f 5 Pfennig) MoNtltSSlMSMtte( 5 Pfennig) Kr. 180. flbonnementS'Bedingungen: SUionnemciilä- Preis pränumerando: Vieri sljährl. S.90 Mk, tnonofl. t30 BS, müchenillch 30 Psg. frei ins Hans. giiudne Numnier 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illuinicrter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,30 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Breisliile. Unter Kreuzband lür Temichland mrd Oesterreich- Ungarn 2.S0 Mark, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postadonnements nehmen an Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, nänien. Schweden mid die Schweiz. erlchtiiil Iligllch. 3 3. Jahrg. vle lnlertlonz-l-ebilh? beträgt für die sechsgespaltene Koloncl- zeile oder deren Raum 60 Psg.. sür politische und gcwerlschastlichc Vereins- und Versammlnungs-Anzeigen 80 Psg. „Alelne Sn-eigen", das scttgedruckie Wort 20 Psg.(zulässtg 2 settgedruclte Worte), jedes wntere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafslcllcnaii- zeigen daS erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 1ö Buch- � i toben zählen für zwei Worte. Jnscraie ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exvedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Rcrlin". Zentralorgan der rozialdeTnokratifcben parte« Deutfchlands. Neüaktion: SW. 68, Linüenstraße 3. arertiftjrcrfier: Amt Moritipla«. 9tt. 151 90—15197. «kxpeüition: SV. HS, Änüenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplat?, Nr. 151 90—151 97. ieioiiiis Des(SroSen �ictpitiers. den Amtlich. G r o si e s Hauptquartier, 2. Juli 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. In einer Breite von etwa 16 Kilometern begann der seit dielen Monaten mit unbeschränkten Mitteln vorbereitete große englisch- französische M a s s e n a n g ri f f nach siebentägiger stärkster Artille- rie- und Gasvorwirkung auf beiden Ufern der S o m in e, sowie des Anere-Baches. Bon Gomme- eourt bis in Gegend von La Boiselle errang der Feind keine nennenswerten Vorteile, erlitt aber sehr schwere Verluste. Tagegen gelang es ihm, in die vordersten Linien der beiden an die Souime stoßenden Divisions- abschnitte an einzelnen Stellen einzudringen, so das; vor- gezogen wurde, diese Divisionen aus den völlig zer- schosienen vordersten Gräben in die zwischen erster und zweiter Stellung liegende Riegelstellung zurückzunehmen. Das in der vordersten Linie fest eingebaute, übrigens un- brauchbar gemachte Material ging hierbei, wie stets in solchem Fall, verloren. In Verbindung mit dieser großen Kampfhandlung standen vielfache Artilleriefeuerüberfälle, sowie mehrfache kleinere Angriffsuuternehmungen auf den Anschluß- fronten und auch westlich und südösilich von T a h u r e; sie scheiterten überall. Links der Maas wurden an der H ö h e 3 6 1 franzö- fische Grabenstücke genommen und ein französischer Hand- granatenangriff abgeschlagen. Oestlich der Maas hat der Gegner unter erneutem starken Kräfteeinsatz gestern mehr- mals und auch heute in der Frühe die deutschen Linien auf der Höhe„Kalte Erde" und besonders beim Panzer- werkThiaumont angegriffen und mußte im Sperr- feuer unter größten Verlusten wieder umkehren. Ter gegnerische Flugdienst entwickelte große Tätig- keit. Unsere Geschwader stellten den Feind an vielen Stellen zum Kamps und haben ihm schwere Verluste bei- gebracht. Es sind, vorwiegend in Gegend der angegriffe- neu Front und im Maasgebiet, 13 feindliche Flugzeuge abgeschossen, davon 8 englische, 3 französische in unseren Linien. Oberleutnant Frhr. v. Althaus hat seinen siebenten Gegner außer Gefecht gesetzt. Wir haben kein Flugzeug verloren, wenn auch einzelne Führer oder Be- vbachter verwundet worden sind. festlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generals v. Linsiugen Der Angriff schritt vorwärts. Tie Gefangenenzahl ist um 7 Offiziere 1410 Mann gestiegen. An verschiedenen Stellen wurden feindliche Gegenangriffe glatt zurück- gewiesen. Armee des Generals Grafen v. Bothmer Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen haben die kürzlich von den Russen besetzte Höhe von Worobi- iowka(nordwestlich von Tarnopol) gestürmt und dem Gegner an Gefangenen 7 Offiziere 892 Mann, an Beute Maschinengewehre, zwei Minenwerfer abgenommen. Balkan-Kricgsschauplatz. Nichts Neues. Ober st e Heeresleitung. Der französische Tagesbericht. Paris, 2. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Sonnabend nachmittag. Auf beiden Maasufern haben die Deutschen ihre heftigen Angriffe am 30. Juni abends und in der folgenden Nacht wiederholt. Aus dem linken Ufer war der Kampf in der Gegend der Höhe 30 4 und westlich davon besonders leb- Haft. Die Deutschen machten in verschiedenen Abschnitten vier Angriffe. Ihr erster Versuch, wobei sie brennende Flüssigkeiten verwendeten, zwischen der Höhe 304 und der Straße Esnes— Hau- eourt wurde am Adeird mit blutigen Verlusten zurückgeschlagen; Berlin, den 2. Juli 1916. Im Heeresbericht vom 1. Juli ist ein Versehen unter- gelaufen. Im Abschnitt„Heeresgruppe des Generals v. Linsingen" muß es heißen: Seit dem 26.— also nicht seit dem 16.— Juni 26 Offiziere 3165 Mann eingebüßt. *» * Vom letzten Seegefecht in üer Gsisee. Amtlich. B e r l i n, 2. Juli.(W. T. B.) Nach den inzwischen eingegangenen ausführlichen Meldungen der in der Nacht vom 29. zum 36. Juni mit russischen Seestreitkräften im Gefecht befindlich gewesenen deutschen Torpedoboote ergibt sich in Ergänzung der amtlichen Meldung vom 36. Juni nachstehendes Bild: Zunächst wurden in der genannten Nacht etwa 26 Seemeilen südlich Häsringe von unseren Torpedo- booten drei feindliche Zerstörer, anscheinend vom Nowik- Typ, gesichtet und beschossen. Der Feind machte sofort kehrt und entkam in einem einsetzenden Regenschauer. Eine Stunde später kamen im Osten neue Rauchwolken in Sicht, aus welche unsere Torpedoboote zudrehten. Es wurden zwei feindliche Kreuzer(anscheinend einer von der Makarofs- und einer von der Oleg-Klasse) und fünf feindliche Zerstörer ausgemacht. Unsere Torpedoboote gingen zum Angriff heran und bekämpften den Feind mit Torpedos und Artillerie. Mehrere Detonationen sind einwandfrei beim Feinde beobachtet worden. Bei Be- ginn des Angriffs nahm der Feind unsere Torpedoboote mit allen Kalibern heftig unter Feuer, das nach den Detonationen erheblich nachließ. Bei aufkommendem Nebel kamen sich die Gegner aus Sicht. ** SEt MMM ät»M!WMW. Wien, 2. Juli 1916.(W. T. B.) Amtlich wird der- lautbart: Russischer Kriegsschauplatz. In der Bukowina bei unveränderter Lage keine beson- deren Ereignisse. Westlich von K o l o m e a und südlich des D n j e st r ent- wickelten sich neue heftige Kämpfe. Nordwestlich von T a r- nopol eroberten österreichisch-ungarische und deutsche Bataillone die vielumstrittene Höhe von Worobijowka zurück. Sieben russische Offiziere und achthundertzweiundneunzig Mann ge- fangen, sieben Maschinengewehre und zwei Minenwerfer er- beutet. Der Angriff der unter dem Befehl deS Generals v. Linsingen stehenden verbündeten Streitkräfte wurde auch gestern an zahl- reichen Stellen beträchtlich nach vorwärts getragen. Zahl der Ge- fangenen und Beute erhöhen sich. Russische Gegenangriffe scheiterten. Jtalienlsckier Kriegsschauplatz. Im südlichen Abschnitt der Hochfläche von Doberdo setzten die Italiener das heftige Artilleriefeuer und die Angriffe gegen den Raum östlich von Selz fort. Diese auch nachts an- dauernden Anstrengungen des Feindes blieben dank dem zähen Ausharren der Verteidiger ohne Erfolg. Zwischen Brenta und Etsch wiederholten sich die frucht- losen Vorstöße gegen zahlreiche Stellen unserer Front. Im Marmolatagebiet wiesen unsere Truppen mehrere Angriffe italienischer Abteilungen ab, im Ortlergebiet erkämpften sie eine der Kristallspitzen. Gestern wurden über fünfhundert Italiener, darunter zehn Offiziere, gefangen genommen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts NeueS. Der Stellvertreter des Ehefs des Generalstabes: v. Hoefer, Feldmarschalleutnant. der zweite, ein Handgranatenangriff westlich von der Straße Esnes— Haucourt hatt» dasselbe Schicksal. Während der Nacht nahm uns ein mächtiger Jnfanterieangriff das gestern bereits einmal verlorene und wiedergewonnene befestigte Werk östlich von der Höhe 304, sowie die Grabenabschnitte auf demselben Abhang; ein sofortiger Gegenangriff verschaffte den Franzosen das Werk und das ganze verlorene Gelände wieder. Heute vormittag versuchte ein deutscher Angriff an den Stützpunkt von Avoeourt zu gelangen, wurde aber mit starken Verlusten zurückgetrieben. Auf dem rechten Ufer dauerten die Kämpfe im Abschnitt von Thiaumont um den Besitz dieses Werkes den ganzen Tag über an. Nach einer Reihe von jedesmal durch Artilleriefeuer vorbereiteten Angriffen gelang es den Deutschen, von neuem in die vollständig zerstörte Schanze einzudringen, an deren Zugängen wir uns festgesetzt haben, In der Gegend der Gehölze von Finnin, Le Chenois und La Laufee bleibt die Artillerictätigkeit sehr stark. In Lothringen scheiterten zwei kleine deutsche Angriffe im Walde von Parroh vollständig. Heute vormittag feuerte ein weittragendes deutsches Geschütz mehrere großkalibrige Granajen in der Richtung auf Nancy ab. Pari?, 2. Juli.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t vom Sonnabendabend. Nördlich und südlich der Somme be- gannen die französischen und englischen Truppen nach der Artillerie- Vorbereitung und den Erkundungen der vorhergehenden Tage heute morgen eine Offensive auf einer Front von ungefähr vierzig Kilometern. Am Morgen und im Laufe des Nachmittags haben sich die Alliierten auf der Gesamtheit der»ngegriffenen Front der ersten deutschen Stellung beinächtigt. Nördlich der Somme setzten sich die französischen Truppen an den Zugängen des Dorfes Haide- eourt und an den Rändern des Dorfes Eurlu fest, wo der Kampf weitergeht. Südlich der Somme sind die Dörfer Dompierre, Bequinrourt, Bussy und Fat) in unsere Hände gefallen. Die Zahl der unvcrwundetcn Deutschen, die allein den französischen Truppen im Laufe des Tages in die Hände gefallen sind, übersteigt 3ö0v. Auf dem linken llfcrder Maas heftiges Bombardement der ganzen Gegend der Höhe 304 und des Toten Mannes. Auf dem rech ten Ufer ging gegen 10 Uhr morgens unsere Infanterie zum Sturme auf das Werk Thiaumont.vor, dessen wir uns von neuem bemäch- tigt haben. Der Nachmittag kennzeichnete sich durch eine Zunahme des Bombardements in dieser Gegend sowie in den Abschnitten Fumin und Chenois. Flugwesen. In der Nacht zum 30. Juni unternahm eine Gruppe unserer Flugzeuge die folgenden Bombardements. Achtzehn 120-Millimeter-Graiiaten auf den Bahnhof von Nesle, sechs 120- Millimeter-Granaten auf Roye, wo ein Brand ausbrach. Zwei Granaten auf einen Automobiltransport nordöstlich Nesle, die, wie beobachtet wurde, mitten unter die Wagen fielen. In der gleichen Nacht warfen dreizehn französische Flugzeuge sechzig Granaten auf eine deutsche Munitionsfabrik in der Umgebung von Noyon. Das Ziel wurde von einer großen Zahl von Geschossen getroffen, deren Wirkungen festgestellt werden konnten. In der Nacht zum 1. Juli warfen sieben französische Flugzeuge abermals dreizehn Granaten auf den Bahnhof von Nesle und sechs auf ein benachbartes mili- tärisches Werk, wo ein Brand festgestellt wurde. Im Verlause einer Erkundung wurde einer unserer von einem Fokkcr angegriffe- nen Flieger verwundet. Beim ersten Zusammenstoß gelang cs ihm, seinen Gegner zum?lbsturz zu bringen, der in den Wald von Be- zange fiel. Auf der Rückkehr wurde derselbe Flieger abermals von einem feindlichen Doppeldecker angegriffen und ein zweites Mal verwundet. Es gelang ihm, freizukommen und in unsere Linien zurückzukehren. Belgischer Bericht, Unsere Artillerie hat heute aber- mals mit Erfolg Zerstörungsfeuer auf deutsche Werke und Batterien gelegt, besonders in der Gegend von Dixmuiden. Der Feind hat au den Zugängen zu dieser Stadt ziemlich lebhaft geantwortet. Die englischen Melüungen. London, 1. Juli.(W. T. B.) Bericht der Generais Haig vom 1. Juli. Bei den nördlich der Somme von französischen und britischen Truppen zusammen unternommenen Angriffen brachen wir auf einer Front von 10 Meilen in das vordere deutsche Verteidigungssystem ein. Der Kampf dauert fori. Der französische Angriff an dem Teile der Front, der sich unmittel- bar an den rechten britischen Flügel anschließt, macht bedeutende Fortschritte. An der übrigen britischen Front gelang es Abteilun- gen, die Ucberfälle unternahmen, wiederum an zahlreichen Punkten in die feindliche Verteidigungslinie einzudringen, dem Feinde Ver- luste zuzufügeg und einige Gefangene zu machen. London, 1. Juli.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Britisches Hauptquartier in Frankreich vom 3 0. Juni: Bei einem von den Anzae letzte Nacht auf die feindlichen Linien unternommenen Streifzug wurden 80 deutsche Soldaten, darunter zwei Offiziere, getötet. Unsere Verluste waren sehr gering. Der Feind unternahm nach einer heftigen Beschießung einen wirkungslosen Ueberfall auf unsere Laufgräben westlich der Straße von Lille. In der Nacht vom 28. auf den 29. wurden von den Truppen der Nachbarschaft von Messines drei Ucberfälle ge- macht und eine Anzahl von Feinden getötet. Die„Shropshire Light Jnfantry" unternahm ebenfalls eine solche Expedition und brachte ein Dutzend Gefangene zurück. Britisches Hauptquartier in Frankreich vom 1. Juli, 9 Uhr 30 Min. morgens. Heute um ungefähr 7 Uhr 00 Min. morgens unternahm die britische Armee einen heftigen Angriff Über einen Frontabschnitt von mehr als 20 Mei- len Länge nördlich der Somme. Eine fürchterliche Beschießung, die ungefähr 11- Stunden dauerte, ging dem Angriff voran. Es ist noch zu früh, Einzelheiten über den Kampf zu melden, zumal er an Heftigkeit noch zunimmt. Aber die britischen Truppen haben bereits die erste deutsche Linie genommen und viele Gefangene gemacht. Soweit festgestellt werden konnte, sind die britischen Ver- luite nicht schwer. London, 1. Juli.(W.T. B.) sMeldung des Reuterschen Bu- reaus.) Britisches Hauptquartier in Frankreich. Tie britischen Truppen machten grohe Fortschritte. In dem feind- lichen Gebiet jenseits der Frontlinie haben sie Serre und Monta» ban, zwei wichtige taktische Punkte südöstlich Hebuterne und norö- östlich von Bray genommen. Die britischen Truppen kämpfen in den Dörfern Mametz und Contelmaison. von denen sie Teile in ihrem Besitz haben. Tie Briten sind auch im Besitz von Gelände nördlich von Aricourt. Das Dorf selbst ist noch in deutschen Händen. Die Briten griffen Beaumont-Hamcl an und haben La Boiselle ge- nommen. Die Truppen kämpfen tapfer. Sie haben viele Gefangene gemacht. Tie Franzosen rücken rechts von den englischen Stellungen mit gxosicr Lebhaftigkeit und Tapferkeit vor. Sie sind sehr schnell nach dem Beginn des Angriffs jenseits der deutschen Linien vor- gedrungen und haben Curlu und den Wald von Kaviere erobert. London, 1. Juli. fW. T. B.) Bericht des britischen Hauptquartiers von 7 Uhr lö Minuten nachmittags: Der Fortschritt der Schlacht wurde durch ein bestän- digcs Anwachsen ihrer Heftigkeit den ganzen Tag hindurch gekenn- zeichnet. Das Gefecht nördlich des Anrra-Flusses war besonders heftig. Ter Feind hat in mehreren Dörfern unseren Angriffen hartnäckigen Widerstand geleistet, aber die Tapferkeit unserer Truppen hat zu dem Ergebnis geführt, daß sie sich schrittweise von allen Seiten an verschiedene feste Punkte herangearbeitet haben. sblsz resulted in a gradual working round of various strong ooints.) Fricourt ist jetzt beinahe eingeschlossen, ferner befinden sich unsere Truppen auf beiden Seiten des Vorsprungs von Gomme- court. Das Dorf Mametz ist jetzt vollständig in unserer Hand. Ein deutscher Gegenangriff auf Montauban wurde erfolgreich zurück- gewiesen. Bisher sind in dieser Gegend etwa 1500 Gefangene ge- zählt worden, aber die Zahl ist natürlich unvollständig, da noch weitere eingebracht werden. Die Kämpfe waren von gutem Wetter begünstigt. Im nördlichen Gebiet wurde der Bahnhof von Lille erfolgreich mit Fliegerbomben belegt. Unsere Flieger wurden auf der Rückkehr von zwanzig Fokkerflugzeugen angegriffen, von denen zwei in brennendem Zustande zum Niedergehen gezwungen wurden. Tie britischen Flugzeuge sind sämtlich zurückgekehrt. Es ist be- merkenswert, daß heute nachmittag nur sehr wenige feindliche Flug- zeuge in der Lust gesehen wurden. Am nördlichen Teile der Front wurden weiterhin viele Vorstöße unternommen. London, 1. Juli. sW. T. B.) Bericht d e S Generals H a i g. Den ganzen Tag dauerte der heftige Kampf zwischen Somme und Ancre und nördlich der Ancre bis einschließlich Gymmecourt. Es wird an der ganzen Front heftig gekämpft. Wir nahmen auf unserem rechten Flügel das deutsche Laufgrabenlabyrint über eine Frontlänge von sieben Meilen Länge und eine Tiefe von 1000 �ards und stürmten und besetzten die kräftig verstärkten Dörfer Montauban und Mametz. Im Zentrum haben wir über eine Front von über vier Meilen verschiedene starke Punkte genommen. An anderen' Punkten hält sich der Feind noch, und der Kampf ist hier noch heftig. Eine ebenso erbitterte Schlacht wird nördlich der Ancre und bei Gommecourt geliefert. Wir waren nicht imstande, einige Punkte im Gelände, das wir bei unserem ersten Angriff erobert hatten, zu halten, während andere Abschnitte in unserem Besitz blieben. Bisher kamen über 2000 deutsche Gefangene durch unsere Sammelstellen, darunter waren zwei Regimentskommandeure und der ganze Stab eines Regiments. Die große Zahl toter Feinde, die auf dem Schlachtfelde gefunden wurden, weist darauf hin, daß die Verluste der Deutschen bedeutend waren, vor allem in der Gegend von Fricourt. Letzte Nacht drangen Abteilungen unserer Truppen au verschiedenen Punkten zwischen Souchez und Apern in die beut- schen Laufgräben und fügten den Besatzungen schwere Verluste zu. Eine dieser Abteilungen machte 16 Gefangene. Trotz des starken WindeS herrschte gestern lebhafte erfolgreiche Tätigkeit in der Luft. ES wurden zahlreiche Bomben auf feindliche Stapelplätze, Eisenbahn- knotenpunkte, Batterien, Laufgräben usw. abgeworfen. Auch während der heutigen Kämpfe beträchtliche Lufttätigkeit. Berichte über Einzel- heiten liegen noch nicht vor. Unsere Flugzeuge griffen zwischen Douai Nach öen Schlachten. Erisnerungen aus Volen und Rußl-v»d. Tote» Land. Wir hatten wieder einmal einen Eisenbahntransport hinter mis. In Äos.s owo wurden wir mir Mann und Roß und Wagen «»«geladen. Wir kamen von Brest-Litowsk und folgten den kämpferiden Truppen. In der Ferne vor uns brüllten die Schlachten. Unsere Truppe sollte der nach Slonien führenden Straße folgen. Es war um die Mittagszeit und die Deptembersonne brannte seit vielen Tagen mit ungewöhnlicher Glut. Die Straße war mit feinem Staubmehl bedeckt. Wir marschierten ein Stück und schwenkten dann ab in den Wald. Dort erwarteten un» in einer frifchgrünen Lichtung unsere dampfenden Feldküchen. Zu einer letzten längeren Rast und zur Einnahme des MittagesienS lagerten wir auf weichem Rasen und moosigem Waldboden. Danach ging eS an die Ueberwindung der für den Rest des Tages in Aussicht ge- nommenen Kilometer. Die müllbedeckt« Straße führte durch starken Kiefernhochwald. Der mit welken braunen Nadeln bestreute, von GraSbüscheln und Beerenkräutern grün gefleckt« Waldboden zeigte lange Reihen schimmernder weißer Punkte. Vorgehende Schützenlinien hatten in schnell ausgeworfenen Löchern Deckung gesucht; vor jedem Loche leuchtete ein kleiner Wall von weißem Sande. Dort war ein Bau.m umgebrochen und dort ein anderer und noch ein dritter. Bald sahen wir viele Baumleichen, Opfer schwerer Artilleriegeschosie, am Boden liegen. Andere lehnten gebrochen an den Schultern der überlebenden Gefährten. Und in den breiten Kronen rauschte fried» lich, wie nicht? ahnend, der Wind. Aus einer Lichtung schauten rohe Holzkreuze von niedrigen Grabhügeln zu uns herüber. Da- neben wuchs schlankes Stangenholz, in dessen dürren, flechten- beh-angensn Zweigen zuckende Flammen gewütet hatten; die Stämm- chqn wgren pechschwarz gebrannt, die jugendlichen Kronen zum größten Teil vollends von des Feuers Gier zerstört. Ein Wald- brand sollte den andringenden Gegner aufhalten, Vernichtung sollte Rettung bringen. Wir stolperten mehr als wir gingen die staubige Straße ent- lang. Ihr Schotterbelag war an vielen Stellen aufgewühlt, hier durch Menschenhand, um den Vormarsch zu erschweren, dort von «inschlagenden geschossen, deren Splitter zwischen Steinschlag und Staub wie ausgesät umherlagen. Der Wald wich zurück und vor uns dehnte sich Stoppelfeld und Wiese. Der Wind trieb zu unserem Leid sein lustiges Spiel mit dem Straßenstaub. Nicht fern winkte ein Giebel zu uns herüber und bald gruppierte sich Haus an HauS. Dazwischen ragten Schorn- steine, als letzte Ueberreste verbrannter Holzhütten, wie mahnend erhobene Zeigefinger zum' dämmerigen Abendhimmel empor. Ent- setzlich hatten die Flammen gewütet. Und zwischen lodernden Flammen und berstenden Granaten hatten die Menschen um den Besitz de? Platzes an der wichtigen Straße gekämpft. Grausige Bilder tauchten vor unserem geistigen Auge auf. Hier hatten Menschen, fleißige Menschen in frohem Frieden gelebt. Ihr Besitz, die Schöpfung ihres Lebens, war ein Fratz der Flammen und Granaten geworden. Vielleicht waren sie selber gerettet. Aber dann lebten sie irgendwo an fremdem Ort und ge- dachten mit sehnsuchtbebendem Herzen der Stätte ihre? Herde». Wir zogen unsere Straße. Ein andere» Dorf tauchte auf und zeigte das gleiche Bild rasender Zerstörung. Die Gemüsepflanzen, die Sträucher in den Gärten waren zermalmt und zerbrochen, die und Cambrai einen Zug an. Eins ging bis auf neun Fuß herab und brachte einen Güterzug zur Explosion; andere Flieger sahen den ganzen Zug in Brand stehen und hörten auch mehrere Explosionen. der Sericht üer ruPschen Heeresleitung. Petersburg, 2. Juli.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t v o m 30. Inn i.(Verspätet eingegangen.) Westfront: Truppen des linken russischen Flügels besetzten heute K o l o m e a, wo die bedeutendsten Eisenbahnen der Buko- wina zusammenlaufen. Der Feind geht weiter nach Westen zurück und setzt sich in vorbereiteten Stellungen fest. Nordwestlich von Kimpolung versucht der Feind mit starken Kräften eine Gegen- offensive. Die Truppen des General» Letschitzki müssen ihren An. griff unter außerordentlich erschwerten Bedingungen vortragen, da die schon sehr schlechten Wege im Operationsgebiet dieser tapferen Truppen durch die wolkenbruchartigen Regengüsse beinahe zerstört sind. Nordwestlich der Mündung der Lipa in den Styr zwischen Luck und Brody griff der Feind nach Feuervorbereitung durch schwere und leichte Artillerie unsere Stellungen in der Linie Ko- lonie Gajenka(13 Kilometer östlich Rustomyty)— Kolonie Nutalin (8 Kilometer nordwestlich Lipa) an. Unsere Truppen ließen den Feind in ihrer unerschütterlichen Ruhe bi» an unsere Hindernisse herankommen und eröffneten dann erst das Feuer. Bei Lipa be- restet der einmal abgeschlagene Gegner einen neuen Angriff vor. Nach den letzten Berichten beläuft sich die Gesamtsumme der vom 4. Juni bis 28. Juni gemachten Gefangenen auf 212 000 Mann einschließlich Offiziere. Die Gefangenenzahl wächst noch ständig. Petersburg, 2. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 1. Juli. W e st f r o n t: Unser linker Flügel drängt den Feind immer weiter zurück. Südlich de» Dnjester» wurden mehrere Orte er- obert. Nach äußerst heftigem Kampf warfen unsere Truppen den Gegner gegen die Höhen von Berezow zurück(17,5 Kilometer süd- westlich Kolomea). Einige dieser Höhen wurden auch bereit» mit stürmender Hand genommen. Der nordwestlich Kimpolung angrei- sende Feind wurde in westlicher Richtung geworfen. In diesem Räume drückten unsere Truppen den Feind zurück und eroberten nach Kampf einige stark befestigte Bergstellungen. Die Gefangenen- zahl der von der Armee des Generals Letschitzki am 28. und 29. Juni eingebrachten Gefangenen ist auf 305 Offiziere und 14 574 Mann gestiegen, dazu sind 4 Geschütze, 30 Maschinengewehre erbeutet. Die Gesamtsumme der vom 4. Juni bis 30 Juni gemachten Ge- fangenen beträgt einschließlich Offiziere 217 000 Mann. Im Raum zwischen Stochod und Styr unterhielt der Feind ein heftiges Artilleriefeuer. Ein besonders erbitterter Kampf geht um die Stellungen von Zaturce, wo unsere Truppen, trotz Trommel- fever von äußerster Heftigkeit, neun Angriffe nacheinander mit schweren Verlusten für den Feind abschlugen. In einem Abschnitt dieser Gegend litten die Deutschen stark unter dem Feuer der eigenen Artillerie, da? sie von neuem zum Angriff vortrieb. Das Gelände ist dort mit Feindesleichen bedeckt. In der Gegend der Lipa beschießt der Feind fortgesetzt unsere Stellungen mit schwerer und leichter Artillerie. Die neu heran- geführten deutschen Truppen greifen hier mit Erbitterung an. Wir wiesen sie jedoch mit schweren Verlusten für sie selbst ab und machten bis jetzt 9 Offiziere und 419 Soldaten zu Gefangenen. In Galizien, in der Gegend der Dörfer Hladki und Worobiewka unter- hielt die feindliche Artillerie ebenfalls ein heftiges Feuer. An der D ü n a f r o n t beschießt die feindliche Artillerie einige Abschnitte unserer Stellungen bei Jakobstadt auf dem rechten Ufer in der Gegend des Bahnhofs Liwenhof und weiter südlich. An der ganzen Front von der Gegend der Stadt Dünaburg bis zu den Rokitnosümpfen finden Jnfanteriefeuergefechte statt. Schwarzes Meer: Unsere Torpedoboote versenkten am 29. Juni an der anatolischen Küste 54 Segelschiffe des Feindes. Kaukasus: In der Gegend von Gümuschkhane setzten die Türken ihre Angriffe fort. Wir brachten sie durch unser Feuer zum Obstbäume verbrannt. Gespensterhaft ragten ihre schwarzgekohlten Aeste in die Lüfte. Tote Pferde lagen umher, die steifen Beine in seltsam verrenkten Stellungen haltend, so wie der Moment der letzten Todeszuckungen es ihnen eingegeben. Und überall standen Grabkreuze zwischen den Trümmern. Es wurde dunkler uxid dunkler. Die zertrümmerten Dächer und verkohlten Bäume hoben sich wie zierlich geschnitzte Silhouetten vom bleichen Abendhimmel ab. Unsere» BleibcnS konnte hier nicht sein. Wir marschierten weiter und weiter über das Schlacht- f e l d. Spät am Abend fanden wir bei völliger Dunkelheit in den geräumigen Scheunen eines erhaltengcbliebenen Gutshofes eine Lagerstätte. Beim Dämmern des nächsten Tage» traten wir an, um den Marsch zu beenden. Die Juden von Terespol. T e r e s p o l, unweit Brest-LitowSk am Bug gelegen, stand mitten im Wirbelsturm der Kämpfe um den wichtigen Wafsenplatz an Polens Ostgrenze. Als unsere Truppe bald nach dem Abzüge der Russen aus der nahen Festung in TereSpol Ouartiere bezog, lag die kleine Stadt noch völlig zusammengebrochen danieder. Ihr ohnehin spärliches Kulturleben und der um so regere Gewerbefleitz waren tot, erdrückt von der mordenden Schlacht und niedergehalten vom Getriebe des militärischen Etappenplatzes. Terespol ist gleich vielen Kleinstädten der landwirtschaftlich reichen südpolnischen und wolhynischen Ebene eine Austausch- zentrale. Die Bevölkerung ist in der Mehrzahl jüdisch, und die Juden sind auch hier zum größten Teil« Händler, zum anderen Teile Handwerker. Der Bauer bringt aus weiter Umgebung die Produkte des Boden» herbei, der jüdische Händler kauft sie ihm ab, besorgt den Export und verkauft dem Landmann dafür industrielle Waren. Der zübische Handwerker bessert dem Bauern seine Gerät- schaften aus. So sind, die kleinen Städte im Frieden erfüllt von lautem wirtschaftlichen Treiben, wovon der ausgedehnte Marktplatz inmisten des Orte? beredte Kunde gibt. Damals lag er öde und still, sofern ihn nicht durchziehende Truppen als willkommenen Tummelplatz benutzten. Wir waren abseits des Marktes in den kleinen, oft recht schmucken Holzhäusern geflohener jüdischer Kleinbürger ein- quartiert. Die Bevölkerung begann schon zurückzukehren. Oft fanden sie ihr Heim von fremben Soldaten, ja von Pferden bewohnt. Sie suchten dann mit scheuer Miene auf fremdem Grund ein dürftig Unterkommen. Hier wohnten sie oft gedrängt zusammen und lebten in ärgster seelischer und materieller Not. Ihr Erwerbsleben war vom Gluthauch des Krieges völlig vernichtet worden. Stumpf er- geben in ihr Schicksal, ohne Hoffnung lebten sie tatenlos dahin. Auf den Straßen ließen sich nur wenig« blicken. Wer sich bemühte, Einblick in das Leben und Fühlen der Arbeiter zu bekommen, er- fuhr bald, daß die Familien der Heimgekehrten selten vollzählig beieinander waren. Liebe Angehörige waren im Sturme abge- trieben worden und hatten noch nicht heimfinden können, kamen vielleicht nimmer zurück. Keiner kannte ihr traurige? Schicksal. Kam eine FlüchtlingSfamilie mit Sack und Pack dahergezogen, dann gab e» einen Auflauf. Die schon früher Heimgekehrten sammelten sich um sie, und ein großes Fragen, Gestikulieren und— Achicl- zucken begann. Für den, der den Gram in den Mienen der Ge. prüften sah, hatten diese erregten Versammlungen der fremd- artigen Gestalten im langen schwarzen Rock und mit dem kleinen Käppchen auf dem Kopfe etwas Belustigende». Nahe bei unserem Quartier lag der Tempel, ein Holzhau», da» sich von den übrigen nux durch seine Größe unterschied, Wir Stehen. In der Richtung von B a g d a d in der Gegend von Kerind brachte unsere Artillerie den angreifenden feindlichen Kolonnen vernichtende Verluste bei. Petersburg, 2. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 1. Juli abends. Westfront: Der Feind setzte seine erbitterten Angriffe gegen einige Abschnitte zwischen Styr und Stochod und südlich von Stochod fort. Gestern nachmittag machte die feindliche Artillerie in der Gegend von Kobcze(6 Kilometer) und Helenowka(7 Kilometer) süd- westlich von Sokul, und Kuchary(9 Kilometer nordwestlich von Sokul) Feuerüberfälle. Es entwickelte sich darauf ein kräftiger An- griff, den wir jedoch abschlugen. Nordöstlich von Kisielin vor dem Dorfe Trysten(12 Kilomc/er nordöstlich von Kisielin) stellten wir rechtzeitig feindliche Ansamm- lungcn fest, die von unserem Artilleriefeuer zerstreut wurden. Der Feind ergriff die Flucht. Südöstlich von Kisielin brachten wir einem in dichten Massen angesetzten feindlichen Angriff beim Dorfe Semerynki(5 Kilometer südöstlich von Kisielin) zum Stehen. In derselben Gegend wird beim Dorfe Zubilno heftig gekämpft. Süd- lich(9 Kilometer) vom Dorfe Zaturcy beim Dorfe Koscewo wurde ein österreichischer Angriff durch unseren Gegenangriff zum Stehen gebracht. Wir wiesen die Versuche des Feindes, die Schtschara südwestlich von Lipsk und südlich von Baranowitschi zu überschreiten, ab. Baltisches Meer: Am 30. Juni konnte eine Abteilung von Kreuzern und Torpedobooten auf der Suche nach feindlichen Kräften zwischen Gotland und der schwedischen Küste keine größere Gefechts- einheit feststellen. Bei Tagesanbruch wurden die Kreuzer von feind- lichen Torpedobooten angegriffen. Der Angriff wurde leicht abge- wiesen. Durch Artilleriefeuer brachten wir dem Feinde einen emp- findlichen Verlust bei. Feindliche Unterseebootsangriffe hatten ebenfalls keinen Erfolg. Unsere Abteilung erreichte ihren Ausgangs- Punkt ohne Verluste und Schaden. Nelöung üer italieniscken Heeresleitung. Rom, 2. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonnabend. Zwischen der Etsch und dem Terragnolotal gestern starke Artillerietätigkeit. Unsere Infanterie besetzte Zanolli im Brandtal. Auf der ganzen Front des Posinatales dauert unser Vorrücken trotz des heftigen Feuers zahlreicher feindlicher Batterien von den beherrschenden Stellungen des Borcolapasses und des Monte Maggio und des Monte Toraro an. Auf dem linken Flügel erklom- men unsere Truppen, den erbitterten Widerstand des Gegners über- windend, den Kamm des Monte Majo, von wo aus sie jetzt die nörd- lichen Abhänge beschießen, um die feindlichen Abteilungen zu ver- jagen, die sich zwischen den Felsen eingenistet haben. Auf der Hoch- fläche der Sieben Gemeinden stehen unsere Truppen in enger Berührung mit den Stellungen des Gegners. Auf diesem schwierigen Gelände wird der Kampf unter schlechten Sichtverhältnissen mit Hand- granaten und in heftigem Ringen Mann gegen Mann fortgesetzt. Im S u g a n a t a l e ist die Lage unverändert. Unsere schweren Ge- schütze erneuerten gestern die Beschießung von Toblach, Jnnichen und Sillian im Pustertal. Fortschritte unserer Infanterie werde» ge- meldet in den Hochtälern von Seisera(Fella) und Seebach(Gailitz). Unsere Artillerie zerstörte feindliche VerteidigungSanlagxn auf dem Rücken des Prasnik und in der Umgebung von Raibl. An der Jsonzofront Artillerietätigkeit. Unsere Artillerie rief große Brände im Bahnhof von Borgo Carinzia(Görz) hervor. Im Ab- schnitt von Monfalcone dehnten wir die Besetzung der Höhe 70 aus und wiesen feindliche Gegenangriffe ab. An der albanesischen Front wurde die Anwesenheit öfter- reichischer Truppen beim Brückenkopf von Ciflick JdriS an der unteren Vojusa festgestellt. Eine unserer Kavallerieabteilungen griff, nachdem sie abgesessen war, den Feind im Laufe de» 29. Juni mit dem Bajonett an, zwang ihn zu regelloser Flucht und verfolgte ihn mit Maschinengewehr- und Gcwehrfeuer. 35 Oesterreicher mit Waffen und Munition fielen als Gefangene in unsere Hände. C a d o r n a. hatten ihn natürlich längst besichtigt. Verstaubte und zerrissene Schriften lagen in Mengen zwischen Trümmern von Bänken und Pulten umher. Wir hatten nie einen Juden in seiner Nähe ge- sehen; sie hielten sich anscheinend dem verwüsteten Orte ihrer An- dacht geflissentlich fern. Da entstand eines Abends Leben dort. Wir sahen die Be- völkerung auf allen Straßen zum Betbause gehen. Stimmen wurden darinnen laut und Lickstschimmer drang durch die Fenster. Ein Ereignis! Niemand wollte sich diesen Zwischenakt einer jüdischen Betstunde im Kriegsdrama entgehen lassen. Wir traten in die dämmerige Halle, Ein chaotischer Stimmen- fchwall drang auf uns ein. Eine Weil« standen wir stumm und betrachteten ein seltsames Bild. Eine völlig fremde geistige Welt tat sich bier vor uns auf und wir empfanden eine seelische Kluft zwischen jenen Wesen und uns, die wir erst überbrücken mußten, bevor wir den Ernst des Treibens der Juden zu würdigen ver- mochten, Nach und nach kesselten uns die Einzelbilder. Ein hagerer Mensch mit dünnem schwarzem Backenbart trägt mit hellem Organ abgebrochene bebräische Sprüche vor. Dann erheben mit elemen- tarer Plötzlichkeit alle ihre Stimmen und sprechen unverständliche Sätze, Eine Pause. Ter Vorbeter beginnt von neuem und singt eine monotone, klagende Melodie. Und wie aufgeschreckt durch seine Töne fällt die Versammlung unverhofft ein und singt im Chor die gleichen Verse. Wieder folgt ein plötzliches Abbrechen des flehenden Gesanges und die Andächtigen gehen über zu einem Flüstern von Gcbetformeln. Aber langsam schwellen die Stimmen an und das Gebet endet mit heftig hervorgestoßenen beschwörenden Sätzen. An zerbrochenen Pulten sitzen die männlichen Juden zu an- dächtigcr Feier beisammen. Tort haben sie. die Pultrümmer als Böcke benutzend, aus Brettern ein.e Tafel gemacht. Die frommen Beter sieben um sie herum. Alle Köpfe sind tief über die Gebet- bücher gebeugt, alle Sinne sind gefesselt, alle Geister folgen einem gleichen Fluge. Andächtige Demut wechselt schnell mit ekstatischer Beschwörung. Bleiche junge Inden begleiten die lebhaften Gebete mit nervösen Gebärden, Greise wiegen die typischen Erzvater- köpfe im Rhytmil? der Gesänge. Und, in dem Schatten an den Wänden hocken die Frauen und begleiten die Lieder und Gebete der Männer und Jünglinge mit Seufzern und Klagen. Zahlreiche flackernde Lichtstümpfchen, irgendwo hervorgesucht, beleuchten die Bücher und Köpfe und werfen fließende Schatten auf die öden Wände der Bctballc. Sie baben in Gemeinschaft mit den durcheinandergestelltcn, flüchtig errichteten Tafeln und PVlteir der ganzen Veranstaltung den Anstrich primitivster Improvisation. Aber in dieser malerischen Primitivität lag der Ausdruck eines starken, durchdringenden Willens. Die Juden wollten ihre Gcbetstund«. Und mitten im Grauen und im Lärm des Kriege?, zwischen Brand und Tod fanden sie Stimmung und Raum für ihre Andacktsübung. Jünger« Männer, die im Hintergrunde standen, licßrtt sich in eine Unterhaltung mit uns ein. Sie erklärten uns, die Andacht sei eine Klage vor Gott, keine Freuden- feier. DaS Ganze bot ein Bild seltsamer malerischer Scbönheit. Wir können nicht sagen, daß un? jemals eine feierlitbe Handlung stärker berührt hätte als diese, an der wir doch nur als flüchtige Zuschauer teilgenommen haben. Gab sie doch der ganzen materiellen und seelischen Not und zugleich dem starken Lebenswillen einer großen. vom Kriege schwer betroffenen Gcsellschaftsschicht trefflichen Ausdruck..{*), R. S, Zum Vertrauensvotum für Herrn örianö. Tie Rede des Genossen Raffin-Dugens, mit der er die Ablehnung des Vertrauensvotums für die französische Regierung begründete, ist bisher nur sehr kurz wiedergegeben worden. Im„Populaire du Centre" vom 25. Juni, der erst setzt eintrifft, finden wir einen langen Auszug, aus dem wir folgende Stellen entnehmen: �„Wenn ein Offizier, der das Schicksal mehrerer Millionen Soldaten in seinen Händen hat, sich unfähig erwiesen hat, in- dem er sie unnötig opferte, muß er sogleich und ohne Ansehen seiner Person von seinem Posten enthoben werden. Soldaten ohne Nutzen töten lassen, ist doppelt strafbar. Jedoch man hat Offiziere, die der Unfähigkeit angeklagt und überführt waren, während langer Monate auf ihrem Posten gehalten. Tie partiellen Offensiven, die so mörderisch und so nutzlos sind, sind erst seit einigen Wochen verboten worden. Ich erachte, daß die Regierung in diesem Punkt durch das Hinausschieben einen unverzeihlichen Fehler begangen hat. Was die parlamentarische Kontrolle betrifft, die gleichen Ver- zögerungen wie bei der Untersagung der partiellen Offen- siven.(Zwischenrufe auf der Rechten und im Zentrum.) Meine Herren! Tie Poilus in den Schützengräben haben ein wenig mehr Geduld als Sie. Erst nach dem Angriff auf Verdun, das heißt nach vier Monaten Regierung des Herrn Briand haben die parlamen- tarischen Kommissionen ihre Vertreter entsenden können, um festzustellen, was in der Zone vorgeht, in die so viele neu- gierige Leute eindringen konnten... Auf der anderen Seite: Herr Aristide Briand hatte uns versprochen, die Zensur in be�ug auf politische Tinge weniger streng handhaben zu lassen. Jedoch, diese einzigartige Ironie, gerade unter seiner Regierung hat sich Madame Anastasie (die Zensur) von einer exemplarischen Strenge gezeigt. Wenn diese Strenge für alle Parteien gleich wäre, würde ich mich beugen, obwohl ich immer ein Anhänger der Preßfreiheit bin. Aber davon gab es nichts. Den Zeitungen, die Thron und Altar verteidigen, ist alles erlaubt gewesen; sie haben ganz nach Wunsch gegen die Parlamentarier und gegen unsere Ein- richtungeni die perfidesten Angriffe richten können. Dagegen Üt es der republikanischen und demokratischen Presse sehr oft unmöglich gewesen, auf diese Angriffe zu antworten. Tie beschlagnahmten oder verbotenen Zeitungen, die Ar- tikcl, die verstümmelt wurden, weil sie Stellen enthielten, die wegen ihres demokratischen Geistes den Herren des Tages, das heißt den Herren Zensoren, nicht gefielen, zählen nach Hunderten und selbst nach Tausenden. Aus allen den Feststellungen, die ich soeben gemacht habe, kann ich die folgenden Schlüsse ziehen: 1. Tie Regierung des Herrn Briand hat nicht die Wach- samkeit, die Energie und Schnelligkeit gehabt, die sie hätte haben müssen und die sie uns versprochen hatte: 2. was die militärischen Operationen angeht, hat sie nicht zur rechten Zeit die Maßnahmen ergriffen, die geeignet waren, unnötigen Opfern menschlichen Lebens vorzubeugen; 3. hat Herr Briand die Zensur in widerwärtiger Weise die republikanische Presse schikanieren lassen; 4. über gewisse Punkte, die m ichbedrücken— ichwillvondenKriegszielen sprechen, die von gewissen Ländern der Alli- erten verfolgt werden—, hat sich Herr :!i-icnö nicht ausgesprochen. I ch kann ihm nicht mein Vertrauen geben. Ich werde des- halb gegen die von Herrn Sibille einge- brachte Tagesordnung stimmen. Meine Herren, ich bin am Ende. Indem ich schließe, formuliere ich einen Wunsch: daß die Kritiken, die ich soeben gemacht habe, unserem schönen Land dienen, das ich liebe, dem ich gedient habe und dem ich diene ebensogut wie Sie, meine Herren von der Rechten."(Sehr gut! sehr gut! auf verschie- denen Bänken der sozialistischen Partei.) Tie 38 Abgeordneten der sozialistischen Partei, die mit Rasfin-TngcnS der Regierung das Vertrauen versagten, waren: Alexandre Vlanc, Barahant, Bernard, Betoulle, Jean Von, Bouisson, Bouverr, Bras, Brizon, Buisset, Cadenat, Compdre-Morel, Teguise, Demoulin, Doizy, Giray, Goude, Longuet, Jobert, Laval, Lissac, Locquin, Manus, Mayeras, Mistral, Ferdinand Morin, Parvy, Philbois, Poncet, Presse- mane, Raffin-Tugens, Sabin, Sixte-Ouenin, Validre, Veber, Voillot, Walter. Außerdem haben gegen das Vertrauensvotum gestimmt 19 sozialistische Republikaner, 25 Radikale und Radikalsozia- listen, 19 von der radikalen Linken, 2 von der republikanisch. radikalen und sozialistischen Vereinigung, 4 Republikaner der Linken, 2 von der demokratischen Linken, 1 von der republi- konischen Föderation und 5 Wilde. „Populaire du Centre" sagt, daß den 38 Mitgliedern der sozialistischen Fraktion noch die Genossen Claussat, Lucien Voilin und Rognon hinzugezählt werden könnten. Tie beiden letzteren hätten sich der Stimme enthalten, Claussat habe in der Gesamtabstimmung mit gegen die Resolution gestimmt. Tos Blatt teilt weiter mit. daß unter denen, die gegen die Regierung stimmten, alle die Lsfizierabgeordneten gewesen seien, die wegen ihres Mutes und ihrer Aufopferung beson- dcrs gelobt worden wären.(z) Die türkische yauptquartiersmeiöung. Konstantinopel, 2. Juli.(W. T. B.) Das Haupt- quartier meldet: An der Jrakfront keine Veränderung. In Süd- P e r s i e n setzen unsere Truppen ihre Bewegung nach Osten fori, indem sie die russischen Rachhuten verjagen. � Au der Kaukasusfront bat sich auf dem rechten Flügel und im Zentrum nichts zugetragen. Unsere nördlich des Tschorok stehenden Truppen drückten auf das feindliche Zentrum und drängten den Feind acht Kilonieter nach Norden in der Richtung auf die Küste zurück. Sie besetzten abermals beherrschende feindliche Stellungen in einer Länge von zwölf Kilonietern. Unsere Seestreitkräfte erzielten in der letzten Woche meh- rere Erfolge im Schwarzen Meere, llnsere Untcrsee- boote versenkten an der Küste des Kaukasus vier große russische Dampfer, darunter Transporte. Einer von ihnen war ganz mit Truppen beladen. Außerdem wurde ein russisches Segel- schiff versenkt. Ferner gingen ein mit Munition beladener feindlicher Dampfer und ein anderer großer Damvfer durch Auflaufen auf eine Mine unter. Am 28. Juni wurde bei Katia nach Luftkampf, der fünfzehn Minuten dauerte, ein feindliches Flugzeug zur Flucht gezwungen. Es landete zwischen dem Kanal und Katia, um der Verfolgung durch unser Flugzeug zu entgehen. vom v- öoot-Krieg. London, t. Juli.(W. T. B.)„Lloyds" berichtet: Der unbe- i?>affnste britische Dampfer„W i n d e r m e r e" und das italienische Segelschiff„Carlo Alberto" wurden versenkt. Die ZinanZkonferenz öer Entente. Bern, 1. Juli.(W. T. B.) Der russische Finanzminister Bark traf mit dem Chef des russischen General- st a b e s nach kurzem Aufenthalt in England in Paris ein. Sie werden im Laufe der nächsten Woche der Finanzkon- ferenz der Alliierten beiwohnen, zu der auch der Finanzminister Mac K e n n a und C a r c a n o erwartet werden. Die �lnterniertenfrage vor üem Unterhaus. London, SS. Juni.(W. T. B) Unterhaus. Bei der Be- ratung des Etats für das Ministerium des Innern verlangte Johnson Hicks mit Berufung auf die Blätter„Daily Mail" und „John Bull" die Internier ung sämtlicher Deut- s ch e n. Minister Samuel sagte in seiner Erwiderung, die öffentliche Meinung sei in dieser Hinsicht in grober und schamloser Weise irregeführt worden. Er erzählte den Fall von einem eng- tischen Bäcker bei London, der vor dem Tribunal für die Befreiung seines Sohnes vom Kriegsdienst plädiert«, weil er dessen Hilfe brauche, wenn sein Geschäft nicht von der deutschen Konkurrenz ruiniert werden sollte. Das Tribunal gewährte die Befreiung, obwohl alle Deutschen in der Nachbarschaft interniert waren, und obwohl der Sohn ein Varietäkünstler und kein Bäcker war. Samuel sagte weiter, er könne augenblicklich nicht sagen, was mit den inter- nierten Deutschen nach dem Kriege geschehen würde, aber er wisse nicht, woraus Johnson Hicks schlösse, daß sie nach dem Kriege ihr Geschäft würden wieder aufnehmen und ihre Konkurrenz gegen englische Geschäftstreibende fortsetzen dürfen. Tumultszenen in üer italienischen Kammer. Rom, 2. Juli.(W. T. B.)(Meldung der A g e n z i a Stefan!.) Kammersitzung vom Sonnabend. Gas- p a r o t t o lenkte die Aufmerksamkeit auf die Leiden der italienischen Gefangenen in Oesterreich-Ungarn und- auf die Behandlung der italienischen Verwundeten durch den Feind, obwohl sich die italienischen Soldaten keiner Ausschreitungen schuldig gemacht hätten. Der Soziali st Maffi unterbrach den Redner, indem er dessen letzte Behauptung bestritt. Die Kammer protestierte energisch und lärmend dagegen. Der Abgeordnete D a l l' A c q u a protestierte entschieden gegen die Behauptung MaffiS. Plötzlich wurde er von einem Unwohlsein befallen, so daß er aus dem Saal getragen werden mutzte. Da der Lärm im Saale andauerte, unterbrach der Präsident die Sitzung. Bei Wiederaufnahme derselben forderte er Maffi auf, seine Worte zurückzunehmen. Da dieser fortfuhr zu sprechen, so rief ihn der Präsident zweimal zur Ordnung, und drohte, seine Ausschließung zu beantragen.(Sehr lebhafter Beifall.) Maffi erklärte, daß er niemals beabsichtigt habe, die italienische Armee in ihrer Gesamtheit zu beschimpfen. Der Präsident erklärte darauf, daß er der Ansicht sei, daß Maffi seine Worte zurückgezogen habe. Ministerpräsident Boselli rühmte dann die Menschlichkeit und Tapferkeit der italienischen Armee. Auf Anfragen verschiede- ner Redner erklärte er ferner: Die Regierung erhofft von der Ein- tracht aller Bürger den Sieg und den Ruhm Italiens. Minister- Präsident Boselli versicherte, daß das Ministerium alle gcgenwärti- gen Probleme in den Kreis seiner Betätigung ziehen werde. Die Regierung werde in genügender Weise für die Bedürfnisse der aus den Grenzgebieten geflüchteten Personen sorgen. Die Zensur sei eine durch die außerordentlichen Umstände auferlegte vorübergehende Maßregel. Sie werde in den engen Grenzen der Notwendig- leiten der nationalen Verteidigung aufrechterhalten werden. WaS die auswärtige Politik betreffe, so habe der Minister des Aus- wärtigen, wenn er auch nicht viel in der Kammer spreche, ein tiefes Gefühl für die Würde und Interessen des Landes.(Beifall.) Was die Art beträfe, in der die Ministerkrise gelöst worden sei, so er- klärte der Ministerpräsident, daß die gegenwärtige Regierung einem außergewöhnlichen Augenblick entspräche und daß sie der Ausdruck der mit Recht von jedermann gewünschten Eintracht sei. Alle Parteien, die den Krieg gewollt hätten, seien in der Regierung ver- treten. Die Kontrollkommissionen, von denen einige Redner ge- sprachen hätten und gegen die der Minister immer gewesen sei, wären überflüssig. Die Regierung wird indessen nicht verfehlen, aus der Tätigkeit aller zuständigen und gutgesinnten Männer im Parlament und im Lande Nutzen zu ziehen. Sie werde für die Eintracht und den Burgfrieden eintreten in der Ueberzeugung, daß dieser die Voraussetzung dafür sei, daß das Vaterland stark und groß sei.(Lebhafter Beifall.) Er drückte sein Vertrauen darauf aus, daß die Kammer ihm ihre Unterstützung gewähren werde, indem sie für die Tagesordnung Teso Dari und Genossen stimme, welche die Erklärungen der Regierung gutheißt und die proviso- rischen Zwölftel annimmt. Die Tagesordnung mit dem Ausdruck des Vertrauens wurde in namentlicher Abstimmung mit Sgl von 450 Stimmen angenommen. Die Mitteilung des Ergeb- nisseS der Abstimmung wurde mit lebhaftem Beiiall aufgenommen, worauf die Sitzung aufgehoben wurde. Nächste Sitzung heute. Die Kammerfraktion üer italienischen So- zialüemokratie zur Regierungserklärung. Am Montag voriger Woche ist der Ausschuß der sozia- listischen Parlamcntsgruppe und am Dienstag die Gruppe selbst auf dem Montecitorio zu Rom zusammengetreten, um über die Haltung der Partei gegenüber dem neuen Kabinett Boselli zu beraten. Es haben sich zum Worte gemeldet die Ab- geordneten Turati, TreveS, Modigliani, Mertoni, Graziadei, Dragoni u. a, Abgeordneter Turati hat in der Kammer folgende TageS- ordnung zur Regierungserklärung deS Kabinetts eingebracht: „Die Kammer fordert die Regierung auf, die politische Zensur und die Gedankenzensur aufzuheben; sie richtet ferner an die Regierung die Aufforderung, in der Frage der sogenannten Jnternierung aller Jnternierungen, die von den nichtmili» tärischen Behörden außerhalb deS Bereichs der KriegSzone verfügt wurden und daher in Wahrheit und tatsächlich einer Einziehung von Personen gleichkommen, sofort rückgängig zu machen, sowie die analogem Maßregeln, die von den in der KriegSzone zuständigen Militärbehörden getroffen wurden, soweit einzuschränken, als sie im Einklänge stehen mit dem Geist und Buchstaben der militärischen Gesetze und daher nichts anderes darstellen als eine einfache Eva- cuierung aus einem bestimmten Ort mit Rücksicht auf gewisse Er- fordernisse der kriegerischen Operationen, wobei jedoch den Eva- cuierten die volle Bewegungsfreiheit und der Aufenthalt im ge- samten Königreich zu gestatten sowie eine Unterstützung zu gewähr- leisten ist, die hinreicht, sie und ihre Familie für die ihnen hierdurch zugefügten Benachteiligungen zu entschädigen. Die Kammer for- dert die Regierung auf, eine Kommission von Abgeordneten und Justizbeamten, die in Rom ihren Sitz hat, mit der Untersuchung aller Jnternierungsmaßnahmen, die bisher angeordnet und bis zur Stunde aufrechterhalten wurde, zu betrauen, ihr jede Berufung gegen solche zur Kenntnis zu geben und ihr das Recht zu verleihen, die Betroffenen und eventuell auch die Angeber und die Zeugen zu verhören oder verhören zu lassen, und zwar nach einem Versahren, das von der Kommission selbst festzusetzen ist, und unter Ueber- nähme der Verpflichtung, den Beteiligten die motivierten Eni- schließungen und Entscheidungen der Kommission vorzulegen und bekanntzugeben." Rutsche Schwestern für Deutschlanü unü Gesterreich. Perersburg, 30. Juni.(W. T. B.)(Meldung der Petersbur- ger Telsgraphen-Agentur.) Zum Besuche von Gefangenenlagern sind sechs russische Schwestern nach Deutschland, vier nach Oesterreich-Ungarn abgereist. politische Uebersicht. Die Kriegsziele des Kanzlers. In einem Artikel über den„Zwang zur nationalen Ein- heit" versucht der nationalliberale Reichstagsabgeordnete B ö t t g e r iin„Tag" die innere und äußere Politik des Reichskanzlers zu verteidigen. Während Böttger die Angriffe der hinter Kapp und Junius Alter stehenden Kreise gegen den Kanzler abzuwehren sucht, hält er gleichzeitig den Kriti- kern des Kanzlers vor, daß Bethmann-Hollweg ja im wesent- lichen d i e Forderungen vertrete, die auch in„nationalen Kreisen" aufgestellt werden. Böttger schreibt u. a.: „Wenn man die programmatischen Auslassungen des Kanzlers unbefangen würdigt, kommt man doch zu einem anderen Urteil über feine Person und über iüe Ziele seiner Politik, als seine zahlreichen Gegner. Das Bethmarmsche Deutsche Pro- gramm bildet... eine geeignete Grundlage für die rnneve Eini- gung unseres Volkes. Der Kanzler betonte am s. Juni d. I., daß Friedensverhandlungen nur dann ihr Ziel erreichen �könnten, wenn sie von den Staatsmännern der kriegführenden Länder ge- führt würden auf Grund derwirklichen Kriegslage, wie sie jede Kriegskarte zeigt, und daß wir weiter kämpfen und siegen werden, wie bisher, um den Feinden klarzumachen, daß sich die KriegSkarte fortgesetzt zu unfern Gunsten verändert. Wir müssen weiter hinzunehmen, was der Kanzler in seinen Reden vom g. Dezember 1015 und 5. April 1916 gesagt hat, nämlich, daß Europa nur zur Ruh« kommen werde durch eine starke, unan- tastbar« Stellung Deutschlands, daß in Zukunft weder im Osten noch im Westen unsere Feinde von heute über Einfallstore ver- fügen dürfen..., daß Belgien nach dem Kriege nicht mehr das alte vor dem Kriege fein werde, und daß es volle Garantien da- für bieten müsse, daß es nicht wieder einem deutschfeindlichen Bunde angehören wird.... Der Reichskanzler hat sich über die Kriegsziele im Osten dahin geäußert, daß die polnische Frage von Deutschland und Oesterreich gelöst werden wird, und daß Deutschland freiwillig die von ihm und seinen Bundesgenossen befreiten Völker zwischen dem baltischen Meere und den wolhyni- scheu Sümpfen nicht wieder an Rußland ausliefern würde." Böttger legt weiter ausführlich dar, baß die Zurück- Weisung der Forderungen der Wirtschaftsverbände zu den oben geschilderten Auffassungen des Kanzlers keineswegs im Widerspruch steht. Wenn der Abgeordnete Scheide mann dieser Tage in Breslau gesagt habe, der Kanzler sei Gegner von Annexionen, teile die Eroberungspläne� der sechs Wirt- schaftsverbände nicht und mißbillige sie, so sei das n u r i m g e w i s s e n S i n n e r i ch t i g. „Der Schwerpunkt der Scheidemannschen Eröffnungen liegt... in der Abweisung der Kriegsziele der sechs Verbände, lind gegen sie haben auch andere Leute ihre Bedenken geäußert, weil sie in der Praxis eine unbeschränkte Kriegsdauer voraussetzen würden. Daß der Reichskanzler sich nicht mit diesen Kriegszielw: identifiziert, ist seit langem kein Geheimnis. Und insofern enthält die Scheide- mannsche Rede keine Ueberrcrschung." Böttger begnügt sich aber nicht, der Stellung des Kanzlers zu den Kriegszielen diese Auslegung zu geben�(die auch wir für richtig halten), sondern versucht zugleich die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion zu der Poli- tik des Kanzlers zu erklären. Obgleich wir hoffen, daß die Deutung Böttgers nur für einen kleinen Teil der Fraktion gilt, halten wir sie doch für bedeutsam genug, um sie hier wiederzugeben. Im Anschluß an die längst bekannten„Ent- hüllungen" Scheidemanns in Breslau schreibt Böttger: „Da? kann den Eindruck hervorrufen, als ob Scheidemann für die nationalgesinnten Sozialdemokraten die Parole ausgegeben hätte, daß nach dem Kriege die europäische Landkarte, soweit Deutschland dabei interessiert ist, völlig unverändert bleiben sollte. Die Sache liegt aber doch anders. Für Scheidemann fcfipint ejn taktisches Bedürfnis zu bestehen, das Verhältnis zwischen der Sozialdemokratie und der Regierung von dem Verdacht der sozial- demokratischen Unterstützung allzu weitgehender nationaler Forde- rungen zu befteien. Der sozialdemokratische Parteiführer hat... neben den verschiedenen Strömungen in seiner Partei auch deren Traditionen zu berücksichtigen,. Und dazu gehören nun einmal aus grauer Vorzeit das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Ab- lehnung von Eroberungskriegen und von Annexionen." Von mehreren Mitgliedern der Reichstagsfraktion und den großen Theoretikern des„Umlernens" ist ja zur Genüge bekannt, daß sie das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht mehr so streng fordern, wie das bisher als selbstverständlich galt. Wie weit es neben diesen offenen Kritikern sozialistischer Forderungen noch Parteimitglieder gibt, die eine vermittelnde Haltung einnehmen, wollen wir nicht weiter untersuchen. Uns liegt nur daran, für heute festzustellen, daß in bürgerlichen Kreisen die Haltung der Fraktionsmehrheit so gedeutet wird, wie der nationalliberale Abgeordnete Böttger es in seinem Artikel ausgesprochen hat. 00 Letzte Nachrichten. Meldung des englischen Hauptquartiers. London, 2. Juli.(W. T. B.) Das englische Haupt- qartier meldet: Die Lage ist unverändert. Der nächtliche Gegenangriff der Deutschen auf Montauban ist mit großen Ver- lusten für sie abgeschlagen worden; die Stimmung der Truppen ist vorzüglich. Zur Untersuchung des Galatzer Vorfalles. Bukarest, 2. Juli.(T. U.)„Jndependance Roumaine" meldet, daß die Untersuchung, welche in der Angelegenheit der Galatzer Vor- fälle eingeleitet wurde, ergab, daß diese ein Werk von Polizei- spitzeln sind._ Vermißter Passagierdampfer. Kopenhagen, 2. Juli.(W. T. B.) Nach einer Metdung der „Nationaltidende" aus Stockholm fehlt von dem schwedischen Ame- rikadampfer„S t o ck h o l m", der am 20. Juni mit achthundert Reisenden New Dort verlassen hat, seitdem jede Nachricht; das Schiff ist mit Funkentelegraphie ausgerüstet. Tie schwedische Fleischausfuhr. Kopenhagen, 2. Juli.(W. T. B.) Wie„Sydsvenska Dagbladet" meldet, hat die schwedische Regierung beschlossen, die F l e i s ch a u S, f u h r aus 30 Proz. der gewöhnlichen Ausfuhr zu beschränken, Bus Groß-öerlin. Arbeitszeit für>schuh!varenbetriebe. Das Polizeipräsidium teilt mit: In Betrieben, in denen Schuhwaren hergestellt werden, ist für den Landespolizeibezir! Berlin die Arbeitszeit wie folgt festgesetzt: I. In Fabriken. 1. Von Montag bis Freitag täglich von 7 Uhr morgens bis 12% Uhr nachmittags und von 1 bis i Uhr nachmittags mit einer viertelstündigen Frühstückspause nach eigener Wahl. 2. Am Sonnabend ruht die Arbeit. II. In Werkstätten. 1. Von Montag bis Freitag täglich von 7 Uhr morgens bis 12� Uhr nachmittags und von 2 bis 5 Uhr nachmittags mit einer viertelstündigen Frühstückspause nach eigener Wahl. 2. Am Sonnabend von 7 Uhr morgens bis 12% Uhr nachmittags mit einer viertelstündigen Pause nach eigener Wahl. An Sonn- und Feiertagen ruht die Arbeit in allen Betrieben. Die Arbeitszeiten nebst festgelegien Pausen sind in jedem Arbeits- räum durch Anschlag in deutlicher Schrift bekanntzugeben. Sollen andere als die vorstehend festgesetzten Arbeitszeiten und Pausen ein- geführt werden, so ist die erforderliche Ausnahmebewilligung bei der Polizei, Abteilung IX, schriftlich zu beantragen. Die Teuerungszulagen im Stadtverordneten- AuSschust. Mit der Erhöhung der Kriegszulagen an städtische Arbeiter, Angestellte und Beamte beschäftig:« sich am Sonnabendabend ein l Stadtverordnetenausschutz unter dem Lorsitz des Stadtverordneten Lrebenow. Stadtrat Dr. Franz wies u. a. darauf hin, daß jetzt auf den Beamtenfamilien mit Kindern die Sorge für den Unterhalt schwerer als sonst lastet. Diese Familien müssen vorzugsweise be- rücksichtigt werden. Die Eiukommensgrenze für eine Kriegszulage könne sür diese Familien bis zu 3G(X> M. erweitert und außerdem für jedes Kind ein Zuschlag gewährt werden bis zum Höchstbetrage der Gesamtkriegslage von 40 M. monatlich bei mehreren Kiedern. Auch die Maßnahmen des Reiches, des Staates und anderer Gemeinden bewegten sich in der Richtung der dringlichen Förderung eines gesunden Kindernacki Wuchses. Der Ausschuß schloß sich diesen Ausführungen an. Nach eingehender Beratung wurde die Magistratsvorlage mit einigen Aenderungen — es sollen auch sämtliche Bedien st ete der Berliner Feuerwehr und Angestellte des Zentralarbeits- Nachweises bedacht werden— und zwei Anträgen angenommen. Der eine Antrag geht dahin, den Magistrat zu ersuchen, die Ein- kommensgrenze der Verheirateten ohne Kinder nicht mit 2o00 M. i zu fixieren, sondern mit 3000 M. und bei den Verheirateten mit Kindern bis zum vollendeten 16. Jahre das Gesamteinkommen aus � 4000 M. zu begrenzen, d. h. bis zu diesem Einkommen sollen noch 20 M. für ein Kind, 25 M. bei zwei Kindern, 30 M. bei drei Kin- � dem, 35 M. bei Bier Kindern urü> 40 M. bei mehr als vier Kindern! monatlich gewährt werden. Ein Jahr Geburtenrückgang in Groft-Berlin. Den außerordentlichen Geburtenrückgang, der mit Mai 1913 einsetzte, haben wir nach dem Ergebnis des ersten Jahres, des zwölfmonatigen Zeitraums von Anfang Mai 1913 bis Ende April 1916, für Berlin schon besprochen. Das Ergebnis der Vororte, das sich jetzt für diele zwölf Monate gleichfalls übersehen läßt, zeigt in manchen Vororten einen verhältnismäßig noch stärkeren Rückgang als in Berlin. Wir berechnen das Jahrescrgcbnis aus den Monatsberichten der Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts, wobei wir annehmen dürfen, daß noch einlaufende nachträg- liche Meldungen das Gesamtbild nicht mehr wesentlich ändern werden. Auch für Berlin benutzen wir in dieser Zusammen- stellung die aus den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Ge- sundheitsamts gewonnenen Zahlen, die hinter den Angaben des Berliner Statistischen Amts etwas zurückbleiben. Ec- borene wurden gemeldet für das Jahr Mai 1915 bis April 1916(gegenüber dem vorhergebenden Jahr Mai 1911 bis April 1913): in Berlin 27 668(38 363), Charlottenburg 3886(3697), Wilmersdorf 1619(1611), Schöneberg 1712 (2138). Friedenau 166(611), Steglitz 933(1363), Tempclhof 379(578), Neukölln 3363(5688), Treptow 329(187), Lichten- berg 1936(2828), Friedrichsfelde 263(375), Weißensee 618 (981), Pankow 719(1626), Niederschönhausen 226(368), Reinickendorf 377(791), Tegel 216(366), Spandau 1616 (2167), in Berlin und diesen sechszehn Vororten zusammen 13 921(61 938). Totgeborene sind überall mitgezählt. Ter Geburtenrückgang in 1915/16 stellt sich für das ganze Gebiet auf 19 637, das sind 29,3 P r o z. Das Rück- gangsverhältnis ist aber in den einzelnen Gemeinden der- schieden. Es beträgt für Berlin 27,9 Proz., Charlottenburg 31,8 Proz., Wilmersdorf 31,9 Proz.. Schöneberg 28,3 Proz., Friedenau 33,9 Proz., Steglitz 31,1 Proz., Tempelhof 31,1 Prozent, Neukölln 33,8 Proz., Treptow 32,1 Proz., Lichten- berg 31,3 Proz., Friedrichsfelde 29,9 Proz., Weißensee 31,1 Prozent, Pankow 29,9 Proz., Niederschönhausen 28.6 Proz., Neinickendorf 27,1 Proz., Tegel 31,7 Proz., Spandau 23,6 Prozent. Spandau schneidet noch am günstigsten ab, am un- günstigsten Wilmersdorf._ Attentat wegen verschmähter Liebe. Sonntag morgen versuchte der 21 Jahre alte aus Warschau gebürtige Bäckergeselle Sigismund Turowincki aus der Holsteini- schen Straße 31 zu Wilmersdorf die 18 Jahre alte Stanislawa BaronowSki aus oer Düsseldorfer Straße 3 und sich selbst zu er- schießen. Turowincki war längere Zeit im Russenlager zu Ruhleben unlergebtächt, seit einem Jahr aber zur Arbeit in einer Groß- bäckeroi nach Wilmersdorf beurlaubt. Hier lernte er die Familie Baronowski kennen, in der er dann auch verkehrte. Bei seinen wiederholten Besuchen wollte sieb der junge Russe der 13jäbrigen Tochter nähern. Diese machte ihn darauf aufmerksam, daß sie be- reitS verlobt sei und seine Bewerbungen reinen Zweck und keinerlei Aussicht hätten. Trotzdem ließ er davon nicht ab. Sonntag mor- gen kam Turowincki schon um 8 Uhr zu Besuch und wurde von Mutter und Tochter arglos empfangen. Von dem angestrebten Verhältnis war keine Rede mehr. Gegen 8% Uhr mußte Frau Baronowski sich in der Küche umsehen. Kaum hatte sie den Rücken gewandt, schloß Turowincki die Tür hinter ihr ab und zog einen Revolver aus der Tasche. Jetzt erkannte die Tochter, was ihr drohte. Vor Angst suchte sie Schutz im Kleiderspind. Nun schoß der Russe auf das Spind. Als das Mädchen aufschrie, glaubte er wohl, es getroffen zu haben, und schoß sich eine Kugel in die rechte Schläfe. Schwer getroffen fiel er auf einen Stuhl zurück, ergriff noch eine Schere, die ihm zur Hand lag, und stieß sie sich in den Hals. Das Mädchen befreite sich schnell aus ihrem unfreiwilligen Bersteck und benachrichtigte mit der herbeigerufenen Mutter die Polizei, die den Verletzten nach der Charit« brachte, wo er schwer darniederliegt. Ein falscher Fahrstuhlkontrolleur. Der Schlosser Karl Kluotc ist von der Scböneöerger Kriminalpolizei festgenommen worden. Seit einiger Zeit erschien in den Häusern der westlichen Vororte ein elegant getleideter Mann, der sich als Fahrstuhlkontrolleur dcS Polizeipräsid iums vorstellte. Ohne weiteres erhielt er Zutritt, vor allen: zu Böden und 5lellern. Tie Zeit des Alleinseins benutzte dann der Gauner, Keller und Bodenräume zu erbrechen und alles, was ihm brauchbar erschien, mitzunehmen. Einem Hausverwalter, dem er sich vorstellte, genügte aber die Borstellung nicht, er ließ einen Schutzmann holen und den Gauner festnehmen. Bestrafung wegen unzulässiger Vrotkartcnvcrtcilung. Tie Witwe Auguste Dauernheim, Eigentümerin in Reinickendorf, ist wegen nicht ordnungsgemäßer Zuteilung der Brotkarten an die Mieter ihres Hauses zu 25 M. Geldstrafe eventuell fünf Tagen Gefängnis verurteilt worden. Zirkus Krone, dem Berliner Publikum von früheren Gast- spielen her wohlbekannt, bat zu einer Reihe Vorstellungen seine Zelte am Ringbahnhof Neukölln aufgeschlagen. Auch dies- mal wieder strafte die Direktion in ihrer Eröffnungsvorstellung der weitverbreiteten Meinung Lügen, als ob Wanderzirkusse in ihren Leistungen gegenüber den bodenständigen Zirkusunternebmungev i minderwertig sein müßten. Wohl selten ist einem Zirkusbesuchei � Gelegenheit geboten worden, so zahlreiche verschiedenartige Raub- ! ticr- und andere Dressuren in einer Vorstellung vereinigt zu sehen [ Aber auch die rein zirscnsiiche Kunst kommt hier nicht zu kurz. Als ein recht unerschrockener Dresseur erwies sich wieder Herr Heinrick j Wagner, der 12 statllichen Tigern seinen Willen aufzwang. Ganz vorzüglich war auch die Elefantendrefsur des Herrn Direktors Krone. Mit militärischer Exaktheit nihrten die massigen Ticre ihre Exerzitien aus. Der sehr starke Besuch und der lebhaft ge- svendete Beifall bewiesen, daß die Direktion auch mit ihrem neuen Gastspiel es verstanden hat. sich in die Gunst der Zuschauer zu setzen. Spvrtpark Treptow. Am Sonntag wurde auf der Treptower Radrennbahn der Große Preis von Deutschland ausge- fahren. Wie alljährlich, hat auch gestern wieder dies Rennen der Bahn eine Fülle von Zuschauern zugeführt. Nach mehreren Vor- läusen plazierte sich für den Endlauf Rütt, Krahner, Stabe, Le- wanow und Behrend. Knapp vor Krahner gelang es Rütt. sich den ersten Platz zu sichern, 3. Stabe, 4. Lewanow. Weniger Glück hatte der fast unbesiegbare Rütt in einem großen Vorgabefahren. Zwar wurde er in einem der beiden Vorläuse erster, im Endlauf jedoch, der über 10 Runden führte, mußte er sich mit dem dritten Platz begnügen; erster Dahnke, 240 Meter Vorgabe; zweiter Salomon, 220 Meter Vorgabe; dritter Rütt 0 Meter Vorgabe. In einem anderen Fliegerrenen über 10 Runden holte sich Hoff- mann den Sieg, zweiter Abraham. Neben dem Fliegerrennen waren Motor-Tauerrennen der K- und L-Klasse vorgesehen. Wenig Interesse boten die beiden 10-Kilometerläufe der L-Klasse. Die Reihenfolge der Fahrer war in beiden Läufen die gleiche; 1. Kuschkow, 2. Naujokat, 3. Hoffmann, 4. Petzlasf. Recht lebhaft war dagegen das Rennen der.�-Klasse, die den Großen Sommerpreis über 100 Kilometer in zwei Läufen ausfuhr. Stellbrink, der im ersten Laufe bis gegen den «chlutz die Spitze hielt, mußte schließlich dem nicht sehr fair ge- führten P a w k c weichen, 3. Janke, 4. Lewanow, beide weit zurück. Der zweite Lauf, in dem Lewanow ein sehr scharfes Nennen lieferte, und seine Gegner wiederholt überrumpelte, mußte des ein- setzenden Regens wegen bei 20 Kilometern abgebrochen werden. Das neue£ i s b all e tt �rsu �antasie. Türs7eld�i war- xa Engroapreisea 100 Stück l1/,... 51. 1.20 3 ts 100, 2'/,..., 1.30 g 5- 100„ 3V,.... 2.50| 100, 5..., 3.50 genden Nachnahme oder nZ Voreinsendung' R. Sehen, Berlin W 30, * LuitpcIdslraBe 37. Tüchtige Lebrenbauer werden sofort verlangt.» Lßii'ZeZ?& Berlin SO. Eljensir. 90/94 Lombard-Haus H. Graß, Leipzigerst. 75 II � Volle normale Bcleihunq Diskretion, Reellität Jpw®, Celetjenheilskäuio I n«Ihren Brillanten Goldwuren 10—50"/o unter Ladenpreis. -SctwlocA-'IS eT'fj. 0vuXeoA/— IS 0/»%, liste w*.. Mehrere tüchtige ältere Schlosser zum Bau von Lafette» iosort geiucht. Li'LiiZlLillzüosiiiel-MMosisielLlZ. Spandau, Hamburger Sttagesl. Ziehung unwiderruflich 12. u. 13. 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S Teilnehmerkarten: L 8.75 M. für Bahn- und Kahnfahrt; 5 5 IL 6 50 M. mit Strohlager und KaSco; III. 10.00 M. für Bahn-• innd Kahnfahrt mit Nachtlogis in Betten, Frühkaffee und 0 Mittagessen, sind zu haben hei Fritz Kruse, Mariannenstr. 11? (Montzpl. 1575); Horsch, Engelufer 15; Keyse, Boyenstr. 19. J Abfahrt: Sonnabendabend 6M Görlitzer Bahnhof. 1/11 q Schmiede Rohrleger .Vasser- und Dampfleitungen sofort gesucl to. Fabrik Max Frackel& P.rae, Spactoii-West Lazarusstr. 1 BOSNIA Zigateüen Verantwortlicher Redakteur: Ernst Täumig, Steglitz. Für den Jnseralentetlveranlw.: T�üttuiie. Berlin. Druck n. Verlar Vr n.ärtsBuchdruckerei u. Verlagsanjtalt Paul Sutger& Eo. löeilui SW.