Zlr. 163.-33. Jahrg. RDorniementz-BeÄngiingem Rbonncmcntä. Preis pränumerando Vierleljährl. S,S0 MI. monatl. l.W MI, wöchentlich W Psg. frei ins Haus Einzelne Nummer b Pfg. Sonntags» nummer mit Mustricrier Sonntags» Keilage»Die Neue Welt' 10 Pfg, Post» AbonnemeMt ILll Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2,ö0 Mark, für das übrige Ausland t Marl pro Monat. PoslabonnemeMZ nehmen an Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Numänien. Schweden und die Schweiz. Vlchelvl lZgllch. Berliner VolKsblntt. 5 Pfennig) Die Tnfcrtions-Gebfilsr beträgt sllr die sechSgespaltene Kolonet- geile oder deren Raum M Psg., sür politische und gewerlschaftliche Bercins» Und Versammlungs- Anzeigen SO Psg. uKUine Hmeigen", das settgedruäte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedriukt« Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan» zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Psg. Worte über lo Auch- staben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ti llhr nachmsttags in der Expedition »dgegcdcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adrefs« .SoslssiewsliriN Kerl!»". Zentralorgan der roziaMcmokratifcben parte! Deutfcblands. Neöaktion: EW. bS, Linüenftraße 2. Fernsprecher: Ami Moripplatz, Nr. I.S1 SV— läl g?. Wahrheit oöer Seibstgerechtigkeit?' Won Heinrich Schulz. I. Da der„Vorwärts- bis jetzt formell noch immer das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und nicht das der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft ist, so erhebe ich als Mitglied der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion an dieser Stelle Widerspruch gegen Tendenz und In- halt der beiden Leitartikel„Klarheit und Wahrhci t". Mit untrüglicher Klarheit sprach aus den Artikeln ledig- lich ein nicht gewöhnliches Maß von Selbstgerechtigkeit und die unfehlbare Selbstsicherheit des beschränkten Sekten- Politikers, der die Politik und alles sonstige öffentliche Ge- schchen nur von dem niedrigen und eingeengten Standpunkt seines besonderen Scktenintercsses aus betrachtet und bewertet. Selbst dem Krieg wäre von diesem Standpunkte aus eine er- trägliche Seite abzugewinnen, sofern er nur die Richtigkeit und Unumstößlichkeit des eigenen Standpunktes zu erweisen die Güte haben würde. Klarheit und Wahrheit! Wie sich doch in djen Köpfen der Menschen die Welt verschieden malt! Ich wäre versucht, die beiden anmaßenden und hochtrabenden Worte zu ersetzen durch die Worte: Unklarheit und Unwahrheit. Aber ich tue es nicht, weil ich es für abgeschmackt halte, das wilde Durch- einander im politischen Treiben der Gegenwart, besonders in der inneren Politik der Partei, nach Ewigkeitswerten zu zen- surieren. Für den Verfasser der beiden„Vorwärts"artikcl dagegen gelten solche Bedenken nicht. Er befindet sich in der beneidenswerten Lage, daß für ihn alle noch so schwierigen Gcgenwarts- und Zukunftsfragen des Sozialismus im be- sonderen und der Menschheit im allgemeinen restlos gelöst sind, denn— seit dem 24. März 1916 besteht die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft I Sie hat die einzig wahre und unfehl- bare Formel für die Nöte der Zeit gefunden.„Klarheit und Wahrheit sind an die Stelle von Verschwommenheit und Unwahrheit getreten". Unter den Arbeitern sieht„auch der Naivste", lote„eine Beendigung des Krieges herbeizuführen ist". Die Sozialdemokraten haben„sich selber wiedergefunden" und„das Vertrauen der Volksmassen wiedergewonnen". Die Sozialdemokratie tritt wieder„klar und wahr vor die Oeffent- lichkeit", ihr schwankendes Charakterbild ist„wieder in einen festen Rahmen gebracht". Und das alles, weil am 24. März 1916 achtzehn sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete das oberste Gebot der 5tampftaktik der Arbeiterklasse, die Aufrecht- erhaltung der Disziplin, zum„alten Eisen" warfen und selbst- herrlich eine neue sozialdemokratische Fraktion gründeten! Die„sozialistisch geschulten und proletarisch denkenden Partei- kreise" aber werden finden, daß allein eine solche Politik ihre Billigung verdient! Ich verzichte darauf, diese Häufung von klaren und wahren Anmaßungen vom Standpunkte des Geschmacks und des partcigenössischen Taktes aus zu bewerten. Roch weniger fällt es mir ein, mich darüber moralisch zu entrüsten. Ich habe es seit Beginn dieser Parteidebatteu abgelehnt, sie mit dem kindlichen moralischen Matzstabe des Guten und Bösen zu messen. Ich will vielmehr ohne weiteres an- nehmen, daß der Erzeuger der erwähnten Urteile gar nicht empfindet, welcher Ueberheblichkeit sie entsprungen sind. Ich nehme ferner als selbstverständlich an, daß dieser Erzeuger und alle, die wie er oder noch viel radikaler und absoluter denken und zu noch viel vernichtenderen Urteilen der Fraktionspolitik kommen als er, dabei von den besten Absichten zum Nutzen der Partei geleitet werden. Ich will deshalb nur Verstands- mäßig und nüchtern einige Bemerkungen dazu machen. Die„Klarheit und Wahrheit", die durch die Bildung der Arbeitsgemeinschaft„an die Stelle der Verschwommenheit und Unwahrheit" getreten sind, bestehen darin, daß zu dem Vielerlei der Parteiauffassung noch eine weitere Gruppe hinzugekommen ist, die die Verwirrung in erheblicher Weise vermehrt hat. Nicht nur innerhalb der Arbeitsgemeinschaft gibt es ernste taktische Gegensätze, sondern links von ihr führen weit radikalere Gruppen ein munteres Leben, die nunmehr neben der alten Fraktion auch die neue bekämpfen. Die Arbcitermassen, die man mit anonymen Flugblättern füttert, in denen gegen beide Fraktionen mit dem gröbsten Geschütz gedonnert wird, haben es nunmehr noch schwerer als vor dem 24. März, *) Genosse Heinrich Schulz sendet unS bei? obenstehenden Artikel mit folgendem Begleitschreiben:„W. G., ich bitte um die Aufnahme der beifolgenden Artikel als Entgegnung auf die Artikel „Klarheit und Wahrheit".— Ich lege Wert darauf, daß die Artikel bald erscheinen und möglichst an derselben Stelle, wo die erwähnten Artikel standen." Wir kommen diesem Wunsche gern nach, weil nach unserer Mei- nung die Haltung der Fraktionsmehrheit im allgemeinen und die des Genossen Heinrich Schulz im besonderen nicht besser in das gebührende Licht gesetzt werden kann, als es in den obenstehenden Aussührungen geschieht. Obwohl Genosse Heinrich Schulz und seine hinter ihm stehenden Gesinnungsfreunde in der Darlegung ihrer Gedankengänge weniger eingeengt sind als wir,— auch die letzten Zensur debalten haben dem„Vorwärts" keine größere Bewegungs- freiheit eingetragen— behalten wir uns eine sachliche Erwiderung aus die obenstehenden Artikel vor. Freitag, den 16. Juni 1916. amMBMiMB—— c—»namB— aus der„Verschwommenheit und Unwahrheit" zur„Klarheit und Wahrheit" zu gelangen. Da die beiden Reichstagsfraktionen bis zum Schluß der Tagung in offener Gegnerscyaft zu einander standen, ist es nicht verständlich, inwiefern die Sozialdemokraten„sich selber wiedergefunden" haben sollen. Ebensowenig greifbar ist die Behauptung, das„Vertrauen der Volksmassen" wäre wieder- gewonnen worden. Wenn es je verloren gegangen sein sollte, wer war so gütig, dem Verfasser der„Vorwärts"-Artikel die be- ruhigende Mitteilung zu machen, es wäre jetzt wieder da? Auf welche Tatsachen stützt sich diese Mitteilung? Wie kann in der gegenwärtigen Zeit eines unfreien und lebensunfähigen Versammlungswesens überhaupt festgestellt werden, ob das Vortrauen fort war, und daß es seit dem 24. März plötzlich wieder da ist? Es ist lediglich die Brille einseitigster Fraktionspolitik, die auf solche schwierigen Fragen sofort klare und wahre Antivorten sieht. Die ärgste Zumutung an den gesunden Menschenverstand aber ist die Behauptung, daß auch der„naivste" Arbeiter sähe, wie eine Beendigung des Krieges herbeizuführen sei. Wahr- scheinlich sehen das wirklich nur die„Naivsten". Die Naiveren und Naiven und alle anderen Arbeiter, die auf dieses etwas zweideutige Attribut ihrer Denkfähigkeit verzichten, werden nicht sehen, was der„Naivste" sieht. Es scheint, der„Vor- wärts"-Artikel hält es mit dem Dichterwort:„Was kein Ver- stand des Verständigen sieht, das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt." Wie unrecht von den Millionen und Abermillionen Arbeitern, den Krieg durch äußerste Widerstandskraft draußen und im Innern fortzusetzen, wenn seine Beendigung solche selbstverständliche Sache wäre! Wie doppelt und tausendfach unrecht von dem Verfasser der beiden„Vorwärts"-Artikel, der Welt sein einfaches Mittel, den Krieg zu beendigen, vorzu- enthalten! Er macht sich einer geradezu verbrecherischen Unterlassungssünde schuldig, wenn er jetzt nicht sofort mit seiner Weisheit herausrückt! Oder besteht dieses Mittel etwa auch wiederum nur in der Gründung der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft? Warum hat sie dann in den zehn Wochen ihres Daseins dieses Mittel noch nicht verraten, ge- schweige angewandt? Es gehört doch fürwahr eine sonder- bare Begriffsverwirrung und eine noch sonderbarere Auf- fassung von Klarheit und Wahrheit dazu, derartige Behaup- tungen in die Kreise der Volksmassen, die alle in schwerster Weise über den Kriegszustand seufzen, hineinzutragen lediglich in dem Bestreben, die alte Reichstagsfraktion dadurch ver- blümt der Schuld an der Fortdauer des Krieges zu bezichtigen und seine eigene kleine abgesplitterte Fraktionsgruppe als die Beherrscherin der alleinseligmachenden und friedebringenden politischen Weisheit angelegentlichst zu empfehlen. Ob wirklich die„sozialistisch geschulten und proletarisch denkenden Partei- kreise" geneigt sein werden, das ungeheuere und folgenschwere Ereignis des Weltkrieges und seine Lösung nur von dem Bc- streben aus zu beurteilen, ob und wie dabei das Süppchen der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft am bestten gar gekocht wird?_ Vertagung öer sozialistischen Neutralen- konserenz. Aus A m st e r d a m wird uns geschrieben: Die Agence Havas meldet, daß die Sozialistische Partei der Vereinigten Staaten die Teilnahme an der für den 26. Juni angesetzten Haager Konferenz der sozialistischen Parteien der neutralen Länder abgelehnt habe, weil sie den Augenblick für den Frieden noch nicht gekommen glaube. Das Internationale Sozialistische Bureau stellt nun in einer offiziellen Mitteilung ausdrücklich fest, daß das genannte Depeschenbureau die Tat- fachen verdreht. Daß die Sozialisten der Vereinigten Staaten die Teilnahme an der Konferenz verweigern sollen, ist um so unsinniger, als gerade sie es sind, die die Konferenz b e- antragt haben. Ueberdies stellt das Internationale Bu- reau fest, daß just sie die Meinung ausgesprochen haben, daß der Krieg schon zu lang gedauert habe. Und das Datum des 26. Juni ist auf ihren Antrag angenommen worden. Der tatsächliche Untergrund der Havasmeldung ist der folgende: Die Amerikaner haben jetzt einen großen Streik in der Bekleidungsindustrie und Genosse Hillquith möchte darum gern später nach Europa kommen. Auch die Norweger wünschen wegen des Generalstreiks eine Vertagung der Konfe- renz um einige Wochen.— Man sieht, mit welcher Dreistig- keit das offiziöse französische Bureau den sehr klaren Tat- bestand verfälscht hat. Interessant wäre übrigens, zu wissen, wie das Bureau so rasch zur Kenntnis des amerikanischen Tele- gramms gekommen ist._ Rumänien und Rußland. Von einem rumänischen Genossen wird uns geschrieben: Der russische Vorstoß über die rumänische Grenze kam ganz überraschend, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Nach der großen Niederlage der Russen in der Karpathenschlacht schien es für die ganze Welt klar zu sein, daß die militärische Hilfe Rumäniens am wenigsten in der Lage sei, Rußland aus seiner mißlichen militäri- scheu Lage herauszuhelfen. Dies sah auch die Regierung B r a- tianu ein, die seit Kriegsbeginn mit einer dauernd günstigen Entwicklung der militärischen Lage Ruhlands rechnend, eine zwar i abwartende, aber durch die wirtschaftliche Grenzsperre gegen die' Expedition: EW. HS, Lindenstraße 2. Fernsprecher: Amt Moritzpla«, Nr. 131 SO— 131 97. Zentralmächte und durch die an der ungarischen und bulgarischen Grenze zugleich getroffenen militärischen Maßnahmen Nußland und dem Vierverband gegenüber freundliche Haltung einnahm.— Als aber Rußland immer mehr nach dem Osten zurückgedrängt wurde und auch die unter großem Aufwand mehrfach wiederkehren- den russischen Offensiven erfolglos verliefen, merkte auch die rumä- nische Regierung, daß eS mit Rußlands Militärkraft zu Ende gehe. und Bratianu sah sich unter dem wachsenden Druck der Agrarier und der Handelsbourgeoisie gezwungen, die Grenzen für den Warenaustausch mst den Zentralmächten und deren Verbündeten weit zu öffnen: es kam das deutsch-rumänische Handels- abkommen zustande, dem dann rumänisch-bulgarische und rumänisch-türkische Handelsvereinbarungcn folgten. In dem Maße, wie der Einfluß Rußlands und der Russo- Philen auf die öffentliche Meinung sowie auf die Regierung Ru- msiniens sank, wuchs dagegen der Einfluß der germano- Philen Richtung im Lande. Das deutsch-rumänische Abkommen trug noch dazu bei, diese letzte Richtung wesentlich zu verstärken: heute spricht man in Rumänien nur noch ganz schüchtern von einer Erobe- rung Siebenbürgens, dagegen aber sehr laut von einer Angliede- rung Bessarabiens. Das Zustandekommen des deutsch-rumänischen Handels- ckbkommens bedeutete für Rußland und die Entente einen neuen diplomatischen Schlag seitens der Zentralmächte, der einer mili- tärischen Niederlage auf dem Balkan gleichkam. Dieser Schlag rief denn auch in den Ententeländern eine große Erbitterung gegen Rumänien hervor, die sich einerseits durch wirtschaftliche Gegenmatzregeln Rußlands Rumänien gegenüber und in der Ab- berufung des französischen Botschaftes B l o n d e I aus Bukarest kundtat. Niemand glaubte indes, daß sich die Entente zu aktiven militärischen Maßnahmen gegen Rumänien hinreißen lassen werde. Dies war die Situation, als die Kunde vom Einrücken eine» russischen Kavallerieregiments auf rumä- nisches Gebiet bei Mamornitza im Distrikte Boto schon i(einem der nördlichsten Distrikte Rumäniens, welcher zugleich an der Buko- w inaer und an der bessarabischen Grenze liegt) eintraf. Daß dieser militärische Vorstoß Rußlands bloß einen„Irrtum" de? kommandierenden Offiziers darstellt, wie die Version der rumänischen offiziösen Zeitung„V i i t o r u l" lautet, ist schwer zu glauben. Zwar ist auch heute noch für russische Verhältnisse der Umstand nicht als außergewöhnlich zu betrachten, daß es manchem russischen Offizier neben der militärischen auch an ge- nügender geographischer Sachkenntnis fehlt, aber daß'die geo- graphischen Mängel der russischen Heeresführung just zwei Jähre nach KriegSbeginn, gerade in dem Augenblick zutage treten, wo der russische Koloß zu seinem scheinbar letzten Riesenstoß gegen die Bukowinaer Front ausholt, scheint denn doch etwas merkwürdig zu sein. Wie dem aber auch sei, kann man mit einer gewissen Sicher- heit behaupten, daß die Verletzung der Neutralität Numäniens durch Rußland gegen den Wunsch, mindestens aber ohne den Wunsch und ohne Wissen der rumänischen Regierung erfolgt ist. Nicht ganz unwahrscheinlich erscheint aber die andere Annahme, daß dieser russische Uebergrisf im Einverständnis mit den im Solde Rußlands stehenden Führern der rumänischen Russophilen Take Jonescu und Nicu Filipescu erfolgt und mit diesen zusammen arrangiert sein könnte. Vielleicht zunächst nur als Versuchsballon, um zu prüfen, nach welcher Richtung der politische Wind in Rumänien steht. Beide Teile hofften vielleicht durch dieses Experiment die eingeschlafene russo- Phile Agitation wieder zu beleben und sie unter dem Eindruck der neuen russischen Offensive in der Bukowina zum Hineinreißen Rumäniens in den Weltkrieg auf Seite der Entente zu entwickeln. Nun ist aber ein so folgenschwerer Schritt wie die militärische Besetzung fremden Gebiets nur geeignet, bei dem verletzten Volke die größte Erbitterung gegen den Frevler hervorzurufen, und die- jenigen Strömungen im besetzten Lande zu stärken, die ohnehin den Krieg gegen den Eindringling forderten. So wächst auch von anderer Seite die Gefahr der Hineinzerrung Rumä- niens, dieser einzigen Friedensoase im Südosten Europas, i n .den Weltkrieg. Unserer jungen Bruderpartei in Rumänien erwächst angesichts dieser Sachlage aufs neue die heilig« Pflicht, gegen jede neue Bedrohung der Neutralität und des Frie- d e n s, von welcher Seite sie auch kommen mag— auch gegen diejenigen opportunistischen Elemente aus den eigenen Reihen, deren Agitation ebenfalls zu einer Vermehrung der Kriegsgefahr führt—, mit unerschrockener, aber vervielfachter Energie weiter» zuführen. Die soeben gemeldete sofortige Zurückziehung der russischen Truppen vom rumänischen Gebiet spricht nicht im geringsten gegen die obigen Ausführungen. Diese Tatsache kann vielmehr ebensogut als Beleg dafür dienen, daß es sich entweder um einen Ver- suchsballon der russischen Regierung handelte oder daß es ihr angesichts der entschiedenen Haltung der rumänischen Regierung vor den Konsequenzen ihres eigenen Handelns doch bange ge- worden ist._(z) Eine rusilsche Entschulüigung. Petersburg, 13. Juni.(W. T. B.)(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Kürzlich fand eine zufällige lieber- schreitung der rumänischen Grenze bei Mamornitza durch eine unbedeutende russische Truppenabteilung von ungefähr einer Kompagnie statt. Dieser Zwischenfall, der seine wahrscheinliche Er- klärung in der Tatsache findet, daß die Grenze an diesem Ort jchr undeutlich bezeichnet ist, wurde zum Gegenstand einer Untersuchung an Ort und Stelle gemacht. Ter russische General drückte dem ru- manischen General, der zur Vornahme der Untersuchung eingetroffen war, sein Bedauern aus und gab ihm die Zusicherung, dah unsere Truppen irrtümlicherweise nach Mamornltza kamen, und daß man sie unverzüglich daraus zurückziehe. Krieüenstunögebungkn ösr rumänischen Sozialöemokraten. Bukarest, 15. Juni.(W. T. B.) Gestern astend fand eine Versammlung der Sozialdemokraten statt, die aus Anlaß des Zwischenfalles in der Moldau beschloß, m i t allen Kräften den Eintritt Rumäniens in den Krieg zu bekämpfen. Der französische Tagesbericht. Paris, 14. Juni. der General mit in die vorderste Reihe der Stürmenden gehört. Der mächtige moralische Eindruck eines solchen Einsatzes der Führer braucht nur kurz erwähnt zu werden. Kurz und gut, man hat den Eindruck, daß die Russen etwas gelernt haben, allerdings mit der Beschränkung, daß die Grundlage ihrer Stoßtaktik doch immer die rein materielle Wucht der über- legenen und ohne Rücksicht auf Verluste vorgetriebenen Masse bleibt. Ihr gleichzeitiger Angriff auf der ganzen Front hat immerhin unsere Verbündeten an verschiedenen Stellen ihrer Front zum Abzüge in rückwärts gelegene Stellungen genötigt. DaS geschah zuerst am zweiten Tage der Artillcriekämpfe, also am Montag, oen 5. Juni, bei Okna südlich dos Njestr, wo die Offtcrreicher auf einer Entfernung von 5 Kilometern zurück- genommen werden mutzten. Hier scheint allerdings am folgenden Tage ein Gegenstoß unserer Verbündeten den verlorenen Raum teilweise zunächst noch wiedergewonnen zu haben. Der Höhepunkt des russischen Vordringen? aber trat an eben diesem Tage und am 7. Juni auf dem entaegengesetzten Flügel ein. Hier mutzten die österreichisch-ungarischen Kräfte an der oberen Putilowka gegen stark überlegene Massen in dem Raum um Luck zurückgenommen tverden, was unter harten Nachhut- kämpfen geschah; am 7. Juni gingen sie dann auf das Westufer des Styr zurück, während die Russen die Stadt Luck besetzten und den Fluß ihrerseits überschritten. Ihr Raumgewinn nach Westen betrug hier 30 Kilometer; am 3. Juni erstürmten sie noch den Brückenkopf von Rozizcze, 19 Kilometer nördlich Luck. An diesem Tage und am 9. Juni drängten sie die Oesterreicher teilweise auch über die untere Strhpa, nördlich deS Njestr in Ostgalizien, zurück. An allen anderen Punkten der ausgedehnten Front sind ihre wütenden Angriffe abgeschlagen worden. In den folgenden Tagen traten teilweise schon wieder glückliche Gegenangriffe unserer Ver- bündeten und der in ihrem Verbände fechtenden deutschen Truppen ein. Am 10. Juni versuchten die Russen vergeblich, den unteren Styr bei Kolki, 45 Kilometer nordöstlich Luck, zu überschreiten; sie wurden hier unter Verlusten auf das Ostufer des Flusses zurückgeworfen. Nordwestlich Tarnopol, zwischen Sereth und Strypa, wurde ihnen eine eroberte«tellung wieder abgenommen, weiter südlich aber, nordwestlich von Buczacz, wurden sie von den Truppen des bayerischen Generals Grafen Bothmer am 11. Juni gleichfalls zurückgedrängt. Andererseits haben sie am 10. und 11. Juni ihre Offensive in der nordöstlichen Bukowina nach einer mehrtägigen Pause wieder aufgenommen und die Truppen des Freiherrn v. Pflanzer- Baltin gezwungen, hier In rückwärtige Stellungen abzuziehen. Die Bewegung hat sich auch diesmal unter harten Nachhutkämpfen vollzogen. Der Zar hat seine Truppen in überschwenglicher Siegesfreude beglückwünscht; die Russen melden eine große Menge von Gefangenen und zahlreiche erbeutete Geschütze an. Da ihre Berichte häufig übertrieben und gelegentlich bewußt unwahr ge» Wesen sind, wird man gut tun, ihre Angäben nicht gleich als bare Münze zu nehmen. Man hat auch von einein Durchbruch der öfter- reichisch-ungarifchen Front und von der Niederlage unserer Ver- bündeten gesprochen. Beides kann man nicht zugeben.� Da der ?lusammenhang der Front nicht zerrissen ist, ist sie auch nicht durch- rochen worden, sie ist nach wie vor lückenlos und hat nur an einigen Stellen mehr oder weniger starke Einbeulungen erhalten. Da ferner die Kämpfe nach wie vor in erbitterter Weise fortgesetzt werden, da die Schlacht nicht endgültig zu Ende ist, kann erst recht nicht von einer Niederlage die Rede sein. Andererseits natürlich darf man sich über den Ernst und die Schwere dieser Kämpfe nicht täuschen und darf nicht daran zwei- fein, daß die russische Heeresleitung ihre Angriffe unentwegt forffdyert aiib Sei1 Versuch machen wird, rhre anfänglichen Erfolge AN einer- endgültigien Entscheidung zu erweitern. Wenn öfter diese vielleicht größte Offensive des östlichen Gegners eine Tutilastung seiner italienischen Bundesgenossen be- zioeckle, so- Hat mo» bisher keine Anzeichen davon, daß seine Absicht glücke! i. wird. Di» Angriffe der Oeslerreicher auf den Hochebenen von Mero uuit Miago gehen vielmehr unentwegt weiter— nach itoliaaifchfflt MigaLcn sogar mit recht starken Kräften. Und sie sche-suNir mrf ilia: ch�entliche Stimmung in Italien großen Eindruck zu machau. Solan!' va ist ihr erstes Opfer.(z) Serkcht türkischen Hauptquartiers. KuuhinutiuayvlH 14. Juni.(W. T. B.) Amtlicher B errchch Aa der- Jra�ftront in der Gegend von Fellahie hat der Icinb, von tmlijem Artillcricfcuer beunruhigt, fein Lager weit auHev TchußbÄtÄch unserer Kanonen verlegt. Russische Truppe», auf die vt'u: bei Mlan südwestlich von Kasr Schirin stie-zerr. wurden dop einer unserer Abteilungen gegen Norden hin verjagt. An de? Kankcniiussront scheiterte am rechten Flügel ein Neberfall, den rfft Teil feindlicher Kräfte versucht hatte, in unserem Fener. �ssn Zentrum zeitweiliger Artillerie- und Jnfanterieeampf. am. linken Flügel örtliche Artilleriekämpfe. Unsere Erkundungsabyellungen unternahmen erfolgreiche Ueber- fälle auf feindliche Vorposten. In den Gewässeun.von Smhrna schoß ein feindlicher Monitor, von zwei Fi�sgern unterstützt, etwa zwanzig Granaten ohne Wirkung gegen hrts Ufer südlich von Fotscha ab und zog sich dann zurück. Ein anderer Monitor wurde in der Nähe der Insel Keuften durch m.jer Artilleriefeuer auf die hohe See getrieben. Sonst nicht� Wichtiges. RoffWer �ü griff auf eine deutsche Hanüelsfiottille. Norrkipinz, 1-l. Jhsni.(W. T. B.) Nach Zeitungs» meidungen sind 13. deutsche Handelsschiffe bei der I n j e l H ä f r i e, die südwärts fuhren und von zwei oder drei Torpedobooten, einem HilfS- kreuzcr und einigen bewaffneten Fisch- dampfern begleitet wurden, südöstlich von Arkö etwa 10 Tistanzminutcn thom Land von einer russischen Flottenabteilunm angegriffen worden. Diese bestand aus Zerstörern, t Torpedobooten und Unterseebooten. Die deutschen Tampser� suchten am Lande Schutz. Zwei deutsche Dampfer, die bei! dem Angriff von den Begleitschiffen getrennt wurden, sind heifcte morgen in Arkösund eingetroffen; sie hatten in der Finsternis nichts beobachten können. Die deutschen Fischdampfer pap'ouilliertcn während des Vormittags außerhalb der HoheitsgÄenze und fuhren dann südwärts. In das Lazarett von Nyköping sind jetzt sechs deutsche Matrosen übergeführt woadcn, von denen zwei sehr schwer und die übrigen leicht veitwuntdet sind. Ein Verwundeter ist in Arkösund an Land gebra cht: worden. Kvpcichagen, 14. Juni..sW. T. 9.).Eistrabladet meldet in einem Stockholmer Privattele�rarrm: Das Vorpostenschiff, da» die Verwundeten in Nylöping epiblpchte, halte 150 Mann von einem anderen Fahrztzeu�g an Bord. Die angreisende russische Flottille zäh pe sechs Torpedojäger und einige Unterseeboote. Nyköping, 14. Jnni. sW.vT. 9.) Meldung de« schwedischen Telegrophenbureaus. S e ch S lHetw a f f n e t e deutsche Fisch« d a m p f e r fuhren gestern obcr|4 vor Häfringe in nördlicher Nich- tung. Man nimmt an, daß sie-»1s' dem Rückwege mit seind- licken Kriegsschiffen im Kampf gerieten. DaS Ge- fecht dauerte ungefähr 45 Mii�itvn. Der Wind kam vom Lande, daher wurden Knalle.nicht gehört, doch sah man Feuerblitze. Der Ausgang deN Kampfes ist unbekannt. Der deutsche Fischdampfer„Joh. Westes ist heute früh in Nyköping ein- gelaufen. Er hatte fünf BeiWwundete an Vord, die ins Krankenhaus der Stadt gebracht tznitden. Die Besatzung des Dampfers verweigerte jtzde Auskunft über den K a.mp f. Dänische Trauerkunüg�bung für üeutsche Gefallene. Kopenhagen, 15. Juni.(W. T.» B.) Nach hiesigen Blätter« Meldungen fand gestern in S lag an unter großer Beteiligung der Behörden und der Bevölkerung.die feierliche Beerdi« gung von sieben deutsche>6 M a t r o s e n statt, deren Leichen nach der Nordsecschlacht von Mischern eingebracht worden waren. Die Schiffe im Hafen und dieVganze Stadt hatten Trauer« schmuck angelegt. Alle Glocken läutet«!. Die sieben Särge, die mit Blumenspenden vollkommen bedeck� waren, wurden aus dem Friedhof in einem gemeinsamen Grabe.beigesetzt. Dabei bildeten hiesige Kriegervereine und Seesoldatem des dänischen Torpedo- bootcs.Soeulven" die Ehrenwache, iptlitor Busch hielt eine er- greifende Trauerrede._ Darauf dankte der deutsche Konsul in Frederikshavn den Behörden und der Bevölkerung namens des deutschen Volkes für die Teilnahme. De« Kommandant des Tor- pedoboots„Soeulvcn" legt« ein« prachtvolle Palmenspende auf dem Grabe nieder. Unter gleichen Ehrenbezeugungen wurden auch zwei englische Matrosen bestattet. Schweüischer Dampfer von ri�ischem v-Doot angefallen. Stockholm, 15. Juni.(W. T. B.).(Stockholms Tidniogen" erfahrt aus HelsingforS! Ein schwedischer Dampfer ist bei Oeland von einem russischen U-Ioot beschossen worden, obwohl er die schwedische Flagge führte und Na- tionalitätsabzeichen trug. Der �.Inpitän des schive bischen Dampfers mußte dem Kommandanten des U-Bootes seine Papiers zeigen und beobachtete dabei, daß ävs U-Boot außer- .■getaBhülich groß war und drei Kanonen an Deaj führte. Nach der Prüfung seiner Papiere durfte der schwedisch«' Dampfer weiter- fahren. Eine Berichtigung zur amer.�anischen Postnote. Berlin, 15. Juni.(W. T. B.) In der in unser!? Nr. 10(51 vom 14. d. M. mitgeteilten Uebensehung der amerikanischen P o st note an England und Frankreich.vom 24. Mai 9. I. ist infolge eine» Fehlers vci der drahtlosen Inebermittelung des Textes ein T e i l a u s g c ffa l l e n. In Absatz 41 ist an Stelle von Sdtz 2 und 3 folgender Passus einzuschalten: »Im Gegenteil schient ihr Standpunkt(nämlich S*r englischen und französischen Regierung) den zu sein, daß.echte Kcti respondcnz" nach dttr vertragsmäßigen Abmachungen.unverletzlsty' ist, daß jedoch dl« Postsachen anderer Kategorien der Anhaktiln« und Prü- fung unterliegen. Während ine Regierung der Vereinigten Staaten der Auffassung beipflichtet, daß.echte Korrespondenz' unverletzlich ist, givt sie nicht zu, daß die KriegfuhrendcnXdie übrige Post auf privaten Schiffen zu aaäeren Zwecken durchsuckrn dürfen als zwecks Feststellung, ob sie feindliches Eigentum ausi Schiffen einer kriegführenden Macht odtir Konterbande in verschlossenen Umhüllungen als Briefpost enthalt, m, während sie aus See ollle Post aufhallen dürfen, die aus einem HäfeN der feindlichen Küste kommt oder nach einem solchen geht, sofern diese Häfen effektiv blockiert sind. Die Regierungen der Vereinigten Staaten, von Großbritannien und Frankreich scheinen sich über das Prinzip im wesentlichen einig zu sein. Die Methoden, wie dieses Prinzip an- gewandt wird, bilden die Hauptursache der Meinungsverschieden- heit. Obwohl die verbündeten Regierungen die Zusicherung ge- geben haben, daß»echte Korrespondenz" unverletzlich ist, und daß sie.getreu ihren Verpflichtungen" davon absehen werden, solche Korrespondenz„auf hoher See" anzuhalten und zu beschlagnahmen, fahren sie fort, die neutralen Regierungen dieser Zusicherungen zu berauben, indem sie die Post auf den Schiften im Hafen statt auf hoher See anhalten und beschlagnahmen. Sie zwingen usw." Gefechte m Deutsch-Gstafrika. Lc Harn, 15. Juni.(SS. T. 9.) DaS belgische Kolonial« Ministerium teilt mit: Nackdem die deutschen Elreitkräste ihren Rückzug gegen Süden vollendet haben, scheinen sie sich in der Gegend von K i t e g a zu konzeiilriereii. Die Armee des Generals Tombeur erreichte bei der Vcrsolgung des Feindes an drei Stellen die große Straße, die den Viltoria- und den Tanganijkasee verbindet. Die rechts- stehende Kolonne besetzte am 8. Jnni Usumbura und setzt ihren Vor- marsch aus Kilega fort. Im Zentrum erreichten die beiden Kolonnen Luiaraki bezw. Kasima, letztere Ortschaft liegt ungefähr 200 Kilo« meter östlich Usumbura. Die linksstehende Kolonne erreichte K a g e r a. dessen Verbindungswege mit dem Tanganijkasee von ihr beherrscht sind. Die FliegerleutnantS Bebaeghe und Collignon über- flogen am 10. Juni an Bord eines Wasserflugzeuges das deutsche Fort Kigoma und beschossen da« deutsche Kanonenboot.Graf von Götzen". Sie erzielten dabei zwei Treffer und beschädigten das Schiff schwer. Kriegsüebatte im ungarischen sibgeorünetenhaus. Budapest, 14. Juni.(W. T. B.) Abgeordneten- Haus. Nach Graf Tisza sprach Graf Michael K a r o l y namens der Unabhängigkcitspartei. Er betonte im An- schluß an die Ausführungen des Ministers des Aeußern, daß die Monarchie ausschließlich einen Verteidigungskrieg ge- führt habe und gab der Entschlossenheit Ausdruck, bis zur siegreichen Beendigung des Krieges durchzuhalten. Graf Julius A n d r a s s p erklärte namens der Versassungspartei bezüglich des mittschaftlichen Kampfes, daß die Gefahr der Aushungerung beseitigt sei. Es liege im eigenen Interesse des Landes, auch dafür zu sorgen, daß die Bundes- und Waffcngenoffcn das nötige Getreide aus seinen Beständen erhielten. Die volle Verantwortung für die Fortsetzung des blutigen Krieges falle der Entente zur Last. Da die Gegensätze zwischen den Kriegführenden nicht zu überbrücken seien, bliebe nichts anderes übrig, als den Kampf hartnäckig bis zum endgültigenSieg fortzusetzen. DerRcdner besprach schließlich polnische Fragen und wies darauf hin, daß der deutsche Reichskanzler bereits zweimal erklärt habe, er sei nicht geneigt, Polen an Rußland zurückzugeben. Auch wir, sagte der Redner, sind der Meinung, daß Polen nicht an den Zaren zurückgegeben werden darf. Der folgende Redner Graf Apponyi erklärte: Gemäß der Aufnahme der hier und im Deutschen Reichstag gehaltenen Friedens- reden können wir unsererseits nichts anderes tun, als un- crschüttcrlich durchzuhalten und unser Volk darüber auf- zukläreu, daß wir solange durchhalten müssen, bis unsere Feinde, die allein an den weiteren Menschenopfern schuld sind, zur Vernunft gelangen. Der Redner sprach schließlich den Wunsch aus, das Bündnis mit Deutschland nach dem Kriege noch zu vertiefen, umsomehr als keinerlei Interessen- gegcnsätzc zwischen beiden Ländern vorhanden seien. Eine Reöe von �squith. London, 15. Juni.» n Rente von 60 Proz. Durch Bescheid der Genoflenschaft vom 3 0. Dezember 1912 wurde dann nur ein Jahw�arbeitsverdienst von 1544 M. der Berechnung zugrunde gelegt i/nd danach eine Rente von 60 Proz. fest» gesetzt. Die B e r u fu n g, hiergegen verlangte, daß nach Artikel 60 des Einführungsgesetzes j/Ur Reichsversicherungsordnung der volle ungekürzte Lohn anzusetzen sei, nämlich 1632 M., und des weiteren geltend gemacht, daß Klüger in höherem Maße als 60 Proz. in seiner Erwerbsfähigkeit bc/'jchränkt sei. Mehrfaches Schreiben an die Berufsgenossenschafl wegefa erneuter Uebernahme des Heil» Verfahrens blieben zunächst unbeantwortet. Am 2 9. März 1913 wurde dieser Ant/.chg abgelehnt. Dieser Bescheid wurde jedoch ebenso wie der Bescheid vom 3E. Dezember 1912 von der Genossenschaft am 22. Jüni 1913 zurückaczogen. Am 18. A u g u st 1913 wurde neuer Pescheid erteil), in diesem wohl die Höhe des JabreSarbeitsverdit/istes auf 1632 pl. erhöht, im übrigen ober wieder 60 Prozent sesl�setzt und die Uckbernahme des Heilverfahrens abgelehnt. Der Verletzte way mittlerweile entmündigt worden. Der Bescheid war daher r«htSunwirksam.(35 mußte nochmals neuer Be» scheid dem Pfleger zstgestelll werden. DaS geschah am 4. N o- vember 1913. e/ine nochmalige Behandlung in der dlaison ds sante machte sich notwendig. Die Erleilung des Endbescheides er» folgte nunmehr am 20. Oktober 19(14. Mit dem gleichen Datum erging von der Berufsgenosienschaft ein weilerer Endbescheid als Folge des Bescheids vom 29. März 1913. Dieser Bescheid war aber bald nach Erteilung, wie wir pben gezeigt haben, von der Berussgenossenscha/l zurückgezogen wurden, er war also ungesetzlich. Das Ob ervprsicherungsamt Groß-Berlin hielt den letzteren Bescheid für gegenstandslos und wies die B e» rufung geg-en den anderen Bescheid zurück. Auch gegen diese Entscheidung wurde Pekurs bei dem Reichs» versicherunigsaml eingelegt."In der Sitzung vom 2 3. M ä r z 1916 wurde nzstimehr seitens der Gtenossenschafr mit dem Vertreter des Klägers est» Vergleich geschlossen, inhalis dessen an den Ver- letzten ab 26. kdezember 1911 eine Pente von 75 Proz. und 100 M. für Kosten!»es Heilverfahrens rtzid sonstige Auslagen gezahlt werden sollte, Damit hat der mehr als 5 Lahre währende Rentenstreit sein Ende erreicht. Die unnötige Verialeppung wäre rm vorliegenden Fall nicht efrigetreten, wenn die erLen Instanzen von vornherein die Sachlage obzekliv und eingehend geprüft hätten, und serner, wenn die BerufSigenossenschaft enlsprechxnd der ersten Entscheidung de» Reichsvershcherungsamts vom 15.»Oktober 191:. in eine nochmalige Prüfung dtr Erwerbsbeschränkung eingetreten wäre und nichr ein» sack die als vorläufig zu zahlende Rente als Rente überhaupt sest- geletzt häjte. öerantw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Jnlcratenteil verantw. Xh.Glocke.Berlln. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verla�sani:»rU Paul Singet:& Eo* Veriia S W. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltuugsbl, Nr. 163. 83. Errang. W»» ko JotWs" Knlim WlksM Freitag, 16. Zum 11)16. politische Uebersicht. „Entschlossene Zcitausnützung". In der„Kölnischen Zeitung" hat der Leiter des„Wiener Fremdenblattcs" einen Artikel über das Schuldkonto Ruß- lands am Ausbruch des Krieges veröffentlicht. Während die „Deutsche Tageszeitung"(und mit ihr ein großer Teil der deutschen imperialistischen Presse aller Parteirichtungen) solche Nachweise sofort nachdruckt, soweit sie sich auf England beziehen, betont jetzt Graf R c V e n t l o w in der „Deutschen Tageszeitung", daß die Schuldfrage relativ unerheblich, ja sogar geeignet sei,„die Aufmerksamkeit und das in Deutschland leider so spärliche realpolitische Interesse abzulenken und um eines moralischen P h a n- t o m s willen zu schwächen". Das Ausland werde man doch nicht überzeugen, denn: „Das Sprichwort von den kurzen Beinen der Lüge ist Lügen gestraft worden; ein Beweis übrigens auch dafür, daß diese Volker und ihre Regierenden an der Wahrheit kein Interesse halten, sondern diejenige Version annahmen, welche in der Linie ihrer Neigung und Politik lag." Im übrigen sei es gleichgültig, ob Rußland einige Tage früher oder später mobilisiert habe. Die Völker und Re- gierungen hätten ihre Handlungen nicht nach einem späteren Urteil der Geschichte, sondern nach augenblicklicher Zweckmäßig- kcit einzurichten: .Friedensschlüsie und die Friedensbedingungen sind noch nie- mals deshalb anders geworden, weil das eine Volk das andere und das andere das eine mit Schuld- und Unschuldbeweisen über- häufte. Wohl aber isl.eS von größter Wirkung auf den Verlauf der Kriege gewesen, welches von kriegführenden Völkern seinem Gegner oder seinen Gegnern gegenüber den Wert des Momentes der Zeit, mithin der Schnelligkeit des Handelns schon in den ersten Ansängen erkannte und verwirklichte. Man denke nur an die Kriege Friedrichs de« Großen. Der� Siebenjährige Krieg war ein VerterdigungS- krieg nn höchsten Sinne des Begriff» für Friedrich, und er begriff, daß er, um ihm gewachsen zusein, zuvorkommen müsse. Deswegen blieb es doch ein Verteidigungskrieg. Es ließen sich aus den letzten zwei Jahrtausenden zahlreiche Beispiele hierfür anführen, für die Bedeutung entschlossener Zeitausnutzung und ebenso entschlossener Ausnutzung aller Waffen im Kriege.... Wie kein einzelner Mensch, so kann und darf noch viel weniger ein Volk etwas tun oder lassen, in der Hoffnung, daß dann später diese» oder jenes von ihm geschrieben werde; am allerwenigsten aber vor und in einem Kriege, der über Sein oder Nichtsein entscheidet. Die Geschichte ist etwas vollkoninien Sekundäres und dazu da, um die Vergangenheit zu verstehen. Die� Konsequenz aus der obigen Auffassung würde sein, daß der einzelne und ein Volk für die Garantie einer an« etkennenden Grabschrist sich derart moralisch benehmen, daß un- moralische Gegner sie umS Leben brächten.— Für ein Volk— der einzelne kann unter Umständen mit sich machen, was er will— heißt eS: sein Leben und seine Zukunft sichern, und den kommenden Generationen überlaffen, was sie an Geschichte zu schreiben für richtig halten. Wa» ferner die Geschichtsschreibung anderer Völker von unserem Volke später sagen sollte: wir wüßten nichts, was, dem deutschen Volke gleich- gültiger sein könnt», wenn es nur stark genug ist." Diese Ausfassung mag".sehr aufrecht klingen. Aber wes- halb fallen gerade Graf Reventlow und seine Gesinnungs- genossen gegenüber England in einen Ton, dessen kreischende „Moralität" beinahe schon unästhetisch wirkt?! Die„Legitimation" zur Mitarbeit. Im„Berliner Tageblatt" sucht Dr. Paul Michaelis die„Ueberraschung, mit der.in manchen Kreisen die Er- nennung des Genossen August Müller in den Vorstand des Rcichsernährungsaints aufgenommen wurde, mit dem Hin- weis ans seine durchaus zuverlässige nationale Haltung zu beschwichtigen. So zitiert er u. a. eine Stelle aus einem Artikel Tr. Müllers über„Krieg'und Konsumgenossenschaften" in den„Annalen für soziale Politik und Gesetzgebung", in dem ein heftiger Angriff gegen„allerhand national ent- wurzelte Existenzen" enthalten ist, die den Versuch unternommen hätten,„das Bekenntnis der deutschen Arbeiter zu ihren vaterländischen Pflichten als das Produkt einer Ucberrumpelung nachzuweisen", und wo weiter erklärt wird, ein Sieg der„intransigenten Richtung" in der Sozialdemo- kratie nach dem Kriege würde„die Konsumgenossenschafts- bewcgnng mit Naturnotwendigkeit zu einem noch schärfe- ren Betonen ihrerSelbständigkeit veranlassen". Dieser durchaus unzulässige, aber bei dem jetzigen Charakter der Leitung der Konsumgenossenschaftsbewegung keineswegs überraschende Versuch, in bestimmter Richtung einen Druck auf die Partei auszuüben, wird von Dr. Michaelis natürlich mit Begeisterung begrüßt.„Mit der Haltung— ruft er aus— ist wohl auch für das Bürgertum die L e g i t i- m a t i o n Dr. Müllers, an den Ernährungsfragen der Gesamtheit aktiv teilzunehmen, erbracht." Diese Acußerung des Leitartiklers des lmksliberalen Blattes wirft ein grelles Schlaglicht auf die Stimmungen selbst in jenen Teilen des Bürgertums, die vorgeblich einer Annäherung an die Sozialdemokratie nicht abgeneigt sind. Wenn diesem„Bürgertum" noch ausdrücklich, unter Hinweis auf die Angriffe Dr. Müllers gegen die„Intransigenten" und dw„national entwurzelten Existenzen" in der Sozial- demokratie, seine„Legitimation" im Reichscrnährungsanit zu arbeiten noch besonders erbracht werden muß, so dürfte es um die Anerkennung der politischen Gleichberechtigung der Sozial- demokratie als Ganzes selbst in linksliberalen Kreisen recht windig bestellt sein._ Kriegsrede des württembergischeu Ministerpräsidenten. Stuttgart, 14. Juni.(W. T. B.> In der Zweiten Kammer de» Landtages, die heute nachmittag ihre Sitzungen wieder aufnahm, erklärte Ministerpräsident Dr. v. W e i z s ä ck e r u. a.: Bon der leitenden deutschen Stelle sind kürzlich die Bemerkungen des eng tischen Ministers des Auswärtigen G r e y und Genossen über den preußischen Militarismus gebührend zurückgewiesen worden. Aber ein Wort zu reden über den preußischen Militaris- muS ist auch in Süddeulschland den Einzelstaaten gestattet, ja meines ErachrenS notwendig. Sir Edward Grcy und feine Lands- leute haben vor Dpern und vielen Orten des Westens die Schlagkraft der schwäbischen Soldaten kennen gelernt. sBravo!) Sie wissen, daß wir stolz sind auf den schwäbischen Herzog und«rmeesührer dort oben; wir wiffen, daß auch Schwaben auf den Kriegsschiffen find, die den Traum der englischen Vorherrschaft zur See empfindlich gestört haben. Den Engländer» ist unbekannt, wie wir im Süden es dankbar anerkennen, daß der preußische vater- ländische Militarismus uns im Geiste der Befreiungskriege gegen die V erg ew a lti g ung SP o litik der Entente schützt. Das deutsche Volk ist im Kriege zu einer Gemeinschaft von solcher Festigkeit zusammengewachsen, wie es sie in der bis- herigen Geschichte nicht gab.(Bravo I) DaS ist der partikularistische Geist, der heute noch in den deutschen Stämmen wach ist und der darin besteht, daß jeder Stamm die größten Opfer für das gemeinsame Vaterland im Daseinskampf zu bringen bereit ist. Alle kämpfen für die nationale Zukunft deS Volkes. Wir vertrauen auf unsere Kraft, in ihr liegt die Garantie für unseren Sieg. Verlängerung der bayerischen Legislaturperiode. In der Mittivochssitzung des Finanzausschusses der bayerischen Abgeordnetenkammer hat der Verkehrsminister v. Seidlein mitgeteilt, daß der M i n i st e r r a t dem König vorgeschlagen habe, die Legislaturperiode des gegenwärtigen Landtages um ein Jahr zu verlängern._ Das bayerische Postreservat. München, 15. Juni.(W. T. B.) Bei der Beratung des Post- etats im Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer traten die Redner aller Parteien, mit Ausnahme des Vertreters der Liberalen, ebenso wie die beiden Berichterstatter für die Aufrechterhaltung des baye- rischen Postreservates ein und verwarfen die Einheitsmarke. — Der Vorsitzende des Ausschusses, Abgeordneter von Pichler, er- klärte, es berühre eigenartig, daß der Reichstag gerade in der gegen- wärtigen Zeit einen Antrag auf Beseitigung der bayerischen Brief- marke angenommen habe. Der Finanzausschuß der Kammer solle sich durch einen ausdrücklichen Beschluß für die Beibehaltung der bayerischen Marken aussprechen. Verkehrsminister von S e i d l e i n erklärte, die bayerische Briefmarke bedeute einen Teil der Selbständig- keit der bayerischen Pastverwaltung. Die deutschnationale Gesinnung und Opferwilligkeit Bayerns stünden außer Frage. Die bayerische Briefmarke bilde eine Unterlage für die Einnahmen der bayerischen Post._ Der Deutsche Lchrertag über die militärische Jugenderziehung. Mit der militärischen Vorbereitung der Jugend befaßte sich der Deutsche Lehrertag in E i s e n a ch. Von dem Referenten, Direktor Fechner, wurden die Auswüchse betont, die sich aus der jetzt üb- lichen Methode dieser militärischen Erziehung der Jugend ergeben haben. Der Lehrertag stellte für die Ausbildung der Jugend schließ- lich folgende Thesen auf: 1. Einrichtung und Durchführung der reichsgesetzlich sicherzu- stellenden Heeresvorschule für das landsturmpflichtige Alter vom 17. Lebensjahre ab ist Aufgabe der Heeresverwaltung. 2. Die Ausbildung der körperlichen Tüchtigkeit der Jugend im Volks- und fortbildungsschulpflichtigen Alter mutz, damit die Einheit lichkeit der gesamten Erziehung gewahrt bleibt, der Schule zugewiesen werden. 3. In der Volksschule ist die körperliche Ausbildung durch den Turnunterricht durch Einführung verbindlicher Uebungen im Schwimmen, Wandern, Spiel, Eislauf und dergl. planmäßig zu erweitern. Zur Förderung dieser Aufgaben äst ein wöchentlicher Spielnachmittag einzurichten. 4. Für die gesamte Jugend im nachschulpflichtigen Alter sind unter Mitwirkung der Reichsgesetzgebung Fortbil dungsschulen mit Pflichtbesuch einzurichten, in denen Turnen als Pflichtfach für alle Schüler eingeführt wird. Die Uebungen der Volksschule in Schwimmen, Wandern, Spiel, Eislauf usw. sind in der Fortbildungsschule fortzusetzen und mit Rücksicht auf die spä tcren Anforderungen der Heeresvorschule in geeigneter Weise zu er weitern. Zp diesem Zwecke ist in jeder Woche ein Nachmittag von der Berufsarbeit gesetzlich freizuhalten. Bevorstehende Beschlagnahme der Hanf- und Flachsernte. Berlin, 15. Juni. Maschine, die zu- sammen über 1000 M. wert sind. Ter Schwindler, der sich Mecha- »ikcr Löffler nannte, und ohne Zweifel auch Mechaniker ist, spricht sächsische Mundart, ist etwa 22—24 Jahre alt und mittelgroß und rrug einen grünen Anzug mit umgeschlagenen Hosen und einen grauen weichen Hut. DaS nächste Bolkskonzert dcS Philharmonischen Orchesters findet am Sonnabend, den 17. Juni, im Sladtthealer in Moabit, All- Moabit 47/48, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Der Borverkauf zu den Volkstonzerten findet statt in der Berliner Gewerlichaftskominission, Engelufer 15, Zimmer 13, außer Sonnabend nachmittags und in den betreffendeil Konzertsälen. Die im Vorverkauf nickt untergebrachten Karten werden abends an der Kaste verkauft. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Kasten- eröffnung 7 Uhr. DaS Frühkonzert dcS SängerchorS Wcdding, M. d. D. A.-S.-B., ist vertagt worden auf Sonntag, den 18. Juni, morgens 6 Uhr, ini Friedlich-Wilheimsiädtischcn Konzertgarten, Ehausieesir. 80—31. Die VilletlS vom 1. Pfingstfeiertag berechtigen zum Eintritt dazu. Sol- daten haben freien Eintritt. /tos den Gemeinden. Sonderbrotkarten in Charlottenburg. Bekanntlich haben die Gemeinden Groß-Berlins beschlosten, in den nächsten Wochen mir noch die Hälfte des bisherigen Kartoffel- quantums an den einzelnen abzugeben und als Ersatz dafür 350 Gramm Brot auf daS Mittelstück der Brotkarten zu geben. Bekommt der Verbraucher auch das verminderte Kartoffelquantum nicht, so hat er nochmals Anrecht darauf, 350 Gramm auf seine Kartoffelkarte zu erhalten. Die Stadt Charlottenburg hat nun angeordnet, daß die ersten 850 Gramm Brot wie in Groß-Berlin auf das Mittelstück der Brotkarten entnommen werden können, für den Bezug der restlichen 350 Gramm hat der Magistrat, da es Kartoffelkarten für Charlottenburg nicht gibt. Sonder- brotkarten herausgegeben, die auf je 350 Gramm lauten und nur in Charlottcnburg gültig sind. Einführung von ftundeulisten für de» Fleischbezug in Lichtenberg. Der Magistrat macht bekannt, daß zirr Vorbereitung der Ein- führung einer gemciniamen Fleischkarte für Berlin und Nachbarorte Kundenlisten eingeführt werden. Die Einwohner Lichtenbergs, die vom 25. Juni ab Fteisch oder Fett beziehen wollen, müssen sich bis zum Sonntag, den 18. Juni 1916, vormiitags 10 Uhr, iclbst oder durch ein Miigltcd ihres Haushalts unter Abgabe des Fleischkarten- abschnitteS Nr. 12, vor- und Zunamen, Wohnung, sowie Farbe, Gruppe und Nummer der Fleischkarten in ein vom Fleischer anSzu- legendes Kundenverzeichnis einlragrn lassen. Die Marktschlächter haben ebenfalls Kundenlisten zu sübren. Da auch Kinder unter zwei Jahren eine Fleischkarte erhalten sollen, ist iür diese der Abschnitt Nr. 12 der nur alS Lebens« milteltarte dienenden entwerteten Fleisch karte abzugeben. Für Urlauber werden besondere Tageskarten ausgegeben. Die Fleischer sind verpflichtet, die Eintragungen in daS Kundenverzeichnis in Gegenwart des Anmeldenden mit fortlaufender Nwnmer zu versehen und jedem Anmeldenden auf Verlangen eine schriftliche Bescheinigung über die ihm zugewiesene Nummer aitZzu- stellen. Die Fleischer find verpflichtet, zum Zwecke der Eintragung die Läden am Freitag, den 16. Juni, von 7 Uhr morgen« bis 8 Uhr abends sowie am Sonntag, den 18. Juni, von 8 bis 10 Uhr morgen« offen zu halten. Die Eintragung in das Kundenverzeichnis hat für" jeden Ein- getragenen die Wirkung, daß er für die Dauer der ersten Fleisch- kartenperiode Fleisch oder Fett nur von diesem Fleischer beziehen darf. Eine Versäumnis der Eintragung innerhalb der obenerwähnten Frist hat den Ausschluß der Möglichkeit des Fleisch- oder FeitbezugeS für die erste Fleischtartcnperiode zur Folge. Neuregelung der Fleischvcrteilung in Tegel. Wie der Gemeiudevorsiand soeben bekannt macht, war be- absichtigt, die bisherige Fleischkarte durch eine K o P f k a r t e zu ersetzen. Mit Rücksicht auf die in Kürze bevorstehende Einführung der Groß-Berliner Fleischkarte ist hiervon jedoch Abstand g e- n o m in e n worden. Um aber für die Z w i f ch e n z e i t die Zu- teilung der Fleischmenge gerechter zu gestalten als bisher wird von jetzt ab der Fletichverkauf unter Benutzung der am unteren Rande bei Eicrkarte befindlichen Abschnitte 1—6 folgendermaßen geregelt: Die Käufer werden nach wie vor nach den Nummern der Fleisch- karte aufgerufen. Außer der Flcischkarte muß jeder Käufer die zu seinem Haushalt gehörigen E i e r k a r t e n mit zur Verkaufsstelle nehmen. Auf jede Eierkarte wird>/« Pfund Fleisch zugeteilt, von dem verläuicr ist bei Rindfleisch der Abschnitt 1. bei Schweine- fleisch der Abschnitt 6 abzutrennen. Die Zuteilung von Fett er- folgt weiter auf Grund der Abschnitte der Fleischkarte. Käufer, die die' Eierkarten nicht mit zur Verkaufsstelle bringen, werden nicht berücksichtigt. Betreffs des Verkaufs von Eiern tritt folgende Be- stimmung in Kraft: Eier dürfen in Zukunft nur noch gegen Vorlegung der Eier- karte entnommen werden, auf den Abschnitt E der Karte(12. bis 18. Juni) jedoch nicht mehr als zwei Eier. Gleichzeitig wird daraus hingewiesen, daß Händler, die Eier von der Gemeinde be- ziehen, andere Eier nicht führen dürfen. Für die Durchführung der Massenspeisung wird die Gemeinde Montag, den 19. Juni, im Restaurant Hamuseck, Hauptstr. 6, eine Speiseküche eröffnen. Der Preis für das Mittagessen beträgt 0,70 M. Die Küche ist täglich, auch Sonn- tagS, von 12—4 Ilhr geöffnet. Wer am Montag, den 19., die Küche benutzen will, kann sich im Restaurant Hamuseck oder in der WirtichastSabteilung im Gemeindehaus, veiistr. 3, parterre, melden und dort einen Gutschein einlösen. Die Inhaber von Gut- scheinen werden am Eröffnnngslage vorweg berücksichtigt.— In etwa 2 Wochen wird die Gemeinde in der Bahnhoisiraße eine zweite Küche eröffnen. Bon dieser Küche kann das Essen a bgeholt, doch kann es auch an Ort und Stelle verzehrt werden. Verabfolgt wird nur ei» Gericht. Der Preis der Portion(etwa 1 Liter) beträgt 0,40 M., der halben Portion 0,20 M. Wer die Küche Bahnhofstraße benutzen will, kann sich von Montag, den 19. ab in einer in der Wirtschaftsabteilung auSliegcnden Liste eintragen. In Gastwirtschaften, Speise- und VerpflegungSanstalten darf F I e i sch in zubereitetem Zustande oder in Form von Speisen nur gegen Vorlegung einer Fleischspeisen- karte de« Kreises Mcderbarnim oder des Kreises Teltow und der Stadtkreise Berlin. Charloitenburg, Lichtenberg, Neukölln, Schöne- berg und Wilmersdorf und gegen Abtrennung eines Kartenabschnitt« abgegeben werden. Antragsteller für den Bezug einer Fleischspeisen« karte müssen sich in der WirtschastSabteilung(Zimmer 27) melden. Die Eierkarte ist mitzubringen, 1 Gen'chtszeltung. Unschädlich gemachte Goldwarendiebe. In die Falle geraten waren die Arbeiter Karl P a e s ch und der Abträger Rudolf Pfeffer, die in der Nacht zum 5. April d. I. daS Goldwarengeschäft von Rosenfeld im Hause Oranieuslraße 33 ausräumten und sich gestern vor der 4. Sirastammer des Land« gerichts I verantworten mußten. Neben ihnen saßen ihre Hebler, der Arbeiter Paul Wq g n er und der Viehhändler Otto Fut h. Die beide» ersten Angeklagten, zwei schwere Jungens, waren in der erwähnten Nacht in das genannte Geschäft eingedrungen, indem sie vom Keller aus die Decke anbohrten, in be- kanntcr Weise das Loch erweiterten und durch dieses dann nach dreistündiger Arbeit in die Werkstatt einstiegen. Im Laden stahlen sie für etwa 6000 M. Juwelen, Ringe und Ubren und brachten un- gestört darauf ihre Beute zu Wagner, der sie ihnen Ur den niedrigen Preis von 470 M- abkaufte. Um sie seinerseits zu verwerten, schaffte Wagner die Wertsachen zu Fuih, der jahrzehntelang zur See ge- fahren ist und deshalb in gewissen Kreisen„der olle ehrliche See- mann" heißt. Hier wurde sie jedoch gefaßt. Die Kriminalpolizei halte erfahren, daß dort Goldsachen zum Verkauf lagerten und daraufhin zur näheren Feststellung einen jüngeren, bislang noch nicht bekannten Beamten unauffällig als Käufer bei Futh ein- f»b»en lasten.«Herr Meyer aus Mageburg", wie er vor- gestellt wurde, war auch bald mit Futh einig und nahm alles gleich mit, als er mit dem hinzugerusenen Wagner die Futbsche Wohnung verließ. Zu dessen Schrecken, der um io größer war, als er doch allen Grund hatte, der Polizei fern ui bleiben, trat plötzlich ein Kriminalbeamter auf der Straße auf sie zu und verhastete den Pseudoläufer als den„fahnenflüidtigeii Raubmörder". Wagner juckte zwar fortzukommen, mußte aber als angeblicher Zeuge mit zur Wache, wo ihn dann das Schicksal ereilte und er schließlich olle anderen preisgab. Das Gericht»ckabnte gegen Pacsch auf drei Jahre und Pfeffer auf fünf Jahre Zuchthaus sowie fünf reip. zehn Jahre Ehrverlust. Wagner wurde zu zwei Jahren und Futh zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis ventrieilr. Mus aller Welt. Madenkuchen und Holzmehlbrot. In welch gewissenloser Weise mitunter die Zubereitung von Lebensmitteln vorgenommen wird, zeigt wieder ein krasser Fall, den wir in der„Leipziger Volkszeitung' geschildet finden. Der Bäcker- meister E. A. Rabitz, Inhaber eines der ersten Geschäfte in Leipzig-Möckern, hatte sich vor dem Schöffengericht wegen zahlreicher Verstöße gegen Gesetz und Verordnungen zu verantworten. Der schlimmste Vorwurf betraf das Verbacken von leben- digen Maden in Quarkkuchen. Als der Geselle Herrn R. darauf hinwies, daß sich in dem Quark lebende Maden befänden und daß der Quark nicht zu verwenden sei, hat Herr R. die Maden nach unten gedrückt und gemeint, daS sei unnötige Arbeit, die Leute würden es schon essen. Der Madenquark ist verbacken war- den. Weiter hat R. Kehrmehl und Holzmehl verbacken. Da? vom Boden zusammengekehrte Mehl ist nur grob gesiebt worden, und das Holzmehl ist nicht nur etwa zum Bestreuen der Schieber ver- wendet worden(was zulässig wäre), sondern es ist auch in den Teig geknetet worden. Auch sonst ging es in dieser Musterbückerei bunt zu. Schwaben, Wanzen und Ameisen waren in Massen vorhanden, weil große Unsauberkeit herrschte. Der Fußboden ist längere Zeit nicht gescheuert worden, auch wurde nur selten gekehrt. Neben diesen ekeleregenden Dingen waren noch zahlreiche Verstöße anderer Art vorgekommen. Das Schöffengericht verurteilte den ge- wissenlosen Bäckermeister wegen Vergehens gegen das Nahrungs- Mittelgesetz zu fünf Monaten Gefängnis und wegen der übrigen Verstöße gegen die Verordnungen zu 630 Mark Geld- st r a f e._ Ein niederländischer Getreidedampfer verbrannt.„Nicuwe Courant" meldet aus New Aork: Der niederländische Dampfer „Willem van Dreisler", der im Hafen von Baltimore eine Ladung Getreide einnahm, ist' mit der ganzen Ladung ver- brannt. Ein Getreidcelcvator am Hafen wurde ebenfalls durch das Feuer zerstört. Der Schaden wird auf 2 Millionen Dollar geschätzt. Eisenbahnunglück in Amerika.„Matin" meldet aus New JOork: Ein Sonderzug, in dem sich eine Abordnung aus Keniuckt, befand, hatte einen Unfall, bei dem 20 Personen, darunter Stanley, der Gouverneur von Kentucky, verletzt sein sollen. parteiveranftaltungen. Generalversasirmlunst des Kreises Teltow-Becskow- Storkow-Chnrlottenburg Sonntag, den 18. Juni 1916, vormittags 9 Uhr. im großen Saale des Geiverkschaftshauscs, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Bericht deS Vorstandes. 2. Neuwahl de? Vorstandes. Die Delegierten werden gebeten am Saaleingang das Mandat abzugeben und das Mitgliedsbuch vorzuzeigen. Der Kreisvorstand. I. A. t M. G r o g c r. Beerdigiiugsvereln Berliner Mmmerlente. Tonntag. den 18. stuni, nachmittag« b Uhr, Neilaurant töiele, Köpnickcr Slraße 12: Er- Hebung der fälligen Beiträge. Mitglieder werden aufgenommen. Arbetter-Samaritrrtmnd. Kolonne Grotz-Berlin. Lehr- stunde haben nächste Woche abends 8'/, Uhr: 1. b i S k. A b t e i I u n g: Montag, den t8. Junt, Köpenicker Str. 62(Restaurant): Vortrag. Nach dem Vortrag praktische Vcrbaiidübimgen. Slllgrmeine Familienftcrbekaste. Zahl- und Aufnabmetag: Sonn- tag, den 18. Juni, von 3— 6 Uhr im Restaurant Gcrichtstr. 12/13, und Sonnabend, den 17. Juni, in Wildau, Wildaucr Hos, von 4— 5h, Uhr. önefkasten der Redaktion. M. 28. Tie Unterstützung wird Ihrer Frau aus dem Grunde der- weigert, weil bei dem Verdienst der Frau die nach dem Gesetz vor- geschriebene Bedürstigkeit nicht anerkannt wird. Der Hauswirt kann Sie nicht ohne weitere« exmittieren, er müßte erst Klage einteitcn; kommen Sie dann cvcnt. mit der Klage zu unZ.— 91. H. 27. 1. Erlundigen Sie sich bei der Zentrale Iür private Fürsorge, Flottwellsw. 4. 2. Die Unterstützung muß Ihrem sonstigen Einkommen mit zugerechnet werden, Sie innsicn also darüber Angaben machen, können aber unter Berücksichtigung Ihrer Ver- hältnisse um Wcitcrgrwäbrung der Unterstützung criuchrn.— Anna. Der Arbeitgeber kann da« Krankengeld vom Gehalt ,n Abzug bringen; Sie können deshalb mit Ersolg eine Klage gegen ihn nicht einleiten.— R. R. 36. Lungen- und unterlcibslcidcnd.— 246. D. 31. Die Post bat da« Recht dazu, da der Empfänger sür sie nicht zu ermitteln war.— 31. B. 10. 1. SlaaiScinkommenstcuer kann nur einmal crbobcn werden, die Gemeindeeinkommensleucr dagegen an beiden Orken. Die staallichcu VersicheimngSbcsträge und Lebensversicherung lännen in Abzug gebracht werden. 2. Wenn Sie ein Einkommen von mindestens SM M. haben, müssen Sie Steuern zahlen.— P. T. 18. 1. Ja, wenn die Frau bisdcr in Verirctung Ihres Ehemannes die MietSzeschäste besorgt hat. 2. Der Bricj ist nur an die Frau zu Achten.— Cr. S., Mariendorf. Die Be- Ichwerde ist an das Kultusministerium, Berlin, Unter den Linden 4. zu richten. (9. E. 3«. Sie haben nur bis zum 31. Dezember ISIS noch Kirchen- stcncr zu zahlen.— A. B. Richten Sic unter Einreichung eines ärztlichen Attestes über Ihren KrankheitZzustand ein Gesuch um Entlassung Ihres Ehemannes an da« Stellvertretende Gencraltommando.—