Nr. 159. EboonementS'Bedlnsunsen: ilbonnementS. Preiz pränumerando LierteljShrl. 3,90 MI, monatl. l,Z0 Mk. wöchentlich 80 Pfg. frei ins Hauz> Einzelne Nummer ö Pfg> Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue WelT 10 Pfg. Poft- Wonnement: 1,80 Marl pro Monat. Eingerragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an Belgien, Dänemarl, Holland, Fwlieir, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. SS. Jahrgang. die InkrNonZ-SedM»? beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Pfg, für politische und gewerlschastliche Vereins- und Vcrfammlungs-Änzeiaen 80 Pfm „Kleine Hmcigen", daS tettgedrullte Wort 20 Mg.(zulässig 2 fettgedrirclie Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pig., jedes wettere Wort S Pfg. Worte über IL Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Exvcdition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends gcöiftiet, erscheint täglich. Vevlinev VolksblAkt. rSegramm-Adresse: »ZoÄpIiimsIirilt llcrlin". �entralorgan äer fo�ialäemokrati fcken Partei Veuttcklanäs. Neöaktion: EW. öS, Linüenstraße 2. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. ISl. 30—131 37. Sonntag, den 11. Juni 1916. Expedition: SM. 6$, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 13133—13137. Pfingsten. Als das Fest der Ausgießung des heiligen Geistes wird von der christlichen Kirche Pfingsten begangen. Im Kapl tel 2 der Apostelgeschichte wird das Pfingstwunder also ge schildert: „Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander; und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt wie von Feuern; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.... Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre, und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hatten ihren Spott, und sprachen: Sie sind voll süßen Weines. Da trat Petrus auf mit den Elfen, erhub seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, lieben Männer, und alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei Euch kund- getan, und lasset meine Worte zu Euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht trunken, wie Ihr wähnet; sintemal es ist die dritte Stunde am Tage. Sondern das ist's, das durch den Propheten Joel zuvor gesagt ist:„Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch. Und ich will Wunder tun oben im Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf. Die Sonne soll sich Verkehren in Finsternis, und der Mond in Blut, ehe denn der große und offenbarliche Tag des Herrn kommt...." Wie seltsam mutet diese biblische Pfingsterzählung, in der naive Wcltbeschauung uralte Menschheitssehnsucht nach dem„Reiche Gottes", einein Reiche des Friedens und der Menschheitswohlfahrt, gestaltete, in diesen Zeiten an, wo eine Welt in Waffen gegeneinander tobt, wo viele Millionen im Werke der Selbstvernichtung gegeneinander wüten, wo das Blut in Strömen fließt und alles erschütterte Menschheits- gefühl nur jene apokalyptische Schilderung zur schauerlichen Wahrheit geworden sieht:„die Sonne soll sich Verkehren in Finsternis und der Mond in Blut." Und dennoch lebt gerade während dieser Pfingstzeit des ewig denkwürdigen Jahres 1916 in aller Herzen die glühende Hoffnung, daß sich bald er- füllen möge die Verheißung, daß„der große und offenbar- liche Tag des Herrn kommt", daß Frieden und Menschlichkeit zurückkehren in die verwüsteten Gefilde des Erdballs, daß nach der Opferung so vieler Millionen blühender Menschenleben endlich ein langes Zeitalter ruhiger und stetiger Kulturarbeit anbrechen möge. An„Blut und Feuer und Rauchdampf" hat es in den nun bald vollendeten zwei Kriegsjahren wahrlich nicht ge- fehlt. Ob wir nun auch die„Wunder oben im Himmel und Zeichen unten auf Erden" erleben werden? Das wird von der historischen Einsicht der europäischen Menschheit abhängen. Furchtbar tobt zurzeit noch der Völker- krieg, und wenn es allein auf die öffentlichen Kundgebungen der Kriegführenden ankäme, hätten die Pessimisten ein Recht, noch mit unabsehbarer Kriegsdauer und, nach dem sogenann- ten Frieden, mit dauernder Völkerzerklüftung, mit schonungs- losem Wirtschaftskrieg, mit schrankenlosem kolonialen Aus- weitnngsdrang, mit gesteigertem imperialistischen Konkur- renzkampf, mit schrankenlosesten!, neues Unheil gebärenden Wettrüsten zu Wasser, zu Land und in der Luft zu rechnen. Der erste Weltkrieg wäre dann mit einem— sei es längeren, sei es kürzeren— Waffenstillstand abgeschlossen, und im Schoß der Mächte häufte sich der unheilschwangere Zündstoff, aus dem dann unverhofft wieder die Flamme einer neuen, noch furchtbarer Weltkatastrophe emporschlüge. Solchen Pesiimistcn begegnen wir auf den verschieden- ften Seiten. Im Lager der Imperialisten und Nationalisten, die nur die„realen Garantien" der Kanonenschlünde, der Dreadnougths und der stärksten Bataillone als Friedens- oder je nachdem auch als Stegespfand gelten lassen und den Krieg trotz der entsetzlichen Erfahrungen dieser zwei Jahre für einen unentbehrlichen Bestandteil der göttlichen Weltord� nung halten. Aber auch in den Reihen gewisser Sozialisten, die den Imperialismus und damit das Wettrüsten und den Krieg für einen immanenten Bestandteil des Kapitalismus halten, darum alle pazifistischen Ideale für schöne, aber illnsio- näre Hirngespinste erklären, und einzig von dem raschen Triumph der sozialen Demokratie eine Verminderung und Verhütung der Weltkriegsgefahr erwarten. Und man wird zugestehen müssen: Beide Teile können sich mit Recht aus die furchtbaren Erfahrungen der Geschichte, den bisherigen Verlauf der kapitalistischen Entwicklung be- xysen. Die Imperialisten und Nationalisten haben Recht behalten, und nicht minder die Sozialisten, die alle bürger liehen Völkerverbrüderungs- und Abrüstungsprojekte als Welt fremde Utopien mit beißendem Spott Übergossen haben. Dennoch: alle Lehren der Vergangenheit haben ihre zeit liche Grenze. Wer wollte behaupten, daß das, was nie zu vor war, auch in Zukunft nicht Wirklichkeit werden könnte? Sind nicht aus den kleinen schweifenden Horden der Wilden, die sich in ewigen Stammeokriegen zerfleischten, in sich ge friedete, mächtige, nach vielen Millionen zählende National staaten geworden? Und wäre der Fortschritt vom Familien verband, von der Horde zum Nationalstaat— und wir haben auch schon zahlreiche internationale Staaten— etwa geringer, als es der Fortschritt vom Nationalstaat zum internationalen Staatenverband wäre? Selbst unsere fanatischsten Nationalisten rechnen ja für die Zukunft init ganzen Mächtegruppen, mit internationalen Wirtschafts- und Staatenverbänden. Es kommt also nur aus den Umfang und die Gruppierung dieser inter nationalen Verbände an: diesen selbst haftet auch nach Ansicht unserer Imperialisten durchaus nichts Utopisches an. Viel weniger noch können Sozialisten die Idee des inter nationalen Zusammenschlusses der Nationen mit dem Argu ment abtun, daß das etwas noch nicht Dagewesenes und darum Jrrealisierbares sei, ist doch erst recht der Gedanke der Vergesellschaftung der Produktionsmittel und der wahrhaften proletarischen Internationale etwas, was im Weltgeschehen völlig neu und unerhört wäre. Und doch fällt es keinem Sozialisten ein, aus dem bisherigen Verlauf der Geschichte die Unmöglichkeit der Verwirklichung der Ideale des Sozia lismus zu folgern. Darin freilich haben Nationalisten und Sozialisten recht, daß das innerste Wesen des Kapitalismus und imperialisti scheu Nationalismus bisher die wirtschaftlchen Gegensätze zwischen den Nationen und Nationalitätengruppen aufs äußerste zugespitzt und schließlich bis zur Katastrophe dieses Weltkrieges getrieben hat und daß ans diesen Erfahrungen wenig Zutrauen zu einem künftigen friedlichen Atisgleich zu fassen ist. Wie nun aber, wenn die Weltkatastrophe dieses Krieges, um das vom Reichskanzler gebrauchte, äußerst tref sende Wort immer wieder anzuwenden, nunmehr den Beweis lieferte, den nüchternen, harten, schlagenden Tatsachenbeweis, daß die imperialistische Konkurrenz und ihre letzte Wesensbekundung, der Krieg, der Weltkrieg, mit seinen militaristisch-imperialistischen Mitteln erst recht nicht zu einer, sei es auch nur zeitweiligen Entspannung führte, sondern geradezu nach einer neuen Lösung drängte? Wie, wenn die ultiom ratio die Kanonenschlünde in diesem Falle völlig versagte, wenn das Schwert den gordischen Knoten diesmal n i ch t zu durchhauen vermöchte, sondern wenn der S t a a t s m a n n s ku n st die Lösung des Problems der Nebeneinonderarbeit der Nationen Europas vorbehalten bliebe? Wenn diesmal die„Federn" der Diplomatie nichts zu„verderben", sondern erst einzuren- ken hätten, was das allzu jäh aus der Scheide gezückte Schwert vergebens zu erreichen versuchte?! � Der Gedanke der Abrüstung, der internationalen Schieds- gerichte, war unstreitig so lange eine Utopie, ein müßiges Gedankenspiel, eine platonische Einbildung, als der Imperialismus und Militarismus als Werkzeug der nationalistisch- kapitalistischen Interessengegensätze mit ihren realen Macht- ntitteln eine reinliche und klare Entscheidung herbeiznführen hoffen konnten. Aber in dem Augenblick, wo diese scheinbar realen Mitteln versagen, wo die Wage der Macht der Bajo- nette unablässig schwankt und trotz aller Ausschläge stets wie- der ins Gleichgewicht zurückkehrt, wird e r zur ehernen ge- schichtlichen Realität und die militaristischen Machtmittel der- blassen ihrerseits zu ideologischen Schemen. Als Ergebnis des dauernd unentschiedenen Zusammenpralls erlangt der Gedanke des Ausgleichs und der Abrüstung die ausschlag- gebendste realpolitische Bedeutung, erscheint er als letzte und einzige Lösung des sonst unlösbaren Jnteressenkonflikts! Sicherlich: Manchen Militärstaaten würde solch ein Er- gebnis des grandiosesten geschichtlichen Ringens der stärksten Waffenmächte der Weltgeschichte erheblich wider den Strich gehen. Rußland mit seinen unerschöpflichen Menschenreserven und seinen unbegrenzten wirtschaftlichen Entwicklungsmög» lichkeiten würde eine Rüstungsbeschränkung im Grunde ebenso unangenehm empfinden, wie England eine Einschränkung Geheimnis war, so würde der international zu regelnde Kon- trollapparat um so leichter und zuverlässiger funktionieren, als alle Staaten, auch die kleinen neutralen Staaten, daran aufs lebhafteste interessiert wären und jeder illoyale Versuch der Täuschung alsbald entlarvt und vor das zuständige inter» nationale Forum gezogen werden könnte. Wenn auch das Wort, daß wo ein Wille vorhanden sei, auch stets ein Weg zu finden wäre, häufig eine zweifelhafte Banalität darstellen mag, so würde es für die angedeuteten internationalen Vereinbarungen doch vollste Geltung bcan- spruchen dürfen. Wäre erst die fundamentale Der- ständigiing erzielt, so böten die Abmachungen im e i n z e l- neu sicher nicht die geringsten Schwierigkeiten. Auch der sozialistische Einwand, daß dem Kapitalismus mit seinen Zwietracht erzeugenden Tendenzen nicht über den Weg zu trauen sei, fände dadurch seine Erledigung, daß gerade darum eben alle Kräfte der sozialen Demo- kratie in den schärf st en Ueberwachungsdienst dieser Vereinbarungen gestellt werden in ü ß t e n. Die prinzipielle Entschiedenheit des proleta- rischen Emanzipationskampfes erlitte durch die Verbreitung des proletarisch-demokratischen Betätigungsfeldes doch wahr- hastig keine Verininderung, gleichviel, durch welche Umstände die breitere Basis erreicht worden wäre. Es wäre sehr zu wünschen, daß unsere Politiker und Parlamentarier diesen Gedanken, die im neutralen und feind- lichen Ausland von verständigen Beobachtern des Weltkrie- ges längst eingehend erörtert werden, einmal gründlichst nachgehen würden. Wahrscheinlich würde dann der Ausweg aus dieser Weltkatastrophe rascher gefunden werden, als wenn man den Ereignissen noch länger fatalistisch zuschaut. Sicherlich haben heute dessen noch viele ihren Spott: „Sie sind voll süßen Weines." Aber wir antworten gelassen mit Petrus:„Denn diese sind nicht trunken, wie Ihr wähnel; sintemal es ist die dritte Stunde am Tage." Und im andern Sinne, wenn nicht alles trügt, die elfte Stunde dieser Welt- katastrophel Klarheit unö Wahrheit. EinRückblickaufdieletzteReichstagstagung. IL lieber die angebliche innere Wandlung der Sozialdemokratie im Kriege waren infolge der von ihrer Vertretung im Reichstage geschehenen Stellungnahme gar wunderliche Vorstellungen in Umlauf gekommen. Die letzte Frühjahrstagung des Reichstags hat mit ihnen bereits zu einem guten Teil wieder aufgeräumt. Die Bildung der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft hat die Vertretung entschiedener sozialdemokratischer Politik im Reichstage wiederum ermöglicht und dadurch ist allmählich auch das in der Geschichte schon recht schwankend gewordene Charakterbild der Sozialdemokratie wieder in einen festen Rahmen gebracht. Scnvohl im bürgerlichen wie im eigenen Lager findet man sich allmählich wieder zurecht. Als die Ar- beitsgemeinschaft gegründet wurde, da wurde sie in der Mehr- heitspresse unserer Partei als ein lebcns- und aktions unfähiges Gebilde hinge st ellt, das in kurzer Zeit wiederum zerfallen werde. Ihre Mitglieder wurden in wenig parteigenössischer Weife als Idioten, Trot- tel, Faulenzer und Nichtswisser charakterisiert. Nur einzelnen von ihnen wurde gnädigst zugestanden, daß sie für par- lamentarische Arbeiten in Frage kommen könnten, anderen dagegen wurde ihre völlige Unfähigkeit dazu attestiert. Nunmehr liegen zehn Wochen Parlamentart- scher Arbeit der Arbeitsgemeinschaft vor und sie haben all diese kleinlich-gehässigen Verdächtigungen gründ- lich ack adsnrdurn geführt. Die Fraktion als Ganzes kann das Bewußtsein für sich in Anspruch nehmen, die Zustimmung der meisten Parteigenossen, die ein grundsätzliches Auftreten stn Parlament für erforderlich halten, zu haben. Die Mehrhettsführer der alten Fraktion schieben immer- fort krampfhaft die Frage nach der Richtigkeit der Abstim- mung vom 4. August 1914 und die grundsätzliche Stellung zur Landesverteidigung in den Vordergrund der Parteidis- kusston und machen diese beiden Punkte auch zur Grundlage ihres Auftretens im Reichstage. In Wahrheit handelt es sich aber längst nicht mehr um diese beiden Fragen. Es hau- delt sich vielmehr nm dos Verlassen der nach dem Pro- gramm der Partei und den BesMüssen ihrer Parteitage und seiner Flottenriistiing, die seiner absoluten Seeherrschaft ein I Kcr internationalen Kongresse' orientierten grundsätzlichen Ende machte. Aber der Druck der Wirtschaftsnöte und die i Politik der Partei und nnl das Betreten eines Weges, völlig neue Konstellation der Mächte würde ihm das Zuge> stänbnis ebenso abringen, wie es den Weltbeherrschungsphan- tasten anderer Nationen Zügel anlegen würde. Wegen der Durchführbarkeit solcher internationaler Ab- niachungen brauchte man sich aber vollends keine grauen Haare wachsen zu lassen. Zuverlässige Kontrollinstanzen wären mit Leichtigkeit zu schaffen. Denn wenn schon heute der Stand der militärischen Rüstungen für alle Staaten kein der zu einer rein opportunistischen Politik der Anpassung an die innere und äußere Politik des Jiupe- rialismus führt. Aus der Not haben die Mehrhettsführer eine Tugend gemacht, was als Notwehrhandlung eine ge- schichtliche Episode hätte bleiben können, haben sie zum Aus- gangspunkt einer neuen Orientierung der sozial- demokratischen Politik und besonders der Pariamen- t a r i s ch e n Taktik im Reichstage gemacht. Dadurch erst sind die Gegensätze in der Partei verschärft und auf die Spitze gctricBen worden, dadurch auch ist letzten Endes die Frak- tionsspaltung verursacht worden. Es ist deshalb selbstver- ständlich, daß auch der Gegensatz in der parlamentarischen Arbeit der beiden Fraktionen Heroortritt als der Gegen- sah zwischen grundsätzlicher und opportn- � ni st i scher Politik.. An der Kriegsfrage entzündet, ist dieser Gegensatz auch D£H' allem bei den mit dem Kriege und seinem Abschluß zusaim.'enhängeirden Fragen am schroffsten hervorgetreten. Tie altö Araktiott hat den alten Grundsatz der Arbeits- t e i l u n g.des internationalen Proletariats auf den Kopf göstelllt, der vom Proletariat jedes Landes die Bekämpfung dkn eigenen Regierung und der hinter dieser stehenden Gesellschastsschichten verlangt. Sie bckainpfh die ausländischen Regierungen und ausländischen Kapitalisten und stellt sich mit iyrem moralischen Gewicht hinter die eigene RegieUmg und die einheimschen Kapitalisten. Tie Arbeits- gemeinschaft hält auch im Kriege an der alten Taktik fest, so selbstverständlich ihr auch die Unabhängigkeit und Unver- sehrtheit des eigenen wie jeden Landes ist. Sie hält es daher für ihre Pflicht, den politischen Druck, den sie auszuüben vermag, aus die eigene Regierung auszuüben, um so dem Trängen jener einflußreichen und Machngen Gesellichasts- schichten entgegenzuwirken, die stürmisch und drohend, ver- steckt und offen, den Kr i e g s ab sch l uß r n an t r s o z i a- listischem und asttidemokratlschem Sinne fordern. Die Gesamtinteressen der Volker und der Gesamt- Menschheit verlangt die Arbeitsgemeinschaft auch lm Kriege gewahrt. Daher hat sie beim U-Boot-Kneg die Wahrung der völkerrechtlichen Grundsätze verlangt, wo- nach Richtkämpfer und vor allem Frauen und Kinder auf neutralen und feindlichen Handelsschiffen nicht dem Tode infolge Torpedierens ausgesetzt werden dürfen. Die alte Frak- tion gab diese völkerrechtlichen Grundsätze preis und forderte nur rein opportunistisch bei der Torp?dierung von Schiffen die nötige Rücksicht, um Verwicklungen mit neutralen Län- dern zu vermeiden. In der Frage der A n b a h n u n g de s Friedens verlangt die Arbeitsgemeinschaft vom Reichs- kanzler das unzweideutige Angebot eines � für alle Teile antterionslosen Friedens. Die alte Fraktion wollte diese Forderung in den bekannten Erklärungen des Kanzlers be- reitS erfüllt sehen und schloß die Ohren vor dessen unzwer- deutigcn Acußerungen, in denen Grenz- und Machterweste- rungen gefordert werden. Sie bewilligte wertere 5k r.i e g s k r e d i t e und behauptete dabei im strikten Gegen- satz zu ihren eigenen Erklärungen im Dezember vorigen Jahres, das Ziel der Sicherung sei noch nichts erreicht. Die ?lrbdtsgemeinschaft lehnte die neuen Kredite in(Konsequenz ihrer grundsätzlichen Stellung ab. � Tie früher— so noch 1912 anläßlich der Marokkofrage— stets von der Partei abgelehnte Trennung zwi- scheu äußerer und innerer Politik wurde zetzt von der alten Fraktion benutzt, um ihre rein opportynistisch gehaltene Ablehnung des Reichsetats miß � dem Kurs der inneren Politik und dem in den Etat hineingeäubel- teten Bündel neuer indirekter Steuern zu begründen. Dce Arbeitsgemeinschaft lehnte den Etat gemäß den Parteibeschlüs- sen mit der in einer Rede zum Ausdruck gebrachten grund- stch!'che» Begründung ab, daß damit die Stellung der So- zialdemokratle zum gegenwärtigen kapitalistischen System bekundet werde. Die neuen indirekten Steuern lehnten beide sozialdemokratische Fraktionen ab. Die 51r icgssteuer nahm die alte Fraktion an, da sie eine Besitzsteiier ist und für später als Keil wirken werde. Die Arbeitsgemeinschaft hatte zwar bei 8 1 des Gesetzes, der das Prinzip der Kriegsstener ausspricht, dafür gestimmt und ebenso auch fürwlle Verbesserungen, als aber bei der Endab» stimmung die Frage des Verwendungszwecks und die konkecle politische Situation zu erwägen war, dagegen gestimmt, da der Krieg ihre Ursache sei, der bürgerliche Steuerblock das sozialdemokratische Stimmengewicht völlig ausgeschaltet habe und mit Dreiviertelmehrheit für sein Ksmpromißwerk eintrete, so daß durch die Ablehnung keine ungünstigere Besteuerung der Volksmassen eintre- ten könne. Die Arbeitsgemeinschaft bat demgemäß dem vom Jenaer Parteitag 1913 aufgestellten Steuerprogramm und dein Dresdener Taktikbeschluß auch in der Steuer- potzitik scharf die Grenzlinie innegehalten, die einer sozial- demokratischen Oppositionspartei innerhalb der kapitalistischen Staatsordnung in der Bcreitstelleung von Steuergeldern ge> zogen ist. Bei der Zurückweisung der gegenwärftgcn Be- s ch r ä n k u n g der Rechte und Freiheiten i in In- n e r n gingen beide Fraktionen zwar im allgemeinen denscl- den Weg. doch war auch hierbei die Arbeitsgemeinschaft vor allem die Drängerin, wie bei Belagerungszustand und Z e n s u r. Bei der Wahrung der parlamentarischen Redefreiheit anläßlich Liebknechts Vergewaltigung folgte die Führung der alten Fraktion nur zögernd und ließ auf hal- bei» Wege Halt machen. In der 51ritik des Kriegs- u' u ch e r s und der Systemlosigkeit und Mangelhaftigkeit der Volkse rnährung herrschte bcl beiden Fraktionen lieber- einststnmimg, ebenso ist einer großer Zahl sozialpoliti» scher Fragen, bei der Mrlitärkritik usw. Bei der 5» o l o u i a lp o l i t i k vertrat die Arbeitsgemeinschaft den asten. ablehnenden Standpunkt, die alte Fraktion schwieg sich ans. Zwei Bescherungen der„Neuorientierung" zeigten da- gegen wiederum deutlich den-Gegensatz Zwilchen opporhinisti- icher und grundsätzlicher Politik in der Stellungnahme der beiden Fraktionen.. Das Kapitalabfindungsgesetz, das" Kriegsbeschädigte ans ihren Antrag ansiedeln soll, fand die Zustimmung der alten Fraktion, da es der Sehnsucht de« Arbeiters nach einem eigenen Heim entgegenkomme. Die Arbeitsgemeinschaft hielt auch hierin an dem alten Par» tcistandpunkt fest, daß die Fesselung an die Scholle den Ar- beiter in der Verwertung seiner Arbeitskraft an dein für ihn jeweils günstigsten Orte hindern und, da das Gesetz den An- gesiedelten auch noch in Abhängigkeit von der oberen Militär- behörde bringt, lehnte sie das Gesetz ab. Die Novelle zum Reich sverernsgesctz fand eine ähnlich verschieden- artige Beurteilung. Unter dem Einfluß der zu den Mehr- hültdführern zählenden Gewerkschaftler entschied sich die alte Fraktion für die Annahme der Voclaae. die ArbcitSgemein- schaft lehnte sie ab. Die in der Novelle den Gewerkschaften gebotene„Erleichterung", die die alte Fraktion sehen zu kön- neu glaubte, wurde von der Arbeitsgemeinschaft als ein Linsengericht angesehen, für das die Gewerkschaften ihr sozialistisches Er st geburtsrecht verkaufen sollen. Die Zeit dürfte ihr Recht geben. Zweifellos wird die Parteiaenossenschaft, soweit es ihr gcgcmvärtig möglich ist, am politischen Leben Anteil zu neb- men, die parlamentarische Wirksamkeit ihrer Reichstagßvcr- tretung ihrerseits einer kritischen Würdigung unterziehen. Dje sozialistisch geschulten und proletarisch MIO m AsW SlWWlüM. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 10. Juni 1916.(W. T' B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf dem Wcstufcr der MaaS wurde die Bekämpfung feindlicher Batterien und Schanzanlagen wirkungsvoll fort- gefetzt. Oestlich des FlusseS setzten unsere Truppen die Au- griffe fort. In harten Kämpfen wurde der Gegner auf dem Höhenkamme südwestlich des Forts Donanmont, im Chapitrewalde und auf dem Fumin-Rücke» in mehreren Stellungen geworfen. Westlich der Feste Baux stürmten bayerische Jäger und ostpreußische Infanterie ein starkes f e i n d l i ch e s F e l d w e r k, das mit einer Besatzung von noch über 500 Mann und 22 Maschinengewehren in nnscre Hand fiel. Die Gesamtzahl der seit dem 8. Juni gemachten Gefangenen beträgt 28 Offiziere und mehr als 1500 Mann. Auf dem HartmannSweilcrkoPf holte eine dentsche Patrouille mehrere Franzosen als Gefangene anS den feindliche» Gräben. Oestlicher und Balkan-KriegSschauplatz. Lei den deutschen Truppen hat fich nichts vo» Le- deutung ereignet. Oberste Heeresleitung. «* Wie«, 10. Juni.(W. T. B.) Amtlich wird»er- lautd art: Russischer Kriegsschauplatz. Im Gegensatz zum vorgestrigen Tage find gester» wieder«« der ganzen Nordostfront äußerst erbitterte Kämpfe entbrannt. Zwischen Okna uud Dovronontz witrdm an einer Stelle acht, an einer anderen fünf schwere Angriffe abgewiesen, wobei sich unser schlesischrS Jäger-Bataillon Nr. 18 besonders hervortat. An der»ntere» Strypa habe« starke russische Kräfte nach erbittertem Ringen unsere Truppen vom Ost- auf das West- ufer zurückgedrängt. Nordwestlich»»» Tarnopel schlugen wir zahl- reiche russische Borstöße ad. Im Räume vo» Lnck wirb westlich der Styr gekämpft. Bei Kolki und nordwestlich von CzartorySk wurden russische Ncvcrgangsoersuche vereitelt. Italienischer Kriegsschauplatz. Vorstöße der Italiener gegen mehrere Stellen unser« Front zwischen Etsch und Brcnta wurden abgewiesen. Zu den bisher gezählten Gefangenen im AngriffSra«« find üb« 1600, darunter 25 Offiziere, dazugekommen. Bor dem Tolmciner Brückenkopf zerstörten unserr Truppen nach kräftiger Artillcricwirkung die Hindernisse und Deckungen eines Teils der feindlichen Front und lehrte» mit 80 Gefangenen, darunter S Offiziere, ferner mit einem Maschinengewehr und sonstig« Kriegsbeute von dieser Untcruehmung zurück. Südöstlicher Kriegsschauplatz. >» d« unteren Boljusa wurden italienische PatronUle« durch Feuer zersprengt. Der Stellvertreter des llhcfS brS GeneralfiabeS. v. H o e f r r» Fcldmarschallcutnant. denkenden Parteikreise werden dann finden, lvem sie ihre Billigung zuteil werden lassen können. » Berichtigung: Im ersten Teile dieses Artikels haben sich gestern zwei Druckfehler eingeschlichen. Jni dritten Absatz, Zeile 12 soll es nicht heißen„sozialdemokratische Klassen", sondern„sozialdemokratische Massen"; im letzten Absatz, Zeile 4 von unten soll es nicht heißen„Volks- und Klassenpolitii", sondern.Volks- und Massenpoliti k,"_ Der französische Tagesbericht. Paris, 10. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Auf dem linken Maasufer wiesen die Franzosen in der Nacht zwei kleine deutsche Angriffe auf die Stellungen südwestlich von der Höhe 304 zurück. Auf dem rechten MaaSufcr setzten die Deutschen ihre heftigen Angriffs auf einer Front von etwa 2 Kilometer Breite östlich und westlich vom Gehöft THiaumont fort. Zwischen dem Gehöft und dem Caillettewald drangen sie in die französischen Gräben ein, aber nach erheblichen Verlusten für sie wurden all' ihre Versuche auf der westlichen Strecke zum Stillstand gebracht. In der Gegend von St. Mihiel wurde eine deutsche Abteilung, welche östlich von BisleS die französische Linie zu erreichen versuchte, durch Gewehrfeuer zerstreut. Paris, 10. Juni.l0it�zeri>l-örern bc- stand, auf dbr Höhe ems fhire■" mirteiten. Kijüch en ew»std sein Stab fuhreu mir der Bahn dis nach dem äußerswn Norden Schottlands ■Kstd gingen dort an Bord drs KreiMrs. Am Montag abend 7 Uhr ?uhr der Kreu-er ad. Es ging ein chcfüger Wind in Ztichtung auf die Küste. Das Unglück croiguete stich gegen'LAstr zwiWn Marwick- h ead und Brough-Hoad nördlich dar Bucht dyir Skaill an der Westküste der größum Qrkney-Jnstst. Dm iL Dhr LS Minuten be- richtete ein Parrouillcaboot, doch-ein Kriech P's ch i f f in der Nähe in Brand stehe, dach man tflrcr ikd imw Erp l o s i o n gehört Habe. 20 Minuten spätem �fvar der'Krsuzer gstunken. Die Bc- völkernng sah vom Lanhnan bei der Vergrößerung des Ge schützmatcrials gehabt. Trotzdem sei die Zahl der Kanonen beträchl lich vermehrt worden. Die Erzeugung von Maschinengewehren und Gewehren habe im Lande selbst eine hohe Stufe der Enlwicklung erreicht. Ernüchterung. Wir kcnnzeichnclcil kürzlich die würdelose Haltung, die der Bor- sitzende der Arbeitergmppe im Zentralen KriegkindustricauSschnb in Petersburg. K. G w o S d e w, anläfilich einer llnterredung mit dein Ministerpräsidenten Stürmer eingenommen hatte. Auf der ab- schüssigen Bahn des„Reformismus" immer weiter gleitend, hatte GwoSdciv, dessen Tätigkeit im Zentralen KricgSindustrieauZschiiß mehr und mehr auch seine näheren Gesinnungsgenossen enttäuschte — gar nicht zu reden von denen, die sein Vorgehen von Anfang an auf das heftigste belämpflcn— zu Methoden der„Ucbcrrednng" gegriffen, die heftige Empörung in den Arbeitcrkreiscn auslöste. Selbst das Samaracr Llrbeiterblatt„NaschGoloö", daS die Politik GwoSdcivS und seiner Freunde bisher verteidigte, sieht sich veranlaßt, sich gegen ihn zu wenden.„Wir sehen von der Frage ab— schreibt das Blatt— wie weit der Beschluß der Arbcitergruppe an der Deputation zu Herrn Stürmer teilzunehmen zweckmäßig und taktisch richtig gewesen ist, und sprechen nur von dem Charakter der»Unterredung", die Ewosdew und Konolvaloiv(Vorsitzender dcS Zentralen KricgSiiidustiicauSschusscS, liberaler Politiker und Fabrikant) mit dem Ministerpräsidenten geführt haben." „Mir staunen nicht über den Ton der Reden der Herren Kono- walow und Stürmer. Aber mit dem größten Erstaunen lasen wir die ZeitungSmeldungeir über den Ton der Rede und die Bemerkungen GwoSdewS. Zum erstenmal, wenn die Zcitungsmcldnngen zutreffen, konnte man ans dem Munde eines Arbeitervcrlreters, als Begründung der ideellen Gegnern selber fertig werden würden." Zum ersten Male ist ein Mann, der das Vertrauen der Arbeiter genießt... mit Erklärungen aufgetreten über die„veraltete Politik der Verdächtigung und des Mißtrauens gegenüber den Arbeitern" und hat die Frage deS„Vertrauens" auf eine Basis gestellt, die tetS den russischen Liberalismus gekennzeichnet hat, dem russischen Proletariat jedoch absolut fremd ist. Zum ersten Male ist die Forderung der Freiheit der Arbeiter« gewerlschaften mit dem Hinweis begründet worden, daß„weder die Regicrungsgcwalt, noch jemand anders den Gang deS industriellen Lebens ohne Mitwirkung der Judustrieorganisationen zu beeinflussen vermöchte." Das Blatt findet dies alles so ungeheuerlich, daß es von Gwosdew und der Llrbcitergruppe im Zcntralrn Kriegsindustrie- auSschuß eine sofortige Richtigstellung der offenbar unrichtigen Zeitungsberichte verlangt. Seitdem sind aber bereits mehrere Wochen vergangen, ohne daß Gwosdew oder seine Kollegen zur Recht- fertigung ihrer Haltung das Wort ergriffen hätten. Für die russische Arbeiterklasse, die durch die Frage der Bc- teiligung an den Kriegsindustrieausschüssen bis in ihre Tiefen auf« gerüttelt worden ist, ist dieser Vorgang eine g u t e L e h r e. In einem eigenartigen geschichtlichen Milieu, der auch diesen Prozeß kom- plizicrt, hat sich auch in Rußland eine ähnliche Scheidung der Geister angebahnt, die die westeuropäische Arbeiterbewegung zurzeit ge- spalten hat. Die Logik der Dinge wirkt aber in den primitiveren russischen Verhältnissen und bei den starken revolutionären Tra- ditionen der Arbeiterklaffe viel unmittelbarer als es im Westen möglich ist, und fördert so daS schnelle„Abwirtschaften" der Wer- künder der»neuen Methode" vor den Augen der Massen.(z) Echt ruftlfche Treibereien gegen Zinnlanö. Die gesamte Petersburger Presse, mit Ausnahme der konser- vativcn, die sich in Stillschweigen hüllt, ist empört über eine Pro- vokation der„Petersburger Filiale des allrussischen Rationalver- bandes" gegen Finnland, die das nationalistische Blatt„Goles Rufst" in der Nummer vom 28. Mai veröffentlicht hat. Es ist dies eine Resolution des erwähnten Verbandes, in der die Regierung aufgefordert wird, angesichts der Gefahr, daß in Finnland Ereig- nisse wie in Irland sich abspielen könnten, sofort strenge Maß- nahmen gegen Finnland zu ergreifen. Die Resolution verlangt, daß die Finnländcr— die infolge Auflösung der finnischen Regr- menter überhaupt keine Wehrpflicht zu leisten haben— zur Wehr- Pflicht herangezogen und in russische Regimenter eingestellt werden sollen. Ferner fordert die Resolution, daß alle„gefährlichen Ele- mente" aus Finnland entfernt werden sollen. Die Petersburger Presse ist aufs höchste überrascht über das Vorgehen des sonst im Dunkel waltenden„allrussischen National- Verbandes", über dessen Motive man noch völlig im Unklaren ist. Mit Recht weist die Presse daraus hin, daß die wiedergegeben� Re- solution eine schwere Beleidigung und Verdächtigung des finnischen Volkes darstelle, da? seine Loyalität zur Genüge nachgewiesen habe. Nicht uninteressant ist bei dieson ganzen Vorgängen die Tatsache, daß dieselben Kreise, die jetzt die Einstellung der Finnländer in die russische Arnree fordern, weil sie von der Wehrpflicht befreit seien, zu Bobrikows Zeiten die eifrigsten Verfechter der Idee gewesen sind, daß die finnischen Regimenter aufgelöst und die Finnländer von der Wehrpflicht befreit werden müßten.(z) Zur Ernennung öer präftKentschaftskanKiöaten. Chicago, 10. Juni.(W. T. B.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. In der ersten Abstimmung der r c p u b I i- kanischcn Konvention erhielt Hughes Löst, W e e ks 105, R o o t 103, C u m m i n S 8ik, B u r t o n 77, Fair- b a u k 3 71 und R o o f c v c I t 05 Stimmen. In der zweiten Abstimmung erhielt Hughes 328, Root 08, Fairbanks 88, C u m m i n s 85, R o o s e v e l t 81, Wecks l9. B u r t o u 76 und Hermann 65 Stimmen. Zur Normierung als Präsidcntschastskandidat der Konvention sind 193 Stimmen notwendig. kriegsbekanntmachilngea. Sendungen»n Marincangehörige in der Türkei. Amtlich. Berlin, 1V. Juni.(W. T. B.) Paketsen« düngen an Marinean gehörigen in der Türker sind fortan anstatt mit der Aufschrift„Durch Mllitär-Pakctdepor Leipzig" mit der tzlusschrift»Durch Sammclpakelamt Leipzig" zu verseben. In den Versandbedingungen tritt keine Aendcrung cm. Letzte Nsckrichten. Tic politische Lage in Italien. Luzano, 10. Juni.(T. 1l.) Wie der„Corricre dclta Sera" mitteilt, baben die gestrigen Vorgänge in der italienischen Kammer eine vollständige Umänderung des Arbeitsptanes dieses Parlaments herbeigefübrt. Der Ministerpräsident � Salandra berief sofort einen Ministerrat ein. Als Resultat dieses Minister- rates wird mitgeteilt, daß Salandra schon heute, anstatt, wie ur- sprünglich beabsichtigt, am Montag, die Debatte über das Budget- Provisorium beginnen lassen will. Hinsichtlich der von der Kam- mer geforderten parlamenlarischcn Kontrolle beschloß der Minister- rat, die Entscheidung hierüber auszusetzen, bis die Kammer die Abfiiminung über das Budgetprovisoriuin Vorgenom- inen hat, da Salandra erst bann in der Lage sei, end- gültige Beschlüsse zu fassen. Der Parlamentarische Mitarbei- ter des„Eorriere bella Sera" will wissen, daß»ran gestern in den Wandelgängen weniger iiervüö gewesen sei. Im Clegensatz hierzu behauptet der„Seeolo", daß die parlamentarische Lage zurzeit verworrener sei denn je. Die Gründling einer neuen Fraktion ist im Gange. Diese führt den Titel„Die Jungen" und fordert, die Kontrolle der Regicrungsmahnahmen durch die Kam- mer, die 2Ibhaltung von Geheimsitzungen und die Schaffung einer ÄufsichtSkommlssion, was ein Mißtrauensvotum für die Regierung bedeutet. Ter„Sccolo" konstatiert ferner, daß das Ministerium nur durch die Giolittaner gerettet worden sei. Ter„Messagero sagt, daß Salandra keinen Kontakt mehr mit dem Pulsschlag des Parlamentes habe. Tie„Tribuna" fordert einen Waffenstillstand in dem Kampfe mit Worten, nm der Regierung Zeit zu geben, alle Energien des Landes zu mobilisieren. Das„Giornale d'�talia findet das Verlangen nach einer Aufklärung berechtigt, hält es aber sür eine unmögliche Forderung, wenn man der� Regierung das Siecht abspricht, denjenigen Moment sür diese Aufklärung zu wählen, den sie aus Rücksicht für die Alliierten für richtig halt. Lhrfcigc» in den Wandelgängen. Lugano, 10. Juni.(T. 11.) Mit einer gewissen Befriedigung konstatiert der„Avanti", daß der Sozialist Mazzoin in den Wandelgängen der Kammer den interventionistischen Abgeordneten Sievione ohrfeigte, weil Rcvione Mazzoni und mit ihm die Sozialisten des heimlichen Einvernehmens mit dem Feind bezichtigt hatte. Revrone sandte Mazzoni seine Sekundanten.doch lehnte dieser das D.uell ab, Gewerkschastllches. Serlin und Umgegend. Aus dem Kriegs«», sschufj für die Metallbetriebe Grofz-Berlins. Der Schlosser der Firma A. will aufhören, da er die Bc- schäftigung, bei der er den ganzen Tag stehen muß, nicht aushalten kann. Die Differenz wird sehr leicht erledigt, denn wie die Aus- spräche ergibt, will der Schlosser Arbeit nach auswärts an- nehmen. Für außerhalb Groß- Berlins liegende Betriebe bedarf es aber eines Kriegs scheines nicht, so wenig wie ein. Arbeiter, der von auswärts nach Berlin lonunt, einen Kriegsschein braucht, um in Berlin in Beschäftigung zu treten.(Einige Filialen Berliner Firmen in der Provinz Brandenburg gehören allerdings noch mit zum Bereich des Kriegs- ausschusses Groß-Berlin.)— Bei derselben Firma will der Maschinenarbeiter G. aufhören, weil er zu wenig verdient und auch zeitweilig aussetzen muß. Es wird eine Verständigung dahin erzielt, daß dem Ma- schinenarbeiter G. die Zeit, die er aussetzen mußte, zu seinen» durchschnittlichen Verdien st bezahlt wird, und außerdem soll ihm eine Arbeit gegeben werden, bei der er einen zeitgemäßen Verdienst erzielen kann. Die Aushändigung eines Kriegsscheines war damit mmötig. Der Werkzeugmacher B. von der Firma C. will einen Kriegsschein haben, weil er nicht genügend verdient. Da die Firma keinen Vertreter geschickt hat, sondern nur eine schriftliche Mitteilung sandte, wird dem Werkzeugmacher ohne weiteres der schein ausgestellt. Eine schriftliche Mitteilung genügt nicht, die VerhariMungen vor dem Kriegsansschuß müssen mündlich geführt werden.— Der Einrichier W. will bei der Firma S. u. H. aufhören, da er neben anderen Beschwerden einen zu geringen Verdienst hat. Der Vertreter der Firma behauptet, daß die Firma durchaus nicht ab- geneigt ist, dem Einrichter einen höheren Verdienst zu geben, es müsse darüber aber doch zunächst einmal mit der Firma verhandelt werden, und das sei noch nicht geschehen. Es wird dem Einrichter W. aufgegeben, zunächst einmal der Firma eine Forderung auf mehr Verdienst zu unterbreiten. Erst wenn dieses kein zufrieden- stellendes Ergebnis haben sollte, kann der Kriegsausschuß erneut zu der Sache Stellung nehmen.— Der Dreher R. von der Firma K. tvill einen Kriegsschein, weil er nicht als gewöhnlicher Dreher, sondern als Werkzeugdreher abeiten will. Im Verlaufe der Auseinandersetzung erklärt die Firma sich freiwillig bereit, den Kriegsschein auszustellen.— Von der Firma T. erscheinen 3 Einrichter, die aufhören wollen, weil sie sich bei der Zu Messung von Zulagen gegenüber ihren anderen Kollegen im Betriebe benachteiligt fühlen. Die Einrichter erklären, der Meister hätte ihnen die gleiche Zulage versprochen wie den übrigen. Diese sei aber nicht gezablt. Mit Rücksicht darauf, daß die Einrichter wahrscheinlich die Zusage des Meisters so aufgefaßt haben, wie sie es wiedergaben, und die Differenz zwischen ihrem Lohn und den übrigen, mehr berück- sichtigten Einrichtern nur sehr gering ist, erllärt sich die Firma bereit, die Differenz auszugleichen. Damit ist die Erteilung eines Kricgsscheins unnötig.— Ter Schlosser H. von der Firma W. will aufhören, weil er nicht genügend verdient. Nach kurzer Aussprache erklärt sich die Firma bereit, den» Schlosser 10 Pf. pro Stunde Zulage zu geben. Damit erübrigt sich die Erteilung eines Kriegsscheins.— Der Fräser K. von der Firma O. u. K. will aufboren, weil er infolge mangelhaften Werkzeuges keinen zeit- gemäßen Lohn erzielen kann. Nach längerer Aussprache wird dem Fräser zugestanden, daß er in Zukunft ausreichcrrd Werkzeugfräser und dergleichen erhalten wird, und erklärt sich K. damit zufriedengestellt, so daß sich die Erteilung eines 5lriegsscheins erübrigt. AuS- drücklich wurde hierbei seitens des Kriegsausschusses betont, daß der Arbeiter berechtigt ist, zu fordern, daß ihm gutes undausreichendes Werkzeug zur Verfügung gestellt wird. Unzufriedenheit bei den Spandauer Straßenbahn- schaffnerinnen. Schon in Friedenszeiten holte sich die Spandauer Straßen- bahndirektion ihr Personal von weit und breit, mit Vorliebe aber aus rückständigen Gegenden herbei, um recht zufriedene Arbeiter zu haben. Trotzdem war der Wechsel unter den Straßenbahn- angestellten stets sehr groß und mit der Organisation stand die Direktion dauernd auf dem Kriegsfuße. Auch jetzt, während der Kriegszeit, beschweren sich die Straßenbahnschasfnerrnnen insbeson- dere über die schlechte Behalwlung seitens einzelner Vorgesetzten und über die vielen Strafgelder bei einem Stnndenlohn von 40 Pf. Ein Vorgesetzter bezeichnet die Schaffnerinnen mit Vor- liebe als„verdammtes Weibervolk",„langhaarige Gesellschaft" usto. Die Straßenbahrrschaffnerinnen haben sich daher aufgerafft und folgendes Gesuch an die Stadtverordnetenversammlung ge- richtet: a) Erhöhung des Stundenlohnes auf 55 Pf., b) Aufstellung von Klosetts an den Endhaltestellen, c) Festsetzung des Dienstes auf 0 bis 10 Stupden hintereinairder in den Vormittags- oder Nachmittagsstunden, d) polizeilichen Schutz in den Morgen- und Abendstunden, e) angemessene Behandlung von feiten der Vor- gesetzten, t> Verminderung der Strafgelder. Der 7. Ausschuß hat beschlossen zu a die Angelegenheit dem Magistrat zur Erwägung zu überweisen, zu b bis{ Uebergang zur Tagesordnung. Diesen Beschluß des 7. Ausschuß nahmen die Stadtverordneten stillschweigend zur Kenntnis._ Deutsches Reich. Anerkennung der gewerkschaftlichen Organisation durch eine städtische Behörde. Bei der letzten Beratung des städtischen Etats in Kiel for- derten die sozialdemokratischen Stadtverordneten die Anerkennung der gewerkschaftlichen Organisation in den Betrieben der Stadt. Wie der Magistrat jetzt in der letzten Sitzung der städtischen Kol- legten mitgeteilt hat, ist auf seinem Beschluß den Bestimmungen über die Arbeitsausschüsse folgeivder Absatz eingefügt worden: Zu den Sitzungen der vereinigten Arbeiterausschüsse erhalten nach näherer Bestimmung des Magistrats Vertreter derjenigen Organisation eine Einladung, denen die städtischen Arbeiter ange- hören. Die Vertreter können an den Sitzungen mit beratender Stimme teilnehmen._ Konferenz der Arbeiter in der Bekleidungsindustrie. Am Sonntag, den 4. Juni, tagte in Dresden eine Konferenz sämtlicher für die Bekleidungsindustrie in Frage kommenden Ar- beiterverbände. Die Konferenz war vom Deutschen Textilarbeiter- verband arrangiert und außer von diesem beschickt vom Christlichen Textilarbeiterverbaird, vom Gewcrkverein deutscher Textilarbeiter (H.-D.), vom Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäsche- avbeiter und vom Verband der Hutmachcr und Filzwarenarbeiter. Es handelte sich darum, die Mißstände, die bei der Textil- arbeiter-Erwerbslosenfürsorge in Sachsen zutage getreten sind, zu besprechen und auf Abhilfe hinzuarbeiten. Ferner galt es, an der Hand von Tatsachen die Unzulänglichkeit der Unterstützung zu zei- gen und angesichts der kolossal gesteigerten Lebensmittelpreise bei der Regierung eine Erhöhung anzuregen. Die Konferenz beauf- tragte die Zentralvorstände der beteiligten Organisation, beim Mi- msterium eine Erhöhung der Unterstützungssätze um 50 Proz. zu beantragen. Verdienter Lohn und kleine Renten sollen, so wurde gewünscht, in der Woche bei männlicyen Personen bis 0 M., bei weiblichen Personen bis 3 M. überhaupt nicht angerechnet wer- den, höheres Einkommen dagegen nur bis 60?h Proz. Das ge- samte auf der Konferenz vorgetragene Material wird dem sächsi- scheu Ministerium des Innern unterbreitet werden. Des weitereu befaßte sich die Konferenz mit den in letzter Zeit in allen Teilen Deutschlands zutage getretenen Bestrebungen, die Textilarbeiter in die Landwirtschaft zu überführen. Schon zu Beginn der Unterstützungsaktion im August vorigen Jabres hatten die Textilarbefterorgantsaftonen hiergegen Einspruch erhoben; sie wünschten eine Ueberführung in andere Industrien zu geeigneter Äbeit. Hiergegen sträubten sich die Unternehmer. In der letzten Ztzjt werden nun Textilarbeiter.und-arbeiterinncn in größeren Mängen bei Androhung des Entzugs der Unterstützung fiir land- wiitzschaftliche Arbeiten geworben. Hierzu die Konferenz nachziehende Entschließung: Die Konferenz bedauert die vom Bundesrat angeregten Bestrebungen der behördentichen Organe und der Bundesstaaten aus! Kürzung der bisher aus öffentlichen Mitteln gehabten Unter- stützzangsbezüge im Falle ganzer oder teüweiser Arbeitslosigkeit. Sie Erhebt Einspruch gegen die in vielen Bezirken Deutschlands stattfcnbende Ueberführung der Textilarbeiter, ganz besonders der mgendlichen, sowie der Arbeite� der gesamten Bekletdungs- industaie in die Landwirtschast bei Strafe des Unterstützungsent- zngs jß! Falle der Weigerung. Siie erhebt Einspruch, wie die Arbeiterverbände es schon anläßlnh der ersten Beratungen im Reichsamt des Innern nav, Erlaß der Herstellungsverbote getan haben: 1. weil die landwirl- schaftlichßn Arbeiten, wie sie die Ernte bedingt, für die in Frage kommench-n Arbeiter viel zu schwer sind, 2. weil für einzelne Branchen die Wiederverweirdung im früheren Beruf durch die landwirtschaftliche Arbeit sehr ersckwert wird, 3. weil die Jugend- lichen fern», von der Heimat auf großen Dominiums usw. unter- gebracht nad dadurch der elterlichen Fürsorge entzogen»Verden. 4. weil dn-vch das Aufhören des Zusammenlebens mit der Fa- milie starke� seelischer Druck auf die Beteiligten ausgeübt wird, 5. weil die Ailbeiter, vor allem die jungen Mädchen, durcb das auf großen Gütchm übliche unterschiedslose Zusammenlebe»» mit KriegsgefangcUien und ans ländischen Arbeitern aller Art in primi- tiven Unterftttiftsräumen und Massenguartieren schweren sitt- lichen Gefahren ausgesetzt sind. Die Konferenz ergebt weiter Einspruch gegen die Verwendung der Arbeiterinnen des Textil- und BekleÜnin Äsindustrie zu körperlich schweren Arbeiten, wie Steinetragen u�o. Die Konferenz erwartet deshalb, daß Arber- tern und ArbeitÄünnen nur geeignete Arbeit bei ausreichen- der Entlohnung Angeboten wird. � Bußlond. Ter(�neralstrcik in Norwegen. Aus Kristiania wfod gemeldet: In der Sitzüng des LagthmgS wurde das Schied sgerimtsgcfctz erörtert. Justizminister A b r a- hamsen erklärte, er lobe gehört, daß der Generalstreik nur eine Demonstration sei und dH die Arbeit wieder ausgenommen werden würde, sobald das Gesetz»angenommen und rechtskräftig geworden sei. Ein sozialistischer Vertreter sagte, die Arbeiter würden sich loyal beugen, wenn kein anderer Ausweg vorhanden sei. Ter Generalstreik sei keine Drähung gegen das Storthing. Der sozia- listische Vorschlag, das SchiePsgerichtsgcsetz abzulehnen, wurde vom Lagthing mit 25 gegen 5 s vstalistische Stimmen verworfen. Das Gesetz wurde dmiu gegen b stimmen in der Fessung des Odels- things angenommen."Nach dtzm Schiedsgerichtsgesetz sollen Arbeit- geber und Arbeiter je ein Ntztglied des Schiedsgerichts ernennen. Die Sozialisten hatten noch aitn Tonnerstag Kundgebungen gegen das Schiedsgerichtsgesetz veran�altet. Da die in der Entschließung für die interessierten Parteien festgesetzte Frist zur Ernennusi'g von Schiedsgemchtsmitgliedern gestern mittag um 12 Uhr ablief? ersuchte das Sekretariat der Lan- desorganisation Freitag abend i»'M Verlängerung der Frist bis Dienstag abend, bis der Kongres* die Frage behandelt hat, ob die Arbeiter sich dabei vertreten lassei? sollen. Der Staatsrat hat das Gesuch bis Mittwoch, den 14. Ju�i, 2 Uhr nachmittags, bewilligt. Die Landesorganisation teilte gleichzeitig mit, daß in der Zwischen- zeit Arbeitseinstellungen aus Anl.Mz von Lohnstrcitigkeiten nicht stattfinden werden. Der ZentralrvTcband des Arbcitgebervereins hat die laufenden und die angekün.vgten Sperren aufgehoben. Die städtischen Arbeiter und dt? Straßenbahnarbeiter haben gestern geküirdigt. -!-•- Wettcranssichten für daS mi'.Vlere Norddeutschland biS Montag mittag. Ziemlich kühl, zeltweha aufklarend, aber noch über- wiegend bewölkt und wiederholte, im Westen», meist geringe, östlich der Oder stärkere Regeiijälle. flsiilsedes Theater. AUab endlich 8,/2 Uhr: Die Familie Schiinck. Kammerspiele. Sonntag und Montag 8 Uhr! Marquis von Keith. Volksbühne. Theater a. BOlowpI, Allabendlich 8'/. Uhr: Robert und Bertram. Sonntag u. Montag nachm. 3 Uhr (kleine Pr.): Der Biberpelz. Kammcrspiele: Wedekind-Zyklus. URANIA T°S5sra".tr' Sonntag 4 Uhr(halbe Preise): Von der Zugspitze zum Watzmann. 8 Dhr: An den Grenzen von Sädtlrol und Italien. Montag 4 Uhr(halbe Preise): Von der Zugspitze zum Watzmann. 8 Uhr; An den Grenzen von Sädtirol und Italien. MM rier Freien VolMöDeii Sonntag, den 11. Juni 1916: Nachmittags 3 Uhr: Volksbühne, Theater am Vülowplatz: Der Biberpelz. Deutsches Opernhaus: Der Wild- schütz. Lessing-Theater: Komödie der Worte. Montag, den 12. Juni 1916: Nachmittags 3 Uhr: Volksbübne, Theater am Bülowplatz; Der Biberpelz. Lessing-Thealer: Komödie der Worte. Abends 8',. Uhr: Volksbühne, TZeater am Bülowplatz; Montag bis Freitag: Robert und Bertram. Lehittbauerdamm 25 8?g Des* 7. Tag. Theater für Sonntag, den II. Juni. Berliner Theater. An beiden Feiertagen: s'/.u.: ütasireiclie. Amteti Deutsches Opernhaus, Charlottenb. 3 Uhr: Der Wildschütz. 8 Uhr: Carmen. Am 2. Feiertag: 6 uhr: Parsifal. Kleines Theater 31/, Uhr: Maria Magdalene. S'ft U.: Hochzoitsreiso. Dienstboten. Am 2. Feiertag; 31/, U.: I-Icbelel. S1/, U.: Hochzeitsreise. Dlonttboten. Komische Oper An beiden Feiertagen: N'! Der selige Balduin Lustspielhaus An beiden Feiertagen: 8»/. u.: Brauchbar& Fix. Metropol-Theater An beiden Feiertagen: 8-° u.: iGroßteopv.Gerolst Montis Operetten-Theater An beiden Feiertagen: Gastsp. des Kleinen Th. L-/-v- Dnkel Bernhard. Residenz-Theater An beiden Feiertagen: B'h U, - Fliegende Blätter. Schiller-Theater O 8 Uhr: ültifflO. Am 2. Feiertag: s uhr: Ehrliehe Arbeit. Schiller T. Charlottenb. 8 uhr; Alt-Heidelberg. Am 2. Feiertag: s vbr: Biirserlieti n. romantiscli, Frledrich-Wilhelmstädt. Theater An beiden Feiertagen: s'/.u.» D. Drelmäderlnaus Thalia-Theater 3 Uhr: Drei Paar Schuhe, 81/, U.: Blondlnchen. Am 2. Feiertag: 3 Uhr: Johannisfeuer. 81/, ü.: Blondin chen. Theater am Xollendorlpl. Au beiden Feiertagen: '/.iu.; Das Fürslenklnd. ',.s u.: immer feste druff! Theater des Westens £i.m£; Das Glüeksmädel Am 2. Feiertag: 'iß u.; Das Glüeksmädel. Trlanon-Theater An beiden Feiertagen: 4 uhr: Pfarrer von 8',. u.; Tante Tüs chen. Sessing'Theater. 81/, Uhr: Schwarzer Peter. (Albert Bassormann.) Nachm. 3 Uhr: Komödie der Worte. Montag; Schwarzer Peter, (Albert Bassermann.) Deutsch. Künstler-Theater. 81/, U.; Die»elixe Exzellenz. Nationa!-TtieaterKScc36r I. n. II. Feiertag S'l, n. 81/,: Als ich noch im FIDgelkleide... (Lustspiels chlager) NB. Des Kassen andrangs wegen empf. es sich, Billetts rechtz. z. bes. j Die Kasse ist geöffnet v. 19 Uhr ab. V oigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. gsa�- Ab Pfingsten täglich .SagsriislivhsBi. Gr. Posse m. Ges. u. Tanz in 4 Akten von L. Treptow. erstklassiges VarieW-Programm. Ansang 5'J, Uhr, sonntags 4 Uhr. Walhalla-Theater. 8'/, Uhr: Ter Glücksschmied. Gr. Garten- Eröffnungs-Vorstellnng. 6 Uhr: Frühkonzert. Oscar Zsdo Ency Rieselhausen sowie der große Juni-Spielplan. Dazu; „Arizonda" Das Mädchen mit den Scbicksalsangen| Operette von Gilbert. Heute: Oppl.-Konz. 1. und Rffl O-S Zoo 2. Feiertag je B Bs Aqna Aquarium. Morgen, am 2. Feiertag, 6 Uhr: Militär" Doppel-Früh-Könzert. 50 Pfg. Kinder die Hälfte. Rose-Theater. Des KUnig-s Bekehl. Alwin Neust als Gast. Gartenbühne,: Bs gib! nur ein Berlin. Erüli- Konzert. Ansang 6 Uhr. Reicbslttllen-Thesler Stettiner Sänger. Sin Kaien- Spuk Studentenbild von Mehsel. Anfang 8 Uhr. Aümirs!8?a!sst PlingsUSonntag und Montag; 41/, Zwei Vorstellungen U Uhr. Das herrliche Eisballett Iran fantasie. Nachm. kl. Preise, abd.2, 3, 4M. CVgaretteei. Vor;• Steuererhöhung* r/spf.il00 Stück 0,85 M. 2l/* 81/s 5 !> UQ 1.75 2,80 " w, st Gute Qualitäten, eigenes Fabrikat. Verkauf ilVA rsand v. 100 Stück an, bei 20 M. ijjmko gegen Nachn. Sendungen Iiis Feld nur gegen Voreinsendung des Betrages. Keine Preislisten n. Stückmuster. Cigarettenfabt ik L. Liebermann. Berlin 3'fl, Chausseestr. 86, Fabrikgeb\ude, Hof 1 Tr. Unterledeu- Abfälle in allen Größen url' Preislagen so. wie Möbelleder. gH'ße Abfälle sür Blätter und Kappen, tmch Boxcals zu Rister. Lagerbesuch lohnend. Lruao Leyskuk, Leder-AbftNe, Berlin- WeiÄ:nsee, Langhansstr.«ü. Pfingstsonntag u.Pfingstmont. 2 Je a Vorstellgen A 3'/, und 8 Uhr. A Nehm, j d. 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Zwar predigen die Organe der französischen Min- derheit fast täglich, daß man den Burgfrieden nicht anerkennen dürfe, bekämpfen sie die Unterstützung der Regierung durch die Mehrheit, aber das ficht die deutsche Parteimehrheit nicht an. Sie stützt sich darauf, daß die französische Minderheit ebenso wie sie selbst die Kredite bewillige und daß auch die deutsche Parteimehr- heit die Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen wünsche. DaS genügt, uin zu behaupten, daß beide Richtungen auf demselben Standpunkt stehen. Nun sind w i r allerdings der Meinung, daß in jedem Lande die Kriegskredite durch die sozialistischen Parteien abgelehnt werden müssen, auch in Frankreich. Aber wir glauben nicht, daß aus der Nichtbcfolgung dieses Gebotes schon auf eine auch nur annähernd gleiche Stimmung in der französischen Minorität und der deutschen Majorität geschlossen werden darf. Vielleicht genügt schon der Hin- weis auf den Leitartikel der Iournalrcvue„Le Populaire" vom 27. Mai, in dem Maurice D e l e p i n e den Präsidenten der Repu- dlik wegen seiner letzten Rede, soweit es die Zensur zuläßt, an- greift, um Unterschiede deutlich zu erkennen. Telepine schreibt: „Tie Staatsmänner haben Erleuchtungen, die wir nicht kennen. Ohne Zweifel weiß der Präsident der Republik, was er sagt. Er hat seine Worte abgewogen; er hat ihre Konsequenzen ermessen. Er hat im voraus ihre Wirkung gefühlt. lZwei Zeilen zensiert.) Und von unten, von tief unten, wo wir sind, verstehen wir, wie peinlich zu gewissen Stunden die Rolle eines Staatslenkers ist. Sir Edward Greh ist nur Minister und wir haben den Unter- schied gefühlt. Wer sprach doch von der menschlichen Klugheit? Es gibt hier unten zwei Arten von Klugheit: die der Menschen und die der Könige: welche ist die verständigste? Wir werden die unsere in acht nehmen. Sie richtet uns ohne Zweifel zugrunde und wir lieben sie deshalb nur um so mehr. Sie führt uns zu dieser Torheit: einen ehrenhaften und schnellen Frie- den zu wünschen." Die Art des Frieden? wird dann näher besprochen und die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit der internationalen Arbeiter. klaffe, um die letzten Hindernisse aus dem Wege zu räumen, betont. Tann schließt der Artikel: „Ich habe die Ausführungen des Herrn Poincare gelesen. Ich habe die Worte Sir Edward Greys gelesen und wieder gelesen. Wie sie mir schön erschienen sind!" Bisher sahen wir noch immer die Mehrheit der deutschen So- zialdemokratie als Schutz und Schild vor Herrn von Bethmann treten. Sie hat keinen Angriff aus seine Art von Friedenspolitik zugelassen. Will sie sich auch in dieser Beziehung mit der fran- zösischen Minderheit gleichstellen? * In der„Sentinelle" entwickelt der Schweizer Nationalrat Paul Gräber ein Bitd von der französischen Partei, und es ist viel- leicht im Zusammenhang mit den geschilderten Bestrebungen deut- scher Mehrheitsblätter ganz interessant, einen Auszug daraus wiederzugeben. Drei Tatsachen müssen beachtet werden, um daS Verhalten der Partei beurteilen zu können. Einmal hat Frankreich den Krieg, militärisch gesprochen, weder gesucht noch vorbereitet. Zweitens hat Frankreich mit dem brutal- sten der reaktionären Staaten, mit Rußland, eine Allianz geschlossen, die es in den Krieg hineinzog. Drittens mutz man be- denken, daß die französische Partei von Kriegsbeginn an ihres Hauptes und ihrer Seele, Iaures, beraubt war. „Obwohl viel entschuldbarer als die deutsche Fraktion... verstieß die französische Fraktion am Beginn gegen ihre sozialistische Pflicht. Erklären wir es. Welchen grundlegenden Vorwurf machen wir den deutschen Sozialisten? Es ist der, für die Kredite gestimmt zu haben, es ist der, nicht dagegen protestiert zu haben.... Welcher Vorwurf ist den Genossen in Frankreich zu machen? Es ist keineswegs der, nicht die Mobilisation sabotiert und die Ver- teidigung nicht verhindert zu haben. Das wäre nur eine Pflicht gewesen, wenn ein Uebereinkow.men mit den deutschen Genossen geschlossen und ein Plan vorbereitet gewesen und gleichzeitig in beiden Ländern ausgeführt worden wäre. Das war der große Fehler der ganzen Internationale. Aber vom sozialistischen Standpunkt aus durfte die Fraktion der Kammer nicht die Kredite für einen Krieg votieren, selbst wenn er von Deutschland erklärt war, wenn die Frankreich gemachte Kriegserklärung eine Folge der ungeheuerlichen Verbündung mit dem auf Konstantinopel lüsternen Rußland war. Das war der französische Fehler. Aber wir gestehen den fran- zösischen Sozialisten drei milderude Umstände zu: Die Jnternatio- nale hatte eine unglückliche Unterscheidung zwischen Verteidigung?- und Angriffskriegen gemacht; eine Unterscheidung, die für die fran- � zösische Fraktion viel günstiger war als für die deutsche.... Dann � der Tod Jaures. Endlich die Eile, mit der die deutschen Truppen! in Belgien und dann in Frankreich eindrangen. Diese Unklarheiten und diese Gefahren, daß mutz man aner- kennen, machten die Aufgabe der Genossen in Frankreich so schwer, so kompliziert, daß wir die Sammlung der ersten Stunde ver- stehen. Wir verstehen sie, obwohl wir sie als einen fast verhäng- nisvollen Fehler ansehen." Aber zwanzig Monate sind seitdem vergangen... man sieht mehr und mehr, und zwar in allen kriegführenden Läirdern den kapitalistischen, imperialistischen Krieg, einen Krieg der Eroberung, einen Krieg wirtschaftlicher Verdrängung.... Jeder hat Zeit ge- habt, sich wieder zurechtzufinden. „Tie Sozialpatrioten von Frankreich, vielleicht zu sehr in dieser geheiligten„Union sacree" verpflichtet, sind unfähig, ihre Freiheit wieder zu gewinnen. Ter Minister Albert Thomas geht nack St. Etiennc und dankt Schneider von den Creusotwerken, einem?iescr Vampire, die die Völler als verantwortlich für den Krieg be- zeichnen dürfen. Einmal die Verleugnung vollendet, packt er seine Koffer, um einen anderen dieser strafwürdigen..., die Europa in den Tod geführt haben, den Zaren aller Reußen, zu begrüßen. Diese beiden Tatsachen sind die lebendige Demonstration der Irrung der lusqu'auboutistischcn Sozialpatrioten Frankreichs, der Renaudel, der Scmbat, der Euesdc, der Compere-Morel, der Thomas. Vandervelde weigert sich, Scheidemann die Hand zu drücken. Sei es. Ich habe nichts für den Führer der deutschen Rechten übrig, aber ich mutz zugeben, daß er nicht so weit hinabgestiegen ist wie Thomas. Der ersterc hat vor allem einen negativen Fehler begangen, er hat nicht protestiert. In der Folge hat er begangen und begeht er noch einen positiven Feblem er unterstützt seine Ne- gicrung. Aber er ist nicht in das Ministerium eingetreten, und vor allem ist er nicht gegangen, den roten Zaren zu beglückwünschen. Und trotzdem fäbrt Vandervelde nicht nur fort, Thomas die Hand zu� drücken, sondern er wird ihn auch verteidigen und mit ihm zusammenarbeiten.— Wenn trotz allem die Verhältnisse für die Sozialisten Frank- reichs mehr Milderungsgründe haben als für die Deutschlands, so erklären sie auch die Schwierigkeiten der französischen Opposition. Jedoch das wahre sozialistische Gewissen muß sicb in diesem Lande wie in allen anderen erheben. Die öffentliche Meinung erschwert sein Hervorkommen außerordentlich____ Die Berechnungen, die von unseren Kameraden der Opposition nach dem Nationalrat vom S. April aufgestellt wurden, lassen es jedoch als möglich erscheinen. Diese Opposition hat in einer gewissen Zahl von Provinzfödc- rationen ihren Ursprung gefunden: Haute Menne, Jsere, Cöte d'Or, Bauches du Rhöne usw., und hat sich eine starke Minderheit in Paris gesichert. Syndikalisten mit Bouvderon und Merrheim, Anarchisten mit Monatte und der„Vie ouvriere", die sozialistische Jugend, die sozialistischen Frauen mit der tapferen Genossin Louise Simoneau, sozialistische Tageszeitungen, das„Droit du Peuple" in Grenoble mit Chastanet; der„Populaire du Centre" mit Pressemane und Paul Faure, der„Midi socialiste" mit Marcel Libert, die neue Wochenrevue„Le Populaire" mit Longuet, eine gewisse Anzahl Distriktsorgane und endlich Parlamentarier: Longuet, Pressemane, Rafsin-Tugens, Brizon, Alexandre Blanc, Verfeuil, Mistral, mehr als dreißrg, sagt man uns, unterstützen den Kampf. Obwohl nicht alle derselben Richtung angehören— wie in der deutschen Opposition— haben sie doch eine gewisse Aktionseinheit, indem sie verlangen: die Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen; den Bruch mit der ministeriellen Mitarbeit; das Ende der„Union sacree"; d.as Ende der Feindseligkeiten im Interesse des europäischen Proletariats. Man erkennt hier die Zimmerwalder Tendenzen." Nicht darauf komme es an, meint Graber, ob die Linke die Mehrheit oder die Minderheit habe.„Die Hauptsache ist, daß der internationale Gedanke und die internationale Taktik in Frankreich zahlreiche und tapfere Verteidiger wiedergefunden hat, ist, daß sie sich nach Maßgabe, wie sich der Krieg verlängert, verstärken." politische Ueberslcht. Eine„burgfriedliche" Stimme. Die konservative„Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht einen im Tone äußerst scharfen, ja geradezu gehässigen Pfingst- artikel gegen ihre Gegner auf inner- und außerpolitischem Gebiet. Nach den üblichen sentimentalen Bemerkungen über das zweite Kriegspfingsten entrüstet sich das konservative Blatt noch nachträglich über die„sittliche Verwirrung" und „politischen und sittlichen Mißstände und beschänienden Vor- gänge", die noch bis in den Juli 1914 hinein zu beklagen gc- Wesen wären und die auch den„Schlüssel zu den betrüblichen Auseinandersetzungen der letzten Tage" böten. Das konser- vative Blatt fährt dann fort: „Nicht als ob es etwa zur Pflicht der chrlichgesimiten Vater- landsstcunde gemacht werden dürste, zu beschönigen oder in Ver- gessenheit geraten zu lassen, was diese Volksfeinde am Vaterlande gefrevelt haben, indem sie es fortgesetzt täuschten über die wirklichen Ursachen des nicht nur mit seinen Gütern, son- dem auch mit seiner Seele betriebenen Wuchers und der dumm- pfiffigen Kniffe, mit der sie nach dem alten Vorbilde der, Haltet-den-Dieb-Scbreier die Auimerlsansteit von denen ablenkten die diese große Notkrisis zur Füllung ihrer Taschen benutzten und nebenbei zugleich politisch ihr Sckäfcben ins Trockene � zu bringen suchen.... Keine Sorge, daß sie sich dann noeh allzusehr hsn Kopf darüber zerbrechen wird, ob Deutschland sich besser befindet unter der ruhmreichen Monarchie der Hohenzollern als Rußland unter Väterchens sogenannter Selbstherrlichkeit, die in Wirklichkeit dem wilden Tanze eines Klüngels von unverant- wortlichen Hetzern und Schnappsackpolitikern unter großinrstlichcr Führung weder ein Selbst noch eine Herrlichkeit einsichtsvollen kaiserlichen Willens entgegenzusetzen vermag. Noch weniger wird sicherlich nach dem Kriege in Teutschland Be- dürsnis bestehen, die bis dahin fast abgöttisch verehrte britische Staaisform nachzuahmen, in der der König zu einen: willenlosen Werkzeuge der regierenden Geldsäcke geworden ist, von Frankreichs rühm- voller Republik der regierenden Advokaten und Parlaments schieber ganz zu geschw eigen." Mit derselben unerhörten Schärfe wendet sich das Blatt gegen die„ewig Unbelehrbaren von der Sozialdemokratie" und wendet sich dann der Polemik des Reichskanzlers gegen die anonymen Schmähsckristen zu. Selbstverständlich wird dabei nicht etwa gegen Kapp� und Junius Alter polemisiert, sondern in herablassendem Tone dem Reichskanzler Verzeihung zugesagt, sobald er sich— wie versprochen— bessern wolle. In dem Artikel heißt es wörtlich: „Bemerkenswert in der zweiten Rede des Reichskanzlers war das, was dem unbefangenen Blick: besorgter Vaterlandsfrenndc zurzeit als Wichtigstes erscheint, nämlich die Versöhnung und Einigung der Herzen im Geiste der herrlichen Erhebung der Juli- und Augusttage von 1914, insbesondere das Herrn v. Bethmann hoch ehrende Eingeständnis, in der Behandlung der Männer von entschlossener Haltung Fehler begangen und die in ben rechtsstebenden Parteien vorhandene starke vaterländische Kraft nicht voll nutzbar gemacht zu haben. Es würde dem Geiste dieser Psingsttage schlecht entsprechen, nach diesem Zugeständnisse des leitenden Staatsmannes etwa noch untersuchen zu wollen, ob nicht gerade d i e Haltung, die er als eine Erschwerung seiner Politik betrachtet hat, tatsächlich dieser Politik die beste Rückendeckung geboten hat. Die Zeit ist viel zu ernst, als daß nicht alle Vaterlandsfreunde bestrebt sein müßten, die besten Köpfe zur verantwortlichen Mitarbeit an den Vorberei- tungen und Aufgaben der Friedensvcrhmchlungcn heranzuziehen. Nachdem der Reichskanzler das Wort gesprochen hat, daß selbstverständlich nunmehr von deutschen Friedensangeboten keine Rede mehr sein könne, bat er selbst ja auch bereits das stärk st e Hemmnis der Verständigung hinweg- g e r ä u m t." Der Artikel schließt mit einem erneuten Aufwand sitt- sicher Entrüstung über die„von der Verhetzung lebenden Volksfeinde und Volksverführer". Der ganze Artikel ist so plump und geschmacklos, daß jedes Wort der Entgegnung dem Verfasser und der„Deutschen Tageszeitung" unverdiente Ehre erweisen würde. Wir wollen ihn nur zitieren als eine neue Bestätigung dafür, wie lvenig die Konservativen von dem„burgfriedlichen" Geist, den sie den anderen Parteien empfehlen, in sich selbst aufgenommen haben._ Die Gegner des Kanzlers. Im„Tag" bespricht der nationalliberale Abgeordnete Tc. Böttcher die Arbeiten des Reichstags und kommt dabei auch auf die Polemik des Kanzlers gegen seine Widersacher zu sprechen. Aus der Zusammenstellung Böttchers geht hervor, daß Art und Zahl dieser Gegner keineswegs zu unterschätzen ist. Böttcher schreibt: „Ich unterscheide unter den Gegnern des Reichskanzlers: warm- herzige und sachkundige Patrioten, die ihm bei den künftigen Friedensverhandlungen keinen kühnen Griff zutrauen und aus ge- wissen Freundlichkeiten gegen demokratisch« Wortführer, aus Be- Ziehungen zu den Großbanken den Schluß ziehen, daß das bei- gisch« Problem eine ungenügende Lösung finden werde; kaltblütige Torys, denen die Neuorientierung, die angekündigte Reform des preußischen Wahlrechts. Verwaltungsresorm und Verbürgerlichung des politischen Betriebes ein Greuel ist, das sie zu tiefgehender, rechtzeitiger Minenlegung veranlaßt,; ferner grotzindustriclle Kreise, die alldeutsch oder konservativ orientiert sind; sodann Be- rufspolitiker und Zeitungsleute, die auch sonst Veranlassung haben, über schlechte Zeiten zu klagen, von tieferen Kenntnissen über die Geheimnisse der großen Politik nicht beschwert sind— ich nehme ausdrücklich den Grafen Reventlow l., Deutsche Tages-Zeitung") aus, dessen Politik zwar sehr einseitig ist, aber auf Sachkenntnis beruht, und ebenso dem nach meiner Meinung besten und gründ- lichsten Tagespublizistcn Professor Hoetzsch(„Kreuz-Ztg.")—; schließlich Geschichtenträger und Pamphletisten, die nicht einen Funken von dem Geiste des Verfassers der Juniusbriefe in ihrer Schreiberseele tragen, aber mit patriotischen Schaustellungen und mit ihrer Wichtigtuerei auf manche in auswärtigen Fragen er- staunlich schlecht beschlagene Oberschichten unserer Gesellschaft Ein. druck machen. Das, alles in allem genommen, ist eine Macht, die ein Staatsmann nicht übersehen kann, mit der er sich gelegentlich auseinandersetzen muß." Wenn man weiter berücksichtigt, daß der Kanzler— um mit Böttcher zu sprechen— Wert darauf legt, mit dem Zentrum und den Nationaliberalen gute Fühlung zu halten, wird verständlich, daß seine Kriegszielpolitik bei der Sozialdemokratie keine Zu- stimmung finden kann! Eine Absage an den Neichskanzler. Herr v. Bethmann Hollweg hat im Reichstag den Wunsch ge- äußert, daß man auch nach dem Kriege nicht mehr von nationalen und antinationalen Parteien reden, diese Unterscheidung vielmehr zum alten Eisen werfen möge. Daraus antwortet jetzt die„Kreuz- zeitung":„Jedenfalls aber hat die Haltung der Sozialdemokrat� und ihre Ablehnung des Haushaltungsplaiies den Beweis erbracht. daß es nicht gut angängig ist, dem Wunsche des Reichskanzlers fol- gend, den Unterschied zwischen den nationalen und den anderen Parteien ohne weiteres zum alten Eisen zu werfen. Den gleichen Beweis erbrachte die Haltung der Sozialdemokratie zu den Kriegs steuern. Abgesehen von dem Kriegsgewinnsteuergesetz hat sie alle übrigen Steuergesetze rundweg abgelehnt trotz des wieder- holten Hinweises der Regierung, daß die Annahme der Gesetze im Interesse des Reiches und der Fortführung des Krieges notwendig sei." Die„Kreuzzeitung" scheint dabei übersehen zu haben, daß die Abgg. Heydebrand.und Graf Westarp im Reichstag gegen die Besteuerung der Kriegsgcwinne gestimmt haben. Nach den An- sichten der„Krcuzzeitung" wären sie also antinaiionale Elemente. Ein akademischer Bannstrahl. München, 19. Juni.(W. T. B.) Die Korrespondenz Hoff- inann veröffentlicht folgende Erklärung des derzeitigen D e» kans der philosophischeil Fakultät der Univers i- t ä t München:„Der Professor Dr. F. W. Förster hat in einem Artikel in der in Zürich erscheinenden„Friedens- warte"(13. Heft, 1. Januar 1916) über Bismarck, das Deutsche Reich und seine Aufgaben Ansichten geäußert und Wendungen ge- braucht, die jeden Deutschen mit Entrüstung erfüllen müssen. Die philosophische Fakultät, 1. Sektion, spricht einstimmig ihre stärkste Mißbilligung darüber aus, daß einer ihrer Professoren in so ernster Zeit und jenseits der Reichsgrenzcn solche Meinungen in dieser Tonart vorgebracht hat, und ihre Mitglieder werden jedem Versuche, sie unter der Autorität dcS Lehramts in der akademischen Jugend zu verbreiten, mit vollster Entschiedenheit ent- gcgentreten." Es wäre dringend wünschenswert, daß den Lesern, denen dies akademische Tadelsvotum mitgeteilt wird, auch Gelegenheit gegeben würde, zu eigener Urteilsbildung der Artikel Försters zugänglich gemacht würde. Wir selbst haben ihn bisher nicht zu Gesicht bekommen. Doktor Tirpitz. Die Abteilung für Schiffs- und Schiffsmaschinenbau der Tech- nischen Hochschule in Charlotienburg hat den Großadmiral v. Tirpitz zum Ehrendoktor ernannt, und zwar, wie es im Diplom heißt, als „Schöpfer der deutschen Wehrmacht zur See". Eine Pfingstbctrachtung. Die alldeutsche„Unabh. Nationalkorresp." schreibt: „Zum zweiten Male läuten die Glocken in kriegsdurchtobter Zeit die Pfingstbotsibaft durch das blühende, deutsche Land...— dann schöpfen wir alle Gewißheit auZ dem, ivaS Petrus nach der AuS- gießung des heiligen Geistes als den Willen Gottes verkündete: „ES soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott: Ich will Wunder tun oben im Himmel und Zeichen unten auf der Erde, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll sich Verkehren in Finsternis und der Mond in Blut, ehedem der große und offcnbarliche Tag des Herrn kommt." ... RingS ist der Horizont in Blut und Feuer und Rauchdampf getaucht,— eine furchtbare Mahnung, unsere richtig erkannte Kraft in v o I l e m M a ß e zu gebrauchen, um dem„großen und offenbarlichcn Tag des Herrn" den Weg zu ebnen, sein Nahen zu beschleunigen, damit der gequälten Natur der Friede werde.... Der Pfiilgstgedanke verheißt uns die„AuSgießung des Geistes". Möge sie alles umfassen und besruchten, was werklütig zu wirken berufen ist an dem Bau deutscher Zukunft. Dami muß er kommen, der„große und offenbarliche Tag des Herrn", der endliche Triumph des deutschen Geistes, der„gekämpft hat allerwegen, der noch kämpft zu dieser Frist, und der darum nicht erlegen, weil er ja unsterblich ist." Eine ttberflnssigc Erklärung. Vom Genossen Lensch erhalten wir folgende Zuschrift: Die Notiz des„Vorwärts" über den Inhalt meiner Rede in der Deutschen Kolonialgesellschaft ist das Papier nicht wert, aus dem sie gedruckt ist, dagegen veranlaßt mich die Erklärung des Fraitions- Vorstandes zu einer kurzen Bemerkung, imi deren Ausnahme ich bitte. Ich bin in der glücklichen Lage, diese Erklärung, wonach ich nicht im Auftrage der Fraktion oder einer anderen Parteikörperschaft, sondern nur für meine Person an der Veranstaltung teilgenommen und gesprochen habe, ausdrücklich zu bestätigen. Das ist so selbst- verständlich gewesen, wie es seiner Zeit selbstverständlich war, als Miigliedcr des Fraktionsvorstandes ihre bekannte Reise ins kaiserliche Hauptquartier machten, daß auch sie dies„nur für ihre Person" taten, ohne daß freilich der Fraktionsvorstand es damals für nötig gehalten hätte, dies noch ausdrücklich zu erklären. Warum dies jetzt geschieht, ist mir unerfindlich. Weder hat einer der anderen Redner im Auftrage seiner Fraktion geredet, noch habe ich erklärt, daß ich das für meine Fraktion tue. Noch weniger gab dem Fraktionsvorstand der materielle Inhalt meiner Rede begründeten Anlaß zu seiner Erklärung. Ich vergab in ihr weder meiner Person noch meiner Partei das Geringste, was mir sehr kompetente Kollegen, die der Versammlung beiwohnten, ausdrücklich und von selbst bestätigt haben. Die Grundlage meiner Ausführungen waren gültige Fraktionsbeschlüsse sowie AuS- führungen von Mitgliedern unseres FraktionsvorstandeS. Tie jetzige Erklärung des Porstandes hat nur dann einen Sinn, wenn sie be- sagen soll, daß die deutsche Sozialdemokratie den Anheimfall des deutschen Kolonialgcbietes an Franzosen und Engländer ruhig mit ansehen kann, d. h. also, daß der Grundsatz: keine Annektionen wohl für Teutschland, aber.nicht für Teutschlands Feinde gelten soll. Allein ich glaube nicht, daß diese Weltpolitik nach dem bekannten Rezept des Genossen Ströbel für den Fraktionsvorstand in Betracht kommen kann. Lag dem Fraktionsvorstande wirklich nur daran, eine Aeußerung ausgerechnet der braven„Nordd. Allgein. Ztg." richtig zu stellen— aus der Meldung des W. T. B. ging beispielsweise deutlich hervor, daß jeder Redner nur für seine Person sprach—, so hätte es näher gelegen, wenn der Vorstand sich an mich mit dem Ersuchen gewandt hätte, eine entsprechende Erklärung abzugeben. Es wäre dann der gehässige Eindruck vermieden worden, der jetzt der Aktion des Vor- standes, wenn auch natürlich völlig wider seinen Willen, allerdings anhastet. Ich bedaure also feststellen zu müssen, daß die Erklärung, die der Fraktionsvorstand erließ, um, wie er sagte, Mißverständnisse zu vermeiden, lediglich geeignet ist, Mißverständnisse zu schaffen. Neudabelsberg, 10. Juni IlllS. Dr. Paul L e n s ch. Sozialdemokratie und Waffenbrüderliche Vereinigung. Wir erhalten folgende Zuschrift: In seiner Notiz„Waffcnbriiderliche Vereinigung"(Nr. 158) hebt der„Vorwärts" durch den Druck besonders hervor, daß dem Aus- schuß der literarischen Abteilung dieser Bereinigung auch zwei Sozialdemokraten angehören, nämlich der Genosse Paul Lensch und meine Wenigkeit. Die Tatsache ist richtig. Um aber irrigen Auffassungen vorzubeugen, bitte ich hier feststellen zu dürfen, daß aus der Tätigkeit dieser literarischen Abteilung alle Partei- politischen und wirtschaftspolilichen Erörte- r un gen von vornherein ausgeschaltet si n d. Es handelt sich vielmehr lediglich um die Vorbereitung einer immer größeren gegenseitigen kulturellen Durchdringung des deutschen, des österreichischen und des ungarischen Schrifttums. Diese Bestrebungen, zu deren bedeutendsten Wortführern in Oestereich die Genossen Pernerstorffer und Karl Renner gehören, liegen der durchaus auf dem Wege zu dem großen sozialistischen Ziel der Völkerverständigung und sie liegen insbesondere auf dem Wege zu den mitteleuropäischen Zielen, wie sie vor allem auf der bekannten Januarkonferenz zwischen Vertretern der deutschen und der österreichischen Sozialdemokratie so beredten Ausdruck fanden. ES lag also sür einen Sozialisten keinerlei Anlaß vor, die Auf- forderung, sich an dieser Arbeit zu beteiligen, zurückzuweisen. Es ist ivirklich nicht nötig, daß wir uns in hhsterischer Angst um unier Seelenheil immer wieder von neuem selbst in das Ghetto einer sektenniäßigen Vereinsamung hineinsperren l Und arbeiten denn nicht auch andere Sozialisten gerade heute vielfach mit bürgerlichen Gruppen, zum Beispiel mit Freiden kerlreisen und P a z i f i st e n, zusammen? Ich denke nicht daran, ihnen daraus einen Vorwurf zu machen. Aber was Genossen von der Minderheit recht ist, muß uns von der Mehrheit schon billig sein!� Mit „waffe.ibrüderlichem" Gruß Konrad Haenisch. Daß Genosse Haenisch eZ so eilig hat, auf unsere Mitteilung ko ausführlich zu antworten, obwohl wir selbst kein Wort der Kritik daran geknüpft hatten, beweist wohl zur Genüge, daß ihm bei der Sache nicht allzu wohl zu Mute ist. Tie neue Reichsbekleidungsstelle. Amtlich. Berlin, 10. Juni. kW. T. B.) Ter Bun- d e s r a t hat unter Äem 10. Juni 1910 eine eingehende Ver- ordnung über bie Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk- und Strickwaren für die bürgerliche Bevölkerung erlassen. Tie Regelung soll hauptsächlich den sparsamen Verbrauch der vorhandenen Bestände herbei- führen, damit auch bei noch so langer Dauer des Krieges am Friedensschluß sür die in die bürgerlichen Berufe zurückkehren- den Krieger genügend Stoffe vorhanden sind. Daneben sollen die benötigten'Stoffe für Behörden, öffentliche und private Krankenanstalten bereitgestellt, sowie die Herstellung und der Vertrieb von Ersatzstoffen gefördert werden. Mit der Durch- tührung der Aufgabe wird die R e i ch s- B c k l e i d u n g s- st e l l e'betraut. Sie besteht aus einer Verwaltungsabteitung, die sich aus einem Vorstande und einem Beirat zusammen- letzt, und einer Gcschäftsabterlung. Als solche wird der Reichs- Bekleidungsstelle die Kriegswirtschafts-Aktie n- g e s e l l s ch a f t angegliedert, die auf diesem Gebiet schon ein- gearbeitet ist. Vorsitzender der Reichs-Bekleidungsstellc ist Geheimer Rat Oberbürgermeister a. D. Dr. B e n t l e r. Die Verbrauchsregelung soll erreicht werden� in der Uebergangszeit bis zuni 1. August 1910 durch eine B e- s ch r ä n k u u g des Absatzes i m K I e i n h a n d e I auf 20 Prozent des Jnventurergebnisses bei jedem Geschäft. Von da an dürfen unter die Verordnung fallende Web-, Wirk- und Strickwaren im Kleinhandel nur gegen Bezugsschein an den Verbraucher abgegeben werden, der dem. Antragsteller von der Behörde seines Wohnsitzes ausgestellt wird. Jeder Kleinhändler mit diesen Stoffen hat unverzüglich eine Inventur derartiger in seinem Besitz befindlicher Waren mit Einsetzung der Preise aufzunehmen. Während der Inventur besteht V e r k a u f s s p e r r e. Fabrikanten und Großhändler dürfen nur an solche Abnehmer liefern, mit denen sie bereits vor dem 1. Mai 1910 in dauernder Geschäftsver- bindung gestanden haben. Von der Vcrbrauchscinschränkung sind eine'Reihe von Waren ausgenommen, wie Seidenstoffe, Batiste, Schirme, Schleier usw., die unter ll-1 Nummern in einer sogenannten Freiliste veröffentlicht sind. Teucrungszulagen für städtische Arbeiter. Tie Stadt Fürth in Baperit mit 70 000 Einwohnern hat be- tchlosien, die bestehenden Kriegsteuerungszulagen zn erhöhen. So steigt die Teuerungszulage von ledigen Beamten, Bediensteten und Arbeitern von 4.50 M. monatlich auf 7,50 M. Sofern diese»och für unlerhaltsberechtigte Verwandte ganz oder vorwiegend zu sorgen haben, beträgt die Teuerungszulage 9,00 M.; bis- her war sür solche Fälle eine Eptraerhöhung nicht vor- gesehen. Verheiratete Beamte, Bedienstete und Arbeiter erhalten eine monatliche Teuernngszulage von 10 M., soweit sie Kinder unter 17 Jahren oder solche über 17 Jahren haben, die ihren eigenen Lebensunterhalt nicht bestreiten können, eine Zulage von je g M. Verwitwete Beamte oder geschiedene Beamte usw. erhalten g M. monatliche Teuerungszulage. Dabei wurde die Einkommens- grenze der in Betracht kommenden Beamten nild Arbeiter bei den Ledigen von 1400 M. aus 1800 M. und bei den Verheirateten und denjenigen, die für unterhallSberechtigte Verwandte als Ledige zu sorgen haben, von 2100 M. auf 3000 M. erhöht. Diese Nenregelung tritt rückwirkend ab 1. März in Kraft und sind hierfür 15 282,25 Mark iiachzuzahsen. � Auch die invalid gewordenen und wegen hohen Alters nicht mehr beschäftigten früheren städtischen Arbeiter. Beamte oder Witwen und Waisen von solchen wurden berücksichtigt, und zwar soll ihnen eine einmalige Unterstützung gewährt werden, die ein Viertel der einzelnen Renten nicht übersteigen, aber auch bei Männern nicht unter 30 M,, bei Witwen' nicht unter 20 M. und bei Waisen nicht unter 10 M. herabgehen darf. Diese einmaligen Unterstützungen kommen im Juli zur Auszahlung: hierfür ist eine weitere Summe von 4500 M. aus städtischen Mitteln notwendig. Die Gewährung von Teuerungszulagen in erhöhter Form erstreckt sich selbstverständlich auch auf alle' weiblichen Beamten, Bediensteten und Arbeiterinnen, der Siadt, soweit deren Ehemann nicht in der Lage ist, ohne sein Verschulden seine Familie unterhalten zu können. Eine„Bürgerwehr" gegen die Jugend. Wir lesen in der„Täglichen Rundschau":„Gegen die Ver- rohung der Jugend wird im Bezirk des IV. Armeekorps(Provinz Sachsen) eine neue Maßnahme durchgeführt werden. Da der Un- fug der Schuljugend und auch der heranwachsenden Jugend beider- lei Geschlechts wegen der durch den Krieg bedingten Verringerung der Sicherheitsmannschast nicht eingedämmt werden kann, sollen auf Anordnung des Stellvertretenden Generalkommandos Bürger ehrenamtlich für die Ausübung des Aufsichtsdienstes verpflichtet werden. Diesen Personen sollen von den- Regierungspräsidenten die erforderlichen Beamteneigenschaften und Rechte zuerkannt werden."(z) Der Chefredakteur der„Germania", ten Brink, ist Sonn- abendnachmittag 3 Uhr hier im 65. Lebensjahre nach längerer Krankheit gestorben._ das tägliche örot. Butter- und Fettverforgung. Ucber porläufige Maßnahmen auf dem Gebiet der Fettber- sorgung wird eine Verordnung vom 8. Juni veröffentlicht, in der u. a. bestimmt wird: Kühe, die vorzugsweise zur Milcherzeugung geeignet sind, dürfen nicht zur Schlachtung kommen. Molkereien können bei Eintritt von Notzuständen durch Milchknappheit zur Lieferung von Voll- oder Magermilch an bestimmte Gemeinden angehalten werden. Tie Verpflichtung der Molkereien zur Ueberlassung von Butter wird dahin erweitert, daß bis zu 50 Proz. der im Vor- monate hergestellten Buttermenge zu überlassen sind. Jeder, der vom 1. Juli 1916 ab Butter mit der Post oder Eisenbahn versendet, ist verpflichtet, auf der Verpackung in deutlich ficht- barer Weise seinen Namen und Wohnort oder seine Firma und deren Sitz anzugeben und die Sendung als Buttersendung unter Angabe des Gewichts der Butter zu kennzeichnen. Molkereien sind verpflichtet, über Bezug und Verarbeitung von Milch und Rahm sowie über Abgabe von Butter, Bullerhändler über Bezug und Absatz von Butter Buch zu führen. Tie Gemeinden über 5 000 Einwohner haben, so- weit dies noch nicht geschehen ist, bis zum 1. Juli 1916 den Ver- kehr mit Speisefetten in ihrem Bezirk und den Verbrauch zu regeln. Sie haben zu diesem Zweck insbesondere anzuordnen, daß alle in dem Bezirk eingehenden Buttermengen der Gemeinde- behörde unverzüglich anzuzeigen sind. Speisefettkarten aus- zugeben, die Abgäbe von Speisefetten im einzelnen zu regeln, er- forderlichenfalls die Verbraucher bestimmten Abgabestellen zuzu- weisen und dereü Eintragung in Kundenlisten vorzuschreiben. Das Kriegsernährungsamt oder die von diesem bezeichnete Stelle kann Grundsätze über den Verkehr mit Speisefetten und den Verbrauch aufstellen. Als Speisefett im Sinne dieser Vorschrift gelten Butter, Butterschmalz, Margarine, Speisefette, Schweine- schmalz und Speiseöle. Tie Gemeinden über 5000 Einwohner können anordnen, daß die Vollmilch, die in ihre Bezirke gelangt, entrahmt und ver- buttert wird. Die Anordnung darf nicht erstreckt werden auf die Vollmilch, die zur Ernährung von stillenden Frauen, Kindern, Säuglingen und Kranken erforderlich ist. Zuwiderhandelnde werden mit Gefängnis bis zu 1 Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 M. oder mich mit beiden Strafen be- droht._ Verfütterungsvcrbot für Kartoffeln. lieber da? Verfüllern von Kartoffeln wird eine neue Ver- ordnnng vom 8. Juni veröffentlicht. Danach dürfen dum 10. Juni 1916 ab Kartoffeln nicht mehr verfüttert werden. Der Kommunalverband regelt, die Zulassung von Aus- nahmen. Ausnahmen dürfen nur bewilligt werden für Kar- toffeln, die sich nachweislich zur menschlichen Ernährung nicht eignen. Viehbesitzer dürfen bis zum 15. August d. I. an ihr Vieh insgesamt nicht mehr Erzeugnisie der Kartoffeltrocknerei verfüttern, als auf ihren Viehbestand bis zu diesem Tage nach (olgendeit Sätzen entfällt: an Pferde höchstens 2>/z Pfund, an Zugkühe höchstens IV4 Pfund, an Zugochsen höchstens 1�,1 Pfund, an Schweine höchstens V» Pfund täglich. Die Kommunalverbände können das Verfüttern"dieser Erzeugnisse weiter beschränken oder ganz verbieten. Kartoffelstärke und Kartoffelslärkemehl dürfen nicht versüttert werden. Zuwiderhandelnde werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mir Geldstrafe bis zu 10 000 M. bedroht. Tie Steuregclung der Schlachtungeu. Die neuen Vorschriften über die Schlachtungen, insbesondere die Hausschlachtungen, sind jetzt in einem gemeinsamen Erlaß der Minister für Landwirtschaft, Handel und des Innern veröffentlicht worden. Es beißt darin: In verschiedenen Kommunalverbänden haben die gewerblichen Schlachtungen die von der Reichsfleischstelle zugelassene Höchstzahl überschritten. Dieses muß unbedingt vermieden werden, um eine gleichmäßige und ausreichende Versorgung der Bedarfsbezirke, an der es bisber vielfach gefehlt hat, zu sichern. Tie Einführung einer schärferen Uebcrwachung in dieser Hinsicht ist daher er- forderlich. Verkeilung der Schlachtungen. Den Kommunalvcr- bänden iv-tadt- und Landkreisen) wird die Höchftzahl der für ihren Bezirk für einen bestimmten Zeitraum zugelaffeuen Schlachtungen an Rindvieh, Schafen und Schweinen durch den Oberpräsidentcu bzw. den Regierungspräsidenten nach Maßgabe der diesen von der Rcichsseischstelle für ihre Provinz oder ihren Bezirk mitgeteilten Höchstzahl zugeteilt. Tie Kommunalvcrbände und Ge- in ei nde n sind dafür verantwortlich, daß die ihnen zugc- wiesenc Zahl der Schlachtungen nicht überschritten wird. Minder- schlachtungen in einer Mehgattung dürfen dabei nicht durch Mehr- schlachtungen in einer anderen Biehgattung ausgeglichen werden. Ge w e r b l i ch c vs ch l a ch t u n g c n. Die Leiter der Kommu- nalverbände(Landräte, Obcramtmänner, Oberbürgcrmeisteri haben sür die für ihren Bezirk zugelassenen gewerblichen Schlachtungen den zur«chlachtung berechtigten Betrieben Schlachtcrlaub- n i s s ch e i n c ailszustellen. Haals schlachtungen. Die bestehenden HauS- ch l a ch tu n g s v erb 0 t e werden aufgehoben. Die zur Schlachtung bestimmten Tiere müssen vom Besitzer mindestens sechs Wochen in seiner Wirtschaft gehalten sein. Das aus solchen Scklach- lungen gewonnene Fleisch darf nur unentgeltlich oder an solche Personen abgegeben werden, die zum Haushalte des ViehhaltcrS gehören oder in seinem Dienst stehen. Tie Schlachtungen sind nur mit schriftlicher G e nc li m i g u n g des Leiters der Kommu- nalvcrbandes gestattet. Tic Genehmigung ist zn versagen, wenn nach Prüfung der vorhandenen Vorräte aus früheren Seblachttingen ein Bedürfnis nicht anerkannt werden kann. Das Fleisch aus un- erlaubten Hausschlachtungen verfällt dem Kommunalverbandc, ohne daß ein Entgelt dafür gezahlt wird. Not schlachtungen. Diese fallen nicht unter die vor- stehenden Vorschriften; sie sind unverzüglich, spätestens innerhalb 24 Stunden nach der Schlachtung dem Landrat usw. anzuzeigen. Das Fleisch aus Notschlachtungen ist gegen eine festzusetzende� Eni- schädigung abzuliefern. Ein Verderben des Fleisches ist unter allen Umständen zu verhüten. Berichtigung dcS Kriegsernährungsamts. In der Mitteilung über die Tätigkeit des Kriegsernährungs- ,mteS vom 9. Juni ist gesagt worden:„Mit Vertretern der Industrie wurde neben der Förderung der Schweine schlack- tun gen usw." Es ist dieses ein irreführender Druckfehler,.Es muß natürlich heißen:„Mit Vertretern der Industrie wurde neben der Förderung der Schweinemästungen die schnelle Fürsorge sür Schwerarbeiter durch Sonderzuweisungen von Nah- rungsmitteln und die Förderung der Massenspeisung beraten usw." Das Kriegsernährungsamt wird sich ganz besonders darum bemühen, daß die Schweinemastverträge, die bei der Versorgung der groß- städtischen Kommunen und Jndustriebezirke sich sehr bewährt haben, weiter aus Schweine und Milchvieh ausgedehnt und Futtermittel zu diesem Zweck an die Verträge abschließenden Landwirte, welche sich hauptsächlich aus den kleineren Besitzern zusammensetzen, zur Ver- fügung gestellt werden. Eine Mühlenkonferenz. Mit der Beschäftigung des Mühlengewerbes im neuen Ernte- jähr beschäftigte sich eine Konferenz, die am 8. Juni im Sitzungs» saal der Reichsgetreidestelle tagte. An ihr nahmen teil der Chef der Reichsgetrcidestellc, Unterstaatssekretär Michaelis, die Direk- wren und einige Aussichtsräte derselben, je 5 Vertreter der drei Reichsverbände des Müllergewerbes und die Reichstagsabgeoro- neten Ääpplcr und Schweickhardt. Einleitend bemerkte der Chef der Reichsgetreidestelle, daß die Konferenz nur informatorischen Charakter habe, daß aber in einer späteren Konferenz die Reichs- getreidestelle ihre Absichten betreffs der Vermahlung der nächsten Ernte den Müllereiinteressenten unterbreiten werde. Er erklärte dann den Erschienenen, daß alle Vorwürfe über Bevorzugung von Mühlen oder Mühlengruppen gar keinen Zweck hätten und bei den Erörterungen ausgeschaltet werden sollten. Tie Reichsgetreidestelle habe nicht das geringste geschäftiche Interesse daran, ob diese oder jene Mühle oder Mühlcngruppe beschäftigt würde oder nicht. Die Vorwürfe, daß die Rcichsgetreidestelle unnötigerweise große Men- gen Getreide„spazieren gefahren" habe, seien unbegründet. Nicht Aufkaufen und Vermählen, sondern Lagerung und Gesunderhal- tung der Getreide- und Mehlbestände sei das schwierigste Problem für die Reichsgetreidestelle. Deshalb sei dieselbe auf Grotzmühlen in erster Linie angewiesen, welche die volle Verantwortung über die Bestände übernehmen könnten. Auch ermöglichten in erster Linie die Großmühlen der Reickisgctreidestelle rasche und einheitliche Dispositionen. Wo ein Ausgleich durch die Reichsgetreidestelle wünschenswert erscheine, werde diese nach Möglichkeit dazu bereit sein. � In der Konferenz verlangten die Klein- und Mittel- mühlenverbände, daß den Kommunalverbänden die gesamte Bewirtschaftung des Brotgetreides übertragen werde, und daß sie sich zu diesem Zwecke zu größeren Getreidewirtschaftsverbänden zusammenzuschließen hätten. Ter Reichsgetreideftelle solle nur die Aufsicht über diese Verbände bleiben. In allen Kommunalverbän- den sollten die Mühlen zu Zwangsgenossenschaften zusammenge- schlössen werden. Die Mahlaufträge sollten an alle Mühlen, die als Mahlmühlen schon vor dem Kriege in Betrieb waren, gleich- mäßig verteilt werden. Die Vertreter der G r 0 ß m ü h l c n erklärten sich mit der möglichst gleichmäßigen Beschäftigung aller Mühlen einverstanden; sie erklärten aber, daß sie nicht mit allen Vorschlägen der beiden anderen Verbände einverstanden seien; besonders aber verlangteil sie, daß auch einzelne Großmühlen, die keiner Vereinigung im Sinne der beiden anderen Verbände angehören, das Recht haben müßten, der ReichSgetretdestellc angeschlossen zu tvcrden. Reichs- tagsabgeordneter Käpplcr vefürwortctc eine Kontingentierung aller Mühlen aus 60 Proz. ihrer Friedcnsproduktion und legte einen ziffernmäßig begründeten Plan vor, der die Möglichkeit dieser Rc- gelung bewies. Er empfahl die Einstellung der Nachtarbeit während des Krieges. Er warnte vor dem Bestreben, den Kommunalver» bänden ausschließlich die Bewirtschaftung des Brotgetreides zu überantworten. Wenn auch die Äominunalverbände im allgemeinen und besonders dort, wo sie keine hohen Zuscblägc aus die Mehlpreise vornehmen, billigere Mehl- und Brotpreise hätten als dort, wo die Versorgung.der Reichsgetreidestellc obtiege, so lasse doch meist die Kontrolle, daß kein Brotgetreide verfüttert werde, recht viel zu wünschen übrig. Außerdem.befürchtet er, daß dann mit dem Brot- getreide Dieselbe-Absperrungspolitik eintreten könne, die wir ber anderen Lebensmitteln zu beklagen haben. Man werde seitens der Müllcrverbände eine Besserung nur erreichen, wenn man an das Bestehende anknüpfe und vor allen Tingen dürfe mit der Ncuregc- lung der Vergebung der Mahlaufträge keine Verteuerung des Brotes verbunden sein, dagegen müßte sich die Reichs- getrcidestellc und würde sich der Reichstag, wenn er beisammen wäre, entschieden wehren. Tie Müllcrverbände müßten sich auf annehmbare Vorschläge einigen, wie man, ohne eine Verteuerung des Brotes herbeizufübrcn, von dem jetzigen Prinzip der Rcichsgetreidestelle abgehen tönne, den Mahllobn nach dem Beschäftigungsgrade der Mühlen zn bemessen/ Solange dieses Prinzip bestehe, habe die Reichsgetreideftelle ein wohlbcgründctcs geschäft- liches Interesse daran, wenige Großmühlcn voll zu beschäftigen, um niedrige Mahllöhne zu erzielen. Bekomme die Reichsgetreide- stelle von allen Mühlen zu angemessenen Mahllöhnen gemahlen, dann erst verschwinde das Interesse, eine Anzahl Großmublen voll zu beschäftigen. Tie Reichsgetreidestellc wird in nächster Zeit den Vertretern statistische Unterlagen für eine Neuregelung zugängig machen und dann eine neue Konferenz einberufen. Mus der Partei. Geucralversamlung des zweiten Berliner Wahlkreises. Am Dienstag begann der Sozialdemokratische Wahlvcrein sür den zweiten Berliner ReichstagSwahltreis seine Generalversamm. lung, die am Freitag beendet wurde. Ter Geschäftsbericht des Vorstandes, den der Vorsitzende Genosse Schröder erstattete, erstreckt sich aus einen Zeitraum von zwei Jahren. In dieser Zeit hat der Mitgliederbestand einen bedauerlichen Rückgang erfahren. Am 1. April 1914 hatte der Verein 5433 männliche und 775 weibliche, zusammen 6208 Mitglieder. Am 31. März 1916 waren vorhanden 3779 männliche, 587 weibliche, zusammen 4366 Mitglieder. Tas ist ein Rückgang von 1654 männlichen und 188 wcivlichen Mitgliedern. Ter Verein hat also gegenwärtig pur etwa 2600 zahlende Mit- glicder. Nachdem Genosse Schmidt die Kassenabrechnung gegeben hattß, erstattete Genosse Julius Meyer den Bericht der Preß- kommisfion. Ter Redner besprach den Konflikt zwischen Redaktion und Parteivorstand und erklärte, daß er ans dem Standpunkt des Parteivorstandcs stcbc. An die Berichterstattung schloß sich eine lange Debatte, welche in der Hauptsache die Haltung deS„Vorwärts" während des Krieges zum Gegenstände hatte. In der gestrigen Versammlung wurde dann folgende Resolu- tion des Genossen Thal meyer angenommen: „Tie Generalversammlung nimmt Kenntnis von der ..Glanzleistung" des sozialdemokratischen Reichötagsabgeordneten Oskar Geck in der„Mannheimer Volksstimme"(wiedergegeben im „Vorwärts" Nr. 151) im Falle des Genossen Karl Liebknecht und hängt diese Notiz tiefer. Tic Generalversammlung spricht dem Gcnossen Karl Liebknecht ihre volle und wärmste Sympathie aus." Nach Erledigung der übrigen Tagesordnung brachte Genosse S ch w a h n beim Punkt„Verschiedenes" eine von ihm vorher ver- spätet eingereichte Resolution wieder ein, die dann mit 88 gegen 31 Stimmen angenommen wurde. Sie lautet: „Die Generalversammlung erklärt, in ibrcr Mehrbeit auf dem Standpunkte der Fraktionsminderheit'sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft» zu stehen. Sic wendet sich gegen jeden Ver- such auf Spaltung unserer Partei, sie ermannt die Mitglieder» in dieser sckmteren Situation treu zur Partei zu stehen." Für die am 18. d. M. staltindende Urwahl zum Vorstand« wurde folgende Kandidatenliste autgestellt: 1. Vorsitzender: Schrö- der» JakubowSti, 2, Vorsitzender: L 0 h s e. 1. Kassierer; Gustav Schmidt. 2. Kassierer: SzilinSki.'1. Schriftführer: Buczinski, Rautmann. 2. Schriftführer: Pyritz, Frau Güldner. Beisitzer: Schräder, Frau Wurm. Revisoren: Neuling, Höhn, Tr a u t m a n n, Moses. Pretzlommission: Krüger, Meyer, Schäfer. Lokalkommission: Scbwahn, Atzmann. Schiedskommission: Ewald, Jänicke. Revisoren für Grotz-Berlin: Jakubowski Schmidt. Vertreterin der Frauen im Zentralvorstand: Frau Wurm. Ferner wurden die von den Abteilungen vorgeschlagenen Mit- glieder des Zentralwahlkomitecs, des Kreisbildungsausschusses sowie die Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung gewählt.— Als Kandidat für den Parteiausschutz wurde an Stelle des Genossen Theodor Fischer der Genosse Stadthagen aufgestellt. Tos Züricher„Volksrecht" gegen Oskar Geck. Zu der von uns niedriger gehängten„Glanzleistung" des Ge- nossen Oskar Geck schreibt das Züricher„Volksrecht" unter der Ueberschrift:„Worin sie sich einig sind": „Die Kriegspatrioten Deutschlands und Frank- r e i ch s sind wenigstens in einer Sache einig, in der nämlich, gehörig auf die Zimmcrwalder loszufahren. Die Begründung ist eine abweichende: Tie Franzosen erklären kurzerhand, jede heute in der Schweiz, in Italien oder Frankreich unternommene inter- nationale Aktion werde mit dem Geld des deutschen Kaisers gemacht. Nach der französischen und italienischen Kriegshetzer- presse z. A. stünde die ganze sozialdemokratische Partei der Schweiz samt ihrer Presse im Dienste Deutschlands. Umgekehrt schreibt ein Blatt wie die„M a n n h e i m e r V o l k s st i m m e" über dre am 21. Mai in der Schweiz abgehaltenen Demonstra- tionen:„Und hierin liegt das Gefährliche, ja das geradezu Ver- brecherische der Aktionen, tut wir nun schon seit Monaten in dem Kerenkcffel der schweizerisch- sozialistischen Pseudo-Neutralität(!) sich abspielen sehen. Es sind dabei eine Reihe von Elementen an der Arbeit, deren Mangel an politischer Einsicht und morali- stfiem Verantwortungsgefühl nur übertroffen wird von der Skruvellosigkeit, mit der sie ihre persönlichen Anti- pathien gegen die eine der beiden kriegführen- den Mächtegruppen zum Kompätz ihrer ganzen öffentlichen Tätigkeit machen." Was werden der„M a t i n" und seine Nachbeter dazu sagen, welche nicht genug betonen können, datz die ftanzösischen Inter- Nationalisten im Schlepptau der„von Teutschland gekauften" Schweizer Sozialisten gingen? Tie Gleichartigkeit der Vorwürfe an die Adresse der schweizerischen Partei in der Kriegspresse von hüben und drüben enthebt uns der Pilicht irgendwelcher Verteidigung. Tie Herr- schaften zeigen durch ibre Anschuldigungen am besten, datz wir in Gesinnung und Handeln international geblieben sind— was zu beweisen war." Tie Gleichstellung der„Mannheimer Volksstimme" mit dem „Matin" ist zwar recht hart, aber soweit ihre fortgesetzten ge- hässigen Angriffe gegen die Schweizer Genossen in Betracht kommen, unseres Erachtcns durchaus begründet. Genosse Königer gestorben. Ganz unerwartet ist in der Nacht zum Donnerstag der Ge- nosse Johann Königer, der Geschäftsführer der Er- f u r t e r„T r i b ü n e", an einem Herzschlage gestorben. Der Verstorbene stand im öS. Lebensjahre. Früher war er im Nürnberger Geschäft tätig, um dann im August 1912 den Verlag der„Tribüne" zu übernehmen. Er war eine bescheidene stille Natur, dessen Andenken die Erfurter Arbeiterschaft in Ehren halten wird. Leider war es tbm nicht mehr vergönnt, die geplante Erweiterung des Betriebes durchzuführen. Mus Znöuftrie und Handel. Zusammenschluß des Tanziger Großhandels. Nachdem die vorbereitenden Arbeiten zum Abschlütz gelangt sind, hat sich der Tanziger Grotzhandcl zu einem Wirtschaftsverband Tanziger Handelsfirmen G. m. b. H. zusammengeschlossen. Auf die vierte Kriegsanleihe sind in der Berichtswoche 196,7 Millionen Mark neu eingezahlt wordeic, wodurch die bisher ge( leisteten Zahlungen auf 9333,7 Mill. M.— 88,3 Proz. des gel samten gezeichneten Betrages gestiegen sind. Ungeachtet der erheb- lichen Neueinzahlunq sind die von den Tarlehnskassen für die Zwecke der vierten Kriegsanleihe hergegebenen Gelder in der Be- richtSwoche um 23,9 auf 493,3 Mill. M. gleich 4,2 Proz. der bisher eingezahlten Summe zurückgegangen. Lei dieser Gelegenheit sei bc- merkt, daß das Ergebnis der vierten Kriegsanleihe durch die Feld- Zeichnungen und eine Anzahl nachträglich eingegangener Auslands- zeichnungen sich von 10 712 614 499 M. auf 19 767 598 009 M. erhöht hat. Soziales. Tie cntlasscue Kricgcrfrau. Ein recht unsoziales Verhalten gegenüber einer Krieger- frau legte die Maschinen- und Guinmiwalzenfabrik Oskar Sperling u. Co. an den Tag, wie sich aus einer vor der 5. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts stattgehabten Verhandlung ergab. Die Klägerin in dem Prozesse, deren Mann seit langem im Felde steht, sah sich infolge ihrer zahlreichen Familie gezwungen, im November vorigen Jahres Stellung anzunehmen. Sie wurde bei der Beklagten mit einem Monatsgebalt von 39 M. als Konto- ristin angestellt und war bei diesem bescheidenen Einkommen auch fünf Monate tätig gewesen. Am 6. Mai erklärte ihr der Inhaber plötzlich, sie brauche nicht mehr wiederzukommen, er habe für sie nicht mehr genügend Beschäftigung. Gehalt über den Tag der Tätigkeit hinaus zu zablen, weigerte er sich. In der Verhandlung kam der Prinzipal mit folgendem sonderbaren Vorbringen: Er habe der Klägerin gleich beim Engagement gesagt, es handle sich nur um eine Aushilfsjtellung, so daß er sie nur tageweise beschäftigen könne. Er sagte ihr zu. pro Tag 2 M. zu zahlen. Für den Fall, datz aber der Monat voll würde, sollte Frau Fr. nur 39 M. im ganzen bekommen. Durch die Gummibeschlagnabmc habe er schließ- lich den Betrieb so einschränken müssen, daß die Kontoristin entbebr- lich wurde. Diese Bebauptungen des Fabrikanten bestritt die Klägerin mit aller Entschiedenheit. Es sei bei den Anstellungs- Verhandlungen weder von einer tagcweisen Beschäftigung, noch von einer tageweisen Bezahlung die Rede gewesen. Das Kauftnaiinsgericht bemühte sich, einen Vergleich herbeizu- führen, der Inhaber der Beklagten war aber nicht dazu zu bewegen, der Klägerin auch nur den geringsten Betrag auf dem Wege güt- licher Einigung zukommen zu lassen. Es erfolgte schließlich Ver- u r t e i l u n g der Beklagten zur Zablung des Gebalts für die Monate Mai und Juni in Höhe von 199 M. Ter Einwand der Beklagten, es läge ein Engagement zur Aushilfe bzw. auf Probe vor, sei nicht stichhaltig. Das Tienstverbältnis babc schon ein halbes Fahr bestanden. Wollte man nach so langer Zeit noch eine Aus- lnlse als gegeben ansehen, so würden dadurch die Bestimmungen deS Handelsgesetzbuches über die Jnnchaltung einer Mindestkündi- gungsfrijt v.on vier Wochen ausgeschaltet. 37 Kriegcrfrauen als Klägerinnen. Der Lohnprozetz vor dem Potsdamer Gewerbegericht, über den wir bereits berickiteten, wurde in der letzten Sitzung des Gerichts weiterverhandelt, voraussichtlich wird am Donnerstag das Urteil aefällt werden. Verklagt ist der Potsdamer Sattlermeister Karl Teschner. Die Klägerinnen behaupteten, für 13 763 Feldpatronenkörbe, 7416 Münk tionskörb« und zahlreiche Kartuschenkörbe nicht den tariflich festgelegten, sondern einen gekürzten Lohn vom Zwischenmeister Lorenz Jahnz erhalten zu haben. I a h n z wurde jetzt als Zeuge ber- nommen und versicherte, für Munitions- und Feldpatronenkörbe je 39 Pf. Stücklohn, statt je 38,3 und 35 Pf. bezahlt zu baben, für Langgranaten- 29 statt 21 Pf. und für Kartuschkörbe 79 Pf. statt 1,98 M. bzw. 96 Pf. Der in Kraft befindliche Reichstarif, der auch vom Beklagten als für ihn bindend anerkannt wurde, verpflichtet ihn, die Zwischenmeister anzuhalten, die vollen Löhne zu zahlen. Als dies nicht geschah, erstatteten die meisten in Bornstedt wohnhaften Frauen Strafanzeige wegen Betruges. Das Verfahren wurde ein- gestellt. Nunmehr wandten sie sich an das Gewerbegericht, vor dem in erster Sitzung der Beklagte die Berechtigung der Forderungen bestritt, in zweiter anerkannte/jedoch nicht selbst als der Zahlungs- verpflichtete gelten wollte. Die versuchte Ermittelung der Höhe der gänzlichen Forderung und der Leistungen der Frauen scheiterte an der absoluten Unzulänglichkeit der Buchführung des Beklagten und des Zwischenmeisters, der erst Mitte März 1915 mit Aufzeichnungen begann. Jahnz erklärte, seine früheren Bücher seien verloren gegangen, er besitze noch zwei Lohnbücher und ein drittes Buch, in dem die vom Beklagten an ihn gezahlten Beträge verzeichnet stünden. Die Frauen bätten, wenn 199 Kövbe fertig gewesen seien, ibr Geld bekommen. Die meisten Frauen hätten selbst Bücher ge- führt.(Sie bildeten übrigens inz einzige Handhabe zur Erhebung der Klage und konnten in ihrer Richtigkeit durch die Buchführung des Beklagten nicht angefochten werden.) Preise seien ihm nicht vorgeschrieben gewesen, er habe den Reichstaris nicht gehabt. Teschner habe ihm erklärt, wenn er draußen für Feldpatronenkörbe 29 bis 23 Pf. zahle, sei es genug. Ueber die Höhe der bezahlten Löhne habe er mit dem Beklagten wiederholt verhandelt. Betrefss der Langgranatenkörbe sagte er, in Spandau würden nur 17 Pf. gezahlt, während Jahstz 29 Pf. zahlte. Jahnz bekam von Teschner für Feldpatronenkörbe, zu denen er die Deckel lieferte, 35 Pf., für Munitionskörbe, für die er die Riemen schnitt, 33 Pf. Jahnz trug die Transportkosten und die Versicherungsbeiträge für die Frauen. Bei den Langgranatenkörben hatte er nichts weiter zu machen. Danach hat der Beklagte Teschner dem Zwischen- meister weniger gezahlt, als er allein an Lohn zahlen mutzte. Den Vorschlag des Vorsitzenden, einen Vergleich einzugehen, mutzten nach tclephonischer Rücksprache mit dem Beklagten seine Vertreter ablehnen. In diesem Ver- gleich sollte sich der Beklagte verpflichten, an jede der Klägerinnen nach ihrer Leistung für den Munitionskorb 35,3«statt 39), für den Feldpatronenkorb 33(statt 39), für den Langgranatenkorb 21(statt 29) und für den Kartuschkorb 96(statt 79) Pf. zu zahlen bzw. den Unterschied nachzuzahlen. Bezüglich der Kartuschkörbe sollte der Be- klagte mit den Klägerinnen unter Zuziebung des Jahnz wegen der Anzahl der Körbe verhandeln und 12 Pf. auf den tarifmäßigen Satz für die bei ihm selbstgefertigten Schnallen abziehen. Dieser Vergleich sollte auch für die neuen Klagen gelten. Der Vorsitzende setzte nach kurzer Beratung des Gerichts, das durchaus einig in feinem Urteil war, die Verkündung des Urteils unter Zugrundelegung der Gedanken des Vergleichs auf Donnerstag fest und kündigte den Vertretern des Beklagten au, datz dieser nunmehr auch die Kosten für die Sachverständigen usw. zu tragen habe._ Gerichtszeitung. Großschlächtermeister oder Flcischhändlcr? Eine Gefälligkeit gegen einen Kunden ist dem Groß- schlächtermerster Alfred B u tz, der sich gestern wegen Ver- stotzes gegen die Verordnung des hiesigen Magistrats vom 28. Dezember 1915 vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Berlin-Mitte verantworten mußte, sehr teuer zu stehen ge- kommen. Nach der genannten Verordnung dürfen Großschlächtermeister Schweine nicht aufgehauen,-sondertt nur im ganzen oder in Hälften an Wiederverkäuser abgeben. Der Beschuldigte batte nun an den Schlächtermeister Richter außer sechs halben Schweinen 39 Stück Rippespeer verkauft, die jedoch nach seiner Angabe nicht aus eigenen Schlachtungen herrührten, sondern von ihm nur vertragsgemäß von einem anderen Kunden übernommen werden mutzten. Gegen die Anklage, die er daraufhin erhielt, machte er deshalb in der Haupt- fache den Einwand, datz er im vorliegenden Falle gar nicht als Grotzschlächtermeister, sondern nur als Flcischhändler gehandelt habe. Im übrigen sei der Rippespeer auch nur aus reiner Ge- fälligkeit von ihm abgegeben worden. Das Gericht war jedoch der Ansicht, datz man sich hier an den Wortlaut der Verordnung halten müsse. ES stehe fest, datz der Beschuldigte neben den halben Schweinen auch Rippespeer verkauft habe. Das sei in seiner Eigen- schaft als Grotzschlächtermeister geschehen und somit liege ein Ber- stoß gegen die betreffende Verordnung vor. Das Urteil wurde nach dem Antrage auf 1999 M. Geldstrafe bemessen. Mus aller Welt. Wir haben»och alles genug! Bei den Mängeln ber Lebensmittelversorgung ist der auf- fälligste der, datz die noch vorhandenen Lebensmittel nicht in ge- rechter Weise verteilt sind. In dem einen Ort merkt man noch nicht allzu viel von dem Mangel, während er in andere» Orten oft recht fühlbar ist. Ganz besonders groß ist der Unterschied aber zwischen Stadt und Land. Es ist darauf schon vielmals hingewiesen worden. Aber eS ist nicht uninteressant, dies noch von einem Landbewohner schwarz auf weiß bescheinigt zu sehen. Unserem Weimarer Partei- organ ging kürzlich ein Brief zu, den ein Landwirt an seinen im Felde stehensten Sobn gerichtet hatte und den wir ebenfalls im Original hier zum Abdruck bringen: ....... den Iten April 1916. Lieber Hugo! Ich habe Deine Karte erhalten, und habe daraus ersehen, datz Du jeden Tag und Nacht in gefahr bist. Wenn Gott will so kommst Du doch wider zu uns nach Hause. Ich mutz Dir gleig deine frache beantworten, welge Du an Deine Mutter oder Bruter ge- stellt hast. Nemlig, datz es in Teutschland so schlecht währe mit lebenSmittel. Denn Du glaubt vileigt wir müsten hungerleiden, das ist der fall nicht. Wir haben führ uns noch alles ge- n u ch, daS kann sein was eS will. Die Städter schreien viehl aber nicht nach Kartoffeln sondern auch Butter Eier oder Speck. Tiselben wollen nur gute Speisen und führ wenig Geld. Butter kostet das Pfund 1 Mk. 69 Pfg. Eier das Duzent 2 Mk. Speck 2 Mk., 29 Pfg., das ist nicht so wi diselben schreien, dijenigen würten das von den Bauersleuten holen führ wenig Geld. Denn diselben fachen Sic hätten keinen verdinst, diselben hatten schon viehl verdinst und haben uns doch nicht mehr sübr unsere Sachen bezahlt. So geschäfte brauchest Tu nicht anzuhören denn das ist lauder schwindet. Arbeiten wollen sie aber noch nicht. Also Hugo ich sage Dir wir baben von Alles genuch. Wir sind noch Alle Gesunt und Munter welges wir auch von Dir hoffen. Wir sind jetzt im voller Arbeit mit der Saat, ober das geht bei uns bauch fuhr hauch, gutes Fuhrwerk. Gcjunte Leute, keinen Zollbreit laßen wir Prachligen. Mache Tu Dir Liber Hugo keine ge- tanken denn das gebt olles gut, bei uns. Wir baben von Alles genuch, wir können Dir jetzt noch gerade so gut wi das vorige Jahr Pakete schikcn. Schreibe mir uuhr was Tu haben willst derselbe sollst Tu sovort haben es mach sein was es will. Ich Hobe Dir ein Paket mit Butter und Zucker abgeschickt daselbe mus Du doch balt erhalten. Jetzt will ich mein schreiben schließen mit der Hoffnung auf das widersehen. Gruß August H........ u. Vamielie. Du brauchest disen Bris keinen Städter vorzulegen damit Du keinen haß bekommst. Dieser Brief spricht für sich selbst, so daß es sich erübrigt, noch etwas dazu zu sagen. Z. Saer BällStr. 2 6 Priifzi-Al le e Moderne Herren- und Knaben-Anziige. Eleg. Paletots, Ulster Joppen i.jed. Preislag. Gr.Stofflager z. eleg. Maßanfertijjung OßT" Billigste, feste Preise. WQtnuinn's Tntniagflzln Größte Auswahl. Billigste Preise. L MohrenstraQa 37a (Kolonnaden) II. Or. Frankfurtor Str. 115 (nahe Andreasstr.) Aoswahlssndungen setorU Amt Zentrum 7890. Sonntag 12— 2 Uhr geHtlnat. kaust Rob. BalIRchf.' Münzen- hdlg., Berlin, WUbeImsw.4k/47 JHfäm orrh o iden i schwinden schnell u. schmerzlos durch SSyrobalannm, sicher bewährteste äußerliche Auwendung M. 2,50. Otto Reichel, Berlin 43 Eisenbahnstr. 4 i Todes-Anzeigen ßEBtscHer Holzarbeitenrerbanl Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Stock- arbciter ködert krieLever Naugarder Strotze, im Alter von 43 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet mn Montag, den 12. Sunt, nachm. 4 Uhr, von der Halle des FriedhoseS der Bartholomäus» Kirch eng emcindc in Weitzcnsee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/16 Die Ortsverwaltung. Deutscher MelallarheltBr-ferbanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unsere Kollegin, die Arbeiterin t4nim Owczarzak (Hatienftr. 28) am 9. Juni gestorben ist. Ehre ihrem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Funi, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des Iobannis-Kirchhoses in Plötzensee aus stall. Rege Beteiligung erwartet 118/7 Tie Ortsverwaltung. 8l!!is!i!WMtisc!ieriVgb!me!i>! Kreis Hietierbarnini. Bezirk I.lchtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse Willi kartholtty am 8. Juni gestorben ist. Ehre seinem Swdenke« Die Beerdigung findet morgen Montag, den IS. Juni, nachmittags 14 Uhr, von der Leichenhalle in f arzahn auS statt. Um rege Beteiligung ersucht /8 Tic Bezirksleitung. Verbanil der Sattler imd Porteleuiller. Ortsverwaltung Berlin. Als Opfer des Wcltlriegcs sielen die Kollegen IfeH SchuBz 29 Jahre alt, KarS Zern 21 Jahre all. Ehre ihrem Andenken! 1-8/3 Tie Ortsverwaltung. Natipf juin Sterbetage meines geliebten und unvergetz- lichcu GaUeu.� Bater, Sohn und Bruder, des Schriftsetzers Qeory Grimm, gefallen am 12. Sunt 1915. Schon ist ein Jahr dahin» geichwundeu. Datz Dich hat der Tod ereilt, Stündlich bluten nun die Wunden, Steter Gram in uns jetzt weilt. Ach, Du bist zu srüh geschieden. Schuldlos sankst Du in das Grab, Unser Gram und unsere Tränen. Bringen Dich, Liebsten, nicht mehr zurück. In schmerzlicher Erinnerrung von Deiner tiesbetrübten Gattiii Blsra. Grimm u. Sohn, die sebwergeprütten Eltern. Ariieiter-Türnverein WeiDenses Als Opser des Weltlrtegcs i fielen aus dem Kriegsschauplatz s unsere Turngenossen Georg Pfarr im 20. Lebensjahre, SMox Dysarz im 27. Lebensjahre. Ihr Andenken werden wir stets in Ebren ballen. 185/111 Deutsch. Transportarbeiter-Verb, j Bezirksverwaltung GroD-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht,! datz unser Kollege, der Hausdiener|| Wilhelm Schmidt von der Firma Gebr. Simon, t Klosterstr. 82/84, am 8. d. M. im i Alter von 65 Jahren verstorben ist. I Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Juni, nach- mittags 3>/. Uhr, von der Leichen- halle des' Bartholomäus-Fried- böses, Weitzensee, Falkenberger Weg, aus statt. 65/12 Ole Bezirksverwaltung.! Deutscher Dauarheiter-Verbanti. Zweigvcrcln Berlin. Bezirk liichtenberg. Am 8. Juni starb unser Mit« glied, der Rabitzputzer Willi Bartholdi. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 12. Juni, uachmiltags 4 Uhr, aus dem Zentralsriedhos in Marzahn statt. 142/5 Abfahrt ab Lichtenberg 3.40 Uhr. Um rege Beteiligung ersucht Die ertliche Verwaltung. Verband der Uthograpben, Steintlmckern.?erwandtenBeriiIe! Verwaltung Berlin. Nackrui. Den Mitgliedern geben wir! beiannt, datz unser Kollege und früheres Verwallungsmitglied, der| Lithograph Fritz Michalski am 5. Mai nach langem Kranken- � läget an Gehirnerweichung verstorben ist. Ein ehrendes Andenken werden| wir ihm bewahren. 108/14 Ole Verwaltung Am 7. Juni verschied nach längerem Leiden plötzlich mein lieber Mann, unser Vatev und| Grotzvater, der Werkmeister ttermatm Krüger im 68. Lebensjahre. 12631 Die trauernden Hinterbllcber.en: Anna Krüger geb. Hühner Hermann Krüger nebst Familie Otto Walter nebst Familie Paul Walter nebst Familie. Die Beerdigung findet am lt. Juni, nachmittags 3 Ubr, von der Halle des allen Pauls« Kirchhofes, Sceswatze, aus statt. Zimi Sterbetaso I meines lieben, unvergetzlichen! I Mannes, Vaters ieineS einzigen j J Kindes, des Reservisten Robert Korth gefallen am 11. Juni Beim j Sturmangriff. In schmerzlicher Erinnerung Emma Korth nebst Söhnchen. s Familie PaulkealsSchwieger-' eitern. Wanda und Erna als Schwägerinnen. Gustav Plöger nebst Frau als Schwester. Gerhard u. Zlrtur als Neffen. Emma Korth als Schwester. Paul und Bruno als Brüder,! zurzeit im Felde. Ein einsames Grab, von Swrm l umrollt, keine Blume drauf, I keine Schrift von Gold. So schlaf' denn wohl, als Held gebettet, kein Kampf stört mehr Deine Ruh', Du bleibst uns ewig un- vergessen. 1353! I Berlin, Stolpische Str. 44. Nachruf. Durch srciwilligen Entfchlutz schied am Montag zusammen mit seiner Familie unser lieber Kollege, der Mechaniker Bruno Steinkampf aus dem Leben. Langjährige' unheilbare Krank- heit nahm ihm den Lebens. mut. 13g>3l Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Kollegen der D. T. W. Abt. Daase. Zes«eiilen msem Vi sm MMwiO, gefauen Seaaffe«! Am 10. Februar 1915 fiel auf dem Schlachtfelde uttfer Fenoffe Ludwig Oodniak 206/6 Bezirk 61. Sozialdomokr. Wahlverein f. d. 2. Berliner Relehelagtwahlkr. Nachruf. Unser langjähriger, treuer Mitarbeiter, der Schmiede- meister Herr Hermann Krüger ■mxrde uns plötzlich durch den Tod entrissen. Wir verliere® in ihm einen pflichtgetreuen, selbstlosen Beamten, welcher stets das Wohl unserer Firma mit allen Kräften gefördert hat. Wir werden ihm ein treues Andenken bewahren. Vorstand der Panzer-Aktiengesellschaft. Bezirk Grofs-Berlin. Am Z. Jum fiel unser Mitglied Jladiius Kein 219. Bezirk, 3. Abteilung. 203/11 Sozlaldemokr. Wahlverein f. d. 3. Berliner Reichstagswahlkr. Am 28. Mai fiel der 21jährige Dreher SiEgMEd iCspaftzig Turiner Str. 2, 21. Abt., Bez. 768. In den letzten Kämpfen siel der 26jährige Rohrleger PkuZ Paetsch Oldcnburger Slr. 23, 14. Abt., Bez. 707. Am 7. Dezember 1914 fiel durch Bauchschuß der Arbeiter üax LeSimann 42 Jahre alt, Ruppiner Str. 42, 2. Abt., Bez. 507. Am 28. Februar fiel durch Hcrzschuß der Former Otto Lelhniann 24 Jahre alt, GotzkowStystr. 34, 13. Abt., Bez. 687. In einem Gefecht fiel der Z4jährige Arbeiter Paul Forsten Oudenarder Str. 9, 20. Abt., Bez. 787. 227/1 Sozlaldemokr. Wahlverei» t. d. 6. Berliner lleiehatagawahlkr. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Ortsverwaltung Berlin. Dem Andenken nnscrer im Felde gefallenen Kollegen. Fritz BJerhals, Schlosser, geb. 4. April 1892, Neu-Ruppin. Richard Flick, Metallarbeiter, geb. 1. April 1893, Berlin. Heinrich Gehrke, Metallarbeiter, geb. 14. Juni 1888, Fried ensdorj. Paul Gürtler, Klempner, geb. 1. September 1895, Laskewitz. Otto Herzberg, Metallarbeiter, geb. 24. Mai 1898, Reinickendorf. Fritz Jeserka, Schlosser, geb. 19. April 1887, Fürstenbcrg. Georg Jeisten, Monteur, geb. 3. August 1888, Berlin. Walter Kllngforth, Schlosser, geb. 18. Dezember 1894, Brunsbüttel. Siegfried Kraftzig, Dreher, geb. 18. September 1894, Berlin. Max Lehmann, Former, g-b. 10. Mai 1887, Berlin. Otto Lehmann, Former, geb. 29. April 1892, Berlin. Alfred Leopold, Schlosser, geb. 9. September 1880, Berlin. Erich Mücke, Dreher, geb. 20. März 1895, Berlin. Rlldolf PlÖSe, Schlosser, geb. 4. Juni 1896, Charlottenburg. Otto Ritter, Schlosser, geb. 10. November 1895, Köpenick. Otto Rudschinski, Klempner, geb. 20. Mai 1889, Elbmg. August Schade, Rohrleger, geb. 12. April 1887, Schulzcndorf. Theodor Sempf, Gürtler, geb. 4. März 1892, Berlin. Gustav Thimm, Metallarbeiter, geb. 18. April 1895, Berlin. Max Timhehl, Gürtler, geb. 25. März 1883, Bromberg. Ehre ihrem Andenke«! 119/8 Die OrtSverwaltnng. Folgende Kollegen sind im Felde gefallen: Hans BaiSiiig, GefchäftSdiener. Hans Eh©rt| Rollkutscher. PaiflS I'©St; SpedltiouLarbciter. Oeopg GehSiardt, GefchäftSdiener. Emil HahUj Rollkutscher. Otto SCehrSohj Bierfahrer. Älfresi ICöhn, Rollkutscher. Richard Llelss, Fensterputzer. WilSlsSm fiaincsykj Industriearbeiter. Erscil üäfliler, Geschäftskutscher. Erich BiicoSaus, GeschSftödiener. WßSheim Perrot, Frssekutschn. Otto Fopp©, Geschästsdiener. Hermann Haddant, Droschkcnchanffeur. Richard Seidler, Industriearbeiter. ICarl Schnitze, Bierfahrer. Walter Wittig, GefchSftsr«tscher. Ehre ihrem Andenke»! 65/11 Di« ng. Deutseber Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Im Felde sind folgende Kollegen gefallen: Qiese, Wilhelm, Rabltzputzcr. Berlin-Südost. Giiesche, Paul, Maurer. Bezirk Neukölln. Kreit, Walter, Jsoliererhclfcr. Bezirk Zepernick. Bezirk Norden I. Bezirk Lichtenberg. Bezirk Osten II. Bezirk Norden l. Bezirk Osten I. Bezirk Köpenick. Bezirk Norden I. Bezirk Reinickendorf. Bezirk Norden I. Ehre ihrem Andenken! Dl« öi-tlloke Ver-rradtuiijf. Den Heldentod fü unser treuer Mitarbcl ürs Baterlond eiter erlitt am 2. Mai 1916 S04b Paul Voigt. B-ir werden dem so früh Dahingegangenen, dessen Zukunft zu den! besten Hoffnungen berechtigte, ein ehrendes Andenken bewahren. Ätoimernmim& Feters Musterkoffer'Fabrik 41-4«. Auf dem Felde der Ehr« fiel ! am 20. Mai unser lieber Schwimm« j genösse Fritz Fechner lim 23, Lebensjahre. | Sein Andenken bleibt uns un- | vergeßlich. 284/15 j Schtvimmgenofsen nnd Genossinnen id. Deslines 8l:h«iin!nvgsI!ns! JMMi". Am 17. Mai 1916 ist unser j Kollege, der Pionier widert LehweyheH | gefallen. 9121 1 Ehre seinem Audcukcn l Die Schweißer der Luft-ÄerkchrS-Ges. Flugplatz-Johanniötal. Muu6t, �vxULt, Putzer. Paptce, �lax, Hilfsarbeiter. Petroll, Wilh., Hilfsarbeiter. Seefeldt, Paul, Mn««». Schmidt, Karl, Maurer. Steinke, Paul, Hilfsarbeiter. Teuchert Rud., Fahrstuhlarb. Winarek, Joseph, Maurer. Ziem, Reinhold, Putz«. 142/6 Als Opfer dieses Weltkrieges! I siel am 28. Slvril 1916 durch I l Granatschuk unser inniaaeliebtcr! Zohn und Bruder, der Musketier j Bicbard Seidler Res..Jns.-Reg. Nr. 207, 4. Komp., ( im blühenden Aller von 20 Jahren. In tiefem Schmerz Zlux IluSIrv und I'i'eeii, als Eltern. Erich Scldlcr, als Bruder, zurzeit im Felde. Hussitenstr. 37. 106A Allzu früh verließest Du die Deinen, Die In der Heimat bittre Tränen um Dich weinen. Ach hätten wir noch einmal Dich geseh'n, Oder könnten wir zu Deinem Grabe geh'nl Wir können Dir nichts mehr bieten. Mit nichts mehr Dich erfreuen, Nicht eine Handvoll Blüten Aus Deinen Hügel streuen. j So schlas denn wohl, geliebter Sohn und Bruder, Kein Kampfgetöse stört mehr Deine Ruh. All' unser Hoffen, ach es war vcr- gebens, s Nun deckt Dich sremde Erde zu. Sein einziger Wunsch war ein Wied ersehn. Doch um so größer sind die Schmerzen, Da es nun nie mehr kann geschehn. Nun ruhe saust Du gutes Herz, Du hast den Frieden, wir den schmerz. und ymudteu Berufe(Deutscher Seueleider-Bund) Berlin. Hierdurch bringen wir unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß folgende Kollegen a!S Opser des Weltkrieges zu verzeichnen sind t Rlax Glanz, Chemigraph, gefallen am 21. Mai 1916. Willi Gnade, Chemigraph, gesallen am 9. Lipril 1916. itrtur Raasch, Steindrucker, verstorben cm 24. April 1916 an Lungenentzündung in einem Feldlazarett. IAax Paeseler, Lithograph, gefalle» am 20. Mai 1916. Ein ehrende? Andenken ist ihnen gesichert. vi« Ortsvcnrsltnnx« Im blühenden Alter von ein- ! undzwanzig Jahren fiel am 12. Mai ! 1916 unser lieber Sohn und j Bruder, der Musketier Prnst Dachert Jns.-Regt. 24. 814b Die trauernden Eltern> und Geschwister. J Du sankst dahin wie Rosen sinken, l j Venn sie in voller Blüte sieh». Schlas wohl, es gibt kcinWiedcrjehn. I 114/15 Deutscher Hoizarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Im Felde gefallen find folgende Mitglieder: Wilh. ESruhning,»wt«, � s-h« ob. Josef Grötzner, Holzarbeiter. 26 Jahr- all. Karl Wisch, sw«, 37 Jahr« Theodor Ristau, Holzarbeiter, 38 Jahre alt. Fritz Stieläke, Stellmacher. 40 Jahre alt. Wax StoEzenburg, Tischler. 21 Jahre alt. Faul Weber, Tischler. 20 Jahre alt. Faul Weigelt, Tischler. 3S Jahre alt. Als Opser des Weltkrieges fiel auf dem Schlachtselde unser Kollege, der Werkzeugmacher etil, Naumanfl. Ehre seinem Andenken k Tie Kollegen der Berliner Wagen- Achsen- Fabrik Otto Giesecke, ! Berliu-Paukow, Schulzestraße. 87/17 Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaitimz Hiermit erfülle ich die traurige Psiicht, anzuzeigen, daß am Frei- tag, den 9. Juni 1916, früh 7 Uhr. nach kurzem und schwerem Kran- keniager meine innigstgeliebte Frau und herzensgute Mutter, unsere liebe Tochter. Schwester, Schtvä- gerin und Tante Unna Dviczarzah Kröger sauft entschlafen ist. Der trauernde Gatte EcII� Owczarasak nebst Söhnchen Gerhard. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Juni, von der Halle des neuen Johannis-Kirch- hoses aus statt. 816b Tu warst so gut, Tustorbft zufrüh, WerDich gekannt, vergißt Dich nie. AIS Opser des Weltkrieges starb am 27. Mai im Kriegslazareit im Alter von 21 Jahren an den Folgen seiner schweren Verletzung, weiche er am 26. Mai erlitten batte, unser heißgeliebter Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Paul Weher Res.-Jäg.»Bataillon 16, 2. Komp. j Die trauernden Hlnterfcüsbenon| Johann Weber Reichenberg er Str. III. Fern von der Heimat, im > 141A Feindesland, Da rnh'st Du, uwer guter Baut. Run schlas' in ew'ger Ruh, Unsere Liebe deckt Dich zu, Dem Völkerrinzen zum Opser! ! siel unser lieber Freund und Helser 8löb I | im blühenden Alter von 21 Jahren Ehre seinem Andenken 1 Karl Zern Arbeiter-Jugendheim 11, Gr. Frankfurter Straße 123, Vor einem Jahr, da nahm der Weltkrieg mir mein höchstes Glück, Du mein geliebter Mann kehrst nimmermehr zurück, Verlassen bin ich und die Deinen, die in der Heimat bitt're Tränen um Dich weinen. Fern von der Heimat in Feindes- iand, da ruhst Du nun mein lieber Otto, Dich schmückt keine Hand. drum schmückt ich Dein Bild hier im öden Heim, als soll es Dem Grab an der Kirchenmauer sein. Allein zu sein, drei Worte leicht zu sagen, und doch so schwer, unendlich schwer zu tragen. O trchickfalsmacht, noch saß' ich's kaum.— Wo bist Du hin mein schönster Traum. 32'A In trauriger Erinnerrmg Deine Dich nie vergessende Wattin Fraa Berta Tilgncr. Zum Sterbetage meines I inniggelicbtcn, unvergezlichen! Mannes, Sohnes, Bruders,! Schwagers und Onkels, d-sf Landsturmmanncs Otto Tgggner, gefallen am 12. VI. 1915. Nach kurzen, schweren Leiden! starb am Donnerstag, den 8. Juni, unser� lieber Bruder, Schwager und Onkel, der Putzer j Willi Bartholdy im Alter von 43 Jahren. Dies zeigen hiermit an llamilie Haekelbusoh, Berlin O., Oderstrage 2, 13931 Familie Eisenblätter, Familie Kopka, Familie Knüppel. Familie Kopka, Heldrungen. Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Juni(2. Pfingir- seiertagj, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes in Marzahn aus statt._ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teck- nähme und die herrlichen Kranz» spenden, die uns beim Hinscheiden meines herzensguten, unvergeßlichen Mannes und trcuiorgenden Vaters zuteil geworden sind, sagen wir allen Freunden, Verwandten und Bekannten, dem srüheren Chef R. L. F. Schulz, den Kollegen der Werkstatt R. L. F. Schulz, den Sängern sür den schönen Gesang und den Kollegen der Firma Franz Stock unseren mnigsten Dank. Marie Kinder geb. Boese, 32A Rudolf und Karl. Für die vielen Beweis' der! Liebe und Teilnahme heim Heim- gange unsrcs liehen Sohnes Johannes Krüger sagen wir hiermit unseren innig. sten Dank. Berlin, im Juni. 41A Di« Fitem. veian�o,: Th. Glocke, Berlin, Druck u, Verlag tBorwäztl Buchdruckerei u, Verlagsanstall Paul Danksagung. Für die zahlreiche B-tcriigung bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters sage ich sämtlichen Vereinen sowie allen Verwandten und Bekannten meinen besten Dank. Frau Rosa Lange und Sohn. Adatbertstr. 26. 81Sb -Inger 6c Co., Berlin SW, it.<59 ss. z-vM,. 2. Deilage des„Usmiirtg" Kellimr DölksdlM. �«• � � Mtwoch, den\k. Zum: Zal)labcnd In Groß�criin,_ Des Pfingstfestes wegen erscheint die nächste Nummer unseres Blattes am Dienstag früh. verbanö öer sszialöemokratijchen Wahlvereine Serlins unü Umgegenü. Ordentliche Generalversammlung des Verbandes am Sonntag, den 2ö. Juni 1916, vormittags 3 Uhr, in den. Germania-Sälen, Chausseestraße 116. Provisorische Tagesordnung: 1. Entgegennahme der Berichte des Derbandsvorstcmdes und der Revisoren. 2. Wahl des Vorsitzenden, Schriftführers, Kassierers, der Revisoren und der weiblichen Vorstandsbeisitzer. 3. Bestätigmig der von den Kreisen vorgeschlagenen Funktionäre des Verbandes. 4. Wahl der Mitglieder des Bczirksbildungsausschusses. 5. Anträge der Kreiswahlvereine. Bei der Berechnung der Zahl der Delegierten zu der V erbandsgencralvcrsammluug werden pro Mitglied zwölf Beitragsmarken zugrunde gelegt. Demnach ist nach dem Beschluß der außerordentlichen Verbandsgeneralversammlung vom 10. November 1912 in Verbindung mit§ 12 Abs. 2 des Verbandsstatuts auf 12 mal 100�1800 Beitragsmarken ein Delegierter zu wählen. Für die verbleibenden Bruchteile wird ein ivcitercr Delegierter gerechnet. Die beitragssreien Marken (schwarze Marken) werden mit in Anrechnung gebracht. Sitz und Stimme haben ferner in der Generalversammlung: Tic Mitglieder des Verbandsvorstandes, die Revisoren, der Parteivorstand, die Reichstags- und Landtagsabgeordneten resp. Kandidaten der Kreise Groß Berlins, eine Vertretung der Redaktion des„Vorwärts", 5 Vertreter der Berliner Stadt- verordneten, 3 Gemeindevertreier resp. Stadtverordnete von Teltow-Becskow und 3 Geineindevertretcr resp. Stadtverordnete von Niederbarnim. Etwaige Anträge sind an daS Bcrbandsburcau umgehend einzureichen. Der geschäftsfnhrende Ausschuß. s�us Groß-öerlin. fiuf öem wochenmarkt. Schon in Friedenszciten war eS interessant, einen Spazier- gang durch die Verkaufsstände der Wochenmärkte zu unter- nehmen, die vornehmlich in den Vororten Berlins abgehalten werden. Wieviel mehr erst heute, wo die Versorgung der Küche erheblich schwieriger ist und die Hausfrauen fast den „ganzen Tag auf der Straße liegen", um das Nötige herbei- zuschaffen. Einer der größten dieser Märkte ist am Maybach-Ufer zu finden, der sich ziemlich weit erstreckt, nämlich von der K o t-t- b u s e r B r ü ck e bis zur Hobrech t-Brücke. Besonders am Sonnabendnachmittag ist das Treiben, welches sich dort abspielt, ein sehr lebhaftes. Bude an Bude, stand an Stand in zwei Reihen nebeneinander und ans der gegenüberliegenden Seite der Straße noch eine Kette von Ständen. Dazwischen„fliegende Händler", die keinen Stand haben und deren Krimskrams ein Kinderwagen birgt oder auf einem Tuch zu ihren Füßen ausgebreitet ist. Ab und zu auch kleine Knirpse, die irgendwelche Dinge ausrufen, meist Groschengegensiände. Hier ist so ziemlich alles zu haben, was der Mensch braucht. Ein dezentralisiertes Warenhaus auf offener Straße. Nicht nur Lebensmittel, sondern Kleidungs- stücke, Kochgeschirre, Spielsachen und dergleichen mehr wird ausgebotcn. Und wie die Eimer eines Baggers kreisen die Frauen um den Markt in endloser Folge. Viele führen Kinder an der Hand, nicht selten ist aber auch das Familien- oberhaupt mit anwesend, denn am Sonnabend fällt der Feierabend früher. Auch Eheniänner in Feldgrau sind dar- unter und tragen die schwere Tasche und beim Einkaufen Wersen sie ihr Urteil mit in die Wagschale, denn in der jetzigen Zeit kümmern sich auch die Männer um Küchen- Angelegenheiten, und so mancher, der nie den Herd beachtete, ist unter die„Topfgucker" gegangen. „Ich gehe nach Hause." sagt eine Frau zu ihrem Manne, „ich Hab' die Rase voll. Die wissen ja nicht, was sie fordern sollen. „Dieser� Stoff? Beste Friedensware, auf Ehre, meine Dame," versichert eine Verkäuferin einer skeptischen Hausfrau und zerrt an einem Stück Leinenzeug.„Es liegt 60 breit, ich kann's nur� für den Preis geben, weil es Serviettenmuster ist. Ter Stoff ist ja heute nicht mehr zu bezahlen." Vielleicht hat sie die Käuferin noch überzeugt, aber daneben bietet ein Wollwarcnhändler Strümpfe an„fest wie ein Brett, daS Paar nur zu 2,75, statt 3.00 Mark." „Na,>vie wär's denn mit dem Rest? Anderthalb Meter for'ne Bluse? Macht sich ausgezeichnet I" „Wat, 40 Fennige sor die mikrigen Kohlrabi?" fällt eine Stimme von nebenan dazwischen. „Na, is det vielleicht zu deier? Bei 40 Fennig for de halbe Mandel? Da wer ick nich reich!" „Da haben se mir ja jerade die schönste Fuchsia ausje- sucht, jerade vier Knöppe sind dran, ne, jeden se mir man die nebenbei, da sind ville mehr dran," muckt eine ältere Frau auf und sucht sich eine Blume aus, die mehr als vier „Knöppe"Jiat. Die Sensation des Tages bildet die Anpreisung eines Händlers, der ein Präparat zum Verkauf anbietet, ivomit man„Kuchen ohne Butter und Eier" herstellen kann. „Aussehen tat er janz jut," meint ein altes Mütterchen und betrachtet mit Kennerblicken den ohne„Butter und Eier" hergestellten Kuchen..Wenn man bloß wüßte, ob er och schmecken tut." „Immer noch Primaspargcl!" Ach, die sind ja blau>vie der Maihimmel," sagte ein Soldat und zieht seine Frau am Arme weiter. Ucberhaupt sind die Zwiegespräche, die da gepflogen werden, lehrreich und unterhaltsam und die Antworten und Bemerkungen zeugen oft von schlagendem Humor. „Die besten Bouillonwürfel!" ruft da einer aus. Ein zweifelsüchtiger Käufer äußert aber die Ansicht, daß der Her- steller dieser Kraftwürfel schon längst an Entkrästung gestorben sein dürfte— wenn er sie selbst benutzte. „Wat kiekst denn, Kleener, koofst ja nischt!" fährt eine Standinhaberin einen Jungen an, der sehr interessiert ihre Waren beguckt. „Kann ja kicken, ko st ja nischt!" gibt er zur Antwort und trollt sich weiter. Die Fischbuden sind umlagert wie die Festung Verdun. „Wie werden denn die jemacht? Mit Petersilie?" fragt eine Frau. „Ach, wat, braten!" „Jawoll, braten, die schlucken ville Fett." „I wo, jar nich ville, die braten fast im eigenen Fett-" „Kind, Geld ist teuer," sagt ein alter Mann zu seinem Enkelchen, das etwas gekauft haben will. An einem Stand wird„Rindcrmagen" verkauft und geht reißend ab. „Komm', Olle," meint ein Laudwehrmann und tippt seiner Frau auf die Schulter,„komm', laß man, da machen wa lieber Hering." Neben den„berühmten Hustenbonbons" werden Motten- kugeln und Schnürsenkel ausgebotcn und jeder möchte noch Geschäfte machen und etwas verdienen, ehe der Abend kommt und die Verkaufszeit endet. Und die Käufer gehen wählerisch von Bude zu Bude, umkreisen den Markt mehrere Male, prüfen und vergleichen die Waren und die Preise und kaufen endlich, indem sie umständlich und zögernd ihrem Geldbeutel den kostbaren Inhalt entnehmen. So spielt sich Kauf und Verkauf auf den Wochenmärktcn ab und die Bilder sind die gleichen überall. Die Mittel knapp, die Ware rar und doch soll etivas auf den Tisch I Ja, die Hausfrauen sind heute wirklich nicht zu beneiden— hoffen wir/ daß die Zeit bald kommen möge, wo wieder normale Verhältnisse herrschen werden und die geplagten Hausmütter erleichtert aufatmen können! Keine Sonntagsruhe im Bäckergewerbe. Berlin, 10. Juni.(W. T. 23.) Für das Gebiet der Städte Berlin, Charlottenburg. Neu- kölln, Berlin-Wilmersdorf, Berlin-Lichtenberg, Berlin-Schöne- berg und der Landkreise Teltow und Nicderbarnim bestimme ich hiermit: Die Vorschriften über die Sonntagsruhe im Bäckergewerbe treten für die beiden Pfing st feiertags außer Kraft. Der Oberbefehlshaber in den Marken. Bekanntmachung. Amtlich. Berlin,<5. Juni./z Uhr: Zahlabcnd bei S ch e 1 1 h a's e, Steglitz, Ahornftr. 15a. Der Südcndcr Lrtsteil tagt bei Jacobs, Stephanstr. 0. Frirdrickishngcn. Mittwoch, den 14. Juni, abends 8>/.i Uhr. im Lokale Wwe. Lerche, Friedrichstr. 112: M i t g t i e d e r v e r s a ni m I u n g. Rcichstagsabgcordneler Artur Sladthagen erstattet Bericht über seine Tätigkeit im RcichSiage. Wahl der Delegierten zur Verbandsgcncral- Versammlung Groß-Berlins. Sriefkaften«kr Reöaktion. H. K. IVO. Der erste der von Ihnen genannten Herren ist D. U., der zweite war bei Ausbruch des Krieges 47 Jahec alt.— II. U. H. Sophie. Ihrer Frau steht die Neichswochenhilse zu, wenn Sie zur Zeit der Geburt des Kindes schon Kriegsteilnehmer waren. Der Antrag muß bei der Gemeindebehörde, in der Ihre Frau ihren Wohnfitz hat, gestellt werden.— K. 7 Hintaason-IMaiis Metall-Bettsteilen Kinder- und Rohr- Möbel. Korbwaren :: Ruhestuhie:: Puppenwagen- Alle Kinderfahrzeuge ets. GroBte Au« wähl Bcritns Andreasstr. 23 Aadreasplatz BniDnenstr. 85 □ Eessselslr. 6? Leipziger St. 54. NcirtCllii, Bereist. 133 Spandsu, Charbitaslr. 24 a Spezialarzt jür Haut-, Harn-, Frauenleiden. nerv. Schwäche, Bcinkranke jeder -l-i.Ehriichchliia-Lmen, Friedilohstr. 81,«K Sprchst. 9-11,'/jB-'/jO, Sonntags S-2.Honorar maß., auch Teilzahl.« — Separates Damenzimmer.—$ Genehmigt. Eharlottenburg, den 6. Juni 1916. Königl. Lberverficheruiigeamt Groff-Berlin. (D. 8.) gez. v. Gostkowskl. Veröffentlicht: Berlfn-Mariendorj, 11. Juni 1916 Ter Borftand. Aug. Leip, Borsitzender. K. Baoohier, Schriftführer. Nehme meine Praxis wieder auf. Dr. Hannemann 222/4 Knrfiirstenstr. 8. Möbel-Augebot. «olide Möbelfirma liefert Spezial-Ein- und Zweiziinmcr. Elnrichtungcu sowie Klnzelmöbel gegen mäffige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung und geringe» monatlilhe» Raten- zahlungeu. Offerten X. 8 an die Expedition des„Vorwärts-.* Keine Kasslerer. CfröUte Kaiana.