Mr. 171.-33. Jahrg. HbonnementS'Bedtngnngen: BbonnemenU■ Prett pränumerando Vierteljährl.».SV WH, DionotL 130 Ml, wöchentlich 30 Pfg. frei mä Haus. Einzelne Nummer b Pfg. Konnlags» ummer mit illustrierter Eonmags» eilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post» bonnemenl: 130 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Leitung-» Vreislisle. Unter Kreuzband zur Deutschland und Oesterreich» Ungarn 230 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Bostabonnements nehmen an Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. kllchtinl lagllch. Berliner Volklsblnkt. ( 5 Pfennig) Die InlerflonS'GebQbr beträgt für die IcchsgesvalteneKolonel- »eile oder deren fllaum SO Pfg., für politische und gswerlichastliche LcreinZ. Und Versammlungs- Anzeigen SO Pfg. Kleine Snreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte lZortef. jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlqfstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 1ö Buch. ltaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunirnor mühen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm-Adresiet .Zozizl-lemdillZl KerliiT. NOl Zcntralorgan der rozialdemokratifcben Parte» Deutfcblands. Redaktion: EW. HS, Lindenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplav, Nr. 1S1 S0— 1S1 S7. vom inneren Zrieden. Ii. Für die Deutschkonservativen äußert sich in der Thimme- schen Werbeschrift für den künftigen inneren Frieden im deutschen Volke der bekannte Abgeordnete Dietrich von Oerzen. Er erklärt gleich an der Spitze seiner Aus» führungen voll Stolz, daß diese Partei in der Lage wäre, »weit weniger eine„Neuorientierung" vor- nehmen zu müssen als alle anderen Parteien, weil die Grundsätze, von denen sie sich von alters her habe tragen lassen,„die geivaltige Generalprobe dieses Weltkrieges so über alles Erwarten glänzend bestanden haben, daß ein Wechsel der Richtung nicht Gewinn, sondern nur Verlust bringen könnte." Gleichwohl— Herr von Oertzen unterscheidet sich zu seinem Vorteil darin von seinem freikonscrvativcn Nachbarn, daß er auf sozialem Gebiete, anknüpfend an die staats- sozialistischen Anschauungen eines Nodbertus, wenigstens einiges Entgegenkommen an die Wünsche der Arbeiter zeigt; freilich, der Pelz darf beim Waschen nicht allzu naß. werden, und den Landarbeitern das Streik- recht zu geben, lehnt Herr von Oertzen entschieden ab. Sein sozialpolitisches Programm erhält auch einen etwas bitteren Beigeschniack, wenn er pathetisch ausruft:„Jetzt also, wenn jemals, ist die Schicksalsstunde da, ein neues Arbeits- recht zu gestalten und die alte unfruchtbare rcvo- lu ti o n är e Arb ei t e rb e w e g un g in eine frucht- bare Reform Partei zu verwandeln." Immerhin mag man anerkennen, daß Herr v. Oertzen das Bemühen zeigt, auf sozialem Gebiete die konservative Partei— wenn auch in ungenügender Weise und mit allerlei Nebenabsichten— zu einem Entgegenkommen gegenüber den Bedürfnissen der Arbeiterschaft zu veranlassen: Ihre Stellungnahme zum „monarchischen Prinzip", zur Religion, zur Agrarpolitik und so vielen anderen soll unangetastet bleiben, und die sittliche Entrüstung, die er verständigerweise gegenüber den kollektivistischen Tendenzen an sich ablehnt, soll sich ungestört weiter entfalten können gegen„Gottlosigkeit und Vaterlands- losigkcit, gegen Nihilismus und Materialismus und gegen die eng damst zusammenhängende Auflehnung wider das bestehende Recht." Neben solchen mannhaften Bekenntnissen zum Nicht- Umlernen dann die Schlauheit des Zentrumsführers Dr. Bachem: Der schlägt, um den Burgfrieden verlängern zu können, nicht mehr und nicht weniger vor, als daß die Parteien ihre„grundsätzlichen Streitfragen" nach dem Kriege vorerst beiseite lassen sollten. Er verlangt freundlicherweise nicht gleich, daß sie ihre Programme aufgeben, aber sie könnten doch„ihre Geltendmachung zurück- stellen", wenigstens„bis die andringenden großen Aufgaben auf wirtschaftlichem, sozialem und finanziellem Gebiete eine befriedigende Lösung gefunden haben". Für wen wüxde die! Lösung dann wohl so befriedigend sein? Sehr hübsch ist vollends, wenn Herr Dr. Bachem im gleichen Atemzug „die strengere Durchführung der staatsbürgerlichen Gleichheit, insbesondere die Beseitigung aller Ausnahmegesetze" für bereits„spruchreif" erklärt und ihre sofortige Erledigung ver- langt. Nicht, daß dagegen sachlich etwas einzuwenden wäre! Aber hier handelt es sich um die speziellen, die. dringendsten Wünsche des Zentrumsprogramms fsolveit man davon sprechen darf); und hier darf von einer„Zurückstellung" nicht die Rede sein; hier muß die Erledigung„alsbald nach dem Kriege" erfolgen. Von einem„Umlernen" zeugt also auch der Erguß des Herrn Dr. Bachem wenig— sowohl was die Taktik als auch die Forderungen anbetrifft. Die liberalen Wortführer ergchen sich— wenn man etwa von Herrn Naumann absieht—, in blühenden Phantasien über eine goldene Zukunft. Besonders der ehemalige Pfarrer Traub sieht schon den Himmel offen.„Der Klassen- kämpf muß zu Grab getragen sein..„Deutsche Wohltätigkeit der Zukunft muß heißen:„Froher, un- parteilicher Sinn für die sittliche Kraft der Steuer- l e i st u n g..."„Die Flotte ruft nach neuem Aufbau. Was der Krieg verschlang an Heerbedarf, wollen wir ihm dreifach ersetzen!"... Man sieht. Herr Traub spart weder mit Erwartungen noch mit Forderungen im Zinne des„neuen" Liberalismus. Und nicht viel anders klingt es bei seinen politischen Freunden. In diesen Chorus mischen sich dann die Stimmen der K ö l b, H e i n e m a n n und ihrer Freunde; nicht, um so phantastische Zukunftsmusik zu machen wie Herr Traub; aber auch nicht, um so schlau wie Herr Dr. Bachem, und noch viel weniger, um so mannhaft wie die Dewitz und Oertzen die Forderungen der Arbeiter anzumelden. Gewiß, auch S ch i p p e l betont, daß die Arbeiter- organisationen, für die er schreibt, sich durch den Krieg noch mehr als zuvor als ivertvolle Institutionen erwiesen hätten, und wünscht, daß die Unternehmer sich mehr und mehr davon überzeugen möchten,„ivelche unvergleichliche Stärlung und Leflügelung alle öffentliche, wirtschaftliche und politische Eni- Wicklung durch die lebendige Teilnahme der breitesten Volks- schicht gewinnt". Und der Genosse Kolb erklärt, der Staat müsse den proletarischen Klasseninteressen„eine wachsende Be- achtung" entgegenbringen, wie die bürgerlichen Parteien ihre künstige Politik neu zu orientieren haben würden,»wenn sie Sonnabend, den Ä4. Juni 1916* nicht Gefahr laufen wollen, daß sie große Teile ihrer bisherigen Wählerschaft verlieren".. Aber solche allgemeinen Wen- düngen— wie sie die bürgerlichen Mitarbeiter mehrfach auch gebrauchen— verklingen in dem Aufwand von Worten, mit dem diese Wortführer der Arbeiterschaft immer wieder der- sichern und nachweisen zu müssen glauben,. daß die Sozial- demokratie dafür auch bereit sein müsse, hinfort ganz anders als bislang„positive" Arbeit zu leisten.,, Viel Neues erfährt man aus ihren Aufsätzen eigentlich nicht. In der Polemik gegen die bisherige Politik der Sozialdemokratie suchen sie augenscheinlich einen Ausgleich für die Sanftmüftgkeit gegenüber.den bürgerlichen Pärtcicn, und so fehlt es hier niaft an Ausfällen und Kraftworten stärkster Art. Genosse Heinemann hält es für. angemessen, eine Erinnerung des„Vorwärts" an den Krupp-Prozeß auf gleiche Linie zu stellen mit der Beschimpfung der Gewerkschaftsführer, die sich die„Arbeitgeberzeitung" auch während des. Krieges nicht verkneifen konnte. Genösse Kolb spricht von dem„Unfug", der bisher mit den Begriffen Klassen- kämpf und Klassenstaat getrieben»vorden sei. Dabei rennt gerade er mit gewaltigem. Aufwand nichts als eine offenstehende Tür ein, wenn co des.. langen und breiten über die„prinzipielle Staatsverncinung" der Sozialdemokratie räsoniert. Die Sozialdemokratie hat den Staat. nie prinzipiell negiert. Sie hat, immer nur diesen Staat bekämpft, in dem sie eine Hcrrschaftsorganisation bestimmter Klassen erblickte. Und wie er selbst ja auch schön zugibt, daß tatsächlich die Bestrebungon der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung in diesem Staate„immer wieder, auf den hartnäckigsten Widerstand der Regierung und der herrschenden Parteien" gestoßen waren, so mag er vollends bei seinem Gesinnungsfreunde Heine nachlesen, was dieser über die Hemmungen schreibt, die Reich und Bundesstaaten „nach Möglichkeit" den segensreichsten Schöpfungen der Arbeiterbewegung bereiteten, so daß�die Sozialdemokratie„mit einer scharf feindlichen Stellung gegen den Staat darauf ant- warten m.üß t e". Selbst pber auch, einmal zugegeben, daß dieser Staat heute nicht mehr„ausschließlich", von der Herr- schenden Klasse bcstimnit werde,'— so kann man noch immer zu anderen Resultaten kommen als Genosse Kolb, der deshalb gleich die„prinzipielle Bejahung" dieses Staates fordert.,.' Das äst nicht der, einzige Kampf gegen Windinühlenflügel. l der hier gekämpft, und nicht die einzige falsche Konsequenz, die gezogen wird. Das von Heine so stark hervorgehobene Interesse der Arbeiter, ihr Land vor einer wirtschaftlichen Niederwerfung zu bewahren, wird auch von der-„anderen" Seite innerhalb der Partei nicht bestritten, braucht aber auch noch nicht zu den Folgerungen zu führen, die er und feine Freunde ziehen. Wenn Hetnemann im besonderen die „englische Gefahr" an die Wand malt zur Begründung der Notwendigkeit grundsätzlicher Wandlung der soztaldemokra- tischen Politik, so ließe sich dagegen erst recht manches sagen. Wohin all die schönen, nur mehr oder weniger anfechtbaren Theorien führen sollen, das wird mit unanfechtbarer Deutlichkeit ausgesprochen.„Die Zeit der starren Prinzipien ist vorbei." ruft Genosse Peus; Schippe! versichert, daß die Arbeiterorganisationen künftig auf keine Konflikte mehr„hinarbeiten" iuürden; Heine- mann erklärt, daß die Theorie vom Klassenkampf „kein ewiges Dogma" sein dürfe und versichert den bürgerlichen Parteien„positive Mitarbeit" bei jedem Punkte der nationalen Verteidigung, be- fonders auch bei dem Bestreben, der, englischen Seeherrschaft ein„gleichwertige Kraft" entgegenzusetzen, um aus eigenen Mitteln die„Freiheit der Meere" behaupten zu können; Wilhelm Kolb endlich unterstreicht nicht nur die Not- wendigkeit, die alte verneinende Haltung ,,in Militärfragen aufzugeben, sondern, will in Zukunft auch Kolonialfragen, Handels-, Zoll- und Agrarpolitik„positiv"— das soll doch wohl„anders als bisher" heißen—.behandelt" wissen. während mit der M o n a r ch i e ein„ m o ä u s vivendi� zu finden wäre. Es sind die„Realpolitiker", die hier sprechen, die aller „Romantik", allen phantastischen„Umwälzungsträumen" den Krieg ansagen. Und doch könnte ihnen schon eine aufmerk- same Lektüre des Buches, an dem sie selbst mitgearbeitet haben, zeigen, welche Utopisten sie mit ihrem Glauben an die Möglichkeit einer„reformistischen Umwälzung unseres politischen und Vcrfassungslebens" fKolb) in Wirklichkeit sind. Der Lauf der Entwicklung wird ihnen noch deutlicher zum Bewußtsein bringen, daß Illusionen gleich den ihrigen die Weltgeschichte nicht machen. « Wir werden immer gerne anerkennen, wo sich ehrliches Bemühen um eine gerechte Würdigung auch des Gegners zeigt;' wir sind die letzten, die es nicht freudig begrüßen würden, wenn die politischen und wirtschaftlichen Auseinander- setzungen in Zukunft weniger als bisher durch persönliche Herabsetzungen, durch Gehässigkeiten und bewußte Entstellungen vergiftet würden. Was immer in diese Richtung zielt, wird von uns unterstützt werden, und wir wissen zu würdigen, was hier auch das Thimmesche Buch an guten Absichten gibt. Aber das kann uns nicht hindern, die klaffenden Gegensätze zu sehen, in die der heutige Aufbau unserer Expeöltion: EW. HS, Linüenstraße 2. Fernsprecher: Amt Morivplad» Rr. IS» 90—151 97. Gesellschaft das Volk zerreißt, und die Kräfte richtig einzuschätzen, die, aus den verschiedenen Interessen und Be- dürfnifsen der einzelnen Schichten herauswachsend, gegenein- anderprallen müssen und zu rücksichtsloser Entscheidung drängen werden. Der„innere Friede des deutschen Volkes" ist nicht Utopie. Aber er wird nicht eher Ver- wirklichung finden können, als bis die heutigen Jnter- essen-Gegensätze ausgelöscht find in einer sozialistischen Wirtschaftsorganisation und in einem Staate, der die volle Demokratie bringt. die griechische Krise. Athen, 22. Juni. fW. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das neue Kabinett wird heute nachmittag beeidigt. Zaimis ist Ministerpräsident und Minister des Aeußeren. Die Gesandten des Bieroer- bandes haben ihren Regierungen empfohlen, die Blockade aufzuheben. Schon nach der Sprache, die die russische, französische und englische Presse in den letzten Tagen gegen Griechenland führte, konnte Man nicht im Zweifel sein, daß die Entente- Diplomatie eine entscheidende Aktion gegen Griechenland vor- bereitete. Den Anstoß hierzu bot das Vordringen der Bul- garen auf griechisches Gebiet, den die griechische Regierung — unter Berufung auf ihre Neutralität— keinen Widerstand entgegensetzte. Die Folge war die— im Ultimatum der Ententemächte angedeutete— Anschuldigung, Griechenland spiele ein mit den Zentralmächten abgekartetes Spiel, dem die Verbündeten nun mit allen Mitteln entgegentreten muß- ten, um gegebenenfalls nicht von den Griechen im Rücken angegriffen zu werden. Die Annahme liegt nahe, daß der �Erfolg der Rüssen in. Wolynien und in der Bukowina die treibende Kraft bei dem jetzigen Vorgehen gegen Griechen- land gewesen ist: nicht umsonst kamen die ersten Nachrichten von Ultimativfordorungen an die griechische Regierung aus Petersburg. Unter diesem Gesichtspunkte gewinnen die Vor- gänge in Griechenland auch strategisch eine größere Bedeu- tung. Für Griechenland selbst, das angesichts der verhängten Blockade und der vor dem Piräus kreuzenden Flotte der Ver- kündeten vor ihrem Ultimatum kapitulierte, hat das Vor- gehen der Entente nun zur Fylge, 1. daß es seine Armee demobilisiert, 2. an die Stelle des Ministeriums Sku- ludis ein neues Ministerium Z a i m is erhält, 3. Neu- Wahlen für die Kammer vornehmen muß und 4. seine Polizeibeamten durch andere ersetzt. Was die Demo- bilisation anbetrifft, so dürfte sie im Volk selbst kaum Unzu- friedcnheit erwecken, da die Last der fortgesetzten Kriegs- bereitschaft drückend auf dem Lande lag. Anders aber ver- hält es sich sicherlich mit den drei anderen, von der Entente aufgezwungenen, Maßnahmen. Genossen Regierung und Kanimer auch keineswegs das ungeteilte Vertrauen des grie- chischen Volkes, so muß doch der brutale Eingriff der Entente in die innere Politik des Landes den ohnehin bestehenden Unwillen des Volkes gegen die Entente verstärken. An dieser Tatsache werden auch die unbedingten Anhänger der Entente unter V e n i z e l o s nicht vorübergehen können, und an ihr dürften auch etwaige Versuche der Venizelisten scheitern, eine verstärkte Propaganda für den Eintritt in den Krieg vorzu- nehmen. Denn darüber kann namentlich jetzt kein Zweifel bestehen: Auch das griechische Volk wünscht den Frieden; es will sich nicht von ehrgeizigen Staatsmännern in den Krieg hineinziehen lassen, um schließlich— was am ehesten anzu- nehmen ist— als Tauschmünze für den gegen- fettigen Ausgleich der großen Mächte- g r u p p e n benutzt zu werden. Vertrauensvotum üer französischen Kammer. Paris, 23. Juni. Die Kammer nahm mit 464 gegen 89 Stimmen eine Tagesordnung an, die der Regie- rung das Vertrauen ausdrückt. Paris, 23. Juni.(W. T. B.) Meldung der Agence HabaS. Nach ihrer siebenten Geheimsitzung hat die Kammer die öffentliche Sitzung wieder aufgenommen. Der Präsident verlas die Tagesordnungen, welche als Be- schluß auf Grund der Geheim sitzung eingebracht worden sind. Ministerpräsident B r i a n d erklärte, die Regierung nehme. nur die von den Fraktionsvorsitzenden unterzeichnete Tagesordnung an, welche allein ihr die zur Fortsetzung ihrer AmtSIätigkeit nötige Autorität geben könne. Die von der Regierung abgelehnte Tagesordnung D u m o n t wurde durch Handerheben verworfen. Die von der Regierung angenommene Tagesordnung der Fraktionsvorsitzenden lautet: Die Kammer als Ausdruck der Souveränität des Volkes erklärt, gemäß ihrer Pflicht entschlossen zu sein, weiter in enger Zusammenarbeit mit der Re- gierung der Landesverteidigung einen an Kraft immer wachsenden Antrieb zu geben. Indem sie sich gewissenhaft eines Ein- griffeS im Entwurf, Leitung und Ausführung militärischer Operationen enthält, beabsichtigt sie darüber zu wachen, daß die Vorbereitung der industriellen und militärischen Ver- teidigungsmittel im Hinblick auf diese Operationen sorgfältig, eifrig lind dorausschauend, wie eS der Heldenhaftiqleit der Soldaten der Republik entspricht, betrieben werde. Sie stellt fest, datz die Geheim« fitzung es ihr ermöglicht, sich wirksam über die allgemeine Führung des Krieges in Kenntnis zu setzen, und behält sich vor, falls es nötig ist, wieder zu derselben Maßregel zu greifen. Sie beschließt, eine direkte Abordnung zu bilden, welche mit dem Beistand der Regierung anOrtund Stelle eine unmittelbare und wirk- same Aufsicht über alle die Betriebe ausüben wird, welche für H e e r e S b e d ü r f n i s s e z u sorgen haben. Sie nimmt Kenntnis von den bisherigen Bemühungen und den von der Regierung übernommenen Verpflichtungen. Sie spricht der Regierung das Vertrauen aus, damit diese auf Grund der Erfahrungen der Vergangenheit fortfahre in Ausübung ihrer Autorität über alle Organe der Landesverteidigung ihre ganze Energie ein« zusetzen, um die Leitung des Krieges zu stärken. Die Kammer verzeichnet mit Genugtuung die durch Frankreich und seine Alliierten dank einer engeren Vereinigung ihrer Anstrengungeu erreichten Ergebnisse. Sie begrüßt voll Bewegung den bewundernswerten Eifer der Armee und der Flotten der Republik und erklärt laut, daß ihr Glaube an den Sieg des Rechtes und der Freiheit der Völker gewachsen sei. Diese VertrauenS-TageSordnung wurde, wie gemeldet, mit vierhundertvierundvierzig gegen achtzig Stimmen angenommen und die Sitzung aufgehoben. Freitag nachmittag soll über die provisorischen Budget-Zwölflel beraten werden._ Der französische Tagesbericht. Paris, 23. Juni.osse find auf militärische Anlagen dieser Stadt geworfen worden. Die Wirksamkeit dieser beiden Bewerfungen hat sestgcstellt werden können. Auf dem Rückwege von Müllheim durch ei» Geschwader von Folkcr-Flugzeugen verfolgt, haben unsere Flugzeuge ein Gefecht gehabt, während dessen ein Fokker abgeschossen wurde; eins unserer Flugzeuge mußte im Laufe des Tages infolge einer Beschädigung landen. Unsere Jagdflugzeuge haben sich gleich- falls tälig gezeigt: Unterleutnant Nungesier schoß sein achtes Flugzeug ab, das bei La Morville in unsere Drahtverhaue fiel. Südlich von Libon» wurde gleichzeitig ein deutsches Flugzeug durch den Sergeanten Chainat mit dem Maschinengewehr beschossen; dieser hat bis heute vier Flugzeuge zur Erde gebracht, Unterleutnant Guynemer neun. Schließlich wurde in der Gegend von Einvill«, nördlich von Lunöville, ein feindliches Flugzeug durch Geschützfeuer herabgeholt. Zwei gestern vormittag nordöstlich von St. Mihiel und bei der Feste Gönicourt abgestürzte deutsche Flugzeuge sind von Unterleutnant Chaput herabgeholt worden, welcher bis heute sechs feindliche Flugzeuge heruntergeholt hat. Belgischer Bericht. Ruhe an der Front der belgischen Armee. die englische Melüung. Loudon, 23. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 2 2. Juni. Nach Sprengung einer außerordentlich großen Mine überschüttete uns der Feind mit Artilleriefeuer und drang morgen» in der Nähe von Givenchy in unsere Gräben ein. Walisische Füsiliere unternahmen sofort einen Gegenangriff und warfen den Feind, der schwere Verluste erlitt, vollständig hinaus. Wir ließen nachtS bei der Hohenzollcrnschanze eine Mine springen und besetzten den Rand des Trichters. Heute herrschte überall Ruhe. IMörnig Des Men MDUtfleis. Amtlich. EropeS Hauptquartier, den 23. Juni 1316.(W. Z. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Oeftlich von Aperu wurde eiu feindlicher Angriffs- versuch vereitelt. Bei deutschen Patrouilleuunteruehoiungeu, so bei Lihons, Lassigny uud bei dem Gehöfte MaisouS de Champagne(nordwestlich von Massiges) wurde» einige Dutzend Gefangeue gemacht und mehrere Maschinen- gewehre erbeutet. Drei französische Angriffe gegen unsere westlich der Feste Vaux genommenen Gräben wurde« abgewiesen. Wir haben hier am 21. Juni 24 Offiziere und über 466 Manu gefangen genommen. Gestern wurden Karlsruhe und Müllheim i. B. sowie Trier durch feiudliche Flieger auge- griffe«. Wir haben eine Reihe von Opfer» auS der bürgerlichen Bevölkerung zu beklagen; nennenswerter militärischer Schaden konnte in jenen Orten nicht au- gerichtet werde» und ist nicht verursacht wordeu. Die Augreifer verloren 4 Flugzeuge. Je eines mußte auf dem Rücksiug bei Niedcr-Lauterbach uud bei Lembach landen; unter de» gefangene» Jnsaffe« befinden sich zwei Engländer. Die anderen beiden Flugzeuge wurde» im Loftkampf erledigt. Dabei holte Leutnant Höhndorf den 6. Gegner herunter. Außerdem wurden gestern feiudliche Flieger in Gegend von Aper», östlich von Hulluch(dieses als b. des Leutnants Mulzer), bei Laucou(südlich von Grandpre), bei Merxheim(östlich von Gebweiler), südwest- lich von Sennheim abgeschoffen, so daß unsere Gegner im ganzen 9 Flugzeuge eingebüßt habe». Unsere Fliegergeschwader habe« die militärischen Au- lagen vo» St. Pol, sowie feindliche Lager und Unterkünfte westlich uud südlich von Berdn» angegriffen. festlicher Kriegsschauplatz. H eereSgruppe des G e» er a lfe ld w a r- s ch a l l S v. H i u d e u b u r g. Lei einem kurzen Vorstoß bei Beresina(östlich von Bogdauow) fiele» 45 Gefangene, 2 Maschinengewehre, 2 Revolverkanoueu in unsere Hand. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold v. Bayer u. Nordöstlich von Osaritschi gegen die Kanalstrllung vorgehende schwächere feindliche Abteilungen wurden blutig abgewiesen. Heeresgruppe deS Generals von Li»« singen. Trotz mehrfacher feindlicher Gegenstöße blieben unsere Angriffe westlich und südlich von Luc! im Fortschreiten. I« der Front vorwärts der Linie Beresteczko-Brody wurden russische Vorstöße glatt abgeschlagen. Vo» der Armee deö Generals Grafen v. Bothmer nichts NeueS. Balkan-Kriegsschauplatz. Keine wesentliche» Ereignisse. Oberste HeereSlcituug. «« » üei iislttMW SenerMMMt. Wie», 23. Juni.(W. T. B.) Amtlich wird v er- lautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Im Czcrcmosztal sind die Russen im Borgehen auf Kuty. Sonst in der Bukowina und in Ostgalizicn keine Aenderung der Lage. Gegen unsere Stellungen südöstlich und nördlich von Rad- ziwillow führte der Feind gestern zahlreiche heftige Angriffe. Er wurde überall abgewiesen. Die unter dem Befehl des Generals ». Lnsingcn kämpfenden Streitkräfte drängten nordöstlich von G o r o'ch o w und östlich von L» k a e z y die Russen weiter zurück. Bei L» k a c z y brachten unsere Truppen über 466 russische Gefangene und 4 russische Maschinengewehre ein. Am Stochod— Styr-Abschnitt scheiterten mehrere starke Gegenangriffe deS Feindes. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern war daS Artilleriefeuer im Nordabschnitt der Hoch- stäche von Toberdo zeitweise sehr heftig. Wiederholte feindliche Jnfantcrieangriffe auf unsere Etel- lungen südöstlich des Mrzli Brh wurden abgewiesen. Im Plöckrn- abschnitte begannen heute früh lebhafte Artillcrickämpfr. An der Dolomitenftont scheiterte ein neuerlicher Angriff der Italiener ans die Croda tcl Bncona. TaS gleiche Schicksal hatten»er- einzelte feindliche Vorstöße ans dem Raum« von Primolan». Im Ortlergebict besetzten nnserr Truppen mehrere Hochgipfrl au der Grenze. Südöstlicher Kriegsschauplatz. An der unteren Bojusa Geplänkel. Lage unverändert. Der Stellvertreter de» CbefS deS Generalstabes von Hoefer, Fcldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. Am 82. abends hat»ine Gruppe von Secstugzeugca feind- liche Stellungen bei Monfalcone erfolgreich mit Bomben belegt. Am 23. früh hatewSeeflugzeuggeschwaderBenedig angegriffen. I» den FortS Nicol», Albrroni, in der GaS- anstatt, besonders aber im Arsenal wurden mit schweren Bomben viele Bolltrcsscr erzielt und starke Bründe hervorgerufen. Die Flugzeuge wurden heftig, aber erfolglos beschossen uud lehrten unversehrt zurück. Flottenkommaado. Der rusilsche Kriegsbericht. Petersburg, 23. Juni.. die volle Ausdehnung der deutschen Verluste in der See- schlachr vor der deutschen Küste anzugeben. Aber die Admiralität habe keinen Grund, ihre am ö. Juni verüffeMlichte Schätzung abzuändern. Im Verlaufe von Anfragen über den V er- lust der.Hampshire' fragte auch Dalziel. ob die Admiralität Nachricht habe, daß ein Schiff, da» die holländische Flagge führte. sich an der Unglücksstelle befand, unmUtelbar, bevor die„Hampshire' dort einlrai, und ob die Admiralität irgend welche BerdachtSgründe heg«, datz diese« ein Minenleger gewesen iei. Mac Namara erwiderte. er habe Angaben dieser Art m den Blättern gesehen. Die irische Zrage. Haag, 23. Juni.(T. II.).N. R.®." meldet au» London: Man glaubt, daß die Spannung, die innerhalb des Kablnetts m« folge der irischen Frage entstanden ist, elwaS weniger scharf ge- worden ist. wenngleich eine Lösung noch nicht erzielt wurde. Man war allgemein durch dl« plötzliche Krisis überrascht. Carson kon- serielle mit den unionistischen Minister». Die unionistische Partei hat die Absicht, eine Abordnung an Bouar Law zu senden und von ihm nähere Sniklärung zu erbitten.„Daily NewS' versichern, daß ASquilh und Lloyd George von Bonar Low unterstützt würden. Kopenhagen, 23. Juni.(T. U.) Die Schwierigleitcn in der Regelung der irischen Frage stehen in England noch immer im Vordergrund de» politischen JnicreffeS.„Daily Expreß' erklärt, daß der Plan Lloyd Georges höchstwahrscheinlich an der dauernden feindlichen Haltung der Iren England gegenüber scheitern würde, sei diese» dock wieder bei den jüngsten blutigen Unruhen in Dublin zum Ausdruck gekommen. Dle unionistischen Miiglieder der Regierung machten geltend, daß dle vorgeschlagene Regelung der irischen Frage in Wirklichkeit gar keine Regelung bedeuten würde und betonen, daß die Iren gegen England unverändert feindlich gesinnt seien. Die englischen Nationalsozialiften. Die Spaltung der Britischen Sozialistischen Partei ist nun voll- ständig. Am 3. Juni hat in London eine vorbereitende Konferenz de» Nationalen Sozialistischen Ratgebcnden Komitees stattgesunden, auf der die neue Partei konstituiert wurde. Nach der Wahl des Versammlungsleiters unterbreitete Genosse I. G. Webster der Ver. sammlung«inen Bericht über die Borgänge seit der Konferenz der British Sonalist Pariy in Manchester, auf der die nationalistische Minderheit ihren Austritt vollzog. Der Bericht wurde gebilligt. Ueber die weiteren Verhandlungen teilt„Justice, jetzt das Organ des nationalistischen Flügels der englischen Sozialisten, fol- gendcs mit: „Eine Resolution, daß die Konferenz nunmehr dazu übergehen möge, eine neue Partei zu bilden, wurde durch Stadtrat A. Whiting vorgelegt und einstimmig angenommen. W. A. Woodroffe unterbreitete, nachdem er eine Anzahl Briefe von Mitgliedern aus der Provinz verlesen hatte, die der neuen Partei Erfolg wünschten, zwei Namensvorschläge, die das Komitee als annehmbar bezeichnet hatte. Nach beträchtlicher Diskussion, an der die Genossen MarSden, L. E. Queich, I. Vurgeß, Samson, B. Killip, W. I. Barwick, I. Hunter Watts, H. M. Hyndman, W. Thocne, dl. I. Terrett, I. I. Dodd, Miß Scatcherd, Geo Bennett und Mrs. Hyndman teilnahmen, wurde schließlich be- schlössen, daß der Name„Nationale Sozialistische Partei' sein sollte. Eine Anzahl Vorschläge, die den Forderungen und Zielen der Partei hinzugefügt werden sollten, wurden diskutiert. Schließlich wurde die Satzung mit gewissen Aenderungen und Hinzufügungen angenommen. H. M. Hyndman brachte folgende Resolution ein, die von L. E. Queich sekundiert und von W. Thorne, dl.?., unterstützt wurde: „Diese Konserenz, die mit Trauer den schweren Verlust an Leben auf den in der Nordsee verlorenen Schiffen sieht, sendet ihre freundlichen Grüße allen Matrosen der Großen Flotte, sowie den französischen Soldaten, die so prachtvoll Monat um Monat die deutschen Angriffe bei Verdun zurückschlagen. Alle Anwesenden verpflichten sich gleicherweise ihr Aeutzerstes für die Sache der Alliierten zu tun, bis die germanischen Mächte vollkommen besiegt und die Unabhängigkeit und Freiheit der Nationen Europa» fest gesichert sind gegen preußische Vorherrschaft.' Die Resolution wurde einstimmig und begeistert angenommen. H. W. Lee und W. A. Woodroffe machten eine Feststellung be- treffend„Justice" und die„Twentieth Century Preß". Die Versammlung, die sich durch starke Begeisterung und Herz- lichkeit auszeichnete, schloß dann mit dem Singen der„Roten Fahne". Die„Rote Fahne" und nationalistische Kriegsbegeisterung— welch ein Kontrast! Der international gesinnte Teil der British Socialist Party, der auf der Ofterkonfcrenz in Manchester in der Mehrheit blieb, war in die peinliche Situation gekommen, kein Organ zu besitzen, da die„Twentieth Century Preß" den mit der British So- cialist Party geschlossenen Kontrakt löste und ihr das Wochenblatt „Justice" entzog. Nunmehr erscheint als offizielle» Organ der Partei„The Call"(Der Ruf), das bisher von dem Mitglied des Exekutivkomitees der B. S. P., Genoffen Fairchild, heraus- gegeben wurde. Das Blatt erscheint von jetzt ab ebenfalls wöchentlich. Ein bedeutsamer Wechsel im„Economift*. Der„Times" zufolge wird das bedeutendste englische Finanz- organ, der Londoner„E c o n o m i st", demnächst seinen Herausgeber wechseln. An die Stelle F. W. Hirsts, der das Blatt seit 9 Jahren leitete, tritt der Nationalökonom Hartleh Wither, der viele Jahre Vörsenredakteur der„Times" war und von Lloyd George an die Spitze des„Financial JnquirieS Branch", eine» wichtigen, neu eingerichteten JnformationSbureau» im Finanz- Ministerium, gestellt wurde. „Svenska Dagbladet", da? diese Nachricht bringt, hält diese Neuerung für sehr beachtenswert. Der„Economist" habe in Hilsts Händen sich im Kriege durch besonders besonnene Haltung ausge- zeichnet. Seine Gerechtigkeit gegenüber Deutschland habe viel Mißstimmung hervorgerufen. Sicher werde nun ein ganz ande- rer Ton vom neuen Redakteur eingeführt werden. Auch die „Frankfurter Zeitung" sieht einen solchen Wechsel in der Haltung des Blattes voraus, das sich, nach ihren Worten, auch während des Krieges angelegen sein ließ«über Deutschland objektiv zu urteilen und der Verhetzung entgegenzuarbeiten". Im Anschluß hieran kommt das Frankfurter Blatt auch auf die von mehreren deutschen Blättern übernommene Nachricht eines Depeschenbureaus aus dem Haag zu sprechen, der«Economist" habe„mit erstaun- sicher Offenherzigkeit, um nicht zu sagen mit zynischer Frechheit, gestanden, daß man rn englischen amtlichen Kreisen heute bereits die französische Provinz PaS-de-Calais als unter eng- lischer Herrschaft stehend ansieht". Hierzu bemerkt die„Frankfurter Zeitung": „Bei der oben gekennzeichneten bisherigen Haltung des Lon- doner Wochenblattes konnte man von vornherein die Glaubwürdig- keit dieser Mitteilung bezweifeln, wie es auch höchst unwahrschein- sich ist, daß„englische amtliche Kreise", falls sie Calais behalten wollen, davon jetzt in den Blättern sprechen. Es handelt sich um eine von der Redaktion des„Economist" veröffentlichte Zuschrift deL in England und auch in Deutschland bekannten Schiffbau- Ingenieurs Lord B r a s s e y über„Friedensfragcn". In den längeren Ausführungen, denen kaum wesentliche Bedeutung beizu- messen ist, kommt der Satz vor:„Offenbar wird kein Friede mög- sich sei», ohne datz Frankreich sein wertvolles Departement PaS-de- Calais wiederbekommt. Ist es möglich, daß Großbritannien in dieser Angelegenheit etwas tut(migbt move), ohne dabei irgend etwas für die Macht und Größe des Reiches Wesentliche» zu ver- lieren?" Der Sinn dieser etwas unklaren Bemerkung dürfte sein, daß England dem Deutschen Reiche für die Herausgabe der von deuffchen Truppen besetzten französischen Landcsteile irgend welche britische Kolonialgebiete, deren Verlust nicht wehtun würde, an- bieten soll! Diesen Vorschlag mag man für sehr naiv halten, wie ja überhaupt die vereinzelten englischen Friedensssimmen in ihrer Bedeutung gewiß nicht überschätzt werden dürfen. Andererseits muß auch deren gänzliche Nichtbeachtung und Ent- stellung zu falschen Urteilen führen." Der letzten Bemerkung kann man sich durchaus anschließen, ohne freilich die Geringschätzung, die die„Frankfurter Zeitung" gegenüber den„vereinzelten englischen Friedensstimmen" zur Schau trägt, zu teilen.(*) Die Internierten in üer Schweiz. Bern. 23. Juni.(W. T. B.)©ei Beratung des Neutralitätsberichtes kam heute in dem Nationalrat auch die Int er- niertenfrage zur Sprache. Von sozialdemokratischer Seite lag ein Antrag vor, der sich gegen die Beschäftigung von fremden Kriegsgefangenen m industriellen und gewerblichen Be- trieben aussprach, im Hinblick auf die lohndrückende Konkurrenz für die einheimische Arbeiterschaft. Sigg.Zürich(Soz.) beantragte ferner, es sei der Bundesrat zu ersuchen, die Verträge mit den in der Schweiz Kriegsgefangene hospitalisierenden Staaten in der Weise abzuändern, daß die Kriegsgefangenen nach Wiederher- stellung ihrer Gesundheit in Kriegsgefangenenlager zurückgeschickt werden, um anderen erholungsbedürftigen Kameraden Platz zu machen. Bundesrat H o f f m a n n, der Chef des politischen De- partementS. gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß von keiner Seite das Werk der Hospitalisierung angefochten worden sei. Für Hospitalisierte müsse aber Beschäftigung gefunden werden, weil diese sowohl die Moral wie die physische Gesundheit der Leute hebe. Gegen eine Ausnützung der Hospitalisierten zu billigen, die Lohnverhältnffse der einheimischen Arbeiterschaft drückenden Löhnen, würde der Bundesrat mit aller Schärfe einschreiten. Die Zahl der voll Arbeitsfähigen sei übrigens sehr beschränkt, so daß die Befürchtungen der Arbeiterschaft nicht gerechtfertigt erscheinen. Zur Vcrmittelung bon Arbeit werden berschiedene Kommissionen gebildet, in denen auch die Arbeiterschaft entsprechend ihren be- rechtigten Interessen an der Lösung der Frage vertreten sein soll. Den hospitalisierten Studierenden soll Gelegenheit gegeben werden, die Universitäten des Lande? zu besuchen. Der Antrag Sigg, ge- heilte Kriegsgefangene wieder in das Lager zurückzusenden, lehnte der Bundesrat ab. In der Abstimmung wurde dieser Antrag Sigg mit allen gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. Bei Besprechung der Militärfragen stellten Graber und fünf andere Soziali st en den Antrag, eS sei der Bundesrat zu beauftragen, die Frage zu prüfen, ob nicht die Truppenbestände des Grenzschutzes zu vermindern seien. Dieser Antrag wurde von dem Bundespräsidenten Decoppet und mehreren bürgerlichen Red- nern bekämpft und mit allen gegen wenige sozialdemokratische Stimmen abgelehnt. Ein Gruß bürgerlicher Irauen über üie Grenzen. In der von Frau Minna Cauer herauSaebenen„Zeitschrift für Frauenstimmrecht" finden wir folgenden„Gruß deutscher Frauen an französische Frauen": „Mit herzlichen Gefühlen warmen DankeS haben deutsche Frauen den Gruß französischer Frauen erhalten und grüßen sie wieder im gleichen Sinne! Wir denken wie ihr! Wir fühlen wie ihr! Wir leiden wie ihr! Gleichen Todesschauer aber, wie ihn dieser Krieg erzeugte, hat die Welt noch nie durchlebt, das empfinden die Frauen aller Na- tionen mit gleicher Stärke und Innerlichkeit, und diese Gleichheit des Empfindens schweißt un» zusammen wie glühende Glut das Eisen zu Stahl, und lehrt uns den heiligen Schwur aussprechen, den wir in dieser schweren Zeit schwören und den unausgesprochen alle verstehen, weil wir gleich denken, fühlen und leiden. Wenn diese Katastrophe einmal vorüber sein wird, dann wird man die Frauen aller Nationen handelnd finden, um die Wieder- holung solcher Zustände für immer unmöglich zu machen. DaS den französischen Frauen zum Gegengruß!"(r) Der Konflikt mit Mexiko. Washington, 23. Juni.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der mexikanische Gesandte erhob bei Lansing Klage darüber, daß General Pershing Casa Grandes besetzt habe und erklärte, dieses Vorgehen bedeute eine offene Feindseligkeit. Washington, 23. Juni.(23. T. 23.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Es sind Anzeichen für einen friedlichen Vergleich mit Mexiko vorhanden. Doch ist Wilson entschlossen, die schärfsten Maßregeln zu ergreifen, wenn die Bemühungen um einen Vergleich scheitern sollten. Amerikanische Kriegsvorbereitungen. London, 22. Juni.(W. T. B.) Die„Times" meldet aus Washington: Die militärischen Vorbereitungen gehen vor- wärts. General Funston fordert sechzigtauscnd Mann Miliz für den Grenzdienst. Kriegsschiffe werden nach der mexi- konischen Küste gesandt und man bespricht die Frage einer Blockade Mexikos. Man fürchtet, daß sie wirtschaftliche Nach- teile hauptsächlich für Kanada haben werde. Washington, 23. Juni.(W. T. B.) Meldung deS Reuter- scheu BurcauS. Das Kriegsdepartcmcnt ordnete an, daß die ersten 5000 Mann M il i z t r u P P e n. die in den mittleren und westlichen Staaten mobilisiert wurden, sofort nach der mexikanischen Grenze geschickt werden. St. Louis, 20. Juni.(Funkspruch vom Vertreter deS W. T. 50.) Hier wird angekündigt, daß ein aus deutschen Ansiedlern von St. Louis gebildetes Regiment sofort für den Dienst anderGrenzevonMexiko aufgeboten werden würde, wenn dies notwendig wäre. Es wird erklärt, daß die Deutschen den Eindruck zu widerlegen wün- schen, daß sie nicht bereit wären, den Vereinigten Staaten zu helfen, sobald ein Ausruf zum Militärdienst erfolgen sollte. Eine Seruhigungs-Erklärung Lanflngs. New Dork, 23. Juni.(W. T. B.) Associated Preß meldet aus Washington: Lansing hat an die d i p l o- matischen Vertreter der Süd- und Zentral» amerikanischen Staaten ein Rundschreiben bezüglich der Vereinigten Staaten und Mexiko erlassen, in welchem er ankündigt, daß, falls Feindseligkeiten eintreten sollten, der Z w e ck der Vereinigten Staaten der sei. sich gegen eine weitere Invasion zu schützen, nicht aber sich in die mexikanischen Angelegenheiten zu mischen. Lette Nachrichten. Genosse Hermann Müller gewählt. Neurode, 23. Juni.(W. T. B.) In der heutigen Reichstagsersatzwahl des Wahlkreises Reichen- b a ch- N e u r o d e ist der sozialdemokratische Kandidat Her- mann Müller aus Berlin- Wilmersdorf mit überwiegen- der Stimmenmehrheit gegen den freikonservativen Kandi- daten Amtsgerichtsrat Krause-Nauenburg gewählt war- den. Fünf Wahlbezirke stehen noch aus, die aber an dem Wahlresultat nichts ändern werden. Eine Anfrage in der„Tubantia"-Angelegenheit. Haag. 23. Juni.(W. T. B.) Der Abgeordnete der Zweiten Kammer Nierstraß hat an den Minister des Aeußcren vier Fragen wegen der„Tubantia"-Angelegenheit gerichtet, nämlich, ob die Regierung urteilt: 1. daß die Verhandlungen mit der deutschen Regierung über den Unfall der„Tubantia" mit der letzten Note dieser Regierung über das Ergebnis der amtlichen deutschen Unter- suchung abgeschlossen seien, 2. daß auch nach der erwähnten Note die Tatsache bestehen bleibt, datz die„Tubantia" nicht durch einen herumtreibenden Torpedo, sondern durch einen Torpedoschutz ver- senkt wurde, 3. daß die Tatsache, die die deutsche Regierung in der erwähnten Note zugibt, jedenfalls die Verantwortlichkeit dieser Ne- gierung für den Unfall und dessen Folgen ergebe und ob die Regie- rung beabsichtige, von der deutschen Regierung die Anerkennung dieser Verantwortlichkeit zu fordern, 4. ist die Regierung bereit, wenn die„Tubantia"-Angelegenheit nicht durch illerhandlungen zu einem für Holland befriedigenden Ausgang gebracht werden kann, der deutschen Regierung vorzuschlagen, daß die Feststellung der tat- sächlichen Ursachen deS Unglücks und der Verantwortlichkeit für das Unglück und für dessen Folgen entweder einer zu diesem Zwecke von beiden Regierungen zu ernennenden internationalen Kommission oder dem permanenten SchiedSge» richtShof im Haag übertragen werde? Gewerkschaftliches. der Verbanöstag üer Schuhmacher über Parteistreit, Kriegsinvalidenfürsorge und Frauenarbeit. In der fortgesetzten Behandlung deS Punktes Krieg und Gewerkschaften ging Redakteur Bock aus die gegen das Fachblatt erhobenen Ein wände ein, die er als unbegründet bezeichnete. Der Vertreter der Generalkommission, Silberschmidt, machte den VermittlungS Vorschlag, die Absätze 4, 6 und 6 der Resolution, die die Haltung der Generalkommission bedauert und unbedingte Neutralität von allen Organen der Gewerkschaften verlangt, zu streichen und dafür den Vorstand zu beauftragen, bei der Generalkommission zu be- antragen, dag die Fernhaltung des Parteistreits von den Gewerb schatten auf die Tagesordnung einer Vorständekonferenz gesetzt wird, die alsbald einzuberufen sei. Es soll dann weiter gesagt werden:„Der Verbandstag erwartet, daß diese Konferenz die geeigneten Maßnahmen ergreift, durch die das Uebergreifen des Parteistreits auf die Gewerkschaften verhindert und damit die Ge fahr der Zersplitterung und Schwächung dieser Organisationen un« möglich wird." Simon erklärte im Schlußworte, es läge ihm nichts daran. einen Mehrheitsbeschlutz herbeizuführen. Er sei überzeugt, datz die vorgelegte Resolution mit großer Mehrheit vom Berbandstag ange vommen würde. Um aber einen einmütigen Beschlutz herbeizuführen. ist Simon bereit, den Absatz 4 seiner Resolution, der die Haltung der Generalkommisston und des„KorrespondenzblatteS" bedauert, zurückzuziehen und dem Absatz ö den von Silberschmidt vorge fchlagenen Zusatz anzufügen. Die so geänderte Resolution wurde dann einstimmig an- genommen. Sie hat nun folgenden Wortlaut: Der Verbandstag des ZsntralverbandeS der Schuhmacher Deutschlands sieht in der Stärke und Geschlossenheit der Eewerk- scbaftsbewegung nicht blotz des eigenen Berufs, fondern auch der aller klassenbewutzten Arbeiter Deutschlands eine wichtige Voraus- setzung für die Ueberwindung der nach dem Kriege die Arbeiter- bewegung bedrohenden wirtschaftlichen und machtpolitischen Ge- fahren. Der Verbandstag betont deshalb, datz niemals mehr als jetzt die Einheit der Gewerkschaftsbewegung ein hohes Gut sei. das zu gefährden oder in Frage zu stellen mit aller Macht und Vorsicht vermieden werden soll. Der Verbandstag verhehlt sich nicht, daß die tiefen Meinungs verschiedenheilen in der politischen Arbeiterbewegung auch auf die Mitglieder unserer und der anderen Gewerkschafts- organisationen, wie auch auf ihre leitenden Männer einwirken mutzten. Aber diese Kämpfe sollen auf dem Boden der politischen Organisation ausgefochten werden. Niemals mehr als jetzt ergab sich die Arbeitsteilung der Arbeiterbewegung und die Einhaltung der Grenzlinien der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung als eine Not- wendigkeit. Die vor dem Krieg stets betonte Neutralität der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung in politischer Beziehung darf heute nicht gering gewertet oder gar beiseite geschoben werden, wo der Streit in der politischen Arbeiterbewegung zerstörend hinüberzugreifen droht auf die gewerkschaftlichen Arbeiter- organisationen. Der Berbandstag des Zentralverbandes der Schuhmacher Deutichlands fordert alle Organe der Gewerkschaften auf. im Rahmen der Gewerkschaftsbewegung unbedingte Neutralität zu halten in dem politischen Streit, der die Arbeiterbewegung zer- klüftet. Er beauftragt daher den Verbandsvorstand, bei der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands zu bean- tragen, datz die Frage„Fernhaltung des Parteistreits von den Zentralverbänden" auf die Tagesordnung der nächsten Vorständekonferenz gesetzt wird, die alsbald einzuberufen ist. Der VerbandStag erwartet, datz diese Konferenz die geeigneten Matz« nahmen ergreift, durch die das Uebergreifen des Parteistreits auf die Gewerkschaften verhindert und damit die Gefahr der Zer- splitterung und Schwächung dieser Organisationen unmöglich wird. Der Verbandstag verlangt von dem Vorstand die Fortsetzung seiner bisherigen neutralen Haltung in allen Streitigkeiten der sozialdemokratischen Partei, um so diesen Streit von unserer Or- ganisation fernzuhalten, um unsere Agitation für die Gewinnung neuer Mitglieder nicht zu erschweren und um zu verhindern, datz Mitglieder unter Berufung auf die Differenzen in der Arbeiter- bewegung ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. * Ueber Die Beschäftigung der Kriegsinvalide» referierte hierauf Sekretär W e i ck e r S. Die Frage der Fürsorge und Beschäftigung der Kriegsinvaliden sei von eminenter Bedeutung. denn die Zahl der Unglücklichen, die mit Krankheiten. Wunden und Verstümmelungen aller Art aus diesem schrecklichen Weltkrieg zurück- lehren, fei heute schon beträchtlich. Bei der Dauer des Krieges steige diese Zahl täglich und es werde daher eine gewaltige Aufgabe sein, diese Frage in einer einigermaßen befriedigenden Weise zu lösen. In erster Linie sei es Ehrenpflicht des Staates, für die fernere Zu- lunft dieser Kriegsinvaliden und Krüppel in ausreichendem Matze zu forgen. Die Hilfe des Staates werde dazu aber nicht aus- reichen, alle Volksgenossen müßten daran tatkräftig mitarbeiten. Wir dürfe» nicht dulden, datz Männer, die für daS Vaterland gekämpft und gelitten haben, mft einem Leierkasten aus- gerüstet oder alS Hausierer oder womöglich als Bettler durchs Land ziehen und auf die Wohltaten ihrer Mitmenschen angewiesen sind (Lebhafte Zustimmung.) Die Fürsorge für die Kriegsinvaliden dar mit Wohltätigkeit nichts zu tun haben, es ist eine Pflicht erfüllung, sie soweit wie möglich wieder herzustellen und ihnen in jeder Weise zu helfen. Soweit dafür Einrichtungen geschaffen sind, sollen wir uns daran beteiligen. Der Redner besprach dann die mit den Fabrikanten getroffenen Vereinbarungen über die Wiedereinstellung von Kriegsteilnehmern und Kriegsbeschädigten in der Schuhindustrie. Nach diesen müssen den Arbeitern bei ihrer Rückkehr soweit möglich ihre alten Stellen offen gehalten werden. Kriegsbeschädigte sollen, soweit sie zur Ausübung ihrer früheren Arbeit befähigt sind, ebenfalls wieder bei ihren früheren Arbeit- gebern beichäfligt werden und bei Wiedereinstellung den Vorzug vor nichtbeschädigten Kriegsteilnehmern erhalten. Von einer Debatte über das Referat wurde Abstand genommen und den Vereinbarungen zugestimmt.— Von der Arbeitgeber- organisation ist die Zustimmung bereits erfolgt. Ueber Die Frauenarbeit in unserem Berufe sprach dann Simon. Er erörterte da? Resultat einer vom Ver- band aufgenommenen statistischen Untersuchung, die zeigt, datz die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in der Schuhindustrie ständig zu- nimmt. Besonders ist der Prozentsatz von den Gesamtbeschäfiglen. den die weiblichen Arbeiter bilden, stark gestiegen. In den von der Statistik erfaßten Fabriken stellen die weiblichen Arbeitskräfte mehr als die Hälfte der Beschäftigten, teilweise sogar bis 80 Proz. Für den Verband ergibt sich die Notwendigkeit, betonte Simon. daß er dieser Verschiebung das grötzte Augenmerk schenkt. Wir müssen verlangen, daß für die Arbeit, die jetzt von Frauen aus geführt wird, die gleichen Löhne bezahlt werden, den die Männer erhalten haben. Am Schluffe seiner Ausführungen unterbreitete der Vortragende einen Antrag, nach dem„die Kollegen Bock und Simon beauftragt werden, im Reichstage dahin zu wirken, datz eine Bundesrats« Verordnung zu erlösten ist, nach welcher die nach Beendigung des Krieges heimkehrenden Krieger, soweit nicht geschäftliche Hindernisse dementgegenstehen, wieder an ihre vor dem Krieg innegehabten Ar- beitsplätze einzustellen sind. Während des Krieges eingestellte Ersatzkräfte sollen, soweit dies möglich, in den betreffenden Betrieben anderweitig beschäftigt werden."— In der Diskussion wurden die Ausführungen Simons wirksam unterstützt. Es wurde besonders betont, datz das Solidaritätsgefühl der weiblichen Arbeitskräfte ge- hoben und sie für die Organisation gewonnen werden müsten. Der Antrag Simon fand einstimmige Annohme. Bei der nun folgenden Statutenberatung wurden wesentliche Aenderungen nicht vorgenommen. Beschlossen wurde. datz für den Fall sich nach dem Krieg die Einberufung eines autzer- ordentlichen Verbandstages nötig macht, die Delegierten dafür neu zu wählen sind. Vorstand, Redatteur Bock und der LuSschutzvorfitzende wurden wiedergewählt. Damit waren die Arbeiten deS Verbandstages beendet. »» » Bemerkung: Vorfitzender Simon bezeichnete die ein- leitende Bemerkung des Berichterstatters im gestrigen Bericht, datz vier Redner der Ansicht der Mehrheit der Reichstagsfraktion und der Generalkommission beistimmten, als n i ch t richtig. Diese Dele- gierten hätten sich nicht rückhaltlos hinter die Generalkommission gestellt.— Der Bericht über die Ausführungen dieser Redner, die die Bemerkung veranlatzten, wurde von keiner Seite beanstandet. Hueland. Lohnbewegungen in Warschau. Bei der Warschauer Straßenbahn(einem privaten Unter- nehmen) brach am 16. Mai dieses Jahres ein Streik aus, der 'eine Ursache in einer Mißstimmung der Angestellten gegen die Geschäftsleitung, daneben auch in den recht ungünstigen Besol- dungs- und Arbeitsbedingungen hatte. Auf Veranlassung des Ge- neralgouvernements, das die bisherige Direktion beseitigte und einen ZwangSverwalt-er der Straßenbahn ernannte, wurde ein Teil der Forderungen der Angestellten auf dem Gebiete der Be- oldung, Beurlaubung und Kündigung erfüllt. Am 2. Juni war »er Streik völlig beendet. Die wenigen während seiner Dauer verhafteten Stratzenbahnangestellten wurden sofort wieder auf 'reien Fuß gesetzt. Eine Arbeitseinstellung, die in den städtischen Wasserwerken— als Sympachiebewegung und gleichfalls in Zu- ämmenhang mit Lohn- und ähnlichen Forderungen— auszu- brechen drohte, konnte durch Vermittlung des Generalgouverne- ments, das auf eine angemessene Erhöhung der Löhne hinwirkte, vermieden werden._ Gewerkschaftliche Internationale. In der„Justice" vom 17. Juni ISIS, dem Organ der britischen sozialdemokratischen Partei, schreibt Queich jun., der auch Redakteur des„Federationist" ist, Organ der General Federation os Trade UnionS:„Trotz deS Krieges und der dadurch hervorgerufenen Schwierigkeiten sind drei von den verschiedenen internationalen Berufssekretariaten neben dem Sekretariat des Internationalen Gewerkschaftsbundes(Sekretär Legten) fleißig mit ihrer Arbeit be- fchäftigt. Die Bulletins der Jnlernalionaken Holzarbeiter-Union, der Internationalen Transportarbeiter-Federation und vom Jnter- nationalen Metallarbeiterbund erscheinen regelmäßig, sind frei von Rassenhaß und Chauvinismus und suchen nachzuweisen, datz daS Herz der Internationale noch gesund ist und kräftig schlägt, im Widerspruch zu der häufigen Ankündigung ihres HinscheidenS." Ms Industrie und Kendel. Wirtschaftlicher Aufschwung m Kauada. Die„Poll Mall Gazette" vom 8. Juni berichtet, datz der Handel in Kanada sich infolge der Kriegslieferungen und der großen Ernte andauernd hebt. Das Geschäft im April erreichte die bemerkens« werte Höhe von 106 585 334 Pfund im Vergleich zu nur 65 221 631 Pfund in dem entsprechenden Zeitraum des Jahres vorher. Eine Zunahme zeigt sich sowohl auf dem Gebiete der Au-fuhr als auch der Einfuhr. Die Einfuhr belief sich auf 56 612 616 Pfund gegen 28 963 756 Pfund im April 1915. Die Ausfuhr stellte sich auf 55 372 726 Pfund im Vergleich zu 36 257 275 Pfund im April des verflossenen JahreS. Japans wirtschaftlicher Aufschwung. Die„Poll Mall Gazette" vom 9. bezeichnet bei Besprechung des wirtschaftlichen Aufschwunges Japan» als charakteristisches Merkmal die Tatsache, datz die Ausfubr im verflossenen Wirtschaftsjahr die Einfuhr um 176 Millionen Den überstiegen hat. Die Einfuhr aus England ist von 123 Millionen Den im Jahre 1913 und 93 Millionen Den im Jahre 1914 auf 58 Millionen Den im Jahre 1915 gefallen. Eine andere vielleicht noch interessantere Erscheinung ist die Neuverteilung des japanischen Handels mit den anderen Ländern seit Kriegsbeginn. Der verminderten Ausfuhr nach Deutschland und Oesterreich steht eine AuSiuhr nach Grotzbrilannien, Frankreich und das europäische Rußland in fünfeinhalbfacher Höhe gegenüber. Die Ausfuhr nach China ging um 21 Millionen Den zurück. während sich die Einfuhr von dort um 27l/z Millionen Den steigerte. Der Wert der Verschiffung nach dem asiatischen Nutz- land ist von 16 Millionen aus 78 Millionen Den gestiegen. Die Einfuhr nach Australien hat sich von 11 Millionen auf 18 Millionen Den gehoben. Australien bat seine Aussuhr nach Japan gleichfalls um 15»Millionen durch Lieferung von Wolle verdoppelt. Als ein weiteres Zeichen für die Erstarkung des japanischen Handels durch den Krieg mutz endlich der Umstand angesehen werden. datz die Einsuhr der Kapkolonien und Argentiniens aus Japan die doppelte Höhe erreicht haben. Soziales. Arbeitsbeschaffung für erwcrbsbcschränkte Tuberkulöse. Tie Parkdeputation der Stadt Eharlottenburg hat im vorigen Jahre einen von der Tuberkuloseheilanstalt als nur beschränkt arbeitsfähig entlassenen Tuberkulosen mit einem Barlohn von 2,52 M. als Parkwächter angestellt und beschlossen, auch fernerhin rir ähnliche Posten nur solche aus einer Tuberkuloseheilanstaft als nur beschränkt arbeitsfähig entlassenen tuberkulösen Arbeiter an- zustellen. In ähnlicher Weise verfahren auch andere Gemeinden; auch der unter dem Porsitz von Freund in Berlin bestehende„»Ver- band märkischer Arbeitsnachweise" hat in den zwei Rechnungs- jähren 1913/14 und 1914/15 von 488 aus Tuberkuloseheilanstalten Entlassenen 162(96 männliche und 6 weibliche) als noch in der Arbeitsfähigkeit beschränkt in solche Stellen untergebracht,-die ihrem Kräftezustande entsprachen, nämlich 41 als Arbeiter, 34 als Haus- diener, 7 als Metallarbeiter, se 2 als Portier, Tischler und Gärtner, die übrigen als Kutscher, Handiverker, Schreiber, ZettelauOteiler usw., meist mit einem Wochenlohn von 26 bis 24 M. Die meisten von ihnen besaßen bei ihrer Entlassung aus der Heilanstalt nach der ärztlichen Bescheinigung nur eine Arbeitsfäbigkeit von 75 Proz. Auch die Versicherungsanstalten haben die Arbeitsvcrmittclung für au» Heilstätten entlassene Versicherte erfolgreich aufgenommen, wie aus den„Monatsblättern für Arbeiterversichcrung" zu ersehen ist. Autzer Eharlottenburg sind auch eine Reihe anderer Gemeinden in diesem Sinne vorgegangen und dies dürfte— wenn man die Tuberkulösen nicht als Lohndrücker benutzt— wohl auch unter den heutigen Verhältnissen eine richtige Lösung der Tuberkulosefür- orge fein._ Ungarische Hinterbliebenenversorgung. Die Budapester„Volkssttmme" veröffentlicht eine Anftage, die ihr vom Gewerkschaftskartell Husum zugegangen ist. Die Anfrage bezieht sich darauf, daß der Vorsitzende dieses Kartells, ein ge. borener Ungar, als Soldat gegen Rußland gefallen ist. Während eine Familie bisher eine monatliche Unterstützung von 66— 62 M. erhalten hatte, bekam sie nun die Mitteilung, daß sie fortan eine Witwenrente von 112 Kronen und für die beiden Waisen je 48 Kronen jährlich erhalten werde. Das macht also ftir die Familie 56 Pf. pro Tag. Da eine reichsdeutsche dreiköpfige Familie täglich 2 M. erhalten würde, erschien die ungarische Familienversorgung dem Gewerkschaftskartell so unwahrscheinlich, daß es in Budapest anfragte. Die..Volksstimme" mutz aber bestätigen, datz tatsächlich nach dem ungarischen Gesetz die Versorgung nicht höher ist. Es dürfte also die Familie der Armenversorgung zur Last fallen und sie kann schlietzlich aus Deutschland nach dem fernen und fremden Ungarn ausgewiesen werden! streireliatötc Gemeinde. Sonntag, den 25. kzuni, vormittags 9 Ufir. Pappelallee 15— 17; Neukölln. Jdealpasiage,„Adeatkasino", und Obertchönc- weide. Klaraitr. 2: Freireligiöle Vorlesung. Vormittags 11 Uhr. Kleine siranksurter Straße k: Vortrag des Herrn Dr. M. Brie:„Wesen und Beschichte der Freimaurerei, kritisch beleuchtet." Allgemeine Familicnfterbckasse. Sonntag, den 25. Juni, Zahl- und Ausnabmctag von 3— 6 Uhr im Restaurant Gettchtstr. 12/13, und Buckower Str. 14. i.-'UMBdei Iuj ütarKsie fiigareu im &11oq Abt«iiunseQ. iw&hlMBdur BMta BUMrlimib Bar AaxBhluBC. Billige Preise!!! KodBll-KoBtüm«, reisend« Aus führ an gern. eai Kaxaru�era, Tuch, Seide, bamt, Schöpfungea erster Meister, Elrsata für neueste W«rkstätten- erbeit(neueste Herbstmodellej 15C.— 120,— 100,- 75.— 52,— Fesehe iiostömo aus Kammgar« und Kräuselstofle LS.— LS.— 22.- 18.— I D.o(cbBa.Ua Gnmalatatol u« laMrrtaalwt* kULntal au Wolla, Popaliaa, Saida, uta&okaada GlooKaoachnitta m blau,('da, Uta, tap, btaua, wmdarbar laicht uud poröa 66,- 53.— 63,— M, w,— Godiagena Gtunaalaa&ctal und Stanbmlatal 24,- 22,- 20.- 18,- 16.- IS* Harranirumiiiiminfcel. prsehtroN aaieeführt iu aNaa Waitau uad Farbau ÖÜ,— 40.— 32.— FelakSpar-(Corerkot) H&ntal. Sportmintal, Sportjackan, besta Stoffe, Giookeniebnitta, auch glatte Pormao 63,— 46.— 36,- 28,- 22,- 18,- I ib.- 24.- an- Lodenmintal 83.— 26,— 20,- Lodenkosturaa 64,— 42,— 33.— Modeil-Böcka,TaSeia.EoUaBS« 56,— 45,— 35,— 25,- :port- Bocka 16.— 12,— S,— 6,- Billi ff e Preiset:: Jleiue Winter-AngtboteU U Ollis:« Ulster, herrlioh« Qualitäten, für die Reise weich«, dick« Stoäe, wondorbare Glocken und rlatto Formen 97- 82,- 68,— 45,- 32,—. 24,- 18— Gedieg, Pelzmäntel, lang a kurz, ecnte Felle, best« Kurs chiur arbeit 800,— 600,— 450,— 300,— 200.— I fraektTolla Plftsolun&atal, kura and lang 140,- 120,— 90.— 68,- Qadiarasa WoUplllschmäntel, aua echtam ilohair 76,- 66.- 55,- 48,- Einxalne kurz# FaUjaokan 60 bis 100 Mark Westmann , Ges�TiSffci Mehrenstr. 37a fKolonnadeny II. Geschäft: Gr. Frank furter Str. 115(nahe An dreasstr). , Zum 'andient : bei"Wind und Wetter Loden-Pelerinen Loden-Anzu�« Loden- Joppen | Loden-Hosen Bozener Mäntel |. Regen-Mäntel fUr Herr en u. 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In den agrarischen Blättern wurde dieser Tage beweg« liche Klage darüber geführt, daß Kriegsgefangene für landwirtschaftliche Arbeiten nicht in hin- reichender Zahl zu erhalten seien, und die„Deutsche Tages- zeituug" ging so weit, in der ihr eigenen Art,„dem dringen- den Wunsche Ausdruck zu geben, daß solche Schwierigkeiten gegebenenfalls durch allgemeine Anordnungen sobald als möglich und so gründlich wie möglich beseitigt werden". Ob und mwiewcit die Bescknvcrden von scitcn der landwirtschaftlickxn Unternehmer begründet sind, entziebt sich zurzeit unserer Beurteilung. Worauf aber in der Presse � reits hingewiesen wurde, ist die seltsame Art der E n t- l o h n u n g der in der Landwirtschaft beschäftigten Kriegs- gefangenen, die in krassem Widerspruch steht zu der Klage des konservativen Abgeordneten Dr. R ö s i ck e im Reichstage, daß die Landwirtschaft infolge übermäßiger Lohnforderungen mit einer„ungeheuren Produktionsvertcuerung" zu rech- nen habe. Sehr interessant ist in dieser Beziehung, was Dr. Paul Michaelis im„Berliner Tageblatt" über die Entlohnung der Kriegsgefangenen in der Landtvirtschaft schreibt: „Die Dinge liegen hier so, daß durch eine gemeinschaftliche Entschließung dcS preußischen L a n d!vi r t s cha f t S- m i n i st e r s und dcS preußischen Kriegs minister? vom td. April dieses Jahres der Landwirt für jeden von ihm beschäftigten Gefangenen und für jeden zur Bewachung abge- ordneten Soldaten einen täglichen VerpflegungSzu- fchußvonkOPf. erhält, während er selbst nur einen Tage- lohn von 20 Pf. für jeden Werktag dem Gefangenen zu zahlen verpflichtet ist. Ter Landwirt erhält also dafür, daß ihm der Staat aus den Gefangenenlagern Arbeitskräfte zur Der- fügung stellt, die ihm nur die Aerpslegung kosten, noch eine Bar- l e i st u n g, die für den Wochentag 20 Pf. und für die Sonn- und Feiertage 20 Pf. ausmacht. Da der Lohn für einen freien Dienstknecht oder Tagelöhner heute drei Mark betragen würde. so ist die bei den Kriegsgefangenen gemachte Ersparnis nicht gering. Wie hoch sich die Auslagen für die Verpflegung der Kriegsgefangenen belaufen, darüber mag man verschiedener Ansicht sein. Aber wenn man berücksichtigt, daß der Landwirt seine Lebensmittel zum größten Teil selbst erzeugt, so wird man diese Unkosten nicht wohl höher als auf 1,20 Mark veran- schlagen können. Berücksichtigt man also den VerpflegungSzu. schuß, so kommt der Gefangene dem landwirtschaftlichen Arbeitgeber täglich auf höchstens ein« Mark zu stehen. Unter diesen Umständen kann man, wenigstens soweit cS sich um Kriegs- gefangene handelt, gewiß nicht von einer„ungeheuren Produk- tionSverteuerung" sprechen." Der Vorteil, den die Landwirtschaft anS diesem System der Entlohnung herausholt, tritt noch deutlicher zutage, wenn man die Lohnverhältnisse vor dem Kriege berücksichtigt, wo der Landwirt seine Erzeugnisse bekanntlich zu weit niedrige- ren Preisen wie jetzt verkaufen mußte. Wie»nS ein Kor- ncspondcnt aus dem Danziger Bezirk mitteilt, erhielt ein russischer Landarbeiter in Friedcnszeiten im Durchschnitt: 1. freie Station— 1 M., 2. Baarlohn— 2 Mk., insgesamt also 3 M. pro Tag. Jetzt jedoch zahlt der Besitzer an jeden der Kriegsgefangenen— von denen viele in Friedenszeitcn in Deutschland gearbeitet haben— 30 Pf. pro Tag Lohn und erhält vom Staat 60 Pf. für die Verpflegung. Selbst wenn man die Verpflegungskosten höher veranschlagt als in Frie- denszeitcn, so muß man den Extragewinn des Landwirts auf mindestens zwei Mark pro Tag und Kriegs- gefangenen berechnen. Hierbei sind noch, wie Dr. P. Michaelis angibt, folgende Fälle zu verzeichnen:„Es ist nichts Uitgelvöhnliches— schreibt er— daß man die La n d st u r m- l e n t e mit Kriegsgefangenen auf ihre eigenen Güter h i n a u s s ch i ck t als Begleitsleute der Gesangs nen. Ein folcher Landsturmmann, der in Friedcnszeiten nur schwer einen Knecht findeir konnte, bat dann die Möglichkeit, mit kräftigen!, meist auch geübtem Personal zu lvirtschaften, bezieht für seine Gefangenen die Ernährungsbeihilfe und für seine eigene Person noch Sold und Vcrpflegungsgeld als militärischer Wachmann. So kommt eins zum an- der n." Dies die Zustände, soweit die Kriegsgefangenen als Arbeitilchiner und die hierbei erzielten Extragcwiune der Arbeitgeber in Betracht kommen. Eine besondere Berück- sichtigung beanspruchen aber noch die Aufwendungen des Staates, die den Landwirten zugute kommen. „Nimmt man an, schreibt Dr. Michaelis in dem zitierten Artikel—„daß drei Viertel Millionen Gefangene in der Land- Wirtschaft beschäftigt sind, so bedeutet der Zuschuß von 60 Pf. auf den Kopf und Tag eine tägliche Ausgabe von 450 000 M., was einer monatlichen Ausgabe von 1214 Millionen und einer jährlichen Ausgabe von 162 Millionen ent- spricht. Nimmt man selbst an, daß die Zahl der Gefangenen etwa» geringer ist und daß die Gefangenen nicht das ganze Jahr in der Landwirtschaft beschäftigt sind, so macht diese G e- fangenenliebesgabe an die deutsch« Landwirt- schaft doch eine sehr beträchtliche Summe aus. Ursprünglich war denn auch die Ernährungsbeihilfe nur für die Winters- zeit bewilligt, in der die Landwirte die Arbeitskraft der von ihnen übernommenen Gefangenen nur in geringerem Maße ausnützen können. Sie konnte für diese Periode als Ersatz einer den Gefangenenlagern abgenommenen Leistung angesehen wer- den. Aber nachdem die Durchführung diese» angenehmen Ge- schenk» auch für die Sommermonate erreicht worden ist, ist die Landwirtschaft durch die Gefangenenarbeit recht günstig gestellt." Diese Darstellung des liberalen Blattes wird sicherlich in der agrarischen Presse als Ausfluß einer besonderen„Ge- hässigkeit" der Landwirtschaft gegenüber gekennzeichnet werden. Wir können hierzu nur sagen, daß die Kritik deS Herrn Michaelis an den geschilderten Zuständen noch außer- ordentlich milde genannt werden muß.(z) politische Ueberflcht. Die Verhandlung gegen Liebknecht. Die Hauptverhandlung gegen den Genossen Abgeordneten Dr. Karl Liebknecht findet am 28. Juni vor den, Köitigl. Koimnandanturgericht in der Lehrter Straße statt,(z) Großadmiral v. Tirpitz an Ballin. Großadmiral v. Tirpitz richtete anläßlich eine? Glück- Wunsches zu der sieghaften Leistung der deutschen Flotte bei Skagcn an Generaldirektor Ballin folgende Botschaft: Auf- richtigsten Dank, mögen für Deutschland und für die daucrilden Interessen unserer großen Schiffahrtslinien Ihre Gedanken sich erfüllen, daß wir an dem nassen Dreieck nicht stehenbleiben._ v. Tirpitz. „Die Einheitsschule— eine landfeindliche Forderung"? Unter diesem bezeichnenden Titel veröffentlicht der„Tag" einen Artikel gegen die Einheitsschule, die mit Recht als eine der auS den KricgScrfahrungcn notwendig sich ergebenden Forderungen allgemein angesehen wird. Was der„Tag" gegen die Einheitsschule einwendet, ist zunächst einmal der Hinweis auf die Schwierigkeiten, die der Einheitsschule auf dem Lande entgegenstehen. Wir sehen gerade darin einen Vorzug der Einheitsschule, daß sie endlich mit dem System der schlechteren Volksbildung auf dem Lande brechen würde. Der Verfasser des Artikels weist weiter darauf hin, daß das Problem der Einheitsschule noch nicht dadurch gelöst wird, daß ein Schulgeld von keiner Bildungsanstalt nichr erhoben wird. Der„Tag" meint, außer dem Schulgeld sei doch noch das Bargeld für die Pension in der Stadt und für den sonstigen„erhöhten Lebensaufwand"(insbesondere Kleidung) aufzubringen. Auch sei zu berücksichtigen, daß die Schulkinder auf dem Lande wirtschaftliche Arbeit verrichten, deren Aus- fall ebenfalls mit mehreren hundert Mark anzusetzen sei. Wir sehen nicht ein, weshalb gerade die Kinder auf dem Lande verpflichtet sein sollen, während ihrer Schulzeit wirtschaftliche Arbeit zu verrichten. Immerhin ist es richtig, daß mit der Einführung der Einheitsschule die Kosten für die Erziehung wesentlich steigen würden. Wir sind aber weiter iiberzeuat, daß die Einheitsschule den Kindern dcS Volkes nicht nur einen persönlichen Gewinn bringen, fondern sich infolge der gesteigerten Leistungen der durch die Einheitsschule gegange- neu Kinder für daS ganze Wirtschaftsleben rentabel er- weifen wird._ Elternsprechstunden. Auf Grund der gulen Erfahrungen, die die höheren Lehr- mistallen durch die Pflege möglichst enger Beziehungen mtt dein Eliernhause gemacht haben, erklärt ein Erlaß de« KulluSmiilisterS an die Provinzialschullollcgien:„Die Erfahrungen legen e« nahe, von neuenr auf die Aufgabe der Direkloren und Lehrer, der Direktorinnen und Lehrerinnen hinzuweisen, sich mit den Eltern in dauernder Perbindung zu halten und kein« Gelegenheit zu ver- säumen, durch Besprechungen mit den Eltern Er- iabrungen über ihre Schüler zu sammeln und sich über deren be- sondere Veranlagung in geistiger und sittlicher Hinsicht zu unterrichten. Die Bestimmung der Dienstanweisungen von 1210 über die regel- mäßigen Sprechstunden hat nicht den Sinn, daß Direktor und Lehrer nur zu dieser Zeit den Eltern die Möglichkeit einer Besprechung bieten, zumal, da e» manche» Vätern wegen ihrer beruflichen Ver- pflichtungen oft unmöglich ist, zu der angegebenen Sprechstunde zu erscheinen. In solchen Fällen müssen der Direktor und die Lehrer sich gern bereit zeigen, durch besondere Verabredung eine Aussprache zu ermöglichen. Unter Umständen wird eS sich auch empfehlen, die Eltern zu einer Besprechung einzuladen oder sie zu diejem Zwecke aufzusuchen. In den regelmäßig mindestens einmal wöchentlich festzusetzenden Sprechstunden muß der Lehrer stet« zu sprechen sein, auch ohne vorherige Anmeldung der Eltern. Für die ganze Schule ist ein Sprechstundenplan aufzuslelle» und den Eltern bekannt zu geben, wie die» bereit» an inanchen Anstalten mit gutem Erfolge geschieht. Für die Ellernsprechstunden ist in der Schule»ach Möglichkeit ein besonderer Raum zur Ver» fügung zu stellen."_ Brenncssel-Sammeln. Dem„Berliner Tagebl." wird mitgeteilt, daß der preußische Minister für Landwirtschaft soeben an sämtliche Landräte eine» Erlaß gerichtet hat. in dein eine sofortige Organisation der Ein- sammlung von Brennesseln angeordnet wird. Der Krieg habe die Einsuhr von Hanf und Baumwolle fast vollständig uitterbunden, eS müßlen daher zur Vermehrung des heimischen SpinnfaservorrateS alle im Jnlande vorhandenen verspinnbaren Pflanzen genutzt werden. Dazu gehöre auch die Brennesiel, deren Faser»ach dein neuen, von einer deutschen Firma rntdecklen Verfahren bearbeitet werden könne._ Die ReichSbeklciduiigSstcllc teilt mit, daß e» ihr bei der Fülle der «inlaufenden«»fragen nicht möglich ist, den einzelnen Interessenten LuSlllnft« über die Anwendung der BundeSratSverordnung vom 10. Juni zu erteilen. Sie bittet daher, sich in fraglichen Fällen an die zuständige amtliche Hand ei«ver- rrrtuiig zu wenden, der da» zur Su«tuusl»erteilung i.ot- wendige Malcrial vorliegt._ Zcntrumsabgeordneter Geisler gestorben. Der LandtagSabgeordnete für Reiche»bach-Neu rode, AmtSvorftehcr Geisler(Zentrum) ist im Alter von 72 Jahren einem Herzschlag erlegen.__ Maßnahmen für Sie Ernährung See Arbeiterschaft. Der Minister de» Innern hat wegen der Lebens- mittelversorgnna der Industriearbeiter folgenden Erlaß an den Oberpräsidenten in Potsdam und an die RegicrungS- Präsidenten gerichtet: Bei den gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Lebensmittel- Versorgung liegt es im dringenden vaterländischen Interesse, daß de» A r b e i r e r n, die entweder in den von der Heeres- und Marine- Verwaltung mit der Herstellung von Kriegsmaterial aller Art oder von AuSrüstuiigsgegenständen betrauten Fabriken oder überhaupt in umfangreichen industriellen Betrieben für die allgemeine Bolls- wirtschasl schwere körperliche Arbeit zu verrichten haben, Lebens- mittel in dem zur Erhaltung ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit und ihrer Arbeitsfreudigkeit notwendigen Um- fang zugeführt werden. Aus den Kreisen der Arbeiterschaft von Berlin und den Nachbargemeinden werde» über die jetzige Orga- nisation der Lebensmittelversorgung namentlich nach zwei Richtungen hin Klagen erhoben. In erster Linie wird bemängelt, daß Arbeiter, die außerhalb ihrer Wohnsitzgemeiiide beschäftigt sind, nicht die Mög- lichkeit haben, während der Arbeitszeit in der Arbeitsgemeinde außer dem etwa mitgebrachten Brot Nahrungsmittel zu genießen, weil verschiedene wichtige Lebensmittelkarten, nainemlich die Fleischkarte, die Fettkarle und die Kartoffelkarte»ur für den Bezirk der Wohnsitzgemeinde Geltung haben und nicht zum Bezüge von Nahrungsmitteln in der Arbeitsgemeinde berechtigen. Demgemäß sind auch die Kantinen der Fabriken nicht in der Lage, den Arbeitern wie in FriedenSzeiten eine Mahlzeit zu verabfolgen. Denn sie können, so lange die Arbeitsgemeinde lediglich für die ortsansässige, niän auch für die in ihrem Bezirk beschäftigte Bevölkerung Lebens» mittel zur Verfügung stellt und den LebenSniitlelkartc» anderer Ge» meinden die Anerkennung versagt, die für die Bereitung von Speisen hauptsächlich in Betracht kommenden öffentlich bewirtschafteten Lebens- mittel nicht beschaffen. In zweiter Linie wird darüber geklagt, daß die Arbeiter in den genannten Betrieben wegen der langen Dauer der Arbeitszeit, soweit es sich um verheiratete Manner handcli, wegen der häusig stattfindenden Miibeschästigung der Frauen in den Fabriken die ihnen nach der Verbrauchsregelung der Gemeinden zustehende Lebens- mittelration tatsächlich nicht zu erlangen vermögen, weil sie außer- stände sind, die von den BeriausSstellen für Lebensmittel sestgesetzlen Abholungszeiten inne zu halten oder vor den Verkaufsstellen lange auf Abfertigung zu warten. In der am gestrigen Tage im Ministerium deS Innern statt- gehabten Besprechung über Maßnahmen zur schleunigen Beieitigung dieser Mißstände in Berlin und den Bororlen wurde der erste Punkl der Beschwerden al» der Abhilfe dringend bedürftig und auch sosort prakiisch lösbar von allen Seite» anerkannt, während der zweile Punkt zunächst dem ArbeilSschuß für Groß-Bcrlin zur Begutachtung überwiesen wurde. Bezüglich deS PunkieS 1 wurde folgendes Borgehen vereinbart: 1. Den mit schwerer körperlicher Arbeit beschäftigten Personen in größeren Fabriken svcrgl. Eingang dieses Erlasses) muß die Mög- lichkeit eröffnet werden, in der Arbeitsgcnieiiide, und zwar in der Kantine der Fabrik, auch wenn sie dort nicht ihren Wohnsitz haben, eine Mahlzeit während der ArbeilSdauer cinzunehine». 2. Zu diesem Zweck werden die im Arbeitsausschuß vertretenen Kommuualverbände des Berliner WirischafiSgebietS iolckcil Fabrik- kanttnen, bei denen mindestens 500 Arbeiter der Fabrik sich für die Hauptmahlzeit angemeldet haben, die zur Beköstigung der körper- lich schwer arbeitenden Personen erforderliche», in öffenilicher Be« wirtschaftnng stehenden Lebensmittel ohne lflücksicht auf die Gemeinde- zugchörigleit liefern. Zur Ausführung, dieser Bestimmungen haben die Fabriklciter der Gemeinde des Fabrikortes und gegebenenfalls dem KreiSauSschuß ohne Verzug Listen zu übersenden, auS denen sich Name und Wohnsitzgemeiiide der zur Kantincnspeisung angemeldeten Arbeiter ergeben. Die Kantinen sind im übrigen den Sp-isewirischaften im Sinne der Verbrauchsregclungcn gleichzustellen; der Arbeitsausschuß kann diese Gleichstellung auch aus Kaminen ausdehnen, bei denen die Anmetdezisser von 500 nicht erreicht wird. 3. Die Kantinen haben den Arbeitern für die Vcrabfolgung der Mahlzeit von den Lebensmittelkarten der Wohnsitz- gemeinde Abschnitte in der von, Arbeitsausschuß zu bestimniendeu Menge abzunehmen und die Abschnitte der Arbeitsgemeinde zu übersenden. Der Arbeitsausschuß wird nähere Grundsätze über den infolge dieser Regelung nötig werdenden Ausgleich der Lebensmittel« Vorräte zwischen den cinzetnen Kommuualverbänden insbesondere zwischen den Gemeinden deS FabrikortcS und deS Wohnsitzes der angemeldeten Arbeiter festlege». 4. Die Einbeziehung der Stadt S p a n d a u in die Regelung wurde namentlich von militärtscher Seile als dringend nolweudig bezeichnet. Euere Exzellenz ersuche ich ergebenst, das Wettere im Sinne dieser Vereinbarungen alsbald in Gemeinschaft mit dein RegierungS- Präsidenten in Potsdam veranlassen und insbesondere auch sür die Einbeziehung der Stadt Spandau in die Regelung in einer mü den beteiligten Kommunalverwaltuiigen noch zu vereinbarenden Form chleunigst Sorge tragen zu wollen. vas tägliche örot. Bcstandöaufuahlne. Der Präsident des KriegSernührungsamtcS von Batocki schreibt: „In den fünf Wochen meiner bisherigen Amtstätigkeit sind mir neben vielen veniünfligen und praklischeu Ansichten und Ratschlägen so viele unbedachte und unverniiiisligo Auffassungeu über die Lebens- initielfragen entgegengetreten, daß ich e» für nützlich halte, der Oeffcnllichkeit meine Ansichten und Absichten fortlaufend in einer Reihe lleiuer Aufsätze zu unterbreite».... Heute will ich meine Meinung über die Frage der Bestands- aufnähme von Lebensmitteln ausspreche». Selbst die mtt großen Erwartungen begrüßte BestandSaufnahine der Fletjchwareu und der FleisÄlouicrvcu tu den Gewerbe- und Handelsbetrieben hat in ganz Deutschland zusamnien nur ganz geruige Menge» ergeben, Ivcil die Konserven seinerzeit zum iveit überwiegenden Teile für HecreSzwccke verbraucht worden find. Ist hiernach auch die Hoffnung, in den PrivalhauShalten durch eine Bestandsaufnahme große Mengen von Nahrungsmitteln für die VollSernährung flüssig zu machen, übertrieben, so hat der Vorstand des KriegScrnährungSanue» trotzdem die Vor- nähme einer solchen Aufuahnie in Stadt und Land beschlosien unter Ausdehnung auf die Vorräte im Besitz der Komi»»»«» und BezirkS-iiikaufSgescllfchaflcn. Die Bestandsaufnahme wird, um sie gründlich vorbereite» zu können, erst in niehrcren Woche» erfolgen tonnen. Sie soll dann später während der Kriegsdauer in an- gcinesseiien Zeiträumen wiederholt werden und damit alle bisher üblichen Eiiizelbestaiidöcrhebungen entbehrlich machen. Ganz geringfügige Mengen der einzelnen Waren müssen, um überflüssiges Schreib- und Rechnungswesen zu vermeiden, von der Aufnahme selbstverständlich frei bleibe». Aber auch darüber hinaus wird nicht daran gedacht, die durch die Aufnahme fest- gestellten Mengen etwa alle fortzunehmen und zu verteilen. Dagegen werden sie bei der bevorstehenden genaueren Verteilung der neue» in den Berkehr gebrachten Borräte angerechnet werden, damit diese Berteiluug gerecht wird. Hat sich also jemand uoch sür mehrere Monate init Vorräten eingedeckt, so ivird er diese ruhig behalten, gleich- viel ob es Flcischware», Zucker oder sonstige Waren sind. Voraus- setzung ist nur, daß keine sinnlose Hamsterei, tvomöglich von ver- dcrblichen Ware» und kein Verdacht vorliegt, daß mehr als für den eigenen Haushalt verständigerlvcise»ölig, zu SpekulalioiiSzwcckcit aufgebäuft ist.... Unverständige Leute haben hier und da erklärt, daß sie, wenn solch eine Bestandsaufnahme statifindct, ihre Vorräte lieber schnell verbrauchen oder womöglich vergraben oder sonst beseitigen würden. Wer wirklich so handeln sollte, wird die Folgen davon zu spüren haben...."_ LandwkrtschaftSkammer für höhere Roggen» und Kartoffelpreise. Di« ostprcußische LandwirtschafiSkammer hat dem preußischen LandwirtschaftSminister Vorschläge über die Preisfestsetzung für Ge- treide aus der neuen Ernte unterbreitet. Nach Meinung der LandwirtschastSlammcr führt die Differenz zwischen den Hafer- und Roggenpreisen zu einer Einschränkung der Roggenanbaufläche zugunsten deS Hafers. Deshalb mühten die Roggen- preise entsprechend erhöht werden. Weiler seien im Verhältnis zu den Hafer- und Roggenpreisen die Kartosfel« preise zu niedrigl Die LandwirtschaslSkamnier macht de» Vorschlag, zehn Zentner von der Kartoffelernte eines jeden Morgens zu einem bestimuiten HochsipreiS. etwa 4,50 Mark, zur Deckung deS Bedarfs der Städte zu beschlagnahmeil und den Rest dem freien Verlehr und zu uubeschräulteu Preise» zu überlasse». Wer dann noch von den Städtern mehr Kartoffeln braucht oder eine besondere Sorte haben wolle. lönue den im freien Handel sich bilden den Preis, der etwa IM. über dem Höchstpreise liegen dürfte, bezahlen. Widerstände in der SZahrungSmiitelbeschassung. Der Neickstagsabgeorduete für Leipzig-Stadt Dr. Junck schreibt dem„Leipz. Tagebl."(AbendauZgabe vom 22. Juni): „Heute ginq bei mir dos Telegramin eines preußischen Kartoffelhändlers ein, worin er mir mitteilt, der R a t der Stadt Leipzig habe einen größeren Posten Frühkartoffeln bei ihm bestellt, die Ernte sei im Gange, Lieferung jetzt möglich, er könne aber n i ch t l i e f e r n. da der Leiter der für ihn zuständigen Provinzial-Kartosfelstelle Wider- stand leiste, er bitte um Unterstützung bei zuständigen Behörden. Ich bin natürlich nicht in der Lage gewesen, die Richtigkeit dieser mir telegraphisch gemachten Angaben nachzuprüfen, habe e- aber für meine Pflicht gehalten, sofort dem Rate der«tadt Leipzig Mitteilung zu machen. Es zeigt sich, mit welchen Schwierigkeiten dort zu kämpfen ist. Außerdem habe ich selbstverständlich da? Kriegs- ernähnrngsamt Berlin auch hiervon in Kenntnis gesetzt." Städtische Unterstützung für �erkelanfzncht. Das sächsische Ministerium hat durch Berordnung vom 2. Juni 1916 darauf hingewieseu, daß die außerordentliche Preissteigerung für Ferkel gegeuwärtig viele kleine Mäster abhält, Schweine zu mästen, und den Koinmunalverbänden deshalb empfohlen, die Auf- stellung von Jungschweinen zur Mast notfalls durch Hergabe von Borschüssen aiizuregeii. Der Rat zu Dresden hat infolgedessen in seiner letzten Sitzung beschlossen, zur Förderung der Schweinezucht und zur Erlangung gemästeter Schweine für die Stadt den FleischversorgungsauSschuß zu ermächtigen, mit kleinen Mästern, auch solchen außerhalb Dresdens. Abkommen auf der Grundlage zu treffen, daß die Stadt bis zu b» Prozent des An- schaffuugswertes der Ferkel vorschußweise gewährt, und daß sich die Mäster verpflichten, mindestens zwei Schweine aufzuziehen, wovon sie eines zu behalten berechtigt sind, die übrigen aber an die Stadt abzuliefern haben, wobei der Vorschuß auf den Kaufpreis verrechnet wird. Der Rat zu Dresden hat nun hierzu die Summe von 400 000 M. zu Lasten der aus der Anleihe für Beschaffung von Fleischdauerwaren bereitgestellten Mittel bewilligt und weiter be- schloffen, daS sächsische Ministerium des Innern zu ersuchen. Maß- nahmen gegen die übermäßige Steigerung der Ferkelpreise zu treffen._ �leischausfuhr nach Wie». Dem„Berl. Tagebl." wird aus Dresden gemeldet: Nach Wiener Meldungen sind dort auS dem Dresdener Kühllager bereits über 500 000 KilogrammGefrierfleisch eingetroffen. ES handelt sich nicht um ein Lager der Stadt Dresden, sondern der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft. Es ist unklar, ob es sich um Heeres liefe- rungen oder um Kompensationslieferungen handelt, da man bei der großen Fleischnot in Deutschland wohl anders die Ausfuhr von mehr als einer halben Million Kilogramm Fleisch nicht erklären kann. Spekulation auf hohe Obstpreis«. Bei der Verpachtung der Hartobst» und Pflaumennutzung an den Kreisstrahen wurden, wie aus Kothen gemeldet wird, ganz außerordentlich hohe Preise erzielt. Für die in Frage kommenden 48 Straßenstrecken wurden insgesamt 18 625 M. gegen 1328 M. im Vorjahre vereinnahmt, also 12 78 7 M. mehr. Eine Steige- rung der Pachten um fast 200 Proz. kann nicht allein auf die in Aussicht stehende gute Obsternte erklärt werden. Es wird vielmehr, wie wir bereits früher betonten, von den Pächtern darauf spe- kuliert, daß das Obst in diesem Jahre die Stelle anderer fehlender Lebensmiticl ersetzen muß und daher starke Nachfrage danach be- steht, die dann hohe Preise nach sich zieht. Wir fordern deshalb nochmals, die matzgebenden Stellen auf, bei den notwendig fest» zusetzenden Höchstpreisen für Obst keine Rücksicht auf die gezahlten außergewöhnlichen Pachtpreise zu nehmen. j�leischverkanf durch die Gemeinde. Tie Gemeinde H o l l e r i ch dei Luxemburg verkaust, wie dem „Berl. Zagebl," gemeldet imeff seit einigen Tagen unter Um- gehung der gewer b�m ätzigen Metzger Fleisch in eigener Regie. Tas Ergebnis ist eine bedeutende Verbilligung der Fleischwaren. Für Geschichte ües Aentralorgans öer Partei. l. In den letzten beiden Nummern der„Neuen Zeit" gibt Ge- n'osie Karl Kautskh eine interessante Darstellung der Geschichte der verschiedenen Zentralorgane unserer Partei im Lause der fünfzig Jahre ihres Bestehens. Wir können leider nicht ausführlicher auf seine Ausführungen, die zur Beurteilung unserer Partcigeschichte wertvolles Motcrial liefern, eingehen und wollen hier nur wieder- geben, was Genosse Kautsty über die Geschichte der Berliner P r e tz k o m m i s s i o n und den gegenwärtigen„V o r w ä r t s"- Konflikt zu sagen hat: Das Werden der Berliner Preßkommisfion. Die Sache wurde nicht vereinfacht dadurch, daß die Berliner Ge- nassen es bald müde wurden, minderen Rechtes zu sein als ihre Kameraden an anderen Orten, und Einfluß auf ihr Organ forderten, dessen ökonomische Träger doch sie allein waren. So ungern der Partcivorstand ihnen nachgab, so sehr er sich sträubte, den lokalen Charakter des Blattes immer mehr betont zu sehen, er konnte sich der Logik der Tatsachen auf die Dauer nicht verschließen. Schon ein Jahr nach dem Hallenser Parteitag, in Erfurt, be- antragtcn die Genossen des ersten Berliner Wahlkreises, der.Vor- wärts" solle in zwei Teile zerlegt werden, einen zentralen, der imter der Kontrolle des Parteivorstcnrdes bleibe, und einen lolalen, der dem Einfluß der Berliner Genossen unterworfen werde. In dieser Form wurde der Antrag von Bebel bekämpft, der dafür folgendes vorschlug: Ter Parteitag erklärt sich damit einverstanden, daß die Ber- liner Genossen eine Kommission von nenn Mit- gliedern wählen, die in Gemeinschaft mit dem Parteivorstand die Kontrolle des lokalen Teiles des„Vorwärts" zu über- nehmen haben. iProtokoll, S. 220.) Der Antrag wurde angenommen und damit die Grundlage zur jetzigen Preßkon, Mission gelegt, allerdings noch in sehr bescheidener Form. Sic genügte ans die Dauer nicht. Die Kommission erweiterte immer mehr ihr Tätigkeitsgebiet, unterstützt von den Berliner Ge- nassen und unter schweigender Zustimmung des Vorstandes. Diesen Zustand zu sanktionieren, wurde der Hamburger Parteitag 1807 auf- gefördert. Fünf Berliner Wahlkreise brachten den Antrag ein: Zur fortlaufenden Kontrolle des Zentralorgans in lokaler und finanzieller Beziehung wählen die Parteigenossen Berlins und der Vororte«ine Preßkommission, welche aus höchstens zwei Mit- gliedern für jeden der beteiligten Reichstagswählkreise bestehen darf. Diese Preßkommission hat bei allen Dingen finanzieller Natur, bei allen Anstellungen in Redaktion und Expedition mit zu ent- scheiden. Ter Parteivorstand konnte sich noch nicht in diese Schmälerung seiner Bofügnisse hineinfinden. Es gelang ihm, sich mit den Berliner Genossen aus folgenden Kompron, ißantrag zu einigen, der dann als § 17a des Organisationsstatuts angenommen wurde: Zur Kontrolle der prinzipiellen und taktischen Haltung des Zentralorgans sowie der Verwaltung desselben wählen die Partei- genossen Berlins und der Vororte eine Preßkommission, welche aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden beteiligen ReichStagSwahlkrciS hestehen darf. Einwände der Preßkommission sind dem Partei- vorstand zur Erwägung zu unterbreiten. Von Anstellungen und Entlassungen im Personal der Redaktion und Expedition ist der Preßkommission vor der Entscheidung Mitteilung zu machen und ihre Ansicht einzuholen. Die Preßkommission blieb also eine bloß beratende und an- regende Körperschaft, Allerdings war jetzt anerkannt, daß sie sich um das gesamte Zentralorgan, nicht bloß um seinen lokalen Teil zu kümmern habe. Doch blieb das eine Halbheit, die nicht befriedigte. Schon nach zwei Jahren, auf dem Kongreß von Hannover 1880, der- langten die Berliner abermals, nicht bloß beratend, sonden, ent- scheidend auf die Angelegenheiten des Zentralorgans, das ihr Lokal- organ ist, einwirken zu können. Adolf H o f f m a n n und Genossen beantragten, den Schluß des Z 17a des Statuts folgendermaßen zu fassen: Die Preßkommission entscheidet in Gemein- schaft mit dem Parteivorstand über alle Ange- legenbeiten des Parteiorgans, insbesondere über Anstellungen und Entlassungen in, Personal der Redaktion und Expedition, lieber etwaige Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Parleivorstand und der'Preßkommission entscheiden die Kontrolleure, der Partei- vorstand und die Preßkommission in der Art zu gleichen Rechten, daß jedes dieser Organe je eine Stimme hat. Der Antrag wurde von Ewald hauptsächlich mit dem Hinweis daraus begründet, daß von den 62 000 Abonnenten, die der„Vor- wärts" damals hatte, 60 000 auf Berlin kämen und nur 2000 nach außen gingen.„Sie werden mir zugeben, daß wir da auch ein ge- wisses lliecht aus Mitwirkung beiui Zentralorgan haben." Diesmal widersprach der Parteivorstand nicht, der Antrag wurde angeiwuimen und damit der Zu st and geschaffen, der im wesentlichen bis heute besteht. Dnsselbe Jahr, in dem der Parteitag von Hannover stattfand, brachte das neue Vereinsgesctz, das sofort zu einer Umwandlung der Parteiorganisation Veranlassung gab. Schon 1900, auf dem Partei- tag in Mainz, wurde eine neue Organisation beschlossen und damit auch die Frage des Verhältnisses der Rechte der Berliner Genossen gegenüber dem Parteivorstand, die aus der Eigenart des lokalen Zen- tralorgans hervorging, wieder aufs Tapet gebracht, jedoch keine Aenderung beantragt. Die beiden Paragraphen 17 und 17a des alten Statuts, die vom Zentralorgan handelten, wurde:, in das neue Statut unverändert hinübergenommen, zusammengefaßt zu dem fj 18. Auer, der Referent über die Organisationsfrage, sagte darüber*): Der vom Zentralorgan handelnde§ 18 ist«ine Verschmelzung der früheren Z§ 17 und 17a. Sachlich ist daran nichts geändert, es ist nur der im vorigen Jahre in Hannover angenommene An- trag in bezng auf die Erweiterung der Berliner Preßkommission berücksichtigt worden. Es ist kein Geheimnis, daß ich persönlich jenem Antrag durchaus abgeneigt war; ich habe von jeher den Standpunkt vertreten: der„Vorwärts" ist Zentralorgan, solange die Berliner damit einverstanden sind. Aber in dem Mo- ment, wo die Berliner dies Opfer der Gesamt- Partei nicht mehr bringen, haben sie das Recht, das Blatt als ihr Lokalblatt zu betrachten. Die politische Bedeutung des„Vorwärts" liegt darin, daß er am Ort des politischen Lebens erscheint, und er wird unter allen Umständen das politisch einflußreichste Blatt der Partei bleiben, gleichviel, ob er Zentralorgan ist oder nicht. Das Recht der Berliner, über ihr Blatt selbständig zu verfügen, habe ich nicht bestritten. Früher war es bei uns Gesetz, daß das Recht den Berlinern nicht zusteht, weil der„Vorwärts" Zentral- organ ist. Daraus sind Differenzen entstanden, einzelne Genossen wollten dem geschriebenen Recht gegenüber ihr Naturrecht geltend inachen. Ich aber als Bnreaukrat stellte mich auf den Boden des geschriebenen Rechtes. In Hannover hat man dann ein Kom- promiß geschaffen, das, wie die meisten Kompromisse, nichts taugt. In der Praxis haben die Berliner jetzt erreicht, was sie wollen/(Protokoll. S. 110, 141.) � 'Auer hielt also den 1899 geschaffenen Zustand für genügend, die selbständige Einwirkung der Berliner auf ihr Orgän zu sichern. Die Berliner selbst meinten jedoch nach Auers eigenem Wort, daß ein Kompromiß nichts taugt, und strebten nacb einer klareren Lösung: der Gedanke kam ans, der„unglücklichen Doppelnatur" des„Vor- wärts" ein Ende zu machen, das Lokalorgan vom Zentralorgan gänzlich loszulösen. Glaubte der Vorstand, noch ein besonderes Zen- tralorgon,«in„Regier, eng? organ" zu brauchen, dann war die Partei reich genug geworden, eine solches zu erhalten. Die Gelegenheit, einen Antrag in diesem Sinne zu stellen, bot der Parteitag zu Jena 1906. der abermals ein neues Organi- sationsstatut zu beraten hatte. In den Entwurf der Kommission war der§ 18, der vom Zentralorgan handelt, unverändert ans dem alten Statut herübergenammen. geteilt in zwei Paragraphen, 28 und 20. Fünf Berliner Wahlkreise beantragten, diese Paragraphen einfach zu st reichen und an deren Stelle zu setzen: Die Bekanntmachungen deS ParteivorstandeS sind den offiziellen Parteiorganen zuzustellen, und diese sind verpflichtet, sie wortgetreu an hervorragender Stelle des redaktionellen Teiles zu veröffentlichen. Damit wollte man den Grund beseitigen, der allein für die Not- wendigkeit eines Zentralorgan? noch festgesetzt war; denn diesem war im Statut keine andere Ausgabe zugewiesen als die Veröffentlichung der offiziellen Kundgäbung der Partei. Nichts hätte rrrefir gehindert, den„Vorwärts" nun zum ausschließlichen Organ der Berliner zu machen. Vertreten wurde der Berliner Antrag von Wels. Er sagte unter anderem: Wir wollen ein eigene? Organ haben, in dem die Meinung der Berliner Genossen ihren unverfälschten Ausdruck findet. In den jüngsten Preßdebatten ist von verschiedenen Seiten betont worden, daß ein Zentralorgan überhaupt nicht notwendig sei. Es kann auch nicht abgestritten werden, daß ein Zentralorgan nicht mehr denselben Einfluß wie vor dreißig Jahren haben kann und seine Existenzfähigkeit nur deshalb findet, weil es Zentralorgan ist. Der Leipziger„Vorwärts" ging zurück, sobald die Berliner und Hamburger Lokalorgane gegründet wurden, und gerade deshalb *1 Neben diesem Passus dürfte heute aus dem Referat noch jener interessieren, der von der Zugehörigkeit zur Partei handelt. Nach dem vorgelegten Entwurf sollte über die Zugehörigkeit zur Partei, wenn sie bei einem Mitglied bestritten sei, der Parteivorstand entscheiden. Dagegen wurde eingewendet, daß dies dem Parteivor» stand zu viele Rechte und die Macht gäbe, eine ihm unbequeme Opposition aus der Partei auszuschließen. Auer verhöhnte diese Warnungen: .„Wir wollen doch nicht hoffen, daß einmal ein so schlechter Vor- stand kommt, daß er diese Bestimmung mißbrauchen könnte. Was wurde nicht alles in Versammlungen und der Presse gesagt! Da hieß eS, der Parteivorstand konnte einmal zunächst zwei seiner Mitglieder ausschließen(er bestand damals aus fünf Personen), dann schließt er aus der Kontrolle alle diejenigen aus, die ihm nicht fügsam sind, dann schließt er alle Delegierten des Parteitags aus, die ihm nicht genehm sind, und dann kommt die Diktatur, der Terrorismus und der Himmel weiß sonst was.... Es gehört die ganze Unkenntnis vom Wesen der Partei dazu, eine solche Möglichkeit überhaupt onzu- nehmen. Wa§ bliebe dann einem solchen Dreiinännerkollegium über- Haupt noch übrig? Ich möchte den Parteitag erleben, den diese drei Männer einberufen; da käme vielleicht Schillers Wort zur Geltung: Nehmet Holz vom Fichtenstamme, doch recht trocken laßt es sein." (Große Heiterkeit.) Auer konnte sich einen Parteivorsta:cd nicht vorstellen, der eines seiner Mitglieder aus seiner Mitte aufschloß oder einem Mitglied der Kontrollkommission die Zugehörigkeit zur Partei ab- erkannte. Indes lehnte er doch einen Vermittlungsverschlag nickt ab, der den Ausschluß aus der Partei' vom Svruch eines Schieds- gerichts abhängig machte. So wurde auch im Parteistatut be- stimmt...„ hat man ja dem jetzigen„Vorwärts" seinen Doppelcharakter als Zentral- und Lokalorgan gegeben. Aber diese Doppelnatur führt eben zu unleidlichen Zuständen.... Kein Geringerer als Wilhelm Liebknecht war es, der 1808 in Stuttgart sagte, daß die Unzuträg- lichkeiten, die aus der„unglücklichen Doppelnatur" des„Vorwärts" hervorgingen, geradezu enorm wären.... In diesen Worten ist die Hauptnrsache unseres Antrags bereits angegeben.... Im gleichen Sinne wie Wels sprach Heinrich Schulz, der unter anderem bemerkte: Wenn die Polemiken durch den von uns unterstützten Berliner Antrag auch nicht beseitigt werden, so werden sie doch vermindert. lieber den„Vorwärts" ist wegen semer Zwitterstcllung auf allen möglichen Parteitagen schon geklagt worden. Wenn der„Vorwärts" ein Organ der Berliner Genossen ist, werden in der Tat die Polemiken cm Schärfe verlieren, denn dann richten sich die Angriffe nur gegen das Berliner Organ, nicht mehr gegen das Zentralorgan, der Gesamtpartei.(S. 101.) Nicht nur auf dem linken, auch aus dem rechten Flügel der Partei fanden sich Befürworter der„Degradiernng" des„Vorwärts" zum bloßen Lokalorgan. Schon auf dem Mainzer Parteitag hatte Südekum in der Debatte über die Parteiorganisation erklärt: Es wird die beste Lösung sein, daß man das Zentralorgan überhaupt ansgibt und den Berlinern ihr Organ einfach überläßt, dann können sie und ihre Preßkommission natürlich auch mit der taktischen und prinzipiellen Haltung des„Vorwärts" zunächst machen, was sie wollen, aber jedenfalls ist ihnen doch nicht eine Art Oberkontrollrccht über die Haltung des Zentralorgans der Partei eingeräumt.(Beifall.)(S. 148.) Doch so radikal wie Südekum dachten nicht alle Genossen. Ter Partei ibr bisheriges Zentralorgan völlig zu nehmen, war ein so schroffer Bruch des Herkommens, daß nur zwingende Not die Mebr- heit dazu hätte drängen können. Ein solcher Notstand existierte nicht, wie Bebel dartat, der sich entschieden gegen den Vorschlag wen- bete. Er führte aus, daß unter den gegebenen Bedingungen der bestehende Zustand ganz zufriedenstellend sei. Zu diesen Bedingungen geborte, daß der Vorstand bei Mo:- nungSvcrschiedenheitcn davon absah, der Redaktion ihre Haltung Vorzuschreiben: Die Mehrheit des Parteivorstandes war(im Gegensatz zu den Berlinern) für die Beteiligung(an den preußischen Land- tagswahlen), der Parteivorstand hat aber niemals den gering- sten Versuch gemacht, die Stellungnahme des„Vorwärts" in dieser Frage zu beeinflussen. Ebensowenig wie in der Agrar- frage. Zu diesen Bedingungen gehörte weiter, daß die Berliner Ge- nassen in der Entscheidung über die Angelegenheiten des„Vorwärts" mit dem Parteivorstand gleichberechtigt seien und in Streit- fällen an die Kontrollkommission appellieren könnten. Diese Regelung bat sich nach der Ansicht des Parteworstan- des und der Kontrollkommission ausgezeichnet bewährt. Die Berliner Genossen haben danach volle Anteilnahme an der Per- waltung des Blattes, an der Zusammensetzung der Redaktion und der Haltung des Blattes. In acht Jahren ist es zweimal zu Differenzen gekommen, die der Kontrollkommission unter- breitet wurden. Das einemal handelte es sich um Anstellung eines Expeditionsbeamten.... Das anderencql um die Er- höhung eines Redaktionsgebalts. Beide Male entschied die Kon- trollkomniission gegen den Parteivorstand. Was die technische Verwaltung des„Vorwärts" anlangt, so ist es mit Ausnahme des Falles, den ich eben angeführt habe, niemals zu Differenzen gekommen. Wir haben hier regelmäßig den Berlinern das Recht des Vorschlags überlassen und diese Vorsckläge einfach akzeptiert, weil wir sagten, daß die Berliner die Verhältnisse in dieser Beziehung am besten kennen._ In bezng auf die Haltung des„Vorwärts" in taktischer und prinzi- picllcr Beziehung kann ich ebenfalls eine volle Harmonie zwischen den Berliner Perteigenossen und dem Barstand konstatieren. tS. 186, 187.) Wenn die Berliner mit dem„Vorwärts" unzufrieden seien, sei das auf Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Redaktion, nicht auf Differenzen zwischen Preßkommission und Parteivorstand zu- rückzuführen. Diese Darlegungen wirkten entscheidend. Es blieb bei den: alten Znstand, und man kann sagen, daß„diese Regelung" sich noch fast ein volle? Jahrzehnt lang„ausgezeichnet bewährt" hat. Da kam der Krieg und legte Breicke in die Bedingungen, unter denen„diese ausgezelchnete Bewährung" möglich geworden war. Mus öer Partei. In eigener Sache. Wir beabsichtigten, in der Donncrstag-Nummer de?..Vorwärts" einen der Korrespondenz Stampfer entstammenden Artikel über: „Tie Bedeutung der Borgänge in Teltow-Beeskow" zu veröffentlichen und im Anschluß daran unsere eigene Auffassung darzulegen. Der Zensor des ParteivorstandeS wollte zwar den Stampser-Artikel zulassen, aber nicht unsere Entgegnung. Ebenso verhinderte er die Aufnahme einer Erklärung des neicgewählten Kreisvorstandes für Teltow-Beeskow. Eine weitere Erklärung des Vorstandes für den Wahlverein Lichterfelde sollte nur nach Vornahme einiger Korrek- turen passieren dürfen. Schließlich verhinderte auch der Zensor des ParteivorstandeS die Aufnahme einer Notiz, in der wir uns gegen die einseitige Stellung- nähme der„Parteikorrespondenz" wandten. In der Begründung, die für diesen wiederholten Eingriff in unsere Rechte gegeben wurde, heißt e? u. a., daß unsere Ausführungen zu dem Stampser-Artikel„geeignet gewesen wären, jene Berliner Oppositionskreise zu fördern, die auf eine Parteizerstörung hin- arbeiten." Weiter werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß es „einen„alten", aber keinen neuen Kreisvorstand für Telww-Bees- kmo gibt". Der sogenannte„alte" Kreisvorstand bestehe noch zu Recht. Das Recht auf eine Kritik der..Parteikorrespondenz" wir) uns wohl zugestanden, loir hätten dann aber auch die Pflicht, unseren Lesern den betreffenden Artikel zur Kenntnis zu bringen. Wir geben den Parteigenossen hiermit Kenntnis von den Vor- gängen, ohne uns in eine Auseinandersetzung mit dem Parteivor- stand über unsere Pflichten einzulassen, Ein Aufruf. Wir werden vom Genossen Adolf Braun um Aufnahme folgenden Aufrufs ersucht: Parteigenossen! Parteigeuossmnea! Die weltgeschichtliche Zeit, die wir durchleben, hat unS auf daS tieffte erschüttert: Die ganze Menschheit, die Weltwirtschaft, alle Teile unseres Volkes, unsere Volkswirtschaft, ja jeden einzelnen von unS. Auch die Beziehungen der Völker, nicht zuletzt die Jnler« nationale der Sozialdemokratie und unsere eigene Partei wurden durch den Krieg in schwere Mitleidenschaft gezogen. Die nahe und ferne Zukunft werden uns lehren, was aus den Ruinen erwachsen wird. Vieles, was uns früher unmöglich sckien, wird sich als möglich erweisen, vieles, was uns leicht möglick schien, kann als undurchführbar erkannt werden. DaS gilt auch für die Sozialdemokratie. Sie w:rd nicht unberührt bleiben von den Wirkungen des Weltkrieges, ob wir es wünschen oder uns dagegen verwahren. Unsere Partei ist aufs tiefste erschüttert; sie hat viel von ihrer inneren Zuversicht eingebüßt, sie war nicht genügend vor- bereitet auf den Wellkrieg und hat ans das härteste unter ihm ge- litten. Streit und Hader zerreißt die Sozialdemokratie; keines ihrer Mitglieder soll sich dabei frei von Fehlern suhlen. Jeder glaubt wohl das Beste für die Partei zu tun, doch nur zu oft wurde gegen anders Denkende und anders Fühlende in der Partei ein Uebermaß von Kraft verschwendet. An Gewalligem sind wir vorübergegangen und an Kleinem haben wir gehaftet. ZlufZ tiefste muß unZ alle betrüken der Zustand der Partei. Wir empfinden als den schwersten Verlust der Arbeiterklasse, daß der Krieg die Partei in ihren Grundvesten erschüttert und� ihren Zu- sammenhang gelockert hat, daß er daS Vertrauen der einzelnen Ge- nossen und Genossinnen zu den anderen Genossen und zu ihrer Ge- ianilheit gemindert, daß er die Macht der Organisation ge- schwächt hal. Je mehr wir an der Partei hängen, je mehr unser Leben und Streben, unser Wollen und Zielen mit der Sozialdemokratie unzer- reißbar verbunden ist. desto mehr erfüllt uns das Slreben, die alte Geschlossenheit der Partei, die Äaineradschaftlichleit im geselligen Verkehr und das Vertrauen zur Partei und zu uns selbst wieder herzustellen. Wir erwarten die llnlersiützung aller Parleigeirosien l imr rechnen mit der Einsicht derer, die nun auszubauen streben und das Werk der Parleizerstvrnng hemmen wollen. Es ist jetzt nicht die Zeit und es gibt dringlichere Aufgaben als die Verantwortlichkeiten sestzustellen. Keine höhere Pflicht und keine größere Ausgabe kennen wir, als die ganze Kraft der Arbeiterbewegnng von neuem zu- sammenzusasjen und sie zusamnienwirken zu lassen, im Interesse des Proletariats. Emsigste Arbeit aller erfordern die Aufgaben, die sich in überreicher Fülle infolge der Erschütterung unseres WirtschaftS- lebens durch den Krieg für die Arbeiterklasse ergeben haben. Niemals war es wichtiger, die Arbeilerorganisalionen, zu deren Aufbau ein halbes Jahrhundert nötig war, fortzusetzen und die zusammengefaßte Macht von mehr als �Millionen Wählern vor einem Auseinanderflicßen zu bewahren, Stärke und Ansehen der Partei zu erhalten und der Sek'.iererei in unseren Reihen keinen Raum zu gewähren. Dabei wird es gelten, festzuhalten an den überkommenen wissenschaftlichen Kenntnissen und politiichen Zielen, die sich im Wirken unserer Partei so glänzend bewährten, ober auch auszunützen, was dieser Krieg die Arbeiterbewegung lehrte und lehren wird. Die Fülle der Aufgaben ist gewaltig, die uns Gegenwart und nahe Zukunft stellt. Alle Kraft, aller Geiste, aller Wille im Prole- tariat muß diesen Ausgaben gewidniet seilt. Deshalb rufen wir auf zu einheitlicher Arbeit, zu geschlossenem Auftreten und festem Zu- sammenwirken überall dort, wo die Interessen des Proletariats es erfordern. Wir wollen nickt in den Vordergrund drängen, was uns hemmt, wollen den guten Willen der Andersdenkenden nicht . anzweifeln, wollen nicht an Auseinandersetzungen über das Ver- gangene die Gelegenheit verpassen, wo es gilt, mit einiger Kraft ein- zugreifen und Gutes zu wirken. Wir rufen deshalb auf zur Einheit, zur Geschlossenheit zum treuen und festen Zusammenwirken. Wir wollen vergessen oder in den Hintergrund drängelt, was uns gelrennt bat. nicht streiten um das, was uns entzweit hat, wir wollen nicht Rechenschaft sordern und den guten Willen der Andersdenkenden nicht in Zweifel ziehen. In Erkenntnis des Ernstes der harten Parteikonflikte sordern wir alle Parteigenossen auf, einig und geschlossen zusammenzustehen. Jeder einzelne und alle zusammen sollen diese Voraussetzungen proletarischer Wirksamkeit herbeiführen. Nur so können wir mit neuen Hoffnungen und gestärkter Zuversicht für den Aufstieg deS Proletariats in die Zukunft blicken. Auf ruhigere Zeiten sei der Streit vertagt über so manches, was als Gegensatz in den Anschauungen nicht gleich beseitigt werden kann. Man trage Rechnung den ungewöhnlichen Verhältnissen dieser Zeit, wo eine Einigung nicht sosort zu erzielen ist. Man stehe um so fester zusanimen, wo ein gemeinsames Auftreten möglich und mit den grundsätzlichen Anschauungen aller vereinbar rst. Man lasse nicht in verbittertein Hader über das Trennende und in völligem Auseinandergehen die vielen und so wichtigen Möglich- keilen auch weiterer gemeinsamer, wertvoller Arbeit aus dem Auge. Die volle Kraft der Partei, die ganze Wucht ihrer Polemik soll nicht im Parteistreite verschwendet werden. Gegen die politischen und wirtschaftlichen Gegner der Arbeiterklasse ist sie anzuwenden. Die Einstellung des Streites in den Zeitungen und Organisa- tionen, wie in den Fraktionen wird auf Grund dieser Erkenntnis nicht all zu schwer sein...Es wird möglich werden, sich über Richt- hnien zu verständigen, die alle hilligen iöuuett, Richtlinien für eine liinstige, geschlossene: erfolgreiche Aktion der Partei im wahrm Jnter- esse des arbeitenden Lölkes.' Reiche jeder Genosse und jede Genossin den anderen die Friedenshand! Wirken wir alle gemeinsam für den Aufstieg der Arbeiterllasje, für die Annäherung an die hohen Ziele, die wir nnS gesetzt haben. � Laudert, A., Weimar. Beyer, Georg, Köln. Braun, Adolf, Zturnberg. D i r s ch e l, Mich., Fürth. E r d m a n n, Dr., August, Köln. Feld m a n n, Franz. Oberlangenbiclau. Haberland, Karl, Elberfeld. Hasenzahl, Ludwig, Erbach. H e i m a n n, Hugo, Berlin. Hierl, Mich., Schwahach. Hirsch, Paul. Charlotten- bürg. Hoffmann, Johannes, Kaiserslautern. Hofmann, Artur, Saalfeld. Hoppe, Martha, Berlin. H u e, Otto, Bochum. Hüb fchv Karl, Berlin. Kleemann, Ernst, Berlin. Kling- ler. Karl, Berlin. Köhler, Karl, Berlin, Kotzke, Franz, Berlin.- Krätzig. Hermann, Berlin. K r e u e r, Hubert, Berlin. Limb er tz, H., Esien. Löbe, Paul, Breslau. Lütt ich, Aug.. Leipzig. M e e r f e l d. I., Köln. M e tz s ch k e. A., Altenburg. N e s p i t a l. Robert, Rostock. N i e b u h r, Otto. Elberfeld. P l o o g, W., Leipzig. Prillwitz, Wilh., Berlin, Raute, Gustav, Eilenburg. R e i ch e I t. Albin. Berlin. Roßhaupter, Albert, Augsburg. S a b a t h, Gustav, Berlin. Sachse, Hermann, Bochum. Schneider, Heinrich, Hannover. Schneider, Joh., Charlottenburg. Schräder, Karl, Berlin. S e g i tz, Martin, Fürth. S o l l m a n n, Wilh., Köln. Spiegel, Karl, Düsseldorf. >starosson. Franz. Rostock. Thiele, Adolf, Halle a. S. Ulrich, Karl, Offenbach. Vogel, Hans, Fürth. W a g e n e r, Paul, Berlin. W e i tz m a n n, A., Freiburg l. B. Wißmann, Georg, Bochum. Wittmaack, Ernst, Magdeburg. Z e h m s, Otto, Berlin. Z e r n i ck c, Emil, Berlin. Tic Wahlmache zu den Borstaudswahle« in Berlin. Genosse Wels legt Wert darauf, daß die folgenden Zeilen un- bcrkürzl zur Kenntnis der Leser kommen: Die„grundsätzliche" Ausklärnng, die seit über einem Jahre unter den Berliner Parteigenossen verbreitet wurde, begann in den letzten Tagen gelegemlich der Wahlen zu den Vorständen der Kreis- vereine ihre Frückle in Vollreife zu zeigen. Vielfach wurde jeder Versuch zur Aussprache durch„Uebergang zur Tagesordnung" von vornherein verhindert. Sie war auch nicht notwendig, denn die Sonderorganisationen der Opposition waren mil ihrer Borarbeit fertig.— Aber die Parteigenosien im Reiche haben ein Interesse daran, zu erfahren, wie diese aussieht. Nachdem im vierten Berliner Wahlkreise, dessen Statut Urwahlen für den Vorstand vorsieht, dies selbstherrlich außer Kraft geietzi und die Konferenz der Kreisfunktionäre den Mitgliedern diese Last stalutarischer Pflichterfüllung und demokratischen Rechts ab- genommen Halle, haben nun auch in den übrigen Kreisen die Vor- standswahlen ihren.programmäßigen" Verlauf genommen. Je nach der dominierenden Oppositionsrichtung nahm man auch schon zu den Wahlen des Verbandsvorstandes von Groß-Berlin und des Mitgliedes� des Parleiausschusses Stellung. Ueber alle Aemter ist eine Verständigung unter den Richtungen der Opposition erfolgt. Nur bei der Wahl zum Parleiausschuß messen sie ihre Kräfte. Hie Rosa Luxemburg, für„Spartacus" I Hie Stadthagen, für Ledebour- Hoffmann! ist die Parole. In den Wahlkreisversammlungen mit gemiichler Opposition wurde dieser Kampf vermieden, hier gab man den Delegierten die Abstimmung frei. Welch eifrige Vorarbeit zu diesen Vorstandswahlen geleistet wurde, welches Maß von Unkenntnis der politischen Dinge man bei den Wählern voraussetzte und dank der demagogischen, monatelangen Verleumdungskampagne der Opposition durch anonyme Schmäh- schristen und Sonderkonventikel. wie der Erfolg zeigt, mit Recht voraussetzen konnte, zeigt folgendes Werbeschreiben der Richtung Ledebour-Hoffmann im 5. Berliner Reichstagswahlkreis, das zur Wahl auffordert und sagt: „Es ist dringende Pflicht jeder Genossin und jedes Genossen, zu dieser'Versammlung zu erscheinen, um durch die Abstimmung zu bekräftigen, welche Politik— ob die der Mehrheit der Fraktion: Bewilligung aller von der Regierung geforderlen Mittel zur Verfolgung ihrer Eroberungspolitik und damit ein Krieg ohne Ende, oder die der Minderheit, das heißt, die der Arbeits« g e m c i n s ch a f t, die auf entgegengeietzlem Standpunkt ihre Politik betreibt und für schnellsten Frieden ohne jede Annexionen und sosortige Aufhebung des Belagerungszustandes— Unterstützung finden soll. Wer auf feiten der Minderheit steht, dem empfehlen wir die Wahl der von der Opposition im Kreise vorgeschlagenen Ge- nossen, welche in unterstehender Liste aufgeführt sind. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. I. A.: Die Freunde der Opposition im Kreise." Es folgt dem die Vorschlagsliste der Opposition. Wo im ganzen Deulichcn Reiche, unter der Aufklärung welchen Parteiblattcs, wäre es möglich gewesen, in einer so durch und durch unwahren Weise die Politik der Mehrheit und der Minderheit zu stigmatisieren I Nur in Berlin konnte man es noch am 20. Juni 1916 wagen, von der„Bewilligung aller von der Regierung geforderten Mittel" zu reden, nachdem am 8. Juni, unter scheuster Kritik der von der Regierung geinachten Deckungsvorlage der Reichsetat von der soziatvemokratüchen Reichstogsfraklion abgelehnt worden ist. Wie ist eS noch»mögtich, daß die Behauptung Gläubige sucht und findet, die Mehrheit unterstütze eine„Eroberungspolitik und einen Krieg ohne Ende"? Jeder Leser der objektiv linterrichtenden Partei- presse weiß, daß das nnwahr ist, daß ein Blick in die Verhandlungen des Reichstages das Gegenteil beweist. Wo ist der Parteiorl, wo man die Behauptung aufstellen darf, ohne sofort der Lüge überführt zu werden, daß die Politik der Mehr- heil i n d e r A b s i ch t des„Gegensatzes zu einem schnellen Frieden ohne Annexionen" geführt wird, und wem könnte man einreden, daß der Gegensatz zwischen Mehrheit und Minderheit darin besteht, daß „die Minderheit die sofortige Aufhebung des Belagerungszustandes verlangt". Welche Fraktion hat denn im Reichstage die dahingehen- den Anträge zuerst gestellt, wenn nicht die sozialdemokratische Reichs- lagSfraklion! Es ist beschämend, das Urteil der Genossen so getrübt zu sehen, daß derart Handgretfliche Unwahrhettcn geglaubt werden und ihren Zweck erfüllen. Es zeigt aber auch den Grad der Verhetzung, der erreicht ist und die Schwierigkeiten, die einer ruhigen Beobachtung und der �ckaffung gesunder Zustände im Wege stehen. Zu dieser„geistigen Vorarbeit" liefert die„praktische" Werbe- arbeit für die Kandidaten der Opposition bei der Urwahl im zweiten Berliner Wahlkreis ein paffendes Gegenstück. Hatte man nicht das genügende Vertrauen zur Werbekraft des Kandidaten oder hegte man Zweifel an der Intelligenz der Wähler?— Jedenfalls machte man ihnen das Mahl der Opposition zu einem Kinderbrei, der„mit dem Löffel zu essen ist", um den„bewährten Kandidaten der Opposition" ja jede Stimme zu sichern. Der folgende Agitationszettel zeigt, wie man hier„iiiformiert", mit die richtige Streichung zu erzielen. 1. Vors. J&cobcmsXl' 2.". Lohse l.SohrLftf. BadJlaskl, RjuaSwiaa: 2.• ftstts, Gtlickner 1.5*33. 2. 0 Sozyllaekl Revisoren.) Neallng, Höhn. Moses, TttaUtAaa Beisitzer; ifurm, Sohrade fresskora: Krllger, Sch&f er,«»?»» Loks Ikon: Satexcss Aesmamn Sohlodsgerkoo: Ewald., Sind o Je€ Revisor v. Gr. Bln. Jaoobowpkl tzohad«« Dabei passierte es einem der Oppositionsagitatocen, daß er sich in seiner Sorge, die Partei vor Schaden zu bewahren, auch an den Genossen Rautmann wandte, der mit. seiner Frau zm Wahl kam und ihn dringlichst ermahnte, die Leute'wie Schröder, Maut- mann usw. zu streichen. Auf die Frage, ob er ihn. Rautmann, denn nicht kenne, antwortete er mir„Nein". Daraufhin erfolgte dann die notwendige Vorstellung. Es ist sehr charakteristisch für die Verhältniffe in Berlin, daß Personen jetzt so rührig in Parteirettung tätig sind, die wie hier, einen Mann nicht kennen, der vierzehn Jahre hintereinander als erster Schriftführer, vorher als Vorsitzender und Kreisvertrauensmann, also seit zwanzig und mehr Jahren, in jeder Versammlung des Wahlvereins am Vorstandstisch, jedem Ge- nossen sichtbar, im Dienste der Partei stand, und ihm die Be- lehrung widmen, daß eS die höchste Zeit sei, daß er sich„absäge". Aus den Organisationen. Die Generalversammlung für den Wahlkreis Würzburg beschloß einstimmig folgende Resolution: „Die Generalversammlung für den Wahlkreis Würzburg erklärt, daß ihr die Einheit der Partei als das für sie Zwecke der gesamten Arbeiterbewegung Notwendigste erscheint, und verspricht, mit allen Kräften für sie zu wirken. Gleichzeitig erklärt sie aber, daß sie die gru n d sä tz kicke Geschlossenheit und den K a m p s ck a r a k t e r der Partei für ein ebenso hohes Gut dält, wie die organisatoriscke Einheil der Partei. Nur in diesem Sinne stimmt die Generalversammlung der aus der Landeskonferenz in Nürnberg gefaßten Resolution zu." Berichtigung. In unserem Bericht über die Generalversammlung des dritten Wahtkreises sind einige Namen irrtümlicherweise falsch wiedergegeben Als 2. Vorsitzender wurde nicht Genoffe Pschirkow, sondern Genosse Tsckickert gewählt. In die Zeitungskommission wurde nicht Frau Mittag, sondern Genoffe Mittag gewählt. Weiter ging aus der Wahl für die ZeiluiigSkommlssioll als viertes Mitglied auch der Genoffe S i m o n s o h n hervor. Weiter wurde als Revisor für Groß-Berlin an Stelle des Genossen Alexander Fröhlich der Genosse Borchardt vorgeschlagen. Jugendbewegung. Tie Entmündigung der jungen Arbeiterschaft. Die Handelskammer Rotlweit hat eiiien Schritt unternommen, der für die Arbeiterschaft eine große Gefahr bedeutet, und der die Gewerkschaften zum Protest Heraussordern sollte. Die Handels- kammer hat der Zentralstelle für Handel und Gewerbe folgenden Borschlag unterbreitet: „An den Jndustrieplätzen find.Lohnstellen für Minderjährige" als Gemeindeemrichtung zu schaffen oder an eine geeignete Ge- meindebehörde(Arbeitsamt, Ortspolizei, Gemeindcsparkasse oder dergleichen) anzugliedern, an welche alle von(männlichen und weiblichen) Minderjährigen bis zum Alter von 19 Jahren ver- dienten Löhne durch die Arbeitgeber abgeführt werden und von dort abzuholen sind. Die Gemeindebehörde(Gemeinderat oder ein besonderer Ausschuß) bestimmt aus Grund ihrer Beurteilung der periön- licken und Familienverhältnisse des einzelnen minderjährigen Lohnarbeiters seine Einreihung in die verschiedenen Listen der Lohnstelle für die Ausbezahlung bezw. Anlage des verdienten Lohnes: Liste A. Ganzer Lohn an das Minderjährige. Liste B. OrtS- lohn an das Minderjährige, Ueberschuß a) an die Eltern oder Vormünder, d) an eine öffentliche Sparlasse. Liste C. Ortslohn an die Eltern oder Vormünder, Ueberschuß an das Minderjährige. Liste v. Ganzer Lohn an die Eltern oder Bormünder. Liste B. Kost- und Unterhaltungsentschädignng an Kost- und Unterhalt- reicher(event. Taschengeld: an das'Minderjährige), Rest an vffent- liche Sparkasse. Es sind nähere Bestimmungen zu ireffen über Ermächtigung zur Erhebung der Löhne' bei der Lohnstelle, des Zinses und der Rücklagen bei der Sparkasse, über Zeitabschnitt und Zeitpunkt der Abführung der Löhne durch die Arbeitgeber an die Lohnstelle und Abholung der Löhne bei dieser, sowie über die Ueber- Weisung nicht oder nicht rechtzeitig erhobener Löhne an die Spar- kasse. Nach diesem Vorschlage brauckt also der Unternehmer den Lohn nickt mehr an den einzetnen Arbeiter auszuzahlen, sondern kann den Lohn seiner sämlltchen Arbeiter einer Stelle übersenden, die den Lohnbetrag auf die Sparkasse, die Eltern und Jugendlichen verteilt. Der Unternehmer spart also viel Zeit und Geld— aber auf Kosten der Arbeiter, für die die Abholung des Lohnes von der Lohnstelle einen großen Zeitverlust und einen Auswand an Kraft dedeutet, was einer Verlängerung unbezahlter Arbeitszeit gleichziitverten ist. Einer solchen Zumutung sollten die Gewerkschaften energisch entgegentreten. Den hier' neuerdings empfohlenen Svarzwang für junge Arbeiter und Arbeiterinnen können wir kriliktos übergehen, nachdem die mit ihm gemacktcii Erfahrungen binlänglick bewiesen haben, daß er nickt nur für die von ihm betroffenen Arbeiler, sondern auch im all- gemeinen mehr schadet als nützt. Gerichtszeitung. Die Ungültigkeit der Versa», mlungsverordnung de§ Ober- kommandos vom 8. November 1915 ist gestern(Freitag) auch vom Kammergericht ausgesprochen worden. Die Versamm- lungsverordnung des Oberkommandos m den Marken vom 8. Noveniber 1915, die am 19. März 1916 durch eine andere ersetzt wurde, hatte bekanntlich unter Androhung„von Geld- strafen bis zu 100 Mark", eventuell Haft, die Bestimmung ge- troffen, daß auch Mitgliederversanimlungen politischer Vereine anzumelden seien. Wegen Uebertretung jener Vorschrift war Genosse Redakteur Leid als Vorsitzender des sozialdemo- kratischen Wahlvereins im 6. Berliner Reichstagswahlkreise mit einem Strafbefehl über 10 Mark bedacht worden: Das Schöffengericht und das Landgericht sprachen dann Leid nach dem Antrage seines Arilvalts Hugo Haasc frei, indem sie in Uebereinstimmnng mit dem Anwalt die Verordnung vom 8. November 1915 für ungültig erachteten. Die Gründe gingen im wesentlichen dahin: Der Inhalt der Verordnung lasse erkennen, daß sie auf Grund des§ 9b des Belagerutigsgesetzes im Interesse der öffentlichen Sicherheit ergangen sei. Dann hätte sie nur die im§ 9b vorgesehenen Strafen androhen dürfen. Mit der Androhung von Geldstrafen bis zu 100 M. verstoße sie da- gegen. Deshalb sei die ganze Verordnung ungültig. Sie würde aber auch ungültig sein, wenn sie aus Grund des ß 4 des Belagerungsgcsetzes ergangen wäre, wonach mit der Bekanntmachung der Erklärung des Belagerungsgesetzes die vollziehende Gewalt an die Militärbefehlshaber übergehe. Denn dann hätte das Oberkommando, dessen Machtbereich nur die Mark Brandenburg und Berlin seien, mit der Straf- androhung nicht über die entsprechenden Befugnisse des Ober- Präsidenten hinausgehen dürfen, also nicht über eine Straf- androhung von 60 M. Auch dagegen verstoße die Ver- ordnung. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Der Vertreter der Oberftaatsanwaltschaft am Kammergericht vertrat in der gestrigen Verhandlung vor dem Strafsenat dieses Gerichts folgenden. Standpunkt:..................... Die Verordnung sei aus Grund des§ 4 des Belagerungsgesetzes ergangen. Für diese Annahme sei entscheidend eine a u L d r ü ck l i ch e Mitteilung d e s O b c r k o m m a n- dos, daß die Verordnung auf den 8 4 gestützt worden sei. Für cinc solche Verordiiiing sei aber nicht, wie das Land- gericht annehme, die Strafgrenze gezogen, die für den Ober- Präsidenten maßgebend sei, sondern es komme die Strafgewalt deS Ministers in Frage. Und mit der stehe die Straf- androhung Volt 100 M. im Einklang. Aus diesen Gründen sei die Verordnung gültig. Das K a m m e r g e r i ch t verwarf aber die Revision der Staatsamvaltschaft mit folgender Begründung: Nach dem Wortlaut der Bckaniltmachnng des Ober- kommandos vom 8. November 1915 sei kein Zlveifcl, daß sie sich anschließe an diejenigen Anordiinngen, die der Militär- befehlshaber gleich nach Kriegsbegüin erlassen habe. In jenen beiden Anordnungen seien Strafandrohungen überhaupt nicht enthalten gewesen. Es könne nach ihrer ganzen Fassung nicht dem mindesten Zweifel unterliegen, daß jene früheren Verordnungen auf Grund des§ 9b ergangen seien. Wenn nun in der Verordnung vom 8. November 1915 gesagt worden sei, es werde an die alten Verordnungen erinnert und sie würden dahin enneitert, daß von nun an auch die geschlossenen Versammlungen politischer Vereine der Anmeldepflicht unterworfen seien, so sei der engste Zu- sammenhang dieser neuen Verordnung mit den früheren Verordnungen ersichtlich. Daraus ergebe sich, daß auch die Verordnung vom 8. November 1915 ihre Grundlage im§ 9b habe. Wenn jetzt im Obcrkomniaudo der Marken eine andere Meinung herrschen sollte, so könne sie nur auf Irrtum be- ruhen. Eine auf Grund des 8 9b ergangene Anordnung könne aber keine anderen Strafen androhen, wie sie Z 9 b enthalte. Die Androhung von Geldstrafen bis zu 100 M. sei nicht dem 8 9K entsprechend und führe zur Ungültigkeit der Verordnung._ Wegen Ucbcrschreitung der Höchstpreise hatte gestern die 3. Strafkammer des Landgerichts 1 gegen den Großhändler mit Altmetallen, Bietallabfällen und Metallsachen, Kaufmann Nathan G o l d s ch m i d t, zu verhandeln. Der Ange- klagte wurde durch die Beweisaufnahme überführt, in zwei Fällen die festgesetzten Höchstpreise überschritten zu haben. Der Staats- anwalt"beantragte 9 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof war je- dock mit Justizrat Wronker der Meinung, daß der Strasantrag in diesem Falle der Verfehlung des Angeklagten nicht entspreche und erkannte auf 690 Mark Geldstrafe. Eingegangene druckschristen. Krieg und Verkehr. Bon Professor Dr. Kuntzemüller. Hest 19 von „Krieg und Volkswirtschaft". Preis 1 M. Verlag L. Simion Nacht, Berlin W 57. VolkScharakter und KricgSPvlitik in Frankreich. Rußland. England. Von R. W. Horn. Preis 1,59 M. Verlag C. St. Schwctschke u. Sohn. Berlin W 57. Uotre Idanic de Paris. Roman von Victor Hugo.— Blö- mische Mären. Von Chailcs de Coilcr.— Der abenteuerliche Sim- Ylicissi muo. Von H. J. Chr. Grimmelshausen.— Jeder Band geb. 3M. Jnsel-Verlag, Leipzig. Von der„Neuen Zeit" ist soeben das 12. Heft vom 2. Band deS 34. Jahrgangs erichienen. Slus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Zur Geschichie dcsZZeniralotgaiis der Partei. Von K. Ägutsky.(schwtz.) — Der Teersarbentrust. Von H. Schneider.— Entlvicktuiig und Aussichten der Getteideversorgung. Von Spcctalor. sSchlntz.)— Literarische Rundschau: Bifchos v. Faulhabcr, Waffen des Lichtes. Von Erdmann. Dr. Joseph Schumpoter, Vergangenheit und Zukunft der Sozralwlssenschaften. Von E. Rotter. Ensis,. IVo.jna. i gerrnanskaja Social-Dernokratijg,(Der Krieg und die deutsche Sozinldcntolralir). Bon Cr.-TBch-ky. Karl PetcrS, Afrikanische Köpfe. Von(5.(Jctftcin.— Anzeigen: Gufkav Hoch, Neue Steuern während des Krieges? Von der.Gleichheit«, Zeitlchrift für die Interessen der Arbeiterinnen, Ist uns soeben Nr. 20 deS 26. Jahrganges zugegangen. Aus dein Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Rüsten und Zlbrüslen.— BevölkerungS. Probleme. Von Hans Fehlinger. iSchlust.)— Eine dringend notwendige AuSkunst. Von ituise Zieh.— Politische Rundschau.— Notizenteil: Unterin Belagerungszustand.— Für den Frieden.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Frauenarbeit.— Fürsorge für Mutter und Kind.— Frauenstimmrecht. Vom„Wahren Jacob» ist soeben die lS. Nummer des 38. Jahrgangs erschienen Krtegspostfartcn. S. Serie. Sechs farbige Bilder. Preis der Serie 66 Ps. A. Langen, München. „Wie der Hirnhofer Jakl dad schöne Mädchen von Lille kennen lernte" und andere Geschichten von I. C. Brunner. 38 S. 1 M. Augiburger Buchdruckerei und Verlagsanstalt G. m. b. H., Augsburg II, Schließfach. Weltkrieg und Schaubühne. Von A. Dinier.(Deutsche Er- Neuerung Bd. l.) Geb. 1 M.— Wenn die Waffen ruhen l Beiträge zur Bcvölkerungsvolitit nach dem Kriege von G. W. Schiele. Geh. 1,56 M. I. F. Lehmann, München. Die Sozialdemokratie, ihr Ende und ihr Glück. Von Paul Lenfch, M. d. R. 218«. Verlag S. Hirzel, Leipzig. Der Krieg 1914/1« in Wort und Bild. Heft 81—83. Jede Woche ein Heft 36 Pf. Verlag R. Bong u. Co., Berlin W 57. Auö Brüssels kritischen Tagen. Von Diplomatius. Geh. 1,25 M. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Jachblatt für Holzarbeiter. 11. Jahrg. Heft 6. Herausgegeben scheint am 15. jeden Vtonats. vom Deutschen Holzarbeiteroerband. Erscheint' Vierteljährlich 1,20 M. Selbstverlag des Verbandes in Berlin SO 16. Reichskriegsftcuergeseke vom lÄ. Juni 191«. TertauSgabe mit Einleitung, einem Anhang, enthaltend das Besitzsteuergefetz vom 3. Juli, und alphabetischem Sachverzeichnis. Geb. 180 M. C. H. Beck, München. Das Opfer. Blätter jür Suchende aller Bekenntnisse. Heft 7. Von Paul Oldendorfs. Pr. 1 M. Verlag F. A. Perthes A.-G., Gotha. ToteS und lebendes Bölterrecht. Von Prof. Dr. Paul Eldbachcr. Geh. 1,26 M. Verlag Duncker u. Humblot, Leipzig. Heimstätten für heimkehrende Krieger. Von Stephan Jenisch. Pr. 26 Ps. Verlag Rob. Friese, Bruno Troitzsch Nchs., Chemnitz. Der letzte Schritt. Roman von Heinz Tovote. Kronen-Bücher. Bd. 25. Geb. 1 M. Kronen-Verlag G. m. b. H., Berlin SVV 68. 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Seelachs...................... pmad 90 pl Mittelaale....................>, Pfand 1.00 | Todes-Anzeigen j SozialdemokratiscIerWahlvereiii I.il.6.Berl.iieiclistags«Blilkrels.| 3. Abt Bez. 629. Am Mittwoch, den LI. Juni, verstarb unser Genosse, der Kellner Paul Hilgert Oderberger Strahe Nr. 53. Shre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Montag, den 26. Juni, nach- mittags 6'/, Uhr, von der Leichen- balle des Freireligiösen Friedhofes, Pappelallee 15/17, au» statt 10. Abt Bez. 616. Ferner verstarb am Mittwoch. den LI. Juni, unser Genosse, der Dachdecker �tsx Zernsdorf Bruunenftr. 122. (Schre seinem Andenken? Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachm. 4'/, Uhr, von der Leichenhalle deS HimmelsahrtS. kirchhofeS in Nordend, Blanken- selber Str. 6, aus statt. Um rege Betelligung ersucht 226/11 Der Borstand. Soi!aIl!eMMZl!lierM?f!n!la Köpenick. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Parteigenosse, der Gürtler Paul NBUIIer am 20. d. Mt». nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von kaum 25 Jahren gestorben ist. lkhre seinem Andenken! 196/7 Der Vorstand. Am LI. Juni entschlies nach langem schwerem Leiden. meine innigstgeliebte Mutter �xnes Henschel im 57. Lebensjahre. In tiefstem Schmerz 156/7 lllsrx. Heiracllvl. Die Beerdigung findet heule Sonnabend nachmittag 2 Uhr von der Halle in Lichtenberg, Bornitzstrage, auS statt. \S7 Nach Ibmonatigcr un< unterbrochener Tätigkeit loHrs im Felde erlitt den Helden- tob fürs Vaterland, kurz bevor er seinen ersten Urlaub an- treten wollte, unser lieber, unver- geglicher Sohn, Bruder und Neffe, der Unteroffizier 268/16 Otto Reimann Res.-Jns.-Regt. Nr. 265. Ritter des Eisernen Kreuzes und der Erinnerung»- Medaillen der III. und XI. Armee für Ealizien und Serbien im 24. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Ernst Reimau«. Auguste Reimann, geb. S ch e i b e I. Willi Neimann, Gefreiter im Feld-Artill.-Rcgt. 54. Berlin, den 23. Juni 1916. Rcichenberger Straße 155. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 24. Juni, nach. mittag» 3'/, Uhr. von der Kapelle de» Garnison> Kirchhofes, Hinter der Hasenheide, aus statt. Lieber Otto, den Deinen bleibst Du unvergehiich! Heines Werke ■ 3 Bände 4 Mark• Buchhandlung Vorwärt» Verbanil der ßastwirtsgelifllEn. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 21. Juni unser Mitglied Paul Hilgert nach längerem Krankenlager der- starben ist. Der Organisation stand er stets treu zur Seite. Die Beerdigung Montag, nachmittags auf dem Friedhofe religiösen Gemeinde, Allee 15/17, statt. findet am 6'/. Uhr. der Frei- Pappel- erner verstarb am selben Tage« unser treue» Mitglied �Ifreä 8ckeunig. Der verstorbene gehörte eben- falls lange Jahre der Organi- sation an und hat ihr manchen guten Dienst geleistet. Die Einäscherung findet am Montag, nachmittags 4 Uhr, im Treptower Krematorium in Treptow-Baumschulenweg statt. In Ehren werde» wir ihrer stetS gedenken! Um rege Betelligung ersucht 36/1 Der Borstand. Ein Opfer dieses Weltkrieges I wurde mein herzensguter Mann,! unser guter Vater, Sohn, Bru-! der, Schwager, Onkel und Freund, j der Landslurmmaun foorg Hintze Rcs.-Jnf.-Reg. Nr. 92, 10. Komp. Im Namen aller Hinterbliebenen die ticsbetrübte Gattin Ida Hintze geb. K»lisch und Kinder Bernhard. Otto, Bruno. Berlin-Schöneberg, Gledischstr. 15, Deiitote1 Tpusportarhelter-Yerliand. Bezlrksverwaltung GroS-Berlln. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Arbeits, kutfcher Karl Kabel von der Firma Tabbert, Mühlen- stratzc, am 17. d. MtS. im Aller von 56 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken: 65/19 vis Bezirlisvervfslwng. I» wehmütiger Erinnerung zum Geburtstag'u. Sterbetag meines innigstgclicbten, unvergefi- lichen Mannes, guten, trcusorgen- den Vater», lieben einzigen Sah- neS, Bruder«, Onkel» und Cchwa- gcr», des Wehrmannes Gustav Stoppert gefallen am 24. Juni 1915. In tiefem Schmerz Frau Martha Stoppert uud Kinder. Eltern und Geschwister. Fried- und freudlos geh ich jetzt durch dieses Leben, seit man mir vor einem Jahr mein Liebstes bat genommen. Nicht vor Mensiben klag' und weine ilb in meinem Schmerz, daheim in unserm einst so trauten Heim. Lieber Vater, ruh sanst in Frieden, nur die Sehnsucht ist uns ge- blieben. Im Leben lieb und wert, Im Tode unvergcglich. 2. Laer ßädStr.26pnnz!-AUeo ilL........ Knaben-Anzüge. Eleg. Paletot», Ulster loppeni.jed.Preislag. Gr. Stofflager z. eleg. Maßanfertigung - Billigste, feste Preise.—- Zur Aufklärung! • Bia znm 1. AugUSt• •,• 0 liefere ich OHnG# : Kleiderkarte• • Anzüge, Paletots• * und Hosen � • in jeder Preislage.« : Julius Fabian: ® Schneidermeister• * Gr. Frankfurtar Str. 37/ % und Turmstr, 18 -......... Spezialarzt Dr. med. Wockentaft, Friedrictutr. 125(Or&nienb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlloh-Hata-Kui(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Sohnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Beruts- stbrung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10—1 und 5— 8. v£•* B? 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