Nr.18Ä.-33. Jahrg. Abonnements-Bedingungen: KBonneaienlS• Preis pränumerando Lierteljährl. Z.gv Md. monall. lL0 Mü. wöchentlich SV Pfg. frei WZ Haus. Einzelne Nummer k Pfg. Konniags- Nummer mit illustrierter Sonmags- Vellage.Die Neue Welt- lv Psg. Post- Abonnement: ILO Mar! pro Monat. Eingetragen w die Post, Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich• Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Posiabonnemenls nehmen an«elgien. Dänemarl, Eolland, Italien. Luxemburg, Portugal, umänien. Schweden und die Schwerz. Crfchtlnt lZgll». ( 5 Pfennig) Die Tnlcrtlons-GebObr beträgt für die sechsaespalwnc Kolonel- zeile oder deren Raun, 60 Pfg. für politische und gewerlschastliche Vereins» und Versammlungs- Anzeigen SO Pfg, „Ulcine ZZnocigen", das rcttgcdruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlafstcllenau- zeigen dos erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 6 Big, Worte über 16 Buch- staben zählen iür zwei Worte. Iiiscrate für die nächste Stummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgcgeden werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Vevlinev Vollrr'Mcltk. Zentralorgan der rozialdemokratSfchen Parte» Deutfcblands. Deirgramm-Adresie: .SozialäcmoKrat Berlin". Neöaktion: SW. öS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morittplav, Rr. 1S1 SV— IS» 97. Mittwoch, de« 5. Juli 1916. Mußere und innere Politik. Der italienische Botschafter T i t t o n i hat dieser Tage in der Pariser Sorbonne eine Rede gehalten, die in der italienischen Presse als eine der wichtigsten Kundgebungen während des Krieges bezeichnet wird. Shne auf die Erörterungen Tittonis über den Ursprung des Krieges, die den Hauptteil seiner Rede bildeten, einzugehen, möchten wir hier nur seine Aeutzerungen über die zu erwartenden Kriegsfolgen hervorheben, die uns für die Haltung der Negierungen außerordentlich bezeichnend erscheinen. Tittoni sagte, nach einem Bericht der„Frankfurter Zeitung", wenn F e r- rero kürzlich die Hoffnung ausgedrückt hätte, daß die revolutionären Elemente darauf verzichten würden, die Lage nach dem Kriegs für sich auszubeuten, so hielte er, Tittoni, es für klüger, die Zukunstshoffnungen auf eine weniger schwankende Grundlage zu bauen. Die Problems nach dem Kriege würden furchtbarer sein als die Kriegs- Probleme selbst, und die Aufgabe der Regierenden werde schwerer und härter nach als im Kriege sein. Nur ein Mittel gebe es, die Lösung dieser Probleme zu erleichtern, nämlich dafür zu sorgen, daß sie in möglichst wenig schwerer Forni aufträten. Deshalb müsse man siegen. Es genüge nicht, diesen Krieg zu beeMgen, man müsse um jeden Preis die schrecklichen Probleme vermeiden, die nach einem hinkenden Frieden auftauchen würden. Diese Worte Tittoms bilden eine ausdrückliche Bestätigung dessen, was die sozialistische Kritik fortgeseht gegen die Kriegspolitik der Regierungen und der sie stützenden Parteien in allen Ländern vorbringt. Das, was Tittoni als einen„hinkenden Frieden" bezeichnet, bedeutet für die Regierungen der kriegführenden Länder nichts ein Uebel �an sich, sondern nur im Hinblick auf die inner politische Lage. Wie sollte beispielsweise— um im Bilde zu bleiben— S o n n i n o vor das italienische Volk treten, nachdem alle Verheißungen der Kriegsenthusiasten in alle Winde zerstoben und dem Volke unermeßliche Opfer und Lasten auferlegt worden sind? Müssen nicht die RegierungSmänner, die für den Krieg verantwortlich sind, befürchten, von der Welle der Volksempörung fortgeschwemmt zu werden? Müssen nicht die Parteien, die zu dem Krieg gedrängt haben, eine starke Machtverminderung und Zurückdrängung erwarten? Und wie in Italien, so auch anderwärts. Mit sicherem Instinkt— so schrieben wir vor einigen Tagen— sehen die herrschenden Klassen und Parteien der kriegführenden Länder, daß die Liquidation des Krieges bestimmend ist auch für die innere Machtverteilung nach dem Kriege, d. h. für den Charakter der inneren Politik. Daher ihr fortgesetztes Aufpeitschen des„Siegeswillens", daher ihr Sträuben gegen alle und jede Verständigungsvcrsuche. daher ihr Wunsch— wie Tittoni das ausdrückte— ihre Zukunftshoffnungen auf einer„weniger schwankenden Grundlage" aufzubauen, als das jetzt möglich erscheint. Die hier gekennzeichnete Erscheinung, die mit dem Fort- gang des Krieges sicherlich noch deutlicher hervortreten wird, macht das Bestreben begreiflich, den funktionellen Zusammenhang zwischen innerer und äußerer Politik näher zu beleuchten. Freilich heißt es jetzt, es gebe keine innere, sondern nur mehr eine äußere Politik, Jue ganz allein unser politisches Denken beherrschen müsse. Aber eine solche Anschauung— mag sie noch so gut gemeint sein— ist eine ebensolche Ueb ertreib ung und wirkt ebenso verwirrend, wie vor dem Kriege die entgegengesetzte Anschauung von der alles beherrschenden, übermächtigen Bedeutung der inneren Politik. Die Wahrheit ist, daß jetzt wie vor dem Kriege der innigste ursächliche Zusammenhang besteht zwi- schen der inneren und der äußeren Politik, daß die eine auf die andere einwirkt und gegenseitig bedingt. Ueber diesen Zusammengang prägte der Wiener Sozio- löge Dr. Rudolf G o l d s ch e i d in seiner gehaltvollen Schrift „Das Verhältnis der äußeren Politik zur inneren"(Wien- Leipzig 1315� Anzengruber-Verlag) das Wort:„Die innere Politik denkt, aber die auswärtige Politik lenkt." Das merk- würdigste Anzeichen der Periode vor dem Kriege war, wie Goldscheid ausführt, die Tatsache, daß selbst dort, wo die innere Politik schon ein hohes Maß von Reife erreicht hatte. die äußere Politik ihr keinesweas gleichwertig war. Das Grundgebrechen aller bisherigen Deinokratien war, das dem Konstitutionalismus der inneren Politik ihre Ergänzung in einem durchgebildeten Konstitutionalismus der äußeren Voll- tik fehlte. Die Folge war, daß auf dem Gebiete der äußeren Politik vorwiegend Kräfte zur Geltuna kamen, die in der inneren Politik durch� die fortschreitende Demokratisierung wehr und mehr auf Hindernisse stießen. Gerade für die Zeit dor dem Weltkriege war die Tatsacbe charakteristisch, daß man vor den Aufgaben der inneren Politik in die äußere Politik flüchtete, um von dort aus die innere Demokratie ack absurdum zu führen. Diese Erscheinung war keineswegs ein Zufall. Liegt dem Weltkrieg die Revolte der weltwirtschaftlichen Produktiv- kräste gegen die Beschränktheit und Gebundenheit der einzel- staatlichen Kapitokismen zugrunde, so bedeutet andererseits der Drang der herrschenden Klassen der hochkapitalistischen Staaten nach weltpolitischer Betätigung, mit andern Worten der Drang zum Imperialismus, die Flucht vor der Demokra- tie und dem Sozialismus. Die Situation hatte sich vor dem «»'lege so gestaltet, daß Goldscheid mit Recht von ihr sagen kann, die innere Politik der Staaten habe sich in ein bloßes Anhängsel der äußeren verwandelt, in der selbswerständlich die herrschenden Klassen die schrankenlose Führung hatten. Soll nun dieser Zustand nach Möglichkeit konserviert werden, so muß eine solche Liquidation des Krieges herbei- geführt werden, bei der die herrschenden Klassen und Par- teien die Führung in der äußeren Politik beibehalten, um von dort aus auch die innere in ihrem Sinne zu lenken...Freilich können sich die führenden Elemente in allen kriegführenden Ländern nicht vor der Tatsache verschließen, daß der Krieg die Volksmassen eindringlich auf die Notwendigkeit hingewie- sen hat, neben einem weiteren Ausbau der inneren Demo- kratie auch die Demokratisierung der äußeren Politik in An- griff zu nehmen. Allein in jedem Lande hofft man. noch, das Maß dieses inneren Fortschrittes dadurch zu reduzieren, daß den Volksmassen irgendwelche andere Kompensationen dargebracht werden. Mag man beispielsweise in den Ententeländern noch so oft und so eindringlich auf die Verwirklichung des„Rechts" und der„Gerechtigkeit" durch diesen„letzten aller Kriege" hinweisen, so handelt es sich in Wirklichkeit doch in erster Linie um die Aufrechterhaltung desselben Zu- standes, desselben Verhältnisses zwischen äußerer und inne- rer Politik, die der Periode vor dem Krieg ihr Gepräge ge- geben haben._(«) Ms öer Geheimsitzung öer französischen Kammer. In Ergänzung unseres Berichtes, den wir laut dem „Populaire du Centre", dem Organ der französischen Partei- opposition, über die Rode des Genossen Rafsin-Dugens zur Begründung seiner Ablehnung des Vertrauensvotums für Briand brachten, geben wir nachstehend einen Auszug aus einem Bericht der„Avanti" wieder, den dieser, unter Berufung auf die„Bataille Syndicaliste". von der das Blatt wahrscheinlich einen Bürstenabzug erhalten hatte, über die Geheimsitzungen der französischen Kammer veröffentlichte. Die Zensur hat den Bericht arg verstümmelt, soviel ist aber aus ihm dennoch herauszulesen, daß die bei- den Genosien Raffin-Dugens und B r i z o n eine den DurchHaltern jedenfalls recht unangenehme Sprache geführt haben. Unter anderem ergibt sich aus dem Bericht, daß die beiden nichts Geringeres als den sofortigen Waffen- st i l l st a n d verlangt haben und daß sie sich direkt gegen die geplante große englisch-französische O f f en s iv e wandten, die wieder Hunderttausende von Menschenopfern kosten würde, ohne daß ein Er- folg verbürgt wäre. Ein Zwischenruf Blancs ging dahin, ob denn die Jugend Frankreichs, die Zukunft der Nation, für England dahingeschlachtet werden solle. Aus dem Bericht ist auch ersichtlich, daß verschiedene lebhafte Zusammenstöße zwischen den sozialisttschen Oppositionellen und dem' Kammerpräsidenten stattfanden.— Auch die schärfste Zensur, bemerkt hierzu daZ Zürcher „Volksrecht", wird nicht zu verhindern vermögen, daß man schließlich doch noch etwas Näheres erfährt über diese geheimen Sitzungen, denen jedenfalls die energische Op- Position der Zimmerwal der Soziali st en, die man ja ursprünglich von der Sitzung ausschließen wollte, den Stempel aufgedrückt hat.(z) Eine Zrieöenssiimme. Prinz Alexander Hohenlohe, ein angesehenes Mitglied des deutschen Hochadels, ergreift in der„Neuen Zürcher Ztg." wieder das Wort, um im Anschluß an verschiedene ftiedensfteund- liche Kundgebungen in der englischen Presse für einen„vernünfti- gen Frieden" einzutreten, für den die psychologischen VorauSsetzun- gen in allen Ländern mit jedem Tage an Umfang und Stärke zu- nehmen. Prinz Hohenlohe weist vor allem auf einen Artikel in dem führenden englischen Finanzorgan„The E c o n o m i st" vom 3. Juni hin, den er der deutschen Oeffentlichkeit in weitestem Um- fange zugänglich machen möchte. Der Artikel behandelt die Rede, welche Präsident Wilson vor der von Taft präsidierten „Seague to ensorce peace" hielt. Er führt aus, daß die Kommen- tare der Londoner Presse zu dieser Rede den Mangel an Lerant- Wortungsgefühl in dieser Presse bewiesen, und nimmt dann scharf Stellung gegen die„Times" und die„Morning Post" sowie den australischen Premier Mr. Hughes, welche den Krieg fortsetzen wollten„bis zu dem bitteren Ende". Allerdings werde das Ende„bitter" sein, wenn all der Jammer und all die Leiden fort- dauern sollen bis zu einem neuen Krieg, dem Tarifkrieg, in den Mr. Hughes dies unglückliche Land verwickeln wolle. Wie auch die Politik der englischen Regierung sein möge, man müsse sagen, daß sie schlecht bedient ist durch ihre Presse, welche das Monopol des Patriotismus zu besitzen glaubt, weil sie am lautesten die Kriegstrommel schlägt. Wenn die Londoner Presse„Friedensintrigen" denunziert, dann gebe sie nicht mehr die öffentliche Meinung wieder. Der Friede sei in der Luft; und ein auf ehrenvollen Bedingun- gen basierender Friede, welcher alle vernünftigen Erwartungen erfülle, würde mehr als popu- l ä r s e i n. Er würde allgemeine Freude hervorrufen. Weder in der City(das Londoner Geschäftsviertel) noch anderswo wünsche das Volk den letzten Mann und den letzten Farthing für eitle Phantasien auszugeben, wie sie noch in der Rhetorik einiger aufgeregter Journalisten und Politiker figurieren. Sollten die Expedition: SW. öS, Lindenftraße 3. Uernivrecher: Amt Morikpla«, Nr.»S1S0—»SI S7. Politiker und Diplomaten sich unfähig erweisen, den Frieden herbeizuführen, dann müsse man eine andere Sorte von Per- Mittlern suchen. Das einzige, was sicher feststehe, da? sei die Tatsache, daß am Ende jeden Monats wir alle schlechter daran seien als am Anfang.... Der Friede könne nahe sein, und wenn die City oder die Armee abstimmen könnten, würden die Zeitungen jeden Kredit als Führer der öffentlichen Meinung verlieren. End- lich erwähnt der Attikel die Erklärung des Mr. Robert Flem- m i n g, den er einen der kühlsten und scharfsinnigsten Köpfe der City nennt. Dieser gebe vollkommen richtig die Meinung von Tausenden vernünftig gesinnter Geschäftsleute in allen Teilen des Vereinigten Königreichs wieder und blase wie ein frischer Luftzug durch die erstickende Atmosphäre der bornierten Ansichten. Mr. Flemming hatte in seiner Rede an folgende Worte des Herrn B a l l i n, Direktors der Hamburg-Amerika-Linie, er- innett, welche dieser vor einigen Monaten geäußert haben soll: „Die Männer, welche eines Tages damit betraut werden, die Friedensbedingungen festzusetzen, werden als Hauptaufgabe haben, nicht nur den Krieg selbst zu beendigen, der ganze Generationen vernichtet hat, sondern auch das Rüstungsfieber oder zum mindesten das letztere in den engsten Grenzen zu be- schränke n." Dafür, fügt Mr. Flemming hinzu, haben wir gekämpft, lange bevor der Krieg begann, und solange dieS nicht erreicht sei und wenn Europa diesen Ktteg nur beende, um wieder für einen neuen Krieg zu rüsten, sei die Zukunft dunkel. „Ich muß es mir versagen," fährt Pttnz Hohenlohe fort,„noch weiter in Einzelheiten deS sehr lesenswerten Attikels einzugehen. Ich möchte nur noch erwähnen, daß in den weiteren Ausführungen 'die Acußerungen des Mr. Wilson mit denen von Lord AS- q u i t h und Herrn v. Bethmann Hollweg in Parallele ge- stellt werden. In allen dreien trete derselbe Wunsch zutage, daß der Friede ein dauernder sein und allen Nationen, großen wie kleinen, dieselben Rechte und Möglichkeiten friedlicher Existenz und Arbeit bringen, die Herrschaft des Rechts befestigen und die der Gewalt beseitigen möge. Von dem Rest des Artikels möchte ich noch den Satz hervorheben, daß es„wünschenswerter sei, Frankreich und Belgien zu retten, als Deutsch- land und Oesterreich zu ruinieren" und„daß es die Sache jedes einzelnen Volkes selbst sei, die für den Krieg Verant- wottlichen zu bestrafen". Mit letzterer Bemerkung wendet er sich gegen die oft in der englischen und französischen Presse geäußerte Behauptung, der Zweck des Krieges sei,„Deutschland zu bestrafen". Prinz Hohenlohe sieht in diesen Aeutzerungen des angesehenen englischen Finanzorgans, denen viele ähnliche zur Seite gestellt werden können, daß die wahre Volksmeinung in England eine andere sei, als sie die Londoner Presse des Herrn Northclifte und Konsotten darstellt, und daß sich jetzt in England die Stimmen mehren, und zwar ernste Stimmen, welche sich nicht scheuen, dieser Meinung Ausdruck zu geben. Man brauche sich deshalb gewiß keinen Illusionen über einen vor der Türe stehen- den Frieden hinzugeben; besonders sehe die Lage feit den letzten Tagen, wo fast an allen Fronten Kämpfe im Gange sind, von denen man weittragende, wenn nicht gar entscheidende Folgen erwartet, noch nicht danach aus, als ob schon sehr bald das Schwert der mündlichen Verhandlung weichen werbe. Indessen müsse man die Nichtigkeit solcher Stimmen, wie der Sir Edward G o s ch e n s, bezweifeln, der kürzlich erklärt hat, England denke zurzeit nicht au Frieden.„Es wird auch von den Engländern," schreibt Prinz Hohenlohe,„nicht geleugnet, daß in großen Teilen der englischen Bevölkerung dieselbe Sehnsucht nach Frieden besteht, wie anderswo, selbstverständlich nach einem„ehrenvollen" Frieden. Es mag sein, daß die Gruppe von Anhängern der Friedensidee, welche in die englische Oeffentlichkeit tritt, verhältnismäßig klein ist, aber die Zahl ihrer Anhänger im Lande wächst von Tag zu Tag. Auch ist es nicht richtig, daß die Friedensfreunde nicht im Parlament vertreten seien, haben doch schon wiederholt solche in beiden Häusern des Parlaments ge- sprachen. Sir Edward Goschen mag das ignorieren, früher oder später wird er doch zugeben müssen, daß die wahre öffentliche Meinung anders denkt als die Londoner Presse. Das hat Lord Loreburn, der frühere Kanzler im Kabinett Asquith in einer längeren Zuschrift(die wir kürzlich im„Vorwärts" wiedergaben) an den„Economist" vom 10. Juni ausdrücklich zugegeben, in der er ausführte, es sei die Pflicht der Regierung, zu sagen, welches die Kttegsziele, die Verpflichtungen und die Aussichten Englands und welches die seiner Feinde seien. Er fügte hinzu, er sei überzeugt, daß mehr als eine neutrale Macht auf die Gelegenheit warte, ein ehrenvolles Ende des Krieges zu fördern, und daß, wenn man solche Mächte mit dem gehörigen Vertrauen be- handeln wolle, sie auch Erfolg haben würde. Prinz Hohenlohne betrachtet alle diese Aeutzerungen führen- der Politiker als Symptome einer mit jedem Tage wachsenden Friedensbereitschaft, und er ist, wie er sagt, so optimistisch, zu glauben, daß die Verbreitung solcher Aeutzerungen beitragen kann, den Boden zu den kommenden Friedensverhandlungen vorzubereiten und die dazu nötige psychologische Atmosphäre zu schaffen. „Daß es dringend notwendig ist," schließt er,„nach und nach eine solche Atmosphäre zu schaffen, damit bei der ersten Gelegen- heit Friedensverhandlungen auf Grund von vernünftigen Vor- schlagen beginnen können, wer sollte das nicht wünschen, allein schon bei dem Gedanken an die Hekatomben an allen Grenzen, vor allem an die Berge von Leichen, welche sich vor und innerhalb der Mauern von V e r d u n auftürmen, Leichen von Angehörigen zweier Nationen, die ihrer Natur nach geschaffen sein sollten, sich zu ergänzen und gemeinsam an dem Werke der Zivilisation zu arbeiten, nW aber M gegenseitig auszurotten."(es die englische presse über die Kriegslage. London, 3. Juli. lW. T. B.)(Meldung des Reutcrschcn Bureaus.) Die Abendblätter besprechen die e n g l i s ch- f r a n- zösische Offensive in zuuückhaltcnden, sehr nüchternen Aus- drücken. So sagt ,.W e st m i n st e r Gazette": Die Offensive unterscheidet sich aller Wahrscheinlichkeit nach von den örtlichen Offensiven des letzten Jahres, wie-denen von Neuvechapelle, Loos und in der Champagne, und wir können nicht schnelle, entscheidende Ergebnisse erwarten. Wir müssen vielmehr vorwärts blicken auf die Zeit eines in die Länge gezogenen Kampfes, in der wir nicht nur zur Gewinnung von Gelände beizutragen hoffen, sondern zur Erschöpfung der feindlichen Widerstandskraft. Geländegewinn mag in diesem Kriege sogar von geringerer Bedeutung sein, voraus- gesetzt, daß es uns gelingt, die Initiative zu gewinnen und zu be- halten und am Ende der Operationen verhältnismäßig stärker zu fein als der Feind. Vor allem dürfen wir hoffen, daß jetzt ein enges Zusammenarbeiten zwischen allen Alliierten auf allen Kriegs- schauplätzen besteht. Im gegenwärtigen Augenblick haben wir JbaS willkommene Schauspiel, daß die Alliierten bereits überall die Offensive ergreifen.—„P a l l Mall Gazette" spricht sich ähnlich aus: Die Politik, die wir jetzt verfolgen, ist eine Politik des methodischen Angriffes, und die Kenntnis dieser Tatsache sollte olle Urteile über die Ergebnisse bestimmen. Wir haben seit Apern, Neuvechapelle und LooS sehr an Erfahrung gewonnen, und die neue Politik wird wahrscheinlich nicht zu schnellen dramatischen Wechsel- fällen führen. Sie wird nur langsam vorgehen, aber wir erhoffen beständige Erfolge und eine gänzliche Erschöpfung des Feindes Schritt für Schritt durch unsere Uebermacht an Metall und Ex- plosivstoffen. « London, 4. Juli.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Zeitungsberichterstatter im britischen Hauptquartier melden, daß die Schwierigkeiten, auf die die Alliierten bei ihrer Offensive stoßen, von dreierlei Art sind. Sie sehen sich Labyrinthen von Laufgräben, mehreren hintereinander gelegenen Reihen von Verschanzungen und Dörfern gegenüber, die durch Laufgräben mit- einander verbunden sind. Um die Dörfer zu erreichen, die in ver- stärkte Plätze mit tiefen unterirdischen Gängen und Unterständen verändert sind, muhten die Angreifer erst Laufgrabenreihen er- obern, die von Maschinengewehren, die bis zum letzten Augenblick verborgen gehalten waren, bestrichen wurden. Da die alten Lauf- graben dem Erdboden gleich gemacht find, müssen die vorwärts- rückcnden Soldaten auch immer wieder neue Laufgräben anlegen. Der Prozentsatz der leichten Verwundungen soll sehr hoch sein und ungefähr vier Fünftel der Gesamtzahl betragen. Trotz der Voll- kommenheit, mit der die artilleristische Vorbereitung durchgeführt wurde, kam eS doch vor, daß Stacheldrahwersperrungen wie durch ein Wunder vor der Zerstörung bewahrt blieben, und an diesen Stellen haben die Angreifer auch die größten Verluste gehabt. Die Deutschen bedienen sich zur Verteidigung meist der Maschinen- gewehre, die auf geheimnisvolle Weise aus Erdhöhlen hervor- gebracht und mit großer Tapferkeit bedient werden. London, 4. Juli.(W. T. B.) Reuter warnt davor, von der Offensive rasche Erfolge zu erwarten. Es sei schon jetzt klar, daß nur langsam Gelände gewonnen werden würde und daß dabei mit hartnäckigem Widerstand gerechnet werden müsse. Das Publi- kum müsse Geduld haben. Der französische Tagesbericht. Paris, 4. Juli.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von Montag nachmittag. Nördlich von der Somme mochten die Deutschen während der Nacht keinen Versuch gegen die von den Franzosen eroberten und eingerichleten Stellungen. Südlich von der Somme ging der Kampf am Tage und in der Nacht mit vollem Erfolge für die Franzosen weiter. Auf einer mehr als fünf Kilo- metcr breiten Front haben sie die beiden Linien der deutschen Stellung nördlich von Mere-au-Court, da» in ihrer Hand ist, bi» an den Rand des Dorfes Asieviller« besetzt. Zwischen diesen beiden Stellungen haben sie in glänzenden Kämpfen da» zur Verteidigung ein- gerichtete Dorf Herbccourt weggenommen und sind weiter südlich gegen Asseviller« vorgegangen, dessen nördlicher und südöstlicher Rand in ihren Händen ist. Nördlich vom Dorfe Estree und zwischen diesem und AssevillcrS haben die Franzosen ernstliche Fortschritte gemacht. Während deS Kampfe» haben sie weitere Gefangene gemacht und schwere Geschütze weggenommen, deren Zahl noch nicht festgestellt ist. Am 1. Juli haben die Franzosen auf der SngriffSfront etwas mehr al« neununddreißig deutsche Bataillone festgestellt; nach Gefangenen- aussagen sind einunddreißig davon vollständig desorganisiert, da sie erhebliche Verluste erlitten haben. Di« Mehrzahl der von den Franzosen gemachten Gefangenen ist sehr jung; aus ihren Aussagen ergibt sich, daß da» vorbereitende Feuer der französischen Artillerie äußerst wirksam gewesen ist; eS hat nicht nur die Verteidigungsanlogen vernichtet, sondern auch jede Ver- binduiig seitwärts und rückwärt« aufgehoben, den Lebensmittel- »achschub behindert und die Besehltübcrmittelung unmöglich gemocht. Während deS französischen Arlillerieseuer» haben die französischen Flieger dreizehn und am 1. Juli zwei deutsche Fesselballons in Brand gesetzt. Während des Angriffes waren die fran« zösischen Jagdflugzeuge Herren der Front; nur neun deutsche Flugzeuge haben sich gezeigt, keines von ihnen hat die französischen Linien überflogen, eines ist zerstört worden. Südlich von der Avre in der Gegend von Bancourt und im BoiS-deS-LogeS sind französische ErkundungSableilungen in deutsche Gräben eingedrungen und haben sie mit Handgranaten gesäubert. In der Gegend von Lassigny ist ein Handstreich auf einen deutschen Graben im Gehölz von Verlot bei Canny-sur-Matz geglückt. Eine andere französische Patrouille hat bei Prunay einige Gefangene gc- macht und ein Maschinengewehr eingebracht. Am linken Maas- u s e r war die Nacht verhältnismäßig ruhig, abgesehen von Artillerie« fever auf die Stellungen westlich von der Höhe 304. Am rechten Ufer haben die Deutschen heute morgen nach heftiger Artillerie- Vorbereitung einen starken Angriff gegen das Werk von Damloup vorgetrieben und sich seiner bemächtigt, aber ein französischer Gegen- angriff, der bald darauf angesetzt wurde, warf sie vollständig zurück und nahm das Werk wieder. Paris, 4. Juli.(W. T. B.) AmtlicherBertchtvonMon- t a g a b e n d. Nördlich der Somme, wo die Lage unverändert ist, wird keine Jnfanterieunternehmung während des TageS gemeldet. Südlich der Somme haben sich unsere Truppen, ihre Erfolge östlich des Waldes von Mereaucourt fortsetzend, heute früh des Chapitre- Waldes und des Dorfes Feuillieres bemächtigt. Weiter südlich wurde AssevillerS, der mächtige Mittelpunkt der deutschen Ver- teidigungsanlagen, angegriffen und nach einem glänzenden Sturm von unserer Infanterie genommen. Südlich von AssevillerS haben wir die zweite deutsche Stellung bis in die Nähe von EsträeS erobert. Im Laufe des Nachmittags sind wir über die zweite deutsche Stellung hinausgerückt und haben BuScourS(östlich von Feuillieres) und Flaucourt genommen. An dieser Stelle erreicht das von uns eroberte Gelände eine Tiefe von fünf Kilometern. Feindliche Ver- stärkungsabteilungen, die aus der Gegend von Belloy-en-Santerre gemeldet wurden, und andere östlich von Flaucourt wurden unter da« Feuer unserer Artillerie genommen und zerstreut. Unter dem in unsere Hände gefallenen Material haben bisher sieben Batte- mm fies Wen fMnniflets. Amtlich. Großes Hauptquartier, 4. Juli 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Während nördlich deS Aucre-Baches der Fciud seine Angriffe nicht wiederholte, setzte er starke Kräfte zwischen Ancre und Somme gegen die Front Thiepval— La Äoisclle— Wäldchen von Mametz, südlich der Somme gegen die Linie Barlcux— Belloy an. Dem hohen Einsatz an Menschen entsprachen seine Verluste in unserem Artillerie- und Jnfantcriefeuer. Die Angriffe find überall abgeschlagen. Um den Besitz de? Dorfes Hardeconrt snörd- lich der Somme) wurde erbittert gekämpft, die dort ein- gedrungenen Franzosen find hinausgeworfen. Nordöstlich von Aperu, westlich von La Baffer und in Gegend südwestlich von Lens wurden örtliche feindliche Bor- stöße, östlich der Maas kräftige Angriffe gegen die„Hohe Batterie von Damloup" glatt abgewiesen. Die wiederholten amtlichen französische« Mitteilungen über Rückeroberung des Werkes Thiaumout und der Batterie von Damloup find eben solche Fabeln wie die Angaben über Gefangencnzahleu bei de» Ereignissen an der Somme. Deutsche Patrouillen brachen östlich und südöstlich von ArmentirreS in die englischen ErkundnngSabtcilungen bei Exbrücke(westlich von Mülhausen) in die französischen Stellungen ein; hier wurden ein Offizier, 60 Jäger gefangen genommen. Neun feindliche Flieger wurden abgeschossen, davon fünf im Luftkampf, ohne eigenen Verlust, vier durch Ab- wehrfeuer. Sechs der außer Gefecht gefetzten Flugzeuge find in »uferer Hand. Oestlicher Kriegsschauplatz. HeereSgruPpedeSGeneralfeldmarschallS von Hindenburg. Im Anschluß an die vielfach gesteigerte FcucrtStigkeit haben die Russen abends und nachts auf der Front Narocz-See— Smorgou östlich von Wischnew au mehreren Stellen angegriffen, mit erheblichen Kräften beiderseits von Smorgou, bei Bogurze(nordöstlich von Krewo) und bei SloikowfchtfchiSna(südöfstich von Wischnew). Sie haben keine Vorteile errungen, wohl aber schwere Verluste erlitten. HeeresgruPpedesGeneralfeldmarschallS Prinzen LeopoldvonBayern. Die kräftigen Gegenstöße nnserer Truppen haben an den Stellen, wo es den Russen gelungen war, anfänglich Fortschritte z» machen, durchweg zum Erfolgt geführt. An Gefangenen wurden hierbei 13 Offiziere«nd 1883 Mann eingebracht. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen Auch gestern warfen fich die Ruffeu mit starken, zum �Teil neu hcrangcciltcn Truppen unserem Vordringe» in �Massen entgegen. Sie wurden geschlagen. Unser Angriff gewann weiter Boden. Armee deS Generals Grafen v. Bothmer Südöstlich von Tlumacz haben unsere Truppe« in schnellem Fortschreiten die Russen in über 20 Kilometer Frontbreite»nd bis über 10 Kilometer Tiefe zurück- gedrängt. Balkan-KriegSfchauPlatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Oberste Heeresleitung. -»• Sek WlMMe GMMOMW. Wien, 4. Juli. bedingtes Vertrauen zur politischen Leitung des verantwortlichen Staatsmannes wegen seiner scheinbar wohlwollenden Ploitik gegen unsere Hauptftinde: Amerika und England. Durch die Zensur wird versucht, die öffeniliche Meinung hauptsächlich gegen Rußland einzunehmen. Rußland als den Hauplfeind auch für die Zukunft Deutschlands hinzustellen. Alle Aeußerungen in dieser Rich- tung werden unbeanstandet der Oeffentlichkeit übergeben. Der Herr Reichskanzler hat doch auch als bisher alleinige» positives KriegSziel die Befreiung der polnischen Bevölkerung, d.h..der l i e b e n I u d e n" von der russischen Gewaltherrschast, im Reichs- tage proklamiert... Der Herr Reichskanzler hat nun die Männer, welche ihm durch Denkschriften entgegengetreten sind, als Piraten der öffentlichen Meinung bezeichnet, ohne auch nur den Versuch zu machen, die Angrisse dieser deutschen angesehenen Männer zu widerlegen. Im Volke wird ei nicht verstanden, daß der Herr Reichskanzler, nachdem er den Entschluß gefaßt hatte, die Flucht in die Oeffentlich- keit gegen diese Piraten zu ergreifen, nicht auch die Denlschristen de? Herrn Professors v. Liebig, welche in viel Tausenden Eyem- plaren seit Januar im Volke verbreitet worden sind, und in welchen ein« aktenmäßige Darstellung der Borgänge vor und während des Krieges versucht ist, zum Gegenstand seiner Kritik gemacht hat. Dem deutschen Volke würde eine Last von der Seele genommen werden, wenn der Herr Reichskanzler diese schein- baren Beweis st ücke seiner schwächlichen Politik für gefälscht erklären könute l Beruhen diese Angriffe der Herren Kapp und v. Licbig noch Ansicht des Herrn Reichskanzler» auf falschen Voraussetzungen und gefälschten Alten, dann mag Herr v. Bech- mann überzeugt sein, daß er auch das Vertrauen der Kreise ge- Winnen wird, welche früher als staatserhaltende, k ö n i g§ tr e u« galten, jetzt aber aber leider fast als Vater- landsverräter verdächtigt werden, während der Sozialdemo« krat Herr Scheidemann sich über die Kriegsziele des Herrn Reichskanzlers auszusprechen in der Lage war." Die KriegSzielfordcrungen der sechs Wirtschasts- verbände. Die.Germania" schreibt: Die in der Tagespresse verschiedent- lich aufgelaucble Mitreilung, daß sich den Kriegszielforderungen der sechs großen Wirlschaflsvcrbände u. a. auch der Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften«ngeschlossen habe, entspricht nicht den Tatsachen. Der Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften hat es vielmehr abgelehnt, diesen oder ähnlichen Eingaben, die sich mit den Kriegszielen besasjen, seine Unterschrift zu geben. DaS.B. T" macht Mitteilung von einer Zuschrift des Syndikus de« Zentralausschusies der Vereinigten Jnnungsver- bände Deutschlands, nach welcher der Votsitzende des Zentral« ausschusseS zwar einer Einladung zu der Beratung über die Kriegs- dcnkschrifl der sechs Wirlschastsvcrbände im ReichstagSgebäude gefolgt sei, der Vorstand de» ZentralausschusseS aber angesichts der daraufbm übersandten Schriften beschlossen habe,.die Beteiligung an dieser Aktion abzulehnen". Eine ähnliche Mitteilung wird noch von einem anderen wirtschaftlichen Verbände gemacht. Bündlerische Forderungen. Freiherr v. Wangenheim hielt in der vorigen Woche in Essen einen Vortrag:„Die deutsche Landwirtschaft und der Krieg". 23. B. T. verbreitet nach der„Köln. Zeitung" aus dem Vortrag die Mitteilung, daß Herr v. Wangenheim die Notwendigkeit betont habe, uns die nächsten Monate im Fleischessen so krumm wie möglich zu legen, dann würden in kurzer Zeit bessere Verhältnisse kommen. Herr v. Wangenheim hat aber noch viel mehr gesagt. Sein Vortrag war selbstverständlich im extrem-bündlerischcn Sinne ge- halten und gipfelte in der Forderung„vermehrten Schutzes für die Landwirtschaft". Der Antrag Könitz sei der richtige Weg zum Schutze des einheimischen Getreidebaues. Mit Kartoffeln, Fisch- und Fleischmehl sei neben Hintcrkorn derart ausreichendes Viehfutter im eigenen Lande zu schaffen, daß der gesamte Fleiichbedarf im Lande gedeckt werden könne. Dazu müßte allerdings die Viehzucht rentabler gemacht werden. Der Mangel an Milchvieh sei nur auf die geringen Milchprcise zurückzuführen. Die Schweine- mast sei sehr benachteiligt worden dadurch, daß die Industriearbeiter nur noch Magerflclsch verlangten. Bei Festsetzung der Kartoffelpreise unter dem Futterpreis hätte die Regierung mehr auf die Arbeiter- fekretäre gehört. Trotz all solcher Auffassungen stellt Herr v. Wangcnheim als Zukunflsfordcrung auf, daß die wirtschaftlichen Fragen nicht mehr in die Partcikämpfe hineingezogen werden dürften. Der Schutz der Landwirtschaft sei auch eine Frage der Landesverteidigung. Herv6 gegen Liebknecht. Der französische„Sozialist" Gustav Hervö schreibt, wie der „Voss. Ztg." auö Genf gedrahtet wird, in seiner„Victoire" zu dem Urtest gegen Liebknecht:.Ich möchte Liebknechts Freunde in Deutschland darauf aufmerksam machen, daß zwischen der sozialisti� schen Minderheit in Deutschland, die sich Lieblnechl mehr ode weniger anschließt, und der Mehrzahl der französischen Sozia- listen, die ein Glied der gegenwärtigen Einmütigkeit des republikanischen Frankreich bildet, ein gähnender Abgrund klafft, be- stehend in unserer Auffassung über das Völkerrecht." „Antl-J'accuse" beschlagnahmt. Eine vor kurzer Zeit im Berlage von Orcll Füßli in Zürich er« schienene Broschüre, betitelt: nAnti-T's.oouss", die zum Verfasser Kurt Grilling hat. ist beschlagnahmt worden. Diese Schrift hal sich zur Aufgabe gestellt, eine vor mehr als einem Jahre im gleichen Verlage erschienene Arbeit„T'-rccuss� von einem Deutschen zu widerlegen. Während„.I'ucouss" dauernd verboten ist, soll die Be- schlagnahme von„■Anü'.Taocues" laut einem Berliner Blatt bald wieder aufgehoben werden. Die Schrift„ck'sovuZö"(»Ich klage au'j behandelt die Schuld am Ausbruch des Krieges.(z) Abgabe von Kleidung an Krankenanstalten. Mit Zustimmung des Kriegsministeriums können die Kranken- Häuser und sonstigen Anstalten, die ihren Bedarf bei der Reich«- betleidungSstelle angemeldet haben, die sür den Kleinverkaus sret- gegebenen Mindeslmengen im EinverständuiS mit der Reichs- bekleidungsstelle auch in Mengen über einem halben Stück bezw. einem halben Dutzend erwerben. In derartigen Fällen muß dem Verkäufer ein von der Reichsbelleidungsstelle ausgestellter und vom Webstoffm-Id-amt der Kriegs- Rohstoff- Abteilung de« Kriegs« rninistenums abgestempelter Bezugsschein ausgehändigt werden. Erhöhung der Möbelpreise. Wie die Vereinigten Verbände der Holzindustrie mitteilen, ist beschlossen worden, den Preis für rohe Möbel um 40 Prozent und den sür gebeizte und polierte Möbel um so Prozent zu erhöhe». Letzte Nachrichten. Die Kämpfe an der Westfront. London, 4. Juli.(W. T. B.) Reuter meldet aus dem b r i t i- schen Hauptquartier: Der Feind, der durch zahlreiche Bataillone verstärkt ist, die von anderen Teilen der Front heran- gezogen wurden, fährt fort, unseren Truppen an allen Punkten sehr hartnäckigen Wider st and zu leisten. Während der Nacht kam eS in der Nachbarschaft von La Boiselle zu erbitterten Kämpfen. Unsere Truppen kämpften mit großer Tapferkeit gegen wuchtige Angriffe deS Feindes, der einen kleinen Teil des Ver- teidigungswerkeS südlich deS Dorfes zurückeroberte. Sonst ist die Lage in dieser Gegend unverändert. Weiter gegen Süden wurden einige Fortschritte gemacht. Während der Nacht eroberten unsere Truppen ein Gehölz, erbeuteten weiteres Kriegsmaterial und mach- ten Gefangene. An anderen Stellen der Front fanden ohne Unterbrechung Laufgräbenkämpfe statt. Es wurden mehrere Ueber- fälle ausgeführt. Zwei davon, in der Nachbarschaft von Armen- tieres, waren besonders erfolgreich. Ein feindlicher Ueberfall, der nach einer schweren Beschießung versucht wurde, wurde mit Ver- lust einiger verwundeter Gefangener, die in unseren Händen blieben, zurückgewiesen. Artilleriekämpfe am Wardar. Bern, 4. Juli.(W. T. B.) Die Sonderberichterstatter der Pariser Blätter melden heftiges Geschützfeuer auf dem linken Wardaufer. Französische Flieger streifen bis nach Rüpel, wobei sie beim Gegner oft als Barbarei gescholtene Manöver ausführten, indem sie die Ernte im Sttumitzatal anzündeten. Gewerksthastllches. verlin und Umgegend. Tarifbruch des ArbeitgeberverbandeS im Rohrlegergcwerbe. Der Arbeitgeberverbaird im Rohrlegergewerbe hat ohne Hinzuziehung der Arbeiterorganisationen und der Schüchtungskom Missionen für das einschlägige Geloerbe Maximal! ohne festgesetzt. wie das aus einem Schreiben hervorgeht, das Siering in einer starkbesuchten Versammlung der Rohrleger zur Kenntnis brachte. Es lautet: An die Mitglieder des Arbeitgeberverbandes für das Rohrleger- gewerbe von Berlin und Umgegend. Verlin. den 30. Mai 1316. In Anbetracht der fortwährenden erhöhten Lohnforderungen der Monteure und Helfer unserer Branche hat die heutige Ge- neralversammlung folgende Anträge einstimmig angenommen: 1. Neu einzustellende Monteure sollen mit einem Stunden- satz(Tariflohn einschließlich Kriegszulage) bis zu 87 Pf. pro Stunde bis zum 4. August 1916, von da ab bis zu 99 Pf. ein- gestellt werden. 2. Für Helfer sollen unter gleichen Bedingungen 67 bzw. 79 Pf. gezahlt werden. 3. Die Einstellungslöhne dürfen vor vierwöchentlicher Ar- beitszeit in demselben Betriebe nicht aufgebessert werden. 4. Für Akkordarbeiten soll auf den feststehenden Akkordtarif vom 1. Juni 1916 ab ein Kriegszuschlag von IVi Prozent gewährt werden, wobei die gezahlten Stundenlöhne einschließlich Kriegszuschlag auf den Akkord verrechnet werden. 5. Die Generalversammlung beschließt, den Arbeitsnachweis für jede dem Arbeitgeberverband angeschlossene Firma, wozu auch die Firmen, die sich der Tarifgemeinschaft angeschlossen haben, gerechnet werden, zu sperren, welche nachweislich die heute gefaßten Beschlüsse über Einstellungslöhne der Monteure und Helfer nicht einhält. 6. Die Einstellungslöhne müssen vom 1. Juni 1316 ab von sämtlichen Mitgliedern gehalten werden. Von nachstehenden Besprechungen wird den Mitgliedern eben- falls Kenntnis gegeben: Kesselreinigung und Boilerreinigung sind als schmutzige Arbeiten anzusehen und sollen nach dem Tarifsatz gezahlt werden, jedoch nur insoweit, als sie speziell die Reinigung betreffen und nicht Nebenarbeiten der Montage, die dazu erforderlich sind. Es wird den Mitgliedern enipfohlen. über den bisher fest- gelegten Satz von 4 Mk. Landzulage hinauszugehen und mindestens 4.ö9 Mk. in Rechnung zu setzen. Obige Lohnsätze sind unter Zugrundelegung der gültigen Tarif- bestimmungen und Löhne und unter Berücksichtigung der von dem Verband der Baugeschäfte für Maurer und Bauarbeiter bewilligten Kriegszulagen in gleicher Höhe festgelegt worden. Da auch in allen anderen Branchen des Baugewerbes in Groß-Berlin seitens der Arbeitnehmer diese Zuschläge anerkannt sind, so müssen die Arbeit- geber des Rohrlegergewerbes darauf bestehen, daß auch ihre Arbeit- nehmer sich diesen Vereinbarungen fügen. I. A.: Der Vorstand des ArbeitgeberverbandeS im Rohrlegergewcrbe für Berlin und Umgegend. Der 1. Vorsitzende: Ludwig Grün. Siering verurteilte in seinem Referat das Vorgehen der Unter- nehmer, und die Versammlung stellte sich einmütig auf den Stand- Punkt des Referenten. Im Anschluß hieran wurde folgender Be- fchluß einstimmig gefaßt: „Die am 4. Juli 1316 tagende Versammlung der Rohrleger und Helfer beschließt, veranlaßt durch den zweifachen Tarifbruch der Arbeitgeber, ihre Maßnahmen mit gleicher Rücksichtslosigkeit zu treffen. Zu diesem Zweck wird beschlossen: 1. Von Montag, den 19. Juli 1916, an verpflichten sich die Rohrleger, nicht unter 1 MI. pro Stunde, die Helfer nicht unter 85 Pf. pro Stunde zu arbeiten. S. De? FacharhettSnachweis für daZ Rohrlegergewerbe wird gesperrt und verpflichten sich alle arbeitslosen Kollegen, denselben zu meiden. 3. Die Organisation wird beauftragt, den Arbeitgebern diesen Beschluß mitzutellen und sofort einen eigenen Arbeits- Nachweis zu errichten."_ Deutsches Nclch. Tarifverlänflernnst und Teuerungszulage n» Offenbach- frankfurter Ledertvarengewerbe. Am 39. Juni wären die vor fünf Jahren für das Portefeuille- und Reiseartikelgewerbe Berlin, Freiberg i. Sa.. Offenbach-Frankfurt und Stuttgart abgeschlossenen Tarifverträge abgelaufen. Auf An- regung des Vorstandes des Sattler- und Portefcuillerverbandes fan- den Zentralverhandlungen mit Vertretern der Fabrikantenvereini- gungen und des Verbandes der Sattler und Portefeuiller, des Buch- binder- und des christlichen Lederarbeiterverbandes statt. Es wurde grundsätzlich vereinbart, die Verträge auf ein Jahr zu verlängern und den Arbeitern eine Teuerungszulage zu gewähren. In den darauf stattgefundenen örtlichen Verhandlungen, denen sich auch Nürnberg anschloß, kam es verhältnismäßig schnell zu beide Teile befriedigenden Vereinbarungen. Nur die Fabrikantenvertreter in Lffenbach a. M. machten Zugeständnisse, die loeit hinter den Abmachungen der anderen Orte blieben. Trotzdem die Arbeiter schon weniger forderten, als ihren Kollegen in Berlin zugebilligt war, mußten die Verhandlungen loegen eines Pfennigs Zulage pro Arbeiter und Stunde resultatlos abgebrochen werden. Deshalb wurde hier der Vertrag gekündigt. Trotzdem im Tarif ausdrücklich bestimmt ist, daß im Kündigungsfalle die Parteien verpflichtet sind, einen neuen Tarif vorzubereiten, wurden von keiner Seite irgendwelche Anstalten dazu getroffen. Bei der großen Bedeutung, die die Lederwarenindustrie für das Gemeinwesen Offenbachs hat. hängen doch von ihr auch die Metall-, Leder- und Kartonnagenindustrie ab. hielt eS der Oberbürgermeister Dr. Düllo für seine Pflicht, die Parteien zu einer Verständigungs- konferenz zu sich zu laden. Die erste Sitzung am 16. Juni führte trotz ihrer langen Dauer zu keinem befriedigenden Resullat. Erst am Tage des Ablaufs des Vertrages wurde eine Vereinbarung erzielt, die wohl nicht allen Wünschen der Arbeiter Rechnung trägt, aber doch den Ab- machunaen in den anderen Orten ziemlich nahe kommt, ja in ein- zelnen Positionen sie übertrifft. Unter dem Vorsitz des Oberbürger- meisters wurde vereinbart, daß die Arbeiter die Kündigung des Ver- träges zurückziehen und der Vertrag somit als auf ein Jahr ver- längert gilt. Als Kriegsteuerungszulagen mit rückwirkender Kraft vom 1. April dieses Jahres werden gewährt: Zeitlohnarbeiter inkl. Sattler über 19 Jahre alt L Pf. pr. Stunde .„ unter 13,» 6,,. Arbeiterinnen über 17.» 4,,, unter 17,. 2.. Jugendliche Arbeiter und Lehrlinge 2... Akkordarbefter erhalten 19 Proz. auf den verdienten Lohn, ebenso Heimarbeiter, die außerdem noch 3 Proz. Vergütung für Auslagen erhalten. Vom 15. August erhalten die Sattler und Portefeuiller, soweit sie gegen Zeitlohn beschäftigt sind, einen weiteren Pfennig Zulage. Eine dritte Erhöhung wird mit dem 1. Oktober d. I. ein- geführt, und zwar in der Lederwarenindustrie erhalten: Zeitlohnarbeiter inkl. Sattler über 13 Jahre alt 19 Pf. pr. Stunde m»» unter 19, Z» 6„„„ Arbeiterinnen über 17.» ö„,, w unter 17 m• 2„ y„ Jugendliche Arbeiter und Lehrlinge 2„,„ Akkordarbeiter erhalten 12J4 Proz. Zuschlag, ebenso die Heimarbeiter, denen noch 3 Proz. Vergütung für Auslagen zu zahlen sind. Die auf Reiseartikel beschäftigten Zeillohnarbeiter erhalten die gleichen Zu- schlüge wie die der Lederwarenindustrie. Hingegen die Akkordarbeiter 15 Proz. Lohnzulage. Alle Zulagen müssen neben dem eigentlichen Lohn gesondert verrechnet und leicht ersichtlich im Lohnbuch ein- getragen werden. Wo Teuerungszuschläge über diese Vereinbarungen hinausgehend bereits gezahlt wurden, müssen sie auch in Zukunft bei- behalten werden. Streitigkeiten wegen der Zulage unterliegen der tariflichen Schlichtungskommission eventuell dem Zentraltarifamt. Eine weit über den Nahmen des Berufs hinaus interessierende Bestimmung verdient besondere Beachtung. Die Fabrikanten dürfen nur solche Zwischenmeister und Heimarbeiter beschäfttgen, die ihren Hilfskräften die Tariflöhne nebst Kriegsteuerungzulage zahlen. Zu diesem Zweck müssen Heimarbeiter und Zwischenmeister einen Ver- Pflichtungsschein unterschreiben und ein gedrucktes Lohnverzeichnis (Größe 42 X 34 Zentimeter) an leicht zugänglicher Stelle in der Werkstatt aushängen. Wer vom Fabrikanten die Zulage in Empfang nimmt oder den Verpflichtungsschein unterschrieben hat, seine Ar- beiter aber nicht vereinbarungsgemäß entlohnt, macht sich des Be- truges schuldig und kann deswegen vor den Straftichter gefordert werden.— Obgleich in Berlin eine ähnliche Bestimmung eingeführt ist, hat sie für das Ofsenbach-Frankfurter Gebiet insofern eine größere i Bedeutung, weil hier mehr als 3999 Außerhausarbeiter mit Hilfs- kräften in Frage kommen, denen auf diese Weise der Tariflohn nebst Teuerungszulage gesichert ist. In Friedenszeiten sind nahezu 7999 Personen in der Offenbacher Lederwarenindustrie beschäftigt. Den � Vorsitz für die örtliche Schlichiungskommission und des Zentraltarif- amtes hat Herr Bürgermeister Rech-Offenbach übernommen. Mus der Partei. Crispiens Revision verworfen. Der Genosse C r i sp i e n- Stuttgart war am 24. März d. I. vom Landgericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er als Vorstand in einer geheimen Versammlung eine Resolution eingebracht hatte, worin die Ablehnung der Kriegskredite und die Abspaltung der Minderheit der sozialdemokratischen Partei im Reichstag gutgeheißen wurde. Gegen dieses Urteil hatte Crispien an das Reichsgericht Revision eingelegt. Die Revision wurde vom Reichsgericht verworfen.(z) Mus Industrie und Handel. Rcichsbank. Der per 30. Juni abgeschlossene Status der Rcichsbank weist eine— in erster Reibe mit deni ViertcljahrSwechscl im Zusammen- hang stehende— stacke Anspannung auf. Von den Darlehnskassen wurden in der Berichtswoche 428,8 Millionen Mark Darlehen her- gegeben, so daß von ihnen jetzt insgesamt 2932,9 Millionen Mari ausgeliehen worden sind. Der recht beträchtliche Bedarf an Zahlungs- Mitteln kommt zunächst darin zum Ausdruck, daß der Notenumlauf um 696,4 auf 7249,5 Millionen Mark gestiegen ist. Mit der Er- Weiterung des Notenumlaufs fand indes der Bedarf an Zahlungs- Mitteln noch keine volle Befriedigung; es mußten vielmehr von der Reichsbank 124,2 Millionen Mark Darlchuslassenscheine aus dem Be- stand an solchen in den Verkehr gesetzt werden. Aus dir vierte Kriegsanleihe wurden in der Berichtswoche 168,3 Millionen Mark eingezahlt, so daß die Einzahlungen nunmehr 94.5 Proz. des gesamten gezeichneten Betrages, d. h, 19 175,3 Millionen Mark erreicht haben. Demgegenüber betragen die von den Darlehnskassen für die Zwecke der vierten Kriegsanleihe her- gegebenen Darlehen nur 649,4 Millionen Mark gleich 6,4 Proz. des auf die Kriegsanleihe eingezahlten Betrages. Ausfuhrverbot von Fcilwareu. Dieser Tage fand in Remscheid unter Vorsitz eines Vertreters des Reichskommissars für das Ausfuhrwesen eine Sitzung von Ver« tretern der deutschen Feilintcresjentcn statt. Es wurde u. a„ laut . Franks. Ztg.', beschlossen, die Ausfuhr von Blank- und ge- schmiedeten Feilwaren nur noch nach den besetzten Gebieten in Belgien zu gestatten und die Ausfuhr von Sägejcilcn und Mühliägefeiten aller Art aus Gußstahl nach Ocjterreich-llngarn zu verbieten. Der Beschluß fand behördlicherseits Zustimniung und tritt sofort in Kraft. DeulLelies Theater. Allabendlich 81/, Uhr: Die Familie Scblmefe. Kamm erspiele. Letzte zwei Wedekind-Geetsplele: 8'/, Uhr: Erdseist. Tolksbtthne. Theater a. BDIewpl. Allabendüoh 81/, Uhr: Kobcrt and Bertram. Komödienhaus Schiffbauerdamm 25 Zam 75. Kalo: Der 7. Tag. £essing-Ttieater. Direktion: Victor Barnawaky. S'ft Uhr: Schwarzer Peter. Deutsch. Künstler-Theater. 8'/. P.: Die selige Exzellenz. URANIA Taabenstr. 48/49. 8 Uhr: Bei der Kaiserlichen Marine in Flandern. Theater am Mittwoch, den 5. Juli. Metropol-Theater 8-u.: DieGrößhepzoptlerolst. Schiller- T. Charlottenb. 8 uhr. ilt-Heidelberg. Thalia-Theater sv. u.: Blondinelien. Theater am h'ollendorfpl. ViS u.: Immer feste druff! Theater des Westens v.« u.: Das Giücksmädel. Trlanon-Thcater 8V. U.Berliner Theater. 8V. U-: streiche ADdeFSeD. Deutsches Opernbaus, Charlottenb. ErSführung: BOCCaCCtO. Friedricb-Wiltaelmstädt Theater sv. u.: D. Dreimäderlbaus Kleines Theater &uUhr: Die Prinzessin nnd die ganze Welt. Komische Oper 8i/2 U.; Oer selige Balduin. Lustspielhaus sv.u.: Brauchbar& Fix. Reichshalien-Theater. Stettiner Sänger. Schippers Keimketir Militärische Humoreske von Horst. Ansang 8 Uhr. Für Mllitärver- ione» freier Eintritt zu den Stett. Sängern. Kose-'Theater. 8'/« Uhr: Wenn die Siegesglocken läuten. Aartenbllhne: Es gibt nur ein Berlin. V oigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. HOF- Täglich „Flotte Weibes«" Posse m, Gesang u. Tanz in 4 Bildern, Erstklassiges üariEte-Prograni. Anfang 5 Uhr. Sonntags 4 Uhr, Ädmiraispalast. Das neueEisbsllett �ran �antaste. Anf. 9 Ehr. 2, 3, 4» Europas gräßter 7Q|f pirl/iic und vielseitigster tBIl-ÜllMIS am Ringbahnhof XcnköSln. 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Allgemein war man der Ansicht, daß in Privathaushallungen nur die besonders wichtigen Nahrungsmittel zu erfassen seien, in den Gewerbe- und Handelsbetrieben in den Kommunen, Einkaufs- und Kriegs- gesellschaften aber eine möglichst eingehende Aufnahme der einzelnen Lebensmittel erfolgen soll. Die Mehrheit kam zu der Ansicht, daß, wenn überhaupt eine Bestandsaufnahme erfolge, sie jede Menge von Lorräten ersasien müxte, um sonst leicht entstehende Fehlerquellen zu vermeiden und ein genaues, statistisch brauchbares Material zu beschaffen. Bezüglich des Zeitpunktes der Erhebung ent« schied man sich für Ende Augu st— Anfang September. Natürlich ist nicht beabsichtigt,— und das kann zur Beruhigung der Lorratsbesitzer gesagt werden,— die Vorräte zu beichiagnahmen; höchstens wird man da, wo in sinnloser Weise und zu spekulativen Zwecken gehamstert worden ist, oder Vor- räte leicht verderblicher Waren auigestapelt sind, die Vorräte in ge« wisssni Umfang der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Wohl da- gegen wird man bei der in Aussicht genommenen Verteilung neuer Vorräte den Haushaltungen ihre Vorratsmengen in Anrechnung bringen muffen._ Von der Z. E. G. Berlin, 4. Juli.(W. T. B.) Die Zentral-Einkaufs- Gesellschaft stellt angesichts der in verschiedenen Stadtver- ordnetenversaminlungen, neuerdings in Hannover, gegen sie er- bobenen Klagen fest, daß die Verteilung von Butter, Fleisch. Getreide, Hülsenfrüchten, Zucker und Reis überhaupt nicht in ihren Händen liegt. Die Verteilung der genannten Waren erfolgt teils auf Grund von An- ordnungen der bekannten Zentralstellen(Reichsgetreidestelle, Reichs- zuckerstellc, Rcichsfleischstclle, behördlicher Buttcrbeirat), teils auf Grund besonderer von der Reichsleitung festgesetzter Verteilungs- Pläne(Hülsenfrüchte und Reis). Hinsichtlich der auch in der erwähnten Versammlung vorge- brachten Klagen über die angebliche Verringerung der Lebens- mittelzufuhr durch die straffe Durchführung- der Einfuhr-Zentrali- sierung verweist die Gesellschaft auf die von dem Herrn Staats- sekretär v. Helfferich gemachte Feststellung, daß diese Klagen teils auf Irrtümern über die Tatsachen selbst, teils auf falscher Be- urteilung der Zusammenhänge beruhen. Nach den gemachten Er- fahrungen würde die Gestattung der Einfuhr durch einzelne Ge- meinden nicht die Gesamteinfuhrmenge vermehren, wohl aber die gleichmäßige Verteilung der Lebensmittel durch die zuständigen Reichsstellen verhindern und zur Benachteiligung der übrigen LandeÄeile führen. In der.Deutschen Fischereizeitung" vom 14. Juni 1916 wird berichtet, daß Einkäufer der Zentral-Einkaufs- g e s e l l s ch a f t m. b. H. in Berlin angeblich von den niederländi- schen Händlern verlangen, daß sie Salzheringe in kleineren Tonnen, als den üblichen, und zu entsprechend niedrigeren Preisen licfcru. run diese kleinen Tonnen dann in Deutschland als normale niederländische Tonnen zu den für solche geltenden höheren Markt- preisen verkaufen zu können. Die Nachricht entbehrt jedes Grundes. In Holland kommen von jeher Heringe in Tonnen verschiedenster Größe zur Verladung. Daraus ergaben sich naturgemäß Mißstände: während des Kriegs war zudem die Füllung der Tonnen zum Teil unzuvcrläfsig geworden. Die Zentral-Einkaufsgesellfchaft hat deshalb dafür gesorgt, daß durch eine Kontrollgesellschaft jede Partie Heringe vor der Vcr- ladung nach Deutschland genau auf Beschaffenheit, auf das Netto- fischgewicht und die Stückzahl geprüft wird. Sie hat ferner mit allen Verkäufern den Einkaufspreis nach dem Gewicht vereinbart, wobei das durch die Kontrollgesellschast endgültig festgestellte Netto- gewicht zur Verrechnung kommt. Schiebungen, wie sie der Ge- währsmann der„Deutschen Fischereizeitung" andeutet, ist dadurch wirksam vorgebeugt. Pressevertreter in den Prcisprüfungsstcllen. Das stellvertretende Generalkommando des VH. Armeekorps bat durch ein Rundschreiben den Gemeindeverwaltungen und Preis» prüsungsstcllen mitgeteilt, es lege Gewicht darauf, daß Vertreter der Presse als Mitglieder der Preisprüfungsstellen tätig seien, damit eine engere Verbindung zwischen diesen Stellen und der Presse her- gestellt werde. Verkehr mit Grünkcrn. Eine Bekanntmachung vom 3. Juli 1916 regelt den Verkehr mit Grün kern. Dte Herstellung von Grünkern aus Spelz, Dinkel oder Einkorn, die in Süddcutichland gebräuchlich ist, ist den Land- Wirten gestattet. Nunmehr wird vorgeschrieben, daß der Absatz lediglich durch eine vom Reichskanzler bestimmte Stelle(es wird dies die Reichsgelreidestelle sein) erfolgen darf. Die Einzelbestimmungen entsprechen denen der Verordnung über Hülsenfrüchte und über Buch- Weizen und Hirse. Für Grünkern selbst ist ein Höchstpreis von 86 M. für den Doppelzentner festgesetzt. Die Verordnung ist not« wendig geworden, weil im Vorjahre die Preise für Grünkernprodukte ungebührlich gesteigert wurden. Für die Gesamternährung ist die Grünkern erzengung übrigens nicht von großer Bedeutung; sie hat im Jahre 1915 40 000 Zentner nicht überstiegen. Tie Verordmmg gegen den Kettenhandel. Ucber den Geltungsbereich der Verordnung vom 24. Juni be- treffend den Verkehr mit Lebens- und Futtermitteln und zur Be- kämpfung des Kettenhandels sind in der Oeffentlichkeit Zweifel aus- getaucht. Insbesondere ist die Frage zweifelhaft, ob Agenten und Kommissionäre, zumal wenn sie im Transitverkehr für das Ausland ar- beiten, dem Erlaubniszwang unterworfen sind. Demgegenüber sei festgestellt, daß sich der Erlaubniszwang auf alle im Verkehr mit Lebens- und Futtermitteln tätigen Personen und Gesellschaften— Fchgesehen von_ den in der Verordnung ausdrücklich Ausge- KHIossenen— bezieht; er umfaßt also auch Agenten und Kam- Missionäre, gleichgültig, ob sie im JnlandSverkehr oder im Transit- '»ertcbr tätig sind, Der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Erlaubniszwanges ist, wie 8 1 der Verordnung bestimmt, der 1. August. Ttas Groh-Serlin. Pilze» und Beerensammeln im Kreise Teltow. Wie der Regierungspräsident in Potsdam bekanntgibt, ist zum Einsammeln von Pilzen und Beeren das Betreten des Waldes in den königlichen Oberförstereien gegen Lösung eineS von dem Oberförster auszustellenden Erlaubnisscheines, für den eine geringe Gebühr zu entrichten ist, gestattet. Die, Sammeltätigkeit wird in jeder Weise begünstigt. Der für das Familienhaupt ausgestellte Erlaubnisschein gilt auch für die darin aufgeführten Hausgenossen. Vorzugslveise werden sich dabei alte oder jugendliche Personen betätigen können, soweit sie zu landwirtschaftlichen Arbeiten nicht befähigt sind und nach ihren gesamten Verhältnissen für eine solche Sammel- tätigkeit in Betracht kommen. Zum Betreten der Kommunal- und Privat- forsten müssen die Sammler sich an die zuständigen Wald- bcsitzer wenden. Der Landrat des Kreises Teltow empfiehlt den Kreisbewohnern, sich nach Möglichkeit beim Einsammeln von Beeren und Pilzen zu betätigen und bittet die Besitzer von Waldungen, den Sammlern auf Antrag das Betreten des Waldes zur Ausübung dieser Sammeltätigkeit zu gestatten. In einer Zeit, wie der jetzigen, wäre es doppelt er- wünscht, wenn das Pilze- und Beerensuchen nicht von der Lösung von Erlaubnis- und Gebührenscheinen abhängig ge- macht würde. Die„Tägliche Rundschau" weist darauf hin, daß in Süddeutschland, wo die Pilze als wichtiges Rahrungs- mittel viel höher geschätzt werden als im allgemeinen bei uns, die„Schwammerljagd" frei von jeder Beschränkung ist, ohne daß den Wäldern ein Schaden geschieht, und gegen Uebel- täter schützen auch die Erlaubnisscheine nicht, die manchen vom Pilzsammeln abhalten werden. » Ein reckt befremdliches Vorkommnis wird uns aus Wandlitz ge- meldet: Zwei Kinder eines schwer verletzten, in einem Lazarett liegenden Kriegsteilnehmers begaben sich in den dort angrenzenden Wald, um für die Mutter Blaubeeren zu sammeln. Sie hatten mit der Zeit einen halben Eimer solcher Beeren gesammelt und freuten sich schon darauf, die Mutter überraschen zu können. Da erscheint ein Mann auf der Wildfläche, der von den Kindern als der Förster gehalten wurde. Er fragte die Kinder nach dem Erlaubnisschein. Die Kinder verneinten. Darauf meinte der Mann, dann müßten sie Strafe zahlen. Die Kinder jammerten, das könnte die arme Mutter nicht, da der Vater im Felde sei. Der Gestrenge nahm den Eimer mit den Blaubeeren, kippte ihn um, zertrat die gesammelten Beeren mit den Füßen und schickte die armen Kinder heim. Die erzählten ihr Erlebnis und auf diesem Wege kam die Tat unter die Leute, die nnn allenthalben ihrer Empörung Luft machten, daß in einer Zeit der NahrungSmittelknappheit auf eine solch nichtsnutzige Weife Lebensmittel vernichtet werden._ Die Durchführung der Massenspeisung. Die Maffenspeisungs-Konferenz wurde am Dienstag fortgesetzt und beendet. Ueber„die praktische Durchführung der Massen- speisung in Hamburg' referierte Direktor Dr. L o h s e- Hamburg. Schon in den ersten Kriegswochen habe Hamborg zu Massenspeisungen schreiten muffen, weil ein großer Teil der Bevölke« rung nur so noch ausreichend ernährt werden konnte. Die Ab- Neigung gegen die Volkslüchen zu bekämpfen, sei gelungen mit Hilfe der Gewerkschaften, die zu diesem Zweck große Versammlungen einberiefen. Hamburg verteile jetzt täglich 165 000 Portionen zu dem etwa die Hälfte der Selbstkosten deckenden Preis von 20 Pf. und leiste den bedeutenden Zuschuß von monatlich 650 000 M. Die Maffenspeisung habe aber auch verhütet, daß die Kriegsfamilien- Unterstützungen erhöht werden mußten oder die Armenunterstützungen nennenswert stiegen. Redner empfahl nach dem Muster Hamburgs hauptsächlich eine zentralisierte Leitung der Küchen, gute Verteilung der Küchen über die ganze Stadt, Bereitung nabr- und schmackhaften Essens, kaufmännische Berwaltung, Zuschuß der Gemeinde. Er forderte, daß die Gemeinden mit Massenspeisung bei der Lebensmittelverteilung bevorzugt werden. Stadtrat Dr. M a tth es» Dresden behandelte die Schwierig- leiten der, Abgrenzung des Besucherkreises.' Er er- klärte sich gegen die Massenspeisung als Zwang, empfahl aber andererseits auch nicht die grundsätzliche Ausschließung bestimmter Bevöllerungskreise nach Einkommen oder Beruf. Zur Verhütung von Mißbräuchen hält er indes eine besondere Kontrolle für nötig. Oberbürgermeister Dr. Dehne- Plauen erörterte die Frage der .Anrechnung von Lebensmittelkarten.' Man müffe sie bejahen, weil durch die Maffenspeisungen die Vorräte geschont und gestreckt werden sollen. Ohne Anrechnung sei von Maffenspeisungen sogar Mehrverbrauch zu befürchten, der jetzt da» Allerunerwünsch- teste wäre. Erst nach der Ernte werde man wieder reichlicher ver- sorgt iein. Als letzter Referent sprach Prof. Dr. Stein- Frankfurt a. M. über.Zentralisation und Dezentralisation'. Beide seien bei den Maffenspeisungen nötig, Zentralisation für die Leitung und den Einkauf, Dezentralisation für den Betrieb. Bevorzugung der Gemeinden mit Maffenspeisung dürfe bei der Vorratsverteilung nicht stattfinden. Das könne geradezu zur Einrichtung von Mafien- speisungen.animieren". Die Aussprache über die Referate wurde vom Vorsitzenden Minister von Möller eingeleitet mit der Bemerkung, daß die Frage, ob überhaupt Maffenspeisungen eingerichtet werden sollen, doch wohl noch nicht überall entschieden sei. Einige Redner unterstützten die Mahnung des letzten Referenten, M a ssen sp e isung en nicht ohne dringenden Anlaß einzurichten. Bürgermeister Winter- Cönnern hielt für nötig. eindringlich zu wiederholen, daß man Gemeinden nicht dazu .animieren' solle. Bedenklich scheint ihm auch eine Bevorzugung solcher Gemeinden bei der Vorralsverteilung. Stadtrat Dr. Paul- Magdeburg meint, es habe sich gezeigt, daß viele Kriegerfrauen zum Kochen zu bequem feien. Eine Rednerin au» Lennep wies diese Einwendungen gegen ein angebliches Zuviel von Mafien- speisungen zurück. Hauptsache sei doch jetzt, daß für gute Ernährung des Volkes gesorgt wird. Auch T h o m a s- Frankfurt a. M. verteidigte das„Recht des Volkes aus ein warmes Mittagessen'. Er nannte die Maffenspeisuilgen ein Sicherhcits- Ventil gegenüber der Beunruhigung der Massen. Von anderer Seite wurde darauf hingewiesen, daß nach ärztlichen Erfahrungen viele Kmder des warmen Mittagessens entbehren. Besondere Rücksicht- nähme auf die den Kranken und den Schwangeren nötige Ernährung forderte der Leipziger Arzt Dr. B o r n st e i n. Zur Frage der Durchführung der Maffenspeisungen äußerte sich eine lange Reihe von Rednern. Die Anrechnung der Lebensmittel- karten wurde allgemein als gerechtfertigt bezeichnet. Freilich hat man in manchen Orten beobachtet, daß dann die Benutzung der Maffenspeisung nachläßt. Stadtrat Licht- Schöneberg sieht auch in der für Berlin geplanten Vorausbestellnng auf eine ganze Woche ein .Abschreckungsmittel'. Auch ein Vertreter des Handels ergriff das Wort. Er bat auf mehr Rücksichtnahme auf die Jntereffen der kleinen Händler. Minister von Möller schloß die Konferenz mit der Mit- teilung, daß die»Zentralstelle für Vollswohlfahrt' weitere An- regungen für die Durchführung der Maffenspeisungen entgegen- nehmen und bekanntgeben will. Er hofft, daß von den durch den Krieg notwendig gewordenen Einrichtungen manches in die Friedens- zeit hinein fortdauern wird. Mit dem Genuß mancher Nahrnngs» mittel, z. B. des Fleisches, fei— meint Minister von Möller— ein .abscheuliches Protzentum' getrieben worden. Die durch den Krieg uns aufgenötigte.Gewohnheit der Genügsamkeit' solle, so wünscht er, in die Friedenszeit mit hinübergenommen werden. Gegen den Wucher mit Kaninchen und Ziegen. Gegen die Preistreiberei auf dem Kleinttermarkte sind jetzt die Landwirtschastskammern einzuschreiten ersucht worden. Die Preisentwicklung ist hier zum Teil eine ganz ungesunde geworden. Besonders für Kaninchen und Ziegen werden Preise gefordert, die den Friedenspreis um das Drei- ja Vier- fache übertreffen und als ungerechtfertigt, zum Teil geradezu als wucherisch bezeichnet werden müssen. Dazu kommen noch Liefcrungs- und Zahlungsbedingungen, die gegen jeden guten Brauch verstoßen. Derartige Vorwürfe sind nicht nur manchen Händlern, sondern auch vielen Züchtern zu machen. Durch die übermäßige Verteuerung werden gerade die ärmeren Volkskrcise schwer betroffen. Deren hauptsächliche Haustiere sind eben die Ziegen und Kaninchen. Es soll auf die Züchter- vereine und Züchter eingewirkt werden, daß sie sich mit einer ausreichenden Preiserhöhung begnügen, andernfalls sollen ihnen keinerlei Beihilfen, Ausstellnngsunterstützungen, Ehren- preise usw. in Zukunft gewährt werden. Alle Fälle von wucherischer Ausnutzung der Geschäftslage sind unverzüglich der zuständigen Preisprüfungsstelle oder Polizeibehörde mit- zuteilen. Auch die Landräte sind in diesem Sinne verständigt worden._ Schont die Wälder! In recht netter Weise bittet die Verwaltung dcS bei Rauschen im Samland gelegenen Kurorts Georgswalde zu be- herzigen, daß Wald und Anlagen der Allgemeinheit dienen und deshalb nicht eben durch Abreißen von Blumen, Einkerben von Namen usw. ihrem Zweck entfremdet werden sollen. Am Eingang zu dem Kurort prangt eine Tafel mit folgender Inschrift: Für jeden Fuß hier jeder Gang, Für jeden Müden jede Bank, Für jedes Auge jede Blume Zum allgemeinen Eigentume. Für Herz und Sinn sei alles Dir— Doch nichts ist für die Finger hier. Arbeitcr-Bildmtgsschule. Soimtag, den 9. Juli, findet die bereits angekündigte naturwissenschaftliche Sonntags Wanderung nach dem Scharmützelsee, der Märkischen Schweiz und Buckow statt; Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung ist Dahmsdorf- Müncheberg. Abfahrt: 6.41 Uhr morgens. Bahnhof Friedrichstraße (Fcrnbahnhof) mit Sonntagsrückfahrkarten 3. Klasse. Fahrgeld insgesamt 2,36 M.—- Weglänge etwa 35 Kilometer. Treffpunkt: Bahnhof Dahmsdorf-Müncheberg(außer- halb der Bahnsperre).— Proviant für den ganzen Tag ist mitzubringen; der Ausflug findet bei jedem Wetter statt. Teilnehmerkarten zu 30 Pf. sind zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusscs(Jugendsekretariat), Lindenstr. 3, im Wahlvereinsburcau des IV. Kreises(Stralauer Platz 16/11) und im Wahlvereinsbureau des VI. Kreises (Gerichtstr. 71). »» * Donnerstag, den 6. Juli, abends SVa Uhr, im Hörsaale der Schule. Lindenstr. 3, 4. Hof rechts 3 Treppen: Wissenschaftlicher Einzelvortrag. Genosse Eduard Bern- st e i n wird über das Thema:„146 Jahre Vereinigte Staaten" sprechen.(Am 4. Juli 1776 erfolgte die Un- abhängigkeitSerklärung der Vereinigten Staaten von Nord- amerika.)— Eintrittspreis: 16 Pf. Die Souderbcsteuerung der Herrschast Lauke. Vor dem Potsdamer Bezirksausschuß wurde gestern über die Umsatzsteuerklage der Stadt Berlin gegen den Kreisausschuß des Kreises Niederbarnim verhandelt. Die Stadt Berlin hatte, wie be- kannt, im Jahre 1913 die Herrschaft Lanke mit den Nebengütern für insgesamt 19 577 287,72 M. gekauft. Während der Kauf- Verhandlung beschloß nun der KreiZ Niedcrbarnim eine Umsatz- steuerordnung, durch die der Steuersatz bei Objekten von über fünf Millionen Mark von Vs auf 1 Proz. erhöht wurde. Dem- nach wurde die Stadt Berlin zu 193 370 M. Umsatzsteuer ver- anlagt. Gegen diese Veranlagung richtete sich die Klage mit dem Antrage, die Steuer für ungültig zu erklären, da sie uiizweifelhaft in der Absicht beschloffen worden sei, diesen neuen Umsatz an Berlin steuerlich zu erfaffen, und weil sie ferner nicht den Wert der Neben- güter bei der Besteuerung ausgeschaltet, sondern Lanke als Wirtschaft- liche Einheit aufgefaßt habe. Der Bezirksausschuß wies in der gestrigen Verhandlung die Klage der Stadt Berlin in vollem Um- fange als unbegründet ab. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, es sei gleichgültig, wann die Steuerordnung beschloffen und genehmigt wurde. Für die Gültigkeit sei nur maßgebend, dvß sie nach den objektiven Merkmalen aufgestellt sei. Die Steuerordnung sei deshalb unzweifelhaft gültig. Es handele sich bei dem Besitz nicht darum, ob verschiedene rechtliche Behältnisse vorliegen, und wie er bewirtschaftet wird. Maßgebend sei nur, daß der Umsatz eine Einheit umfasse, daß der wirtschaftliche Vorgang beim Verkauf ein einheitlicher gewesen sei, daß sich das Geschäft zwischen denselben Parteien abgespielt habe, und der einheitliche Wille beider darauf gerichtet gewesen sei, den Uebergang des Objekt» von einem auf den anderen zu bewerkstelligen.> Gegen den Entscheid kann das Obervcrwaltungsgencht angerufen werden._ Ein tödlicher Unglücksfall hat sich in der Maschinenfabrik Oberschöneweide zugetragen. Dort hatte der Monteur Friedrich Margeit von der Firma Kclling in Berlin in unmittelbarer Nähe eines in Betrieb befindlichen Last- kraneS Rohrleitungen zu legen. Um nicht gefährdet zu werden, er- teilte er dem blljährigen Rohrleger Theodor Dawicki den Auftrag, darauf zu achten, wann der Kran in Bewegung gesetzt und ihm dann jedesmal ein Zeichen zu geben. Da zunächst der Kran aber ein« Zeitlang nicht benutzt wurde, ließ D. in seiner Aufmerksamkeit nach und beugte sich schließlich über die Kranlaufschienen hinweg, um dem Monteur bei der Arbeit zuzusebeu. Dabei uahm er»icht wahr, daß inzwischen der Kran in VeirieB gesetzt worden war. Er wurde zlvischcn Kran und einen Eiscnpfeiler gequetscht und so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Enttäuschte Pilzwandcrcr. Zu uiifcrer unter vorstehender Spitz marke veröffentlichten Notiz sendet uns der Veranstalter der Pilz Wanderungen, Herr Polte aus Wollersdorf,«ine längere Zuichrist, in der er unsere Angaben nur bestätigt. Er bestätigt, daß von jedem erwachsenen Teilnehmer 80 Pf. und für jedes Kind IS Pf. Teib nehmergebühr erhoben wird, eine Angabe, die in seinen Ankündigungen nicht zu finden ist. DaS wäre die Pflicht des Herrn Polte gewesen. Wäre das geschehen, so wäre die Enttäuschung der Teilnehmer etwas weniger groß gewesen. Dann aber hätten die Zeitungen auch seine Veranstaltungen als das angesehen, was sie sind, als ein reines Geschäftsunternehmen, und hätten die Ankündigungen des Herrn Polte nicht so ohne weiteres im redaktionellen Teil ihrer Blätter aufgenommen, sondern ihn in den Inseratenteil verwiesen. Herr Polte rechtfertigt die Erhebung der Teilnehmergebühr mit dem Hinweis, daß doch niemand umsonst arbeilen könne. Er meint, wir forderten von ihm,»er solle eine sehr anstrengende und verantwortungsvolle BelehrungStätigkcit völlig umsonst leisten'. DaS fordert niemand von Herrn Polte. Wogegen wir uns wenden, ist. daß Herr Polte nicht unter dem Deckmantel de» wohltätigen Menschen Geschäfte machen und daS Publikum täuschen soll. Das ist aber durch seine Ankündigung geschehen. WaS Herr Polte sonst noch zu unserer Notiz sagt, ist belanglos, als daß wir im einzelnen darauf eingehen. Die Leser werden wissen, was sie von Herrn Polte zu halten haben. Zwei gewerbsmäßige GraddcnkmalSdiebe wurden gestern von der Neulöllner Kriminalpolizei unschädlich gemocht. Zwei achtzehnjährige Burschen betrieben, wie sie jetzt selbst einräumen, schon seit längerer Zeit eine.Spezialität', die in der Kriminalgeschichte wohl nicht sehr häufig verzeichnet ist. Abweichend von anderen Grabichändern, die die Ruhestätten der Toten ihrer metallenen Einfafiungen und der gleichen berauben, stahlen sie Grabstein« und Platten. Am hellen Tage suchten sie mit einem Handwagen die großen Friedhöfe der Thomas», EmmauS-, Jakobi-Gemeinde u. a. auf, hoben die Dcnb mäler von den Grabstätten ab und schafften sie weg, ohne sich von jemanden stören zu lassen. Gestern traf ein Friedhofs arbeitcr sie bei der Arbeit auf dem alten Thomas-Friedhof zu Neukölln. Sie schafften eben wieder drei Denkmäler und eine Graniiplatte auf ihren Handwagen. Zur Rede gestellt, erklärten sie. daß sie Sleinmetzgehilfen und beauftragt seien, die Denkmäler nmzuarbelten. Der Friedhofsarbeiter veranlaßt« aber doch, daß die Kriminalpolizei auf die angeblichen Sleinmetzgehilfen aufmerksam gemacht wurde. Sie ging der Sache auf den Grund, fand die Denk« mäler und die Platte auf den, Lagerplatz des Vater« de» einen Bnrichen, der in der Licgnitzer Straße ein Steinmetzgeschäft betreibt, und beschlagnahmte sie. Die beiden Burschen brachten die gestohlenen Denkmäler jedesmal nach diesem Lagerplatz, kratzten die Inschriften ab und verkauften dann die seltsamen Beulestücke. Ein schwerer Straßemmfall hat sich am Montagabend gegen 8 Uhr in der Gcrmaniasiraße in Tcmpelhof ereignet. Dort versuchte vor dem Hause 13 der Arbeiter August Wirner unmittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Ringlinie I da« Gleis zu überschreiten. Er wurde jedoch von dem Bahnwagen ersaßt, um» gestoßen und erlitt bei dem Sturz auf das Stroßenpflaster einen Schädelbruch. Der verunglückte wurde nach dem Neuköllner slädti- schen Krankenhause in Buckow gebracht. Ein großer Saninchendiedstahl ist dieser Tage in der Lauben» kolonie.Morgenrot' am Tempelhofer Weg in Britz verübt worden. Die Spitzbuben erbrachen nicht weniger als sieben Lauben und stahlen daraus alle vorhandenen Kaninchen, die sie an Ort und Stelle töteten, um die Beule besser fortschaffen zu können. Den Einbrechern fielen auf diese Weise etwa zloanzig große Belgier und mehr als dreißig junge Tiere edelster Rasse in die Hände, die einen erheblichen Wert haben. Di« Diebe sollten sich jedoch nicht lange ihrer Beute freuen. Als sie auf dem Rückwege die Chausseestraß« passierten. fielen die mit Säcken beladen«» Männer mehreren Trainsoldaten auf. Als die Feldgrauen die Verdächtigen stellten, ergriffen letztere die Flucht. Zwei von ihnen wurden jedoch eingeholt, überwältigt und der Polizei übergeben. Die Verhasteten entpuppten sich als die schon mehrfach bestraften.Arbeiter' Karl Bartel und Wilhelm Wolf au? Berlin. Die geschlachteten Kaninchen wurden den Eigentümern wieder zugestellt. Gcsangskonzrrt. Am Sonnabend, den 8. Juli, veranstaltet der Männerchor ,Fichte>Georginia'(SR. d. D. A.-S.-B.) mit dem Blüthner» Orchester ein Sommerkonzert im.Paradiesgarten', Treptow. Anfang de« Konzerts 7 Uhr. Eintritt 80 Pf. fett wie schieres Fleisch nur mit vier Fiinstel der Wochenmenge ob zugeben ist und daß höchsten» die Hälfte der Wochenmenge in Fett verkaust werden darf. Leber wird wie Fleisch mit eingewachsenen Knochen bewertet._ Aerztliche Behandlung der Charlottenburger Kriegerfamilien. Die Charlottenburger Stadtverwaltung läßt seit dem 1. Oktober vorigen Jahres erkrankte Angehörige von Kriegsteilnehmern anstatt durch die Stadtärzte durch vertraglich verpflichtete Aerzte behandeln da die Stadtärzte durch eine Uebernahme der Behandlung über- bürdet worden wären. Der Magistrat hat nun der Verlängerung des hierauf bezüglichen Abkommen« mit dem Charlottenburger Aerztcverein auf Grund des Systems der Einzelberechnung zu gestimmt, da diese« System sich durchaus bewahrt hat. Ferner stimmte der Magistrat dem mit dem zahnärztlichen verein Charlotten bürg. Schönebcrg, Groß-Berlin"W, getroffenen Abkommen betr. die zahnärztliche Versorgung der Kriegerangehörigen zu. Die Gemeinde Nowawes ulS Biehhalteri». Nachdem die Gemeinde vor einiger Zeit eine eigene Schweine mästerei eingerichtet, deren Bestand zurzeit 1S0 Schweine beträgt und auf dieser Höhe auch weiterhin gehalten werden soll, hat sie jetzt auch eine größere Anzahl Ziegen angeschafft, um beim Knappwerden der Milch wenigstens den Bedarf kranker und schwächlicher Personen wie auch der eigenen Speiseanstalt sicherzustellen. Die Schweine und Ziegen sind in gepachteten Ställen untergebracht und werden teil« mit selbstproduzierten Futtermitteln, teils mit solchen auS Privat hauSballungen und Kasernen gemästet bezw. gefütlert. Jetzt plant die Gemeinde auch noch die Einrichtung einer Kaninchenzucht iu größerem Maßstäbe.__ Soziales. Ms öen Gemeinöen. Einführung von Nahrungsmittelkartcn in Charlottenburg. Die Sladt Charloitenburg wird am Freilag, den 7. Juli, mit einer Verteilung von Nahrungsmitteln an feine gesamte Einivohnerschaft beginnen. Für dies« Verteilung gibt die Stadt eine NahrungSmiltellarre an jeden Einwohner au», der«ine Hauptbrollarte erhält. Die NahrungSmiiielkarle ist mit acht ablrennbaren Abschniilen versehen. Durch Bekanntmachung wird jedesmal milgeicilt, welcher Abschnitt der Nahrung«» mitielkarte Gültigkeit hat, sür welche Dauer, für welche Art von Nahrungsmitleln und sür welche Mengen. Am Freitag. den 7. Juli, triit der Abschnitt I in Kraft, der bis einschließlich den 15. Juli einzulösen ist. Auf jeden Ab- schnilt wird in den Charlottenburger Geschäften, die durch AuS- hang kenntlick, gen, acht sind,>/, Pfund Teigwaren sNndeln und Maikaroni) abgegeben, so daß also eine Familie von 4 Köpfen 2 Pfund erhält. Der Preis belrägl für die erste Sorte 72, für die zweite Sorte 51 Pf für ein Pfund. Es ist beabsichtigt, nach dem 15. Juli auf die anderen Abschnitte andere Nahrungsmittel an die gesamte Bevölkerung zu verteilen, und zwar voraussichtlich auf dorr Abschnitt n Grieß oder Graupen. Die NahrungSmittelkarten werden am Donnerstag, den 6., und Freitag, den 7. Juli, auf den Brot« kommisstonen an die Hausbesitzer oder deren Stellvertreter aus- gegeben, die umgehend die Verteilung vorzunebmen haben. Mit diesen NahrungSnnttelkarten werden Sonderkartoffelkarteir der- teilr, die für die laufende Wocke Gültigkeit haben und die zum Bezug von 8 Pfund Kartoffeln oder 350 Gramm Brot berechtigen. Um denjenigen Charlottenburger Einwohnern, die auf daS Miltelstück ihrer Haupthrolkarte nicht 3 Pfund Kartoffeln erhalten, einen Ersatz in Brot zu geben, wird von Donnerstag ab in den Brotkommissionen gegen Vorzeigung der Mittelstücke der Charlottenburger Haupt» brolkarte, Serie 40—43, soweit auf diese Mittelstücke Kartoffeln noch nicht bezogen sind, eine zweite Sonderkarte verausgabt. Da« be» treffende Mittelstück wird in der Brotkommifstoir durch kreuzen entwertet._ Vom Steglitzer Fleischverkauf. Um da? Aufstellen vor den Fleischerläden nach Möglichkeit zu verhindern, hat der Gemeindevorstand angeordnet, daß die Schlächter- meister ihre Kunden zu b e st i in m t e n Stunden an den vcr- kaufstagen aufrufen, und zwar vormittags in drei. Gruppen von 7 bis v, L bis 11 und 11 bis 1 Uhr,»achmittagS in einer Gruppe von 5 bi» 7 Uhr. von 7 bis 8 Uhr abend» find alle diejenigen abzufertigen, die in der für sie festgesetzten Zeit au» triftigen Gründen am Fleischkauf verhindert waren. Die Behinderung muß jedoch glaubhast nachgewiesen werden. Der Aufruf erfolgt am Abend vorher durch Aushang am Schaufenster. Damit nicht die gleickcn Kunden jedesmal zur gleichen Zeit abgefertigt werden, sind die Kundengrnppen abwechselnd zu den verschiedenen Verkaufsstunden aufzurufen. Ferner ist angeordnet worden, daß Rücken- und Bauch Festsetzung der Ortslöhne. verlin, 4. Juli. Durch Bekanntmachung vom 4. September 1014 und vom 10. August 1015 ist die Frist, für welche die erstmalige Festsetzung der OrtSlöhne(§ 151 Abs. 1 der ReichSversicherungs- ordnung) gilt, bis zum 31. Dezember 1013 verlängert worden. Durch eine Bekanntmachung vom 3. Juli 1013 hat der Bundesrat nun eine wertere Verlängerung dieser Frist bis zum Schlüsse des Kalenderjahres verfügt, da» dem Jahre der Beendigung des gegenwärtigen Krieges folgt. Die Fristerstreckung war nötig, weil unter den außer- gewöhnlichen Verhältnissen de» Kriege» eine Grundlage, auf der die OrtSlöhne für«inen längeren Zeitraum neu festgesetzt werden könnten, nach wie vor fehlt._ Krankenversicherung bei Ersatzkassea. (W. T. B.) Aus einer Verordnung des Bundesrats vom 3. Juli 1916, detreffend Krankenversicherung bei Ersatzkassen, ist folgendes hervorzuheben: Die Saüungen vieler Ersatzkaffen schreiben vor, daß bei Ein- tritt in den Heeres-, mithin auch in den Kriegsdienst, die Mitglied- schaft bei der Kasse erlischt, ruht oder nur mit beschränkten Rechten 'ortbesteht. Damit ist diesen Mitgliedern die Möglichkeit der Weiterverstcherung während der Leistung von Kriegsdiensten, die ihnen bei den gesetzlichen Zwangskassen zugestanden hätte, ge- nommen oder doch erschwert worden. Demgegenüber gibt die er- wähnte Verordnung denjenigen Mitgliedern von Ersatzkassen, denen bei den Krankenkassen nach der Reichsversicherungsordnung das Recht der Weiterversicherung zugestanden hätte, nunmehr dieses Recht in vollem Umfange auch gegenüber ihren Er- ' a tz k a f f e n. Wer von diesem Recht der Weiterversicherung Ge- brauch machen will, mutz dieses binnen drei Monaten, vom Tage der Veröffentlichung der Bekannt- machung ab, beim Vor stände ferner Ersatzkasse beantragen. Wer später eingezogen wird, hat für den An- trag nur eine Frist von drei Wochen. Voraussetzung für die Wirkung des Antrags ist die pünktliche Zahlung der satzungSmätzigen Beiträge. Alle zur Fahne einberufenen, bisher verstcherungSpflich- tigen Mitglieder von Ersatzkaffen werden gut daran tun, sich durch rechtzeitige Antragstellung den Anspruch auf die Kaffenleistungen auch während der Dienstzeit zu sichern. Weiterhin räumt jene Ver- ordnung allen Ersatzkaffenmitgliedern der gedachten Art, deren Mit- gliedschaft infolge des Diensteintritt» erloschen und demnächst nichl wieder aufgenommen ist, die Befugnis ein, binnen sechs Wochen nach der Rückkehr in die Heimat in die Versicherung bei ihrer Ersatz- lasse wieder einzutreten. Damit wird auch für die Ersatzkaffen jenem Grundsatz Geltung verschafft, der durch daS Notgesetz vom 4. August 1014(Reichs-Gesetzbl. S. 334) und durch die Bekannt- machung vom 28. Januar 1015 für die Krankenkassen durchgeführt ist und dahin geht: niemand soll durch die Leistung von Kriegs- diensten hinsichtlich der Anwartschaft geschädigt, die ganze Kriegs- dauer also insoweit hinterher al» nicht vorhanden betrachtet werden. Gerichtszeitung. Verfüttern voa Brotgetreide. Das Landgericht S t a r g a r d i. P. hat am 11. Mai den Rittergutsbesitzer Louis Dentler wegen ver- botswidrigen Verfütterns von Brotgetreide zu 2006 M. Geldstrafe verurteilt. Als Mitangeklagter ist sein Hofmeister Schälke wegen desselben Vergehens zu 30 M. Geldstrafe ver- urteilt worden. Der Angeklagt« ist Besitzer des Ritterguts Birkholz, Kreis Dramburg, auf dem er im Jahre 1015 einen Bestand von 24 bis 27 Pferden hatte. Ihm ist zur Last gelegt worden, sich dadurch gegen die Bekanntmachung des Bundesrats betreffend den Berkehr mit Mehl und Brotgetreide vom 25. Januar 1015 fortgesetzt ver- gangen zu haben, daß er seine Pferde mit beschlagnahmtem Weizen und Roggen aus dem Jahre 1014 und früheren Jahrgängen füttern lieh, obwohl dies Getreide ausschließlich als Lebensmittel kür Men- fchen dienen durfte. Auf feine Anweisung hin ließ der Mit» angeklagte Sch. das Getreide durch die Knechte verfüttern. Der Angeklagte D. hatte sich zwar damit zu entschuldigen versucht, daß er sagte, es habe sich um dumpfes und nasse» Getreide gehandelt. welches für menschliche Nahrung nicht mehr geeignet war, doch hat daS Gericht dies als widerlegt angesehen. Gegen da» Urteil hatte nun der Angeklagte D. Revision eingelegt. Da» Reichsgericht verwarf am Montag die Revision._ Kindesmißhandlung. Das Schicksal eines vorehelichen Kindes beleuchtete eine Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte. die gestern gegen die Frau Else Megow wegen gefährlicher Körperverletzung stattfand. Sie wurde beschuldigt, ihren unehelichen Sohn, den Schüler Otto Janack, mittels gefährlichen Werkzeugs sowie grausamer und boshafter Behandlung mitzhandelt zu haben. Der kleine Janack wurde zunächst bei seiner Grotzmutter erzogen, als seine Mutter heiratete. Später nahm ihn diese zu sich und nun soll für ihn eine böse LeidenSzeit begonnen haben. Wie die Rachbarn behaupten, hat die Angeklagte ihren unehelichen Sohn bei den geringfügigsten Anlässen auf das heftigste geschlagen. So soll sie ihn, wenn er«in- mal zu seiner Grotzmutter gegangen war, in Abständen von zehn Minuten über eine Stunde lang mit Rohrstock, Ausklopfer oder einem ähnlichen Gegenstand bearbeitet haben, ihn manchmal dazu aus dem tiefsten Schlafe reißend. Als eine unter ihr wohnende Nachbarin eines Abends schließlich das klägliche Geschrei des Knaben nicht mehr mit anhören konnte und deswegen zu ihr hinaufging, um ihr Vorhakkungen zu machen, sah sie, daß der Junge grün und blau geschlagen war. Ebenso behaupten andere, gesehen zu haben, daß er dicke Striemen auf dem Kopf und auf dem Rücken bis hin- unter zu den Knickehlen hatte. Daß sie nicht zuviel gesehen hatten, ergab sich ans dem Gutachten des Sachverständigen Tr. Magedom, der den Knaben untersucht hatte, nachdem er schließlich der Mutter fortaenommen worden war. Nach ihm wies der Rücken 30 bis 40 Striemen auf, während das Gesäß infolge von Schlägen derart verfärbt war, daß sich.keine weiße Stelle mehr zeigte. Das G c- r i ch t erkannte auf 3 Monate Gefängnis. Ms aller Welt. KriegS-Viehpreife. In Königsberg fand die Zuchlvieh- Auliion der Ost« preußischen Holländer-Herdbuch-Gesellschafr statt, auf der die ge- forderten Mindestpreise für ganz junge Kühe um das Fünf- und Sechsfache überschritten wurden. Für eine dreijährige Kuh waren 400 M. gefordert worden: sie brockte aber 2500 M.! »ei wettere Kühe, die noch jünger waren, brachten über M. Fast alle weiblicken Tiere wurden zu Preiien über 1000 M. verkauft; 100 Tiere brachten einen Gesanil- erlös von 836 560 M.: 113 Stiere wurden für 230 200 M. verkauft. Der DurckschniitSpreis betrug 2033 M. gegenüber 1200 M. im Vorjahre. ES ist also nahezu eine Verdoppelung deS Turck- ichnittSpreiieS eingetreten. Einjährige Zuchtniere, für die als Mindestpreis 4000 M. gefordert waren, brachten bis 8800 M. Vom Schnellzug überfahren. Auf dem Bahnhof Großbeeren wurde am Montagabend von dem Schnellzug Dresden— Berlin ein Milchfuhrwerk überfahren. Die Gefchirrführerin, ein Dienstmädchen namens C w i e l, wurde getötet. Ei» Gewitter von seltener Heftigkeit tobte am Montag abend über Leipzig. Die elektriscken Entladungen waren so stark und bäufig, daß die Häuser erzstterten. An verschiedenen Stellen der Stadt wurden große Bäume entwurzelt und umgeknickt. Tie Fcnei- wehr wurde in vielen Fällen zu Wasserschäden gerufen. Auch der Fernsprechverkehr erlitt längere Unterbrechung. SitzungStttge der Stadt- und Gemeindevertretungen. Rosciitbal. Donnerstag, den 6. Juli er., abends 6 Uhr, im großen Sitzungssaal des neuen Verwalmngsgebäudcs, Hauplstc. V4. Diese Sitzungen sind«ssenlltgi. Jever ScinclndeangchSrlg« ist de- rechtigl, ihnen als Zuhirc« dcizuniohiic«. Sriefkaften öer Redaktion. Dt« tnrtsltlcke Evrechllund« findet für Udonnenten Linden»«. B, IV. Hos ceidls. pnrlerr«. am Monrog bi! Freiing von« Ii» 7 Une, am Eonnadend voa d»IS L Uhr statt. Jeder für den L r i« s l a st e n besttmmien Antrage ifi ein Buchstade und eine Ladt ali Merkzeichen beizufhgen. Brieflich« Antwort wird nicht erteilt,«nsragen, denen tetne Abonnemenlsauinung beigefügt ist, werden nicht beanlwortct. ikilige Fragen nage man in der Svrechstuade vor. vertrüge, Echrtstsitiae»ad dergleichen bringe mar in die Sprechsinnde mit B.(f. 8. Verein für Deutschtum im NnSIande, Berlin IV. Kursiusten- dämm 105. Bund für Mutterschutz, Berlin XV. Uhlandstr U'i.— W. itz. 95. Nicht bekannt— A. M. Siehe Bcrltner Adreßbuch, 2. Band Teil IV S. 281 unter Musilalienhandlungen und Lelbinstituvr— Sch. 700. DaS bedeutet, daß der Beklagte für den Unterhalt des Kindes zu sorgen hat.— Tanz Lstrowo. Die AuSkimst des Feldwebels ist zu- treffend.— Vt.et»cra«Ssichten Donnerstag mittag. Bielsach Gewitter. GalemÄleikum (äoidmundsfUckli tdrvaAsfutS�f frdaltf 3* 4 5 6 e io 4 i 6 6 10 12 PfdStfck epinadhUeBUeb Kriegs aufscblag. OrlentaLlbbak-u Onh-HugoZlete Cig nrelicn-Fabrik � Jcnfcdze" Dresden .i- i— HoflLeferanl S M AKcnigsvSacbsen Trustfrei S Lerantwortlicher Nedakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Sur feta LnjeralenleU verantw.: Th. Glocke, Berttn, Druck u. Verlag:Porwärtt LuGvruckerei u. LerlagSanftalt VuU Singer& Co, Berlin SW.