Ur. 173. C 5 Pfennig) M0NtltgSltUSgaIte( 5 Pfennig Bbonnemenfs-Rcdingung�n; RSonncmenlä- Preis pränumerando! Lierteljährl. L.M Mk, nionarl. 1,30 MI, wöchentlich 30 Pfg, frei Uts Haus, Einzelne Nummer ö Pig. Sonntags- nummer mit illustrierter Soimtags- Lellagc.Die Neue Well" 10 Pfg, Post- AbonnemeM: 1,30 Marl pro Monat. Einßetragen m die Post-Zcitunas- Prelsliste, UMer Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn LL0 Marl, für das übrige Ausland 1 Mark pro Monat, Pojtabonnements nehmen an Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Siumänien. Schweden und die Schweiz. eriibclnl lsgllch. 33.Ja!srg. Die Inlcrticns-Gebüljr beträgt für die fcchSgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerlschajtlichc Vereins- und Versammlnungs-Anzeigen 30 Psg, „Uleine Sn-eigen", das fettgedrullte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fetlgcdruliie Worte), jedes wntere Wort 10 Pfg, Stellengesuche mid Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes wettere Wort 5 Pfg, Worte über 1 5 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozialliemolirst Rellin". Zcntralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Reüaktion: Sv). SS, Linüenstraße Z. Zsernsprecher:'Amt Morittpla«,. Nr. 1S1 SO— 161 97 VirtjchaMche Selbstgenügsamkeit. Die Beschlüsse der Pariser Wirtschaftskonfe- e n z, die aus eine Abschnürung des Handels der Zentral- mächte durch den Vierverband hinauslaufen, sind von einem holländischen Blatt als wirtschaftliche Wahnsinnstat bezeichnet worden. Englische Preß- kommentare haben darauf hingewiesen, daß die Pläne der � Pariser Konferenz sehr unbestimmt seien und daß es fraglich bleibe, ob sie überhaupt durchgeführt werden könnten. Ein liberales englisches Blatt fügte weiter mit Recht hinzu, daß derartige Maßregeln mindestens auch einige Länder der Entente schwer treffen würden. Nun werden derartige Pläne, den Handel des gegneri- schen Auslandes vom eigenen Lande vollkommen fernzuhalten, ja keineswegs allein in den Ententeländern erörtert. Auch bei uns gibt es einflußreiche Freunde derartiger Maßnahmen nach dem Kriege. Was ihre Durchführung für Deutschland bedeuten würde, haben wir ja heute Gelegenheit genug, in allen seinen Wirkungen zu beobachten. Heute leben wir gezwungener- maßen in dem„geschlossenen Handelsstaat", den man uns als Ideal der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands zu emp- schien belicht. Erst vor wenigen Tagen hat der bekannte Münchener Ge- lehrte Professor LujoBrentanoim„Berliner Tageblatt" ein paar Schlaglichter auf die Ursachen und die Wirkungen dieses„Jdealzustandes" geworfen. Professor Brentano er- innert daran, daß bald nach Ausbruch des Krieges alle Freunde der bisherigen Wirtschaftspolitik Teutschlands triumphierend darauf hinwiesen, daß Deutschland infolge seiner Schutzzoll- Politik in der Kriegszeit in der Lage sei, seine Bevölkerung mit allen notwendigen Nahrungsmitteln zu versorgen: Tie Zollpolitik hätte die deutsche Landwirtschaft begünstigt, und diese liefere jetzt Getreide und Kartoffeln, die man bei einer anderen Wirtschaftspolitik, dem Freihandel, aus dem gegne- rischen Ausland hätte beziehen müssen! Diese Beweisführung, die so einfach und bestechend erschien, ist durch die Entwicklung der letzten anderthalb Jahre auch für den volkswirtschaftlichen Laien ack absnrckum geführt worden. Professor Brentano meist zunächst ganz allgemein auf die Bedeutung unserer Handelspolitik für unsere gesamten auswärtigen Beziehungen hin:„Dabei blieb freilich unerörtert, inwieweit die ganze aggressive Wirtschaftspolitik, welche Deutsch- land seit Jahrzehnten das Gepräge gegeben hat, ein wesent- 'icher Faktvor in der Hervorrufung der Einkreisungspolitik gewesen ist." Hat aber unsere Handelspolitik gerade in der Richtung bewirkt, daß wir am besten mit den Rohstoffen versehen waren, die wir im eigenen Lande produzieren können? Brentano antwortet darauf:„Angenomnien, es wäre auch ohne sie(die deutsche aggressive Wirtschaftspolitik) zum Kriege ge- kommen, so ist doch berichtet worden, daß unsere Truppen, als sie nach Rußland vordrangen, dort deutschen Roggen erbeutet haben, der mit Hilfe unseres sogenannten E i n f u h r s ch e i n- s y st e m s noch eben vor Ausbruch des Krieges dorthin ausgeführt worden war. Während unsere Handelspolitik also da- -u geführt hat, daß unser Getreidevorrat bei Ausbruch des Krieges äußerst knapp war, gab es umgekehrt große Vorräte an ausländischen Nahrungsstoffen." Diese Vorräte bestanden nicht nur in Kaffee, Tee und Tabak und vielen industriellen Rohstoffen, deren Lager so groß waren, daß wir noch heute nach fast zwei Kriegsjahren davon zehren; auch unser Vieh- bestand, die einzige Nahrungsmittelreserve großen Stils, konnte nur deshalb so groß sein, weil er jahrelang vor Aus- bruch des Krieges durch die Einfuhr ausländischen Futters berongezüchtet worden war. Das Vertrauen auf die Selbstgenügsamkeit des deutschen Wirtschaftslebens und die ausreichende Versorgung durch die heimische Produktion ging bekanntlich bei Ausbruch des Krieges so weit, daß �alle Ermahnungen, hauszuhalten, zu beschlagnahmen und Höchstpreise einzuführen, von der Regie- rung in den Wind geschlagen wurden. Damals hieß es auf Wunsch der Behörden fortgesetzt in der Presse: niemand solle 'ich einschränken, sondern so weiter leben, wie er es in Frie- Senszeiten gewohnt gewesen war. Gewisse Lebensmittel und Luxusstofse zu verbrauchen, galt in ienen Tagen geradezu als patriotische Pflicht. Heute sind die Wirkungen der Knappheit 'ür die Volksernährung und das ganze Wirtschaftsleben nur noch durch�die größte Einschränkung und Sparsamkeit zu mildern. Für eine große Reihe von wichtigen Existenzmit- teln haben wir die Verbrauchskarte, deren Einfüh- rung selbst von einigen Sozialdemokraten als eine„sozia- listische" Maßnahme gepriesen worden ist. Auch Brentano wendet diese Bezeichnung für die gegenwärtigen Verbrauchs- �gelungen an. Immerhin macht er einige Einschränkungen: Wir sind dem s o z i a l i st i s ch e n Z u k u n f t s st a a t in inem Maße näher gerückt, wie man es vor dem Kriege nicht ür möglich gehalten hätte: aber wir sind ihm doch nur näher rerückt: wir sind auf halbem Wege stehen geblieben... So genießen wir jetzt alle Unannehm- lichkeitencher Beschränkung der persönlichen Freiheii. dir der Zukunftsstaat bringen würde, in reichstem Maße: d � Expedition: SM. öS, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplay, Nr. 16190—16197. WMm des(Wen hWWlNs. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 25. Juni 1316.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Ter Feind entwickelte im Abschnitt südlich des Kanals von L a B a s s 6 e bis über die Somme hinaus auch nachts anhaltende rege Tätigkeit, belegte Lens und Vororte mit schwerem Feuer und ließ in Gegend von Beaumont— Hamel(nördlich von Albert) ohne Erfolg Gas über unsere Linien streichen. Links der Maas erreichte das feindliche Feuer gegen Abend besonders am„Toten Mann" große Stärke. Nachts fanden hier kleinere für uns erfolgreiche Jnfan- tcrieuntcrnchmungen statt. An unseren östlich derMaas gewonnenen neuen Stellungen entspannen sich unter beiderseits dauernd starker Artillerieentfaltung mehrfach heftige Infanterie- kämpfe. Alle Versuche der Franzosen, das verlorene Ge- lände durch Gegenangriffe wiederzugewinnen, scheiterten unter schwersten blutigen Verlusten für sie; außerdem büßten sie dabei noch über 200 Gefangene ein. L estlich von St. Tis wurden bei einem Patrouillen- Vorstoß 15 Franzosen gefangen eingebracht. Oestlicher Kriegsschauplatz. Auf dem nördlichen Teile der Front kam es an mch- reren Stellen zu Gefechten von Erkundungsabtcilungen, wobei Gefangene und Beute in unsere Hand fielen. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Unserem fortschreitenden Angriff gegenüber blieben auch gestern starke russische Gegenstöße, besonders beider- seits von Zaturec völlig ergebnislos. Südlich des Pla- szewka-Abschnitts(südöstlich von Beresteczko) wurden mit nennenswerten Kräften geführte feindliche Angriffe rest- los abgeschlagen. Bei der � Armee des Generals Grafen V. Bothmer keine besonderen Ereignisse. Balkan-Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Ober st e Heeresleitung. •* Ser MmMiW SemaHtefiskcItiit. Wien, 25. Juni.(23. T. B.) Amtlich wirb Verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. I« der Bukowina bezogen unsere Truppen zwischen Kimpolung und Jakobenp neue Stellungen. Die Höhen südlich von Bcrhometh und Wißnitz wurden von uns ohne seindliche Ein- Wirkung geräumt.— An der galizischen Front gewohnte Artillerietätigkeit nordwestlich von Tarnopol, auch Minenwerfcr- und Handgranatcnkämpfe. Südöstlich von Beresteczko wiesen wir mehrere seindliche An- griffe ab. Bei Holatyn wurden die Höhen nördlich der Lipa erstürmt. Ter Feind hatte hier schwere Berluste an Toten. West- lich von Torezpn drangen unsere Truppen in die feindliche Stel- lung ein und wiesen heftige Gegenangriffe ab. Am S t y r, ab- wärts Sokul, ist die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. An der küstenländifchen Front standen unsere Stcl- lungen zwischen dem Meere und dem Monte Sabotino zeitweise unter lebhaftem Artillcricfcuer. L estlich von Polazzo kam es zu Handgranatcnkämpfen. Nachts versuchten drei Torpedoboote und ein Motorboot einen Handstreich gegen Pirano. Als unsere Strandbatterien daS Feuer eröffneten, ergriffen die feindlichen Schiffe die Flucht. An der Kärntner Front beschränkte sich die Gefechts- tätigkeit nach den von unseren Truppen abgeschlagenen Angriffen im Plöckenabschnitt auf Gcschützfeuer. In den Dolomiten brach ein Angriff der Italiener auf unsere Rufreddo-Stellung im Sperrfeuer zusammen. Zwischen Brcnta und Effch war die Kompftätigkcit gering; vereinzelte Bor- stoße deS Gegners wurden abgewiesen. Im Ortlergebiet scheiterte ein Angriff einer feindlichen Abteilung vor dem kleinen EiSkögel e. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Ruhe. Ter Stellvertreter deS EhcfS deS Gencrulsiabes von Hoefcr, FcldmarschalleuMant. * Ereignisse zur See. Am 23. vormittags hat eines unserer Unterseeboote in der Otranto-Straße einen von einem Zerstörer Typ„Fourche" begleiteten Hilfskreuzer Typ„Principe Umberto" versenkt. Ter Zerstörer verfolgte das U-Boot mit Bomben- würfen, kehrte zur Sinkstelle zurück und wurde dann dort vom U-Boot ebenfalls versenkt. kslottenkommando. G u t e a b e r..., daß für alle wenigstens gesorgt ist und daß Vorteile und Lasten allen gleichmäßig zukommen, i st ausgeblieben." Professor Brentano saßt in seinen weiteren Ausführungen das wirtschaftliche Ziel des SozialiS- nius etwas zu eng. Aber darin hat er gewiß recht, daß die„Sozialisierung unseres Wirtschaftslebens" mehr dem Schein nach als in Wirklichreit besteht. Das Entscheidende „sozialistischer Maßnahmen" besteht gerade darin, daß die Unterschiede des Besitzes ausgeglichen werden. In Wirklich- keit ist, so schreibt Brentano wörtlich:„unser tsozialismus ein Sozialismus, statt zugunsten der Armen, zugunsten gewisser Klassen der Besitzenden: er führt, statt zum Vorteil oer Gesamtheit, zur weitereu Bereicherung einzelner Mono- polisten, besonders der ländlichen Grundeigentümer, aus Kosten der Gesamtheit." Gerade die Erfahrungen der gegenwärtigen Zeit lehren. daß„sozialistische" Maßnahmen, die bei dein Konsum und der Verbrauchsregelung" anfangen, ein Unding sind. Des- halb legt ja gerade unser Programm den Hauptnachdruck aus die Verwandlung des kapitalistischen Privateigentums an Produktionsmitteln in Gemeineigentum und damit die Be- seitigung der Profitwirtschaft überhaupt. Auch Professor Brentano kann sich nicht der Tatsache verschließen, daß alle Maßnahmen zugunsten der Volksernährung dadurch durch- kreuzt werden, daß heute ein jeder das produziert, wovon er erhofft, den größten Vorteil zu ziehen, ohne Rücksicht zu nehmen, ob gerade das für die Allgemeinheit ani notwendig- sten ist. Es kommt weiter hinzu, daß viele Produzenten direkt für sich selbst sorgen unter Vernachlässigung der Allge- meinheit. Selbst die Höchstpreise vermögen die Produzenten und Händler durch Zurückhaltung ihrer Vorräte außer Kraft zu setzen, bis die Behörden ihrem Druck nachgeben. Professor Brentano wiederholt daher die seit Kriegsbeginn von den vor- schiedensten Seiten erhobene Forderung: alle Produkte nach ihrer Fertigstellung sofort für die Allgemeinheit zu b e- schlagnahmen. Professor Brentano betont zum Schluß, daß selbst diese weitgehende Maßnahme noch keineswegs die Aufhebung des Eigentums bedeuten würde und daß daher das Geschrei inter- essierter Kreise vor der Einführung des Kommunismils voll- kommen unberechtigt sei. Professor Brentano bat darin voll- kommen recht. Aber wer die Widerstände kennt, die sich schon den bisherigen unzulänglichen Maßnahmen entgegengestemmt haben, wird leicht beurteilen können, mit welcher Energie jene Kreise sich der Durchführung der weitergehenden Forderung Brentanos in den Weg werfen werden. Das wird uns natürlich nicht hindern, die Forderung immer von neuem zu erheben, weil ihre iinnmgänglickse Notwendigkeit an-�'chts der wachsenden Schwierigkeiten in der Lebensmittelver'or- gung von Tag zu Tag deutlicher wird. Eine Erklärung der franZösischen Minderheit in der Kammer. Paris, 25. Juni.(W. T. B.)(Meldung der Agence Havas.) � Die französische Kammer hat mit 512 Stimmen gegen 3 die Zwölftel des vorläufigen Haus- Halts für Juli, August und September insgesamt a n g e- n o m m e n. Präsident Desch anel erklärte in einer An- spräche: Weder Frankreich noch irgend ein Franzose könnte einen sofortigen Waffenstillstand oder einen Frieden zulassen, die einen Rückzug vor der wiederholten Verletzung geltender Rechte darstellen würden. Die S o z i a l i st e n erklärten, alle Kredite annehmen zu wollen, um den Sieg des Vater- landes sicherzustellen. Brizon verlas in seinem Namen und im Namen von Raffin-Dugens und B l a n c, die mit ihm an der Bc- ratunq in Zimmerwald teilgenommen hatten, eine Er- klärunq, in der die Gründe auseinandergesetzt werden, aus denen sie gegen die Kriegskredite und für einen Frieden ohne Gebietserweiterung sowie für einen Waffen- stillstand stimmen._ Der Druck auf Griechenland. Paris, 25. Juni.(W. T. B.)(Meldung der Agence Havas.) Der Kammerausschuß für auswärtige Angelegen- heiten hat nach Prüfung der politischen Lage i n Griechenland, des von den Alliierten überreichten tssti- matums und der durch die neuerlichen Verletzungen deS griechischen Grenzgebiets von feiten der Bulgaren gek-�affe- uen militärischen Lage erklärt, da) er auf den früheren Be- schlüssen beharre: er ist zu dem Schluß gekommen, daß die von Frankreich, Rußland und England rtph-�ffenen Maßregeln kräftig angewendet und daß in kurzer Frist auch militärischeMaßregelnbeiSaloniki getroffen werden sollen._ Der französische Tagesbericht. Paris, 2ö. Juni.(W.T.B.) Amtlicher Bericht vom Sonnabend nachmittag: Auf dem linken Ufer der Maas dauerte die sehr lebhafte Tätigkeit der Artillerie während der ganzen Nacht im Walde von Avocourt. an der Höhe 304 und am Toten Mann an. Ein deutscher Handgranatenangriff an der Höhe 301 wurde abgewiesen. Ans dem rechten Ufer dauerte die erbitterte Schlacht während der ganzen Nacht auf dem westlichen Teil der Angriffsfront fort. Kräftige Gegenstöße der Franzosen eroberten einen großen Teil des Geländes bei den Höhen 321 und 820 zurück und drängten die Deutschen bis zu den Ausgängen des Werkes von Thiaumont zurück, welches die Deutschen noch besetzt halten. Ter Kampf gestaltete sich besonders heftig in der Nachbarschaft des Dorfes Fteurh. Französische Gegenangriffe eroberten die ge- samten von den Deutschen in der Nacht vom 21. Juni genommenen Grabenstücke zwischen dem Fuminwalde und dem Walde von Chenois zurück. Die Beschießung durch die Deutschen dauert mit gleicher Heftigkeit von der Maas bis ChenoiS an, wird aber durch die französischen Batterien energisch beantwortet. Die letzten Nach- richten besagen, daß die Deutschen bei ihrer gestrigen Offensive auf dem rechten Ufer mehr als sechs Divisionen in den Kampf warfen. Tie Deutschen brachten bei Les Epargcs drei Minen zur Explosion; es wurde kein Schaden angerichtet. Paris, HjZ. Juni.(SS. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonnabend abend. Am linken Ufer der Maas war der Tag verhältnismäßig ruhig, nur in der Gegend der Anhöhe 301 wurden unsere Stellungen mit einem langsamen und anhaltenden Feuer belegt. Am rechten Ufer war die Beschießung unserer Linien im Abschnitt der Höhe 321, nördlich und östlich vom Hügel«Kalte Erde", im Chapitrc-Wald und bei Chenois heftig. Morgens wurde der Kampf in den Zugängen des Dorfes Fleury fortgesetzt, von dem der Feind einige Häuser besetzen konnte. An den anderen Abschnitten am rechten Maasufer keine Veränderung. ES wird keinerlei Tätigkeit der Infanterie gemeldet. An der übrigen Front war der Tag ruhig. Belgischer Bericht. Artilleriekampf und Bombenwurf in der Gegend von Steenstraete. Ruhe an der übrigen Front.» die englische Meldung. Landon, 2S. Juni.(W.T.B.) Amtlicher Bericht. Die Tätigkeit der feindlichen Flieger war gestern lebhaft. Unsere Pa- trouillen griffen eine Erkundungsabteilung von sechs Flugzeugen, die unsere Linie zu überfliegen versuchten, und trieben sie zurück. Unsere Artillerie war heute auf der ganzen Front lebhafter tätig. Heneralfelümarschall von Sülow ist durch Kabinettsorder vom 22. Juni 1316 in Bewilligung seines Abschiedsgesuchs in das Verhältnis der zur Disposition stehenden Offiziere übergetreten. Bülow war bei Beginn des Weltkrieges Oberbefehlshaber der zweiten Armee, die den Angriff auf Lüttich durchführte, nachdem der erste Handstreich auf die Festung nicht vollen Erfolg hatte. Dann leitete Bülow als gemeinsamer Ober- bcfehlShaber über die 1. und 2. Armee den schnellen Durchmarsch durch Belgien. An der Marne deckte die Armee Bülow gemein- schaftlich mit der Armee v. Kluck den Abmarsch an die Aisn«. An der Aisne-Front befehligte Bülow zunächst beiderseits ReimS und leitete als Oberbefehlshaber über die Heeresgruppe des rechten Flügels die Abwehr französisch-englischer Angriffe gegen die AiSne» Stellung. Seit 13. Oktober 1314 war General v. Bülow Ober- befehlshaber der neu eingeteilten 2. Armee.> der Sericht üer ruspschen Heeresleitung. Pctcrsburg, 23. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 24. Juni. Westfront: Feindliche Artillerie vereinigte thr Feuer auf den Brückenkopf Uexlüll. Bei Jlluxt nahmen wir in kühnem Hand- streich deutsche Gräben, ein Gegenangriffsversuch brach in unserem Gewehr-'und Maschinengewchrfeuer zusammen. Nach diesem Miß- erfolg unterhielten die Deutschen mit zahlreichen Batterien«in langdauerndes ungeregeltes Feuer. Am Abend des 22. Juni feuerte feindliche Artillerie lebhaft im Abschnitt des HofeS Beresina bei dem Torf Kiby(6 Kilometer nördlich Wischnew), an der Bere- sma östlich Bogdanow gelegen. Der Feind trieb darauf eine weiße Rauchwolke vor. die wir jedoch durch Gegenmaßnahmen glücklich zerstreuten. Am späten Abend griff stärkere feindliche Artillerie den Hof Beresina an,«in Gegenangriff mit dem Bajonett trieb den Feind jedoch in Unordnung in seine Gräben zurück. Viele Tote liegen vor unseren Hindernissen. Westlich Torczyn wird weiter erbittert gekämpft. Das enge Zusammenarbeiten der Infanterie und Artillerie ermöglichte«S, daß alle feindlichen Angriffe in der Gegend von Zubilno abge- schlagen tvurdcn. Besonders verdient die Tätigkeit der Batterie des Oberstleutnants DobrowalSky hervorgehoben zu werden. Der Feind richtete ein heftiges Feuer auf den Raum von Pustomyty 10 Kilometer südöstlich Swiniuchi), ein darauf angesetzter Angriff �US Selgien nach Rußland. Ein Berliner Landsturmmonn schreibt un§: 16 Monate hatte man friedlich in Belgien als Landsturmmann ein beschauliches Dasein geführt. Friedlich klingt ja eigentlich ein wenig paradox, denn wir waren ja als mobiles Landsturmbataillon in voller Rüstung in das schöne Land gezogen, bereit, unS in das wildeste Kampfgetümmel zu stürzen, d. h. wenn eS nicht ander! ging. Na, es ging imnwr noch anders, wenn auch, besonder! in der ersten Zeit, alle Augenblicke ein Gerücht fabriziert wurde, wo- nach wir in kürzester Frist nach irgendeinem Punkte der Front dirigiert werden würden. Natürlich war eS immer die jeweils inoderiiste Stelle aus den Kampfgebieten, wo es gerade am heißesten zuging. Es ging aber immer noch gnädig vorüber; Hindenburg und die übrigen großen Strategen schafften eS noch gerade so ohne unser Bataillon und so hatte sich bei unS so nach und nach der Ge- danke festgesetzt, daß wir Wohl unsere kriegerische Laufbahn alS Bahnschutzleute beschließen würden. So schoben wir friedlich unsere Wache, lebten in gutem Einvernehmen mit der Bevölkerung, freuten uns, daß wir noch Butter kaufen konnten, als sie in der Heimat zu mangeln anfing, und sehnten mit immer größerer Begierde den Tag herbei, air welchem wir auch nach Hause geschickt werden wür- den. Ende November war es aber mit dem geruhsamen Leben vor- bei. Einesteils wurde bekanntgegeben, daß die ältesten Jahrgänge in HcimatSgarnisonen versetzt werden würden, anderenteils fand eine Untersuchung der im Gegensatz zu ihnen im kindlichen Alter von 41 Jahren und darunter stehenden Kameraden auf Felddienst- sähigkeit statt. Mitte Februar platzte dann die Svombe für die Jüngling«. 40 Mann hatte die Kompagnie zu stellen. Große Auf- regung und großes Abschiednehmen. Die Trennung fiel doch ein bißchen schwer; man war nun 16 Monate zusammengewesen, hatte uch vertragen und gezankt, wie es gerade kqm. Die sogenannte Kameradschaft ist zwar häufig auch nur ein Wehr problematischer Begriff, sie beruht hauptsächlich wohl auf der gemeinsamen Ge- fahr; aber es beschlich einen doch ein wehmütiges Gefühl, als eS an das Scheiden ging. Auch der Abschied von der Bevölkerung war gar nicht so leicht, abgesehen davon, daß mancher auch zarte Bande geknüpft hatte. Natürlich handelte es sich dabei nur um Jung- gesellen. Einen großen Raum nahm die Erörterung der Frage ein, ob wir zusammen bleiben würden und wohin es ginge. Bald fanden sich auch Kundige, die«S ganz genau wußten. Alle Kriegs- fchauplätze waren auf der Liste, am meisten wurden Serbien und Saloniki getippt. Da eS sich bald herausstellte, daß eS wohl zunächst in eine Heimatgarnison gehen würde, so überwog die damit ver- bundene Aussicht auf Urlaub erst mal alles andere. 14 Tag« Ur- lairb, dann kann eS nachher hingehen, wo es will, war die Parole. scheiterte jedoch in unserem heftigen Feuer mit großen Verlusttti für den Feind. EinS unserer Regimenter brach nach Artillerieborbereitung in die feindlichen Gräben westlich Radziwilow ein und nahm 4 OffU ziere, einen Arzt und 303 Soldaten gefangen. Da der Gegner jedoch darauf sein Feuer aus die von uns gewonnenen Gräben konzen- trierte, so gingen unsere Truppen unter Mitnahme der Gefangenen in ihre Gräben zurück. Alle folgenden Gegenangriffe des Feindes wurden abgewiesen. Ein feindliches Flugzeuggeschwader warf auf Rudnia(18 Kilometer nordöstlich Rai�iwilow) und Poczajew einige Bomben ab. Galizien— Bukowina: Westlich Sniathn gingen unsere Truppen kämpfend weiter vor und eroberten gestern abend die Höhen de! Rhbnica-AbschnitteS(Bach 10 Kilometer nördlich Kuty); von dort aus eroberten wir in dem anschließenden Kampf gestern die Stadt Kuth. In demselben Räume fingen unsere Don- kosaken 130 Soldaten und erbeuteten 4 Maschinengewehre. Kaukasus: Im Abschnitt von Trapezunt griffen die Türken am 22. Juni am Madur-Berge(?) bei Top(11 Kilometer südwestlich Trapezunt) an. Teile unserer Vorhuten warfen sie zurück und brachten ihnen schwere Verluste bei. Außerdem ließen die Türken einige Dutzend Gefangene in unseren Händen. Ein«? unserer Flugzeuge warf mit Erfolg Bomben auf Mamachatun ab. Nlelüung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 24. Juni.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t. Im Abschnitt de? Pasubio haben wir unser Besetzungsgebiet bis zum Piazzatal in westlicher und bis zu den Talenden am Monte Pruche in nördlicher Richtung ausgedehnt. Auf der Front Posina— Ästach Artillcriekämpfe. Feindliche Jnfanteriegruppen, welche versuchten, sich unseren Linien zu nähern, wurden durch unsere Erkundung?. abteilungen angegriffen und verjagt. Auf der Hochebne von Schle- gen heftige Tätigkeit unserer Artillerie, die besonders gegen die feindlichen Stellungen auf dem Monte Cengio und im Tale Canaglia wirksam war, welche an verschiedenen Punkten beschädigt oder zer- stört wurden. Von der übrigen Front werden Artilleriekämpfe ge- meldet sowie Unternehmungen unserer Abteilungen gegen die Stel- lungen des Gegners am oberen Blut mit merkbaren Ergebnissen. Feindliche Flugzeuge warfen Bomben auf die Ortschaften am unteren Jsonzo, ohne Schaden anzurichten. Ein Flugzeug wurde von unserem Feuer getrpffejt und stürzte brennend bei Merna, südlich von Görz, ab. E adorna. Bericht öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 24. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. An öer I r a k f r o n t keine wichtigen Ereignisse. In Südpersien drängten unsere vorgeschobenen Abteilungen die Russen bis in eine Entfernung von einer Stunde östlich der Stadt Sernile zurück. Die Russen bemühen sich, mit allen Mitteln sich östlich von Sernile zu halten und verstärken sehr rege ihre im voraus vorbereiteten Befestigungslinien. Kaukasusfront: Auf dem rechten Flügel herrscht Ruhe. Im Zentrum fanden nur örtliche Jnfantenefeuer- gefechte statt. Am linken Flügel wurde die gegen die feind- lichen Stellungen auf dem nördlichen Abschnitt des Tschoruk begonnene Offensive und die Eroberung der von uns zum Ziele genommenen feindlichen Stellungen vervollständigt. Die von uns eroberten Stellungen befinden sich 25 bis 30 Kilometer südlich der am Meere gelegenen Ortschaften Ofi und Trapezunt sowie auf den 2800 Meter hohen Gcbirgs- ketten, die sich von Osten nach Westen in der Gegend aus- breiten, wo die Flüsse, die zwischen den beiden Ortschaften im Meere münden, entsichen. Bei der Offensive, die mit größter Heftigkeit seit zwei Tagen auf einer Frontbreite von 50 Kilometern andauert, schlagen sich unsere Truppen mit der größten Tapferkeit. Sie zeichneten sich besonders in den Nabkämpfen mit dem Bajonett aus, bei denen sie in jeder Hinsicht ihre Ueberlegenheit bewiesen. Die Flucht des Feindes, der an ge- wissen Stellen seine Lager im Stich ließ, ließ unsere Soldaten alle Strapazen des Kampfes vergessen. Ohne den Befehl zur Verfolgung abzuwarten, schickten sie sich fröhlich zum Angriff gegen die Reste des Feindes an und dehnten hierdurch den von ihnen besetzten Abschnitt aus. Bei diesen Kämpfen mach- ten wir ein« reiche Beute, bestehend aus verschiedenen Arten von Ausrüstungen, Kriegsmaterial sowie 1s/z Millionen Pa> Abschied vom alten Truppenteil. Ansprachen auf den Bahnhöfen, wo die Mannschaften der ein- zelnen Kompagnien einstiegen, Scherzworte zwischen den Abfahren. den und den Dableibenden. Auch die Gesichtspunkte, die bei der Auswahl maßgebend gewesen waren, wurden vielfach erörtert, denn da? Los hatte durchaus nicht ausschließlich die Jüngsten ge. troffen. Aber jedes Thema wurde immer wieder von der Frage nach dem Endziele verdrängt. Solche zwecklosen Gespräche nehmen ja immer den breitesten Raum in der Unterhaltung des Soldaten ein, der ja gewöhnlich erst erfährt, wohin er kommt, wenn er schon dort ist. Den ersten Tag fuhren wir nicht weit, in Lüttich wurde d-er Transport erst zusammengestellt. Einen sehr feldmäßigen Eindruck machte der Landsturm auf dem Marsche gerade nicht, denn bei dem langen Stilliegen in SSelgien hatte sich jeder etwas mehr oder weniger UeberzähligeS angeschafft und schleppte es in allen möglichen Verpackungen mit. Da der Weg zu unserem Quartier lang war, wurde spontan bei einer Wache gehalten und die Kisten und Säcke, Kartons und Körbe dort untergebracht. Als wir nach zwei Tagen wieder zum Bahnhof zogen, war der Eindruck schon etwas.mobiler". Wir hatten die Pakets, die sich durch den Ein- kauf von Lebensmitteln noch vergrößert hatten, vorher zur Bahn gebvacht. Die Preise waren hoch in Lüttich, aber man bekam doch noch alle!. Mancher Schoppen wurde zum Abschied vom belgischen Land gehoben. Die Verheirateten hatten indessen mehr Wert auf den Einkauf von Lebensmitteln gelegt, denn es war nun doch nach „absolut sicheren Quellen" wahrscheinlich geworden, daß wir zu- nächst nach Berlin fuhren. Diese.AbtrittSparole" war auch richtig. Nach langer Fahrt mit vielen Aufenthalten, wie das ja bei Transporten so Mode ist, und mit einem tüchtigen Schnupfen, wie da? bei Transporten ebenfalls Mode und bei einer 83 stündigen Fahrt in schlechten, ungeheizten Wagen auch nicht zu verwundern ist, land�i wir auf dem Militärbahnhofe gegen 11 Uhr abends. * 1„Teure Heimat." Vielmehr auf einem dunklen Gleise.„Teure Heimat" hatten wir oft gesungen, aber von der angenehmen Seite zeigte sie sich zunächst gerade nicht. Sang-, klang, und empfanglos. Wie sich später herausstellte, war das Telegramm mit der Meldung von unserer Ankunft nicht rechtzeitig eingetroffen. Mit Sack und Pack ging e» schwitzend kreuz und guer, da wir einen falschen Weg«in- geschlagen hatten, bis wir endlich das Bezirkskommando erreicht hatten. Aber alle Mühsal war bald vergessen, denn eS ertönte das Zauberwort:„Wer zu Hause schlafen will, kann gehen." Da nahm es der älteste Landsturmpapa mit dem jüngsten Rekruten auf an Schnelligkeit..ES war auch die höchste Zeit, sonst war die letzte Elektrische fort und z. B. nach dem Gesundbrunnen zu Fuß zu tronen und sieben Maschinengetvehren, die wir gegenwärtig gegen den Feind benutzen. Wir machten 652 Mann, darunter sieben Offiziere, zu Gefangenen. Trotz des schwierigen Ge- ländes, das dem Feinde günstig ist, erlitt dieser Verluste, deren Zahl sich auf fast 2000 Tote beläuft. Unsere eigenen Verluste sind vergleichsweise äußerst gering. Von den übrigen Fronten keine wichtige Nachricht._ vom v- öoot-Krieg. Madrid, 24. Juni.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas.) Das spanische Kadettenschulschiff, Segelkorvette„Nautilus" hat in Caftellon 36 Seeleute von der Besatzung des französischen Schiffes „H e r a u l t"(2-233 Br. Reg. To.) ausgeschifft, welches ein deut- sches Unterseeboot gestern durch Feuer aus zwei weittragenden Geschützen im Mitelmeer versenkt hat. Der Untergang üer Hampshire vor üem Unterhaus. London, 22. Juni.(W. T. B.) Unterhaus. C o o p e r (Unionist) fragte, auf Grund welcher Beweise die Admiralität zu dem Schluß gekommen sei, daß die„H a m p s h i r e" auf eine Mine g e- stoßen sei. Mac Namara erwiderte, der Beweis liege in der wohlüberlegten Schlußfolgerung des Höchstkomman/üerenden der großen Flotte, nachdem eine genaue Prüfung aller Umstände vor- genommen war. Faber(Unionist) fragte, ob eine Untersuchung stattfinden würde. Mac Namara erwiderte darauf: Ein Unter- suchungsgericht hat stattgefunden. Cooper fragte, ob es Mac Namara nicht bekannt sei, daß die Ueberlebendcn von der„Hamshire" nicht alle der Meinung seien, daß das Schiff auf eine Mine gestoßen sei. Darauf wurde von der Regierung keine Antwort gegeben. Auf eine weitere Anfrage sagte Mac Namara: Die„Hampshire" war auf ihrer Fahrt von zwei Zerstörern begleitet, bis der Kapitän der „Hampshire' gegen 7 Uhr abends genötigt war, wegen des sehr schweren Seeganges sie zurückzuschicken. Cooper fragte, ob die See vor der Fahrt der„Hampshire" abgesucht worden sei. Faber fragte, was aus den Zerstörern geworden sei, nachdem sie die„Hamp- shire" verlassen hätten. Mac Namara: Ich vermute, daß sie nach ihren Stationen zurückfuhren. B e l l a i r s fragte, ob Mac Sca- mara folgende Punkte austlären könnte: Die Zerstörer fuhren um 7 Uhr zurück, das Wetter wurde dann besser und die Zerstörer und Patrouillenboote sollen dann um 8 Uhr die Stelle abgesucht haben. Mac Namara: Ich glaube, daß da? der Fall ist. Aber über das Wetter kann ich nichts sagen. Bellairs sagte zum Schluß, er wolle demnächst zur Sprache bringen, daß die Admiralität unterlassen habe, ein Kriegsgericht über den Untergang der„Hampshire" einzusetzen._ Eine Kriegsreüe Henüerfons. London, 24. Juni.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen BureauS.) Der Präsident des UnterrichtSamtes, Artur H end e r- son(Arbeiterpartei) hielt gestern abend eine Rede in North- Hamptonshire, in der er seine Zuhörer ermahnte, vor u n- zeitigem Friedensgerede auf der Hut zu sein. Er sagte, das Land wolle keinen übereilten Frieden, sondern einen, der sich auf Gerechtigkeit und Ehre aufbaue. Wir müssen unS so ent. schieden wie möglich gegen einen erniedrigenden ruhmlosen Ver- gleich wehren. Das Ende des Krieges ist noch nicht in Sicht. Ter Feind prahlt damit, daß England besiegt sei, aber dieses weiß besser, wie eS mit ihm geht. ES hat auf dem Wasser den Feind besser als je in j-inem Griff. Die französische Minderheit gegen vanüervelüe. Der offene Brief VanderveldeS an Scheidemann, der vor kurzem in der„Humanite" erschien, und den wir in deutscher Ueber- setzung veröffentlichten, bietet dem„Populaire du Centre", einem der Organe der französischen Minderheit, Anlaß zu einem energi- scheu Angriff auf Vandervelde. Der„Populaire du Centre" geht auf den Inhalt der Scheidemannschen Broschüre nicht ein, da er sie nicht kennt. Er greift die Stelle aus VanderveldeS Brief bcr- aus, wo er sich mit der Unmöglichkeit eines Verhandelns mit der Majorität der deutschen Sozialdemokratie beschäftigt. Es sei töricht und befremdend, daß Vandervelde sich weigere, auf einen internationalen Kongreß zu gehen, an dem doch nicht nur die deutschen Sozialisten teilnähmen, um das furchtbare durch den Krieg gestellte Problem zu entwickeln und versuchen zu lösen, son- dern aus dem die Delegierten aller Völker, aller Proletariate der kriegführenden und der neutralen Länder— Unschuldige und Opfer zu gleicher Zeit— zusammen die Lösung des Glücks der Nationen und der menschlichen Zukunft suchen sollten. Er verweigere das, und gleichzeitig beginne er die Debatte, die er den anderen verbiete, gehen, keine verlockende Aussicht; eS war schon 12 Uhr vorüber. Ein hübsches Bild bot der letzte Wagen einer Linie, der vollgepfropft mit Landsturm, an den Haltestellen,»vo viele Zivilisten auf die „Letzte" warteten, für diesen Abend aber vergeblich, vorüberfuhr. Schade, daß wir nicht gleich bis zum zweiten Tage beurlaubt wurden; nach Hause konnten wir allerdings, nachdem wir etliche Zeit auf dem Hofe des Bezirkskommandos herumgestanden hatten, wieder gehen. Schade um den schönen Sonntag. Am Montag ging eS dann aber weiter. Mit klingendem Spiele durch die Stadt zum Schlesischen Bahnhof und mit der Bahn nach dem freund- lichen Städtchen Guben. Ein reines Glück gewährte der ersehnte Aufenthalt in der Heimat doch nicht. Der in Riesendimensioncn geträumte Urlaub schrumpfte auf drei Tage zusammen. Die Löhnung erreichte nicht die Hälfte der in Belgien erhaltenen, die Gelegenheit zum Geld- ausgeben war aber mindestens doppelt so groß. Butter und Fett wurde ein schöner Traum. In Belgien konnten wir soviel kaufen, wie wir wollten, hier hatten wir aber keine„Poppieren", d. h. keine Butterkarte, Viel Dienst von der Art, die der schöne Sol- datenspruch so treffend bezeichnet:„Die meiste Zeit des Lebens steht der Soldat vergebens." Uebungsmärsche von erheblicher Länge mit vollem Gepäck, aber auch kindliche Spiele, wie Dritten abschlagen und Plumpsack. Man kam den ganzen Tag nicht zur Ruhe und so vermißten wir bald unser beschauliches Wacheschieben in Belgien. Da wir sehr schnell marschfertig ausgerüstet wurden, so nahm natürlich die Erörterung des möglichen Zieles einen breiten Raum ein. Die obligaten Gerüchte tauchten auf und die Neugierde war am brennendsten, als wir nach 3X Wochen in aller Morgenfrühe zum Bahnhofe marschierten. Aus der Richtung, die wir einschlugen, mußten doch wohl Schlüsse zu ziehen sein. Das täuschte. Es ging nur bis Küstrin, wo wir reichlich Gelegenheit hatten, den Kasernen- Hof kennen zu lernen, denn wir durften bis zur Weiterfahrt am Abend diesen nicht verlassen. Zum Glück war es ein schöner März- tag. Etwas deutlicher trat unser Ziel schon hervor. In den Pa- Pieren war eine Heeresabteilung genannt, der wir als Ersatz zu- geteilt waren, aber es war nicht herauszubringen, wo sie steckte. Daß es nach dem Osten ging, konnten wir wohl mit Sicherheit an- nehmen, als wir am anderen Morgen in Bromberg ausstiegen. Wir blieben dort einige Tage in Massenquartieren, die nicht sehr behaglich waren, und warteten auf das Eintreffen verschiedener weiterer kleiner Reisegesellschaften.«Wir ärgerten uns über die hohen Preise, die für Militär noch«inen kleinen Zuschlag zu haben schienen. So wurde uns der Abschied nicht allzu schwer, als wir eines Morgens noch im Dunkeln zur Bahn marschierten und ab. dampften. Die Wagen waren leidlich, nur die Heizung nicht über- all in Ordnung. In dem einen Wagen tropische Hitze, in dem anderen Hundekälte. Marienburg, Dirschou, Königsberg. So un- gefähr wußten wir nun bald, wo es hinging. mit Scheidemann allein, tchne Auftrag, oljnc Kontrolle, o�ne Autorität. Die französische Minderheit verwahrt sich in der kategorische- stcn Form gegen die Männer, die die Internationale in den jetztgen Zustand der Machtlosigkeit zur Freude der Gegner gebracht haben und so darin halten. Der„Populaire du Centre' gibt Vandervelde zu bedenken, dah nicht nur der deutsche Kanzler Annexionist sei. Aber das stehe gar nicht zur Erörterung. Weder der Kanzler, noch Herr Poincare, noch der Zar von Ruhland würden zu einem sozialistischen Kongreß eingeladen. Ihre KriegSziele würden, wenn sie den sozialistischen Ideen zuwiderlaufen, keinen Genossen von jeder Seite der Grenzen verpflichten. Man könne nicht durch einen Federstreich die deutschen Sozia- listen verurteilen„vor deren Gewissen— ungeachtet des Anfangs- Verbrechens ihrer Regierenden— sich die furchtbare Frage der nationalen Verteidigung auftürmt." „Wir sagen nicht, daß alles in der Haltung der MehrheitSver- treter der Sozialdemokratie klar sei. Wir haben uns hundertmal darüber geäußert." Dennoch findet die französische Minderheit keinen Grund, eine Zusammenkunft mit ihnen„vor unseren PairS, vor unseren Richtern, vor den Kameraden der ganzen Welt zu ver- weigern, mit denen uns die Erinnerung an vergangene Kämpfe eint." Die belgische Arbeiterpartei denke, wie HuhSmans erklärt habe, ebenso, und Vandervelde könne nur im Namen von absolut un- autorisierten Elementen sprechen. Außerdem sei nicht die Stunde zum Richten, Streiten und Verdammen. Der Krieg sei da, dauere bald zwei Jahre„und Vandervelde will nicht— und das ist seine unentschuldbare Sünde(und die einiger anderer, die wir nicht ver- gessen)— daß der Sozialismus berät und dem fürchterlichen Kon- flikt ein Ende zu machen versucht." „Treu dem Mandat, das Vandervelde verrät, wollen wir, daß das europäische Problem nicht gelöst wird, ohne daß die sozialistu» schen Völker berufen worden wären, ihrer These des sozialen Frie- dens das Uebergewicht zu geben... Ach, wenn die Freiheit zu schreiben und zu sprechen unS wiedergegeben wäre, wie dann die Sozialisten— Minister oder nicht—, die ihre Vergangenheit verneinen, bald hinweggefegt wären!" Die französische Minderheit hat das Recht, Vandervelde zu kritisieren, so wie es die deutsche Minderheit hat, da sie stets die '.insozialistische Haltung der Mehrheit im eigenen Lande bekämpft hat. Die Mehrheiten haben sich gegenseitig nicht viel vorzuwerfen: mögen sie auch die eine nach dieser, die andere nach jener Richtung bin mehr gesündigt haben, so halten doch beide an der unbedingten Unterstützung der imperialistischen Politik ihrer Regierungen fest, in der sie nicht ausschlaggebend sind und sein können. Das ist die Hauptursache, weshalb das internationale Proletariat weiter zur Einfluhlosigkeit verurteilt ist. SeÜrohung üer ruPschen politischen Flüchtlinge in Englanü. Laut„Labour Leader" vom 15. Juni richtete der Aus- fchuß russischer Sozialiften in London an die eng- lische Arbeiterschaft einen Hilferuf wegen des Vorschlags, daß der Wchrzwang auf Angehörige verbündeter Staaten ausgedehnt wer- den soll. Diese Frage sei von der Lage politischer und anderer Flüchtlinge nicht zu trennen. Gewisse reaktionäre englische Blätter seien seit einiger Zeit eifrig bemüht, das Asylrecht zu Falle zu bringen. Es müsse unter allen Umständen verhindert werden, daß russische politische Flüchtlinge ihrer Regierung überantwortet würden. Man kenne ja die Schrecken, denen sie entronnen seien, und das Schicksal, das ihrer wartet, falls man sie zur Rückkehr zwinge. Auch im„Manchester Guardian" richtet die englische Genossin Bridges Adams einen Appell an die Lcffentlichkeit, gegen die Treibereien der reaktionären Presse Front zu machen und das bisher in England hochgehaltene Ashlrecht für politische Flüchtlinge unangetastet zu erhalten. „Aus den Reihen des organisierten britischen Proletariats — schreibt sie— ist die entschiedene Forderung erhoben worden, eine nationale Arbeiterkonferenz zur Beratung der mit dem Militärdienst in Verbindung stehenden Fragen ein- zuberufen. Möge es mir denn, als einer Teilnehmerin der russi! schen Arbeiterbewegung in England, gestattet sein, die Hoffnung auszusprechen, daß die Delegierten auf dieser Konferenz offen verkünden werden, daß die organisierten britischen Arbeiter, trotz der Militärdienstgesetze, die weitere Unantastbarkeit des englischen Asylrechts fordern. Ich glaube, es muß vollkommen klar sein, daß man die russi- schen politischen Flüchtlinge und Emigranten nicht zwingen darf, nach Rußland zurückzukehren, um dort in der Armee zu dienen, und daß man sie nicht der russischen Regierung ausliesern kann. Es ist serner selbstverständlich, daß nachdem wir den russi- schen Juden bei uns eine Zuflucht vor den Grausamkeiten der russischen Pogrome gewährt haben, wir nicht den geringsten An- laß haben, zu gestatten, daß sie die Opfer von Pogromen in Wfütechapel sdem jüdischen Quartier Londons) werden." Die letzten Worte der Genossin Adams lassen vermuten, daß von reaktionärer Seite eine Pogromagitation in London betrieben wird. Um so erfreulicher ist es, daß von sozialistischer Seite gegen diese Agitation wie gegen die Bedrohung des Asylrechts energisch Front gemacht wird, und daß ein so bedeutendes bürgerliches Blatt, wie der„Manchester Guardian" sich durch kerne „diplomatischen Rücksichten" beeinflussen ließ, diesem Protest seine Spalten zu verschließen. politische Uebersicht. Ter Nutzen der Sozialdemokratie. Tie gesamte bürgerliche Presse verfolgt verständlicherweise sehr aufmerksam alle Vorgänge in der Partei. Die Spannung über den Ausgang des Richtungsstreites innerhalb unserer Organisationen ist bei ihr ebenso groß wie bei den Parteigenossen selbst. Aber während die rechtsstehenden Blätter unverhohlen für die Fraktionsmehrheit und die„Umlerner" Partei ergreifen, hält sich daS Zentrum und ein Teil der liberalen Presse in ihren Urteilen etwas zurück. Aehnlich wie der Kanzler sucht man hier das in den Vordergrund zu schieben, was man zur Begründung der eigenen Politik verwenden kann. So schreibt das Zentrumsblatt, die„Germania": „Die„Kreuz-Zeitung" hat eS noch dieser Tage trotz der- schiedener Wendungen und Windungen zugegeben, daß sie weder mit der äußeren noch namentlich mit der inneren Polisik des Reichskanzlers einverstanden ist. Man sollte doch auch in diesen Kreisen sich einmal fragen, was denn aus dem Krieg geworden wäre, wenn wir unS noch mehr Feinde auf den Hals geladen hätten und wenn v. Bethmann Hollweg es nicht verstanden hätte, die vielen Anhänger der Sozialdemokratie in den Dien st des Vaterlandes zu stellen. Wir halten es für sehr unklug und gefährlich, jetzt, wie eS geschieht, den Soziap domokraten am Zeug flicken zu wollen, weil ihre Vertreter bei den letzten Regierunesvorlagen im Reichstag zum Teil versagt haben, da doch der Krieg ohne die Mitwirkung und ohne die begeisterte Baierlandsliebe aller Parteien, auch derSozial- de molraten, überhaupt nie hätte geführt werden können, w i e e r geführt wurde und geführt wird." Natürlich ist auch die.Germania" mit der Linken in der So- -ialdemokrati« höchst unzufrieden. Aber sie vermeidet eS doch, so vlmnp ihre Sympathien mit der FraklionSmebrheit auszusprechen, wie cs etwa die„Berliner Neuesten Nachrichten" tun. Dies Unternebmerblatt hält eS sogar ftir nötig, FraklionSmehrheit und Parteivorstand in ihrem Kampfe gegen die.Opposition" zu er- muligen. ES schreibt: „Natürlich kann eS unS recht sein, wenn die sozialdemokra- trschd Fraktionsmehrheit im Reichstage, der Parteivorstand und die anderen Organisationen, die zurzeit noch die Führung in der Hand haben, für ihr Dasein und für ihre Macht in der Partei kämpfen. Ein nationaler Vorteil, ein vaterländischer Nutzen würde aber erst entstehen, wenn diese Teile der Partei den Mut gewännen, von einer national gewandelten Grundlage aus den Kampf zu führen, ihn mithin nicht mehr bloß um Organisation und leitende Stellen zu führen, sondern auch um Inhalt und Geist der Partei. um das Programm einer deutschen Arbeiter- Partei(oder was sie sonst werden wollen) und um ernst- hafte Gegenwartsziele im Nahmen des Vater- ländischen Gesamtrahmens. Andernfalls— wir wissen eS im voraus— wird es noch ein paar Phrrhus-Siege des alten Vorstandes geben und dann sinkt alles im Geist wieder nach links zurück. Gerade weil es uns eine aufrichtige Freude sein würde, einen großen Teil der Sozialdemokratie„wieder heimkehren zu sehen zum Vaterlande", betonen wir das ohne Unterlatz. Einzig und allein beim badischen Revisionisten Kolb und und seinem„Karlsruher Volksfreund"(ein klein wenig allerdings wohl auch der„Cemnitzer Volks stimme") haben wir bisher etwas von dem Entschluß gespürt,? in dieser Haupt- und Grundftage bis zu den Wurzeln zu gehen." Mehrere rechtsstehende Parteiblätter haben bereits wiederholt diese unbequemen Freunde aus den bürgerlichen Parteien zurück- gewiesen. Aber daß sich solche Versuche der Ermunterung immer wiederholen, scheint uns doch ein beachtliches Zeichen. Das vorsichtige Zentrum. Die„Kölnische Volkszeitung"(Nr. S0S) mahnt neuerdings, mög- lichst alle innerpolitischen Fragen bis nach dem Kriege aufzuschieben. Nur mit der Beseitigung der„Ausnahmegesetze" will sie eine Ausnahme machen, wobei aber wohl in erster Linie an das Jesuitengesetz gedacht ist. Besondere Vorsicht empfiehlt der Leit« artiller des führenden ZentrumSblatteS gegenüber der Sozial- demokratie: Ob wir z. B. künftig mit der Fortdauer und Weiter« entwicklung der Sozialdemokratie oder mit der Wieder- Vereinigung der Getrennten oder ihrer großen Mehrheit rechnen müssen, das weiß niemand. Sicher ist nur, daß an eine Ueberleitung der ganzen Sozialdemo- kratie in die Richtung nationaler Pflichterfüllung leider nicht mehr zu denken ist; daß diese Richtung sich als möglichst stark erweisen möge, wünschen wir sicher alle. Wer daran doch noch durch parteipolitische Scheu- klappen gehindert /ein sollte, darf nicht hoffen, daß die künftige politische Entwicklung auf ihn Rücksicht nehmen wird. Etwas anderes ist dagegen, jenen allgemeinen Wunsch schon heute als sichere Erwartung in die Rechnung ein- zustellen. Dazu ist eS entschieden noch zu früh. Uebrigens seien die Begriffe Sozialdemokratie und Arbeiter st and nicht dasselbe, und die stärkere Heranziehung des Arbeiter st andes zu den staatlichen und gemeindlichen Aufgaben sei eine Forderung der Gerechtigkeit und der Klugheit. Gerade durch dieses Zusammenarbeiten könne daS gegenseitige Ver- ständniS nur gewinnen. Das werde auch bei der Reform des Land- tagSwahlrechtS und des GemeindewahlrechlS zu beachten sein. Kein Ueberflnsi in Bayern. Die Münchener Korrespondenz Hoffmann meldet: DaS Mi- nisteriumdeS Innern wendet sich gegen einen kürzlich in der „Vossischen Zeitung" unter der Ueberschrift„Die Verpfle- gung in Bayern"«vschienenen Artikel, der die Verpflegungsverhält» nisse in Bayern in einem derart rosigen Licht schildert, daß sich mancher dadurch vielleicht veranlaßt fühlt, seinen Sommerurlaub in diesem„Schlaraffenland" zu verbringen. Daß man aber im Süden in der Tat rucht schwelgen kann, sondern wie allerorts unter der Knappheit teidet, das haben die Vorkommnisse des vorvergan- genen S-unZmgs in München gezeigt. Der Artikel wendet sich dann gögeü die Meinung, daß die hohe bayerische Fleischkarte eine Fleisch- Versorgung darstelle, wie in keinem anderen Gebiet Norddeutsch- landS. Tatsächlich aber sind zahlreiche bayerische Kommunalver- bände, besonders München und Nürnberg, nicht in der Lage, auch nur aUnäbernd den Karteninhabern die vorgesehene Ration von 7t») Gramm wöchentlich zu geben. Dabei darf nicht übersehen wer- den, daßiu Bayern alle Wurst- und Rauchwaren, Fleischkonserven, Wild, GiflüM, Fett und Speck nur aus Grund der Fleischkarte bezogen werden können, während der Berliner im Gasthause Wild und GeflüM verzehren kann und in der Lage ist, sich bei seinem Fleischer Zunge, Kopffleisch sowie alle Wurstwaren zu kaufen, ohne daß er seine Fleischkarte auch nur mit einem Gramm in Anspruch nimmt, Mäju kommt noch, daß Bahern dem Vernehmen nach trotzdem im Begriff steht, die Fleischkarte auf 601) oder St») Gramm ftir die Woche herabzusetzen. Auch in der Butterversorgung ist eS in Bayern nicht so glänzend bestellt, und auf dem Viktualicnmarkt in München warten täglich lange Reihen stundenlang, bis sie ihre weit unter dem Reichsdurchschnitt stehende Wochenration von 100 Gramm erhalten können. Daß Bayern, ganz besonders im Alpen- bortzrnde, an Eiermangel leidet, wird auch in dem oben genannten ArtlkÄ anerkajint. ES darf überdies damit gerechnet werden, daß in nächster ZKt eine sehr knapp bemessene Eierkarte eingeführt cherdett wird. Nicht unevwäbnt darf bleiben, daß der Ersatz des Fleisches durch Seefische in Bayern sehr viel schwerer ist als in Norddeutschland. Auch mit Zucker und Hülsenfrüchten steht eS sehr knapp, so daß jeder, der in Bayern seine Sommerferien verleben will, gut daran tut, diese Artikel selbst mitzubringen oder sich nachschicken zu lassen. Der Artikel schließt: All die geschilderten Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung müssen sich naturgemäß noch wesentlich steigern, wenn der große Fremdenstrom sich nach dem Süden er- gießt. Es ist ja auch ohne weiteres erklärlich, daß Bahern nicht in der Lage sein wird, 300 000 Menschen mehr auch Wochen hinaus |u ernäbren, und die in der letzten Zeit aufgestellte Forderung, daß die Reichsstellen diesem Umstände durch Zuweisung von Lebens- Mitteln aus den Gegenden, aus denen der Abfluß nach Bayern erfolgt, Rechnung tragen, ist vollkommen gerechtfertigt. Jedenfalls wäre es unrichtig, wenn weitere Kreise aus Grund der angeblich besseren Lebensmittelverhältnisse sich entschließen würden, ihren heurigen Urlaub in Bayern zuzubringen. Gegen Verfälschung des BrotgetreidemehlS. In neuerer Zeit ist die Beobachtung gemacht worden, daß nicht nur gelegentlich noch immer Verfälschungen des Brotgetreidemehls und somit des Brotes durch Strohmehl vorkommen, sondern daß nunmehr zu dem angegebenen Zweck vorwiegend gemahlene Spreu (Kaff), die unter der Bezeichnung„Spelzspreumehl" in den Verkehr gelangt, Verwendung findet. Zum Teil haben diese Mißstände be- retts einen derartigen Umfang angenommen, daß unverzüglich und energisch eingeschritten werden muß. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, daß durch den Zusatz von Spelzstreumehl das Brotgetreidemehl sowohl in seinem Ge- nußwert entsprechend verschlechtert und somit verfälscht wird, ganz abgesehen davon, daß die Bevölkerung auch in der gegenwärtigen Zeit durchaus berechtigt ist, im Verkehr als Brot eine Ware zu er- warten, die frti von SpreUmehl-, Strohmehl-, Holzmehl, und ähnlichen Zusätzen ist. Um so unbegreiflicher ist eS, daß selbst führende Jnnungsmitglieder die heimliche Verfälschung des Brot- mdjleS durch Spelzstreumehl gefördert haben sollen. In einem ministeriellen Erlaß werden die RegierungSpräsi- denten und der Berliner Polizeipräsident ersucht, die mit der Be. auftichtigung des Verkehrs mit Brot betrauten Beamten und Sach- verständigen sowie insbesondere auch die öffentlichen NahrungS- Mitteluntersuchungsanstalten anzuweisen, der Verfälschung des BroteS, das zurzeit das allerwichtigste Nahrungsmittel ist, ganz beflmdere Äufmerkfamckeit zuzuwenden und gegen Fälscher mit allem Nachdruck einzuschreiten, zumal bei derartigen Verfälschungen bei den Beteiligten Gutgläubigkeit nicht angenommen werden kann. Gute Weide— dennoch Tenernng! Aus Harburg, 20. Juni, schreibt man dem„Hann. Kur.": Aus den Marschen wird gemeldet, daß sich die ältesten Leute nicht entsinnen, Monate wie Mai und Juni erlebt zu haben, die eine so reiche GraSfülle brachten, daß sich auch da tatsächlich das Vieh nicht„hindurchfressen" konnte, wo eS reichlich aufgetrieben war. Der Milchertrag ist verhältnismäßig hoch gestiegen. Beim Magervieh sind in den wenigen Wochen des WeidegangeS die Spuren der dürftigen Winterkost, die es beim Auftrieb nur allzu deutlich zur Schau trug, voll» ständig geschwunden, die Fettaufnahme vollzieht sich er- staunlich rasch, und das gegenwärtige Aussehen der Tiere ist hoch befriedigend, so daß bald den Märkten erstklassiges Vieh wird zu- geführt werden können. Auch aus anderen Gegenden des Reiches wird von einem guten Stand der Weiden berichtet. Man müßte daher erwarten, daß Fleisch und Milch nun bald wieder billiger werden. Bis jetzt ist davon allerdings nichts zu merken, im Gegenteil, man beabsichtigt sogar an einzelnen Orten die Erhöhung der Rindfleischpreise. Außerdem hat man kürzlich erst in Groß-Berlin die Milch wieder verteuert. Womit will man angesichts der günstigen Berichte über den Weide- und Viehstand die Aufrechterhaltung und weitere Steigerung der hohen Milch- und Fleischpreise begründen? Kriegsbekanntmachungen. Einstellung des Postanstauschs mit Griechenland. Berlin> 24. Juni.(W. T. B.) Zurzeit bietet sich keine Mög- lichkeit, einen PostauStausch mit Griechenland sicher- zustellen. Daher können bis auf weiteres auch die bisher nach den von den feindlichen Mächten nicht besetzten Gebieten Griechen- lands noch zugelassenen gewöhnlichen Briefe, Postkarten und politischen Zeitungen nicht mehr befördert werden. Die Postanstalten sind angewiesen worden, bis auf weiteres Sendungen nach Griechenland nicht mehr anzunehmen und etwa noch durch die Briefkasten eingelieferte den Absendern mit dem Vermerk:„Keine Beförderungsgelegenheit" zurückzugeben. Auch die bisher noch angenommenen und bis zur Grenze weiter- beförderten Sendungen, die von der griechischen Postverwaltung nicht mehr übernommen werden konnten, müssen den Auflieferern wieder zugestellt werden, weil nicht zu übersehen ist, wann ein ge- sicherter Poswustausch mit Griechenland wieder zu ermöglichen sein wird._ Soziales. Tie dritte Generalversammlung der„Volköfürsorgc" zur Entgegennahme des Geschäftsberichts über das zweite volle Be- triebsjahr 1915 tagte am Donnerstag, den 22. Juni d. I., im Sitzungssaale der Verlagsgesellschaft Deutscher Konsumvereine unter Leitung de? Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Gesellschaft, Reichstagsabgeoödneten Gustav Bauer. Nach Feststellung der an- wesenden Aktionäre erstattete daS geschäftsführende VorstandSmit- glied v. Elm Bericht über das ganz durch den Krieg beeinträchtigte Geschäftsjahr. Aus dem Bericht geht hervor, daß die erst ein Jahr vor Ausbruch dcS Krieges errichtete Gesellschaft sowohl ihre Organi- sation als auch ihren Versicherungsbestand bis jetzt durch die harte Kriegszeit hindurchgebrocht und ein verhältnismäßig günsttges Er- gebnis zu verzeichnen hat. Neu abgeschlossen wurden im Jahre 1915 10 701 Versicherungen mit einer Versicherungssumme von 2 225 638 M. Der Versicherungsbeftand betrug Ende 1915 105 103 Kapitalversicherungen(Tarif I—-IVa) mit einer Versicherungssumme von 22 699 419 M.. 64 508 Sparversicherungen(Tarif V und VI) mit einer Versicherungssumme von 1 207 354 M. und 1701 Risikoversicherungen i Tarif Va) mit einer Versicherungssumme von 567 156 M., insgesamt 171 312 Versicherungen mit einer Versicherungssumme von 24 473 929 M. Die Prämieneinnahme ergab 1 924 547,86 M., die Einnahme an Zinsen 148 934,03 M. An Auszahlungen waren für 2222 Sterbefälle 90 332,53 M. zu leisten. Der Sterblichkeitsgewinn betrug 79 162,93 M. Das Gesamtgeschäft ergab einen Ueberschuß von 148 815,79 M., ein Ergebnis, das in Rücksicht auf die durch den Krieg entstandenen Schwierigkeiten, ins- besondere in Anbetracht der kurzen Zeit des Bestehens der Gesell- schaft, als gut bezeichnet werden darf. Dem Organisationsfonds brauchte auch in diesem Jahre nichts entnommen zu werden. Den besonderen Verhältnissen Rechnung tragend, wurde eine Konto- korrentreserve von 15 000 M. upd eine Reserve für Kursverluste in Höhe von 10 000 M. eingesetzt. Vom Jnvcntarkonto wurden 15 Proz.— 12 576,45 M. abgeschrieben, Zum 2. Punkt der Tagesordnung erklärte der Vorsitzende Bauer, daß dem Geschäftsberichte nichts hinzuzufügen sei. Die mehreren Revisionen des AufsichtsratS und des besonder? bestellten Revisors, Herrn Bästlein, haben keinerlei Anstände ergeben. Zwischen Vor- swnd und AuffichtSrat habe ein durch gegenseitiges Vertrauen getragenes Verhältnis dauernd bestanden und seien alle wesentlichen Beschlüsse einstimmig gefaßt worden. Bei Punkt 3 der Tagesordnung wurde der Antrag des Revi- sors, die Bilanz für das GeschäftSjcchr 1915 zu genehmigen und dem Vorstand und AuffichtSrat Entlastung zu erteilen, einstimmig angenommen. Bei Punkt 4 bespricht v. Elm den vom AuffichtSrat vorgelegten Antrag: „Für das Geschäftsjahr 1915 tritt, unter Voraussetzung, daß sämtliche Aktionäre zustimmen, eine Verzinsung � des Aktien- kapitals nicht ein. Der dafür nach§ 86 Absatz 2 Ziffer 5 deS Ge- sellschaftsvertrageS bereitzustellende Betrag von 40 000 M. ist— unbeschadet der nach dem Gesellfchaftsvertrage vorgeschriebenen Dotierung— dem KriegSreservefvnds(§ 36 Absatz 2 Ziffer 3 des Gesellschaftsvertrages) zuzuführen." Die Aktionäre haben, wie schon im vorigen Jahre, nach den vor- liegenden schriftlichen Erklärungen sich bereit erklärt, auch in diesem Jahre zugunsten deS Kriegsreservefonds auf die Auszahlung der ihnen zustehenden 40 000 M. zu verzichten, wodurch der für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen versicherten KriegSteil- nehmer zur Verfügung stehende KriegsrefervefondS auf 99 341,45 M. anwächst. Der für den einzelnen entfallende Betrag wird durch die lange Dauer des Krieges wohl vermindert, aber immerhin noch eine wesentliche Erhöhung der zur Auszahlung gelangenden Ver- sicherungssummen ermöglichen. Ohne Diskussion wird dem Antarg zugestimmt und hierauf bezüglich der Verwendung des UebevschusseS einstimmig beschlossen. Von dem erzielten Ueberschutz im Betrage von 148 815,79 M. sind gemäß den Bestimmungen des§ 36 des GesellschaftSvertrageS zuzuweisen: 1. dem gesetzlichen Reservefonds 5 Proz.: 7440,79 M-, 2. dem Organisationsfonds 6 Proz.: 7440,79 M., 3. dem Kriegs- reservefonds 5 Proz.: 7440,79 M,, pluS der soeben beschlossenen 40 000 M. also 47 440,79 M.. 4. dem Fonds für besondere Reserven 5 Proz.: 7440,79 M., 5. der Gewinnreserve der Versicherten 5 Proz. der 1 793 505,60 M. betragenden Jahresprämien der mit Gewinn- beteiligung Versicherten=; 89 675,28 M., minus 14 789,76 M. ver- rechneter, aber nicht zur Gutschrift gekommener Gewinnanteile: 74 835,52 M. Der Rest von 4167,11 M. ist auf neue Rechnung vor- zutragen. Als Revisor wird Herr Bästlein aufs neue bestellt und als Ersatzmann zum AuffichtSrat für den zum Milttär eingezogenen Herrn Turnau Herr Max Mendel einstimmig gewählt. Die durch das Los ausscheidenden vier Auffichtsratmitglieder Bauer, Ebert, Frätzdorf und Dr. August Müller werden wieder- gewählt und war, da Anträge gemäß§ 28 Absatz 3 deS GefÄllfchafts- Vertrags nicht eingelaufen waren, damit die Generalversammlung zu fchneßen. Generalversammlung von Groß-Serlin. Vorbericht. Die gestern aSgetjÄtene Generalversammlung des Verbandes sozialdemotratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend beschloß zunächst die Zulassung der Delegierten von Neukölln und Lichter- selbe, denen der alte Kreisvorstand von Teltow-Beeskow die Man- date vorenthalten hatte unter Berufung auf den die Beitragsspcrre betreffenden Beschluß. Dann nabm die Versanimlung den Geschäftsbericht des Vor- standes entgegen, den Genosse Eugen Ernst erstattete. Zum Konflikt zwischen dem geschäftsführenden Ausschuß und der Mehr- heit der Wahlvereinsmitgliedcr bemerkte der Redner, der Konflikt sei dadurch entstanden, daß eine woblorganisicrte Opposition Flug- blätter unwahren Inhalts verbreitet habe und die Mehrheit des Zentralvorstandes sich dagegen gewandt habe. Böske gab den Kassenbericht. Die dann folgende Diskussion drehte sich in der Hauptsache um den Berliner Konflikt. Mehrere Redner erklärten die Be- sprechungcn der Opposition als notwendig, um den Borstand zu veranlassen, den Willen der Mehrheit der Mitglieder durchzuführen. In sein ein Schlußwort wandte sich Genosse Ernst nocksmals scharf gegen diese Zusammenkünfte, die er als Sonderorganisalionen bezeichnete, die im Rahmen der Parteiorganisation nickt zulassig seien und parteischädigend wirken mußten. Anträge aus Mitglieder- kreisen habe der geschäftsführende Ausschuß stets zur Diskussion gestellt. Ter Vorwurf der Opposition, der Vorstand habe die Jnter- essen der Mitglieder nicht wahrgenommen, sei unberechtigt. Die an der Spitze der Organisation stehenden Genossen hätten seit Jahr- zehnten im Einvernehmen mit den Mitgliedern gearbeitet. Einen Kampf innerhalb der Partei könnten sie nicht mitmachen. Nach einer Reibe persönlicher Bemerkungen und einer Dis- kussion über die zu den Vorstandswahlcn aufgestellten Kandidaten erfolgte die Neuwahl. Sämtliche von der Opposition aufgestellten Kandidaten wurden gewählt, und zwar in den geschäftsführenden Ausschuß: Adolf Hoff mann mit 397 Stimmen als Vorsitzender. Weise mit 24-1 Stimmen als Schrittführer, Herbst mit 234 Stimmen als.Kassierer. In der Minderheit blieben: E u g e n Ernst mit 67, Böske mit 59, T h e o d o r F i fch e r mit 56, sowie Ed erlei n, der gleichfalls als Schriftführer vorgeschlagen war, mit 66 Stimmen.— Ferner wurden gewählt in den Bildung-- ausschuß: Eichhorn, Frau Wurm, Däumig, Frasse ck, Frau Kaut-kv, May i gleit, Bergmann, Karl Meyer.— Als Revisoren: Ludwig Borchardt, Burghardt, Zimmermann, O st b u r g. Andre.— In den Parteiausschuß wurde Stadthagen mit 262 Stimmen als Mitglied und Rosa L u x e m b u rg mit 243 Stimmen als dessen Ersatzpersoist gewählt. Hierauf folgte eine Besprechung des Konflikts des Parteivor- standes mit der Redaktion des„Vorwärts". Genosse Däumig leitete die Besprechung ein mit einer Dar- legung der Ursachen des Konflikts und den Verhältnissen, die sich daraus entwickelt haben. Er betonte, die Redaktion haoe gehandelt, wie sie auf Grund der Parteibescklüsse zu handeln verpflichtet war und werde sich von diesem Standpunkt nicht abdrängen lassen. Eichhorn verurteilte scharf das Verhalten des Parteivor- standes in diesem Konflikt. L c ß l e führte namens der Preßkommission aus, daß diese die Haltung der Redaktion billige. Rosa Luxemburg kritisierte die„Vorwärts"-Redaktion, weil diese nicht mit aller Sckärfe den konsequenten sozialdemokrati- schen Standpunkt vertrete. Weiter forderte die Rednerin gemein- same Maßnahmen aller oppositionellen Parteigenossen im Reiche gegen den Parteivorstand, weil er den sozialdemokratischen Stand- Punkt verlassen habe. Barth stimmte den Ausführungen der Genossin Luxem- bürg zu.<», Ledebour und H a a s e wandten sich gegen den von Rosa Luxemburg vertretenen Standpunkl, besonders gegen die von ihr empfohlene Bcitragssperre. Durch diese werbe der Kampf, der sich um große Prinzipienfragen drehe, auf das Gebiet kleinlichen formalen Äechts verschoben und dadurch dem Parteivorstand eine Handhabe gegeben, mit formalen Mitteln- gegen die Genossen der Opposition vorzugehen. �_ Däumig rechtfertigte die Redaktion gegenüber der von Rosa Luxemburg geübten Kritik und verwie-s auf die Zensurschwierig- ketten, die es der Redaktion unmöglich machen, so zu schreiben, wie sie es für notwendig halte. Dr. E r n st Meyer stellte sich hinsichtlich der Beitragssperre und der gegen den Parteivorstand ins Werk zu setzenden Maß- nahmen im wesentlichen auf den Standpunkt von Rosa Luxemburg. Infolge der Annahme eines Schlußantrages nach mehr- stündiger Debatte hatte Rosa Luxemburg nicht mehr Gelegenheit, nochmals das Wort zu nehmen. Der Versammlung lagen mehrere Resolutionen vor. Eine von Rosa Luxemburg eingebrachte Resolution, die sich mit ihren Ausführungen deckt, wurde mir großer Mehrheit abgelehnt. Tie übrigen Resolutionen, die teils einstimmig, teils gegen wenige Stimmen angenommen wurden, haben folgenden Inhalt: Eine Resolution Krause erklärt sich für die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft. Eine Resolution Eichhorn spricht der Haltung der Redaktion des„Vorwärts" alle Anerkennung aus. Eine andere Resolution Eickharn erklärt sick gegen die Zensur des„Vorwärts" durch den Parieivorstaud, gegen die Haltung der Neunerkommission und des Gesckäftsführers Richard Fischer. Sie empfiehlt Verbanblungen zwecks Rücknahme der Maßnahmen dieser Instanzen und, falls dieielbcn erfolglos bleiben sollten, Siegelung der Angelegenheit durch die Berliner Parteigenossen ohne Rücksicht auf den Partcivorstand. Eine weitere Resolution verlangt Zahlung des Gehalts an den Redakteur Meyer aus der Verbandskasse. Eine Resolution Leid verurteilt die Politik des 4. August, spricht dem Parteivorstand das Recht ab, diese Politik der ganzen Partei als maßgebend vorzuschreiben, und verpflichtet die Genossen, an den Grundsätzen und der alten Taktik der Partei festzuhalten. Eine von Adolf Hoff m,a n n eingebrachte Sympathie- erklärung für Karl Liebknecht wurde einstimmig angenommen. Schließlich stimmte die Versammlung noch einer von Eichhorn begründeten Resolution zu, welche erklärt, daß der heute gewählte Vorstand auch als geschäftsführender Ausschuß der preußischen Landeskommission zu fungieren hat. �US Groß-öedin. Ter Frauen-Leseabend für Groß-Berlin findet heute abend statt. Anmeldung des Butterbezuges in Berlin. Nack einer gestern veröffentlichten Verordnung des Ma- gistrats über die weitere Anmeldung des Butterbezuges haben die Butterkorteninhaber für die Zeit nach dem 9. Juli 1916 ihren Butterbezug für die Folgezeit anzumelden. Die Anmel- dung braucht nicht in demselben Geschäft zu geschehen, in wel- chem der Butterkarteniuhaber bisher seine Butter bezogen hat. Ties ist insbesondere für diejenigen von Bedeutung, die in- zwischen ihre Wobnung gewechselt haben. Die Anmeldung muß bis spätestens Donnerstag, den 29. Juni, abends 8 Uhr, erfolgt sein. Die Butterkleinhändler haben die Abschnitte bis Sonnabend, den 1. Juli d. I., bei einem bei der Butterver- sorgungsstelle Groß-Bcrlin zugelassenen Großhändler äbzu- geben, der sie bis Dienstag, den 4. Juli d. I., mittags 12 Uhr, der Butterversorgungsstelle Groß-Berlin, Poststr. 16, Zim- mer 57, einzureichen hat. Großhändler, die Butter unmittel- bar an Verbraucher abgeben und bei der Butterversorgungs- stelle Groß-Berlin zugelassen sind, sowie Kleinhändler, die Butter selbst erzeugen oder unmittelbar von außerhalb be- ziehen, haben ihre Anmeldeabschnitte der Bulterversorgungs- stelle Groß-Bcrlin ebenfalls bis Dienstag, den 4. Juli, einzu- reichen. Qeffentliche Ankündigungen der Butterhändler, durch die die Bevölkerung aufgefordert wird, in ihren Geschäften die Anmeldung vorzunehmen, sind untersagt. Tie Anmeldung hat Wirksamkeit vom 19. Juli d. I. ab. Bis zum 9. Juli haben die Butterkarteninhaber ihre Butter in dem Geschäft zu beziehen, in welchem sie bisher angemeldet waren._ Berliner Magistrat gegen„Teutsche Tageszeitung". Der Magistrat teilt mit:„Die„Teutsche Tageszeitung" be- hauptet in der Nummer 348„m einer Zuschrift von geschätzter Seite", daß die Stadt Berlin 86 Proz. auf das ihr augelieferte Schlachtvieh hinzurechne. Diese Behauptung ist un» wahr. Die Preise, zu denen die Stadt sämtliche Tiere den Schlächtern beziehungsweise den anderen Gemeinden überläßt, sind aufgebaut auf den von den Viehhandelsverbänden festgesetzten Grundpreisen, Sie setzen sich zusammen au- diesen Preisen(es ist richtig, daß diese außerordentlich hoch sind; leider hat die Stadt ein Diitbestimmungsrecht bei diesen Preisen nicht, wie gerade der„Deutschen Tageszeitung" bekannt sein dürfte), weiter aus dem vom Zentralviehhandelsverband einheitlich ftir sämtliche Viehhandelsverbände einseitig und ohne Zulässigkeit einer Mit- Wirkung der Stadt festgesetzten Zuschlägen von 7 Proz. beziehungsweise 16 Proz., die in ihrer ganzen Höhe den Vieh Handelsverbänden zufließen, ferner aus der Landfracht und Eisenbahnfracht. Hinzu kommen die Unkosten für Ausladen, Treiben, Füttern, Futter und Streu; 1 Proz. tthölk der Verein Berliner Viehkommissionäre für die von chm geleistete außerordentlich umfangreiche Tätigkeit, und endlich e r- halten Berlin und die mit Berlin zu einem Ver- sorguu gs geb ie t zusammengeschlossenen Städte und Kreise 1 Proz. Mit diesem letztgenannten 1 Proz. sind alle den Groß-Berliner Gemeinden und Kreisen erwachsenden Unkosten zu decken: nämlich die Unterhaltung eines großen Bureaus, das lediglich durch die neue Art der Fleisch- Versorgung notwendig geworden ist, weiter u. a. die Ausfälle, die den Gemeinden und Kreisen dadurch erwachsen, daß Schlacht- tiere in der Zeit vom Ausladen bis zum Verkauf verenden. Mi: solcken Ausfällen muß leider bei dem Zustande des von den Vieh- handelsverbäirdcn gelieferten Viebs andauernd gerechnet werden, Hieraus ergibt sich, daß die Stadt Berlin und die Groß-Berliner Gemeinden und Kreise an dem ge- lieferten Vieb keinerlei Verdienst haben. Es ist voll- kommen unerfindlich, wie„die von der„Teut'cken Tageszeitung" gesckätzte Seite" Behauptungen von solcher Ungeheuerlichkeit aus- stellt, und daß eine solche Zuschrift von den sachverständigen Mit- arbeitern der Zeitung nicht zuvor einer Nachprüfung unterzogen wird. Der Magistrat von Berlin weist diese durch nickts begründeten Behauptungen und die sämtlichen im Anschluß daran gemachten Aus- führungen selb st verständlich entschieden zurück, Bedeutsamer als durch Verbreitung völlig haltloser Behaup tungen würde der Oeftentlichkeit gedient, wenn darauf hingewiesen würde, daß gerade die Viehhandelsverbände es sind, die für fast alle Viehgattungen von einer Preiserhöhung zur anderen schreiten. So ist seit dem"l8. d. Mts. wieder eine beträchtliche Preiserhöhung für Rindvieh eingetreten, und eine weitere ganz erhebliche Preiserhöhung für Schweine und Schafe soll, wie verlautet, unmittel- bar bevorstehen,"_ Bootsunglück. Ein schweres Bootsunglück hat sich gestern auf dem Tegeler See ereignet. Zwischen Saatwinkel und der Insel Baumwerder stieß ein Segelboot, in dem sich eine Familie befand, mit einem Ruderboot infolge falscher Steuerung eines dieser Boote zusammen. Mehrere Personen, die sich in dem Seegelboot befanden, stürzten ins Wasser. Zwei Kinder wurden von einem Arzt, der sich aus dem Felde hier auf Urlaub befand, gerettet; ein Lv-ährizss Mädchen aber ertrank. Wie es heißt, war dieses Mädchen die Braut des braven Retters. Kleine Nachrichten. Festgenommen wurde einer jener Burschen, die von Erpressungen leben. Ein junger Kaufmann hatte sich an einen Großkaufmann herangedrängt und chm schließlich mit einer Anzeige wegen Verletzung eines gewissen Paragraphen gedroht, wenn er nicht genug Geld bekäme.— Ein ausgekochter Bauernfänger wurde gestern von der Kriminalpolizei verhaftet. Sportpark Treptow. Bei schönem Weiter und überaus zahl- reichem Besuch kam geltern ein reichhaltiges, abwechselungsreiches Programm zur Abwicklung. Die Glanzpunkte bildeten der große Sommerpreis, ein Dauerrennen in zwei Läufen über 26 und 36 Kilometer mit der Besetzung: Appelhans, Krupkat, Pawie, Schipke und ein Fliegerwettkampf zwischen Rütt, Lorenz, Stabe und Lewanow. Vervollständigt wurde das Programm durch den kleinen Sommerpreis, einem Dauerrennen über 25 Kilometer mit der Besetzung: Kuschkow,?!aujokat, Weise, Techner, und einem Vorgabe- und Prämienfayren der Treptower Rennmannschaft. Im ersten Lauf des großen Sommerpreises ging Krupkat mit der Führung vor Pawke, Schipke und Appelhans auf die Reise. Er wurde aber bald von Pawke abgelöst und fiel dann später bis auf den letzten Platz zurück. Pawke wurde in 17 Minuten 31 Se- künden erster vor Schipke. Appelhans und Krupkat.— Im zweiten Lauf riß Appelhans die Führung an sich, mußte sie aber bald eben- falls an Pawke abgeben. Pawke fuhr alsdann das Rennen in 26 Minuten 22 Sekunden unangefochten nach Hause. Appelhans (326) zweiter, Schipke(726) dritter und Krupkat(746 Meter zurück) vierter. Der Fliegerwettkcnnps wurde in sechs Läufen nack Punkt- Wertung ausgefahren. Rütt siegte mit 3 Punkten vor Stabe 4, Lewanow 5 und Lorenz mit 6 Punkten. Der kleine Sommerpreis wurde von Weise in 22 Minuten 54 Sekunden vor Techmer(1666), Kuschkow(1986) und Naujokat (3726 Meter zurück) gewonnen. Im Vorgabefahren ging Behrens vor Krahner, Neinertz unt Nadlitz als erster durchs Ziel.— Das Prämienfahren gewann wieder Behrendt vor Abraham, Hahn und KopS. Wetteraussichtcn für das mittlere Norddcutschland bis Dienstag mittag: Ziemlich warm und schwül, im Küstengebiete trocken und vorwiegend heiter, im Binnenlande ziemlich heiter, jedoch veränder- lick, besonders im Süden Gewitterneigung. Aeatisl-feta!! ßer Ißpler !ü. SeralsuenBSSfin BsiHsciilands. riliale Groß-Berlin. Am Freitag, den 23. Juni 13lS, j verstarb unser Mitglied, der Töpfer] Hermann Lück iLeziri Ncu'öllnl im Alter von 4L Jahren an Nehlropskrcbs. Ebre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Diens- tag, den 27. Juni, nachmittags 3'/,, Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Neuköllner Fried- Hofes, Marieudorscr Weg. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Borstand. Tüchtiger Meister zur Laborierung von Geschost- zündern gesucht. Nur solche Be- Werber wollen sich melden, die schon in dieser Eigenschaft tätig gewesen sind.* Eliricl»& Graetx, Berlin SO, Elienslratze 90/91. Ii. O � gC £*c Zioaretten 21/, Pf. 1000 Stck. 12,50 11.50 5 f""' S' Hanckarb' 1000 St. 23.00 Ii. Iiiebermann, Berlin N.39, Cbausseestr. 86, Fabritgeb. ITr. TSgl. 8 Uhr. Sonnt 3!/2 u. 8 U. Der Zug nach dem Balkan. Varieti-Berue in 5 Stationen von Otto Reutter Musik von Panl lincke. Dazu die neuen Jnni-Spezialitäten. Fadrradeinkouf Lmiemtrahe 19.* Kleiderliuse m. Brat, Flöhe."W anzen.Vieli-UDgezlGfer, vernichtet radikal Goldgeist W. Z. 75 108. Faxb- und genxcMos. Eeinigt die Kopfhaut von bchuppen und Schinnen, befördert den Haarwuchs, verhütet Krankheit der Kopfhaut, Haarausfall u. Zuzug neuer Par asiten. Vernichtet Typhus- ba�lllen, desinfizierend und vorbeugend gegen Infektionskrankheiten, Wichtig für Schulkinder. Taasende Anerkennungen, Nur in Karton- � o,60 u. 1,20 M. Man achte beim Einkauf auf die Finna iinig. Fabrik Rademacher ACo.y Slegburgi und den Namen am« G g f. GeschleehUkrankhelten, Soczialarzi"äss.ä'sv mm• und Harn-Untersuchungen. Dr. med. Karl Reinhardt. Institute: Prinzenstr 64 iSÄfÄ™ wlr'Kl Potsdamer Str. 117; ÄSÄÄÄ » nflr InpanHo � Seiten starke Broschnre gratis and post- aulKla! CilUC frei in verschlossenem Kuvert Verantwortlicher Redakteur: Ernst Däumig, Steglitz. Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer&(io, iBetim SW.