Zlr. Iö6.- II. Jahrg. üdonnemeotz-kecklngungeni ilbonnomems. Preis pränumerando Vierteljährl. 3M MI. monaU. IPV Ml. wöchenllich 30 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags« numnicr mit illusiricrier Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Pöit- Abannemcnt: 1,30 Marl vre Monat. Eingetragen in die Posi.Zeitungs. Preislisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn ZäO Aiarl, für das übrige Ausland i Marl pro Monat, Postabonnemems nehmen an Belgien, Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Numameill Schweden und die Schweiz. Crtdxint täglich. Verlinev VslkcsblÄkk. � S Pfennig � Sie Tnlcrtions-Gebühr hctrflgt für die lechsgespoltene Kolonel« zeile oder deren Raum 00 Big,, für politische und gewerlschaftliche Pcreins- und Versanimlungs- Anzeigen 30 Pfg. „Nleine Znrcig-n", das teligedruckte kort 20 Pig,(zulässig 2 fettgedruckte Körte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafiiellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Auch- Itaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müilen bis a Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exbediiton ist bis? Uhr abends geosinet. relegramm-Adresje: .Sozialdemokrat Berlin". Zcntralorgan der(ozialdemokrati fchen parte» DeutfeWands. RedoPtion: SW. 6$, Linöenstraße 3. Zsernivrecher: Amt Moritzplav. Nr. 131 80—15» 97. Donnerstag, den 8. Juni IVIV. Expeüttton: SW. H8, �möenstrahe 3. Fernsprecher: Amt Moritfplat,. Nr. 131»0-151 V7. Reichsbuöget, Kriegskreöite unö Volksernährung. Eine wichtige Reichstagssitzung. Die gestrige Reichstagssitzung zerfiel in zwei scharf ge- trennte Abschnitte. Von 10—12 Uhr beherrschten das Reichs- b u d g e t und die neuen Kriegskredite die Sitzung, dann die Frage der V o l k s e r n ä h r u n g, die schließlich auf den folgenden Tag vertagt wurde. Zunächst faßte der Reichstag einen einstimmigen Beschluß auf Einsetzung einer Kriegskontrollkommission, dem Staatssekretär Dr. H e I f f e r i ch im Prinzip zustimmte. Dann ließ sich der Fortschrittler H u b r i ch dazu gebrauchen, beim P o st e t a t dem Genossen Z u b e i l das Wort ab- schneiden zu helfen, indem er sich im letzten Augenblick vor diesem zum Wort meldete, so daß ein Diskussionsredner zum Wort gekommen und damit ein Schlußantrag möglich ge- worden war. Genosse K u n e r t brachte beim Etat der Reichsdruckerei gesetzwidrige Anrechnungen von Kriegs- renten auf die Löhne zur Sprache, deren Außerkraftsetzung Staatssekretär K r a e t k e zusagte. Damit war die dritte Lesung des Etats beendet. Nunmehr gab vor der Gesamtabstimmung über das Reichsbudget Genosse E b e r t im Namen der alten Fraktion eine Erklärung ab, in der nachgeholt wurde, was in der am Tage vorher vom Genossen Gradnauer ge- haltenen Etatsrede vermißt worden war: die Begründung für die Ablehnung des Etats. Diese Begründung ging vom Kurs der inneren Politik und besonders von der Hineinarbeitung der neuen indirekten Steuern in den Etat aus, war also keine grundsätzliche, wie sie durch die Parteitagsbeschlüsse gefordert wird und tags vorher vom Ge- Nossen L e d e b o u r für die Sozialdemokratische Arbeits- gemcinschaft gegeben worden war, sondern eine taktisch- opportunistische. Beide sozialdemokratischen Fraktionen stimmten darauf gegen das Reichsbudget. Im unmittelbaren Anschluß daran kam die neue Kr i e g s kr e d i t v,o r l a g e von zwölf Milliarden zur Verhandlung. Bei dieser Gelegcnbeit hielt der neue Rcichsschatzsekretär Graf v. Roedern seine Einführungsrede vor dem Hause. Nach ihm gab Genosse Dr. Landsberg für die alte Fraktion eine Erklärung ab, in der er— die Zustimmung seiner Fraktion zu den Mil- liardenkrediten mit der Kriegssituation begründete. Genosse H a a s e begründete für seine Fraktion deren grund- sätzlich ablehnende Stellung. Er hob dabei besonders hervor, daß die für die Etatsablehnung sprechenden Gründe e r st recht für die Ablehnung der Kriegskredite sprechen und schloß mit einem Bebelschen Wort über die Not- wendigkeit der Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus. Die scharfen und klaren Worte des Genossen Haase riefen den Staatssekretär Dr. Helfferich auf den Plan, der sich besonders gegen Haases Feststellung wendete, daß die kapitalistische Gesellschaftsordnung die Schuld an dem Weltkriege trage und den Genossen Haase indirekt als Förderer der imperialistischen Politik Englands hinzustellen suchte. Genosse Haase antwortete knapp und scharf, indem er diese Verdächtigung zurückivics und die Art des Helfferich- scheu Auftretens vor dem Parlament als Ucberhebung kenn- zeichnete. Bei der Abstimmung über die Kriegs- kredite stimmte die neueFraktion geschlossen dagegen; die Minderheit der alten Fraktion hatte den Saal verlassen, so daß große Lücken in den Bänken der Fraktion den Gegensatz in ihren Reihen auch äußerlich er- kennbar machten. Die Ernährungsdebatte leitete als Berichterstatter Graf Westarp mit einem dreistündigen Referat ein, in dem in ausführlichster Weise die Verhandlungen in der Budget- kommission wiedergegeben wurden. Nach ihm sprach der bayerische Zentrumsmann Matzinger in etwa einstündiger Rede, in der er versuchte, im Konsumenteninteresse eine mäßig kritische Note anzuschlagen und gleichzeitig die schützende Hand über die angegriffene Landwirtschaft zu halten. Genosse H o f f m a n n- Kaiserslautern, der in der alten Frak- tion taktisch auf dem linken Mehrheitsflügel, sachlich auf dem Minderheitsstandpunkt steht, hielt darauf � eine An- klagerede, die unbarmherzig wie ein Hagel- Wetter in die burgfriedliche Stimmung hineinprasselte. Jeder Satz gemessen und abgewogen, messerscharf und wuchtig zugleich, hielt er eine gründliche Abrechnung mit dem ganzen System der Systemlosigkeit und Widersinnigkeit, mit dem die Ernährungsfrage behandelt worden ist. Er ging dabei unerbittlich bis an die Wurzel des Uebels, als die er das auf Profit und Ausbeutung beruhende privat- kapitalistische Wirtschaftssystem bezeichnete, dem der Wucher dieser Kriegszeit notwendig entspringe. Als Genoffe Hoffmann in wirkungsvoller Drastik die Ausbeutung des Volkes durch die Kapita- listenklasse im Kriege geißelte, fiel ihm der national- liberale Vizepräsident Dr. P a a s ch c ins Wort und erregte dadurch den Widerspruch bei beiden sozialdemokratischen Fraktionen; Genosse Geyer erhielt einen Ordnungsruf, als er Herrn Paasche zurief, durch seine Geschäftsführung unter- stütze er den Wucher. Genosse H o s f m a n n setzte seine grundsätzlich und großzügig angelegte Kritik fort und erntete dafür weiter den stürmischen Beifall der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, der Minderheit und des größten Teils der Mehrheit der alten Fraktion; nur verschiedene der Mehr- heitsführer saßen schweigend mit sichtlichem Unbehagen über die schonungslose Rücksichtslosigkeit der Rede da. Staatssekretär Dr. Helfferich suchte ihren nachhaltigen Eindruck sofort abzuschwächen, indem er den vom Genossen Hoffmann angeblich allein hervorgekehrten Schattenseiten die „Lichtseiten" in der Ernährungsorganisation gegenüber- zustellen sich bemühte. Er forderte wiederum den heftigsten Widerspruch unserer Genossen heraus durch die schon bei der Debatte über die Kriegskredite vom Genossen Haase zurückgewiesene Art seines Auftretens. Sehr scharfe Töne gegen die bisherige Ernährungspolitik der Rcichsregierung schlug darauf auch der Fortschrittler Hoff-Kiel an, der besonders auf den schreienden Widerspruch hinwies, daß einer- seits Fleischnot herrsche und andererseits das Wild rubel- weise die Felder verwüstet, ohne zum Abschuß freigegeben zu werden. Den Schluß der Sitzung bildete eine Rede deS neuen Lebensmittel-„Diktators", des Herrn v. Batocki. Er sprach frisch und flott und zeigte für bureaukratische Schranken und Formeln wenig Sinn und Verständnis, so daß seine Rede eine durchgängig sympathische, bei den bürgerlichen Parteien sogar freudige Aufnahme fand. Er vermied es, nach irgend einer Seite aggressiv zu reden und suchte offenbar zu dem Vertrauen der Agrarier, das ihn schon in sein neues Amt hineinbcgleitct hat, auch noch um das Vertrauen der übrigen Volksschichten zu werben. Ob und wieweit er damit Erfolg haben wird, hängt vor allem von den Taten ab, die er ini Kriegsernährungsamt vollführen wird. Nach seiner Rede vertagte der Reichstag die Weiterberatung auf Donnerstag früh 10 Uhr zur voraussichtlichen Schlußsitzung der gegenwärtigen Tagung. Unsere Genossen mögen den ausführlichen Bericht über die gestrige Rcichstagssitzung mit besonderer Aufmerksam- keit lesen. Dabei wird ihnen zweifellos der klaffende Widerspruch in die Augen springen, der zwischen der neuen Kreditbcwilligung und der Rede des Genossen Äoff- mann klafft, mit der sie sicherlich auch die Rede des Genossen Dr. Gradnauer vom Tage vorher nicht in Einklang zu bringen wissen werden. Daraus die richtige Schlußsolgerung zu ziehen, darf man getrost ihrem gesunden Urteil überlassen. »* Gegen die Kriegskredite stimmte die„Sozialdemokratische Ar- beitsgemeinschaft" und der Abg. Rühle. Non der.Sozialdemo- kratischen Fraktion" enthielten sich der Abstimmung durch Eni- fernung aus dem Sitzungssaale 22 Abgeordnete, nämlich A l- brecht, Antrick, Baudert, Brandes, Davidsohn, Emmel, Erdmann, Ewald, Edmund Fischer sSachsen), Fuchs, Hoch, Hofrichter, Hüttmann. Hügel, Jäckel, Krätzig, Leutert, PeiroteS, Raute, Reitzhaus, Schmidt sMeitzen), Simon. In der Fraktion hatte D a v i d s o h n sich der Abstimmung enthalten, gegen die Be- willigung der Kriegskredite haben die übrigen 21 Genossen und außerdem die Genossen S t u b b e und S t ü ck l e n gestimmt. Bei der Abstimmung im Plenum stimmte Stubbe für die Bewilligung, Stückten nahm an der Abstimmung nicht teil, weil er als Schrift- sührer fungierte._ die Seeschlacht vor öem Skagerrak in amtlicher darstellung. Amtlich. Berlin,?. Juni.(83. T. 83.) Bon englischer Seite wird in amtlichen und nichtamtlichen Prcssctelegrammen und in Auslastungen, die von den englischen Missionen im neutralen Ausland verbreitet werden, in systematischer Weise der Versuch gemacht, die Größe der englischen Niederlage in der Seeschlacht vom 31. Mai in Abrede zu stellen und den Glauben zu erwecken» als sei die Schlacht für die englischen Waffen erfolgreich gewesen. So wird u. a. behauptet, daß die deutsche Flotte das Schlachtfeld ge- räumt, die englische Flotte es dagegen behauptet habe. Hierzu wird festgestellt: Das englische Gros ist während der Schlacht am Abend bei 31. Mai durch die wiederholten wirkungsvollen Angriffe unserer Torpedobootsflottille zum Abdrehen gezwungen worden und seitdem unseren Streitkräften nicht wieder in Sicht gekommen. Es hat trotz seiner überlegenen Geschwindigkeit und trotz deS Zlnmarschcs eines englischen Linienschiffögcschwadcrs von zwölf Schiffen aus der südlichen Nordsee weder den Versuch gemacht, die Fühlung mit unseren Streitkräften wiederzugewinnen, um die Schlacht sortzu- setzen, noch eine Bereinigung mit dem vorgenannten Geschwader zu der angestrebten Vernichtung der deutschen Flotte hcrbcizu- führen. Mit der weiteren englischen Behauptung» daß die englische Flotte vergeblich versucht habe, die fliehende deutsche Flotte rinzu- holen, um sie vor Erreichung der heimischen Stützpunkte zu schlagen, steht die angeblich amtliche englische Erklärung, nach der Admiral Jclliroe mit seiner großen Flotte bereits am 1. Juni in den über 300 Meilen von dem Kampfplatz entfernten Stützpunkt Scapa Flow (Orkneyinscln) eingelaufen sei, im Widerspruch. So haben denn . auch unsere nach der Schlacht zum Nachtangriff nach Norden über den Schauplatz der Tagcsschlacht hinaus entsandten zahlreichen deutschen Torpcdobootsslottillcn von dem englischen Gros trotz eis- rigen Euchens nichts mehr angetroffen, vielmehr hatten unsere Torpedoboote hierbei Gelegenheit, eine große Anzahl Engländer von verschiedenen gesunkenen Schiffen und Fahrzeugen zu retten. Als ein weiterer Beweis für die von den Engländern bestrittene Tatsache der Beteiligung der gesamten englischen Kampfflotte an der Schlacht vom 31. Mai wird darauf hingewiesen, daß der eng- lische Admiralitätsbericht selber die„Marlborough" als gcfcchts- unfähig bezeichnet hat. Des weiteren ist am 1. Juni von einem unserer I1-Boote ein anderes Schiff der„Jron Dukc"-Klastc in schwerbeschädigtem Zustande der englischen Küste zusteuernd ge- sichtet worden. Beide vorgenannten Schiffe gehörten dem englischen Gros an. Um die Größe des deutschen Erfolges herabzumindern, wird ferner von der englischen Presse der Verlust der zahlreichen eng- tischen Schiffe zum großen Teil auf die Wirkung deutscher Minen, Unterseeboote und Luftschiffe zurückgesührt. Demgegenüber wird ausdrücklich betont, daß weder Minen, welche nebenbei bemerkt der eigenen Flotte ebenso gefährlich hätten werden müssen wie der feindlichen, noch Unterseeboote von unserer Hochseeflotte verwendet worden sind. Deutsche Luftschiffe sind lediglich am 1. Juni, und zwar ausschließlich zur Slufklärung benutzt worden. «Der deutsche Sieg ist durch geschickte Führung und durch die Wirkung unserer Artillerie und Torpedowaffe errungen worden. Es ist bisher darauf verzichtet worden, den vielen angeblich amtlichen englischen Behauptungen über die Größe der deutschen Verluste entgegenzutreten. Tie letzte, immer wiederkehrende Bc- hauptung ist, daß die deutsche Flotte nicht weniger als zwei Schiffe der Kaiser-Klassc, die„Westfalen", zwei Schlachtkreuzer, vier kleine Kreuzer und eine große Anzahl von Torpcdobootszcrstörcrn per- loren habe. Tic Engländer bezeichnen außerdem die von uns als verloren gemeldete„Pommern" nicht als das aus dem Jahre 1005 stammende Linienschiff von 13 000 Tonnen, sondern als ein mo- dernes Großkampfschiff desselben Namens. Demgegenüber wird festgestellt, daß der Gesamtverlnst der deutschen Hochsccstrcitkräfte während der Kämpfe am 31. Mai und 1. Juni sowie in der darauffolgenden Zeit beträgt: 1 Schlachtkreuzer, 1 älteres Linienschiff, 4 kleine Kreuzer und 5 Torpedoboote. Bon diesen Verlusten sind in den bisherigen amtlichen Be- kanntgaben als gesunken bereits gemeldet: S. M. S.„Pommer n"(von Stapel gelaufen 1005), S. M. S.„W i e s b a d e n", S. M. S.„E l b i n g", S. 8». S.„F r a u c n- l o b" und 5 Torpedoboote. Aus militärischen Gründen ist bisher von der Bekanntgabe de? Verlustes S. M. S.„L ü tz o w" und„R- st o ck" Abstand genommen worden. Gegenüber falschen Deutungen dieser Maßnahme und vor allem in Abwehr englischer Legendenbildunge» über unge- heucrliche Verluste auf unserer Seite müssen diese Gründe nun- mehr zurückgestellt werden. Beide Schiffe sind auf dem Wege zu ihren Reparaturhäfen verloren gegangen, nachdem die Versuche fehlgeschlagen waren, die schwerverletzten Schiffe schwimmend zu erhalten. Die Besatzungen beider Schiffe einschließlich sämtlicher Schwerverletzten sind geborgen worden. Während hiermit die deutsche Verlustliste abgeschlossen ist, liegen sichere Anzeichen dafür vor, daß die tatsächlichen englischen Verluste wesentlich höher sind, als von unserer Seite auf Grund eigener Beobachtungen festgestellt und bekanntgegeben worden ist. Aus dem Munde der englischen Gefangenen stammt die Bekundung. daß außer„Warspite" auch„Princeß Royal" und„Birmingham" vernichtet sind. Auch ist zuverlässigen Nachrichten zufolge das Großkampfschiff„Marlborough" vor Erreichung deS Hafens ge- funken. DieHochsecfchlachtvordemSkagerrakwarund bleibt ein deutscher Sieg, wie sich allein schon aus der Tatsache ergibt, daß selbst bei Zugrundelegung nur der von amt« licher englischer Stelle bisher zugegebenen Schiffsvcrlustc einem Gesamtverlust von 00 720 deutschen Kricgsschiffstonncn ein solcher von 117 750 englischen gegenübersteht. Der Chef des Admiral st abcs der Marine. Englische Gefangene über üie Verlufte in öer Seeschlacht. Amtlich. Berlia, 7. Juni.(W. T. B.) Nach der Seeschlacht beim Skagerrak sind von deutschen Seestreitkräften eingebracht: Von„Queen Mary" 1 Fähnrich. 1 Mann, von „Jndefatigable" 2 Mann, von„Tipperary" 7 Mann, davon 2 verwundet, von„Nestor" 3 Offiziere, 2 Deckoffiziore, 73 Mann, davon 6 Mann verwundet, von„Nomad" 1 Ossi- ziere, 68 Mann, davon 1 Offizier und 10 Mann verwundet, von„Turbulent" 14 Mann, alle verwundet. Diese insgesamt 177 Engländer wurden von unseren kleinen Kreuzern und unseren Torpedobooten gerettet. Gefangene, die von der b. Torpedobootsflottille aufgefischt wurden, haben ausgesagt, !daß sie den kleinen Kreuzer„Birmingham" haben sinken ' sehen und daß der Schlachtkreuzer„Princeß Royal" schon schwere Schlagseite gehabt habe, als sein Schwesterschiff „Queen Mary" unterging. Andere von der 3. Torpedoboots- flottille gerettete Engländer haben schriftlich erklärt, daß sie das Sinken der„Warspite", der„Princeß Royal", des„Tur- . bulent",„Nestor" und„Alcasta" mit Sicherheit beobachtet hätten. Eine englische verluftangabe. London, 6. Juni. lW. T. B.) Unter den Offizieren, die in der Seeschlacht umgekommen find, befanden sich die Konter- admiralc Horace Hood und Sir R. Ärbuthnot. Nach der Verlustliste der Admiralität wurden 833 Offiziere getötet und 24 verwundet. Von den Besatzungen folgender Schiffe sind alle umgekommen:„Jndefatigablc",„Defence",„Black Prince",„Tipperary".„Turbulent",„Nomad" und„Nestor". Von den Schiffen„Oueen Mary",„Inviucible",„Fortune", „Ardcnt" und„Shark" werden 41 als überlebend gemeldet. Ferner werden 227 als tot oder vermißt gemeldet. Der Eindruck vom Toüe Kitcheners. Dem.Amsterdamer Handelsblad" wird aus London gemeldet, dag die Nachricht von Kitcheners Tod einen nieder« schmetternden Eindruck machte. In der Eilt) flürzten die Menschen aus Restaurants und Bureaus und umringten die Zeitungs« Verkäufer, denen die Blätter buchstäblich aus der Hand gerissen wurden. Tie Sensation in den Klubs war unbeschreiblich. Auf vielen Gebäuden wurden die Fahnen auf Halbmast gchitzt. Die Vorhänge im Kriegsamt wurden niedergelassen. Die Blätter be- trachten den Tod Kichieners als eine nationale Katastrophe. Einem anderen Amsterdamer Blatte wird aus London berichtet, daß die Nachricht vom Untergang der.Hampshire" die Nation wie ein Donnerschlag getroffen hat. Demselben Korrespondenten zufolge hatte der Kreuzer von Beginn seiner Reise an mit schweren Seen zu kämpfen. Es ging ein heftiger Nordwind, der die NellungSboote wahrscheinlich zum Sinken brachte. Die.TimeL" erfährt, datz Kitchcner von General Artur Ellershaw begleitet war, ferner waren ihm der technische Berater des Munitionsministeriums Sir Frederick Donaldson, O'Birne vom Auswärtigen Amt, ein Ingenieur des Munition»« Ministeriums Robertson, ferner DonaldsonS Privatfekrctär Rix und der Detektiv Mac Laughlin zugeteilt. Dem.Nieuwen Rotterdanischen Courant' wird auS London ge- meldet, dag Sir William Robertson, der in der letzten Zeit be- reits eine wichtige Rolle im KriegSamt spielte, allgemein alSKitchenerS Nachfolger genannt werde. Auch Lord Derby wird genannt. Helagerungszuftanö in Griechenlanü! Petersburg, 6. Juni. kW. T. B.) Die PeterS- bürg er Tclcgraphcn-Agentur meldet aus dem PiraeuS: Die griechische Regierung beabsichtigt, den Belagerungszustand über Griechenland zu verhängen und Bcnizclos sowie seine hervor« ragend st en politischen Anhänger zu ver- hasten. verhängung öer Dlockaüe gegen Griechenlanü. Per«, 7. Juni.(W. T. B.) Der Mailänder„Sccolo" meldet aus Saloniki: Der Vicrverband hat gestern die Blockade über die griechische Küste ver« hängt. Mailand, 7. Juni.(23. T. B.) Der Korrespondent deL „Secolo" in Saloniki bemerkt zu der V e r h ä n g u n g der Blockade über Griechenland, sie könne genügen, um Griechenland zu einer richtigen Einschätzung der eigenen Interessen zurückzubringen, da die Teuerung aller Lebensmittel direkt unerträglich geworden sei. In Athen eingetroffene Pariser Nachrichten, tvonach Frankreich, England und Rußland infolge des dcutsch-bulgarischcn Vor- maisches auf griechischem Gebiete energische Maßnahmen zur Sl ufrechter Haltung der griechischen Ver« f a k s u n g ergreifen wollten, hätten in Athen lebhafte Bewegung hervorgerufen. Einige glauben, daß die Mußnahmen, falls die griechische Regierung sich ihnen widersetze» sollte, selbst das Königshaus in ernste Verlegenheit bringen könnten. Dasselbe Blatt meldet ferner: Tic Lage in der griechischen Hauptstadt ist kritisch. Die Minister beraten fast un unter- b rochen. Die venizeli st ische Presse greift die Regierung aufs heftigste an. VenizeloL beschuldigt im.Kirik" den G e n e r a l st a b offen. den Boden für ein deutsch- griechisch es Bündnis vorbereitet zu haben. VcnizeloS fügt hinzu, da die Regierung über ein mobilisiertes Heer verfüge, sei sie b e» reit, alle Aeußerungcn des Volks willcnS zu unterdrücke»» Meldung des bulgarischen Hauptquartiers. Sofia, 6. Juni.(33. T. B.) Bericht des Gencral- st a b e S vom 5. Juni. An der nlazedonifchen Front weder Ereignisse noch Zusammenstöße von besonderer Wichtigkeit. Die Operationen beschränken sich auf schwache Zusammen- stöße zwischen unseren und den feindlichen Patrouillen. Am 3. Juni zerstreute tiuscre Artillerie zwei scindlichc Kompagnien nördlich des Dorfes Popovo(östlich des Doiransccs) und zwang sie zurückzugehen. Zwei andere Kompagnien� wurden gezwungen, VerschanzungSarbcitcn auf der Höhe 570 uord- östlich des Dorfes Corni Poroj aufzugeben und sich in diescS Dorf zu flüchten. Am selben Tage warfen feindliche Flieger Bomben auf die Stadt Doiran und die Dörfer Lugaudjik und Nikolitsch, aber ohne jeden Erfolg. Am 4. Juni nahm eine unserer Patrouillen am Doiransee eine französische Patrouille gefangen, die von einem Offizieraspirantcn befehligt war. Erwähnenswert ist. daß in den letzten Tagen der Feind Patrouillen gebraucht, die mit griechischen oder türkischen Uniformen bekleidet sind. Der französische Tagesbericht. Poris, 6. Juni(W. T. B.)« m t l i» e r Bericht vom Dienstag nachmittag. Am rechten Ufer der Maa« richteten die Deutschen während der Nacht zwei Angriffe gegen die fran« zöstschen Stellungen zwischen Vaux und Damloup. Sie scheiterten vollständig. ES ist keinerlei Veränderung der Lage vor dem Fort Vaux zu berichten, da« die Deutschen fortgesetzt heftig beschießen. Poris, 7. Juni(W. T. B.» Amtlicher Bericht von g e st e r n abend. Von der Front nördlich von Berdun wird keine Jnfanterieiätigkeit während des Tages gemeldet. Der Artillerie« kämpf dauerte in der Gegend von Vaux und Damloup mit gleicher Heftigkeit an. Der Bataillonskommandeur Rayral, der da« gort Vaux mit unverminderter Kraft verteidigt, ist zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt worden. Belgischer Bericht: Beiderseitige Beschießung in der Gegend östlich von Perwyse und RamScapelle. Mng lies«en SWMkiecs. Ilmtlich. Großes Hauptquartier, deu 7. Juui ISIb.(83. T. S?.) Westlicher Kriegsschauplatz. Zur Erweiterung deS am 2. Juni auf den Höhen süd- östlich von Ipern errungenen Erfolges griffen gestern oberschlesische und württembergische Truppen die englischen Stellungen bei Hooge an. Ter vom Feinde bislang noch gehaltene Nest des Dorfes, sowie die westlich und südlich anschließenden Gräben find genommen. TaS gesamte Höheugelände südöstlich und östlich von Apcrn in einer Ausdehnung vou über 3 Kilometer ist damit in unserem Besitz. Die englischen blntigcn Verluste sind schwer. Wiederum kouutc nur eine geringe Zahl Gefangener ge- macht werden. Lluf dem westlichen MaaSuser gingen abend» starke französische Kräfte nach heftiger Artillerievorbereitung zu dreimal wiederholten Angriffen gegen unsere Linien auf der Caurcttes-Höhe vor; der Gegner ist abgeschlagen, die Stellung lückenlos in unserer Hand. Auf dem Ostufer haben die am 2. Jnni begonnenen harten Kämpfe zwischen dem Eaillette-Walde und Damloup weitere Erfolge gebracht. Die Panzerfeste Vaux ist seit heute Nacht in'allcn ihren Teile« in nnseren Händen. Tatsächlich wurde sie schon am 2. Jnni durch die erste Kompagnie des Paderborner Jnfantcrie-NegimentS unter Führung dcS Leutnants Rackow gestürmt, der dabei durch Pioniere der 1. Kompagnie Reserve- Pionier- Bataillons Rr. 20 unter Leutnant der Reserve Rnberg wirkungsvoll unterstützt wurde. De» Erstürmcrn folgten bald andere Teile der ausgezeichnete« Truppe. Die Ver- öffcntlichung ist bisher unterblieben, weil sich in uns un- zugänglichen unterirdischen Räumen noch Reste der franzö- fischen Besatzung hielten. Sie habe« sich nunmehr ergeben, wodurch einschließlich der bei den gestrigen vergeblichen Entsatzversuchen einge- brachten über 700 unvcrwundcte Ge- fangenc gemacht, eine große Anzahl Geschütze, Maschinengewehre und Minriiwerfcr erbeutet wurden. Auch die Kämpfe um die Hänge beiderseits deS Werkes und um den Höhenrücken südwestlich dcS Dorfe» Damloup sind siegreich durchgeführt. Der Feind hatte in den letzten Tagen verzweifelte Anstrcngiingcli gemacht, den Fall der Feste nud der anschließenden Stellungen abzuwenden. Alle seine Gegenangriffe sind unter schwersten Verlusten fehl- geschlagen. Neben den Padcrborncrn haben sich andere Westfalen, Lippcr und Ostpreußen bei diesen Kämpfen besonder» her- vortun können. Seine Majestät der Kaiser hat dem Leutnant Rackow den Orden pour le merite verliehen. Qestlicher und Balkan-KlriegSschauplatz. Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert. Oberste Heeresleitung. Die Kampfe um siort Vau»., Rr MnelÄMe knimiMMM. Wien, 7. Juni.(W. T. v.) Amtlich wird ver- l a u t b a rt: Russischer Kriegöschauplah. von stark überlegene» tträste» angegriffen wurden unsere in Wolhynien a» der« b e r c n P u t i l o w k a kämpfenden Streit- kräste in den lliaum von L n ck zurückgenommen. Die Bewegung»ollzog sich ohne wesentliche Störuug durch deu Gegner. An allen anderen Stelle» der ganzen Noidosifront wurden die Russen blutig abgewiesen, so nordwestlich von Rasalowka am untereii Styr, bei Berestianq am Korminbach, bei Lapanow, an der oberen Strypa, bei JaSlowiec, am Dnjestr und an der beffarabischen Grenze. Nordwestlich von Tarnopol schlug eine unserer Divisionen an einer Stelle zwei, an anderer sieden Angriffe zurück. Lehr schwere Verluste hat der Feind auch im Raum« von O k n n und Dobronoucz erlitte», wo seine Sturmkolonncn vielfach in erbittertem Handgemenge geworfen wurden. Jtalicnischcr Kriegsschauplatz. Südöstlich von Asiago setzten unserc Truppen den Angriff bei Ccsuna fort. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert ruhig. Der Stellvertreter de« Chef» de» Gcncralstabcl. v. Horfrr, Fcldmarschallcutnant. Die englische Melüung. London, 6. Juni.(W. T. B.) Amtlicber B e r i cb t. Sckuverer Kamps am Nachmittag östlich von Apern. Der Feind eröffnete gegen mittag eine hestige Beschießung in der Gegend von Hooge und Aperli; er brachte eine Reibe von Minen zwiicben 3 und 4>/z Uhr nachmittags an verschiedenen Punkten auf einer LOOO DardS langen Front nördlich von Hooge zur Explosion. Hieraus folgten vergebliche Jnfanterieangriffe. Uninittelbor nördlich von Hooge drang der Feind nach einer Minencxplosion in die vordersten Gräoen ei». Der Kampf dauert an, unsere allgemeine Linie ist noch ungebrochen._ Der russische Kriegsbericht. Petersburg, 7. Juni.(W. T. BY Amtlicher Bericht vom S. I n n i. Westfront: Bei Tiinaburg brock ein nördlich der Elienbobn nach Poniewicz angesetzter deutscher Angriff in unserem Feuer zusammen. In der Nacht zum S. Juni gingen die Deutschen südlich Smorgon über ihre Drahthindernisse vor, um sich eines vor- geschobenen Grabens von uns zu bemächtigen. Unser Maschinen- gewebrseunr und ein Gegenangriff warf sie in ihre Gräben zurück. Am S. Juni versuchten die Deutschen südöstlich Krewo nach Artillerievorbereitung unsere vorgeschobene Siel- lung bei Katschany(Iv.S Kilometer südöstlich Krewo) anzu- greifen. Von unseren Reserven wurden sie wieder zurück« geworfen. Auf der Front vom Prypec bis zur rumänischen Grenze bauen unsere Truppen ihren am K. 6. erzielten Erfolg weiter aus. Bi« jetzt ist die Zahl der Gefangenen ans 480 Offiziere und 25000 Mann gestiegen, außerdem wurden 27 Geschütze und mehr als 50 Maschinengewehre erobert. Kaukasus: An der Front gegen Baiburt und gegen Erzingjan wurden mehrere unserer Abschnitte von den Türken an- gegriffen, die mit Srlillerieuntersiützung vorgingen. Sie wurden jedoch überall abgewiesen. Bei Khanikin, 130 Werst nordöstlich Bagdad, errangen wir am 3. 6. einen Erfolg gegen die Türken. Melöung der italienischen Heeresleitung. Rom, 7. Juni.(W. T B.) Amtlicher Bericht von Dienstag. Im Etschlal versuchte der Gegner in der Nacht vom 4. zum 5. während eines Schneesturmes Ueberfälle auf uniere Stellungen im oberen Brandtal und auf dem Pasubio. wurde jedoch überall zurückgeschlagen. Gestern gingen feindliche Abteilungen nach starker Artillerievorbereitung zum Angriff aus den Coni Zugna vor. Von unserem ruhigen und genauen Feuer getroffen, wichen sie rasch in Unordnung zurück. Auf der Front Posina— Astach warf der Gegner in der Nacht vom 4. zum 5.. dem Sturme trotzend, wieder große Jnfanleriemassen. die durch heftiges Feuer der Batterien aller Kaliber unterstützt wurden, gegen unsere Stellungen zwischen dem Monte Giove und dem Monte Brazome vor. Infolge des ichnellen Eingreifens unserer Artillerie und der festen Hallung unserer In- ianlerie gelang eS, den Angriff unter schweren Verlusten für die Anstürmenden abzuschlagen. In derselben Nackt glückte e« uns durch einen Gegenangriff, einige« Gelände auf den Westabhängcn de» Monte Cengio zu gewinnen. Auf der Hochfläche von Asiago hielt der Feind während der Nackt vom 4. zum 5. und am folgenden Morgen unsere Stellungen läng« des TaleS von Campomulo unter heftigem Artillerie- und Maschinengcwehrfeuer. Am Nachmittag unter- nabm er gegen diese lebhafte und hartnäckige Angriffe, die jedesmal kräftig zurückgewiesen wurden. Im Hochcordevole wurde eine fcind- lich« Abteilung aus dem Mariche von Pralongia zum Sief durch die gut gerichteten Schüsse einer unserer Batterien zerstreut. In, Pusta« tal beschossen wir mit schweren Geschützen die Bahnhöfe von Toblach und Jnnichen. Am Jsonzo dauerten die kühnen Angriffe unserer Ab- teilungen gegen die Linien deS Gegners an. Feindliche Flieger warfen Bomben auf Ala und Verona, wo vier Personen verwundet und einiger Schaden angerichtet wurde. Dericht des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 6. Juni.(W. T. B.) Hauptquartiersbericht. An der I r a k f r o n t im Abschnitt östlich von Nassirich erbeuteten unsere Mudjahids und unsere Truppenabtcilungen auf dem Euphrat drei große mit Lebensmitteln für den Feind beladen? Segelschiffe und machten die Besatzungen nieder. Im Abschnitt von Fellahie keine Veränderung. Die seit einiger eit in Kasri Schirin in Südpersien versammelten russischen treitkräfte rückten auf einem Nachtmarsch in der Nacht vom 20. zum 21. Mai in der Richtung KaSri Schirin— Khankin vor und griffen in drei Kolonnen unsere vorgeschobenen Ab- teilungen bei Khankin an. Während ihre Truppen vom rechten und vom linken Flügel unsere Zlbtcilungcn zu umgehen versuchten, ivurden sie durch unsere Reserve- truppen von hinten und in der Flanke angegriffen. Die Flügcltruppen sowie zwei andere feindliche Einschlicßungs- kolonncn wurden zerstreut und zu regelloser Flucht gezwungen; sie wurden einige Zeit von den Unsrigcn verfolgt. 57 Ge- fangen?, eine Anzahl Gewehre, Bomben. Kosakenlauzen fielen im Verlauf dieses Kampfes in unsere Hände. Die feindlichen Verluste werden auf 50O Mann geschätzt, darunter, wie durch Zählung festgestellt, über 100 Tote. An der K a u k a s u s f r o n t ist die Lage auf dem rechten Flügel unverändert. Der Feind unternahm mit zwei Regimentern einen Angriff gegen die von unserer Vorhut besetzten Hügel, 2'/, Kilometer nördlich von Baschtöij. Dieser Angriff wurde unter Verlusten für den Feind abgeschlagen. Im Zentrum setzten unsere Truppen staffclsörmig und mit Erfolg ihre Offensive fort und sind bis auf acht Kilometer westlich von Aschkale herangerückt. Diese seit einiger Zeit wirksam gegen den linken Flügel dcS Feindes durchgeführte Offcnside wurde seit vorgestern gegen die Stellungen deS feindlichen rechten Flügels auf den Obstabhängcn des KopcbcrgcS ausgedehnt. ier vertrieben unsere Truppen durch Bajonettangriffe den cind aus seinen Stellungen in einer Ausdehnung von 14 Kilometern und jagten ihn 8 Kilometer weiter nach Osten, wobei sie ihm Verluste von über 1000 Mann an Toten und Verwundeten zufügten und 67 Gefangene machten. Um den Rückzug seines linken Flügels zu verhindern, setzte uns der Feind in den Kämpfen, die bis zum Abend dcS 22. Mai heftig anhielten, hartnäckigen Widerstand entgegen und ver- suchte von Zeit zu Zeit einige Angriffe, die vor den un- gestümcn Stürmen unserer Truppen vollständig zusammen- brachen. Unsere Truppen besetzten die beherrschenden Stellungen auf diesem Flügel. Namentlich die Bergketten deS Nairamgcbirgcs, von denen aus unsere Stellungen auf dem Kopebcrge wirksam bestrichen werden konnten, fielen gänzlich in unsere Hände. Zwei Schnellfeuergebirgögeschütze, ein Munitionswagen, eine große Menge Artillcricgcschosse. etwa 100 Waffen, ein Maschinengewehr und fünf Kamellasten. darunter ein Telcphonkabel, Lebensmittel und Feldkcffel voller fertig zubereiteter Speisen wurden dem Feinde im Laufe dieses Kampfes abgenommen. Feindliche AufNärungS- abteilungcn, die herbeieilten, um die Geschütze zu bergen, wurden völlig niedergemacht. So geht die im Zentrum auf einer Front von über 50 Kilometer durchgeführte Offensive trotz der Unbilden der Witterung zu unseren Gunsten weiter. Auf deni linken Flügel wurden die Angriffe und heftigen Uebcrfälle, die der Feind mit einem Teil seiner Streitkräfte unternahm, erfolgreich und unter Verlusten für den Gegner abgeschlagen. Sieben feindliche Schiffe beschossen einige Zeit Kusche Ada und den Abschnitt östlich davon und riefen einen Brand in diesem Orte hervor. Außerdem wurden zwei Per- soncn verwundet. Von den übrigen Fronten keine wichtige Nachricht. Konstantinopel, 7. Funi.(W. T. B.) TaS Hauptquartier teilt mit: An der I r a k f r o n t hat sich auf dem rechten und linken Flügel nichts von Bedeutung ereignet. Im Zentrum vertrieben wir den Feind von neuem aus einigen Stellungen und schlugen ihn weiter nach Osten zurück. Wir erbeuteten Maschinengewehre, eine Menge Waffen und 200 Kisten mit Jnfanteriemunition. Ein feindlicher Monitor beschoß ein Torf an der Küste der Insel Keustcn und zerstörte zwei Häuser zum Teil. Wir vertrieben durch unser Feuer ein Flugzeug, das über die dortigen Gewässer flog. Sonst nichts von Bc- deutung. vom v-Sootkrieg. London, 7. Juni.00 Männer mit religiöscii oder Gewisscnbcdcntcn gegen die Dienst- pstichl unter Anklage. Eine Anzahl von ihnen ist zu mehreren Jahren harter Arbeit verurteilt worden. Große Aufregung hatte die Tatsache hervorgerufen, daß Plötzlich 17 junge Leute an die Front nach Frankreich geichickr und mn der Todesstrafe bedroht wurden, wenn sie sich„angesichts des Feindes" weigerten, den Be« sehlen Folge zu leisten. Das war etwas die englischen Begriffe von der Freiheit der Uebcrzeugung und der Respelticrung gefestigter religiöser und moralischer Anschauung so Verletzendes, daß von allen Seiten die Proleste gegen das Vorgehen der Militärbehörden und der Regierung kamen. Am 22. Mai gab daraufhin Lord Kitchener im Öberhause bekannt, daß Widerstand leistende Männer mit Gewisiensbedenken(Coascicmtious Objectors) aus den Händen der Miliiärgewalt genommen und von Zivtlgertchlcn ab- gcurieilt weiden sollten. KilchenerS Worte ließen nicht klar er- kennen, wie diese Angelegenheiten tünsttg bebandelt werden sollen. Ein fester Plan liegt wohl auch noch nicht vor, aber' der „Manchester Guardian' teilt mit. daß anzunehmen sei, alle Conscienlious ObjectorS. die durch ihren beharrlichen Wider- stand die Ernsihaitigkeit ihrer lleberzeugung bewiesen kälten, würden aus der Armee genommen werden. Eine Anzahl der Dienst- Verweigerer hätle sich, als es ernst wurde, mit dem Dienst ad- gefunden; sie hätten dadurch gezeigt, daß ihre Ueberzeugung nicht unuinstößlich gewesen wäre. Tie anderen dagegen, deren Wille auch durch die härteste Behandlung nicht gebrochen werden konnte, sollen vor die Zivilgcrichte koinmen. Auch sie sollen nicht stei sein, sondern zu nationaler Arbeit verpflichtet werden. Das ist zweifellos ein Fortschrirt, wenn auch noch nicht seststeht, was aus den jungen Leulen werden wird, wenn sie sich weigern. nationale Arbeiten zu verrichten, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem Kriege stehen. Die Militärbehörden und die Regierung haben natürlich auch erkannt, daß ernsthafte Dienstverweigercr ein Ballast und eine Gefahr für das Heer sind. Aus der Haft der Leute wurde dauernd gemeldet, daß die Ueberwachungsmannschasten zu ihrer Ueberzeu- gung bekehrt wurden. Einer der Antimilitaristen schrieb vom Lager, daß„alle Soldaten in den Hütten ringsum nachts die„Rote Fahne" sängen zur großen Bestürzung der militärischen Autor!» täten". Im Oberhaus hatte Lord Courtney auf das Törichie des scharfen Vorgehens gegen die Dienstverweigerer aufmerksam ge- macht. Er verlangte zwar auch Strafe, aber er erklärte es für un- möglich, die Leute zu zwingen. Sie lassen sich nicht zwingen. Am besten hatte jedoch das Mitglied eines schottischen Militärtribunals die Sache erfaßt. Als ein Conscientious Objector um Befreiung nachsuchte, beantragt er,„diesem Mann absolute Befreiung zu geben, um der Armee willen. Mit diesen Ideen würbe er ein ganzes Regiment demoralisieren." Viele der Dienstverweigerer find Mitglieder der Unabhängigen Arbeiterpartei, und es ist anzunehmen, daß diese Männer, die um ihrer lleberzeugung willen so standhaft gelitten haben, später auch in politischen Kämpfen nicht von ihrer lleberzeugung abgehen wer- den, mag der Streit noch so heftig sein. Die Männer find die Hoffnung der nächsten Zukunft. Die Hlasgower Arbeiter gegen ü!e Dienstpflicht. Die schottischen Mitglieder der Arbeiterpartei find wenig ent- zückt von dem Verhalten ihrer Abgeordneten im Unterhaus in der Wehrpflichtsfrage. Auf der Jahreskonferenz der Glasgower Labonr Party kam das deutlich zum Ausdruck. Mit 116 gegen 4 Stimmen wurde eine Resolution angenommen, die zunächst prinzipiell die Dienstpflicht ablehnt und dann in den heftigsten Ausdrücken die Abgeordneten verurteilt, die für die Dienstpflicht stimmten. Sie verlangt ferner die Cinberufung einer nationalen Konserenz. um die neugeichaffene Situation zu besprechen und schließt mit einer besonderen Anklage gegen George R. Barnes, den Arbeiter- abgeordneten des Wahlkreises, deßen Rede und Abstimmung sich in direktem Gegensatz zu der Meinung der organisierten Arbeiter Glasgows befunden habe. Die Minorität stimmte nur deshalb nicht für die Resolution, weil sie die Verurteilung ihres Abgeordneten in der Resolution nicht ausgesprochen haben wollte.— In der Diskussion sielen harte Worte, es wurde von Betrug der Arbeiter durch die militaristischen Arbeiterabgeordneten gesprochen.„Labour Leader" teilt mit, daß nur etwa 20 Mitglieder der I. L. P.(Unabhängige Arbeiter- Partei) anwesend gewesen seien und er schließt aus der ganzen Stimmung, daß in nicht allzu langer Zeit„jede Arbeiterorgonisa- tion sür den Frieden auf demokratischen Prinzipien kämpfen wird." Der Nachfolger guanschikais. Peking, 7. Juni.(W. T. B.) Meldung des Rcutorschen Bureaus. Der Vizepräsident Li I u a n- H u n g hat vor- läufig die Präsidentschaft übernommen. politische Ueberflcht. Gefährdung der preußischen Steuervorlagen. Im Gegensatz zu dem Abgeordnclenhause, das die erhöhten Zu- schlüge zur Einkommensteuer und zur Ergänzungssteuer nur auf ein Jahr bewilligen will, hat die Kommission des Herrenhauses die ur- sprüngliche Regierungsvorlage wiederhergestellt, wonach die Zu- schlüge Geltung haben sollen für die Zeit vom 1. April 1Sl6 bis zum Beginn desjenigen Elalsjahrcs. für das ein nach Abschluß des Friedens mit den europäischen Großmächten aufgestellter Staats- Haushalt in Kraft tritt. Falls sich das Plenum des Herren- Hauses diesen Beschluß seiner Kommission zu eigen macht, ist das Zustandekommen des Gesetzes gefährdet. Herr v o n H e y d c b r a n d hat am 80. Mai im Abgeordnetenhause ausdrücklich anerkannt, seine Freunde würden dem Gesetz nicht zu- stimme», wenn der Termin und die Gelrungsdauer ver- ändert werden sollte». Sollte dies in einem späteren Stadium der Verhandlungen eintreten, so würden sie wahrscheinlich genötigt sein, gegen ein solches Gesetz zu stimmen. Das war ein deutlicher Wink an das Herrenhaus. Auch Dr. P o r s ch erklärte für das Zentrum, daß seine Partei die Vorlage ablehnen müsse, falls die Geltung«- dauer verlängert wird. Ans den gleichen Standpunkt stellten sich die Redner aller übrigen Parteien. Wenn trotzdem da« Herrenhaus an dieser einmütigen Willenskundgebung des anderen Parlaments vorübergeht, so beweist eS dadurch nur, daß es es auf eine Kraft- probe ankommen lassen will. Wir sind begierig, wie diese Kraft- prohe ausfällt. Eröffnung der bayerischen Kammer. Zu Beginn der Sitzung der Kammer der Abgeordneten wandte sich der Präsident v. O r t e r e r mit einer Ansprache an die Abgeordneten, die sich erhoben hatten. Er schloß damit: «So sehen wir trotz aller Schwierigleitcu doch ringsum ein frohes Hoffen, und vielleicht nähren die großen Erfolge der letzten Wochen in unseren Herzen mit Recht eine stille Friedenshoffnung, die ja wohl in aller Herzen lebt, eine Hoffnung auf einen Frieden aber, der nur dann sür uns ersirebenöwert und annehmbar ist, wenn er ein ehrenvoller und dauernder ist, ebenbürtig den unend- lichen Opfern, die wir mit seltener Hcldcnmüligkeit und Einmütig- keit gebracht haben, und die, wenn es die bittere Notwendigkeit erfordern sollte, das deutsche Volk und seine Verbündeten auch fernerhin zu bringen entschlossen sein werden und müssen." Württembergs Finanzen. Im Entwurf des Finanzgesetzes und des Haupifinanzetatl für das Rechnungsjahr ISIS sieht die württembcrgijche Regierung einen Kriegszuschlag zur Einkommensteuer vor, durch den der Staatskasse rund drei Millionen Mark zugcsührt werden sollen. Nach Einstellung dieser Mehreinnahme beläuft sich der Slaaisbcdarf auf 121 086 432 M.. der Fehlbetrag auf ö248 04S M. Vor- gesehen ist eine Erhöhung der Einkommensteuer auf 12ö Proz. der Einheitssätze, 20 Proz. mehr, als im Vorjahre erhoben wurden._ Ein wichtiger Beschluß für Kriegsbeschädigte. Der Stadtrat in F r e i b u r g i. B. ergänzte den K 8 der Bestimmungen über die Vergebung von Arbeiten und Lieferungen sür die Stadt Freiburg dahin: „Unternehmern, die sich ohne hinreichenden Grund weigern, Kriegsbeschädigte einzustellen, oder ihnen keine angemessene Entlohnung gewähren, sollen städtische Arbeiten oder Lieferungen nicht übertragen werden." Dr. Settsch als Kolomalenthuflast. Gestern abend fand in der„Philharmonie" die Versammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft statt, zu der der Vorstand dieser Gesellschaft»eben anderen Parlamentariern auch den sozialdemo» kratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Lensch als Redner ge- Wonnen hatte. Waä die vier durgerlichen Herren(AmtsgerichtSrat Schwarze vom Zentrum. Dr. Etresemann von den Nationallibe- ralen. Pfarrer Naumann von der Freisinnigen VollSpartei und Graf v. Westarp von den Konservativen) zu sagen hatten, war avso- tut nichts Neues; ihr Standpunkt zur Kolonialpolitik ist bekannt. und es kann höchstens noch betont werden, daß sie sich allesamt zur Weiterführung und Ausdehnung dieser Politik bekannten, verstärkt durch eine noch gesteigerte Flottenpolitil. Einzig med allein daS Austreten Dr. Lenschs an dieser Stelle, das von uns ja bereits ge- würdigt wurde, fiel aus dem sonst gewohnten Rahmen dieser Ver- anftalningen. DaS mußte Lensch auch selbst zugeben, da auch er es als sonderbar erklärte, daß er als Redner eingeladen war und keinen Korb gegeben habe. Was Dr. Lensch über die Rotwendigleit einer deut» schen Koloniaipolitik selbst sagte, ist sür den, der seine Wandlung während des Krieges verfolgt hat. auch nichts Neues ge» wesen. Er unterschied sich in seiner Aufsasjung in nichts von de» übrigen Rednern, in Begeisterung für die Kolonialpolitik übertraf er aber selbst den Grasen Westarp. Unter der Unantastbarkeit der deutschen Grenzen versteht er auch die vollständige Erhaltung der deutschen Kolonien, deren Wert nach seinen Worten auch von der gesamten Sozialdemokratie jetzt anerkannt werde, nachdem Eng- land durch seine Absperrungspolitik ihn klar gemacht habe. Für diese Behauptung tonnte er allerdings nur die Stimmen zweier Gewerkschaftler anführen, die in dem bekannten Buche„Arbeiter- interessen und KriegSergebnis" sich dahin ausgesprochen hatten, daß Deutschland Kolonien brauche, um im eigenen Besitz von Rohstoffen zu sein, und daß deshalb auch die Arbeiter ein Interesse am Kalo- nialdesitz hätten. Da dieser Meinung in der Parteipresse schon Widerspruch entgegengesetzt worden ist» hatte Lensch absolut kein Recht, im Ramen der Sozialdemokratie überhaupt, geschweige denn im Namen der gesamten Sozialdemokratie zu sprechen. Er mag sehen, wie er mit dem stürmischen Beisall. den er mit seiner falschen Erklärung bei seinen Zuhörern erhielt, später fertig werden wird. Wir können hier nur erklären, daß über eine veränderte Stellung der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zur Koloniaipolitik zu reden, Dr. Lensch kein Man» dat besaß. Was er sprach, war nur seine eigene Meinung und schließlich noch einiger anderer in der Arbeiterbewegung tätiger Männer. Wie die Partei als Ganzes darüber denkt, wird sich erst später feststellen lassen._ Gemütsmensche«. Die.Kreuz-Ztg." schreibt zum Tode KitchenerS:„Da da» deutsche Volk nach dem Worte deS Reichskanzlers die Sentimentalität verlernt hat, so wollen wir ruhig der Empfindung Ausdruck geben, die die Nachricht vom Untergang KilchenerS und seines StabeS bei uns ausgelöst hat: es ist eine ebenso grimmige wie be« reÄtigte Freude darüber, daß. und zwar aber« malS durch untere Marine, ein Mann den Tod ge« sunden hat. der zu den gefährlichsten und unerbittlichsten Schürern des Weltkrieges gehört hat." Alt« polizeiliche Methoden. Am 4. Juni sollte in Weiß, einem kleinen Landorte bei Köln, eine Besprechung von sozialdemokratischen Frauen stattfinden. Es wurden etwa 20— 25 Genossinnen erwartet. Zur Verhinderung dieser„Versammlung", die sich mit LcbenSmittelfragen beschäftigen sollte, erschiene» ein Gendarmerie-Obor Wachtmeister, ein Gendarm, ein Polizeidiener, ein Flurschütz. Sie folgte» dein als Redner erschienenen Genossen Sollmann aus Kol» auf Schritt»rnd Tritt, um zu verhindern, daß er Privat« gespräche mit de» Frauen führe und sich Notizen mache. Auch als er mit einem Dutzend Frauen einen Keinen Spaziergang unter- nabm, schlosien sich zwei Gendarmen an. Dem Wirt war durch ein Schreiben de« Bürgermeisters angekündigt worden, daß er sich straf« bor mache, wenn er die Versammlung stattfinden lasse. Die Mit« gliederzusainmenluiift wurde also vereitelt. Bezugsscheine sür Web-, Wirk- und Ttrickwaren. Ueber die von der ReichSbekleidungssielle geplanten Maßnahmen zur Streckung der Vorräte in Web-, Wirk- und Slrickwarcn erfährt „Der Konsekiianär' solgendcs: Die Einsühruitg einer Kleiderkarte nach Art der bereits bestehende» LebcnSiniltelkaricn ist nicht beabsichtigt. ES sind vielmehr Bezugsscheine für den Kauf von Web-, Wirk- und Strickwaren bis zu einer gewisse» PrciSgrenze i» Aussicht gcnonuncn, die nach Vorprüfung durch Jnterossintcngrilppen(Gewerkschaften, Hand- lungSgehilfenverbände u. a.) ziemlich leicht zu«ihalle» sein werden. Eine wesentliche Hemmung deS Geschäftsverkehrs dürste also kaum zu erwarten sein. ES soll nur ein übermäßiger Verbrauch an not» wendigen Belkeldungsgegenständen vermieden werden.— Die ReichS- bekleidungSstelle wird auch aus die P r e i S g e st a l t u n g von Textilwaren einwirken. Für diejenigen Textilivaren, ivclK� auS den von uns besetzten Gebicien(Belgien, Frankreich, Rutilsch-Poksn) stammen und durch die NeichSbelleidungssielle dem Verbraucher über den Groß- und Kleinhandel zugeführt werden, soll unter Berücksichti- gung der Spesen und der üblichen Kalkulation der Verdienst des Groß- und Kleinhandels nach oben hin beschränkt werden. Beschlagnahme von Altgummi. Amtlich. Nochmals wird darauf hingewiesen, daß durch die Bekanntmachung betreffend Beschlagnahme und BeslandSerhebung von Altgummi, Gummiabfällen und Rcgcneraten vom 1. April 1316 alle G u m in i a b f ä l l e, Altgummis und Regencraie, sofern der Borrat ein« und derselben Person 1 Kilogramm übersteigt, beschlagnahmt und am 1. Juni dieses Jahres von neuem bei der Koulschukmeldestelle der KriegS-NohIioffabteiluug, Berlin>V 3, Pols- damcr Straße 10/11, zu melden sind. Die beschlagnahmten Vor- räte dürfen nur an die Beauftragten der Kautschukabrechnungsstelle zu den in der Bekanntmachung beNessend Höchstpreise sür Altgummi und Gummiabsälle vom 1. April 1316 sestgesctzlen Preisen verlaust oder geliefert werden. Wie srühere Sammlungen von Gummi gezeigt haben, finden sich immer wieder Gummiabsälle aller Art in HauS- Haltungen und Betrieben an. Im Interesse einer weiteren Versorgung der Industrie mit Material sür die Herstellung neuer Gummiworen liegt es, alle, auch kleine Mengen von Gummiabfällen den Sammeltägern von Gummi zuzusühre». Um den einzelnen Personen, die für die Abgabe von kleinen Mengen Gummi in Betracht kommen, die Ablieferung möglichst zu erleichtern, dürflcn in den Städten und Gemeinden zweckmäßig Sammlungen zu veranstalten oder Sammelstellen zu schaffen sein, an die in de» Haushallunoen vorgefundene Gummiabsälle aSzuliesern wären. Als Entschädigung sür die einzelnen Klassen der Abfälle können jedoch keine höheren Vergütungen ge- währt werden, als die in der oben angeführten Bekanntmachung de- stimmten Höchstpreise. Die gesammelten Absälle wären dann durch die Gemeinden an die Beauftragten der Kautschul-Abrechnungsstell« Gewerkschaftliches. Kriegsbeschäöigtenfurforge im Mslergewerbe. Auch ini Malergewerbe beschäftigen sich seit längerer Zeit die Unternehmer- und Gehilfenorganisationen damit, wie den aus dem Kriege zurückkehrenden beschädigten Berufsangehöri- gen am besten geholfen werden kann. Schon im November vorigen Jahres unterbreitete der Verband der Maler, zu- gleich ini Auftrage der übrigen Arbeiterorganisationen, den Unternehmerorganisationen bestimmte Vorschläge über ge- wisse Grundsätze, nach denen bei der Unterbringung und Be- schäftigung kricgsbeschädigter Berufsangehöriger von den bei- derseitigen Organisationen verfahren werden sollte. Diese wurden dann im Laufe der Zeit weiterberaten und nach ein:- gen Abänderungen kürzlich von allen Seiten angenommen. Im Malergcwerbe— im weitesten Sinne gefaßt— ist die Unterbringung kriegsbeschädigter Arbeiter mit manchen Schwierigkeiten verknüpft. Die Arbeiten werden hier zum weitaus größten Teile nur außerhalb der eigentlichen Werk- stätten auf fortgesetzt wechselnden, oft sehr primitiv eingerich- teten Arbeitsstellen unter ganz verschiedenartigen Verhält- nissen hergestellt. Darum muß jeder einzelne Arbeiter in der Regel selbständig tätig sein können, mit Ausnahme vielleicht und unter ganz besonderen Bedingungen in den wenigen gro- ßcn Betrieben, die eine gewissen Teilarbeit einrichten können. Tic Arbeiter des Malergewerbes sind aber auch Witterungs- einflüssen, schädlichem, teils sogar giftigem Staub und erheb- lichen Unfallgefahren ausgesetzt; sie müssen ihre Tätigkeit fast vollständig auf Leitern oder von in der Regel recht flüch- tig, weil zu vorübergehendem Gebrauch erbauten Gerüsten verrichten. Das alles muß dem vielfach geschwächten Orga- nismus der Kriegsbeschädigten, die sicher mehr zu gewissen Krankheiten neigen und körperlich natürlich hilfloser sind als völlig gesunde Menschen, sehr nachteilig sein. Sonach müßte hier bei der Beschäftigung von Kriegs- beschädigten in deren Interesse und im Allgemeininteresse auf einen erhöhten Gesundheits- und Unfallschutz Bedacht genom- wen werden. Zweifellos werden ärztliche Wissenschaft und Technik auch manchen beschädigten Gehilfen wieder zu der- hältnismäßig guten Leistungen allgemeiner Art zu befähigen vermögen. Die nunmehr abgeschlossenen Richtlinien für die Tätigkeit der Unternehmer- und Gehilfenorganisationen bestimmen, daß diese sich gemeinsam bemühen sollen, die kriegsbeschädigten Ar- beiter möglichst wieder ihrem früheren Berufszweige, wenn angängig auch dem früheren Betriebe, zuzuführen. Meister und Gehilfen sollen ferner den kriegsbeschädigten Berufs- angehörigen behilflich sein, daß sie entsprechend der Anpas- sungsfähigkeit ihrer verletzten Glieder ihre Arbeitsleistung möglichst his zu der eines gesunden Arbeiters steigern kön- nen. Kriegsbeschädigte, die nicht mehr als Gehilfen belchäf- tigt werden können, sollen möglichst anderen Arbeitsleistun- yen zugeführt werden, zum Beispiel als Hilfskräfte in Kon- toren, Ateliers, in der Materialverwaltung, zur Beauffichti- gung und Bedienung. Auch zur Weiterbildung soll angeregt werden. Dabei sollen die Fach- und Fortbildungsschulen in Anspruch genommen und die Reichs-, Staats- und städtischen Behörden ersucht werden, die notwendigen Unterhaltungs- mittel zu gewähren. Zur Unterbringung kriegsbeschädigter Maler- und Lackierergehilfen in anderen geeigneten Berufen sollen die beiderseitigen Verbände Fühlung mit den anderen Fürsorgestellen Pflegen. Zur Arbeitsvermittlung sind in erster Reihe alle auch sonst für das Malergewerbe in Betracht kommenden oder von besonderen Fürsorge-Organisationen für die Kriegsbeschädigten eingerichteten Arbeitsnachweise zu benützen. Wo kein Arbeitsnachweis besteht, sollen die ört- lichen Verbände für die Unterbringung der Kriegsbeschädigten wirken. Den Arbeitsnachweisen bzw. Organisationen wird empfohlen, mit den örtlichen Fürsorgestellen. Lazaretten, Heil- anstalten und Behörden rechtzeitig in Verbindung zu treten. um mit diesen über das fernere Fortkommen der in ihrem Berufe nicht verwendbaren Gehilfen zu beraten. Es soll fer- ner den beiderseitigen Verbandsvorständen über die Zahl der sich meldenden und in Beschäftigung gebrachten Kriegs- beschädigten Mitteilung gemacht werden. Die Entlohnung der Kriegsbeschädigten hat nach den Bestimmungen des Reichstarifvertrages für das Malergewerbe zu erfolgen. Danach sind die mit den weaen Invalidität oder Alter minderleistungsfähigen Gebilfen vereinbarten niedri- geren als tariflich festgesetzten Löbne den Ortstarifämtern mitzuteilen. Eine geringere als tarifmäßige Entlohnung darf nicht lediglich auf eine Kriegsbeschädiatenrente gestützt wer- den, es muß vielmehr eine tatsächliche Minderlei- stungsfähigkeit bestehen. Es ist zu wünschen, daß es die beiderseitigen Organisatio- nen besonders an den einzelnen Orten mit der Durchführung der getroffenen Vereinbarungen recht ernst nehmen. Serlin tmd Umgegend. Die Leitergerüstbauer und der Parteistreit. Eine Versammlung der Leitergerüstbauer befaßte sich ein- gehend mit der Schreibweise und der Beilegung des Parteivorstandsflugblattes in den„Courier". Durch die Beilegung des Flug- blattes im„Courier", nimmt die Sektion an, haben sich Vorstand und Redaktion zur Politik des 4. August bekannt und haben die Verantwortung dafür zu tragen. Die Mehrheit der deutschen Ar- beiter aber steht auf einem anderen Standpunkt und die Sektion der Leitergerüstbauer auch. Auch der Redakteur, der den Artikel über den Körnerbau geschrieben habe, und der den Arbeitern den Rat gibt, ihre Kinder aufs Land zu schicken, um dort zu arbeiten, gehört nicht auf den Posten als Redakteur einer Arbeiterzeitung. Den Branchen werde verboten, sich mit Parteifragen zu be- schäftigen, uns ist die Tagesordnung Partei und Gewerkschaft nicht gestattet worden, aber im„Courier" könne man lesen, wie Leute ihre die Partei schädigenden Eiertänze aufführen und die Minder- heit beschimpfen. Eine Resolution fand einstimmige Annahme, in der bedauert wird, daß die Schreibweise des„Couriers" trotz wiederholter Pro- teste, immer noch dieselbe geblieben sei. Die Leitergerüstbauer verzichten deswegen fernerhin auf Zustellung des„Courier»". Deutsches Neich. Der Tachdcckerverband im Jahre ISIS. Vor Kriegsausbruch zählte der Verband 8163 Mitglieder. In das neue Geschäftsjahr wurden 4073 Mitglieder übernommen. Ein sehr erheblicher Teil ging wegen Arbeitslosigkeit in andere Berufe über und wurde so der Organisation entfremdet. Eifrige Werbe- tätigkeit iüllte manche Lücke wieder aus, so daß am Schluß des Jahres 2673 Mitglieder vorhanden waren. Die Mitgliederziffer ist seit diesem Frühjahr wieder im ständigen Steigen begriffen, der Verband hofft, daß der tiefste Stand überwunden ist. An Mitgliederbeiträgen gingen im Jahre 1315 67 972 M. ein. Davon erhielten die Mitglieder wieder in Form aller Art von Unterstützungen zurück 66 665 M. Es flössen also sämtliche Ein- nahmen aus Mitgliederbeiträgen wieder an die Unlerstützungsbcrech« tigten zurück. Alle übrigen Kosten für Verwaltung, Bewegungen, Agitation usw. wurden aus den übrigen Einnahmen und dem vor- handenen Kassenbestand gedeckt. Tarifbewegungen aller Art, Fordeungen nach Kriegs- und Teuerungszulagen wurden in 138 Orten durchgeführt. Hierdurch ist von den Berufsgenossen eine durchichnittliche Ausbesserung von 4—5 Pf. die Stunde erreicht worden. In den weitaus meisten Fällen wurde die Erhöhung der Löhne allerdings in der Form von Teuerungs- oder Kriegszulagen bewilligt. Nur in 33 Orten ist der erhöhte Lohn in der Form verlängerter Tarife als tarifmäßiger Zuschlag vereinbart worden. Die meisten Tarife wurden auf ein Jahr verlängert, ein erheblicher Teil aber auch kurzweg bis„nach Beendigung des Krieges", oder, was wohl auf das gleiche herauskommt,„bis nach Friedensschluß". In einer Reihe von Städten ist ein tarifloser Zustand eingetreten.— Der Kassenbestand ist nur gegen das Jahr 1314 um 3336 M. gesunken, obgleich in 18 Monaten über 83 333 M. an Kriegs- und Arbeitslosenunterstützungen ausgegeben worden sind. Die Arbeitsgelegenheit ist durchweg als schlecht zu bezeichnen. Von 173 befragten Ortsverwaltungeu haben nur sieben die Frage mit gut. alle übrigen mir schlecht beantwortet. Die Bautätigkeit liegt überall danieder. Trotzdem ist eigentliche Arbeitslosigkeit nicht vor- banden, da die Arbeitskräfte knapp sind und ein Teil in anderen Berufen Unterkommen gefunden hat. Teuerungszulagen in Gcnossenschaftsbäckereien. Die Konsumvereine in Ammendorf bei Halle, Erlangen, Jena, Merseburg, Pieschen bei Dresden und in Sagan zahlten nach der „Bäcker- und Konditorzeitung" ihren Arbeitern Teuerungszulagen teils einmal, teils laufend, teils auch als Mietszuschüsse. Kuslanü. Die Mitgliederbewegung der schweizerischen Gcwerk- schaftcn im Jahre ISIS. Die„Gewerkschaftliche Rundschau", das Organ des Schweize» rischen Gewerkschaftsbundes, veröffentlicht soeben die Statistik der ihm angeschlossenen 13 Verbände, die demnach Ende 1315 64 372 Mitglieder zählten gegen 65 177 Ende 1314 und 83 338 Ende 1313. Acht Verbände weisen eine Mitgliederzunahme, elf eine weitere Mitgliederabnahme auf. Der vereinigte Metall- und Uhren- arbeiter-Verband zählt 21 321 Mitglieder gegen 23 934 Ende 1314. Der zweitstärkste Verband, die Arbeiterunion schweizerischer Trans- Portanstalten hat eine Abnahme von 14 723 auf 14 373 Mitglieder erfahren. Die im Berichtsjahr verschmolzenen Verbände der Han- dels-, Transport- und Lebensmittel-Arbeiter zählten Ende 1315 zu- sammen 5452 Mitglieder gegen 4824 Ende 1314 und der Holz- arbeiterverband ist von 3353 auf 4174 wieder emporgekommen. Mit- gliederzunahme haben weiter erfahren die Verbände der Buch- binder, der Gemeinde- und Staatsarbeiter, des Lokomotivpersonals und der Schneider. Die schweizerischen Gewerkschafter sehen trotzalledem zuver- sichtlich der Zukunft entgegen, die ihnen neue Erstarkung, Fort» schritte und Erfolge bringen wird! Eingegangene Druckschristen. Zur Zl-ziofrage. Von Dr. I. Zuutz. 24 S.— Verlag des„Berliner Aktionär". Berlin, Lindcnstr. 36. Völkersriiyliug in Oesterreich. Bon F. Ottmann und F. Kodier. 2 M.— W. Braumüller, Wien und Leipzig. Bilder aus der märkische» Borzeit. Von Dr. A. Kiekcdusch. 2,43 M.— D. Reimer, Berlin SWt 48. Wiking- Bücher. Band 18: Tie Schulbank der Liebe. Von R. Hirschbcrg-Jura.— Bond 13: Kerstorf. Von W. Schaer. Einzelband geb. 1 M.— Verlag der Wiking-Bucher, Leipzig. Möelte aus Vchlelerstosf, mit ich.ne? Slickerei und iejchem«rag» 10.75 Neueste Form in ZSlufen. © r hübsche«ragen u. d Leb r kragen mit doppcl- tem Hohlsaum verziert 8.50 Könisstraße 33 Chausseestraße 113 Am ZSahnhos A exanderplah geschlossen! Leim Stetllner Sahnhof Weißer DRorf au» ss rieselst ff, glockig» Form, hüdschcr Gürtel 9— praktischer Roa aus erau karierter War« mll besonders hübja,ea Taschen 9.50 Waschrock an»«item Friefelstoff mit hüb. sch r Mieder- u Knopf-~ garnierg., glock.ger Fall X. DU "varantw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Lus�atentefl verantw. Tb. Glocke, Berlin. Dvuck u. Verlag: Vorwärts Buchdv. u. Vertagsanilall �aul Singer ch Co.. Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen u. llnterhaltungsbl. 8,. M. 3B. j geilte heg„Nmarts" Derliller NoldsblM. 8 Z»' 1916 Der neue 12-Millmröen-Kreöit vom Reichstag bewilligt öl. Sitzung. Mittwoch, den 7. Juni 1916, vormittags 19 Uhr. Am Bundesrats tisch: Staatssekretär Graf Rödern, Dr- H-lfferich. Der Gesetzentwurf iiöer die Feststellung von Kriegsschäden im Reichsgebiete wird debattelos in zweiter und dritter Lesung an- genommen. Es folgt die Fortsetzung der dritten Beratung de? Kriegskontrollgesetzes. Die Rechnungskommission empfiehlt die Annahme sowie eine Resolution, die die Berufung einer Kommission zur Prüiung von Verträgen über Kriegslieferungen wünscht, zu welcher vom Reichstag zu wählende Mitglieder und Sachverständige zuzuziehen sind. Abg. v. Brockhauscn(k.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu den Kommissionsbeschlüssen; durch die Resolution sei den Wünschen seiner Partei Rechnung gelragen. Staatssekretär Dr. Helfferich: Das Bestehen der gewünschten Kommission könnte zu einer Verzögerung der Geschäfte der Rech- nungskommission führen; auch dürfen unter keinen Umständen die Arbeiten der Kommission zu einer Verzögerung der für den Krieg notwendigen Geschäfte führen. Prinzipiell lätzt sich gegen die Kom- Mission nichts einwenden. Ich werde sobald als möglich eine Entschließung der Verbündeten Regierungen über die Resolution herbeiführen. Der Gesetzentwurf wird angnommmen Es folgt die Fortsetzung der dritten Lesung des Etats. Beim Postetat bittet Abg. Hubrich(Vp.) um wohlwollende Prüfung der Wünsche der Beamten. Hierauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte über die Aus- gaben angenommen. Abg. Zubeil(Soz. Arbg.) szur Geschäftsordnung�: Durch diesen Schluß der Debatte ist mir die Möglichkeit ge- nommen, auf die Ausführungen des Staatssekretärs in der zweiten Lesung zu antworten und nachzuweisen, daß es sich bei dem von mir erwähnten Fall der Markenentwendung nicht um ein Versehen, soudern um eine beabsichtigte Entwendung handelte. Bei den Einnahmen regt Abg. Dr. Arendt(Deutsche Fraktion) die Einführung einer Kriegsmarke an. Beim Etat der Reichsdruckerei führt Abg. Kuuert(Soz. Arbg.) Klage über die dort übliche Lohndrückcrei gegenüber den Kriegs- beschädigten, sie sei besrbämend und schamlos.< Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung). Den dort beschäftigten Kriegsbeschädigten werden Rentenbezüge auf den Lohn angerechnet. Das verstößt nach dem Bürgerlichen Gesetzbuche aus- drücklich gegen die guten Sitten. Gerade diesen Männern, die ihr Blut und ihre Knochen draußen eingesetzt haben, gilt eS, die Lebens- freudigkeit zu erhalten, ihr Selbstbewußtsein nicht herabzudrücken. Wir sind unversöhnliche Gegner des Krieges und der gesamten Kriegspolitik. Aber gerade darum verlangen wir, daß die Wunden, die der Krieg geschlagen, so schnell als möglich geschlosien werden. (Bravo I b. d. Soz. Arbg.) Staatssekretär des Reichspostamtes Kraetke: Die Rentenbezüge vom Lohn abzuziehen, ist unzulässig. Sollte in der Reichsdruckerei tatsächlich so verfahren werden, so werde ich für Abhilfe sorgen. Vor der Abstimmung über den Gesamtetat erklärt Abg. Ebert(Soz.): Ueber die Stellung meiner politischen Freunde zum Etat habe ich folgendes auszuführen: Der dem Reichstag vorgelegte Entwurf des Etats für 1916 enthält unter den Einnahmen den Betrag von 489 Millionen Mark aus Kriegs st eu er n. Gemäß dem vom Reichstag beschlossenen neuen Steuergesctz und deren Ein- arbeitung in den Etat wird nicht nur der Betrag von 489 Millionen, sondern ein voraussichtlich weit höherer Betrag aus den Erhöhungen der Post- und Telegraphengebühren, des Frachturkundenstempels, ferner aus der Warenumsatzsteuer, schließlich aus der vermehrten Tabakabgabe aufgebracht werden. Meine Fraktion hat diese neuen Steuern ab- gelehnt, weil sie Handel und Verkehr und Verbrauch schwer be- lasten würden. Die Aufnahme derartiger neuer Steuern in den Etat veranlaßt uns, diesem Etat unsere Zustimmung nicht zu geben.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Die sozialdemokratische Partei hat schon in der ersten Zeit des Krieges die Forderung erhoben, daß die K r i e g s g e w i n n e zur Deckung der KriegSkosten im weitesten Maße herangezogen werden müssen. Die lange Dauer des Krieges gebot, außer dem im Kriege gemachten Gewinn, den Besitz im allgemeinen, Einkommen und Vermögen, für die Ordnung der Reichsfinanzen in Anspruch zu nehmen. Der Herr Reichskanzler hat hier wiederholt die Opferfreude des deutschen Volkes gepriesen. Auch gestern hat er in treffenden Worten auf den Opfermut unseres Volkes hingewiesen. Bei den neuen Steuergesetzen ist leider nicht nach diesen Worten gehandelt. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mitten im schweren Existenz- kämpf des Deutschen Reiches waren einzelne Schichten der BeVölle- rung rn der Lage, sich zu bereichern und oft ohne irgend welche volkswtriichaftliche Bemühungen große Kapitalien aufzuhäufen. Der Krieg, der die soziale Gerechtigkeit hätte entwickeln sollen, hat Triumphe der Selbstsucht gezeitigt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Andererseits müssen Weileste Kreise unseres Volkes ganz außerordentliche Opfer bringen. Zahlreiche Gewerbe- treibende und Handwerker erleiden schwere Einbußen und die große Masse der llnbemittelren wurde von der Not der Zeit aufs äußerste heimgesucht.v ollen mit den anderen großen Völkern ein selbständiges politisches und wirtschaftliches Leben führen— das ist unser Kriegszicl, und lvir wissen uns darin eins mit der großen Masse des Volkes. (Lebhaste Zustimmung bei den Soz.) Zurzeit scheint die Friedens- frage auf dem toten Punkt angelangt zu sein. Wir wisstn. daß es ausschließlich von unseren Gegnern abhängt, wann die Verhandlungen beginnen sollen. Kein deutscher Staatsmann wird, wenn die Geneigtheit zu solchen Verhandlungen sich zeigt, sich dein entziehen, und kein deutscher Staatsmann wird zur Vorbedingung solcher Verhandlungen machen, daß die Gegner sich für besiegt erklären. Gäbe es einen solchen Staatsmann, meine politischen Freunde würden ihn auf das schärfste bekämpfen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wir lehnen es ab, deutsches Blut und fremdes Land in eine Gleichung zu bringen. Das Blut deutscher Volksgenossen steht uns zu hoch im Werte, als daß wir es als Preis für noch so ausgedehnte Landgebiete hin- geben.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Soz.) Es gibt kein Land, das dieses Blut ausgleichen könnte, aus- genommen eineS: Deutschland. Dafür, daß Deutschland gesichert ist und sich wirtschaftlich entfalten kann, setzen wir uns ein. Nicht dafür, daß es auf einer unübersehbaren Reihe von Schlacht- fcldern siegt, um auf dem letzten selbst zusammenzubrechen. Das Ziel, das unsere Freunde sich setzen, ist noch nicht erreicht, deshalb stimmen wir der Vorlage zu.(Beifall bei den Soz.) Abg. Hasse(Soz. Arbg.): Der Gegensatz, der uns von den bürgerlichen Parteien und von der Regierung trennt, ist gestern bereits von meinem Freunde Lede- bour gekennzeichnet worden. Unser Kampf gilt nicht einer Person, sondern der kapiralistischen Gesellschaftsordnung und dem sie stützenden System.(Sehr richtig l bei der Soz. Arbg.) Wir betrachten die Tragödie des Weltkrieges von dem Standpunkt unserer sozialistischen Grundsätze und richten danach auch unser parlamentarisches Ver- halten. Gerade nach den Ersahrungen des Krieges haben wir nichts von unseren Grundsätzen aufzugeben. Wir sind und bleiben Gegner des JnrperialisinuS, der diesen Krieg herbeigeführt hat, und wir denken nicht daran, die imperialistische Politik durch unsere Abstimmung irgendwie zu unterstützen.(Lebhafte Zusliimnuug bei der Soz. Arbg.) Die Zerstörung von Gütern und Menschenleben in diesem Kriege über- trifft alles, was die kühnste Phantasie jemals ausgemalt hat. Auf den Schlachtfeldern verbluten Hunderttausende, im Innern haben wir Leiden und Entbehrungen, wie der Reichskanzler selbst zugegeben hat. Die arnren und mittleren Volksschichten leiden ganz ungeheuerlich.(Sehr wahr I bei der Soz. Arbg.) In dieser Situation fordert man von uns einen neuen Kriegskredit von 12 Milliarden Mark. Die Masse des Volke? trägt kein Verlangen nach der Fortsetzung des Kriege?— die Massen sehnen den Frieden herbei. Aber alle FriedcnSgespräche der bis- herigen Art führen nicht zum Frieden, sie können nur fruchtbar sein, wenn sie beruhen auf dem ehrlichen Willen des friedlichen Zusam- menlebenS mit den anderen Völkern unter Ablehnung aller A n n e l t i o n e n.(Sehr richtig I bei der Soz. Arbg.) Die Sozialisten in den kriegführenden Staaten denken nicht daran, irgend ein Volk zerschmettern und ihm die Bedingungen deS Friedens diktieren zu wollen, selbst wenn da? erreichbar Iväre. Die Massen sehnen sich nach Friede», nach Verständigung der Völker, nach friedlicher Kulturarbeit, an Stelle der graueuvollcu Vernichtung. (Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Die Arbeiter insbesondere wollen ihre internationalen Beziehungen für die Zukunft noch fester knüpfen, um wirksamer als in der Vergangenheit der Völkerverhctzung über- all entgegenzutreten und trotz aller Erschütterung der Welt die Ver- wirklichuug ihrer sozialistischen Ideale durchzusetzen.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Kein Friedensvermittler darf bei un§ scheel angesehen werden, jede Vermittelung aus neutralen Ländern ist uns willkommen. Wir wissen aber, daß die Hauptaufgabe bei dem Friedenswerk die Massen der beteiligten Völker s e I b st zu leisten haben. Die Massen sind es, die nicht nur den Haupl- teil der ungeheueren Opfer an Blut zu tragen haben, sondern die Steuervorlagen, die gestern angenommen worden sind, lassen keinen Zweifel mehr darüber auskommen, daß auch nach dem Friedens- schluß die gewaltigen Opfer an Gut hauptsächlich ihnen aufgebürdet werden sollen.(Sehr wahr! b. d. Soz. Arbg.) Wer dieseKredite bewilligt, innß sich also darüber klar sein, daß die bürgerlichen Part eien und d i e R e g i e r u n g e n t- schloffen sind, die Deckung z u m g r o ß e n T e i l a u s den Taschen der Arbeiterklasse z n nehmen.(Sehr richtig! bei d. Soz. Arbg.) AuS grundsätzlichen Erwägungen haben wir vorher den Hauptetat abgelehnt, u m s o m e b r lehnen wir natürlich diesen für uns noch viel schwerwiegenderen Nachtragsetat ab. Als 1911 der Reichstag geschlosien war, traf von der englischen Arveiter- Partei eine Frie'deuSadreffc an die deutsche sozialdemokratische ReichStagSfraktion ein. Bebel beantwortete sie und seine denk- würdigen Worte bleiben für uns unvergeßlich: „Die Arbeiterklasse, die auf dem Schlochtfelde der Industrie und deö Ackerbaus Jahr sür Jahr ungezählte Hekatomben au Menschen- leben opfern muß im Interesse ibrcr Ausbeuter, trägt kein Verlangen, auch noch den imperialistischen Gelüsten ihrer herrschenden Klaffen zuliebe noch viel größere Ovl'er zu bringen. Kann die bürgerlich kapitalistische Welt nicht mehr ohne Völker- Massenschlächterei bestehen, dann ist es Zeit, daß sie einer anvercn sozialen Ordnung Platz macht, in der Friede. Freiheit und mensch« lichcS Glück nicht mehr der Gier einer Minderheit nach immer größerer Macht und immer größerem Reichtum geopfert werden." (Lebhafter Beifall bei der Soz. Arbg.) Staatssekretär des Innern Dr. Helfferich: Das deutsche Volk wird sich damit abfinden, daß es Leute gibt, die auch in diesem Kriege eine Gesinnung in sich tragen, wie sie eben der Abg. Haase bekundete, die auch in diesem Kriege den Kampf gegen die kapitalistische oder gegen irgend eine Gesellsctiafisordnung für wichtiger halten als den Kampf gegen den äußeren Feind. Es wird sich auch damit abfinden müssen, daß Herrn Haase seine sozialistischen Grundsätze wichtiger sind als die Existenz der deutscheu Nation.(Bravo I rechts. Gelächter bct der Soz. ArbeitSg.) Wenn Herr Haase meinte, die Verweigerung der Kriegökredite bedeuie für ihn Stellungnahme gegen die imperialistische Kritik, so kann ich ihm nur aniwortcn: Wenn er mehr bedeuten würde, als er bedeutet, so würde die Ablehnung der KriegZkredite bedeuten die Förderung der«nperialistischen Politik Englands.sta a t s e r h a l t c n d e n" Demagogen, die gegenwärtig in Deutschland politische und andere Geschäfte mit dem nationalen Fahnentuch decken, den verdienicu und notwendigen Schlag ver- setzt. Man kann es auch einen Fußtritt nennen, wenn man daS lieber will.... Ter Reichskanzler hat gestern in seiner Rede nur zwei dieser„Denkschriften" erwähnt. Es sind nur die jüngsten Erzeugnisse der nationalistischen Giftfabrik, nur zwei aus der Masse herausgegriffene Beispiele, nur zwei gedruckte Aeußerungen einer groß organisierten, mit reichen Geld- m i t t e l n arbeitenden politischen Agitation.... Diese Leute— und nicht etwa nur die paar Broschürenschreiber— baben durch ihren wirren Unverstand, durch ihre Welt- erobercrgebärdcn, durch die Brutalität ihrer Sprache und ibrer Ideen allmählich auch die deuischfrcnnd. liehen Auslandskreise mißtrauisch gemacht und abgeschreckt. Wir wollen jetzt nicht von der Vergangenheit sprechen und nicht die Frage erörtern, wie weit die deutsche Diplomatie sich von dem Drängen solcher Elemente beeinflussen ließ.... Er handelt mit staatsmännischer Festigkeit und im Be- wußtsein seiner Verantwortung, und nur diejenigen werfen ihm Schwäche vor, denen seine Stärke unbequem wird. Er hat gestern die Leute, die„Mißbrauch mit der Flagge der nationalen Ehre" treiben,„Piraten der öffentlichen Meinung" ßetauft. Und in der Tat, piratenmäßig überfallen diese Leute eine öffentliche Meinung, der heute die Möglichkeiten zur Prüfung und Unterscheidung fehlen und die ein gewissenloser Klopffechter darum leicht blenden und überwinden kann.„Ich nehme den Kampf da- gegen auf, ich werde ihn durchführen", hat der Reichskanzler weiter gesagt. Wir hoffen, daß er Wort halten, und sind überzeugt, daß ihm die gewaltige, gesund und ehrlich denkende Mehrheit des beut- schen Volkes folgen wird. Er hat den Ruf in den Saal geschleudert: „Herunter mit der Maske, damit man sieht, wer sie trägt!" Eine der wichtigsten— und vielleicht gar nicht der schwersten— Aufgaben muß es sein, die Masken herunterzuzerren. Er hat auch erklärt, daß er eine Trennung des Volkes oder der Par- teicn in„national" und„antinational" nicht mehr kenne,„weil die Sache der Nation einfach selbstverständlich sei. Und wir wissen ja, daß das Wort„national" eigentlich nur von denen erfunden wurde und gebraucht ivird, deren Interesse n Politik von einer künstlichen Spal» tung und Teilung des Volkes lebt." „Krcuzzcitiing"(Dienstag morgen): Wenn nun aber der Reichskanzler in engstem Zusammenhange, ja geradezu zusammcngewoben mit diesen höchsten, allseitiger stür- Mischer Zustimmung sicheren Fragen in großer Ausführlichkeit und in sichtlickier Erregung sich gegen eine anonhm erschienene Schrift wendete, durck die er sich beleidigt fühlt, so erscheint uns dies als ein Borgang, der nahezu ohne Beispiel in der Gc- schichte des Hauses d a st c h t. Wir kannten bis zur Stunde weder die Schrift, noch ahnen wir, wer ihr Verfasser sein könnte, meinen aber, daß ihr, wenn es sich wirklich nur um eine bloße Schmähschrift handelt, durch die Besprechung an einer in der ganzen Welt sichtbaren Stelle eine weder der Sache noch auch den Wün- schen des Kanzlers dienende Bedeutung zugewiesen, ja, daß für sie geradezu Reklame gemacht worden ist.... Tie Zuversicht schließ- lich. die der Reichskanzler über die Stellung und Haltung der Parteien nach Beendigung des Krieges äußerte— dem Hörer klangen übrigens die in Betracht kommenden Satze bündiger im Ohre, als der Bericht besagt, darf wohl mit einem Fragezeichen versehen werden, wenn man sich in die Erinnerung zurückruft, daß das gesainte Programm der Sozialdemokratie von allen ihren Führern bei jeder Gelegen- heit ausdrücklich auch als aültia und bindend jür die Zukunft be- zeichnet wird." „Kreuzzcitung"(Mittwoch früh): „Wenn die sozialdemokratische Partei in Erklärungen, die sie bei jeder Gelegenheit wiederholt, ihre grundsätzliche gegnerische Auf- sassung zum Ausdruck bringt, und tvenn trotzdem der Kanzler in Aussicht stellt, daß auch in Zukunft nach dem Krieg der Gegen- satz zwischen den Parteien, die auf dem nationalen Boden der be- siehenden Gesellschaftsordnung und Monarchie stehen, und denen, die diese Grundlagen bekämpfen, zum alten Eisen geworfen werden soll, so gibt er damit, mit einem Wort, die Grundlogen der be- stehenden Staats- und Gcsellsckfaftsordnung preis." „Deutsche Tagcsztg."(Mittwoch abend): „Es ist eine der b e k l a g e n s>v c r t e n Wirkungen der Kanzlcrrede, daß sie der demokratischen Presse Gelegenheit gegeben hat, ihr unehrliches Spiel, alle solche Schriften nicht nur in einen Topf zu werfen, sondern außerdem noch den um eine kraftvolle Politik besonders bemühten Parteien zuzuschieben, mit verstärktem Eifer wieder aufznnchinen. Gewiß hat der Reichs- kanzler dankenswerterweise erklärt, daß er keine Partei mit der Verantwortlichkeit für solche Schriften belasten wolle und könne; das verhindert aber leider nicht, daß diejenige Presse, die sich seit langem mit rührigster Beflissenheit an die Rock- schätze des Kanzlers zu hängen sucht, dieser loyalen Erklärung entgegengesetzt verfährt und namentlich die Kon- servativen und die Schwerindustrie in der unwahrhaftigsten Weise zu verdächtigen sucht Wir weisen diese Verdächtigungen mit kühler Verachtung zurück, ebenso wie die nachgerade etwas abge- nutzte Behauptung, daß die Konservativen durch die Betonung fach- licher Meinungsverschiedenheiten in Fragen wie der ll-Bootfrage den Reichskanzler„stürzen" wollten. Es genügt, gegenüber diesem bewußt wahrheitswidrigen Trick hier zu wiederholen, daß die Kon- servativen nur den sehnlichen Wunsch haben, in diesen Fragen von Krieg und Sieg den leitenden Staatsmann zu überzeugen; und daß sie kein anderes Ziel haben als das rein sachliche: einen Sieg, der unsere Opfer lohnt und unsere Zukunft wirk- lich sicher t." „Berliner N. Nachr."(Dienstag morgen): „Man muß gcrechtcrweise hervorheben, daß bisher diejenigen, die unter ihrem Namen offene Denkschriften aus vaterländischer Gesinnung und politischer lleberzeugung schrieben, persönlich eingeengt, mit Brief sperre bedacht und nicht g c- rade voller Achtung ihrer Staatsbürgcrrechtc behandelt worden sind, so daß es natürlich ist, wenn die Hitze an anderen Stellen nach innen geschlagen ist, wenn an die Stelle vaterländischen Eifers„Treibereien" traten, und wenn der Zorn dieses oder jenes Kritikers sich dem„Pamphlet" im Kanzler- sinne mehr genähert hat." „Tägliche Rundschau"(Dienstag morgen): „Gegen die Volksvergifter, gegen die Piraten der öffentlichen Meinung, die Mißbrauch mit der Flagge der nationalen Ehre treiben! Was könnte hassenswerter sein als solches Otterngezücht? Aber wo sind die? Wer sind die? Ter Generalland- schaftsdirektor Kapp doch wohl nicht? Wir fürchten, daß die Kampf- ansage des Kanzlers in dieser Form ihre wesentlichste Wir- kung üben wird in der Form einiger Schlagwörter, die jeder Beliebige gegen jeden Beliebigen mit Berufung aus das Ansehen des Reichskanzlers schleudern ivird. Wir fürchten, daß die, welche heute dem Kanzler am lautesten ob solcher Worte zujubelten— ihrer werden viele sein— ihm wenig Rückhalt sein wer- den in seinem Bestreben,„die schönste Frucht" dieses Krieges ausreisen zu lassen und„die Unterscheidung zwischen nationalen und anderen Parteien zum alten Eisen" werfen zu können." „Tägliche Rniidschau"(Mittwoch morgen): „Ueberbaupt wenn man ruhig und nüchtern das Endergebnis dieser zwei Tage zieht, so ist es im allgemeinen und im besonderen gar nicht so übel. Ter Kanzler war vorgestern sehr, gestern etwas weniger entrüstet. Dafür hat er an beiden Tagen eine ganze Reihe wichtiger Zugcstäiidniflc gemacht, die— an ihrer Ehrlichkeit ivird niemand zweifeln dürfen— ein gut Teil der Unrube und erheblichen Sorge beseitigen werden, deren Symptom und Ausgeburt eben diese niederträchtigen Libellen waren. So war die Erplosion von vor- gestern wenigstens nicht fruchtlos. Hoffentlich findet die Zensur es nicht anstößig, wenn man früher oder später sich die Freiheit nimmt, ans die letzten Kanzlcrredcn zurückzukommen. Hinsichtlich der früheren ist das nicht immer sicher gewesen." „Post"(Dienstag abend): „Was also ist das Ergebnis, das des Kanzlers Aufruf an die Oefsentlichkeit gezeitigt hat,— Man muß— sine ira et studio— bekennen: genau das Gegenteil dessen, was der Kanzler wollte. Wenn wir richtig verstanden haben, so glaubte Herr v. Bethmann Hollweg doch zur Einmütigkeit mahnen zu müssen... Wir schen vielmehr, daß sich die gesamte Demokratie heftig erhebt, um ungehemmt und wahllos über eine Gruppe von Politikern herzufallen, von der der Kanzler— gar nicht gesprochen hat. Herr v. Bethmann Hollweg wandte sich gegen einzelne bestimmte Weinungsäußerungen, von denen er sich beschwert fühlte; die demokratische Presse aber benutzt diese Gelegenheit, um alle diejenigen aufs gröblichste anzurempeln, die sich erlauben, eine andere Meinung zu haben als die Herren vom „Vorwärts" und vom„Berliner Tageblatt". Tie Worte des Kanzlers müssen einfach dazu herhalten, als Eideshelfer hinter den Ansichten der Demokratie aiifgebant zu werden,— die sich ihrerseits nun, wie das Beispiel lehrt, um so breiter an die Oessent- lichkeit machen.... Wenn man es also auch durchaus nachfühlen mag, wie sich Herr v. Bethmann Hollweg gedrängt sah, gewisse Angriffe zu parieren und einzelne bestimmte irrige Angaben zu berichtigen,— wenn man es auch begreifen mag, daß er dazu den angerordentlichen Weg der Rcichstagsrede ging, so wird man doch nicht achtlos an den Bedenken vorübergehen können, die die Folgeerscheinungen der„Flucht des Kanz. lers an die Oefsentlichkeit" schon heute auswerfen. So viel wir sehen, ist Deutschland nach der Kanzlerrede in gewissen Streit- punkten nicht mehr und nicht weniger einig als zuvor." Freiherr v. Zedlitz in der„Post": „Im einzelnen besonders bemerkenswert ist in der Rede des Kanzlers das Zugeständnis, daß er in beziig auf die Behaiidlung der Männer der ickärfsten und ciitschirdensten Tonart Fehler be- gangen und die hier vorhandene starke vaterländische Kraft nicht voll nutzvar zu machen gewußt habe. Silber ist es für die Ver- gangenheit ein erheblicher Milderungsgrund, daß ihm diese Auf- gäbe von den Bedeutendsten außerordentlich schwer gemacht worden ist. Ader noch ft't es Zeit, das Versäumte nachzuholen. In so ernster und schwerer Zeit, wie die unsrige, müssen persönliche Momente hinter den sachlichen großen vaterländischen Aufgaben völlig zurück- treten. Jetzt, wo wir uns dem Frieden angesichts der stetig fort- schreibenden Besserung unserer Kriegslage doch endlich zu nanern scheinen, ist es mehr denn je angezeigt, die besten Mämier aller Richtungen und demzufolge auch die Männer schärfster �.onart, aber unzweifelhaft starker vaterländischer Gesiniiung, zur vcrant- wörtlichen Mitarbeit an den Vorbereitungen für den Frieden bcran. zuziehen." Anträge zur Ernährungsfrage. Zu den Ernährungsdebatten im preußischen Abgeordnetenhause hat die verstärkte Staatshaushaltskommission außer den von uns bereits mitgeteilten Anträgen eine Reihe weiterer Anträge gestellt, die einmal die ErnährungSfrage im allgemeinen betreffen und zweitens Vorschläge über die Versorgung der Beoöltevung mit den verschiedenen Nah- rnngsamtteln fnt speziellen enthalten. jW est unter anderem be» antragt, daß die Vorbereitung der neuen Bestellung sowie die Rege- lung der Vieherzeuguilg unter Berücksichtigung der gewonlueneu Er- fahrungen nach einem festen Plan erfolgen und daß dessen Durch- führung unter Herauzichung der landwirtschaftlichen Vertretungen stattfinden und durch eine zweckentsprechende Preisfestsetzung geför- dert werden soll. Bezüglich des Brotgetreides wird beantragt, für die Monate Juni und Juli 191 1> den Konlirmunalverbänden zwecks Er- höhung der Brotrate die noch verfügbaren Bestände der Reichs- getreidestelle zu überweisen. Das Brotgetreide soll möglichst in den Kommunalvevbäiiden ausgemahlen werden, aus denen es stammt. Es hat eine schärfere Aufficht als bisher darüber stattzufinden, daß alles Gemahlene abgeliefert wird, und daß etwa zurückgehaltene Mengen nicht als Auslandsmehl oder Auslandskleie in den Verkehr gebracht werden. Mit den Erzeugern sollen Verträge über die Lage- rung des ablieferungspflichtigen Getreides in größerem Umfange als bisher geschlossen werden, um eine frühere Abnahme des Ge- treides möglich zu machen. Als dringend erforderlich bezeichnet die Kommission die Er- höhung der Zuckerratc und die Hergabe von Zucker zum Einmachen. Von Bedeutung ist ferner der Antrag, daß der über 5 Proz. des Geschäftskapitals von der Gerstenvcrwertungsye- s e l I s ch a f t erzielte Gewinn dem Reichsamt des Innern zur Be- schafsuiig voll Nahrungsmitteln für die ärmere Bevölkerung über- wiesen werden und daß die Neichsfuttermittelstelle darüber wachen soll, daß die Rücksicht auf die Allgemeinheit in der Geschäftsführung der Gersteilverwertungsgesellschaft in jeder Beziehung gewahrt wird. Gleichzeitig soll das Kontingent der Brauereien zwecks Ver- mehrung unserer Futtermittel auf 50 Proz. des Friedenskoutingents herabgesetzt werden. Die Hülsenfrüchte sollen nicht mehr für die Zentralein- kaufsgesellschaft, sondern für die Reichsgetrcidestelle beschlagnahmt und der Anbau der für die menschliche Ernährung geeigneten Hülsenfrüchte und Oclfrüchte mit Hilfe der Landwirtschaftskammern gefördert werden. Zur Förderung der Le b c n s mi ttcl e r zeug u n g werden folgende Vorschläge gemacht: 1. Die Bildung von A rb e i t s g ö M ei nsch as t en kl ein e r Besitzer sowie die genossenschaftliche Maschinenbeschafsnng sind durch staatliche Maßnahmen zu fördern. 2. Eine sachverständige Haltung von M a st s ch w e i n e n in Städten und in dichtbevölkerten industriellen Gebieten ist durch Hergabe von Staatsmitteln zu unterstützen. Auch sonst ist uirbe- mittelten Leuten die Haltung von Ferkeln durch Beihilfen zu ermöglichen. 3. Den Gemeinden mit größerem Grundbesitz ist die S ch>v e i n c m ä st u ii g in eigener Verwaltung zu cmp- fehlen. 4. Die Geflügel-, Kaninchen- und Ziegenzucht ist mit allen verfügbaren Vkitteln zu fördern. 5. Die Abfälle st ä d t i s ch e r Haushaltungen und Vorratsläger sind der Verfütterung zuzuführen. Sofern dieselben nicht frisch verwertet werden können, sind sie zu trocknen. 0. Die Wild bestände sind stärker zur Ernährung der Be- völterung heranzuziehen. Eine große Reihe von Anträgen beziehen sich auf V o r s ch r i f- tcn für die Gemeinden. So wird den Kommunen emp- fohlen, bei der Festsetzung der Brot- und Kartoffel- sowie der Fettraten die s ch w e r a r b e i t e n d e Bevölkerung, aber auch die Bevölteruiig mit geringerem Einkommen, stärker zu derücksich- tigen und unverzüglich die Einrichtungen für die Ver- teilung der Lebensmittel auszubauen, und zwar durch Einführung von Kundenlisten unter Anmeldung des Bedarfs und durch Festlegung der Adholungszeiten. Die auf den einzelnen Verbraucher entfallende Rate von Fleisch und Fett soll ständig in möglichst kurzen Fristen geprüft und festgosctzt, die Einrichtung von V o l k s s p e i s e a n st a l t e n soll unter staatlicher Ilnterstützung in größeren Gemeinden fchnelfftens durchgeführt, in den TenerungS- ausschüffeu und den Preisprüfuiigsstellen der größeren Gemeiuden sollen die Verbraucher mehr als bisher berücksichtigt, den Äommu- nalverbänden soll in der Verwattung ihrer öffentlichen Anstalten hinsichtlich der Versorgung mit Lebensmitteln möglichst weitgehende Selbständigkeit eingeräumt, durch ein Zusammenarbeiten der Preis- Prüfungsstellen soll für möglichst gleiche Höchstpreise in benachbarten Bezirken Sorge getragen werden. Gegen Mißbrauche des Lebens mittelhandels richten sich zwei Anträge: 1. Ter Kettenhandel in Lebensmitteln ist zu verhindern. Es ist die Anzeige- und Schlußschsiiipslicht für Lebensmittelkänfer durch Großhändler einzuführen. 2. Ersatzstoffe für Lebensmittel dürfen nur in den Verkehr gc- bracht werden, wenn sie vom Kaiserlichen Gesundheitsamt geprüft und zugelassen sind. Endlich sind noch eine Reihe von Anträgen gestellt, die sich auf das Krieg sernährungsamt beziehen. Hier ist�zu nennen der Antrag auf Unterstellung der Zentraleinkaufs�esellschaft unter das Kriegsernährungsamt, der Antrag auf grundsätzliche Auf- Hebung aller Ausfuhrverbote der Bundesstaaten und Kommuiialverbände im Reichsgebiet, und ein Wunsch auf Berufung einer mit der Lebensmittelversorgung von Groß-Berlin vertrauten und einer mit den Verhältnissen des Kleinhandels besonders ver- trauten Persönlichkeit in den Vorstand des Kriegsernährnngsamts. das tägliche örot. Die schweren Wochen. Der amtliche„Nachrichtendienst für Ernährungsfragen' schreibt unter dieser Spitzmarke: „Wiederholt und mit vollem Rechte ist in der letzten Zeit darauf hingewiesen worden, daß die Periode, in der wir uns jetzt befinden und die anschließenden Wochen den schwierigsten Ver- sorgungsabschnitt im ganzen Jahre darstellen. An Brotgetreide verfügen wir— abgesehen von den neu eintreffenden aus» ländischen Zufuhren— nur über die zusammengeschmolzenen Rest« bestände der letzten Ernte, die zwar völlig ausreichen, unS aber keine sonderlich große Bewegungsfreiheit lassen. AehnlicheS gilt mindestens bis zur Frühkarloffeternte(deren Ertrag ja auch begrenzt ist) von den Kartoffeln, gilt vom Zucker, dessen Vorrat vor der nächsten Kainpagne nicht vermehrt werden kann. Das Fleischangebot ist außerordentlich gesunken und wird— und muß auch noch längere Zeit niedrig bleiben; denn wir können es uns unter keinen Umständen leisten, in größerem Umfange auf Milch-, Zucht- und Spannvieh zurückzugreifen. Wirkliches schlacht- bares Vieh für den Fleischverbrauch ist, wie aus den verschiedensten Landesteilen immer von neuem berichtet wird, nach der Be- friedigung der Ansprüche der Heeresverwalwng nur in ganz geringer Zahl vorhanden. Der Fleischkonftlm wird noch wochsn- tong auf ein Minimum herabgcdrückl bleiben müssen, wenn wir nicht— und daran kann und darf an verantwortlicher Stelle niemand denken— die Grundlage unserer späteren Versorgung mit tierischen Nahrungsmitteln, die Grundlagen des Wieder« aufbaus unserer vor dem Kriege so reichen Viehbestände gefährden wollen.' Diese Darstellung ist leider richtig, sie entspricht der in der Budgetkommission des Reichstags gegebenen Ausklärung, nachdem man monatelang im Volke den Wahn genährt hatte, es mangele nicht an Nahrungsmitteln, sondern nur an einer zweckmäßigen Ver- teilung. Als Kuriosum sei erwähnt, daß dos amtliche Organ mächtig die Reklametrommel für die Verwendung von Kunsthonig rührt, ein Produkt, das in der Budgetkoimiüssion auch vom Regierungstische nur als derart minderwertig bezeichnet wurde, daß bereits das Ver« bot der Herstellung in Erwägung gezogen worden ist. Neuregelung des Margarinebezuges. Amtlich.� Die ständigen Klagen, die aus allen Teilen der Bevölkerung bei den Reichs« und Staatsbehörden über eine un- gleichmäßige Verteilung der JnlandSmargarine d. h. derjenigen Mengen, die von den Margarinefabriken Deutsch landS hergestellt werden, einliefen, haben den KriegsauSschust für Oele und Fette veraulabt, nachdem auch die von der Margarineindustrie eingesetzte Kommission sich damit ein- verstanden erklärt hatte, den zuständigen behördlichen Stellen eine Neuregelung der Verteilung dieser JnlandSmargarine vorzuschlagen. Der Kriegsausschuß ging hierbei von der Erwägung auS, daß eS im Interesse der gesamten Volks «rnährung liegen müsse, nicht nur die Auslandsmargarine, deren Verteilung ihm als Monopol bisher oblag, unter Berücksichtigung des Bedürfnisses der Bevölkerung zur Verteilung kommen zu lassen, sondern auch die Jnlandsmargarine durch eine Zentralstelle zu leiten um zu vermeiden, daß, wie dies bisher anscheinend noch der Fall war, gewisse Teile der Bevölkerung sich reichlich durch ihre Handels- beziehunpen und auf sonstigen Wegen mit JnlandSmargarine ver- sahen, während der größere Teil der Bevölkerung, insbesondere die schwerarbeitende Jndustriebevölkerung bei der Eindeckung mit Margarine leer ausging. Die gesamten Margarinefabriken des Inlandes sind nunmehr verpflichtet worden, die am Abend des 3. Juni 1916 in den Fabriken vorhandenen Vorräte an fertiger Mar garine und Speisefett zur Verfügung des Kriegs ausschusseS zu halten. Das gesamte auf diese Weise dem Kriegsaus, chust zur Verfügung siehende Monatsquantum wird nach einen, bestimmten Verteilungsschlüssel unter Anlehnung an den Butterverteilungsschlüssel auf die einzelnen Bundesstaaten verteilt, die ihrerseits bereits dem Kriegsausschuß die Empfangsstationen und Verteilungsstellen in den einzelnen Bundesstaaten anzugeben haben. I» Preußen erfolgt die Verteilung auf die einzelnen Provinzen nach den Weisungen des Ministeriums des Innern. Die VerteilungS stellen in den einzelnen Bundesstaaten oder preußischen Provinzen geben ihrerseits das ihnen zustehende und ihnen genau bekannte Quantum Margarine an die einzelnen Kommunalverbände und Gemeinden zur Abgabe an die Bevölkerung weiter. Es darf wohl erwartet werden, daß bei dieser Regelung der Volksernährung weitere Fettmengen und in gleichmäßigerer Weise als bisher zugeführt werden. Es ist nun Sache der Kommunen, die ihnen überwiesenen Mengen unter Berück sichtigung der besonderen Bedürfnisse bestimmter Bevölkerungsklassen zur Verteilung zu bringen. Die Margarine, die trotz einer noch recht erheblichen Produktion in den Wintermonaten selten nur im Verkehr zu haben war, wird jetzt ein regelmäßiger Faktor der kommunalen Nahrungsmittclverteilung werden. Zur Käseeinfuhr. Wie die Zentraleinkaufsgesellschaft mitteilt, entspricht die in einer Berliner Abendzeitung gebrachte Meldung, nach der die Käse einfuhr aus Holland und Dänemark freigegeben werden solle, in keiner Weise den Tatsachen. Die Zentralisierung der Käseeinfuhr aus diesen Ländern bei der Zentraleinkaufsgesellschaft bleibt un- verändert in Kraft. Viehhandelsverbände. llm den teueren Zwischenhandel bei der Fleischversorgung auSl zuschalten, hat die Regierung vor längerer Zeit ViehhandelSverbände geschaffen. Eine Verbilligung deS Fleisches haben dieselben nicht gebracht. Der bureaukratische Apparat ist sehr kostspielig. Riesen gewinne werden noch immer eingeheimst, die Zahl der Glücklichen ist beschränkt und gesiebt. Vor kurzem berichtete die Presse über die ungeheueren Gewinne und die preistreibende Tendenz des Westdeutschen Viehhandelsverbandes. In Bayern scheinen die Verhältnisse noch schlimmer zu liegen. Einer Beschwerde deS bayerischen christlichen BquernvereinS, der wohl die Verdienste selbst einstreichen möchte, entnehmen wir folgendes: Der Gebührensatz für die Kommissionäre ist unbedingt zu hoch. Wenn beispielsweise der Kommunalverband Dillingen- Donau Wörth pro Woche 360 Stück liefert, so macht da» pro Monat 360X4—1410 Stück. Rechnen wir daS Stück durchschnittlich zu 900 M., so erhalten wir eine Wertsumme von 1440X300= 1 296 000 M. pro Monat. Davon bekommt der SuflaufSkommissar Enle in Rain 8 Proz.---- 38 880 M. Nehmen wir an, daß der Kommissionär an seine 11 Unterkäufer wirklich 1>/, Proz. abliefert, so verdient er immer noch pro Monat 19 440 M..«in Verdienst, dem nur ganz geringe Risiken gegenüberstehen. Die 11 Unterhändler aber ver- dienten ihrerseits auch 19 440 M., ein Unterhändler also im Monat 1767,30 M. Bei Enle kommen zu den 19 440 M. noch 6 Proz. der Aufkauf summe für Kleinvieh. Ein Fachmann berechnet die Einnahmen daraus pro Monat auf 8000 M., so daß Herr Enle tatsächlich für seine KommisfionStätigkeit pro Monat 22 400 M. bezieht. Daß das ein unhaltbarer, Vieh und Fleisch gewaltig verteuernder Zustand ist, liegt auf der Hand._ Mus öer Partei. Stellungnahme zu den Partcidifferenzen. In der Kreiskonferenz des 4. Berliner Kreises, die von 593 berechtigten Delegierten, einschließlich ver Funktionäre, besucht war, ist gegen einige Stimmen nachstehende Resolution an- genominen worden „Zu dem Verhalten des Parteivorstandes gegenüber dem „Vorwärts", betr. die Zensur und auch im Fall Meyer, betrachtet die heutige Zusammenkunft diese Maßnahmen des Parteivorstandes durch nichts begründet und hält sie im höchsten Grade für Partei- schädigend. Den in dieser Angelegenheit von den Funktionären des 4. Kreises und des Zentralvorstandes gefaßten Beschlüssen sowohl wie den Zustimmungserklärungen für das Vorgehen der Arbeits- gemeinschaft, welches eine notwendige Folge aus dem Verhalten der Fraktionsmehrheit ist, schließt sich die Generalversammlung vollinhaltlich an. Des weiteren wird das Mitglied der Neuner- kommission des 4. Kreises, Genosse Böhm, aufgefordert, in dieser Kommission den Maßnahmen des Parteivorstandes, die er gegen den „Vorwärts" getroffen hat, mit aller Entschiedenheit entgegenzu- wirken.(Angenommen gegen 6 Stimmen.) Zu der vom 2. Berliner Reichstagswahlkreise eingebrachten R«- solution, betreffend die Wi oderve rei nigu ng der beiden Fraktionen im Reichstage, erklärt'die Zusammenkunft, daß die Möglichkeit einer Wiedervereinigung gegeben ist, sobald die Fraktionsmehrheit die Beschlüsse der Parteitage und internationalen Kongresse befolgt und sich wieder auf den Boden des Parteiprogramms und des... stand- Punktes stellt. Der Zentralvorstand wird deshalb ersucht, in diesem Sinne auf die Fraktionsmehrheit einzuwirken.(Angenommen gegen 40 Stimmen.) Des weiteren erhebt die Zusammenkunst schärfsten Protest gegen die Art, wie die„Parteikorrespondenz" vom Parteivorstand benutzt wird. Anstatt ihrem Wesen nach als Informationsblatt zu dienen, ist sie zu einer Verteidigungsschrift der Durchhaltspolitik geworden.(Angenommen gegen 4 Stimmen.) Die Zusammenkunft nimmt Kenntnis von der Glanzleistung eines sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Oskar Geck im Falle des Genossen Karl Liebknecht in einer in Nr. 151 deS„Vorwärts" vom 3. Juni 1916 aus der„Mannheimer Volksstimme" wiedergegebenen Notiz und hängt sie tiefer. Die Zusammenkunft spricht allen, die um die Freiheit kämpfen...... ihre volle und wärmste Sympathie aus."(Einstimmig angenommen.) Ferner wurde gegen 6 Stimmen beschlossen, die„Parteikorrc- spondenz" für die Funktionäre aus den bekannten Gründen abzu- bestellen. Eine Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den dritten Hamburger ReichsiagSwahlkreis, der durch den Genossen S t u b b e im Reichstag vertreten wird, nahm den Geschäftsbericht des Vorstandes entgegen, aus dem her- vorging, daß die Mitgliederzahl in diesem weitaus größten der drei Hamburger Wahlkreise im Berichtsjahre von 41 476 auf 35 714 zurückgegangen ist. Die ganze Kriegszeit hat einen Verlust von 13708 Mitglieder gebracht. In der Aussprache über den Geschäfts- bericht kamen zwei Redner der Mehrheit und sechs der Minder- heit zu Wort. Eine von Anhängern der Minderheit eingebrachte Resolution, die an der Haltung der Fraktionsmehrheit und am Hamburger Parteiorgan scharfe Kritik übte und die an den Ab- Seovdneten Stubbe das Verlangen stellte, zur Sozialdemokrati- hen Arbeitsgemeinschaft überzutreten, wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Es wurde absatzweise abgestimmt. Ter Ab satz, der den Uebertritt Stubbes zur Arbeitsgemeinschaft forderte, fand nur die Unterstützung von 12 Delegierten bei einer Anwesen heit von mehreren hundert Delegierten. Der alte, auf dem Boden der Mehrheit stehende Vorstand wurde gegen wenige Stimmen wiedergewählt. » In einer Hauptversammlung des Sozialdemokratischen Ver eins für den 3. sächsischen Reichstagswahlkreis(Bautzen) wurde nach eingehender Diskussion folgende Resolution mit 14 gegen 11 Stimmen angenommen „Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den 3. sächsischen Reichstagswahlkreis erklärt sich mit der Haltung des Parteivorst an des, des Parteiaus- s ch u s s e s sowie der Reichstagsfraktion voll und ganz einverstanden; insbesondere steht sie auch heute noch auf dem Boden der Erklärung der Reichstagsfraktion vom 4. August 1914. Die Behauptung, daß die Haltung der Mehrheit der Reichs- tagsfraktion eine Verletzung der Parteigrundsätze bedeute, weist die Versammlung als unzutreffend zurück. Das Verhalten der Minderheit, das die Partei- und Arbeiterinteressen schwer schädigt und letzten Endes unseren Geg nern nur den Rücken steift, wird aufs schärf st e verur- teilt. Am allerwenigsten ist diese Sonderstellung geeignet, eine schnellere Beendigung des Krieges herbeizuführen. Die Versammlung erwartet von allen Parteigenossen, daß sie jeder Art Absplitterungsversuchen entschieden entgegentreten." Sämtliche Redner, auch die der Minderheit, wandte« sich mit aller Schärfe gegen jeden Zersplitterungsversuch. Zum Ausschlustbersahren gegen Legie». Genosse Legien hatte in seiner uns durch Rechtsanwalt Heinemann übermittelten Entgegnung auch die Vorgänge erwähnt, die sich in Niederschönhausen auf dem Zahlabend und in der Be zirksversammlung abspielten. Darüber erhalten wir nun vom Ge nassen Buchheu st er, dem ftüheren Bezirksleiter am Orte, eine Zuschrift, der wir nachfolgendes entnehmen: In der Mitgliederversammlung im Juni 1915 wurde in Ab- Wesenheit Legiens ein Antrag angenommen, sich mit der Eingabe an den Parteivorstand vom 9. Juni 1915 einverstanden zu erklären. Legien stellt darauf bei der Bezirksleitung den Antrag, diesen Be- schluß wieder umzustoßen. Da der Antrag LegicnS vom Vorstand abgelehnt wurde, so hatte L. im Juli-Zahlabend durch Sammlung von Unterschriften eine besondere Propaganda für die Aufhebung des Antrages entsaftet. Als dann in der Debatte der Einsender darauf aufmerksam machte, daß auch Stadthagen daS Flugblatt unterzeichnet habe, sielen dann die von Legien zugegebenen Beleidi- gungen. Aehnlich wurden andere Unterzeichner des Auftufs, so Schwartz(Lübeck), der als schwachsinnig, und Herzfeld(Rostock), der als Petroleumjude bezeichnet wurde, behandelt; auch Ledebour kam nicht zu kurz dabei weg. Als dann vom Bezirksführer Mitteilung gemacht wurde, daß Genosse Sepp Oerter den Parteisekretär Genosse Brühl in einer Ferienzeit vertrete, erfolgte von Legien die Bemerkung: ,Was, höre ich recht? Oerter der Polizeispitzel?" Auf Einrede fiel dann nochmals der Ausdruck:„Dieser Polizeispitzel, dieser Anarchist l" Der Einsender hat dann diese Aeußerungen, die er nicht auf den Genossen Oerter sitzen lassen wollte, dem Kreisvorstand mitgeteilt. Er habe hierdurch lediglich seine Pflicht erfüllt und verwahre sich ganz entschieden dagegen von Legien als Denunzianten bezeichnet zu werden. Er bemühe sich klar zu denken, da er ein Anhänger «S Leipziger Parteibeschlusses sei: Arbeiter meidet den Alkohol. Wer fälscht? Wir brachten in der Nummer vom 3. Juni unter der Stich- marke„Eine Glanzleistung" einen heftigen Anariff des Reichstagsabgeordneten Oskar Geck gegen ein« Protestaktion der Züricher Genossen. Maßgebend für die Veröffentlichung dieser Leistung war für uns der durchaus begreifliche und berechtigte Wunsch, unseren Lesern im In- und Auslande zu zeigen, welche Haftung führende Genossen der„Mehrheit" zu der Angelegenheit einnehmen, die in erster Linie Gegenstand der Protestaktton der Züricher Genossen gewesen ist. Nun wirst uns die bekannte Sitten- wächterin der Partei, tue Chemnitzer„Volks st imme" ganz aufgeregt vor, wir hätten den Artikel von Geck durch Auslassung der wichtigsten Stellen„geschickt g e f ä l s ch t". Welches find nun diese.»vichtigsten Stellen"? Nichts»veiter als die Betrachtungen Gecks in der Einleitung seines Artikels, gen was alles die Züricher Genossen hätten protestteren müssen Irland, Rußland, Finnland usw.), wenn ihr Protest wirklich neu- r a l gewesen wäre. Nun hatten sich aber die Züricher Genossen, wie die Leser in dem erwähnten Bericht nachlesen können, zwei ganz bestimmte Justizangelegenheiten, die die ozialistische Internationale außerordentlich interessieren, zum Ge- genstand ihres Protestes gewählt. Ihnen daraus einen Borwurf zu machen, hieße ganz neuartige Verhältnisse in der Internationale einführen. Wir entsinnen uns auch nicht, daß die Chemnitzer „Volksstimme" und ihr Schützling Geck den Schweizer Genossen wegen Verletzung der„Neutralität" Vorwürfe gemacht haben, als dieie im vorigen Jahre Protestversammlungen gegen die Dcpor- tation der sozialdemokratischen Dumaabgeordneten veranstalteten, ohne gleichzeitig auf oie Verhältnisse in den anderen Ländern einzugehen. Wir haben also durch die Weglassung der eigen- artigen„Neutralitäts'ftheorie Gecks nicht nur nichts„gefälscht", bndern dem Genossen Geck noch einen Gefallen erwiesen, indem vir den Mantel der christlichen Nächstenliebe über diesen Theil einer Leistung ausbreiteten. Weshalb also die Auftegung de: ehrsamen Chcmnitzerin? Zum Parteistreit in Duisburg. In der Nummer vom 23. Mai� hatten wir einen Bericht des Zressebureaus über die Stellungnahme der gemeinsamen Kreiskon- erenz der beiden Duisburger Wahlkreise veröffentlicht. Genosse M i n st e r, einer der entlassenen Redakteur«, erhebt gegen diese Berichterstattung Einspruch und sendet uns ein« längere Zuschrift, der wir entnehmen, daß die Konfeoenz nicht ordnungsgemäß zu- ämmengesetzt war, da die Vertreter der Kreispreßkommission aus Duisburg und Mülheim, ferner der Kreisleiter und ein Kreisvor- tandsmitglied des Wahlkreises Duisburg, sotvie mehrer« Filial- leitungen nicht geladen waren. Da in dem Bericht weiter gesagt war, daß die eingeladenen Redakteure brieflich ihre Abwesenheit be- gründet hatten, so verlveist Genosse Minster auf einen längeren Brief, den er an den Kreissekretär gerichtet hat, aus de hervor- geht, daß für sein Nichterscheinen die nicht ordnungsgemäße Zu- ämmensetzung der Konferenz, sowie ein über ihn verhängtes Rede- verbot maßgebend»varen. Dies« in dem Briefe angeführten Gründe bildeten denn auch den Anlaß zu einer langen Geschäftsovdnungsdebatte auf der Kon- erenz, und daS Resultat war, daß eine Reihe von Genossen zum iZrotest den«chauplatz verließe», andere Genossen, die blieben, ent- feinten sich demonstrativ vor der Abstimmung, „Nasch Golos" über die zweite Zimmerwalder Konferenz. Das russische Arbeiterblatt„Nasch Golos" in Samara ver- öffentlicht in seiner Nummer�vom 8./21. Mai an leitender Stelle den Aufruf der Berner I. S. K. zur Einberufung der zweiten Zimmerwalder Konferenz und wendet sich dann gegen das eigen- mächtige Vorgehen der Plechanow-Gruppe, die in der„Humanitö" und ihrem Pariser Organ„Prisyw"(von wo ihn die russische bür- gerliche Presse sofort übernommen hat) einen Protest gegen die russische Vertretung in Kienthal veröffentlichte. „Gegen die Teilnahme der letzteren, schreibt das Blatt, an- geblich weil sie nicht dazu berechtigt gewesen sei, ist der nicht un- bekannte Alexinöky mit einem Artikel in der„Humanite" und mit einem Protest im„Prisyw" aufgetreten. Wer Alexinsky und und dem„Prisyw" das Recht erteilt hat, die Rechtmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit der Vertretung der russischen Sozialisten fest- zustellen, wird hierbei bescheiden verschwiegen." Das Blatt kritisiert dann weiter das Vorgehen der f r a n- z ö s i s ch e n Parteileitung, die sich beeilt hat, zu erklären, sie habe niemand ermächtigt, an der Konferenz in Kienthal teilzunehmen, „Es hätte sich— bemerkt hierzu„Nasch GoloS" ironisch— wohl kaum jemand gefunden, der diesen Verdacht gegen die fran- zösische Parteileitung ausgesprochen hätte und ihre Eile war deshalb vollkommen überflüssig. ES ist allen bekannt, daß der Vorstand der französischen Partei sich nicht nur gegen die Ver- suche der.Zimmerwälder" sträubt, sondern auch gegen die Be- mühungen, die internationalen Verbindungen durch daS Jnter- nationale Sozialistische Bureau im Haag wieder herzustellen." Eine aufrechte Frau. Miß Margaret Ashton, Stadträtin in Manchester, hat sich der Unabhängigen Arbeiterpartei angeschlossen. Die Partei gewinnt in ihr ein tötiges Mitglied, das für seine Ueberzeugung einsteht und sich durch nichts beirren läßt, sie auch in der Oeffentlichkeit zu vertreten. Magaret Aftton hat sich in ihrer Tätigkeit als Stadtrat besonders nm die Besserstellung der Arbeiterinnen bemüht. In der letzten Zeit ist ihr Name häufig in der englischen Presse ge- nannt worden. Sie legte ihr Amt im Vorstand des englischen Frauenstimmrechtsverbandes nieder, als dieser beschloß, die Frauen- Friedenskonferenz im Haag nicht offiziell zu unterstützen. Später vertrat sie die Sache der Unabhängigen Arbeiterpartei, als man dieser die Stadthalle von Manchester für FriedenSversammIungen verweigerte. An den Demonstrationen für den Frieden gegen die Dienstpflicht nahm lebhaft Anteil. Keine Auflösung des Schweizerischen Grütlivereins. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Die von einer Anzahl Sektionen des Grütlivereins veranlasste Urabstimmung über die Auflösung des Grütlivereins hat 3069 Stim- men dafür und 3167 fiir den Weiterbestand ergeben. 102 Sektionen stimmten mit Mehrheit für die Auflösung und 109 Sektionen für das Fortbesteben. Ende 1914 hatte der Grülliverein 286 Sektionen mit 10 687 Mitgliedern gezählt. Hat er gegenwärtig noch den gleichen Bestaird, so haben sich 75 Sektionen und rund 440 Mit- glieder an der Abstimmung nicht beteiligt. Der„Grüllianer" jubelt förmlich über die Ablehnung der Auf- lösung in einem Leitartikel, in dem er nun auch unaescheut für die separatistische Grütlianerpartei durch„Konsolidic- rung und Reorganisierung deS Vereins an Haupt und Gliedern", für eine selbständige und aktive schlveizerische Grütlianerpolitik eintritt. Dabei soll er seinen aften und gesunden International! s- mus beibehalten. Zunächst hat die Ablehnung der Auflösung den Rücktritt des Zentralkomitees des Grütlivereins zur Folge gehabt, aber die Mehrheit seiner Mitglieder wird eine Wiederwahl im Sinne der„Grütlianer-Politik annehmen. Was nun die konsequenten und aufrichtigen Parteieinheits- fteunde im Grütliverein angesichts der vom„Grütlianer" prokla» mierten separatistischen Grütlianerpartei tun werden, bleibt abzu- warten. Voraussichtlich werden sie keine stummen und passiven Zu- schauer bleiben, sondern handeln, und zwar so, wie es das Gesamt- interesse der klassenbewuhten schweizerischen Arbeiterschaft und der schweizerischen Sozialdemokratie erheischt. Aus der dänischen Arbeiterbewegung. Kopenhagen, 6. Juni.(JK.) Di« dänische Parteipresse kann sich einer stet? wachsenden Entwicklung erfreuen. Namentlich das auptorgan, der„Social-Temokraten", der vor 16 Jahren in openhagen unter sehr bescheidenen Verhältnissen ins Leben ge- rufen wurde, hat sich derart entwickelt, daß auch das jetzt zu seiner Verfügung stehende palastähnliche Gebäude nicht mehr genügt. Der Kontrahcnwerein des„Social-Demokraten" hat deshalb noch ein angrenzendes Grundstück für 300 000 Kronen erworben. Auf dem- selben soll ein»veiteres großes Gebäude aufgeführt»Verden. Neue Broschüren. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts sind folgende Broschüren erschienen: „Neue Steuern während deS Krieges?" Von Gustav Hoch, M. d. R. Preis 1 M., Bereinsausgabe 60 Pf. Inhalt: 1. Sind neue Einnahmen des Reichs während des Krieges notwendig? 2. Die Einnahmen des Reichs. 3. Verbrauchssteuern und Einkommen- steuern. 4. Erwerbseinkünfte. 5. Gebühren. 6. Beiträge der Einzelstaate n. 7. Der Steuerplan. 8. Die Steuern und die wirtschaftliche Entwicklung. 9. Verteilung der Steuern zwischen Reich, Einzel- tasten und Gemeinden. 10. Notgesetze während des Krieges. 11. Die Kriegssteuerentwürfe der Regierungen. 12. Erhöhung der Tabakadgaben. 13. Die Berkehrssteuern. 14. Die Kriegsgewinn- teuer. 15. Der Reichsbeitrag. 16. Die Erhöhung der Erbschafts- teuer. 17. Vor der Entscheidung. „Arbriierkultur und Krieg." Von Heinrich Schulz, M. d. R. Preis 75 Pf., Vereinsausgabe 25 Ps. Inhalt: Kultur und Arbeiter- kultur und Klassenkampf.— Nationale und internationale Kultur. Die Organisation als Kampsmittel des Sozialismus.— Krieg und Kultur.— Klassengegensatz und Klassenkampf nach dem Krieg. — Praktische Arbeit als Kulturbetätigimg.— Die Schulreform als Helferin der Arbeiterkulttir.— Die Arbeiterbildung als Kultur- mittel.— Schlußbetrachiung. Die Schrift enthält den Inhalt zweier Vorträge, die Verfasser vor gewerkschaftlichen Funktionären gehalten hat. Der Verfasser hofft, daß seine Ausführungen in bescheidener Weis« zur Klärung der Meinnngsgegensätze in der deutschen Arbeiterbetvegung beitragen werden. Elsaß-Lothringen und die E-zialdemokratte. Von Hermann Wendel. Inhalt: 1. Elsatz-Lothringen als Kriegsziel. 2. Ge- schichtliches. Die deutsche Sozialdemokratie und Elsah-Lothringen. 4. Nach vierundvierzig Jahren. 5. Die wirtschaftliche Verknüpfung. 6. Elsaß-Lothringen und Frankreich. Preis der Vereinsausgabe 40 Pfennig. Eingegangene Druckschriften. „Der Kampf." Sozialdemokratische Monatsschrift OisterreichS' Heft 5/6. 66 Ps.— Verlag®. Emmerling, Wien, Rechte Wienzeile 97- .Die Glocke". Sozialistische Wochenschrist. 10. Heft. HecauSzeder- ParvuS. Vierteljährlich 2,50 M.— Verlag sür Soziatwislenschast. München. „Kunst und Künstler.« MonatSschri,» sür bildende Kunst und Kunst. gewerbe. 14. Jahrg. Heft 9. Bi-tteljährlich KM.—®- Cassirer. Berlin, Derfslingerstr. 15. 0 v. Genosieuschaftlicher Warenaustausch zwischen Landwirtschaft und Konsum. Von NilS Petersen. 16 Seiten.— W. Langguth. Etz- lingeu a. N._„ �, Olivin Marianne. Exotische Novellen von I. V. Jensen. 2,50 SD?., geb. 3,50 M.— Die fremde Frau. Roman von P. Zlfferer. 4,50 M.. geb. 5,50 M.— Herr Heckfisch. Erzählung von A. solomonica. 2,50 M.. geb. 3,50 M.— S. Fischer. Berlin. Bülowstr. 90. Der Deutsche Buchbinderverliand ,m Jahre 1915. SOS.— _____,.___________________„ Selbstverlag deS Verband-». Berlin. Urbanstr. 63 veftrntwortlich«: Redaftenr: Itfrefc Wielep», Neukölln. Für de» Inseratenteil veranto.: Tß. Glocke. Berlin. Druck».«erlaat'vorwSrt» Buchdruckerei u. LerlagSarchaft Paul Singer&. Co, Berlin SW, Nr. 156. 33. Jahrgang. 2. SrilW des Deisels" Kerlim Ncksblsll. Dannerstag, 8. Jum 1916. Mus Groß-Serlin. Mängel bei der Fleischverteilung. UnZ wird geschrieben:.Vor einiger Zeit ist in einer Versamm- lung des Deutschen Buchbinderverbandes beschlossen worden, bei den zuständigen Stellen vorstellig zu werden, um den in Arbeit stehenden Frauen und Mädchen den Bezug von Lebensmitteln zu erleichtern. Der Krieg hat eine große Umwälzung auf wirtschrftlichem Gebiet mit sich gebracht. Tausende und aber Tausende von Frauen und Mädchen sind an Stelle der zum Heeresdienst einberufenen Männer ge« zwangen gewesen, Arbeit im Handwerl, in der Industrie, im Handel anzunehmen. Diese gehen früh zur Arbeit, kehren erst spät abends heim. Durch die nicht genügende Versorgung des Lebensmittelmarktes entstanden Ansammlungen vor den Lebensmittelgeschäften. Jeder will der erste sein. War Frau M. morgens um 7 Uhr vor der Tür des Geschäfts, so war Frau S. am nächsten Tage bereits umö'/zUhr dort. Das setzte sich fort, so daß der beklagenswerte Zustand ein- trat, daß bereits mitten in der Nacht die betreffenden Geschäfte be- lagert wurden. Ein Teil der Wartenden erhielt Ware, ein anderer Teil mußte trotz stundenlangem Warten unverrichteter Sache nach Hause gehen. Kommen nun die erwerbstätigen Frauen und allein- stehenden Mädchen nach Arbeitsschluß zum Geschäft, so ist in der Regel alles verkauft. Will eine im Beruf tätige Frau die Mittagspause, vorausgesetzt, daß sie reichlich bemessen ist, benutzen, so wird ihr auch das vereitelt, da seit einiger Zeit die Lebens- mittelgeschäfte über Mitlag geschlossen halten. Derselbe Mißstand stellt sich auch beim Fleischkauf heraus. Eine Regelung bei der Brot- und Buttcrverteilung— diese erst seit letzlerer Zeit— ist eingeführt und hat sich bewährt. Die An« sammlungen wegen der Butter brauchen nicht mehr stattzufinden. Bei der Fleischverteilung dauern leider die Ansammlungen vor den Läden an. Die jetzt getroffene Einrichtung weist Mängel auf. Die Fleischermeister handeln bei der Einteilung nach ihrem eigenen Gutdünken. So teilte ein Scklächtermeister mit: Morgen von 1I37 Uhr an Verkauf für die Nr. 1—370. Hier kommt nun der größte Teil der Nummerinhaberinnen möglichst früh zeilig, jede will die erste sein, die Ansammlung ist fertig. Andere Geschäfte geben den Verkauf erst in später Abendstunde(S Uhr) be kannt. Auch das ist nicht genügend. Wieder andere, und das ist die Mehrzahl der Geschäfte, hat die Einrichtung getroffen: Von 8 bis Va10 Uhr Nr. 1-100, von ValO— 11 Uhr Nr. 101—200, von 11 bis Val Ubr Nr. 201-300 und ähnlich. Auch hierdurch entstehen Ansammlungen. Diejenigen, die im Besitz der Nummern 101—200 sind, kommen möglichst frühzeitig, also vor V,10 Uhr, bevor die erste Nummernreihe abgefertigt ist. Geht eS dann im Geschäft bei der Abfertigung noch etwas langsam zu, so ist wieder stundenlanges Warten der Frauen die Folge. Nach unserer Meinung müßte die Zahl der Abzufertigenden nicht allzu groß genommen werden, vor Ablauf der Zeit niemand mit höherer Nummer das Recht erhalten, sich anzustellen. Die Frauen kämen dann nicht früher, weil sie wissen, daß sie in der für sie bestimmten Zeit bestimmt abgefertigt werden. Da Anspruch auf Fleisch nur derjenige hat, der in der für ihn bestimmten Zeit dasselbe entnimmt, gehen leider wieder Tausende von Frauen, die im Betriebe tätig sind, leer aus. Diese können zur festgesetzten Zeit nicht erscheinen, oder aber sie fehlen auf der Arbeitsstelle einen halben Tag. Ter Unternehmer läßt sich das Fernbleiben wohl ein- oder zweimal gefallen, dann aber geht die Arbeiterin ihrer Arbeitsstelle verlustig. Den in Arbeit st ehenden Frauen muß ihr An- teil für sich und die Familie an Fleisch gewahrt lo erden- ES kann das dadurch geschehen, daß die Frauen auf Grund einer Bescheinigung ihres Arbeitgebers von der Brotkommission eineAus- weiskarte erhalten, worauf sie dann ihren An- spruch bei dem Fleischermeister anmelden und sich daS Fleisch abends abholen können. Obwohl auch dieses nur ein Aushilfsmittel ist, so glauben wir doch, daß durch die Befolgung dcS Vorschlages die gröbsten Härten beseitigt werden können. Einrichtungen müssen getroffen werden, die allen Frauen den Fleischbezug ermöglichen. ES ist daS umso not- wendiger, als ein anderes wichtiges Lebensmittel zur Erhaltung der Kräfte, die Eier, so gut wie nicht zu haben sind. Auch hier müßten Vorkehrungen getroffen werden, um allen Bewohnern den Bezug zu ermöglichen." Unsere Beobachtungen bestätigen die Tatsache, daß der Fleisch verkauf auf eine zu kurze Zeitdauer bemeffen ist. Wenn Fleischer in einer Stunde KO Käufer abfertigen wollen, ohne daß mehrere Verkäufer dabei mitwirken, so müssen zahlreiche Kunden warten, denn in reichlich einer Minute kann bei der umständlichen Rechnerei kein Kunde bedient werden. Da wäre es not- wendig, die Verkaufszeit über den ganzen Tag aus- zudehnen. Dann aber dürfte sich auch die Aufhebung der fieischlosen Tage empfehlen, daniit an diesen Tagen der Fleischverkauf erfolgen kann. Nach Ausgabe der Fleischkarte haben die fleischlosen Tage keine Berechtigung mehr. Ob jemand sein Fleischquantum am Dienstag, Freitag oder am Sonntag ißt, ist herzlich gleichgültig. Geschieht das nicht, werden Fleischermeister, die einen großen Kundenkreis angenommen haben, ihre Kunden nur schwer befriedigen können. Die Verkaufszeit wird zu sehr zusammen gedrängt und es entstehen all die Unbequemlichkeiten, die für Vco iäufer und vor allem für die Käufer eine große Plage sind. Aus der Berliner Grundstücks- und WohnungSstatistik. Ter Kricg�hat� die Bautätigkeit in Berlin stark gehemmt und fast zum Stillstand gebracht. Das zeigen auch die Er- gcbuisse der Grundstücks- und Wohnungsaufnahme, die von der S t e u e r v e r w a l t u n g alljährlich zum Zweck der Grund- steuerveranlagung ausgeführt wird. Für das Steuerjahr 191-1/15 hat der Magistrat den von der Stcuerdeputation er- statteten Jahresbericht erst jetzt bekannt gegeben. In 191-1/15 Wurden 29 816 Grundstücke gezählt, wovon 28 570 bebaut und l216 unbebaut waren. Gegenüber 1913/1-1 ist eine Mehrung um nur 13 Grundstücke zu verzeichnen, bei den bebauten um 21, bei den unbebauten um 19. Als unbebaut sind auch Grundstücke mitgezählt, auf denen nur Baulichkeiten zu vorübergehender Benutzung(z. B. Schuppen, Kontore usw.) stehen. Bauland, das noch nicht Parzelliert ist, bleibt außer Betracht. Die Geringfügigkeit der Mehrung be- bauter Grundstücke wird in dem Bericht erklärt„aus der Ab- nähme der Bautätigkeit wegen der durch den Krieg gegen früher noch weiter verschlechterten Lage des Geldmarkts". Aus demselben Grrmdc seien auch nur wenig unbebaute Grund- stücke durch Parzellierung zu späterer Bebauung neu gebildet worden. Stark gemehrt Habensich beiden unbebauten Grund- stücken die unbenutzt gebliebenen. Im letzten Jahre waren es 811, um 118 mehr als im vorletzten. Hiernach stellte sich die Zahl aller benutzten Grund- stücke im letzten Jahr auf 29 605, nämlich 28 570 bebaute und 135 von den unbebauten. Gegenüber dem vorletzten Jahr ergibt sich hier ein Rückgang um 105 benutzte Grundstücke, weil dem Mehr von 21 bebauten und benutzten Grundstücken bei den unbebauten ein Weniger von 129 benutzten gegen- übersteht. Auch die Zahl der Wohnungen(einschließlich Geschäfts-, Arbeits-, Lagerräume sowie Dicnsträume) hat sich etwas vermindert. Gezählt wurden im letzten Jahr 668 329 Wohnungen usw.(samt den unvermieteten), um 21 weniger als im vorletzten Jahr. Seit einer langen Reihe von Jahren ist dies das erste Mal, daß in Berlin die Mehrung der benutzten Grundstücke und der Wohnungen usw. zum Still- stand gekommen ist. Der gesamte Nutzungswert aller benutzten Grund- stücke hat sich gleichfalls verringert. Er wurde für das letzte Jahr auf etwa 522� Millionen Mark be- rechnet, das sind um etwa 2lli Millionen weniger als im vorletzten Jahr. Die Abnahme wird in dem Bericht erklärt teils aus einem infolge des Krieges eingetretenen Mehr an NichtVermietungen, teils aus den Mieteermäßigungen, die in der KriegSzeit vielen Mietern, besonders Kriegerfrauen, ge- währt werden mußten. Es scheint aber, daß es anderer- seits auch an Mietesteigerungen nicht geftchlt hat. D« Durchschnittsertrag pro Wohnung usw. zeigt nämlich keinen Rückgang: er war 781 M. im letzten wie im vorletzten Jähr. Der Durchschnittsertrag pro Grund- stück ist nur um 12 M. auf 18 007 M. im letzten Jahr ge- funken. Da kann man aber auch das aussprechen, daß Wohn- Häuser teilweise oder völlig zu Geschäfts- oder Fabrikzwecken umgewandelt wurden, wobei der Ertrag stieg. Die Verringerung des Nutzungswertcs der Grundstücke infolge Mieteermäßigungen oder NichtVermietungen hat die zu Besteuerungszwecken vorgenommene Abschätzung des ge- meinen Wertes nicht beeinflußt, weil nur dauernder Ertragsrückgang eine Wertverminderung bedingt. Der ge- meine Wert hat nach dem Abschätzungsergebnis sich weiter um reichlich 68 Millionen Mark gesteigert, so daß er im letzten Jahr mit 9511 Millionen Mark nun bereits auf die Abrundung der zehnten Milliarde lossteuerte. Nach einer Verarmung des Berliner Grundbesitzes sieht das nicht aus. Die Fleischkarte in der Gastwirtschast. Für Inhaber von Speisewirtschaften hat die Fleischkarte mancherlei Unbequemlichkeiten gebracht; zumal jede Gemeinde für sich besondere Bestimmungen trifft. Dazu kommt die neue Bundes- ratsbestimmung über die Speisekarte. Eine Anzahl Speisewirte haben deshalb die in Betracht kommenden Bestimmungen an der Speisekarte auf einen roten Zettel befestigt. Folgende Zeilen kann der Gast da lesen: „Laut Magistratsverordnung vom 2S. Mai 1916 erfolgt die Abgabe der Fleischspeisen bis auf weiteres nur gegen Abtrennung eines Abschnittes der Berliner oder Charlottenburger Fleischkarte, eines halben Abschnittes der Schöneberger Fleischkarte und eines BiertelabschnitteS der Wilmersdorfer Fleischkarte. Laut Bundesratsverordnung vom 31. Mai 1916 dürfen in Gast-, Schank- und Speisewirtschaften an den Tagen, an denen die Verab- folgung von Fleisch, Fleischwaren und Fleischspeisen überhaupt zu- lässig ist, zu einer Mahlzeil nicht mehr als zwei Fleischgerichte zur Auswahl gestellt werden. Jedem Gast darf zu einer Mahlzeit nur ein Fleischgericht verabfolgt werden." Um Unklarheiten zu begegnen, die bei Abgabe von Speisen sich ergeben haben, gibt der Magistrat folgende Erläuterung darüber, welche Speisen fleischkartenpflichtig sind: „Es sind in Gastwirtskreisen Zweifel aufgetreten, ob Eingeweide- teile von Kalb, Rind, Schwein, Schaf unter die Fleischkarte fallen. Die Frage ist nach der Verordnung des Magistrats vom 25. Mai 1916 zu bejahen. Die Abgabe eines Fleischkartenabschnittes ist in Restaurationsbetrieben auch dann erforderlich, wenn das Fleisch von den borgenannten vier Viehgattungen in geräuchertem oder gepökeltem Zustande verabreicht wird. Denn die Aussührungs bestimmungen des Magistrats besagen ausdrücklich, daß bei Abgabe in Restaurationsbetrieben als Fleisch im Sinne der Verordnung auch zubereitetes Fleisch zu verstehen ist. Ob diese Zubereitung im Wege des Kochens, PökelnS oder RäuchernS erfolgt, ist gleichgültig. Im übrigen würden diejenigen Befitzer von Epeifebetrieben, welche anders verfahren würden, zu gewärtigen haben, daß sie bei der nächsten Fleischverteilung weniger Fleisch bekommen, weil sie ja weniger Fleischkarten abzuliefern vermögen. Im Zusammenhang damit sei besonder» noch darauf hin- gewiesen, daß die abgetrennten Fleischkartenabschnitte von Speise- wirtschaften u. dergl. sowie auch von Fleischern und Fleisch- Verkäufern sorgsam aufzubewahren und am Schlüsse jeder Woche dem Magistrat(Viehverteilungsstelle, Viehhof) einzuliefern sind; denn hiernach wird die jeweilige wöchentliche Zuteilung der Fleischmenge an die Fleischabgeber oder Verkäufer bemessen. Folgen eines Unfalls. Ein scheinbar geringer Unfall, der in dem Betriebe„Knorr- bremse"(Lichtenberg) sich Mitte März ereignete, hat für den davon Betroffenen, einen in Neukölln wohnenden siebzehnjährigen Arbeiter. sehr schlimme Folgen gehabt. Ihm fiel während der Arbeit ein Stück Eisenrohr auf den Kopf, weil aber dabei keine blutende Ver- letzung entstand, so beachtete er die Sache nicht groß und arbeitete weiter. Auch den Rat seiner Eltern,«inen Arzt aufzusuchen, befolgte er nicht, da er die nach dem Unfall aufgetretenen Kopfschmerzen für eine Nachwirkung hielt, die nicht von Bedeutung sei- Nachdem dann etwa fünf Wochen hingegangen waren und er inzwischen seine Ar- beitsstelle gewechselr hatte, stellte sich bei ihm ein so heftiges und anhaltendes Kopfweh ein, daß er sich entschloß, nun doch die Hilfe eine« Arztes in Anspruch zu nehmen. Ein Arzt in Neukölln, der für die zuständige Krankenkasse vertretungsweise tätig war, soll dem Leidenden nach vorgenommener Untersuchung erklärt haben, es handele sich um Blutarmut. Als am nächsten Tage der junge Mann in Begleitung seiner Mutter denselben Arzt nochmals aufsuchte, wurde nach erneuter Untersuchung der Bescheid wieder dahin verstanden, der Sohn sei blutarm. Die Mutter versichert auf das bestimmteste, der Arzt sei ausdrücklich auf den Unfall hingewiesen worden, den der Sohn erlitten hatte. Ihn krank zu fchreiben, lehnte der Arzt ab, doch ließ er sich schließlich dazu herbei, ihn zu weiterer Untersuchung einem Nervenarzt zu überweisen. Diesen suchte der Kranke sofort auf, aber er traf ihn nicht an, weil die Sprechzeit schon beendet war. Die Absicht, am nächsten Tage den Besuch bei dem Nervenarzt zu wiederholen, konnte nicht mehr ausgeführt werden. Noch an demselben Tage wurde der Kranke bettlägerig und fem Zustand verschlimmerte sich dann so sehr, daß die Eltern zwei Privatärzte nach einander herbeiriefen. Einige Tage später erfolgte die Ueberführung in das Neuköllner Krankenhaus zu Buckow, wo der junge Mann nach zwei Wochen starb. Die Annahme der Krankenhausärzte, daß eine Gehirnhautentzündung vorliege, soll durch die Leichenöffnung bestätigt worden sein. Auch wird nach dem Ergebnis als wahrscheinlich angesehen, daß die Erkrankung auf den Unfall zurückzuführen ist. Die Rindfleischpreise. Als Erläuterung zu der Verordnung über Höchstpreise für Rind- fleisch wird mitgeteilt, daß Schabefleisch im Preise, dem schieren .Fleisch von der Keule(2,80 M. für das Pfund), und gehackres Rind- fleisch dem Fleisch vom Vorderviertel(2,30 M. für das Pfund) gleich« zusetzen ist. Zu dem letzteren Preise ist auch Rouladen- und Gulasch- fleisch zu verkaufen, wenn es aus dem Vorderviertel geschnitten wird; wird es vom Hinterviertel verkauft, so kann der gleiche Preis wie für schieres Fleisch(2,80 M. für 1 Pfund) berechnet werden. Als .Suppenfleisch" zum Preise von 1,90 M. für das Pfund sind die Teile Stich, Heffe, Dünnung anzusehen. Arbeiterbildungsschule. Heute Donnerstag, abends 8�2 Uhr, findet int Hörsaale der Schule, Lindenstr, 3, 1. Hof rechts 3 Tr., der zweite wissenschaftliche Einzelvortrag statt. Genosse Ernst D ä u m i g wird das Thema„ Me s o- potamien und die englische Herrschaft in Indien" behandeln. Eintrittspreis 10 Pf. Eine Bande von„Beerdigungseinbrechern" wurde gestern in Neukölln unschädlich gemacht. Eine Frau in der Boddinstr. 7 be- erdigte gestern nachmittag ihren Galten. Nachdem sie sich nach dem Friedhof begeben hatte, stand die Wohnung ohne Aufsicht. Bald darauf hörte ein Postschaffner, der unter ihr wohnt, in ihren Räumen Fußtritte. Der Mann dachte gleich an Einbrecher, weil er wußte, daß niemand zu Hause war. Schnell entschlossen, holte er sich von der Straße zwei Feldgraue, die gerade des Weges kamen. Als die drei Männer eindringen wollten, wurde zunächst die Tür von innen zugehallen. Nach lieberwindung dieser Hindernisse sahen sie sich zwei Einbrechern gegenüber. Einer von diesen stürzte sich sofort auf sie. Ein Feldgrauer zog blank und versetzte dem An- greiser einen so kräftigen Säbelhieb über den Kopf, daß er blutend zusammenbrach und zunächst nach der Unfallstation gebracht werden mußte. Jetzt setzte sich der zweite Einbrecher, ein Herkules von Gestalt, mit allen Kräften zur Wehr. Es gelang ihm auch, sich los- zureißen und die Straße zu erreichen. Das Publifum jedoch ergriff ibn bald. Beide wurden dann nach dem Polizeipräsidium in Neu« kölln gebracht und hier festgestellt als die 30 und 26 Jahre alten Arbeiter Max Sosner aus der Koloniestraße und Otto Grunert aus der Uferstraße 1 zu Berlin. Beides„schwere Jungen", die schon wiederholt mit Zuchthaus bestraft sind. Die Ertappten betrieben zuletzt als Spezialität den Einbruch in Wohnungen, deren In« fassen einen Angehörigen beerdigten. Sie sahen sich die Todes« anzeigen in den Zeitungen an, merkten sich die Beerdigungszeiten und beobachteten dann die Wohnung, die sie für geeigner zu einem Einbruch hielten. Ein Notizbuch, das man bei ihnen fand, enihält noch eine ganze Reihe solcher Aufzeichnungen, die zum Teil schon erledigt waren. Auch die Wohnung der Witwe in der Boddinstraße befand sich darunter. Als Neuköllner Kriminalbeamte die Wohnung des Grunert durchsuchten, kam gerade ein drittes Mitglied der Bande zu Besuch und wurde ebenfalls festgenommen. Totgefahren. Bon einem Straßenbahnwagen der Linie 32 wurde gestern nachmittag nach 6 Uhr in der Reinickendorfer Straße in der Nähe des Virchow-KrankenhauseS ein dreijähriges Kind angefahren, das über die Gleise laufen wollte. Der Wagenführer konnte wegen der kurzen Entfernung den Wagen nicht mehr zum Stehen bringen. DaS Kind wurde tatsächlich zermalmt unter dem emporgehobenen Wagen hervorgeholt und war tot. Als die Feuerwehr erschien, war die Leiche schon geborgen. Ein falscher Arzt, der in der Maske eine» Wohltäters jungen Mädchen nachstellte und verhaftet wurde, versuchte gestern im Polizei- gewahrsam seinem Leben ein Ende zu machen. Vor einigen Tagen stellte sich bei einer Witwe in Rudow ein Mann vor, der erzählte, er komme als Arzt einer Wohlfahrtsgesellschaft, um die Familien- angehörigcn, denen eine Unterstützung zugedacht sei, auf ihren Gesundheitszustand zu untersuchen. Nach Untersuchung der Frau und ihres Sohnes ging er auch mit der Tochter in ein Neben- zimmer. Als das Mädchen bald um Hilfe rief, fand die Mutler die Tür verriegelt. Auf ihr entschiedenes Verlangen öffnete der„Arzt" aber bald und empfahl sich jetzt mit der Versicherung, daß die Unter- slützung bald bewilligt sein werde. Nach kurzer Zeit bestellte denn auch der Arzt das Mädchen zum Abholen deS Geldes. Die Kriminalpolizei, der die Mutter den Vorfall anzeigte, begab sich statt dcS Mädchens nach der angegebenen Stelle und nahm den Arzt fest. Er entpuppte sich als ein 10 Jahre alter Schriftsetzer Georg Plötzer aus der Friedenstraße. Gestern versuchte der Verhaftete, sich im Polizei« gewahrsam mit einem Schnürsenkel am Beltpfosten zu erhängen. Der Aufseher entdeckte sein Beginnen noch zur rechten Zeit und schnitt ihn ab. Plötzner wurde jetzt vorläufig als Polizeigefangener »ach der Charitö gebracht. Die Leiche eineS neugeborenen Knaben wurde gestern auf dem Laubengelände an der Slahlheimerstraße aufgefunden. Sie war in Papier eingewickelt und verschnürt und wurde der Polizei übergeben. Die Nachforschungen nach der Mutter wurden sofort eingeleitet. Mus öen Gemeinden. Fletschspeisekarten im Kreise Teltow. Der Landrat des Kreises macht bekannt, daß den Gastwirtschaften und Speiseanstalten Fleisch nur noch gegen Vorlegung von Fleisch- speisekarten abgegeben werden darf. Die Speisekarlen sind auf Antrag bei den Gemeinde- oder Gutsbehörden den Personen zu ge- währen, die eine Fleischkarte beanspruchen können. Für die Orte, die bisher noch keine Fleischkarten eingeführt haben, erfolgen noch besondere Bestimmungen. Bei der Abgabe von Fleischgerichten, die etwa 100 oder mehr Gramm rohen Fleisches enlhaltcn, sind von der Berliner, Charlottenburger, Neuköllner. Lichtcnberger, Nieder« barnimer und Teltower Karte ein ganzer Abschni'it, von der Schöneberger die Hälfte und von der Wilmersdorfer ein Viertel Abschnitt abzutrennen. Bei der Abgabe von Fleisch bis zu 60 Gramm darf nur die Hälfte von dem oben erwähnten eingefordert werden. Auch in gemeinnützigen Speiseanstalten dürfen Fleischgerichte nur gegen Vorlage der Karte verabreicht werdep. Gemeinde-Sparkasse und-Leihamt in Weitzensee. Das Kalenderjahr 1915 hat der Sparkasse einen erheblichen Zu« wachs an Spareinlagen gebracht. Es wurden an Spareinlagen 2 760 680 M. vereinnahmt und 2 810 365,50 M. verausgabt. In den Ausgaben sind die von den Sparern auf die 2. und 3. Kriegsanleihe gezeichneten Beträge enthalten. Es verblieb trotzdem noch eine Mchreinnahme von 110 211,51 M. Den Sparern sind am Jahres- schlusje 150 953,01 M. an Zinsen gutgeschrieben worden, so daß sich unter Berücksichtigung dieser Summe seit Bestehen der Kasse am Jahresschluß ein Tinlagenhestanb von rund V Millionen Mark er« f ab. Der Zinsfuß für Spareinlagen beträgt seit dem 1. Januar 1916 iU Proz. Das Gemeinde-Leihamt hat bis Ende Februar 1916 auf 11 937 Pfänder 319 919 M. ausgeliehen, worauf 396 797 M, zurück- gezahlt worden sind. Der Taxwert der noch verbleibenden 269 Pfänder beträgt 19 783 M., die mit 13113,49 M. beliehen sind. Stellungnahme zur Kreisgeneralversammlung. In einer mäßig besuchten Mitgliederversammlung beschäftigte ?ch der Wahlverein T e m p e l h o f mit der bevorstehenden Kreis generalversammlung. Beschlüsse darüber wurden nicht gefaßt. Man war sich vielmehr trotz unterschiedlicher Beurteilung der Haltung und Tätigkeit des Kreisvorstandes dahin einig, den Delegierten zu über lassen, ein entscheidendes Urteil zu fällen, nachdem der Tätigkeit» bericht von den leitenden Kreisinstanzen erstattet worden ist. Auch zu den Neuwahlen des Vorstandes hat man den Delegierten freie Entscheidung überlassen, weil die Ueberzeugung vorherrscht, daß sich die delegierten Parteigenossen bei der Erledigung dieser Frage nur von den Gesichtspunkten werden leiten lassen, die das Wohl unserer Be« wegung bedingen. Soziales. Vom Nachtbackverbot. Eine wichtige Entscheidung über doS Nachtbackverbot fällte das Kammergericht. Die ergangene Bundesratsverord nung vom 5. Januar 1915 bestimmt in der Fassung vom LI. März 1915 im§ 9:„Alle Arbeiten, die zur Bereitung von Backware dienen, sind in Bäckereien und Konditoreien, auch wenn diese nur einen Nebenbetrieb darstellen, in der Zeit von 7 Uhr abends bis 7 Ulsr morgens verboten." Der Bäckermeister Sehmisch in Berlin war vom Landgericht wegen Uebertrctung dieser Bestimmung zu einer Geldstrafe ver urteilt worden. Bei einer etwa 19 Minuten vor 7 Uhr früh ausgeübten Kontrolle hatte ein Polizeibeamter festgestellt, daß sich tm Backraum des Angeklagten bereits dessen Sohn als Gehilfe und ein Lehrling befanden. Als er etwa 5 Minuten vor 7 Uhr zum Backraum Zutritt erlangte, war bereits der Ofen angeheizt und in eine Schüssel waren Butter und Zucker hineingetan. Die jungen Leute hatten sich schon eine halbe Stunde nach den gerichtlichen Feststellungen im Backraum auf gehalten. Das Landgericht rechnete das Anheizen des Ofens und das Hineintun von Butter und Zucker in eine Schüssel zu den Arbeiten,„die zur Zubereitung von Backware dienen". Sie hätten nach der zitterten Bestimmung vor 7 Uhr morgens nicht vorgenommen werden dürfen. Das Kammer- gericht verwarf jetzt die vom Angeklagten Seh- misch eingelegte Revision mit folgender Begrün- dung: Nach der Bundesratsberovdimng dürften alle Arbeiten, die zur Bereitung von Backware dienten, in Bäckereien usw. zwischen 7 Uhr abepds und 7 Uhr frich nicht vorgenommen werden. Es sei kein Rechtsirrtnm, wenn das Landgericht das Anheizen des Ofens und das Hineintun von Zucker und Butter in ein Gefäß zu diesen Arbeiten rechne. Das Landgericht sei mit Recht von dem Zweck der Anordnung ausgegangen. Dieser sei offensichtlich, daß Mehl gespart werden solle. Es sollte verhütet werden, daß das frische Gebäck des Morgens in größerer Menge so zeitig herauskomme, daß es Von den Lepten, die nicht gerade Langschläfer seien, schon zum ersten Frühstück genossen werden könne. Man habe angenommen, daß infolgedessen ein ganz gewaltiger Minderverbrauch an Weizen- mehl eintreWn würde. Darum sei verordnet worden, daß vor 7 Uhr morgens in itaner Weise für Backzwecke gearbeitet werden solle. � Kriegsscheinwirren. Wenn eine Firma, welche Heeresbedarf herstellt, einen Arbeiter entläßt, so muß sie ihm den sogenannten Kriegs- schein erteilen, ohne den der Arbeiter in keinem mit Militär- lieferungen beschäftigten Betriebe eingestellt wird. Die Firma Alfred Wolff hat zwar einen Betrieb dieser Art, sie hat aber einen Arbeiter entlassen, ohne ihm einen Kriegs- schein auszustellen. Der Arbeiter ist deshalb von mehreren Be- trieben, wo er sich um Arbeit bolvavb, zurückgewiesen worden und verlangte nun durch eine Klage beim Gewerbegericht Schadenersatz von der Finna Alfred Wolfs. Hier tat der Vertreter sehr ver- wundert, als ihm gesagt wurde, den Kviegsschein müsse die Firma erteilen. Der Vertreter wußte von dem ganzen Kriegsscheinabkommen nichts. Dagegen behauptete er, auf Grund einer Verfügung des Kriegsministeriums sei er ver- pflichtet, jeden Arbeiter, der sich renitent benehme, sofort zu ent- lassen. Wie das Gericht feststellte, steht die Firma, obgleich sie direkt für die Heeresverwaltung liefert, nicht in der Li sie der Heereslieferanten, für die das Kriegsscheinabkommen bindend ist. Anscheinend erklärt sich das daraus, daß der Betrieb der beklagten Firma erst seit enttgen Wochen besteht. Die Betriebe, welche den Kläger nicht einstellten, weil er keinen Kriegsfchein hatte, wußten zwar, daß die beklagte Firma Heereslieferantin ist und glaubten deshalb, den Kriegsschein von dem Arbeiter fordern zu müssen. Aber daß die Firma Alfred Wolfs gar nicht in dem Verzeichnis der Heereslieferanten steht, darüber haben sich die Firmen, welche den Arbeiter zurückwiesen, nicht informiert. Durch diesen Wirvwar ist der Arbeiter, der eine ganze Woche infolgedessen ohne Beschäftigung war, erheblich geschädigt worden, ohne daß ihm jemand seinen Schaden zu ersetzen braucht. Da die beklagte Firma, weil sie nicht in der Liste der Heereslieferanten steht, dem Kläger keinen Kriegsschein erteilen brauchte, bezeichnete das Gericht die Klage als aussichtslos, weil unter diesen Umständen die beklagte Firma nicht schadenersatzpflichtig sei. Der Kläger zog hiernach die Klage zurück._ Gerichtszeitung. Leichenfledderer. Zwei jener gemeingefährlichen Mitbürger, isie nachts auf den Straßen herumküngern und als Spezialität die Fledderei eingeschlafener Personen betreiben, standen gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I: Georg Keil und Hiero- pymus Grzybowski, letzterer vorbestraft. Als die beiden eines Nachts im Februar d. I., auf Raub aus- gehend, die Friedrichstratze entlang bummelten, trafen sie am Oranienburger Tor den Schlächter K., der nach einer längeren Bierreise einen Stützpunkt an einem Hause gesucht hatte und dabei «ingenickt war. Die beiden Gauner spielten nun die Menschen- kveuTide, indem sie an den Schlächter herantraten, ihn mit den Worten„Väterchen, nicht schlafen; das ist gefähr- li ch!" aufweckten und sich erboten, eine Droschke herbeizurufen. Der Angetrunkene nahm dieses Angebot auch dankbar an, eine Droschke kam heran und dann ging das Verladen des Opfers vor sich. Schwer- fällig sank der also„Betreute" in der Droschke auf das Polster nieder und schlief sofort wieder ein, ohne auch nur das geringste havon bemerkt zu haben, daß die hilfsbereiten Hände der beiden Liebenswürdigen Leute inzwischen den Weg in seine innere Rock- täsche gefunden und daraus die Brieftasche mit 17S9 M. Inhalt entwendet hatten. Eist am nächsten Morgen, als der'Schlächter seinen Rausch ausgeschlafen hatte, merkte er seinen Verlust, den er schleu- «igst zur AnMge brachte. Es gelang bald, die beiden Angeklagten als Täter zu ermittelu. Das meiste Geld war aber schon ver- jubelt, so daß der Gerupfte nur etwa 599 M. zurückerhielt. Das Gericht verurteilte den G., der wegen gleicher Vergehen schon ganz erheblich vorbestraft ist, zu 6 Jahren Zuchthaus und Keil, der bisher noch unbestraft war, zu 3 Jahren Gefäng- n i S und den üblichen Nebenstrajen, da die Oeffentlichkeit vor der- »rtigem lichtscheuen Gesindel nachdrücklichst geschützt werden muß. Höchstpreisüberschrelsung.. Wegen Ueberschreitung' der Höchstpreise hatte sich der Metall Händler L. Pinczowski gestern vor der 1. Strafkammer des Landgericht» I zu verantworten. Nach den in der Beweisaufnahme getroffenen Feststellungen sah die Strafkammer für erwiesen an, daß der Angeklagte bei Metalllieferungen in 69 Fällen den fest- gesetzten Höchstpreis in verschleierter Form überschritten hat. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geld st rase von 15999 M., eventuell für je 15 M. einen Tag Gefängnis bis zum Höchstmaß von zwei Jahren Gefängnis. Falsche Angaben über Vorräte. Vor der Strafkammer Gießen hatte sich der Oekouomie rat Karl Hof mann, Pächter des zum fürstlich Solms-Braun� felsschen Besitztum gehörigen Hofgute» Güll, wegen Uebertretung der Bundesratsverordnung vom 22. Oktober 1915, betr. Erhebung von Getreidevorräten, zu verantworten. Es wurde ihm zur Last gelegt, bei der Bestandsaufnahme am 16. November vorigen Jahres erhebliche Vorräte von Getreidefrucht, Weizen und Roggen, zusammen etwa 759 Zentner verschwiegen zu haben. Hofmann ist ein angesehener Grotzlaiidwirt, der Ehrenämter in der Kreis- und Provinzialvertretung bekleidet. Zu der Verhandlung, die den ganzen Tag in Anspruch nahm, waren 37 Zeugen und Sachber- ständige geladen. Viele Großlandwirte aus Oberhessen bekundeten, daß eine Unterschätzung>vie im vorliegenden Falle sehr leicht vor- kommen könne, daß selbst ein erfahrener Landwirt sich über den mutmaßlichen Körnerertrag einer gewissen Menge noch in den Garben befindlichen Getreides ganz gewaltig täuschen könne. Andere Zeugen erklärten wieder, daß ein erfahrener Landwirt sich u n m öglich so täuschen könne, wie es dem Angeklagten passiert sein soll. Der Angeklagte bestrill, fahrlässig gehandelt und noch weniger vorsätzlich unrichtige Angaben gemacht zu haben. Der Staatsanwalt kielt Fahrlässigkeit für vorliegend, für vorsätzliches Handeln könne er keinen Beweis erbringen. Das Gericht erkannte aus Freisprechung, weil weder für vor sätzliche, noch für fahrlässige unrichtige Erstattung der vorgeschrie benen Anzeige ein Beweis erbracht sei. Mus aller Welt. Mehr als 70« Friedhöfe. Im„Trautenauer Echo" lesen wir: In aller Stille ist auf den Schlachtfeldern WestgalizienS, die vor Jahresfrist unter dem großen Turchbruch der Verbündeten bebten, seit Monaten an einem gewalttgen Mausoleum für die Ge- fallenen gearbeitet worden. Es ist ein luftiges Mausoleum, das gewaltigste der Welt, von keinen Steinmauern überwölbt, aber Totenpark an Totenpark, eine einzige ungeheure, dicht mit Fichten bestandene Parklandschast von Friedhöfen, die von Gorlice bis zur berühmten Tarnoioer Höhe 419 hinaufteicht. Wie man in Mittelgalizien schon im Sommer 1915 an üppig bestandenen blühenden Gräbern genau die Orte und die Heftigkeit der Kämpfe abmessen konnte, die in den Lemberger furchtbaren Schlachten 1914 tobten, so schreitet man eigentlich auch am Dunajec von Friedhof zu Friedhof, Gefechtsplatz um Gesechtsplatz ab. Wer will, kann sich von Totenheimstätte zu Totenheimstätte, in denen neben deutschen österreichische, ungarische und russische Kämpfer ruhen, die Front von den rauchschwarzen Häusern Gorlices, die noch ruinenhast und gespenstisch stehen, über die blumenüber- channten Hügel bei Tornow bis zur Wisloka, also den ganzen Vormarsch nachzeichnen. Mehr als 699 Friedhöfe trägt die Erde Westgaliziens allein an den heißumstrittenen Kampfstellen, aber auch die Zahl der Massengräber, die Freund und Feind jetzt fried- lich bergen, überschreitet die hundert. Einsam dehnt sich der end- lose, in seiner Blumenherrlichkeit doppelt schwermütige Garten des großen Sterbens, der mehr als 49999 Soldaten und tapfere Gegner n den Rasen bettete bis hinunter nach Limanowa, wo in der De- zemberschlacht 1914 das riesenhaft heranrollende Rußland stehen- bleiben mußte, auf den Hängen um Limanowa, auf jener Jabloniec- Höhe, deren Birkenwäldchen das heroische Verbluten der Radasdy. Husaren sah. Rund um Limanowa ist der Park der Toten, der nicht so sehr ins Ungemessene geht, noch strenger stilisiert worden. Die Land- schaft unterstützt hier die Arbeit des Künstlers, des Bildhauers Ludwig, der die Totenstadt in drei Terrassen aufbaute, ihr ein herrliches Portal am jenseitigen Hang der Höhe gab und die einzelnen Gräber ebenso wie die Ruhestätten zwischen Tornow und Gorlice mit edel gearbeiteten Denksteinen schmückte. Die in ihrem Ausmaß riesenhaften Arbeiten wurden in der Hauptsache von russischen Gefangenen ausgeführt, und eine Schar von Italienern, die hierzu ja besondere Begabung zeigen, wurden für die Steinschnitzereien verwandt. Uebevall in den Anlagen Feier- lichkeit und Größe. Sie werden ein Wallfahrtsort selbst später Geschlechter sein und in ihnen den Willen stärken, gegen den Krieg Krieg zu führen...._(Z) Ein Ricsenstiir ist von dem Fischer Georg Gör in Werben aus der Elbe gezogen worden. Der Fisch wog 198 Pfund und war 2,49 Meter lang. Verurteilung eines Schweizer Bankiers. Der tesiinüche Finanz- mann Stoffel, durch dessen Verschulden die Bevölkerung ast 45 Millionen verloren hat, ist vom Schwurgericht in Lugano zu 3'/, Jahren Gefängnis verurteilt worden. Stoffel hat als Direktor der Banca Ticinese und anderer Unter- nehmungen mit dem Gelde kleiner Sparer spekuliert und das Ver- mögen besonders in zweifelhaften Industrien Italiens angelegt. Seme Banken mackten bankrott; Taufende kleine Leute kamen um ihr Vermögen. Die Regierung mußte zur Steuerung der all- gemeinen Not im Kanton Tessin Unterstützungskasstn einrichten. Stoffel bewohnte bis zum Tage der Verurteilung seine Villa; er kam in eleganter Kutsche zu den Verhandlungen. In der Politik des Kantons Tessin spielte er die erste Rolle. Jetzt sind ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf 19 Jahre abgesprochen worden. Riesenbrand bei Toulon. Die großen Wälder bei Toulon stehen in Flammen. Der Brand dehnt sich infolge des Sturmes aus. Die Garnison von Toulon ist zur Eindämmung des Feuers auf- geboten.___ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Treptow. Freitag, den 9. Juni, abends 6 Uhr, im Rathause. Rofenthal. Donnerstag, den 8. Juni, abends 6 Uhr. im großen Sitzungssaal« des neuen Verwaltungsgebäudes. Hauptstr. 94. Aus der Tagesordnung steht u. a. der Protest des sozialdemokratischen Wahlvereins gegen die Lebensmittelversorgung. Diese Sitzungen sind SssentNch. Jeder vemeindcangehlttge Iß be> rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. ön'efkaften der Redaktion. Die luristischi Sprechstunde sind et für Abonnenten Ltndcnstr. s, it. yos rechts, varterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Nur, am Sonnabend von S bis 6 Uhr statt. Jeder für den B r i e s t a st e n bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichen deizufügen. BrtefUche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen seine Abonnementsauittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tn der Sprechstunde vor. Brrrrägc, Schriststücke und dcrglricheu bringe«an in die Sprechstunde mit. H. LS. Der Einreichung der Ehescheidungsklage muß ein Sühnetermin vorausgehen. Da die Klage beim Landgericht zuständig ist, müssen Sie einen Rechtsanwalt mit Ihrer Vertretung beaustragen. Die Kokten lassen sich vorher nicht berechnen, da nicht vorauszusehen ist, wieviel Termine in der Sache notwendig sind.— F. 26. 1. Die Gemeinde- und Kirchen- stcuer müssen Sie zahlen; Sie können aber Stundung beantragen. 2. Nein. — Unwissend. Eine Kündigung des Geldes halten wir nicht für zweck- mäßig. Ohne Zuilimmung des Sparers kann die Spareinlage nicht aus Kriegsanleihe gezeichnet werden.— G. Z. 5». Die Kapitalabsindung von Kttegsrentnern ist noch nicht Gesetz.— O. P. 100. L Die über drei Monat« nach dem Tode gezahlte Unterstützung wird von der Rente ta Abzug gebracht. 2. Sie müssen das Testament unter Mitteilung, wann Ihr Mann gefallen ist, an da»'Amtsgericht Berlin-Miitc einreichen.— H. H. 16. Nein.— W. L. 48. Anfrage bei einem ktriegsbekleidungsamt. — Uesküb. Wenn das Einlonimen 990 M. jährlich beträgt, ist die Ve- treffende zur Zahlung der«teucrn verpstichtet.— Landwehr 38. Zurückgestellt; leichler Grad von Kropf.— Werkmeister. Wenn der Tarif ge- lündigt worden ist, so fällt die bisherige Vergünstigung fort. Em gesetz- iicher Anspruch aus Bezahlung der einen Stunde besteht nicht.— Ver- lorener Brief. 1. Sie hätten diesen wertvollen Brief zum mindesten als Einschreibebttej absenden müssen, für verloren gegangene einfache Briese kann die Post nicht schadenersatzpflichtig gemacht werden. 2. Sie können auch als selddienstsähig erachtet sein. Die Einsendung des Paffes an das Bezirkskommando zwecks Umschreibung ist zulässig.— fy. Ff. 100. 1. Der Kricgsschein kann Ihnen verweigert werden. 2. Ja.— O. D. 31. Fordern Sie zunächst von dem Bataillon, welchem Sie jetzt zugetcllt sind, die Löh- nung und das Verpflegungsgcld.— L. AI. I. Der Mietskontrakt ist gültig; Sic können die Wohnung nur nach der im Vertrage vorgeschriebenen Kündigungssrist ausgehen.— P. P. 50. Sie können in beiden Fällen gegen die Steuerveranlagung unter Einreichung der Lodnbescheinigungen reklamieren — F. R. 100. sie können das Urteil nicht anfechten; nach Ihrem jetzigen Einkommen sind Sie auch zu der Alimentation in der angegebenen Höhe verpflichtet.— E. H. 326. Wenden Sie sich an die hiesige amerikanische Gesandtschaft.— H. 22. Nein.— P. S. 20. Ein Ein- schreibcbries.— W. 28. 1. Wenn sich die Erben durch einen Erbschein legitimieren können, müssen Sie die Miete an sie zahlen. 2. Die Kündigung ist ebenfalls an die Erben zu richten.— St. 38. Das Einkommen des Kalenderjahres.— Friedrichsfelde 22. 1. Für das Kalenderjahr. 2. Ja.— E. S. 26. Nein._ Wcttcrauöiichlen für das mittlere Norddeutfchlaud bis Freitag mittag. Ziemlich mild, im Westen meist bewölkt, sonst zeitweise heiter, aber veränderlich mit öfter wiederholten leichten Regensällen. SozialdeinoknitiseberWatilvereiD LdJ.BeFl.ReiEhstags-MkrEis. Bezirk 243. Abt. 9. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt �icdgl-c! l„gnxe (Adalbcrtstr. 26) gestorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. Juni, nachmittags 4 Uhr, aus dem ThomaS-Kirchhos, Hermannstratze, statt. Um rege Beteiligung ersucht Vorstand. CesangvEfEin JordfleirtseliE Sehleile". Unseren Mitgliedern kzur Nach« richl, daß unser langjähriger Sangesbruder �ictiarä I�anxe Adalbertstr. 26 im Alter von 59 Jahren am 6. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. d. MIs., nach. mittags 4 Uhr, von der Halle des Thomas-KirchhoseS, Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 58/11 Der Borstand. OEiitSEbEF HaaaFiiEitEF-VEFliand. Zw eijjvcrc'in Berlin. Bezirk Osten II. Am 4. Juni starb unser Mit- glied, der Maurer (Zustsv Wttelstaät. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag nachmittag 4'/, Uhr von der Halle des Zentral- Fttedhoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Betelligung ersucht 142/3 vis örtliche Verwaltung. DEUtSEbfiF TranspoFtaFbEitEF-VeFliand. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industrie- ardeiter (ieorx Petras von der Firma A. E. G.. Ackerstr., am 5. d. Mts. im Alter von 26 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Juni, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Pauls-Kirch- hoses, Plötzensee, aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbester Paul Gelier von am 5. d. Mts. im Aller 45 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. Juni, nachmittag« 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. Gcorgen-Kirchhoses, Weißen- see, Rölckestraße, aus stall. 65/19 Die Bezirksverwaltung, y Oestrran's MueriniMI» Größte Auswahl. Billigste Preise. 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Preis 1 Mark Diese Broschüre bietet eine gute, gemeinverständliche Einführung tn die Aufgaben der Steuer- und Finanzreform nach dem Kriege und bildet somtt gewissermaßen eine Ergänzung zu obiger Schrift. Elsaß-Lothringen und die Sozialdemokratie Von Hermann Wendel, M. d. N. Preis 75 Pfennig Inhalt: Elsaß-Lothringen als Kriegsziel.— Geschichtliches.— Die deutsche Sozialdemokratie und Elsaß-Lothringen.— Nach 44 Iahren. Die wirtschaftlicheVerknüpfung.— Elsaß-Lothringen und Frankreich. Arbeiterkultur und Krieg Von Heinrich Schulz, M. d. N. Preis 75 Pfennig Aus dem Inhalt: Kultur und Arbeiter.— Kultur und Klassen- kämpf.— Nationale und internationale Kultur.—Krieg und Kultur. — Klassengegensatz und Klassenkampf nach dem Kriege usw. Illchhandlung Vorwärts, Verlin SW.os Lindenstraße 3