Ar. 137.�33. Jahrg. HbonncmentS'Redlngungen: Witinncmmtä- Preis pränumerando Vierieljährl. S.SV Mi, monaU. l.Z0 Ml, wöchentlich M Big. im ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonmags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Psg. Post- vbonnemenl: 1,30 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zcimngs- VreiSIiste. Unter Kreuzband für Deulichland und Oesterreich- Ungarn L,öO Marl, sür das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen an Belgien, Täncmar!, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis cNchiliit läsllrb. Berliner Volksblnkt. ( 5 Pfennig) Die InfertlonS'Gebübr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- seile oder deren Raunt SV Pfg„ sür politische und gewerlschastliche Vereins- Und Vcrsannnlungs- Anzeigen 30 Psg, „KUinc Hnrcigen". das letigcdruclie Wort 20 Psg,(zulässig 2 setigedruelte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasitellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort ö Psg, Worte über>5 Buch- stoben zählen sür zwei Worie, Inserate sür die nächste Nummer müssen bis k Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedilwll ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. lelegramm-Adresse: „Soziaidcroohrat Rcrlin". Zentralorgan der rozlaldemoferatifcben Partei Deutfchlands. KeSaktion: SW. 68, Lmüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90—151 97. Freitag, den 9. Juni 1913. Expedition: SW. 68, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplati, Nr. 151 90—151 97. Schluß im Reichstage. Im Reichstage wurde gestern die Schlußsitzung des diesnialigen Tagungsabschnittes abgehalten. Die Frage der Nolksernährung und Rohstoffversorgung, die tags vorher angeschnitten worden war, wurde zu Ende beraten. Der erste Redner war der Führer des liberalen Bauern- bundes, Herr Dr. Böhme. Er wetterte zwar gegen den Wucher, bezeichnete Preußen als den Stein des Anstoßes in der plan- mäßigen Regelung der Ernährungssrage und forderte ein„euer- gisches Eingreifen in die Produktion", warnte aber im selben Atemzuge vor allzu durchgreifenden Mitteln, ivie der allgemeinen Beschlagnahme der Lebensmittel und segelte in langen Partien seiner fast zweistündigen Ausführungen stark im agrarischen Fahr- Wasser. Der folgende Redner, Herr Dr. R o e s i ck e, der Direktor des Bundes der Landwirte, hielt natürlich eine von Anfang bis zum Ende überagrarische Rede. Er polemisierte heftig gegen die ausgezeichnete Rede des Genossen Hoffmann vom Tage vorher, die er in wenig verblümter Weise eine „Hetzrede" nannte. Er glaubte, die deutschen Kapitalisten und Großgrundbesitzer vor dem Vorwurf der Ausbeutung in Schutz nehmen zu sollen. Er bedauerte, daß vor dem Kriege die Schutzzöllnerei nicht auch auf Futtermittel aus- gedehnt war und suchte die Erhöhung der Kartoffelpreise im Frühjahr zu rechtfertigen. Zum Schlüsse ritt er auf dem Umwege über England eine Attacke gegen den Reichskanzler. Nachdem darauf Unterstaatssekrctär Dr. Stein die Gerste- Verwertungsgesellschaft gegenüber dem Genossen Hoffmann in Schutz genommen hatte, hielt auch noch der Antisemit R u p p eine■ agrarische Rede. Genosse Wurm als Redner der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft ging darauf scharf ins Gericht mit der ganzen Lebensmittelpalitik der Regierung. Er ergänzte und unterstrich in nachdrücklicher Weise die tags vorher vom Ge- nassen Hoffmann geübte Gencralkritik. indem er zu den einzelnen Fragen der Volksernährung eine Fülle beweiskräftigen Anklage- Materials vorbrachte, so zur Brotversorgung, zur Kartoffel- Versorgung, zur Fleisch- und' Fcttversorgung, zur Höchstpreis- Politik usw. In den Wein der Begeisterung für den neuen Präsi- deuten hes Kriegscrnährungsamtes goß Genosse Wurm das Wasser der Ernüchterung durch die Feststellung, daß Herr v. B a t o c k i als Oberpräsident der Provinz Ostpreußen den Bauern die Zurückhaltung der Speisekartoffeln mit einem Wink auf zu erwartende höhere Preise empfohlen hat. Er kennzeichnete weiter das gleichgerichtete Wirken des Herrn von Oldenburg-Januschau, der die Landwirte gegenüber der Drohung mit der Kartoffelbcschlagnahme mit Gemütstiefe an die Tatsachen erinnert hat, daß Papier ge- duldig, der preußische Landwirtschaftsministcr ein Agrarier und die Landratskaste als Ausführungsorgan durchaus ver- trauenswürdig sei. Besonders angelegen sein ließ sich Genosse Wurm die Verteidigung der Gemeindeverwaltungen gegen die vielen Vorwürfe, daß sie in der Lebensmittelver- sorgung versagt hätten, während in Wirklichkeit die unter agrarischem Einfluß stehenden Regierungsorgane die Ver- antwortlichen seien; diese Kreise möchten den Unwillen der Bevölkerung auf die G e m e i n d e v e r w a l- tungen ablenken. Sehr treffend hob Genosse Wurm hervor, daß der Krieg der Frauenwelt mit furchtbarer Ein- dringlichkeit gelehrt habe, wie eng Kochtopf und Poli- t i k miteinander in Beziehung stehen, woraus sich hoffentlich nach dem Kriege eine regere Anteilnahme der Frauen am öffentlichen Leben ergeben werde. Er schloß mit dem Wunsche, daß' das Volk selber bald Gelegenheit bekommen möge, mit dieser ganzen Politik a b z u r e ch n e n, die so wie bisher un- möglich weitergehen könne. Ein Schlußantrag schnitt nunmehr der gemeldeten zweiten Rednerserie das Wort ab. Genosse H a a s e verwies dann zur Geschäftsordnung darauf, daß nach einer Aeußerung des Berichterstatters, des Grafen Westarp, noch eine gesonderte Debatte über die Lederfrage stattfinden müsse, zu der Genosse Simon, der Vorsitzende des Deutschen Schuhmacherverbandes, zu reden beabsichtigt hatte. Auch Ge- nosse Scheidemann sprach im selben Sinne und Genosse Ledebour stellte einen entsprechenden Antmg. Nach an- fänglichem Sträuben der bürgerlichen Parteien wurde diesem Verlangen schließlich stattgegeben. Vorher mußte das Haus aber noch ein halbstündiges, wenig burgfriedliches p e r s ö n- liches Gezänk zwischen den fortschrittlichen Agrariern Dr. Mendorfs und F e g t e r auf der einen und Herrn Dr. R o e s i ck e auf der anderen Seite anhören. Genosse Hoffmann machte sodann einige persönliche Be- merkungen, wobei er besonders gegenüber den ihm per- sönlich gemachten Vorwürfen feststellte, daß er im E i n v e r- ständnis mit seiner Fraktion gesprochen habe. Sodann hielt Genosse Simon eine scharfe Rede gegen den unerhörten Lederwucher, bei dem eine Handvoll Großkapitalisten Millionengewinne eingeheimst hat, während der Zivilbevölkerung geradezu unerschwing- lich hohe Schuh- und Lederpreise abgepreßt worden sind. Genosse Simon übte auch an der Kriegs- lederaktiengesellschaft herbe Krifik, die völlig von kapitalistischen Interessenten beherrscht werde. Er zeigte, wie auch beim Lederwucher letzten Endes das Privatkapita- listischeProfitsystem die Ursache ist und er schloß mit der Versicherung, daß unser Kampf auch fernerhin der B e- seitigung der kapitalistischen Gesellschafts- o r d n u n g gelten werde.> Für einen SchlußantragSpahn brachten die bür- gerlichen Parteien bei der schwachen Besetzung des Hauses nicht mehr die nötigen 30 Mann zur Unterstützung auf, und so kam noch der Antisemit W er n e r- Gießen zum Wort, der eine längere Rode über allerlei Wucherpraktiken in der Lederbranche hielt. Es sprachen schließlich noch zwei Ver treter des K r ie g sm i n i st e r i u m s kurz zu diesen Dingen, die im Prinzip ebenfalls die Wucherei verurteilten und in mancherlei Punkten Abhilfe zusagten. Damit war die Debatte geschlossen. Die Anträge der Budgetkom- Mission zur Ernährungsfrage wurden sämtlich ange nommen, darunter auch gegen die Stimmen der Fortschritt lcr und der beiden sozialdemokratischen Fraktionen ein a g r a � ri scher Liebesgabenantrag auf Zahlung erhöhter Haferpreise mit � rückwirkender Kraft. Der Rest der Tages ordnung, Resolutionen und Petitionen wurde abgesetzt. Damit war das Ende der Sitzung gekommen. Nachdom der Vizekanzler Dr. H e I f f e r i ch die Order über die Ver tagung des Reichstages bis zum 26. September verlesen, hielt Präsident K a e m p f die übliche S ch l u ß r e d e, bei der nur etwa zwanzig Abgeordnete der sozialdemokrafischen Fraktion im Saale blieben. Um 61/2 Uhr wurde die Sitzung geschlossen und der Reichstag in die Sommerferien entlassen. �bgeorünetenhaus und Lebensmittelfragen. Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Donnerstag den Bericht seiner verstärkten Haushaltskommission über die Lebensmittelfragen entgegen. Ursprünglich bestand die Absicht, nur die beiden Berichterstattor, die Abgg. Dr. H 0 e s ch(k.) und Lippmann(Vp.), die von uns bereits mitgeteilten Kommissionsanträge begründen zu lassen und dann ohne jede Erörterung zur Abstimmung zu schreiten. Diesen Plan, der den berechtigten Interessen und Wünschen der Bevölkerung widerspricht, durchkreuzte Genosse Hoser, der in groß an gelegter, von Sachkunde getragener Rede die ganze Lebens mittelpolifik im Reiche und in Preußen einer vernichtenden Kritik unterzog und schlagend nachwies, daß die maßgebenden Stellen dadurch, daß sie die Vorschläge der sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften-nicht beachtet haben, die heute unhaltbar gewordenen Zustände verschuldet haben. Wenn Hofer auch zugab, daß die landwirtschaftlichen Pro- duktionskosten gestiegen sind, so bestritt er doch, daß die Steigerung zu so hohen Preissteigerungen berechtigt, wie wir sie heute vor uns sehen, um so weniger, da die länd- lichen Arbeitskräfte im Kriege sogar billiger geworden sind. Unser Genosse begnügte sich natürlich nicht mit bloßen Behauptungen, sondern er war auch imstande, schlüssige Be- weise für jedes seiner Worte zu erbringen. Scharfe und schwere Anklagen erhob er gegen den Wucher, ohne jedoch auf der anderen Seite zu verkennen, daß die Landwirtschaft jetzt den Wucher als Prügelknaben benutzt, um das Volk darüber hin- wegzutäuschen, daß es 40 Jahre lang umsonst die Agrarzölle gezahlt hat. Der Friedensappell, mit dem unser Genosse seine Rede schloß, gab den beiden Berichterstattern, die, da sonstige Redner nicht das Wort ergriffen, sofort nach ihm zu Worte kamen, Veranlassung, sich in hochtönenden Reden und Angriffen gegen die Sozialdemokratie zu er- gehen— ein Versuch, den Genosse Hirsch als mißbräuchliche Ueberschreitung der Befugnisse der Referenten kennzeichnete. Die Abstimmung ergab die einmütige Annahme der Ausschuß- antrüge. Debattelos erledigte das Haus sodann noch durch Kenntnis- nähme die Denkschrift über O st Preußen und ge- nehmigte einige auf Grund des Artikels 63 der Verfassungs- Urkunde erlassenen Verordnungen. Zu Beginn der Sitzung hatte es dem Antrage' der Regierung auf Vertagung des Landtags vom 9. Juni bis zum 14. November zugestimmt, doch wird die Vertagung infolge des zu der Steuervorlage gefaßten Beschlusses des Herrenhauses erst Ende d. M. eintreten können. Heute Freitag findet die letzte Sitzung vor Pfingsten statt. Im preußischen Herrenhaus, das am Donnerstag wieder zusammentrat, erklärte der Präsident Graf Arnim zunächst, daß der Antrag der Regierung auf Vertagung vom 9. Juni bis 14. November nur den frühesten Termin sür die Vertagung bestimme, aber das Herrenhaus nicht in seiner Freiheit hindern könne, auch nach Pfingsten zusammenzutreten. Das HauS werde auch von dieser Freiheit Gebrauch machen. So wird es in der Tat auch sein, denn am Schluß der DonnerStagsitzung vertagte sich das Herrenhaus auf den 20. Juni, um dann die vom Ab- geordnetenhaus bereits angenommene Vorlage über die Erhöhung der Steuerzuschläge zu beraten, die vom Herrenhaus abgeändert werden sollen. Aus der DonnerStagsitzung selbst ist mitzuteilen, daß Freiherr v. Bissing seinen Antrag auf planmäßige Bakämpfung der Geschlechts- krankheiten, insbesondere durch Aufklärung der Jugend, begründete. Der Kultusminister hatte jedoch Bedenken gegen die Mitwirkung der Schule; er will diese Aufgabe in erster Linie dem Elternhaus und den Krästen der Moral und Religion zuweisen. Schließlich wurde! der Antrag mit einer vom Fürstbischof Dr. Bertram begründeten Aenderung angenommen.— Es folgte dann ein Antrag des Prof. Hillebrandt-Breslau, der verlangt, daß das Studium ausländischer Sprachen und Verhältnisse auf den höheren Schulen verbessert werde. Oberbürgermeister Dr. Rißmüller-Osnabriick benutzte diese Gelegenheit, um sür die Friedenszeit eine gründliche Schulreform zu verlangen. Der Kultusminister erklärte, daß sür grundstürzende Aenderungen unseres»ausgezeichnet bewährten Schulwesens" ein Anlaß nicht vorliege, und daß der Antrag selbst zwar wohlwollend geprüft werden solle, daß aber im Kriege eine Aenderung nicht stattfinden werde. Darauf wurde auch dieser Antrag angenommen. Stürmische Kammersitzung in Frankreich. Bern, 7. Juni.(W..T. B.)„Petit Journal" be- richtet über die gestrige Sitzung der französischen Kammer: Zu Beginn der Sitzung brachte Albert Favre unter allgemeiner Bewegung eine Interpellation über die Verantwortlichkeiten ein, die sich aus der gegen- wärtigcn militärischen Lage ergeben. Ministerpräsident B r i a n d forderte vom Redner Verzicht auf die Erörterung seiner Interpellation unter Hinweis auf die im Heeres- ausschuß möglichen Aufklärungen. Favre lehnte dies ab und erklärte, es müsse endlich einmal frei hcrausgesprochen werden. Es handle sich hier nicht nur um eine spekulative Erörterung der Vorgänge bei Vcrdun. Wir wollen viel- mehr, fuhr der Redner fort, aus gewissen Feststellungen gewisse Schlüsse ziehen, die gewisse Entscheidungen mit sich bringen.(Wiederholter Beifall links.) Den Vcrhand- lungen im Heeresausschuß vermag ich keinen ernsthaften Hintergrund zuzuerkennen; was gefordert wird, wird nie gewährt, so daß z. B. der Berichterstatter des Ausschusses Abel Ferry sein Amt lieber niederlegte, als sich zu einem solchen Wechselspiele herzugeben.(Bewegung.) Solche Ver- schleppungsmanöver sind weder Briands noch unserer selbst würdig.(Beifall auch rechts.) Jede Stunde ist für das Heil des Landes wichtig. Wir haben genug von Dieser verderblichen Atmosphäre, diesem drückenden Alb. Wir wollen Wahrheit, die Kammer hat ein Recht darauf.(Andauernde Bewegung.) Briands Verschleppungsmanövcr würden uns dahin führen, über den Krieg zu reden, wenn er zu Ende ist.(Lebhafter Beifall.) Zu der Interpellation Favres in der Kammer bringt „M a t i n" noch folgende Einzelheiten: Als der Redner davon' sprach, daß es sich für ihn um keine strategische Erörterung der Lage bei Vcrdun handle, sondern einfach um eine Be- sprechung, welche Methoden den-Deutschen entgegenzusetzen seien, sagte er u. a.: Weil wir wissen, daß dem ersten Kanonenschuß- vor Verdun eine lange Vorbereitung seitens der Deutschen vorherging, beabsichtigen wir zu Prüfen, was unsererseits dagegen getan wurde.(Beifall auf einigen Bänken.) Die Gerüchte werden immer stärker, daß die schweren Verluste, die wir erlitten, gewissen Nachlässigkeiten und mangelnder Voraussicht zur Last fallen.(Beifall.! Bei diesen Worten beugte sich der Kammerpräsident Deschanel zum Redner, anscheinend um ihm Mäßigung anzuraten, was zahl- reiche Abgeordnete zu heftigen Zurufen vcranlatzte: Sie haben kein Recht, Favre das Wort abzuschneiden! Der Redner fuhr fort: Es handelt sich um gewisse Methoden im Kommando. die in dieser Debatte ein für allemal verurteilt werden müssen, ebenso wie die Führer, die sich ihrer bedienten. Der Redner geißelte schließlich die Haltung Briands zu dem An- trag auf Abhaltung einer Gchcimsitzung.— Dem„Matin" zufolge war der Zwischenfall nach einem nochmaligen Ein- greifen Briands erledigt, worauf die Kammer eine Geh ein:- sitzung für den 16. Juni beschloß. Die Anträge Turatis abgelehnt. Rom, 8. Juni.(W. T. B.) Meldung der Agenzia Stesani. Die Kammer hat nach zweitägiger Debatte über die Anträge Turatis und Gen. betreffend die Jntennerung verdächtiger Bürger und nach einer mit Beifall aufgenommenen Rede Salandras gemäß seinem Wunsche den Antrag Turatis in namentlicher Ab- stimmung mit 211 gegen 45 Stimmen abgelehnt. Bern, 8. Juni.(W. T. B.) Italienischen Blättern zufolge wird der Senat am Dienstag zu einer öffentlichen Sitzung zusammen- treten. Bei der A b st i m m u n g der Kammer über den Antrag Turati betreffend die Internierten enthielten sich„Corriere della Sera" zufolge sämtliche Katholiken der Abstimmung. Ungefähr 20 Abgeordnete, darunter auch Republikaner, verließen bei Beginn der Abstimmung die Kammer._ Zur Haltung der serbischen Sozialisien. Einem Belgrader Bericht des Kriegsberichterstatters der Buda- pester„Volksstimme, Franz G ö n d ö r, entnehmen wir einige wer- tere Einzelheiten über den Kampf und die jetzige Haltung der serbischen Sozialdemokratie. „Das Verhalten der Sozialdemokratie Serbiens, schreibt er, war bis zum letzten Augenblicke friedensfreundlich. Die „Arbciter-Zeitung",. die später nach dem Verbote der Regierung unter dem Titel„Zukunft" erschien, fand trotz der Zensur noch immer den Weg gegen den Krieg Stimmung zu machen und i h r Wort wurde bis in die Schützengräben hinein gehört, Die nach Risch verlegte Redaktion des serbischen Partei- blatte? war der Sammelplatz der von der Front zurückkommenden und dahin abgehenden Genossen, die dort sagten, was ihnen auf dem Herzen lag. Zur Zeit der schrecklichen Epidemien, als die Sol- baten scharenweise über Nisch zurückzogen, war die Redaktion des Parteiblattes täglich stark besucht, so daß es ein wahres Wunder zu nennen ist, dasz Genosse D u s ch a n P o p o w i t s ch, der Redakteur des Blattes und Genosse Tragisch« Laptschewitsch, die mit Parteigenossen den Verkehr aufrechterhielten, nicht erkrankten und Opfer der furchtbaren Epidemie wurden. Genosse Trischa K a tz lc- r o w i t s ch, Mitglied der S k u p t s ch i n a, erkrankte an Fleck- typhus. Sein kräftiger Körper überwand die Krankheit... Die letzte Nummer des Parteiorgans erschien noch einige Tage vor der Einnahme von Nisch durch den Bulgaren. Das Blatt be- tont in seinem Leitartikel, dah Serbien nun wohl vernichtet werde, man möge aber das Vertrauen und den Mut nicht verlieren, S e r- bien und das serbische Volk wird durch den Sozia- lismus befreit werden. Hoch der Sozialismus! Das war der letzte Ruf der serbischen Sozialdemokratie, das letzte Lebenszeichen der serbischen Partei. Dann kamen die Bulgaren und die tragischen Ereignisse folgten einander. Das Blatt wurde weggefegt, die Partei verschwand und in dem blutigen Durchein- ander zerstoben die Genossen wie Spreu im Winde. Die Genossen Laptschewitsch und Popowitsch, die das Blatt bis zum letzten Augen- blick fertigstellten, konnten sich irgendwie bis nach Belgrad zurück durchschlagen." Der Genosse Katzlerowitsch war inzwischen nach dem Ausland verschlagen worden, wo er, wie wir hercits wissen, seine Wirksam- keit als Abgeordneter und Vertreter der serbischen Partei energisch fortsetzte. Die in Serbien gebliebenen Genossen hatten aber jede Verbindung mit ihr verloren. Erst am 15. Mai langte beim Ge- nosscn Laptschewitsch ein Brief an, den Katzlerowitsch am 8. Mai aus Bern an ihn richtete. Interessant ist folgende Stelle aus die- fem Briefe: „Schon früher habe ich Sie davon verständigt, daß ich im vorigen Jahre, am 5. Dezember, in Skutari ein Memoran- d u m an die Regierung richtete, in dem ich sie aufforderte, s o- fort Frieden zu schließen. Den offiziellen Kreisen Ser- biens, den Scheinpatrioten und den Chauvinisten hat das frei- lich nicht gefallen. Sie griffen mich heftig an und erklärten wieder und abermals, daß wir deutsche und österreicknsch-unga- rische Zlgenten wären. Die nüchtern denken Abgeordneten haben das Memorandum für am Platze und richtig befunden." Genosse Laptschewitsch, der zusammen mit Katzlerowitsch die Partei in der Skuptschina vertritt, fügte zu diesen Worten hinzu: „Was Katzlerowitsch getan hat, ist die Fortsetzung unseres Verhaltens vom ersten Tage des Krieges an. E r ko n n t e g a r n i ch t a n d e r s h a n d e l n."(z) Der Nachfolger Kitcheners. Paris, 8. Juni.(W. T. 8.) Die Blätter erfahren aus London: Die Wahl der Regierung für die Nachfolgerschaft Kitchencrs wird auf Frcnch fallen. London, 7. Juni.(W. T. B.)„Manchester Guardian"" glaubt bestimmt, daß Lloyd George der Nachfolger Kitchcners sein wird._ Der französische Tagesbericht. Paris, 8. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch nachmittag. Bei Fontenoy westlich von SoissonS wurden zwei deutsche Patrouillen, welche die AiSne zu überschreiten versuchten, zerstreut. Die französische Artillerie zerstörte mehrere deutsche Beobachtungsposten bei Rouvron. In den Argonnen liehen die Franzosen bei Fille Morte mit Erfolg drei Minen springen. Auf dem linken Ufer der Maas dauerte der Arlilleriekampf in den Abschnitten der Höhe 304 und deS Caurettcswalde« an. Aus dem rechten Ufer wurde gegen acht Uhr abends ein mächtiger deutscher Angriff gegen das Fort Vaux durch unsere Maschinengewehre gebrochen. Die Stürmenden wichen unter Zurück- Mbw Dm Men AiWllMw. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 8. Juni 1916. ,W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der Artillcriekampf beiderseits der Maas dauert mit unverminderter Heftigkeit an. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Südlich von Smorgon drangen deutsche ErkundungS- abteilnngeu über mehrere feindliche Linien hinweg bis in das Torf Kuuawa vor, zerstörten die dortigen Kamps- anlagen und kehrten mit 40 Gefangenen und einem er- beuteten Maschinengewehr zurück. Auf der übrigen Front bei den deutschen Truppen keine besonderen Ereignisse. Balkan-Kriegsschauplatz. Ortschaften am Dojran-See wurden von feindlichen Flieger» ohne jedes Ergebnis mit Bomben beworfen. Ober st e Heeresleitung. » 1° sei SMrelMe ßMnilWsMM. Wien, 8. Juni.(SB. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: Russischer Kriegsschauplatz. In Wolhynicn haben unsere Truppen unter Nachhutkämpfcn ihre neuen Stellungen am Styr erreicht. An der I k w a und nördlich von Wizniowczyk an der Strypa wurden mehrere russische Angriffe abgewiesen. An der unteren Strypa greift der Feind abermals mit starken Kräften an. Die Kämpfe sind dort noch nicht abgeschlossen. Am D n j e st r und an der beßarabischcu Front herrschte gester» verhältnismäßig Ruhe. Italienischer Kriegsschauplatz. Ans der Hochfläche von Asiag» gewann unser Angriff an der ganzen Front südöstlich Ccsnna— Gallio weiter Raum. Unsere Truppen setzten sich auf dem Monte Lemcrle ssüdöstlich von Cesuna) fest und drangen östlich von Gallio über Ronchi vor. AbcndS erstürmte» Abteilungen des boönisch-herzegowinischcn Infanterieregiments Nr. 2 und des Grazcr Infanterieregiments Nr. 27 den Monte Mcletta. Die Zahl der seit Beginn dieses Monats gefangen ge- nommenrn Italiener hat sich auf 12 400, darunter 215 Offiziere, erhöht. An der Dolomitenfront wurde ei» Angriff mehrerer feind- lichcr Bataillone auf die Croda dcl Ancona abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Stellvertreter des Chefs deS GeneralstabeS. v. Hoefer, Fcldmarschalleutnant. lassung zahlreicher Toter zurück. Die deutsche Artillerie setzte die ununterbrochene Beschießung des Forts und der benachbarten Gegend fort. Die französische Artillerie bekämpfte sie energisch. AuS den Bogesen wird nur kräftige Beschießung seitens der Deut- scheu gegen die ersten französischen Linien am HartmannSweilerkopf gemeldet. Paris, 8. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch abend. Auf dem linken MaaSuier herrschte große Tätigkeit der Artillerie in der Gegend der Höhe 304. Auf dem reckten Ufer geht das Bombardement auf unsere erste und zweite Linie von der Gegend von Douaumont bis Damloup in sehr heftiger Weise weiter. Die Deutschen meldeten heute, daß die Panzerfeste Vaux am Abend des 6. Juni in ihre Hände ge« fallen sei. Am 7. Juni um 7 Uhr 50 Min. morgens war sie immer noch in unserer Hand. Von dieser Zeit an konnte wegen der Heftigkeit der Beschießung keine Verbindung mit der Feste hergestellt werden. In den Vogesen wurden deutsche Erkundungsabteilungen, die gegen unsere Stellungen südlich von Celles vorgesckickt wurden, durch unser Feuer zurückgetrieben. Auf dem Rest der Front zeitweise unierbrochenes Geschützfcuer. Belgischer Bericht: An der Front der belgischen Armee herrschte Ruhe. Die englische Melüung. London, 7. Juni. Die Ausführungen des Vorrredners über die Wuchergewinne zeugten von einem geradezu elementaren Dtangel an Kenntnis der wirklichen Verhältnisse. Er hat zum Beispiel von dem Wuchergewinn der Vereinigten Po mm er scheu Meiereien gesprochen. Bei solchen Gesell- schaften kommt eS aber nicht aus die Höhe des Kopitals an, so wenig wie bei Ihren Konsumvereinen, sondern auf die Höhe des Umsatzes. Vergleichen Sie dann einmal den Umsatz mit dem Gewinn, und Sie werden sehen, daß ein Wuchergewinn von 200 Prozent zwar eine nach außen recht schön klingende, aber innerlich unwahre und hohle Behauptung ist. Fassen Sie alle diese Dinge mit Ruhe und Ob- jektivität auf, dann werden Sie zu einem gerechten Urteil kommen. (Beifall.)_ Mgeorönetenhaus. 33. Sitzung. D o ir n e r s t a g, den 8. I u n i. mittags 1 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. S ch o r I e m e r. Das Haus ehrt das Andenken des verstorbenen Abgeordneten B i e r e ck(ik.) durch Erheben von den Plätzen. Zunächst wird der Antrag der Regierung aus Vertagung deS Landtags bis zum 14. November a n g e n o m m e n. Es folgt der Bericht der Staatshaushalts-Kommission über die Lebensmittelfragen. Nach der ausführlichen Berichterstattung der Abg. Hösch(k.) und Lippmann(Vp.) erhält das Wort Abg. Hofer(Soz.): Die Verhältnisse in der Lebensmittelversorgung haben sich immer mehr verschlechtert. Die Organisation ist mangelhaft, die Maß« nahmen erfolgen langsam und mit Lauheit. Die von der Sozial« demokralie und von den Gewerischaflcn bei Kriegsbeginn geforderten Schritte sind heute noch nicht getan. Auf die Großagrarier wird alle Rücksicht genommen. Nim hat man einen Lcbensmitteldikiator in der Person des Präsidenten des neuen Kriegsernährungsamtes geschaffen. Er hat versprochen, daß er zu- nächst einmal die Interessen der Konsumenten wahrnehmen werde. die Produzenten müßten sür einige Zeit zurücktreten. Nach seiner durchaus agrarischen Vergangenheit wird er auf dies Ver- sprechen sehr bald die Tat folgen lassen müssen, sonst wird daS Volt zu der Meinung kommen, daß durch die neue Ein« richtung nur die Hoffnung neu belebt werden soll. Er wird ein reiches Feld in seiner neuen Tätigkeit zu beackern finden. Dabei wird er sich nicht darauf beschränken dürfen, das vielfach inS Kraut geschossene Unkraut auszurotlen, son- dern er wird ein von Gründ aus neues System durch- führen müssen.(Sehr ricbtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Grenzen, die die einzelnen Bundesstaaten zwischen einander gezogen haben, müssen beseitigt werden. Das Volk versteht es nicht, daß der eine Bundesstaat von seinem verhältnismäßigen Ueberfluß dem anderen nichts abgibt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es klafft auch ein großer Unterschied in der Ernährung auf dem Lande und in den Städten. Auf dem Lande lebt man zum Teil noch im Ueberfluß, während man in den Städten darbt. Hier muß eine bessere Verteilung stattfinden. Bei der Kar- toffelvcrsorgung haben die berufenen Stellen vollkommen versagt. Es ist unerhört, daß wir trotz der Rekord-Kartoffelernte diese hohen Kartoffelpreise und vor allem diese Kartoffclknappheit haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dabei könnte die Kartoffelftage genau so leicht geregell werden, wie die Brotverteiluny. Unsere Vorschläge sind aber in den Wind geschlagen worden, weil man den Agrariern nicht wehe tun wollte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich will sie wiederholen. Werden sie dann wieder nicht befolgt, so weiß das Volk, wo es die Schuldigen zu suchen hat. Sofort nach der Kartoffelernte muß eine genaue B e st a n d§ a u f n a h m e der geernteten Mengen erfolgen. Im Osten ist das sebr leicht auf Grund der Lohnlisten möglich, weil die Kartoffeln im Akkordsystem geerntet werden. Aber auch dort, wo das nicht der Fall ist, weiß doch jeder Besitzer, wa» er gesät und geerntet hat. Auch können die geernteten Kartoffeln mit Leichtigkeit durchgemessen werden. Die Landräte lassen sich genau den Bestand angeben, die Zahlen der einzelnen Kreise laufen zusammen in der Reichskartoffelstelle. Diese kann dann genau bestimmen, wieviel Kartoffeln zu beschlagnahmen sind sür die menschliche Ernährung. Die beschlagnahmten Kartoffeln müssen von den Produzenten aufbewahrt werden, damit nicht wieder Hunderilausends der geernteten Kartoffeln verderben. Die Reichs- kanoffelstelle läxt sich jeden Monat oder zweiten Monat von den Kommunen deren Bedarf angeben und weist die einzelnen Kreise am wohin sie zurliefern haben. Der Landrat kennt die Verhält- nisse und kann von jedem Einzelnen Rechenschaft verlangen, wo seine Kartoffeln geblieben sind. Von dem Au-fall der Ernte wird es abhängen, welche Höchstpreise festzusetzen sind, und zwar für sämtliche Sorten von Kartoffeln. Wird die genügende Menge beschlagnahmt, so kann keine Zurückhaltung von Kartoffeln vorkommen wie im Vorjahre. Eine weniger ruhige, temperamentvollere Bevölkerung als die deutsche, hätte sich solche Zustände wie in der Kartoffelversorgung bei uns nicht gefallen lassen. Es hätte eine solche Regierung zum Teufel gejagt. sSehr wahr! bei den Soz.) Aber auch beim Brotgetreide ist durchaus nicht alles einwandfrei ge- regelt. Ein großer Teil des Brotgetreides ist einfach verschwunden. 'Eigentlich hätte nach der Ernte ein Pfund Brot ohne Kar- toffelzusatz auf den Tag und Kopf kommen müssen. jHört! hört I bei den Soz.) Aber die Agrarier haben große Mengen Brotgetreide verfüttert. Der Preis für Futtergetreide muß reduziert werden, um die Wiederkehr solcher Zustände zu ver- hindern.— Die brerurendste Frage ist jetzt die Ver- sorgung des Volkes mit Fleisch und Fett. Der Zucker kann das Fett nie ersetzen. Dazu müßte man Riesen- mengen Zucker konsumieren, die kein Mensch vertragen könnte. Zur Versorgung des Volkes mit Fleisch und Fett müssen ganz radikale Maßnahmen ergriffen werden. Der Vorschlag freilich, die Vieh- schlachtungen auf ein paar Monate ganz zu verbieten, ist undurch- fühlbar und würde dazu führen, daß das Volk dem Hunger über- liefert wird. Das Volk muß größere Fleischrationen bekommen. Bei den Schlachtungen müssen natürlich die Milch- kühe nach Möglichkeit geschont werden und auch die Kälberschlach- tungen könnten fast ganz verboten werden, um einem späteren Vieh- mangel vorzubeugen. Gerade. jetzt müßten wir eigentlich Ueberfluß an Milch haben, müßte Butter und Käse maffenhait in Reserve auf- speichern. Was soll werden, wenn nach wenigen Wochen die Milch- produllion schwächer wird. So können wir die Dinge nicht weiter treiben. Die Weiden werden in diesem Sommer wegen Viehknappbeit nicht voll ausgenützt, trotzdem dürften wir sür den kommenden Winter zu tZiel Vieh haben. Das hat auch Abg. Hoff im„Berliner Tage- blatt" ausgeführt. Es fehlt aber an dem nötigen Kraftfutter, infolgedessen setzen die Tiere kein Fett an, so daß sich das Interesse der Landwirtschaft mit den Interessen des Volkes an größerer Fleischration deckt. Die Gemeinden müssen baldigst festsetzen, wie der Mindestbedarf an Fleischnabrung für die Bevölkerung ist, und wir verlangen, daß mehr Vieh enteignet, geschlachtet und zum Konsum gestellt wird. Das Volk hat den Krieg nicht gewollt, es hat nicht nötig, neben anderen Uebeln auch noch den Hunger für die Interessen anderer aus sich zu nehmen. Die Agrarier lv ollen ihre Viehbestände retten, um nach denr Kriege wieder die Grenzen gegen die Fleisch- einfuhr sperren zu können. Das Volk aber hat ein Jnter- esse an der Einfuhr billigen Fleisches.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Für Ferkel müssen Höchstpreise festgesetzt werden. Auch die Landwirte dürfen nicht mehr Fleisch zur Verfügung haben als die übrige Bevölkerung. Das Federvieh mutz daraus angerechnet werden. Viele Wohlhabende in der«ladt lassen sich Butter schicken. Die ärmere Bevölkerung kann das nicht. Der Höchstpreis wird massenhaft überschritten. Einheitliche Butlerverteilung wäre durch- aus möglich. »klippsisch ist von 30 Pf. auf 1,25 M. gestiegen, trotz des ge- walligen HeringssangS kostet eine Tonne Heringe 180 M. und darüber gegen 38—15 M. vor dem Kriege. Der Lohn der Arbeiter ist zwar teilweise gestiegen, aber doch nicht um das Fünffache. Es wird hier ein unerhörter Wucher getrieben und die Regierung duldet ihn. Wo bleiben die Höchstpreise für Heringe? Trotz der Gemüse- tcucrung verlangt der Landwirtschastsrat, daß keine Höchstpreise eingeführt werden und der Minister sich hat dem angeschlossen. Will die Regierung wieder zusehen, bis die Preise unerträglich hoch getrieben sind, so muß schließlich die Geduld deS Volkes ein Ende haben. Es wird für Erhöhung der Milchpreise agitiert. Der Land- wirtschaftsrar nimmt alle diese Treibereien in Schutz. Die Preise niüßlen reduziert werden. Die landwirtschaftlichen Genossenschafts- lassen können die Fülle der Gelder kaum mehr bergen, die Volks« niasse aher muß sich den Hungerriemen immer enger schnallen. Trotzdem treiben die Agrarier die Preise immer weiter, was durch die Verteuerung der Produktion längst nicht gerechtfertigt wird. Die Sommerzeit hat den Arbeitstag der Landarbeiter um eine Stunde verlängert, die Regierung sollte dagegen einschreiten. Die Riesen- Profite landwirtschaftlicher Betriebe könnten dem Präsidenten des Kriegsernährungsaintes Gelegenheil geben, im Interesse der Kon- sumenren seinen Diktatorgelüften die Zügel schießen zu lasten. Bei der Kriegssteuer hat man den Wucher mit Samthandschuhen angefaßt, die Bewucherten aber durch indirekte Steuern bestraft. Werden Höchstpreise eingeführt, so ist alle Ware sogleich Auslands- wäre. Gegen den Ersatzmiiielschwindel und den Kettenhandel müßte viel energsicher vorgegangen werden. Das Wort Wucher aber hatte die Zensur bis vor kurzer Zeit in Gewahrsam genommen. Heute darf eS gebraucht werden, aber Versammlungen gegen denLebensmittelwucher lo erden verboten. Immer- hin scheint es erlaubt zu sein, die Wut des Volkes über die Teuerung und die Knappheit auf den Wucher abzuladen. Man scheint das deutsche Volk darüber täuschen zu wollen, daß die deutsche Landwirtschaft eben nicht in der Lage ist, das Volk zu ernähren, trotzdem weit besetzte Gebiete, der Balkan, offenstehen und aus Rumänien eingeführt wird. Das agrarische Schutzzollsystem, das seit 40 Jahren das deutsche Volk aus- geplündert und die industrielle Entwickelung gehemmt hat, hat Fiasko gemacht.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Seit Kriegsbeginn doktert man mit„sozialistischen" Medikamenten herum, verfällt jetzt schon auf Einführung der allgemeinen Volksspeisung und erzielt doch nichts Rechtes, weil nichts vorbereitet war. Koniequenterweise müßten die Agrarier und die Regierung mit aller Kraft sür die Zukunft den Sozialismus einzuführen suchen. (Lachen rechts.) Wir werden natürlich unsere Ideen verbreiten unter Hinblick auf die Verständigung der Völker und den Völkerfricden und sie werden in dem Boden, den der Wahnsinn deS Krieges gefurcht� hat und der gedüngt ist mit Strömen von Blut und Tränen. ein aufnahmefähiges Saatfeld finden. Das Volk wird einsehen, welche Leiden es unnötig infolge falscher und halber Regierungs- maßnahmen hat erdulden müssen. Von den Reden und Ver- Ordnungen wird das Volk nicht satt. Jetzt soll die neue Ernte alles wenden. Wir können nur wünschen und hoffen, daß eS keine Fata Morgana ist. Hoffentlich soll nicht auch der neue Ernähruugs- diktator nur ein psychologisches Moment sein. Herr v. Batocki bat sich schon für die kommunistische Volksspeisung ausgesprochen. Wir verlangen, daß sie für alle durchgeführt wird, und daß alle aufgehamsierlen Privatvorräle beschlagnahmt werden. Die Herr- schenden Kreise sind wohl selber über die Geduld des Volkes über« rascht gewesen. Es fängt an, in den Massen zu gären. Der Minister des Innern will ja energisch gegen die Ansammlungen vor den Läden vorgehen. Als im Winter die Menschen sich in Kälte und Nässe ansammelten, hat man sich damit abgesunden, jetzt will man durch Einführung von Kundenverzeichnissen Abhilfe schaffen Allmählich hat sich die Milch der frommen Denkart bei diesen Schlangen, den Butter-, Fleisch-, Brotschlangen usw., in gärend Drachengift verwandelt. Hören Sie nur die Gespräche dieser Leute an:„Wenn die Russen nachBerlin gekommen wären, hätte es uns nicht schlechter gehen könnenl"(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Jetzt fürchten Sie, ans dem glim« menden Funken der Erkenntnis der Ursachen und Zwecke dieses Völkergemetzels könnte die Flamme der Empörung, der Re- volution schlagen. Sie wollen dagegen borgehen, kommen aber mit allem zu spät. DaS Volk weiß, daß es hier hungern mutz und draußen abgeschlachtet wird für die Interessen einer kleinen Cligue von Kapitalisten. (Lebhafte Rufe: Zur Ordnung!— Präs. Graf v. Schwerin-Löwitz; Wegen dieser durchaus ungehörigen Ausführungen, die geeignet find, die patriotischen Empfindungen des Hauses zu verletzen, iure ich Sie zu: Ordnung.— Beifall rechts.— Abg. Hoffmann: Geldsacks- empfindungen!> Das Volk hier und in den Schützengräben will endlich Frieden, Freiheit und Brot.(Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) Ein Schlußautrag wird angenommen.(Abg. Adolf Hoff- mann ruft der Rechten zu, daß sie nichts zu antworten wisse.) Die Berichterstatter Abgg. Hoesch und LipPman» weisen die Aus- führungen des Abg. Hofer als unpatriotisch, dem Auslande Material bietend und als längst widerlegt zurück. Abg. Hofcr Soz.) verwahrt sich entschieden dagegen, daß Abg. Hoesch die von Hofer zitierte Aeußerung aus dem Publikum darüber, wie es wäre, wenn die Russen nach Berlin gekommen sein würden, ihm(Hofer) in den Mund gelegt hat. Dadurch, daß ich meinen menschlichen Auf- fasiungen Ausdruck gegeben habe, habe ich die Würde des Hauses nicht verletzt, sondern die Würde des Hauses gewahrt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hirsch-Bcrlin(Soz.): Die Angriffe der Berichterstatter auf den Abg. Hofer waren ein Mißbrauch der Geschäftsordnung und verletzten die Gebräuche des Hauses bei Schlußworten von Berichterstattern. Wir verwahren uns gegen ein solches Vorgehen. Präsident: Die Geschäftsordnung beschränkt die Berichterstatter nicht in der Benutzung des Schlußwortes. Abg. Adolf Hoffmann(Soz.): Die Schlußworte wurden nicht deshalb so gestaltet, weil Sie die Würde des Hauses verletzt glauben, sondern weil Sie sich da getroffen fühlen, wo Sie sterblich sind: an Ihrem Profit! Die Ausschußanträge zu den Ernährungsfragen werden ein- stimmig angenommen. Ohne Erörterung stimmt das Haus der Denkschrift über Ostpreußen zu. Freitag, den S. Juni, vormittags 10 Uhr: Anträge betreffend Kriegszulagen usw. Schluß 5'/» Uhr._ Zensur unö Demokratie. Der freisinnige Abgeordnete Georg Gothein fordert im„Berliner Tageblatt" vom 3. Juni ein R e i ch s z e n s u r- a m t. Die Mängel der Zensur, die den Anlaß zu so mancher ergebnislosen Debatte im Reichstag gaben, führt er darauf zurück, daß die Zensur von so vielen Stellen geübt wird, die, unabhängig voneinander und von einer zentralen Behörde, ihr Handwerk ohne allgemeinbindcnde Direktiven betreiben. Da sein Vorschlag und noch mehr seine Begründung kenn- zeichnend ist für die Methode der liberalen Politik, klaffende Schäden der politischen Zustände durch harmlose Pflästerchen zu verdecken, lohnt es, mit einigen Worten auf die Dar- legungen des Herrn Gothein einzugehen. Nebenbei haben politische Kuren dieser Art den tvifhl nicht ganz ungewollten Erfolg, den harmlosen Leser vom Kernpunkt der vorliegenden Frage abzulenken. Die Zensur sei niemals gut, meint Herr Gothein. So alt die Zensur sei, so alt seien die Klagen über sie. Aber im Kriege ist sie unerläßlich. Freilich fichlen, ineint er weiter, gerade in kritischen Zeiten allerlei Leute das Be- dürfnis,„die Richtlinien der auswärtigen Politik vorschreiben zu tvollen. Sie übersehen dabei, daß es ihnen unmöglich ist, die tvahren, inneren Zusammenhänge zu erkennen, die die Regierung nun einmal der Ocffentlichkcit nicht preisgeben darf, ohne die Interessen des Vaterlandes aufs tiefste zu schädigen". Und weil alle diese Leute die geheimnisvollen Zusammenhänge der auswärtigen Politik nicht zu sehen ver- mögen, müssen sie schweigen und abwarten.„Es zeugt", er- klärt Herr Gothein,„von einem bedauerlichen Mangel an Vcrantwortlichkeitsgefühl, wenn Verbände, Pro- fessoren, Zeitungsredakteure, Parteivorstände und Abgeordnete jetzt der auswärtigen Politik der Regierung Knüppel zwischen die Beine werfen". Die Regierung steht, wie alle Kenner der wirklichen Zusammenhänge einer mimosenhaften Auslandspolitik wußten, solchen Anrempelungen plumper Burschen hilflos gegenüber, denn sie darf die Geheimnisse nicht preisgeben, „welche zur Widerlegung solcher Angriffe vorzubringen notwendig wäre." Wir möchten zunächst von neuem betonen, daß wir in diesem geheimnisvollen Wesen der Diplomatie keine Not- wendigkeit, sondern einen Schaden sehen. Von den Demo- kraten— nicht von den Sozialdemokraten— der ganzen Welt wird gerade im Anschluß an die diplomatischen Er- scheinungen, die dem Kriegsausbruch unmittelbar vorauf- gingen, die Unterordnung der Diplomatie unter demokratische Kontrolle gefordert. Wie ist sie aber möglich, wenn die Re- gierungcn allezeit das Recht haben sollen, unter Berufung auf die Sicherheit des Vaterlandes den Fragen aus dem Wege zu gehen, die in das Gebiet der AuslandSpolitik greifen? Gothein spricht allerdings immer nur von kritischen Zeiten. Nach ihm ist das Schweigegebot gegenüber allen Handlungen der Diplomatie gerade dann ani heiligsten, wenn die Gefahr am brennendsten ist, daß durch eine fehlerhafte Politik Gut und Leben eines ganzen Volkes geopfert werden können. Und selbst für d i e Personen soll es bestehen, die vom Volke selbst zur Kontrolle der Regierung bestellt sind, für die Abgeordneten. Aber obgleich wir als Demokraten grundsätzlich verlangen müssen, daß auch die Diplomaten der Volksvertretung Rechen- schaft über alle ihre Handlungen abzulegen haben, wollen wir Herrn Gothein zugestehen, daß es Zeiten geben kann, in denen das Parlament selb st die Regierung von der Pflicht, unumwunden auszusprechen was ist, entbinden darf, vielleicht sogar entbinden muß. Aehnliche Situationen kommen im kleinen selbst innerhalb unserer Bewegung vor. Unsere Gewerkschaftsführer sind schon oft gezwungen gewesen, die Arbeiter in heiklen Situationen aufzufordern, den Direktiven ihrer Vorstände zu folgen, ohne nach den Motiven zu fragen. Die Gewerkschaftsleitungen können sich aber in solchen Fällen Kritikern gegenüber darauf berufen, daß sie ihre Plätze vermöge des Vertrauens der Mitglieder innehaben. Und sie erhielten in den>veitaus meisten Fällen durch Mehr- heitsbeschluß der dazu berufenen Körper- s ch a f t e n das Recht zum Handeln nach eigenem Ermessen. Das gleiche Entgegenkommen kann eine Volksvertretung einer Regierung erweisen, die durch das Vertrauen der Volks- Vertreter Regierung geworden ist, einer demokratischen Regierung. Eine bureaukratische Regierung, deren Austraggeber nicht das Parlament ist. kann dagegen niemals damit rechnen, so weitgehende Befugnisse in die Hand zu bekommen. Hier sehen>vir des Pudels Kern. Kann uns Herr Got- Hein vielleicht sagen, welche Parteien oder Parteigruppen heute bereit wären, die Politik der Regierung ohne wesentliche Ein- schränkungen als parlamentarische Mehrheit zu decken? Wir glauben es nicht, und wir glauben nicht einmal, daß die Re- gierung selbst uns diese Frage beantworten kann. Und daraus entspringt die allgemeine Mißstimmung über die Zensur. Sic hat ihre Ursache nicht in den mehr oder minder äußeren Erscheinungen, die Herr Gothein sieht: Unverständnis der zensurgeioaltigen Militärs, Fehlen einer zentralen Leitung und Bcschwerdcinstanz usw. Niemand weiß genau, wohin der politische Wagen des Reiches gefahren werden soll. Daher fürchtet jeder, eines schönen Tages vor unabwendbaren Tatsachen zu stehen, die seinen eigenen politischen Wünschen zuwider sind. Darum haben alle poli- tisch Denkenden das Verlangen, ihrer Meinung Ausdruck zu geben und ihre Politischen Anhänger über ihre Stellung zu den tvirklich nicht gleichgültigen Fragen der Zeit zu unter- richten. Und dabei müssen sie die Zensur der Bureau- k r a t i e als unerträglichen Hemulschuh empfinden. Die Regierung glaubt aber, auf die Zensur nicht ver- zichten zu können, da sie bei ihrer Aufhebung den Ausbruch eines sinnverwirrenden und ohrenbetäubenden Tohuwabohus erwartet. In einem wahrhaft demokratisch organisierten Staatswesen brauchte die Regierung die Kritik einer Minder- heit niemals zu fürchten und zu unterbinden, da sie sich jederzeit, auch dem Auslände gegenüber, darauf berufen kann, daß ihr Amt daS Vertranensamt einer Mehrheit ist._ Das tägliche Srot. Arbeiten des KriegsernährnngSamtS. Das K r i e g s e r n ä h r u n g s a m t hat am Montag und Dienstag die orientierenden Verhandlungen mit Ver- tretern der verschiedenen Berufsgruppcn zum Abschluß ge- bracht. Mit Vertretern der Industrie wurde neben der Förderung der Schivemeschlachtungen die schnelle Fürsorge für Schwerarbeiter durch Sonderzuweisungen von Nah- rungsmitteln und die Förderung der Vc a s s e n s p e i s u n g beraten, mit den Vertretern des Großhandels dessen Ver- hältnis zur Einfuhrtätigkeit der Zentraleiukaufsgesellschaft, mit denen des Kleinhandels dessen Heranziehung zur Nah- rungsmittelverteilung durch die Kommunalverbände, seine Mitwirkung bei den Preisprüfungsstellen und die Maßnahmen gegen den Handel durch unlautere Elemente, vor allem den Kettenhandel. Scharfes Eingreifen zur Ausmerzung un- lauterer Händler wurde dabei von den Handelsvertretern gefordert.— Mit Vertretern der Landwirtschaft, kleineren und größeren Landwirten aus den verschiedenen Teilen des Reiches wurden Fragen der Milch- und Butter- liefcrung, der Schlachtviehbeschaffung, der Hausschlachtuugen, der Kartoffelversorgung, der Ernteerhebungen und des ver- stärkten Anbaues von Oelsrüchten erörtert. Den Schluß bildete am Dienstag nachmittag eine eingehende Be- ratung mit Vertretern der Konsumvereine �und sonstiger Konsumentenorganisationen, über Fleisch- und Fett- Versorgung und das Verhältnis der genannten Organisationen zu den Gemeinden und der Zentraleinkaufsgesellschaft, soivie über sonstige, das Konsumentenintercsse besonders berührende Fragen. Die Vorstandsmitglieder, Ministerialdirektor von Braun und Dr. Müller, hatten vorher über ihre Teilnahme an der Konsumcntentagung am letzten Sonntag berichtet.— Sobald die Zeit es erlaubt, sollen noch Besprechungen mit den Vertretern anderer Kreise, insbesondere denen des Nah- rungsmittelgewerbes folgen. Auf Grund des durch die Besprechungen gewonnenen Ueberblicks hat der Vorstand eine Reihe von Maßregeln be- schlössen oder ihrem Abschluß nahe gebracht, so neben der schon früher erwähnten Neuregelung der Bnttcrver- s o r g u n g eine Verordnung wegen sofortigen Verbotes d e r V e r f ü t t e r u n g zur menschlichen Nahrung geeigneter Kartoffeln, eine Vermehrung der für den menschlichen Verbrauch und das Einmachen zur Verfügung gestellten Zuckermengen, die Z u lv e i s u ir g besonderer Brot- und F e t t m c n g c n an die unter Tage und vor dem Feuer arbeitenden Personen. Im wesentlichen abgeschlossen sind die Beratungen über eingreifende Maßnahmen gegen den u n l a u t e r e n H a n d c l. Weitere Arbeiten, die schon in Angriff genommen sind, werden in neuen Vorstandssitzungcn, die in der Woche nach Pfingsten stattfinden, zum Abschluß gebracht werden. Der Präsident des Kricgscrnährungsamtes begibt sich heute zu Verhandlungen auf ciuen Tag nach München. Die anderen Hauptstädte der größeren Bundesstaaten sollen, sobald es die Geschäftslage zuläßt, gleichfalls besucht werden. Nach Pfingsten will der Vorstand eine Bereifung der rheinisch- Ivestfälischen Reviere vornehmen, während die anderen besonders wichtige» gewerblichen Mittelpunkte durch einzelne Vorstandsmitglieder aufgesucht werden sollen.(W. T. B.) Lokale Ausfuhrverbote. Eine Bekanntmachung des Bundesrats ordnet an, daß bei ört« lichen Ausfuhrverboten und Ausfuhrbeschränkungen oder Maßnahmen, die in ihrer Wirkung Ausfuhrverboten und Aussuhrbeschränkungen gleichkommen, der Reichskanzler ein Einspruchsrecht erhält. Das Einspruchsrecht, das vorn Reichskanzler im Interesse der Gesamtversorguug gellend gemacht wird, erstreckt sich auch auf die schon b e st e h e n d e ir A n s f u h r v e r b o t e usw. Sie sind dem Reichskanzler vorzulegen und auf sein Perlangen aufzuheben. Der Reichskanzler hat sich jedoch, ehe er das Verlangen stellt, mit der beteiligien Landesregierung ins Benehmen zu setzen. Die tatsächliche Ausübung der neuen Befugnis wird nicht in den Händen des Reichskanzlers selbst, sondern in denen deS neuen Kriegsernährungsamtes liegen. Manche lokale AuSfuhrfchrankcn haben die Versorgung der städtischen Verbraucher, andere(z. B. die für Zuchtvieh und Futter- mittel) die Nahrungsmittelproduknon selbst gestört und geschädigt. Nach dem amllichen Nachrichtendienst kann eine unterschiedslose Auf- Hebung aller örtlichen Ausfuhrbeschränkungen nicht in Frage kommen, nicht wenige von ihnen sind nötig, um die erforderliche und be- rechtigte Bedarfsdeckung der lokalen Bevölkerung sicherzustellen. Herabsetzung der Kälberpreise. Zur Hebung unserer durch den Krieg beeinträchtigten Bieh« bestände hatte vor einiger Zeit die Reichsfleischstelle die Zahl der Kälberschlachtungen auf die Hälfte herabgesetzt. Mit dieser Matz- nähme sollte einmal eine Steigerung der Milcherzeugung durch Auf- zuchl von Milchkühen und ferner eine größere Zuführung von Fleisch in unsere Lebensmittelversorgung erreicht werden. Der Zentral- Viehhandelsverband hat neuerdings noch eine weitere Maßregel zur Einschränkung der Kälberschlachtungen getroffen, indem er die ihm angeschlossenen DiehvandelSvervZnde erfocht hat, die Preise für Kälber vom 1. Juni ab um 10— 20 M. für den Zentner herabzusetzen. Diese neuen Höchstpreise sollen betragen sür den Zentner 60 M. für Kälber bis zu 100 Pfund, 80 M. bis zu 160 Pfund, 100 M. biS zu 200 Pfund und darüber hinaus 120 M. Für schwerste Ware sMastkälber und Doppellender über 200 Pfund Lebendgewicht) dürfen also von jetzt ab nur noch 120 M., statt wie bisher 140 M. für den Zentner gezahlt werden. Durch die Festsetzung der neuen Einheitsstallpreise für daS ganze Slcichsgebiet, die erheblich niedriger sind als die früher von dem Viehhandelsverbänden bezahlten, wird der Zweck verfolgt, der in der letzten Zeil sehr stark hervorgetretenen Neigung zur Abstoßung der Kälber, die der Aufzucht gefährlich zu werden drohten, entgegen zutreten. Durch die erhebliche Preisherabsetzung soll namentlich der Anreiz zur Mastkälberaufzucht, zu der auch viel Milch und Eier ver« braucht werden, vermindert und die Verwendung von Milch bei der Kälberzucht eingeschränkt werden. Von einer großen Anzahl von Gemeinden sind nun H ö ch st- preise für den Kleinhandel mit Kalbfleisch fest gesetzt, die nach den früher gezahlten Stallpreisen für Kälber be messen waren. Diese Stallpreise sind aber seit dem 1. d. M. außer Gellung gesetzt und an ihre Stelle ist der erheblich niedrigere Stallpreis deS Zentral-ViehhandelsverbandeS getreten. Es darf er- wartet werden, daß in allernächster Zeit auch die Klein- handelshöch st preise für Kalbfleisch gemäß dem neu festgesetzten Stallpreis von den G e m e i n d e n entsprechend herab gesetzt werden._ Kommen wir durch? Der amtliche Nachrichtendienst für Ernährungsfragen schreibt: „Schon jetzt läßt sich übersehen, daß die Bevölkerung bei gleich mäßiger Rationierung unzweifelhaft genügend und ausreichend er- nährt werden kann und daß mit der neuen, voraussichtlich guten Ernte bessere Zeiten kommen. Die Brotkarte überweist jedem Verbraucher der auf rund 70 Millionen zu schätzenden Bevölkerung wöchentlich 1900 Gramm Brot, das mit 20 Proz. Kartoffelzusatz hergestellt wird. Unter Einrechnung der Mahlverluste, des Ausmahlsatzes für Getreide von 80 Proz., der Verluste an Kartoffeln durch Schälen, Schwund oder Fäulnis und unter Einreichung des benötigten Saatgutes würden rund 7 Millionen Tonnen an Getreide, Roggen und Weizen benötigt werden. Da der Verbrauch der Armee einen stärkeren Durchschnitt als den hier angenommenen aufweist, außerdem die Korn- und Mehlverwendung für andere Zwecke— Kaffeersatz, Kuchenherstellung usw.— in Frage kommt, so erhellt doch ohne weiteres, daß selbst die Mißernte des Jahres 1916 mit rund 13 Millionen Tonnen ausreichte und daß die sür 1916 zu erwartenden höheren Ernteerträgniffe keinen Zweifel aufkommen lassen, daß die Brotrationen unbedingt gedeckt sind. Der K a r t o f f e l b e d a r f für die Bevölkerung— nimmt man sehr reichlich 3—10 Pfund für die Woche und den Kopf der Bevölkerung an— würde sich einschließlich deS Bedarfs an Kartoffeln für die Brotherstellung und einschließlich von vornherein zu veranschlagender Verluste durch Schwund und Fäulnis auf rund 16 bis 18 Millionen Tonnen stellen. Tatsächlich werden in Deutsch- land rund 60 Millionen Tonnen ererntet, so daß unter Abzug des Saatgutes und der unausbleiblichen Verluste noch eine gewaltige Reserve für die Versütterung verbleibt. Nimmt man auf den Kopf der Bevölkerung wöchentlich einen Butterverbrauch von 126(Jiramm und einen M i l ch v e r- brauch von täglich'/« Liter Milch an, so läßt sich berechnen— unter Zugrundelegung einer täglichen Erzeugungsannahme von acht Litern Milch für die Kuh— daß für die Erzeugung der Molkerei- erzeugnisse(Butter und Milch) ein Bestand von 4 260 000 Kühen notwendig ist. Da nun zur Zeit ein großer Teil der Kühe den an- genommenen Ertrag nicht erreicht, die Zahl der vorhandenen Kühe aber wesentlich größer ist, wird es darauf ankommen, den Milck- ertrag durch bessere FutterzrUveisung zu heben, um jeder Sorge für die Äufrechterhaltung der Milch- und Butterration enthoben zu sein. ver- weine Zu ähnlichem Ergebllls kommt man für den Fleisch i r a u ch. Bei einer Zuteilung von wöchentlich 1/i Pfund Schi fleisch. Wurst oder Speck auf den Kopf der Bevölkerung und wöckent lich V3 Pfund Rindfleisch und an Stelle desselben in jeder 7. Woche V.j Pfund Hammelfleisch würden unter Einrechnung von 40 Proz. Schlachtverlust rund 16,8 Millionen Schweine— ausgemästet 2 Zentner schwer—, 3 600 000 Rindvieh und rund 4,67 Millionen Hammel benötigt werden. An Milchvieh und Fleischvieh würden also rund 7V« Millionen ausgemästete und vollen Milchertrag liefernde Kühe benötigt werden. Alle diese Zahlen finden in den vorhandenen Vieh- bestandszahlen ausreichende Deckung. Nur die MästungS- und Molkereileistung genügt noch nicht. Sie mutz möglichst herbei- geführt werden. Es wird alles darauf ankommen, dieses Ziel zu erreichen. Die Rationen sind dann zweifellos gesichert. In dieser Berechnuug liegt die Gewißheit, daß wir durchkommen, aber auch die Erkenntnis, daß noch einige Zeit der Ein« fchränkung überwunden werden muß, um zu besseren Verhält- nissen zu kommen.* Die Rechnung mag schon stimmen; aber wie sieht'S in Wirklich- keit aus?_ Zur Maffenspeisung. In Köln sprachen sich elf öffentliche Frauen- Versammlungen, die von unseren Genossinnen einberufen waren, für die Speisegemeinschaft für alle aus. In einer Entschließung erklären die Frauen, bei den heutigen Schwierigkeiten gern auf die Einzelküche verzichten zu wollen. Auch mache die jetzige Jagd auf Lebensmittel und das Stehen vor den Läden das Familienleben und die Erziehung der Kinder unmöglich. Die Be- schaffung der Nahrungsmittel dürfe nicht mehr von der Fülle des Geldbeutels abhängen. Zur Frage des Gemüsepreises wurde folgendes Telegramm an Herrn von Bat ocki abgesandt: ,11 Frauenversammlungen im Kölner Stadtgebiet teilen mit: Gemüsepreise in Köln trotz reichster Ernte in benachbarten großen Erzeugungsgebieten wucherisch auf das Drei- bis Fünffache der Friedenspreise hinaufgetrieben. Einmütige scharfe Kritik der Presse aller Richtungen und alle Eingaben an Behörden erfolglos geblieben. Bei gleichzeitigem Fettmangel sichtbare Unterernährung weiter Bevölkerungsschichten. Wachsende Erregung in der Arbeiter- klaffe und im Mittelstande, beunruhigende Auftritte auf den Märkten. Preisregelndes Einschreiten unverzüglich geboten.* flus öer Partei. Gründung einer Sonderorganisation. Wie die„N i e d e r r h e i n i sch e Arbeiterzeitung* (Duisburg) mitteilt, hatten die entlassenen Redakteure Schach und Minster zu vergangenen Sonntag eine Sitzung einberufen, die sich mit der Gründung eines neuen sozialdemokratischen Vereins be- schäftigen sollte. Etwa 16 bis 20 Personen waren erschienen. Schach hatte das Referat übernommen. Der Einberuser der Sitzung, ein früherer Genosse Kampfer fordert zum Schluß die Versammelten auf. aus der Partei auszutreten, die„Arbeiter- Zeitung" abzubestellen und in den neuen sozialdemokratischen Ver- ein einzutreten. Etwa 6 oder 7 Personen meldeten sich zur Auf- nahme-jr„ pas Vorgehen der Genoffen für völlig verfehlt, ihnen sollte doch klar sein, daß sie sich selbst damit schaden und sich außer- halb des Rahmens der Partei stellen. wurde km Geschastsberichk dargelegt, daß der MikgliederbestiNid von 14 226 in 1914 auf 8896 in 1916 und 6414 in 1916 gesunken ist. Diesen Zahlen entspricht der finanzielle Abschluß. Die Abon- nenten der„Dresdner Volkszeitung" sind von 16 994 in 1914 auf 12 389 in 1916 und 9986 in 1916 gesunken. In vierstündiger Debatte wurde vornehmlich der Parteistreit behandelt. Es sprachen fünf Redner der Opposition, gegen die sich die Genossen S i n d e r- mann und B u ck wandten. Die Verhandlungen wurden schließe lich vertagt, nachdem die Neuwahlen für den Vorstand vorgenom men worden waren. Die Genossen der Opposition hatten für die wichtigsten Posten aus ihren Reihen Kandidaten vorgeschlagen, die aber nur wenige Stimmen erhielten. Für die Fortsetzung der Versammlung liegen drei Resolutionen vor. Eine davon verurteilt die..Kriegspolitik der Fraktionsmehrheit" und die„Gewaltpolitik des Parteivorstandes". Sie protestiert auch gegen die Schreibweise der„Dresdner Volkszeitung", die„mit den Forderungen des So- zialismus nichts gemein" habe und macht diese für den weiteren Abonnentenschwund verantwortlich. Eine andere Resolution stellt sich auf den Boden der Landesverteidigung- fordert aber, da die Regierung der Ausbeutung des Volkes nicht entgegengetreten sei und den Belagerungszustand nicht aufgehoben habe, zur Verweige- rung aller weiteren Kriegskredite auf. Die dritte Resolution ist vom Genossen B u ck eingebracht. Sie bestreitet eine Verletzung programmatisch festgelegter Grundsätze oder internationaler Be- schlüsse durch die Kreditbewilligung, bedauert die Gründung der Arbeitsgemeinschaft und verurteilt jeden Versuch einer Zersplitte- rung oder Betätigung in Sondervereinigungen. In 14 Tagen soll die Versammlung fortgesetzt werden. Merkblatt. Das Direktorium der ReichsversichcrungSanstalt für An- gestellte hat nachstehendes Merkblatt herausgegeben, das vie- len Angestellten und deren Verwandten als guter Führer die- nen kann: A) über die Anrechnung der Kriegsdienstzeiten als Beitrags- zeiten für die Angestelltenversicherung und L) die Rückzahlung der für Kriegsdienstzeiten entrichteten Bei- träge. 'A. 1. Nach der Verordnung des Bundesrats vom 26. August 1915 werden die Zeiten, in denen Versicherte im gegenwärtigen Kriege dem Deutschen Reiche oder der österreichisch-ungarischen Monarchie Kriegs-, Sanitäts- oder ähnliche Dienste geleistet haben, soweit sie in vollen Kalendermonaten bestehen, auf die Wartezeiten und bei Berechnung der Versicherungsleistungen an Ruhegeld und Hinter- bliebenenrenten nach dem Versicherungsgesetze für Angestellte als Beitragszeiten angerechnet, ohne daß Beiträge ent- richtet zu werden brauchen. 2. Sind Beiträge für die Zeit der Kriegsdienstleistung entrich- tet und auf dem Konto des Angestellten verblieben(vergleiche unten Nr. 14), so findet eine Anrechnung dieser Kriegsdienstmonate als Beitragszeiten nach Nr. 1 nicht statt; die vorhandenen Beiträge kommen aber als freiwillige Beiträge zur Anrechnung. 3. Angerechnet werden ohne Beitragsleistung nur die vollen Kalendermonate des Kriegsdienstes; die Anrechnung des Monats August 1914 ist daher in der Regel cmsgeschloffen, da der erste Mobilmachungstag auf den 2. August 1914 fiel. 4. Für die Anrechnung ist die G e h a l t s k l a s s e deS letzten. dem 1. August 1914 vorhergehenden Monats maßgebend, für den ein Pflichtbeitrag oder von freiwillig Versicherten ein freiwilliger Beitrag entrichtet ist. Für Angestellte, die erst nach dem 31. Juli 1914 versicherungspflichtig geworden sind, ist die Gehaltsklasse des letzten Pflichtbeitrages maßgebend, der vor Antritt des Kriegs- dienstes geleistet worden ist. Sind in dem in Betracht kommenden Monat Beiträge nach einer Gehaltsklasse und nach§ 172 a. a. O. gezahlt worden, so kommt nur der Beitrag nach der Gehaltsklasse in Ansatz. Sind in dem in Betracht kommenden Monat nur Bei- träge nach Z 177 a. a. O. gelefftet, so ist die Gehaltsklasse E maßgebend. In den Fällen des§ 390 a. a. O. wird nur die von den Arbeit- gebern nach§ 392 Abs. 1 a. a. O. gezahlte BeitragShälste(Arbeit- geberbeitrag) angerechnet. 6. Die Anrechnung der Kriegsdienstzeit kommt rn Betracht für das Ruhegeld und die Hinter» bliebenenrenten, nicht aber für andere Leistun- gen des Versicherungsgesetzes für Angestellte. 6. Die Kriegsdienstzeit wird durch die Militärpapiere(z. B. die Militärpässe) nachgewiesen, auS denen auch die Dauer des Kriegsdienstes genau zu ersehen ist. 7. Daß die für die Kriegsdienstzeit anzurechnenden Beiträge auf den nach§ 182 a. a. O. zu führenden Versicherungskonten zu vermerken sind, ist nicht vorgeschrieben, es würde an sich ausreichen, wenn bei dem Antrag auf Ruhegeld oder Hinterbliebenenrenten die Militärpapiere miteingereicht würden. Im Interesse der Klar- heit der Konten werden jedoch nach Beendigung des Krieges nach und nach die Konten der Kriegsteilnehmer' um die anzurechnende Kriegsdienstzeit vervollständigt werden. Zu diesem Zwecke werden die Militärpapiere der Kriegsteilnehmer von hier aus gelegentlich der Versendung der Kontoauszüge eingefordert werden. Den versicherten Kriegsteilnehmern wird daher empfohlen, ihre Militärpapiere zum Zwecke der Eintragung der für die Kriegszeit anzurechnenden Beiträge vorläufig unaufgefordert an die Reichs- Versicherungsanstalt nicht einzusenden, sondern abzuwarten, bis die Aufforderung zur Einsendung an sie ergeht. 8. In die Versicherungskarte werden die für die ZhriegSdienst- zeit anzurechnenden Beiträge von der ReichsverficherungSanstalt nicht eingetragen, so daß von Einsendung der Versicherungskcrrte an die ReichsversicherungKanstalt abzusehen ist. ES steht dem An- gestellten frei, die Eintragung selbst zu machen. B. 9. Beiträge, die für die vollen Monate der Kriegsdienstzeit (siehe oben Nr. 1, 3) entrichtet worden sind, werden, so- weit sie nicht nach 8 398 a. a. O. schon zurückerstattet sind, dem Arbeitgeber auf seinen an das Direktorium der Reichsversiche- rungsanstalt für Angestellte in Berlin-WilmerSdorf. Hohenzollern- dämm 193/195 portofrei zu richtenden Antrag ohne Zinsen zu- rückgezahlt. Der Arbeitgeber hat dem Angestellten den von ihm eingezogenen Beitragsteil zu erstatten. 10. Der Angestellte ist nur dann zur Stellung eines sol- chen Rückzahlungsantrages berechtigt, wenn er die Beiträge als reiwillige Versicherungsbeiträge selbst an die steichsversicherungsanstalt eingezahlt hat. 11. In dem Rückzahlungsantrag sind Vor- und Zunamen, Ge- burtstag und Geburtsort der in Frage kommenden Versicherten, die vollen Kriegsdienstmonate, für die auf daS Konto des einzelnen Versicherten Beiträge gezahlt worden sind, diese Beiträge selbst und ihre ZaHlungStage im einzelnen genau anzugeben,.rem Antrag müssen die Militärpapiere der Versicherten oder besondere Be- cheinigungen der Militärbehörden beigefügt werden, aus denen »er Tag des Eintritts in den Kriegsdienst und die ununterbrochene Dauer des Kriegsdienstes für die Zeiten, für welche die Rückerstat- tung von Beiträgen beantragt wird, ersichtlich ist. �ur d'k Austeilung dieser Bescheinigungen kommen allein die Truppenteile in Frage, nicht etwa das Zentralnachweisbureau des Kriegsmimsie- riums.„, 12. Der Antrag auf Rückerstattung von Beitragen kann ,chon jetzt und mutz spätestens 6 Monate nach Ablauf des Monats ge- stellt werden, in welchem der Frieden geschlossen worden ist. Beim Fehlen eines Friedensschlusses beginnt der Lauf der(yrtst mit dem Schlüsse desjenigen Jahres, in welchem der Krieg beendet ist. 13. Für die Entscheidung von Streitfällen über die Rückerstat- tung von Beiträgen gelten die§8 210 folg. a. o.C. entsprechend. 14. Für solche Versicherte, welche in dem nach Nr. 4 matzgeben- den Monat bei einer zugelassenen Ersatzkasse(88 392 folg. a. a. O.) versichert waren, gelten die vorstehenden Bestimmungen aus der Verordnung des Bundesrats vom 26. August 1916 nicht. Kriegerfrauen. Stellungnahme zu den Parteidifferenzen. In einer Generalversammlung deS Sozialdemokratischen Ver- pinä für Dresden-Neustadt(Abgeordneter Wilhelm Buck)—— 0-,.-----------------.——- j—=—=———— ' Leranrworfllcher Redakteur: Alfred Miele«, Neukölln. Für des Jnjeratemerl vermttwu Ttz.Gl-cke.jv«lm. Druck».Berlag-Borwärt« Buchdruckerei u. Vertagsanstalt Saal©oifl«*«o. Salm SÄ Aus dem Briefe einer Zurückgebliebenen. ... Ihr fragt in Euerm letzten Briefe an, wie es unS„Stroh- Witwen" hier geht, was wir treiben, und wie wir uns am besten über das Alleinsein hinweghelfen. Man merkt aus allen Euren Schreiben, daß Ihr niemand, der Eurem Herzen nahesteht, draußen habt, daß Ihr um keines Menschen Gesundheit und Wohlergehen bangt, daß Euch dieser furchtbare Weltkrieg noch keine schlaflosen Nächte verursacht hat, sonst könntet Ihr nicht mit solchem lächelnden Behagen all Eure kleinstädtischen Gffchchmsse aufzählen und diesen furchtbarsten aller Kriege nur so uebenbei erwähnen, so, als ob es nun einmal zum guten Ton gehört, etwas wie Herz und Gemüt zu zeigen. Wenn Ihr Söhne hättet, würde es vermutlich anders sein, dann wurdet Ihr all das Grausige gewissermaßen am eigenen Leibe erfahren, so aber stehen Euch die Männer Eurer Enkelinnen fern, es ist nicht Fleisch von Eurem Fleisch. Man sagt, wenn Menschen in vorgerücktem Alter zu einer anderen Ansicht bekehrt werden sollen, so muß etwas geschehen, das sie von Grund auf auf- wühlt. Demnach muß dieser Krieg noch nicht grausig genug sein, daß er bei Euch alles beim alten gelassen hat. Uns hat er gänzlich gewandelt. Doch ich will mit Euch nicht rechten. Schon von Beginn des Krieges an habe ich mich mit dem Ge- danken vertraut gemacht, auch meinen Mann, trotzdem er unge- dienter Landsturm und hochgradig kurzsichtig ist, diesem furchtbaren Ringen zum Opfer bringen zu müssen. Und richtig, eines Tages flog das ominöse Schriftstück, die Gestellungsorder, uns ins Haus. Was man solange als geheime Hoffnung tief im Innern genährt hatte, daß der Krieg zu Ende fei, ehe der betreffende Jahrgang an die Reihe kommt, war verflogen. Vorbei mich die allabendliche ge- Heime Unruhe beim Nachhausekommen, die Erfüllung war da. Wohl Euch, daß Ihr es nie durchmachen mutztet, dieses letzte Kofferpacken, jedes Stück von Tränen benetzt, ehe es in ihm seinen richtigen Platz fand. Und wieviel Unnützes machte die Reise nach der Garni- son mit. Wieviel Bedürfnisse hat nicht ein Kulturmensch und mag er in noch so primitiven Verhältnissen leben. Ich machte zwar meinen Mann auf verschiedenes Unmögliche aufmerksam, gewitzigt durch Gespräche mit Soldaten, doch blieb er meinem Zureden gegen- über taub, da er noch weniger als ich vom preußischen Kasernen- leben wußte. Natürlich schickte er mir den größten Teil zurück, als er ins Feld rückte. Trotz vielen Abratens begleitete ich meinen Mann nach Schöne- berg; sogar auf dem Kasernenhof war ich, wir waren also tatsäch- lich bis zum letzten Augenblick zusammen. Schon hier bekam man einen Vorgeschmack vom Soldatenleben. Nach sechsstündigem Warten auf dem Kaserneuhof marschierten wir alle nach dem Ostbahnhof, wo die Eingezogenen nach Königs- berg verladen wurden. War man vorher noch einigermaßen bei Stimmung, soweit man sich in der Gewalt hatte, hier schlug es um, denn die Trennungsstunde war da. Es gehört wohl mit zu dem Erschütterndsten, was es gibt, Männer weinen zu sehen, hier sah man es— und dazu die Frauen und Kinder. Ein letzter Hände- druck, ein letztes„Auf Wiedersehen" und fort waren sie. Wir Zurückgebliebenen wanderten nun nach den einsamen Heimstätten. Wohl den Frauen, die Kinder haben, sie kommen leichter über das Alleinsein fort, aber wir Alleinstehenden, die wir ganz ineinander aufgingen, vermissen den Abwesenden um so mehr. Unheimlich fühlt man sich in seiner eigenen Wohnung, und es dauert geraume Zeit, bis man das Schlimmste überstanden hat. Und doch braucht man sich noch keine Sorgen zu machen, noch setzt der Mann nicht täglich, stündlich sein Leben aufs Spiel. Bis man sich aber zu dieser Ansicht durchgerungen, hat es einem schon viel Nervenkräfte gekostet. Schnell, viel zu schnell ist die Ausbildungs- zeit herum, und eines Tages überbrachte mir der Telegraph die Nachricht, daß mein Mann ins Feld gerückt sei. Bis ich daS erste Lebenszeichen aus Feindesland von ihm er- hielt, war ich mehr tot als lebendig, nur der Arbeit habe ich eö zu danken, daß ich über alles hinwegkam. Nun setzte auch das gegen- seitige Schreiben wieder ein, das auch zur Beruhigung beiträgt. Glücklich schätzt man sich, wenn man für den Mann sorgen, ihm Pakete schicken, etwas zu seinem Wohlbefinden beitragen kann. Ich weiß nicht, ob Jnr Euch in Verhältnisse denken könnt, wo man vier Wochen und länger ohne Nachricht vom Mann ist, und wenn ein Brief kommt, so liegen schon mehrere Tage vom Schrei- den an gerechnet dazwischen; was kann inzwischen nicht alles schon passiert sein, trotzalledem ist man froh. Da kam die Nachricht von der Verwundung meines Mannes. Als ich las, daß sie nicht allzu schlimm sei, war meine Freude groß, wußte ich ihn doch für eine Woile geborgen. Gleich gibt man wieder der Hoffnung Raum, daß der Krieg bis zur Heilung vor- über sei. Sofort setzte ich alle Hebel in Bewegung, fuhr nach Mainz und hatte das Glück, mir meinen Mann nach Berlin mitnehmen zu können. Ueber das Wiedersehen laßt mich hinweggehen. Nun aber geht der Heilungsprozeß mit Riesenschritten vorwärts und es ist noch kein Ende dieses mörderischen Ringens abzusehen. Zum zweitenmal werde ich ihn hergeben müssen und wie, oder wird er überhaupt wiederkommen? Das letztere ist aber maßaebend, wird er wiederkommen, daS Wie ist mir gleich. Wir Arbeiter stehen fest auf eigenen Füßen; habe ich solange mein Teil dazu beigetragen. Not und Elend von unS fern zu halten, werde ich es noch länger tun. Ihr seht also, daß ich mich noch immer nicht, oder besser, noch nicht wieder zu Euren Anschauungen bekehrt habe. Ich habe Euch nun einen kurzen Ueberblick gegeben, da Ihr dem Anschein nach daS Märchen von den Schlagsahne essenden und in den ErfrischungS- räumen sitzenden Kriegerfraucn geglaubt habt. Wir haben hier andere Sorgen und diese mehren sich von Tag zu Tag. So wie es mir geht, geht es Tausenden. Verwahren mußte ich mich aber gegen die Art, wie Ihr dort in der engen Heimat über uns Krieger- frauen in den Städten herfallt, Ihr, die Ihr es unfern Männern mit zu verdanken habt, daß Ihr ruhlg auf Eurer Scholle sitzen könnt....._ Srlefkaften üer Reüaktwn. Die lurisNl»« Sprechstunde findet für Hbonnenten Ltodenftr. B, IV. Hos techlS, parterre, am Mania« bis greilag von 4 diS 7 Uor, am Sonnabend von d»is S U»r statt. Jeder für den B r t e t k a st e n besttmintin«nfrage ist ein Luchstab« und eine Zahl alS Merlzeichen beizufügen. Briestiche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnementSoustiung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trag- man in der Sprechstunde dar.»ertrage, Schrtstftüite und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. Pfingstsonnabend, 1. und 2. Pfingstfeiertag fällt die juristische Sprechstunde aus. G. N. 6. 1. Ein rechtlicher Anspruch darauf besteht nicht. 2. Der Absender des Pakets müßte Anspruch auf Schadenersah bei der Post stellen. —®. L. 3. 1. Wenn einer der Söhne zum Unterhalt der Eltern bei- getragen bat, können die Eltern Unterstützung beantragen. 2. Sis zum Tage der Einziehung müssen Steuern gezahlt werden. 3. Darüber ist uns nichls bekannt.— Hermann 47. Wenden Sie sich an den amerikanischen Konsul.— O. W. 100. Nein.— Sichel. Verlangen Sie von der Polizei die Herausgabe Ihres Werkzeuges.— O. St. B. 1 Eure be- stimmte Emkommensgrenzc ist dafür nicht vorgesehen, da» richtet sich nach Ihren persönlichen Vecbällnifsen Der Verdienst der Frau wird dem Em- kommen zugerechnet. Sie können zur Unterstützung der Mutier verpsuchtet werden. 2. Bernau müsste die Unterstützung zahlen. 3. Di-Sache ist uoch nicht geregelt.—(*. K. 32. Sie müssen die Steuern biS Marz ISIS zahlen. Die Einschätzung erselgt nach Ihrem jetzigen Einkommen.— T. 96. 1. Ja. 2. Wenn mit Ihrem und der Wirtin Einverständnis der Vertrag zum 1. Oktober gelöst wird, können Sie zu diesem Termin Mh«», sonst sind Sie an den Vertrag gebunden. 3. Die Poltjei besagt sich mit dieser Sache nicht.— R. S9. Sie müssen zur Einleitung der Ehe- scheidungsklage- einen Anwalt haben, da die Klage beim Landgericht zu- ständig ist. WetternuSstchten ffit daS mittlere Norddeutschland dl» Sonnabend mittag. Zeitweise beiter. aber noch überwiegend bewölkt und unbeständig mit östel.' wiederholten Regensallen, Temperaluren ziemlich mild. |lr. 157. 33. Zahraaug. 2. KeilM Ks Jotmirts" Freitag. 9. Zum 1916. Die Erhaltung öer öiesjährigen Obsternte. Tie preußischen Ressortminister haben vor einigen Tagen folgende Richtlinien für die Erhaltung der diesjährigen Obsternte bekanntgegeben: «Die in diesem Jahre der Bevölkerung zur Verfügung stehen- den geringen Zuckermengen zwingen unbedingt dazu, die Obst- ernte in weitestgehendem Umfange ohne Zucker zu erhalten____ Da Zucker eingemachtes Obst einerseits nicht nur süßt, sondern auch haltbar macht, und da andererseits zuckerarmes, eingemachtes, aber nicht sterilisiertes Obst leicht verdicrbt(gärt, essigstichig wird usw.), ist in den Fällen, wo Zucker angewendet wird, nicht etwa an Zucker zu sparen, sondern nach bewährten bisherigen Vor- schriften zu verfahren. Aepfel und Birnen werden, soweit sie im natürlichen Zustande längere Zeit haltbar sind, zweckmäßig in dieser Form in geeigneten Räumen aufbewahrt und erst allmählich unmittelbar verarbeitet oder verzehrt. Im übrigen empfiehlt es sich, Aepfel, Birnen und Pflaumen in möglichst großem Umfange zu trocknen(in Backöfen, Brat ösen usw.), da getrocknetes Obst im Laufe des Jahres nach ver schiedenen Richtungen hin Verwendung finden kann. Unreife Stachelbeeren, reife(aber nicht überreife) saure Kirschen(mit einem Tuch sauber abgewischt) und R h a b a r- bersten gel(in kleine Stückchen zerschnitten) lassen sich in gut verschlossenen Flaschen ohne zuvorige Erhitzung längere Zeit in sehr kühlen Räumen aufbewahren(die fest eingefüllten Rhabar- berstückchen und unreifen Stachelbeeren können auch zunächst mit abgekochtem und dann erkaltetem Wasser Übergossen werden). In den sonstigen Fällen kommt Erhitzung und, soweit Steri- lisierung nicht durchführbar ist, Anwendung eines chemischen Kon- servierungsmittels in Betracht, um eine haltbare Dauerware zu bekommen. Die Sterilisierung bezweckt die Vernichtung der vor- bandenen Zersetzungserreger(Hefen und Bakterien) sowie die Ver- Hinderung des Eindringens weiterer derartiger Kleinlebewesen. Infolgedessen kommen für die Sterilisierung im Haushalte Ge- säße mit entsprechendem Verschluß(Weckgläser, Glasflaschcn mit gut schließenden verlackten oder verpichten Korken sowie mit Gummiverschlüssen— sogenannte Patentflaschen) in Betracht Als Korke können auch alte, zunächst in kaltem Wasser einge- weicht und alsdann kurze Zeit(eventuell unter Zusatz von etwas Salzsäure) gekochte Korke Verwendung finden; lange Korke— z. B. von Weinflaschen— können in mehrere dicke Scheiben zerlegt werden und so zum gleichzeitigen Verschließen mehrerer Flaschen dienen. Zum Verlocken ist nicht nur Flaschenlack, sondern auch Pech und Harz geeignet. Als chemische Konservierungsmittel kommen nur solche in Betracht, deren Genutz in den zur Haltbarkeit er- forderlichen Mengen die menschliche Gesundheit zu gefährden nicht geeignet ist. Es sind dies Benzoesäure und auch Ameisensäure. B e n z 0 e- säure wird am zweckmäßigsten als Benzoesaures Natron benutzt, ein weißes Pulver, daS sich leicht dosieren läßt, und von dem 1 Gramm auf 1 Kilogramm Fruchtmus. eingezuckerten Fruchtsaft und dergleichen zur Haltbarmachung genügt. Mehr als 1,5 Gramm auf 1 Kilogramm Mus usw. sollten jedenfalls vermieden werden. Es ist zweckmäßig, sich die von Fall zu Fall erforderlichen Mengen an Benzoesaurem Natron in der Apotheke beim Einkauf abwiegen zu lassen, weil hierfür im allgemeinen im Haushalte geeignete Wagen nicht zur Perfügung stehen. An Ameisensäure ist mehr erforderlich, als. an. Benzoe- säure, und zwar etwa 0,25 Pröz. Hierbei ist zu beachten� daß die Ameisensäure des Handels eine wässerige Lösung von Ameisensäure darstellt. Die in den Apotheken erhältliche Arzneibuchware ist Löprozentig. Von dieser ist demnach 1 Proz. erforderlich. Es kommen mithin auf 1 Pfund Mus, ungezuckerten Fruchtsaft usw. 5 Gramm, auf 1 Kilogramm 10 Gramm der Arzneibuchware. Auch bei diesem Mittel ist es das Zweckmäßigste, sich die von Fall zu Fall erforderliche Menge in der Apotheke genau abwiegen zu lassen. Die chemische Haltbarmachung ist allerdings nur da zu empfehlen, wo die übrigen Verfahren aus Mangel an geeigneten Gefäßen oder aus anderen Gründen nicht anwendbar sind, weil es erstrebenswert ist, Obstdauerwaren möglich st naturrein her. zustellen. Zum Sterilisieren dürfen nur sehr sorgfältig gerei- nigte Flaschen und Flaschenverschlüsse Verwendung finden. Die Korke werden wie bei Weißbierflaschen fest verschnürt, und das Erhitzen der Flaschen mit Anhalt erfolgt in einem Wasser- bade. Zu dem Zweck werden die Flaschen mit Papier, etwas Holzwolle oder Stroh umwickelt, fest nebeneinander in einen Koch- topf gestellt, der soviel Wasser enthält, daß die Flaschen etwa zu drei Vierteln im Wasser stehen und dann der Topf zugedeckt und aufs Feuer gebracht. Sobald das Wasser kocht und auch der Flascheninhalt entsprechend erhitzt ist. läßt man noch etwa 10 Mi- nuten, kochen, stellt alsdann den Topf beiseite, bis Abkühlung er- folgt ist. Bei säurearmen Früchten(z. B. Himbeeren) ist es zweck- mäßig, die angegebene Erhitzung nach zwei Tagen nochmals für kurze Zeit zu wiederholen. Unmittelbar nach der endgültigen Sterilisicrung werden die Flaschenköpfe sorgfältig getrocknet und verlackt. In. der angegebenen Weise lassen sich verschiedene Früchte, Fruchlmuse, Fruchtsäfte, Rhabarber und dergleichen haltbar machen. Die Flaschen müssen demnächst möglichst kühl, also tunlichst in einem Keller oder in einem anderen kühlen Raum aufbewahrt werden. Pflaumenmus, Birnenmus und Apfelmus aus reifem Obst läßt sich z. B. kurz einkochen(so fest, bis es sich schneiden läßt) und'in gut mit dichtem Papier überbundenen Tontöpfen auf. bewahren, wenn diese unmittelbar nach dem Einfüllen des heißen Muses kurze Zeit in einen Bratofen gestellt werden, bis sich auf der Oberfläche durch Eintrocknung eine Kruste gebildet hat. Zweck- mäßig ist es allerdings, diese Kruste mit einer dünnen Harzschicht zu überziehen. � Bemerkt wird noch, daß die Bevölkerung in der Lage ist, sich ungczuckerle Obstkonserven demnächst beim Genuß nach Belieben mit den ihr regelmäßig zur Verfügung stehenden Zuckermengen nachzusüßen, und daß sich insbesondere auch gemischte Konserven ohne jeglichen Zuckerzusatz recht schmackhaft herstellen lassen." einer Resolution wird der Magistrat ersktcht, zu erwägen, ob und in welcher Weise es möglich ist, bei der Umgestaltung der öffentlichen Armenpflege eine engere Fühltung mit der privaten Armenpflege herbeizuführen. Zu den Kosten der vom Nuthe-Sch'auverband geplan tcn Neuregulierung des Großbeerengr Grabens bewilligt die Versammlung einen Beitrag in Höhe dies vierten Teils der tat- sächlich entstehenden Kosten bis zum HöchMetrage von 130 000 M. Der Zentralauskunftsstelle der Arbeitsnach- weise für Berlin und die Provinz Brandenburg wurden für 1910 als Zuschuß 4250 M. bewilligt. Von Frau Direktor Minden sind infvlge einer Anregung bei der Kriegstagung der deutschen Blindev.änstalten 10 000 M.„als Grundstock für eine Blindenbiblisthek nach Hamburger Muster im Anschluß an die städtisch«. Blindenanstalt" gestiftet worden. Die Versammlung erklärte sich mit i�er Annahme der Stiftung, die als Grundstock einer Bibliothek fÄr akademische Blinde Ver. Wendung finden soll, einverstanden. Schluß der öffentlichen Sitzung<ö Uhr. Staötyerorönetenversammlung» 14. Sitzung vom Donnerstag, den 8. Juni 191 nachmittag 5 Uhr. Di« Sitzung wird vom Vorsteherstellvertreter Cassel eröffwft. Zur Beschlußfassung steht zunächst die Vorlage betr. die E tzm- richtung von Armenämtern im ganzen Stadtbezirk. Ifen Ausschußbericht erstattet Stadtb. Galland(Linke). Die Mar- läge ist mit einigen mehr formalen Aenderungen vom Ausschuß zur Annahme empfohlen. Ohne Diskussion genehmigt die Per- sammlung den Entwurf in der Fassung deS Ausschusses. Danach wird dem Plan, 14 Armenämter mit örtlich annälfernd gleichen Grenzen gleichzeitig zu errichteu. grundsätzlich zugestummt; die Bestimmung des Zeltpunktes für die Durchführung uich die Bewilligung der Kosten unterliegt späterer Beschlußfassung. 0- In flus Groß-öeriin. die Maffenspeistwg in Herlin. In den nächsten Tagen Nferden zur Feststellung, in welchem Umfange das Bedürfnis, und die Beteiligung an der Massenspcisung durch die StoAt Berlin besteht, in allen Berliner Häusern Hauslisten tzelrteilt werden, in denen die jenigen Hausbewohner, die an(der Massenspeisung teilnehmen wollen, sich einzutragen haben. Die Listen sind in der Zeit vom 15.— 17. Juni auszufüllen, die ausgefüllten Listen bis spätestens 19. Juni bei der zuständigen Brotkommiffion abzw geben. Sie tragen an ihrem(Kopf folgenden Ausruf: Städtische Speisunzea. Der Magistrat beabsichtigt, im gesamten Stadtgebiet von Berlin Volksspeisungen einzl, fechten. Anfang Juli soll für einen Stadtteil die 1. Zentralküche mit Speiseausgabestellen eröffnet werden. Gleiche Einrichtungen für die anderen Stadtteile sollen nach Maßgabe der uns überwiesenen Nahrungsmittel baldigst folgen. Das Essen wird in Zentral küchen unter Aufsicht der Stadt zubereitet und in Ausgabe- stellen an alle Schichte/n der Berliner Bevölkerung zum Selbstkostenpreis verabreicht werden. Es ist bei den Aus gabestellen in der Zeit wün 12— 2 Uhr abzuholen; ausnahmt iveise kann es dort verzsthrt werden. Als Preis sind 40 Pf. für die ganze Portion Hon etwa einem Liter und 20 Pf. für die halbe Portion in Aussicht genommen. Den Personen, wfelchen das Essen(Eintopfgericht) Vev abreicht wird, werden, zum Ausgleich jeweils für eine Woche bis auf weiteres 2/t von der Fleischkarte und 9/8 von der Kartoffelkarte(berechnet auf die Dauer der Fleischkarte) in Anrechnung gebracht, wodurch eine Bindung an die Volks speisung für dieses Zeitraum bedingt ist. Die übrigen Nahrungsmittelkartpst sollen vorläufig unberührt bleiben; je doch behält sich dhr Magistrat eine Nachprüfung der Aw rechnnng der einzelnen Karten vor. Für den Bezug der Speisen werden am Anfang jeder Woche Marken ausgegeben, welche für eine bestimmte Ausgabestelle und einen bestimmten Tag, jedoch' nicht'für'eins bestimmte Person Gultigkeit haben. Zunächst ist es nötig, den Umfang der Nachfrage«hach den Volksspeisungen f e st z u stellen, um(danach die ins Leben zu rufenden Einrichtungen abmessen zu können,. Wer die Absicht hat, von der Einrichtung Gebrauch zu machen, wird'deshalb ersucht, die Liste auszufüllen. Auf das Erscheinen dar angemeldeten Personen bei den Speisungen wird gerechnchL_ Zur Fleischentnahme. Der Ma/ffsirat teilt mit: Es hat sich herausgestellt, daß zahl- reiche Fleisch/st in Verkennung der Anordnungen des Magistrats die Nummern vhres Kundenverzeichnisies stundenweise aufrufen, d. h. beiam/.igeben, daß von 7 bis 8 die Nummer soundso, von 8—9 eine weitervb Nummcrnreihe usw. zum Kaufe kommt. Dieses Verfahren ist unzulässig. Die Bestimmung des Magistrats geht dahin) daß der Fleischer durch Aushang am Abend vor jedem Verkaussta/ge die Nummern deS Kundenverzeichnisies bekannt zu geben hat, für vtelche an diesem Verkaufstage Ware vorhanden ist. Die Inhaber'dieser Nummern aber sind dann an diesem Verkaufstage nicht al.n bestimmte Stunden gebunden, können vielmehr in der Z/eit von 7 bis 1 Uhr vormittags und von S bis 8 Uhr abends einkaufen. Dadurch soll verhindert werden, daß die Kunden in besii/mmte kurze Zeiträume zusammengedrängt werden; sie sollen vielme/jr Kaufsrciheit während eines längeren Zeitraumes haben. Zugleich wird den BebölkerungSkreisen, welche vormittag nicht schufen können, Gelegenheit gegeben, am Nachmittag den Be- darf zu decken. Tie Lernmittel für den Handarbeitsunterricht der Mädchen. In den Volksschulen werden die Lernmittel bedürftigen Kindern au/ Kosten der Gemeinde unentgeltlich gegeben. DaS ist ein Not- behelf gegenüber der von den Vertretern der Sozialdemokratie in dttn Gemeindeverwaltungen immer wieder ausgestellten Forderung, fallen Volksschulkindern ohne Unterschied die Lernmittel unentgelt- lfich zu liefern. So lange diese berechtigte, dem Gedanken der Un- ientgeltlichkeit des Volksschulunterrichts nur entsprechende Forderung noch nicht erfüllt ist, sollte man wenigstens den Kreis der als bedürftig anzusehenden Kinder möglich st weit ziehen. Selbstverständlich gilt das ebenso bei den im Hand- arbeitsunterricht der Mädchen erforderlichen Lernmitteln, also auch bei allen Stoffen, die zur Unterweisung in der Näherei gebraucht werden. Die Ausgabe z. B. für ein paar Meter Hemdentuch, das im Handarbeitsunterricht als Lernmittel nötig ist und von den Kindern mitgebracht werden soll, kann für manche Familie in Zeiten der Geldknappheit noch drückender sein als die Kosten eines Buches oder einiger Hefte. Tatsächlich sind denn auch in Anerkennung der Richtigkeit des Grundsatzes, daß Handarbeitsmaterial zu den Lernmitteln gehört, bedürftigen Kindern hier ebenso wie bei den anderen Lernmitteln das Erforderliche auf Gemeindekosten geliefert. Aber wenn man schon bei der Lieferung von Büchern und Heften bemüht ist, den Kreis der Bedürftigen nicht„zu weit" zu ziehen, so wird bei Handarbeitsmaterial noch sorgfältiger darauf geachtet, nicht etwa diesem„Fehler" zu verfallen. Die Stadt Berlin hatte noch für 1914 nicht mehr als 3000 Mark für den Handarbcitsbedarf armer Kinder angesetzt. Dieser Betrag mußte dann durch die Ausgaben überschritten werden— der größte Teil des Schuljahres fiel ja in die Kriegszeit— und die Aufwendungen stellten sich schließlich für das ganze Jahr auf 4400 Mark. Für 1915 wurden 5000 M. angesetzt, wobei der Magistrat die Erhöhung degründete mit den„ungünstigen Erwerbsverhält- nissen" und außerdem damit, daß der neue Lehrplan des Hand- arbeitsunterrichtes im wesentlichen die Anfertigung von Gebrauchs- gegenständen verlangt.(Daß so ein im Handarbeitsunterricht an- gefertigter„Gebrauchsgegenstand" manchmal beim besten Willen nicht zu„gebrauchen" ist, so daß die Eltern das dafür hingegebene Geld einfach weggeworfen haben, wollen wir hier nur nebenbei erwähnen.) Ob für 1915 der erhöhte Betrag gereicht hat oder(wie wir vermuten) wieder noch überschritten werden mußte, ist bisher nicht bekannt geworden. Für 1910 hat man eine weitere Erhöhung des Voranschlages auf diesmal 7000 M. nicht umgehen zu können geglaubt, wobei wieder der Hinweis auf die besonderen Zeit- umstände, auf die„andauernd ungünstigen Erwerbsverhältnisse", die Begründung abgab. Uns ist nicht zweifelhaft, daß jetzt bei der Teuerung nicht nur der Lebensmittel, sondern auch aller anderen Waren, der Wunsch nach kostenloser Lieferung von Handarbeitsbedarf sehr viel lebhafter als sonst sein wird. Wir fürchten, daß da leicht auch die 7000 M. noch zu wenig sein könnten, um alle berechtigten Ansprüche zu befriedigen. Damit dem Stadtsäckel die Hergabe dieses Lernmittels möglichst erspart werden kann, auch wenn bei den Eltern nicht sofort das Geld bereit liegt, es selber zu kaufen, scheinen in Berlin manche Lehrerinnen ein Abzahlungsverfahren anzuwenden. Eine Krieger- frau klagt uns, daß sie keine Eingabe um unentgeltliche Lieferung des Handarbeitsmaterials zu machen wage, weil sie die Kosten ja doch hinterher abzahlen müsse. Das ist eine durch- aus irrige Annahme. Wo den Eltern eine Abzahlung auf- erlegt wird, kann eS sich nur darum handeln, daß die Lehrerin den Bedarf im großen gekauft hat und von den einzelnen Kindern das Geld nach und nach in Abzahlungsbeträgen einzieht. Vielen Eltern dürfte das als eine Erleichterung sehr willkommen sein, und dadurch ermäßigt sich ja auch der Preis etwas. Wer aber auf Kosten der Stadt das Handarbeitsmaterial erhalten soll, braucht nichts zu zahlen, auch nicht in Abzahlungsbeträgen. Das wollen wir, um einem vielleicht weiter verbreiteten Irrtum entgegenzutreten, hier ausdrücklich feststellen. Niemand soll aus solchem Grunde zögern, den ihm zustehenden Anspruch zu erheben. Daß Kinder ohne das erforderliche Handarbeit s- Material bleiben, sollte eigentlich nicht zugelassen werden, kommt aber doch vor. Wenn das nach dem Stand deS Unterrichts jeweils nötige Lernmittel fehlt, behilft man sich auch mal billiger. Man läßt die betreffenden Kinder andere Handarbeiten ausführen, beispiels- weise müssen, wenn Hemdennäherei gelehrt wird, aber einigen Kindern das Hemdentuch fehlt, diese an mitzubringender alter Wäsche kleine Flickereien machen. Jene Kriegerfrau klagt uns auch, daß ihr Mädel, weil die mitgebrachte Flickarbeit nicht mehr für die ganze Stunde ausreichte, Prügel erhalten habe. Das Kind hätte rechtzeitig dafür sorgen müssen, daß weiteres Arbeitsmaterial zur Stelle war, meinte der prügelnde Rektor. Nicht immer dürfte das so ganz einfach sein wie der Herr Rektor sich das zu denken scheint, Ja, die„hohen" Löhne—! Neber die Höhe der Arbeitslöhne, die jetzt verdient werden, regen manche Leute sich nicht wenig auf. Eine Arbencrin erzählt uns, wie ihr zu Mute war, als sie auf einer Straßcnbahnfährt ein dieshezügltches Gespia'ch zweier Herren mitanhören mußte. Sie selber hat noch nichts von dem angeblich so großartigen Lohn- einkommcn gemerkt, über das sich die beiden da den Mund zerrissen. Bei Siemens u. HalSke in dem Glühlampen- werk Charlottenburg, wo sie arbeitet, hat sie es bisher zu einem Verdienst gebracht, der bei Akkordlohn zwischen 10 und 12 Mark, bei Wochenlohn zwischen 14 und 15 Mark lag. Von diesem Lohn gehen ab die Wochenbeiträge für die Krankenversicherung, für die Invalidenversicherung sowie für den gelben.Werkverein", dem bei Siemens u. Halske jeder Arbeiter und jede Arbeiterin angehören muß und zu dessen Gunsten sogleich bei den Lohnzahlungen die noch um einen Kriegszuschlag erhöhten Wochcnbeiträge einbehalten werden. Bei solchem Arbeitsverdienst kann natürlich von dem üppigen Leben, das angeblich jetzt die Arbeiterinnen führen und gegen das auch jenes Straßen- bahngespräch sich wandte, keine Rede sein. Mit 10—12 M. oder auch mit 14—15 M. soll mal in dieser Zeit bei der Teuerung aller Lebensmittel eine nur auf ihren Lohn angewiesene Arbeiterin versuchen, sich ein üppiges Leben zu leisten I Mag sein, daß dort andere Arbeiterinnen, die besser ein- gearbeitet sind, mehr verdienen. Aber selbst wcnu ein Lohn doppelt so hoch wäre, möchten wir die Arbeiterin sehen, die heute dabei große Sprünge machen könnte. Wenn doch die Herrschaften, die sich über.hohe" Löhne ereifern,.sich einmal klar machen möchten, auf welche Weise die Höchstlöhne erarbeitet werden. Mir Uebcrstunden, mit Einschränkung der Pausen für die Mahlzeiten, mit Akkordarbeit im Hetztempo wird die Leistungsfähigkeit bis zum Aeußcrsien au- gespannt, natürlich auf Kosten der Gesundheit des Arbeiters und der Arbeiterin, so daß der erzielte Lohn schließlich vielleicht nicht mal den Einsatz aufwiegt. Markcnerlös der Landesvcrsicherungsanstalt Berlin. Die Landesversichcrungsanstalt Berlin hat in den ersten fünf Monaten d. I. rund fünf Millionen Mark aus Marken- beitrügen vereinnahmt. Gegen 1915 sind Mindereinnahmen in Höhe von rund 280000 M. zu verzeichnen infolge größerer Betriebseinschränkungen in der T e x t i l- Warenbranche, Konfektion usw. Ausflügler sollen sich mit Proviant versehe«. DaS Kriegsernährungsamt weist aus folgendes hin: Die Pfingsttage werden bei günstiger Witterung in diesem Jahre einen besonders großen Ausflugsverkehr bringen. Den Ausflüglern ist die Pfingstcrholung und den Gastwirten die Einnahmen in dieser schweren Zeit wohl zu gönnen. Erstere müssen ober ernstlich daraus hingewiesen werden, daß bei den bevorstehenden Grundsätzen für die Verteilung der Lebensmittel auf die Versorgung größerer Alis- flüglermengen aus den am Orte vorhandenen Lebensmitteln nicht zu rechnen ist. Tcn Kurorten werden zwar zur Versorgung von Kurbedürfli- gen die nötigen Lebensmittel besonders zugewiesen werden, auf den Massenausflugsverkehr kann diese Maßregel aber ohne die ansässige Bevölkerung, insbesondere die schwer arbeitenden Personen zu schä- digen, unmöglich ausgedehnt werden. Jeder Ausflügler wird deshalb gut tun, sich die Nahrungsmittel nuS dem Heimaisorte mitzubringen. Die Gastwirte werden sich darauf einrichten� müssen, gegen Ablieferung der entsprechenden Mengen die Speisen herzustellen und zu liefern. Die Regelung der Bezahlung wird bei beiderseitigem guten Willen keine Schwierig- ketten bieten. Der allbewährte Brauch.Familien dürfen ihren Kaffee kochen" muß in jetziger Zeil auch auf andere Lebensmittel sinngemäß ausgedehnt werden. Pfingstsonnabend. 1. und 2. Pfingstfeiertag fällt die juristische Sprechstunde aus. Zwei neue Spielplätze in Groß-Berlin. In der weiteren Um- gebung von Berlin werden demnächst zwei neue Spielplätze an- gelegt werden. In der König-Heide läszr der Zweckverband Groß- Berlin auf dem Gelände zwischen Baumschulenweg und Johannis- thal einen großen Spielplatz errichten und in der Wuhlfjeide wird die Stadt Berlin in der Nähe des neuen städtischen Wasserwerkes eine derartige Anlage schassen. Der Spielplatz der Stadt Berlin in der Wuhlheide soll so zeitg fertiggestellt werden, daß er noch in den kommenden großen Schulserien vom Publikum benutzt werden kann. ' Wegen Beraubung von Kindern wurde gestern ein 18jähriges Mädchen in der Ackerstraße festgenommen. Bezug von Hängematten. Zur bevorstehenden Reisezeit sei darauf aufmerksam gemacht, daß auch in diesem Jahre von den Zöglingen der städtischen Blindenanstalt eine große Anzahl Hänge- matten in allen Größen und zu allen Preisen aus bestem Rohstoff gefertigt worden sind und in der Anstalt Oranienstraße 26 I werktäglich von 8— 3 Uhr zum Verkauf stehen. Gleichzeitig wird auf die m allen Größen vorrätigen Korbwaren, insbesondere auf der- schließbare Reisckörbe hingewiesen, wie auch auf die umfangreiche und leistungsfähige Stuhlflechterei der Anstalt. Auf schriftliches oder telephonisches Ersuchen(Amt Magistrat 266) werden Stühle aus der Wohnung abgeholt und wieder zugestellt. Untersagte Handelsbetriebe. Das Polizeipräsidium teilt mit: Auf Grund der Bundesratsverordnung vom 23. September 1915 hat der Polizeipräsident von Berlin der Firma Albers u. Gerlt, hier, Großbeerenstr. 86, sowie deren Mitinhaber Wilhelm Albers, ebendort wohnhaft, den Kaufleuten Franz Zuhmann, Berlin-Weißensee, Elsaß- straße 11, und Ernst Joseph,- Berlin-Weißensee, Trarbacher Str. 6, wohnhaft, den Handel mit Nahrungsmitteln wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt. Das Geschästslokal des Letzteren befindet sich hier, Burgstr. 29(Bierhaus Börse). Eine Diebin in Schwesterntracht treibt gegenwärtig im Westen Berlins und in Schöneberg ihr Unwesen. Sie hat es hauptsächlich auf Gastwirtschaften abgesehen, in denen nur eine Person zur Be- dienung der Gäste vorhanden ist. Dort erscheint die Krankenschwester, die einen sehr guten Eindruck macht, immer zu einer Zeit, wenn die Schankräume leer sind. Sie bestellt dann irgend ein Gericht, das augenblicklich nicht vorrätig ist und erst zubereitet iverden muß oder sie bittet den Wirt oder die Wirtin, ihr doch aus einer benachbarten Bäckerei Keks zu besorgen, welcher Bitte natürlich der Kranken- schwester gegenüber, die sich nur auf der Durchreise befinden will, gern entsprochen wird. Die Abwesenheit des Geschäftsinhabers be- nutzt die falsche Schwester dann, um alle erreichbaren Lehensmittel, Getränke usw. zu stehlen und die Ladenkasse zu plündern. Selbst Zigarren und Zigaretten verschmäht die Diebin nicht, mitzunehmen. Die Gastwirte seien also vor dieser Diebin in Schwesterntracht dringend gewarnt. Erschossen aufgefunden wurde in der Forst bei Friedrichshagen ein unbekannter junger Mann von etwa 13—29 Jahren. Er ist kaum mittelgroß, hat langes blondes Haar und trug einen graublauen Anzug, schwarze Knöpfstiefel, ein weißes Hemd und eine schwarze karierte Sportmütze mit den Abzeichen der Fahrradwerke Brennabor und des Turnvereins Jahn. Bei ibm fand man eine Browningpistole, ein Portemonnaie mit 35 Pf., ein Taschentuch mit dem Zeichen II und Rennbahnkarten. Die Leiche wurde nach der Friedhofshalle in Friedrichshagen gebracht. Gegen die Darlchnsschwindler gehen Kriminalpolizei und Straf- gericht scharf vor. Erst kürzlich zeigten ja auch die Verhandlungen gegen die Vermittler Winkler und Steinbock, die zu schweren Strafen verurteilt wurden, wie gemeingefährlich das Treiben dieser Blut- sauger ist. Jetzt wurde wieder ein„Geldvermiltler" verhaftet, ein Kaufmann Schneevogel, der in der Rosenthaler Straße seit drei Jahren wohnte. Dem in mittleren Jahren stehenden Manne werden ähnliche Geschäfte zur Last gelegt. Auch ihm war eS im wesentlichen um die»Jnformationsgebühren" zu tun, wenn er auch, um den Schein zu wahren, hin und wieder einmal wirklich Geld gab. Er wird auch beschuldigt, Wertpapiere, die ihm als Sicherhcitsunterlagen gegeben wurden, für seine eigene Tasche verkauft zu haben. Als der Vermittler auf Grund mehrerer Anzeigen verhaftet werden sollte, war er verschwunden. Gestern gelang es jedoch, ihn zu ermitteln und zu festzunehmen. Er wurde wegen fortgesetzten Betruges dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Donat Herrnfcld, Mitbegründer des Gebrüder-Herrnfeld-Theaters ist gestorben. Mit seinem älteren Bruder Anton hatte er einen be- sonderen Typ in dem Gebrüder-Herrnfeld-Theater geschaffen. Die beiden Herrnfelds waren nicht nur Theaterdirektoren, sie verfaßten vielmehr ihre Stücke selbst und was die Hauptsache war, sie gaben ihnen durch Uebernahme der Hauptrollen erst das richtige Gepräge. Kann auch der literarische Wert der Komödien„Endlich allein". .Die Partie Klabrias",„Hausierer Jockele",„Der Blumentopf" und wie sie alle noch heißen, nicht hoch eingeschätzt werden, die Haupt- fache war und blieb, daß das Publikum über die komischen Situa« tionen und Verwechselungen sich vor Lachen den Bauch hielt, zumal die Jüdelei und Mauschelei der beiden Herrnfelds ihre besondere komische Seite hatte. Begonnen haben die Herrnfelds ihre Lauf- bahn unter dem Namen„Budapester Possentheater", das sie in einem im Alexanderplatz-Hotel gemieteten Esaale untergebracht Batten. Später mimten sie lange Zeit in Kaufmanns Variels in den Königs- kolonaden, bis sie in der Kommandantenstraße sich ein eigenes Theater schufen. Dir Dampfschiffsrecdcrei Kahnt u. Hertz er, Berlin C 2, veranstaltet an den drei Pfingstfeiertagen Extrafahrten ab Waisen- brücke nach T eup itz, KrampenlTurg, Neue Mühle und Ziegenhals. Die Fahrten durch den Hohenzollernkanal ab Reichs- tagsufer-Bahnhos Friedrichstraße werden in diesem Jahre, außer nach Schleuse Niederfinow und Werbellinsee, auch nach Neu-Ruppin Sonntags, Donnerstags und in den Ferien auch Dienstags stattfinden. Die Fahrten beginnen am Sonntag, den 18. Juni, abwechselnd nach den drei Richtungen. Näheres über die ersten Fahrten besagt das heutige Inserat. Pläne für den Sommer gibt die Reederei, Stralauer Brücke 4, Fernspr. König- stadt 2962, gratis.__ Ms öen Gemeinden. Teuerungszulagen für städtische Arbeiter und Beamte in Charlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beriet am Mittwoch einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, durch den der Magistrat ersucht wird 1. behufs Gewährung einer weiteren Teuerungszulage an die städtischen Beamten, Arbeiter und sonstigen Angestellten mit weniger als 3999 M. Jahreseinkommen ihr mit möglichster Beschleunigung eine Vorlage zu unterbreiten; 2. behufs Gewährung eines S o m m e r u r l a u b s für die in städtischen Diensten stehenden nichtständigen Arbeiter der Ver- sammtnng so zeitig eine Vorlage zu machen, daß der Urlaub noch in diesem Sommer gewährt werden kann. Der Antrag fand bei allen Fraktionen liebevolle Aufnahme, wenn die Redner auch in Einzelheiten von einander abwichen. So wurde u. a. die Heraufrückung der Grenze für die Teuerungszulagen auf 5999 M. und ein Zusammengehen mit den übrigen Groß- Berliner Gemeinden angeregt. Die Gewährung eines Urlaubs an solche Arbeiter, die infolge des Krieges aushilfsweise eingestellt und schon längere Zeit in städtischen Betrieben tätig sind, wurde allseitig begrüßt und der Erwartung Ausdruck verliehen, daß der Magistrat dem Antrage Folge leistet. Ob das der Fall sein wird, bleibt ab- zuwarten. Die Antwort des Bürgermeisters Dr. Maier, daß die i Lebensverhältnisse fest dem Oktober borigen Jahres, wo die letzten Teuerungszulagen be�villigt sind, keine wesenrlichen Verschiebungen erfahren hätten, berechtigt gerade nicht zu besonders weit gesteckten Hoffnungen._ Beschränkung des.Kartoffelbezugs für Charlottenburger Einwohner. Charlottenburg war bekanntlich eine der wenigen Groß-Berliner Gemeinden, die sich Useigerten, die Groß-Berliner Kartoffelkarten einzuführen. Dort koniske bisher noch jeder Einwohner so viel Kar- toffeln beziehen, wie es stein Geldbeutel erlaubte. Dieser Zustand ist jedoch auf die Dauer unlialtbar geworden, und besonders in den letzten Tagen, als im Ostie das Gerücht verbreitet wurde, die Kar- toffeln würden bis zmw Preise von 99 Pf. für 19 Pfund steigen. Die Folge davon war erhe starke Nachfrage nach Kartoffeln, die sich jetzt zu einer Kartoffelkncippheit entwickelt hat. Infolge dessen hal sich der Magistrat veranlsaßl gesehen, anzuordnen, daß für diese Woche Speisekartyffeln nitr noch gegen Vorlegung der Brotkarten (63. Woche) abgegeben w klden dürfen. Neben der Brotkarte muß auch die städtische Lebensnüttelkarte vorgezeigt werden. Auf jeder Brotkarte werden nur 3 Pfsund, auf einmal aber nicht mehr wie 18 Pfund abgegeben, die Brotkarten werden entwertet. Tie Eröffnung der l3. Volksküche in Schöneberg, Monumenrenstr. 35, findet am heutigen Tage statt. Die Berab- folgung der Speisen, die in är'r Küche eingenommen werden, geschieht vormittags von 11 bis l�/z, das Abholen der Speisen für die außer- halb der Küche Essenden vost 11 bis 1 Uhr. Die halbe Portion kostet 25, die ganze 35 Pfenntzze. Die 2. M i t t e l st a n d»s k ü ch e_in der Bülowstr. 2 ist ebenfalls fertiggestellt. Dort werdstn die Speisen von 12 bis 21l3 Uhr zum Preise von 69 Pf. pro Poulion verabfolgt. Speisen, die außer- halb der Küche eingenommen vserden, müssen in der Zeil von 12 bis 2 Uhr abgeholt werden. Die Abholer sind verpflichia.t, die Marke für die Entnahme der Speisen schon am Tage v o r h est' zu lösen. -'v— Eiermarken in Potsdam. Die Kriegsfürsorgeabteilung des Potsdamer Magistrats hat sich für die Einführung von Eiermarker.t. entschieden, um eine gleichmäßige Verteilung dieses leider immer selfcener werdenden Nahrungsmittels verbürgen zu können. Die bisher in Geltung befindliche Eintragung der bezogenen Anzahl von Eiern auf dem Lebensmittelausweis scheint sich also nicht bewährt zu haben. Der Markenzwang soll Haupt- sächlich das Einhamstern verhindern.� Ms aller Welt. Ei» Amtsvorsteher als(fiesetzesverächter. Vor dem Landgericht Stendal w»ir der Amtsvorsteher Friedrich Schulze aus Zethlingen angellagt, etwa 35 Zentner Brotgetreide(Roggen) trotz Verbog? verfüttert und ver- schrotet sowie mindestens 199 Zentner: Getreide bei der Be- standsaufnahme zu wenig angegelben zu haben. Das Ge- richt verurteilte den Angeklagten wegen des ersten Teils der An- klage zu 1999 Mark Geldstrafe,, während es Wegendes zweiten ungenügenden Beweises halber mlf Freisprechung erkannte. Der Staatsanwalt hatte zwei Monate Ge�ngnis beantragt. Sein Amt als Amtsvorsteher hat der Angeklagte piedergelegl. Wenn schon Leute, die als Gesetzeshüter bestellt sind, sich um die behörd- lichen Verfügungen nicht kümmern, dann braucht man sich nicht zu wundern, daß sich andere Landwirte erst re.fst keine Gewissensbisse maiben. «nar.'�r'jwcawinwa'.'wi.m« riiwiiiww SozialöemokratisclieFWahlverBin LiLOerl. Reisöslagswaiilkreis. 18. Abt. Bez. 812. Am Mittwoch, den 7. Juni, ver- starb unser Genosse, der Plissee- brenn er krielfridi Kullick Badstr. 17. Ehre seinem Andenken k Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 19. Juni, vor- mittags 11 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/11 Der Borstand. Am 7. Juni starb unser lang- jähriger Kollege, der Schristsetzer Hernmim Schultz. Ehre seinem Andenken! Die Kollegen der Buchdruckerei Roscnthal u. Co. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. d. M., nach- mittags 4 Uhr, aus dem Elisabeth- Friedhos, Prinzenallec, statt. s902L Als Opser des Weltkrieges starb am 3. Juni im Lazarett infolge seiner Verwundung unser lieber Sohn und Bruder, der Musketier IBrldi Brandt Jnf.-Reg. Nr. 29. I Familie Brandt Margarete Brandt geb. Ziethlr 8076 nebst Tochter. Handlung. Kammgarne, Tuche, Cheviots, blau und farbig. Covercoats, Staub- und Regenmäntelstoffe.* Moderne Kostüm- u. Rockstoffe. Taffle, Seiden, in echwarz und farbig, zu Kostümen, Mänteln, Kleidern u. Blusen. Riesenanswahl i, Stoffen für Herren- und Knaben- Anzüge. Damen- Konfektion. Kostüme, Mäntel, Röcke usw. in großer Auswahl, ohne Preis-Erhöhung. Gediegene MaSanfertigung. Paul Karle, I Warschauer Straße 18. Umfangreiche Posträuberelen halte die Wltlve Gl ätz er be- gangen, die im Postamt von Hirschberg seit längerer Zeit als Aufwärterin besdiästigt ist. Einem diensttuende» Beamten fiel die geringe Anzahl der eingelieferten Feldpost paketchen auf. Da auch sonst Verdachtsgründe vorlagen, wurde in der Woh- nung der Frau G. eine polizeiliche Haussuchung vorgenommen, wo man eine ganze Wageuladung gestohlener Pak eichen, sorgsam aufgeschichtet, vorfand und wegschaffen ließ. Die Diebin gestand ein, schon seit April vorigen Jahres die Diebstähle betrieben zu haben. Große Flundernfänge in der Danziger Bucht. So riesig, wie vor einigen Monaten die Breitlingefänge in der Danziger Bucht waren, schreibt die„Deutsche Tageszeitung", so gewaltig lassen sich auch die Flundernfänge au. Vor etwa vier Wochen hat der Flundernfang in der Danziger Bucht begonnen, während die Flundern zunächst spärlich waren, gestalten sich jetzt die Fänge immer größer.— In Danzig, wo ein erheblicher Teil der Fänge verbleibt, beträgt jetzt der Höchstpreis für das Pfund Flundern 39 Pf. In den Großstädten wie überhaupt im Binneulmrde merkt man allerdings nichts von dem reichen Fifchfegen. Dort ist der Fisch jetzt ein ebenso teures Nahrungsmittel wie das Fleisch. Branntweinvcrbot in Norwegen. Jeglicher Verkauf und AuS- fchank von Branntwein ist, wie aus Kristiania depeschiert wird, in ganz tllorwegen verboten worden. Gleichzeitig wurde die Einfuhr von Branntwein, Wein, Bier und anderen alkoholischen Getränken untersagt. Die Verbote treten sofort in Kraft Lippa ist nicht Kiß. Das Landwehrdivisionsgericht in Pilsen, bei dem sich der Landsturmmann Lippa in Untersuchungshaft be. findet, hat, wie die„Narodni Lifty" melden, aus Budapest die Per- ständigung erhalten, daß Lippa mit dem Frauenmörder Kiß nicht identisch ist. parteiveranftaltungen. Zweiter Wahlkreis. Heute Freitag, abends Mz Uhr, in der Viktoria-Brauerei, Lützowstr. 112: Fortsetzung der Generalversammlung vom 6. d. Mts. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes sowie Bericht der Kommissionen. 2. Aufstellung der Kandidaten zum Vor- stand und zu den Kommissionen zu der anr 18. Juni er. stattfindenden UrWahl. 3. Wahl des Krcis-Bildungsausschusses sowie des Zentral-Wahlkomitees und Wahl der Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung. 4. Verschiedenes. Allgemeine Kranken, und Stcrbekafie der Metallarbeiter zu Hamburg(V. a. G.), Filiale B a u m f ch ul e n w e g. Den in Treptow wohnenden Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 19. Juni, abends von S1;,— 19 Uhr, im Lokale von Borch, Elsenstr. 191 (Ecke Kiesholz straße), kassiert wird. Eingegangene Druckschristen. Die Eiche. Vierteljahrsschrist für Freundschastsarbeit der Kirchen. Herausgeber: F. S. Schnitze. 4. Jahrg. Nr. 2 und 3. Jährlich 3 M.— Geschästsstelle t Berlin, Fruchtstr. 64. Auslese der Tüchtigen. Bon Dr. Harinacke. Geh. 1,29 M.— Tiere der Vorzeit. Bon E. Haase. Leinenband 1,89 M.— Wifsen- fchoft und Bildung. Bd. 54: Das Christentum im Weltauschauungs- kämpfe der Gegenwart. Von A. Hunzinger.— Bd. III: Gesundheitspflege des Weibes. Von Prof. Dr. P. Swaßmann. Einzelb. geb. 1,25 M.— Quelle u. Meyer, Leipzig. Anleitung zur Erhaltung der diesjährigen Qbfternte. Be. arbeitet von Elise Hannemann. 29 Pf.— C. HchmannS Verlag, Berlin Semper der Mann. Eine Künstler- und Kämpfergeschichte von Q. Ernst. 5 M., geb. 6 M.— L. Staackmann, Leipzig. �-t Neue fertige Herren» UeberiÄF u.Mäntel msms-som. Röcke und Weslen Zs°°. 4200, S400 m. Elegante Anzüge 11 Zz. 4S, 54-85 m. BeinkleideF 8-°.«°°. 18°°.!�°. i5-21oom. Modernü Regenmäntel in Lodenstoffen von m. 2250 an, in impr. Stoffen von M. 2650 an, Eurnmi-Mntei von M. ir an. ,Alle Weiten vorrätig. Gute Abarbeitung, vorzügliche Paßformen t= Leichte Sommerkleidung;. Neu aufitzenommen; Fesche J ü n g;l i n gs= An z ü ge moderne Sportformen, erstklassiger Sitz und Ausführung ganz außergewöhnlich preiswert R. Landsberger o. m. b. 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Möbelfabrik.Hoffnung' Emgetragcne Genossenschaft mit be- schränkter Haftpflicht. Berlin, Krautstraße 52. Bilanz am 31. Dezember 1915. Aktiva. M. Kassenbestand..... 117,29 Warenbestand..... 21 923,— Materialien...... 11 739,71 Maschinen...... 13 077,— Werkzeuge...... 6 498,25 Utensilien...... 1 461,— Pferd und Wagen... 809,— Muster und Modelle.. 999,— Debitoren...... Ig 394,38 Bantkonw...... 2 938— Postschecktonto..... gs'es Bantdepositenkonto... 1 000,— Konto Dubio..... 4009_ Gewinn- und Verlustkonto 13 622'30 öö 569,61 Passiva. M. Kreditorenkonto.... 13 149,92 Akzepttonto...... 903,59 Darlehnskonto..... 81 325,19 Anteilkonto...... 1 200,— 9b 569,61 Im Jahre 1915 ist ein Genosse gestorben und ein Genosse ausge« treten. Am Schlug des JahreZ waren 24 Genossen mit einem Ke- schästsguthaben und einer Gesamt- bastsumme von 1299 M. vorhanden. Die Geschäftsgnthaben und die Ge- samthastsnmme haben sich um 199 M. oermindert. 152/14 »«r- Voi-staael. H. Fengler. W. Langer. vr~