegssteuergesetz mit 812 Stimmen gegen 24 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Die Lex Gröber wird in namentlicher Abstimmung mit 263 gegen 74 Stimmen angenommen. Hierauf wird sofort in die dritte Lesung eingetreten. Abg. Seyda(Pole): Wenn die Regierung auch jetzt noch an dem Sprachenpara« graphen festhält, so wird das Volk daraus nur die Folgerung ziehen können, daß nach dem Kriege alles beim Alten bleiben soll. Das Gesetz wird in dritter Lesung angenommen. Es folgt Die dritte Lesung des Etats. Reichskanzler v. Bethmanu Hollweg: Der Reichstag hat soeben mit großer Mehrheit die Steuern be- willigt, die das Reich bedarf, um auch im Kriege eine geordnete Finanzwirtschaft fortzuführen. Der Reichstag hat sich damit den Dank der Nalion verdient und unseren Feinden gezeigt, daß wir auf allen Gebieten bereit und willens sind, auszuhalten. Ich will an diese Worte des Dankes einige allgemeine Bemerkungen an- knüpfen. Vor einem halben Jahre, am 9. Dezember, habe ich zum ersten Male auf Grund unserer militärischen Lage von unserer Friedensbereitschaft gesprochen. Ich konnte das tun in der Zuversicht, daß sich die Kriegslage weiter verbessern würde. Die Entwicklung hat diese Zuversicht bestätigt. Weitere Fortschritte sind gemacht. Auf allen Fronten sind wir noch stärker geworden. (Lebhafter Beifall.) Wenn ich bei dieser Entwicklung damals aus« sprechen konnte, daß wir bereit zum Frieden Ivären, so habe ich das nicht zu bedauern, auch wenn unser Angebot beim Feinde keinen Erfolg gehabt hat. In der kritischen Zeil vom Juli 1914 war es Aufgabe eines jeden vor Gott, vor dem Vaterlande und vor seinem Gewissen verantwortungsvollen Staatsmannes, nichts ungeschehen zu lassen, was in Ehren den Frieden erhaltcu tonnte.(Beifall.) Ebenso haben wir nach, erfolgter Abwehr unserer Feinde nichts, unversucht lassen wollen, was geeignet war, die großen Erschütterungen Europas noch mitten in diesem Kriege abzukürzen. Später habe ich einem amerikanischen Journalisten gesagt, daß Friedensverhand- lungen ihr Ziel nur erreichen könnten, wenn sie von den istaatsmännern der kriegführenden Länder geführt würden ans Grund der Kriegslage, wie sie dir Kricgskartc zeigt. Von der anderen Seite ist das zurückgewiesen worden. Man hoffte, die Kriegslage zu verbessern. Inzwischen hat sich die Kriegs- läge verbessert, zu unseren Gunsten. Wir haben die Uebergabe der englischen Armee von Kut el Amara, die Niederlage und die ge- waltigen Verluste der Franzosen vor Verdun, das Scheitern der russischen Märzoffensive, den gewaltigen Vorbruch der österreichisch- ungarischen Truppen gegen Italien, die Sicherung der Linie vor Saloniki, und in diesen Tagen haben wir mit jubelndem und dank- barem Herzen die Seeschlacht am Skagerrak erlebt.(Brausender Beifall.) So ist die Kriegskarte inzwischen anders geworden. Unsere Feinde wollen auch weiterhin die Augen davor verschließen. (Mit erhobener Stimme): Dann müssen,.dann werden und dann wollen wir weiterkämpfen bis zum endgültigen Siege.(Stürmisches Bravo I) Wir haben das Unserige getan, um den Frieden anzubahnen. Unsere Feinde haben uns mit Hohn und Spott zurückgewiesen. Jedes Friedensgespräch, das wir jetzt beginnen, ist nichtig und nicht zu seinem Ziele führend.(Lehafte Zustimmung.) Verschiedene Staatsmänner in Eng- land und auch anderswo haben den Versuch unternommen, unserem Volke an den Puls zu fühlen und durch partikularistische nnd inner- politische Gegensätze unsere Schlagkraft zu lähmen. Diese Herren leben in merkwürdigen Vorstellungen. Wenn sie sich nicht selbst täuschen wollen, müssen sie selbst dabei bemerkt haben, wie fest der Herzschlag des deutschen Volkes ist.(Lebhafte Zustimmung.) Es gibt keine Einwirkung von außen her, die unsere Einigkeit irgend« ivie erschüttern könnte.(Stürmischer Beifall.) Gewiß, auch wir haben unsere Meinungsverschiedenheiten. Wir haben eingehende Auseinandersetzungen in der Kommission gehabt, wir haben starke Differenzen, namentlich in der H-Boot-Frage und in unseren Beziehungen zu Amerika gehabt, die Ansichten sind schroff aufeinandergestoßen. Aber ich kann und will es hier feststellen, daß in diesen Verbandlungen von allen Seilen die gegenseitige Ueber- zeugung und Absicht geachtet worden ist. Die Verhandlungen sind immer auf sachlichem Boden geblieben. Unsere vertraulichen Aussprachen in der Kommission haben das Bedürfnis nach einer öffentlichen Ausspracke nicht befriedigen können. Welche Gründe uns abhalten, der breiten Oeffcntlichkeit alle die Auf- klärungen zu geben, die sie wünscht, wissen Sie. Ich glaube, wir waren in der'Kommission mit wenigen Ausnahmen einig darüber, daß eine Erörterung dieser Frage vor der breiten Oeffentlichkeit, wenn sie den Gegenstand erschöpfen sollte, das Land schädigen würde. Davon kann ich nicht abweichen. Allerdings, meine Herren, wünsche auch ich die Zeil herbei, wo •; die Zensur mit allen ihren Beschränkungen und Belästigungeit, die nun einmal untrennbar mit ihr verbunden ist, ihr Ende erreicht hat. Ich will die Zensurdebatte von neulich nicht wieder neu beleben. Ich glaube nicht, daß der vorige Mittwoch im Lande den Eindruck eineö sehr erhebenden Tages hervorgerufen hat.(Sehr richtig!) Nur einige wenige Worte will ich sagen. Für jeden von uns gab es nur c i n Ziel, nämlich den Krieg zu einem siegreichen Ende zu führen. Und nur unter diesem Gesichtspunkt soll auch die Zensur arbeiten, mag eS sich um militärische oder politische Dinge handeln. Ich werde dahin wirken, daß in solchen politischen Angelegenheiten, die nur lose rnit der Kriegführung zusammenhängen, der Zensor- st ist so wenig wie irgend möglich angewendet wird. (Beifall.) Tie Presse, die trotz aller Widerwärtigkeiten und Schwierig- leiten in dieser ernsten Zeit ihre schwere Aufgabe mit Pflichtgefühl auffaßt und erfüllt, die soll in gerechter und unparteiischer Würdigung ihrer Ziele nach meinen, Willen so wenig Fesseln empfinden wie irgend möglich.(Beifall.) Das Bestehen der Pressezensur hat einen sehr bedauerlichen Mißstand hervorgerufen, über den ich einige Worte sprechen muß. Ich meine die Treibereien mit geheimen und offenen Denkschriften, die teils anonym, teils mit Namen im Umlauf gebracht sind.(Sehr richtig! links und im Zentrum.) In Hunderten von Exemplaren ist dieser Tage ein anonymes Heft verbreitet worden, das in der Pamphletliteratur, so weit sie mir bekannt ist, an erster Stelle marschiert. sErneute lebhafte Zustimmung links und im Zentrum.) In diesem Heft finden Sie mit der Miene des besorgten Patrioten vorgetragen Dinge aus der politischen Vorgeschichte des Krieges, die eine freie Erfindung, eine Kette von Unrichtigkeiten und Ent« stellungen des wahren Sachverhaltes sind.(Lebhaftes Hört! hörtl links.) Nur ein paar Beispiele. Dieser Mann wagt eS zu schreiben, daß der deutsche Reichskanzler nahe anr Zusammenbrechen gewesen sei, als ihm der englische Botschafter den Abbruch der Beziehungen mitgeteilt habe. Natürlich braucht der Schreiber dieses Heftes das historische Faktum nicht zu wissen, daß der Abbruch der Be« ziehungen bereits einige Stunden vorher in einer Unterredung, die der englische Botschafter mit Herrn v. I a g o w, der in meinem Auftrage handelte, erfolgt war. Der Schreiber braucht nicht zu wissen, daß meine Unterredung mit Sir Edward Goschen, die er im Auge hat, der Abschiedsbesuch war, den mir der britische Bot- schafter machte, und er braucht nicht zu wissen— er kennt nur die englischen Quellen, die ihm gut genug sind, um den deutschen Reichskanzler zu verleumden(Bewegung. Lebhaftes Hört! hörtl links und im Zentrum), daß Sir Edward Goschen bei dieser Unterredung innerlich so erschüttert war, daß ich, weil es sich um einen persönlichen und menschlichen Vorgang handelte, aus natür- lichem Anstandsgefühl es unterlaffen habe, jemals öffentlich davon zu sprechen.(Lebhaftes Hört! hört! links und im Zentrum.) Aber das paßte eben in das Bild: Schwäche des Reichskanzlers! Er st unken und erlogen ist eS.(Lauter Beifall links und im Zentrum.) Weiter heißt es in dem Heft aus der Geheimgeschichte der letzten Wchrvorlage, ich sei der Mann, der sich mit Händen und Füßen gegen die Wehrvorlage gesträubt hat.(Lachen links und im Zenrrum.) Ich rate dem Schreiber dieser Schrift, sich an den damaligen Kriegsminister General v. Heeringen zu wenden. Ich weiß zwar nicht, ob dem General v. Heeringen, den wohl das ganze Haus nur als einen geraden und aufrichtigen Mann und Soldaten kennt, erwünscht sein wird, sich mit einem Verleumder einzulaffen. (Lebhafte Zustimmung links und im Zentrum.) Jedenfalls wird General v. Heeringen bestätigen, daß ich eS gewesen bin, der bei dieser Wehrvorlage für jede Vermehrung der Armee eingetreten ist, daß ich es war. der jede Forderung deS KriegSministers bis auf den letzten Mann vertreten hat.(Hört! hört! links und im Zentrum.) Dann die Behauptung, daß wir Japan vor Kriegsausbruch durch eine große Anleihe auf unsere Seite ziehen wollten. Alles Pbantasiegebilde! So geht es weiter durch das ganze Heft. Lassen Sre mich noch eine der widerwärtigsten Behauptungen näher beleuchten. Ich werde beschuldigt, ich hätte, entgegen dem mili« tärischen Votum, den Mobilmachungsbefehl um drei kostbare Tag e� verzögert, die uns nickt nur einen Teil des Elsaß, sondern lströme von Blut gekostet hätten und ich hätte das rechtzeitige Losschlagen unter dem Einfluß meiner alten Berstandigungsidcen mit England vereitelt. Ja,_ meine Herren, diese Versuche, nnch mit England zu verständigen, ich weiß, sie sollen mein Kapitalverbrechen sein. Ich habe darüber� schon einmal ausführlich im Reichstag gesprochen. Aber weil falsche Anschauungen darüber immer weiter in das Volk getragen werden, halte ich mich verpflichtet, es noch einmal zu tun. Wie war die Lage? England, Frankreich und Rußland waren gegen Deutschland durch eine Allianz eng miteinander verbunden, in Frankreich eine starke Revanchepartei, in Rußland einflußreiche expansive, zum Krieg treibende Kräfte. Frankreich und Rußland konnten nur in Schach gehalten werden, wenn es gelang, ihnen die Hoffnung auf England zu nehmen. Dann hätten sie sich nie in diesen Krieg gewagt. lZustimmung links.) Wollte ich gegen den Krieg arbeiten, und das habe ich allerdings getan,(Stürmischer Beifall links und im Zentrum), dann mußte ich der- suchen, mit England zu einer Verständigung zu kommen, die die Kriegsparteien in Frankreich und Rußland niederhielt.(Beifall links und im Zentrum.) Ich mußte das doch tun gegenüber den mir. wie irgend einem anderen, bekannten deutsch- feindlichen Tendenzen der englischen Einkreisungspolitiker. Ich habe den Versuck gemacht und schäme mich seiner nicht, auch wenn er nicht geglückt ist. Wer als Zeuge dieser bald zwei Jahr andauernden Weltkätastrophe mit ihren Hekatomben von Menschenopfern mir daraus ein Verbrechen macht, der mag seine Anklage vor Gott der- treten.(Große Bewegung und stürmischer Beifall links und im Zentrum.) Ick sehe der Entscheidung mit Ruhe entgegen.(Beifall.) Diese Verständigungsversuche— was haben denn die mit unserer Mobilmachung zu tun? Nichts, gar nichts I Ich soll die Mobilmachung um drei Tage verzögert haben I Weiß denn der Mann, der die Anklage gegen mich schleudert, ich sei wegen Verzögerung der Mobil- machung schuld an Strömen des BluteS unseres Volkes, weiß denn dieser Mann nicht, daß wir während dieser drei Tage fieberhaft gearbeitet haben an einer Verständigung zwiscken Oesterreich-Ungarn und Rußlands und daß es gerade unser Kaiser war, dem es am Herzen lag, seinem Volke den Frieden zu erhalten und der in diesen Tagen in unausgesetztem Depeschenverkehr mit dem Zaren stand? Und sieht der Mann nicht, was dock vor aller Augen liegt, daß, wenn wir diese drei Tage früher die Mobilmachung er- klärt hätten, wir die Blutschuld auf uns geladen hätten, die Ruß- lond auf sich geladen hat(Erneute große Bewegung und stürnii« scher Beifall links und im Zentrum), indem Rußland wäh- rend der schwebenden Verhandlungen, die guten Erfolg ver- sprachen, entgegen den heiligen uns gemachten Versprechungen seinerseits inobilisierte?(Sehr richtig I) Und der Mann, der so die Gesckichte fälscht, der nimmt sich heraus, über mich zu Gericht zu sitzen und tni das im Namen einer niederdeutschen Bismarckrunde. lHvrt! hört' links und im Zentrum.— Der Kanzler fährt mit er- hobener Stimme fort:) Herunter mit der Maske, damit man sieht, wer sie trägt I(Demonstrativer, stürmischer Beifall und lebhaftes Händeklatscken links und im Zentrum), der es wagt, den Namen Bismarck in dieser schwersten Zeit des deutscken Volkes mir niedrigen Verhetzungen und Verleumdungen zu mißbrauchen.(Erneute Zu- Dmmungs) S Ein anderes Heft, der Verfasser trägt einen Namen von gutem Klang.(Hört! hört! links.) Es ist der G e n e r a I l a n d � schaftsdirekt or Kavv iSört! hört! links und im Zentrums sagt,- dt» v«» miß' ausgegebene Parole der Einigkeit fange an, bej uns dieselbe unglückliche Rolle zu spielen wie einst 1806 das naH Jena gefallene staatsverräterische Wort:„Ruhe ist die erste Bürger« Pflicht." Wo ist hente�UlM�i»«»? Hat der Herr nicht das GefühK daß er unsere grotze Zeit herniederzieht, indem er das Wort Jena aus� l spricht.(Sehr gut! links und im Zentr.) lind woher nimmt er die Stirn 1 mick als staatsverräterisch zu. brandmarken, weil ick in diesem Kampf ur 1 alles nichts als ein einiges Deutschland sehe?(Lebhafter Beifal } links und im Zenlrum.) Es ist bitter, die Lügen im Ausland ab zuwehren. zuwider ist es, wenn Schmähungen und Verleumdungsi in der Heimat auftreten.(Mit erhobener stimme): Ich nehme den Kampf dagegen auf(Stürmischer Beifall links und im Zentrum), ich werde ihn durchfechten. Meine Herrn, nicht meine Person ist in Frage; was hat der einzelne zu sagen in dieser Zeit, wo �draußen die ganze waffenfähige Mannschaft Deutschlands tagtäglich dem Tode ins Auge sieht?(Sehr wahr! links und im Zentrum.) Nein, nicht die Person, die Sache des Vaterlandes ist es, die Schaden leidet, wenn in shstematischer Weise unter großem Aufwand von Kosten und geduldiger Drucker- schwärze Verleumdungen und Irrtümer durch das Volk gelragen werden.(Zustimmung links und im Zentrum.) Und so ausfällig es sein mag, � daß ich hier Ihre Zeit in Anspruch genommen habe mit der Besprechung von anonymen, zum Teil auch von nicht anonymen Broschüren— meine Pflicht ist es. für das Vaterland einzutreten und dagegen zu wirken, daß das Volk vergiftet werde. (Lebhafter Beifall links und im Zentrum.— Unruhe.) Ich weiß, meine Herren, keine Partei in diesem Hause billigt Hetzereien, die mit Unwahrheit oder mit Verleumdung arbeiten. Aber die Piraten der öffentsichkn Meinung treiben leider häufig Mißbrauch mit der Flagge der nationalen Ehre. (Zustimmung.)'Mich greifen sie an als einen Verächter der großen und starken nationalen Traditionen, auf die die alten Parteien dieses Hauses mit Recht stolz sind, und zum Beweise wird an- geführt, daß ich mit den Sozialdemokraten liebäugele und die Flaumacher begünstige. Immer wieder heißt es: der Reichskanzler stützt sich ja auf niemand anderen mehr als auf die Sozialdemokraten und auf einige persönlich einflußlose Pazi- fisten. Meine Herren, soll ich in diesem Krieg, in dem es nur Deutsche gibt, mich an Parteien halten?(Lebhaftes Sehr gut!) Ich weiß sehr wohl, die Unterscheidung zwischen natio- ualen und anderen Parteien hat in der Politik vor dein Kriege eine bedeutende Rolle gespielt. Aber, meine Herren, die schönste Frucht, die dieser Krieg uns im Innern bringen kann, wird es doch sein, wenn wir diese Unterscheidung ein- für allemal zum alten Eisen legen können.(Stürmischer, anhaltender Beifall, Händeklatschen links.) Weil die Sache der Nation eben einfach selbstverständlich ist.(Beifall.) Weine Herren, meine Hoffnung hierauf ist unerschütterlich, trotz der Herren um Herrn Liebknecht. Mit denen wird das Boll nach dem Kriege abrechnen! (Zuruf bei der Soz. Arbeitsgemeinschaft:„Warten Sie abl") Wir werden Parteikämpfe auch nach dem Kriege bekommen, so schwer, vielleicht schwerer als früher. Es wird eine neue, es wird eine andere Zeit sein, mit neuen geistigen Bewegungen, mit neuen sozialen Ansprüchen(Sehr richtig!), mit neuen Forderungen. Die Zeit wird kommen. Wir werden auch diesen Kampf führen. Aber, meine Herren, wollen wir sie denn vergiften, indem wir immer wieder mit dem alten Schematismus, mit den alten Theorien von nationalen und antinationalen Parteien arbeiten?(Sehr richtig! und Beifall.) Meine Heroen, ich sebe die ganze Nation in Heldengröße um ihre Zukunft kämpfen. Unsere Brüder, unsere Söhne, in treuer Kameradschaft kämpfen und sterben sie miteinander. Da ist bei allen die gleiche Liebe zur Heimat. Qb nun die Heimat Reichtum umschließt oder nur die Stätte ist, die das Leben fristet, und diese heilige Flamme der Heimatliebe ist eS, die die Herzen stählt, daß sie tagtäglich in tausendfältigen Gefahren dem Tode trotzen und den Tod erleiden. Meine Herren, es gehört doch ein vertrocknete» Herz dazu, um sich dem erdrückenden Eindruck von der Größe und von der Urkraft dieses Volkes zu entziehen.(Sehr gut!) Und sich der Doißesten Liebe zu diesem Volke cm ihren zu können.(Lebhafter Beifall.) Meine Herren, da soll ich trennen? Da soll ich nicht einigen?(Bewegung.) Da soll Sorge und Angst um die Kämpfe der Zukunft die Kraft lähmen, die wir brauchen ftir den Kampf in der Gegenwart?(Sehr gut!) Nein, meine Herren, der Glaube an mein Volk und die Liebe zu meinem Volke geben mir die feste Zuversicht, daß wir kämpfen und siegen werden, wie wir bisher gekäinpft und gesiegt haben.(Lebhafter Beifall und Hände- klatschen links und im Zentrum.) Meine Herren, ich werde schließen. Unsere Feinde wollen es zum äußersten treiben. Wir fürchten nicht Tod und Teufel, auch nicht den H u n g e r t e u fe l, den sie uns ins Land schicken wollen. Die Männer, die um Verdun kämpfen, die Männer, die unter Hindenburg fechten, und unsere stolzen Blau- jacken, die es Albion gezeigt haben, wie die Ratten beißen(Sehr gut! und Beifall), die sind von einem Geschlecht gezeugt, das auch Entbehrungen zu tragen weiß. Diese Entbehrungen, ich sage das frei und offen heraus, auch dem Ausland gegenüber, sind da.?lber wir tragen sie. Und auch da geht der Kampf vorwärts. Unter dem Segen des Himmels reist eine gute Ernte entgegen. Die Verhältnisse werden nicht schlechter, sie werden bester als im vorigen schlechten Erntejahr.(Beifall.) Die Rechnungen der Feinde auf unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten trügen. Ein Exempel mit großen Zahlen hat unsere junge Marine am 1. Juni stark korrigiert. Auch dieser Sieg wird uns nicht ruhmredig machen. Wir wissen, England ist damit noch nicht besiegt, nicht geschlagen. Aber dieser Sieg ist ein Wahrzeichen für unsere Zukunft, einer Zukunft, in der sich die Deutschen die Gleichberechtigung auch auf dem Meere erkämpft und damit auch den kleineren Völkern die dauernde Freiheit der jetzt durch die englische Alleinherrschaft abgeschlossenen Seewege erficht.(Beifall.) Das, nieine Herren, ist das helle und das ver- heißungSvolle Licht, das der l. Juni in unsere Zukunft wirst. (Stürmischer, wiederholter Beifall und Händeklatschen im Hause und auf den Tribünen.) Das Hans vertagt die Weiterlberatung auf Dienstag, 11 Uhr. Vorher Anfragen, Petitionen und Antrag auf Vertagung des Reichstags. Schluß 6 Uhr._ politische Ueberflcht. Bereinsgesetznovelle und Steuervorlagen. Die gestrige siebenstünbige Reichstogssitzung wurde bis auf die letzte halbe Stunde völlig ausgefüllt von einer sehr bemerkenswerten Debatte über die Vereinsgesetz- Novelle und von der Schlußberatung der S t e u e r v o r- läge. Die halbstündige Kanzler rede am Schlüsse der Sitzung drängte den Eindruck dieser ganzen Auseinander- setzungen zwar wieder stark in den Hintergrund, doch ver- dienen sie eine ernste Beachtung in der Bevölkerung. Bei der istovelle zum Reichsvereinsgesetz, die an- geblich die Gewerkschaften vor der Politischerklärung durch Polizei und Gerichte schützen soll, trat der Gegensatz oppor- tunistischer und grundsätzlicher Politik innerhalb der parla- mcntarischcn Vertretung der Sozialdemokratie scharf bervor. In einer rhetorisch auffallend matten Rede sprach Genosse Heine im Ranien der alten Fraktion die Zustimmung zu der Novelle aus, trotzdem er sachlich eigentlich gegen sie redete, indem er die frühere Verfolgungs- und Auslegungs- Praxis gegenüber den Gewerkschaften hervorhob und erklärte, es komme auch in Zukunft alles auf den guten Willen der Anwender des Gefetzes an. Später betonte auch der Gc- nosse Schulz- Erfurt noch einmal, daß eine„r i ch t i g e und s i n n g e in ä ß e A u s l e g u n g" notwendig sei, wenn das Gesetz günstig für die Gewerkschaften wirken solle. Für die neue Fraktion hielt Genosse Dr. Herzfeld eine nach Form und Inhalt gleich vorzügliche grundsätzlich aufgebaute Rede, in der er den Nachlveis führte, daß die Novelle nicht nur keine Verbesserung bringt, sondern die Gewerkschaften, die Jugendbewegung, sowie die Sport-, Gesang- und sonstigen Vereine der Arbeiter noch zu schädigen geeignet ist, sobald sie Tendenzen verfolgen,-die behördlich nicht genehm sind. Der Genosse Stadt Hägen vervollständigte diese Ausführungen, indem er sich besonders gegen polemische Angriffe des Ge- nassen Schulz wendete und nochmals, nachwies, daß es sich um einen„vergifteten Brosamen", um ein Danaergeschenk handle. Die alte Fraktion stimmte für die Novelle, die neue d a- gegen. An der Debatte beteiligten sich auch die bürgerlichen Par- teicn, für die sich die Herren Gröber für das Zentrum, M ü I l c r- Meiningen für die Fortschrittler, Junck für die Nationalliberalen, Behrens für die Deutsche Fraktion und v. L a s z e w s k i für die Polen mehr oder minder warm oder kühl für die Annahme der Vorlage aussprachen. Herr Dr. O e r t e l hielt für die Konservativen eine längere Pro- testrede gegen das angebliche„Ausnahmegesetz zugunsten der Gewerkschaften", wie er sich mit Berufung auf Genossen Legion ausdrückte. Der Däne H a n s s e n wandte sich aus- schließlich gegen den csprachenparagraphen des Reichsvereins- gesctzes. Eine Extratour tanzte der Fortschrittler K e r- s ch e n st e i n e r mit einer recht philisterhasten Philippika gegen die angeblich durch das Gesetz bewirkte Politisierung der Jugend, Ivas seinen Parteifreund Dove zu der Feststellung veranlaßt?, daß die fortschrittliche Fraktion anderer Ansicht sei. Für die Regierung sprachen Ministerialdirektor Dr. L e- Wald und Staatssekretär Dr. Helfferich, ersterer wie er es schon vorher in der Kommission getan hatte, letzterer so un- bestimmt und orakelhaft, daß sich am Schlüsse kaum ein Ton des Beifalls aus dem Hause erhob. Bei der dritte nLesungdcrSte Ii erVorlagen verzichteten die bürgerlichen Parteien gänzlich auf das Wort, und die beiden sozialdemokratischen Fraktionen ließen kurze Erklärungen abgeben. Genosse Scheidemann ver- las die Erklärung der alten Fraktion, Genosse H a a s e trug die Gründe der neuen Fraktion vor. Beide Fraktionen lehnten die indirekten Steuern ab. Bei der K r i e g s st e u e r jedoch schieden sich die Geister. Die alteFraktion stimmte i h r z u. da sie nur den Besitz treffe und in der Erwartung, daß der ihr zugrunde liegende Gedanke später bei der Finanz- reform nach dem Kriege in erweitertem Umfang verwirklicht werde. Die neue Fraktion lehnte auch die K r i e g s st e u e r ab. da sie letzten Endes dem imperialisti- scheu Kriege diene und durch den Steuerblock das Stimmen- gewicht der Sozialdemokratie ohnehin ausgeschaltet sei, so daß durch die Ablehnung eine ungünstigere Besteuerung der Volksmassen nicht verursacht werde. In namentlicher Ab- stimmung wurde das Kriegssteuergesetz mit 312 gegen 24 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Außer der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft stimmten auch 5 Konservative gegen das Gesetz. Alle anderen Steuern des Kompromisses wurden in dritter Lesung ohne weitere Debatte angenommen. Bei der dann vorgenommenen dritten Lesung des Etats hielt der Reichskanzler die Rede, die an anderer Stelle unseres Blattes gewürdigt wird. Darauf vertagte das Haus die W c i t c r b e x a t u n g auf DienStag früh 11 Uhr. Die neue lS-Milliarden-Forderung. In einem im Reichstage zugegangenen Gesetzentwurf betreffend einen Nachtragsetat für das Rechnungsjahr 191 ö wird der Reichskanzler ermächtigt�zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben die Summe von zwölf Milliar- den Mark im Wege des Kredits flüssig zu machen. Die zur Ausgabe gelangenden Schuldverschrerbungen und Schatz- anweisungen sowie die etwa zugehöreirden Zinsscheine können sämtlich oder teilweise auf ausländische oder auch noch einem bestimmten Wertverhältnis gleichzeitig auf in- und aus- ländische Währungen sowie im Ausland zahlbar gestellt wer- den.(W. T. B.)__ Anfragen. Der Reichstagsabgeordnete Genosse I ä ck e l hat folgende An- frage über die Behandlung jugendlicher Texilarbeiterinnen im Reichs- tag gestellt: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß besonders in Schlesien jugendliche Textilarbeiterinnen 1. zu schweren Ar« beiten im Steinsetzgewerbe und in der Landwirtschast unter An- drohung der UnterstiitzungSentziehung angehalten werden; 2. daß die betreffenden Arbeilerinnen durch die Entfernung von der Heimat der elterlichen Fürsorge entzogen und 3. durch das Zusammen- arbeiten mit ausländischen Arbeitern und Kriegsgefangenen sowie durch die Unterbringung in primitiven Lagerstätten der Gefähr sittlicher Schädigung ausgesetzt werden? Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um die Textil- arbeiterinnen vor den geschilderlen Gefahren und gegen das Vor- gehen der in Betracht kommenden Behörden zu schützen? Die Anfrage steht auf der heutigen Tagesordnung zur Be- antwortung. Dr. Werner(Gießen) stagt an: Im„Elberfelder Täglichen Anzeiger", Nr. 146, 1916, wird folgendes mitgeteilt: Die Ausschreitungen der Berliner Börse. Die Berliner Börse hat bekanntlich vor einigen Tagen auf die pazi« fistischen Aeußerungen des Präsidenten Wils o n mit einer allgemeinen Baisse geantwortet. Durch diese Tatsache ist erneut die Aufmerksamkeit leitender Kreise darauf hin- gelenkt worden, daß der spekulative Handel in Kriegswerten einen solchen Umfang angenommen hat. daß dadurch die vaterländischen Jntercsien in Frage gestellt werden, die auch auf dem Geldmarkle wie auf allen anderen volkswirtschaftlichen Gebieten unbedingte Berücksichtigung verlangen. Wie uns von wohlinformierter Seite mitgeteilt wird, schweben Erwägungen darüber, eine ernste Ver- Warnung an die betreffenden Börsenkreise ergehen zu lassen. Sollten diese nicht eine sofortige Abstellung der erwähnten Miß« stände im Gefolge haben, so wird nötigenfalls eine vollkommene Unterdrückung der Spekulation an der Börse sowohl wie an an- deren Orten unter schwerer Strafandrohung die Folge sein. Trefien die behaupteten Dinge zu, und ist der Herr Reichs- kanzler bejahendenfalls bereit, entsprechende Maßnahmen gegen die Spekulation der Börse anzuordnen? Mir genügt eine schriftliche Antwort. Zur Bereinsgesetznovelle. Die neueste„Handlungsgehilfeuzeitung" schreibt nach Darlegung der Stellung der sozialdemokratischen Fraktion zur Vereinsgesetz- Novelle in der Kommission: „Die Regierungsvorlage wird nun wohl den Reichstag in zweiter und dritter Lesung glatt passiren und bald Gesetz werden. (Ist gestern geschehen. D. Red.) W i r können bei der Mangel- hastigkeit der Vorlage dieses Ergebnisses nicht froh werden. Die alte fozialdemolratische Fraktion hat bei der Behandlung dieser Vorloge eine Taktik eingeschlagen, die uns mehr als b e- d e n k l i ch e r s ch e i n t. Es ist imausbleiblich. daß es über diese Taktik, deren Wortführer offenbar der Vorsitzende der Generol« kommission der Gewerkschaften ist, auch innerhalb der Gewcrl- schaften noch zu lebhaften Erörterungen kommt." Ei« Zwischenruf. Im Anschluß an den Reichstagsbericht vom Sonnabend schrieb die„Deutsche Tageszeitung": „Als ün Preußischen Abgeordnetenhausc gestern der Präsident uin die Ermächtigung bat, dem Vizeadmiral Scheer die Glückwünsche des Hauses zu übermitteln, erschollen, nach dem Wolffschen Berichte, lebhafte wiederholte Rufe:„Und Tirpitz!" Alle Zeitungen haben das abgedruckt bis auf— die»Norddeutsche All- gemeine Zeitung"!"� Daraufhin hat die Schriftleitung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' eine lange entschuldigende Zuschrift an die„Deutsche Tageszeitung" gerichtet, in der sie sich gegen den Vorwurf der Absichtlichkeit ihrer Unterlassungssünde verwahrt. So lächerlich das Ganze ist, bildet eS doch ein Symptom für die Be- Ziehungen zwischen Regierung und Konservativen. Burgfriedenswahl im Heidelberger Wahlkreise. Bei der Reichstagsersatzwahl Heldelberg- Eberbach- Mosbach sehen daS Zentrum und die Sozialdemokraten von der Aufstellung eigener Kandidaten ab. Somit ist die Wahl Dr. Rießels gesichert.__ Landtagsadgcordneter Viereck f. Am Sonnabend, den 3. Juni, starb plötzlich das Mitglied der Freikonservativen Partei, der Landgerichtspräsident Viereck, in- folge eines Herzschlages. Er vertrat seit 1963 im Abgeordnetenhause den Wahlkreis Bromberg 1(Filehne, Czarnikau, Kolmar in Posen). Geh. Rat Lingner f. Exzellenz Lingner, Wirklicher Geheimer Rat, Dr. med. ehren- halber, der bekannte Großindustrielle in Dresden ist gestorben. Er war der Schöpfer und Organisator der hygienischen Ausstellung in Dresden. Ferner war er Leiter und Vorstand der Dresdener Lese- Halle, der Begründer der Ausstellung von Volkskrankheiten und ihrer Bekämpfung u. a. m._ Eine neue Posener Tageszeitung. Eine neue große polnische Tageszeitung wird von Anfang Juli ab in Posen erscheinen. Sie wird durch eine neugebildete Gesellschaft von Großgrundbesitzern herausgegeben, es gehören dazu unter anderem Graf Lackt auf Posadowo bei Neu- stadt bei Pinne, Rittergutsbesitzer v. Koczorowski usw. DaS neue Tageblatt soll eine Art VersöhnungSpolitil vertreten und eine antidemokratische Richtung haben. Papierpreise und Zeitungsgewerbe. Die am 4. Juni im Sitzungssaale des Herrenhauses tagende, von mehreren hundert Zeitungsverlegern aus allen Teilen de» Deutschen Reiches besuchte ordentliche Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger faßte folgende Entschließung: „Die dem deutschen ZeitungSgewerbe angekündigte weitere Steigerung des Papierpreises stellt eine ungeheuerliche Verteuerung der Herstellungskosten dar, die weder auf die Oeffent- lichkeit abgewälzt, noch von dem durch den Krieg wirtschaftlich schwer geschädigten Zeitungsgewerbe aus eigenen Mitteln getrogen werden kann. Die weitere Steigerung des Papierpreises muß zur Folge haben, daß viele Zeitungen gezwungen werden, ihr Er» scheinen ewzufieven. Hs«rin besteht etne schwer« Gefahr för unser ganze» politisches und nationales Leben, da gerade viele in ihrem Wirkungskreise bodenständige Heimatsblätter von dem Zusammenbruch ereilt würden. Die Versammlung ermächtigt daher den Vorstand, den Herrn Reichskanzler unter Hinweis auf die hohe Bedeutung der Presse für die siegreiche Durchführung deS Krieges dringend zu bitten, unver züglich alle Maßnahmen veranlassen zu wollen, die geeignet find durch Eingreifen der Staatsgewalt die drohende Katastrophe vom deutschen Zeitungsgewerbe abzuwenden.' Wirtschaftliche Wünsche für den Waffenstillstand. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß dem Ein treten des eigentlichen vollen Friedenszustandes eine Periode des Waffenstillstandes vorausgehen wird, während der auf Grund einer zunächst nur in großen llmriffen skizzierten Friedensgrundlage dann die zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Einzelheiten deS Friedensvertrages festgestellt werden. Angesichts der außerordent lichcn Ausdehnung dieses Krieges sowie namentlich auch der überaus einschneidenden Wirkungen, welche er auf wirtschaftlichem und Wirt schaftspolitischem Gebiete mit sich gebracht hat, läßt sich wohl er- warten, daß die Zeitdauer dieser Periode des Waffenstillstandes, so sehr man auch die Friedensverhandlungen zu beschleunigen be strebt sein wird, keine ganz kurze sein dürfte. Unter diesen Um ständen erscheint es aber dann dringend erforderlich, für diese Periode gewisse provisorische Maßnahmen herbeizuführen, um die Ueberführung der kriegswirtschaftlichen Verhältnisse in den Friedens zustand vorzubereiten und zu erleichtern. Der»Ständige Ausschuß deutscher Vereine zur Förderung des Außenhandels' hat sich mit diesen Fragen beschäftigt. Er ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß die nachstehenden Punkte, deren Durchführung dem gleichen Interesse aller kriegführenden Staaten entspräche, sofort bei Beginn deS Waffenstillstandes durch besondere Vereinbarung verwirklicht werden sollten: 1. Ermöglichung der Wiederanknüpfung geschäft licher Beziehungen mit Firmen und Personen in Feindes land durch Vermittlung neutralländischer VertrauenSpcrsonen eventk unter Kontrolle der Zensurbehörden.— Ermöglichung brieflichen und telegraphischen Verkehrs mit Geschäftsfreunden im feindlichen Aus� lande ohne andere Verzögerung, als durch die notwendigste Zensur- kontrolle erfordert wird. Insbesondere auch Ermöglichung der Er- örterung schwebender Streitsragen mit Lieferanten, Bauunternehmern, Installateuren, Druckern usw. in Feindesland. 2. Vorbereitung einer RechenschafiSablegung der Sequester über den geschäftlichen Stand der sequestrierten Firmen und Vermögensbestände sinSbesondere auch über etwa erfolgten Ver- kauf von Waren oder Mobiliar und ähnliche Maßnahmen); Ver- pflichtung der Sequester zur AnSkunftseiteilung auf bestimmte An- fragen, Rechenschaftsablegung auch der seindeSländischen Banken über den Stand der bei ihnen sequestrierten Depots durch Lieferung von a. dato abgeschlossenen Kontoauszüge. 8. Ermvglichung von Nachforschungen nach dem Verbleib der bei Kriegsausbruch unterwegs gewesenen Waren- sendungen und Auskunfterteilung darüber seitens der Behörden des FeindesstaateS, der sie etwa beschlagnahmt hat. Freilassung der in seindeSländischen Häfen festgehaltenen Waren, soweit sie nicht Bannware betreffen und ihre Festhaltung nur durch den KriegsauS bruch veranlaßt wurde, und Ermöglichung ihres Weitertransports nach neutralen Bestimmungsorten. Anton Fendrich in der Schule. '■ In der bürgerlichen Presse Baden» bi» hinein inS Zentrums lager wird gegenwärtig eine Volksausgabe der Fendrichschen Kriegs- lüerntur zur Anschaffung für die Jugend empfohlen. Die Amts verkündigcr machen ganz besondere Reklame für die Versorgung der Schuljugend mit dem Büchlein des sozialdemokratischen KaisergasteS Und es tut bis in sozialdemokratischen Herzen hinein so wohl, daß eS ein positiv tätiger Genosse mit seiner grundsätzlichen Auf- klärungSarbeit zu solchem praktischen Erfolge gebracht hat. Seifenbezug technischer Betriebe. Bekanntlich bestimmt die Bekanntmachung über den Verkehr mit Seife usw. vom 18. April, daß technische Betriebe auf besonderen Antrag einen Bezugsschein für Seife vom KriegSauSschuß für pflanz- liche und tierische Oele und Fette, Seifenkontrolle, in Berlin IHV 7, Unter den Linden 68a erhalten. Diese Bestimmung hat in den weitesten Kreisen von Industrie und Handel leider eine miß- verständliche Auslegung erfahren. Der Kriegsausschuß ist ledig« lich ermächtigt, den Bezug solcher Seifenmengen freizustellen, welche eine technische Verwendung finden, das heißt, zur Fabrikation selber unbedingt benötigt werden, und durch Ersatzmittel nicht vertreten werden können. Es ist aber völlig zwecklos, wenn Fabriken, Bureaus usw. An- träge zwecks Beschaffung von Seife für die körperliche Reinigung ihrer Ange st eilten beantragen, die dem einzelnen Verbraucher auf Brotkarte monatlich zustehende Meng« an Waschmitteln ist so reichlich bemessen, daß sie auch für die Reinigung in den Betriebs- stunden ausreicht. Ebenso wird Seife auch nicht für die Reinigung von Betriebsräumlichkeiten, Gebrauchsgegenständen usw. freigestellt, da zu Scheuerzweckcn ausschließlich fettfreie Ersatzmittel zu ver- wenden sind. Durch die zwecklose Einreichung von An- trägen auf Seifenbezugscheine zu anderen als technischen Zwecken wird die Erledigung wirklich dringender Anträge unnötig verzögert. Es liegt also im eigensten Interesse_ der Industrie, derartige zwecklose Anträge zu Unterlasten und sich bei der Anforderung von Seifenbezugsscheinen � lediglich auf diejenigen Mengen zu beschränken, welche für technische Zwecke unerläßlich sind. Auch sei darauf hingewiesen, daß FreistellungSanträge nur für die dem Bedarf eines MonatS entsprechenden Mengen einzureichen sind. Diejenigen Betriebe, welche für ihre Ange st eilten und Arbeiter Reinigungsmittel vorzuhalten verpflichtet oder gewöhnt sind, müssen angelegentlichst auf die Verwendung fettfreier Seifenersatzmittel hingewiesen worden. Solche Seifenersatzmittel werden in durchaus brauchbarer Beschaffenheit bereits von einer ganzen Anzahl ernfthaster und vertrauenswürdiger Firmen in den Handel gebracht.__ das tägliche örot. Verordnung über Ausfuhrverbote. Amtlich. Berlin, 5. Juni.(W. T. B.) Der B u n d e s r a t hat in feiner heutigen Sitzung eine„Verordnung über Ausfuhrverbote" erlassen. Danach haben die Landeszen- tralbehörden vor dem Erlaß von Verordnungen, die für ihr Bundesgebiet oder einen Teil desselben einAussuhrverbot oder eine Ausfuhrbeschränkung von Gegenständen des notwendigen Lbensbedarfs enthalten, oder in ihrer Wirkung einem solchen Ausfuhrverbote oder einer solchen Ausfuhrbeschränkung gleich- kommen können, dem Reichskanzler Gelegenheit zu geben, im Interesse der Gesamtversorgung des Reichsgebietes Einspruch zu erheben. Beim Erlaß dieser Verordnung bereits bestehende Anordnungen dieser Art sind dem Reichskanzler nachträglich vorzulegen und auf sein Verlangen aufzuheben. Bevor der Reichskanzler ein solches Verlangen stellt, wird er mit der beteiligten Landesregierung sich ins Benehmen setzen und da- für Sorge tragen, daß durch entsprechende Versorgungs regelung uird Preisfestsetzung für die Beteiligten Wirtschafts 'geStele e'ne unbilligk iSchadrgMt? 5es N'llZ'fu?k?Are?e's ber- mieden wird._ Brot und Schwert. Auf einer Tagung des„Bundes deutscher Gelehrter und Künstler" sprach Geh. Rat Rubner über„Deutschlands Er- nährung". Ue-ber unsere Lage der Ernährung äußerte er sich nach dem Bericht der„Deutschen Tagesztg." durchaus beruhigend „Schwierigkeiten— ja; aber man rede doch nicht von Gefahren. Wäre denn ein schlechter Friede besser als eine zeitweilige schlechte Ernährung? Könnten wir unseren Kriegern dann noch ins Auge sehen? Der Stand unserer Volks ernährung gibt keinen Anlaß, unsere militärischen Unternehmungen einen Tag früher als nötig abzubrechen Die Leitung unserer äußeren Politik braucht sich nicht im gc ringsten in ihren großen Aufgaben beirren lassen. Längst wird der letzte Franzose im englischen Dienste verblutet sein, e h e D e u t s ch- land weiß, was wirklich Hunger ist.' Auf einen ähnlichen Ton waren die Ausführungen von Walter B l o e m über den„Geist des deutschen Heeres" gestimmt. Er begann laut„Tagesztg." mit dem Bekenntnis:„Träumt Ihr den Friedenstag? Träume, wer träumen mag. Krieg! ist das Losungswort, Sieg! Und so schall' eS fort." Dann legte er an vielen Stücken aus dem Leben dar, wie der Krieg für den Soldaten eine große„Neuorientierung' seine? ganzen Lebens und Wesens gebracht hat. Der Soldat hat nur ein Kriegs ziel: don Sieg, der einen Frieden bringt, der die ungeheuren Opfer lohnt. Vorher hört der Soldat nicht auf und man soll nicht wagen, das zu verlangen! Das ist der Geist des eereS draußen! Nichts wissen wollen die Soldaten aber von Miesmacherei in der Heimat. Das soll sich die Heimat merken.' Aus der Praxis der Z. E. G. In den westlichen Städten bleibt der illegale Butterhandel weiter. Ausländische Lutter wird von allen möglichen Leuten zu Wucherpreisen losgeschlagen. Die Konsumgenossenschaften, die sich an das Einseiter-Verbot der Z. E. G. halten, müssen vom Verkauf der Auslandsbutter absehen, obwohl sie solche zu relativ billigen Preisen beziehen und abgeben könnten. Die Konsumgenossenschaft „Befreiung" in Elberfeld wurde schon vor einigen Wochen von der Z. E. G. verhindert, L06 Tonnen Butter zum Preise von 2,37 M. pro Pfund zu beziehen. Jetzt kaufte nun die Genossenschaft, ge drängt durch den großen Buttermangel in Elberfeld sL3 Gramm pro Kopf und Woche!), in Holland 200 Tonnen gleich 10 000 Kilo- gramm Butter und ließ sie im Waggon direkt nach Elberfeld spe- dieren. Pflichtgemäß meldete sie das Quantum bei der Z. E. G. an und erhielt prompt die Aufforderung, den Verkauf zu unter- lassen und die Butter umgebend an das Dortmunder Lager der Z. E. G. zu senden. Inzwischen hatte aber bereits der Elber. felder Oberbürgermeister die Butter zugunsten der gesamten Elberfelder Einwohnerschast beschlagnahmt. Das half aber nichts. die Z. E. G. bestand auf ihrem Schein. Einspruch bei der Düssel- dorfer Regierung war vergeblich. Nach fast achttägigem Verhandeln mußte die Butter nach Dortmund gesandt werden. Gleichzeitig er- hielt die Stadt den Bescheid, sie würde von Dortmund andere Butter bekommen. Der Mangel war nämlich besonders fühlbar geworden, da in der fraglieben Woche kein Fleisch an die Bevölke- rung verteilt wurde und sämtliche Eier der Beschlagnahme ver fielen. Der Erfolg ist nun, daß die Butter ganz sinnlos nach Dortmund läuft, von dort gleich wieder nach Elberfeld erpediert werden kann, da die Stadt doch Butter haben muß und soll, viel- leicht inzwischen ranzig wird und dann statt 2,88 M. pro Pfund infolge der Vermehrung der Fracht- und Lagerspesen 3 M. kosten muß._ v. Süd trab Nord. Blume(Tübingen) schreibt in der„Täglichen Profestor Rundschau': Wer vom Süden in den Norden reist, gerät immer wieder in Erstaunen über die Unzulänglichkeit der in Preußen getroffenen Maßnahmen. Wir haben in Württemberg eine einheitliche Brotkarte für da» ganze Land. Sie gilt aber auch in Bayern und in Baden. Kommt man nach Preußen, so rndet man in jedem Ort eine andere Brotkarte. Wie- viel Umständlichkeiten verursacht da» I Aber auch wieviel Mehr- verbrauch. Denn der Reisende bekommt in den Gasthäusern eine Tagesbrotkarte, die eine Zulage zu der seinem Haushalt zustehenden Menge bedeutet.... Und dann die Versorgung mit Molkereiprodukten. Man ließ in Preußen die Butterpreise hinauftreiben bis zu der Höhe von nahezu 3 M. und setzte dann die Höchstpreise auf etwa 2.S0 M. fest. Jn�Süddeutschland war der Butterpreis damals 1,60 bis 1,80 M. Sollte man nun Preußen folgen, den Butterpreis übermäßig hoch ansetzen oder nicht vielmehr einen niedrigeren Höchstpreis festhalten, aber zugleich den Verbrauch und die Ausfuhr regeln? Man hat das letztere vorgezogen. Und mit Recht. Aehnlich ist es mit dem Fleisch und den Eiern gegangen. Wir haben in Württemberg längst die Fleisch karte. Warum hat man sich in Norddeutschland nicht dazu entschlosten? Der E i e r h a n d e l ist in Württemberg mono polifiert worden. Hat man in Preußen ähnlich vorgesorgt?... Und endlich die Durchführung der vom Reich getroffenen Anordnungen. Hat man wirklich in Preußen die Grundbesitzer ebenso scharf herangenommen wie in Bayern und Württemberg die Bauern? Hat man etwa in Berlin die Hamsternester in den größeren Haushaltungen ausgeräumt, wie eS in München geschehen ist? Als kürzlich in Stuttgart eine genaue Revision sämtlicher Fleisch- geschäfte vorgenommen wurde, zeigte eS sich, daß dort keinerlei unzu- lässige Anhäufungen von Waren stattgefunden hatten. Und wie war in Berlin? Hätte man auf dem Berliner RathauS(und Polizeipräsidium. Die Red. des„Vorw.") die gleiche Einsicht, Um- cht und Willenkraft bewiesen wie in den großen süddeutschen Städten Stuttgart, München, Straßburg und anderen, so sähe es etzt in der Reichshauptstadt bester auS. Und hätte die preußische Re- gierung mit der gleichen Schnelligkeit eingegriffen wie die süddeut- chen Regierungen, so würden viele Klagen m Preußen vermieden worden sein."_ Vierlose Tage. Die Reichsregierung hat die Einführung bierloser Tage in Aussicht genommen I Das wurde, wie der„Kreaz-Ztg." aus Dresden berichtet wird, in der letzten Sitzung des Vereins der Dresdener Gastwirte mit- geteilt. Gegebenenfalls soll ein beschränkter Ausschank und eine Verkürzung der Polizeistunde erfolgen. ES sind darüber bereits amt- liche Mitteilungen an die sächsische Regierung und an den Stadtrat von Dresden ergangen._ fius Industrie und Handel. Die Einzahlungen auf die vierte Kriegsanleihe beliefen sich in der Berichtswoche auf 314 Millionen Mark, wovon 128,1 Millionen Mark mit Hilfe der Tarlehnskassen geleistet wurden. Die über- Haupt von den Tarlehnskassen für die Zloecke der vierten Kriegs- anleihe ausgeliehenen Gelder berechnen sich jetzt auf 431,2 Millionen Mark, während die bis zum 31. Mai geleisteten Einzahlungen die Summe von S427 Millionen Mark gleich 87,5 Proz. des gesamten Soziales. Zur Regelung des Arbeitsnachweises. Vom Kaiserlichen Statistischen Amt ist im Austrage deS Reichsamts des Innern ein Verzeichnis der(nicht gewerbs- mäßigen) Arbeitsnachweise im Deutschen Reiche nach dem Stande vom 1. Mai 191S herausgegeben worden. Das Ver- zeichnis soll, indem es die leichte Auffindung der an den einzelnen Orten uird für die einzelnen Gewerbszweige bestehenden Arbeits- nachweise ermöglicht, den Ausgleich zwischen Angebot und Nach- frage auf dem Arbeitsmarkte fövdern; es soll insbesondere den Heimkehrenden Kriegern bei ihrem Wiedereintritt in das Erwerbs- leben als Wegweiser zu den Vermittlungsstellen dienen. Die Unter- lagen für das Verzeichnis bilden die Anzeigen, die nach den auf Grund eines Beschlusses des Bundesrats vom 12. Mai 1015 durch die Bundesregierungen erlassenen Verordnungen von sämtlichen nicht gewerbsmäßigen Arbeitsnachweisen erstattet»verden mußten. Die Anzeigen wurden, soweit sie bis zum 1. Mai 1916 eingegangea waren, in das Verzeichnis ausgenommen. Insgesamt sind die Adressen von 3602 Arbeitsnachweisen verzeichnet; davon entfallen 2062 auf Preußen, 488 auf Sachsen, 306 auf Bayern, 119 auf Hamburg, 114 auf Baden, 94 auf Württemberg, 72 auf Hessen. Außer der Anzeigepflicht ist infolge des erwähnten BuudesralS- beschlusses durch die anschließenden Ausführungsbestimmungen der Bundesstaaten für die größeren Nachweise auch eine Verpflich- tung zu regelmäßiger Meldung der überschüssigen offenen Stellen geschaffen worden. Die Meldung erfolgt teils unmittelbar beim Kaiserlichen Statistischen Amt, teils bei lokalen öffentlichen Arbeits- nachweisen oder ArbeitsnochweiSzentralen. Auch diese Einrichtung dient dem Ausgleich der Arbeitsgesuche und--angcbote. verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. gezeichneten Betrage»«rrSichen. � � �_■ r:-:_,_ Für de» JnferÄenteil vermra».: rh.Sl»ck«.»erlt». Druck».vackagtvorwSrt« Buchdruckern K. LerlagSanstalt Pank Singer k to, Berlin SW. Gerichtszeitung. Charlottenburger Ausschreitungen vor Gericht. Die Charlottenburger Vorgänge bei Butter- und Fleisch- Polonäsen beschäftigten gestern das Schlvurgericht des Land- gerichts III. Die auf LandfriedenSbruch lautende Anklage richtet sich gegen da« Dien st mädchen Anna Bischoff, die Arbeiterin Ida Duchrow, den Hauswart Karl Echammer, dessen Frau Frieda, die Grete Sadowsiy und den Kutscher Otto Liebenow. Die Angeklagten befinden sich seit dem 16. Mai in Untersuchungshaft. Die Angeklagten Schammer, der vorbestraft ist, sowie der bisher völlig unbestrafte Liebenow sind als Rädelsführer unter Anklage gestellt. Am Abend de» 4. Mai dieses Jahres kam es in Charlottenburg vor mehreren Lebensmittelgeschäften zu Unruhen, die nachts in der Gegend der Kaiser-Friedrich-, Bismarck-, Grolman- und Kantstraße zu sehr lebhaften Szenen führten. Geschäftsschilder wurden abgerissen, die Schaufensterscheiben zertrümmert und Vorräte entwendet. Die An- geklagten bestreiten ihre Schuld und behaupten fast sämtlich, daß sie aus Neugierde sich in die Nienschenmenge begeben und dann ohne ihre Schuld in dem Gedränge mit fortgerissen worden seien. Auch der Angeklagte Schammer behauptet dies. Seine Ehestau gibt zu, daß sie in drei Läden eingedrungen sei, sich die Markttasche voll Levensmittel aller Art gepackt habe. Sie ist mit ihrer gestillten Tasche mehrmals nach Hause gegangen und dann zurückgekehrt. Bei ihr sind Makrelen, Bulter, Ochsenmaulsalat, Oelsavdinen, Eier, Marmelade, Kunsthonig, Pflaumen und andere Sachen vorgefunden worden. Die Geschworenen sprachen drei Angeklagte frei und sprachen nur den Ehemann Schammer des einfachen Landfriedensbruchs, die Ehefrau Schammer deS fchwcren LandstiedenSbruchS schuldig und billigten ihnen mildernde Urnstände zu. Der 17jährige Liebenow wurde auch deS«infachen Landstiedensbruchs schuldig befunden, aber die Einsicht von der Strafbarkeit seiner Handlungsweise ver- neint. Der Staatsanwalt beantragt« gegen den Ehemann Scham- mer 1 Jahr Gefängnis, gegen Frau Schammer 9 Monate Gcfäng-- nis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten Schammer zu einem Jahr, die Frau zu acht Monaten Gefängnis, >wei Wochen wurden bei ihr als verbüßt angerechnet. Der Ange- lagt« Liebenow soll in eine Erziehungsanstalt ge- bracht werden._ Brotkartendiebstahl. Einen schwunMlften Handel mit Brotkarten betrieb Ernst Rademacher, der gestern unter der Anklag« des Dieb- stahls vor ber 1. Strafkammer des Landgerichts II stand. Der Angeklagte ist am 20. März dabei betroffen worden, wie er in der Nähe der Pfandkammer in der Schönhauser Straße an Passanten und Gäste von Schanklokalen Brotkarten zum Kaufe anbot. Er wurde angebalten, und es wurden noch ein paar Brot- karten bei ihm vorgefunden, die er von einem Dritten getauft haben wollte. Nach Feststellung seiner Persönlichkeit wurde er wieder entlassen. Die Sache nahm fiir ihn eine unangenehme Wendung, als er am 30. März wieder bei einem solchen Handel be- trösten wurde. Diesmal fand man bei ihm wieder noch mehrere Brotkarten vor. Es wurde festgestellt, daß diese aus einem Ein- bruch in die Räume der Brotkommission in der Bergmannstratze, wo 2000 Brotkarten gestohlen worden sind, die anderen aus dem Ein- bruchsdiebstahl in der Gotenburger Straße herrührten, wo den Einbrechern 1000 Stück zur Beut« gefallen waren. Der Angeklagte blieb vor Gericht dabei, daß er die Brotkarten von einem Unbe- kannten gekauft habe. Während der Staatsanwalt gegen ibn iregen Diebstahls 114 Jahre Gefängnis beantragte, veruc- teilte das Gericht den Angeklagten wegen gewerds- und ge- wohnheitsmäßiger Hehlerei zu l Jahr Zuchthaus. Ueberspanuung des Begriffs grober Unfug. Einer starken Ueberspanuung des Begriffs„grober Unfug" vermochte da8 Kammergericht in seiner letzten Sitzung nicht abzuhelfen. Weil sie französischen Kriegsgefangenen auf der Straße in Bochum zugewinkt hatte, war ein damals l7jähriges junges Mäd- chen, Fräulein Breiska, wegen groben Unfugs von der Strafkammer zu einem Verweise verurteilt worden. Tie Strafkammer uhrte begründend aus: Aus einer Straße in Bochum hatte sich eine größere Anzahl Personen angesammelt, die einen Transport 'ranzösischer Kriegsaefangener beobachteten. In der Menge befand ich Fräulein Breiska. Sie winkte den Kriegsgefangenen zu. Sie behauptete, sie habe sich nichts dabei gedacht. ES steht aber fest, daß die Menge über ihr Verhalten empört war und sich an einen Schutzmann wandte. Das Publikum fühlte sich in seinen vaterländischen Gefühlen dadurch gekränkt, daß sich die Angeklagte o auf der Straße benahm. Unter den obwaltenden Umständen «i der Bestand der öffentlichen Ordnung durch die Angeklagte ver- letzt worden. Es ist grober Unfug anzunehmen. Da die frühere Lehrerin der Angeklagten, die sich im übrigen deren Verhalten nur aus Mitgefühl erklären konnte, ihrer geistigen Regsam- keit ein gute» Zeugnis ausstellt, so ist auch anzunehmen, daß die Angeklagte bewußt gehandelt und die nötige Einsicht gehabt habe. Der Vater der Angeklagten legte Revision ein. Das Kammergericht verwarf die Revision mit folgender Begründung: Aus den Ausführungen des Landgerichts gehe nicht hervor, daß es sich über den Begriff des groben Unfugs geirrt habe. Es gehe auch von der auch vom Kammergericht vertretenen Ansicht des Reichsgerichts aus, wonach grober Unfug gegeben sei, wenn eine solche Beunruhigung deS Publikums hervorgerufen werde, die geeignet sei, unmittelbar den Bestand der öffentlichen Ordnung zu gefährden. Das Kammergericht konnte eine andere Entscheidung nicht fällen, weil es'nach dem Gesetz an die tatsächliche Fest« stellung der Vorinstanz gebunden war.__.(r) |ir. 154. 83. Jahrgang. 2. Icilw Ks JotniMs" Öftlintt loMlott Aienstag. 6. Juni 1916. Mus Groß-öerlin. Wurst. Nach der neuen Verordnung des Magistrats kommt Wurst auch auf die Fleischkarte in Anrechnung. Wer also Wurst kauft, erhält weniger Fleisch oder Fett. Nun wird die Wurst, die jetzt zulässig ist, aus den inneren Teilen des Viehes hergestellt, und es wäre doch ernstlich zu erwägen, ob nicht ein bestimmtes Quantum Wurst besonders auf die Fleisch- karte verabfolgt werden kann, wie das in einigen Gemeinden der Fall ist. Zu dieser Frage erhalten wir folgende fach- männischen Darlegungen Der Berliner Magistrat hat vor einiger Zeit verfügt, daß nur noch wenige Wurstsorten hergestellt werden dürfen. Leider ist nicht gesagt, was die Wurst enthalten mutz, oder besser, was der Käufer für sein Geld bekommt. Diese Verordnung zeigt deutlich, wie es nicht gemacht werden darf. Datz für Grotz- Berlin nicht die gleichen Bestimmungen erlassen wurden, öff- net dem Betrug Tor und Tür. Wurst ist heute mehr denn je Vertrauenssache. Was hellte alles unter diesem Namen verkauft wird, ist eine Schmach. Was für die festgesetzten Höchstpreise als Wurst verkauft wird, entspricht keineswegs dem Wert des angelegten Geldes. Der Magistrat wollte billige Wurst schaffen, was sehr anzuerkennen, leider aber nicht gelungen ist. Besonders reichlich wird jetzt Grützwurst hergestellt. Warum gerade Grützwurst, wird der Laie fragen. Sehr einfach! Sie bringt den größten Gewinn. Von dem jetzt so kostbaren Blut und Fett wird wenig, letzteres wohl kaum, gebraucht. Das Neueste auf dem Gebiete der Grützwurstmacherei ist die Verwendung von Rübenarten. Hier wird nach allen Regeln der Kunst Fleisch gestreckt, um nicht zu sagen überhaupt keins gebraucht. Der schnelle Verkauf der noch warmen Würste bringt den Fleischern noch einen besonderen Verdienst. Durch die jetzige Art der Wurstmacherei, die rentabler als sonst ist, werden die Konsumenten erheblich übers Ohr gehauen. Wiederholt ist angeregt worden, die Wurstmacherei gänz- lich zu verbieten. Wir halten dies für unangebracht im Jnter- esse der Allgemeinheit. Zunächst ist zu beachten, datz es durch die Wurstfabrikation möglich ist, viele Teile der Schlachttiere vorteilhafter als sonst zu verwerten. Auch ist Wurst für die- jenigen, die erst des Abends ihr„Mittagbrot" verzehren können, eine angenehme und billige Fleischnahrung. Auch ist zu beachten, datz durch die Wurstfabrikation eine Streckung des Fleisches möglich ist. Notwendig ist jedoch, datz die Wurst so hergestellt wird, datz sie einen Nährwert hat. Ist dies unter den jetzigen Verhältnissen möglich? Diese Frage muß bejaht werden. Voraussetzung ist jedoch, datz nicht die Interessen der Hersteller ausschlaggebend sind. Die beste Lösung ist die Verstod tlichung der Wurstfabrikation. Für den Magistrat als Fleisch- grotzhändler ist dies nicht undurchführbar. Gr kann Blut, Lungen, ein Teil Leber, Därme, Schweinemiker. Kalbsgekröse, Schweineköpfe mit Backen usw. aller auf dem Schlachthof ge- schlachteten Tiere(soweit sie nicht der Militärverwaltung ge- hören) zurückbehalten, und eine andere Regelung der Grotz- fleischpreise wäre bald gefunden. In einigen Wnrstfabriken— die heute stillstehen— ober in besonders hierzu eingerichteten Betrieben wäre dann das alles unter strenger Kontrolle zu vertvursten. Wieviel Wurst aus dem Rohmaterial hergestellt werden kann, ist zu berech- nen, so datz auch hier eine Kontrolle möglich ist. Einem Fleischermeister dürfte man jedoch die Leitung nicht über- tragen, sonst könnte man leicht trübe Erfahrungen machen. In Berlin gibt es tüchtige Erstgesellen, die mit Erfolg Groß- betriebe geleitet haben, diese bürgen mehr für guteS Gelingen des Planes. Folgende Wurstsorten würden anzufertigen sein: Grütz- Wurst, Leberwurst mit Mehlzusatz, Blut- und Leberwurst ohne Mehlzusatz, eine Brühwurst und eine Sülz« oder Sülzwurst. Eventuell könnte auch eine„Kriegswurst", wie sie einige süd- deutsche Städte herstellen, angefertigt werden. Die Praxis würde schon nach kurzer Zeit die beste Methode der Fabrikation ergeben. Eine bureaukratische Geschäftsführung müßte der- mieden werden; Fachmann und Kaufmann müssen gemeinsam arbeiten. Eine Kommission, zu der Fachleute hinzuzuziehen sind, könnte in kurzer Zeit alle Vorarbeiten erledigen. Der Verkauf der fertigen Ware könnte den Fleischer- meistern übertragen werden oder in den Markthallen und anderen Geschäften erfolgen. Hier würde sich ebenfalls un- schwer der richftge Weg finden lassen. Datz die Wurstmacherei im Großbetrieb rentabler ist, be- streiten auch die Fleischermeister nicht. Was sie dagegen ein- wenden, ist, daß vielen kleinen Meistern eine gute Verdienst- quelle genommen wird. Dieser Einlvand kann aber nicht ausschlaggebend sein in der jetzigen Zeit, wo Millionen große Opfer bringen müssen. Der Fleischverkauf nach den jetzigen Preisen und Vorschriften ist ja auch noch ein lohnendes Geschäft._ Die städtische Wurst macherei würde den Bür- gern eine bessere Wurst als bisher liefern können. Wird die Sache am richtigen Ende angefaßt, so wird es auch klappen. So wie bisher darf es in der Wurstfabrikation nicht weiter- gehen!_ Der erste Tag der Fleischkarte« Gestern hat die Fleischkarte in Berlin ihre Herrschaft angetreten. Der bisherige Zustand, Fleisch auf die Brotkarte irgendwo zu ent» nehmen, wo man solches bekommt, hat sein Ende erreicht. Glücklicher« weise, möchte man sagen. Denn in der Hauptsache bekam der, welcher nickt gerade einige Stunden stehen wollte oder konnte, nur durch Glücks zufall einen Bissen Fleisch. Biel wurde.hintenrum" verschoben. Man mußte schon„gute Beziehungen" zu einer Schlächter- meisterfamilie haben, um Fleisch zu erhalien. Das soll nun anders werden. Die Fleischkarte soll dem Inhaber eine Art Anrecht auf Fleischbezug gebe«. Wer jetzt Fleisch haben will, muß zu dem Schlächier gehen, bei dem er in die Kundenlisie sich hat ein« tragen lasten. Der Schlächter soll täglich bekannt geben, wer an die Reihe kommt. Der Kunde muß also öfter nach dem Schlächter gehen und sehen, wann er dran kommt. Auch ein besonderes Vergnügen. Gestern erfolgte der Fleischderkauf nummernweise. Ein ganze Anzahl Schlächter hatte in den Schau« fenstern bekanntgegeben, welche Nummern an die Reihe kommen, und zwar waren zugleich auch Zeiten bestimmt, wie etwa von 8—9 Uhr die Nummerb 1— SO. 9—10 Uhr von 60-100 und so fort. Dadurch wurde» größer« Ansammlungen vcrmieden. Im nächsten Monat dürfte sich eine bessere Regelung herbeiführen lassen, wenn das Publikum sich bei einem anderen Schlächter in die Kundenliste eintragen lassen kann, bei dem weniger Andrang herrscht. Etwas kompliziert war die Berechnung des Preises für die in dieser Woche abzugebende Fleischmenge von 930 Gramm. Auch in den Gastwirtschaften durften gestern Fleischgerichte nur gegen Abgabe von Fleischkartenabschnitten verabfolgt werden. Wild und Geflügel ist fleischkartenfrei. Mord und Totschlag. Eine ganz ungewöhnliche Häufung von Sterbefällen durch Totschlag und Mord hat in Berlin sich in diesem Frühjahr bemerk- bar gemacht. In den sieben Wochen von Anfang April bis in die zweite Hälfte des Mai hinein starben hier infolge von Totschlag oder Mord, soweit behördliche Festellungen darüber vorliegen, nicht weniger als 14 Personen. Was diese Zahl bedeutet, möge eine Bergleichung mit den zu anderen Zeiten gemachten Beobachtungen zeigen. So sind aus den dreizehn Wochen von Anfang Januar bis Ende März dieses Jahres nur 12 Sterbefälle, die durch Tot- schlag oder Mord verursacht waren, zur Kenntnis der Behörde ge- langt. Das ganze Jahr 1916 brachte nur 22 festgestellte Fälle von Totschlag und Mord, woran die vier Vierteljahre mit 2, 9, 6, 8 Fällen beteiligt waren. Ungünstiger hatte das Jahr 1914 ab- geschlossen: bekannt wurden aus ihm 38 Fälle, die sich mit 9, 10, 10, 9 auf die vier Vierteljahre verteilten. Aber selbst gegenüber 1914 darf man bei den bisher aus 1916 und besonders aus den Frühjahrswochen gebuchten Fällen von einer Häufung reden, die auffallen muß. Daß bei an sich so kleinen Zahlen ein Zufall von sehr starkem Einfluß sein kann, ist selbstverständlich. Hoffen wir, datz auch diese in letzter Zeit beobachtete Steigerung nur aus Zu- fälligkeit fich erklärt. Der erste Naturschutzpark um Groß-Berlia ist mit Unterstützung des Zweckverbandes von einem naturfreudigen Privatmanne, dem einer Försterfamilie entstammenden Polizeisekretär Stübner aus Berlin-Treptow in der Königsheide bei Baumschulenweg ange- legt worden. Zunächst wurde das Ende der neunziger Jahre wegen des Kanalbaues abgeholzte Jagen 144 angeforstet und sofort ein- gezäunt, um eS gegen Naturschänder zu schützen. Wir finden hier schon 400 Ahorubäume von sechs bis sieben Meter Höhe, 6000 Eichen, 2000 Akazien, 600 Korkulmen, über 1000 Ebereschen, Kiefern und Birken. Von der Königlichen Oberförsterei Eberswalde wur- den 1000 wertvolle Edeltannen der verschiedensten Art zur Ver- 'sügung gestellt. Zahlreiche Singvögel haben diesen Tag und Nacht unter Aufsicht stehenden Naturschutzpark zur ungestörten Brut- statte erwählt. Demnächst sollen auch einige Wildarten eingesetzt werden. Unweit davon, an dem Wege nach Johannistal, vor dem großen Fenn, wurde das schon seit über 20 Jahren verödete Jagen 136 im Einvernehmen mit dem Zweckverbande von Herrn Stübner mit 2000 Traubeneichen neu angeforstet und eingezäunt. Bemer- kenswert ist hier die dem Wachstum dienlichere und mehr dem Natürlichen entsprechende Bogenform der Anpflanzung im Ge- gensatz zu der sonst in unseren Wäldern üblichen Reihenforstung. Etwa 600 Meter westlich von dieser schönen Kultur wird der Zweck- verband auf einer früheren Brandstelle einen großen Spielplatz an- legen lassen. Durch Unachtsamkeit des Ausflüglerpublikums verbrannte Waldflächen sind leider gerade in der Königsheide sehr zahlreich zu finden. Sie sollen jetzt in schneller Folge sämtlich nach und nach angeforstet werden. Arbciterbildungsschule. Donnerstag, den 8. Juni, abends 81,4 Uhr, findet im Hörsaale der Schule, Lindenstratze 3, 4. Hof rechts, 3 Treppen, der zweite der wissenschaftlichen Einzelvor« träge statt. Genosse Ernst Däumig wird das Thema: „Me s opotamien und die englische Herrfchaft in Indien" behandeln. Eintrittspreis 13 Pfennig.— Die Bibliothek der Schule ist an allen Donnerstagabenden geöffnet. Zur Massenspeisung. Der Wirtschaftsausschuß für Volksspeisung, der gestern im Berliner Rathaus unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth tagt«, nahm die Berichte seiner Kommisstonen entgegen, welche be» reitS lebhast an der Arbeit sind. Bei der daraus folgenden Be- ratung wurde zunächst der Grundsatz endgültig festgestellt, daß die Volksspeisung allen Schichten der Bevölkerung gleichmäßig zu- gängig sein und nicht den Charakter einer Unterstützung, sondern den einer Lieferung gegen Entgelt, und zwar gegen die Selbst« kosten der Stadt, tragen soll. Die Ausgabe der Speisen soll gegen Wochenkarten erfolgen, d. h. für sechs Tag« auf einmal; wer dies besonders verlangt, soll jedoch auch am Sonntag gespeist werden. Das Verhältnis der Naturalspeisung zu bereits bestehenden städtischen Lebensmittelverteilungen wurde eingehend erörtert. Mau gelangte zu dem Ergebnis, daß gegen eine nahrhafte Mittag. speise wöchentlich zwei Drittel von der Fleischkarte und ebensoviel von der Kartoffelkarte abgegeben werden, dagegen die Brotkarte, die Butterkarte und die Zuckerkarte den Haushaltungen für ihre sonstigen Mahlzeiten ungeschmälert verbleiben soll. Die Kommis- sion für die Beschaffung und Ausrüstung der erforderlichen Räum- lichkeiten hat ihren Plan nahezu fertiggestellt und ist in seiner Ausführung begriffen. Der Aufruf zur Anmeldung wird, wie be- reits berichtet, in den nächsten Tagen erfolgen. Erhebliche Schwierigkeiten werden auch in der vorliegenden Angelegenheit durch die kommunale Zerrissenheit Groß-BerlinS in viele Gemeinwesen erwachsen. Wer in einem Vorort wohnt und in Berlin arbeitet, soll auch au den Massenspeisungen teilnehmen können. Da aber entstehen die Schwierigkeiten in der Anrechnung der verschiedenen Kartenabschnitte und in der eventuellen Umrech- nung. Gerade der Krieg hat bewiesen, wie unheilvoll die gemeind- liche Teilung Groß-BerlinS ist. Mietesteiger»«ge« iu Sicht. Der Treptower Hausbesitzervertin hat seine sämtlichen Mit- glieder durch Unterschrift zur Mietesteigerung verpflichtet. Ein Teil der Mitglieder ist darauf nur mit der Maßgabe eingegangen, daß von den zuziehenden Mietern höhere Mieten als blsher gefordert werden sollen. Dabei stehen in Treplow, wo die Mieten schon immer sehr hoch waren, infolge des Krieges nur wenige mittlere und größere Wohnungen leer. Auch die Mieteausfälle durch Ein« ziehung wenig bemittelter Mieter zum Kriegsdienst sind hier im Verhältnis zu anderen Gemeinden kaum nennenswert. Daher be- findet sich die Gemeinde Treptow in der angenehmen Lage, Miete« Unterstützungen bis zum Betrage von 30 M. monatlich zu zahlen. Zu der beschlossenen Mietesteigerung liegt also kein stichhaltiger Grund vor.__ Bom Kettenhandel. Der Fachausschuß für Kartoffeln, Gemüse und Obst der Preisprüfungsstelle Groß-Berlin beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung u. a. auch mit der Frage des sogenannten Kettenhandels. In einem Falle wurde festgestellt, daß Zwiebeln, ehe sie an den Verbraucher gelangt sind, innerhalb von drei Tagen viermal den Besitzer gewechselt haben, und zwar wurde die Ware innerhalb dieser Zeit mit nicht unerheblichen Zwischengewinnen von Holland nach Dresden, von Dresden nach Kattowitz, von Kattowitz an einen Berliner Großhändler und von diesem erst an Berliner Kleinhändler verkauft, die sie endlich dem Verbraucher zuführten. Die Preisprüfungsstelle Groß-Berlin hat beschlossen, datz nur dann die volkswirtschaftliche Notwendigkeit eines Zwischenhandels in Zukunft von ihr anerkannt werden soll, wenn er Obliegenheiten erfüllt, die für die zweckmäßige Verteilung der Lebensmittel von unzweifelhafter Wichtigkeit sind. In anderen Fällen wird die Preis- Prüfungsstelle erwägen, ob eine Unzuverläsiigkeit im Handel, eine Zurückhaltung der Ware oder eine im Verhältnis zur Volkswirtschaft« lichen Leistung unangemessene Preissteigerung vorliegt und ge- gebenenfalls die nötigen Schritte zur Strafversölgung veranlassen. Bei einem Sparkasscnschwindcl erwischt wurde gestern eine 21 Jahre alte Arbeiterin Martha Wirth. Das Mädchen erschienjmt einem Sparkassenbuch, um eine größere Summe abzuheben. Sem Gebaren erregte aber Verdacht. Man schickte es deshalb mit der Weisung weg, später noch einmal wieder zu kommen und be- nachrichtigte unterdessen die Kriminalpolizei. Diese nahm die Ver- dächtige bei ihrer Rückkehr in Empfang, und es ergab sich, daß sie nicht nur dieses, sondern auch noch andere Sparkassenbücher ge- stöhlen hatte. Sie beabsicktigte demnächst einen 31 Jahre alten schon wiederholt bestrasten Bäcker Ernst Schulte zu heiraten, mit dem sie seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis unterhielt. Um sich eine eigene Wohnung einrichten zu können, gingen die beiden ge- werbsmäßig auf den Einbruch aus. Hierbei„arbeitete" der Bäcker, während seine Braut„Schmiere stand". Das Mädchen bestritt erst hartnäckig und wollte das Sparkassenbuch von einem unbekannten Manne erhalten haben. Die Wohnung anzugeben, weigerte es sich. Man fand aber bei ihm einen Zettel, auf dem zufällig die Wohnung angegeben war, und als man dort nun nachsuchte, fand man nicht nur allerhand Beute, sondern auch gleich den Einbrecher Schulte. Beide legten jetzt ein Geständnis ab und wurden dem Unter- suchungsrichter vorgeführt. Den letzten Einbruch hatten sie bei einer Witwe in der Lübbener Straße ausgekundschaftet und dann auch ausgeführt. Verloren gegangen ist am Donnerstag eine rote Kinderstrick- sacke nahe der Waldschänke Sadowa. Abzugeben Boxhagen, Gryphiusstr. 12, Ouergebäude IV, rechts. Mus öen GemeinSen. Kriegsunterstützungen in Weistensee. Dem Kriegsunterstützungsbureau lagen am Schluß des Vor« jahreS 8386 Anträge auf Gewährung von Unterstützung au die Familien der zum Heeresdienst Einberufenen vor. Diese Zahl ist bis Ende März d. I. auf 6648 gestiegen. Es gelangen jetzt 223 600 M. Kriegsunterstützung pro Monat zur Auszahlung. Die Anträge der Kriegerfrauen auf Gewährung von Mietsbeihilfen haben dauernd zugenommen. Sie sind von 790 im Monat Juni 1918 auf 2067 im Monat Januar 1916 gestiegen. Bereits im Monat Januar d. I. erreichten die ausgezahlten Mietsbeihilfen die Höhe von 34 266 M. Den Familienmitgliedern der im Felde stehenden Krieger wurden freie ärztliche Behandlung und freie Medikamente gewährt. Seit dem 1. Juni 1918 bis Ende März 1916 wurde der Arzt in 630 Fällen in Anspruch genommen, Auf Gewährung der Reichswochenhilfe wurden 42 Anträge gestellt. Die bisher bewilligte Summe betrug 3801 M._ Sozialdemokratische Lebensmittelinterpellatio» in Bernau. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde von unseren Genossen folgende Interpellation eingebracht: Gedenkt der Magistrat Maßnahmen zur Regelung der Lebensmittelversorgung für die Bernauer Bevölkerung zu treffen? Genosse H e l b i g führte be« gründend dazu aus, daß ein großer Teil der Bevölkerung nicht in der Lage sei. die ihnen zustehenden Nationen „erstehen" zu können, weil ihnen die Mittel dazu fehlen, ein anderer Teil aber außerhalb Bernaus beschäftigt und bis zur Beendigung der Verlausszeit noch nicht zurückgekehrt ist. Es sei weiter beobachtet worden, baß Besserbemittelte von den übriggebliebenen Waren höhere Rationen, als ihnen zustehen, ins Haus geschickt erhalten, während andere wiederum stundenlang warten mußten, bis sie die gewünschten Einkäufe erledigen konnten. Redner verlangte die Einführung der Massenspeisung und die Errichtung der dazu benötigten Räume. Vom Bürgermeister wurde erklärt, daß sich der Magistrat mit der Frage der Massenspeisung bereits beschäftigt und beschlossen habe, eine Umfrage bei den Kommunen zu halten, welche die Massenspeisung bereits eiugeführt haben. Zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl wurde eine siebengliedrige Kommission gewählt, der auch Genosse H e l b i g angehört. Die Kommission hat unter den 144 Bewerbern für den Bürgermeisterposten zunächst eine engere Wahl zu treffen._ Mus aller Welt. L500 Zentner Käse verdorben. Recht interessante Einzelheiten über die Art, in welch leicht- fertiger Weise heute noch trotz größter Knappheit und Teuerung mit Lebensmitteln verfahren wird, ergab eine Verhandlung vor der Strafkammer in D a n z i g. Wie das.Westpreußische Volks- blatt berichtet, waren die Händlerin Luise Selinskt und der Kaufmann Leo L e ß voin Schöffengericht rn Neustadt wegen Vergehens gegen das Nahruugsmittelgesetz zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt worden, hatten aber gegen das Urteil Berufung eingelegt. Wie nun vom Berufungsgericht festgestellt wurde, hatte der Angeklagte Leh im Auftrage der Selinskt auf einer Auktion in Danzig einige Zentner verdorbenen Käse aufgekauft und dann weiter verkauft. Es handelte sich um Holländer Käse, der in Stettin solange gelagert hatte, bis er minderwertig geworden war. Von dort aus trat der Käse dann eine Wanderung an. Durch Vermittlung von Agenten wurden dreizehn Waggons, das sind etwa 2600 Zentner, von die- fem Käse nach verschiedenen Städten, darunter auch Berlin und Danzig, verkauft. Frau Selinski konnte den Käse aber nicht los werden, da er in allen Farben schillerte und inwendig Maden und Würmer waren. Ihr Beauftragter Letz wollte deshalb den Käse in Neustadt wieder versteigern lassen, mußte sich aber schleunigst drücken, als die zur Versteigerung gekommenen Käufer die Ware näher besahen. Der Angeklagte Letz erklärte, datz er den Käse für 60 M. den Zentner gekauft und in Neustadt für 40 M. verkauft habe. Das sei ein Preis für Futtermittel; man habe also nicht Käse zur menschlichen Ernährung erwarten können. Die Händlerin Selinski will den Käse überhaupt nicht gesehen haben, da sie in Berlin war. Das Berufungsgericht sprach die Händlerin Selinski frei, da sie an der Straftat unbeteiligt war und verwarf die Berufung des Letz. Letzterer hatte gewußt, datz der Käse zur menschlichen Ernährung nicht verwendbar sei, ihn aber dennoch zu diesem Zwecke verkauft. Der AngeLazte Letz ist noch sehr billig davongekommen. Sei» gefährliches Expsriment, diesen Käse, von dem er wußte, daß er vollständig verdorben war, als menschliches Nahrungsmittel weiter in den Handel zu bringen, hätte eine strengere Bestrafung gerecht» fertigt. Neben ihm hätten aber auch noch mehrere andere Per- tonen die Anklagebank betreten müssen, vor allem diejenigen, die den Käse so lange zurückhielten, bis er verdarb. Vielleicht läßt sich das Versäumte noch nachholen. In dieser Zeit ist es keine Privatsache mehr, wenn jemand so große Posten Lebensmittel verderben läßt und jo dem allgemeinen Verbrauch entzieht. Ein„Mustermensch". Zu 6000 M. Geldstrafe verurteilt wurde kürzlich der Land- Wirt Limberg au» Werries bei Hamm. Als er aufgefor- dert wurde, seine Heuvorräte anzugeben, gab er an, er besitze nur 30 Zentner. Nähere Feststellungen der Behörden ergaben, daß er aber 100 Zentner Heu vorrätig hatte. Er lehnte es auch ab, an die Militärverwaltung Heu abzugeben, als er von der Gemeinde- Verwaltung dazu aufgefordert wurde. Da der verurteilte Land- Wirt süngst einen Hof für 220 000 M. verkaufte und ein Barver- mögen von 180 000 M. desitzt, dürfte ihn die Geldstrafe nicht allzu schwer treffen. Noch etwas ist der Erwähnung wert: daß nämlich diese achtbare Staatsstütze bis in jüngster Zeit nur mit einem Steuersatze von 0 M. eingeschätzt war. Der Krieg zeigt uns doch viele Menschen in ihrer wahren Gesinnung. Wer weih, in welch hohem Ansehen der Großbauer Bimberg in und um Werries vordem gestanden hat und— wahrscheinlich— auch nachdem wieder stehen wird. Geld regiert die Welt!_ Geheimnisvolle Explosionen in Bukarest. In einer Patro- nenfabrik in Bukarest kam es, wie das„Neue Wiener Jour- nal" meldet, abermals zu einer großen Explosion, die noch beträcht- licheren Schaden anrichtete als eine bereits früher gemeldete. Die Lufterschütterung mar so stark, daß fast sämtliche Fenster des königlichen Schlosses in Trümmer gingen. Um weitere Unglücks- fälle zu vermeiden, wurden die Häuser in der Nachbarschaft von den Bewohnern geräumt. Die Ursache der Explosion ist noch nicht ge- funden. Noch einer Lesart sollen unbekannte Täter Bonchen auf das Dach der Fabrik geworfen haben. Dreißig Personen wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. WetterauSsichten für das mittlere Norddeutschlaud bis Mittwoch mittag. Ziemlich kühl, vorherrschend wolkig mit weit ver- breiteten, östlich der Oder geringen, im Westen etwas stärkeren Regensällen. parteiveranftaltungen. Dritter Kreis. Alle Zuschriften und Anftagen, die Kreis- angelegenheiten betreffend, sind bis auf weiteres an den neugewählten Kassierer, Genossen Rudolf Butte. Neukölln, Maybachufer 2, Hof IV, zu richten. Wilmersdorf. Anstatt des Juni-Zahlabends findet am 11. Juni die Generalversammlung des Wahlvereins bei Schilling statt. Weistensee. Zu der sür Dienstag, den 6. Juni, geplanten öffentlichen Versammlung, in der Genosse Stadthagen über die Lebensmittelsrage und die Ernährung des deutschen Volkes sprechen sollte, ist die Genehmigung versagt worden. Die Versammlung kann deshalb nicht stattfinden. Lichterfelde. Heute abend S1/, Uhr bei Wahrendorf: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Erklärung des Kreisvorstandes. 2. Ver- einsarigelegenheiterr._ Sriefkaften üer Reöaktion. Die lurtsttsche Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenstr. S. IV. Hos rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uvr, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den B r t e f I a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnementSguitlung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Vertrage, Kchriftstüili und dergleichen bringe«an in die Sprechstunde mit. G. 2. Sie müßte wegen Auszahlung Ihres Anteils Klage erheben. — 21. 25. Ja.— K. 130. 1. Ihre Frau muß die Gerichtskosten zahlen. 2. Sie können als arbeitsverwendungssäbig im Beruf eingezogen werden.— I. P. 82. Unterstützung wird in diesem Fall gezahlt. Die Kriegswitwcnrente hat mit der Veränderung des Wohnsitzes nichts zu tun. — 368 R. Antrag auf Witwenrente müssen Sie beim Polizeirevier unter Vorlegung der amtlichen Todesurkunde, Geburtsurkunden und Trauschein einreichen.— Lohn 15. Nein.— 21. P. 100. Sie müßten zunächst beim Schiedsrichter einen Sühnetermin beantragen. Nach fruchtlosem Ver- laus desselben könnten Sie Klage beim Amtsgericht wegen Beleidigung an- strenge».— M.®. TO. 1. Die Beförderung muß erst wieder besonders erfolgen. 2. New. 3. Ein Antrag an irgendeine Stelle ist daher zwecklos. 4. Ja.— A. L. 3. Aus Grund der Vollmacht Ihres Sohnes können Sie einen schleunigen Arrest beim zuständigen Amtsgericht cnvirken.— R. G. 100. Die Ehesran erbt die Wirtschastsgegenstände im voraus und vom übrigen Nachlaß die Hälfte, der verbleibende Teil entfällt aus die Eltern bezw. Geschwister des Verstorbenen.— K. 8. 16. Wenn Sie nicht von der LandesverfichcrungSanstalt aus in die Heilstätte geschickt worden sind, zahlt die LandeSversicherungsanstalt auch nicht die Kosten. Dagegen muß die Krankenkasse für die Kosten auskommen, wenn Sie auf Anord- ordnung der Kasse in die Heilstätte gekommen sind.— M. C. 13. Nein. — W. H. 20. 1. Der Schubmacher ist zum Schadenersatz verpflichtet; Sie müssen den tatsächlichen Schaden unter Abzug des verminderten Wertes der Stiesel berechne». 2. Schadenersntz können sie sosort verlangen. — H. F. 3. Wenn Ihr Einkommen sich jetzt wesentlich verändert hat, werden Sie nach dem jetzigen Ewkommen zur Steuer veranlagt.— R. P. 14. Emen solchen Antrag nimmt die Polizei entgegen.— 26. Neukölln. Der Abzug ist zuläsfig.— Jordan 1016. Sie haben die preußische Staatsangehörigkeit noch nicht. Sie müssen sie erst durch Antrag erwerben. — N. N. 73. Sie brauchen nicht zu reklamieren, die Frist sür die Steuereinschätzung läuft sür die zum Heeresdienst Eingezogenen nicht. — F.®., Kü strin. Nein, da die Bedürftigkeit in diesem Falle jedensallS nicht angenommen wird.— 21. 100. Sie müssen das Gesuch selbst an- fertigen und dem Generalkommando in Berlin einreichen.— Kaulsdorf. 1. Ja, die Kinder find aber pflichttellsbercchtigt. Sie können deshalb nicht ohne weiteres von der Erbschaft ausgeschlossen werden, wohl aber können sie als Nacherben eingesetzt werden, das heißt, nach dem Tode des überlebenden Ehegatten erben die Kinper den noch vorhan- denen Nachlaß. 2. und 3. Ja. 4. Auch die Kinder haben Anspruch auf die Wirtschaft. 5._®tc Frau erbt ein Viertel des Nachlässes — F. O. 600. Wenden Sie sich an das Kriegsministerimn, Bauabteilung, Leipziger Str. 5.— 21. 00. Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums, Prinz-Albrecht-Str. 8, abends 5— S Uhr.— U. 44. 1. Auskunft erhalten Sie in der Zentrale sür private Fürsorge, Flottwellstraße 4. 2. Nieren- erkranlung. 3. Nein.— W. L C., Wette. Die Fragen können aus Zensurgründen nicht beantwortet werden.— 110. Z. L. Es ist uns im- möglich, die geschilderten Zustände öffentlich zu geißeln. Wenden Sic sich um AbhUfe an Ihre Gewerkschastsorganisation. Todes-Anzeigen Dentscti. TranspoFtorbeiter-Verti. Bezirksverwaltung Grob-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeits- bursche Fritz Otto am 1. d. Mts. im Alter von 14 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 6. Juni, nach- mittags 3Y, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 65/8 Die Bezirksverwaltung. Deotseder HolzarbeiterTeM. Zahlstelle Berlin. Nachruf. s Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler öruno l-snxe Mainzer Str. 53 im Alter von 33 Jahren ge- starben ist, Ehre seinem Andenke«! . Die Beerdigung fand am Sonn- abend, den 3. Juni, statt. Den Mstgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Hermann Wiese Hagelbergerstr. 3 im Alter von 69 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Juni, nach- mittags i1/, Uhr, von der Halle des Friedhofes der Chrifws-Ge- mewde m Martendorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/12 Die OrtSverwaltnng. Am 30. 5. 16 verstarb im Dienst für das Vaterland infolge emes Unglücks- salles der Fahrer Frnst Nlewes. Als tüchtiger und zuverläsfiger Soldat und treuer Kamerad, der seit Beginn des Feldzugcs Freud und Leid mit uns geteilt hat, werden wir ihm ein bleibendes Andenken bewahren. 798b Die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der leichten Proviant-Kolonur 2 der 1. Kav.-Div. Im blühenden Aller von neun- zehn Jahren fiel am 23. Mai 1916 durch Granawalltreffer unser üeber herzensguter Sohn, Bruder und Schwager, der Musketier Georg Pfarr Jnsanterie-Re giment Nr. 24. Die trauernden Eltern und Geschwister 140A Alexander Pfarr, Berlin-Weißensee, Sedanstraße 73. Du sankst dahin, wie Rosen sinken, Wenn fie in voller Blüte steh'». Schlaf wohl, es gibt lein Wieder« sehen. Am Sonntag, den 4. Juni, oer- starb unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Schlosser .Johannes Krüger im 33. Lebensjahre. Die zeigen an A Die tiesbetrnbten Eltern. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 7. Juni, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Städtischen Friedhofes, See-, Ecke Müllerftraße, aus statt. Treues Gedenken! Heute vor einem Jahre fiel auf dem Schlachtseide mein einziger Bruder und Eousin, der Grenadier HeW Schmökel. In trauriger Erinnerung Elisabeth Freitag. Ella Dreher. Du bleibst uns unvergeßlich. LllllllZllgllllss. Für die liebevollen Beweise der Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter Ullrtd» Klos sagen wir allen Verwandten, Fremiden und Bekannten sowie meinen Mit- arbettern der Firma Kcyling u. Thomas unfern besten Dank. 41A Robert Klos und Söhne. Ungeahnte Erwerbs- NBgllchhelfen bietet die nächste Zukunft Eine tief- greifende Änderung unseres gesamten Wirtschaftslebens, ein gewaltiger Aufschwung unserer Industrie u. des Handels steht bevor, und es werden überall geschulte Kräfte gesucht sein. Angehörige technischer Berufe u. Handwerker sollen nicht versäumen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten der kommenden Zeit anzupassen, um teilzunehmen an den wirtschaftlichen Erfolgen, die naturgemäß das Ergebnis des gewaltigen Ringens sein müssen. Das beste Mittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht eine gründliche Ausbildung in technischen Wissenschaften zu erwerben, sind die technischen Selbst- unterrichtswerke„SystaKarnack- Hachfeld". 80 S. starke Broschüre kostenlos. Bonness S Hochfeld, Potsdam, Postfach 167 Vtrulllltullgsstelle Kerlin N 54, Amenstr. 83-85. Telephon; Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9— 1 und von 4—7 Uhr. Autogenschweitzer. Mittwoch, den 7. Juni ISIS, abends 8 Uhr: Versammlung der Autogenschweitzer und Autogenschw eitzerinnen im Lokal von Stein, An der Stralauer Brücke'3. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Zahlreiches und pünttliches Erschemen wird erwartet."VU Donnerstag, den 8. Juni 1916, abends 8 Uhr: Vranchen-Versammlung der Elektromonteure u. Helfer Grost-Berlins in den Musiker-Festsälen(Hochzeitssaal), Kaiser-Wilhelm-Str. 31. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Branchcnangelegenheiten. 4. Verbands- angelegenheiten. 5. Verschiedenes. 118/1 Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingte Pflicht. MJ. Neue Adressen der im Felde stehenden Kollegen sind erwünscht und umgehend au den Branchenleiter, Linienstr. 83/83, ewznsendeu. Dl« OrtsTerwaltnng. Sozialdemokratischer Vahlrerein für den 2. Berliner Reiehstagsvahlkreis. Heute Dienstag, den 6. Juni abends 8�/2 Uhr: General-Versammlung in der„Viktoria. Brauerei", Lützowstr. 112. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht deS Vorstandes sowie Bericht der Kommissionen. 2.. Aufstellung der Kandidaten zum Vorstand und zu den Kommissionen zu der am 18. Juni er. stattfindenden UrWahl. 3. Wahl deS Kreis< Bildungsausschusses sowie des Zenttal- WahlkomitecS und Wahl der Dclegierlen zur Verbands- generalversammlung. 4. Verschiedenes. 206/3- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.—— D«r Vorstand. | Trauer- Magazin| gegründet 1806 iBrunnenstr. 56-571 Auf Wunsch Auswahlsendung. Tel. Norden 8549.-I Blusen»-» 2.90 M.°-.I Röcke von 4.75 M.«ml Maganfertigung in 8 Stundend »MMW � einer lieibbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Maßanfertigung sowie Bruchbandagen � Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., Lothringer Str. 60.* Lieferant für Krankenkassen. ■ Spezialarzt I ! für Haut-, Harn-, Frauenleiden,' , nerv. 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Bericht von der Generalversammlung. 2. Bericht über die gegenwärtige Lage der Branche. 3. Sonsttge Branchcnangelegenheiten. Die Vertraaenamlinnersltznng pünktlich nm 8 Ihr abends statt. Vertrauensmännerversamnilungen. Tischler, Bezirk Südwesten. Mittwoch, den 7. Juni, abends 8 Uhr, bei lileln, Hafeuheide 8S. Tischler, Bezirk Südost 1 u. Ä. Mittwoch, de« 7. Juni, abends 8'/, Uhr, Naunhnstr. S, bei 1,1er. Modelt- und Fabriktischler sowie Modelldrechsler. Mittwoch, den 7. Juni er., abends 8'/, Uhr, bei Waldt, Pflngftr. 5. Korbmacher. Mittwoch, 7. Juni, abends 8 Uhr, bei Krause, Mariauueuplatz 8. Stellmacher. Mittwoch, 7. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Hummel, Sophienstr. 5. Möbelpolierer Südosten sowie Beizer und Magazinarbeiter. Mittwoch, 7. Juni, abds. 8>/z Uhr, bei Prettin, Marianuenstr. 41, 87/9_ Die Ortsverwaltang. �3�| Stwtstlv'IS dtutvcA/ IS 5� f>ss»| ICmwOaX»» Spezialarzt Dr. med. WockentnB, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. 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Das Werk ist in einfacher und klarer Weise von einem Kollegen ge- schrieben und daher bestens zu empfehlen. Zu beziehen gegen Einsendung des Betrages van 3,56 M. oder unter Nachnahme von 3,86 M. vom Verlag Edmnnd Herrmann, Berlin, Frnchtstrahe 51. Geschäftszeit 8—5 Uhr.»