( 5 Pfennig) Neöaktion: SW. H8, Lmüenstraße Z. Fernsprecher: Ami Moritzplatz, Nr. 151 90—151 97. j Mittwoch, den 21. Juni 1916. «Expedition: EW. 08, Lindenstraße 3. Fernsprecher; Amt Moritzplatz, Nr. 151 90—151 97. Dr. 168.- 33. Jahrg. Verlinev Vollrsltlcrtk. der rozialdcm okrati f eben Parte» Deutfchlands. Die Inlertlons-GebüDr beträgt für die sechsgefpallene Kolonel» teile oder deren Raum M Psg. für bolilllche und gewerkschaftliche BereinZ» und iL ersamüllungs- Anzeigen M Pfg. �ivteine Lnreigen", das icttgcdrulkie Wort 20 Pfg. i�uläfflg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort IlZ Pfg. ktellengesuche und Schlafstellenan, zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes wettere Wort S Pfg. Worte über lö Buch» ltaben zählen für zwei Worte. Inserat« für die Nächsie Stummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exveditioil ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, relegrmnm-Adreff« „Stilalilemllrat Rtrlln". HbonncmentS'Bedlngunget»: >bonnements> Preis pränumerando kierteljährl. 8,00 Mk. monatl. lL0 Mb, wöchentlich 30 Pfg. frei MS Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags» Vellage»Die Neue Well' 10 Pfg. Post- ilbonnement: 1,30 Marl pro Monat. Eingerragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Umer Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn ZBO Mark, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Poftabonnemems nehmen an Belgien. Dänemark Holland. Jwlie». Luxemburg. Portugal Rumänien. Schweden und die Schweis cklchelol tägllch. �entralorgan Prinzip und Organisation. Ein als Kriegsinvalide aus den Schützengräben vor Apern zurückgekehrter Parteigenosse schreibt uns: In dieser für uns so ungeheuer kritischen Zeit denkt jedes Mtglied der Partei das Beste für dieselbe zu wollen. Diesen guten Willen müssen wir jedem, ganz gleichgültig welcher Richtung er angehört, zuerkennen, wenn die Dis- kussion über augenblicklich noch schwebende Fragen zu einem ersprießlichen Resultat kommen soll. Frei von persönlicher Gehässigkeit, nur auf Grundlage rein sachlicher Auseinander- setzungen wird es möglich sein, in dem Streit der um die Herrschast ringenden Meinungen Klärung zu schaffen. Die von den beiden Hauptrichtungen der Partei, dem rechten und dem linken Flügel, gegensestig erhobenen Be- schuldigungen sind die schwersten, die wir im Organisations- leben kennen; eine Gruppe beschuldigt die andere, auf eine Spaltung und damit auf eine Zerstörung der Partei hin- zuarbeiten. Die Objektivität gebietet, nicht nur die Gründe für diese Beschuldigungen zu hören, sondern diese auch auf ihre Stichhaltigkeit nachzuprüfen. Es soll hier vermieden werden, im einzelnen auf die von einzelnen gegen einzelne Personen erhobenen Beschuldigungen, die nicht immer den Stempel der Sachlichkeit tragen, einzu- gehen. Im großen und ganzen bezichtigt die rechte Seite die Linke der Disziplinlosigkeit. Die Opposition soll durch ihr Bor- gehen die Einheit der Partei gefährdet und sich damit selbst außerhalb der Organisaston gestellt haben. Man glaubte sich daher, um die Stoßkraft der Partei zu erhalten, zu den schärf- sten Abwehrmaßnahmen berechtigt. Das Vorgehen der rechten Seite entspringt mithin zum größten Teil aus der Sorge um die Einheit und Geschlossenheit der Partei, also aus rein organi- satorischen Gründen. Demgegenüber glaubt sich der linke Flügel zu einem Sondervorgehen berechtigt. Der Vorwurf, den er gegen die rechte Seite erhebt, ist"die Aufgabe der Grundsätze, also die Preisgabe des Prinzips. Die Opposition stützt sich hierbei auf die Beschlüsse der Parteitage und der internastonalen Kongresse sowie auf die Auffassung in den breiten Schichten der Parteigenossen, die bis zum Ausbruch des Krieges sozu- sagen gang und gäbe war. Hie Organisation— hie Prinzip und Grundsätze I das ist der Schlachtruf, der in der Kampfarena des Meinungsstreites in der Partei widerhallt. Im Widerstreit der Gefühle mag da manches ehrliche Gewissen ins Schwanken geraten. Aber mit jedem Tage rückt die Lösung des Konflikts näher, welche jedes einzelne Parteimitglied zu einer Entscheidung zwingen wird. Noch ist der Tatbestand verwischt und die Aussicht ver- sperrt; immerhin muß versucht werden. Licht in das Dunkel zu bringen. Der allgemein herrschenden Verwirrung und ihren unklaren Bezeichnungen muß allmählich Klarhest abgerungen werden. Die gegensätzlichen Auffassungen, die gegenwärtig aufeinanderprallen, sind nicht lediglich die Quinteflenz von Anschauungen, die erst der Krieg gezeittgt hat. Ein Aus- einanderstreben der Meinung über Bedeutung und Charakter der Organisation war schon vor dem Kriege vorhandem Der große Umwerter aller Werte Krieg hat hier auf den Trümmern der alten nicht neue Werte geschaffen, sondern durch das Ueberstürzen der Ereignisse auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete bereits vorhandene Gegensätze ins Ungemessene ver- schärft. Welches ist nun das eigentliche Element der organi- satorischen Gemeinschaft, das Reale des solidarischen Wesens, die Einheit desselben, nach welcher ihr Wert gemeffen werden soll? Die Antwort kann nicht dahin lauten, daß es nur die zahlenmäßige Stärke und die unbedingte Geschlossenheit derselben ist, sondern vor allem ihrZweck und die Art. diesen Zweck durchzusetzen, also die gleiche grundsätzliche Auffassung von der Bedeutung des Prinzips. Die Einheit der Organisation kann erst zur Geltung kommen durch die Anerkennung desselben. Die Tatsache, daß in der Zeit vor dem Kriege das Prinzipielle immer mehr als Gegenstand zweiter Ordnung betrachtet wurde, hat bei kristsch Denkenden des öfteren Anlaß zu ernsten Betrachtungen und gut gemeinten Warnungen gegeben. In der Sorge um weniger wichtige Angelegenheiten hat man sie selten oder gar nicht gewürdigt. In dem jetzigen Kriege ist die Sorge vor allem dem augenblicklichen Zusammenwirken aller Kräfte ohne Ansehen der Parteirichtung zugewendet. Der Glaube an das„allein- seligmachende Gemeinwohl" fordert die blinde Unterordnung. Die Zusammenfassung sonst sich gegenüberstehender Auf- fassungen in einem Punkte und in einer Zeit muß dabei, wenn sie zum Wohle der einen dient, für die andere immer etwas Leeres sein. Man hat das Ganze viel zu unmittelbar dem einen Teil vorgesetzt, anstatt sich darüber klar zu werden. daß man damit vollständig die Aufgabe der prinzipiellen Be- sonderheit auf Kosten der Organffaston erkauft. Die für letztere allein ausschlaggebende Frage: Was will sie retten und was gibt sie preis? ist durch die Verwischung der Grundsätze immer mehr in den Hintergrund getreten. Eine Organisaston würde vollkommen inhaltlos sein, wenn sie ganz allgemein nur eine Zusammenfassung von Elementen wäre. Erst durch das gemeinsame Hindrängen auf ein ge- gebcnes Ziel nach ganz bestimmten Grundsätzen oder Prin- zipien kann ihr der den Lebensbestand bedingende Blutkreis- lauf gegeben werden. Die Unterordnung unter das Prinzip, das man für richtig anerkennt und die Einordnung in die Organisation, die für die Verwirklichung desselben kämpfen soll, kurz, die notwendige Verknüpfung von Prinzip und Organisaston verbürgt ein kraftvolles Austreten nach außen. Gerade dadurch verhütet man ein utopisttsches Sichvetlieren und macht den heute so oft erhobenen Vorwurf der.Phraseo- logie" bedeutungslos. Jede solidarische Gemeinschaft ist eine solche nur in be- zug darauf, wie sie siK in ihren Beziehungen zur Außenwelt stellt. Eine sozialistische Organisation muß in ihrer Auf- fassung, in der Ausdrucksweise ihres Wollens notwendiger- weise souverän sein und handeln. Sobald sie sich mit anderen Parteien in dieser oder jener Hinsicht solidarisch erklärt, hat sie an den Berührungspunkten, dort, wo sie mit den anderen aneinander grenzt, ihre Besonderheit, die im Prinzip wurzelt, verloren. Diese Erfahrung hat sich uns aufgezwungen im Verlauf der Entwicklung der bürgerlichen Parteien, deren Gegensätze untereinander mehr und mehr im Verschwinden be- griffen sind und die, je länger je mehr, uns gegenüber als ein einheitliches Ganzes auftreten. Der Gesamtwert der Organisation ist gebunden an die Disziplin, welche die bewußte Unterordnung unter das Prinzip erfordert. Erst dann kann sie als Macht repräsentirender Faktor zur Geltung kommen. Dabei ist es ganz selbstverständlich, daß sie die Individualität des einzelnen nicht aufhebt. Sie wird immer gegliedert sein in Gruppen von schwächerer und stärkerer Individualität, die durch in- stinktive Triebe, durch aufflammendes Begehren und den be- wußten Zweck zueinander in Beziehung stehen. Aber niemals wird die Organisaston eine Umkehr von den einmal als richtig anerkannten Prinzipiell, welche sie erst durch ihre großen ethischen Werte stark gemacht haben, vornehmen können, ohne sich selbst preiszugeben oder zum mindesten den Keim zu ihrer Auflösung auszusäen. Sich nach der jeweiligen Enstvicklungs- Phase richtend, muß sie immer einen Uebergang zu einer höheren Kampfform darstellen. Am Anfang waren die Grundsätze und das sich daraus ergebende Prinzip. Um letzteres herum rankte sich die Orga- nisation als die Frucht der Erkenntnis, daß der einzelne macht- los ist: Erst aus dem Gedanken des Prinzips wurde die Notwendigkeit der solidarischen Organisation geboren. Solange man hiervon nicht ganz durchdrungen ist, solange wird die Organffaston nur ein Begriff bleiben, der die größten Verwirrungen in sich trägt. Und je größer die Organisaston wird, um so ratloser wird man von einer Bedeutung dieses Begriffes zur anderen schwanken. Eine solche Verwirrung zeitigt fast immer die Gefahr der reaktionären Auffassung einzelner, die sich als die Verfechter und Repräsentanten der»geltenden Meinung" aufzuspielen berechtigt glauben. Es ist das ungemein Tragische für unsere Bewegung, daß man in dem unseligen Richtungsstteit die Organisation gegen das Prinzip ausspielt, statt sie beide unter einen Hut zu bringen.„Die Einheit der Partei ist in Gefahr," ruft man auf der einen Seite und fügt drohend nach der anderen hinzu: „Ihr habt sie durch euer Vorgehen, durch den Bruch der Disziplin ins Verderben gebracht!" Dabei könnte der Vorwurf des Disziplinbruchs nach dem eben Erläuterten nur dann einen Sinn haben, wenn er den Vorwurf des Prinzipien- Verrats in sich schlösse. Diesen Vorwurf kann man von dieser Seite nicht erheben und wird ihn auch nicht erheben können. Dabei sagt sie selbst, daß sie noch auf dem Boden der alten Grundsätze stehe. Die Opposition erklärt das letztere für anfechtbar und be- schuldigt die Rechte offen des Prinzipienverrats. Nicht der Eigenwille ihrerseits, sondern der auf der rechten Seite er- folgte Bruch mit den geltende»» Grundsätzen habe den Samen der Zwietracht ausgesät und sie gezwungen, den Weg zu gehen, den die Unterordnung unter das Prinzip zur Pflicht macht.— Wenn die aus diesem Prinzip entsprossenen toten Buchstaben der Statuten durch das sicher gut gemeinte Be- streben einzelner, nur mit diesem die Einheit der Partei zu wahren, einen solchen Sturm entfachen konnten, um wieviel wirkungsvoller muß dann daS Leben pulsende Fleisch und Blut der Prinzipien sein, die keinen Selbstzweck der Organi- sation kennen? Der nächste Parteitag wird über das Wohl und Wehe der gesamten proletarischen Bewegung in Deutschland und darüber hinaus zu entscheiden haben. Er wird darüber be- finden müssen, ob diejenigen recht haben, denen in einer ge- wiß kritischen Zeit, die uns ohnehin zur Ohnmacht verdammte, nur die Größe, nur die Stoßkraft und die Einheit der Organi- sation am Herzen lag, oder jene, welche das Prinzip als die Mutter, als die Seele, als das den Lebensbestand der Partei Verbürgende hochgehalten und sie auf den Weg grundsätzlicher Ueberzeugung zu drängen versucht haben. Und wenn der Parteitag den letzteren recht geben sollte? Dann wehe denen, die einen kraftvollen Körper blutleer gemacht, die ein großes Erbe und ein heiliges Vermächtnis schmählich ver- bracht haben. Englksthe Kabinettskrise wegen Irlands. Londou, 20. Juni.(W. T. B.) Meldung des Reuter- schen Bureaus.„Times" berichtet, daß die Verhandlungen über eine provisorische Beilegung der irischen Schwierigkeiten, die günstige Fortschritte gemacht hätten, zu einer Spal- tung im Kabinett geführt haben. Ein Teil des Kabinetts ist entschieden gegen Lloyd Georges Vorschläge. Es ist möglich, daß einige Minister abdanken werden. die Ausgabe der neuen italienischen Regierung. Lugano, LO. Juni.(T. U.)„Popolo d'Jtalia" stellt in einer Besprechung der Aufgaben der neuen Regierung die Forderung auf, daß diese klare Beziehungen zu Deutschland schaffen müsse. Italiens Krieg gegen Oesterreich-Ungarn sei auch ein Krieg Italiens gegen Deutschland. Für Italien seien keinerlei Gründe mehr vorhanden, mit Deutschland nicht zu brechen. Das Land er- warte vertrauensvoll von dem Enthusiasmus des Ministers Lisso- lati die Lösung dieses Problems. Sis?olati über seinen Posten. Lugano, 20. Juni.(T. U.) Auf Befragen eines Mitarbeiters des„Giornale d'Jtalia" über den Charakter seines Portefeuilles als Kriegsinspektor erklärte Bissolati, dieser Titel sei ihm will- kürlich von der Presse aufgedrängt worden; in Wirklichkeit sei er einfach Minister ohne Portefeuille. Aber gerade deshalb sei er gemäß den Absichten des Premierministers Boselli in der Lage. sich mit der Aufgabe zu befassen, einen intimen und schnellen Kontakt zwischen allen Stellen herbeizuführen, die sich auf mili- tärischem wie auf administrato cischem Gebiete mit dem Kriege zu befassen haben. Er werde bei den verschiedenen Aufgaben Ver- treter des Premierministers sein, ohne eine bestimmte Funktion ständig auszuüben. Auf diese Weise soll eine werstärkte Harmonie in allen Zweigen der Kriegsattion herbeigeführt werden. Zum Schlüsse bat Bissolatt dringend die Kollegen von der Presse, die er- wähnte falsche Bezeichnung künftig fortfallen zu lassen, da sie ge». eignet sei, eine schädliche Wirkung auszuüben. Der»Temps� wirbt um Rumänien. Bern, 20. Juni.(W. T. B.) Die EntWickelung der russischen Offensive gibt dem„ T e in p s" Gelegenheit, sich wieder mit der Haltung Rumäniens zu befassen, das Blatt schreibt, wenn Rumänien allzulange seine abwartende Haltung bewahre, so könne es leicht den richtigen Augenblick verpassen, der dann nicht mehr wieder- kehren würde. Es läge zweifellos im Interesse der Alliierten, wenn Rumänien eingriffe. Indessen sei es für Rumänien auch selbst von höchster Bedeutung, sich auf dem Friedenskongresse, der die europäische Landkarte umgestalten werde, einen Platz zu sichern, und sein Gebiet beträchtlich zu erWettern. Die glatte Erledigung des Zwischen- falles von Marmoritza dürfe Rumänien über Rußlands Absichten völlig beruhigen. Dle rumänischen Sozialisten gegen öie Kriegshetzer. Die„Boss. Ztg." meldet aus Bukarest: Die Sozialistenversammlung im Zirkus Sidoli nahm heftig Stellung gegen die Kriegstreiber, von denen die Redner sagten, daß sie bloß das Vaterland ins Unglück stürzen wollen, ohne ihre eigene Haut zu Markte zu tragen, und daß sie zudem noch schweres Geld aus trüber Quelle einheimsen. Der Bürger, Arbeiter und Bauer wollen aber keinen Krieg, sondern rufen äuge- sichts der ungeheuren Verteuerung um Brot. Mit Entrüstung wurde zur Kenntnis genommen, daß die Blätter„Adeverul" und„Dimi- neatza" geschrieben haben, der Russeneinbruch in die Moldau sei von der öffentlichen Meinung Rumäniens sympathisch begrüßt worden. Die Versammlungsteilnehmer au? der Provinz erklärten, nirgends im Lande sei eine Kriegslust vorhandem Der französische Tagesbericht. Paris, 20. Juni.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von M o n t a g n a ch m i t t a g. In der Gegend von LihonS südlich von der Somme scheiterte ein deutscher Handstreich vollständig. Auf dem linken Maasufer haben die Deutschen die südlichen Abhänge des „Toten Mannes" und die Gegend von Chattancourt lebhaft be- schössen; die französische Artillerie antwortete überall durch Sperr- feuer und wicksame Verhinderung von Angriffsvorbereitungen. Auf dem rechten MaaSufer tourden deutsche Angriffe gegen französische Stellungen nördlich vvn der Höhe 321 durch Feuer abgewiesen. Luftkrieg: In der Nacht zum 19. Juni haben zwei fran- zösische Flugzeuggeschwader nacheinander die Kasernen und den Bahnhof von Vouziers, wo Zugbewegungen gemeldet waren, be» warfen; die eine warf 30 Geschosse von großem Kaliber, die andere fünfundzwanzig. Paris, 20. Juni.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von Montag abend. Zwischen Avre und Oise versuchten zwei feindliche Abteilungen nach lebhafter Artillericlätigkeit unsere Linien von Norden her anzugreifen. Sie wurden mit Handgranaten zurück- gewiesen. Am linken Ufer der Maas Actillerielanipf mtt Unter« brechungen bei dem Werk Thiaumont und in den Abschnitten von Baux, Chapitre und Souville. Ein feindliches Flugzeuggeschwader warf zahlreiche Geschosse auf ein Torf südlich Berdun, wo sich ein Lager mtt deutschen Ge« foitgetten befand. Mehrere von diesen wurden getötet oder der- wandet. Auf der übrigen Front verlief der Tag ruhig.-- An der belgischen Front Ruhe. Die englifthe Aklüimg. London, 19. Juni. kämpft. Italienischer Kriegsschauplatz. Tie Kampftätigtrit an der Jsonzafront und in den Dolo- mitcn sank aus das gewöhnliche Maß zurück. Neuerliche Bor« stoße der Italiener gegen einzelne Frontstcllcn zwischen Brenta und Astic» wurden abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei SeraS an der unteren Bojusa Geplänkel. Der Stellvertreter des Chef» de? Generalftabr» von Hoefer. Fcldmarschalleutnant. langsamen aber sicheren Vormarsch fort. Die größten Fortschritte wurden auf dem rechte» Flügel erzielt, wo Abteilungen von Alpini, die sich schon an den vorhergehenden Tagen ausgezeichnet hatten, den Kamm des Jsodoro eroberten, wobei sie etwa 100 Gefangene machten und zwei Maschinengewehre erbeuteten. An der übrigen Front Artilleriekämpfe. C a d o r n a. Kampf eines üeutsthen Marineflugzeugs mit ruflischen Aerflörern. Amtlich. Berlin, 20. Juni.(W. T. B.) Am 19. Juni hat eines unserer Marineflugzenge im Rigaischen Meerbusen bei ArenSburg zwei r u s s i- s ch e Zerstörer mit Bomben augegriffen und auf einem derselben eine« Volltreffer erzielt. die englischen Häfen garmouth, New Castle und Hull gesperrt. Berlin, 20. Juni 191«. Die»Telegraphen Union" wird von zuständiger Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß vom feindlichen Ausland aus imnier wieder die Nachricht ver- breitet wird, daß nach der Seeschlacht vor dem Skagerrak die deutschen Kricgshäfcn, insbesondere Wilhelmshaven, gegen jeden Verkehr gesperrt worden seien. Diese Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen und soll neben anderen Ver- suchen nur dazu dienen, der deutschen Flotte Verluste anzu- dichten, welche sie nicht erlitten hat. Dagegen haben die Engländer Barmouth seit dem 1. Juni für die neutrale Schiffahrt gesperrt, die inneren Liegeplätze des Hafens von New Castle am 1. Juni von allen Handelsschiffen geräumt und den Hafen von Hull völlig auch für englische Schiffe gesperrt, da dort mit allen Mitteln an der Reparatur von englischen Kriegsschiffen gearbeitet wird. vom U-Sootkrkeg. Mailand, 20. Juni.(W. T. B.) Wie„Eorriere della Sera� meldet, hatte der vor San Nemo von einem feindlichen Untersee- boot versenkte englische Dampfer Gass a" 6099 Tonnen Stein- kohlen an Bord. Die 32 Köpfe starke Besatzung hat sich gerettet. An demselben 16. Juni hat ein Unterseeboot den italienischen Segler„D o l m e t t a", von Porto Maurizio nach Jschia, versenkt, dessen Kapitän erzählte, er habe wenige Seemeilen von San Nemo einen italienischen Schoner und eine italienische Brigg versenken sehen, deren Besatzungen sich gerettet hätten. Am selben Abend griff dasselbe Unterseeboot den nach Genua bestimmten englischen Kohlendampfer»C l e d m o o r e" an, der jedoch schoß und das Unterseeboot vertrieb. Nachrichten aus Sestri Levante besagen, daß am Morgen des 17. Juni die italienische Brigg„A u d a c e" dreißig Seemeilen vom Korsischen Kap versenkt, ihre Besatzung aber von dem Segler„Nuova Carolina" gerettet worden sei. Eine neue amerikanische Note an Gesterreich. Washington, 29. Juni.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die zweite Note an Oesterreich-Ungarn wegen des Angriffes eines österreichisch-ungarischen Unter- seebootes auf den Tankdampfer„Petrolite" fordert dem Vernehmen nach Entschuldigung und Schadenersatz. Oester- reich hat auf eine früher« Mitteilung darüber geantwortet, daß der Kommandant des Unterseebootes die„Petrolite" für ein mas- kiertes feindliches Schiff gehalten habe und daß der Kapitän des Tankdampfers freiwillig Borräte für dos Unterseeboot geliefert habe. Das Staatsdepartement hat aber einen Bericht des Kapitäns der„Petrolite" erhalten, wonach das Schiff durch Granatenfeuer zum Halten gebracht und zur teilweisen Abgabe seiner Vorräte gezwungen wurde. Die Mailänder Sozialisten gegen den Hesuch der ruflischen Dumamitglieöer. Als die russischen Dumaabgeordneten, die zurzeit eine politische Geschäftsreise durch die verbündeten Staaten machen, bei ihrem Eintreffen in Mailand vom sozialistischen Bürgermeister C a l- dara und zwei Mitgliedern der sozialistischen Stadtverwaltung feierlich begrüßt wurden, kündigte der„Avanti", der sofort gegen den Empfang der Dumaabgeordneten protestiert hatte, an, daß diese Angelegenheit in der Sektion der Mailänder Sozialisten zur Sprache gebracht werden würde. Diese SBesprechung fand denn auch unter stürmischen Auftritten am 2. Juni statt. S e r r a t i schlug eine Resolution vor, in der die italienischen Sozialisten ihren nach Sibirien deportierten Genossen in der Duma ihre Sympathie ausdrücken.(Lauter Beifall.) Er brandmarkte die Haltung des Bürgermeisters und einiger sozialistischer Ma- gistratSmitgliedcr, die erschienen waren, um den Vertretern deZ Zaren zu huldigen, und beantragte� daß sich die Versammlung dazu äußern solle. SOas anwesende Magistratsmitglied Giani erklärte, die Verantwortung dafür übernehmen zu wollen. C a s s a t i schlug folgeude Abänderung der Tagesordnung Serrati vor: „Die Genossen der Sektion der Mailänder Sozialisten, die sich am Abend des 2. Juni 1916 gelegentlich der Ankunft der Vertreter des zaristischen Rußlands in Mailand vereinigt haben, senden den Genossen der sozialistischen Dumafraktion, die lebenslänglich nach Sibirien deportiert wurden, weil sie den Prinzipien der Jntcr- nationale treu blieben, zum Zeichen ihrer lebhaften Sympathie und Solidarität einen herzlichen Gruß." Dieser Teil der Resolution wurde einstimmig angenommen. Der zweite Teil der abgeänderten Tagesordnung hatte folgenden Wortlaut: „Sie spricht dem Bürgermeister Emilio Caldara und den Magistratsmitgliedern Sarteschi, Brocchi und Giani den schärfsten Tadel aus, weil sie an dem Empfang dieser Abgc- sandten teilgenommen im vollen Widerspruch zu den ftüheren und neuesten Beschlüssen der sozialistischen Organisation und in offen- kundigem Gegen? atz zu der von der Partei bisher beobachteten Haltung und zu den erst vor kurzem vom Magistrat gegenüber dem Komitee der sozialistischen Fraktion übernommenen Verpflich. tungen." Die Diskussion über diesen Teil der Tagesordnung wurde vor- läufig vertagt. Die Deutsch-/lmerikaner für Hughes. New Kork, 29. Juni.(Durch Funkspruch vom Ver« t r e t e r d e s W. T. B.) Eine neue Erscheinung in dem gegen« wärtigen Wahikampf ist ein bisher anscheinend ge- schlösse neS deutsch-amerikanisches Votum zugunsten HugheS. Die deutsch-amerikaniiche Presse sowie ver- schieden« deutsch- amerikanische Körperschaften unterstützen die Kandidatur Hughes. Es fehlt auch nicht an Versuchen in ge- wissen Kreisen, die deutsch-amerikanische Unterstützung HugheS in deutsch« feindlichem Sinne auszubeuten. Einige Blätter be- handeln da« deutsche Votum verächtlich und versuchen e» als bedeutungslos hinzustellen; es fehlt auch nicht an krassen Auswüchsen, wie eine Bemerkung in einem Leitartikel der.World", daß die Stimme gegen Wilson die Stimme für den Kaiser bedeute. Die gemäßigten Blätter weisen die» zurück. »Evening Post" entgegnen, dann sei desgleichen jede Stimme für Wilson eine Stimme für König Georg von England. Auf eine Anfrage bezüglich seiner Hallung gegenüber der Unterstützung seiner Kandidatur durch die Deutschen erklärte Hughes, er trete für unverfälschten AmeritaniSmu» ein, und jeder welcher ihn unterstütze, unterstütze eine in jeder Beziehung nur amerikanische Politik und nichts anderes. politische Ueberstcht. Der Reichsverband wittert Morgenluft. Schon wiederholt konnten wir nachweisen, daß der Reichs» verband gegen die Sozialdemokratie seine Arbeit unauffällig, aber fleißig fortsetzt. Seine Zuversicht ist neuerdings stark ge- wachsen. Dies beweist das uns vorliegende, etwas verspätet in unseren Besitz gelangte»Mitteilungsblatt Nr. 3" für die Herren Vorsitzenden der Ortsgruppen und Einzelmitglieder. Mit besonderer Freude, und den Ortsgruppen deS ReichS- verbandeS zur Nachciferung, wird bekannt gegeben, daß die Ortsgruppe Königsberg i. Pr. 120 neue Mitglieder geworben hat. Gegen die Sozialdemokratie führt der Reichsvcrband schon jetzt wieder eine Sprache, die sich kaum von der in Friedenszeiten unterscheidet. Man höre: »Wie wenig der Burgfriede seitens der sozialdemokratischen Mehrheil in Preußen zu hallen gesucht wird, zeigen die letzten Reden der Genosse» Hofer. Braun. Ströbel, Hue(!I) im preußischen«bgeordnetenhause. Vermeidung positiver Mitarbeit im inneren Staatsleben, dagegen aber um so eifrigere Hervorkehrungen bestehender Mängel im Wirtschaftsieben und Verhetzung der Klassen, mit dem Ziele d e S K l a s s e n h a s s e s. Wenn in diesem KreiS von Volks- Vertretern die Beseiligung des Belagerungszustandes ge- fordert wird, so geschieht dieS doch nur aus dem Grunde, um nach dessen Beseitigung noch heftiger die Fahne des Klassenkampfes entrollen zu können. Es ist nicht unbekannt, daß diese vor dem Kriege un sozial- demokratischen'Sager WieMe Handlungsweise unseren Feinden«tue Ursache mitgegeben hat, ihren Ver- nichlungSfeidzug gegen Deutschland zu beginnen. Lag eS doch auch unseren Feinden nahe, je mehr die Blockade Deutschland in ErnSH-tfUngZschwierigkeiien bringt, je leichter wird eS der Sozialdemokratie werden, die Unzufriedenheit im Jnneren zu fördern..." In solchem Tone geht„das alte Lied", wie der Aufsatz überschrieben ist, weiter: .Sngefichl« solcher Vorgänge fühlen wir un» verpflichtet, mehr wie bisher aus unserer Zurückhaltung hervorzutreten, insoweit, daß wir wenigsten? unseren Mitgliedern die Möglichkeit geben, sich von der Art sozialdemokratischer Verhetzung ein Bild zu machen, � damit sie danach ihr Handeln für später bestimmen können. Unter dem Eindruck deS KaiserworleS sowie der äutzeren Gefahr, die ein einmütiges Zusammenhalten aller VoliSgenosien zur nationalen Pflicht machte, haben wir eS und versagt, der anfänglichen Politik der Sozialdemolratischen Partei entgegenzutreten. Nunmehr aber, seit es feststeht, daß das Bor- gehen des radikalen Flügels nicht nur eine kriegSverlängcrnde Wirkung gasübt, sondern auch alle staatlichen Grundlagen durch Verh<>Hung der Massen zu zerstören sucht, wird eS unsere Pflicht zu handeln. wird dann ausgeführt, daß die Art deS Handelns der ste�S stärker hervortretenden sozialdemokratischen Minderheit /vdes gemeinsame Wirken mit den staats- erhaltenden Parteien ausschließt, und dem Ge- nassen Ströbel wird wegen einer Rede im Abgeordneten- hause.vaterlandslose Unverschämtheit" vor- geworfen. Aber auch die.Mehrheit" der Partei erfreut sich keines- Wegs voller Gnade beim Rcichsverband, wie schon daraus hervorgeht, daß oben auch H u e als Hetzer genannt wurde. Ja. selbst Wolfgang Heine wird in die Wolfsschlucht geworfen, weil er Anfang März laut„Magdeburger Volks- stimme" in Stendal erklärt haben soll, daß wir den Klassenkampf nicht� aufgeben, wenn wir auch unsere alte Stellung gegenüber dem Militarismus aufgeben würden. Bezeichnend für die versteckte Tätigkeit des Reichsvcrbandes ist, daß er sich den Stadtverwaltungen zu„auf- klärenden" Vorträgen über die Ernährungsfragen anbietet. Zur„Affare" Kapp. Di« Angelegenheit des Generallandschastsdirektors Kapp, gegen den der Reichskanzler sich in seiner Rode vom 6. d. M. in scharfer Weise wandte, wird in der Presse fortge- setzt lebhaft erörtert. Ein großer Teil der Presse verurteilt es scharf, daß Herr Kapp dem Reichskanzler seine Zeugen gc- schickt und in seinem Rundschreiben an die Presse erklärt hat, -sich in einem Augenblick Genugtuung verschaffen zu wollen, in welchem dem Herrn Reichskanzler nicht mehr der Schutz des Krieges, seine Stellung und die Knebe- l un g der Presse zur Seite stehen". Hierzu schreibt die„Frankfurter Zeitung": „Es ist also eine persönliche Genugtuung gefor- dert worden für die Aeußerungen, die der verantwortliche Staats- mann an amtlicher Stelle getan hat. Und nachdem dieses Ver- langen zurückgewiesen worden ist, droht Herr Kapp, sich seine Ge- nugtuung spater verschaffen zu wollen." Man gewinnt den Eindruck, daß Herr Kapp auf einen „standesmäßigen" Austrag, also auf einen Zweikampf hinziele, und daß diese Art der persönlichen Auseinander- sctzung schon bei den„Verständigungsversuchen" zwischen den Vertretern des Reichskanzlers und des Herrn Kapp in Aus- ficht genommen war. »Es� wäre ja nicht daS erstemal," fährt die„Frankfurter Zeitung" fort,„daß konservative Herren sich mit unbequemen Gegnern in hohen Aemtern auf diesem Wege.auseinander- fetzten". Ein früherer Berliner Polizeipräsident, H i n ck e l- o e h, ist ja seinerzeit das Opfer einer solchen Aus- einandersetzung geworden. Sollen derartige Erinne- rungen etwa wieder wachgerufen werden? ES hieße die hohe Verantwortung der Persönlichkeiten in politischer Stellung gegen- über dem Staate herabdrücken, wenn jeder Beliebige, der eine Abwehr auf erhobene Angriffe erfahren hat, sich das Recht nehmen dürste, noch eine rein persönliche Verantwortung zu for- dern. Der Wert der Persönlichkeit würde durch eine solche neue Ausschreitung deS Duellwesens nicht erhöht, sondern außerordent- lich vermindert werden." Anderer Meinung ist natürlich die„Kreuzzeitung", die an der Spitze der konservativen Presse den rauflustigen Herrn Kapp coen den Reichskanzler in Schutz nimmt. „Wir wollen doch daran erinnern, schreibt sie, welch hohe erzieherische und ethisch« Bedeutung ein Bis- marck dem hochgespannten Ehrgefühl beimaß, wie es in unserem OfstzierkorpS gepflegt wird. Mit solchem Ehr- und Persönlichkeitsgefühl ist es nicht vereinbar, schwere öffentliche Beschimpfungen schweigend hinzunehmen. In welcher Weise der Beleidigte dagegen reagiert, ist eine Gewissensfrage, deren Entscheidung ihm ichwer genug fallen mag, und die zum Gegen- stände oberflächlicher öffentlicher Kritik zu machen deshalb plump und taktlos ist. Di« Press«, die jetzt über Herrn Kapp herfällt, hat sonst so vid übrig für den„M a n n e s m u t vor K ö- nigsthrone n". Daß immerhin einiger Mut dazu gehörte, den Kanzler, der in solchen Dingen nicht den Standpunkt des alten Fritz einnimmt, mit offenem Visier anzugreifen, scheint ihr ganz entgangen zu sein. Sonst hätte ihr das vielleicht eine ge- wisse Achtung vor Herrn Kapp abgenötigt und sie zu etwas mehr Zurückhaltung in ihren Angriffen gegen ihn veranlaßt." Daß Herr Kapp offener vorgegangen ist, als etwa sein Gesinnungsgenosse.Jnmus alter, der noch immer im Verborgenen blüht, kann nicht geleugnet werden. Das be- rcchtigte ihn aber noch keineswegs, sein„hochgespanntes Ehr- gefühl" in einer Duellfordernng an den verantwortlichen Staatsmann zur Geltung zu bringen. Kanzlerdebatte in der wurttembergische» Kammer. Dem„Lok.-Anz." wird aus Stuttgart gemeldet: „Bei der fortgesetzten Beratung des Hauptfinanzetats in der württembergischen Kammer ersuchte der Volkspartei- liche Abgeordnete Liesching gegenüber der Zentralisation in Berlin, die während des Krieges ungeheure Fortschritte gemacht habe, die württembergische Regie- rung, alles zu tun. um eine Zentralisation hintanzusetzen, die den wirtschaftlichen Charakter und die Selbständigkeit der Einzel- staaten zu stören geeignet sei. Zur Beseitigung der mit dem Bs- lagernngsgesetz geschaffenen Rechtsunsicherheit möge die württem- bergn'che Regierung daiür eintreten, daß noch während deS Krieges ein neue« Gesetz geschaffen werde. daS die Verantwortlichkeit regelt und die auf die Kammandogewalt überaenangeuen Verfasiungs« bestimmungen klar hervorhebt. Dem Reichskanzler hätte ctwaS mehr vollziehende Gewalt überlassen werden sollen. Bei der auf Sv Milliarden angewachsenen Kriegsschuld müsse eine starke Tilgung angeführt werden, zumal für die Verzinsung und Tilgung allein 4.8 Milliarden zuzüglich etwa 2,2 Milliarden für Leistungen des Reiches für Kriegsbeschädigten- und Hinterblicbencnfürsorge, l n s- gesamt also 7 Milliarden erforderlich wären, die die Finanzmiinster der Einzelstaaten auf indirekte Steuern und Monopole verwiesen hätten. Der konservative Abgeordnete K p r» *tt vezekchnete ht seine«, von der Linke««rtt BntsiHe aufgenommenen Ausführungen als einen Ausgangspunkt der Unver- söhnlichkeit des voltsparteilichen Abgeordneten Haußmann gegen die Konservativen die R e i ch s tag s r e d e v. Heydebrands im November 1811 gegen die deutsche Englandpolitik. Diese Rede habe durch die geschichtlichen Ereignisse inzwischen ihre Bestätigung gefunden. Die Hetze gegen v. Hehdebrand sei zusammcngichrochen. Der württembergische Ministerpräsident werde sich vielleicht im Ausschuß darüber äußern, ob er sich mit seinem Glückwunschtele- gramm an den Reichskanzler zu dessen jüngster Reichstagsrede zu allen Ausführungen des Kanzlers bekannt habe. Seine Frak- tion bekenne sich offen und deutlich zu den Aus- führungen des Grafen Westarp im Reichstage. Der volksparteiliche Abgeordnete Haußmann erklärte, daß er pole- mische Erörterungen als dem Geiste der Zeit widersprechend ab- gelehnt habe, insbesondere auch gegenüber der konservativen Partei, weil er mit deren Politik nicht einverstanden sei. Der Abgeordnete Körner hätte seine Angriffe weiter gerichtet gegen den Reichs- kanzler und die Reichsregierung. Es sei festzustellen, daß der Redner der konservativen Partei sich in diesem Zeitpunkt mit der für die höchsten Staatsinteressen ganz gefährlichen Hetze identifi- zierte, die gegen den Kanzler entfesselt worden sei, und die ihren Höhepunkt darin erreicht habe, daß ein Landschaftsdirektor den Reichskanzler zum Duell herausforderte." Berschiedenartige Wertung der Flottenvereiustagung. Die Rede des Großadmirals von Köster auf der Ta- gung des Deutschen Flottenvereins sindet in der Presse eine sehr verschiedenartige Wertung. Die„Deutsche Tageszeitung" ist begreiflicherweise entzückt von den Ausführungen des Herrn Köster. Sie feiert die Anerkennung, die Großadmiral Köster Herrn von Tirpitz gespendet hat und betont, daß die Hervorhebung der staatsmännischen Seite der Tirpitzschen Wirksamkeit, daS Eintreten für deutsche Seegeltung mittels einer starken deutschen Flotte ein «gutes Wort zur rechten Zeit" gewesen sei. Denn Welt- Wirtschaftspolitik lasse sich nur treiben durch eine große Hochsee- flotte, nicht aber„durch ein afrikanisches Kolonialreich mit einem „Heere" von Schwarzen im Innern und armierten Schildkröten und Zitteraalen als lokaler Küstenverteidigung". Offenbar geht diese Bemerkung gegen eine ganz bestimmte amtliche Stelle, die in der letzten Zeit lebhafte Kolonialpropaganda getrieben hat und von der die„Deutsche Tageszeitung" vermutet, daß sie in einem getvissen Gegensatz zu der Art von„Weltgeltung" und„Seegeltung" stehe, die vom Flottenverein und der„Deutschen Tageszeitung" gefordert werden. Daß die„Deutsche Tageszeitung" auch besonderes Gewicht auf die Worte legt, die Großadmiral von Köster über die II- B o o t- frage geäußert hat, versteht sich von selbst. Wesentlich anders urteilt die„Frankfurter Zeitung" über das Pronunziamento der Flottenvereinler. Sie schreibt: „Wenn aber der Vorsitzende, ein Mann von höchstem Rang jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr im aktiven Dienst, während eines enffcheidenden Abschnitts dieses schweren, unsere äußerste und konzentrierteste Kraft verlangenden Kriegs eine„rein ge- schäftsmäßige Sitzung" dazu benutzt, einen politischen Vortrag über„die Aufgaben unserer Marine" zu halten und in diesem Vortrag— das ist sein Kirn und zweifellos sein Zweck— von neuem eine Frage anschneidet, die nach mancher Mühe und Sorge von den verantwortlichen Organen der deutschen Kriegführung unzweideutig und sicher nicht leichten Herzens be- antwortet worden ist, so verdient dieses Verhalten, mag das persönliche Motiv noch so ehrenvoll und aufrichtig sein, den- selben Widerspruch, de« alldeutsche Kreise etwa einer sozialistischen Agitation gegen die führenden Männer in Heer und Flotte oder einer stürmischen und unklugen Propaganda für «inen eiligen Friedensschluß entgegensetzen würden. In dieser Zeit ist unser ganzes Volk gezwungen, zu handeln und nicht zu reden. Es kann da rechtlich keinen Unterschied geben zwischen dem„un- schädlichen" Starktun und der entnervenden Schwächlichkeit. Alle sollen den Zwang zur Disziplin und die Verpflichtung aner- kennen, jede politische Agitation in den Kriegsangelegenheiten zu unterlassen! Um so mehr sollte dies geschehen, wenn der, der etwas sagen zu müssen glaubt, seiner Rede die ganze Pointe wegnimmt, indem er sich gezwungen sieht, hinzuzufügen: Wir fügen uns!„Wenn eine Einichränkung im Gebrauch des Unter- seebootcs als notwendig betrachtet wird, so liegen hierfür sicher- wiegende politische und vielleicht auch wirtschaftliche Gründe vor, die sich unserer Beurteilung entziehen." Die sich unserer Be- urteilung entziehen, die aber den Ausschlag gegeben haben! Wer dies— weil eS wahr ist— erklären muß, bleibt den Nachweis schuldig, warum er die Gelegenheit zu einem öffentlichen Pro- nunziamento in einer rein geschästsmäßigen Sitzung deS Flottenvereins sucht, um nicht nur»die Forderung aufzustellen:„Wir müssen die uns zur Verfügung stehenden Waffen ausnützen", sondern auch noch mit der Autorität deS hohen militärischen Ranges, als eine Wahrheit zu verkünden:„Wir wissen, daß wir bei rücksichtslosem Gebrauch der Unterseebootswaffen den Feind in verhältnismäßig kurzer Zeit ins Herz zu treffen in der Lage wären." Wie kann der Großadmiral, der mit demselben Atem aussprechen mutz: das ausschlaggebende politische und Wirtschaft. liche Element entzieht sich der Beurteilung, jenen anderen Satz voll apodiktischer Gewißheit in die Oeffentlichkeit tragen, wenn er weiß, daß die verantwortlichen Männer, darunter auch die führenden Admirale des Marineamts und des Admiralstabs, ihre Entschlüsse gefaßt haben, weil ihnen zum mindesten die poli- tischen und wirtschaftlichen Bedenken stark genug schienen, um sie daran zweifeln zu lassen, ob jener Stoß wirklich ins Herz treffen werde? Der Großadmiral hat mit seiner Rede starken Beifall bei der Versammlung gefunden und unsere Kritik seiner Rede wäre dort des Gegenteils sicher: aber diese �Tinge sind z u e r n st, als daß nur die allzu begreiflichen Gefühle weiter Kreise geschont werden dürften. Man möge stets bedenken, daß auch Herr von Köster gestehen mußte: die Entscheidung hat „Gründe, die sich unserer Beurteilung entziehen!"" Diese Erörterung der Rede des Herrn von Köster durch zwei Blätter, die in ihrer Stellungnahme zu den Kriegs- und Friedens- fragen als zwei entgegengesetzte Pol« betrachtet werden können, be- weist, daß in der Tat der Tagung des Deutschen Flottenvereins und der Verherrlichung der Tirpitz-Politik eine hervorragende politische Bedeutung beizumessen ist. Die Strömungen, die auf eine Verschärfung des Ü-Bootkrieges und auf ganz be- stimmte KriegSziele hindrängen, dürfen in der Tat noch keineswegs als überwunden gelten. Vielmehr sind die Herren vom Flotten- verein und alle ihnen nahestehenden Kreise von neuem ernstlich be- müht, ihrer Auffassung der Dinge in den maßgebenden Kreisen zur Anerkennung zu verhelfen. Von diesem Gesichtspunkt aus ge. winnt auch der Artikel der„Frankfurter Zeitung" größer« Be- dentung. Es wäre nur dringend zu wünschen, daß auch alle andern politischen und Volkskreise, die eine Politik im Sinne des Flotten- verein? und des Grafen Reventlow für das größte Verhängnis für Teutschland halten, ihre Ansicht und ihren Einfluß im verstärkten Maße zur Geltung zu bringen versuchten. Der Steuerkouflikt im preußischen Landtag hat durch die Dienßtagsitzung deS Herrenhauses noch keine Lösung gesunden. Mit einer deutlichen Uuinter- essiertheit an den öffentlichen Erörterungen hat das Herren- haus einstimmig den Beschlüssen seiner Konimiffion zugestimmt, die erhöhten Stcucrzuschläge nicht nur auf ein Jahr, wie das Abgeordnetenhaus will, sondern auf K r i e g s d a u e r zu be- wkMgen. Gegen die R e s o l u t i o n, die das R e i ch nicht auf die direkten Steuern übergreifen lassen will, stimmten einigSjDberbürgermeister, Herr Dernburg u. a. Bei der Denkschrift über den Wiederaufbau Ostpreußens veranlaßte eine lange Rtöe des Berichterstatters Graf Mirbach- Sorquiiten den Minister deS Innern zu einer Wiederholung der oftgehörten Darlegung Hilfsaktion. Neu war nur, daß auf Grund einer neuen Ver?mbarung Preußen die Sicher- heit erlangt hat, vom Reiche deck größten Teil seiner Auf- Wendungen zurückzuerlangen. Die übrige Tagesordnung wurde ohpe Debatte erledigt. Sollte das Abgeordnetenhaus am 24. nicht nachgeben, so wird das Herrenhaus am 27. wieder sitzen. Flugblattprozeß. Wegen Verteilung von Flugblättern wurden in Essen zwei Arbeiter verurteilt, der eine zu 50 M., der andere zu 75 M. Geld- strafe._(z) Politische Zeitfragen in der schweizerische« Bundes- Versammlung. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Was im deutschen Reichstag die Etats- oder Budgetdebatte, das sind in der schweizerischen Bundesversammlung die Verhand- lungen über die Jahresberichte der sieben DepartemcnlS der Bundes- Verwaltung. Dabei liegt in der Regel das Schwergewicht der Be- ralungen im Nationalrat, der eigentlichen Volksvertretung mit ihren 189 Mitgliedern, von denen 19 Sozialdemokraten sind. Der 44gliedrige Ständerat als die Vertretung der Kantone, dem nur ei» Sozialdemokrat angehört, ist zwar mit dem Nationalrat gleich- berechtigter gesetzgeberischer Faktor; er beschränkt sich aber meistens auf die Erledigung des ihm zufallenden parlamentarischen Pensums. Eine geradezu brennende Frage ist durch den Krieg die Frage der Einbürgerung von Ausländern in der Schweiz geworden, und während man so ziemlich auf allen Seiten für weit- gehende Erleichterung ist, schwärmte im Nationalrat der Lausanncr Abg. Bonjour, CHeiredatteur eines konservativen BlatteL, für die Verlängerung der Karenzzeit von 2 auf 5 Jahre, die ein Ausländer in der Sckweiz erst zubringen müßte, ehe er sich um das Schweizer Bürgerrecht bewerben dürfte! Die schweizerische EinbürgerungSpolitil mit ihrer hochgetriebenen Kostspieliglett ist durch die taufende tragischer Konflitte dieses Krieges als eine erbitternde und beschämende Rückständigkeit und Engherzigkeit vielen zum niederdrückenden Bewußtsein gebracht worden und mit Ausnahme deS reaktionären Patriziers Ador von Genf wurde von allen Rednern, insbesondere von unserm Genossen S i g g- Zürich, der reaktionäre Einsall zurückgewiejen. Auch Bundesrat H o f s m a n n wandte sich gegen die bestehende durchaus reaklionäre EinbürgerungSproxiS in den Kantonen und teilte mit, daß ein Gesetz zur Erleichterung der Einbiftgerung und für die Zwangseinbürgerung in der Vorbereitung ist. Beim Militärdepartement konstatierte Genosse Dr. Afsolter, daß die sozialdemokratische MilitäpjustiziniNa- t i v e den Bundesrat veranlaßte, mit Beschleunigung an die längst geforderte Revision des M i li t är st r a s r«eh tS heranzu- treten, um der Initiative die Zugkraft zu nehmen. ES handelt sich aber nicht allein um das Gesetz, sondern auch um ieine Handhabimg, also um die Militärjustiz, die sich nicht bewährt hat und darum durch die bürgerliche Justiz ersetzt werden muß. Man erfuhr bei dieser Gelegenheit auch, daß 75 Proz. deS schweizerischen KriegsinatcrialS von der Privat- industrie und nur 25 Proz. in den eidgenössischen Waffen- und Munitionsfabriken hergestellt wird. Die Arbeiter in diesen eid- genössischen Betrieben haben 75 009 Fr. für entgangene Ferien und 245000 Fr. als Lohnerhöhungen erhalten. An die Famflien der diensttuenden Wehrmänncr sind bisher insgesamt 26 Millionen Frank an Unterstützungen ausbezahlt worden, deren Erhöhung auf Antrag unseres Genossen Grab er der Bundesrat prüfen soll. Beim Finanz« und Zolldepartement wurde daS finanzielle Elend beleuchtet, das der Krieg auch über die Schweiz gebracht hat. Dauert der Krieg dieses Jahr fort, so beträgt die Bundesschuld Ende 1916 000 Millionen Kronen.� Dabei wurde von Zurückstellungen iozialpolitiicher Projekie, von Einschränkungen, von neuen Steuern, Erhöhung bestehender Steuern usw. geredet. Schließlich stellte unsere Fraktion noch den Antrag auf Ge- Währung von Teuerungszulagen an alle Bundesbeamten mir Gehältern bis zu 300 Fr. und einen weiteren Antrag auf end» kicke parlamentarische Verabichicdung der bisher dem„Buvgfrieden" geopferten sozialdemolratischen Jniiiative auf proportionale W a b l des NationqlratS. Diese Anträge wurden noch nicht zur Abstimmung gebracht. Letzte Nachrichten. Die englische Kabinettskrise. Rotterdam, 20. Juni.(W. T. B.) Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London, daß sich der Regelung der irischen Frage unerwartete Schwierigkeiten in den Weg ge- legt haben.„Times" berichten, daß einige unionistische Minister mit den Vorschlägen Lloyd Georges sehr unzufrieden seien. Long soll der Führer dieser Bewegung sein, die dem politischen Mit- arbeiter der„Times" zufolge davon ausgehe, daß das Kabinett als Ganzes für den Versöhnungsplan nicht verantwortlich sei, und daß die Gegner von Homerule im Kabinett eine sofortige Beilegung der irischen Frage niemals als im Interesse der inneren und der Reichspolitik betrachtet haben. Der politische Mit- arbeiter der„Times" erklärt sich entschieden gegen diesen Versuch, die Verhandlungen zu vereiteln. Seiner Meinung nach wäre Ztvar der Rücktritt LanS» d o w n e S, der stets enge Beziehungen zu den südirischen Unio» nisten gehabt habe, begreiflich, es wäre aber nicht einzusehen, warum die anderen Mitglieder des Kabinetts, nachdem sie sich erst in die Erklärung des Premierministers vom 25. Mai gefügt hätten, jetzt einen entgegengesetzten Kurs steuern sollen. Die öffent- liche Meinung in England sei zu neunzig Prozent auf feiten Aslsuiths gewesen, weil dieser erklärte, daß er die Regelung der irischen Frage als ein Landes- und Reichsinteresse betrachte, und die öffentliche Meinung hoffe noch immer, daß die Meinungsver- schiedenheiten im Kabinett den Ausgleich nicht iu Gefahr zu bringen würden. Eine scharfe Antwort der Vereinigten Staaten an Mexiko. London, 20. Juni.(W. T. B.) Das Reutersche Bureau läßt sich aus Washington melden: Die ameriranische Ant- w o r t n o t e an Mexiko weist dessen Forderungen glatt zurück und tadelt den unhöflichen Ton und die Heftigkeit der mexikanischen Mitteilung._ Zum Untergang des Dampfers„Hamre". Kristiania, 20. Juni.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Das deutsche Auswärtige Amt teilte der norwegischen Gesandtschaft zu Berlin mit, daß die deutschen Be- Hörden eine eingehende Untersuchung über den Untergang des norwegischen Dampfers„Hamre" angestellt haben. DaS Ergebnis des norwegischen Seeverhörs wurde mit den dienst- lichen Berichten der UntersecbootSkommandanten, die zur fraglichen Zeit in den betreffenden Gewässern Dienst hatten, verglichen. Kein Bericht ergab einen Anhaltspunkt dafür, daß der Dampfer versenkt worden ist. Hewerksthastliches. Serlm und Umgegend. Eine Vorständekonferenz der Gewerkschaften zur Regelung der Volksernährung. Am 13. und 16. Juni tagte in Berlin eine Konferenz der Verbandsvorstände der Gewerkschaften, die u. a. auch zur Volksernährung im Kriege Stellung nahm. Nach einem Referat von Robert Schmidt, der die großen Schwierigkeiten, mit denen die deutsche Lebensmittelver- sorgung zurzeit zu kämpfen habe, nicht verkennt, aber die vorhandenen Mißstände auf die vielen halben Maßnahmen des Bundesrates und die allzu große Rücksichtnahme auf die privaten Erwerbsinteressen der Erzeuger und des Handels zurückführt, und von dem neuen Kriegsernährungsamt nur bei rücksichtslosem Durchgreifen zugunsten des Gemeinwohles eine entscheidende Besserung erwartet, wurde einstimmig und debattelos folgende Entschließung angenommen: „Die strikte Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems in der Produktion und im Warenhandel hat während des Krieges m einer steigenden Schädigung der ärmeren Volksschichten in der Nahrungsmiltelversorgung geführt. Die fortgesetzien Preissteigerungen haben sich bis zum Un- erträglichen gestallet. Die Unterdrückung dieses Treibens ist leider nicht mit der nötigen Entschiedenheit betrieben, die meisten von der Negierung getroffenen Maßnahmen müssen direkt als verfehlt bezeichnet werden. Bei der Einteilung der Nahrungsmittel, die nicht in genügenden Mengen vorhanden sind, fehlt es an einer Direktive von einer Zentralstelle und damit an einer Einheitlichkeit des Verteilungs- systems. Die vorhandenen Bestände sind verspätet dem Verkehr im steien Handel entzogen und der Mangel damit unnatürlich vergrößert. Die Beseitigung der Mißstände kann nur unter Berücksichtigung folgender Forderungen geschehen: 1. Aufhebung aller Sonderbestimmungen von BundeZ> staaten, Kreisen und Gemeinden, namentlich der Ausfuhr Verbole. 2. Geregelte Preisfestsetzung für Produzenten, Groß- und Kleinhandel für das ganze Reich, Preise, die auch für die Minderbemittelten erschwinglich sind. 3. Die Beschlagnahme und öffentliche Verteilung der in nicht genügenden Mengen verfügbaren Lebensmittel, ohne Rücksicht auf Erzeuger, Händler oder ungebührlich versorgte Privathaushaltungen. 4. Die Verteilung nach einheitlichen Grundsätzen, wobei die Ernährung der schwer arbeilenden Berufskreise besonders berücksichtigt werden muß. 5. Die Schädlinge an der Volksernährung(Spekulation, Kettenhandel, Nahrungsmittelfälschung) müssen rücksichtslos ausgeschaltet und der Hamsterei mit allem Nachdruck entgegen- getreten werden. 6. Vertrieb der wichtigsten Nahrungsmittel durch gemein nützige Gesellschaften und Gemeinden. Einrichtungen für Massenspeisung. Die Gewerkschaften erwarten, daß die gerügten Mängel in der Lebensmittelversorgung beseitigt werden, das Kriegsernährungs« amt rücksichtslos mit dem bisherigen System bricht und den Grundsatz voll zur Geltung bringt, daß die Wohlfahrt des Volkes der leitende Gesichtspunkt in der Lebensmittelversorgung sein muß, dem gegenüber alle einseitigen Interessen der Produzenten und Händler schweigen müssen. Die Gewerkschaften haben bereitwilligst an der Lösung dieser Aufgabe mitgearbeitet, ohne ausreichenden Erfolg zu haben, da immer wieder den entgegenstrebcnden Jnleresienkteisen eine völlig ungerechtfertigte Rücksichtnahme zuteil wurde. Nur durch Ausschalten dieses Einflusses wird der Arbeiterschaft die ersprießliche Mitarbeit an der Lösung der schwierigen Aufgabe ermöglicht und damit die Last des Krieges erleichtert.' den Beschlüffen der Frankfurter Konferenz, wonach die Partei differenzen aus den Gewerkschaften ferngehalten werden sollen. Die Redaktion solle sich etwas Mäßigung auserlegen; Redakteur Bock benutze das Blatt dazu, seine persönliche Ansicht zu den Partei- streitigkeiten zu propagieren. Von anderer Seite wurde dagegen Befriedigung mit der Haltung des Fachblatles ausgedrückt, das im sozialistischen Sinne redigiert werde. Nach den Schlußworten fand eine Entschließung Annahme, die ausdrückt, daß die Löhne in der deutschen Schuhindustrie in keinem Verhältnis zu den unbedingt notwendigen Lebensbedürfnissen der Arbeiter stehen. Da nicht anzunehmen sei, daß nach dem Kriege die Lebensmittelpreise auch nur annähernd auf den alten Stand zurück- gehen werden, wird von dem Vorstand erwartet, daß er sofort nach Beendigung des Krieges mit dem Unternehmerverband Verhand lungen zwecks Durchführung einer Lohnerhöhung führe. Deutsches Reich. 16. Verbandstag der Schuhmacher. Stuttgart, den 19. Juni. Der Verbandstag ist von 27 Delegierten, 8 Gauleitern, 6 Vor- standsmitgliedern und dem Ausschußvorsitzenden besucht. Die Generalkommission vertritt Silber schmidt- Berlin. Der schweizerische Lederarbeiterverband hat einen Vertreter entsandt. In der Eröffnungsrede betonte Verbandsvorsitzender Simon-Nürn« berg, der Vorstand habe reiflich überlegt, od ein Verbandstag ein- berufen werden solle. Er habe sich für die Abhaltung entschlossen, weil niemand wisse, wann der Krieg zu Ende sein werde und wie sich die Situation nachher gestalte. Auch sei es notwendig, zu Fragen Stellung zu nehmen, die vor Beendigung des Krieges ent- schieden werden müßten. Den Vorstandsbericht gab dann Simon, der Er- gänzungen zu dem von uns bereits besprochenen gedruckten Bericht machte.' Er erklärte, bei der Feststellung des Geschäftsberichts seien größere Schwierigkeiten zu überwinden gewesen. Die Außerkraft« setzung der Unterslützungscinrichtungen— außer der Arbeitslosenunterstützung— bei Beginn des Krieges sei im Interesse des Ver- bandes notwendig gewesen; das Statur wäre ja nur für den Frieden gemacht. Die Einberufung eines Verbandstages sür die Beschluß- fassung sei damals nicht möglich gewesen. Simon untersuchte dann die Gründe sür den Mirgliederrückgang, die bereits im Vor- bericht gewürdigt wurden. Den Kassenbericht erstattete K ö n i g- Nürnberg. Die Einnahmen der Hauptkasse betrugen in der Berichtszeit(1914/15) 1 699 843 M., die Ausgaben 723 949 M., das Vermögen des Ver- bandes am Schluß der Periode 867 794 M. gegenüber 862 309 M. Ende 1914. An Beiträgen sind bei der Hauplkasse und den Zahl- stellen 1 381 713 M. eingegangen. Für den Ausschuß berichtet Haupt- Magdeburg. Es sind in der Berichtszeit nur 7 Beschwerden gegen den Vorstand ein- gegangen. Von den zu diesen Berichten vorliegenden Anträgen fand ein Antrag, den weiblichen Mitgliedern die„Gewerkschaftliche Frauen- zeitung' zu liefern, nicht die genügende Unterstützung. In der Diskussion wurde die Aushebung der Unter- stützungen eingehend erörtert. Die Kritiker erklärien, die Verfassung des Verbandes sei verletzt worden; nur ein Verbandsiag hätte dieses beschließen können. Von anderer Seite dagegen wurde die Aufhebung als im Interesse des Verbandes liegend bezeichnet. Dessen erste Aufgabe sei. sich sür wirtschaftliche Kämpfe gewappnet zu halten. Von einem Stuttgarter Delegierten wurde Kritik an den Beschlüffen der Generalkommission bezw. der Vorständekonferenz, die zur Einigimg der Arbeiterschaft auffordern, geübt. Wenn die Taten fehlten, hätte die Einheit auch keinen Wert. Die Gewerkschaften dürften nicht als Schutztruppen für die Fraklionsmehrheit auftreten. Die Haltung des Fachblattes in den Parteidlfferenzen bemängelten mehrere Redner. Diese stehe nicht im Einklang mit Rustand. Ausstand spanischer Seeleute. Einer Meldung des„Petit Journal' aus Madrid zufolge sind die Besatzungen der Handelsschiffe in Barcelona, Gijon, Bilbao. Huelva und Valencia in den Ausstand getreten. Neben einer Lohn- erhöhung um 59 Proz. fordern die Seeleute, daß man sie angesichts der gegenwärtigen Gefahren für die Schiffahrt' in eine Lebens- Versicherung einkaufe._ Programm des bevorstehenden Gewerkvereinskongresses in England. Wie die„Times' vom 8. Juni berichtet, soll ein besonder? ein« berufener Gewerkvercinskongreß am 39. Juni in London in der Memorial Hall tagen. Er soll zunächst die Steigerung der Preise für Lebensmittel und Kohlen besprechen, außerdem aber die Notwendigkeit einer Erhöhung der Altersrenten und die Einwirkung des Wehrpflicht« g e f e tz e Z auf Organisation und Verwaltung der Gewcrkvereine er- örtern.._ Ms der Partei. Wahrheit und Selbstgerechtigkeit. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichten wir vor einigen Tagen eine Entgegnung des Genossen Heinrich Schulz auf unseren Artikel „Wahrheit und Klarheit'. Die Erfurter„Tribüne', das Organ deZ Kreises, den Genosse Schulz im Reichstage vertritt, widmet seiner Entgegnung folgende Bemerkung: „Wir können leider dem Genoffen Schulz weder in der Sache noch in der Form darin beipflichten, wie er den unseren Lesern be- kannten, durchaus sachlich und ruhig gehaltenen Artikel des„Vor- wärts' vermöbelt. Allerdings hat Genosse Schulz dafür den mrge- teilten Beifall des„ErfurterAllgem. Anzeigers' erzielt, der den Artikel fast wörtlich oder richtig referierend, nur mit einigen Anmerkungen durchsetzt, wiedergibt. Ob das dem Genpffen Schulz angenehm sein wird und kann, können und wolleip wir nicht entscheiden. Feststellen wollen wir aber, daß der„Erfrprter Allgemeine Anzeiger", der jetzt den von der bekannten „Berliner Sammelstelle des Materials zur Bekämpfung der Sozial- demokratie' so prompt schon am andern Tage nach dem.Vorwärts' gelieferten Artikel abdruckte, seinerzeit im Wahlkampf es an ge- hässigen Anwürfen wahrhaftig nicht fehlen ließ. Weiter ist/Tatsache, daß die früheren Reden unseres Genossen Schulz im Reichstage von dem gleichen„Erfurter Allgemeinen Anzeiger" systemalifch unterschlagen wurden. Und wir können dem Genossen Schulz versichern, daß sich die Kampfesweise des„Anzeigers" nicht geändert hat. also an ihm kann es nach unserer Auffassung nicht liegen, wenn Genosse Schulz ihm jetzt etwas recht macht." Das bremische Blatt„Arbeiterpolitik�. Von der Redaktion des Verlags der neugegründ&en bremischen Zeitschrift erhalten wir nochstehende Zuschrift: «Die Nachricht, die das Preffebureau bezügl. des neugegründeten bremischen Wochenblattes„Arbeiterpolitik" versendet, läßt den Irrtum aufkommen, als sei es ein Kampforgan gegen die„Bremer Bürger« zeitung". Die neue Zeilschrift trägt den Titel:„Arbeiter- Politik". Wochenschrift für wissenschaftlichen Sozialismus. Sie hat sich zur Ausgabe gesetzt, alle in der Arbeiterbewegung auftauchenden Fragen vom Standpunkt des Linksradikalismus zu beleuchten. Die„Arbeiterpolitik" ist eine wissenschaftliche Zeitschrift des Linksradikalismus, gleich der„Glocke", die den rechten Flügel und der„Neuen Zeil", die dqs Zentrum der Partei vertritt. Von einem Organ zur Bekämpfung der„Bremer Bürger- zeitung" kann darum nicht die Rede sein. Zum Pressekouflikt in Duisburg. Die Kreispreßkommission beschloß in ihrer letzten Sitzung als politischen Redakteur den Genossen M a r k w a l d, den bisherigen Leiter des Königsberger Parteiblattes, anzustellen. Sodann wurde nochmals die Entlassung der beiden Redakteure Minster und Schoch behandelt. Einstimmig angenommen wurde eine Resolution, die in ihrem entscheidenden Teile sich mit der Kündigung und Entlassung der beiden Redakteure durch den Parteivorstand voll und ganz einverstanden erklärte. Hermann Schmidt. Zu dem in der gestrigen Nummer bereits gemeldeten Tode des Genoffen Schmidt wird noch geschrieben: In Zwickau ist einer von der alten Garde, der Stadtverordnete Lagerhalter Hermann Schmidt, im Stadtkrankenhause verstorben. Schmidt, der ein Alter von 62 Jahren erreicht hat, ist in den sächsi- schen Parteikreisen allgemein bekannt, da er mit zu den ältesten Ge- nassen Sachsen? zählte, die seinerzeit bereits an den Kämpfen zwischen Lassalleanern und Eisenachern kräftigen Anteil nahmen. Auch saß er mit in der Kommission, die das Erfurter Programm entwarf. Er war von 1888 bis 1996 Vertrauensmann der sozialdemokratischen Partei für den 18. Reichstagswahlkreis und seit Errichtung der Be- zirkskomitees im Jahre 1891 bis zu seinem Tode ununterbrochen Mitglied des Zwickauer Komitees und als solches auch Mitglied der Landesparteileitung. Wiederholt wurde er zu Parteitagen als Ver- treter des 18. Kreises delegiert und nahm auch während des Sozia- listengesetzeS an den Parteitagen in Kopenhagen und St. Gallen teil. Er war Landtagskandidat für den Stadtkreis Zwickau. Vor fünf Jahren wurde er neben drei anderen Genossen ins Zwickauer Stadt- Parlament gewählt. Weiter bekleidete er das Amt Jjes Vorsitzenden sür den Ausschuß der Allgemeinen Ortskrankenkasse Zwickau. Um die Gründung des„Sächsischen Volksblattes" hat sich Schmidt große Verdienste erworben, für dessen Bestand und Ausbau er unablässig bemüht war. In Genossen Schmidt verliert der 18. Wahlkreis einen seiner eifrigsten, opferwilligsten und treuesten Genossen, weshalb sein Ableben als schwerer Verlust empfunden wird. Die Genossen werden seiner in Treue gedenken. Aus Ken Organisattoneu. Eine Vertrauensmännerversammlung im Wahlkreise Hanau- Bockenheim-Gelnhausen-Orb nahm am Sonntag mit 27 gegen 19 Stimmen eine Resolution zugunsten der M'nderheit der ReichstagSfraktion an. Referent war Genosse Hoch, Korreferent Genosse Rühle._ Jugendbewegung. Jugendabteilungen des Vaterländischen fprauenvereins. Eine erhebliche Ausdehnung der bürgerlichen weiblichen Jugendpflege beabsichtigt der Vaterländische Frauenverein durch Errichtung von besonderen Jugendabteilungen. Bei ihrer Grün- dung soll beachtet werden, daß die vorhandenen gleichgerichteten Jungfrauenvereine keine Konkurrenz zu befürchten brauchen. Vielmehr hofft man durch die Ncugründung, viele junge Mädchen, die von den vorhandenen bürgerlichen Vereinen nicht erfaßt worden sind, für die Jugendpflege zu gewinnen. Die Mädchen sollen vor allem zum gewerblichen Dienst deS Vaterländischen FrauenvereinS herangezogen werden. Bemerkt sei noch, daß auch die Kaiserin sich für den Plan sehr warm ausgesprochen hat. Ms Industrie und Handel. Französische Kriegsgewinne. Nach der„Bataille" vom 9. Juni hat die Metall- verarbeitungsgesellickaft von Ariege ihren Umsatz von 5 Millionen Frank im Jahre 1913/14 auf 14>/z Millionen gesteigert. Die Gesell« schaft Gnöme et Rhone verzeichnet einen Bruttogewinn von mebr als 11 Millionen Frank im Jahre 1915; eine Gesellschaft, die Granaten herstellt, erzielte bei einem Umsatz von 11 Millionen einen Gewinn von vier Millionen; die neun Messinggießereien, die sür da» Kriegsministermm arbeiten, haben seit August 1914 einen Gewinn von 99 Millionen gemacht; eine Firma mit einem Kapital von acht Millionen Frank hat für 36 Millionen Geschosse geliefert und dabei 18 Millionen verdient. Soziales. Fürsorge für kriegsbeschädigte und aus dem Felde heim- kehrende Handwerker. Der Deutsche Handwerker- und Gewerbekammertag beschäftigte sich am Dienstag u. a. auch mit der Fürsorge für kriegsbeschädigte und aus dem Felde heimkehrende Handwerker. Böttchermeister Thierkopf-Magdeburg sprach über die Kriegsbeschädigtenfürsorge. Er bezeichnete es als notwendig, dafür zu wirken, daß es den Kriegsbeschädigten ermöglicht werde, in ihren alten Berufen wieder zu arbeiten, und daß es den Verstümmelten ermöglicht werde, sich und ihre Angehörigen in anständiger und ausreichender Weise zu ernähren, ohne die öffentliche Wohltätigkeit in Anspruch zu nehmen. Der blinde Leiermann mit zerschlissenem Waffen- rock dürfe nicht wieder auftauchen, wenn die Ehre des Deutschen Reiches gewahrt werden solle.(Beifall.)— Der Redner und Syn- dikus Stier-Weimar machten mehrere Vorschläge, von einer Be- schlußfassung wurde jedoch Abstand genommen.— Sekretär Schuler-Ulm sprach über Fürsorgcmatznahmen für aus dem Felde heimkehrende Handwerker und wirtschaftliche Wieder- belebung des Handwerks nach dem Kriege. Er befürwortete eine Anzahl Leitsätze, die etwa dahingehen: „Die Organisation des Handwerks ist auszubauen, nament- lich ist der wirtschaftlichen Förderung des Handwerks auf ge- nossenschaftlichem Gebiete vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Den vom Felde heimkehrenden und allen durch den Krieg ge- schädigten Handwerkern ist die Wiederaufnahme und Fortführung ihrer Betriebe durch Zuweisung von Arbeit zu ermöglichen. Reich, Staat und Gemeinden müssen hierbei helfen. Die Be- völkerung ist aufzufordern, den heimkehrenden Kriegern wieder ihre Kundschaft zuzuwenden. Es ist auf das tatkräftige, auf Selbsthilfe beruhende Eingreifen der Kreditgenossenschaften zu rechnen. Die bestehenden Notgesetze müssen mindestens ein Jahr nach Friedensschluß noch in Kraft bleiben. Die Konkurs- ordnung ist dahin abzuändern, daß zum Schutze in Not geratener würdiger Schuldner ein Zwangsvergleich außerhalb des Konkurs. Verfahrens ermöglicht wird. Besonders bedürftige Personen sind durch Mietszuschüsse u. a. zu unterstützen. Die Unterstützungen dürfen, soweit sie aus öffentlichen Mitteln kommen, nicht als Armenunterstützungen gelten. Im weiteren empfehlen sich Meisterkurse für die aus dem Felde heimkehrenden Handwerker. Die Zuweisung von Lehrlingen an das Handwert ist dringend geboten. Ferner empfiehlt sich der Ausbau der Lehrstellenoer- mittelung. Hand in Hand damit hat die neue Ordnung des Lehrlingswesens zu gehen, das durch den Krieg empftndlich ge- stört worden ist." Die Leitsätze gelangten nach kurzer Erörterung mit dem Zu- satz zur Annahme, daß für möglichste Barzahlung für Handwerker- arbeiten gewirkt werden müsse. Es ist nicht zu verkennen, daß gerade das kleine Handwerk unter den Kriegsfolgen ganz außerordentlich zu leiden haben wird. Ob die ausgestellten Forderungen geeignet sind, diese Folgen abzu- wenden oder auch nur abzuschwächen, sei dahingestellt. Was ins- besondere den Ausbau der Lehrstellenvermittelung und eine neue Ordnung des Lehrlingswesens anbelangt, so ist nicht recht zu ver- stehen, wie dadurch den heimkehrenden Handwerkern geholfen wer- den soll, es sei denn auf Kosten der einer Ausbildung bedürftigen fungen Leute. Gegenüber einer solchen Forderung muß aber energisch betont werden, daß die Lehrlingsausbildung� geregelt werden mutz in allererster Linie im Interesse des jungen Nachwuchses, und daß dahinter alle übrigen Forderungen zu- rückzutreten, wenn nicht zu schweigen haben. Nach der Krankheit kündigungslos entlassen. Eine Werkstattschreiberin, die bei der Firma F l o h r mit vier- zehntägiger Kündigung angestellt war, mußte wegen Krankheit vom 24. Februar bis 18. März der Arbeit fernbleiben. Der 19. März war ein Sonntag. Am 29. März kam die Schreiberin vor Beginn der Arbeitszeit, um ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Da teilte ihr der Fabrikportier mit, daß er ihre Entlassung mit- zuteilen habe, und händigte ihr ihre Papiere ein. Durch Klage beim Gewerbegericht fordert« die Schreiberin 49 M. Lohn für die Kündigungszeit. Der Vertreter der� Beklagten bemerkte, er habe die Klägerin während ihrer Krankheit fünfmal ausgesucht, um ihr die Entlassung zu übermitteln, er habe aber die Klägerin niemals angetroffen. Die Entlassung habe deshalb erst bei der Wiederkehr der Klägerin erfolgen können.— Das Gericht verurteilte die Firma zur Zahlung von 49 M. mit der Begründung: Länger andauernde Krankheit sei zwar ein Entlassungsgrund, doch müsse die Entlassung während der Krankheit erfolgen. In dem Augenblick, wo die Klägerin n a ch der Krankheit zur Arbeit zurückkehrte, sei der Eni- lassungsgrund fortgefallen und hätte eine Entlassung nur nach' vierzehntägiger Kündigung erfolgen können._ Mekttge Mitteilung für alle Leser! Sine große illustrierte JfansfeiMiothek gratis! Den Lesern teilen wir hierdurch ergebenst mit. daß wir eine reich illu'trierte Wochenschriit unter dem Titel „Welt und Wissen" herausgeben. Dieselbe bringt ge- meinverständliche Abhandlungen aus allen Wissen- schasten. Die Slusstattung ist eine erslilassige. Die Mitarbeiter sind erste Fachleute. Jedes Heft enthält ca. 20 Artikel, von denen wir als Beispiel einige an- führen: Der Mensch in der Psahlbauzeit.— Wenn die Erde erzittert.— Gesundheit und Swönheit.— Der Wille und dessen Gymnastik.— Das Leben unter Wasser.— Fernphotographie.— Liebe und Ehe bei den Naturvölkern.— Der Mensch und die Geislerwelt. — Flüssige Lust.— Einfluß der Lebensweise aus daZ Menschenalter.— Verschwundene Städte in der Sahara,— Die Zukunft der Elektrizität.— Unser Sonnensystem usw, usw. Außerdem erhält jeder Leser auf„Welt und Wissen" zu jedem Jahrgang drei komplette Werte vollitändig gratis. Im ersten Jahre: Die illustrierte Himmels- künde.— Illustriertes Buch der Technik.— Ent- deckungsreisen nach dem Nord- und Südpol. Um zu ermöglichen, daß alle Leser darauf aion- Nieren können, haben wir die kleine Entschädigung, die wir notwendig haben müssen, aus nur 29 Pj. sür ein 24 Seilen starkes Heft festgesetzt. Den Bestellschein bitten wir auszusülle» und ein- zusenden. Bestellschein Bw. An die Expedition von Utltl WlSSBl!''» Berliu-Schöneberg. Am Park 11. Ich abonniere hiermit„Welt und Wissen' i 20 Pf. p, Heft durch Boten sranko Hau?. Name:■ Ort, Straßen (Betontto. Nedakt.: Alfred Wielcpp. Neukölln. JnftLatenteil öerantw. Tb. Glocke, Berlin. Druck ü. Verlag: Vorwärts Luchdr. u. Verlagsänstall Paul Singer L- Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. Uuterhaltungsbl. Nr. 168. 33. IahrMg. ßcilW des„Vmmrls" Knlwer WllisdlM Mittwochs 21. Jon! 1916. Herrenhaus. 10. Sitzung, Dienstag, den 20. Juni. Am Ministertische: Unterstaatssekretär Dr. Michaelis. Präsident Gras von Arnim- Boitzenburg eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 2S Minuten und gedenkt des kurzlich Verstor- denen Geheimen Kommerzienrats Hantel. Der neue ins Haus eingetretene Kammerherr von O l d e n- burg-Ja nu schau wird in die Agrarkommission gewählt. Die preußischen Steuerzuschläge. Auf der Tagesordnung steht der Gesetzentwurf über die Er- hihung der Zuschläge zur Einkommensteuer und zur Ergänzungs- steucr. Itach der vom Abgeordnetenhause gebilligten Vor- läge werden die Zuschläge in der Einkommensteuerstufe von mehr als 2400 bis 3000 M. für die Aktiengesellschaften usw. auf 15 Proz., Eit die sonstigen Steuerpflichtigen auf 8 Proz., der zu entrichten- en Steuer festgesetzt. Die Zuschläge steigen in den Einkommen- steuerstufen von 3000 bis 3900 M. auf 25 bzw. 12 Proz., bei 3900 bis 5000 M. auf 25 bzw. 16 Proz., bei 5000 bis 6500 M. auf 30 bzw. 20 Proz. und so fort, bei mehr als 100 000 M. auf 160 bzw. 100 Proz., bei der Ergänzungssteuer auf 50 Proz. der zu ent- richtenden Steuer. Das Abgeordnetenhaus hat beschlossen, daß diese Steuerzuschläge nur für das Etatsjahr 1916 gelten sollen. Nach einem Beschlüsse des Finanzausschusses des Herrenhauses soll die Geltung der Steuerzuschläge aber un- befristet sein. Sie sollen gelten vom 1. April 1916 bis zum Be- ginire desjenigen Etatsjahres, für das ein nach Abschluß des Friedens mit den europäischen Großmächten auf- gestellter Staatshaushalt in Kraft tritt. Der Herrenhaiisoussckuß schlägt weiter folgende Ent- schließung vor: Die Staatsregierung zu ersuchen, mit allem Nachdruck im Bundesrat darauf hinzuwirken, daß bei der Erschließung neuer Einnahme- yuellen für das Reich jeder weitere Eingriff der Reichsgesetzgebung auf dem Gebiete der direkten Be- steuerung von Vermögen oder Einkommen vermieden wird, und daß den Bundes staaten die Möglichkeit, auch in Zukunft ihren wichtigen kulturellen Aufgaben gerecht zu werden, ungeschmälert erhalten bleibt. Berichterstatter Graf v. d. Schulenburg- Grünthal: Die Kommission hat einstimmig beschlossen, die geforderte Erhöhung der Steuerzuschläge auf Kriegsdauer, entsprechend der ur- sprünglichen Regierungsvorlage, zu bewilligen. Auf Vorschlag des Oberbürgermeisters a. D. v. Becker wird die Vorlage in der Ausschutzfassung einstimmig, die Resolution gegen�einen Teil der Linken, insbesondere die Ober- bürgermeister, Staatssekretär a. D. Dernburg usw. ohne Aus- spräche angenommen. Die königliche Verordnung über die Sicherstellung der zum Wiederaufbau un Krieg zerstörter Gebäude gewährten Staats- d a r l e h e n wird nach dem Bericht des Grafen v. Mirbach- Sorquitten zur Kenntnis genommen. Es folgt die Denkschrift über die Beseitigung der Kriegs schaden in den vom feindlichen Einfall berührten Landesteilen, wobei Gras v. Mir- dach den Dank des Hauses für die Initiative des Königs zum Ausdrück bringt, die hohe steuerliche Belastung des Grundbesitzes beklagt, die zur Vorsicht bei weiteren Steuergesetzen mahne, und die Not an Landarbeitern bespricht. Oderbürgermeister Dr. Körtc-Äönigsberg stellt fest, daß der deutsche Städtetag sehr wesentlich am Wiederaufbau mitgearbeitet hat. Minister des Innern v. Loebell: Das ist richtig, es fehlt in der Denkschrift ein entsprechender Hinweis nur infolge eines Ver- sehens. Aus Habgier und wilder Zerstörungssucht hat der Feind unseren schönen Ostlanden schweren Schaden zugefügt. Aber Dank der landesväterlichen Fürsorge, dem Zusammenarbeiten aller Behörden und dem allgemeinen festen Willen zum Durchhalten sind bereits jetzt schöne Erfolge erzielt. Freilich befinden wir uns ja noch mitten im Weltkrieg. Auch hier spreche ich allen Beteilig- ten den wärmsten Dank der Regierung aus: Dem Oberprä- sidenten von Ostpreußen, der leider diesem Wirken ent- zogen wird, den staatlichen und gemeiirdlichen Behörden, der Bevölkerung und auch den Zentralstellen. Wir wollen und werden neues Leben aus den Ruinen erstehen lassen. Die Staatsregie- rung hat nie verkannt, daß es ihre Pflicht ist, der schwergetroffenen Bevölkerung vollen Schadenersatz zu gewähren. Die Finanzver- waltung hat das ihrige dazu getan und wird es weiter tun; sie hat dabei die Unterstützung des Landtages gefunden. Erfteulicherweise ist der Umfang der Schadenersatzpflicht des Reiches jetzt in gegen- seitigem Einvernehmen festgestellt, und Preußen wird zu einem noch festzustellenden Zeitpunkt einen ganz erheblichen Teil seiner Aufwendungen vom Reiche wiedererhalten. Das erleichtert unsere Arbeit ganz bedeutend. Preußen ist auch durchaus hereit, über den Eriatz durch das Reich hinaus, einzutreten. Die Staats- regierung erachtet es als ihre erste Pflicht, diesen schönen Provin- zen, die nicht nur Blut, sondern auch Gut geopfert haben, zu hel- fen, damit dieses alte deutsche Kulturland in feiner Blüte wieder auferstehe.(Beifall.) Graf v. Mirbach erklärt, daß er nicht etwa Vorwürfe gegen die Regierung habe erheben wollen. Die Denkschrift wird darauf zur Kenntnis genommen. Graf V. d. Schulcnburg-Grünthal berichtet über eine Eingabe des durch den Krieg in seinem Badebesuch schwer ge- schädigten Ostseebades Misdroy, das um ein Staatsdarlehen ersucht. Der Berichterstatter führt aus, daß sich viele Bade- orte in derselben Lage befinden, daß, wenn einem Geld geliehen wird, alle kommen würden; endlich habe Misdroy Gelegenheit ge- nug, bei den Kriegskreditanstalten Geld zu erhalten. Das Haus geht über die Eingabe zur Tagesordnung über. Herr v. Rochow berichtet über die Nachweisungen für die staatlichen G e st ü t e in den letzten Jahren, die zur Kenntnis ge- nommen werden. Ueber eine Eingabe der Sozialen Arbeitsgemeinschaft der Oberbürgermeister Dr. Rivc-Halle: Es handelt sich darum bei der Ueberleitung in die Friedenswirtschaft den heimkehrenden Feldzugsteilnehmern bis zur ersten Lohn- oder Gehaltszahlung Beihilfen zu gewähren. Die Bittschrift wird als Material überwiesen. lieber eine Eingabe um Veranlassung eines Gesetzentwurfes wegen Heranziehung der Privatfeuerversiche- rungsan st alten Z" den Kosten des Feuerlöschwesens berichtet Oberbürgermeister S ch o l tz- Danzig. Die Eiirgabe wird als Material überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Präsident Graf Arnim: Es hängt ganz von den Beschlüs- sen des Abgeordnetenhauses über die Steuervorlage ab, ob das Herrenhaus nochmals zusammentreten muß. Sollte dies notwendig werden, so wird die Sitzung voraussichtlich am DienS- tag, den 27. tz. M., nachmittags 1 Uhr stattfinden. Schluß 2 Uhr. das tägliche örot. LebensmittelverordnungSbüchcr. Für den Verbraucher bedeutet es eine große Erschwerung, daß er über die Bestimmungen, die im Lebensmittelverkehr gelten, nicht oder nur ungenügend unterrichtet ist. Oft liefert ihn diese Un- kenntnis der Willkür des Verkäufers aus. In einigen Städten hat man daher die Einrichtung getroffen, den Verbrauchern kleine Hefte abzugeben, in denen alles verzeichnet ist, was der Verbraucher beim Wareneinkauf wissen muß, sei es über Preise, sei es über erlaubte Bezugsmengen, sei es über andere Bestimmungen. Die Stadt Mannheim gibt ein solches Verordnungsheft, verfaßt von Dr. Hofmann, Vorstand der städtischen Preisprüfungsstelle, jetzt schon in dritter Ausgabe heraus. Das Heft enthält die Höchst- und Richtpreise in Mannheim und einen Bericht über die Preis- Prüfungsstelle Mannheim. Auch die Stadt Frankfurt a. M. gibt ein Lebensmittelverordnungsbuch heraus, aus dem der ein- zelne Verbraucher sich unterrichten kann über alles, was er beim Einkauf wissen mutz. Viele andere deutschen Städte sind in ähnlicher Weise vorgegangen._ Rindfleischverteilung an Minderbemittelte. Der Magistrat der Stadt Bochum hat einen Rindfleischver- kauf an Minderbemittelte organisiert. Der Verkauf findet in ver- schiedenen städtischen Verkaufsstellen statt. Der Preis des Rind- fleisches beträgt 1,60 M. Als minderbemittelt gelten solche Ein- wohner der Stadt Bochum, die für das Steuerjahr 1913 überhaupt keine Steuer zahlen oder nur ein Einkommen bis zu 1500 M. haben, ferner alle unterstützten Kriegersrauen, einschließlich der Hinter- bliebenen. Pro Kopf der Bezugsberechtigten erhält ein Pfund Fleisch. Diese Menge wird auf die allgemeine Verbrauchsregelung derart angerechnet, daß für zwei Wochen die Hälfte des zulässigen Verbrauchs befriedigt ist. Zur Kontrolle der Bewerber müssen diese ihr Warenausweisheft und ihr Brotausweisheft, sowie einen Steuerzettel oder eine besondere Bescheinigung oder ein Unter- stützungsausweisheft mitbringen. Um Ansammlungen zu ver- hüten, erfolgt der Verkauf nach Stadtbezirken, nach Buchstaben und an verschiedenen Tagen. Wer an einem der fraglichen Tage nicht kaufen kann, kann die ihm zustehende Menge bis zu einem 14 Tage späteren Endtermin erwerben. Was jetzt noch möglich ist! Auch in Köln ist Kartoffelnot. Die Ration ist auf 2% Pfund pro Kopf und Woche festgesetzt. In den nächsten Tagen wird der Verkauf ganz eingestellt. Während nun tausende Frauen und Kinder mit leeren Körben vor den Markthallen standen, brachte es die Stadtverwaltung fertig, zur gleichen Zeit Kartoffeln zentnerweise an Beamte, Lehrer, Rentiers, Villenbesitzer usw. abzugeben. Einzelne der Herrschaften erhielten bis zu fünf Zentner. Des Rätsels Lösung ist die, daß diese Herrschaften vor längerer Zeit die Kartoffeln bestellt hatten, und nun lieferte sie die Stadt zentnerweise ins Haus, während sie den armen Leuten nur 2Z� Pfund pro Kopf und Woche gibt. Der Vorfall wird noch drastischer dadurch, daß schon seit mehreren Tagen eine Verordnung des Gouverneurs vorlag, daß Leute keine Kar- toffeln kaufen dürfen, die auch nur für drei Tage Kar- toffeln im Hause haben, und zu gleicher Zeit liefert die Stadt keineswegs notleidenden Leuten zwei bis fünf Zentner Kar- toffeln ins Haus._ Kartoffelteuerung auch in England. »Daily News' meldet, daß alte Kartoffeln auf dem Londoner Markt Covent Garden jetzt 17 Pfund Sterling pro Tonne kosten. Der gewöhnliche Preis war 5 bis 6 Pfund Sterling. In England spielt die Kartoffel keineswegs die gleiche wichtige Rolle sür die Ernährung wie in Deutschland. Mus Groß-öerlin. Beschwerden über unrichtige Zumeffung der Meischportion. Der Magistrat läßt öffentlich erklären, daß er bereit ist, Beschwerden über unrichtige Zumessung der Flcischportion nachzugehen; er empfiehlt deshalb, solche Beschwerden un- gesäumt an den Städtischen Kommissar für die Fleischverteilung — Städtischer Schlachthof, Eingang Landsberger Allee, Trichinenschaugebäude(Zimmer 3 und 4)— zu richten, wo alsdann die Untersuchung durch den für die betreffende Schlächtergruppe zuständigen Aufsichtsbeamten veranlaßt werden wird. Ein Fleischer, der den ihm nach dem Ver- teilungsplan obliegenden Pflichten nicht nachkäme, würde mit dem weiteren Verkauf des Fleisches nicht mehr betraut werden. Es sind ständig Beamte unterwegs, die die Kontrolle ausüben.— Uns gehen fortgesetzt neue Beschwerden zu, nach denen ver- schiedene Fleischermeister ihre Kunden nicht befriedigt haben. Geklagt wird über einen Schlächtermeister Adolf in der Culm- straße 24 und über einen Schlächter Knothe in der Wilhelms- havener Straße. Wir raten unseren Lesern, die sich beschwert fühlen, dringend, sich beschwerdeführend an die obengenannte Adresse zu wenden unter genauer Angabe des Sachverhalts. Wie wir erfahren, ist unsere gestern veröffentlichte Be- schwerde über den Schlächtermeister Stender in der Stendaler Straße sofort nachgeprüft worden. Es hat sich ergeben, daß dem genannten Schlächtergeschäft sür alle in der Kundenliste eingetragenen Kunden genügend Fleisch geliefert worden ist. Die Inhaberin habe aber an 300 ältere Frauen, die vergessen hätten, sich in die Kundenliste einzuttagen, auf die vorgezeigte Fleischkarte Fleisch verkauft, ohne nachzuprüfen, ob sie auch eingetragen seien. Es wird nun versichert, daß Sorge ge- tragen worden ist, daß dieser Vorgang sich nicht wiederholt und daß die Kunden in Zukunft ihr Fleischguantum erhalten. Es müsse immer wieder darauf hingewiesen werden, daß jeder Schlächter auf Grund der Kundenliste genügend Fleischwaren erhält, um die Kunden zu bedienen. Er erhielt bisher noch einen Aufschlag von 10 Proz., neuerdings 15 Proz. Wo sich Mißstände herausstellen, liege es an dem Schlächter und man solle sich sofort beschweren, damit Abhilfe erfolgen könne. Kein Ersatz für verlorene Lebensmittelkarte». Aus deni Rathause wird geschrieben: „Mit der Ausdehnung der Verbraucksregclung auf immer weitere Lebensmittel mehren sich die Fälle, in denen Karten verloren oder abhanden gekommen sind. Es versteht sich von selbst, daß verlorene Karten nicht ersetzt werden können, denn die Verteilungsstellen haben damit zu rechnen, daß diese Karten von anderen Personen zur Einlösung benutzt werden. Die Bevölkerung wird daher gut tun, die Lebensmittelkarten sehr sorgfältig aufzubewahren, so sorgfältig, wie man das bei Papiergeld und Banknoten zu tun pflegt." So richtig es ist, die Karten gut aufzubewahren, um sich vor Unannehmlichkeiten zu schützen, so sollte in geeigneten Fällen nicht allzu schematisch verfahren und Härten vermieden werden._ Tic neue Kartcnausgabe. Am heutigen Tage beginnt die Zuteilung der Brotkarten, der Butterkarten, der Fleischkarten und der Zuckerkarten sür die nächste Geltungsperiode. Die Ausgabe der Karten durch die Hausbesitzer oder die Hausverwalter an die Haus- Haltungsvorstände ist nur gegen deren Ouittungsleistung zu- lässig. » Da der 25. Juni auf einen Sonntag fällt und sich hieraus sür die Inhaber von Tagesbrotkarten vielleicht Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Seife ergeben könnten, ist zugelassen worden, daß die auf den 25. Juni lautende Tagesbrotkarte zum Bezüge von Seife auch noch am Montag, den 26. Juni, berechtigt._ Tie Erhöhung der Milchpreise. Der Arbeitsausschuß der Preisprüfungsstelle Groß-Berlin bat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den Gemeindebehörden der ihr angeschlosienen Slädtc zu empfehlen, den Höchstpreis für Milch auf 82 Pf. festzusetzen. Der Beschluß wurde notwendig infolge der durch die bekannte Ministerialverordnung erfolgten Festsetzung eines Erzeuger-Höchstpreises von 24 Pf. Bisher hatte der Produzenten- Höchstpreis nicht bestanden. Der seit Oktober vorigen Jahres fest- gesetzte Kleinhandels-Höchstpreis von 80 Pf. war aus den damals üblichen Produzenten-Höchstpreis von 22 Pf. gestützt. Nunmehr er- gab sich bei der bisherigen Spannung von 8 Pf. zwischen dem Produklionspreis und dem Verkaufspreis ein Kleinhandels-Höchft- preis von 32 Pf. Eine Erhöhung der Spannung tritt mithin nicht ein._ Keine Höchstpreise sür ausländisches Mehl. Bekanntmachung. Auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. 6. 1851 und des Reichsgeietzes betreffend Höchstpreise vom 4. 8. 1914 fest gemacht worden. Es handelt sich um den 30 Jahre alten, schon vielfach vorbestraften Sattler Hans Lüpke aus Altdamm, der überall in den westlichen Vororten und in Berlin nur kurze Zeit und un- angemeldet bei Kriegswitwen Wohnung genommen bar. So über redete er ein Fräulein, der er die Ehe versprochen hatte, mit ihm eine gemeinschaftliche Wohnung zu beziehen, deren Möbel von dem Mädchen bezahlt wurde». Er verkaufte dann und verpfändete ihr ganzes Hab und Gut und verschwand mit den Pfandscheinen. Einer Witwe in Neukölln stahl er eine sehr kostbare Geige und andere wertvolle Gegenstände. Auch als Fettschwindler ist er aufgetreten und hat als solcher eine große Zahl von Kriegerwitwen und Arbeiteil flauen empfindlich geschädigt. Wer ist die Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 1. Mai 1016 ist bei Hirschgarten die Leiche einer Person weiblichen Geschlechts aus der Spree gelandet worden, deren Persönlichkeit bis her nicht aufgeklärt werden konnte. Sie ist etwa 20—80 Jahre alt und 1,61 Meter groß. Bekleidet war sie mit grünem Jackett, schwarzem Nock, blauer Alpakkabluse, braunen Strümpfen, hohen Knöpfschuhen und weißem mit den Buchstaben �l. l. gezeichneten �emd. Wegen bereits zu weit fortgeschrittener Verwesung der Leiche sind von derselben kein« Lichtbilderaufnahmen gemocht worden. Jedoch werden bei der Polizciverwaltung in FriedrichSbagen Klei dungöstücke, die zur Wiedererkennung der Toten dienen können, auf bewahrt. Sachdienliche Angaben nimmt der 3. Kriminalbezirk in Berlin, Zimmer 300 des Königl. Polizeipräfidiums, zu 1144 IV 12. 16. entgegen. Ein großer Dachstuhlbrand rief gestern� abend die Schöneberger Feuerwehr nach der Salzburger Straße. Dort brannte der Dachstuhl des großen Eckhauses an der Apostel-BauluS- straße Nr. 18 in ganzer Ausdehnung. Di« Mieter hatten flucht- artig die Wohnungen in den obersten Geschossen räumen müssen. Mit vier Sehlauchleitungen wurde angegriffen und es gelang nach längerer Löschtätigkeit gegen 9 Uhr das Feuer in die Gewalt zu bekommen. Die Entstehung konnte noch nicht ermittelt werden. Zum Mordprozeß Franzke. Das Reichsgericht hat gestern die Revision, die von den beiden Frauenmörderinnen Johanna U l l m a n n und Anna Sonnenberg gegen das über sie ver- hängte Todesurteil eingelegt worden war, verworfen. Gesperrt. Die Kreuzung Müller« und Sellerstraße im Zuge der Sellerstraße ist wegen Unlergrundbahnaebeiten bis zum 24. Juni für den Fuhrwertsverlehr mit Ausnahme des Straßenbahnverkehrs gesperrt worden.— Auch die Schulzendorfer Straße zwischen der Müller- und der Kunkelstrahe ist wegen Erdarbeiten auf kurze Zeit gesperrt._ f\m öen Gemeinöen. Stadtverordnetenversammlung in Schöneberg. Gleich nach Eintritt in die Tagesordnung gab der Stadt« verordnete Dr. Wangcmann fLib. Frakt.) folgende Erklärung ab: .Die von ihm und einigen Kollegen unterzeichneten Anträge, die bezwecken sollten, ein Versahren für Dörrgemüse zu errichten, sowie anderweile Ausnutzung der Lebensmittelreste und Einführung der Leberpaste, sind in der Lebensmitteldepuiation beraten worden und ist ihm die Ueberzeugung geworden, daß die Anträge nicht aufrecht erhalten werden können und hiermit erledigt sind. ES ist nur zu bedauern, daß der Magistrat sich in Schweigen hüllt und die Beantwortung selbst nicht übernimmt/ Für die Unterstützung der Angehörigen mobiler Mannschaften find seit Ausbruch des Krieges 7 700000 M. bewilligt worden, für Mietunterstützungen 1 437 000 M. Es werden jedoch weitere Mittel erforderlich in Höbe von 3 700000 M. für Unterstützung und 1 400 000 M. für Mietzuschuß, insgesamt über b Millionen Mark. Diese Mittel sollen vorschußweise aus einer zu bewilligenden An« leihe zur Verfügung gestellt werden. Die Versammlung stimmte dem zu. Infolge eingetretenen Mangels an geeigneten männlichen Straßen« reinigern sollen Frauen eingestellt werden, denen ein Stundenlohn von 40 Pf. zugebilligt wird. Genosse Küter erklärte, daß eS unmöglich ist, die einzustellenden weiblichen Arbeitskräfte mit der- artig niedrigen Löhnen abspeisen zu wollen. Es müssen die tarif- liche» Sätze zur Anwendung gelangen und ein Anfangslohn von 2ö M. pro Woche gewährt werden. Da sich an der Debatte niemand weiter beteiligte, so wurde mit 13 gegen 8 Stimmen beschlossen, den weiblichen Arbeitskräften der Straßenreinigung wöchentlich 25 M. Lohn zu gewähren. Nachdem einige Nachbewilligungen beschlossen, fand geheime Sitzung statt. Einführung einer einheitliche« Flcischkarte im Kreise Teltow. Vom 26. Juni 1016 ab wird für sämtliche Gemeinden Groß- Berlins, einschließlich des Gesamtbezirks des Kreises Teltow, eine einheitliche Fleischkarte eingeführt, die nach dem System der Kunden- listen und wöchentlicki veränderlicher Fleischmengen eine umfassende Neuregelung der Fleischverteilung bringt und jedem Einwohner ohne Unterschied de» Alters die gleickie Fleischmenge sichert. Zur Vorbereitung dieser Regelung wird für die Gemeinden des Kreise» mit weniger als 10000 Einwohnern und die Gutsbezirke angeordnet: a) Jeder Fleischer und Fleischverkäufcr. hat sofort Listen auSzu- legen, in die die Kunden unter genauer Angabe der Zahl der Haushaltungsangehörigen mir laufender Nummer einzutragen find. b) Jedem Kunden ist über die erfolgte Eintragung von dem Fleischer oder Fleischverläufer eine Bescheinigung auszustellen. o) ES ist seitens der Gemeinden und Gutsbezirke dafür Sorge zu trage», daß jeder Einwohner in eine Kundenliste einge- tragen wird. ck) Soweit in den einzetnen Gemeinden oder Gutsbezirken kein Fleischer oder Fleischverkäufer vorhanden ist. haben die An- Meldungen zu den Kundenlisten bei Fleischern oder Fleisch- Verkäufern eines Nachbarortes zu erfolgen: doch muß dieser Nachbarort zu dem gleichen Kriegswirtschaftsbezirk gehören, dem der Wohnort des Anmeldenden zugeteilt ist. Heim für Kriegerwitweu und-Waisen in Weißensee. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde be« schlössen, da? Haus Trarbacher Str. 14 in der Zwangsversteigerung anzukaufen, um dort Kriegerwitwen mit großer Kinderzahl gegen einen billigen Mietzins unterzubringen. Für diesen Zweck ist bereits ein Fonds von 20 000 M. vorhanden. Zur Generalversammlung in Wilmersdorf. Vom dortigen Borstand wird uns mitgeteilt, daß die am 14. Juni stattgesundene Generalversammlung mit großer Mehrheit zum Aus» druck brachte, daß das in der Bersammluny vom 1. Mai abgelehnte Amendement, welches eine Wiedervereinigung beider Fraktionen wünschte, nicht nur auS formalen Gründen— da der Antrag nicht mehr rechtzeitig zur Kreisgeneralversammlung eingebracht werden konnte—, sondern aus prinzipiellen Gründen abgelehnt wurde, da die Mehrzahl der Redner der Auffassung war, daß eine Einigung jetzt nicht möglich fei. Gerichtszeltung. Ein Berliner Familiendrama dor de» Potsdamer Gr fchworenen. Vor dem Potsdamer Schwurgericht hatte sich gestern die Kran- kenpflegerin Frau Luise Albrecht aus Berlin, die wegen ver- suchten Mordes an ihren beiden jüngsten Söhnen angeklagt war zu verantworten. Die jetzt 40 Jahre alte AngÜIagte, die seit 1908 von ihrem Mann, einem Musiker, getrennt lebt, verdiente als Krankenpflegerin ihren Lebensunterhalt, und war zuletzt am Luisenheim in der Kleiststraße 4 in Berlin tätig. �Während sich hannisstift zu Spandau erzögen'. Von dort bat sie ihn seinerzeit zu einem Spaziergang nach Potsdam. Nach dem Spaziergan begab sie sich mit lhren Söhnen auf das Zimmer des Felix, ga diesen dann Wein zu trinken, in den sie vorher Beronal und Mor« phium geträufelt hatte. Felix wurde davon betäubt und fand bei seinem Erwachen die Mutter und den Bruder in einer Blutlache liegen. Die Mutter hatte sich und ihren Sohn Herbert inzwischen die Pulsadern geöffnet. Nach längerer Krankenhausbehandlung wurden alle drei Personen wiederhergestellt._ In der gestrigen Verhandlung wurde von einem als Sachverständigen vernomme- nen Arzt betont, daß die Ausführung der Tat seiner Ansicht nach unter Zwangsvorstellungen stattgefunden habe, so daß der Schutz des Z 51 in bezug auf die Tat und den dazugehörigen Gedanken- kreis zugebilligt werden könne. Die Geschworenen ver- neinten daher beide Schuldfragen. Die Angeklagte wurde freigesprochen._ Die Unterschlagungen eines städtischen SteuererheberS beschäftigten gestern das Schwurgericht de» Landgerichts I, welches unter Vorsitz des LandgerichtSratS L e h r S zu einer neuen Tagung zusammengetreten ist. Wegen Amtsv«rbr«chenS und Urkundenfälschung hatte sich der HilfS-Gteuererheber Ernst Goldstaub zu verantworten. Der Angeklagte, ein 27 Jahre alter, lungenkranker Mann, der seit zwei Jahren ver- heiratet ist, war bis zum Ausbruch de» Kriege» alz Kaufmann und Agent tätig. Als dann seine Erwerbsquellen verstopft wurden, be- warb er sich bei dem Berliner Magistrat um Beschäftigung und war zunächst im Kriegsbureau tätig; dann wurde er als HilfS- Steuererheber beschäftigt und am 30. August 1915 als Beämter vereidigt. Er erhielt täglich 4,20 M. Diäten und außerdem 500 M. für das Jahr zur Deckung von Unkosten u. dgl. Schon im August begann er mit Unterschlagungen einkassierter Stcuerbeträge, wie er behauptet infolge eines unaufgeklärten Fehlbetrages, den er durch Steuersummen, die er in das Einnahmebuch nicht eintrug, zu begleichen wußte. Dann folgten Schlag auf Schlag weitere Veruntreuungen: er machte immer ein Loch auf, um ein anderes zuzudecken. Als er davon erfuhr, daß eine Revision bei ihm ab- gehalten werden sollte, hat er versucht, sich mit Hilfe von Urkunden- fälschungen zu retten. Er ging zu 33 Steuerzahlern, die ihm die Steuer bereits entrichtet hatten, und lieh sich unter dem Vorgeben, daß es sich um die Aufklärung eines Rechenfehlers in den Listen handle, deren Quittungen wieder einhändigen; dann veränderte er das Datum der Quittungen durch Rasuren, radierte auch sein Empfangszeichen ans und wollte auf diese Weise den Anschein er- wecken, als ob es sich um noch außenstehende Beträge handelte. Die Sache wurde jedoch entdeckt und Goldstaub verhaftet. Er behauptete, daß er durch den ersten größeren Fehlbetrag auf die schiefe Ebene getrieben worden sei und so nach und nach 5577 M. unterschlagen habe. Anderseits wurde festgestellt, daß der Airgeklagte Hunderte von Mark dazu verwendet hat, um seiner Frau Schmucssachen, Brillantringe, eine Pelzgarnitur zu schenken, auch hat er 1000 M. in Hoppegarten verwettet.-» StaatSanwaltschaftSrat H o f st a e d t beantragte das Schuldig im Sinne der Anklage, der Verteidiger, Justizrat Dr. Paul I v e r s, empfahl den geständigen Angeklagten der Milde des Gerichts.— Goldstaub wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu zwei Fahren Gefängnis und Ehrverlust ans fünf Jahre verurteilt. Bier Monate UntersuchungS« Haft wurden ihm angerechnet._ Unglaubliche Schmutzereien im Molkcreiietriebe hat sich der Melker Josef Züger zuschulden kommen lassen, der gestern wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz vor der Strafkammer des Landgericht? III stand. Der Angeklagte war im Sommer v. I. als Schweizer auf der Domäne Dahlem angestellt und hatte die Bewirtschaftung eine» der Kuhställe unter sich. Nach seinem Vertrag berechnete sich sein Verdienst nach der Menge Milch, die er der Verwaltung ablieferte. Er hatte also ein großes Jnter- esse daran, stets recht viel Milch aus seinem Stall zur Ablieferung u bringen. Um dies zu erreichen, wandte er eme abscheuliche ötreck-Methode an: er setzte der Milch recht ansehnliche Mengen Wasser hinzu, und da es aufgefallen wäre, wenn er sich das Wasser aus dem Kühlraum geholt hätte, so benutzte er dazu das Eimer- wasser, in welchem sowohl er als auch die Melkerinnen sich ihre chmutzigen Hände abgewaschen hatten. Diese Beschuldigungen haben mehrere ihm unterstellt gewesene Personen beschworen. Nicht enug damit: wenn die in dieser unappetitlichen Weise gestreckte Ikilch dann in die Milchtröge gefüllt war, duldete er eS nach dem Zeugnis der Belastungszeugen, daß Hunde und Katzen, die sich im stalle aufhielten, zunächst sich an der Milch gütlich taten. Es war ihm wiederholt nahegelegt worden, das Vtehzeug aus dem Stalle zu entfernen, er hielt die Sache aber für„gar nicht schlimm".— Das Charlottenburger Schöffengericht hatte den An- geklagten ans§ 10 de? Nahrungsmittelgesetzes zu 100 M. Geld- träfe event. 10 Ta�en Gefängnis verurteilt. Hiergegen hatte der Staatsanwalt Berufung eingelegt und auch den Prof. Dr. Jucke- nack als Sachverständigen geladen. Dieser bezeichnete das Ber« ähren des Angeklagten als eine haarsträubende Schwemerei. Die Milch sei nicht nur in ekelerregender Weise verfälscht, sondern eS liege auch eine große Gefahr für die Gesundheit des kaufenden Publikums vor, da die auf diese Weis« in die Milch geratenden Mikroben einen vortrefflichen Nähvboden in dieser vorfinden.— Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis. Da» Gericht hielt die vom Vorderrichter festgesetzte Strafe zwar auch für zu gering,'hob deshalb das erste Urteil auf. verurteilte aber den Angeklagten doch nur zu der recht milden Strafe von echs Wochen Gefängnis und rechnete ihm noch drei Wochen auf die Untersuchungshast als verbüßt an. Mus aller Welt. Wirkungen der Schundliteratur. Im vorigen Monat machte das Bürgermeisteramt Offen» Lurg(Baden) bekannt, daß„eine größere Geldsumme" gefunden wurde und vom Eigentümer abgeholt werden kann. Wie sich jetzt erst herausstellt, handelt es sich bei jenem Funde, der im Stadt- walde von Familienangehörigen städtischer Beamter gemacht wurde und 3333 Mark enthielt, um den ersten, aber mißlungenen räuberischen Versuch, welcher von den Gaunern bei einem zweiten Anlaufe zur Vollendung gebracht wurde. Jene? Geld- paket wurde von der Frau des Textilfabrikdirekwrs Baur in Offenburg, welcher als Major der Infanterie im Felde steht, im Stadtwalde an einer Stelle niedergelegt, welche dieser reichen Dame in einem mit Ermordung drohenden Briefe den Ort bezeichnet wurde, wo sie die rettende Loskauffumme in diskreter Weise depo- nieren müsse. AI» die erste Spende nicht in die Hände der g-- Heimen Erpresser gelangt war, griff die Frau Major auf eine briefliche drohende Mahnung nochmal in den Kassenschrank und hat jetzt durch die waltende Nemesis die Bestätigung, daß der zweite Schatz im Waldesdickicht von den als Briefschre:ber legitimierten Branoschatzern abgeholt wurde. Es wurden am Donnerstag drei 'OffenZurgtt Jünglinge im Aller Eon 15 Jahren in das Gefängnis gesetzt, welche sich in diesen Zeiten der allgemeinen DaseinSnot durch einen üppigen Lebenswandel auffällig gemacht hatten. Sie gaben viel Geld verschwenderisch aus, kauften Fahr- räder, auf denen sie nach dem Kurort Baden-Baden eilten. Die Familien dieser Burschen, deren einer das Gymnasium besucht hatte, sind achtbare, nicht zu den reichen zählende Leute. Einer hatte, mit glänzendem Volksschulzeuanis ausgestattet, die Zu- sage für die Aufnahme in ein staatliches Lehrerseminar erhalten. Von den Offenburger Pädagogen wurde jetzt festgestellt, daß das Räuberkleeblatt zu jenen Schülern gehörte, bei denen die bekannte Schundliteratur der abenteuerlichen Romantik in Mengen vorgefunden worden ist. Es soll der an Frau B. gerichtete Droh- brtef aus einer Räubergeschichte kopiert sein. Allerdings ist an dem Gelingen der Brandschatzung das schwer ver- ständliche Benehmen dieser Frau Majorin mitschuldig, die in Ab- Wesenheit ihres Mannes als Prokuristin der großen Fabrik aufgestellt wurde._ Unwetterkatastrophe in Rumänien. Aus B u k a r e st wird gemeldet: In der nördlichen Moldau wurden durch Stürme, Hagelschlag und Regen große Verheerungen ange- richtet. In I a s s y wurden bei dem Unwetter gegen fünf- zig Personen getötet oder verwundet. Die Saaten sind vollständig vernichtet, die Bahnverbindungen durch Ueber- schweminungen und Dammbrüche unterbunden. Schweres Brandunglück in Liverpool. Im„Jmperial-Hotel" zu Liverpool brach ein Brand aus, der das Gebäude vollständig zerstörte. Sechs Personen kamen dabei uns Leben und elf erlitten zum Teil schwere Berletzungen. parteiveranftaltungen. Treptow-Baumschulenwcg. Donnerstag, den 22. Juni 131«, abends Sst, Uhr, Mitgliederversammlung des WahIvercinS bei Kubat in Treptow, Am Treptower Park öS, Ecke Parkilraße. Tagesordnung: VereinSangelegendeiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Wilmersdorf. Donnerstag, den 22. Juni, findet in der Restauration von Schäfer, Ecke der Brandenburgischen und Mannheimer Straße eine Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung statt:.Bericht von der KreiSgeneralversammIung'�_ Jugenüveranftaltungen. Charlottenburger Slrbeiterjugcndhcim. Sonnabend, den 24 Juni, S onnenwendseier bei Bernau. Koste» 30 Ps. Treffort pünktlich 8 Uhr am Bahnbof Jungsernheide. Friedrichshagen. Heute abend 8>/, Uhr, findet im Jugendheim, Scharnweberstr. 53, ein Vortrag der Gcnoifin sirau Wurm statt über .Zwecke und Ziele der Jugendbewegung-. Die Ellern werden besonders aus diesen Vortrag ausmertsam gemacht und gebeten, zu erscheinen. Sriefkasten üer Redaktion. — tl. P. 2. 1. Sofortige Entlassung bei länger dauernder Krankheit ist unzulässig. Die Ausstellung eines Zeugnisses müssen Sie zunächst vom Arbeitgeber verlangen. 2. Eine Reklamation ist in diesem Falle zwecklos. 3. Ja.— Ch. St». Ein Teil der Invalidenrente wird nicht gezahlt. Die Mutter kann nur Anspruch aus Witwenrente erheben, wenn sie selbst dem Sinne de» Gesetzes nach invalid ist. Antrag ist an da» Verstch-rungSamt Berlin, Klosterstr. 65/67 einzureichen.— Jricda 19X0. Ein begründeter Antrag aus Auszahlung des Sparguthabens ist an das BormundschastSaml der Stadt Berlin, Landsberger Sir. 44/15 unter Angabe der Sparkasse und der Nummer des Sparkassenbuches zu richten. 2. Wenn Ihre Söhne vor ihrer Einberufung nachweislich zu Ihrem Unterhalt beigetragen haben. können Sie unter Einreichung des UnterstützungsscheineS. den Sie von Jbrem Sohn einsordern müssen, bei der zuständigen Steuerkasse Antrag aus Unterstützung stellen. Die Unterstützung beträgt monatlich 15 Marl. tAetterauSfickten kür da« mittlere Norddeutschland dt» DonnerStag mittag. Eln wenig wärmer, viessach heiter, aber noch un- beständig und besonders im östlichen Küstengebiel e wiederholte, meist leichle Regenschauer. Kranken- iinil fiegräbniskasse der Seilensleder und Beruls- genossen zu Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser langjähriges Vorstands- Mitglied, der Schlosser �uxust Dsrnedcte nach schwertm Leiden ver- storben ist. Sein arbeitsfreudige» Wirten für die Interessen der Kasse wer- den ihm bei un! ein dauerndes Andenken bewahren. 284/18 Der Borstand. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» Zentral-FriedhoseS in FriedrichSselde au» statt. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet D. O. Nach längerem Krankenlager verschied am 17. Juni unsere liebe Kollegin �grxsrete Schüler. Durch ihr gerade« Wesen und kollegiales Verhallen hat sich die Verstorbene ein dauernde» An- denken gesichert. DieKolleginneu n»d Kollegen der D. Telephon-Werke Abteilung Striesche. Sie Einäscherung findet am 21. Juni, nachmittag» 6 Uhr, im Krematorium, Baum- schulenweg, statt. Zum 24. Geburtstag. Als Opfer be» Weltkriege» fiel am 2. Juni, durch Granate ge> troffen, unser lieber, Hoffnung». voller Sohn. Bruder. Schwager und Onlel, der Grenadier Msx Buczat 3. Grenadier-Regiment, 2. Komp. Die tiefbetrübten Eltern Ion» Buczat und Frau. Nona Buczat(im Felde) und Frau. Franz Buozot(im Felde), Walter Buczat(im Felde) alS Brüder. Willi Peter(im Felde) und Frau geb. Buczat, Ernst Hahne)(im Felde) und Frau geb. Buczat als Schwäger. IIA Du sankst dahin, wie Rosen finken, Wenn sie in voller Blüte stehn. Schlaf wohl, e» gibt kein Wiederlehn. Iserdandd.Buel'.-nMndruekerel-k Marbeller nnd Arbeiterinnen Deutscblands. Orlsverwaltung Barlin. Am 19. Juni verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied (jertrud Raddatz im Alter von 24 Jabren. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Juni, nach- mittags 3>/, Uhr, aus dem Georgen-Kirchbose in Weißensee, Roelckestraße, statt. 27/12 via Ortsverwaltung. BeutseberHetaUarbeiter-Verbacil Verwaltungsstella Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser August Domedde am 17. Juni an Asthma ge« storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Juni, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- de» ZentralfricdhosS in Friedrichs- selbe aus statt. Reg« Beteiligung erwartet 118/18 Die Ortsverwaltun Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industrie- arbeiter Robert Nittmann von der Firma Rump, Ritter. sttaße 11, am 12. d. Mi«, im Aller von 53 Jahren verstorben ist. Ehr« seinem Andenke«: 65/16 Oje Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die viele« Beweis- herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter Elise Tornow sagen wir allen Teilnehmern, ins- besondere dem Verband der Freien Gast- imd Schankwirte(Zahlstelle Oberschöneweide), dem Gesangverein Liedertasel sowie Herrn Roth sür seine Worte am Grabe der Eni- schlasenen unfern herzlichen Dank. Paul Tornow und Tochter.