Nr.178.-33.Ichrs. Abonnements-Bedingungen: EBormemcnö> Stets prinumerando Bietteljähtl. 8,90 Mk, monoll 130 W, wöchenUich SO Sfg. frei inS Haus. Ewzelne Kummet 5 Pfg, SotmlagS« nummet mit iHuftticttei Eonnlagö. Seilage.Die Kcue Well- 10 Pfg, Soft» Abonnement: 130 Mark pro Monat. eingetragen m die Post- ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 230 Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an Pelgien, Dänemarl emburg. Portugal und die Schweiz. <*'*»"»«111111 pwmtts .?erlin S.w. 68 4. fjof JV. ( 5 Pfennig) Die Tnlertions-Gebüljr betrügt für die sechSgespallene Holonel« jcilc oder deren Raum 60 Psg„ für politische und gewerlschafiliche SereinS- und Bersammlungs> Anzeigen 80 Pfg, „Kteiiie Hnieigtn", das setigedruikie Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jcbeS weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaistellenan» zeigen das erste Wort 10 Pjg„ jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Sxpeditton abgegeben werden. Die Erpeditio» ift bis 7 Uhr abends geöffnet. Vschtllll lZgllch. Vevlinev Vollisblcrkk. relegrainm-Adreffe: .SSbililtlemsktlU»lllll-. �0 Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Neüaktion: EW. HS, �inüenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzpla«. Nr. 131 90—151 97. die Kontrolle von Kriegs- lieferungen. In dem letzten Vertrauensvotum der französischen Kammer für das Ministerium Briand findet nch u. a. auch folgender Satz: „Sie(die Kammer) beschlieht, eine direkte Wordnung zu bilden, welche mit dem Beistand der Regierung an Ort und Stelle eine unmittelbare und wirksame Aufsicht über alle die Betriebe ausüben wird, welche für Heeresbedürfnisse zu sorgen haben." Dieser Beschluß der französischen Kammer, eine Art Kontrollkommission für Heereslieferun- gen einzusetzen, erinnert uns daran, daß auch der Deutsche Reichstag am vorletzten Tage seines Zusammenseins einen ähnlichen Beschluß gefaßt hat. Die Anregung dazu war von einem Antrage ausgegangen, den Graf Westarp zum Entwurf eines Kriegskontrollgesetzes gestellt hatte. Die Rechnungskommission des Reichstags sprach sich einstimmig für das Prinzip dieses konservativen Antrags aus, ersetzte ihn aber wegen formaler Bedenken durch eine fortschrittliche Resolution Doormann, die sie dem Plenum durch Genossen N o s k e als Beri�terstatter ebenso einstimmig zur Annahme empfahl. Diese Resolution lautet: »Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zur Prüfung von Verträgen, welche Behörden oder Kriegesgesellschaften seit Kriegsbeginn zu Lasten der Reichskasse über Leistungen oder Lieserungen für Kriegszwecke geschlossen haben, eine Kommission zu berufen, zu welcher vom Reichstag zu wäh- lende Mitglieder des Reichstags und Sachverständige zuzuziehen sind. Der Herr Reichskanzler wird ersucht, den Bericht der Kom- Mission den gesetzgebenden Körperschaften mit Vorschlägen zur Beseitigung etwaiger Mißstände mitzuteilen." In der Plenarsitzung des Reichstags vom 7, �"nr sagte Genosse N o s k e als Berichterstatter der Rechnungskom- Mission, sie sei einstimmig der Meinung gewesen, daß es eine unabwendbare Pflicht des Reichstags sei, sich möglichst gründlichen Einblick in die Lieferungsverträge und Liefe- rungsgeschäfte zu verschaffen, die von Behörden oder Kriegs- gesellschaften seit Kriegsbeginn zu Lasten der Reichskasse für Kriegszwecke abgeschlossen wurden. Es wäre damit zu rechnen, daß die Rechnungskommission Jahre brauchen würde, bis sie auch nur einen Bruchteil der Aufgaben erledigen könnte, die jetzt durch den Antrag Westarp uiid die vorgelegte Resolution erreicht werden sollten. Genosse Noske betonte besonders: „Bei der gewünschten Nachprüfung kommt eS aber wesentlich daraus an, daß so rasch wie nur i r g e n d m ö g l i ch an die Arbeit gegangen wird. Je mehr Zeit verloren geht, desto schwerer werden wichtige Feststellungen zu treffen sein. In der Kom. Mission ist einmütig die Auffassung vertreten worden, daß schon in der Sommerpause des Reichstags mit den Nachprüfungen, die für erforderlich gehalten werden, begonnen werden müßte.... Es ist uns in der Kom- Mission mitgeteilt worden, daß jetzt schon bei dem Rechnungshof Berge von Rechnungen sich anhäufen, so daß man Sorge trägt, die Balken des Hauses würden diese ungeheuere Last nicht mehr lange tragen können. Es- ist also durchaus erforderlich, daß sehr s ch n e l l an die Erledigung der Rechnungen herangegangen werden kann." Genosse Noske wies weiter darauf hin, daß die vorge- schlagene Resolution denselben Wortlaut sinngemäß über- nommen habe, den die Resolution hatte, die seinerzeit zur Einsetzung der Rüstungskommission geführt hati In der Diskussion sprach der Konservative v. Brock- Hausen seine Befriedigung über das Ergebnis der Kom- missionsberatungen aus und erklärte, er und seine Freunde würden für die Resolution stimmen. Sie wurde denn auch vom Reichstage ein st immig angenommen, nachdem vorher auch Staatssekretär Dr. Helfferich sich im Prinzip dafür ausgesprochen hatte. Staatssekretär Dr. Helfferich erklärte: „... Das Parlament soll in vollem Umfange Gelegenheit haben, die ihm zustehende Kontrolle und die ihm zustehende Kritik auszuüben.... Das Mittel, das hier vorgeschlagen wird, um diese Kontrolle und diese Kritik durchzuführen, ist ein außergewöhnliches. Aber ich stehe auch nicht an, hier mizuerkennen, daß die außergewöhnlichen Zeiten, in denen wir uns befinden, schließlich auch außerordentliche Wege rechtfertigen." Staatssekretär Dr. Helfferich wies allerdings auch auf eine Reihe praktischer Schwierigkeiten hin, die bei der ge- planten Kontrolle zu überwinden sein würden. Er betonte besonders, daß die Arbeiten des Rechnungshofes dadurch nicht gestört werden dürften und daß das Beamtcnpersonal, das die Lieferungsgeschäfte erledigt, außerordentlich stark in Anspruch genommen sei. Er sagte zum Schluß: „Sie werden aus meinen Worten sicherlich keine prinzi» pielle Ablehnung herausgehört haben, sondern im Gegenteil eine prinzipielle Zustimmung. Eine Entschließung der Verbündeten Regierungen in dieser Angelegenheit herbei- zuführen, war gestern keine Zeit; ich kann Ihnen aber die Zusage machen, daß ich eine Entschließung der Verbündeten Regierungen in dieser Frage mit der tunlichsten Beschleunigung herbei- führen werde." Seitdem sind mehr als drei Wochen verflossen, es haben diverse Sitzungen des Bundesrats stattgesunden, aber es ist nichts davon verlautet, daß Staatssekretär Dr. Helffe- rich seine Zusage eingelöst hätte. Wir haben sie von vorn- herein mit großer Skepsis aufgenommen. Der eingangs er- wähnte Beschluß der französischen Kammer ließ es uns aber angezeigt erscheinen, die Erinnerung an sie in der Oeffent- lichkeit wieder etwas aufzufrischen. Vergleicht man den fran- zösischen Beschluß, der„an Ort und Stelle eine unmittelbare und wirksame Aufsicht über alle Betriebe" fordert, die für Heeresbedürfnisse zu sorgen haben, mit dem Beschluß des Deutschen Reichstags, der nur bescheiden eine n a ch t r ä g- l i ch e Kontrolle von Lieferungsgeschäften und Verträgen fordert, die für Kriegszwecke abgeschlossen worden sind, so springt sofort in die Augen, wie unendlich viel größer der Einfluß des französischen Parlaments während des Krieges ist als der des deutschen Parlaments, ganz abgesehen davon, daß die Resolution des Reichstags allem Anschein nach ohne Folge bleiben dürfte, trotz der„prinzipiellen Zustimmung" und der„Zusage" des Herrn Helfferich. Treves für balüiges Kriegsenüe. Bern, 29. Juni.(W. T. B.) Die italienische Kammer fuhr in der Besprechung der Regierungserklärung fort. Aus der Rede des offiziellen S o z i a l i st e n T r e v e s ist der Schluß bemerkenswert, wo Treves unter lebhaftem Lärm daran erinnerte, daß in der französischen Kammer einige Soziali st en verlangt hätten, die Regierung möge mit Waffen st ill st andsvorschlägen beginnen. Auch in Deutschland habe sich eine ähnliche Bewegung für den Frieden zu entwickeln begonnen und nicht nur unter den Sozialisten, sondern auch unter den Unterzeichnern des berühmten Aufrufs der 93 Intellektuellen. Seiner Mei- nung nach dürfte der Krieg bald beendet sein. Italienischer Kammertumult. Lugano, 30. Juni.(T. II.) Die gestrige Kammersitzung stand nicht mehr im Zeichen der allgemeinen Begeisterung und Brüder- lichkeit,� sondern sie war der Schauplatz eines großen Tumultes und wüster Schimpfereien, gelegentlich einer großen Friedensrede des Sozialisten Treves, der wieder am Ministerium scharfe Kritik übte. TreveS verhöhnte Boselli wegen des Empfanges und Be- fragung von Journalisten. Wenn der Ministerpräsident gern die Meinung der Zeitungsleute kennen lernen wolle, so brauche er nur die Zensur aufzuheben, eine Bemerkung, die im Hause große Heiter- keit hervorrief. Unter lebhaftem Beifall der Linken wandte er sich gegen die Politik SonninoS gegenüber der Entente. Italien sei nur ein Anhängsel des VierverbandeS. Die geographische Lage Italiens hätte es ermöglicht, in ehrenvoller Weise die Rolle des Friedens- Vermittlers zu übernehmen.(Widerspruch rechts.) Die Pariser Konferenz plane nach den Vorschlägen Chamberlains eine Wirtschaft- liche Union, in der Italien von England aufgesaugt würde. Das italienische Volk verlange die Freiheit, sein Brot dort kaufen zu können, wo es am billigsten sei. Das italienische Volk dürfe nie und nimmer dem wirtschaftlichen Imperialismus Englands geopfert werden. Treves beschuldigt die Behörden, die französischen Unter- nehmet bei ihren Versuchen, italienische Streikbrecher heranzuziehen, begünstigt zu haben. Treves wrdert die Einleitung von Friedens- Verhandlungen, die französischen Genossen hätten bereits von der Regierung verlangt, einen Waffenstillstand zu erörtern. Hier setzte großer Lärm ein. Colojanni ruft„Unwahr"! Sozialisten umringen darauf den Zwischenrufer und schreien: „Hanswurst! Lügner! Schwächling!" Auf den äußersten Bänken entsteht großer Lärm. Die Republikaner rufen:„Oesterreichische Canaillen!" Die Sozialisten antworten:„Französische Canaillen!" Auch andere unglaubliche Schimpfworte fliegen herum. Trotz des Lärmes setzt Treves seine Rede fort und schließt mit dem Be- merken, die Welt stehe vor einer großen Umwälzung. Italien solle sich zur Königin der Welt machen durch die Initiative zum Friedensschluß. Auf den Beifall, den die Rede bei den Sozialisten auslöst, antwortet die Kammer außer dieser Gruppe mit Hochrufen auf den Krieg, während die Sozialisten als Antwort Hochrufe auf den Frieden ausbringen. Das geht eine Weile hin und her, und der Tumult wird immer größer, bis endlich nach langen Bemühungen des Prä- sidenten in der Debatte fortgefahren werden kann.— Der>A v a n t i" preist in einem Leitartikel die Rede TreveS, während der„Secolo" und der Corriere della Sera" ihr Bedauern darüber ausdrücken und die Ausführungen aufs schärfste verurteilen. Die Todesstrafe für Dienstweigerer. Aus Amsterdam schreibt man uns: Im Unterhause interpellierte an� 22. Juni der Arbeiterparteiler BarneS über die Verurteilung von vier„consoisntious objeotors(Dienstweigerer aus Gewissensgründen) zum Tode. Er wies darauf hin, daß die Ueberstellung der wegen Dienstweige» rung Verurteilten an die Zivilbehörden zugesagt und vor allem das Versprechen gegeben worden sei, die Dienstweigerer nicht an die Front zu senden, waS man aber dennoch getan habe. Auch gab er der allgemeinen Erregung über die Behandlung der Jnhaf- tierten Ausdruck.— Der Unterstaatssekretär des Kriegswesens Tennant erwiderte, eS seien über die Behandlung der Gefangenen allerlei Gerüchte im Umlauf, die zum größten Teil unwahr seien. Der vorgebrachte Fall gehöre zu denen, w i e er glaube. Er habe jedenfalls noch keine Information darüber erhalten. Jedenfalls versichere er dem Interpellanten, daß Expeüition: SN). HS, Linüenftraße 3. Fernsprecher: Amt MoriNPlav, Nr. 151 90—151 97. kein Wunsch bestehe, daß die Militärbehörden die ocmscioiiticnis objeotors anders behandeln als andere Soldaten.(Protestrufe. Der Liberale Whitehouse ruft: Werden Sie sie erschießen lassen?) Sie werden den Militärbehörden als Soldaten überliefert. Die Militär- behörden haben keine Wahl, sie anders zu behandeln. Wenn mein verehrter Freund(der Zwischenrufer), der über diese Erklärung aus- geregt scheint, anderer Meinung ist, bin ich begierig, sie zu hören- — Hier entspann sich ein Dialog zwischen dem Unterstaatssekretär und Herrn Whitehouse, der den ersteren an seine Versprechungen er- innerte. Tennant erklärte nur, daß die Dienstweigerer nicht wegen Desertion vor dem Feind verurteilt werden könnten, da sie als Nichtkombattanten nicht vor dem Feind stünden. Tatsächlich sind aber die Verurteilungen zum Tode erfolgt. Einer der Verurteilten, Marten, hat darüber in einem Brief be- richtet. Das kriegsgerichtliche Urteil wurde ihm am IS. Juni vor der versammelten Mannschaft vorgelesen. Es lautet auf den Tod durch Erschießen, jedoch mit Umwandlung in zehn Jahre Ge- fängnis. Die„Daily NswS" schreiben über diese Angeelgenheit u. a.: „Herr Tennant hat erklärt, daß conscientious objeotors, die der Armee übergeben werden, dieselbe Behandlung erfahren wie andere Soldaten. Soll damit gesagt sein, daß gewöhnliche Soldaten, wenn sie Haft oder Gefängnis durchmachen, die Brutalitälen zu er- leiden haben, denen zahlreiche oortsoientioas objeotors ausgesetzt waten?" Die.Daily News' weisen ferner darauf hin, daß das Dienstpflichtgesetz— ob mit Recht oder mit Unrecht, komme hier nicht in Betracht— die Dienstweigerer aus Gewissens- gründen schütze. Der Ministerpräsident müsse trachten, den wachsenden Eindruck wegzunehmen, daß die Parlamentsbeschlüsse und die dem Parlament gegebenen Versprechungen völlig mißachtet werden. Für niemand könnten Vorfälle von der Art, wie sie wiederholt berichtet wurden, widerwärtiger sein als für Herrn Asguith selbst; der es zu seiner persönlichen Angelegenheit machen müsse, die ernste Beunruhi- gung zu beseitigen. Höchst seltsam berührt eS, daß das Kriegsministerium über die vom Kriegsgericht in Frankreich gefällten Urteile in Fällen von jo grundsätzlicher Bedeutung eine volle Woche später noch keine Kenntnis haben soll, nachdem schon Privatbriefe der Verurteilten ihre Adresse erreicht haben._ von üer französischen Zensur. Auf der„Ehrentafel" der Zeitungen, die seit Kriegsausbruch in Frankreich mehr oder minder lange verboten waren, stehen, laut einer Notiz der„Populaire-Revue": „Hammes du four",„Bonnet Rouge",„Radical",„Hamme Euchakne",„Rappel",„Guerre sociale",„Populaire du Centre". .Hammes du four" waren 180 Tage verboten,„Journal du Peuple" 28 Tage und so fort bis zu den 2 Tagen, während der die „Guerre sociale" nicht erscheinen konnte. Die„Humanite", Organ des sozialistischen Proletariats, ist nie verboten gewesen. Kommentar ist überflüssig, meint die„Populaire-Revue". Herr Miljukoff, der Kadettenführer in der russischen Duma, sagte gelegentlich des Besuches der russischen parlamentarischen Delegation in Frankreich unter anderem: „Nach dem, waS ich habe konstatieren können, ist Ihr Preß- regime strenger als das unsere." So mußte es kommen.(r) Der französische Tagesbericht. Paris, 2g. Juni.(W. T.B.) Amtlicher Bericht vom Donnerstag nachmittag. In der Champagne in der Gegend von Tabure und westlich des Hügels von Le Mesnil ge- stattete ein glücklicher Handstreich den Franzosen, die feindlichen Schützengräben der ersten Linie zu reinigen und an mehreren Punkten bis an die zweilen Linien vorzudringen. Dort wurden Unterstände zur Explosion gebracht. Am linken Ufer der Maas wurde der Artilleriekampf an der Höhe 304, ohne daß die Infanterie eingriff, fortgesetzt. Am rechten Maasufer griffen die Deutschen nach heftiger Artillerievorbereitung, die den ganzen Nachmittag über an- dauerte, gegen 8 Uhr abends die sianzöfischen Stellungen Nordwest- lich des Werkes von Thiaumont an. Sie wurden durch Sperrfeuer und Maschinengewehrfeuer angehalten, konnten sie nicht erreichen und erlitten fühlbare Verluste. Im Laufe der Nacht wurde die Artillerietätigkeit in der Gegend von Chenois fortgesetzt. Paris, 30. Juni.(W.T.B.) Amtlicher Bericht vom Donnerstag abend. Zwischen Soissons und Reims haben wir am Vormittag einen Handstreich gegen einen deutschen Graben nordwestlich von Sapigneul gemacht. Unterstände zerstört und Ge- fangene eingebracht. In der Champagne hat unser Geschützfeuer feindliche Anlagen am Moni Tstu, am Hügel von Le Mesnil und nördlich von Tahure zerstört. Am linken Maasufer haben die Deutschen nach lebhafter Feuervorbereilung gegen 4� Uhr nachmittags einen Angriff auf unsere Stellungen westlich von Höhe 304 gemacht, sind aber durch Jnfanteriefeuer und Sperrfeuer abgewiesen worden. Im Gehölze von Avocourt im Laufe des Nachmittags ziemlich lebhafter Handgranatenkampf. Vom rechten Maasufer wird kein Jnfonteriegefecht gemeldet; die Tätigkeit der Artillerie ist in den Abschnitten von Vaux, Chapitre und Le Chenois sehr lebhaft ge« Wesen. Belgischer Bericht: Starke Artillerietätigkeit an der ganzen Front der belgischen Armee, besonders im Abschnitt östlich von Ramslapelle und in der Gegend von Steenstraete. Die englische Nelüung. London, 29. Juni.(SS. T. B.) Amtlicher Bericht. In den letzten 24 Stunden drang eine große Zahl unserer Erkundungs- und Streispatrouillen an verschiedenen Punkten der ganzen briti« schen Front in die feindlichen Gräben ein. Alle erreichten ihr Ziel, ivobei sie dem Feinde schwere Bcrluste zufügten und Borräte er» beuteten. von üer Westfront. Basel, 30. Juni.(T. U.) Nachdem die Pariser Zeitungen während der letzten Tage den Beginn der englischen Offensive bereits als einen vollendeten Sieg in Rechnung und den baldigen Zu- sammenbruch der deutschen Front in Aussicht gestellt hatten, blasen sie nun zum Rückzug. Die militärischen Mitarbeiter der Zeitungen sind offenbar vom Luiegsministerium ersucht worden, dem Publikum nicht allzu leichtsinnige Illusionen beizubringen, die sich vielleicht doch nicht verwirklichen werden. In allen Betrachtungen über die Kriegslage, vom„Maiin" bis zur„Humanits", wird davor gewarnt, das Ziel der englischen Offensive zu übertreiben und auseinandergesetzt, daß diese Offensive so beurteilt werden müsse, wie die deutsche Offensive vor Perdun. Tie Engländer hätten sich zunächst die Aufgabe ge» stellt, die Deutschen auf einer ziemlich ausgedehnten Front an» zugreifen und festzuhalten und hätten durch die Anhäufung von Reserven an Mannschaften und Munition die entsprechenden Bor» bercitungcn getroffen. Pom Kriegsministerinm wurde durch die Agence Havas folgende Note verbreitet: Was die Tätigkeit der englischen Artillerie an- langt, so ist sie immer noch sehr lebhaft und wird begleitet durch recht glückliche Handstreiche, die von Ausklärungsabteilungen aus- geführt werden. Aber die Offensive ist eist in der Periode der Bor- bereiiung. Es ist ein Ansang, dessen Erfolge abgewartet werden müssen ohne übermäßige Ungeduld und ohne zu überstürzte Hoff- nung. denn die Rückwirkung dieser Offensive auf anderen Punkten der Front wird sich, wenn sie auch unvermeidlich ist, erst nach einer gewissen Zeit fühlbar machen. Gerade, weil die Ereignisse in Artois in erster Linie ungünstig sein können, ist es wahrscheinlich, daß die Deutschen, weit davon entfernt, sich sogleich von Berdun zu wenden, ihre Anstrengungen verdoppeln werden, um dort einen ausgleichenden Erfolg zu suchen. Der rujstsche Kriegsbericht. Petersburg, 30. Juni.(W. T. B.) A m t l i ch e r B c r i K t V o m 29. Juni. We st front: Die Truppen des Generals Leischitzki griffen gestern den Gegner im Räume zwischen Tnjester und Pruth nach Artillerievorbereitung an und brachten ihm trotz seines ver- zweifelten Widerstandes eine schwere Schlappe bei. Drei Linien seiner Gräben sind genommen. Erbitterte Kämpfe begannen an der Front des Czortowiec. eines Nebenflusses des Dujester und der Czerniawa, eines Nebenflusses des Pruth. Ebenso brachten unsere Truppen bei der Stadt Kuty in kühnen Angriffen, unterstützt durch , das Zusammenwirken aller Waffen, dem Gegner schwere Verluste bei. Bis gestern 7 Uhr abends sind an Gefangenen, die im Laufe des Tages in unsere Hände fielen, gezählt worden: 221 Offiziere, 10 283 Mann, außerdem eine große Anzahl Maschienengewehre. Eines unserer Rjäsanzer Regimenter nahm im Kampf eine ganz schwere Batterie von vier Geschützen nebst vollständiger Ausrüstung. Diese Erfolge erhöhen die Zahl der in der Zeit vom 4. Juli bis zur jetzigen Wiederaufnahme der Operationen gemachten dcutsch-österreichischen Gefangenen auf 203 000 Mann, einschließlich Offiziere. An der übrigen Front in der Bukowina und in Galizien finden an verschiedenen Stellen Artilleriekämpfe statt. In Wolhynien in der Gegend des Torfes Liniewka am Stochod wird weiter heftig gekämpft. N o r d w e st fr o nt: An der Düna feindliches Artilleriefeuer auf den Brückenkopf Uexküll sowie auf die Front bei Jakobstadt und die Stellungen von Liwenhof. Am 20. 6. bei Tagesanbruch griffen die Deutschen nach Artillerievorbereitung gegen unsere Gräben im Räume der Dörfer Rakowzy und Sielce im Walde von Bogusze nordöstlich von Krewo an. Sie wurden durch unser Infanterie- und Maschinengewehrfeuer abgewiesen. Kaukasus: In der Richtung von Erzindjan versuchten die Türken im Laufe der Rächt anzugreifen, wurden aber durch unser Feuer abgeschlagen. An der Straße von Bagdad griffen die Türken gegen Mittag mit stärkeren Kräften unsere Stellungen bei Kerind an, Ter Angriff wurde bereits durch unser Artilleriefeuer auf- gehalten. Im Gefecht nordwestlich von Pulkarn an der Front der Rigaer Stellungen zeichnete sich besonders eine Kompagnie unserer rühm- reichen sibirischen Truppen aus. Trotzdem feindliche Artillerie und Mincnwerfer Gräben und Drahthindernisse dieser Kompagnie zerstört hatten, hielt die am Leben gebliebene Besatzung unter dem Befehl des Leutnants Obertkijski ihre Stellung und wies alle Angriffe des Gegners im Nahkampf ab, bis Verstärkungen herbei- kamen. Die Kompagnie verlor bei dieser Kampfhandlung zwei Osfiziere und beinahe die Hälfte ihres Bestandes an Toten. Der Leutnant Eobowodnikow derselben Kompagnie wurde ebenfalls verwundet. Oberst Iwanow fiel, und Mujemjew, der das Gefecht leitete, wurde verwundet, verließ aber seinen Gefechtsstand nicht. Ndörnig üer italienischen Heeresleitung. Rom, 29. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Zwischen Etsch und Brenta setzten wir gestern unseren fortschreitenden Vor- marsch trotz des immer größer werdenden Widerstandes des FeindeS in Spcrrstellungen, die für eine Verteidigung bis aufs äußerste vor- bereitet sind, fort. Im Brand-Tal eroberten unsere Alpini nach er- bittertem Kampf das Fort Mattassone südwestlich der gleichnamigen Orts-baft, während sich unsere Jnfanterieabteilungen der Abhänge des Monte Trappola bemächtigten. Um unser Vordringen auf- zuhalten, unternahm der Feind im Laufe deS Abends einen heftigen Angriff in der Gegend derZugno, der mit sehr schweren Verlusten zurück- gewiesen wurde. Auf dem Pasubio eroberten wir feindliche Schützen- graben bei der Sennhütte Comagnon. Längs der ganzen Posinafront bis zum Borcolapaß verlangsamten Geländeschwierigkeiten und Feuer schlverer Artillerie unsere Offensive. Indem sie jedoch den Feind von Fels zu Fels verjagten, gingen unsere Truppen auf Griso vor und eroberten die starke Stellung der Cima Betta auf den Hängen des Monte Majo. Im Astachtal besetzten wir Pedescala. Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden befestigte sich der Feind stark auf dem Nordrand des Assatales und den Höhen auf dem linken Ufer des Galmarara-Tales, sowie auf der Fortsetzung des AffataleS bis zum Agnellapaß. Das schwierige und bewaldete Gelände begünstigt die Aufstellung von Maschinengewehren, während weiter hinten liegende Batterien schweren und mittleren Kalibers des Feindes die Zugänge zu seinen Stellungen ohne Unterbrechung beschießen. Im Laufe deS gestrigen TageS haben wir die Besetzung des Südrandes des AssataleS vervollständigt. Wir eroberten starke Schützen- graben in der Nähe der Cima Zebio und der Cima Zingarella. Längs der ganzen übrigen Front bis zum Karst ist die Lage un- verändert. Auf dem Karst drang unsere Infanterie infolge glänzender Angriffe in einige Gräben deS Feindes und eroberte andere. Im Mw iles Stoßen Mootfiets. Amtlich. Großes Hauptquartier, 39. Juni 1916. M. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auch gestern und im Verlaufe der Nacht schlugen unsere Truppen englische und französische Vorstöße an mehreren Stellen, bei Richebourg durch sofortigen Gegenangriff, zn- rück. Die feindlichen Gasangriffe werden ergebnislos fortgesetzt. Die starke Artillerietätigkeit hielt mit Unter- brechungen an. Südöstlich von Tahurc und beim Gehöfte Maisons de Champagne vorgehende franzöfische Abteilungen wurden blutig abgewiesen. Liuks der Maas wurden an der Höhe 391 von uns Fortschritte erzielt. Rechts des Flusses gab es keine In- fanterietätigkeit. Die Gesamtzahl der bei unseren Erfolgen vom 23. Juni und bei Abwehr der großen französischen Gegenaugriffe eingebrachten Gefangenen beträgt 79 Offiziere 3299 Mann._ Hauptmann Boelcke schoß am Abend des 27. Juni beim Gehöft Thiaumont das 19. feindliche Flugzeug ab, Lcutcnant Parschau nördlich von Pöronne am 29. Juni das fünfte. In Gegend von Bonreuillcs fArgonncn) wurde ein französischer Doppeldecker durch Abwehrfeuer heruntergeholt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Abgesehen von einem für uns günstigen Gefecht nörd- lich des Jlsen-Sees(südwestlich von Dünaburg) ist vom nördlichen Teile der Front nichts Wesentliches zn be- richten. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen Südöstlich vor Liniewka blieben Gegenangriffe der von unseren Truppen erneut aus ihren Stellungen geworfeneu Russen ergebnislos. Es wurden über 199 Gefangene ge- macht, 7 Maschinengewehre erbeutet. Balkan-Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. »* M llmelMe MMWMM. Wien, 39. Juni.(W. T. B.) Amtlich wird ver» lautb art: Russischer Kriegsschauplatz. Nordöstlich von Kirlibaba schlugen unsere Abteilungen russische Angriffe ab. Bei Pistyu, nordwestlich von Kuty, kam es gestern neuerlich zu erbitterten Kämpfen. Infolge des Druckes der hier angc- setzten überlegenen feindlichen Kräfte wurden unsere Truppen in den Raum westlich und südwestlich von Kolomca zurückgenommen. Nordlich von Obertyn brachen mehrere russische Rcitrrangriffe unter schweren Verlusten in unserem Feuer zu- sammen. Westlich von Soknl am Styr versuchte der Feind vergebens, die tagS zuvor von den deutschen Truppen eroberten Stellungen zurückzugewinnen. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe im Abschnitt der Hochfläche von D» b e r d o dauern fort und waren nachts im Räume von San Martina de- sonders heftig. Unsere Truppen schlugen wieder alle Angriffe der Italiener ab. Nur östlich von Selz ist die Säuberung einiger Gräben noch im Gange. Versuche der feindlichen In- fanterie, gegen unsere Podgora-Stellung vorwärts zu kommen, wurden vereitelt. An der Kärnthner Front scheiterten gegnerische An- griffe auf den großen und kleinen Pal sowie auf den Freikofel. Im Pustcrtal stehen die Orte Sillian, Jnnichen und Toblach unter dem Feuer weittragender schwerer Geschütze. Im Räume zwischen Brenta und Etsch hat sich daS Bild der Tätigkeit der Italiener nicht geändert; stärkere und schwächere Abteilungen griffen an zahlreichen Frontstellen frucht- loS an. Bei einem solchen Angriff auf unsere Borcola-Stellung feuerte die italienische Artillerie kräftig in ihre zögernd vorge« hcnden Jnfanterielinien. Die gestrigen Kämpfe brachten unseren Truppen dreihundert Gefangene, darunter fünf Offi- ziere, sieben Maschinengewehre und vierhundert Gewehre ein. Südöstlicher Kriegsschauplatz. An der unteren Bojusa Borpostengefechtr; sonst nichts von Belang. Der Stellvertreter des EhcfS deS GenrralstabeS von Hoefer. Feldmarschalleutnant. Laufe deS TageS machten wir 636 Gefangene, darunter 21 Osfiziere, und erbeuteten vier Maschinengewehre sowie viele Waffen, Munition und sonstiges Kriegsmaterial. Oesterreichisch-ungarische Flugzeuge warfen heute morgen auf Udine drei Bomben ab. Die eine traf das städtische Krankenhaus, tötete zwei Kranke und verletzte einen dritten. Die anderen Bomben verursachten keinen Schaden, weder an Menschen, noch an Material. C a d o r n a. Neue Einberufungen in Italien. Bern, 29. Juni.(W. T. B,) Das italienische Amtsblatt ver- öffentlicht für den 10. Juli die Einberufung der dritten Kategorie der Jahrgänge 1882 und 1883 aller Bezirke, die bisher beurlaubt waren, ferner der Zurückgestellten der Jahrgänge 1882 bis 1894, die kriegsfähig sind._ Dericht ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 29. Juni.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der I r a k f r o n t keine Verände- rung. Die russischen Streitkräfte, welche östlich von Sermil zurückgegangen waren, konnten sich infolge unserer kräftigen Verfolgung in ihren Stellungen bei Kerende nicht halten; die westlich von Kerende bemerkten russischen Nachhuten wurden durch uns vertrieben, und unsere Kerende durschreitenden Truppen verfolgten den Feind in der Richtung auf Kerman- schah. An der K a u k a s u s f r o n t auf dem rechten Flügel keine Tätigkeit. Im Zentrum Patrouillengefechte, in deren Folge wir dem Feinde einige Gefangene abnahmen. Auf dem linken Flügel fahren unsere Truppen fort, mittels erfolgreicher Operationen fortschreitend vom Feinde gehaltene Stellungen zu besetzen. Hier wurde das Lager eines feindlichen Ba- taillons unter wirksames Artilleriefeuer genommen und das Bataillon zerstreut. Drei Kriegsschiffe des Feindes, die in den Gewässern von S m y r n a kreuzten, warfen erfolglos einige Granaten auf die Küste; die Unsrigen antworteten. An den anderen Fronten nichts von Bedeutung.- Seegefecht in üer Gftfee. Amtlich. Berlin, 39. Jimi./z Millionen Dollar für ihre Beförderung an die Grenze, die rasch von stalten geht, bewilligt werden. Die Gesandten von Bolivia und San Salvador haben ihr Vcrmittlungsangebot erneuert. Staatssekretär Lansing erwiderte, daß er zur Erörterung einer Ver mittlung erst geneigt sei, wenn die Gefangenen tatsächlich frei- gelassen seien und wenn er die Antwort Carranzas auf die amerika- nische Note elhalten habe. politische Ueberflcht. Nur die Konservativen? Mr haben bereits wiederholt darauf hingewiesen, daß die Anschauungen der Kapp und«Timms alter ganz allgemein von den Konservativen, Frei konservativen, Nationalliberalen und Teilen der übrigen� bürgerlichen Parteien vertreten werden. Nur die F o r m, in der die Tages- und Zeitschriften- presse sener Parteien die Wünsche Kripps vorbringt, ist eine etwas ruhigere als der bisherige Generallandschaftsdirektor und der genannte Verfasser der-Timins alter- Broschüre sie beliebt haben. Tie„Deutsche Tageszeitung" nimmt Gelegenheit, im Anschluß an eine Resolution des Parteitages der Sächsischen Nationalliberalen, auf den wir noch zurück- kommen wollen, diese Tatsache ausdrücklich zu unterstreichen. Nicht nur die sächsischen, sondern alle nationalliberalen Partei- organisationen stehen in„den großen politischen Kriegsfragen auf dem Standpunkt, den die Mehrheit der Konservativen vertritt."' Nach diesew Feststellung fährt das konservative Blatt wörtlich fort: „Gegenüber den Versuchen, die Konservativen in diesen Fragen als isoliert hinzustellen, möchten wir übrigens noch darauf hinweisen, daß doch auch die sechs großen Wirtschafts- v e r b ä ii d e, die die bekannte Eingabe an den Reichskanzler ge- richtet haben, im wesentlichen auf dem gleichen Standpunkt stehen wie die große Mehrheit der Konservativen und, wie zur Sicher- heit gleich noch hinzugefügt sei, der Nationalliberalen. Diese Wirtschaftsverbände aber umfassen politische Schattierun- gen, die weitin dasZentrum.jaauchinden links gerichteten Liberalismus hineinreichen. Wir möchten hoffen, daß die haltlosen Versuche, das Ringen um den richtigen Weg in Lebensfragen der �Nation als einen Kampf epier„konservativen Fronde" gegen den Reichskanzler zuzustellen, nunmehr endlich aufhören werden. Sie wider- streiten nicht nur den Tatsachen, sondern sind auch geeignet, eine Uusesnandersetzung, die um des Vaterlandes willen den Boden der Sachlichkeit nicht verlassen darf, zu verschärfen, ja zu vergift«nl" . rc®r Ennert nicht bestreiten, baß in ber Tat die Kriegs- zielforderungen, die von den Konservativen aufgestellt werden, auch von einflußreichen Mitgliedern ber Liberalen und der Zentrumspartei vertreten werden. Eins ber charakteristisch- sten Belege dafür ist eine süddeutsche Eingabe, die von zahlreichen liberalen Politikern und den Vorsitzenden der libe- ralen und katholischen Arbeiterverbände Bayerns unterzeichnet worden ist. Der innere Kampf nach dem Kriege. Wie man sich in gewissen, leider nur allzu einflußreichen Scklichtcn des deutschen Adels die„Neuorientierung" der inneren Politik vorstellt, möge folgendes beleuchten. H. V. Z i t t w i tz schreibt unter dem Thema„Ter innere Kampf nach dem Kriege" in Nr. 5 des„D e u t s ch e n A d e l s- blattes" u. a.: „Das Selbstbewußtsein der heimkehrenden Krieger, die das Vaterland mit der Waffe verteidigten, wird dazu dienen, daß mehr oder weniger gebildete Agitatoren, die ihren Ehrgeiz im militärischen Dienst nicht befriedigt sahen, einen Nährboden ge- Winnen, um die allgemeine Unzufriedenheit zu steigern.— Man wird wohl heute kaum sagen können, ob die Sozialdemokratie nach dem Kriege eine Stärkung oder Schwächung erfahren wird. Sicherlich wird sie aber trotz der gegenwärtigen nationalen Be- tätigung ihrer Mehrheit auch nach dem Kriege ihre Prinzipien zu verwirklichen suchen und eine ständige Gefahr für den Staat der Hohenzollern bleiben, der sich im Weltkriege als Träger der christlichen Sitte in unerreichter Heldenkraft erwiesen hat. Was muß von feiten des Reiches, des Staates und der führenden Kreise des Volkes geschehen, um diesen inneren mit Sicherheit zu erwartenden Kampf in die Bahnen zu lenken, die eine segensreiche nationale Entwicklung verbürgen? Ist von feiten der Gesetzgebung eine durchgreifende Hilfe möglich? Kann der Staat durch verschärfte legislatorische Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie etwas erreichen oder durch eine weitausgebaute soziale Gesetzgebung das Uebel an der Wurzel fassen? Sicherlich wird das eine wie das andere nur in bescheidenem Maße möglich sein." Die Neuorientierungs-Schwärmer und Harmonieapostel der sozialdemokratischen Mehrheitspolitik können auch aus dieser in ihrer Art dankenswert ehrlichen Stimme hören, was die Vertreter einer Klasse, die geblieben ist, was sie war, vom Umlernen halten. Ob sie freilich hören wollen, ist eine andere Frage. W i r wollen aber dafür Bekenntnisse, wie das obenstehende, desto tiefer in unser Gedächtnis einprägen. Noch nicht zufrieden. Während die meisten bürgerlichen Blätter sich jeden politi- schen Kommentars zu der Verurteilung Liebknechts enthalten, hält es die konservative„Deutsche Tageszeitung" für angezeigt, anzu- deuten, daß ihr das Urteil noch nicht weit genug gehe. Bekanntlich sind dem Genossen Liebknecht die bürgerlichen Ehrenrechte nicht aberkannt worden; er wird also sein Mandat als Reichstags- und Landtagsabgeordneter behalten. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt nun dazu: „Hier ist auch der Punkt gegeben, wo vermutlich über das Urteil Meinungsverschiedenheiten herrschen werden. Dem Ge- fühl wird es wohl in weitesten Kreisen unseres Volkes wider- streiten, daß jemand, der wegen versuchten Kriegsverrats zu einer Zuchthausstrafe verurteilt worden ist, trotzdem würdig bleiben soll, das deutsche Volk im Parlament zu vertreten. Auf der anderen Seite wird man es wohl vorwiegend billigen, daß das Gericht Fanatismus als leitenden Grund zu der Hairdlungs- weise Liebknechts angeseben und demgemäß, auch bei der Ab- Messung der Strafe von dieser Grundlage ausgegangen ist.... Nahm das Gericht aber ein im Sinne des Gesetzes nicht ehrloses Grundmotiv für die Straftal an, dann bestand auch wohl, wie wir... annehmen möchten, nicht die Möglichkeit, durch ausdrückliche Aberkennung der bürgerlichen Ebrenrechte den An- geklagten auch aus dem parlamentarischen Leben auszuschalten." __(z) Aus der Nationalliberalen Partei. Der Nationalliberale Verein Hannover hat folgende Re- solution gefaßt: „Die Hauptversammlung des Nationalliberalen Vereins Han- nover stimmt der kraftvollen Entschließung des Zentralvorstandes der Nationalliberalen Partei in allen Punkten zu und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die im Interesse der Abkürzung des Krieges und der Klärung der öffentlichen Mei« nung erhobenen Forderungen zum Heile des Vaterlandes baldigst in Erfüllung gehen. Die Hauptversammlung unter- streicht ferner die erneut vom Reichskanzler ausgesprochene Parole der Einigkeit. Sie warnt infolgedessen dringend vor einer weiteren Verschärfung der Gegensätze zwischen Stadt und Land und vor unzeitigem Anschneiden innerpolitischer Streitfragen. Nur das nationale Interesse om Ausgong des Krieges und der Sicherung einer machtvollen Zukunft darf zwischen den Schlachten die politische Sorge der Nation sein."(z) Anrechnung des Kriegsdienstes bei Beamten. Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Beschluß des prcuhi- scheu Staatsminisleriums binsichtlich der Grundsätze über die An- rechnung des Kriegsdienstes auf das Dienstalter der Staatsbeamten. Darin beißt es unter anderem: 1. Höheren Beamten, bei denen die Fähigkeit zur Be- kleidung ihres Amtes von dem Bestehen einer Prüfung abhängt, wird bei Bestimmung deS Dienstalters, sofern dieselbe gemäß dem Zeitpunkte des Beftebens der Prüfung zu erfolgen hat, die Zeit ihres Kriegsdienstes insoweit angerechnet, als infolge des Kriegs- dienstes die Ablegung der bezeichneten Prüfung nachweislich später stattgefunden hat. 2. Mittleren und Kanzleibeamten wird bei Fest- stellung des Dienstalters, welches sür ihre Berufung zur ersten etats- mätzigen Anstellung in Betracht kommt, die Zeit ibrcs Kriegsdienstes insoweit angerechnet, als sie infolge des Kriegsdienstes die Be- sähigung zur Bekleidung deS betreffenden Amtes nachweislich später erlangt haben. Aus Militäranwärter findet auch§ 15 der AnstellungS- grundiätze mit ihren Ergänzungen Anwendung. Dem Kriegsdienst kann bis zum Höchstmaß von neun Monaten hinzugerechnet werden die V e r z ö g e r u n g. die eintritt: infolge einer im Kriegsdienst erlittenen und über die Zeit nach der Beendi- gung deS Kriegsdienstes hinaus wirkenden, mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Gesundheitsschädigung. Stcucrzuschläge in Bayern. Die bayerische Kommer der Abgeordneten beschloß, den Fehl« betrag von 22,3 Millionen im bayerijlben Haushall durch Zu- schläge zu den direkten Steuern zu decken. Die Zuschläge sollen im Gegensatz zum Regierungsvorschlag nicht gleichmäßig alle Steuer- stufen mit 80 Prozent treffen, sondern mit Rücksicht auf die wirt- schaftliche Lage der unteren und mittleren Klassen während des Krieges ausnahmsweise so verteilt werden, daß Einkommen bis 1300 M. von Zuschlägen frei bleiben, während die höheren Ein- kommen mit 10 bis 50 Prozent belegt werden, der 50 prozentige Zuschlag beginnt bei einem Einkommen von 150 000 M. Ferner stimmte die Kammer Anträgen zu. welche Erleichterungen zugunsten des stark belasteten Hausbesitzes und Gewerbes vorsehen. Zwangssyndiziernng der Zcmentindustrie. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 29. Juni 1916 eine Bekanntmachung über Beschränkungen des Absatzes und die Erzeugung des Zements erlassen. Danach ist der Ab- schluß von Lieferungsverträgen für die Zeit nach dem 31. Dezember 1916 bis zum 1. Dezember 1917 verboten. Der Reichskanzler kann darüber hinaus Beschränkungen für den Abschluß von Lieferungs- Verträgen anordnen. Weiter wird die Errichtung neuer und die Er- Weiterung bestehender Anlagen sowie die Umwandlung bestehender Anlagen in Anlagen von Zement verboten; soweit die Errichtung, Erweiterung oder Umwandlung vor dem(am Tage der Verkündung erfolgten) Inkrafttreten der Verordnung begonnen wurde, findet diese Vorschrift keine Anwendung. Der Reichskanzler kann jedoch die Fortsetzung der Errichtung, Erweiterung oder Umwandlung unter- sagen. Die Ausübung der nach den 2 und 3 der Bekanntmachung dem Reichskanzler zustehenden Befugnisse wird einer besondern Dienststelle, der„R e i ch s st e l l e für Ze m e n t" übertragen werden. Die Verordnung bezweckt Konkurrenzkämpfe loahrend des Krieges zu vermeiden._ Zentralstelle für Soda. Durch freiwilligen Zusammenschluß der im Syndikat deutscher Svdasabriken vereinigten oder ihnen angeichlossencn Unternehmungen und der Hersteller von kalzinierier Soda ist eine Zentral st elle sür Sodaverteilung gebildet worden. In Zukunft werden regelmäßig allmonatliche Erzeugung und Bedarf von Produzenten und Verbrauchern angemeldet und hiernach ein Verteilungsplan aufgestelh werden. Der Sodabezug ist nur noch gegen besondere Verpflichiungsscheine möglich. Einschränkung der Herstellung von Schuhwaren. Für gewerbliche Betriebe mit mindestens vier gewerblichen Ar« beitern, in denen Schuhwaren mit ledernen Unterboden hergestellt werden, ist eine sofort gültige Verordnung erlassen, auS der wir nachstehende Bestimmungen wiedergeben: Die Arbeitszeit in Werkstätten oder Fabriken darf vierzig Stunden ausschließsich der Pausen nicht überschreiten. Den Hausarbeitern darf wöchentlich höchstens sieben Zehntel der Durchschnitts« menge in der Zeit vom 1. Oktober 1915 bis 31. Mai 1916 zugeteilt werden. Diese Vorschriften finden auf alle mit der Anfertigung, Bearbeitung und Ausbesserung der Schubwaren sowie mit Ein- richten, Ausgeben und Abnehmen beschäfligten Personen Anwendung. Zwecks Weiterlcitung der Bodenleder an die Bezirkskommissionen ist die Gründung einer Reichslederhandelsgesellschaft m. b. H. sR. L. H. G.) mit einem Gesellschaflskapital von 20 600 M. erfolgt. Um zu verhindern, daß einzelne Schuhwarenbetriebe sich den von den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden vereinbarten Leistungen zur Unterstützung ihrer erwcrbsbeichränlten Arbeiter ent« ziehen, sollen in Zukunft bei Zuteilung von Bodenleder nur die- jenigen Arbeitgeber beiückstchligt werden, die die von der Kontroll- stelle für freigegebenes Leder aufgestellten Lohnsätze innehalten. Regelung der Pastpflicht. Eine neue Paßverordnung wird im NeichSgesetzblatt veröffentlicht. Neu ist vor allem die Einführung eines deutschen Sichtver- merks für deutsche Pässe. In diesem müssen angegeben sein die Grenzausgangsstelle, Zeit der Ausreise, Reiseziel und Zweck, Dauer des Aufenthaltes im Ausland usw. Der Reichskanzler kann aber Befreiung von diesem Erfordernis allgemein gewähren. Für den kleinen Grenzverkehr können die Militärbefehlshaber andere Ausweise gestatten oder Befreiung von dem Sichtvermerk gewähren. Die Pässe sind in der Regel für ein Jahr, keinesfalls länger, auszustellen. Kinder unter 12 Jahren erhalten keinen Paß. Familienpässe werden nicht mehr ausgestellt. Aeltere Familienpässe bleiben bis zum 30. September gültig. Kinder unter 12 Jahren bedürfen eines Aus- weises über Namen, Alter und Wohnort. Deutsche Pässe dürfen nicht ausgestellt werden, wenn der Verdacht besteht, daß der Patz eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bedeuten würde. Für die Ausstellung der Sichtvermerke sind zur Ausreise die Verwaltungs- behörden des Wohnsitzes oder Aufenthaltes zuständig. Der Sicht- vermerk darf nur erteilt werden, wenn die Notwendigkeit der Reise ausreichend und einwandfrei dargetan ist und der Zweck öffentlichen Interessen nicht zuwiderläuft. Sie muß versagt werden, wenn u. a. allgemeine wirtschaftliche Interessen geschädigt würden oder der Ver- dacht besteht, daß Vermögen der Steuerpflicht entzogen werden soll, Leflte Nachrichten. Tie Folge des Blutbades von Galatz. Bukarest, 30, Juni.(W. T. B.) Die Sozialisten hielten heute vormittag eine öffentliche Versamm- lung ab, um gegen die Haltung der Behörden und Truppen in Galatz Einspruch zu erheben. Die Teilnehmer, von denen die Mehrzahl im Versammlungssaale nicht Platz fand, faßten folgenden Beschluß: „Wer verlangen sofortige Enthastung der Sozialisten und Bestrafung des Präfekten, des Bürgermeisters, des Ersten Staatsanwalts und des Leutnants Eliade, der die Truppen befehligte. Tie rumänische Regierung soll mit der zwecklosen Politik, die zur Aushungerung des Landes und zum Kriege führe, brechen. Die Anwesenden erklären, daß sie ihren Wider- stand nicht früher einstellen werden, bis die rumänische Regierung sich für eine anständige Neutrali- tät entschließt, die das Volk vor einer Hinmordung für falsche Ideale bewahrt. Nach der Versammlung zogen die Teilnehmer, etwa sechstausend Personen, an der russischen Gesandt- schaft und einigen Hetzblättern des Verbandes vorüber, wo sie feindselige Kundgebungen veranstalteten. Die Stadt war ni i l i t a r i s ch st a r k b e s e tz t; die Kundgebung verlief ohne Zwischenfall.. Die sozialistische Parteileitung erklart, bis auf weiteres täglich Versammlunaen abhalten zu wollen. Gleichzeitig mit dem allgemeinen Ausstand in Bukarest, dem sich fast alle Arbeiter anschließen, findet ein allgemeiner Aus- stand in P l o e st i und B r a i l a statt. Buknrest, 30. Juni.(W. T. B.) Der Präfekt des Galatzer Bezirks Gusi, dem die Presse die Mitschuld an dem Zusammenstoß zwischen Arbeitern und Truppen zuschreibt, ist vom Amt zurück- getreten. Der erste Staatsanwalt wurde versetzt. Angeblich sollen beide bei» dem Zusammenstoß nicht zur Stelle gewesen� sein. NakovSki, gegen den sich die Untersuchung hauptsächlich richtet, ist in Galatz auf freiem Fuß belassen worden. Budapest, 30. Juni.(W. T. B.)„Az Est" meldet aus B u- karest: Infolge der jüngsten Unruhen hat die Regierung ein Verbot von Straßenkundgebungen erlassen. � Versammlungen dürfen bis auf weiteres nur in geschlossenen Räumen abgehalten werden. Das bayerische Postrcservat. München, 30. Juni.(W. T. B.) Bei Beratung des PostetatS in der Kammer der Abgeordneten erklärte der� V e r k e h r S- m i n i st e r über das Po st reservat: Die bayerischen Verkehrs- anstalten haben den Beweis der Berechtigung ihrer Selbständigkeit erbracht. Sie stehen in ihren Leistungen hinter keiner der anderen Verwaltungen zurück. Die bayerische Briefmarke ist ein Teil der Selbständigkeit der bayerischen Post, und ich muß den Wunsch nach Aufhebung derselben ablehnen. Wir können sehr wohl gute Deutsche sein, auch wenn wir unsere bayerische Briefmarke deHalten.(Leb- haftcr Beifall rechts.) Ein Antrag des Zentrums, die Regierung zu ersuchen, entgegen dem Beschluß des Reichstags vom 3. Juni, an der bayerischen Postmarke mit allem Nachdruck festzuhalten, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Kämpfe in Spanisch-Marokko. Madrid, 30. Juni.(W. T. B.) Aus C e u t a hier eingetroffene Reisende teilen mit, daß es zu einem Kampfe mit den Marokkanern gekommen sei. Unter den Gefallenen soll sich ein Major und ein Hauptmann befinden. Spanische Kriegsschiffe beschossen die Küsten. Der Kampf dauere an. GewerkMastliches. Große Störungen im Haugewerbe. In den bürgerlichen Tagesblättern Wie auch in der Unter- Nehmerfachpresse ist in den letzten Tagen eine Notiz erschienen, in der von voraussichtlich neuen Störungen im Baugewerbe die Rede ist, die bei der nach der Vereinbarung vom 3. Mai d. I. zwischen dem Deutschen Arbeitgeberbunö für das Bau- gewerbe und den Bauarbeiterorganisationen am 1. Juli ein- tretenden Erhöhung der Teuerungszulage eintreten könnten. Die Ursache für solche Störungen soll darin zu suchen sein, daß die von dem Arbeitgeberbund für das Baugewerbe an die Reichsämter, Staatsministerien und Stadtverwaltungen gerichteten Erstattungsanträge dieser Teuerungszulage bis- her in den wenigsten Fällen beantwortet worden sind. Diese Notiz, die von einer interessierten Stelle aus dem Lager des Arbeitgeberbundes stammt, ist insofern irreführend, als durch die Nichtbeantwortung der Unternehmeranträge die vereinbarte Teuerungszulage in irgendeiner Weise berührt werden könnte. Diese steht fest und ist nicht abhängig von einer Zusage oder Ablehnung der Unternehmerwünsche und -antrüge durch irgendwelche Behörden oder Verwaltungen. Es handelt sich also um eine rein private Angelegenheit der Unternehmer. Allerdings wird die Haltung der genannten Körperschaften in dieser Frage vielleicht einzelnen Unter nehmern Veranlassung geben, die sowieso nicht gern gezahlte Teuerungszulage den Arbeitern vorzuenthalten. Aber dann wird es die Aufgabe des Vorstandes des Deutschen Arbeit geberbundes für das Baugewerbe sein, diese Außenseiter zur Ordnung zu rufen. Nötigenfalls werden auch die Arbeiter schnellstens nachhelfen und solche Störungen zum Verschwinden bringen._ deutsches Reich. Der Verband der Schneider, Schneiderinne««nd Wäschearbeiter Deutschlands hält am 11. September einen außerordentlichen Verbandstag in Berlin im Gewerkschaftshause ab. Als vorläufige Tages- ordnung ist festgesetzt: 1. Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten.(Wahl der Kommissionen und Berichterstattung derselben.) 2. Geschäftsbericht des Vorstandes; Bericht des Aus- schusses und der Hauptkassenrevisoren. 3. Bericht über die bisherigen Reichstarifverhandlungen und Stellungnahme zum Ablauf der Tarifverträge. 4 s Wirkung der Bundesratsverordnung bezüglich Streckung der Arbeit in der Bekleidungsindustrie auf die Be- schäftigung unserer Mitglieder und die Arbeitslosenfürsorge. 5. Stellungnahme zum Heimarbeiterschutz. 6. Die Frauenarbeit in der Schneiderei, Konfektion und Wäscheindustrie. Der Vorstand und Ausschuß begründen die Berufung wie folgt: Der 13. ordentliche Verbandstag war zum 10. August 1914 nach Nürnberg einberufen und die Wahl der Delegierten war auch bereits vollzogen, als der Krieg ausbrach, der eine Vertagung des Verbandstages notwendig machte. Selbswer- ständlich wurde damals nicht mit einer so langen Dauer des Krieges gerechnet und wir glaubten die Abhaltung des Ver- bandstages soweit hinausschieben zu können, bis der Friede unter den Völkern wieder eingekehrt und unsere zum Heeres- dienst einberufenen Mitglieder wieder zurückgekehrt seien. Wir sind auch jetzt noch der Meinung, daß der ordentliche Verbandstag erst nach Beendigung des Weltkrieges abgehalten werden soll. Es sind aber während dieser Zeit eine Anzahl Fragen aufgetaucht, die dringend einer Lösung bedürfen, deren Beratung aber einen außerordentlichen Verbandstag notwendig machen. Wir berufen deshalb den außerordent- lichen Verbandstag zum Montag, den 11. September'd. I. nach Berlin(Gewerkschaftshaus) ein. versthmslAUNg öer Angestellten- mit öer Invalidenversicherung. Seit je ist die Sozialdemokratie für eine Angliederung der An- gestelltenversicherung an die allgemeine Versicherung eingetreten. Mit ihr manche Sozialpolitiker. Trotzdem wurde leider im Jahre 1911 eine Sondergestaltung der deutschen Angestelltenversicherung beschlossen. Jetzt tritt in der Zeitschrift für die Versicherungs-Wissen- schaft Professor Dr. Alfred Manes für eine Verschmelzung beider Versicherungen ein. Die für die Angestelltenversicherung erfolgte Schaffung einer vollständig neuen Verwaltungsorganisation mit einem höchst kostspieligen Beamtenapparat müsse als volkswirtschaftliche Ver- schwendung bezeichnet werden. Betragen doch schon jetzt jährlich die Verwaltungskosten 3 Millionen Marl, und 10 Millionen Mark sollen für ein Gebäude verausgabt werden, in das die Reichsversicherungs- austalt einziehen soll, ein Gebäude mit Arbeitsräumen für 3000 Be- amte, nur um 135 000 Angestellte, die mehr als 3000 bis 5000 M. Jahreseinkommen haben, unter Zwangsversicherung zu bringen. „Wenn Ende 1911 bei der eigenartigen Lage des Reichstags unsere gesetzgebenden Stellen über alle Einwendungen hinweggegangen sind und das Gesetz beschlossen haben, wie es heute ist, so erscheine es auf den ersten Blick völlig unangebracht, den alten Streit von neuem heraufzubeschwören. Man bedenke aber den Unterschied in unserer ganzen wirtschaftlichen und politischen Lage damals und heute wie in Zukunft. Hätte man die Angestelltenversicherung in die Invaliden- Versicherung einzugliedern unterlassen, auch wenn man gewußt hätte, daß die Sozialdemokraten im Schützengraben sich gerade so gut, tapfer, zuverlässig und ausdauernd bewähren wie die Angehörigen aller anderen Parteien? Die früheren Auseinandersetzungen von neuem aufleben zu lassen, besteht aber auch deswegen wohlbegründeter Anlaß, weil die Möglichkeit einer Umkehr von dem falschen Wege jetzt noch bestehe. Denn die lange Wartezeit, die das Angestellten- Versicherungsgesetz vorsieht, habe bewirkt, daß bisher noch keine Rentenbezüge aus ihr erwachsen sind. Die ganze Organisation habe daher bis jetzt nicht festen Fuß im Volke fassen können. Wenn nun die Möglichkeit bestünde, den Versicherten finanziell im wesentlichen das gleiche zu bieten wie das jetzige Gesetz es vorsieht, aber zu sehr viel niedrigeren V e rw a l t u n g s k o st e n unter erheblicher Vereinfachung der gesetzlichen Grund- lagen im Anschluß an längst bewährte Sozialbehörden, wenn gleich- zeitig mit diesem Umbau die Einbeziehung weiterer Kreise in die Arbeiterversicherung durch die längst ins Auge gefaßte Herauffetzung der Lohngrenze durchgeführt wäre, warum sollte man dann davor zurückschrecken, das Gesetz von 1911 entsprechend umzuformen?" Prof. Dr. Manes will mit seinen Ausführungen zunächst keine andere Wirkung erzielen, als eine neue Erörterung des alten Pro- blems in weitesten Kreisen herbeiführen. Für die Beseitigung der Angestelltenversicherung als Sonderversicherung und für ihre Auf- nähme in die Invaliden- und Hinterbliebenenverstcherung unter ent- sprechender Erweiterung dieser sprechen vor allem die Erwägung, daß der Endzweck unserer Sozialversicherung, nämlich den sozialen Frie- den in weitestem Umfange zu schaffen, gefährdet wird, weil die Zwangsversicherten geradezu in solche einer ersten und einer zweiten Klasse durch die beiden verschiedenen Gesetzgebungen getrennt werden. .Sind Gesetzgeber und Parteien noch heute der Auffassung, daß die durch die Trennung der Sozialversicherung bewirkte künftige Ver- stärkung und Festlegung von Klassengegensätzen zwischen Arbeitern und Angestellten angebracht ist? Wäre es nicht vielmehr eine Forde- rung der gesunden Vernunft nach einem so gewaltigen Ringen des geeinten deutschen Volkes, solche Gegensätze durch Gesetzesänderung zu überbrücken, zumal doch der allergrößte Test der Angestellten der Arbeiterversicherung bereits dauernd angehört? Die doppelte Organisation, die doppelte Verwaltung und doppelte Rechtsprechung in Invaliden-, Alters- und Hinterbliebenenvetsiche- rungssachen werde, wenn erst das jetzige Gesetz voll in Wirksamkeit käme, verwirend und abträglich in weiten Volkskreisen wirken. Die doppelte und umständliche Beitragsentrichwng, die zweifachen Renten, die von zwei verschiedenen Stellen ausgehende Heilbehandlung, die nach verschiedenen Grundsätzen gehandhabt wird und zu ver- schiedenen Zeiten eintritt, wird die gesamte Sozialversicherung nur weniger volkstümlich machen. Auch finanzpolitisch sei die völlige Zentralisierung der Angestellten- Versicherung, die naturgemäß einen bureaukratischen Geschäftsbetrieb zum Schaden der Versicherten im Gefolge haben muß, keineswegs gleichgültig: denn die Konzentrierung der gewaltigen Deckungsmittel, die sich aus Jahreseinnahmen von 150 bis 200 Millionen Mark ergeben, fließen zum Nachtell der Provinzen und Bundesstaaten, aus denen sie stammen, in eine Zentralkasse in Berlin. Muß diese Tat- fache nicht zur Anwendung fiskalischer Grundsätze auch bei der Geld- anlegung fuhren? Der Ausbau der gemeinnützigen Wohnungs-, Heimstätten- usw. Bestrebungen steht überall auf der Tagesordnung. Wie sollen die Gemeinden, Genossenschaften, Bauvereine usw. den nach dem Kriege hervortretenden gewaltigen Anforderungen genügen, wenn ihnen dafür, wie jetzt, nur die billigen Geldmittel der Landes- Versicherungsanstalten zur Verfügung stehen." Daß die Verschmelzung beider Organisationen ungeheure finan- zielle und organisatorische Vorteile ergeben würde, ist von der Sozial- demokratie vor Einführung der Angestelltenversicherung vergeblich dargelegt. Aus den Darlegungen des Professors Manes erhellt, daß die Erkenntnis von der Richtigkeit der sozialdemokratischen Auffassung im Wachsen begriffen ist. Interessant ist die Feststellung durch Pro- fessor Manes, daß die Gestaltung der von de'- Sozialdemokratie be- kämpften Sonderversicherung auf den Wunsch zurückzuführen ist, Klassengegensätze zwischen Angestellten und Arbeitern zu verstärken und zu festigen. Professor Manes vergißt übrigens, daß das Stück- chen Sozialreform, das in der Idee einer Versicherung liegt, dem Ansturm der Sozialdemokratie zu verdanken ist. Bismarck anerkannte dies wiederholt; so am 20. November 1884, als er im Reichstag er- klärte:„Wenn es keine Sozialdemokraten gäbe und wenn nicht eine ganze Menge Leute sich vor ihnen fürchtete, würden die mäßigen Fortschritte, die wir in der Sozialreform gemacht haben, auch noch nicht existieren." Zuzustimmen ist dem Professor Dr. Manes durch- aus darin, daß wenn auch erst jetzt nachträglich eine Verschmelzung beider Versicherungen stattfände, eine Ersparung von vielen Millionen stattfinden würde._ Gerichtszeitung. Vorsichtspflicht für Autofahrer. Am Mittwoch bestätigte das Reichsgericht ein kammer- gerichtliches Erkenntnis, das den Autofahrern besondere Vor- ficht zur Pflicht macht. Nach der vom Reichsgericht bestätig- ien Ansicht des Kammergerichts müssen Kraftwagen an Straßenbahnhaltestellen auf die ein- und aus- steigenden Straßenbahnfahrgäste Rücksicht nehmen und des- halb ganz besonders vorsichtig fahren. Hat der Kraftwagenführer nicht jede nach den Umständen gebotene Sorgfalt beobachtet, so haftet der AutoHalter nach dem Kraft- fahrzeuggesetz ohne weiteres für den entstandenen Schaden. Ein Fahrgast war eines Nachts gegen 2 Uhr an der Ecke der Potsdamer und Eichhornftraße zu Berlin aus einem Straßen- bahnwagen ausgestiegen. Als er die Fahrbahn schon ziemlich bis zum Bürgersteig überschritten hatte, gab eine langsam heran- fahrende Kraftdroschke ein Hupensignal. Er blieb infolgedessen stehen und sah sich nach dem Auto um; dieses war aber inzwischen schon herangekommen und überfuhr ihn, so daß er schwer verletzt wurde. Die Preußische National-Versicherungs- Gesellschaft in Stettin, bei der er gegen Unfall ver- sichert war, gewährte ihm Unfallentschädigung und ver- langt nunmehr Ersatz dafür von dem Fuhrunternehmer B. als Halter der Kraftdroschke und dem Chauffeur K. aus Grund der ihr abgetretenen Rechte des Verletzten. Während das Landgericht I Berlin die Klage abwies, hat das Kammergericht beide Beklagte verurteilt, drei Viertel des Schadens zu ersetzen, mit einem Viertel wurde die Klägerin abgewiesen. In seiner Urteilsbegründung führt das Kammer- gericht aus: Der beklagte Autosührer hat nicht die nötige Rücksicht auf die em- und aussteigenden Straßenbahnfahrgäste genommen. Er ist trotz des lebhaften Verkehrs an der Straßenbahnhaltestelle weitergefahren. Das durste � er nicht. Die Straßenbahnhalte- stellen sind zum Ein- und Aussteigen der Stratzenbahnsahrgäste da. Der beklagte Kraftwagenführer mußte, bevor er weiterfuhr, ab- warten, welche Wirkung das von ihm abgegebene Hupensignal auf die ausgestiegenen Straßenbahnfahrgäste hatte. Der Verletzte drrhte sich auf das Signal um und wurde dabei von dem Auto angefahren. Daß das Hupensignal nach der Behauptung der Beklagten nicht für ihn, der die Fahrbahn bereits ziemlich über- schritten hatte, bestimmt war, sondern für eine hinter ihm aus der Straßenbahn ausgestiegene Dame, ist unerheblich. Der Verletzte konnte das Signal als ihm geltend ansehen. Es ist allgemein bekannt, daß Fußgänger, wenn sie ein Autosignal hören, zunächst stehen bleiben und sich umsehen. Damit mußte der beklagte Chauf- feur rechnen. Er hätte überhaupt kein Hupensignal abgeben oder, wenn �er es tat, zunächst halten müssen, bis die ausgestiegenen Fahrgäste in Sicherheit waren. Indessen trifft den Verletzten des- halb ein mitwirkendes eigenes Verschulden, weil er, ehe das Hupensignal abgegeben wurde, den Straßendamm überschritten hatte, ohne sich umzusehen; hätte er das getan, so hätte er die Kraftdroschke bemerken müssen. Deshalb ist der Klägerin ein Viertel ihres Ersatzanspruchs abzuerkennen. „Gestreckte" Butter. Als schamlose Butterpantschereien bezeichnete der Staats- anwalt das Vorgehen des Butterhändlers Wilhelm R i e s n e r a u s N e u k ö l l n, der sich gestern wegen wissent- lichen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz vor der ersten Strafkammer des Landgerichts 1 verantworten mußte. Der Angeklagte war im Jahre 1910 mit seinem Vermögen in Konkurs gegangen, nachdem er einige Zeit vorher sein Butter. geschäft, einen Engros. und Detailhandel, verkauft hatte. Nach zwei Jahren übernahm er es dann wieder, und zwar auf den Namen seiner Frau, jedoch blieb er allein, wie früher, die Seele des ganzen Geschäfts. Er wurde daher als der Verantwortliche strafrechtlich herangezogen, als man seinem umfangreichen Treiben auf dem Gebiete der Butterverfälschung endlich auf die Spur kommen konnte. Schon von 1912 an waren sowohl bei ihm als auch in den Geschäften, an die er als Großhändler verkaufte, Butterproben amtlich entnommen worden, deren Untersuchung er- gab, daß die Butter nicht nur Zusätze von Margarine, sondern zuweilen auch mehr als 10 Proz. Wasser enthielt. Aber erst 1915, also nach über drei Jahren, gelang es, ihn überzeugend zu überführen, da um diese Zeit von seinen 5tunden und auch in seinem Geschäft geholte Butterprobcn Margarinemischungen ergaben, während die Proben aus den ihm gelieferten Originaltonnen, die man einmal rechtzeitig noch erwischt hatte, ganz reine Naturbutter darstellten. Nach der Behauptung des Angeklagten ist dieser Umstand nur auf einen Zufall zurück- zuführen. Er will von allen möglichen Molkereien und sonstigen Leuten gekauft haben, die, wenn die von ihm gelieferte Butter Zusätze von Margarine enthalten hätte, selbst die Mischungen vor- genommen haben müßten. Oder aber seine Kunden müßten ein solches Verfahren eingeschlagen haben. Schließlich sei auch nicht die Möglichkeit von der Hand zu weisen, daß die vorgefundenen Mengen Sesamöl, von denen man den Zusatz von Margarine herleite, auf die Fütterung der Kühe zurückzuführen sei, ein Ein- wand, dessen Richtigkeit von dem Sachverständigen, Re- gierungsrat Professor Dr. Juckenack, ganz energisch bestritten wurde. Wenn der Angeklagte, so führte Professor Juckenack aus, behaupte, Sachverständige hätten sich auf Grund von Untersuchungen auf diesen Standpunkt gestellt, so könne er nur sagen, es sei Pflicht jedes gewissenhaften Sachverständigen, diese Ergebnisse ihrer Untersuchungen sofort an der höchsten Re- gierungsstelle vorzulegen, damit die in Betracht kommenden Bundesratsverordnungen danach geändert würden. Kein Sach- verständiger würde wohl damit kommen. Da auch eine Prüfung der Bücher des Angeklagten ergeben hatte, daß er bedeutend mehr Margarine, mit der er nebenbei handelt, eingekauft hatte, als von ihm laut ihnen verkauft worden war, so lag der Schluß nahe, daß der Ueberschuß zur Mischung gebraucht worden war. Das Schöffengericht Neukölln, das zuerst sein Urteil fällen mußte, erkannte auf 450 Mark Geldstrafe. Wegen Jj es außerordentlichen Umfangs, in dem der Angeklagte seine Fäl- schungen betrieben hatte, hielt der Staatsanwalt das Urteil bei weitem für zu milde und legte Berufung ein. Mit Rücksicht auf das schamlose Vorgehen beantragte er 3 Monate Gefängnis und 1000 M. Geldstrafe. Das Landgericht hatte auch keinen Zweifel, daß Riesner vielfach Butter verfälscht hatte, und er- kannte daher auf eil. Monat Gefängnis, 1000 Mark Geldstrafe und Publikation des Urteils. e&imd., lär rig«r«a im allon Abteil Billige Preise!!! AmtwabisMidaas: naota enesarkalb geges AnsahlaDf. jRelsexnäctel. 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Juni beschlossen hat, enthält lediglich eine Anzahl von Abänderungen und Ergänzungen der vorjährigen Verordnung und der Nachtragsverordnungen, die in der Hauptsache sämtlich in Geltung bleiben und auf das neue Erntejahr 1916/17 erstreckt werden. Aus diesem Charakter der Verordnung ergibt sich ohne weiteres, daß der bisherige Aufbau der Getreideversorgung grundsätzlich und technisch im wesentlichen unverändert erhalten worden ist. Die im vorigen Sommer endgültig vollerrdete Organi- sation hat ihre Aufgaben in vollkommen ausreichender und befriedi- gender Weise erfüllt; zu weitgereifenden Umformungen lag deshalb kein Grund vor. Wie bisher wird das Brotgetreide für den Kommunalverband, in dem es gewachsen ist, beschlagnahmt und von diesem und der Reichsgetreidestelle bewirtschaftet. Wie bisher wird den Kommunalverbänden, bei denen die notigen Wirt- schaftlichen, technischen und finanziellen Voraussetzungen gegeben find, die Selbstbewirtfchaftung gestattet; gefordert wird nunmehr allerdings, daß das im Bezirke des selbstwirtschaftenden Kommunalverbands zu erntende Getreide mindestens für drei Mo- nate zu seiner Versorgung ausreicht. Das M e h l m o n o V o l der Kommunalverbände bleibt ebenso unberührt wie ihre Verpflichtung eur Verbrauchsregelung; zu den Aufgaben der letzteren tritt die Ueberwachung des in den Bezirk des Kommunalverbands einge- führten ausländischen, der Beschlagnahme nicht unterliegen- den Brotgetreides und Mehls, sowie deS aus ausländischem Getreide im Jnlande hergestellten Mehls. Neu geregelt ist der Verkehr mit Saatgetreide. Ver- äußerung, Erwerb und Lieferung von Saatgetreide sind künftig nur mehr gegen Saatkarten erlaubt. Die Saatkarten werden auf Antrag vom Kommunalverband, in dessen Bezirk die Aussaat er- folgen soll, bei Händlern vom Kommunalverband, in dessen Bezirk der Händler seine gewerbliche Niederlassung hat, ausgestellt. Der Handel bedarf einer Konzession, die von der Reichsgetreidestelle oder von der von ihr bezeichneten Stelle erteilt wird. Von den übrigen Veränderungen und Ergänzungen seien als wichtigste hervorgehoben: die den selbstwirtschaftenden Kommunal- verbänden gegebene Befugnis, das auf sie entfallende Brotgetreide innerhalb ihres Bedarfsanteils, anstatt es ganz vermählen zu lassen, zu einem Teil auch zur Herstellung von Grieß zu verwenden; das dem Direktorium der Reichsgetreidestelle im Interesse unge- störter Einhaltung der Backvorschriften eingeräumte Recht, bei der Lieferung aus den Ueberschußverbänden anzuordnen, ob Roggen oder Weizen zu liefern ist(wobei jedoch die eigenen Bedürfnisse der Ueberschußverbände zu berücksichtigen sind); das neu geschaffene Recht der Reichsgetreidestelle, außer über die Verschrotung von Brotgetreide zu Futterzwecken auch über die Verwendung des nicht mahlfähigen Brotgetreides nach eigenem Ermessen Be- stimmungen zu treffen; die Befugnis der Reichsfuttermittelstelle, eine von ihr bestimmte Menge Kl ei e bei der Verteilung nach dem allgemeinen(unverändert gebliebenen) Schlüssel für besondere Zwecke zurückzubehalten und die parallele Befugnis der Landesfuttermittelstellen oder Landeszentralbehörden, von dem all- gemeinen Schlüssel der Kleieverteilung abzuweichen; endlich die Be- stimmung, daß hinterzogen es oder solches Getreide oder Mehl, das der landwirtschaftliche Selbstversorger vorschriftS- widrig zu verwenden sucht, ohne Zahlung eines Preises e n t- eignet werden kann. Eine Anzahl anderer Aenderungen sind von geringerem allgemeinen Interesse, teilweise auch bloß rein ge- setzestechnischer oder redaktioneller Natur. Eine Bekanntmachung des Bundesrats vom A. Juni ordnet eine Anzahl Aenderungen der Verordnung über den Verkehr mit Hülsenfrüchten an. Die wichtigsten sind die folgenden: Der Ab- f a tz von Erbsen, Bohnen und Linsen erfolgt künftig an eine vom Reichskanzler zu bestimmende Stelle; die Verfütterung von Hülsenfrüchten ist vorbehaltlich der besonderen Regelung für die zu Futterzwecken angebauten Arten verboten. Die gesamte Erntemenge an Hülsenfrüchten ist unmiUelbar nach Einbrin- gung der Ernte anzuzeigen. Von der Anzeigepflicht auSge- nommen sind nur Mengen unter 23 Kilogramm(bisher ein Doppel- zentner) von jeder Art. Die Mengen zum Selbstverbrauch oder die ?slam unö Weltkrieg. Wie viele andere Dinge, so wird der Weltkrieg auch den Jsiam, die Religion der gegenwärtig 666 Millionen Mohammedaner, stark beeinflussen, und zlvar nach Grad und Gunst in einem Sinn«, der wesentlich von dem Ausgange deS ganzen Ringens abhängt, darunter wiederum sehr stark davon, mit welchem Resultat das türkische Reich dabei abschneidet. Das aber ist von ungeheurer Be- deutung, von größerer vielleicht, als selbst die Eingeweihten ahnen, denn je nachdem kann daraus ebensogut eine neue Erstarkung der gesamten mohammedanischen Welt wie deren völliger Zerfall erfolgen, und das bedeutet auf jeden Fall die Zusammenballung Kroßer, schwieriger Probleme namentlich für oen europäischen Kontinent.. Von welcher Art sind nun die Faktoren, die dergestalt im Islam wirken? Die beste Antwort darauf gibt eine geschichtliche Betrachtung dieser Religion bis zur gegenwärtigen Zeit. Der Islam ist eigentlich, im Grunde und rein alö Religion genommen, nichts anderes als ein Aufguß der jüdischen und chrrst- lichen Religion. Mohammed übernahm von diesen beiden die Einheit Gottes und dessen fortwirkende Kraft, übernahm auch die Schöpfungssage und den Sündenfall sowie die Legende von der Auferstehung der Toten und vom jüngsten Gericht, übernahm endlich Himmel und Hölle, Engel und Teufel, ja, erkannte sogar die Propheten und die Heilige Schrift an. Abwegig war er nur darin, daß er die Dreieinigkeit Gottes leugnete. Jesus und die Mutter Maria als bevorrechtete Wesen verwarf und sich selbst als letzten, als den den Ring schließenden in die Reihe der Propheten stellte. Aber daS ist auch gar nicht daS Bedeutungsvolle am Islam, ist vor allem nicht das, womit er seine Macht errang; vielmehr liegt das auf rein weltlichem Gebiete. Mohammed gab neben seinen religiösen Lehren auch noch eine große Menge spezialisierter Verordnungen, d,e alle Angelegen- heiten seines Stammes und im wetteren aller Araber aufs genaueste regelten: das Gemeinde- und Familienleben, die Ehe- fcheidunq und Erbschaft, den Erwerb und die Fehde, ja, sogar die hygienischen Verhältnisse. Und das lag ebensosehr in der Richtung jener bewußten Absicht Mohammeds, die Araber erst nach innen und dann nach�außcn zu einem mächtigen Volke zu machen, wie «< dadurch tatsächlich gelang, die Araber erst national zu einigen und st« daun zu einem nie gesehenen, jahrhundertelangen Erobe- rungSzug über die halbe Welt ziehen zu lassen. Die Möglichkeit dazu bestand allerdings neben der Stärke durch den machtvollen Nationaliemus, dem die anderen, national mindestens schwächeren Völker gar nicht widerstehen konnten, auch in dem bcdeutungs- vollen Umstände, daß die Wirtschaft und Kultur der unterworfenen Völker der arabischen ziemlich gleichartig, wenigstens ebenfalls ausgesprochen orientalisch waren, so viele Gradunterschiede«S immerhin zwischen den einzelnen geben mochte. Hinzu kam weiter- hin, daß eben die schon erwähnte Gleichartigkeit der drei Re- ligionen es den unterworfenen Völkern nicht allzu schwer machte. nunmehr die neue Religion anzunehmen, und daß die Araber Mengen für die Lieferung an Naturalberechtigte können vom Reichskanzler beschränkt werden. Saatgut muß freigegeben und darf nur durch die von der Landeszentralbehörde bezeichnete Saatstelle abgesetzt werden. Die letztere kann innerhalb der vom Reichskanzler vorgeschriebenen Grenzen die Preise festsetzen. Durch eine weitere Verordnung vom 29. Juni ist der Verkehr mit Buchweizen und Hirse in derselben Weise geregelt wie der mit Hülsenfrüchten. Den Buchweizen- und Hirsemühlen sowie Nähr- mittelfabriken kann von der mit der Bewirtschaftung betrauten Stelle mit Genehmigung des Reichskanzlers gestattet werden, Buch- wetzen freihändig unter Benutzung von Bezugsscheinen im Jnlande anzukaufen; die so erworbenen— mit Hilfe der Bezugsscheine streng kontingentierten— Mengen werden von der Beschlag- nähme frei. Der Bundesrat hat in der Sitzung vom 29. Juni eine Be- kanntmachung über die Verwertung von Ticrkörpcr- und Schlacht- abfallen erlassen. Hiernach sind die in größeren Abdeckereien an- fallenden Tievkörper und Tierkörperteile sowie die in größeren Schlachthäusern usch Schlachtbetrieben anfallenden, zum mensch- lichen Genüsse nicht verwendbaren Schlachtabfälle awj Futtermittel und Fette zu verarbeiten, mit Ausnahme von Hauten, Hufen, Hörnern, Klauen, Wolle, Borsten und Federn. Die erzeugten Futtermittel und Fette werden nach den be-, stehenden Verordnungen bewirtschaftet; den Besitzern öffentlicher Schlachthäuser und kommunaler Abdeckereien ist jedoch auf Antrag eine Teilmenge bis zu einem Drittel des gewonnenen Futters zur eigenen Verwendung zu überlassen. vas tägliche örot. Eine Reichsstelle für Produzentenschutz. Die Einrichtung der verschiedenen Reichsstellen hatte letzten Endes den Zweck, den Verbraucher gegen die Uebertcuerung durch den Interessenten und gegen die Verteilungsschwierigkeiten zu'schützen. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst faßt ihren Beruf allem An- schein nach anders auf. In Nr. 1 ihrer.Flugblätter", die an Land- Wirte, d. h. Obst- und Gemüsezüchter, verschickt wurde, bezeichnet sie es als erste Aufgabe,.für alle Sorten Gemüse und Obst eine groß- zügige Verkaufsorganisation zu schaffen, die dem Vertrieb besondere Erleichterungen gewährt, und aus Preise hinwirken, die für den Produzenten ein angemessenes Entgelt dar- stellen." Daß dieses Entgelt zu niedrig ausfallen dürfte, ist nicht zu befürchten, wird es doch durch.rein örtliche" Kommtisionen festgesetzt werden, aus denen die Reichsstelle die Verbraucher prinzipiell auszuschließen bestrebt ist. Wörtlich heißt es: .Sie(die Kommijsionsmitglieder) sollen den voraussichtlichen Ertrag der Ernte, die Produktionskosten, den Wert der eigenen Arbeit und die Erschwerungen infolge de« Krieges be- rücksichligen; weiter sollen sie dabei erwögen, daß dem Produzenten auch ein angemessener Gewinn ver- bleibt. Zu den so ermittelten Preisen muß die Abnahmestelle dann die aufgeführten Sorten abnehmen, soweit sie den allgemeinen Be- dingungen entsprechen." Zum Schluß kommt dann zum dritten Male wiederum der Hinweis:.Wir werden dafür sorgen, daß der Mühe auch ihr L o h n wird, und das Vaterland wird seinen Söhnen Dank wissen." Der KriegSauZschuß für Konsumenieninteressen befürchtet sehr, daß die Reichsstclle f. G. u. O. sich bei der Erfüllung der vorstehend gekennzeichneten Aufgaben übernehmen könnte, und hat sie daher der besonderen Aufmerksamkeit de« Kriegsernährungs- amtes empfohlen._ Gegen den Milchwucher. Der Bürgermeister von Neviges(Kreis Remscheid) versucht den Milchbauern seines Bezirks wie folgt inS Gewissen zu reden:„Siche- rem Vernehmen nach beabsichtigt eine Anzahl hiesiger Landwirte, den Preis der Milch von 23 auf 80 Pf. für das Liter zu erhöhen. Zu diesem Vorgehen liegt in der jetzigen Zeit nicht die geringste Veranlassung vor. Grünfutter ist reichlich vorhanden und Kraftfutter wird infolgedessen von den meisten wenig oder gar nicht verwandt. Dieses Vorgehen würde geeignet fein, die jetzige Notlage des Volke? zu verschärfen. Wohl kaum ein Stand hat während des Krieges so günstig dagestanden wie der der Landwirte. E« wird angenommen, daß eS nur dieses Hinweises bedarf, um von einem Vorhaben, das durchaus eines patriotischen Sinnes entbehrt, abzubringen." diese Völker ruhig neben sich bestehen ließen, zwar als Unter- drückte, doch mit allen den besonderen Eigenheiten, die diese Völker- schasten aufwiesen. Alle diese Momente wurden aber noch inS Riesenhafte gesteigert, als die Araber infolge des schon durch den Raub entstehenden Wohlstandes, durch ihren mächtig aufblühenden Handel, durch ihr Bekanntwerden mit den Geistesschätzen der antiken Welt, durch ihre Verbindung mit dem alten Europa und ähnliches mehr bald eine in Wirtschast und Wissenschaft und Kunst gleich große Kultur von höchstem Stande erreichten. Nun ging auch vom Islam eine mächtige Woge neuen, um diele Jahrhunderte fortgeschrittenen Lebens aus, nicht nur über die unterworfenen Völkerschaften, sondern noch weit darüber, be- sonders über ganz Europa, und noch auf lange Jahrhunderte zehrte alle Welt von den hohen Schätzen geistiger und materieller Art, die dabei aufgestapelt wurden. Das ist nicht so geblieben. Schon kurz nach Mohammeds Tode waren wieder die alten Feindschaften zwischen den arabischen Stämmen ausgebrochen, vermehrt durch harte Kämpfe um Mohammeds Nachfolgeschaft; und nun löste sich ein Gebiet nach dem anderen los, teils um sich selbständig zu machen, teils um von benachbarten Gebieten angegliedert zu werden. Das alte mo- hammedaniscke Riesenreich zerfiel, tat das um so schneller, als sich mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien und der eigenen Entwickelung Europas auch der Handel vom Orient verlor und zugleich damit alle Blüte von Kunst und Wissenschaft versank. Je- doch mancherlei ist geblieben: die mohammedanische Religion und eine gewisse Gleichförmigkeit der Kultur, dazu vielerlei große Er- innerungen; und als neues ist hinzugekommen— und das hat die weitaus größte Bedeutung—: eine einheitliche Sprache und ein ebensolches Schrifttum. DaS aber hat dem ganzen islamitischen Geistesleben ebenso sehr die Existenz erhalten wie ihm eine ge- wisse Garantie für seine Erneuerung gegeben. Der mohammedanische Orient hatte sich vom christlichen Okzi- dent scharf losgelöst, und danach bestand jahrhundertelang keinerlei Gemeinschaft mehr zwischen ihnen; beide entwickelten sich völlig unabhängig von einander, und von ihnen ging nun der Okzident mit Riesenschritten vorwärts. Erst als dieses selbe Europa er- obcrnd in die mohammedanischen Gebiete einbrach, da wurde es anders. Denn zugleich mit der Waffengewalt kamen auch christ- liche Missionen, Schulen und dergleichen ins Land, und sie gingen systematisch darauf aus, vorerst das Christentum, dann aber auch europäische Kultur zu verbreiten, besonders, als man gewahrte, daß dem Christentum auf dem Wege über die Kultur viel besser vorwärtSpeholfcn werden konnte, und als sich diese Tätigkeit auch aus Zwecken einer gründlichen Eroberung notwendig machte. Und daS wiederum weckte so sehr den Wissensdurst der wohlhabenden und intelligenten Kreise des Islam, daß sie bald aus sich heraus nicht nur die fremden Hochschulen im Orient verhältnismäßig stark besucbten. die allmählich gegründet worden waren, sondern auch zu Studienzwecken nach den Abendländern gingen. So wurde allmählich die alte Gemeinsamkeit zwischen Orient und Okzident wieder hergestellt. Nur trieb das schnell über sich hinaus, verhalf dem Orient zu einem neuen, eigenen Leben. Die Fleischausfuhr nach Wien. Vor einigen Tagen ging die Meldung durch die Presse, daß in Wien auZ dem Dresdener Kühllager 300 000 Kilogramm Gefrierfleiscb ein- getroffen seien. Es handelt sich nicht um ein Lager der Stadt Dresden, sondern der Zentraleinkaufsgesellsibafl. Dazu schreibt die Z. E. G.: Wie wir sestgestellt haben, liegt hier uicht etwa ein Fall von Fleischeinfuhr aus Deutschland vor. Das nach Wien gesandte Gefrierfleisch war vielmehr nach einem mit der Stadl Wien getroffenen Abkommen im Auslaiide für Rechnung dieser Stadt angetauft und in Dresden gelagert worden. Die Vor- teile, die das Abkommen durch Ausschaltung der Konkurrenz der österrcichislhen und der deutschen Ääuser auf den Auslands- Märkten sür beide Länder bietet, werden keiner näheren Darlegung bedürfen."_ Verrat am Batcrlande unterstellt die badische Regierung' lenen Landwirten, welche jetzt noch die K a r i o s f e l n zurückhalten. Sie hat die Bezirksämter beaustragt, darauf hinzuwirken, daß jeder Zentner Karioffeln, den der Landwirt zur Deckung des eigenen zu- lässigen Verbrauch« nicht benötigt, abgeliefert wird. Nötigenfalls sei für den Abtransport militärische Hilse in Anspruch zu nehmen. Dann aber heißt es am Schluß der betr. Verfügung: Wie die Ver- Hältnisse sich gestaltet haben, ist eine unberechtigte Zurückhaltung Verrat am Vaterlande. Ms öer Partei. Stellungnahme der Partciprcsse zur Berliner Verbands- Generalversammlung. Die..Bergische Arbeiterftimme"(Solingen) äußert: Die Verbandsversammlung der sozialdemokratischen Vereine von Groß-Berlin ist besser verlaufen, als man im Reiche zu hoffen wagte. Die Angriffe der Stampferpresse, der Vorstoß des Ge- nosscn Leinert und der Alarmruf der„Sozialdemokratischen Partei- korrcspondenz" scheinen eine gewisse Wirkung gehabt zu haben; nicht die Wirkung, die sie haben sollten, sondern die, daß die Oppo- sition zusammengerückt ist. Ein weiteres erfreuliches Moment war die Tatsache, daß der bisherige Geschäftsfübrende Ausschuß sich sehr taktvoll benommen hat und sich nicht durch die erwähnten Presse- äutzerungen zu Unbesonneiiheitcn verleiten ließ, die vielleicht das Berliner Parteigebäude vollends in Brand gesteckt hätten. Ucber- raschend groß war die Zahl der politischen Köpfe im Verhältnis zu der der prinzipiellen. Erfreulich aber auch die grundsätzliche Ucber- einstimmung. Wir schätzen die Genossin Luxemburg alö Lehrerin und Theoretikerin hoch ein; aber als Führerin können wir ihr nicht folgen. Ihre glänzende Argumentation ist richtig und unwiderleglich. sie eilt aber der Zeit voraus.... Ob die Berliner Tagung einen Einfluß auf den Parteivorstand ausübt, ob er im stillen Kämmerlein diesen Willensausdruck prüft und Folgerungen im Geiste der Beschlüsse zieht? Wir können daran nicht glauben. Der Vorstand ist von der adsoliitcn Richtigkeit seiner Politik überzeugt; er hat nichts vom Geiste Bebels, der seine Politik nach den untrüglichen Masseneiiipfiitbungen des organisierten Proletariats zu orientiereii verstand und dadurch immer und immer das aussprechen konnte, was die Massen nur undeutlich fühlten. Die Bewegung wird über diesen Vorstand hinweggehen, und es ist doppelt und dreifach zu begrüßen, daß Groß-Berlin nicht dem organisatorischen Sinne der großen Parteimehrheit entgegen- handelte und die Beitragssperre beschlossen hat. Groß-Berlin hat damit den Sieg des sozialistischen Gedankens und der sozialistischen Taktik in der Sozialdemokratie und durch die Sozialdemokratie garantiert. Wie außerordentlich betroffen die Mchrheitspresse teilweise ist, zeigt die Tatsache, daß sie über die Groß-Berliner Ver- sammlung, der man in und außerhalb der Partei mit höchster Span- nung entgegensah, nur ganz knapp berichtet, als sei es ein Vor- kominnis. das zu bewerten ist wie die Meinungsäußerung eines SkreiseS, in dem wir noch kaum Fuß gefaßt haben. Wir haben die Hoffnung, daß die Versammlung auf die Kämpfe innerhalb der Opposition mäßigend wirken wird. Die Genossen der äußersten Linken werden vielleicht bezüglich ihrer Stärke enttäuscht sein, doch sie werden den Schluß ziehen, daß, was uns trennt, doch Zukunfts- fragen sind, die mittels unterirdischer Agitation weder allgemein gültig geklärt noch gar gelöst werden können. Die Genossen werden ihre Auffassungen behalten, aber sie haben gesehen, daff daS Zentrum, wie sie unS bezeichnen, zunächst die gleiche polittsche Arbeit vor sich hat wie sie selbst. Ferner ist zu beachten, daß recht viele Die europäischen Staaten hatten mit ihren Schulen auch ihre besondere Sprache sowie ihr besonderes Schristtiim mitgebracht, und beides benutzten sie nun eifrig dazu, für ihre besondere Kultur und ihre besonderen Interessen zu wirken. DaS aber weckte den Widerstand der höherstehenden und der religiösen mohammeda- nischen Kreise, weckte ihn um so mehr, als damit auf der einen Seite die Ignorierung der geheiligten arabischen Sprache und desselben Schrifttums durchgeführt, auf der anderen Seite die Be- deutting der nationalen Einigkeit demonstriert wurde. So drangen die führenden islamitischen Kreise immer stärker darauf, in den fremden Hochschulen des Orients auch das Arabische einzuführen, trotz der Schwierigkeit, die Ausdrücke und Begriffe der hochent- wickelten europäischen Wissenschaft ins Arabische deS kulturell äußerst zurückgebliebenen Orients zu übersetzen. Und als sie das erreichten, da taten sich vielen von ihnen erst so recht die wissen- schaftlichen sowie künstlerischen Schätze des alten Arabertums auf, vor allem aber fühlten sie dadurch eine so große Bedeutung in sich und empfanden eine so hohe Selbständigkeit, daß zum erstenmal wieder seit Jahrhunderten im Jslain dcis Verlangen nach einer nationalen Einigung äußerst rege wurde. Mochten auch manche orientalische Kreise in einem hohlen Europüertum aufgehen, �und manche andere lediglich zu europäisch gebildeten Berufsmenschen werden,— der Hauptteil dieser Orientalen empfand bewußt national und arbeitete in diesem Sinne, besonders auf politischem Gebiete, dem sie eine rege Presse erschlossen. Die groß« Masse freilich stand vorläufig noch abseits von ollen diesen Dingen; sie lebte träge und willenlos in den alten, über- lebten Zuständen dahin und kümmerte sich nicht im geringsten um das öffentliche Leben. Und doch war in ihnen ein Element tätig, mehr vielleicht als in den oberen Schichten, das allmählich auch nach dieser Richtung schlagen sollte: die altislamittsche Religiosität Der Islam war längst versteinert, zu einem hohlen Dogma geworden, besonder» im Verfolg des Zerfalls der mohammedani- scheu Staaten, der den kirchlichen Machthabern den Gedanken ein- gab, wenigstens die Religion durch den strengsten Zusammen- schluß zu retten, und der auch infolge der kulturellen sowie wirtscdaftlichen Zurückgebliebenheit und Gleichförmig- kett dieser Staaten, nicht zuletzt infolge ihrer Abgeschlossen- heit, sehr leicht durchzuführen war. Doch er war ge- blieben, wirkte fort und hielt sich lebendig vor allem durch die unzählig vielen Schriftenkundigen, die ihre Schulung auf den überkommenen, altehrwürdigen islamitischen Hochschulen empfangen hatten und nun ihre Macht um so mehr ausüben konnten, als sie den Staaten die Gesetze nicht nur mitgaben— der Staat ist im-Orient dem Islam vollkommen unterworfen, eben infolge der schon geschilderten gesetzgeberischen Tätigkeit Mohammeds während der zweiten Hälfte seines Lebens—, sondern auch diese Gesetze oft genug noch von regierenden Stellen aus mit durchfübren halsen. Und das wiederum schloß ein große?, gemein- samcs Band um alle Mohammedaner, vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean, und zwar um so mehr, als diese Unterlveisung im Koran fast die einzige geistige Speise des niederen Volkes war. Zugleich wurde damit aber auch ein anderes Band zwischen ihnen Genossen vom Zentrum sich von der Linken nur durch die Taktik unterscheiden. Wer seine absolute Prinzipienreinheit bewahren will, mutz sich schon unter eine Glasglocke stellen und aus dem poli- tischen Leben ausscheiden. Ist doch sogar Rosa Luxemburg korrum- prert oder so etwas Achnliches, die doch für die bürgerlichen und MehrheitSgemütcr der Inbegriff des Ultraradikalismus ist. Solche Ucbertrcibnngcn schaden einer Sache ungemein und machen ihre Träger lächerlich. Alles in allem betrachtet, ist die Berliner Per- iammlung ein gutes Omen für den rasch fortschreitenden Gesun- dungsprozetz der Partei. Konferenz für den Agitationsbezirk Frankfurt a. M. Aus Frankfurt a. M. wird uns berichtet: Eine außerordentliche Konferenz für den Agitationsbezirk Frank- furt a. M. tagte am Sonntag in Frankfurt a. M. Der Reichs- tagswahlkreis Frankfurt a. M. nahm an der Konferenz nicht teil, da er sie als statutenwidrig betrachtet. Auch der Partcivorstand war nicht vertreten. Als das einzige anwesende Mitglied des Bezirksvorstandes eröffnete RcichStagsabgeordneter H ü t t in a n n- Frankfurt die Konferenz.(5r teilte mit, auS welchen Motiven die Frankfurter die Beschickung der Konferenz ablehnten; der Partcivorstand stehe auf dem Standpunkt, daß während des Krieges derartige Konferenzen nicht abgehalten werden sollten. Der Borsitzende des Bezirksvorstands, Genosse Graf, und das Vorstandsmitglied Dorschu hätten mitgeteilt, daß sie aus denselben Gründen wie die Frankfurter und der Partcivorstand an der Konferenz nicht teilnehmen; etwaig ge- faßte Beschlüsse könnten sie als bindend nicht anerkennen. Im Gegensatz zu diesem Standpunkt hält Hüttinann die Abhaltung der Konferenz für dringend nötig; der Borstand sei nicht mehr aktions- fähig. Vor Eintritt in du: Tages.ordnung stellte P o r t u n e- Höchst den Antrag, die Berichterstattung durch die anwesenden Pressever- trctcr zu untersagen und einen offiziellen Bericht an das Presscburcau zu senden. Gegen diesen Antrag wandte sich ein Wiesbadener Dele- gicrtcr, der Reichstagskandidat von Wiesbaden, Lehmann- Mann- heim und RcichStagsabgeordneter B rü h n e- Höchst. Für diesen sprachen der Kandidat von Diez-Limburg, Z i m m e r m a it n- Frank- siert a. M., Berges- Bockenheim und Dr. Wagner- Hanau. Letzterer sagte, die Berichterstatter könnten ja als Gäste dableiben, sie müßten sich aber chrenwörtlich verpflichten, nicht ait ihre Zei- tungen und nicht an Behörden zu berichten. Da weder aus den Reihen der Delegierten noch vom Bureau die anwesenden vier Berichterstatter— sämtlich Parteigenos�n und als solche bekannt— gegen diese beleid igende Unter st ellung in Schutz genom- wen wurden, ließen sie durch den Vorsitzenden Verwahrung gegen die Beleidigung einlegen. Der Antrag Portune iourde mit ungefähr Ziocidrittelmehrheit angenommen. Die partcigenös fischen Pressevertreter verließen dann den Sitzungssaal. lieber den ferneren' Verlauf der Konferenz geht uns folgender offizielle Bericht zu: Am Sonntag, den 25. Juni, tagte in Frankfurt a. M. eine außerordentliche Bezirkskonferenz für den Agitationsbezirk Frankfurt a. M. Ueber 80 Delegierte nahmen an der Konferenz teil. Der Wahlkreis Frankfurt a. M. lehnte die Beteiligung ab, da er die Konferenz als nicht rechtmäßig einberufen betrachte. Der Gestbäfisbericbt erstreckte sich auf drei Jahre. Der 1890 Ortschaften umfassende Bezirk hatte am l. April Uli-} in 448 Orten 32955 Mitglieder, davon 4563 weibliche. Am 1. April 1916 waren noch 24 392 männliche Mitglieder vorhanden. Im Konflikt mit der Bezirksorganisation befindet sich die Frank- furter Organisation und zwar wegen der Eigentumsfrage der„Volksstimme". Im Verlauf dieses Konflikts sperrte die Frankfurter Or- ganisation dein Bezirksvorstand die Pflichtbeiträge für den Bezirk. Auch der Parteivorstand in Berlin reduzierte den Zuschuß nach er- folgte r Revision durch den Genossen Braun um die Hälfte. Diese Maßnahmen führten auf der Konferenz zu recht lebhaften Auseinandersetzimgen, deren Ergebnis in uachfolgender Resolution, die gegen 3 Stimmen angenommen wurde, zum Ausdruck kam: Ter Beschluß der Frankfurier Parteiorganisation betreffend Richtabsuhrung der. Pflichtbeiträge für den Bezirksvorstand ist ein Verstoß gegen das Organisationsstchut der Gcsamtpartei. Damit gibt die Frankfurter Parteiorganisation das Beispiel der Partei- Zersplitterung, was sie der Minderheit zuni Vorwurf macht. Ter Parteivorstand in Berlin hat die Pflicht, diesem Partei- zerstörenden Treiben mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln Einhalt zu gebieten und die Frankfurter Organisafton auf den Instanzenweg zu verweisen. Ter Parteivorstand deckt diese Maßnahmen der Frankfurter Organisation, indem er in einseitiger Weise dazu übergebt, dem Bezirkssekretariat den vierteljährlichen Zuschuß von 1200 M. auf 600 M. herabzusetzen und das Bczirksfekretariat unter Bevormun- dung des Genossen Gräf stellt. Auf solche Weise zerstört der Parteivorstand die jahrelange, mühevolle Orgonisations- und Agitationsarbeit in unserem Bezirk. Tie Bczirkskonfcrenz fordert daher den Parteivorstand auf, die benötigten Zuschüsse dem Bczirkssckrctariat wieder zur Vcr- fügung zu stellen. erhalten: das gemeinsame Sprach- und Schrifttum. Tie Sprache des Islams war immer noch das Arabische, so sehr sich natürlich auch einzelne besondere Idiome dabei herausgebildet hatten, und da nun die religiöse Belehrung allenthalben in unzählig vielen Moscheenschulcn erfolgte, so ging vom Islam ein starker, äußerst lebendiger Strom abrabischen Sprach- und Schrifttums über alle mohammedanischen Lande, der nun von neuem gewisse gemeinsame Interessen schuf. Als daher die europäische Invasion erfolgte, da wurden zwar die breiten Massen von der hinter dieser Invasion einströmenden abendländischen Kulturbcwegung so gut wie nicht erfaßt, doch das Gefühl ihrer Zusammengehörigkeit untereinander erhielt dadurch eine starke Anregung, eine Art nationales Gefühl erwachte, und sie ließen sich nun auch willig leiten von den höherstehenden, bc- wüßt nationalen Schichten, die sich an der westeuropäischen Kultur gebildet hatten. Die rechte Grundlage, gleichsam den Kern, erhielt das aber erst durch die religiösen Vereinigungen, die verschiedensten Orden, die sich meist schon Jahrhundertc vorher gebildet hatten. Sie waren eigentlich nur aus dem Verlangen nach gemeinsamer Pflege der Andachten entstanden, trotzdem solche Vereinigungen dem Gebote Mohammeds widersprachen, hatten sich dann aber zu Organisationen ausgewachsen, die zwar auch die Bettelei eifrig pflegten, in der Hauptsache aber den religiösen Kult zu einem wahren Fanatisnius steigerten, mit Austoüchsen in der Form, die geradezu an Wahnsinn grenzen. Doch gerade das machte sie zu den Bannerträgern, zu den Kampfestruppen des Islams, und sie repräsentieren um so mehr eine gewaltige Macht, als sie allenthalben verbreitet sind, unzählig viele Mitglieder aufweisen und zuletzt noch durch die Gründung des Senusseno-rdens eine Zu- sammenfassung gewaltiger Art erhalten haben, da er unter Ab- lehnung überlebter Formen nur die Vereinigung aller Mohcmi» rn eherner predigt. Zudem arbeiten auch sie bewußt auf eine Stärkung des Jflams bin, taten es schon immer, und sehnen mit Inbrunst jene Zeiten herbei, da es ein einiges, großes, machtvolles Reick, gab, in dem allein der Islam herrschte. Und das hat der be- ginnenden Emanzipation des Orients einen starken Halt gegeben. Was sich nun aus alledem durch den Krieg entwickeln wird, das muß abgewartet werden. Fest steht aber jedenfalls schon jetzt, daß bei einem auch nur halbwegs günstigen Abschluß der Türkei die ganze mohammedanische Bewegung einen Konzentrationspunkt gewinnt/ von dem aus ein gewaltiges Wiedererwachen des Islams öffentlich in die Erscheinung treten wird. Denn dieser Staat ist der letzte aller mohammedanischen, und zugleich hat er dadurch eine große Bedeutung, daß er-das Kalifat besitzt, diese letzte und heiligste Manifestation der gesamten islamitischen Religion. Dann wird sich auch von neuem bewähren, was schon Mohammed so klug zu nutzen verstand und was allein den Islam am Leben erhalten hat: der Wert einer gemeinsamen Wirtschaft, einer gemeinsamen Sprache, Schrift und Kultur zwischen den Völkern der niemals weder nach innen noch nach außen feine Wirkung verliert.__(z) Das Verhalten der Genossen Gräf und Torschu als Mitglieder des Bezirksvorstandes, das als ein obstruktionsartiges zu bezeichnen ist. hat fast zur vollständigen Lahmlegung der Beziftksorganisation geführt und kann dieser unhaltbare Zustand nicht länger aufrecht- erhalten bleiben. Die Konferenz spricht infolgedessen den beiden Genossen das größte Mißtrauen aus. Die Presscdifferenzen führten ebenfalls zu eingehenden Erörte- rungen. Nachfolgende Resolution gelangte gegen 5 Stimmen zur Annahme: Resolution. Die anr 25. Juni 1916 tagende Bczirkskonferenz für den Agi- tationsbezirk Frankfurt a. M. erklärte sich mft den Beschlüssen des erweiterten Bezirksborstandes und den Maßnahmen der Zcitungs- Kommission einbcrstanden. Die Beschlüsse im„Volksstimmen"- Konflikt waren von dem richttgcn Grundgedanken geleitet, die „Volksstimme" als Parteieigentum für den ganzen Agitation»- bezirk zu erhalten und der Organisatwnsentwickelung der Kreise einen Einfluß aus die politische Hallung des Blattes im Sinne der Gruudanschauugcn der Partei zu siebern. Ferner garantierten die Beschlüsse die Mitwirkung der Bczirksorgauisation an der Per- waltung des Unternehmens. Der in den Beschlüssen niedergelegte Standpunkt deckt sich vollinhaltlich mit der Tätigkeit und den Jnter- essen der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen, wie sie praktisch in den letzten Jahrzehnten geübt worden ist, sowie den Beschlüssen der Bczirkskonscrenzen vom Jahre 1908 und 1909, die heute noch voll und ganz Gültigkeit haben. Direkt im entgegengesetzten Sinne müssen die Dkaßnahmen und Beschlüsse Ivirken, welche von der Frankfurter Parteiorgan!- sation in der Pressefrage gefaßt worden sind. Ein Vorrecht der Frankfurter Genossen, wie es verlangt und jetzt durchgeführt war- den ist, beseitigt nicht nur das eiichcitliche organisatorische Wirken durch die Presse, sondern muß auch zerstörend im gewerkschaftlichen und politischen Kampf der Arbeiterklasse wirken. Einen solchen Standpunkt lehnt die Bezirkskonferenz entschieden ab. Die einzelnen Wahlkreise, wie auch der erweiterte Vorstand des Bezirks haben sich redlich bemüht, während des Krieges den alten Rechtszustand in dem Presseunternehmen aufrechtzuerhalten und sind in einzelnen Punkten der Frankfurter Parteiorganisation weit entgegengekommen. Aber einer Zerstörung des demokratischen Grundrechts mußte entschieden entgegengewirkt werden. Der Kmnps. der ja nun entbrannt, ist gewiß sehr bedauerlich, besonders in jetziger Zeit; aber er muß leider durchgeführt werden. Er wird auch für dieZukunft fortgesetzt werden müssen, solange derStand- Punkt des Vorrechts von den Frankfurter Parteigenossen weiter vertreten wird. Wir erklären daher, daß die„Frankfurter Volkssftmme* nicht als Organ der Sozialdemokratie des Agllaftonsbezirks Frankfurt am Main angesehen werden krnm. Zum Schluß wurde noch eine eine Sympathiekundgebung für Genossen Liebknecht einstimmig angenommen. Bei der Wahl des Bezirksvorstandes wurden die Genossen Grä und Dorschu nicht wiedergewählt. Zur Haltung des Kieler Parteiorgans. Vom Genossen Ed. Adler, dem leitenden Redakteur der .Sch t e sw i g- H o lft ei n i sch e n Zeitung", erhallen wir nachstehende Zuschrift: „Es trifft nicht zu, daß aus den Reihen der werktätigen Ge» nossen nur einer den von mir vertretenen Standpunkt geteilt hat. Ebenso hat, wie ick ergänzen will, auch ein Gewerkschaktsbeamrer die Ansichten der Opposition vertreten. Die Versammlung selbst war von vornherein unzuständig, irgendwelche Beschlüsse zu fassen. Sie hätte, wenn es zu Beschlüssen kommen konnte und sollte, wie für alle Kenner der Verhältnisse klar ist, mit etwa reichlicher Zweidrittelmehrheit meinen Standpunkt gebilligt, den ich zum Schlüsse noch einmal niit der Zusage der Redaktion festlegte, daß sie nach wie vor die Ansichten der Mehrheit vertrete, aller die Min- derbeit objektiv und versöhnlich behandeln wolle. Davon, daß Ge- nosse Garbe den Redakteuren j irgendwelchezi Rat gegeben bat, im Sinne der Minderheit zu arbeiten, ist keine Rede. Er' hat sich als sachlicher Vorsitzender jedes Eingreifens in den Kern der Dehatte enthalten. Die fünf Versammlungen fanden in den Monaten April und Mai statt. Eduard Adler." Da auch in der Mttwochrnimmcr der„Schleswig-Holfteinischen Bolkszeitung" eine redaktionelle sttoftz eitthallen war, die de- hauptete, wir wären bewußt falsch berichtet worden, so ging uns noch eine wettere Zuschrift aus Kiel ein, in der fünf Genossen unterschriftlich bestäftgen, daß unser Bericht den Tatsachen ent- spricht. Als Beweis der Richtigkeit unserer Darstellung führen sie an, daß bisber in der„Voltszeitung" über diese Sitzung kein Bericht erschienen ist, was aber sicher der Fall wäre, wenn die Sitzung den vom Genossen Adler bezeichneten Verlauf genommen hätte. „Arbeitcr-Jugend". Die soeben erschienene Nr. 14 des achten Jahrgangs hat u, a. folgenden Inhalt: Des Hebels Wurzel. (Schluß.)— Die Philister. Gedicht von Leopold Jacoby.— Die Wunder des Aehrenfeldes, Von Heinz Welten.— Brüderchen. Von Karl Busse.— Das TeufelZmoor. Von Jürgens Brand.(Mit Abbildungen.)— Mein Leben. Gedicht von Hermann Hesse.— Der Werwolf. Von B. Sommer.— Aus der Jugendbewegung. Mus Groß-öerlin. veraltete Laüenschilöer. In den beiden Schaufenstern eines Schlächterladens, an dem ich täglich vorbeikomme, stehen� tagaus tagein nur ein paar Blumentöpfe, nichts weiter. Sie sind das einzige, was an dem Laden noch blüht. Seit Wochen ist er geschlossen. Aeutzerlich hat sich an ihm nichts geändert. Er macht immer noch mit seinen schmucken Schildern einen sehr guten Ein- druck. Bockwurst, Wiener Würstchen, zweimal täglich frisch, Kasseler, ist auf dem Schilde links von der Tür, Braten. Lachsschinken, garnierte Schüsseln, ff. Aufschnitt auf dem Schild rechts von der Tür zu lesen. Goldene Buchstaben auf schwarzem Grunde, und so blank, als wären die Schilder erst ein paar Tage, erst ein paar Wochen alt. Wiener Würstchen, zweinial täglich frisch. Das wird manch einer nicht lesen können, ohne daß ihm das Wasser im Munde zusammen- läuft, oder sich ein stiller Seufzer seiner Brust entringt. Nichts ist wahr, nichts gibt es mehr von dem, was auf den Schildern steht, falsche, entschwundene Tatsachen sind's, die sie uns vor- spiegeln. Man sollte sie entfernen, spotten sie doch unserem Verlangen nach einem kräftigen Frühstück, oder nach einem Abendbrot nach guter, alter Art. Nur wenige Häuser weiter befindet sich eine größere Brot- und Feinbäckerei. Keine andere hat im Umkreis mehrerer Straßen einen besseren Ruf genossen, als es noch Mehl in Hülle und Fülle und keine Brotkarten gab. Man hat sich um ihre Torten und Kuchen förmlich gerissen. An jedem Sonntagnachmittag standen fünf bis sechs Personen hinter dem Ladenftsch und hatten die Hände voll zu tun. Heute liegen im Schaufenster der Bäcker zumeist nur ein paar bunte verstaubte Waffelstücke, auf die niemand„fegt". Nur ein Schild, zwischen Tür und Schaufenster, zeigt von den besseren Tagen, die dem Bäckerladen einstmals beschieden waren. Es steht folgendes darauf:„Baumkuchen, Torten, Spritzkuchen, dreimal täglich frische Wind- beutel mit Schlagsahne, bunte Schüsseln". Dreimal täglich frische Windbeutel mit Schlagsahne. Welch süße Erinne- rilngen steigen auf. Wie lange ist es doch schon her, daß der Sturm der Zeitenwende die Windbeutel von der Bildfläche hinweggeblasen hat. Es kräht kaum noch ein Hahn nach ibtten. wiewohl jetzt manch einer Zeit genug dazu hätte. Man schlachtet ihm die schönsten Hühner vor dem Schnabel weg, um sie für teures Geld zu verkaufen. Und so ist er denn gc- nötigt, zu feiern— ergo der Mangel an Eiern. Stimmt das etwa nicht, Freund Pinkas Ungeduld? So heißt der Besitzer eines Eierkellers in meiner Straße. Täglich„frische Koch-, Trink- und Einschlageeier". Dieses steht in großen, schwarzen Buchstaben über der Türe, in einem der Fenster aber hängt ein Pappschildchen mit der lakonischen Er- klärung:„Wegen Warenmangel geschlossen". „Warum lassen Sie die Lüge über Ihrer Türe nicht über- tünchen, fragte ich eines Tages Herrn Pinkas Ungeduld. „Warum soll ich sie lassen übertünchen," antwortete cr. „Hab' ich Geld zum hinausschmeißen? Was wollen Sie? Es gibt größere Lügen, und sie werden nicht übertüncht. Im Gegenteil. Aufgefrischt werden sie mit neuen Farben, daß sie leuchten und blenden, wer weiß wie sehr. Ahnung, was sie haben. Aber ewig wird er doch nicht dauern, der Krieg. Und es wird wieder eine Zeit kommen, wo es täglich, bei mir wird geben frische Eier. Sie werden sehn." „Sie sind ein Optimist," Herr Ungeduld, sagte ich. „Wie heißt, ich bin ein Opftmist", lächelte er, sich ge- schmeichelt fühlend.—„Ich bin ein Käufmann und kenne die Welt. Der gesunde Geschäftsgeist wird alles wieder aufleben lassen. Die Zukunft gehört dem Kaufmann. Das sage ich, Pinkas Ungeduld." Hoffen wir, daß sie nicht nur dem Kaufmann, sondern auch der arbeitenden Bevölkermig gehören wird. Schulkinder als Landarbeiter. Die.Pädagogische Zeitung" meldet, daß die Stadt Berlin zur Bewirlschafluilg ihrer Güter die Mitarbeit von Schulkindern in Anspruch nimmt. Wegen des Mangels an Arbeitskräften habe der Magisttat in den Gemeindeschulen nach Schülern der oberen Klaffen gefragt, die unter Führung von Lehrern freiwillige landwirtschast- liche Hilfsarbeiten leisten sollen. Ueber einen Versuch, der bereits ge- macht wird, erzählt das Lehrerblatt:„Als Erfolg dieser Nachfrage — es handelt sich einstweilen um einen Versuch— konnten dieser Tage etwa 25 Knaben der 35. Gemeindeschule in der Bernauer Sttaße unter Aufficht eines Lehrers dem städtischen Gute Albertshof bei Bernau überwiesen werden, um dort leichte Arbeiten zu verrichten. Die Schüler, die für die Zeit bis zum Ablauf der großen Ferien vom Unterricht befreit sind, erhalten neben freier Unterkunft und Beköstigung eine tägliche Entschädigung von 20 bis 30 Pf." Wie die Lehrer hierüber denken, sagt die„Pädagogische Zeitung" nicht. Was mag übrigens die Angabe bedeuten, daß die Schüler„für die Zeit bis zum Ablauf der großen Ferien vom Unterricht befreit find?" Unterricht haben sie ja in den Ferien ohnedies nicht. Gemeint ist wohl, daß ihre Heranziehung zu Landarbeiten für die ganze Zeit bis zum Ablauf der großen Ferien beabsichtigt ist. Die Maffcuspeisung in Berlin. Die Anmeldungen zu den in Berlin in Aussicht genommenen Massenspeisungen sind recht spärlich erfolgt. Damit wurde gerechnet. denn für den Bettieb ist es besser, wenn cr sich langsam entwickelt, als wenn das Umgekehrte der Fall ist. Viele stehen der neuen Ein- richtung abwartend gegenüber, man will, wissen,--was man für da« Geld belomnit. Arbeitet die. Einrichtung zufriedenstellend, wird sie bald großen Zulauf haben. In erheblichem Maße werden Hülsen- fruchte und Gemüse gekocht werden. Große Zentralküchen, die mindestens 15 000 bis 20 000 Porftonen verarbeiten, sind die rationellste Wirtschaftsart für die Massenspeisung. Diese großen Küchen werden mit einem Kranz von Unterverteilungsstellen umgeben, zu denen zu bestimmten Stunden die fertig zubereiteten Speisen gebracht werden und von denen sie unmittelbar an den Verbraucher abgegeben werden. Die Räume der Küchen und die Verteilungsstellen sind so gewählt, daß sie groß und lufttg find und gestalten, eine große Anzahl von Per- sonen in kurzer Zeit �abzufertigen Für die großen Küchen sind städftsche Markthallen und andere bedeckte Gebäude ausersehen. AIS AuSgabe stellen sind vornehmlich die Turnhallen der städtischen Schulen in Aussicht genommen. Die Einrichtung der Ausgabe« stellen ist beweglich und kann fortgenommen werden, so daß der Turnlehrbetrieb nicht gestört wird, da die Hallen nur wenige Stunden sür die Speisenausgabe in Anspruch genommen sind. Die Verteilungsstellen müssen über alle Stadtteile verteilt werden, daß von der Wohnung des einzelnen bis an die Entnahmestelle möglichst kurze Wege führen, da grundsätzlich das Essen nach Hause geholt werden soll. Dadurch wird das Bedenken hinfällig, daß die Familie durch die Massenspeisung auseinandergerissen werde, und außerdem hat es eine geschickte Hausftou.in der Hand, durch geeignete kleine Zusätze das Essen ihrem persönlichen Geschmack mehr anzupassen und etwas Abwechslung Hineinzubringen. Die Kontingentierung der Lebensmittel macht eS notwendig, daß zunächst nur die Massenspeisung von Berliner Einwohnern er- folgt, da die Stadl nur sür diese Nahrungsmittel zugewiesen erhält. — Es schweben indessen bereits Verhandlungen, um mit den Vor- orten, von denen zahlreiche Einwohner in Berlin ihre Arbeitsstelle haben, einen gegenseitigen Abrechnungsverkehr auch in der Massen- speisung herbeizuführen, so daß eine Art Freizügigkeit in der Massen- ung erreicht wird. Am 10. Juli wird die erste Massenküche in der T r e§ ck o w st r a tz e mit einem Fassungsvermögen von 30 000 Litern und neun Unlerverteilungsstellen eröffnet werden. Zwei der Verteilungsstellen liegen in der Markthalle selbst, eine weitere in der Turnhalle in der Danziger Sttaße, eine dritte im alten Wasserwerk, Eingang Kolmarer-Diedenhofener Sttaße, die anderen in Gemeinde- chulen bis an die äußersten Grenzen des Berliner Stadtgebiets, wo noch in der Jbsensttaße eine Verteilungsstelle eingerichtet ist. Da das Problem der Massenspeisung noch unerforscht ist, soll auch ein Versuch mit einer kleinen Küche gemacht werden. Deshalb wird in der Turnhall« in der Schule in der Graunstraß« gleichzeiftg eine Anstalt für 2700 Liter in» Leben tteten. In rascher Folge schließt fich eine große Küche auf dem Schlacht- Hof für ungefähr 29 700 Portionen an, dann in der Sellersttaße eine große Küche auf dem Grundstück der Städtischen Gaswerke, bis zum 1. Oktober in kleinerem Umfange, von da ab größer ein« gerichtet. Weiter folgt die Zentralmarllhalle am Alexanderplatz, die als Fleischgroßhalle wegen der nunmehrigen Zuteilung des Fleisches unnötig geworden ist. Dies wird die größte Küche mit einer Leistungsfähigkeit von ungefähr 40 700 Litern sein. Dann 'olgen noch die Markthallen in der Pücklerstraße, ArminiuSsttatze. Luisenufer. Marheinekeplatz, ein städtisches Grundstück in der Loh- mühlensttaße und schließlich das alte Wasserwerk in der Belforter und Kolmarer Sttaße. Am 10. Juli wird mit 33 000 Litern angefangen. Mitte September wird die tägliche Leistung auf ungefähr 260 000 Liter gestiegen sein. Die Stadt Berlin bat zunächst einen Kredit von zwei Millionen Mark für bauliche und innere Einrichtungen verlangt. Es ist nicht sicher, bafe sie damit auZlonunt, und ob man bei der Höchstleistung von 250 000 Liter stehen bleiben kann. Meischverkauf an fleischlosen Tagen. Nach ministerieller Genehmigung darf in Berlin bis auf weiteres an allen Dienstagen und Freitagen in den Fleischer- laden Fleisch verkaust werden. Fleischabgabe ohne Fleischkarteuabschuitt. Der Berliner Magistrat schreibt: Es ist zu unserer Kenntnis gelangt und durch eine große Reihe von Zuschriften bestätigt worden, daß Fleischer vielfach ohne Verabsolgung von Fleisch Fleischkartenabschnitte abtrennen. Dies ist unter keinen Umständen statthast. Eine Abtrennung von Abschnitten, und zwar lediglich dersenigen, welche für die betreffende Woche gültig sind, ist nur zu- lässig, wenn Fleisch in der den abgetrennten Abschnitten entsprechenden Menge auch tatsächlich abgegeben wird. Sollten sich an der Karte noch Abschnitte der vorhergegangenen Woche befinden, so darf der Fleischer diese unter keinen Umständen an sich nehmen. Sollten trotz dieser erneuten Klarstellung abermals derartige Fälle bekannt werden, so werden die Schuldigen zur.Anzeige gebracht werden. Aus Gastwirts kreisen wird darüber Klage geführt, daß wie die Einsichtnahme in die Speisekarten einer größeren Anzahl von Gast- und Schankwirtschaften lehrt, immer noch Fleischgerichte, die nach der Verordnung des Magistrats über die Regelung des Fleischverbrauchs nur gegen Karte verabfolgt werden dürfen, ohne Fleischkarte ab- gegeben werden. Es kam: nur dringend hiervor gewarnt werden, da jeder zur Kenntnis der Behörde gelangende Fall verfolgt werden muß und wird. Ferner weisen einige Speisekarten immer noch mehr als zwei Fleischgerichte auf, ein Verfahren, welches gegen die Bundesratsverordnung vom 31. Mai 1916, betr. Bekanntmachung zur Vereinfachung der Beköstigung verstößt. Butterpreise im Kleinhandel. Der Magistrat veröffentlicht heute eine Verordnung, nach der vom D tontag. den 3. Juli ab, der Preis für Butter in Berlin im Kleinhandel nicht übersleizen darf: für Handelsware I..... b2 Pf. « tr n..... 50, m..... 47, „ abfallende Ware..... 41, für je 100 Gramm._ Obstpreise in Berlin. Der Magistrat Berlin gibt bekannt, daß nach Beschluß der Preispriifungsstelle die für die wichtigsten Obstarten aus Werder und Umgegend festgesetzten Großhandelsrichtpreise für den Groß-Berlincr Markt allgemein Geltung haben, also auch auf Obst anderer in- und ausländischer Herkunft Anwendung finden. Die Prcisprüfungsstclle wird durch Aushang in den Markthallen und an den sonstigen Obstmärkten diese Richt- preise nochmals zur Kenntnis bringen, deren Ueberfchreitung gegen die Bundesratsverordnung vom 23. Juli 1913 verstoßen würde. Tas Unkraut in der Wuhlheide. Die Wuhlheide ist Besitz der Stadt Berlin; sie wurde erworben zu dem Zwecke, um ein Wasserwerk dort zu errichten. Die Ver- walmng wird von der städtischen Forstverwaltung ausgeübt. Nun wird uns aus Oberschöneweide berichtet, wie sehr die städtische Forst- Verwaltung darauf achiet, daß das dort wachsende Unkraut ja nichl fortgeholt wird. Leute, die infolge der Futterknapph'eit sich etwas Schweinefutter holen wollten, sind vom Oberförster angehalten und verwarnt worden, im Wiederholungsfälle ist ihnen Strafe angedroht worden. Das hat sehr verschnupft, zumal die Stadt gar keinen Schaden erleidet. Es wird der Allgemeinheit nur genützt, wenn die staatlichen und städtischen Forstverwaltungen dazu beitragen, daß dos von niemand benutzte Unkraut Futterzwecken dienstbar gemacht wird. Es sollte deshalb an die Aufhebung von Bestimmungen ge- gangen werden, die veraltet sind und deren Aufrechterhaltung nur Unmut aber keinerlei Nutzen stiftet. Radfahren zur Jagd. Die sehr einschneidenden Bestimmungen über die Benutzung der Fahrräder haben die zuständigen Behörden veranlaßt, in Erwägungen einzutreten, inwieweit das Radfahren zu gestatten sei, ohne den be- absichtigten Zweck zu gefährden. Kürzlich hatte das Oberkommando darauf hingewiesen, daß die Ausübung der Jagd, der Fischerei und Angelei trotz ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als Sport zu be- trachten sei, und daß deshalb die Benutzung des Fahrrades für diese Zwecke nicht gestattet werden könne. Der Landrat deS Kreises Lebus ist aber anderer Meinung, denn er erläßt im Amtsblatt und im Kreisblatt folgende Bekanntmachung: .Zu der Anordnung des Oberkommandos in den Marken vom 26. Mai d. J. betreffend Einschränkung des Fahrradverkehrs mache ich hierdurch bekannt, daß Fahrten zur Jagd kein Vergnügen im Sinne vorstehender Anordnung bilden, da auch die Jagdgäste der Nahrungsmittelvermehrung dienen. Die Benutzung des Fahrrades, um zum Jagdgelände zu gelangen, ist deshalb gestattet."' Hoffentlich treten noch andere Erleichterungen deS Radfahrverbots in Kraft, denn ein zu Gesundheitszwecken unternommener Aus« flug von Arbeiterradfahrern ist unter Umständen notwendiger als das Radfahren zur Jagd.__ Eine Erhöhung des täglichen Kostgeldsahes für Haus- angestellte hat das Berliner Polizeipräsidium beschlossen. Auf eine an das Präsidium gerichtete Eingabe des Zentralverbandes der Hausangestellten wurde geantwortet, daß das tägliche Kost- geld für weibliche Hausangestellte auf 2,10 M., für männliche auf 2.25 M. festgesetzt sei. Darauf könne der Wert der Woh- nung mit 30 Pf. pro Tag in Abzug gebracht werden. Mit dieser Festsetzung tritt eine Erhöhung um 50 Pfennig pro Tag ein. Musterung der österreichisch-ungarische« Landsturm- Pflichtigen in Berlin. Das k. u. k. Generalkonsulat in Berlm teilt mit:.Alle in den fahren 1866� fji§ 1897 geborenen österreichischen und ungarischen Staatsangehörigen bzw. bosn.-berz. Landesangebörigen werden in der Zeit vom 3. bis 29. Juli 1916 einer neuerlichen Konskription sAusnahme der Musterungsblätter) und hiernach in der Zeit vom ol. Juli bis 30. September 1916 einer neuerlichen Musterung unter- zogen werden. Zur Konskription zu erscheinen haben alle männ- Iichen Pertonen obiger Jahresgänge ohne Ausnahme, und zwar die in Groß-Berlin und in der Provinz Brandenburg Wohnhasten in der Landwehrinspeliion, Berlin-Schöneberg. General-Pape-Straße. � o t'on® bis 10 Uhr morgens: Am 3. Julr der Geburtsjahrgang 1866, am 4. Juli der GeburtS- jahrgang 1868, am 5. Juli der GeburtSjahrgang 1870, am 6. Juli der Geburlsjahrgang l872. am 7. Juli der Geburtsjahrgang 1874, am 8. Juli der Geburtsjahrgang 1876, am 10. Juli der GeburtS- jahrgang 1878, am 11. Juli der'Geburtsjahrgang 18S0, am 12. Juli, der Geburtsjahrgang 1881, am 13. Juli der GeburtSjahrgang 1LL2, am 14. Juli der Geburtsjahrgang 1883, am 15. Juli der Geburts- johrgang 1884, am 17. Juli der Geburtsjahrgang 1885, am 18. Juli der Geburtsjahrgang 1886, am 19. Juli der Geburtsjahrgang 1887, am 20. Juli der Geburtsjahrgang 1888, am 21. Juli der Geburts- jahrgong 1889, am 22. Juli der Geburtsjahrgang 1890, am 24. Juli der Geburtsjahrgang 1891, am 25. Juli der Geburtsjahrgang 1892, am 26. Juli der Geburtsjahrgang 1893, am 27. Juli der Geburts- jahrgang 1894, am 28. Juli der Geburlsjahrgang 1895, am 29. Juli der Geburtsjahrgang 1896 und 1897. In der Zeit von 11— 1 Uhr mittags: Am 3. Juli der Geburlsjahrgang 1867, am 4. Juli der Ge- burtSjahrgang 1869, am 5. Juli der Geburtsjahrgang 1871, am 6. Juli der Geburtsjahrgang 1873, am 7. Juli der Geburtsjahrgang 1875, am 8. Juli der Geburtsjahrgang 1877, am 10. Juli der Ge- burtsjahrgang 1379. Sämtliche Ausweispapiere und zwei unaufgezogene Photo- graphien sind mitzubringen. Das Datum der Musterung selbst wird gelegentlich der Konskription jedem einzelnen mitgeteilt werden. Für die in der Provinz Sachsen und im Herzogwm Braun schweig Wohn- haften wird in einigen Tagen eine besondere Kundmachung erfolgen, welche in den Zeitungen in Magdeburg, Braunschweig, Halle a. S. und Erfurt veröffentlicht werden wird. Der k. u. k. Generalkonsul (gez.) Szarvasy."_ Die gesperrte» Seen. In den Kreisen der Groß-Berlincr Rudervereine hat die Sperrung mehrerer Seen in der wetteren Umgebung Berlins große Verwunderung und eine unaitgenchme Ucberraschuttg hervorgerufen. Der Rittergutsbesitzer Böse hat kürzlich die ihm gehörigen Seen in der Nähe des Scharmützelsees für den Verkehr sperren lassen. Es handelt sich in der Hauptsache um den landschaftlich schön gelegenen Springsee und um den kleinen Glubigsee, die bisher von den Ruderern befahren werden konnten. Die Rudervereme wollen sich mit dem Der- bot des Besitzers nicht ohne weiteres zufrieden geben, sondern Feststellungen darüber anstellen, ob diese Seen nicht bereits dreißig Jahre hindurch unbeanstandet befahren worden sind. In diesem Falle hätten sich die Besitzer ihres Rechtes begeben und eine Aufhebung des Verbotes durch die zuständige Be- Hörde zu erwarten._ Seifenpulvcr auf Brotkarten. Es scheint in Seifengeschäften die Ansicht verbreitet zu sein, daß gegen die Brotkarte wohl Seife, nicht aber Seifenpulver verkauft werden darf. Diese Ansicht ist irrtümlich, denn die Brotkarte gilt auch für Seifenpulvcr und für alle anderen fetthaltigen Waschmittel, so daß es hierzu keines besonderen Aus- weises bedarf. Gleichzeitig wird zur Venneidung von Irrtümern ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auf Grund der Brotkarte, die für den 25. des Monats gilt, während des ganzen Kalendermonats, also bereits vom 1. des Monats ab bis zum letzten Tage, Seifege- kauft werden kann. Mahnung an die Hausbesitzer. Es mehren sich die Fälle, in denen die Brotkommissionen lebhafte Klage darüber führen, daß einige Hausbesitzer oder deren Stellvertreter den ihnen durch die Magistrotsverordnungen bei der Austeilung der Lebensmittelkarten an die Mieter auferlegten Pflichten nicht nachkommen und dadurch den Brotkommissionen die Arbeit erschweren. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der fraglichen Aufgaben wird den Hausbesitzern und deren Stellvertretern die Befolgung dieser Pflichten nochmals drin- gsnd ans Herz gelegt. Wenn auch die Mehrheit der Hausbesitzer in dankenswerter Weise die ihnen auferlegten Lasten übernommen hat, so wird eS sich doch nicht vermeiden lassen, falls weitere Beschwerden laut werden, die Schuldigen zur Bestrafung zu bringen. Erhöhung des Arzthonorars. Die letzte Delegierteilversammlung des Aerzte-Au§- scb u s se S von Groß-Berlin beschäftigte sich mit der Er- höhung der ärzllichen Honorare. Man war nach längerer Erörterung einstimmig der Ansicht, daß eine Erhöhung ein- treten müsse, wenn auch manche Einzelheiten noch innerhalb der Aerzteschaft zu besprechen seien und daß auf die Unbemittelten möglichst Rücksicht zu nehmen ist. Infolgedessen einigte man sich auf folgende Entschließung, die einstimmig angenommen wurde: „Angesichts der durch die kriegerischen Ereignisse herbei- geführten außerordentlichen Verteuertng der gesamten Lebens- baltung und der Berufsunkosten hält der Aerzte-Ansschuß von Groß-Berlin es für notwendig, daß die ortsüblichen Vergütungen für die ärztlichen Leistungen erhöht werden. Die Erhöhung unterbleibt bei Unbemittelten und bei solcben minderbemittelten Familien, deren Ernährer zum Heeresdienste eingezogen sind."_ Waldplünderung durch Schule«. Eine Leserin sckreibt uns: Jahr um Jahr wird in den Zeitungen gebeten, nicht den Wald zu schänden und sinnlos Zweige, Blätter, Blüten abzureißen. Dieser Tage traf ich in WolterSdorfer Schleuse mehrere hundert Schnlmädchen mit ihren Lehrern, Lehrerinnen und auch zahlreichen Müttern. Als die Mädckien vom Spiel aus dem Walde zurückkehrten, war die reichliche Hälfte mit abgerissenen Blüten- zweigen und Blattbüscheln, zum Teil von einem halben Meter Länge, versehen. Selbst verschiedene Lehrerinnen hatten sich grün eingedeckt. Bald vertrockneten an dem ziemlich heißen Tage die geräuberten Naturschätze schon auf den Gasthaustischen. Vieles wurde gar nicht erst auf den Dampfer mitgenommen, von wo es unterwegs gewöhn- lich in das Wasser geworfen wird. Die Kellner trugen das Liegen- gelassene auf den Müllhaufen. Ist solche Plünderung in Gegenwart der Erzieher wohl zu verantworten? Es war nicht das erstemal, daß ich so etwas bei Schulausflügen beobachtete. Von einem Eisenbahnwagen überfahren und getötet. Ein bedauerlicher schwerer Unglücksfall hat sich in Spandau zu- getragen. Der am dortigen Südhafen beschäftigte Arbeiter Gaeding ans Neukölln wollte gegen 4 Uhr das Gleis der Güterbahn über- schreiten, um sich den Weg nach einem andern Teil der Arbeitsstätte abzukürzen. Dabei übersah er das Herannahen eines von einer Rangiermaschine abgestoßenen Güterwagens, wurde von dem Waggon erfaßt und umgestoßen. G. geriet unter den Wagen und eines der Räder ging über ihn hinweg. Der Bedauernswerte erlitt schwere äußere und innere Verletzungen. In besinnungslosem Zustande schaffte man den Verunglückten nach dem Spandauer städtischen Kranken- hause, wo er aber alsbald nach seiner Aufnahme starb. Ertrunkener Pfadfinder. Beim Baden in der Havel ertrunken ist der 14jährige Reinhold Wulff, der Sohn des Rechnungsrals W. in Berlin-Steglitz. Der Schüler hatte mit einer Abteilung Pfadfinder einen Ausflug nach dem Grunewald unternommen. Mehrere der Knaben, l.runter auch Wulff, sonderten sich in der Nähe des Kaiser- Wilhelm-Turmes ab. um in der Havel zu baden. W.. der ein guter Schwimmer ist. wagte sich weit in den Fluß hinaus. Plötzlich aber verließen ihn die Kräfte und er versank mit lautem Aufschrei in den Fluten. Die anderen badenden Pfadfinder versuchten sofort Hilfe zu bringen, es gelang ihnen jedoch nicht, ihren Schulkameraden zu retten. Die Leiche ist inzwischen geborgen worden. Auf der Straßenbahn schwer verunglückt ist gestern vormittag der Feldwebelleutnant Fuhrmann aus der Kuglerstraße 84, ein ver- beirateter Mann, der in seinem bürgerlichen Berufe Bureaugebilfe ist. Fuhrmann wollte an der Ecke der Kugler- und GreisSlvalder Straße einen Triebwagen während der Fahrt besteigen, um nach Berkin zu fahren. Er war auch schon auf der Plattform, glitt aber wieder ab. Mehrere Fahrgäste versuchten noch, ihn zu fassen und zu halten, eS gelang ihnen aber nicht. Der Mann fiel so unglücklich bin, daß er mit einem Bein unter die Räder des Anhängers geriet. Diese quetschten das Bein vollständig ab. Ein Arzt aus der Nach- barschast leistete dem Verunglückren die erste Hilfe und brachte ihn dann mit einem Kraftwagen nach dem Krankenhause in Weißensee. Wegen eines großen Dachstuhlirandcs, des dritten seit kurzer Zeit, wurde die Schöneberger Feuerwehr am Freitag nachmittag um 5 Uhr nach der Wartburgstr. 51 alarmiert. Die beiden Feuer- wehren entsandten sofort zwei Züge. Als diese an der Brandstelle ankamen, stand der Dachstuhl des Vorderhauses schon in großer Ausdehnung in Flammen. Hell schlugen diese aus den Dachluken und Fenstern empor. Dichter Qualm wälzte sich bald in der Rich- tung der Apostel-Paulus-Kirche über die Häuser. Brandmeister Stiepedey ließ �unverzüglich über Maschinenleitern und die Treppen mit mehreren Schlauchleitungen von Automobilspritzen angreifen und kräftig löschen. Dadurch gelang es, die Flammen auf den Dachstuhl zu beschränken. Dieser muß erneuert werden. Ein großer Teil der Bodenräume mit Inhalt ist niedergebrannt. Die Entstehung konnte noch nicht ermittelt werden. Die Stadtbibliothek hat soeben den 14. Band ihres Kataloges herausgegeben. Er umfaßt die Erwerbungen der letzten zehn Jahre in den Abteilungen Philosophie, Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin, Technik. Gewerbe und Jndustie, Handel und Verkehr, Land- und Forstwirtschaft. Bei den Anschaffungen, für die ansehn- liche Erzeugnisse von Professor Leo und Albert-Cohn-Stiftung zur Verfügung standen, ist namentlich das literarische Bedürfnis der Kaufleutc, Techniker und Gewerbetreibenden berücksichtigt worden. Der stattliche Band von 326 Seiten wird für 1 M. verkauft, ist aber auch unentgeltlich in den städtischen Bibliotheken und Lesehallen einzusehen. Dem Berliner Aquarium sind von deutscheu Kriegern aus Maze- donien unter anderm ewige riesige Sattel schrecken zugegangen. Diese Tiere unterscheiden sich von unseren heimischen Heuschrecken durch ihre Größe und dem plumpen Körperbau, sowie namentlich durch die fast völlige Verkümmerung der Flügel. Sie bewohnen beiße trockene Gegenden und fühlen sich daher in dem warmen Tropenraum des Jnsektariums so wohl, daß die Männchen ihr lautes Geschrill fast den ganzen Tag hindurch hören lassen. Ein frisch da- zu gesetztes Weibchen— diese sind an der langen Legeröhre leicht kenntlich— schenkte diesem Liebesruf auch gleich Gehör und wählte sich einen Gatten. /ins öen Gemeinden. Sozialdemokratische Lebensmittelinterpellatiou in der Neuköllner St adtverordnetenversammlnng. Die Versammlung am Donnerstag beschäftigte sich hauptsächlich mit der von den sozialdemokratischen Vertretern cingÄrachtcn Interpellation, die vom Magistrat Auskunft verlangt, welche Schritte er zu tun gedenkt, um eine bessere Verteilung der Lebens- mittel und eine schärfere Bekämpfung des Lcbensnrittelwuchcrs zu erreichen. Stadtv. Heitmann führte begründend dazu aus, daß die Regierung nicht energisch genug vorgehe, um eine bessere Per- teilung der vorhandene», allerdings knappen Lebensmittel herbei- zuführen. Schuld daran seien die immer noch bestehenden Ausfudr- Verbote einzelner Bundesstaaten und auch verschiedener Landkreise. Auch gegen die geforderten Wucherpreise werde von den staatlichen Behörden nur in unzurcicheudem Maße eingeschritten. Redner kritisiert dann die jetzt geforderten enorm hohen Preise für O b st, die aus die hohen Verpachtungen der Obstbaumpflanzungen und serner die h o h e n G e m ü s e p r e i s e, die aus die Errichtung der Gemüsetrockenanstalten zurückzuführen seien. Diese Anstalten sollten ursprünglich den Zweck haben, das überflüssige Gemüse zu verwerten, damit in diesen knappen Zeiten nichts umkommt. Die Produzenten machten es jedoch umgekehrt: erst gingen große Quantitäten in die Trockenanstalten, um sür den Winter auf- gespeichert zu werden, um hohe Preise zu erzielen und nur der Rest komme dann äus den Markt und bringe dann leicht die hohen Preise. Auch gegen die Groß-Gerliner Kommunalverwaltungen erhob Redner Beschwerde, die sich bor allem auf die Behandlung Neu- köllns bei der Eierliefernng durch die Berliner Verteilungsstelle be- zogen. Er legte dar, daß Neukölln die Absicht gehabt habe, direkt von der Z.E.G. die ihm zustehenden Eier zu beziehen, um sie dann durch die Kleinhändler an die Bevölkerung abzugeben. Diesen Ab- sichten sei der größte Widerspruch entgegengesetzt und die Drohung ausgesprochen worden, daß, wenn Neukölln darauf bestehe, es be- fürchten müffe, noch schlechter wie bisher bedient zu werden. Redner ging dann noch auf die Schwierigkeit der Milchbeschaffung ein und verlangte zum Schluß eine schleunige Durchführung der Massen- speisung. Stadtrat Mi er gab zu, daß die Klagen über ungenügende Verteilung und allzu schwache Bekämpfung des Wuchers nicht ganz von der Hand zu weisen seien. Als Beweis dafür führte er an, daß ein Händler Meihl für 40,50 M. eingekauft und mit 116 M. ver- kauft habe. Die deshalb bei der Staatsanwaltschaft eingereichte Anzeige wurde aber zurückgewiesen, da ein Handelskammersach- perständiger erklärt babe, daß kein Wucher vorliege. Die Auge- legenheit sei dem Justizminister übergeben worden. Die vom Vorredner gerügten Mängel bei der Ei er ver- teil ung seien darauf zurückzuführen, daß Groß-Berlin sich ebenso wie in der Acttcrfrage nicht entschließen konnte, die Verteilung durch die Gemeinden, sondern durch den Großhandel vorzunehmen, so daß es heute den Kommunen überhaupt nicht möglich sei, festzustellen, wieviel sie von diesen Waren hereinbekommen und ob sie das ihnen zustehende Quantuni erhielten. Auf sein Bestreben, die Eier direkt von der Z.E.G. zu bezichen, sei ihm von anderen Kommunalver- tretern geantwortet worden, daß er dann befürchten müsse, noch weniger oder gar keine Eier zu bekommen.(Hört! hört! und große Unruhe.) Auch von einem Berliner Vertreter der Z.E.G., der mit dem Großhandel in Fühlung stehe, würden dieselben Schwierigkeiten bereitet. Redner ging auf die Beschwerde über die hohen Obst- und Gemüsepreise ein und führte als Grund dafür mit an, daß die Händler schon unterwegs das Gemüse auskaufen, damit es erst gar nicht ans den Markt komme. Der Zwischenhandel müsse eingc- schränkt oder überhaupt verboten werden, um größeren Einfluß auf die Produzenten und damit auf die Preise zu bekommen. Zur Massenspeisung bemerkte er, daß die Stadt in nächster Zeit mehrere größere Kriegsnotstandsküchen eröffnen werde. Genosse Wutzky ergänzte noch die Ausführungen Heit- manns und forderte vor allem ein entschiedeneres Vorgehen des Deutschen Städtetages. Justizrat Abraham i Altbürgerlich) unterstützte die Aus- führungen der sozialdemokratischen Redner, anerkannte die Tätigkeit des Lebensmittelausschusses und verlangte auch die Einrichtung von Mittelstandsküchen. Von der kommunalfortsÄwittlichen Fraktion unterstützten die Herren Fischer und Dr. Borebardt die sozialdemokratischen Ausführungen, wobei letzterer noch besonders einige Mängel in der Flcischlieferung zur Sprache brachte. Nach«chluß der Diskussion wurde ein von allen Fraktionen eingebrachter Antrag angenommen, der verlangt, daß der Magi- strat den Deutschen Städtetag auffordert, an matzgebender Stelle dahin zu wirken, daß die Ausfuhrverbote aufgehoben und sonst auch alles getan wird, um eine bessere Verteilung der Lebens- mittel zu ermöglichen. Vorher hatte die Versammlung eine vom Stadtrat Riemetz überwiesene Schenkung von 33000 Mark zur Errich« tung eines Säuglingsheimes mit Dank angenommen. Von der Aufstellung don Kommunalivählerllsten wurde auch für diese» Jahr Abstand genommen und be» schlössen, bei den nächsten Wahlen die letzte Liste zugrunde zu legen. In Neukölln keine freie Schlächterwahl. Im Publikum ist die irrige Meinung vertreten, dah es auch in Neukölln wie in Berlin sich mit der Einführung der Grotz» Berliner ffleischkarle einen Schlächter wählen kann. Es werden da« her die Fleischermeister Überstürmt mit Gesuchen um Eintragung in die Kundenliste, auch die Brolkommissionen und das Bureau der Fleischversorgung werden schriftlich'und mündlich angegangen. Wir sind ersucht worden, darauf hinzuweisen, daß eS hinsichtlich der Zuweisung zu den einzelnen Schlächtern bei der auf Grund deS früheren Karteuiystems vorhandenen Kundenliste verbleibt. Anträge auf Zu- Weisung zu einem anderen Schlächter können zurzeit nicht berück« sichligt worden. Wo tatsächlich Härten vorhanden sind, glaubt man sie bei Neuaufstellung des KundenverzeichnisseS, die in etwa zwei Wochen stattfinden soll, beseitigen zu können. ation für daS stadtische FortbildungSschulwesm in hat beschlossen, die Fortbildungsschulpflicht auf die rbeiterinnen, zunächst soweit sie den Berufen der Charlottenburger FortbildungSfchulwesen. Die Deputation Charlottenburg hat gewerblichen Arbeiterinnen Schneiderinnen, Weißnäherinnen und Putzmacherinnen angehören, auszudehnen, und zwar vom 1. April nächsten Jahres ab. Ferner erklärte sich die Deputation damit einverstanden, daß die an der MädchenfortbildungSschul« bestehende Handelsvorschule als ö s f e n t« lich e Handelsschule ausgestaltet wird. Die Zahl der Unter- richtSstunden der jetzigen Vorschule soll von 27 auf 2g Stunden wöchentlich erhöht werden. Die beiden hinzugekommenen Stunden sollen für Turnen und Jugendspiele verwandt werden. ES sollen Klassen mit und ohne fremdsprachlichen Unterricht gebildet werden. Verteilung des CinmachezuckerS in Charlottenburg. Die Ausgabe der Bezugsscheine für den angemeldeten Einmache« zucker erfolgt vom Montag, dem S. Juli, ab gegen Vorzeigung einer Legitimation(am besten der Charlottenburger Lebensmittelkarte) bei den zuständigen Brotkommissionen. Die Bezugsscheine haben Gültigkeit iür die Monate Juli und August. Der Tinmachezucker muß also bi» zum 81. August gegen Abgabe der Bezugsscheine ge- kauft werden. Die Bezugsscheine sind gültig, auch wenn auf ihnen Name und Wohnung deS bezugsberechtigten HauShaltungSvorstandeS nicht eingetragen ist._ Städtische Bolkshuchcrei Charlottenlurg. Die Volksbücherei in Charlottenburg wird zwecks Prüfung des Bücherbestandes und zur Vornahme baulicher Arbeiten im nächsten Monat auf einige Zeit geschlossen sein, und zwar die Hauptbüchern WilmerSdorser Str. 166 vom 9. Juli bi« 5. August, die Zweigstelle Ost, Wormser Str. 6a vom 27. Juli bis 8. August, die Zweigstelle West, Danckelmann« strahe 47 vom 9. bi« 18. Juli und die Zweigstelle Nord, Kaiserin- Augusta-Allee 86 vom 16. bis 2S. Juli. Die Ablieferung entliehener Bücher kann während dieser Zeit an den Wochentagen don 11—1 Uhr erfolgen._ Verteilung des CinmachezuckerS in Schöneberg. In der Zeit vom 1. bis 7. Juli werden den Schöneberger Hau«- Haltungen, die ihnen Bedarf an Einmachezucker angemeldet haben, Bezugskarten durch» die Post zugehen. Gegen Abgabe dieser Karten kann Zucker in Säiönebergcr Geschäften gekauft werden. Nachträg. liche Anmeldungen von Einmachezucker können nicht mehr an- genommen werden._ Aus der Giemeindevertretung Weihensec. Die letzte Sitzung beschäftigte sich mit einem Ortsstatut, be treffend die kaufmännrsche Pflichtfortbildungsschule, die nunmehr durch die Gemeinde mrierhalten und verwaltet wirds nachdem vorher beschlossen worden war. die Aufsicht durch die Potsdamer Handels- kammer abzuweisen. Das Schulgeld beträgt 20 M. pro Jahr und wird von den belreffrwden Gewerbetreibenden eingezogen. Der Schulvorstand besteht aas dem Gemeindevorsteher oder seinem Stell- Vertreter, aus drei Gemeindevertretern, dem Leiter der Anstalr und zwei au« der Kaufmannsschaft zu wählenden Vertretern, wovon einer ein Angestellter sein mich. Zum Schulbesuch verpflichtet sind alle im Bezirk nicht bloß vorübergehend beschäftigten männlichen und weiblichen Handlungsgehilfen und Handlungsiehrlinge sowie alle anderen Angcstelllen unv Hilfspersonen, die eine kaufmännische Tätigkeit ausüben. Die Schulpflicht endigt mit dem Schluß des Schulhalbjahres, das der Vollendung des sechzehnten Lebensjahres vorausgeht._ Gemeindevertrvtersitzung in NowaweS. Zu Beginn der Sitzunx widmete der Borsitzende dem ver- ftorbenen Gemeindcvcrordnehen Bietke einen warm empfundenen Nachruf.— Der Bescheid der Eh'enbahnbehörde auf die Beschwerde wegen der am 1. Mai erfolgten Schließung des östlichen Bahnhofs- Zuganges wurde unter Aeußerungen des Unwillens zur Kenntnis genommen. In dem Schreiben wird behauptet, daß sich der ver- kehr, wie eine nochmalige eingehende Prüfung ergeben habe, glatt und ruhig abspiele, daß ferner irgendwelche Klagen nicht laut ge- worden seien. Hieraus sei zu schjließen, daß sich daS Publikum an den neuen Zustand gewöhnt habe. Die Wiedereröffnung würde an- geordnet werden, wenn sich ein Bedürfnis hierfür zeige. Der Bürgermeister erklärte sich zu einer weiteren Beschwerde an den Eisenbahuminister und, wenn auch diese erfolglos bleiben sollte, zur Erhebung einer Klage bereit, um die Eisenbahn- Verwaltung zur Einhaltung des BersrageS zu nötigen.— Zu einer längeren Aussprache gab der Punkt„KriegSfürforge* Veranlassung. Die Mitteilung deS Bürgermeistetjö, daß G.-B. Nathan aus Gesundheitsrücksichten fein Amt in der KriegSfürforge wie auch als Kriegsbeirat deS Kreises Teltow niedcrgxlegt habe, rief allgemeine« Bedauern hervor. Es wurde allseitig anerkannt, daß der AuS- geschiedene sein Amt mit Aufopferung versehen und wärmsten Dank verdient habe. Nach Ansicht deS G.-V. Levh wäre die Amts« niederlegung vielleicht vermieden worden, wenn die Gemeinde« Verordneten sofort zusammengetreten und in öffentlicher Sitzung erklärt hätten, daß der Herrn Nathan gemachte Borwurf, eigen- mächtig Handlungen vorgenommen zu haben, für die allein der Gemeindevorstand und die Kriegsfürsorge die Verantwortung zu tragen haben, völlig aus der Luft gegriffen sei. Genosie Neu- mann forderte eine sofortige Ausstellung der bisher erwachsenen Kosten und in Gemeinschaft mit dem G.-B. Schneider eine alle 14 Tage stattfindende Sitzung der Gesamtvertretung zweck« Beratung über die Kriegssürsorge. Gefordert wurde serner die Ucbertragung des Einkaufs an eine tüchtige Person, um den mit Arbeiten über« bürdeten Syndikus zu entlasten. Tie Weiterberaiung dieses Punktes wurde schließlich in den nichtöffentlichen Teil verlegt. Potsdamer Krankcnfürsorge für Angehörige von Kriegsteilnehmern. Die ärztliche Behandlung und Arzneiversorgung von Krieger- angehörigen und Kriegerhinterbliebenen in Potsdam ist vom Ma- gistrat auf neuer Grundlage geregelt worden, nachdem die Potsdamer Aerzteschaft erklärt hat, daß sie wegen der zunehmenden Einberufung von Aerztcn zum Heeresdienst die Last der unentgeltlichen ärztlichen Versorgung der Kriegerfamilien nicht weiter tragen könne. Der Aerzteschutzvcrband hat in Anbetracht der bedrängten Lage des Aerztc- standc« die Gewährung einer angemessenen Vergütung erbeten. Der Magistrat hat nach dem Beispiel anderer Gemeinden dem Ersuchen stallgegeben und auf Grund einer Rundfrage bei der Krankenkasse die Vergütungen der Einzelleistungen beschlossen und neben den Krieger- samilien auch die Hiuterblieoenen von Kriegsteilnehmern in der freien ärztlichen Versorgung einbezogen und den versorgungS- berechtigten Personen auch die Gewährung freier Arznei und orthopädischer Heilmittel zugebilligt. Durch Ab- kommen mit den Apothekern sind der Stadt bei den Arzneipreisen die gleichen Begünstigungen eingeräumt wie der Armendirektion. Besonder» bemerkenswert ist, daß die freie ärztliche Behandlung und freie Arznei auch den unehelichen Adoptiv« und Stiefkindern gefallener Krieger zugedacht sind.__ Eingegangene Druckschristen. Die Handschriftenbeurtrilung. Von Spezialarzt Dr. med. WockenfnS, Frledrlohstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. 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Die Reichs- baut hat auch praktisch in der Richtung einer Förderung des bar- geldlosen Zahlungsverkehrs gewirkt, wie sich aus Aenderungen der Gebührenordnung bei der Einziehung von AustragSpapieren und der Gebühren im Postscheckverkehr der Bankanstalten ergibt. Es kommt danach die Berechnung der Gebühren teilweise ganz in Wegfall, zum Teil' treten erbebliche Ermäßigungen ein. Als wichtigste unter den neuen Vorschriften dürfte die anzusehen sein, daß bei allen durch Postscheckkonto zur Gutschrift auf Girokonto ein- gehenden Beträgen die Gebühr nur noch mit Va, Promille(statt bisher '/10 Promille) berechnet wird. Für die Reichsbank ergibt sich zwar aus dieser Ermäßigung ein Nachteil, weil sie selbst eine Postgebühr in Höhe von Vto Promille tragen muß; die Reichsbank hat sich trotzdem zu der Ermäßigung der Gebühr bereitgefunden, weil sie annimmt, daß in vielen Fällen die Inhaber von Postscheckkonten in der Folge die ihnen auf Postscheckkonto gutgeslbriebeneil Beträge nicht mehr von der Post abholen, sondern, veranlaßt durch die Ver« günstigung, auf das Girokonto der Reichsbank übertragen lassen werden. Vom 1. Juli ab werden übrigens für sämtliche Reichs- bankhauptstellen und Reichsbanlstellen Postscheckkonten eröffnet sein. Kousumgenossenschaftlicher Landwirtschaftsbetrieb. Die am 24. und 25. Juni in Schaffhausen stattgesundene Dele« giertenversammlung des Verbandes schweizerischer Konsumvereine hatte in ihrer Mitte Gäste aus Frankreich(Poision aus Paris), Spanien(Anton und Gardo aus Barcelona) und Ungarn(Bernat aus Budapest), die Begrüßungsansprachen hielten und die Friedens- bürgschafi des Genossenschaftswesens feierten. Genosse Poision dankte besonders der Stadt Schaffhausen für ihre großen Liebes« dienste, die sie den durchgereisten französischen Kriegsgefangenen er- wiesen hat. Auch der Vertreter der Schaffhauser Behörden, Stadt- rat Leu, feierte die große Kraft des Genossenschaftsgedankens. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war der Antrag der Ver- Handsleitung auf Bewilligung eines Kredits von 850000 Fr. zum Ankauf von landwirtschaftlichen Gütern zur genossenschaftlichen Bewirtschaftung. Darüber wurde fast während der ganzen Nachmittagssitzung de- battiert. da der Antrag zum Teil bekämpft wurde, allerdings mit wenig stichhaltigen Gründen. Schließlich wurde der Antrag mit 256 gegen 105 Stimmen angenommen, und darf man nun dem ersten genossenschaftlichen Versuche auf dem Gebiete der schweizerischen Landwirtschaft mit Spannung entgegen sehen. Bereits liegen zahl« reiche bezügliche Offerten aus allen Teilen des Landes vor, so daß die Verbandsleitung nicht wegen Mangel an Objekten in Verlegen- beit ist, vielmehr ihr die Auswahl aus den vielen Angeboten Schwierigkeiten machen wird. Die große Zahl von Offerten ist insofern noch besonders be- merkenswert, als sie die antikolleitivisiisckien Bauern als Förderer der kollektivistischen Wirtschaft der Genossenschaft erscheinen läßt. Sie sind also sehr vorurteilsfrei geworden. Mus aller Welt. Der Herr Bürgermeister. Im.Lokalanzeiger für Storkow und Umgegend" ist ein Ein- fiesandt zum Abdruck gelaugt, dessen wesentliweu Inhalt wir nach- tehend wiedergeben, da der dort gerügte'Mißstand nicht vereinzelt dasteht. Es heißt in der Zuschrift: .Daß das Publikum nicht eines Beamten wegen, sondern der Beamte des Publikums wegen da ist, zu der Ansicht wird sich nachgerade auch der verbissenste Bureaumensch durchringen müssen. Und der Bürgermeister einer Gemeinde ist deren erster Beamter; es muß demzufolge seine erste und vornehmste Pflicht fein, die Interessen derer, die ihm unterstellt sind, beziehungsweise deren Vorsteher zu sein ob mit oder ohne Verdienst ihm die Ehre geworden ist, zu vertreten. In jetziger Zeit sind es be- sonders die Kriegerfrauen, die sich in vielen ihrer Nöte an ihren Gemeindevorsteher wenden, und erfreulicherweise gibt eS eine ganze Reihe von Gemeinden, deren Bewohner für ihren Beamten ob seiner fürsorglichen Tätigkeit für seine Herde fast durchs Feuer gehen. Und hier in Storkow? Wer bezweifelt, daß es hier viele Leute gibt, die mit der Art und Weise, wie der Herr Bürgermeister einer Kriegerfrau gegenüber aufzutreten sich gemüßigt sah, ein- verstanden sind. Hier ein Fall: Die Ehefrau des zum Heere einberufenen Töpfers Brüning, die fünf kleine Kinder zu ernähren hat, stellte Anfang April beim Magistrat den Antrag, einen Teil des Lohnes ihres außerhalb be- schäftigten minderjährigen Sohnes freizugeben.(Minderjährigen wird bekanntlich der achtzehn Mark übersteigende Teil ihres Arbeitslohnes zwangsweise einbehalten.) Nachdem ihr auf eine spätere Anfrage, ob ihr Gesuch genehmigt sei, die Antwort erteilt worden war, das Gesuch sei noch nicht erledigt, srug Frau B. jetzt nach zirka 3 Monaten nochmals an. Der Herr Bürgermeister fand aber wohl nicht den richtigen Ton, denn eine Antwort wie folgende:.Nein, ist abgelehnt,«ehen Sie zu, wie Sie zurecht kommen, mich soll's wettig kümmern. Was geht mich die Sache an," mutz als durchaus ungehörig zurückgewiesen werden. Weinend ging Frau Br. aus dem Rathauie, wo sie gehofft, daß man ihr helfen, und falls sie wirklich einen falschen Weg eingeschlagen hatte, ihr sagen würde, was zu tun ihre Pflicht war. Der Herr Bürgermeister bekommt sein Gehalt, ob Krieg oder Frieden ist. Ein armer Meiffch aber, er weiß oft nicht, wie er die hungrigen Mäuler seiner Kleinen stopfen soll. Wenn er dann zu seiner wirtschaftlichen Not an der Stelle, die ihm nach seiner Ausicht helfen kann und helfen soll, geivissermaßen als Kom- pott noch eine Antwort bekommt, die ihm die Tränen in die Augen und den Haß gegen alle Beffersituierten ins Herz treibt, so wird niemand behaupten können, daß das ein Versahren ist, das gebilligt werden kann." " In der Zuschrift wird dann weiter gefordert, daß die Gesuche schneller zur Erledigung kommen und daß dafür eventuell Hilfskräfte mit herangezogen werden müßten. Ferner wird verlangt, daß der Umgangston nicht gar zu sehr den Polizeimenschen verraten soll, sonderil daß mehr vom Menschen zum Menschen geredet werde. Ten Frauen, die mit ihren Familien jetzt ohne Versorger daständen, niüffe mit Rat und Tat zur Seite gestanden werden, und von dem Oberhaupt einer Gemeinde müßte man das in erster Linie verlangen dürfen. Wir finden die in dem Eingesandt erörterten Klagen, deren Richtig- keit wir natürlich nicht nachprüfen können, im Grunde doch der Be- achtung wert, da wir wiffen, daß uns während des Krieges ähnliche Be- schwerden ost genug vorgebracht worden sind. Derartige Antworten, wie sie dem Bürgermeister von Storkow zum Vorwurf gemacht werden, sind nicht am Platze, am allerwenigsten gegenüber einer Kriegersrau, deren Lage doch wirklich nicht beneidenswert zu nennen ist.___ Sehnsucht nach Russen. Unter dem 16. Juni hat der Landrat in I n st e r b u r g folgende Bekanntmachung veröffentlicht: „Wiederholt ist es auch jetzt wiederum vorgekommen, daß kreis- eingeseffene Besitzer, die um Zuweisung von Arbeitskräften gebeten hatten, deutsche Soldaten zurückgeschickt haben, weil sie lieber russische Gefangene haben möchten. Ich bringe zur allgemeinen Kenntnis, daß Kreiscingesessene, die die Hilfe deutscher Soldaten ausschlagen, auf die Zuweisung von Gefangenen auch nicht zu rechnen haben." Dazu bemerkt das„Berliner Tageblatt": „Dast eine solche Bekanntmachung überhaupt notwendig war, ist im höchsten Maß bedauerlich. Zeigt sie doch mit voller Deut- lichkeit, wie wenig sich die in Frage kommenden„Besitzer" ihrer vaterländischen Pflichten bewußtffind. Sg angebracht es an sich erscheint, die zahlreichen Kriegsgefangenen in einer ihrer bisherigen Tätigkeit angemessenen Weise zu beschästigen, so ist doch selbstverständlich, daß sie nicht die deutschen Arbeitskräfte ver- drängen dürfen. Das gilt ganz allgemein von jedem deutschen Arbeiter, aber es gilt natürlich doppelt von den Angehörigen des deutschen Heeres, denen gerade jene ostpreußischön„Besitzer" die Befreiung von der russischen Invasion zu verdanken haben."(r) Keinen„Leichcntrunk" mehr. D's bayerische Ministerium des Innern hat eine Verordnung erlassen, nach der die Veranstaltung eines Leichentrunles oder Leichenschmauses, die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung, sowie die Abgabe von Nahrungs- und Genußmitteln hierfür durch die Gewerbe- und Handeltreibenden verboten ist. Zuwiderhandlungen werden be'traft. Sieben Personen ertrunken. Bei einem Unwetter, das bei Safental in Oststeiermark niederging, sind sieben Personen durch das hochgehende Wasser mit fortgerissen worden und er- trunken. Drei Personen verbrannt. Wie Salzburger Blätter melden, wurde in Ternburg das Anwesen der Eheleute Mitterhuber durch Großfeuer vollständig eingeäschert. Die Frau, die Schwägerin und der Vater des im Felde stehenden Besitzers kamen in den Flammen um. Ein Segelkutter durch eine Mine gesprengt. Aus Hamburg wird gemeldet: Dem Finkenwärder Hochseesegelkutter„U.U. 25" ist eine Mine ins Netz geraten, die beim Einholen da? Fahrzeug in die Luft sprengte. Schiffer, Bestmann und Knecht des Kutter- haben das Leben verloren, nur der Junge konnte im schwer- verletzten Zustande von einem Fahrzeug der Kaiserlichen Marine gerettet werden. Riesenbrand in einer finnische» Hafenstab' Der Privat- korrespondent der dänischen Zeitung„Politiken" in Stockholm de- richtet: Die finnische Stadt M a e n t h l u o t o ist von einem Riesenbrand heimgesucht worden. Der gan-e große sinnische Ein- fuhrhandel ist gestört. Waren im Werte von vielen Millionen Kronen, darunter große Mengen von Baumwolle, Kaffee und anderen Kolonialwaren, ebenso eine große Anzahl von Maschinen, die von Schweden angekommen waren, und wegen Uevcrlastung der finnischen Eisenbahnen nicht weiterbefördert werden konnten, sind verbrannt., Briefkasten üer Redaktion. K. H. 40, 1. Die Mutter kann Antrag beim Volizeirevicr aus Kriegselterngcld stellen. 2. Nein. 3. Ja.— B. ,H. 30. Unter Beibringung eines ärztlichen Attestes könnten Sie ein solche- Gesuch an das Stellvertretende Generalkommando richten.— Breslau 74. 1. Ein Rechtsanwalt ist zur Einreichung einer Klage nicht nötig. Es muß zunächst ein Sühnetermin vor dem Schiedsrichter beantragt werden. Nach srnchtlosem Ablaus desselben wäre die Beleidigungsklage beim Schöffengericht einzu- reichen. 2. Das steht Ihnen srci. 3. Innerhalb eines Vierteljahres nach Kenntnis von der Beleidigung. 1. Eventuell müßic der Kläger die Kosten tragen. 5. Nein.— L. R. 81. 1. Ja. 2. Ihr Mann kann Antrag aus Erhöhung der Rente stellen. 3. Nein.— M. W. 76. X. und 2. Nein. — Marie L8. Die Schuidsordernng müssen Sie gegen die Erben des Mannes geltend machen.— W. P. 27. Es muß der Nachweis erbracht werden, daß die Söhne niindestcns sechs Jahre aktiv gedient haben.— F. T. 100. Rein.— M. E. 002. 1. Der atte Mictsvertrag bleibt iveiter in Wirksainkeit; Sie können ohne vorherige Kündigung am 1. Lt. tobcr nicht ziehen, der Wirt kann Ihnen den Berkaus der Matcriatien vc:- bieten. 2. Nein, der Wirt wird sein Pfandrecht an Ihren Sachen geltend machen.— H. B. 360, 1. Sie sind dem Landsturm mir Waffe über- wiesen. 2. Ja.— A. I. 30. 1. Altersrente lann der Vater nicht be- ziehen, da er zu wenig Marten geklebt hat; er könnte aber nach Ihrer Darstellung Invalidenrente beantragen. 2. Die Kündigung kann erfolgen.— F. H. Tegel 64. Diese Zeit genügt nicht. Tie Räume müssen an Wochentagen von 10 bis 6 Uhr und Sonn- tags von 12 bis 3 Uhr zur Besichtigimg zur Verfügung stehe». — L. 62. DaS Kind hat iinr Anspruch ans eine haibe Brolkarle. 2. Das Amtsgericht bat damit nichts zu tun. Eine weitere Beschwerde wäre auch zwecklos.— H. R. 37. Sie müssen zu Ihrer moiialtichcn Stammkaric für die Töchter Nebenkarten verlangen. Die Polizei stellt Ihnen eine Br- tchcinignng über die Familicnzugchöriglcit der Töchter aus, und aus Grund dieser Bescheimgimg erhalten Sie am Schalter der Bahn die Nebenkarten zu mnäiziaten Preisen.— 91. L. 3. Der Antrag aus Kopitalabsindmig ist beim Polizeirevier� zu stellen.— L. K. 23. Zuckerharnruhr.— 21. B. E. 123. 1. Sie sind zur Zahlung der Slencr verpslichtet, könnten aber die Stundung beantragen. 2. Das GeHall ivird Ihrem Einkommen zugerechnet. Unterftntznng lönnen Sie für die Kinder nicht beantragen. — Hennig, Spandan. Der Wirt muß erst Klage aus Räumung der Wcrtslalt einleiten. Zur Beschaimnci einer anderen Wohnung für die Frau ist er nicht verpflichtet.— Kirche 33. 1. Nein. Die Betreffenden sind Dissidenten. 2. Er muß den Eid beim Militär leisten.— B. 303. Tie Fanrilienunterstütznng wird nur bis zu dem Zeitpunkt des Empfanges der Invalidenrente iveiter gezahlt.— Oranienburg 7. Sie können durch einfachen Brief die Kündigung min nochmals dem Hauswirt zuschicken unter Hinweis daraus, daß die Annabme der eignillicheii Kündigung verweigert worden ist.— Marie 90. Nein.—(£. B. 31. 1. 2 M. täglich. 2. Nein.- Frida 105. Der Auscnthall in der dortigen Gemeinde kann Ihnen in diesem Falle verweigert werden.— R. 100. Nach Ihren Angaben sind Sie um eine Sluse zu hoch zur Steuer veranlagt. Wenn die Zustellung erst am 21. d. M. erfolgt ist, ist die RcklamationSsiist nicht abgelansen. Die Reklamationsfrist betrögt vier Wochen.— 101. E. Sie müßten sich an das Eiiiivohnermeldeamt, Bei Im, Neue Friedrich str. 65, wenden._____ BsetterauSsichte» für daS mittlere Norddeutschland dl« Sonntag mittag. 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