Ur. 186. flbonnementS'lkdingunsen: Abonnements• Preis pränumerando Wcrieljährl. Z.SV Mk, nionall. l.30 Ml, wöchentlich 30 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Conniags- uuuinier mit illustrierter Sonniags- Vellage.Die Reue Seit" 10 Pfg. Pöfl. Abonnement: 1.30 Marl pro Monat. Eingetragen in die Pofi.Zcitungs. Prcislislc. Unter Kreuzband süc Deutschland und Oeslerreich. Ungarn 2ch0 Marl, für das übrige Ausland 4.Marl pro Monat. PoslabonnemenlS nehmen an Belgien, Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. CrifttiBt IZgllch. Verlinev Volksblakt. 33. Jahrgang. vi« Inleftisni-Ledill»' beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel- seile oder deren Raum öv Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Vcrsanimlungs- Anzeigen 30 Pfg. „kleine Snrelgen", das fettgedruclie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte», jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort o Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Juferate für die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcvffiiel. Delegramm-Adresie: „Sbzialddnokrat Rcrlls", Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblands. Neöaktion: EW. öS. illnüenstraKe Z. Zsernsprecher:«ml Moritzplan. Rr. ISIS»— 181 S7. Sonntag, de« 9. Juli 191«. CxpeMtlen: sw..s, xlnSenItraße 3. Zleruiprecher: Amt Moritzpla«, Nr. ISIS»— 1S1S7. Die französische Minöerheit. Ii. Der zurückhaltende Einfluß der Parlamentarischen Minder- heit�machte sich— ganz wie bei uns— natürlich auch in der Presse und in dem Organisativnslcben bemerkbar. In dem schon erwähnten Bericht über den Nationalratskongreß(De- zember 1915) werden als Redner der Minderheit fünf Abge- ordnete und MaurangeZ(der Anfang Juni im„Possulaire du Centrc" gegen Kienthal geschrieben hat) genannt. Unter den vier Rednern der entschiedenen Linken findet sich kein Ab- geordneter. Als große Momente dieser Konferenz iverden neben einer Rede von Thomas gerade die Reden zweier dieser Arbeiter bezeichnet: als Bourdcron sprach und als für den Antrag Bourderon ein � junger Arbeiter eintrat. der niit seinem glühenden Appell die ganze Versammlung mit sich riß. Einige Sätze über das Verhalten der Minorität auf dem Nationalrat sind so typisch auch für die Verhältnisse in anderen Ländern, daß wir sie hier im Wortlaut geben: >,Die ganze Kühnheit der vorhergehenden Tage war verflogen. lMan war auf den Kongreß gekommen in der festen Absicht, sich nicht zu fügen, gab sich aber dann doch dazu her, einer„Einheits"resolution zuzustimmen. Sie nahmen dte Niederlage an, indem sie sich gegenseitig wiederholten, daß die Minorität siegreich aus dem Kampfe hervorgehen würde, weil sie die Mehrheit gezwungen hatte, übertriebene Formeln (aus der Resolution des Munitionsministcrs Thomas) zu ent fernen, an allen-wichtigen Punkten Buchstabenkonzessionen zu machen und besonders Minderhcitsanhänger in den Partei- vorstand und andere Instanzen hineinzulassen. Scheinbare Niederlage, verhüllter Steg—- so trösteten sich die Schwäch- linge über ihre eigene Schwäche." In der Resolutions- lommission hatten sich die drei Anhänger der Minderheit völlig binden lassen und ihr Führer Pressemane sagte nur kurz vor der Abstimmung:„Als Mitglied der Resolutions- kommission bin ich gebunden, für den gemeinsamen Entwurf zu stimmen. Niemand hier ivjrd jemals wissen, wie mir diese Zustimmung schwer fällt. Aber ich sage den Genossen von der Minderheit, daß, wenn ich auch verpflichtet bin, gegen meine Ueberzeugung zu stimmen(!), Ihr volle Freiheit habt." Der Bericht, fährt fort:„Einzig Bourderon konnte noch in wenigen Worten stolz seine unveränderte Resolution aufrechterhalten..." Durch die Haltung einzelner Führer war auch die Masse der Delegierten verwirrt worden, zumal die Mehrheit erregt gegen den drohenden Wortbruch der Kom- niissionsmitglieder und die parteigefährdende Hartnäckigkeit der Opposition protestierte. So kam es, daß die Delegierten von sechs großen Parteiorganisationen, die für die Resolution Bourderon stimmen mußten, sich teilweise in den Reihen der Majorität fanden. Wie der Bericht weiter feststellt, wurde das Spiel Renaudcls(des Verfassers der angenommenen Resolution) sehr durch eine zweideutige, mit Konzessionen an die Mehrheit schmackhaft gemachte Resolution des„Zentrums"- sührcrs Longuct erleichtert. Auf dem neuen Nationalratskongrcß(April 1916) hat die „Opposition" ja bekanntlich etwas geschickter operiert. Neben der Mehrheitsrcsolution, die 1987 Stimmen erhielt(wovon aber rund 700 okkupierte Gebiete„vertraten"», wurde über eine Resolution Pressemane abgestimmt, die 960 Stimmen auf sich vereinigte. Nach dem Pariser Brief des Züricher„Volks- recht" waren von 73 Föderationen(Parteiverbänden) 6 ab- lvesend oder enthielten sich der Stinime, 37 stimmten mit der Mehrheit(Renaudel), 28 für die Resolution Pressemane. Nach Guilbeaux haben die beiden Föderationen Haute Vienne(der erste Mittelpunkt der Oppositionsbclvegung) und Rhone ge- schlössen für Pressemane gestimmt. Weiter votierte für Presse- mane die Mehrheit der Delegierten aus folgenden 21 Födera- tionen: Ain, Algerie, Alpes-Maritimes, Ardsche, Charente- Jnfsricure, Bouchcs du Rhünc, Cäte d'Or, Cötes du Nord, Ereuse. Dordogne. Eure et Loire. Finistsre, Indre et Loire, Jsöre, Jura. Loire, Loire-Jnferieure, Marne, Morbihan, Oise, Vaucluse. Die Föderation Seine umfaßt eine starke Minorität (189 gegen 256.) War das Leben in diesen Organisationen schon in Friedens- zeiten schwach, so muß es jetzt so gut wie ganz stocken. Daher erklärt es sich wohl auch, daß so wenig darüber berichtet wird. Es kömmt weiter hinzu, daß die Partei jetzt noch weniger als früher der einzige Sammelpunkt für sozialistische Bctäti- gung ist. In den Gewerkschaften, die auch die ersten französi- scheu Vertreter nach Zimmerivald entsandt hatten(Merrheim und Bourderon), scheint ein kräftigeres Leben zu pulsieren als in der'Partei. Unter der Leitung der beiden Genossen ist seit einigen Monaten ein„sozialistisches Aktionskomitee für den Frieden" tätig, das Flugschriften und Aufrufe herausgibt. Daneben sind die Frauen sehr rührig, unter der Führung der mutigen Genossin Louise Saumoneau, die an der iuternationalen Berncr Fraucnkonferenz im Frühjähr 1915 teilnahm und seither mit dem Gefängnis Bekanntschaft machen mußte. Auf der zweiten Zimmcrwaldcr Konferenz wurden übrigens einige Begriißungsresolutionen einiger französischer Gruppen im Stile des russischen Genossen Lenin verlesen; ob sie den Ausdruck nennenswerter Strömungen in Frankreich darstellen, ist nicht bekannt. Die-Fo-rderungen, die Guilbeaux im allgemeinen an die französischen Genossen stellt,»Verden nur verständlich. »venu man sich die besonderen Verhältnisse Frankreichs der- gegenwärtigt.-Nationalismus. Ministerialismus und.,3us- gu'-iuboutismv"(Durchhaltepolitik) sind die schlimmsten Feinde der französischen Friedenspolitik. Da auch die französische Partei tief in diese Sünden verstrickt ist, fordert Guilbeaux eine radikale Lösung von allen drei Uebeln:„Diese Minderheitsanhänger— schreibt er polemisch gegen einen Artikel des„Populaire"— verwerfen gegenwärtig die Teil- nähme ani Ministeriuni. Aber sie widersetzen sich jedem Ausschluß und jeder Trennung." Wer gleich Guilbeaux weiß, welchen Einfluß die„sozialistischen" Minister in der Partei bei allen Entscheidungen haben, wird diese Klage verstehen.„Die Mindcrhcitsänhängcr— heißt es im gleichen Artikel— müssen alle Leute abstoßen, die durch den Ministerialismus, den Nationalismus und die Durchhalte-Parolc bloßgestellt sind. Es ist nicht mehr möglich, Mitglied derselben Partei zu sein, der ein Minister(nämlich Thomas) angehört, der einem Herrn Schneider(dem französischen Waffenfabrikanten)— Herrn Schneider von der Internationale... Armstrong-Poutiloff- Creusot— dankt und russische Minister besucht, die seine� fünf Kollegen aus der Duma nach Sibirien geschickt haben... Man muß die schlechten Hirten vom Sozialismus verbannen, oder eine Organisation der Opposition schaffen. Es würde falsch sein, aus zu weit- gehender Rücksicht oder aus Sorge um die Einheit belastete Männer zu behalten und so zu verhindern, daß sich dem Sozialismus' zahlreiche gesunde und tätige Elemente an- schließen, die von der seit altersher in der Partei geübten Wahlpolitik und Burgfriedenspolitik zurückgestoßen wurden. Keine Intransigcnz, aber Radikalismns und Reinheit!" Diese Worte mögen für deutsche Ohren zu syndikalistisch klingen; aber auch ein Merxheim hat sich bisher nicht entschließen können, der Partei beizutreten, die nach Guilbeaux „den Sozialismus zu kriegerischen Zwecken mißbraucht und sich mit, den Urhebern des fürchterlichsten aller Blutbäder solidarisiert hat". � Die Sorge um öen Zrieöens- fchluß. Ter Reichskanzler hatte»vohl geglaubt, durch seine Pole- mik gegen Kapp und lluniim alter seine Gegner zum Schwei- gen zu bringen. In Wirklichkeit entfalten die �konservativen und alle sonstigen Gegner des Kanzlers in der gesamten Presse seither eine viel lebhaftere Tätigkeit gegen die Politik des Kanzlers als zuvor. So gemäßigt diese Kritik auch in der Form sein mag, in der Sache verkünden die Konservativen, Nationalliberalen und selbst einige Zentrumsblätter deutlicher denn je, daß sie ihre Unterstützung des Kanzlers von gewissen Zugeständnissen an die eigene Kriegs- und Friedenspolitik abhängig machen. Fast noch mehr als die Ankündigung der „Neuorientierung" hat die rechtsstehenden Parteien die Pole- mik des Kanzlers gegen übertriebene Kriegszielforderungen verstimmt. Ob die Parteien glauben, daß wirklich ihre weit- gehenden Kriegszieltvünsche erfüllt werden, erscheint uns zweifelhaft. Wenn diese Forderungen trotzdem immer wieder mit allem Nachdruck vorgebracht werden, so geschieht das aus anderen Gründen, die von der„K r e u z z e i t u n g" in fol- gendcn Worten angedeutet werden: „So ganz durchdrungen von der Größe der uns gestellten Auf- gäbe... und deshalb auch so ganz beherrscht von dem Willen zu siegen, ist unser Volk in allen seinen Teilen und in jedem seiner Glieder heute nicht mehr.... Diesen Willen zum Siege rege zu halten und zu stärken, wird deshalb eine der vornehmsten Aufgaben des Deutschen Nationalausschusses sein.... Aber er wird dazu nicht imstande sein ohne die Mitwirkung der leitenden Stellen. Diese kann man von dem Vorwurf einer gewissen Mit- schuld an der Entspannung der Volksstimmung nicht freisprechen.... Vor allem fehlt das eine, daß man dem Volke große Ziele zeigt." Die„Kreuzzeitung" bemängelt dann weiter im einzelnen, daß die Regierung nicht genügend Fühlung mit dem Volke habe und zur Belebung der Stimmung durch entsprechende Propaganda für den„deutschen Standpunkt" beitrage. Noch tvcnigcr als.die„Kreuzzeitung" ist das andere konservative Berliner Blatt, die„Deutsche Tageszeitung", mit der Re-' gierung zufrieden. Die„Tageszeitung" veröffentlicht gleich in einer Nummer zwei Artikel, die der Kricgszielpolitik des Reichskanzlers entgegentreten. Ter eine Artikel knüpft an die Mitteilungen Scheidemanns in Breslau an,, er verlangt klare Auskunft darüber, ob Scheidcmann die Ausfassung des Kanzlers richtig interpretiert' hat, oder ob der Wortlaut der Kanzlerrede maßgebend, sei. Ter Zwiespalt in den Auf- fassungen über die Anschauung des Reichskanzlers sei so scharf und breit geworden, daß eine Klärung der Frage unbedingt geboten erscheine. Zum Schluß des Artikels wird folgende Drohung ausgesprochen:- „Nachdem der Abgeordnete Scheidemann die Autorität des Kanzlers für seinen Standpunkt in Anspruch, genommen hat. halten wir es für erforderlich, daß von der anderen Seite ein G e g e n- gewicht geschaffen wird. Wir-möchten deshalb den sechs Wirt- schaftsverbänden dringend nahelegen, auch-ihrerseits öffentlich mit- zuteilen, ob und wie der Reichskanzler sich zu ihnen über die Kriegsziele geäußert hat. Wie die Dinge jetzt liegen, halten wir das für eine Notwendigkeit." Da in diesen Sätzen die Andeutung enthalten ist, daß der Reichskanzler sich gegenüber den Wirtjchaftsverbänden anders geäußert hat als in der Besprechung mit Scheidemann, halten auch wir diese Klarstellung für dringend geboten. In der gleichen Nummer der„Deutschen Tageszeitung" wird etwas Licht über den mysteriösen neugegründeten „D e u t s ch e n N a t i o n a l- A u s s ch u ß" verbreitet. Graf Revcntlow teilt mit, daß dieser neue Friedensbund halb- offiziösen Charakter trägt. Tarauf dentet schon die Tatsache, daß der Vorsitzende deS Bundes, Fürst Wedel, der frühere Statthalter in Elsaß-Lothringcn ist. Gras Reventlow bemängelt es aber sehr ernstlich, daß der„National-Ansschuß" nichts weiter als„Verständnis für einen Friedens schluß" erwecken will. Das könnte seiner Ansicht nach den Eindruck hervorrufen, als ob nunmehr auch gleichsam halboffiziös die deutsche Kricgsmüdigkeit zum Vorschein gebracht würde. Dem Programm des„Deutschen National-Ausschusses" stellt Graf Reventlow Worte von Hstidcnburg und Tirpitz entgegen, die den Wunsch nach Fortsetzung des Krieges bis zum„endgiil- tigen Siege" zum Ausdruck brachten. In gewissen Lebens- fragen darf es nach dem Grafen Reventlow mittlere Linien nicht geben, sondern nur ein Ja oder Nein, sowohl nach Westen wie nach Osten. Gras Reventlow macht weiter darauf aufmerksam, da); bisher dem deutschen Volke die Einwirkung auf die Art des Friedensschlusses systematisch unmöglich- gemacht»vorden ist, während andcrcseits dem Friedensbund offenbar die Erlaubnis zu einer solchen Einwirkung gegeben»vorden ist. Auch w i r müßten mit aller Schärfe dagegen protestieren, daß einem beschränkten Pcrsonenkreis das Privileg zur Erörterung der Kriegszielfordcrungen erteilt worden ist, so sehr wir auch sonst in unseren Anschauungen von denen der „Deutschen Tageszeitung" abtveichen. G) ** * Auf den oben erwähnten Artikel der konservativen „Krenzzeitung" antwortet der Kanzler in der folgenden, hochbedeutsamen Kundgebung in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung":. �- „In einer Betrachtung über die Stimmung des Volkes schreibt die„K r e u z z e i t u n g": Die Regierung habe versäumt. dem Volke die g r o ß e n Z i e l e zu zeigen. Der Vorwurf ist alt, so alt, daß es uns wundernimmt, daß er noch im Volke lebendig sein soll. Ist er tvirklich berechtigt? Der innere Sinn dieses großen Kampfes ist die V e r- teidigung des deutschen Volkes, seiner Freiheit und seiner Zukunft. Das deutsche Volk in seiner Gesamtheit wird die tiefe Bedeutung dieses Sinnes. die in den Kundgebungen Seiner Majestät des Kaisers und in den Reden des Reichskanzlers immer wieder hervorgehoben worden ist, gerade jetzt, da an allen Fronten »vütende Kämpfe toben, lebendiger als je empfinden. Ist dies kein Ziel, groß genug, alle zu einigen und innerlich zu beseelen? Man hat es vielfach so darstellen wollen, als sei dies Ziel doch ein rein negatives. Wer aber nicht über die Reden des Reichskanzlers hintveggehen will, namentlich über die Reden vom 19. August 1915, 9. Dezember 1915 und 5. April 1916, in denen er früher»viedcrholt Angedeutetes so ausführlich als möglich dargelegt hat, wird zugeben müssen, daß die Regierung jedenfalls die Verteidigung nicht im negativen Sinne, sondern in dem höchst positiven Sinne derBehauptung, Sicher ungund Stärkung d e r d c u t s ch e n Z u k u n f t s st e l l u n g in der Welt faßt. Wenn d i e E i n f a l l s t o r e in das Herz Teutschlands fremdem Einfluß entzogen,»venu Rußland hinter die Flüsse zurückgeworfen wird, die als kürzere Grenze Teutschland einen � besseren Schutz geben, wenn die wirtschaftliche Entfaltung Deutschlands in der ganzen Welt gesichert s e i n s o l l—, ist das kein großes Ziel? Sind die Kanzler- reden, in denen solche Forderungen erhoben»vurden, das „lähmende Schweigen", aus dem die„Deutsche Tageszeitung" Sorge und Zivcifel»vachsen sieht? Es liegt in der Natur der Sache und in der Pflicht der politischen Leitung, in einem solchen Kriege einer Koalition gegen eine andere die Aufstellung konkreter Friedens- bedingungcn und den Zeitpunkt ihrer Bekanntmachung nicht abhängig zu machen von Stimmungen und Gefühlen, sondern lediglich von klarer rcalpolitischer Erwägung. Wir haben es immer für einen bedauerlichen Fehler gehalten, daß die Kreise, die im Spätherbste. des Jahres 1914 und im Früh- jähre 1915 die Zeit für gekommen erachteten, große Erobe- rungsziele aufzustellen, dies ohne Fühlung mit der Regie- rung und ohne Rücksicht auf die politische und militärische Lage getan haben. Da die Politik die Kunst des Möglichen ist, konnte die Regierung diesen Weg nicht betreten und mußte die An- griffe, die deswegen im Laufe des vergangenen Jahres gegen sie gerichtet wurden, auf sich nehmen. Die Behauptung des Deutschen Reiches gegen eine Welt von Feinden, die is i ch e- rung seiner Zukunft und seiner Freiheit nach West und Ost b l e i b t deshalb doch als Aufgabe so groß und gewaltig, daß»vir unsere inneren Kräfte nicht schon iuter ama durch voreiligen Streit über die Grenzen des Ji* v -i' Möglichen und Nützlichen bei den Friedensverhandlungen zersplittern dürfen." In diesen? Artikel, airf de?? wir noch eingehend zurück- komnien werden, bekennt sich der Reichskanzler ausdrucklich zu den in seinen früheren Reden anfgestellten Kriegsziel« sorderungen. Wenn die Notiz der„Norddeutschen" die bel- gische Frage nicht ausdrücklich berührt, so ist der Satz doch klar gen?ig, in ivelcheiu der Reichskanzler davon spricht, das? die„Einfallstore frenidem Einfluß entzogen werden sollen". Noch deutlicher als in seinen Reden uürd der Kanzler jetzt in seiner Sprache über Rußland, dein gegenüber er ausdrücklich eine andere, k ü r z e r e Grenze beim Friedensschluß durchsetzen will. Auch über die übrigen, von anderer Seite aufge- stellten Forderungen äußert er sich nicht, wie er es nennt, aus „sentimentalen" Gründen zurückhaltend, sondern, weil die realpolitische Einschätzung der Krieaslage ihm in seiner Kriegsziclpolitik(der„Kunst des Mögliche n") davon ab- hält. *» * Die gestrige Note der„Norddeutschen Allg. Zeitung", die ron dem Volke Vertrauen zur Reichskanzlerpolitik verlangte, erfährt ?'on der gesamten bürgerlichen Presse keineswegs eine freundliche Aufnahme. Die liberale Presse schweigt allerdings vorläufig noch? um so entschiedener ist die Zurückweisung der Note durch die rechts- stehenden Blätter. Nach der oben abgedruckten neuen Kund- gebung des Kanzlers wird die liberale Presse sicher zufriedengestellt sein; die rechtsstehenden Parteien werden allerdings auch jetzt noch einige Zurückhaltung üben. Die„Krcuzztg." schrieb zu der ersten Auslassung der„Nord- deutschen": „Wie uns das in letzter Zeit so oft l»e? amtlichen und Halbamt- lichen.Kundgebungen begegnet ist, geht auch diese von der Fiktion aus, als sei Vertrauen eine Sache, die willkürlich gegeben oder verweigert werden könne, etwa wie eine Zahlung oder Steuer- leistung. Vertrauen ist aber eine Sache der lleherzeugung und des ßlefiihls. Dieses sozusagen blinde Vertrauen haben ganze Völker einzelnen Männern immer nur nach überragenden S r f o l g e n geschenkt.... Der Reichskanzler glaubt sie a?ls„ele- mentarster politischer Klugheit" verweigern zu müssen und verlangt das persönliche blinde Vertrauen. Aber unsere Gegner kehren sich a» die„elementarste politische Klugheit" des Kanzlers nicht, sondern haben ihre Kriegsziele oft genug vor aller Welt ausgesprochen. Sie haben sich dabei der Kriegslage jeweilig etwas anschmiegen müssen. und wir konnten dann mit Genugtuung feststellen, datz sie bescheidener geworden seien. Aber haben sie trotzdem mit ihren Reden und Kund- gedungen ihren Zlvcck nicht erreicht? Haben sie nicht den Kriegs- und Sieges Ivillen ihrer Völker lebendig er- halten, trotz einer militärischen und wirtschaftlichen Lage, wie sie z. B. auf den Völkern Italiens, Rußlands und auch Frankreichs lastet? Vergleichen wir dainit unsere Lage in militärischer. finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht, so haben wir keinen Anlaß, mit dem Kriegs- und Siegeslvillen unseres Volkes so durchaus zu- frieden zu sein. Sollte«elementarste politische Klugheit" uns da nicht eine andere Haltung empfehlen?" Und in der„Deutschen Tageszeitung" heißt es: „In dieser halbamtlichen Auslassung wird Ursache und Wirkung verwechselt. Die„einige innere Stärke" wird nicht dadurch gefährdet, daß Klarheit über die Ziele des Kanzlers verlangt, sondern dadurch, daß sie vorenthalten wird; und ebenso ist nicht ein blindes Vertrauen, wie es hier gefordert wird. Voraus- setzung der„einigen inneren Stärke", sondern einige innere Stärke, une nur die Gewißheit sie gibt, ldaß der Friede'ernst unsere t-pfer lohnen und unsere Zukunft wirksam sichern wird,'ist' die: Bor- bcdingung des Vertrauens.:. r.rDie Note, meint, jetzt,: während lvir noch' Nicht:. den endgültigen Sieg errungen" haben, sei es noch nicht an der Zeitz Klarheit über die Kriegsziele zu fordern. Ja, wann denn? Kriegszielc und politische Kriegführung bedingen s ich doch gegen- s e i t i g, vor allem gerade bei der Frage, die soeben noch erst ein iompetentcr Beurteiler wie Fürst Bülow als die entscheidende Kriegs- uiid Siegesfrage bezeichnet hat. Es wäre höchst bedenklich, dem deut- scheu Volke das„Fragen" verbieten und Schweigen auferlegen zu wollen, bis es— keinen Zweck mehr hätte, zu reden. Die„N. A. Z." weist daraus hin, daß unser Volk in Waffen wie oah, im jetzt mit allen Kräften um den Sieg zu kämpfen hat: Aber gerade darum, weil wir nun schon fast zwei Jahre in einem so furchtbaren Kampfe stehen, ist es hohe Zeitz dem deutschen Volke siele zu zeigen, damit es weiß, wohin dieser noch nicht abzu- sehende Krieg uns führen soll.... Das, und nicht ein lähmendes S ch�w eigen, ist die For- dcrung des Tages, deren Erfüllung nicht mif morgen oder übermorgen verschoben werden darf, wenn nicht Sorge und Zweifel noch lo achten sollen!" „TSglische Rundschau": „Gewiß kommt es auf das Heute an, aber doch nur um des Morgen und des Uebermorgen willen. Die wahre Forderung des Tages dünkt uns, der Nation endlich das durch den zer- störenden Druck auf die Geister seit den herrlichen Tagen deS Kriegsbeginns in Verwirrung gebrachte Bewußtsein wiederzugeben, daß sie gewiß sein kann, nicht umsonst zu opfern, zu kämpfen, zu bluten und zu siegen, sonder» für ein Ziel, das Opfer und Blut wert ist. Dieses Bewußtsein allein kann herrlich wie am ersten Tage— diesem Krieg heute wieder Seele und Zuversicht geben. Das wäre eine Fordeurng des Tages, über den hinaus zu denken und zu sorgen in einer Zeit, da um dw nationale Zukunft von Jahrhunderten gerungen wird, sich doch nur Säuglinge versagen dürfe n." Der nationalliberale„Deutsche Kurier" schrieb: „Diese Kundgebung trifft unseres Erachteus nicht dern Kern- r untt der Sache. Was sie fordert, i st blindes V e r- trauen in hie Regierung, weil die Regierung derzeit nicht. mz 0er Lage sei. über ihre Kriegsziele zu sprechen. Wir bezweifeln zunächst die Unmöglichkeit einer solchen Isussprache..... So-� lange � die Auslassungen des Kanzlers so' u n b e st i m m t gehalteir' sind, daß beide Gruppen alles aus diesen' Darlegungen heraus- lesen können, solange kann er nicht erwarten, daß ihm das all- gemeine Vertrauen entgegengebracht wird, das er, wie ja von sei- nein Standpunkt aus auch verständlich ist, gern als Fundament für seine politische Tätigkeit haben möchte. Vorläufig stehen die wei- testen Kreise Deutschlands unter dem Eindruck, daß das Herz dcS Kanzlers der erstgenannten Richtung zuneigt und daß wir heute eine Politik erleben, deren Organe das„Berliner Tageblatt" und die„Frankfurter Zeitung" sind. Das hat Mißtrauen er- weckt, und dieses Mißtrauen ist bis zur Stunde nicht be- s e i t i g t." „Deutsche Zeitung": „Wenn man weiß, daß der jeweilige Kanzler entschlossen ist, aus dem Augenblick politisch herauszuholen das, was unbedingt notwendig für eitlen dauernden Frieden und was mit entschlossener Kriegführung möglich ist, dann begnügen sich die geschichtlich gebildeten und nationalistisch führenden Kreise selbstverständlich mit schweigendem Vertrauen und stiller Mitarbeit. Wo aber die Klarheit und Gewißheit fehlt, muß man darum kämpfen und ringen, bebor es zu spät ist." Selbst das„Berliner Tageblatt" äußert sich dahin: „Man wird auch vom abweichenden Standpunkt aus diese:? Blättern zugeben müssen, daß die in der„Norddeutschen Allgemei- nen Zeitung" veröffentlichte Auslassung nicht gerade sehr i n h a l t r c i ch war. Eine besondere Wirkung kann lnan sich von solchen Gefiihlswendungcn kaum versprechen." Den Wünschen der Presse entsprechend hat sich ja der Kanzler mu? deutlich genug über seine Kriegszicle geäußert. Trotzdem hält er es für notwendig, in einer zweiten Kundgebung nochmals ausdrücklich zu betonen, daß er kein Flau- und Schlappmacher sei. Diese zweite Notiz der„Norddeutsche??" lautet: Mng ies GM» sammMs. Alntlich. Großes Hauptquartier, 8. Juli 1918.(W. X. BZ TLestlicher Kriegsschauplatz. Beiderseits der Soinmc hat der Hcldcumut und die Ausdauer unserer Truppen de» Gegnern ciue?? Tag voller Enttäuschungen bereitet. Die zahlreichen, im?ucr wieder neu einsetzenden Angriffe wurden blutig abgewiesen. Die Unzahl der gefallenen Engländer vor dem Abschnitt Ovillers— Contalinaison— Bazcntin— le-GrandnnddcrFran- zosen vor der Front Biaches-Sopecourt geben Zeugnis von der Masse der zum Angriff eingesetzten feindlichen Kräfte, sowie von der vcrhcrendcn Wirkung unseres Artillerie-, Maschinengewehr- und Jnfantcricfcucrs. Rechts der Maas opfert der Feind fortgesetzt seine Leute in starken vergeblichen Anstürmen gegen unsere Stellungen auf der Höhe„Kalte Erde"; er hat keinen Fußbreit Beden zu gewinnen vermocht. Mehrere hundert Gefangeue fielen.in«nsere Hand. Schwächere Vorstöße gegen die„Hohe Batterie von Tamloup" wurden leicht ab- gewiesen. Die Artillerie- und Patrouilleiitätigkeit auf der übrigen Front war teilweise rege. Ter Angriff etwa einer fran- zöstsche» Kompagnie im Priesterwaldc scheiterte. westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des® c n eralfeld Marschalls von Hindenburg Bei Abwehr erneuter Angriffe südlich des Narocz- Sees nahmen wir 2 Offiziere, 210 Mann gefangen und schlugen an anderen Stellen schwächere Vorstöße ab. Heercsgrllppe des Genera lfeld Marschalls Prinzen Leopold von Bayern. Mit vollen? Mißerfolge el?dcten die seit gestern wieder- holten Anstrengungen starker russischer Kräfte gegen die Frout vou Zirin bis südöstlich von Goroditsche sowie beiderseits von Tarowo. Tie vor unseren Stellungen liegenden Toten zählen nach Tausenden, außerdem verlor der Gegner eilie nc??ncnswcrte Zahl Gefangener. Neue Kämpfe si??d i?n Gange. Heercsgr??ppc des Generals v. Linsin gen Südwestlich von Lnek haben wir einige Vorteile er- rungcn. Armee des Generals Grafen v. Bothmer Nordtvrstlich von Bnezacz sind russische Angriffsuntcr- nchinungcn erfolglos geblieben. Balkan-Kriegsschauplatz. Artilleriekäi?tpfe z>vischcn Vardar und Dojran-See ohne bcso??drre Bedeutung. '("'"""D e'Hp Pre s sc.l�t u n ä, Zer gslmWM GemMMiMW. Wien, V. Jnli. sW. T. B.) Amtlich wird vcr- lautbart: Russischer Kriegsschauplatz. In der Bukowina habe» unsere Trnppcn den Feind in dem Tal der oberen Moldawa geworfen. Am oberen Pruth und südlich des Tnjcstr war gestern die Kampftätigkcit gering. Westlich»»d nordwestlich von Buczacz scheiterten init großer Heftigkeit geführte russische Angriffe. Süd- westlich von Luck wurden die feindlichen Linien abermals zurück- gedrängt. Die aus dem Styr-Bogcn nördlich von Kolli zurückgenommeucn Streitkräfte haben die ihnen ziigcwicsrnc» Räume erreicht. Ter Gegner drängte nur a» ciuzcliicn Stellen»ach. Gegen die östcrrcichisch-nngarische» und deutschen Trnppcn nordöstlich von Baranowitschi stürmte der Feind gestern abennalS unter Aufgebot großer Masse» an.' Alle Angriffe zerschellten. Unsere Sicbcnbürgischcil Regimeiltcr kämpften in völlig zerschossenen Stellungen und schlugen dir Russen mehrfach im erbitterte» Rah- kämpf zurück. Tauscndc von toten Russen bedeckten das Vorfeld. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Jsonzofront dehnte sich der Ecschützkampf auch auf den Görzrr n»d Tolmcincr Brückenkops aus. Gegen den Rücken von Monfalcone setzte» die Italiener nachts nach starkem Ar- tillcricfcucr mehrere Angriffe an, die blutig abgeschlagen wurde». Südlich dcS Sugaiiertales dauert der Angriff dcS italicuischcii zwanzigsten und zwciundzwaiizigslcii Korps gegen unsere Front zwischen der Cima Dicci und dem lvtoiite Ccbi» fort. Diese— sechs Infanteriedivisionen und mehrere Alpinigruppcn starken— seindtichen Krüstck wurden auch gestern nileftthalben unter schwersten� Bcrlusseir' zurückgewiesen. Im Ortlergrbict scheiterte ein Angriff des Feindes gegen Nliserr Stellungen ans dem kleinen Eiskögete•"' Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabes: v. Hocfcr, Feldmarschalleutnant. „Unsere gestrige Notiz iibcr die Rede des Professors Brandenbtirg ist von einigen Blättern dahin onsgelegt tvorden, als würde darin ein blindes Vertrauen für den Reichskanzler gefordert. � Blindes Bcrtranen fordert der Reichskanzler n?cht, aber er befürchtet� daß ein für die Zukunft nrstör Bedingungen vorbehaltenes Vertrauen in der Gegenwart neues Mißtrauen sät?inch vorhandenes vertieft, und er glaubt, daß wir i das iz?/ dieser � ernsten Zeit nicht, brauchen können. Nachdem man in? exsten.Halbjahr. bes Krieges den Reichskanzler als F l.a.u- u n d.S ch l chp.p.n? a ch e r. hat hinstellen wollen, im weiteren Verlans zu unzähligen Male??, offen.und versteckt den Verdacht geäußert und geweckt hat, als würde nicht aus realen, so??dcrn aus sc n tzi in c n t a l e n Gründen a>?f wirksa?ne und entscheidende Kriegsmittel verzichtet, als fehle der entscheidende W i l l.e z n n? Tieg, darf mar? sich jetzt nicht a?if einen aiif solche Weise hervorgerufenen Mangel an Vertrarren berrifen und es so darstellen, als for- dertc der Reichskanzler gegenüber einen? angeblich überall bestehenden Mißtranen volles Vertrauen. Diese Tetrdenz finden wir zu unserer?? Bedauern in einigen Kommentaren zu unserer gestrigen Notiz wieder." Der franzö'jifche Tagesbericht. Paris, 8. Juli. lW.T.B.) Amtlicher Bericht vonFreitag nachmittag.?>lus beiden Seiten der Somme war die Nacht ruhig. Auf dem linken MaaSnscr während der Nacht zeitweilig Geschützscuer. Aus dem rechten Maasufer gestaltete sich der Artilleriekampf sehr heftig in der Gegend des Werkes von Tniaumont rrnd in den Abschnitten von Fleury und Chenois. Im Priesterwald versuchte» die Deutschen gegen 8 Ilhr abends einen kleinen Angriff und drangen in ein Grabenstück ein. Sie wurden sofort wieder hinausgeworfen, In' demselben Abschrtiit gelang den Franzosen ein Handstreich voll- ständig. Sie säuberten-durch- Handgranaten die feindlichen Gräben in einer'Ausdehnung von 200 Meter und brachten Gefangene zurück. — Deutsche Flieger warfen mehrere Bomben auf die offene Stadt Lure. Elf Personen wurden getötet und drei verwundet;?nit Aus- nähme einer Militärpersem, sämtlich Frauen und Kinder. Davon wurde für etwaige Bergeltungsmatzrcgeln Kenntnis genommen. Im Lause des Tages warf ein französisches Geschwader wirksam vierzig Bomben ans den Eisenbahnknotenpnnkt Ham-les-Moines, westlich von Charleville und hatte auf der-Rückfahrt zahlreiche Kämpfe mit deut- schen- Flugzeugen, von denen zwei abgeschossen wurden, eins ii? der Gegend von Mszieres und eins bei Lessinconrt. Paris, 8. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Frei- tag abend. Im Laufe des Tages ist von beiden Seiten der Somme nichts zu melden, gewesen.' Ein in der vergangenen Nacht aus. einen unserer Schützengräben bei Moulin-sous-Toilvent zwischen Oisc und Aisne unternommener Handstreich des Feindes ist voll- kommen gescheitert.. Aus dem rechten Ufer der Maas ist der Kamps im Laufe des Tages in der Gege??d des Werkes von Thiaumont ziemlich lebhaft gewesen. Die Denkschen unternahmen' hintereinander mehrere Angriffe, denen Bombardements unserer Stellungen voran- gingen. Bei einein von diescn gelang es ihnen, in unseren vor- geschobenen Gräben Fuß zu fassen, aber unser gegen 2 Uhr nach- mittags unternommener Gegenangriff gestattete uns, unsere Linie vollständig wiederherzustellen, die sich an den unmittelbaren Zu- gängen zum Werk behauptet. Alle anderen Versuche des Feindes würden �durch das Fe?ler unserer Maschinengewehre zurückgewiesen. Sie haben ihn ernste Verluste gekostet. Der Artilleriekamps geht seht heftig im Abschnitt nördlich von Sonvillc und in der Gegend vön La Laufee weiter. Auf dem Rest der Fro?1t die übliche Kanonade. Belgischer Bericht: Im Laufe des Vormittags war der Artilleriekampf ziemlich lebhaft in der Gegend nahe bei Nieuport und östlich von Ramscapelle. Unser Feuer auf Driegrachteu und Steenstractc wurde mit Erfolg fortgesetzt. �»>e des Tages bra v ein lebhafter Kampf mit Bomben in der Richtung auf Steenstra..e und Boesinghe aus. Die englische Melüung. London, 7. Juli. lW. T. B.) Meldung des Reuterschcn Bureaus, Amtlicher Bericht des Generals H a i g. Letzte Nacht beschoß der Feind unsere neuen Slellungen bei Remafray bei Mon- tauban und bei La Boisellc heftig. Er benutzte an einigen Stellen Geschosse, die Tränen, in die Augen trieben. Oestlich von La Boisellc eroberten wir nach einem heftigen. Kampf, in dem der Feind schlvere Verluste erlitt, wieder einen Laufgraben, der sich über eine Front von 1000 iftards erstreckt. Wir haben uns jetzt dort endgültig fest- gesetzt. Südwestlich von Thicpval wurde ein entschlossener Angriff auf ünsew' Linie-Pö ll ständig'vereitelt. Am Morgei? erneuerten' ivir bei- TssgesanbAch-'.in'' gewisseiV Abschnitten de« SchlächtfeldeL östlich von''Albert'' unsere'-kräfftge Offensive, Die feindliche Artillerie ivar. beso?lders. tätig gm.Vorsprung von Laos und gegenüber von Hnllnch. Unsere Artillerie beschoß feindliche Verbindungsgräben und Onar- tiere an verschiedenen Stellen. Wir ließen gegenüber von Hulluch und Auchy zwei Mine?? springen. Zur gleichen Zeit richteten die Deutschen schwere Angriffe ans unsere neuen Gräben in der Höhe der Ancre n?id nördlich Fricourt. An der ganzen Front zwischen Ancre und Montauban wurde heftig gekämpft. Bis jetzt wurden mehrere l?'ichtige taktische Erfolge seitens unserer Infanterie in der Nähe von Ovi.llers, La Boisellc u?id Contalmaison erzielt, aber nordwestlich von. Thiepval gelang es dem Feinde, zeitweise 200— 300 Uards verlorenen.Bodens?vieder zu gewinnen. London, 7. Juli, sW. T. B.) Amtlicher Bericht. Trotz des hartnäckigen Widerstandes des Feindes drang unsere von der Artillerie gut unterstützte Infanterie in tapferster Weise vorwärts nnd eroberte am Morgen mehrere wichtige Punkte. Sie stürmte die ungeheuer starke Schanze Leipzig südlich von Thicpval und erzwairg sich den Weg nach Ovillers, wo der Katnpf in heftiger Weise weitergeht. Sie rückte in einer Frontbreite von 2000 Aards und einer Tiefe vo?i 500 flards östlich von La Boisellc vor. Wir vertrieben den Feind ans zwei Gehölzen und drei Linien Schützengräben nördlich von Fricourt. Die Schanze Leipzig liegt an dem deutschen Vorsprung. Sie war vom Feinde in den letzten 20 Monaten mit äußerstem Ge- schick befestigt worden und wurde nach einem heftigen Bolnoardeinent gestürmt. Eine unserer Brigaden weiter südlich, die von Westen her angriff, erzwang sich den Weg durch 500 Dards deutscher Schützengräbenfront hinein nach Ovillers. Die preußische Garde, die um 10 Uhr morgens östlich von Eontalil?aison i?is Feuer geworfen wurde, machte verzweifelte Anstrengungen, ims zurückzuwerfen. Der An- grjfs brach aber in unserem Feuer zusammen. Der Fei??d zog sich infolgedessen nordivärts zurück, wobei er 700 Gefangene zurückließ. Unsere.Infanterie stürmte mittags das Dorf' Contalmaison. Es wurde aber iyfolge eines kräftigen Gegenangriffs geräumt. Die" Per- luste des Feindes müsset? heute sehr ernst gewesei?.sein. Eine groß? Zahl, von Truppen mutzte sich über offenes Feld zurückziehen und wgrd.e von.'unserer Artillerie gefaßt. Das Dorf Bazent?n le Petit wurde, heftig beschossen, als es voller deutschen Reserven ivar. Ein gefangen genommener Lsfizier erklärte daß sein Bataillon von einem Flugzeug von 300 Fuß Höhe herab aus einem Maschinengewehr be- schössen.wurde, als es zum Schlachtfeld marschierte und in der Folge sei das gleiche Bataillon, von unseren weittragenden Geschützen schwer beschossen Ivorden. Ein starker Regen hat während des Tagcs den Boden aufgeweicht und die Schützengräben überflutet,!vas die Schwierigkeiten für die Trnppcn erhöhte.. Der ruMsche Kriegsbericht. Petersburg, 7. Juli. sW. T. B.) A m t l i ch c r Bericht von Donncrstagäbcnd. Westfront: Tic Zahl der Gefangenen, welche wir im Laufe der Kämpfe am 4. und 5. Juli westlich der Styr-Linie fluß- abwärts'Kolki machten, beträgt über 300 Offiziere, 7415 nnver- wundcte Sokdaten, außerdem eine große i'lnzahl von Verwundeten; nur eroberten 6 Geschütze, 23 Maschinengewehre, einige Tausend Gewehres 2 Scheinwerfer, 11 Bo?nbenivcrfcr. 77 Munitionsivägen. Wir wiesen heftige'deutsche Angriffe bei Grnziatyn ab. Am rechten Dnjestcr-Ufer in der Gegend von Jsakow und Kosmierzyn erbitterter Kampf. An vielen Stellen nördlich der Pinskcr Sümpfe lebhaftes Artilleriefener auf beiden Seiten. Oestlich Baranölvitschi machte der Feiich einige erbitterte Gegenangriffe, die wir abivicsen. Der Gegner machte von Zelt zu Zeit Fcncrnbcrfälle aus großen und kleinen Geschützen ans die Gegend des Dorfes Labnsy(11 Kilometer südöstlich von Baranowitschi). Unter dem Schutze dieses Feuers machte er zwei heftige Gegenangriffe. Er wurde jedesmal durch unser Artillerie-, Infanterie- und Maschinengcwchrfeuer ab- gewiesen. Petersburg, 8. Juli.(W. T. B.) AmtlicherBerichtvom 7. Jillr Nachmittagsbericht. Westfront: Tie Kämpfe westlich vom unteren Styr dauern mit großen Erfolgen für unsere Truppen an. In der Gegend von Galuzia(16 Kilometer westlich von Nafalowka), Optowa(13 Kilö- Meter westlich von Rafalowk«) und Wotczcck(13 Kilometer süd- westlich von Rafalowka) nahmen wir von'Deutschen und Oester- reichern ausgebaute Stellungen. Ter Feind floh unter unserem Artilleriefeuer. Wir machten von neuem zahlreiche Gefangene, darunter einen Regimentskommandeur mit seinem Adjutanten, Unsere Kavallerie verfolgte den Feind, jagte ihn bis in die Gegend von Wotczcck und nahm ihm eine Kruppsche Batterie von sechs Ge- schützen fort, welche nur einige Schuß abgeben konnte. Später er- oberten wir nach einem hartnäckigen Kampfe das Torf Koinaroiv (Ilt.o Kilometer südwestlich von Czartorysk) und Gradic(22 Kilo- Meter südwestlich von Czartorysk). Man meldet die Besetzung des Bahnhofes» Maniewicz<23 Kilo- meter nördlich von Kolki) durch unsere tapfere Kavallerie. Wäh- rcnd der Verfolgung nahmen wir dem Gegner eine weitere Batterie von vier Geschützen und außerdem drei Geschütze schweren Kalibers fort. Südlich des Stochod und in der Gegend der unteren Lipa Artillericfeuer. G a l i z i c n: Bei Hladki versuchte der Feind weiter vorzu- kommen. Er wurde durch eine vorbereitete Sprengung zurück- geworfen. Nach den letzten Nachrichten belauft sich die Gesamtzahl der vom 4. Juli bis 5. Juli westlich von der unteren Strypa ge- machten Gefangenen auf 273 Offiziere und 3333 Soldaten. Wir erbeuteten bis jetzt 23 Maschinengewehre, 3 Bombenwerfer, 3 Minen- wcrfcr, mehr als 5333 Gewehre und Flammenwerfer. Nordwestlich von Kimpolung ging der Feind energisch zum Angriff vor, er wurde jedesmal von uns abgewiesen. An der Düna lebbaftes Jnfanteriefcuer. In der Gegend südlich von Dünaburg bis zu den Pinsker Sümpfen an mehreren Stellen lebbaftes Artilleriefeuer. Südwestlich vom Narocz-See nahmen wsr nach erbittertem Bajonettkampf einen Teil der vorgeschobenen beut- schen Gräben. Ter Feind setzte hier zu Gegenangriffen an. Im Abschnitt der Front östlich von Baranowitschi griff der Feind mehr- mals vergeblich an. Kaukasus. In der Gegend von Jemizlik(25 Kilometer süd- lich von Trapezunt) griffen größere türkische Kräfte unter dem Schutze ihrer Artillerie gegen Tagesanbruch des 5. Juli an und drangen in die Gräben unserer Stellung ein. Unsere Truppen warfen den Feind im Handgemenge mit Handgranaten und mit dem Bajonett hinaus. Tarauf wiesen wir noch zwei weitere feindliche Angriffe ab. Vor unseren Gräben lagen mehr als 333 Leichen des Feindes. Er ließ außerdem eine große Menge Waffen und Munition zurück. Ocstlich von Baiburt gingen Teile unserer Truppen, nachdem sie den heftig, aber erfolglos angreifenden Feind durch ihr Feuer mürbe' gemacht hatten, ihrerseits an mehreren Stellen zum Angriff über und bcinächtigten sich einiger beherrschenden, von den Türken stark ausgebauten Höhenstellungen, wo sie 4 Offiziere, 123 Soldaten gefangen nahmen und ein Maschinengewehr, eine Anzahl Waffen, Geschosse und Fernsprechgcrät erbeuteten. Bericht öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 7. Juli.(W. T. B.) An der K a u k a s u s- front auf dem rechten Flügel und im Zentrum kein wichtiges Ereignis. Im Tschorukabschnitt dauern die unbedeutenden örtlichen Kämpfe an. Unsere Truppen entrissen deni Feinde von ueucm nördlich des Tschoruk auf dem linken Flügel einen Teil seiner Stellung. Gegenangriffe und Ueberfälle des Feindes zur Wiedernahme dieser Stellungen wurden mit un- geheuren Verlusten für ihn bollständig abgeschlagen. Im Laufe seines ergebnislosen Angriffs ließ der Feind allein vor einer unserer Stellungen 400 Tote zurück. Wir machten 17 Gefangene, darunter einen Offizier, und zwei Maschinen- gcwehrc und die Rescrbegeschütze, eine Menge Munitions- kästen, Gewehre, Zelte und Ausrüstungsgegcnftände fielen in unsere Hände. Von den anderen Fronten ist nichts Wichtiges zu melden. Konstantiiiopcl, 7. Juli.(W. T. B.) D a s H a u P t- quartier teilt mit: Von der Front im Irak und im Iran keine neue Nachricht. An der K a u k a s u s f r o n t auf dem rechten Flügel kein Ereignis, außer Patrouillengcfechten. In: Zentrum Patrouillen- gcfcchte und örtliche Feuergefechte. Im Tschorukabschnitt griffen unsere Truppen den Feind, dem es gelungen war, eine in den sich nach Osten ziehenden Stellungen gelegene Höhe zu besetzen, an, nahmen die Höhe ivieder, verfolgten den Feind bis an seine alten Stellungen und besetzten einen Teil dieses Geländes. Einen von: Feind versuchten Ucbcrfall in dem Abschnitt, der sich nördlich von Tschoruk in der Richtung auf das Meer ausdehnt, wiesen wir mühelos ab und nahmen dem Feinde Maschinengewehre. Auf dem linken Flügel erneuerte der Feind seine gewohnten Ueberfälle: im Laufe dieser Gefechte zerstörten und sprengten wir ein Geschütz und ein Schießbedarfslagcr des Feindes. In den Gewässern von S m y r n a beschossen einige feind- liche Schiffe die Küsten ohne Wirkung und zogen sich wieder zurück. Ein französisches Flngzeugniutterschiff erschien vor Haifa und liest, zlvei Wasserflugzeuge aufsteigen; eines davon fiel ins Meer, Flieger und Beobachter wurden von den anderen ge- rettet; wir aber zogen das unbeschädigte Flugzeug ans Land und erbeuteten die darin befindlichen Bomben und Maschinen- geivchre nebst Schicßbcdars._ Englischer Dampfer aufgebracht. A m t l i ch. Berlin, 8. Juli.(W. T. B.) Ter eng- l i ch c T a m p f c r„R e n d e n n i s" aus Falmouth, welcher mit einer Ladung Grubenholz von Gotenbnrg nach Hüll unterwegs war, ist an. der norwegischen Küste aufgebracht und hat unter deutscher Kriegsflagge auf der Borkuuircedc geankert. Ein deutscher Dampfer torpediert. Stockholm, 8. Juli.(W. T. B.)(Meldung des Schwc- discheu Telegvaphen-Bureaus.) Der S t e t t i n e r T a m p- fei„T o r i t a" wurde heute nacht außerhalb des Fischer- dorfes Trymnda in den Oernskoeldsvikschären von einem l'-Bootvcrscnkt. Der 5tapitänFriedrichscn wurde vom Kommandanten des O-Bootcs gefangen genommen. Tie 23 Mann starke Besatzung der„Dorita" rettete sich m das Fischerdorf. Sic sagt aus, es seien insgesamt 50 Schüsse gegen die„Torita" abgefeuert worden. Das l'-Boot trug den Rainen„Billong". Es führte keine natiopale Flagge, sondern nur Signalflaggen. Man glaubt, daß es sich um ein Tl-Boot russischer Nationalität handelt. Fischer behaupteten, die Ver- senkung habe nur 2t4 Seemeilen außerhalb von Trysunda stattgefunden. Deutsche Holdfracht angehalten. Amsterdam, 3. Juli.(W. T. B.) Ein hiesiges Blatt meldet aus Welievreden in Niedcrländiich-Jndien, daß der niederländische Dampfer „Tji Kembang", der aus Amerika kani, bei den Kaimata-Jnselii von eineni englischen Kreuzer angehalten und nach Singa- pore aufgebrawi wurde. Als Grund wird angegeben, daß das Schiff eine große Menge Gold an Bord halte, das für die Handelsbank bestimmt, aber deutsches Eigentum war. Neuer schwedisch-englischer Schiffskonflikt. Kopenhagen, 7. Juli.(W. T. SB.) Ter Stockholmer P r i v a t l o r r c s p o u d e rn t von„Politiken" meldet noch über die II e b e r s ü h r u n g des Dampfers„S t o ck h o l ni" der Schweden-Amerikalinic nach Liverpool: Ter Dampfer hatte große Mengen Kriegsmaterial an Bord, welche die s ch w e- dische Regierung in Amerika gekauft hat. Man rechnet mit einer Verzögerung des Dampfers um drei Woche», -was für die Reederei ein sehr großer Verlust ist. Die 833 Reisen- den des Dampfers müssen nun versuchen, auf andere Weise Skandi- navien zu erreichen. Tie Meldung von der Zurückhaltung des Dampfers rief an der Stockholmer Börse einen bedeutenden Kurs- fall hervor. Der Mini st er des A e u ß e r n l>rt bereits in London Schritte zur Freigabe, des Tanipfers unter- nvmmen. von denen man aber keinen Erfolg erivartet. Stockholm, 7. Juli.(W. T. B.) Göteborgs„Handels- tidning" erfährt, daß die engliiche Regierung sich nunmehr bereit erklärt hat, die von der schwedischen Handelskonunisston fest- gesetzten Formulare für die Einfuhr von Waren aus Eng- l a n d anzuerkennen. Bisher hatten sich die Engländer dem widersetzt.„Stockholms Dagbladct" meint dazu: Das englische Zugeständnis bedeutet in Kürze, daß die Kontrolle über Waren, die auf Grund besonderer Erlaubnis aus England eingeführt wer- den, in die Hände der schwedischen Staatsbehörden gelegt ist und daß England also mit den Garantien gegen einen Mißbrauch der Einsuhrware zufrieden ist.„Svenska Dagbladet" betont, daß es sich hierbei nur um Kaufbestimmungen für in England ge- kaufte englische Waren handelt. Die schwedische Einfuhr über England sei damit keineswegs geregelt. Zur Aufhebung öer Londoner Seerechts- öeklaration. Amsterdam, 7. Juli.(T. U.) Die holländische Amerika- linie hat beschlossen, für die nächsten zwei Wochen jeden Ver- kehr nach Amerika einzustellen. Es wird vorläufig kein Schiff dieser Linie die holländischen Häfen verlassen. In unter- richteten holländischen Kreisen bringt man diese Maßnahme mit der Nichtigkeitserklärung der Londoner Sccrechtsdekla- ration in Verbindimg, deren Folgen für die Neutralen nicht zu übersehen sind, da jedes neutrale Schiff völlig der Willkür des Londoner Prisengerichts preisgegeben ist. Amsterdam, 7. Juli.(T. U.)„Nieuws van den Dag" bc- schäftigt sich heute in einem Leitartikel mit der Ueberschrift „In der Klemme" u. a. mit der Nichtigkeitserklärung der Londoner Seerechtsdeklaration und mit der jüngsten Erklä- rung des Blockadcministers Robert Cecil auf die Anfrage eines Abgeordneten. Das Blatt sagt, daß der Zeitpunkt an- gebrochen ist, wo man einen starken Druck sowohl politisch als auch in ökonomischer Beziehung auf die an Teutschland gren- zendcn Länder ausüben will. Das Blatt richtet an die Neu- traten die Mahnung, vorläufig noch abzuwarten, fügt aber hinzu, daß die Behandlung, welche Griechenland sich von den Ententemächten gefallen lassen müsse, zeige, daß man nicht allzuviel Optinsiswvs zeigen dürfe. Je länger der Krieg dauert, so schreibt oas Blatt, desto mehr kommen die kleinen Neutralen in die Klemme zwischen die Kriegführenden. Tie internationalen Verträge scheinen jeden Wert verloren zu haben. Das Blatt bedauert dann die Lage der Schweiz, welches Land auf beide Parteien angewiesen sei und es mit keiner verderben dürfe. Zum Schluß ermahnt das Blatt öie Nieder- lande, ihre Unabhängigkeit zu wahren. Paris, 8. Juli.(W. T. B.)(Meldung der Agence Havas.) Das Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß, durch welchen die früheren Erlasse über die Anwendung von Regeln der Londoner Seerechtserklärung vom 25. Fe- bruar 1900 außer Kraft gesetzt werden. Hierzu wird in einem Bericht erklärt, daß die Erfahrung zur Feststellung geführt habe, daß diese Regeln nicht imstande seien, den Krieg- führenden die Anwendung der Rechte zu sichern, die sich für sie aus den allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechtes ergäben. Es erscheine angemessen, die Kraft der in London festgesetzten Regeln in ihrer Gesamtheit aufzuheben, um sich künstig an die Grundsätze des Völkerrechtes zu halten. In einem Memo- randum erklären die Alliierten feierlich, daß sie sich vor allem an die Bestimmungen der internationalen Abkommen halten werden, daß sie den Gedanken weit von sich weisen, das Dasein von Nichtkämpfern zu bedrohen, daß sie dem neutralen Eigen- tun: keinen unberechtigten Schaden antun werden und daß sie, wenn durch die Tätigkeit der Flotte Handelsleuten guten Glaubens Schaden verursacht würde, immer bereit sein wer- den, die Ersatzansprüche zu prüfen und berechtigte Genug- tuung zu gewähren._ Ein ökonomischer Zusammenschluß öer Neutralen. Lugano, 8. Juli.(T. U.) Das„Journal de Gendve" brachte einen kriegerisch klingenden Leitartikel anläßlich des „Drucks" des Viervcrbandcs in der schweizerischen Versor- gnngsfrage. Ter„Secolo" bemerkt hierzu, ähnliche Schrei- bercien sei man gewöhnt von Schweizer Journalen, die von unverantwortlichen Personen redigiert werden. Es sei aber das erste Mal, daß ein anerkannt seriöses Blatt eine derart erregte Sprache führe. Das„Journal de Genäve" rege unter Hinweis ans die Schlagfcrtigkeit des schweizerischen Heeres einen defensiven, ökonomischen Znsanimenschlnß der Schweiz mit Holland, Skandinavien, Spanien und Ainerika an. Die Antwort öes„Temps* auf Dülows Kriegszielforöerungen. Bern, 7. Juli.(W. T. 33.) Nichts konnte im gegen- wärtigen Zlugenblickc, in dem die Alliierten alle Anstrengungen, Deutschland zu schlagen, verdoppeln müssen, günstiger kommen, so schreibt„Tempß", als das Buch des Fürsten B L l o w.„Tenips" erblickt darin eine Acußcrung des deutschen Volkes. Bei so entgegengesetzten Auf- f a s s u n g c n von der Zukunft, heißt es weiter, kann der Friede nur von Dauer sein, wenn er auf der völligen und gänzlichen Niederlage Deutschlands ge- gründet ist. Der deutsche Militarismus und das deutsche Volk sind, so sagt uns Bülow, ein und dasselbe. Das verpflichtet uns, unsere Zuknnftssicherheiten nicht nutz. gegen die militärische Organisation, sondern auch gegen das Volk zu treffen. das sich mit ihm identifiziert. Bülow ist deutlich. Wenn wir das ungeheuerliche Werkzeug. das er Militarismus nennt, nicht zerbrechen, so wird der Friede nur ein Waffenstillstand sein. Wenn wir Teutschland die Be- wegungsfreiheit nach dem Kriege lassen, so verstärken wir den Militarismus, der sein Zukunstsprogramn: sein wird. Wir können ihn nur brechen, indem wir ihn an seinen Wurzeln abschneiden. Ein Krieg ist teuer. Ilm in Deutschland die Kriegsinöglichkeit zu ertöten, müssen wir es am Geldbeutel treffen. Indem wir den Feind zwingen, zu bezahlen, was der Krieg der Entente kostete, und ihr die Milliarden aus- zuliefern, die er sonst jährlich für Rüstungen ausgab, haben wir das einzige Mittel, ihn für ein Jahrhundert an den Frieden zu binden. Der Friede wird ein finanzieller Friede sein, ein Friede der Zurückbezahlung der Entschädigung, oder er wird nicht sein. Die entscheidende Bestimmung des Vertrages ist die, welche diesen Frieden gründet. Ein französisches Zentralernährungsamt. Bern, 8. Juli.(88. T. B.) Ter französische Minister des Innern hat, dem Drängen der Bürgermeister der Großstädte nach- gebend, nunmehr ein Zentralernährungsamt geschaffen mit der Aufgabe, die Mittel und Bedürfnisse der nationale» Wirt- schaft zu prüfen und die Versorgung des Landes wie des Heeres, sowie die Verteilung zu regeln. Dem Amte gehören Vertreter der einschlägigen Ministerien an. Rußlanö für Polens Autonomie. Moskau, 7. Juli.(W. T. B.)„Rußkoje Slow o" teilt aus zuständiger Ouelle mit: In der allernächsten Zeit ist die Ver- öffentlichung eines Regierungsaktes zu erwarten, der die Grundsätze deS bekannten Aufrufs des Höchstkommandiereuden Großsürste» Nikolai Nikolajcwitsch an die Polen sowie die seinerzeit von Goremykin in der Neichsduma angekündigte Autonomie Polens neuerdings bekräftigen soll. Die Anregung dazu geht von dem Minister des Aeußercn S s a s a n o w aus. Durch diesen Akt soll dokumentiert werden, daß die Polenfrage eine Frnge der inneren Politik Rußlands sei und allein von Rußland gelöst werden könne. Der Ministerpräsident Stürmer nahm Ssasanows Vorschlag bereitwilligst auf. AIS eine Abordnung der Polen vor kurzem bei Stürmer wegen Wiederaufna&me der Arbeiten der russisch-polnischen Kommission vorsprach, antwortete Stürmer: Die Kommission isü überflüssig geworden. Die Regierung sei fest entschlossen, Polens Autonomie auf breiter Grundlage zu verleihen. Englanö zum ruflijch-japanljchen hanöelsvertrag. London, 7. Juli.(W. T. B.) Wie das Reutersche Bureau er- fährt, bat die englische Regierung ihre Befriedigung über den Bündnisvertrag zwischen Rußland und Japan ausgedrückt. Man ist der Ansicht, daß dieser in jeder Hinsicht das englisch-japanische Bündnis stärkt und die allgemeinen Beziehungen zwischen allen Alliierten im fernen Osten festigt. Roofevelt unö öie Deutschamerikaner. New Aork, 3. Juli.(Funkspruch des Vertreters von W. T. B.) Nach einer Meldung aus. Chicago tritt Roosevelt in seinem Briefe an den Nationalausschuß der fortschrittlichen Partei über seine Gründe für die Ablehnung seiner Aufstellung für die Präsidentenwahl den: Ausspruch Hughes' bei, daß unter den äugen? blicklichen Verhältnissen die' Aufstellung eines dritten WahlbewerberS lediglich ein Schachzug zugunsten der Wahl Wilsons sein würde, und sagt: Hughes ist unvergleichlich besser zum Präsidenten geeignet als Wilson, und es würde ein schwerer Schaden für das Land sein, wenn letzterer wiedergewählt würde, lieber die Bind e- st r i ch- A in e r i k a ne r sagt Roosevelt: Man hat gegen Hughes geltend gemacht, daß et durch verschiedene sogenannte deutsch- amerikanische Vereinigungen unterstützt worden sei; ich glaube aber, daß die Haltung dieser gewerbsmäßigen Deutsch-Amerikaner am allerwenigsten ihrer Liebe zu Hughes entsprungen ist, vielmehr allein ihrem Gegensätze gegen mich: sie waren verpflichtet, mich bei der Ernennung der Wahlbewerber zu Fall zu bringen. Diese Leute haben nichts mit dem großen Volkskörper der Amerikaner gemein- sam— gibt es darin doch Leute von unvermischtem oder gemischtem deutschen Blute, welche genau so gute Amerikaner sind, wie die von irgendeiner anderen Herkunft. Nie und nimmer hat es in unserem ganzen Lande bessere Bürger gegeben, als die große Masse von Männern und Frauen deutscher Geburt oder Herkunst, welche ganz in utrserer geineinsamen amerikanischen Nationalität unter- getaucht sind oder noch untertauchen. Kein guter Amerikaner, welches auch seine Herkunft oder Konfession sei, kann etwas ande- res für diese geiverbsmäßigen Deutsch-Amerilaner empfinden. welche ihren amerikanischen Präsidenten zum Zwecke des Sieges des Deutschen Kaisers auszuwählen suchen, als Verachtung und Abscheu. Tie gewerbsmäßigen Teuisch-Ameritaner dieser Art handeln lediglich im wohlverstandenen Interesse Deutschlands; sie haben eine eifrige Bereitschaft gezeigt, das Interesse der Vereinigten Staaten zu opfern, so oft es mit Deutschlands Interesse zu- sammenstößt. Hughes Charaktev und die ganze Art seines Bc- nehmens in öffentlichen Angelegenheiten rechtfertigen die sichere Ueberzeugung, daß jene Leute, die ihn ihrer eigenen. Interessen wegen unterstützt haben, in keiner Form oder Art seine öffentlichen Handlungen vor oder nach der Wahl beeinflussen werden; dafür bürgt sein ganzes öffentliches Leben. Letzte Nachrichten. Die H»manit6 über die Kriegslage. Bern, 8. Juli. tW. T. B.) Die Pariser„Humanite gibt in einer Besprechung der Kriegslage zu, daß das Ziel der e n g l i s ch- französischen Offensive nur ganz allmählich erreicht und der sehr starke Gegner nur bei ausdauerndster Zähigkeit der Alliier- ten besiegt werden könne. Diesmal heißt es, müssen wir bis ans Ende gehen. Jetzt ist auch die Ehre Englands im Spiele. Unsere Alliierten haben uns zwei Jahre lang den Beweis ihres starken Willens und ihrer bewundernswürdigen Bemühungen um eine Or- ganisatio» gegeben; jetzt ist die Stunde gekommen, daraus Nutzen zu ziehen. Da man den jetzigen Augenblick als zur gemeiusameu Anstrengung günstig auSerseheu und da John Bull zu beißen be- gönnen hat, wollen wir Vertrauen zu seiner Zähigkeit haben. Die Wochen werden uns kurz vorkommen, wenn die Anstrengung nur nicht nachläßt und der Schraubstock sich fester zusammenzieht. Im„T e m p S" hat die Zensur eine Stelle gestrichen, die an- scheinend ein schnelles Vorwärtskommen des englischen Flügels als für weitere französischs Erfolge in der Picardie notwendig gefordert hatte. Gewerkschaftliches. Serlin und Umgegend. Teuerungszulagen an städtische Arbeiter, Angestellte und Beamte. Vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter wird uns ge- schrieben: Dieses Thema ist jetzt schon recht oft in der Presse behandelt worden. Auch haben jetzt kurz hintereinander die Stadtverordneten sich mit der Angelegenheit befatzt, so daß im Publikum vielfach die Meinung verbreitet ist, die städtischen Arbeiter eilen gewissermasten im Cilzugstempo von einer Teuerungszulage zur anderen. Wir sehen uns daher zu einer kurzen Darstellung des Sachverhalts ge- nötigt. Am 1. April v. I. wurde eine allgemeine, alle städtischen Arbeiter und Handwerker erfassende Teuerungszulage in Höhe von 10 M. pro Monat bewilligt und zwar bis zu einer Einkommen- grenze von 2000 M. pro Jahr. Am 1. Dezember v. I. wurde diese Teuerungszulage in der Weise erhöht, daß Ledige im Alter von mehr als 18 Jahren 12 M., Verheiratete ohne Kinder 1ö M., mit 1—2 Kindern 20 M. und mit mehr als 2 Kindern 25 M. erhielten. D ie Gasarbeiter erhielten diese monatliche Zulage über- Haupt nicht, sondern sie erhielten am 1. März und am 1. Juli 1915 je 5 Pf., insgesamt 10 Pf. Lohnznlage pro Stunde. Ende März richteten wir ein ansführlich begründetes Gesuch an den Ma- gistrat, in dem eine alle Arbeiter und Arbeiterinnen umfassende Lohnzulage von 5 bezw. Vl2 Pf. pro Stunde sowie eine bessere Regelung der Teuerungszulage gefordert wurde. Wie au§ amtlichen Mitteilungen des Magistrats ersichtlich, bestand beim Magistrat zunächst die Absicht, unseren Forderungen Rechnung zu tragen. Plötzlich trat aus uns unbekannten Gründen ein völliger Ilmschwung ein. Am 17. Juni liest der Stadtrat Franz eine Ver- sügung los, aus der zunächst überhaupt kein Mensch klug werden konnte. Die Beratungen im AuSschust der Stadtverordneten und das Ergebnis der letzten Stadtverordnrtensitzung haben nun Klarheit geschaffen. Am Donnerstag erllärte der Stadtrat Rast: Ich habe die Verfügung des Magistrats so aufgefaht, dast alle Arbeiter und Arbeiterinnen eineLohnzulage von 7'/z b z w. 5P f. bekomme ir sollen, und habe dem- gemäst auch angeordnet, dast in den Gaswerken wie im Elektrizitätswerk dieseLohnzulagen aus- gezahlt werden. Wir können bestätigen, dast dieses bereits geschehen ist! Wir haben die Verfügung des Magistrats auch so aufgefastt, nicht aber die Dezernenten und Betriebsdirigenten der anderen städtischen Betriebe! Wie sollte es auch anders möglich sein?! Die Teuerung betrifft doch nickit nur eine bestimmte Gruppe, sondern alle städtischen Arbeiter gleichmästigl In allen anderen städtischen Betrieben wurde und wird den Arbeitern zugemutet, für die ihnen zugedachten 5 bezw. 7�2 Pf- Zulage pro Stunde auf die bisher gewährte Teuerungszulage zu verzichten oder aber es bleibt bei den monatlichen Teuerungszulagen und sie verzichten auf die Lohnzulage! Mancher käme da vom Regen in die Traufe, die groste Mehrzahl erhält nichts, da eben alles beim Alten bleibt, und nur einige wenige mit drei oder mehr Kindern gesegneten Familien würden eine geringe Aufbesserung erfahren. Dast sich die städtischen Arbeiter eine der- artige Behandlung nicht gefallen lassen werden, i a so gar �ni ch t- ge fällen lassen können, liegt, auf der H a n d. Es.ist ganz selbstverständlich, dast die Arbeiter- ausschüsse aller so stiefmütterlich bedachten Betriebe schon in den nächsten Tagen'bei ihren Betriebsverwaltungen vorstellig werden, um die gleiche Regelung, wie sie in den Gaswerken und Elektrischem Werk erfolgte, auch auf die anderen Betriebe auszudehnen. Wir er- warten auch, dast die berechtigten Wünsche der Arbeiter Berücksichtigung finden werden. Dast sich Herr Stadtrat R a st noch den.Spast' erlaubte, zu behaupten, die Forderungen der Arbeiter seien bewilligt, denn sie hätten nicht mehr verlangt, sei ihm nicht weiter verübelt, obwohl der Herr weist, dast diese seine Behauptung objektiv unwahr ist. Es ist Herrn Stadtrat Rast genau bekannt, dast neben der Forderung auf Erhöhung der Löhne eine Regelung der Teuerungszulage in der Weise gefordert wurde, dast für Ledige 15 M., sür Verheiratete 20 M. und für jedes Kind unter 16 Jahren 6 M. pro Monat fest- gesetzt werden sollte. Das ist nicht geschehen! Mit welcher Arbeits- sreudigkeit nun in den nicht berücksichtigten städtischen Betrieben gearbeitet wird, kann man sich denken. Achtung, Bauarbeiter! In der Nr. 27 des„Grundstein" wird darauf hingewiesen, dast vom 1. Juli an die zweite Teuerungszulage im deutschen Baugewerbe gezahlt werden muß, die nach den getroffenen Vereinbarungen in Orten mit über 5000 Einwohnern und neunstündiger Arbeitszeit 3 Pf. sür die Stunde beträgt. Diese Notiz ist auch von der Tagespresse übernommen worden. Wir weisen hierdurch ausdrücklich darauf hin. dast diese Verein- barungen aber für das Grost-Berliner Vertragsgebiet nicht in Frage kommen, da die Berliner Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- organisationen selbständig verhandelt und den Vertrag abgeschlossen haben. Zum Unterschiede von dem übrigen deutschen Baugewerbe, wo Orte von der Größenklasse Berlins 6 Pf. zugebilligt bekamen, betrug die Teuerungszulage in Berlin 1 1 Ps. und erhöht sich nicht am 1. Juli, sondern am 5. August um weitere 3 Pf. auf insgesamt 14 Pf. für die Stunde. Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes Zweigverein Berlin. Achtung, Rohrleger und Helfer! Auf vielfache Anfragen teilen wir mit, dast der Beschlust der Rohr- leger- und Helferversammlung vom 4. d. M. unter allen Umständen in Geltung bleibt, solange mit dem Arbeitgeberverband eine Ver- ständigung in der strittigen Angelegenheit nicht erfolgt ist. Bisher haben die stattgehabten Verhandlungen einen Erfolg nicht gezeitigt. Voraussichtlich wird noch im Laufe der nächsten Woche eine Versammlung stattfinden, in der über den Stand der strittigen An- gelegenheit berichtet wird. Aufgabe dieser Versammlung wird es sein, weitere Beschlüsse zu fassen. Deutscher Metallarbeiterverband. Die Ortsverwaltung. Ii» den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken ist nach vorausgegangener Verständigung mit den Vertretern der Arbeiter- schaft für die in den Betrieben beschäftigten Arbeiterinnen, es kommen über 4000 in Frage, die achtstündige Arbeitszeit eingeführt worden. Bei Beginn des Krieges ist bei dieser Firma wie bei vielen anderen die Arbeitszeit für Arbeiterinnen von 9 auf 11 beziehungs- weise 12 Stunden verlängert worden, trotzdem dazu nicht die geringste Ursache vorlag. In der ganzen Zeit des Krieges ist ein Mangel an weiblichen Arbeitskrästen nicht zu verzeichnen gewesen. Es. wäre. dringend zu wünschen, dast, auch in den übrigen Beirieben der Berliner Metallindustrie die Arbeitszeit für Arbeiterinnen auf acht Stunden festgesetzt wird. Gerade im Hinblick auf die gegenwärtige Ernährungsmöglich- leit, unter der die Arbeiterinnen besonders schwer zu leiden haben, wäre es dringend' erwünscht, dost' die hier getroffene Regelung der Arbeitszeil überall durchgeführt wird, denn die weitere Aufrecht- erhaltung einer elf- reip. zwölfstündigen Arbeitszeit für Arbeiterinnen ist allein schon im Hinblick auf das groste Angebot weiblicher Arbeits- kräste geradezu unverantwortlich. deutsches Reich. Eine Lohnbewegung der Kölner Metallarbeiter. In Köln haben die drei Organisationen in der Metallindustrie, der Deutsche und der Christliche Metallarbeiterverband und der Hirsch-Dunckersche Gewerkverein, in einer sehr stark besuchten Ver- sammlung beschlossen, Forderungen an die Unternehmer zu stellen. In einer einmütig angenommenen Entscheidung wird gefordert: 1. Beseitigung oder möglichste Einschränkung des Ueberstunden- Wesens, der Nacht- und Sonntagsarbeit. 2. Die gänzliche Beseiti- gung von Ueberstunden Nacht- und Sonntagsarbeiten sür weibliche Arbeitskräfte und jugendliche Personen. 3. Ausgleich und Aufrecht- erhaltung des jetzigen Lohneinkommens, weil die Abschaffung oder Einschränkung der Üeberzeitarbeit einen Verdicnstausfall und damit eine weitere Verschlechterung der Ernährungs- und Lebensmittel- bedingungen bewirken würden.— Diese Forderungen seien um so nachdrücklicher anzustreben, als die Gewinnergebnisse in der Metall- industrie durchweg sehr gute seien. Die Organisationen wurden mit der Durchführung dieser Beschlüsse beauftragt. Eingegangene Druckschristen. Sozialistische Monatshefte. 13. Heft. Herausgeber Dr. I. Bloch Alle t4 Tage ein Hcst. bl> Pf.— Selbstverlag, Berlin W. 35. Die Seeschlacht vor dem Skagcrrak. Von H. E. Schlüter.(Hesses Volksbücher Nr. I1l4.) A> Ps.— Hesse u. Becker, Leipzig. Krirgswucherstrafrecht. Von Rechtsanwalt Dr. M. Alsberg. Kart. M. SS. Moser, Berlin S 14. Sternweiser für Heer und Flotte und sür alle Natursreunde. Von R. Henselings.(Stuttg. Kricgsbildcrb. Nr. 10.) 25 Ps.— Franckh, Stuttgart. Wie bekämpfen wir die Lebcnsmittelteucrnng? Von Bauer u. Kaufsmann. 65 Pf. Konkordia A. G., Bühl(Baden). Karte von Belgien und dem angrenzenden Nordfrankreich. 50 Ps. Franckh, Stuttgart. Palma Kunkel. Von Cb. Morgenstern. 2,30 M., geb. 2,80 M. B. Cafsirer, Berlin, Derfflingerstr. 15. Neutrale Stimmen. Amerika— Holland— Norwegen— Schweden — Schweiz. Eingeleitet von R. Eucken. 2,80 M., gebunden 4 M. S. Hirzcl, Leipzig. Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen von A. Eisigmann. (Orplidbücher Bd. 25.) IM.— Thomas Mann. Von F. Leppmann. 149 S. A. Juncker, Kurfürftendamm 2t0. Deutschlands wirtschaftliche Widerstandskraft. Von Prof. G. Cassel. 1 M. Ullstein u. Co., Berlin 8W 68. Wie baut man fürs halbe Geld in Oft und West neu auf? Von Dipl.-Jng. C. Adler. Geh. 1 M. Heimkultur-Verlagsgesellschaft Wiesbaden. Tie Befreiung von der Geld- und Zins-Herrschaft. Von G. Blumenthal. 1 M. Physiokratischcr Verlag, Berlin-Lichterscide, Ring- straste 49. Der Weltkrieg in der Karikatur. Lieferung 11—15. Von Eduard Fuchs. Erscheint in 30 Lieferungen a 1 M. A. Langen, München. WettcrauSfichteu für das mittlere Norddeutschland diS Montag mittag. Im östlichen Bmncnlande, etwa bis zur Oder, gröstte»- teils trocken, heiter und warm. Im Westen und längs der Küste ein wenig kühler, überwiegend bewölkt, an den mcisteit Orten öfter Regen, an vielen Gewitter. Q.m. b. H. Damen- Handschuhe Zwirn larbig.................. Zwim Netzge«.,(arb. a. weih, m 2 Druckk. Leinen-Ersatz ÄÄ8?.?'! 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S Schutzedcen u. 2Sv«it ausbauen, daß die gesamt« Volksernähruug auf diesem Wege, soweit es die Verhältnisse erlauben, gesichert wird. Für die meisten anderen Waren als Brotfrucht und Med! hat man sich zu einer solchen durchgreifenden Ordnung von Reichs wegen bisher nicht entschlossen, sondern die Ordnung den Bundes- staaten oder engeren Bezirken überlassen. Manche von diesen haben für ihr Gebiet bei vielen Warengattungcn ein auf sorgsamer Verteilung und PreiSbemeffung beruhendes System durchgeführt, das jedem den Bezug der Ware in einer dem Gesamtvorrat entsprechen- den Menge zu einem angemessenen Preise ermöglicht. Dieses System, das u. a. mit infolge der Gunst der Lage und der letzten Ernte im Königreich Bayern besonders gründlich und er- folgreich durchgeführt ist, erfordert unbedingt einen Abschluß des Gebietes durch Ausfuhrbeschränkungen, wenn nicht durch Eindringen des freien Handels und Fortführung der Ware nach anderen Be- zirken mit größerer Kaufiraft und höheren Preisen das gunze mühsam aufgebaute System über den Haufen geworfen werde,! soll. Daß die Nachbarn eines so geregelten Gebietes diese Ab- sperrung als Härte und Rücksichtslpsigicit empfinden, zumal wcnp sie scheu, wie gut es verhältnismäßig mit Versorgung und Preis jenseits der Grenze aussieht, ist selbstverständlich.... Trotzdem muß es das Ziel sein, auch diese Ausfuhr- schranken zu beseitigen. Das Ziel kann aber nur erreicht wer- den, wenn vorher durch Ordnung der Lieferung, des Verbrauches und des Preises, etwa nach dem Vorbilde unierer Getreidever- sorgung. für das ganze Reichsgebiet die nötigen Vor- kehrungen getroffen sind. Für die Kartoffel-, Fleisch-, Milch- und Fettversorgung sind die Vorarbeiten hierzu vom Kriegsernährungsamt nahezu beendet. Für Zucker und gewisse andere Gegenstände ist eine ähnliche Regelung am Werle. Bei einer Reihe von anderen Waren ist sie wegen der Natur dcr Waren nicht möglich. Hier können örtliche Ausfuhrbeschränkungen nur durch ein richtig abgestuftes System der Höchstpreise entbehrlich gemacht werden, wenn man nicht die bisher durch Ausfuhrverbote geschützten Bezirke der Gefahr völliger Entblößung von Waren aussetzen will. Auch in dieser Hinsicht sind die Vorarbeiten im Kriegsernährungsamt schon weit gedicyen und in mehreren Punkten sind durchgreifende Verbesserungen als- bald zu erwarten. Ein allzu lebhaftes Dtängen aber, fnii m manchen mir zugehenden Zuschriften die seltsamsten Formen angenommen hat, kann die Sache nicht förderm Es ist keine Rede davon, daß unberechtigte Sonderinteressen irgendwelcher Art daz Kriegsernährungsamt verhindern könnten, bei der Beseitigung dieser Mißstände mit der Schnelligkeit und irk der Art vorzugehen, die nach seiner Pflichtgeniätzen Ueberzeugung am besten zum Ziele führt. Unberechtigter Widerstand ist bisher tatsächlich nicht hervorgetreten, und wo er hervortreten sollte, würden sich Mittel und Wege finden, um ihn zu brechen. Sachliche Bedenken gegen Plötzliche, ungenügend überlegte Eingriffe, und die Notwendigkeit, bestehende, von einzelnen Bezirken geschaffene nützliche Ein- richtungen� so lange zu erhalten, bis allgemein Brauchbares an ihre Stelle gesetzt werden kann, sind der einzige Grund, der uns, auf die Gefahr hin, damit das Mißfallen der Oeffentlich- keit zu erregen, zu vorsichtigem Vorgehen veranlaßt." Mus öer partes. Zum Frankfurter Konflikt. Ter Parteivorstand schreibt uns? Durch die Presse geht eine auf dem letzten Frankfurter Bezirks- Parteitag beschlossene Resolution, in der behauptet wird, der Partei- vorstand habe das Vorgehen der Kreisorganisation Frankfurt a. M., die ihren Bezirksbeitrag dem Bezirkssekretariat Nicht abgeliefert habe, gedeckt, indem er den Agitationszuschuß für den Bezirk statt der angeforderten 1200 M. auf 600 M. festgesetzt habe. Demgegenüber sei bemerkt: Da der erweiterte Bezirksvorstand ein Flugblatt heraus- gab und im Bezirk verbreitete, in dem zum Bohkott deS Frankfurter Parteiorgans aufgefordert wurde, beichloß die Kreisorganisation Frankfurt, ihren Bezirksbeitrag zurückzuhalten, damit nicht ihre Mittel noch zur Bekämpfung ihres Zeitungsunternehmens verwendet würden. Obwohl der Beschluß der Frankfurter Genossen nach dem in der Partei wohl einzig dastehenden Vorgehen des erloeiterten Be- zirksvorstandes erklärlich erscheint, ersuchte der Parteivorstand den Frankfurter Wahlkreisvorstand, die Bezirksbeiträge an den Vorsitzen- den der Bezirksorganisation abzuführen, der dafür Sorge zu tragen hätte, daß sie lediglich im Interesse der Partei Verwendung fänden. Dem Antrage des Bezirksvorstandes auf Bewilligung eines Zu- schusses von 1200 M. konnte, ebenso wie ähnlichen Anträgen aus anderen Teilen des Reiche?,' aus finanziellen Gründen nicht in der geforderten Höhe entsprochen werden. Die Herabsetzung auf 600 M. mar in diesem Falle um so unbedenklicher, als eine Einsicht in die Kassengebarung des Bezirks ergab, daß die Bezirksorganisation mit diesem Betrag auskommen kannte, wenn sie ihre Ausgaben unter Be- rücksichtigung der Kriegsverhältnisse auf das durch das Parteiinteresfe gebotene Matz beschränkte. Der in der Resolution gegen den Parteivorstand erhobene Vor- Wurf, er zerstöre die jahrelange mühevolle Organisations- und Agi- tationsarbeit des Bezirks, bedarf danach wohl nicht der besonderen Zurückweisung. Er nimmt sich besonders wirkungsvoll aus im Munde von solchen Genossen, die in der jetzigen schweren Zeit ein Boykott- flugblatt gegen ihr eigenes Parteiorgan herausgeben und in weite- sten Kreisen verbreiten. Die Kontrollkommission hat sich am 6. Juni mit einer Beschwerde der Genossen Fleißner- Dresden und Gottschalk-KönigSberg i. Pr. beschäftigt, die sich gegen das Verhalten des Parteivorstandes in der Sitzung de? Partei- ausschusses vom 27. März richtete, in der über die Fraktionsspaltung verhandelt worden ist. Außerdem richtete sich die Beschwerde gegen den Parteiausschutz, weil er seine ihm durch das Organisationsstatut übertragenen Befugnisse überschritten habe. Die Beschwerdeführer haben beantragt:„Das gerügte Verhalten des ParteivorftandeS und Parteiausschusses verletzt unser Organisationsstatut und ist daher zu verurteilen. Die gefaßten Beschlüsse sind rechtswidrig und für die Parteigenossen unverbindlich." Die Beschwerde ist durch folgenden Beschluß erledigt worden: „Die Kontrollkommission war einstimmig der Auffassung, daß dem Parteivorstand wegen seiner Behandlung deS Falles Haase ein Vor- Wurf nicht zu machen ist. Was den übrigen Teil der Beschwerde be- trifft, der sich auf die Beschlußfassung des Parteiausschusses inner- halb der Fraktion bezieht, hat die Kontrollkommission sich für Ab- Weisung der Beschwerde entschieden," Soziales. Unterstützungen an beschäftigungslose Arbeiter der Textil- und Bekleidungsiudustrie in Sachsen. In einer im sächsischen Ministerium des Innern stattgefun- denen Sitzung des Landesausschusses für Tcxtilarbeiterfürsorge im Königreich Sachsen wurde eine Nachprüfung der Unter- stützungen an beschäftigu.ngslose Arbeiter der Textil- und Bekleidungsindustrie beschlossen. Als Unterlage für die Berechnung der Unterstützungssätze sollen künftig die für die Betroffenen erforderlichen Mengen an Nahrungs- mittein und sonstigen Bedarfsgegenständen dienen. Die festgestellten Bedarfsmengen sind je nach den örtlichen Preisen i n ihren Geldwert umzurechnen und die so gewonnene Summe als Grundlage fiir den Unterstützungssatz zu nehmen. Für Familienangehörige gelten entsprechende Zuschläge. Die bisherige Bestimmung, daß der Unterstützungssatz keinesfalls höher sein darf als der verdiente Lohn, ist außer Kraft gesetzt Worden. Kriegsteil- nehmerehefrauen können als arbeitslose Textilarbeiterinnen für sich die Krieger-Fainilienunterstützung und diejenige aus der Textil- arbeiterfürsorge nebeneinander in voller Höhe beziehen. Kleine Verdienste, Renten und dergleichen in Höhe von 2 M. bei ledigen Personen und 4 M. bei männlichen und weiblichen Haushaltungs- vorständen werden nicht mehr auf die Unterstützung angerechnet. Die Zinsen von Ersparnissen bis zu 3000 M. und die staatliche Wochenhilfe bleiben völlig unberücksichtigt. An in auswärtige Arbeit vermittelte verheiratet« Personen wird von Fall zu Fall«nt- sprechender Unterstützungszuschuß geleistet. Neu in die Fürsorge einbezogen worden sind die Arbeiter und selbständigen Gewerbe- treibenden der Nebengewerbe der Textilindustrie und diejenigen der Konfektions-, Wäsche-, Stoffblumen- und Filzindustrie. Tie Bcrufsvormundschaften während des Krieges. Dein„Zentralblatt für Vormundschaftswcsen, Jugend- geeichte und Fürsorgeerziehung" entnehmen wir folgende Dar- legung des„Archivs deutscher Berufsvormünder" über die Bcrufsvormundschaften während des Ktiegcs: „Während die Berufsvormundschaften ebenso wie alle anderen Behörden und Vereinigungen durch die Einberufung ihrer Ange- stellten an Arbeitskräften verloren, während viele freiwillige Mit- arbeiter und vor allem Mitarbeiterinnen durch die vielfältigen Arbeiten der Kriegsfürsorge abgezogen wurden, nahmen die Arbeiten der Berufsvormundschaften in starkem Maße zu. ES waren dabei vor allem zwei Aufgaben, die neben allem anderen ins Gewicht fielen: Beim Beginn des Krieges gelang es uns, den unehelichen Kindern die Kriegsunter st ützung, die ihnen in dem verbündeten Oesterreich schon lange gesetzlich zustand, ebenfalls zu erwirken. Damit erwuchs den Berufsvormündern die Pflicht, ihren Schützlingen diese Unterstützung in weitestem Matze zugänglich zu machen. In welchem Umfange das gelungen ist, zeigt eine be- sondere Zählung auf Grund der folgenden Tabellen. Rechnen wir alle jene Berufsvormundschaften zusammen, welche die Frage nach der Zahl der kriegsunterstützten Mündel beantwortet haben, so er- gibt sich, daß bei ihnen 141630 Mündeln 46 7 14 Uneheliche gegenübkxstanden, die die Kriegsunterstützung bezogen. Auf die Gesamtzähl von etwa 1000 000 unehelicher Kinder im schulpflich- tigen Alter würden danach etwa 326 S40 uneheliche Kinder entfallen, die Kriegsunierstützung beziehen. Rechnen wir, daß im Durchschnitt diese Unterstützung monatlich 10 M. betrage, was nach den Angaben in den Tabellen sicher zu Niedrig gegriffen ist, so würden uneheliche Kinder nnonaiiich 3 266 000 M. an Kriögsunter- stützung beziehen. Daß durch die Summe ihre Lage wesentlich ge- besserl wird, daß diese Summe in der Form besserer Erziehung und Ausbildung, geringerer Kriminalität und geringerer Sierb- lichkeit der Unehelichen Kinder der Gesellschaft in reichem Maße wieder zugute komm!, brauchen wir nicht näher mehr zu beweisen. Von hier ans ist es möglich, die Zahl der Unehelichen zu schätzen, die ihren Vater bereits im Felde verloren 1? a b d Ii und daher Anspruch auf eine Waisenrente hätten, wenn diese bereits gesetzlich den Unehelichen zustünde. Jenen 141 830 Mündeln entsprechen 2113 Verwaiste. Danach würden auf jene Million unehelicher Kinder, die mindestens in der Bevölke- rung Vorhänden sind, schon Mitte vorigen Jahres(die meisten Zahlen entstammen etwa dem August vorigen Jahres) 1 4 900 solcher Kinder entfallen sein, die Anspruch auf Krigeswaisenrenie gehabt hätten. Ihre Zahl wächst seitdem von Tag zu Tag; kaum etwas dürfte dringlicher fiir eine gleiche BeHand- lung dsr unehelichen und ehelichen Krieger- waiseli sprechen als der Hinweis auf diese Zahlen. Neben dieser Tätigkeit, die besonders im Anfang des Kriege? nicht gering war, dehnte sich eine andere Arbeit der Berufsvormiind- schaften während des Krieges stark aus: die Beratung der E i n z e l v o r m ü n d e r. Waren die Berufsvornninder schon im Frieden vielfach als Anskunftsstelle Vvn Vormündern benutzt worden, hatten nicht selten auch die Gerichte die Vormünder an sie verwiesen, so nahm das alles im Kriege bedeutend zu, wo die Vor- Mundschaftsgerichte, soweit die Vormünder und Mütter sich an sie wandten, diesen Aufgaben weniger als je gewachsen waren. Es ist kein geringer Ruhmestitel der Berufsvormiinder, daß sie gegenüber der großen Menge der alten Arbeit mit weniger Kräften zu arbeiten gezwungen, doch diese beiden neuen Aufgaben auf sich genommen und soweit es irgend ging, erfüllt haben. Es ist zweifellos, daß der Krieg auf die unehelichen Kinder in der unheilvollsten Weise gewirkt hätte, wenn nicht die Berufsvormundschaften mit Aufopferung aller Kräfte sowohl ihre eigenen Mündel geschützt wie auch noch ihre Kraft zum Besten aller anderen bevormundeten Kinder den Vor- münderm zur Verfügung gestellt hätten." Gerichtszeitung. Betrngsprozeß gegen Krawatten-Stcinberg. Der Prozeß gegen Adolf Steinberg und feine Ehefrau ist nach dreitägiger Verhandlung gestern beendet worden. In der Beweiserhebung wurden noch verschiedene Zeuginnen darüber vernommen, ob sie als Lehrdamen in Steinbcrgs Kra- watten-Nähschule etwas Rechtes gelernt und nachher so guten Ver- dienst gehabt haben, wie Steinberg in seinen Nlnnoncen es ver- sprachen hatte. Die Aussagen waren teils zugunsten der beiden Angeklagten, teils sehr zu ihren Ungunsten. Wenn Zeuginnen be- kündeten, daß sie nach Beendigung der Lehrzeit wenig geleistet und bald die Arbeit als iinlohnend aufgegeben hatten, wiesen die An- geklagten die in ihren Händen befindlichen Schreiben vor, in denen für„gute" Ausbildung„gedankt" wurde.„Ja, ich dachte ja, sie ist gut!" entschuldigte sich lachend eine Zeugin, als ihr„Dankschreiben" ihr vorgehalten und überreicht wurde. Steinberg berief sich darauf, daß er ausgelernten Lehrdamen, wenn er nicht selber Arbeit hatte, anderswo Arbeit nachgewiesen habe. Hierzu bekundeten einige von ihm selber als Zeuginnen beigebrachte Inhaberinnen von Kra- watten-Nähstuben, daß Steinbergsche Arbeiterinnen bei ihnen erst nachlernen muhten.„In den seltensten Fällen waren sie zu brau- chen", sagte die eine dieser Zeuginnen, und eine andere versicherte gar:„Arbeitsfähig war keine."„Das sind Entlastungszeuginnen!" bemerkte dazu der Staatsanwalt. Eine Arbeitsstuben- inhaberin gab an, daß eine Vorarbeiterin pro Woche zunächst 5 bis 6 M. und selbst nach zahrelanger Arbeit nur 10 bis 12 M. verdiene. Vernommen wurde auch Fräulein Dr. Giibcl, Leiterin der„Aus- kunftSstelle für Heimarbeitsreform", die einige Arbeiterinnen gegen Steinberg vor dem Gewerbegcricht oertreten hat. Durch eigene Beobachtung hat diese Zeugin in der Kriegszeit an einzelnen Tagen festgestellt, daß Steinberg nur wenig Arbeit ausgab. Als Sachver- ständige wurden Kaufmann Gratzhcim, Prokurist Schröter und Kaufmann Peter vernommen. Graßheim hatte in einem Gewerbe- gerichtsprozeß das Steinbergsche Fabrikations, und Verkaufsgeschäft in der Gontardstraße besichtigen müssen und dabei nur ein ganz bescheidenes Warenlager vorgefunden, dessen Wert er auf 3000 M. schätzte. Schröter und Peter gaben ihr Gutachten dahin ab, daß Steinberg nicht in der Lage gewesen sei, die Versprechungen seiner Annoncen zu erfüllen. In so kurzer Zeit eine Krawattenarbeiterin auszubilden, sei unmöglich. Steinberg erwiderte, daß viele Damen weder zu lernen, noch zu arbeiten beabsichtigten. Da seien z. B. die vornehmen Damen, die„verschämten Arbeiterinnen', die in der Regel rasch die Arbeit wieder hinwerfen. Manchen sei es sogar nur darum zu tun, nach drei Tagen eine Bescheinigung zu erhalten, daß sie bei ihm gearbeitet haben. Eben das sei ja sein Vorteil, und davon habe er seit langem eine„mittelmäßige Existenz". Auf eine Frage des Staatsanwalts, was denn das für Damen seien, erklärte Steinberg sich deutlicher:„Nun, Damen, die unter Kon- trolle stehen." Das Ergebnis der Beweisaufnahme wurde vom Staatsanwalt dahin zusammengefaßt, daß Steinberg und Frau des Betrüge? überführt seien. Man müsse den Angeklagten dafür danken, daß sie selber noch„Entlastungszeugen" beibrachten, die dann zu ihrer B e- lastung dienten. Der Betrug sei zu erblicken in den Annoncen, in dem Prospekt und in der Zusicherung der Lchrgeldrückzahlung. Die letzten Groschen habe Steinberg unbemittelten Frauen und Mädchen aus der Tasche gezogen. Der Staatsanwalt beantragte, die Be- rufung der Angeklagten zu verwerfen. Für Steinberg seien die in erster Instanz erkannten zwei Jahre Gefängnis nicht zuviel. Ihm müsse aber auch der auf unlautere und verbrecherische Weise er- reichte Vorteil wieder entrissen werden, und außerdem sei daß Ehrlose seines gemeingefährlichen Treibens zu kennzeichnen. Gegen ihn wurden noch 500 sfünfhundert) Mark Geldstrafe und Aberken- nung der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre beantragt. Gegen Frau Steinberg lautete der Antrag auf ein Jahr Gefängnis(statt drei Monate erster Instanz). Der Verteidiger, Rechtsanwalt Bahn, forderte für beide Angeklagte die Freisprechung. Von Betrug könne keine Rede sein; denn der Tatbestand sei ja genau ebenso wie der in früheren Gerichtsverfahren festgestellte. Steinberg habe früher zweimal Freisprechungen erzielt und außerdem wegen der Angriffe gegen ihn die Verurteilung eines„Borwärts"-Redakteurs durch- gesetzt. Da habe er seinen Betrieb doch wohl für einwandfrei halten können. Das Gericht kam zu dem Urteil: Ausreichend seien für Frau Steinberg 3 Monate Gefängnis, für Steinberg 1 Jahr 3 Monate Gefängnis, wovon 3 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet wurden. Auf Geldstrafe erkannte die Strafkammer nicht, wohl aber auf die beantragten drei Jahre Ehrverluft. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende, Landgerichts- direktor Lampe aus, die Schülerinnen seien den Steinbergschen Eheleuten zugeführt worden durch das in den Annoncen gemachte Versprechen einer dauernden und lohnenden Hrimarbeit, das nur als Locksveise gedient habe. Den Angeklagten sei bewußt gewesen, daß sie gar nicht in der Lage waren, dauernde und lohnende Heim- arbeit zu geben. Man habe den Wortlaut der Annoncen dahin auffassen müssen, daß sie Arbeit aus dem eigenen Geschäft zu- sicherten. Sie hätten wohl gewußt, daß es ihnen unmöglich war, in ihrem kleinen Fabrikationsgeschäft so viele Personen zu beschäf- tigen, wie sie in ihrer Nähschule unterrichteten. Auch sei die Lehr- Methode bei ihnen gar.nicht geeignet gewesen,, zu dauernder und lohnender Heimarbeit vorzubereiten. Außer dieser allgemeinen Vor» spiegelung hätten sie gegenüber einzelnen Schülerinnen noch beson- dere Vorspiegelungen gebraucht, z. B. die, daß sie nötigenfalls Kriegsarbeit geben würden. Auch hätten sie einzelnen Schüle- rinnen die Rückzahlung deS Lehrgeldes zugesichert, obwohl das nie ihre Absicht gewesen sei. Der Hinweis des Angeklagten Steinberg auf die früheren Freisprechungen sei irrig; die Verhältnisse seien nicht dieselben wie damals geblieben, sondern Steinberg habe in der Kriegszeit die Ausbildung von Lehrdamen nnier Vorspiegelung dauernder Heimarbeit fortgesetzt, obwohl er wußte, daß jetzt gerade in der Krawattenindustrie die Lage noch ungünstiger für die Arbeite- rinnen war. Mit Rücksicht auf die ehrlose Gesinnung, die er an den Tag gelegt habe, sei ans Ehrverlust erkannt worden. Für die Ehe- frau könne als mildernd gelten, daß sie unier dem Einfluß ihres Mannes Händelte. Die vom Verteidiger beantragte Hafteiilassung wurde abgc- lehnt. Steinberg�liid Frau erklärten dann, sich tzct dem Urteil be- ruhige» zu wollen. Beleidigung cinrtz Gewerberichters. In vierter Instanz wurde gestern vor der StraskaiNNler des Lwiidgerichts II die Anklageßuiie gegen den Buchhalter Friedrich Richter wegen Beleidigung des Arbeitnehmer- Beisitzers beim Gvwerbegericht Genossen Alwin Körst en verhrnidelt. Der Angeklagte hatte als Angestellter der Berliner Maschinen- ban-Aktiengesellschaft vormals Schwartzkopff im Anschluß an eine Streitsache, die zwei Former mit Erfolg gegen die Firma richteten, die Bemerkung gemacht:„Der Beisitzer mit der goldenen Brille, der RerchstagSabgeordnete, habe das Gericht zu dem Urteil bewogen, aber die Firma werde Ihm das Handwerk legen." Das Schössen- g c r i ch l hatte den Angeklagten zu 3 0 M. Geldstrafe eventuell sechs Tagen Gefängnis verurteilt. Die hiergegen eingelegte Be- rnfung wnrde von der 5. Strafkammer des Landgerichts I ver- worfen. Die Sache ging an das KamiNergericht, welches das Urteil der Vornistrrnz aufhob»nd die Sache zur anderweiten Verhandlung.und Entscheidung an das Landgericht II verwies. Hier beantragte Rechtsanwalt Dr. H e i n e m a n n wiederum die Bestrafung des Angeklagten, und das Gericht entsprach diesem Antrage ans folgenden Erwägungen: Es frage sich, od dem Ange- klagten der Schutz des§ 199 St.-G.-B. zur Seite stehe. Dies habe das Gericht an sich bejaht. Detz Angeklagte wollte und durfte den beiden Formern gegenüber die Gründe darlegen, aus denen die Firma Schroartzkopfs an dem Urteil des Gewerbegerichts Anstoß nahm. Aber die Form,„einem Richter das Handwerk legen", sei in der Absich! der Beleidigung geivähli. Der Angeklagte habe dem Körsten einen Hieb versetzen wollen, sonst hätte er einen anderen Ausdruck gewählt. Danach war das Urteil des Schöfsengerichis aufrechtzuerhalten und der Angeklagte wiederum wegen Beleidi- gung des Körsten in dessen Eigenschaft als Gewerberichter zu 3 0 M. G e l d st r a f e zu verurteilen. UM M. Grldstrask für unerlaubtes Verfüttern von Hafer. Wegen Vergehens gegen die Bnndesratsverordnung vom 28. Juni 1915 betreffend die Regelung des Verkehrs mit Hafer hat das Landgericht K o n i tz am 8. Mai d. I. den Besitzer Franz T e m p l i n zu 1900 M. Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte ist Besitzer eines 500 Morgen großen Gr u n d st ü ck s, auf dem er Ende v. I. unter anderem fünf Pferde hielt. Diese wurden ans Veranlassung des Angeklagten täglich mit je 8 Pfund, also insgesamt 40 Pfund, Hafer gefüttert. Mit dieser Menge war das gesetzlich vorgeschriebene Quantum überschritten, wofür der Angeklagte verantwortlich gemacht worden ist, da die Fütterung der Pferde mit soviel Hafer ans sein Geheiß erfolgt war. In der ganzen in Frage kommenden Zeit vom 1. Dezember 1915 an waren auf diese Weise 4280 Pfund Hafer unerlaubter- weise als Pferdefulier verwendet worden. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt. Das Reichsgericht er» kannte am Freitag auf Verwerfung des Rechtsmittels. Mus aller Welt. Schlaraffenleben in Marienbad. Der„B. Z." wird aus Marienbad geschrieben:„Der Weltkrieg stellt tatsächlich alle Dinge auf den Kopf. Früher ging man nach Marienbad, um sich zu entfetten, und heute größtenteils nur— zur Mastkur. Während wir den Schmachtriemen auch in der Sommerfrische enger ziehen müssen, ist die Verpflegung in Marien- bad während dieser Saison in jeder Beziehung so reichlich wie einst im Frieden. Alle Lebensmittel sind in unbeschränkter Menge vor- Händen und die Preise sind— man staune!— wirklich preiswert. Eine Einschränkung des Verbrauches durch Karten ist nur bei Brot eingeführt, aber es gibt sogar sogenanntes„K n r g e b ä ck" aus reinstem Weizenmehl. Alle anderen Lebensmittel: Fleisch, Butter, Milch, Eier usw. sind in beliebiger Menge im Freiveriehr käuflich. Für Kurgäste sind sogar die„fleischlosen" Tage ausgehoben worden. Ebensowenig gibt es„fettlose" Tage. Polle Penston inklusive Wohnung kostet im Durchschnitt pro Tag 7 bis 10 M. Die Speisetarten der großen Restaurationen weisen neben vielen anderen Gerichten noch über 20 verschiedene Fleisch- speisen auf, die zu verhältnismäßig billigen Preisen erhältlich sind." Es werden dann verschiedene Gerichte aufgezählt, bei deren Erwähnung einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Man ersieht darauS: ob Entfettungskur oder Mastkur, in Marienbad kann man beides haben, wenn man nur das nötige Geld dazu hat. Verhoben. Ungewöhnliches Aufsehen erregte in diesen Togen in Amsterdam nach dem„Allgemeen HandelSblad" der folgende Bericht des.Nieder» ländischen StaaiSanzeigerS": „Der Kriegs- und der LandwirtschaftSminister geben diele Woche keine Audienz. Natürlich sitzen die beiden Verbrecher jetzt sicher hinter Schloß und Riegel." Natürlich handelt es sich da um einen technischen Fehler in der Zeitungssetzerei; der letzte Satz gehört zu einer ganz anderen Ztotiz. Man nennt solche technischen Schnitzer.VerHebung". Ungeheuerliche FeldpostdiebstLhle. Aus Müh Ihausen (Thür.) wird der„Magdeb. Ztg." berichtet: Der 2 7 Jahre im Amte befindliche Briefbote Sickert wurde wegen um- fangreichcr Postdiebstähle verhaftet. Er hat seit Kriegs- beginn Hunderte von Feldpostsendungen be- stöhlen. Durch Haussuchungen wurden bisher an Diebesgur Ii. a. ermittelt: Etwa 80 Pfund Wurst- und Fleischwaren, 4000 Stück Zigarren, Tabak, Zigaretten, Tabakpfeifen, Taschenlampen und Batterien dazu, Konserven, Liköre, Wäsche, Schokolade und ähnliche Genußmittel. Auch Sickerts Frau wurde wegen Hehlerei in Haft genommen. Bei der Verhaftung dcö Ehepaares wurde dieses von der Bevölkerung bedroht, die die Fenster des Sickertfchesn Hauses einschlug und das Haus mit Schmutz bewarf. Ein höchst wirksames Mittel zur Erhöhung der Obstzufuhr' hat, wie die„Deutsche Tageszeitung" meldet, die Mannheimer zuständige Behörde angewendet. Dort war infolge der Festsetzung von Höchstpreisen fast kein Obst auf den Markt gc- kommen. Die Behörde erließ daraus folgende Bekanntmachung: „Sollte nicht innerhalb drei Tagen der Markt wie ehedem mit Kirschen und Erdbeeren zum Preise von 25 bzw. 35 Pf. beschickt werden, so werden unverzüglich Landsturmleute zum Bc- -s-ch r««« h*t# tj-w-tit«« bt f-t{ hirfc 5eik Eigentümer wird das Obst zu einem festen Preise enteignet werden. Jedoch werden, die Unterhaltungskosten für die Landstürmer abge- zogen werden." Die Wirkung stellte sich überall schnell ein; bald kam wieder Obst in reicher Fülle auf den Mannheimer Markt.- Erschwerung des Pilzfammelns. Zu dem unter dieser Ueber- schritt von uns gestern mitgeteilten Vorgang in der Altsriedtänder Forst wird uns mitgeteilt, dag sich dieser Forst im Besitze des neuen Berliner Polizeipräsidenten Herrn von Oppen befinden soll. � Wir nehmen als selbstverständlich an, dast Herr v. Oppen mit dem Vor- gehen des Forstbeamten nicht einverstanden sein und ihn zur Rechen- �-chaft ziehen wird. Unwetter in Ostpreußen. Bei einem schweren, ganz Ostpreußen heimsuchenden Gewitter wurden durch Blitzschläge mannigfache Brandschäden verursacht und zwei Menschen getötet, eine Frau gelähmt. In Allenstein fiel walnußgroßer Hagel. Die Eisen- bahn Cranz— Neukuhren ist durch Ueberflutung des Bahndamnis auf SlXI Meter unfahrbar. Ncbrrschwcmmiing einer Schwefelgrube. Laut einer Meldung des„Corricre della Sera" aus Palermo wurde Freilag früh infolge des Bruches der Wasserleitung die Schwcfelgrube Brotta. calda in Caltanisetta. überschwemmt. Rettungs- arbeiten zur Bergung von 4(XZ' Arbeitern wurden eingeleitet. Es ist niemand getötet worden. öriefkaften üer Redaktion. Die lurtsttsche Sprechstunde finde« für Abonnenten LIndenft». 3, TV. Hos rechts, parterre, am Montag bis Freitag von t tts 7 Ugr, am Sonnadend von& bis C Uhr statt. Jeder für den Briettasten bestimmten«nsrag» ist ein Bucdstab« und eine Lad! als Merlzeichen beizusügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Aniragen, denen leine Abonnementsquittung beigefügt ist, werden nicht. beanlworlct. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verirflgr, echtlstslfidr»nd dergleichen bringe man t» die Lprechsinnde mit.-■- H. K. N. 8. Antrag aus Altersrente tonnen Sie unter Bessügung der letzten Ouittunaskarte, der Ausrechnungsbcscheiuigungen und des Gc- burtsschcineS auch schrtstlich an da« VersichcrungSamt stellen. ES empfiehlt sich ein Einichreibebries. Sie müssen Jnvalidenmarten weiterllebcn.— — A. JB. 109. Die Gcldüberschüsse der Kantinen sollen nach den Vor- schristcn zur Bildung eine» angemessenen Reservefonds dienen, die dann noch verjügbaren Uebcrschüsse sind zum ausschliesslichen Nutzen der Unter- ossizierc und Mannschaften so zu verwenden, dass sie möglichst unmittelbar und glcichmässig de« Beteiligten wieder zugute kommen.— Beschwerden über die Kantine und deren Verwaltung müssten zunächst der Kantinen- loniinission unterbreitet werden., Diese soll sich zusammensetzen aus einem Hauptmann, einem Oberleutnant oder Leutnant, zwei Unteroffizieren und einigen Gemeinen, die von den Kvmpagniechess vorgeschlagen und vom Bataillonskommandeur bestinimt werden.— ü, 5S5. 1. Herabsetzung der Sehs�ärsc. 2. Da Sie bereits zum Landsturm ausgemustert sind, können Sic jeden Tag Gestellungsorder bekommen. 3. und 4. Sie müssen durch Reklamation die Sache erledigen. Das von Ihnen in Aussicht genommene Vorgehen gegen den Steucrerheber würde für Sie nur Unzuträglichkeiten im Gefolge haben. Hat Ihre Frau ein stcuerpflichtig-Z Einkommen, so wird sie besonders zur Steuer veranlagt.—(?. D. 100. Für diesen Zweck besteht kein Anspruch aus srcie Eiscnbahnsahrt.— M. lt. Nein. — E. M. 83. Da Sie dem Landsturm überwiesen find, können Sie noch eingezogen werden. Das Zeichen bcdeuict: in erster Linie.— H. P. LT. 1. 20 Marken in zwei Jahren. 2., 3. und 4. Ja.— I. E. 37. Die Ehescheidung kann wegen böslvilligen Verlassens nicht er- dobcn werden, es müssten denn noch andere Gründe vorliegen.— R. N. 100. Wenden Sie sich an die Kautschul-Meldestelle der Kriegs- Rohstoff-Abtcilung des KriegsnlinistcriuniS. Berlin, Potsdamer Slr. 10/1t. Alles Nähere erfahre« Sie"dort.— H. P. 37. Schlechte Zähne und Maltsuss: dieuslsähig.— F. t k. In. zwei Jahren.— Ä. T. 78. 1. Wenn die Frau allelnüebend ist. wird die Bedürftigkeit jedenfalls nicht nnerlannt werden. Es kann ibr deshalb auch die Staatsunterstützung ver- weigert werden. 2. Der Wirt kann zum Mietsnachlass, namentlich i» der Höhe, nicht gezwungen werden.— M..H. 11. Die Bundesratsverord- nung können Sie nicht in Anspruch nehmen, da Ihre Angelegenheit schon vordem erledigt worden ist.— W. P. 1003. 1. und 2. Ja. -«. C. 7«. Da die«4««h«gevku« d« Fe« sind. Umm*«e fcfef« nicht zurückverlangen.— R. A. 47. Die kirchliche Trauung kann noch später erfolgen.— ffi. G. 100. 1. Nein, das kann nur unter Zustimmung aller Erben geschehen; event. müsste gerichtliche ErbauSeinandersctzung beantragt werden. 2. Uebermässige Auswcndungen dürfen dafür nicht ge- macht i-werden,.sonst s geschieht das s aus Kostens der Geschlvister/— Hedwig 1. l.'Ja. 2. Das Kind ist' dann alleiniger Erbe. 3. Sie müssen sich an den Hauswirt um Abstellung des Missstandes wenden. Sonst bleibt 'Ihnen wohl nur Übrig, fristgemäss'zu kündigen.— 511. 88. Die Erhöbung der'Hypothekcnzmsen. ist zulässig; wenn Sie nicht darauf eingeben, wird der. Hypothekengläubiger Ihnen die, Hypothek kündigen. Da Geld jetzt| schwer zu haben und die Erhöhung der Zinsen eine massige ist, würden wir l SHtm ttim, t«Mttf«httztMetzw. tfk uti*m M«uf cht.P-t»«fe»,»« niedrigerem ZinSsttss anderwärts nicht erhalten.—*0. K. I. Die Bundesratsverordnung umsasst ziemlich ewe Spalte des.Vorwärts"; wir können sie deshalb unmöglich hier„zum Abdruck bringen. Sie müssen Ihre Ansrage schon Präziser soffen und angeben,.'um waS es' sich handelt. Der Arbeiter-Wanderverei«.Berlin-» veranstallet am Somin,?» den 1(3. Juli, eine Spreewäidsahrt. Teilnehmerkarten a 5,75 M. sür Bahn- fahrt 3. Klasse und Kahnfahrt sind bis Freitag, den 14. Juli, zu haben bei Wählisch, Skalitzer Str. 22, Horsch, Engeluscr 15, Kraatz, Kochstr. 3S. FABRIK- ANSICHT GalemÄleikum yiohlmund sfück) (QoidmundstücK), 5>0are#en. IblwaAsfutSße'f DlsH�NI 354 4 5 ö O 10 4 3 6 61012 PfdStück elnadhlieSlich KrlegaaufschlaQ. OrlerttedTabak-u agareäen-Fabrik jiinidze Dresden 3nh.Huoo2le±z Heflieferant S.M d.KcrioövSadjsen D Trustfrei! D (Hetzel'sche Kasse). Donntag, den 33. Juli 1910. vormittags 9'/, Uhr: General-Versammlung im BereinshauS Berl. Äliusikcr, Kaiser-Wilhelm-Sir. 3t(parterre). Tagesordnung: 1. Halbjahresbericht(1. 1.— 30. 6. 10). 2. Bericht der Revisoren. 3. Festsetzung der PublikattonSorgane für 1910/1917. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. S37b' Der Vorstand. s??ürs?eld � Zigaretten ed Engrospreisen 100 Stück t'/j... M. 1.20 B a 100, 2', �..., 1.80 100„ 3'/,.... 2.60 100„ 5.... 3.50 senden Naclmahme oder Voreinsendung B. Scheu, Berlin W 80, * LuitpoldstraBe 37. e 3 kO s-£■ >r' irr— c}tJUo X(f für Schuhmacher! Starke Blanklederke rnftncke zu Flecken ii. lleinen Kindersohlen, sowie Oberlederabfälle. Lagcrbcsuch er- beten. Brnno SensftiB, Lederabsälle, Berlin-WeiBensee, LanghanSstr. 33. 3. 3acr BällSlrJSprin�-Älle« Moderne Herren- und LFPC�K Knaben-Anzüge. Eleg. Paletots, Ulster Joppen i.jed.Preislag. Gr.Stoltlager z. eleg. 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Ktilge des Jmtirts" fitrlintt MMIott 5su«lag, 9. 1«lil9l6. . Neuköllns Entwicklung. Die städtischen Behörden unserer Nachbarstadt Neukölln haben sich in den letzten Jahren bemüht, die Entwicklung der Stadt nach Möglichkeit zu sördcrn. Wer sich die von der Gemeinde geschaffenen Anlagen näher ansieht, wird unstreitig manchen Fortschritt erkennen. Allein die schönen Schulbauten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, das; sie nicht zureichen zumal die lillassenfrequenz in den Gemciudcschulen noch auffer ordentlich hoch ist und dringend weiterer Abhilfe bedarf. Der Magistrat ist aber darauf aus, eine Siedelungspolitik iin Großen zu betreiben. Ihn leitet der Gedanke, nach Neukölln besonders steucrkrästigc Einwohner zu bekommen, die der Gemeinde eine sichere finanzielle Unterlage für die Zukunft sichern sollen. Tiesem Bestreben dienen die verschiedensten Anlagen und Projekte. Die Baugewerbeschule— zurzeit als Lazarett be- nutzt— ist vollendet: sie ist königlich, hat aber der Stadt viel Geld gekostet. Ob der Nutzen für Neukölln mit den auf gewendeten Mitteln auch nur einigermaßen ausgewogen wird, bleibe dahingestellt. Auch die Provinziallchranstalt für Heb- ammen am Mariendorfer Weg gehört zu den Bauten, aui deren Errichtung auf Neuköllner Gebiet großer Wert gelegt worden ist. Das gleiche kann auch von dem Borromäerinnen Ärankenhausc, für das die Gemeinde den Grund und Boden hergegeben hat, gesagt iverden. Was aus einer alten Kiesgrube werden kann, zeigt uns der K ö r n c r p a r k, der seiner Vollendung entgegengeht und der neue Einwohner anziehen soll. Er hat eine Größe von ungefähr 142 Hektar. Die gärtnerische Ausgestaltung der Parkanlage ist jetzt nahezu fertiggestellt. An der Westseite im Zuge der Sclke straßc liegt unter der Terrasse die geschmackvoll ausgeführte Orangerie, die u. a. zum Ueberwintern von Blattpflanzen und dergleichen dienen soll. In den an der Südseite erbauten Räumlichkeiten wird eine Sammlung von altertümlichen Funden als Museum ausgebaut und dem Publikum zugänglich gemacht werden. Wie heute der Park aussieht, läßt er allerdings noch manches zu wünschen übrig. Geöffnet werden soll er zunächst nur an Sonntagnachniittagen, um die jungen Anlagen noch zu schonen. Hoffentlich lvird er bald mit Bänken vcr sehen, um den Besuchern Gelegenheit zum Ausruhen zu geben. Bon außerordentlicher Wichtigkeit ist das Industrie- und Hafengcdiet Neuköllns. Der Hafen scheint etwas klein an- gelegt. Vor drei Jahren wurde der Neuköllner Schiffahrts kanal zum Teltow-Kanal durchgeführt und dadurch eine Vcr bindung mit dem Neuköllner Ober- und Unterhafen geschaffen. Man will hier der Industrie besonders günstige Ansicdelungs bedingungen bereiten. Die Wichtigkeit einer solchen industriellen Entwicklungsmöglichkeit erkennend, hat die Stadtgcmcindc vor einigen Jahren damit begonnen, das unbebaute Gelände innerhalb deS neuen Industriegebiets aufzukaufen, um es einer seits einer einheitlichen und geordneten Aufschließung zuzuführen und andererseits einer ungesunden Spekulation und Preis trciberei, durch welche die Industrie von dcrNicderlassung nur ab geschreckt Iverden kann, zu entziehen. Hand in Hand hiermit ist von der Stadtgemeindc der Bau ciuer besonderen Jndustrie- zweigbahn bereits durchgeführt und ein weiterer Ausbau der- ielben für die nächste Zeit in Aussicht genommen, so daß die industriellen Werke nicht nur an den direkten Wasserverkchr angeschlossen, sondern auch die Möglichkeit haben, einen direkten Eisenhahnanschluß zu erhalten. Ovwoyl erst wenige Jahre— darunter �zwci Kriegs jähre— vergangen sind, seitdem sich die Stadtgemeindc dieses großzügige industrielle Aufschließungsprogramm zu eigen gemacht hat und die Aufschließung und Fertigmachung des Geländes nach jeder Richtung bisher noch nicht in vollem Umfange durchgeführt werden konnte, hat sich trotzdem bereit die Ansiedlung einer Reihe von erste» industriellen Firmen im Kanal- und Hafengebict vollzogen. Die Stadt ist mit dem in ihrem Besitz befindlichen Elektrizitätswerk in der Lage, der Industrie den Strom für ihren Bedarf in jeden: Umfange zuzuführen und dabei ganz besonders günstige Bedingungen zu stellen. Das neue Industriegebiet grenzt an die beiden Bahnhöfe Neukölln undKaiscr-Friedrich-Straße der Stadt- und Ringbahn an und zieht sich südlich bis zum Teltowkanal hin. Insgesamt umfaßt das neue Industriegebiet eine Fläche von etwa hundert Hektar; es ist sonach die Sicdlungsmöglichkeit für die größten Industrien geboten. Im Südostgebict Neuköllns soll ein neues Wohnviertel in Form einer Gartenstadt entstehen: die?!euköllncr Heide. Das in Frage kommende Gebiet umfaßt das an Treptow und Baumschulcnweg grenzende Gelände, das von der Köllnischen Allee, dem Dammweg und dem alten Heidckantp- graben umschlossen und von der verlängerten Kaiser-Friedrich- Straße durchschnitten wird. Es hat einen Flächeninhalt von zirka 80 Hektar, wovon 42 Proz.— 33,6 Hektar als Straßen- und Platzland ausgeschieden werden. Hierbei sind die Flächen für die fast in sämtlichen Straßen vorgesehenen Vorgärten nicht eingerechnet. Rechnet man für diese Flächen noch etwa 10—12 Proz., so ergeben sich an Straßen-, Platz- und Vor- gärtcnflächen fast 60 Proz., so daß für die Bebauung 40 Proz. reines Bauland verbleiben. Die Bebauung selbst erfolgt auf Grund einer besonderen Bauordnung, welche Hinterhäuser und Seitenflügel ausschließt. Um dieses gesamte Gebiet als ruhiges, vornehmes Wohnviertel einheitlich aufzuschließen, hat die Gemeinde vor einigen Jahren das gesamte Gelände mit einem Aufwand von zirka 10 Millionen Mark erworben. Die Ausschließungsarbeiten für dieses Gebiet befinden sich trotz des Krieges im vollsten Oiangc. Der zirka 13 Morgen große Park inmitten des Gebiets ist bereits fertiggestellt, während die Straßen- herstellnng so gefördert wird, daß mit Kriegsbeendiguug mit der Bebauung begonnen iverden kann. Schließlich mag nicht unerivähnt bleiben die Erwerbung der etwa acht Morgen großen Abteiinsel in der Nähe des Rummelsburger Sees zwischen Stralau und Treptow durch die Gemeinde Neukölln. Um den Bcrkchr nach dieser Insel besser zu regeln, ist die Gemeinde zur Anlage einer Brücke geschritten. Die beiderseitigen wuchtigen Türme überragen durch ihre Höhe den prachtvollen Baumbestand der Spreeufer und passen sich in ihrer geschmackvollen architektonischen Ausbildung in die gesamte Umgebung vorteilhaft ein. Von den Zinnen der Türme bietet sich ein umfassender Rundblick auf die näheren und weiteren Gefilde au der Oberspree. Die Brücke konnte Ende Mai 1916 dem Verkehr über geben werden. Tic Inbetriebnahme des Cafes mußte mit Rücksicht auf die zeitlichen Erschwernisse des Wirtschaftsbetriebcs noch verschoben werden. Mus Groß-öerlin. die Eröffnung üer Nasjenspeiseanstalt. Tie Erkenntnis, daß die unhaltbaren Zustande auf dem Gebiete der Lebensinittelbeschaffung und-Zubereitung einer großzügigen Lösung bedürfen, die nicht mehr dem freien Schalten und Walten einzelner überlassen bleiben kann, hat sich zu einer Tat verdichtet: die kommunale Masscuspeisung für Berlin ist Wirklichkeit geworden. Für die dichtbevölkertsten Stadtteile sind eine Reihe von Hauptküchen errichtet worden, die ihre hergestellten Speisen an zahlreich errichtete Ausgabestellen weitergeben. Am Sonnabend wurde die Hauptküche, die in der früheren Markthalle in der Wörther und Tresckowstraße eingerichtet ist, von einem geladenen Publikum besichtigt. Stadtrat Tos- lein gab die Erläuterungen zu den Einrichtungen des Be- triebes. Der Riesenraum beherbergt alles, was zur Bewäl- tigung dieses Großunternehmens nötig ist.. Gleich beim Ein- gang liegen die Vorratskammern. Daneben ist ein Aufzug, init dem die.Kartoffeln und sonstigen Zutaten auS der Tiefe befördert werden. Ein paar Dutzend Frauen sind damit be- schäftigt, Kartoffeln und Gemüse kochfertig herzurichten. Tie Kartoffeln selbst konmien erst in die Wasch- und dann in die chälmaschine. Bei guten, nicht zu alten Kartoffeln schält eine solche Maschine in fünf Minuten 60 Pfund. Tic Frauen haben dann nur noch etwas nachzuputzen und die Augen her- auszuschneiden. Neben dem Vorzug der schnellen Arbeit ist der geringe Verlust, der bei dieser Schälmethodc entsteht, noch hervorzuheben. Außer den Maschinen für Kartoffeln sind noch solche für Gemüse und Fleisch(Wölfe) vorhanden. Sic alle werden elektrisch-motorisch betrieben. Ter Betrieb ist im- stände 30 000 Liter fertiger Speise täglich zu liefern, und 6ö Kessel stehen bereit, um diesen gewaltigen Anforderungen zu genügen. Andere Behälter, die 00 Liter enthalten, dienen dazu, das Essen teils in den Eßrauiu an Ort und Stelle, teils an die Ausgabcplätze zu bringen. Für den letzteren Zweck sind besondere doppelwandigc Kessel vorgesehen, in denen das Essen nach dein Transport noch 80 Grad Hitze aufweisen wird. Zum Verzehren der Speisen in der Hauptküchc selbst sind daselbst Plätze nur in beschränkter Anzahl, im ganzen 009, vorgesehen, da bei der Einrichtung der Massenspeisung damit gerechnet wird, daß die allermeisten Personen das Essen in ihrer Behausung verzehren werden. Ter Speiseraum in der Hauptküche ist freundlich ausgestattet, und ans jeden: Tisch leuchten Blumen in allen Farben. Da die Ausgabe der Speisen von 12— 2 Uhr dauert, so können immerhin etwa 3000 Personen ihr Essen sofort einnehmen. Ohne Kartenabschnitte werden keine Speisen verabfolgt. Auf die Fleischkarte werden 7 Zehntel, auf die Kartoffelkartc zwei Drittel auf den Tag verrechnet. Tainit auf den einzelnen Tag n:ehr Fleisch entfällt, wird nur an drei Tagen in der Woche Fleisch gegeben. Tie halbe Portion kostet 20, die ganze 40 Pf. Es wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Teilnahme an der Massenspcisung nicht auf den Empfang von Wohltaten hinausläuft; die Speisung ist vielmehr für alle Volksschichten gedacht, soweit sie unter den heutigen Verhältnissen nicht oder nur schwer in der Lage sind, selbst für Beschaffung und Her- stelliing der Speisen zu sorgen. Zudem wird die Essensausgabe, wie gesagt, unter Anrechnung der Lebensmittelkarten erfolgen. Es braucht sich also niemand zu genieren, von dieser sozialen Einrichtung Gebrauch zu macheu. In der Hauptsache sind Eintopfgerichte vorgesehen. Am Sonnabend, bei der Er- öffnung wurden an die Anwesenden Kostproben verteilt, es gab„Pichelstcincr Fleisch", ein Essen, das durchweg volle An crkennung fand. Wichtig ist die Bestimmung, daß die Teilnahme für die ganze Woche verpflichtet. Einer unregelmäßigen Beteiligung soll dadurch vorgebeugt werden, daß bei Entnahme der Wochen-Speisekarten im voraus ein bestimmter Teil der Fleisch- und Kartoffelmarken für die ganze Woche abgetrennt wird. Die Zahlung erfolgt allerdings täglich. Hauptküchen werden vorerst errichtet in der Markthalle Wörthcr Straßc-TreSckowstraße, der Großmarkthalle la, so weit die Abteilung für den jetzt stilliegenden Jleisch-Groß Handel in Frage kommt, und die Markthallen an der Pückler traße, an: ArminiuSplatz, am Lnifenufer und an: Marhcinckc- platz, außerdem in zwtzi leerstehenden Bauten des Schlacht' Hofes an der Landsberger Allee, im ehemaligen Wasserwerk an der Belsorter Straßc, in eine»: Hallenbau der früheren Gasanstalt an der Sellerstraßc und in einem gleichartigen Gebäude auf den: städtischen Grundstück an der Lobmühlen- traße. Dieie Hauptküchen werden zwischen rund 7200 und 3h 000(vereinzelt auch darüber) Liter Speise zu bewältigen haben. Nur für einen Fall ist ans örtlichen Rücksichten auch eine kleine Küche in einer GemeiiidrschnI-Tnrnhalle an der Graunstraßc(für 2700 Liter) in Aussicht genommen worden. Um jede Hauptküchc werden die Ausgabestellen— soweit als irgend angängig in städtischen Turnhallen— derart angeordnet, daß sie nach Möglichkeit über den bezüglichen Stadt- bezirk gleichmäßig verteilt liegen, so daß die Beteiligten in der Regel nur 10—12 Minuten zu gehen Iverden haben, um das Essen zu holen. Sicherlich bedeutet die Neueinrichtung für weite Kreise eine erfreuliche Annehmlichkeit und Entlastung. So manche geplagte Hausfrau, die bisher fast den ganzen Tag„ans der Straße" liegen mußte, wird nunmehr ihre Zeit nützlicher und zweckmäßiger anzuwenden imstande sein. * Am 17. Juli wird in der Turnhalle der Gcmcindcschule Graunstr. 11 die zweite städtische Zentralküche ür die Volksspeisung eröffnet. Tie Ausgabe der Teilnehmer- karten erfolgt bei den zuständigen Brotkommissionen 119 bis einschließlich 122, und zwar nur für die Bewohner der zu diesen gehörigen Straßen. Diese zweite Zentralküche hat nur die eine Spcisenausgabe stelle in der Turnhalle auf dem ersten Hof der Gemeindeschule Graunstr. 11. Wer an der Speisung teilzunehmen wünscht, bat sich also bei der für seine Wohnung zuständigen Brotkommission in der Zeit von Montag bis Donnerstag der der Tejlnahniewoche vorhergehenden Woche, also für die neue Küche zum erstenmal vom 10. bis 13. Juli. während der Gcschäftsstunden der Brotkommission zu melden und die für die Teilnähnielvochen gltenden Fleisch- und Kar- toffelkartcn vorzulegen. Tie Bezahlung der Speisen erfolgt täglich in der Spejsenausgabestelle. Es muß noch darauf hingewiesen werden, daß für die Fleischversorgung der einzelnen Hauptküchen der VolkSspei- sung auf dein Schlachthof eine eigene zentrale Aufbcrcitupgs- stelle eingerichtet ist. von der das Fleisch knochenfrci an die einzelnen Hauptküchen abgegeben wird. Tie Knochenverwer- tnng findet dann gleichfalls auf dem Schlachthof statt. Diese AufberertungSstelle auf den: Schlachthof steht in betrieblicher Verbindung mit dem vorhandenen Kühlhausc. Neue Kartoffelverordnungen. Der Magistrat Berlin veröffentlicht in Ilebereinstimung mu den Aachvargcmcindcn gestern eine Perordnung über die Siegelung des Kartoffelabfatzes und-Bcrbrauchs für die Zeit vom 10. Juli ab. Die Bestimmungen der neuen.Nartoffelvcrordnungen unter- scheiden sich von denjenigen der bisher geltenden hauptsächlich in zwei Punkten. Die von de» Gemeinden der Kartoffelkarten- gemeinschaft, zu denen sich übrigens nun auch Charlottcnburg ge- sellt hat, neu eingeführte Kartoffelkartc ist ebenso wie die meisten Lebensmittelkarten nach Wochenabschnitten eingeteilt. Für jede Woche sind drei mit gleicher Zahl versehene Abschnitte vorgesehen, die zum Bezüge einer laufend vom Magistrat festzusetzenden und bekanntzugebenden Kartoffelmenge berechtigen. Die Abschnitte sind vom Verkäufer der Kartoffeln bei deren Abgabe, ebenso wie es bereits bisher geschah, zu trennen. Neu ist weiter in der Vcr- ordnung die Bestimmung, daß bei Entnahme von zubereiteten Kar- tofseln in Kantinen gewerblicher Betriebe und in gemeinnützigen Speiseanftaltcn, als da sind VolksspeisungSküchen, Volks- und. Kindervolksküchen, Kriegs- und Mittelstandsküchen, Schulspeisung- anstalten, Kinderhortspeiisungc» und Arnienspcisungsanstaltcn, zwei Drittel der Wochcnabschnitte abgetrennt werden niüssen, soweit es sich um Abgabe von Speisen an Ermachfene handelt, und ein Drittel bei Abgabe von Speisen an Kinder. Im übrigen cnt- sprechen die neue« Bestimmungen den bisher geltenden. Leider ist Berlin ebenso wie die Nachbargcmeindcn in fue Lage versetzt worden, für die Woche von: 10. bis Ib. Fnli nur zwei Pfund Kartoffeln auf jede Kartoffelkartc auszusetzen, und zwar gegen Abgabe des untersten Abschnittes 11 der Kartoffelkartc. Fn- folge des kühlen und nassen Wetters im Juni und anfangs Juli hat sich die Frühkartoffelcrnte um etwa zwei Wochen verzögert, so daß noch nicht, wie erwartet werden konnte, jetzt schon mit reichlicheren Zufuhren an Frühkartoffeln zu rechnen ist. Hin nun aber der Bevölkerung einen mindestens gleichwertigen Ersatz für den Ausfall der Kartoffeln zu gewähren, hat der Magistrat diesmal nicht eine erhöhte Brotration gewährt, sondern bestimmt, daß jeder Kartoffelkartcninhaber ans die beiden anderen Kartoffel- kartenabschnittc 11 je 200 Gramm Mehl, also zusammen 100 Gramm Mehl in dieser Woche zu entnehmen berechtigt ist. Mi: der Abgabe von Mehl wird wertvollerer Ersatz für Kartoffeln ge- währt, als Brot es fein kann, weil das Mehl einmal selbst zu nahrhafter warmer Speise bereitet werden kann, dann aber bei der Zubereitung anderer Lebensmittel, so insbesondere dei Gemüsen und Obst, zweckdienlichste Verwendung finden kann. Jeder Kar- toffelkartcninhabcr erhält also in der kommenden Woche neben zwei Pfund Kartoffeln 400 Gramm Mcbl. Sollte ober wider Er- warten einer oder der andere auch die zwei Pfund Kartoffeln ani seinen Kartoffelkartenabschnitt 11 nicht erkalten können, so ist er berechtigt, statt dieser zwei Pfund Kartoffeln noch 350 Gramm Brot auf den untersten Kartoffelabfchnitt Nr. 11 zu entnehmei;. Da jedoch zu erwarten ist, daß im Laufe der Woche gemigeod Kartoffeln hereinkommen, daß jeder wenigstens seine zwei Pfund Kartoffeln beziehen kaiin, so ist dringend zu cinpfehlen, mit der Entnahme von Brot auf Grund dieses Kartoffclkartennbfchnities nach Möglichkeit bis Ende der Woche z» märten; denn auf die Brotkarte als solche wird neben der Kartoffelkartc auch in der Zeit vom 10. vis 16. Juli die volle Menge Brot gewährt. ES ist ledig- lich der Mehlbczug auf Grund der Brotkarte untersagt, was aber für die Bevölkerung nicht vor Erheblichkeit ist, da ja ein jeder ftalt der 250 Gramm Mehl, die er sonst aus die Brotkarte be- ziehen könnte, 400 Gramm Mehl auf Grund seiner Kartoffelkarte entnehmen kann. Die Mchlabschnitte der Brotkarte sollen lediglich für den Bezgu von Brot vorbehalten bleiben. Auf diese Weis. wird der Mangel an Kartoffeln unserer Bevölkerung weniger fühi bar werden, zumal uns ja nur noch kurze Zeit von einer guten Ernte in Frühkartoffeln trennen. * Kartoffeltnappheit. Tie Kartoffelknappheit in diese.» Tagen hat unter den Hau5- frauen viel böses Blut gemacht. Gerade die minderbemittelte Be. völkerung leidet unter dieser Kalamität am schwersten. Ter Magistrat weist in einem Anschlag an den Säulen darauf hin, daß in den nächsten Tagen durch große Zufuhren von Frühkartos- feln die Kartoffclnot behoben werden wird. -st Kartoffclversorgung in Neukölln. Der Magistrat in Neukölln teilt mit:„.In der Versorgung unserer Bürgerschaft mit Kartoffeln ist dadurch eine Lücke eingetreten, als die uns von der ReichSkartoffelsiclle durch Vermittlung der Stadt Berlin überwiesenen Kartoffeln nicht reititzeitig hier eingetroffen find und daß die aus Oesterreich übelwiesencu allen Kartoffeln infolge des langen TranSporlS so schlecht ankamen, daß nur ein Zehntel für menschliche Nahrungszwccke brauchbar war. Der Magistrat hat alle Mittel angewendet. um aus den ihn: zugeteilten Landlreiscn Frühkartoffeln zu erlangen. Vor dem 15. d. MtS. konnten ihn: jedoch Zustchc- rungen wegen Belieferung mit Frühkartoffeln nicht gemacht werden. Im Wege des gegenseitigen Ausgleichs der Vororlgemcindcn sollen etwa früher eintreffende Kartoffelsendnngen arneilmäßig verteilt werden, so daß zu erwarten steht, daß auch im Laufe der Woche noch einige Waggons Kortoffeln zur Verteilung an die Bürgerschaft eintreffen werden. Um jedoch der durch die fehlenden Kartoffeln eingetretenen Lücke in der NahrungSinitlclversorguiig zu begegnen, ist durch die bereits in der gestern veröffeullichlen Verordnung da- für Sorge getragen worden, daß auf de« noch nicht eingelösten 9. Kartoffelabschnitt 500 Gramm und auf den 10. Kartoffclabschnitt 300 Gramm Brot durch die hiesigen Bäckcrmcisier bis einschließlich 15. Juki d. I. verabfolgt werden können. Vom 15. d. MS. ab ist auf den Eingang von täglich 2000 Zentner Frühlarwffeln zu rechnen, fodaß alsdann eine volle Belieferung der Bürgerschaft auf die Kartoffelkarten stattfinden kann. .�isca Die Meischration in kommender Woche. Nach einer heute erlassenen Bekanntmachung desMagistrats beträgt die auf den Kopf der Berliner Bevölkerung entfallende Menge an frischem Fleisch oder frischem Fett für die Zeit vom 1l). bis 16. Juli 225 Gramm. Es entfallen somit aus einen Vollabschnitt der Fleischkarte 45 Gramm und auf einen Teilabschnitt 22 Gramm. Die Herabsetzung ist durch den Rückgang des Viehauftriebes in der letzten Woche erforderlich geworden._ Untersagter Handelsbetrieb. Das Polizeipräsidium teilt mit: Auf Grund der Bundesralsverordnung vom 23. September IlHö, hat der Polizeipräsident von Berlin dein Kaufmann August Karl Brecht in Charlottenburg, Kaiser-Friedrich-Stratze 89(Geschäfts- räum Berlin, Potsdamer Strotze 4) den Handel mit Nahrungs» Mitteln wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt. Ter Omnibus soll teurer werden? Unter den Berkehrsgesellschaften Grotz-BerlinS will als erste die Berliner OmuibuSgesellschaft eine Fahrpreiscrhvhung durchsetzen. Sie plant, die 5 Pfennig- Strecken zu beseitigen und dafür 7>/z P f e n n i g- Strecken einzuführen. Aach den Mitteilungen, die darüber an die Oeffentlichkeit gelangen, scheint der Plan bereits fertig da- zuliegen. Da man 7l/z Pf. in deutscher Reich-münze nicht zahlen kann, so will die Gesellschaft sich ein eigenes 2Vz Pfennig-Stück schaffen. Bei Zahlung eines 10 Psennig-Stückes wird man eine auf 2�3 Pf. lautende Anweisung herausbekomme», die dann bei nächster Gelegenheit zu diesem Wert mit in Zahlung gegeben werden kann. Wir vermuten, datz dieser BerteuerungSplan nicht zur Mehrung der Omnibusfahrgäste beitragen wird. Tie Gesell- schaft hat schon vor Jahren mit einem Versuch, die 5-Pfennig-Streckcn zu verteuern, sehr üble Erfahrungen gemacht, so datz sie sehr bald wieder zu dem alten Tarif zurückkehren mutzte. Zugegeben soll werden, datz diesmal die Lage der Omnibusgesellschaft übler als damals ist. Mit sehr viel mehr Recht als die Hochbahngesellschaft und die Stratzenbahngescllschast kann die Linnibusgcscllschaft sagen, datz sie durch den Krieg schwer geschädigt worden ist. Sie hat ihren Automobil- betrieb fast gänzlich einstellen müssen, und auch der Pferde- betrieb ist beträchtlich geringer geworden als in der Friedenszeit. Aber es fehlt der Gesellschaft wohl nicht an Reserven, die ihr er- möglichen, mit de in alten Preis„durchzuhalten", wenn sie nur will. Der Einfall, dem Fahrgast einen L'/z-Pfennig- Zettel herauszugeben, den er„bis zum nächsten Male" im Porte- monnaie verwahren soll, ist eilt bitzcheu wunderlich. Man nimmt vielleicht an, datz er die Nebenwirkung haben wird, der Gesellschaft die Lösung der Lohnfrage zu erleichtern. Die Trinkgelder, aus die das Schaffnerpersonal angewiesen bleibt, flietzen heute knapper als je. Der Sechser hat jetzt sehr viel weniger Wert als vor dem Kriege, aber gerade deshalb sitzt er den Fahrgästen nicht allzu locker. Wird der 7l/z-Pfennig-Fahrpreis eingeführt, so dürfte mancher Fahrgast sich entschlietzen, zugunsten des Schaffners auf die 2ll„ Pfennig zu verzichten. Das ist den Schaffnern gewitz zu gönnen, so lange man ihnen nicht einen Lohn gibt, bei dem sie auf Trinkgelder nicht an- gewiesen sind. Man wird aber nicht ohne Grund befürchten können, datz mancher Fahrgast angesichts dieser Tarifreform sich dazu ent- schlietzen wird, überhaupt auf die Benutzung des Omnibusses zu verzichten. Wir erleben das ja bei jeder Preisverteuerung, datz sie durch Verbrauchseinschränkung teilweis«, wenn nicht ganz, weit gemacht wird. Da wäre dann weder für die Schaffner noch für die Gesellschaftsaktionäre ein Gewinn von der Fahrpreiserhöhung zu erwarten. Der Neuköllner Polizeipräsident gegen das Sammeln van Strasienbahnfahrscheinen. Gegen die seit einiger Zeit in Neukölln eingerissene Unsitte der Jugend, entwertete Strahenbahnfahrschcine zu sammeln, wodurch es an den Haltestellen zu starkem Gedränge kommt, bei dem bereits ein Knabe schwer verunglückt ist, hat jetzt auch der dortige Polizeipräsident scharf Stellung genommen, indem er die Schutzmannschaft angewiesen hat, gegen diesen Unfug, der insbesondere für die Kinder selbst die schwersten Gefahren in sich birgt, einzuschreiten. Wichtiger noch ist die Feststellung, ob die Volksküchen tatsächlich zu diesem Unfug Anlatz gegeben haben. Ein Zigarrenschwindler, der mit dem Fernsprecher„arbeitete", wurde von der Schöneberger Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Er wurde festgestellt als ein schon oft vorbestrafter 22 Jahre alter Maler A l f r e d E b e l i n g. der zuletzt in Neukölln in der Oker- stratze wohnte. Ebeling forschte Namen und Wohnung von Leuten aus, die in diesem oder jenem Zigarrengeschäste ständig lauften und den Geschäftsleuten persönlich bekannt waren. Unter deren Namen rief er dann durch den Fernsprecher an und bestellte grötzere Posten von Zigarren und Zigaretten, mit der Bitte, sie mit quittierter Rechnung gleich»ach der Wohnung zu senden. Nun lauerte er den Boten auf der Stratze auf und lud ihn zu einem GlaS Bier in die nächste Schankwirtschaft ein. Während der Bote hier ahnungslos im Vorderzimmer bei einem Glas Bier satz, ging Ebeling unter dem Vorwande, datz er sich die Sachen einmal ge- uauer ansehen wolle, mit den Zigarren und Zigaretten angeblich nach einem Hintcrzimmer und verschwand durch die Hintertür. Diesen Schwindel konnte er überall nur einmal ausführen. Er mutzte ihn deshalb auf ein grotzes Gebiet ausdehnen, und es ist wahrscheinlich. datz er ihn nicht nur in Neukölln und Schöneberg, sondern in ganz Grotz-Berlin verübt hat. Mitteilungen von Betrogenen nimmt der 1. Kriminalbezirk Berlin-Schöneberg entgegen. _... i hat sich Freitagabend in der Memeler Äratze o? abgespielt. � Dort wurde. die Wiahrrge unverehelichte Gertrud Kuhnalh mit ihrem 4jährigen Söhnchen Heinz bewutztlos aufgesunden. Die Wohnung war vollständig mir Gas angefüllt. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche hatten nur bei dem Knaben Erfolg. Er wurde nach dem Krankenbaus« am Urban ge- bracht, man hofft, ihn am Leben zu erhalten. Die Leiche der Mutler wurde von der Polizei beschlagnahmt. Es soll Selbstmord vorliegen. Der Vater des Knaben befindet sich im Felde. Wer ist die Tote? Noch immer nicht festgestellt ist die Persön lichkeft einer Frau, die am 20. April d. I. als Leiche aus dem Luisenstädtischen Kanal gelandet wurde. Die Ertrunkene, die schon längere.Zeit im Wasser, gelegen. hatte, gehörte allem Anschein nach den besser gestellten Kreisen an. Sie war 30—35.Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter grotz und kräftig gebaut, hatte dunkelblondes Haar und trug eine lange schwarze Seidenbluse, einen schtvarzen Rips- rock, leinene Beinkleider mit Spitzen und lila Bändern, ein weitzes Hemd>nit Spitzen, schwarze, lange Strümpfe und schivarze, hohe Schnürstiefel.— Aus dem Lietzensee gelandet wurde gestern in Charlottenburg die Leiche eines unbekannten Mädchens von 18 bis 20 Jahren. Tie Tote ist etwa 1,55 Meter grotz, hat rotblondes Haar und graue Augen und trug eine rote Bluse, einen rehbraunen Rock, eine blaue Friesjacke, eine Reformhose und ein Hemd ohne Zeichen. Ausländerinnen bevorzugt. Zu unserer unier vorstehender Spitz- marke veröffentlichten Notiz bittet uns die darin. genannte Firma Peiser in der Kronenstratze mitzuteilen, datz das von ihr im„Ber- Iii, er Tageblatt" aufgegebene Inserat einen anderen Wortlaut ge- habt habe. Es sollte eine Dame gesucht werden für eine im neutralen Ausland befindliche Firma. Die von der Tageblatt- expeditivn gegebene Fassung des Inserats habe die von uns mit Recht zum Ausdruck gebrachte Auffassung hervorgerufen. Im Zcll-Zirkus Krone, am Ringbahnhof Neukölln, finden beute Sonntag zwei Vorstellungen statt. In der Nachmiltags-Vorstellung zahlen Kinder halbe Preise. Ter Zirkus spielt nur noch neun Tage tu Neukölln. Straßensperrung. Das Polizeipräsidium teilt mit: Die im Zuge der Thaerslratze über die Ringbahn führende Brücke lvird wegen Wiederherstellungsarbeiten für die Zeit vom 10. bis zum 22.. Juli gesperrt. Verloren hat am Donnerstag abend ein Schlosser auf dem Wege von seiner Arbeitsstätte in Lbcrtchönciveide nach Rummelsburg ein Portemonnaie mit ungefähr 70 M. Inhalt; autzcrdcm befanden sich in dem Portemonnaie ein Medaillon mit Frauenbildnis und ein kleines werlvolles Werkzeug. Der ehrliche Finder lvird gebeten, den Fund gegen gute Belohnung abzugeben bei Teuert, Romintener Str. 10, Ouergcbäude 111. Gcfundeil wurde am Freitag abend in der Alexanderstratze ein Damcn-Porremonnaie mir kleinem Betrag. Abzuholen in der Ex- peditiou des„Vorwärts", Prrnzenstr. 31. Mus den Gemeinöen. 1Ä5 Gramm Fleisch in Pankow. Von der Nachrichten-Abteilung der Gemeinde Berlin-Pankow wird geschrieben: Infolge des äutzerst geringen Viehauftriebes in dieser Woche ist die Gemeinde gezwungen, beim Verkauf am Sonn» abend und Sonntag das auf jede Fleischkarte zur Abgabe ge- langende Fleischquantum vorläufig auf 125. Gramm herab- zusetzen. Nach den bisherigen Mitteilungen des zuständigen Fleischversorgungsverbandes beträgt der Viehauftrieb für die Ge- meinde Berlin-Pankow bis zur Stunde erst 172 Gramm pro Kopf der hiesigen Bevölkerung. Die Einzelabschnitte der Fleisch- karten behalten jedoch ihre bisherige Bewertung(der ganze Abschnitt 50 Gramm, der halbe Abschnitt 25 Gramm), sodatz die Fleislber von jeder zum Fleischbezuge vorgelegten Fleischkarte nur die Hälfte, also 125 Gramm abtrennen und in dieser GetvichtSmenge Fleisch verabfolgen dürfen. Sollte es der Gemeinde noch gelingen, rechtzeitig Vieh zur Schlachtung zu bringen, so wird den Entnehmern von Fleisch, die diesmal nur 125 Gramm erhielten, Gelegenheit ge« geben, das Fehlquantum später zu entnehmen. Beratungsstelle für Geschlechtskranke in Charlottenburg. Im Charlottenburger Krankenhause Kirchstr. 19/20 ist die städtische Beratungsstelle für Geschlechtskranke eröffnet worden. Wer an einer solchen Krankheit leidet oder zu leiden glaubt, wird dort unentgelllick untersucht und beraten, wobei für strengste Wahrung der Verschwiegenheit Sorge getragen ist. Die Sprechstunden finden für Männer Freitags abends 7—8 Uhr, für Frauen DienStagS von 12—1 Uhr mittags statt._ Verkauf von Hühnerfutter in Itowawcs. In den Kreisen der Kleintierhalter wartete man seit längerer Zeit vergeblich auf die von der Gemeinde in Aussicht gestellten Futtermittel, deren Fehlen lebhaft beklagt wurde. Jetzt gibt endlich der Gemeindevorstand bekannt, datz ihm Hühncrfutter über- wiesen worden sei, jedoch in so geringer Menge, datz kaum alle Interessenten berücksichtigt werden könnten. Die zum Kauf be- nötigten Bezugsscheine werden an Hühnerbesitzer im Zimmer 6 des Rathauses ausgegeben. Der Preis für das Pfund Hühnerfutter be- trägt 30 Pf. Kriegsfürsorgc in Wilmersdorf. Die städtischen Körperschaften von Wilmersdorf haben eine be- sondere Deputation zur Fürsorge für die aus dem Heeresdienste zurückkehrenden Handwerker und kleinen Kaufleute eingesetzt. Die Deputation beschlietzt über die beträchtlichen Mittel, die durch den k letzten Prodinziallondtag zu Zwecken dieser Fürsorge den einzelnen | Kreisen überwiesen worden sind. Autzerdem haben die Wilmers- dorfcr städtischen Körperschaften. der Deputation: snoch besondere er- hebliche Mittel zur Verfügung gestellt, so datz- die Möglichkeit ge- geben ist, über die von der Provinzialverwaltung beschlossenen Matz- nahmen noch hinauszugehen. Die Amtsstelle der neuen Fürsorge- einrichtung, die bereits die Tätigkeit ausgenommen hat, befindet sich im Rathans Wilmersdorf, Zimmer 33, und' ist vom 8— 3 Uhr werk- täglich geöffnet. Tort sind Anträge in den Zuständigkeitskreis der genannten Deputation gehörenden Personen schriftlich oder nflindlich anzubringen. Mitgliederversammlung des Wilmersdorfer Wahl- Vereins. Die Mitgliederversaminlung am 6. Juli beschäftigte sich mit der am 9. er. stattfindenden Kreiögeneralversammlung. In eingehender Debatte wurden die schwebenden Fragen, besonders die der Bei- tragssperre erörtert. Mit geringer Mehrheit wurde folgender An- trag angenommen: Die Delegierten des Wilmersdorfer Wahlvereins werden verpflichtet, auf der Kreisgeneralversammlung allen Bestrebungen oder Anträgen zugunsten einer Beitragssperre gegenüber dem Partei- vorstand entschieden entgegenzutreten. Es tourde jedoch ausdrücklich hervorgehoben, datz diese Stellung- nahine der Mitglieder»nr augenblicklich gelte, da mau erwarte, der Parteivorstand tverde aus den Berliner Borgängen lernen. Wahlvereinsverfammlung in lliowawes. In der am Donnerstag abgehaltenen autzerordentlichen Mit- gliederversammlung kam es im Anschlutz an den vom Genossen Franken erstatteten Bericht über die letzte Verbandsgeneralversannn- lang zu einer ausgedehnten, zeitweilig sehr erregten Debatte, tvobei der Verlauf der Kreisgeneralversammlung am 18. Juni und be- sonders die Wahl des provisorischen Vorstandes den hauptsächlichsten Streitpunkt bildete. In ruhigerer Weise wurde der Punkt„Wahl von Delegierten zu der voin provisorischen Kreisvorstand zum 9. Juli einberufenen Kreisgeneralversammlung" erledigt. Nachdem der Vorsitzende mitgeteilt, datz der Parteivorstand den neuen Kreis- vorstand nicht anerkenne, iveil dessen Wahl gegen die Bestimmungen des Statuts verstotze, stellte Genosse Dr. Lensch den Antrag, aus den angegebenen Gründen die K r ei s g e n e r a l v e r s am m- lung nicht zn beschicken. Die nach längerer Aussprache vorgenommene Abstimmung ergab die Ablehnung des Antrags mit 44 gegen 34 Stimmen. �erienspicle. Charlottenburg. Die Ferienspiele beginnen am Montag, de» 10. Juli. Treffpunkt für die 3. Gruppe: Kiez, Gustav-Adolf-Platz. �«2 Uhr. Für alle übrigen Gruppen Treffpunkt Amtsgericht Ehar- lottenburg. Suarezslratze: VzL Uhr. Mundvorrat ist mitzubringen. Neukölln. Der Abmarsch der Kinder zum Anspielen für die Ferienspiele erfolgt heute nachmittag 1 Uhr mit Musik von der Neckarstratze aus. Schönederg. Die Ferienausflüge nach dem Grunewald beginnen nunmehr am Montag, den 10. Juli. Die Kinder treffen sich um 12� Uhr in der Beiziger Stratze in der Nähe des Stratzen- bahnhofes. Angehörige, die ihre Kinder begleiten wollen, könne» dies nur auf ihre Kosten in den sahrplanniähigen Wagen. Die Rück- fahrt findet abends 8l/z Uhr von Roseneck statt und endet vor dem Stratzenbahnhof. Bei starkem Regenwetter geschieht der Ausbruch früher. Zum Einnehmen des Kaffees tun die Eltern gut, dem Kinde ein Blechgeschirr mitzugeben. Die Abfahrt geht pünktlich von stalten, daher kann auf Nachzügler keine Rücksicht genommen werden. Lichtenberg. In der Zeit der Schulferien finden auch in diesem Jahre wieder Dienstags und Freitags von 1—6 Uhr auf den beiden städtischen Spielplätzen Ferienspiele statt. Dienstags auf dem Spiel- platz Eitelftratze und Freitags auf dem Spielplatz Lückstratze. Alle Geiiossiimen, die sich als Helferinnen und Spielleiterinnen gemeldet haben, sowie alle Kinder, die sich an den Spielen beteiligen wollen,' treffen sich Dienstag, den 11. Juli, mittags 1 Uhr, bei Blume, Alt- Boxhagen. Von hier Abmarsch nach dem Spielplatz Eitelftratze. Steglitz. Die Spielausflüge der Kinder nach dem Grunewald finden während der Ferien regelmätzig jeden Montag, Mittwoch und Freitag statt. Treffpunkt �.,2 Uhr am Bahnhof, Haltestelle der Grunewaldbahn. Mundvorrat ist mitzubringen. Bei schlechtem Wetter wird im Jugendheim gespielt. � Adlershof. Die FerienauSflllge der Kinderschutzkommifsion finden in diesem Jahre Montags und Donnerstags, nachmittags pünktlich 2 Uhr, vom Jugendheini, BiSmarckstr. 31, aus statt. Die Ausflüge beginnen Montag, den 10. Juli. Jedes Kind hat, wenn möglich, 5 Pf. mitzubringen._ Parteiveranstaltungen. Wilmersdorf. Mittwoch, den 12. Juli, gemeinsamer Zahlabend bei chilling, Lauenburger elv. 21. Stralau. Mittwoch, den 12. Juli, gemeinsamer Zahlabend bei Schulz, Martgrasendamm 6. Britz-Buckow. Mittwoch, den 12. Juli, bei Westsal, Rudower stratze, Ecke Johaunisthaicr Slratzc. Fortsetzung der autzerordentlichen Mitglieder- Versammlung(gemeinsamer Zahlabcnd). Bericht von der Kreisgencral- Versammlung. Friedrichsfeldc. Mittwoch. den 12. Juli er., Mitglieder- Versammlung bei Sudbrink. Bericht über>.c Generalversammlung von Grotz-Berlin. Mitteilung des Kreisvorstandes betr. Fraucn-Lcscabcnd. Ansang punktlich 9 Uhr._ Niedcrschönhausen- Nordend. Miitivoch, den 12. Juli er., abends 8'/, Uhr, Mitgliederversammlung im Lokale von Rettig, Blankenburgcr Str. 4. Bericht der Gcincindevcrtretcr. Bericht von der Vcrbandsgcncral- versammlung und Kreistonsercnz. Verschiedenes.. ffirMe Friedrichstratze 179 Tauentzienstraß« 20 König st ratze 34 Leipziger Stratze 65 Oranienstratze 47 a Moabit, Türmst ratze 50 Müller stratze 3» Oranienstratze 34 Neukölln, Bergstr. 7/8 Friedenau, Rheinstr. 14 Lemeii-5dHiKe Berg* felburen* Stiefel Faibi�e Siiefel* Sandalen Kinder- Siiefel Unlerc Auswahl iß eine leiten große Untere Prcile find niedrigfi bemefien. JäC rJ Bekanntmachttttg.« Städtische Volksspeisung. Am 17. Juli wird m der Gemeittdeschule Grimnstrasze 11, Turu. Halle auf de« erste« Hof, die zweite städtische Zentralküche eröffnet. Weitere Küchen in den anderen Stadtteilen solqen in kurzer Zeit. Die Ausgabe der Teilnehmerkarten crsalgt bei den zuständige» Brotkommisiioncn imd zwar vorläufig nur für die Bewohner der zu. diesen gehörigen Straßen. Die zweite Zentralküche hat nur eine Speifenausgabestelle in der Gemeindrschule Graunstrastc II, Turnhalle auf dem erste» Hof. Für die Kartenausgabc sind solgcnde Brotkommissioncn zuständig: 119. Brotkommission, Temminer Straffe 27 120., Pntbuser Straffe 22 121., Wattstraße 18 122.. Graunstraffe lt. Wer nicht weiß, wo sich die tIcschästsstellc seiner Brotkommissiun be- sindet. ersährt dies bei seinem Hauswirt oder Hausverwalter. Die Aus- gäbe der Speisen crsolgt in ganzen und halben Portionen täglich tauch Sountagss von IS— Ä llhr. Es werden ganze Portionen zu 10 Pf. und halbe Portionen zu 29 Pf. ausgegeben. Tie Teilnabmc kann nur Wochen- Iveise, beginnend am Montag, stattfinden, jedoch ist zulässig, die Teilnehmer- karten für mehrere Wochen zusammen zu entnehmen. Wer teilzunehmen wünscht, bat sich bei der für seine Wohnung zuständigen Brotkommission in der Zeit von Montag bis Donnerstag der der Tcilnahmewoche vorher- gebenden Woche, also zum erstenmal am 10. bis 13. Juli, während der Gc- schästsstunden der Brotkommission zu melden und die sür die Teilnahmcwochcn gellenden ZIeischkartcn und Kartoffclkarten vorzulegen. Er hat dabei an- zugeben, ob er ganze oder halbe Portionen zu entnehmen wünscht. Bei Bestellung von ganzen Portionen werden für jede Person und Woche, ans welche die Teilnabme gewünscht wird, von der Fleischkarte 3'/. Marken und vom der Karloffclkarte 2 Marlen durch Abtrennung entwertet, bei Bestellung von halben Portionen Ist» Flcischmarken und i Kartoffelmarke. Dem TcilnebMcr werden also bei Entnahme von ganzen Portionen von der Fleischtartc Ist» Wochenabschnitte, von der Kartoffelkartc 1 Wochenabschnitt, bei Entnahme' von halben Portionen von der Flcischkarte V>'l2 Wvchen- abschnitte, von der Kartoffelkarle 2 Wochcnabschnitle jede Woche zur sreien Verfügung belassen. Die ausgehändigte Wochenspeisungskarte enthält sür jeden Tag einen Abschnitt, bei Bestellung von halben Portionen wird von der Brotkommission die untere Hälste der Abschnitte abgetrennt. Die Fleisch- und Kartoffelkarten sind zur Brotkommission niitzubringcn die Ausgabe der Spcisnngskartcn erfolgt nur gegen Vorlegung der Fleisch und Karloffclkarten in der Brotkommission, nachdem die erwähnten AW schnitte abgetrennt worden sind. Tic Bezahlung der Speisen crsolgt täglich in der Speisen- ausgabeftelle. Tie Speisungskartc berechtigt nur zur Speiscncntnahme in der daraus bezeichneten, sür die Wohnung deS Teilnehmers zuständigen Speiscnaus- . gabestclle. Die Speisungskarte ist dort täglich vorzuzeigen. Gegen Ab- trcnnung des Tagcsabschnittcs und Zahlung von 10 Pj. sür die ganze oder 20 Ps. sür die halbe Portion erhält der Teilnehmer dort sür jede bestellte Portion eine— bei ganzen Portionen gröbere, bei halben Portionen kleinere— Kontrollblcchmarkc, gegen deren Anshändignng die Abgabe des Essens erfolgt. Aicht benutzte Tagesabschniite sind verfallen. Es wird vorausgesetzt, daß die Teilnehmer die Speisen in ihrer Woh- nung verzehren; ausnahmsweise und nur sür Personen, die genötigt sind, da? Essen an Ort und Stelle einzunehmen, sind einige Sitzplätze und ein» jachste Speisegeräte vorgesehen. Berlin, den S. Juli 1916. Magistrat der Königlichea Haupt- and RestdenMt. 214 Y. Speis. 16. Wermuth. fassendes in allen Abteilangen fär starke, auch»tärasie J igureo. Auswablsendungen nach ausserbaib gegen Abzahlung. Billige Preise! 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Lsäen- imd Xontormölieltisehler. Dienstag, den 11. Juli, abends a Uhr, bei Merkmann, Gr. Frankfurter Str. 1v. Tagesordnung: Bericht über die Verhandlungen mit den Unternehmern über Tenerungsznlagen. Stockarbeiter. Dienstag, den 11. Juli INI«, nachmittags 3'/z Uhr, in Stadens Bierhaus, Michaelkirchstr. 24: NtttMWWNIIN-VkOlIIMllW. Tagesordnung:■ 1. Tie Forderungen unserer Ebcrswalder Kollegen. 2. Bericht der Vertrauensleute. 3. Verbands- und Branchcnangclegcnheiten. Jede Werkstatt«tust durch mehrere Kollegen vertreten sein. 88/17' Die Ortsverwaltang. Rhkuma, Kopf- und Nervtlifchmerzell. Fand nach sechsjährigen Qualen endlich ein Mittel, das half. Herr I. B. in Hildesheim schreibttj.„Ich kann Togal- Tabletten als erstes Mittel ansprechen, welches mir in meinem seit 6 Jahren bestehenden Nückenmarkleiden lNerven- schmerzen) Linderung von den unsagbarsten Schmerzen ge- bracht hat, nachdem ich zahllose andere Mittel vergeblich an- gewandt hatte." Aehnlich berichten viele andere, welche T o g a l nicht nur bei allen Arten von Nervenschmerzen, sondern auch bei Rheumatismus, Gicht, Ischias, Hexenschuh, Schmerzen in den Gelenken und Gliedern airwandten. Aerztlich glänzend �e�iltatbtrstA�l�Apotbxken�siihren�Z�o���T�b�e��n� Weshnsnn H Raballmarken der Konsumgenosse nschatt Berlin und Umgegend Kmimltungssttilt Kerlin N 54, Lmievstr. 83-85. Trlepbon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9711. Bureau geöffnet von 9—1 und von 4—7 Uhr. lUilitiircfffMcn-lOiirllfr! Dienstag, den 11. Juli INI«, abends S'/a Uhr: Große Versammlung aller Kollegen und Kolleginnen, welche Militäreffekten herstellen, im Gewerkschastshause, Engelufer 15, Saal 3. T ä g e s o rd n un g: 1. Stellungnahme zu unseren Bcttiebsverhältnissen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Pflicht In Anbetracht der äusicrst wichtigen Tagesordnung- ist aller Kollegen und Kolleginnen, pünktlich zu erscheinen. eS Achtung! Tie nächste ordentliche Generalverfamm- lung der Bcrwaltungsstelle Berlin findet am iSI. August dieses Jahres statt. Anträge hierzu müssen bis spätestens 24. Juli in den Händen der Ortsvcrwaltuug sein. 119/17 Die Det!«vei>«»Itniis. Iml-Mii- und WeisM fler.......... Deotsoinis lErsal: (Filialen Berlin.) Dienstag, den 11. Juli 1016, abends 8'/z Uhr: Jahresversammlungen Filiale!: Puttkamerstr. 0 bei Lörsch. Filiale II: Elisabethkirchstr. 14 bei Roewer. Filiale III: Engelufer 13, Gewerkschaftshaus, Saal 3. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Ortsverwaltung. 4. Verschiedenes. 178/15_ Die Ortsverwaltnngen. jr - Milfix- Weisskäse kann sich jede Hausfrau selbst bereiten. Ein viertel Pfund ülilfix. wird in Liter kaltem Wasser in bekannter Weise au gelöst. Nach 3 Tagen erhält man den besten W e i s s It tt s e* % Milfix ist garantiert reine Magermilch in Pulverform.) Restlos löslich. Ueberall erhältlich. X Allgemeine Ortskrankenkaffe der Stadt Berlin- Schönellerg. Am Mittwoch, den SV.Juli 1S1K, abends 8 Uhr,• findet im■ 269/15 Schwarzen Adler, Tchitneberg, Hauptstr. 144 eine austerordcntliche Ausfchutz-Sitznng statt. Dieselbe ist nicht-öffentlich.. T a g'e s o r d n u n g: �' 1. Verlesung deS Protokolls der AliSjchuff-Sitzung vom' 27. Slpril 1916. 2. Erneute Bcschiuffsaffung über die Dienstordnung sür die Angestellten der Kasse. 'S. Kenntnisnahme pon dem Eni- scheid des Königlichen Dberversichc- riingsamts betr. Entschädigung sür die Teilnahme an Ausschuffsitzungcn. sK 98 der Satzung.) 4. Kassenangelegenheiten. H. Uhlmann, Komm. Porsitzender. O. Brünncr, Schriftführer. lllln?»» kaust llob.»all Nchf.' Münzen- »IllUtvll hdlg., Btrlin, WilhcImsIr.46/47 Spezialarzt Dr. med. WockcnfnB, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- 222/6* Störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10—1 und 5— 8. Uestmm's Trauemragazin Größte Auswahl. Billiggte Preiae. L MohrenstraQa 37a (Kolonnaden). II, Or. Frankfurter Str. 115 (nahe Andreasstr.) Auswahisendungen sofort. Amt Zentrum 7890. Sonntag 12— 2 Ohr geöffnet. SoziaMeiQokratisctier.Hvereiii I.t2. Berl. ReichstagswaWkrels. Bezirk 135. Nachruf. Am 1. Juli verstarb unser Mitglied, der Buchbinder Oeorg ßäßler.- Ehre seinem Andciike» 1 Beerdigung hat bereits. statt- gesunden. 206/10 Der Lorstand. SoziaiiieniokFatisEMalilvEFeln -- Den' Mitgliedern zur Nachricht-, daß unser Parteigenosse. � kermsim Pietseh im Atter von' 54 Jahre» gc- stürben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 9. Juli, nach- mittags 4>/z Uhr, von der Leichen- Halle des Lankwitzer Friedhoses aus statt. 196/11 Der Vorstand. Zentral-KFankeii-OnleFStiitzuogs- verein der Soiimiede u.»erw. Gewerbe Deutschlands Zahlstelle Berlin 3., Nachruf.• Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Tlieoiloi' Dawicki am 1. Juli infolge eines Unsalls gestorben ist...... tphre seinem Andenken! 285/15 Die Drtsverwaliung. Infolge Kopsschusses starb am 281 Jmn im Feldlazett unser lang- jähriges Mitglied Paul Kexer. Wir verlieren in ihm einen treuen Freund und guten Berater. Seines ehrlichen Charakters und strebenden Geistes werden wir stets. in Ehren gedenken. 985b mandollnen- Klub, „Semprc vivo". r Wir- uDd verwandten Berufe Berlin. Hierdurch bringen wir unseren Mitgliedern weitere Opfer des Weltkrieges zur Kenntnis:. Chemlgrahh, gefallen am 8. Juni 1916 durch Granatsplitter. Stemdrucker, verwundet am 4. Mai 1916 und verstorben am 28. Juni im Feldlazarett. lUinrlicot* Lithograph, gefallen am 3V. Juni �aill II inaiSCIlj lgig durch Granatsplitter. Ein ehrendes Andenken ist ihnen gesichert. 108/7 Die Drt«ver,v»ltiinx.. Otto Dinse, Paul Böse, Verein der Freidenker für Feuer- hestaltnng an Berlin. Am 4. d. M. verstarb unser Mitglied, Frau Antonie Vetters geb. Gottschalk, Schöneberg,, Eisenacher-Ltr. 52, im 79, Lebensjahre. Ehre ihrem Andenke»! Die Einäscherung hat auf Wunsch der Verstorbenen in aller Stille am 8. d. M. im Krematorium in der Gerichtstraffe stattgcsunden. 285/3, Der Vonstzuid. 'Anm Sterbetage meines lieben, unvergeßlichen Sohnes, des Pius- i kctiers Heillried üezl Rcs.-Jnj.-Regt. Nr. 12, 9. Komp., I gestorben am 9. Juli 1913 im f Kriegslazarett. In schmerzlicher Sri im crmig Die ticfbctrübte Mutter �Vitws Lmma Nest.| Auf baldig' frohes Wicdersehn, Schriebst Tu so oft. Nun ruhst Du sd)on ein Jahr in kühler Erde, Du hörst nicht mehr die Friedens- gloaen, Was heiß ersehnt Dein junges Herz. «o ruhe denn sanst als Held ge- bettet,' 126A Befreit von allem'Schmerz. Herzlichen Dank allen, die seincr im Felde liebevoll gedachten. J. Als Opfer des� Weltkrieges siel am 30. Juni 1916 unser iipiigst- geliebter, unvergcfflichcr Sohn und Bruder, der Lithograph Paul WmdisDll nach vollendetem 26. Lebensjahre. Möge.ihm die Erde leicht sein! Ilm stille Teilnahme Hilten Gustav Mndlsch und Frau Sally geb.. Baohmann. Kurt Windisch als Bruder, zurzeit im Felde, und. Frau Frida geb. Gecrgi. Walter Windisch als Bruder, zurzeit im Felde.-.- Emma Götze als Braut. Nachruf. In trenestcr Pflichterjüllnng starb am 7. Juli 1915 den Heldentod jürs Vaterland aus dem Felde der. Ehre, insolgc seiner' schweven-Verwiindung durch Kopsjchuff am 6, Juli,. mein inniggetiebter Mann KaH vakl im vollendeten 44. Lebensjahre. In tiefstem Schmerz und un- sagbarem Leid Die trauernde Gattin Rosette Gaiil geb. Schwagerus nebst Angehörigen. Charlottenburg, Kantstr, 96, Als Held liegst Du gebettet, Fühlst nichts pon schwerer Zeit, Du bleibst mir unvergessen In alle Ewigkeit. 111A Nuhe sanst in Frieden! Dem Weltkriege zum Opfer fiel am 27. Juni 1916 aus Horchpostcn mein heißgeliebter, unvergeßlicher Gatte Otto Zung Jns.-Regt. Nr. 35, 2. Komp. . Die ticstraucrnde Witwe Kimnn Jung geb. Freund, Yorkstr. 44. 936b. Ich trau're, klage, ach es. ist ber- geben?. Nichts bringt Dich Guten, Braven mehr zurück. Du warst die Hoffnung und die Freude meines Lebens, Im fernen Land vollzog sich Dein Geschick. Nur wer Dich kannte, weiß, was ich verloren, Und weiß, warum ich weine— weine. Geliebt, beweint und unvergessen. Als Opfer dieses Weltkrieges siel am 26. Juni durch Kopfschuß mein lieber, guter Mann und trcusorgcnder Vater seiner einzigen Tochter, guter Sohn, Schwicger- söhn, Bruder, Schwager inid Ontcl im Atter von 36 Jahren, der' Landsturmmann Nlax Hasse Jns.-Regt. 35. Dies zeigen an in tiefem Schmerz Die trauernde Gattin ileiene Hasse geb. Schippte und Tochter Erna nebst Angehörigen. Wer ihn gekannt, weiß, was wir verloren. Ruhe sanft in Feindesland l I Menle» onfnet onf getoDenen tafle»! Auf dem Schiachtseid gefallen unser Genosse, der Tasietendrucker Emil Hafemann 8. Slbt. Bezirk 138. Zlm 14. Juni 1916 starb infolge Krankheit im Lazarett Magde- bürg utlser Genosse, der Dreher KivKaiMl Hofmann 8. Abt. Bezirk 125. Am 27. Juni 1916 fiel aus dem Schlachtfcldc unser Genosse ßHto Jung 2. Abt. Bezirk 53. 206 9 SBiialdemokr Wahlverein f. d. 2. Berliner Refchetagswahlkr. Durch Kopsschutz fiel am 25. Juni unser Genosse, der Schriftsetzer Paul Beyer. >m 25. Juni fiel unser Genosse, der Tischler Hermann Bökel. 214/16 Sazialdemekr. Wahlverein f. d. 4. Barl. Reichstagswahlkreis. In einem Feldlazarett verstorben der Hausdiener Blax Leopold Auguststratze 50o, 5. Abteilung. 222/12 Sezialdemokr. Wahlverein f. d. 5. Berl. Rejehstagswahlkr. Im Felde gefallen am 6. Juni 1916 ist unser Mitglied Paul Wolf Rostocker Straße 36, Abt. 14 Bezirk 690a im Atter von 25 Jahren. Am 31. Oktober 1915 starbt 29 Jahre alt, in russischer Gefangen- schast unser Genosse Karl Fehl Putbuser Straße 43, Abt. 8 Bezirk 599. 227/8 Sezialdemokr. Wahlverein f. d. 6. Berliner Rejehstagswahlkr. Am 26. Juni fiel im Felde der Vergolder Willi Schultze Mügevftratze 17, 3. Bezirk. Im Felde ffel der Falzer Faul Walferafein Münchener Straße 9, 5. Bezirk. 238,6 Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Durch Verwundung starb im Alter von 30 Jahren im Lazarett unser Genosse, der Fabrikarbeiter Wilhelm Meier Grünb erger Straße 10, 1. Viertel 11. Gruppe. 13/13 Sezialdemokr. Wahlver. Niederbarnim. Bez. Lichtenberg. Am 24. Juni siel als Opfer des Weltkrieges unser Genosse Otto Hinze im Wer von 23 Jähren. 244/12 Sozialdem. Wahlver. Niederbarnim, Bez. Hohenschönhausen. Durch Volltreffer fiel in der Nacht vom 23. zum 24. Juni der Glasmacher Karl Ksokendorf. 244/13 Soziald. Wahlverein Niederbarnim. Bez. Stralau. Durch Bauchschuß fiel im Sunt unser Jugendheimleiter von Hohen-NeuendSrs, der Dreher Emil Hansckke aus Hohen-Neuendors. An den Folgen der Cholera starb im Juni unser früherer Gruppenführer, der Schloffer Hermann Engel aus Birkenwerder. 244/14 Sozialdem. Wahlverein Niederbarnim, Bez. Waidmannslust. ZentraiTeM der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. »ezirk 1«. Den Berussgenossen zur Nach- richt, daß unier Mitglied Kar! Molketeller am 4. d. Mts. tödlich verunglückt ist. Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet demnächst in seiner Heimat in Schlesien statt. 254/13 Ve* Vorstand. » Als Opfer des Weltkrieges fiel am 23. Juni 1916, von einer Granate getroffen, unser einziger Sohn, Bruder und Schwager, der Jäger Otto HotTmann im 24. Lebensjahre. 133A In tiefer Trauer Bmii Holtmann und Frau als Eltern. Feldivcbcl Bretschneider u. Frau nls Schwager und Schwester. Du starbst zu jung. Du starbst Vergessen werden wir Dich nie! \m- u. mm Filiale ttroß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß folgende Kollegen aus dem Schlachtseide gefallen sind: Karl Hoppe, tS. Revicr.Jnsvcktion. Karl Ristau, Charlottenburg. Paul Jankowiak, l. Revier-Inspektion. Erich Schnee, Wuhigarten. MaX TSChamtke, straßenrcinigung. Otto Griffke, Kanalisation. Richard Semohl, Gasanstalt Gischmcr Str. Johann Gladisch, 1 Revier-Inspektion. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. 33/19 Dir Ortsvcrwaltiing. Deutsch. Metallarheiter-Verband Ortsverwaltung Berlin. Dem Andenken unserer im Felde gefallenen Kollegen. Ernst Fuhrmann, Schlosser, geb. 11. 5. 1893 in saßnitz. Otto Hoffmann, Werkzeugmacher, geb. 6. 7. 1892 in Berlin. Richard Hoffmann, Dreher, geb. 1. 5. 1888 in Berlin. Walter Kassner, Arbeiter, geb. 11. 6. 1892 in Berlin. Georg Kuklinski, Klempner, geb. 5. 4. 1876 in Allenftein. Fritz Noack, Arbeiter, geb. 7. 10. 1885 in Jakobdorf. Fritz Pfannmöller, geb. 1. 5. 1887 in Berlin. Wilh. Rohde, Dreh», geb. 22. 10. 1893 in Berlin. Max Rossak, Former, geb. 26. 4. 1881 in Neustadt. Emil Seiler, Former, geb. 12. 1. 1880 in Berlin. Franz Siefert, Form», geb. 29. 10. 1895 in Berlin. Fritz Thurau, Arbeit», geb. 9. 5. 1878 in Königsberg. Willi Waschke, Arbeiter, geb. 3. 12. 1894 in Berlin. Paul Wolf, Arbeiter, geb. 20. 40. 1891 in BräNdenbürg. Ehre ihrem Ändeukeu! 149/16 Die Ortsverwaltung. Deutsches Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Im Felde gefallen find folgende Mitglieder: Paul Bellenbaum, Drechsler. 26 Jahre alt. Georg Berinskat, Maschinenarb-iter. 20 Jahre alt. Alexander Dischleit, sw«, 25 Jahre alt. Oskar Hampel, Tischler. 2$ J-hr- ait Paul Hirschfeld, Tischler. 37 J-h»°i>. QUStaV Kloß, Tischler, 35 Jahre alt. OttO Kobold, Tischler. 28 Jahre alt. Karl Limberg, Polierer, 29 Jahre alt. Paul Scharte, Vergolder. 22 Jahre alt. Artur Schiller, Holzarbeiter. 20 Jahre alt. Otto Weber, Möb-Ipolierrr, 27 Jahre alt. Eduard Zamaitat, Tischler, 42 Jahre a«. Ehre ihrem Zlnbenkenk 87/18 Die OrtsTerwmltvuig, Mitglied des Arbeiter-Turnerbundes. Wiederum haben wir folgende Tnrngenosse« al« Opf» des Weltkrieges zu beklagen: Paul Haxen, 2. MSnneraiteilung Richard Schölisch, 2.„ Paul Thurow, 2. Oskar Suckrow, 3. Walter Mficke, 3. Richard Seidler, 5., Fritz Schneider, 9. Robert Guthert, 10. Georg; Pschlchholz, 13. Erich Gräber, 13. Bruno Grabowsky, ir. Franz Pflüger, is. Ehre ihrem Andenken! 185/14 SoziaidemoMeherWahiferein Neukölln. Am 5. Juli verstarb unser Parteigenosse August Ereitag Weisestr. 47. 21. Bez. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Juli, nach- mittags VI, Uhr, auf dem Reu« köllner Gemeindesriedhof, Marien- dorser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 238/7 Den Voretand. DentscherMetallarheiter-Verbanii Verwaltungsstolle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Metall- arbeiter Gust. Marksteiner am 5. Juli an Lungenleiden ge- ftorben ist. Die Beerdigung sinket heute Sonntag, den 9.<»uli, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-ArtedhoseS in Alt-Glienicke aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Den Kollegen serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Metallarbeiter Hermann Pietsch am 6. Juli an speiseröhrenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 9. Juli, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-FriedhoseS in Lankwitz aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �foclirui. De» Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Prnst Brummer am 24. Justi /Freitod) gestorben ist. Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Werkzeugmacher Alfred Knobel am 24. Juni infolge Unsalls (Schädelbruch) gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 119/15«Die Qrtsverwaltnng. Als Opfer dieses Krieges fiel am 20. März unser heißgeliebter, hoffnungsvoller Sohn, mein her- zensgutrr Bruder, mein innig- geliebter Bräutigam, der Land- sturmmann 113A Erwin Heinze Jns.-Regt. Nr. 48. 12. Komp. im blühenden Alter von iechS- uudzwanzig Jahren. Er folgte feinem um fünf Jahre jüngeren Bruder Max nach zehn Monaten. Die tiefgebeugten Eltern August Heinze und Frau nebst Tochter Frida, Anna Strehmann, Braut. Run kehrt Ihr uns nimmermehr zurück,— Verweht ist die letzte Spur,— Von all' unserm Eltern- stolz, unserm Glück— Blieben drei Kreuze nur.— Zwei, die da ragen aus blutigem Sand,— Auf den Gröbern, die niemand pfiegt, — Das dritte, das schwerer wie Eisen und Blei.— DaS das Schicksal uns auferlegt. Dort draußen im ferne Lande.— Da senkte man meine Brüder hin- ab.— Zur Aussaat da nimmt man die Besten,— Schlaft wohl, Ihr Lieben, im fernen Grab. Und ich bitte den Wind und die Sonne,— Wenn der Weg über's Grab sie führt,— Grüget mir meinen teuren Erwin,— Dem all' meine Liebe gehört. Mit der Sehnsucht im Herzen nach Euren Lieben,— Mit der Sehnsucht im Herzen, da seid Ihr geblieben. Als Opfer des Weltkrieges fiel unser lieber Kollege, der Dreher Emil Hanschke Inj-Reg. 24. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Kollegen der D.«. M. Charlottenbnrg. Abt. Schneider. Wb. 3. 97?l Statt jeder besonderen Anzeige! Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß unser lieber sobn, Bruder und Galle 14121 Max Frommhold 201. Infanterie-Regiment am 24. Juni aus dem Felde der Ehre gefallen ist und auf einem Friedhof begraben liegt. In Schmerz und Trauer Amalie Frommhold als Gattin. Die Eltern und Geschwister. Berlin, Naunynstr. 21, den 6. Juli 1916. Arbeifer• Turnverein Weißensee. Als Opfer des Weltkrieges siel unser Turngenosse, Unteroffizier Germ. Schultrich im Alter von 26 Jahren. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. 185/13 Als Opfer des Weltkrieges starb den Heldentod am 24. Juni 1916, abends 11 Uhr 40 Min., durch einen Brustschuß mein inniggeliebter Mann, der treu- sorgende Vater meines einzigen Kindes Gustav Kolbatz Grenadier-Reg. 261, 5. Komp. im 38. Lebensjahre. Dies zeigt in tiejstem Schmerz an Augufte Kolbaff als Gattin nebst Tochter Frida. Berlin, Liegnitzer Str. 28. ES leuchtet die Sonne so golden und schön. Doch Du, mein Lieb, siehst sie nicht mehr aufgehn. Dein Hügel liegt einsam im fremden Land. Dort senkten sie Dich zur Ruhe dinab. Ich konnte nicht Blumen Dir streuen auss Grab, So hole mich bald zu Dir hinab. 14121 Fern von seinen Lieben siel aus Posten in diesem Kriege durch feindliche Mine mein lieber Manu und Vater seines inniggeliebten Kindes, der Musketier FTitxptarmrnoller am 27. Juni 1916. In lieser Trauer klll» Dr»nn«n»Ilei- und Klein-Edith. Du hast nur für die Deinen gestrebt. Hab Dank jür Deine Liebe. Meine heilige Pflicht ist jetzt, unser Kind in Deinem Sinne zn erziehen. Liebe Papa, ruhe saust! 913b Deine Puppt. 2lllzu früh und sern von seinen Lieben siel am 28. Juni durch eine Granate unser einziger, ge. siebter und hoffnungsvoller Sohn und Bruder, der Gefreite, Lehrer Walter Kühn Rcscrve-Jnsanterie.Rcg. Nr. 262, im blühenden Alter von fast 24 Jahren. die trauernden Hinterbliebenen Rudolf Kühn u. Frau, als Eltern. Margarete, als Lechwestcr. Otto Berndt als zukünftiger Schwager, zurzeit im Felde. Neukölln, Sanderstr. 24. Wie schwer war Dir das Scheiden Bon uns, geliebtes Herz, Weißt nicht, was wir jetzt leiden, In ticscm, großem Schmerz. Wir baten alle Tage, Ach kehre bald zurück! Doch jetzt nur eine Klage, Vorbei ist unser Glück. Kurz ivar unsere Freude, Tics ist unser Schmerz: Drum schlumm're sanft, Du treu- gesiebtes Herz. Du warst so gut. Du" starbst io früh, Wer Dich gekannt, vergißt Dich nie! Ruhe sanft in Feindesland. Dem Bölkerringe» zum Opser fiel unser lieber Freund und Heiser 931b Hermann Grande im blühenden 2llter von 20 Jahren. Ehre seine« Andenke«: �rkeitervlnxentilieiin II, Gr. Frankfurter Str. 123. Nachruf zum heutigen Sterbetage meines herzensguten Mannes und VaterS meiner beiden Kinder, des frei- willigen Krankenpflegers Hugo Marschall. Nichts BetrübendereS giebt'S auf Erden, nichts kann mehr zu Herzen geh'n, als betrübte Witwe werden, als verlassen zu Waisen sleh'n. In schmerzlichster Erinnerung Witwe ZSanba Marschall geb. Kroll. Alfred und Elfrirde als Kinder. Berlin, Utrcchtcrftr. 22. 41A Allen Freunden und Parteigenossen die traurige Nachricht, daß unser lieber Jäger ?mil Wolf 4. Res.-Jäger-Bat., 4. Komp. am 6. Juni 1916 gefallen ist. Dies zeigen an Onwssl«! Schobert, z. Z. im Felde, n c b st Frau. 1302l Rostocker Straße 36. 2lus Rosen warst Du nie gebettet, Von Menschen wardst Du hingcraff, Die Lehren, die Du angcnomment Sie sind mit Dir ins kühle Grab. Oerallttvortlicher Nepalteur: Alfred Wiefex?, AeuMn. Lük des Jnferatenteil verantwu Ttz, Glocke, Berlin, Druck u,Lerlag:«orwärti Buchdruckeret u, Verlagsanjtalt Paul Singer& 6o, Berlin SW,