Nr. 1S1.-g3. Jahrg. flDonnements-Redingungen: LbonnemenlS» Preis pränumerando Pierleljährl. S.So Ml, monatl. 1.Z0 MI. wöchenllich SO Pjg. frei ms Haus. Einzelne Nummer b Big. Konmags» nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' lv Psg. Post- Abonnement: 130 Marl pro Monat. Eingetragen in die Polt-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband iüi Teutschland und Oeslerreich- Ungarn 230 Marl, für das übrige Ausland t Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an Belgien,»incmarl. Holland. Italien. Luxeniburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. eklchiiiil IsgNch. Veeltnev Volksblakk. ( 5 Pfennig) Die TnierfionS'GebQljr betrügt für die sechsgespaltenc KoloncI» teile oder deren Raum 60 Psg, sür politische und gewcrlichastliche Bereinz. und Vcrsammlungs- Anzeigen 30 Psg. ..Meine Znreigen", das tettgedruckle Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgcdruilte Wortcj. jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaiitellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes wcuere Wort 5 Psg. Worte über lö Buch- sraben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummcr müssen bis Uhr nachmittags in der Exbeditwn abgegeben werden. Tie Expedition ijt bis 7 Uhr abends gcössncl. Delegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Rcrlln". Zentralorgan der rozlaldemokratifcben partet Deutfcblands. Redaktion: EW. öS, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. löl 30—131 37. Freitag, den 14. Juli 1�16. Expedition: SN). 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher- Amt Moritzplap- Nr. 13190—15137. Der stampf um die Kriegsziele. Die Polemik der letzten Tage zwischen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" und der rechtsstehenden Presse hat ganz im Gegensatz zu den Absichten des Kanzlers die Erbitterung und Gereiztheit bei den Gegnern des Kanzlers noch erhöht. Da eine klare Aussprache der eigentlichen, sachlichen Unter- schiede gehindert ist, so nahm die Diskussion teilweise krause Formen an, die im In- und Auslande einen gleich merk- würdigen Eindruck machen müssen. In Wirklichkeit weicht der Standpunkt des Kanzlers ja nur wenig von dem seiner bürgerlichen Gegner ab. Aber trotzdem ist es uns durchaus verständlich, daß die in der Sache stark eingegrenzte Polemik gegen den Kanzler so erbitterte Formen angenommen hat, denn nichts erregt so sehr— das erklärt ja auch teilweise die Heftigkeit der inneren Kämpfe innerhalb unserer Partei— tiefgehende Mißstimmung, als die Vcrschiedcnartigkeit der äußeren Bedingungen, unter denen die Gegensätze ausgc- fochten werden. In der ersten Nottz, in der das Kanzlerblatt die Angriffe auf den Kanzler abzuwehren suchte, wurde die „innere Stärke" als Forderung des Tages bezeichnet. Aber nichts gefährdet in Wirklichkeit die Einigkeit und das gegen- scitige Verständnis mehr als ein von außen ausgeübter Zwang, der bestehende Sachunterschiede unterdrücken will. Wenn die.Unterbindung der Kriegszielerörterungen gerade mit Rücksicht auf das Ausland zu begründen versucht worden ist, so kann doch wohl niemand leugnen, daß die jetzige Form der Auseinandersetzungen in Deutschland im Ausland ein viel schieferes und daher gefährlicheres Bild hervorrufen muß, als es bei völlig freier Diskussion geschehen könnte. Die Heftigkeit, mit der infolge der angedeuteten äußeren Bedingungen die Gegensätze zwischen Kanzler und Presse aus- getragen werden, darf indessen nicht darüber täuschen, daß die beiden feindlichen Brüder sich in Mrklichkeit sehr nahe stehen. Kanzler und bürgerliche Parteien fordern beim Friedensschluß „reale Garantien". Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" macht dabei nur die Einschränkung, daß die'Politik als„Kunst des Möglichen" sich bei der Aufstellung konkreter Frie- dcvsbedingungen von„klaren real politischen Er- w ä g u n g e n" leiten lassen müsse. Der Kanzler schätzt also die gegenwarttge und für den Friedensschluß zu erwartende Situation Deutschlands etwas anders und— wie er behauptet— rcalpolitifcber ein, als seine bürgerlichen Kritiker. Der Kanzler lehnt es ausdrücklich ab, daß er sich bei seiner Politik irgendwie von„sentimentalen" Gründen bestimmen lasse. Wer die Reden des Kanzlers im Reichstage unvoreingenommen geprüft hat, konnte darüber kaum im Zweifel sein. Nun hat der Kanzler sich aber von neuem auf die in diesen Roden enthaltenen, selbst als„positiv" bezeichneten Kriegsziele berufen. Am 5. April d. I. führte der Kanzler über seine Kriegsziele aus: „Zu unserer Verteidigung sind wir ausgezogen, aber das, was war, ist nicht mehr, die Geschichte ist mit ehernen Schritten vorwärtsgegangen, es gibt kein Zurück. Unsere und Oesterreich-Ungarns Absicht ist es nicht gewesen, die pol- nische Frage aufzurollen, das Schicksal der Schlachten hat sie aufgerollt. Nun steht sie da und harrt der Lösung.� Deutsch- land und Oesterreich-Ungarn müssen und werden sie lösen. Ten Ltatus quo ante kennt nach so ungeheuren Ge- fchehnissen die Geschichte nicht. Nach dem Kriege wird ein Neues sein, das Polen, auf das der russische Tschinownik Polizeibeamte) unter Erpressungen und Ausraubungen seinen Fuß gesetzt, das der Kosak brennend und sengend verlassen hat, ijt nicht mehr. Herr Asquith spricht in seinen Friedensbedin- gungen von dem Prinzip der Nationalität. Wenn er daS tut und wenn er sich in die Lage des uubesicgren und unbesiegbaren Gegners versetzt, kann er dann � annehmen, daß Deutschland freiwillig die von ihm und seinen Bundesgenossen befreiten Völker zwischen dem Baltischen Meer und den Wolhynischcn Sümpfen wieder dem reaktionären Rußland ausliefern wird, mögen es Polen, Balten, Litau er oder Letten sein? Nein, Rußland darf nicht zum zweiten Male seine Heere auf die ungeschützte Grenze Sst- und Westpreußens aufmar- schieren lassen, nicbt noch einmal mit französischem Gclde Deutsch- land als Einfalltor benutzen und in das ungeschützte Deutschland einrücken. Und wenn jemand glaubt, daß wir die im Westen besetzten Länder, auf denen dgs Blut unseres Volkes geflossen ist, ohne völlige Sicherheit für unsere Zukunft freigeben werden — wir werden uns reale Garantien dafür schaffen, daß Bei- g i e n nicht englisch-frcknzösischcr Vasallenstaat, nicht militärisch un»? wirtschaftlich als Bollwerk gegen Deutschland ausgebaut wird. Auch hier gibt es keinen Status quo ante, auch hier kann Deutschland das lange niedergehaltene flämische Volkstum nicht wieder der Verwelschung preis- geben____ Und wenn wir über Europa hinaus sehen.... Unsere Siege auf dem Kontinent werden uns einen K o l o- nialbesitz sichern und der unverwüstlichen deutschen Unter- nehmungslust eine neue fruchtbringende Tätigkeit eröffnen." In ber Notiz der„Norddeutschen" vom 8. Juli werden diese Kriegsziele in etwas anderer Form umschrieben: „Der innere Sinn dieses großen Kampfes ist die Bcrteidi- gung des deutschen Volkes, seiner Freiheit und seiner Zukunft. Das deutsche Volk in seiner Gesamtheit wird die tiefe Be- deutung dieses Sinnes, die in den Kundgebungen Seiner Majestät des Kaisers und in den Reden des Reichskanzlers immer wieder hervorgehoben worden ist, lebendiger als je emp- finden. Man hat es vielfach so darstellen wollen, als sei dies Ziel doch ein rein negatives. Wer aber nicht über die Reden des Reichskanzlers hinweggehen will, namentlich über die Reden vom 13. August ISIS, g. Dezember 1915 und 5. April 1316, in denen er früher wiederholt Angedeutetes so ausführlich als möglich dargelegt hat, wind zugeben müssen, daß die Regierung jeden- falls die Verteidigung nicht im negativen Sinne, sondern indemhöchstpositivenSinnederBehaup- tung, Sicherung und Stärkung der deutschen Zukunftsstellung in der Welt faßt. Wenn die Einfalltore in das Herz Deutschlands fremdem Einfluß ent- zogen, wenn Rußland hinter die Flüsse zurückge- worfen wird, die als kürzere Grenze Deutschland einen besseren Schutz, geben, wenn die wirtschaftliche Entfaltung Teutschlands in der ganzen Welt gesichert sein soll—, ist das kein großes Ziel?" Am 10. Juli hat bann der Kanzler weiter durch die „Norddeutsche" erklärt: „Jedenfalls hat unser Großmeister der Staatskunst(Bis- marck) den Wert seiner Friedensschlüsse niemals allein nach der Größe der Gebietserweiterungen bemessen, deshalb auch nie- mals fremde, selbständige Völker dem Reiche einzuverleiben ge- trachtZ, sondern Kern und Stern seines Wirkens war immer: Wie mache ich am zweckmäßigsten und dauerhaftesten mein deut- sches Vaterland einig, stark und zur freien Entwickelung seiner Kräfte unangreifbar. Tie Grund- und Richtlinie der Bismarck- schen Praxis darf in dem heroischen Verteidigungskampfe um das Werk, das er bald mit Blut und Eisen, bald mit weiser Mäßigung schaffen half, auch gegenüber der Forderung nicht vcr- gessen werden, daß wir aus diesem Kriege stärker hervorgehen, als wir hineingegangen sind." Auch darin liegt natürlich nicht eine grundsätzliche Absage an Grenzveränderungcn. Der Satz von der„kürzeren Grenze" im Osten läßt diese Auslegung nicht zu. Die Worte richten sich vielmehr gegen gewisse Wünsche gewisser Kreise für das Kriegsziel im Westen. Auch dort will der Konzler nicht den Status cpio ante(früheren Zustand). Aus den Unter- redungen mit Vertrauensmännern, auf die sich der Kanzler in den letzten Tagen berief, sind ja die Pläne des Kanzlers zur Zurückdämmung des englischen Einflusses in Belgien be- kannt, und soweit wir davon unterrichtet sind, handelt es sich um ganz„reale Garantten". Auch ohne offene An- nexionen läßt sich ja das erreichen, was man militärisch und wirtschaftlich zu haben wünscht. ' Wenn die rechtsstehenden Polittker trotzdem mit Beth- mann Hollweg nicht zufrieden sind, so liegt das nicht in erster Linie daran, daß sie glauben, im Augenblick wesent- lich mehr erreichen zu können als der Kanzler auf Grund „realpolitischer Erwägungen" für„möglich" hält. Die Kri- tiker des Kanzlers in der legalen Presse haben es z. B. fämt- lich abgelehnt, sich mit den Forderungen der Eingabe der sechs Wirtfchaftsverbändc zu identifizieren. Aber sie erklären: Für die Zeit, in der jene Eingabe verfaßt wurde, waren jene Forderungen durchaus verständlich: deshalb habe es keinen Sinn, gegen sie zu polemisieren. Als letztes Ziel seien jene Forderungen auch heute noch brauchbar. Die Kritiker des Kanzlers vermissen gerade bei ihm ein S y st c m politischer Ziele, deren Verwirklichung der Zeit und eventuell späteren Kriegen überlassen bleiben mag. Die Beeinflussung d e r V o l k s st r m m u n g in der Richtung dieser Ziele scheint jenen Kreisen noch wichtiger als die Verwirklichung � dieser Forderungen. Am klarsten hat wohl die„Kreuz-Zeitung" diesen Gedanken zum Ausdruck gebracht. So schrieb Pro- fcssor Hoetzsch erst am letzten Mitttvoch wieder in der Wochen- schau dieses konservativen Blattes: „Wir sehen diesen Zusammenhang zwischen Krieg und Po- litik, der uns in dieser Phase unseres Existenzskampfes am bit- tersten nottut, in der Haltung und in den Aeußerungen unserer Regierung nicht, und dpr Hinweis auf die„Verteidigung des deutschen Volkes, seiner Freiheit und seiner Zukunft" als den inneren Sinn dieses großen Kampfes sagt heute be- reits zu wenig. Diese Aufgabe der unmittelbaren Ver tcidigung ist seit dem Frühjahr 1915 erfüllt. Seitdem wurde es immer dringender notwendig, die militärische Aktion in den Dienst bestimmter großer politischer Ziele und Pläne zu stellen. Von Monat zu Monat ist die Sorge ge- wachsen, daß dieser Zusammenhang nicht vorhanden ist, und aus dieser Sorge erklärt sich die Bewegung, die jetzt in verschiedenster Form durch unser Volk hindurchgeht. Ein unerschöpflicher Vor- rat an Schwung und Willen ist in unserem Volke auch nach diesen schweren zwei Kriegsjahren noch vorhanden; warum macht ihn sich die Leitung unseres Reiches nicht zunutze in einer Si- tuation, in der die Gegner zum ersten Male mit einheitlich ge- lenktcr Kraft gegen uns anstürmen?" Ob und wieweit die Kritiker des Kanzlers wirklich glauben, durch rücksichtslose Anwendung aller zur Verfügung stehenden Kriegsmittel auch die Verwirklichung ihrer End» forderungen schon jetzt erreichen zu können, muß angesichts der bei der Besprechung dieses Themas innezuhaltenden Schranken unerörtert bleiben. Jedenfalls ergibt sich aus dem, lvas über die Stellung des Kanzlers bekannt ist, auch hier die Folgerung, daß sein Standpunkt sich nicht grundsätz- lich von dem seiner Kritiker entfernt. Die Regierung hat auch noch in der letzten ihrer Noten an Amerika sich freie Hand vorbehalten, und ihre frühere Kriegführung zeigt ja zur Genüge, ob es als völlig ausgeschlossen betrachtet werden darf, daß sie in einer besonderen Situation dem Drängen eifriger Heimkrieger nachgibt.(z) »» * Die Zukunft Polens. Die offiziösen„Berliner Politischen Nachrichteist' schreiben: „Zu den schwierigen Problemen, welche vor dem Friedens- schlusse zu lösen sind, gehört zweifellos die künftige Gestaltung Polens. Daß die betreffenden Landesteilc nichtwiederuntcr russische Herrschaft gelangen werden, steht nach den Er- klärungen des Herrn Reichskanzlers im Reichstage zweifellos fest. Aber ihre künftige staatliche Ordnung ist angesichts der be- teiligten schwerwiegenden Interessen des Deutschen Reiches und Oesterreich-Ungarns eine überaus schwierige Aufgabe. Mit ihrer Lösung sind die beiderseitigen Regierungen in gemeinsamer bundK- freundlicher Arbeit beschäftigt. Aber die Verhandlungen s ch w c b e n n o ch. Es ist klar, daß ihre befriedigende Beendigung nicht gefördert werden würde, wenn die polnische Frage zum Gegen- stände der Verhandlungen in der breitesten Oeffentlichkeit gemacht würde, denn die dabei zweifellos zu gewärtigende weitgehende Vcr- schiedenheit der Auffassungen könnte der Verständigung über die Lösung des Problems nur hinderlich sein. Man wird daher sicher in der Annahme nicht fehlgehen, daß unter die Gründe, welche dazu geführt haben, zurzeit nur eine Milderungd erZensur in bezug auf die Erörterung der Kriegsziele, nicht aber eine völ- lige Freigabe dieser Erörterungen- in Aussicht zu stellen, auch d i c Tatsache fällt, daß die Verhandlungen über die endgültige Ord- nung Polens noch nicht zum Abschluß gelangt sind." Die„ Kreuz-Zeitung" bemerkt dazu: „Danach soll also in der polnischen Frage, doch einem sehr wichtigen Teil der Kricgsziele, gerade das Verfahren eingeschlagen werden, das wir als unzweckmäßig beanstandet hatten. Ohne Fühlungnahme mit der Oeffentlichkeit trifft die Regierung ihre Entscheidung und stellt vollendete Tatsachen her, mit denen sich das deutsche Poll dann abzufinden hat. Denn welchen Sinn und Zweck soll eine Erörterung der Angelegenheit noch haben, wenn sich die deutsche mit der österreichisch-ungarischen Regierung über eine bestimmte Lösung verständigt haben? Diese Methode läuft also auf eine glatte Ausschaltung der öffentlichen Meinung hinaus, deren Mitwirkung bei der Gestaltung der Friedenszielc mehr als einmal feierlich zugesagt worden ist." Cine Unterredung mit dem NeichskanZier. In der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" lesen wir: Rotterdam, 12. Juli. In einer dem Berliner Vertreter der Hearst- scheu Zeitungsunternehmungen, W. B. Haie, am 4. Juni gewährten Unterredung über die Stellung der Verein igten Staaten zur Aufhebung der Londoner Seercchts- deklarativ» durch England hat der Reichskanzler, nach New Uorkcr Meldungen in englischen Blättern, bemerkt, daß schon zu Beginn des Krieges die Engländer tatsächlich zu erkennen ge- geben hätten, daß sie sich überhaupt nicht an die Bestimmungen der Londoner Sccrcchtsdcklaration binden wollten. Es sei bedauerlich, daß damals die Regierung der Vereinigten Staaten zu erkennen gegeben habe, daß sie es bei dieser Ablehnung Englands bewenden lassen wolle. Wären die Vereinigten Staaten dauxals für die Wahrung der Rechte Neutraler eingetreten, dann wären ihnen die meisten Kränkungen und Verletzungen ihrer Interessen erspart geblieben. Jetzt, wo die Engländer offenkundig jede Rücksicht auf die Rechte neutraler Staaten beiseite gesetzt hätten, würden viel- leicht die Augen mancher geöffnet werden. Ter Reichskanzler stellte dann die Frage, wie lange wohl die neutralen Staaten die Tyrannenpolizei Englands auf dem Meere dulden wollten. Für den neutralen Handel sei wohl nur noch wenig Hoff- nung vorhanden, in diesem Kriege in den Vereinigten Staaten einen Vorkämpfer zu finden. Vielleicht würde aber doch die Unabhängigkeitscrklärung der' Vereinigten Staaten von der zpg- lischen Borherrschaft dem Volke der Vereinigten Staaten von der englischen Vorherrschaft dem Volke der Vereinigten Staaten ein Beispiel für ein kühnes und würdige« Auftreten gegenüber Eng- land sein. Sur üie Wiederaufnahme des v-Dootkrieges. Die„K r c u z z e i t u n g" will sich in der pflichtmäßigen Darlegung ihrer sachlichen Auffassungen über die Politik des Kanzlers in den Kriegs- und Friedensfragen nicht behindern oder ein- schränken lassen. Die konservative Kritik der U-Boot-Politik habe sich nicht auf die Anschauung oder Darstellung gestützt, daß der Kanzler aus sentimentalen Rücksichten die Amvcndung der U-Loolc im Handelskriege gehindert habe, sondern sie richtete sich gegen eine nach konservativer Auffassung zu weitgehende Berücksichtigung der Einsprüche Amerikas und seines sich des Niederboxcns rühmenden Präsidenten. Worauf es aber in erster Linie ankomme, das seien die Wünsche und Forderungen sür die weitere Behandlung der Dinge.„Wir treten"— so sagt die„Kreuzzeitung" weiter— „mit der konservativen Fraktion des Reichstags dafür ein, daß die deutsche Regierung hinsichtlich des Handelskrieges der U-Boote von der Freiheit der Entschließung Gckbranch mache, die sie sich in der Note am 4. Mai vorbehalten hat und die ihr in einer geradezu als Hohn wirkenden Weise durch die Antwort Amerikas und durch die Lossagung unserer Feinde von der Lon- doncr Deklaration tatsächlich eingeräumt ist. Wir erblicken darin ein geeignetes und unentbehrliches Mittel zur beschleu- nigten siegreichen Beendigung des Krieges. Wir sehen diese Frage äber auch im Zusammenhange mit dem Ziele, von England nicht im Wege einer uns unmöglich scheinenden Verständigung, sondern durch den Zwang der Waffen dasjenige zu erringen, was wir für Deuschlands Zukunft brauchen. Ob wir hinsichtlich dieses und anderer FricdenSziclc mit dem Kanzler und dem' Auswärtigen Amt in Meinungsverschiedenheiten sind, wissen wir nicht einmal bestimmst Wir wünschen darüber größere Klarheit als bisher, die besonders auch durch die neuesten Eveignisse bei der Scheidemann- scheu Indiskretion und bei Erörterung ocr Bcrtraucnsfrage ge- boten ijt."(z) das große Ringen. Von Richard Gädke. Ünch in der Woche vom L. bis 10. I u l i haben auf allen unseren Fronten die schweren und erbitterten Kämpfe fortgedauert� Tie gemeinsame gleichzeitige Offensive der Gegner ist— anfangs nicht so glatt und ohne Reibungen, wie es im Kriegsrat wohl aus- gemacht war— immerhin zuletzt in Gang gekommen und wälzt sich nun mit Ungestüm gegen unsere Heere heran. Der aus- gesprochene Zweck dieser großen und umfasicnden Angriffsbewe- gung, vor der die Kriege der napoleonischen Aera verblassen, war es einmal, nach langen Vorbereitungen, überlegene Waffen zu- sammcnzubringen, sodann unsere Heeresleitung an der Ausnutzung der inneren Linie zu verhindern, die uns 1% Jahre hindurch gestaltet hatte, an verschiedenen Fronten abwechselnd unsere Streit- kräfte zu überlegenem und wuchtigem stoße gegen einen der Gegner vorzuwerfen. Daß der Viervcrband nach so langer Kriegsdauer noch zur Aufstellung neuer Waffenheere imstande sein würde, kann nicht wunder nehmen. In erster Linie waren zur Aufbringung neuer Heere die Engländer berufen, die bis dahin für die gemeinsame Sache einen unverhältnismäßig geringen Blutzoll entrichtet hatten. Tie Turchsührung des Ticnstzwanges, die allmählich schon vor ihrer gesetzlichen Festlegung eine ziemlich weitgehende geworden war, ermöglichte und nötigte schließlich angesichts der Mißstimmung der Bundesgenossen, ganz erhebliche Verstärkungen auf das Fest- land hinübcrzuwcrscn. In noch höherem Maße haben die Russen die Winter- und FrühjahrSmonate benutzt, um aus dem Borne ihrer zahllosen Bauernschaft ihre Heere zu ergänzen und zu der- niehren. Waffen und Schietzbedarf lieferten die Vereinigten Staa. ten und Japan in reichstem Maße, letzteres auch Offiziere und Mannschaften als Jnstruktoren. Selbst Italien ist augenscheinlich in der Lage gewesen, sei- ncm ursprünglich der Volkszahl kaum entsprechenden Heere neu- gcbildcie Truppen in größerem Maßstabe anzugliedern. Nur Frankreich bat aller Wahrscheinlichkeit nach das Becken seiner kriegstüchtigen Mannschaft bis auf die Hefe leeren müssen, um nach allen seinen großen Verlusten die Bundesgenossen noch mit einem Angrifssbeer unterstützen zu können. Aber auch sie konnten, wie die Engländer, außerdem noch auf fertige Truppen zurück- greifen. Wir sind uns also bewußt, daß wir augenblicklich gegen sehr große Zahlen anzukämpfen fiabc». denen gegenüber wir doppelt auf die überlegene Äricgstüchtigkcit unserer Trupen bauen müssen. Dabei wollen wir ohne weiteres anerkennen, daß auch Franzosen und Russen ihr letztes hergeben, überall mit Tapferkeit und ge- lcgcntlich mit hohen Geldmitteln fechten. Alle Berichte stimmen darin übercin, daß die feindliche Führung ebenso wenig wie die Truppe mit ihrem Blute geizt; an Entschlossenheit fehlt eS ihren Angriffen nicht. Achnliches wird man immerhin von den Eng- ländcrn sagen dürfen, bei denen mehr die Gewandtheit und Durch- bildung der Truppen als ihr SiegcSwille zu fehlen scheinen. Ter cnglisch-französische Angriff in der Pikardie hat der russi- i'chcn Heeresleitung den Anlaß geboten, ihre eigene große Offen» five, die bereits zum Stehen gekommen und teilweise in rückwärtige Bewegung geraten war, mit erneutem Nachdruck wieder aufzuneh- men. Damit im Zusammenhang stehen denn auch die mehr gut gemeinten als erfolgreichen Versuche Cadornas, an der italienisch» österreichischen Grenze ebenfalls einen großzügigen Angriff in die Wege zu leiten. Augenblicklich befinden sich also die Streitkräfte der Mittel- inächte im Westen, Osten und im Süden in der Defensive gegen- über heftigen starken feindlichen Angriffen. Im Westen haben unsere Gegner auch in den letzten sieben Tagen keine entscheidenden Vorteile zu erringen vermocht; es klingt sehr entsagend, wenn sie ihre Volksgenossen schon jetzt auf monatc. lange Kämpfe vorbereiten, wobei man in aller Gelassenheit fragen darf, wie diese Absicht mit dem Eingeständnis furchtbarer Verluste zusammenzureimen ist. Ich glaube nicht, daß eine solche Ankündi- gung für uns etwas Schreckhaftes hat. Der linke Flügel der Gegner nördlich und unmittelbar südlich des Ancrebaches hat von vornherein keine Erfolge errungen. In den letzten Tagen haben die Engländer nördlich deS Bache« überhaupt nicht mehr an- gegriiffen, sondern sich auf Geschützfeuer beschränkt. Die An- griffe in der Mitte sind zum Stehen und teilweise zur Rückwärts- bcwcgung gekommen. Nur südlich der Somme haben die Franzosen am 9. Juli durch Besetzung deS Torfes Biaches, 2 Kilometer westlich Peronne, noch einen Vorteil— den einzigen— errungen. Sie haben hier in neun Tagen einen Raumgewinn vog sieben Kilometer erzielt. TaS ist der vorspringendste Punkt ihrer neuen Stellung, die sich südlich steil rückwärts biegt und schon 8 Kilometer südwestlich, bei EstrccS, wieder in ihre alte Linie verläuft. Natürlich aber müssen wir uns darauf gefaßt machen, daß die Angriffe fortdauern und mit Hllfc neuer Verstärkungen neue große Anstrengungen machen werden. Unter diesen Umständen ist es immerhin bemerkenswert, daß die Franzosen auch ihre Angriffe östlich der Maas trotz aller Miß- erfolge immer wieder erneut haben. Erst am 9. Juli scheinen sie erlahmt zu sein. Tic sonstige Tätigkeit der Gegner im Westen war zwar nicht gering, aber nirgendwo nachdrücklich; sie scheint Täuschung zu be- absichtigen, deutsche Truppen fesseln zu wollen. Im Osten haben sich die Angriffe der Russen zu beiden Seiten der Pripjetsümzse in den letzten sieben Tagen zu großer Wucht ausgewachsen. Trotz der Energie, mit der starke Streitkräfte nördlich Pinsk zu wiederholten Angriffen gegen die Heeresgruppe des Prinzen Leopold vorgestürmt sind, wird man doch in ihnen mehr eine Nebenunternehmung erblicken dürfen. Der Hauptnach- druck liegt wohl in Brussilows großer Offensive im Gebiete des unteren Styr zu beiden Seiten von Czartorysk. Auf den Fort- gang der Dinge in diesem großen Räume wird man während der nächsten Tage am meisten gespannt sein dürfen. Die letzte Nach- richt des Großen Hauptquartiers lautet dahin, daß der gegen den Stochod vorfühlende Feind überall abgewiesen sei. Ter Stochod ist ein westlich vom Sthr verlaufender Nebenfluß des Pripjet, der westlich von Nobel, 40 Kilometer südwestlich Pinsk, in den Haupt- ström fällt. In der Mitte der großen Schlachtlinie, westlich der Stypa, wie auf dem rechten Flügel, südlich des Dnjestr und läng? der Karpathen herrschte in den letzten Tagen verhältnismäßig Ruhe. In Italien haben die scharfen Angriffe CadornaS an der Jfonzofront nirgends zu wesentlichen Erfolgen geführt, an der Südtirolgrenze scheint er mit Schärfe vorzugehen. Bisher haben sie auch hier nur so viel Raum gewonnen, daß er noch auf der Hochfläche der„Sieben Gemeinden", also auf italienischem Boden, südlich der Brenta kämpft. Seine angeblichen Erfolge weiter West- lich an dem Nordhang deS Postnatales werden von der österreichisch- ungarischen Heeresleitung nachträglich bestritten. Auf dem Balkan haben am Wardar und am Doiransee wiederholte Feuerkämpfe der beiderseitigen Vortrupven stattgefun- den, woraus man noch keine weitergehenden Schlüsse ziehen darf. In A r m e n i e n und überhaupt in Asien haben zwar zahlreiche Kämpfe, aber keine Entscheidungen stattgefunden, doch scheinen die Türken in Mittelpersien gegen Hamadan langsam weiter vorzu- dringen._(*) der französische Tagesbericht. Paris, 18. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch nachmittag. An beiden Ufern der Somme verlief die Nacht ruhig. Zwischen SoissonS und ReimS machten die Fran- zosen bei kleinen Unternehmungen in der Richtung auf Cernay einige Gefangene. In der Champagne glückten mehrere Handstreiche gegen deutsche Schützengräben zwischen MaisonS de Champagne und Mw Des(Stögen Mnotflets. Amtlich. Großes Hauptquartier, 13. Juli 1916.n den Kreisen der Versicherten wird leider so häufig der Erhaltung der Ansprüche aus der Invalidenversicherung nicht genügend Beachtung entgegengebracht. Insbesondere sind es weibliche Versicherte, die, wenn sie sich verheiraten oder aus einem anderen Grunde aus der Beschäftigung aus- scheiden, das Wciterkleben von Marken unterlassen. Dadurch können sehr schwerwiegende Nachteile entstehen. Tie Erhaltung der Amvartschaft ist dabei verhältnismäßig leicht. Es brauchen innerhalb zweier Jahre nur 20 Marken geklebt und die Karte rechtzeitig, also vor Ablauf von zwei Jabren, um- getauscht werden. Es empfiehlt sich, wenn nicht mehr Marken geklebt werden, allmonatlich eine Marke zu kleben und diese mit einem Sonntagsdatum zu entwerten. Dadurch 'chützt sich der Versicherte auf jeden Fall vor Nachteilen. Diese bestehen darin, daß Rente beim Verlust der Anwartschaft nicht gezahlt wird, daß alle bisher geklebten Marken verfallen sind. Diese Marken kommen sonst erst wieder in Anrechnung, wenn von neuem 200 Marken geklebt worden sind, falls das -Ist. Lebensjabr noch nicht überschritten, sonst oOll und, falls das 60. Lebensjahr erreicht war, 1000 Marken. Tie Nachteile sind also ganz enorm, während die Erhaltung der An- sprüche nur mit ganz geringen Opfern verbunden ist. Nach- stehender Fall zeigt, wie wichtig das hinreichende Kleben ist. Ter von einer Reinemackcfrau erhobene?lnspruck auf Ge- Währung der Invalidenrente wurde von der Landesversickerungs- ansialt Berlin abgowiesen, weil die Frau nicht die Wartezeit erfüllt hatte. Es waren 676 Marken geklebt, die Landcsvcrsicherungs- anstalt brachte aber nur 31 in Anrechnung, da nach ihrer Annahme in der Zeit vom 5. Januar 1909 bis 5. Januar 1911 nur 18 Marken (also 2 zu wenig) geklebt waren. Die Invalidität der P. wurde seit dem 6. Oktober 1912 angenommen. Die P. gab an, im Jahre 1910 bei«iner Firma in Grotz-Lichierfelde während vier Wocken gearbeitet zu haben, wäbrend dieser Zeit seien aber Marken nickt geklebt worden. Die Landesversickerungsanstalt Brandenburg lehnte ab, für diese Zeit nackträglich die Marken einzuziehen, da nach§ 29 der Rcichsvcrsickerungsordnung Verjährung eingetreten war. Das Oberversicherungsamt Groh-Berlin wies die Berufung gegen den ablehnenden Bescheid der Landes- Versicherungsanstalt zurück. Vom Reichsversicherungsamt ivurde der Revision stattgegeben und die Sacke zur andenveifigcn Feststellung und Entscheidung an die Borinstauz zurückverwiesen. Das Lbcrversicherungsamt hätte den Inhalt der Karte 13, die am Januar 1911 ausgestellt und am 30. Dezember 1912 mit 21 Bei- tragskarten, die sämtlich Entwertungstage aus dem Jahre 191 1 trugen, übersehen. Auf Grund der Erklärung der Vertreter der P. im BerufungSverfabrcn mutzte angenommen werden, datz auf Karte 13 etwa 8 bis 10 Beitragsmarken mit dem ausgesprochenen Zweck. nrr die zurückliegende Zeit verwendet zu sein, geklebt waren. �Auch die Rüge der Revisionsschrist: Vertagen des EinholenS der Pflicht- beiträge vom Arbeitgeber in Grotz-Lichtcrfelde. wurde als erheblich erklärt. Bei Beibringung dieser Marken, die die P. eventuell 'ellbst kleben wollte, wäre erst die Notwendigkeit der Prüfung über rechtmäßige Verwendung der Marken gegeben gewesen. Auf Grund dieser Rügen verurteilte nunmehr das Oberversicherungsamt die Landesvers iche- ungsanstalt Berlin zur Zahlung der Invalidenrente ab 6. Oktober 1912. Die Klägerin erhält also für mehr denn 3)4 Jahre die Rente nachgezahlt. Ter Kaffechausplandcrcr. Der Vertreter einer neuartigen Berufsart stellte sich dem Berliner Kausmannsgericht vor. Herr Theo K.. ein stattlicher Fünfziger, ein Mann, der viel erlebt und viel erfahren, war von einem grotzcn Berliner Kaffee- haus als der geeignete L>err für den Posten des„Plauderers" aus- ersehen worden. Ter Kasscehausbesitzer will aber mit dem neuen Plauderer sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wie ersterer in der vor der 3. Kammer stattgebabten Verhandlung ausführte, war K. ein„grotzer Schweiger", �imd für einen angestellten Plau- derer sei eben Reden Gold und Schweigen Silber. Merkwürdiger- weise habe K., wenn der Chef mit ihm Auseinandersetzungen halte, großartig reden können. Ihm, dem Chef, konnte er alles Mögliche erzählen. Mit komischer Emphase bemerkte der �"baber zu diesen, versteckten Talent:„Wie oft habe ich bei mir gedacht:„Ach, wenn er doch nur zu den Gästen so reden könnte."— Das Kaufmanns- gcricht billigte den, an unrechter Stelle redseligen Erzähler �199 M. Restgehalt zu. Wegen des mangelhaften Erzählertalents hätte der Beklagte kündigen können, aber zur sofortigen Entlassung reiche dieses psychische Gebrechen nicht aus. Hierzu 1 Beilage u. UatcrhaltungSbl. 8,191 Keillige des„Wmillts"§n\m iolköliliitt prinzipiell und mehr marxistisch ist als irgendein anderes Parteierzcugnis der Kriegszeit". Das Zitat aus der bürger- lichen Presse würde ich nicht anführen, wenn nicht die wieder- holten Zitate aus der bürgerlichen Presse durch den„Vor- wärts", die er so liebt, wenn er sie gegen mich ins Feld führen kann, den Beweis erbrächten, wie hoch der„Vorwärts" die Schlagkraft bürgerlicher Preßstimmen einschätzt. Bei dieser Gelegenheit sei noch einer anderen schnattern- den Ente des„Vorwärts" der Hals umgedreht. Er schreibt, ich hätte zur Fraktionserklärung am 4. August einen„patrio- tischen Dithyrambus" angestimmt, der Haenisch vor Neid über solche Hochspannung der Gefühle erblassen lassen könnte. Zu- nächst sei konstatiert, daß hier augenscheinlich ein Schreibfehler des„Vorwärts" vorliegt. Nicht Haenisch, sondern Stadthagen sollte es sicherlich heißen. Sodann aber wird diese Fraktions- erklärung von mir eingehend und scharf kritisiert und ihre Mangelhaftigkeit nachgewiesen; es lag also für mich kein An- laß zu patriotischer Verzückung vor. Der„Vorwärts" hat offenbar die ganze Stelle nicht verstanden. Ich rede dort überhaupt nicht von meinen Privatgefühlen, sondern von dem Eindruck, den die Fraktionserklärung in der großen Oeffent- lichkeit machte. Diese Stelle meines Buches hat auf andere Kritiker einen direkt entgegengesetzten Eindruck gemacht, wie auf den„Vorwärts". So schreibt beispielsweise die„Chem- nitzer Volksstinime" über die gleiche Passage: Auch Lensch führt diese Stimmung des Knegsbeginnes, des „Deutschland, Deutschland über alles I" an, aber nicht begeistert und hingerissen wie Konrad Haenisch, sondern mit einem mokanten Lächeln um die Lippen. Und allgemein nennt sie gegenüber der gefühlswarmen Schrift des Genossen Haenisch mein Buch kalt und scharf- sinnig. Der„Vorwärts" aber hat aus allerdings sehr be- greiflichen Gründen die Absicht, mich als einen sentimental gewordenen Hurraspießer hinzustellen, der nach berühmten! Muster zum Sedanfeste aufs Generalkommando läuft, um dort tränenden Auges voll gekränkter Entrüstung festzustellen, daß er doch alles getan habe, um die„patriotische Begeisterung zu beleben". Allein, derartige Patrioten stehen bekanntlich dem„Vorwärts" und seiner Redaktion sehr viel näher, als ich es zu tun mich rühmen kann. Und hiermit komme ich zum Kern der Sache. Es beliebt dem„Vorwärts", die Sache so darzustellen, als ob die Hindenburgischen Siege der Anlaß dessen gewesen seien, was er den„Fall Lensch" nennt. Eine kurze Erinnerung an die Tatsachen dürfte diese Legende in ihr Nichts auflösen. Als die deutschen Heere im Westen siegten, standen die Russen in Ostpreußen, und als Hindenburg sie im Osten schlug, erlebten wir im Westen den Rückzug von der Marne. Daß die Russen inzwischen fast ganz Galizien besetzt hatten, sei nur nebenbei erwähnt. Als ich zum ersten Male in der Fraktion die Kredite bewilligte, standen die Dinge, wie ein Fraktionsredner aus- führte, militärisch für uns fast verzweifelt. Unmöglich konnte ich also, wie der„Vorwärts" mir unterschiebt, mit einem „restlosen Triumph des deutschen Imperialismus" rechnen, und aus diesem Grunde,„um nicht den rechtzeitigen Anschluß zu verpassen", den Krediten zustinimen. Die Vorgänge auf den Kriegsschauplätzen haben keinen Einfluß auf meine politische Neuorientierung gehabt und konnten sie nicht haben. Wohl aber der Zusammenbruch der Internationalen. Sie wurde für mich die schlechthin entscheidende Tatsache. Das Wort, das mir der„Vorwärts" jetzt seltsamerweise vorhalten zu können glaubt: mit der Bewilligung der Kriegs- kredite hat man die Eingeweide der Internationalen auf den Tisch gelegt, habe ich nicht bloß, wie die bekannte geschwätzige Elster aus Steglitz verbreitet hat und wie der„Vorwärts" ihr nachschwätzt,„später" gesagt, sondern bereits in meiner Fraktionsrede am 3. August. Dieses Wort halte ich heute noch aufrecht. Freilich hat sich inzwischen herausgestellt, daß das Gedärm der Internationalen, um mit Goethe zu reden, nur ein leerer Darm voll Furcht und Hoffnung, das Gott erbarm I war. Für mich waren allerdings die sozialistischen Kreditbewilliger diesseits wie jenseits der deutschen Grenzen in gleicher Verdammnis, und mich empörte die Haltung des „Vorwärts", der zugunsten der französischen Kreditbewilliger die fadenscheinigsten Entschuldigungen heranschleppte, ebenso wie die Haltung von Franz Mehring und Rosa Luxemburg, die im Dezember 1914 unter Fußtritten gegen die deutschen Kreditbewilliger, den englischen Kredit- bewilligern ihre verzückte Bewunderung ehrfurchtsvoll zu Füßen legten. Allein hierbei blieb ich nicht stehen. Ich forschte nach dem Grunde des Zusammenbruchs der Jnter- nationalen. Weit entfernt, ihn in der persönlichen Mangel- haftigkeit der an der Spitze der sozialistischen Parteien stehenden Führer zu erblicken, glaubte ich, ihn in den Wirt- schaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen der einzelnen Länder suchen zu müssen, und fand ihn schließlich in der ge- schichtlichen Ausnahmestellung Englands. Ich untersuchte weiter, ob Aufrechterhaltung oder Sturz dieser Ausnahmestellung in der Linie des geschichtlichen Fortschritts und im Interesse des internationalen Sozialismus liege, und das Ergebnis, zu dem ich kam, war, daß ihr Sturz seinem Interesse ent- spreche. Damit wurde meine Haltung nicht, wie der„Vorwärts" behauptet, ein einziger Widerspruch, sondern umgekehrt eine einzige logische Kette und zwar schon aus den Jahren 1911 und 1912 her, wo ich fast gegen die gesamte Partei den Gedanken einer allgemeinen Abrüstung als utopisch und un- sozialistisch bekämpfte und auf dem Chemnitzer Parteitag bereits nachwies, daß die Beseitigung der englischen Welt- Herrschaft im Interesse des Sozialismus liege. Der„Vor- wärts" freilich bekümmerte sich um diese Debatten nicht, wie er überhaupt die theoretische Verwahrlosung seiner Leser, gerade was die Fragen des Imperialismus anging, nahezu systematisch betrieb. Er schickte damals den waffengewaltigen Ledebour mit Pfeil und Bogen gegen mich aus, aber bald erklärte in einer Sitzung der Reichstagsfraktion der damalige Vor- sitzende, über Abrüstung wollten wir lieber nicht mehr reden. Als ich damals den englischen Abrüstungsvorschlag zur See als ein listiges Mittel der englischen Bourgeoisie hinstellte. um die englische Weltherrschaft zu verewigen, da nannte man mich einen„Anarchosyndikalisten", und gesträubten Haares schlug sich der„Vorwärts" nach rechts in die Büsche. Heute sagt er von fast den gleichen Ausführungen: man glaube einen Flottenvereinler sprechen zu hören. Wer hat da nun umgelernt? Der„Fall Lensch" besteht also darin, daß ich nicht wie der„Vorwärts" und seine Nachläufer mit den Fäustchen eines trotzigen Kindes auf der granitenen Tatsache des 4. August herumtrommle unter dem wütenden Geschrei: Das gilt nicht! das gilt nicht!, sondern daß ich mich bemühe, diese Tatsache politisch und vor allen Dingen geschichtlich zu verstehen. Sie rückgängig machen zu wollen und als großes„internationales Mißverständnis" hinzustellen, worauf die Bemühungen der Minderheit im Grunde hinauslaufen, lehne ich als eine aus- gesuchte Kinderei ab. Als die Maschine aufkam, versuchten die ruinierten Klein- bürger, sie zu zerschlagen. Es hat ihnen nichts genützt, ob- wohl sie auch damals jämmerlich schrien, daß die Welt nur vorwärts komme, wenn sie wieder rückwärts gehe. »« « Hierzu schreibt Genosse Stadthagen: Unverständlich ist, wie Genosse Lensch die von der Sache, um die es sich dreht, ablenkende Behauptung aufstellen kann, ich hättts zur Fraktionserklärung einen„patriotischen Dithyrambus' angestimmt. Denn er weiß, daß seine Behauptung mit der Wahrheit unvereinbar ist. In der Fraktionssitzung vom 3. August 1S14 wurde mir durch einen Schlußantrag das Wort abgeschnitten. Ich konnte lediglich zur Geschäftsordnung erklären, daß ich und, wie ich glaubte, eine größere Anzahl Fraktionskollegen im Verfolg der Debatten auf Noch einmal: lknöe unö Glück. Von Dr. Paul Lensch. Die Anzeige meines neuen Buches:„Die Sozialdemo- kratie, ihr Ende und ihr Glück" durch den„Vorwärts" vom 2. und 4. Juli nötigt mich zu einer Erwiderung, um deren Aufnahme ich hiermit ergebenst bitte. Es sind nicht die per- fönlichen Anzapfungen, die mich zu diesem Schritte veran- lassen. In dieser Beziehung bin ich unempfindlich und ich gestehe gern, daß die beiden„Vorwärts"-Artikel, was ihre Tonart angeht, sich beinahe wohltuend abheben von der un- würdigen, um nicht zu sagen nichtswürdigen Manier, mit der Friedrich Stampfer, der bekannte Wortführer eines lauwarmen Revisionismus, mein Buch heruntergerissen hat. Um so mehr freilich muß ich gegen die sachliche„Wider- legung" meiner Schrift durch den„Vorwärts" Einspruch er- heben. Da ist es nun bemerkenswert, daß die Genossen auf beiden Flügeln der Partei, auf dem radikalen wie auf dem revisio- nistischen, soweit sie durch den Krieg nichts gelernt haben, bei aller sonstigen Verschiedenheit der Anschauungen sich einmütig gegen mich und meine Schrift wenden. Beide erblicken in dem Weltkriege eine unerfreuliche Unterbrechung der alt- bewährten Zahlabendpolitik und beide sind entschlossen, nach Beendigung dieser Unterbrechung wieder unentwegt wie die tibetanischen Lamas ihre alten Gebetsmühlen zu drehen mit dem düsteren Gemurmel: Wir machen wahr, was wir immer gesagt haben! Beide blicken mit dem Gefühl unsagbarer Ueberlegenheit aufeinander herab und dabei gehören sie beide zusammen wie Pol und Gegenpol derselben politischen Ein- sichtslosigkeit. Mein Buch dagegen wendet sich an die große Masse derjenigen Parteigenossen, denen der Krieg das größte Erlebnis ihres Daseins ist und die bereit und imstande sind, aus diesem Erleben auch ein Erlernen zu machen. Es hat also weder mit dem alten Radikalismus noch mit dem alten Revisionismus des Vor-August irgend etwas zu tun, die ich beide übrigens schon jahrelang vor dem Kriege bekämpft habe, sondern es macht den Anspruch, denen, die einen guten Willen haben, etwas wirklich Neues zu bieten. Mein Buch stellt den ersten Versuch dar, über den 4. August hinaus zu führen, während alle bisherigen Schriften entweder ins alte„radikale" Lager wieder zurückführen wollten, also im geschichtlichen Sinne direkt reaktionär waren oder aber mit ihrer bloßen Rechtfertigung des 4. August das taten, was man beim Militär: „auf der Stelle treten" nennt. Alles ist in Bewegung, aber nichts kommt vom Fleck. Dabei versteht es sich, daß ich meine politischen An- schauungen auf Grundlage jener Betrachtungsweise gebildet habe, die ich von meinen großen Lehrern Marx und Engels allerdings gelernt zu haben glaube. Es stimmt daher nicht, wenn der„Vorwärts" schreibt, ich hätte alles preis- gegeben, was ich vorher vertreten hätte, und ich bemühte mich, einen völlig„unsozialistischen Sozialimperialismus" für das legitime Kind des Marxismus auszugeben. Auch hier kann der„Vorwärts" im Freundesarm von Friedrich Stampfer ausruhen, der das Gleiche mit fast den gleichen Worten sagt, und auch die„Münchener Post" sowie die „Dresdener Volkszeitung", die beide plötzlich entdecken, ich sei immer nur ein Scheinmarxist oder ein„Marxist"(in Gänse- füßchen) gewesen, stimmen begeistert zu. Hier läßt sich der „Vorwärts" an politischer Einsicht sogar von einem bürger- lichen Blatte übertreffen, wie der„Frankfurter Zeitung", die mein Buch gerade deshalb für sehr interessant und sehr lesens- wert erklärt, weil es ein klares Bild von der Auffassung eines Mannes gibt,„der den Marxismus beherrscht wie wenige". Und auch in der Parteipresse, und zwar von einer Seite, von der mich vieles trennt und die auch viele kritische Vorbehalte macht, ist rund heraus erklärt worden, daß mein Buch„mehr Stephan. ii.') Die Nacht war kühl und unruhig. Ständiges Gewehrfeuer. Herchposten kennten nicht gestellt werden, weil es äußerst gefährlich war, den Grabenrand zu übersteigen. Die Russen erwarteten offenbar unseren Angriff. Der Graben war vollständig roh uno ohne jede Verbindung nach hinten, außer dem Telephon. Es hieß Vorsicht, Panje hat Scharfschützen. Der Morgen war feucht und kalt, die Glieder vom Stehen im Graben und vom Niederhocken steif und verschwollen; die Dämmerung brach herein, ehe die Ab- lösung kam, also vor Nacht nicht an Efsenholen oder Ablösung zu denken. Man tröstet sich mit der Aussicht auf den Sturm, der um 10 Uhr beginnen soll. Ein kühler Wind weht durch den Hafer; schlecht geschlafen, schlecht genährt, friert man. Liegen bis 12 Uhr nachts. Alles ruhig, also 2 Mann von jeder Gruppe Essen holen. Wir hatten auf Ablösung gerechnet und machen uns nun auf einen weiteren Tag gefaßt. Ein Schlag Essen und ein halbes Brot reicht für den ersten Hunger. Der Tag wird heiß und der Magen knurrt. Nach Dunkel- werden rücken wir endlich in den Reservegraben und bleiben dort zwei Tage. Hier konnte man sich wenigstens seitwärts in die Büsche schlagen. Wir suchten Uns Kartoffeln, ein kleines Hühnchen wuroe mit raschem Schlag„gekauft", dann ging's in ein Panjehaus zum Kochen. Panje beaste(beharkte) uns mit wohlgezielten Schrapnells, weil er den dicken Rauch aufsteigen sah, aber wir ließen uns nicht stören im friedlichen Werk der Sättigung. In der folgenden Nacht rückten wir ab und kamen in Quar- tiere— in ein richtiges Haus mit drei Stockwerken und einem großen Saal. Man konnte es wegen des aufgehäuften Dreckes für eine Filiale der Berliner Müllverwertungsgesellschaft halten. Sofort ging es natürlich an ein Ausräumen des ärgstens Dreckes. Nicht einmal Besen waren in diesem ausgeräumten Kulturbau, ausgeräumt bis auf den Dreck. Aber der deutsche Soldat ist er- finderisch, auch im Besenbinden. Besonders Stephan schien die Beschäftigung des Besenbindens geübt zu haben. Wohl die einzige, die er überhaupt ausgeübt hatte. „Stephan, Du hast ja Dein Licht unter den Scheffel gestellt. Du sagst, Du bist Penner, Du bist der beste Besenbinder, den es gibt." „Ah, is nich so! Was iS guter Kunde, is immer dankbar für Aufnahme und bringt gutte Besen mit." O, du guter alter Lessing, wie wahr sprachst du durch Nathans Mund:„Der wahre Bettler ist doch einzig und allein der wahre König!" Stephan zieht als Bettler durch die Lande, nimmt aus der Fülle der Natur, wo alles einzig nur für ihn gemacht scheint, Und formt aus Reisern Gastgeschenke. .Siehe Ax. 1® M �PoMärts". Weil ich beim Portionenempfang nicht zugegen war, hatte mir mein Korporalschaftsführer noch eine kleine Extraarbeit verschafft. Eine große offene Halle hatte ich zu säubern. Mit Löwenmut und einem großen Wachholderstrauch räumte ich als deutscher Pionier mit der russischen Unkultur auf. Blutiges Verbandszeug, liegen- gelassene Patronen, alte Stiefeln, Weinflaschen, Mittagsreste und aller möglicher Kram türmte sich zu einem großen Haufen, den ich hinausschaffte und vergrub. Unterdessen war die große Kiste mit Eisernen Kreuzen ge- kommen. Schwarz-weitze Bänder blinkten in den Knopflöchern. Wenn mich je ein Kreuz gefreut hat, so war es das„Erster" auf der Brust unseres Kompagnieführers, eines Leutnants. Ich weiß nicht, ob er Heldentaten vollbracht hat, wie sie in Büchern erträumt werden, aber im Gefecht war er, trotz seiner Jugend, ein Vater der Kompagnie. Selbst unerschrocken und kaltblütig bis zur Un- Vorsichtigkeit, war sein Augenmerk stets auf Schonung seiner Leute gerichtet. Nie verließ ihn die Ruhe. Am 2S. Juli hatten wir zwei hintereinander liegende Stel- lungen zu nehmen. Als wir den ersten Graben hatten, machten wir halt.„Ruhig, Kinder, erst wollen wir mal frühstücken. Unser° Artillerie sorgt schon dafür, daß Panje nicht wegläuft." An dem Tage machten wir SM Gefangene. Das war ein Tag von vielen, und jeder fand ihn auf seinem Platze, Eisen und Blei tanzten hundertfach an ihm vorbei. „Nanu, Stephan, kein Kreuz?" „Wozu? Was soll ich mit Kreuz auf Landstraße?" „Wird denn nach dem Krieg weitergetippelt?" „Warum nich. Bin ja nich aus Uebung gekommen." Zwei Tage lagen wir im roten Haus, nachts gingS nach vorn, einen Verbindungsgraben schippen. Eben zurückgekommen: Fertigmachen! Umhängen! Marsch! Noch vor Tagesanbruch standen wir im zweiten Graben und schnallten Sturmgepäck. Um 5 Uhr begann die Artillerie. Um 7 Uhr zogen wir den Laufgraben hoch an die erste Linie. 8 Uhr 12 Minuten Sturm. Plötzliche Stille! Neugierig kamen einige Köpfe über den Grabenrand. „Verdammte A....! Wollt Ihr wohl Eure Köppe in den Sand stecken! Panje soll uns wohl erst wegkriegen!" schrie Leut- nant Gr. Pünktlich traf die Quittung von drüben ein. Ein Hagel Schrapnells und Granaten sauste in unsere dichtgedrängten Reihen. Sanitäter..... Pioniere drängten an uns vorbei nach vorn. Ein neuer Eisenhagel.„Sanitäter!" brüllte es von mehreren Stellen. Endlich los! Nach rechts ausschwärmen! Erlösung! Ueber den flachen Wiesenrand vorwärts mit hastigem Schritt. Verwundete von der ersten Linie hinkten uns entgegen, mit dem Lächeln der Erlösten.„Panje ist getürmt!" Ran an den Bahndamm! Still liegen! In die Schienen war ein Graben eingebaut, feste Gewehre mit Zielfernrohren. Ich kroch auf die andere Seite. Kugeln pfiffen von links herüber. Auf dem jenseitigen Abhang des Bahn- dammeS waren Unterstände eingebaut. In einem Unterstand lag ein Russe, verwundet im Schenkel, zähneklappernd. „Chlebg, Panje?" siifiaifl Äfloiii" Es war ein junger, starker Mensch. Ich band ihm ein Tuch an sein Bajonett, damit er aus dem Unterstand herauswinken könne, wenn die Sanitäter kommen. Brot und Tabak hatte er nicht, sein Sack war ihm verloren gegangen. Nach halblinks mit zehn Schritt Abstand schwärmen! Weiter gings in behaglicher Ruhe in den blühenden, summen- den Fulitag, über Felder und Wiesen wohl vier Kilometer un« gehindert vorwärts. Ein Volk Rebhühner ging vor uns hoch— zwei-, dreimal. Immer dieselben. Ich hatte eine wahnsinnige Lust, mir einen Braten zu erlegen. Wenn ich meines Schuffes sicher gewesen wäre, hätte ich geschossen. Aber: so'n Gewehr ist ein eigen Ding, die Kugel so winzig klein— 6 Millimeter— und der Luftraum so unendlich groß. Durch ein Birkengehölz, das zu einem Hindernis umgewandelt worden war; die jungen, kaum armstarken Birken niedergeschlagen. Nutzlos! Darüber hinweg. Am Rande einer Schonung war be- fohlenes Halt. Einbuddeln! Kaum hatten wir aber unser Loch fertig, da pfiffen die Kugeln von halbrechts fast hinter uns in unsere Flanke. Nach rechts Deckung schaffen! Kaum war der Befehl gegeben, so sahen wir 800 Meter vor uns Russen vorgehen/ In Wellen. Feuer! Geschützfeuer! Den Spaten hingeschmissen. Nach vorn gefeuert. Und von rechts tanzen einem die zwitschern- den Vögel um den Schädel. Ein helles„Ping". Feuer spritzt mir um die Augen, und es klingt in den schon halbtauben Ohrenj hell auf.„Was ist denn das?" Der Unteroffizier neben mir und ich wir sehen uns verdutzt an.„Ach Quatsch! Los! Weiter!" Tu sind die Kerle, 400 Meter.„Feuer!" Schon sieht man hier und da einen kopfüber stürzen, die Maschinengewehre rasseln! „Du, ich kann nicht schießen," ruft mir mein Unteroffizier zu, „mein Gewehr ist vorhin kaput geschossen." „Meines auch," ruft der kleine K.„So'ne Schweinerei!" Wir lachen nervös. Mitten ins Lachen hinein heult der� kleine K. wahnsinnig und schreit. Kopfschuß! Ich schieße nach einem Kerl, der sich einbuddelt— fünf— sechs— sieben Schutz—. der Kerl buddelt weiter! In seiner Nähe sehe ich die Spritzer aufstäuben. „Du, siehst Du den Kerl da vorn buddeln?" „Wo?—" „Da rechts von dem kleinen Strauch!" „Ach, dal Jawohl. 400 Meter, was? Aufsitzen! Los! Einer beobachtet, der andere schießt!" Wir schießen auf den flüchtig auftauchenden Buddler. Wohl fünfzehn Schuß. Ich glaube, wenn der Kerl es aushält, buddelt er immer noch. Unteroffizier W. war zu dem kleinen K. gekniet und verband ihm den klaffenden Schädel. Leise wimmernd sank er in Bewußt- losigkeit.... Der Angriff war abgeschlagen, der Graben wurde vertieft und nach rechts befestigt. Das Flankenfeuer hielt an. Jedem, der sich nur zeigte, sauste es wie Peitschenschlag um die Ohren. Gegen 12 Uhr gingen von jeder Gruppe 2 Mann zum Essenholen. � Gewitter und Platzregen scheuchen uns vom Boden auf, dazwischen bunzfyi tum feuilen hie KWllMK dxejlü sie jm WettUeit mit der dem Essener Parteitag nur unker der Boraussetzung für die Kriegs- lredite stimmte, daß in der in Aussicht genommenen Er- klärung klar zum Ausdruck gelange, datz wir dafür stimmten, weil es sich nach Behauptung der Regierung um Abwehr einer za- ristischen Invasion handele, daß wir das Vaterland aber nicht für, sondern gegen die bürgerliche Klasse verteidigen. Am 4. August wurde eine Debatte über die von der Kommission vorgelegte Er- klärung, die solchen Passus nicht enthielt, abgelehnt, und nur ge- stattet, Abändcrungsanträge zu stellen. Ich stellte u. a. einen solchen, der die Erklärung verlangte, daß wir die Kriegstreiber und Ver- kümmerer der Volksrechte in Deutschland nicht minder bekämpfen, wie die in Rußland. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Darauf lehnte ich es ab, für die Erklärung der Kommission zu stimmen. In Anlehnung an eine Sach- darstellung des Parteivorstandes macht ferner Genosse Lensch eine den Sachverhalt auf den Kops stellende Anspielung über mein Verhalten am 2. September 1914 auf dem Oberkommando. Die von Lensch in Anführungszeichen gebrachten Worte habe ich in Be- kämpfung des kapitalistischen Hurrapatriotismus und nach einer Dar- legung gebraucht, daß die Sozialdemokratie von ihrer Weltanschauung aus den proletarischen Patriotismus im Gegensatz zum kapita- listischen Patriotismus verteidige und übe. Weitere Darlegungen über den Vorgang am 2. September sind unter den heutigen Um- standen mir leider nicht möglich.(z) politische Uebersicht. Kolonialreich oder Festland. Im„Tag" tritt Professor Hans D e l b r ü ck für ein großes deutsches Kolonialreich in Zentralafrika ein. Es ist das eine Forderung, die von allen bürgerlichen Parteien ver- treten wird. Insofern bedürfte der Artikel keiner besonderen Erwähnung. An dem Delbrückschen Artikel ist indessen hervor- zuheben, daß er in Uebereinstimmung mit Gedankengängen des Staatssekretärs für Kolonialpolitik, Dr. S o l f, den Nach- weis zu führen sucht, daß dieses Kolonialreich auch ohne voll- ständige Brechung der britischen Seeherrschaft zu halten sein wird. Wir haben keine Veranlassung, uns in den Streit zwischen den Festlands- und Kolonialschwärmern zu mischen. Wir finden es reichlich optimistisch, daß Professor Delbrück für die einen behauptet, England werde der irischen Frage und der allgemeinen Wehrpflicht nicht gewachsen sein. Aber für eine noch gefährlichere Illusion halten wir es, wenn die anderen glauben, die Verwirklichung gewisser Forderungen zur„Verstärkung der europäischen Stellung Deutschlands" durchsetzen zu können._ Unglaubliche Vorschläge. Die konservative„K r e u z- Z e i t u n g" gibt einer Zu- schrift aus der Schweiz Raum, in der als Gegenmaßnahme gegen den englischen„Aushungerungskrieg" empfohlen wird, keine Lebensmittel nach Belgien, Nordfrankreich und Serbien gelangen zu lassen. Die Negierung wird diesem ungeheuer- lichcn Vorschlage wohl niemals zustimmen; hat sie sich doch bereits gegen den Vorwurf gewehrt, daß sie nicht genügend für die Ernährung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten Sorge trage. Aber es verdient doch festgehalten zu werden, daß solche dem Völkerrecht und jedem menschlichen Empfinden hohnsprechende Vorschläge in einer gewissen Presse immer wieder auftauchen. Zu ihrem Eifer um die Anwendung weitgehender Gewalt- maßregeln hat die„Kreuz-Zeitung" es offenbar übersehen, daß die von ihr abgedruckte Zuschrift eine Kritik der konservativen Kriegsziele enthält. In der Zu- schrift heißt es nämlich u. a.: „Diuifchland muß eine Aenderung des geltenden Völkerrechts erzwingen. Es darf nicht mehr erlaubt sein, daß ein Staat dem anderen die Zufuhr von Lebensmitteln und Rohstoffen über See sperren darf. Deutschland wird stetS ein dichtbevölkertes Land sein, das von der Zufuhr von Lebensmitteln und industriellen Rohstoffen im hohen Maße abhängig bleibt. Jede Macht und Natur. Eisen haut auf unsere Grabenwunde. Wir ducken uns nieder. Der arme K. mit seinem Kopfschutz liegt noch im Graben. Nur die Augen schimmern durch den schmalen Schlitz der Lider. Die Brust arbeitet schwach. An die Gewehre! Der Russe kommt! Verflucht, die Dinger haben aus dem Grabenrand gelegen und sind vollständig versandet. Die Hände sind immer wieder voll Sand. Taschentuch raus! Gewischt und geleckt! Das Schloß raus und abgewischt, jede Patrone einzeln raus und abgeleckt! Mühsam die Kammern zu und abgeschossen! Gott sei Dank! Die Maschinengewehre sind intakt. Wie Wildgewordeice Nähmaschinen rassein sie und wirken in der rasenden Geschwindigkeit manch Leichenhemd. Ein Granatstück haut vor mir in den Graben und überschüttet mich mit Dreck. Erst nachträglich kommt mir die Gefahr zum Bewußtsein. Mit dem Gewehr beschäftigt, den Blick �arf nach vorn gerichtet, dort in den stürmenden Klumpen hinein, vergißt man Welt und Umwelt. Da! Weiße Fetzen! Gestreckte Arme! Stoppen! Gruppenweise kommen sie angelaufen. Einige schießen noch auf die'Waffenlosen. Diese stutzen, drängen nach rechts hinüber in den Graben, der uns das Flankenfeuer gebracht hat. Stephan springt auf den Rand des Grabens und ruft:„Panje putsch, putsch!" und auf Polnisch ruft er ihnen was zu. „Stephan, willst Du runter! Da schießt noch so'n Schwein von der Flanke." „Ach, Unsinn, laß schießen— ah—" Er taumelt in den Graben zurück, liegt— schreit— und preßt die Hände auf den Leib. Bauchschuß! Das Schreien geht in Wimmern über— dann wird er ruhig. Zwei Stunden dauert die Apathie. „Wasser!" „Setzt ihm die leere Feldflasche an! Bloß nischt zu trinken geben. Bauchschüsse soll man ruhig liegen lassen, nur die Wunde zuhalten und nicht rumschmeißen." Die Vorsicht war umsonst. Stephan richtet sich auf. „So, Kameraden, nun is aus.— Ich sterbe." Sprach's und streckte sich aus. Der Heimatlose war in seine Heimat eingegangen. Drei russische Angriffe abgeschlagen, so mancher von uns dahin. Drei Korporalschastsführer hatte ich während der zwei Tage. In meinem kleinen Grabenstück liegen zwei Tote und der kleine K. mit seinem Kopfschuß; wir hatten ihn noch nicht fort- schaffen können. „Weißt Du schon, Andreas ist gefallen. Kopfschuß, hat sich umgedreht und war tot." „O Gott! Wo liegt er denn?" Wieder einer aus meiner Ausbildungszeit. Ein unverwüst- licher, heiterer und angenehmer Kamerad.„Du Pfifferling" war seine Anrede, womit er jeden abfertigte.„Du Pfifferling, kannst mir doch nich uff'n Arm nehmen(verkohlen)!"— Beim Abziehen sah ich ihn auf dem Grabenrand liegen, die Mütze auf dem Hinterkopf, ein kreisrundes Loch in der Stirn, so groß wie ein Murmel. Aus ihm entfloh das Leben eines Vaters zweier lieb- licher Kinder.(r) E. D. 1 jede Kombination von Mächten mit einer überlegenen Flotte könnte in einem zukünftigen Kriege Deutschland in die Enge treiben, auch wenn seine Armeen siegreich in die feindlichen Haupi- städte einzögen. Noch nie in der' Geschichte ist ein neuer wert- voller Rechtsgrundsatz durch einen Notenwechsel oder durch Kon- ferenzen am grünen Tische geschaffen worden, sondern nur da- durch, daß harte Schläge den Unrechltuer belehrten, daß sein un- berechtigter Anspruch nicht mehr aufrecht zu erhalten war. Fast immer muß das bestehende Recht, das nur ein versteinertes Ge- waltrechr ist, gewaltsam zertrümmert werden, um dem neuen besseren Recht freie Bahn zu schaffen." Darin liegt die von uns oft unterstrichene Erkenntnis, daß selbst die weitgehendsten„realen Garantien" Deutschland nicht das Maß wirtschaftlicher Selbstversorgung geben können, das durch die Verwirklichung der konservativen Kriegsziel- forderungen angeblich erreicht werden soll. Der neue Friedensbund. Die„Berliner Neuesien Nachrichten" machen folgende Mitteilungen über den neugegründeten„Deutschen Nationalausschutz": „Außer dem Vorsitzenden, dem Fürsten Wedel, den beiden „politisch radikalen" Geschästsfiihrern, den Herren Ulrich Rauscher und Peter Breuer, finden wir dabei Großindustrielle, die mit der Regierung viel zusammenarbeiten, wie Herrn Geheimrat v. Guilleaume. Da- neben Oberbürgermeister, Geh. Kommerzienräte, Bankdirekroren. Ein wenig ist auch die Wissenschaft vertreten. Vor allem aber der E r z« b erger-Konzern. Unter diesen Herren vor allem: Aug. Thyssen und Herr Ricdemann, der Oelgewaltige, der dem Zentrum so reich die Kasse füllt. Der offiziöse Zentrumsflügel ist also zur Stelle. Manche sehen nicht ohne Bedauern auch den Generaldirektor Heineken vom Norddeutschen Lloyd darin. Der Wortlaut des Programms brauchte ihn freilich nicht zu schrecken; aber die politischen Hintergründe hätten ihn, falls er sie erkannte, abseits hallen können. Für unser Gefühl ist der Norddeutsche Lloyd eine zu selbständige Firma in einer(unseres Erachtens zur Unzeit auf- gestellten)„osfizrösen Schutztruppe". Das Ueberraschendste ist indessen, daß als Geschäftsführer auch ein Mitglied der bekannten O d o l- F i r m a, ein Leiter des Re- klamebureaus des verstorbenen Geheimrats Lingner, zeichnet.... Selbstverständlich hat jede jeweilige Regierung das Recht, ihre politischen Auffassungen in der Nation zu vertreten. Wenn aber das unter ihrer Mithilfe zustande gebrachte Werkzeug sich„Nationalaus- schuß" nennt, wenn es im voraus für die teilweise beabsichtigte Frei- gäbe von Kriegszielerörterungen organisiert wird, wenn es dafür im voraus eine Versammlungsfreiheit erhält, die zurzeit noch gar nicht Rechtens ist, sondern die erst gewünscht wird, so bedeutet das nicht„freie Bahn für alle", nicht„freies Wort für ein freies Volk". Am 1. August will der Nationalausschuß in 75 Städten Versammlungen abhalten. Hoffentlich kommen in diesen öffentlichen Versammlungen, falls sie nicht in Wahrheit geschlossen oder abgeschlossen sind, die unabhängigen Nationalen eindringlich zu Worte." Die Verantwortung für diese Mitteilungen müssen wir dem freikonservativen Blatt überlassen. Zur Erneuerung der Handelsverträge. Wie der„Tägl. Rundschau" aus Dresden gemeldet wird, befaßte sich der Gefamtvorstand des„Verbandes sächsischer Industrieller" in seiner letzten Sitzung mit der Frage der Erneuerung der Handelsverträge, die bekanntlich im nächsten Jahre ablaufen. Außer verschiedenen feindlichen Staaten kommen Oester- reich-Ungarn, Bulgarien, Schweden, die Schweiz und Rumänien in Frage. Der Gesamtvorstand faßte folgenden B e s ch l u tz ein- stimmig: „Der Verband Sächsischer Industrieller hält angesichts der durch den Krieg völlig veränderten Verhältnisse die Schaffung eines neuen autonomen Zolltarifs als Grundlage für die nach Beendigung des Krieges notwendigen Handelsvertrags- Verhandlungen im Interesse der deutschen Industrie für dringend erforderlich. Bezüglich der notwendigen UebergangSbestimmungen von der Kriegs- in die Friedenswirtschaft zum Schutze der Industrie gegen eine Ueberflutung des deutschen Marktes mit ausländischen Waren in der Zeit der bei der deutschen Industrie herrschenden Roh« ftoffknappheit verweist der Verband auf die Beschlüsse seiner letzten Hauptversammlung vom 27. Oktober 1915." Die Einsührung des autonomen(selbständigen) Zolltarifes würde einen allgemeinen Zollkampf zwischen den beiden Mächtegruppen herbeiführen, d. h. also den Wirtschaftskrieg über den Friedensschluß hinaus verlängern. Wir halten die gegenseitige Zubilligung der Meisibegünstigungsklausel im Gegensatz zu den Wünschen der Schwer- industriellen gerade für eine der wichtigsten Friedensbedingungen. Ausfuhrverbot für Goldwaren. Im Interesse der Stärkung des Goldvorrats unserer Reichsbank ist es erwünscht, die Herstellung derjenigen Goldwaren einzuschränken, bei denen ein verhältnismäßig kleiner Fasson- und Arbeitswert einem großen Materialwerl gegenübersteht. � Da diese schweren Goldwaren mit geringer Fasson in der Hauptsache für das Ausland erzeugt werden, ist das Ziel zweckmäßig durch ein Ausfuhrverbot zu erreichen. Ein solches hat der Bundesrat am 13. Juli für Waren erlassen,„die ganz oder teilweise aus Gold hergestellt oder auf mechanischem Wege mit Gold belegt sind, soweit sie nicht lediglich vergoldet sind." Die Ausfuhr von Goldwaren mit hoher Fasson— dazu gehören auch schwere Goldwaren, die mit Edelsteinen besetzt sind— soll nicht unterbunden werden; die Aus- fuhrerlaubnis wird im Namen des Reichskanzlers von den Vor- ständen der Reichsbanknebenstellen Hanau und SÄwäbisch-Gmünd (für ihre Bezirke) und Pforzheim(für das ganze Reichsgebiet) erteilt werden. Pflichtmähige Leibesübunzen an den Fortbildungsschulen hatte neben anderen Korporationen der Landesverband für Jugendpflege in Hamburg in einer Eingabe an den Senat gewünscht. Auf diese Eingabe wurde dem Landesverband die Antwort erteilt, daß der Senat beschlossen hat, die Erörterung der Angelegenheit bis nach Beendigung des Krieges auszusetzen. Landtagsabgeordneter Opitz gestorben. Wie der„Vogtländische Anzeiger" meldet, ist der Erste Vizepräsident der Zweiten Kammer des sächsischen Landtages und Vorsitzender der konservativen Frak- tion in Sachsen, Rechtsanwalt und Notar, Geheimer Hofrat Gott- fried Opitz auf Rittergut Treuen im Vogtland heute mittag im 79. Lebensjahre einem schweren Darmleiden erlegen. das tägliche Srot. Verdorbene Lebensmittel. Vor kurzem war in einigen Zeitungen Kritik an einem Inserat im„Bochumer Anzeiger" geübt worden, worin„mehrere tausend Eier als Schweinefutter" angeboten wurden. Einzelne Zeitungen hatten die Sache so dargestellt, als wenn die Eier durch übermäßig langes Lagern zu späteren SpekulationS- zwecken verdorben waren. Wie der offiziöse„Nachrichtendienst für Ernährungsfragen" jetzt mitteilt, hat das Kriegsernährungsamt durch sofortige Nachprüfung folgenden Sachverhalt festgestellt: „Die Firma Cretslbmar-Bochum hatte aus Rumänien zwei Waggons(14 999 Stück) Eier über Wien eingeführt. Als die Eier zum Verkauf kommen sollten, stellte sich heraus, daß un- gefähr 4999 Stück verdorben und dadurch zum menschlichen Genuß ungeeignet geworden waren, lim die verdorbenen Eier wenigstens noch indirekt der menschlichen Ernährung nutzbar zu machen, wurden sie sehr vernünftiger Weise durch öffentliche An- zeige als Schweinefutter ausgeboten. Die übrigen 19 999 Eier sind zum normalen Preise von 23 Pf. das Stück zum Verkauf gekommen." Der„Nachrichtendienst" knüpft an diese Darstellung(er selbst nennt es„Klarstellung") nachstehende Mahnung an die Presse: „Es scheint dringend erforderlich, daß die Zeitungen derartige Notizen nicht aufnehmen, ohne vorher gewissenhaft die Vorgänge nachgeprüft zu haben, es werden sonst ohne alle Ursache Be- unruhigungen ins Publikum getragen, die jeder Grundlage ent- behren." Diese schulmeisterliche Art, die Presse an ihre Pflichten zu er- innern, ist in diesem Falle völlig unangebracht. Bei den ver- worrenen Zuständen in unserer Lebensmittelversorgung ist die Presse geradezu verpflichtet, auf jeden Mißstand hinzuweisen, der sich irgendwo zeigt. Wenn ihr hin und wieder dabei ein Irrtum passiert, steht es jedem frei, ihn zu berichtigen. Wollte man aber verlangen, daß jeder einzelne Fall bis ins kleinste vor der Besprechung geprüft werden müsse, dann Würdesich überhaupt die Unmöglichkeit herausstellen, auf ge« Wiste Erscheinungen kritisch hinzuweisen. Wenn irgendwelche Befferungen in der Lebensmittelversorgung erreicht wurden, dann ist dies zum großen Teil der Presse zu verdanken, die nach Möglich- keit die Schäden aufgedeckt hat. An ihr liegt die Schuld nicht, daß noch so vieles zu bemängeln ist. Der„Nachrichtendienst" sagt, es werden„ohne Ursache Beunruhigungen in das Publikum Hineingelragen". Das ist in verschiedener Hinsicht falsch. Einmal tmrd die Beunruhigung nicht erst ins Publikum hineingetragen. Uns z. B. gehen fast täglich Zeitungsausschnitte zu und die Ein- sender weisen empört auf die Inserate hin, wo große Posten ver- dorbener Lebensmittel als Viehfutter angepriesen werden. Durch welchen Umstand das Verderben eingetreten ist, ist schließlich ganz gleich. Das trifft auch auf den Fall zu. den der„Nachrichtendienst" anführt. Wenn von 14 999 Eiern 4999 verderben, also fast ein Drittel, dann ist das nicht nur oufsällig. sondern auch wirklich be- unruhigend. Warum die Eier verdorben sind, wird in der «Klarstellung" auch nicht gesagt. Es ist dies auch gar kein Einzel- fall, über den man hinweggehen könnte. Haben wir doch erst kürz- li ch gehört, daß von den Kartoffeln, die für Neukölln geliefert wurden, neun Zehntel verdorben waren. Auch hier ist noch keine Aufklärung erfolgt, wen die Schuld trifft. Andere Klagen betreffen Mehl. Große Mengen sollen infolge ungeeigneter Lagerung verdorben sein. Ist es schon in normalen Zeiten bedauerlich, daß Nahrungsmittel umkommen, so ist es in der jetzigen Zeit noch viel mehr zu beklagen, wenn dadurch der bestehende Mangel noch ver- größert wird. Es muß deshalb verlangt werden, daß unsere ganze Lebensmittelversorgung so organisiert wird, daß der menschlichen Ernährung möglichst wenig verloren geht. Beim Publikum hat man mit Ermahnungen nicht gespart, alle Nahrungsmittel voll auszu- nutzen. Mögen die berufenen Stellen prüfen, ob sie selb st nicht schon oft genug in dieser Hinsicht versagt haben. Umgehung der Wucherverordnung. Als die Verordnung zur Bekämpfung des Kettenhandels angekündigt wurde, sprachen wir die Befürchtung aus, daß die Warenspekulanten auch diese Schranken zu umgehen wissen würden. Heute geht uns eine Notiz aus dem Bureau der Berliner Handels- kammer zu, die indirekt den Nachweis führt, daß eS nicht einmal strafbarer Handlungen bedarf, um die neue Verordnung in wesent- lichen Teilen unwirksam zu machen. Nach der Verordnung unter- liegt der Handel mit Lebensmitteln einet Erlaubnispflicht. Die Handelskammer meint nun, baff mindestens einige Genußmutel nicht unter diese Verordnung fallen, würden, da flu der bisherigen Gesetzgebung stets die Begriffe Nahrungs- u n d Genußpiittel üblich gewesen sind. Ebenso ist es der Handelskammer' zweifclhast, ob alle Futtermittel unter die Verordnung fallen würden, da der Begriff enger sei, als die Zahl der im Kriege gelegentlich als Futtermittel verwandten Erzeugnisse. Die HandelSlammer fährt dann fort: „Völlig der allgemeinen Umgrenzung e n t z i e b t sich der durch die Verordnung in die Gesetzgebung neu eingeführte Begriff „Kettenhandel". Indem die Verordnung den Kettenhandel als ein Beispiel unlauterer Machenschaften anführt, läßt sie erkennen, daß der anständige und wirtschaftlich berechtigte Zwischenhandel nicht davon betroffen werden soll. Da jedoch damit zu rechnen ist, daß nicht alle Strafbehörden den Unterschied zwischen dem erlaubten Zwischen- und dem verbotenen Kettenhandel zutreffend würdigen werden, hat die Handelskammer zu Berlin befürwortet, daß die Strafverfolgungs- behörden veranlaßt werden, vor Erhebung der Anklage wegen Ketten- Handels dasG u t a ch t e n einer sachkundigen Stelle darüber einzuholen, ob Kettenhandel in Frage kommt." Daraus ergibt sich, daß auch die neue Verordnung gegen den Kettenhandel ailerlei Lücken läßt, durch die der preissteigernde Handel durchschlüpfen wird._ Abänderung des Margarinegesetzes. Amtlich. Berlin, 13. Juli.(W. T. B.) Nach§ 4 des sogenannten Margarinegesetzes vom 18. Juni 1897 ist in Räumen, in denen Butter oder Butterschmalz gewcrbs- mäßig hergestellt, aufbewahrt, verpackt oder feilgehalten wird, die Herstellung, Aufbewahrung, Verpackung oder das Feil- halten von Margarine oder Kunstspeisefett verboten. Gegen- wärtig werden Butter und Margarine in gleicher Weise öffent- lieh bewirtschaftet und vielfach auf die gleichen Fettkarten ob- gegeben. Unter diesen Umständen ist Ser Zwang zu g<• tr e n n t e r Feilhaltung und Abgabe mißlich, teilweise undurchführbar. Ter Bundesrat hat deshalb durch Bekanntmachung vom 13. Juli d. I. die Landeszentral. behörden ermächtigt. Ausnahmen von der genannten Be- stimmung des Margarinegesetzes zuzulassen. Preisbindung für Kunsthonig. Der Reichszuckerstelle steht das aussidließlick>e Recht der Regelung des Verkehrs mit V-rbrauchszucker zu. BezugSscbeine für Zucker zur Herstellung von Kunsthonig werden nur abgegeben, wenn sich die Erzeuger von Kunsthonig verpflichten, ihren Großhandelspreis so zu stellen, daß er den von der Reichszuckerstelle festgesetzten Klein- Handelshöchstpreisen enlspricht; sie find außerdem verpflichiet, dem Kleinhandel einen Rabatt von 29 Proz., dem Großhandel emen weiteren Rabatt von 19 Proz. zu gewähren. Folgende H ö ch stp r e i s e dürfen vom Kleinhandel nicht überschritten werden: Für Va Kilogramm Paket 55 Pf., für Va Kilogramm Gesäß 65 Pf., für 1 Kilogramm Gesäß 1,25 M., für 21/a Kilogramm Gefäß 8 SD?., für 4 Kilogramm Gefäß(5 Kilogramm Brutlogesäße für Postversand) 4,75 M., für 5 Kilogramm Gefäß 5 M.. für 17,5 Kilogramm Gefäß 16 M. Einführung der Reichsflei�chkarte. Die„Köln. Ztg." meldet aus Berlin: Zurzeit sind die Vor- arbeiten für Einführung einer einheitlichen Regelung des Fleisch- Verkehrs durch Einführung einer Reichsfleischkarte im Gange. Eh« die Einsührung erfolgen kann, muß aber das Ergebnis der Anfang September beginnenden Bestandsaufnahme abgewartet werden, aut der man allein Klarheit über das auch in den Privathaushaltungen vorhandene Fleisch gewinnen kann. Die Einführung der Reichs« fleifchkarte ist mit Sicherheit zu erwarten. Ms einer Säuglingsfiirsorge- stelle. Mit planvoller Sänglingsfürsorge begann die Stadt Berlin erst im Jahre IMo. Damals eröffnete sie ihre ersten Säuglings- fürsorgestellen, die als Waffe im Kampf gegen die Säuglings sterblichkeit dienen sollten. Sie waren eine Frucht langer Be- ratungen und Verhandlungen, zu denen die Gemeindebehörden zögernd schritten, nachdem ein Antrag der sozialdemokratischen Stadtverordneten sie auf die Notwendigkeit von Maßregeln zur Herabminderung der Säuglingssterblichkeit hingewiesen hatte. Aufgabe der Fürsorgestellen ist, Müttern schwächlicher oder kränklicher Säuglinge ärztlichen Rat über Wartung und Ernährung des Säuglings unentgeltlich zu erteilen und ihnen bei. Bedürfnis auch Kindermilch zu ermäßigtem Preis oder ganz umsonst zu liefern und stillenden Müttern eine Stillbeihilfe in bar zu gewähren. Die Nützlichkeit dieser Matzregeln, durch die übrigens nur erst ein Teil der damals von unseren Genossen in der Stadtverordnetenversammlung aufgestellten Forderungen verwirklicht ist, wird heute wohl von niemand mehr bestritten. Eine allmähliche Erweiterung des Kreises der zu berücksichtigenden Kinder hat die Wirksamkeit der Säuglingsfürsorgsstellen noch gesteigert. Für den Betrieb der Säuglingsfürsorgestellen kann als Muster das eigene Heim dienen, das man der Fürsorgestelle des G e s u n d- brunnens im Hause Badstratze 10 geschaffen hat. Auf dem bisher von einer Markthalle eingenommenen Grundstück hat die Stadt eine Gebäudegruppe errichtet, in der außer einem Armenamt, einer Steuerkass«, einer Schulküche und einer Kinderlesehalle auch die Säuglingsfürsorgestelle untergebracht ist. Hier konnte man von vornherein in den Plänen für die Räume der Fürsorgestelle und für ihre Einrichtung die Erfahrungen benutzen, die bis- her in Säuglingsfürsorgestellen gesammelt worden sind. Ein Besuch dieser Fürsorgestelle bietet nicht viel des„Sehenswerten", wenn man das Wort in dem gewöhnlichen Sinne meint. Er gewährt aber einen Einblick in ernste, treue Arbeit, die zum Wohl des Säuglings getan wird. Die Säuglingsfürsorgestelle in der Badstraße nimmt das Quergebäude ein. Im Erdgeschoß empfängt den Besucher eine geräumige Halle, die von den Müttern als Kinderwagen-Ver- Wahrungsstelle benutzt werden kann. Die stattliche Wagenburg, die hier täglich in der Sprechzeit aufgefahren wird, steht unter beson derer Aufsicht. In dieser Empfangshalle erhält jede Mutter eine Nummerkarte, damit in der Fürsorgestelle eine Abfertigung nach der Reihe gesichert ist. Dann gehts mit dem Säugling hinauf nach dem oberen Stockwerk, wo als erster Raum der Wartesaal sich öffnet. Dem Eintretenden schlägt ein Geschwirr und Gewirr von Tönen entgegen. Mütter sitzen und stehen umher, auf dem Schoß oder in den Armen die Kleinen haltend, deren Quarren und Weinen ihr beschwichtigender Zuspruch zu dämpfen sucht. Große Tische sind aufgestellt, auf denen die Kinder niedergelegt und entkleidet werden können. Jede Mutter meldet sich sogleich nach ihrem Ein tritt bei der Schwester, die in diesem Raum den Vorsitz hat. Hier werden auch die Neuaufnahmen bewirkt, wobei die Mutter ein Wiegeheft eingehändigt erhält, das sie bei jedem Besuch wieder mitbringen mutz. Aus dem Wartesaal trägt die Mutter den entkleideten Säug- ling in das Wiegezimmer, damit zunächst sein Gewicht ermittelt und mit Datum im Wiegeheft vermerkt wird. Sorgfältige Beobachtung der Zu- oder Abnahme des Gewichtes ist in der Säuglingspflege nicht zu entbehren, weil sie einen Gradmesser für das Gedeihen des Säuglings bietet. Aus dem Wiegezimmer geht es weiter zu dem Arztzimmer, dem Mittelpunkt der Säuglingsfürsorgestelle.' Die Fürsorgestelle des Gesundbrunnens, die täglich von 150 bis 160 Müttern aufgesucht wird, hat zwei Äerzte und eine Aerztin. Den Müttern ärztlichen Rat über Pflege und Ernährung des Säuglings zu geben, ist Hauptzweck der Fürsorgestellen. Ein einziger Mißgriff einer unkundigen Mutter kann dem Säugling schweren Schaden bringen, den alle noch so guten Hilfsmittel der Pflege und Ernährung vielleicht nicht aufwiegen. Der Fürsorgearzt besichtigt den Säugling, unterrichtet sich aus dem Wiegeheft, befragt die Mutter über alles Nötige und gibt die Verhaltungsmaßregeln, die der Zustand des Kindes gebietet. Für kleine operative Eingriffe, die gelegentlich nötig werden könnten, steht ein besonderer Raum bereit. Die Fürsorgestellen wirken auch darauf hin, daß die Mütter ihre Kinder möglichst mit der Brust nähren, weil erfahrungsgemäß hierdurch das Gedeihen der Kinder gefördert wird. Diese Bemühungen haben dazu geführt, daß in den Für- sorgestellen Berlins schon seit mehreren Jahren die Brustkinder etwa zwei Drittel aller Pfleglinge ausmachen. Manche Mütter wissen die Ratschläge der Fürsorgestellen so zu schätzen, daß sie „Stammkunden" werden und mit jedem neuen Sprößling, den sie zur Welt bringen, sich immer wieder einfinden. Jede Mutter sollte die Fürsorgestell« so zeitig wie möglich aufsuchen und nicht erst bis zu einer Erkrankung des Säuglings warten. Erfreulicher- weise hat die Zahl der Mütter, die ihre Kinder schon in den ersten Lebenswochen bringen und sich Rat holen, im Laufe der Jahre immer mehr zugenommen. Zunächst müssen die Besuche wöchent- lich wiederholt werden, später schränkt man sie allmählich ein, wenn kein Bedenken dagegen ist. Wenn ein Kind nicht recht gedeihen will, ordnen die Aerzt« häufiger« Besuche an. Eine Ergänzung der Kon- sultationen in der Fürsorgestelle sind die Hausbesuche der Schwestern. Bei Neuaufnahme wird in kürzester Frist ein erster Besuch im Hause gemacht, dem dann in kleineren oder größeren Zeitabständen andere Besuche folgen. Neben dem Rat können die Fürsorgestellen noch Milch und Nährpräparate und für stillende Mütter eine kleine Stillbeihilfe gewähren, immer nach Anweisung des Arztes. Die Abfertigungs- stelle führt Buch über diese Unterstützungen. Sie gibt die Milch- marken aus und auch Kindermilch, die in eigener Milchküche zu- bereitet wird, und zahlt die Stillbeihilfen. Unter dem Einfluß der Reichswochenhilfe, die gleichfalls Stillbeihilfen, und zwar höhere, gewährt, haben in der letzten Zeit die stillenden Mütter sich merk- lich gemehrt, so daß die Bemühungen der Fürsorgestellen wirksam unterstützt worden sind. Für die Besucherinnen der Fürsorge- stelle ist der Abfertigungsraum die letzte Station. Von hier aus werden sie, nachdem alles hübsch gebucht worden ist, entlassen. Besteht nun nicht die Gefahr, daß bei einer so bedeutenden Ansammlung von Kindern einmal eine ansteckende Krankheit über- tragen wird? Verhüten soll das eine Jsolierstation, die sich im Erdgeschoß befindet und völlig getrennt von den übrigen Räumen der Fürsorgestelle ist. Die etwa verdächtigen Kinder werden hier untersucht, und hier werden auch die Mütter abgefertigt. Eni- lassen werden sie durch besonderen Ausgang, so daß sie die Wagen- halle nicht wieder betreten. Von jeder Mutter, die bei ihrem Kind die Entstehung einer ansteckenden Krankheit vermutet, wird er- wartet, daß sie sogleich bei ihrer Ankunft dies in der Wagenhalle der auffichtführenden Schwester sagt. Keine Mutter sollte, wie es tatsächlich vorkommt, eine Art Beleidigung darin sehen, daß die Schwester selber bei verdächtig scheinenden Kindern eine bezügliche Frage an die Mutter richtet. Nur so ist sofortige Isolierung möglich, die von anderen Kindern die Ansteckungsgefahr fernhält. In de« Kampf gegeii die Säuglingssterblichkeit sind die Für-, 1 I sorgestellen gewiß nur ein kleines Mittel. Sie verdienen aber Förderung, weil sie den Säuglingen durch die den Müttern gegebenen Fingerzeige und Beihilfen manchen Schutz gewähren. Die Fürjorge- stellen verdienen auch, daß jede Mutter, die einen Säugling hat, sie beachtet und beizeiten aufsucht. Diese zum Wohl des Säuglings ge schaffene Einrichtung sollte soviel wie möglich benutzt werden, /lus Groß-öerlin. Abseits Irieürichshagen. Die weitaus meisten Ausflügler, die auf dem Bahnhof Friedrichshagen eintreffen, schlagen sich gleich seitwärts durch die langweilige Friedrichstraße nach dem Ufer des Müggelsees, um von hier aus auf dem Wasser oder jenseits in den Müggelbergen und ihrer Waldumgebung die Lungen zu weiten. Auch die Seestraße bietet nicht viel Interessantes- Anscheinend hat die Gemeinde Friedrichshagen nicht den Ehr- geiz, sich zum modernen märkischen„Seebad" zu entwickeln. Von prächtigen Villenbauten oder anderen Sehenswürdig- leiten ist kaum etwas zu spüren. Die meisten Sommerlokale am Wasser sehen noch genau so aus wie vor zwanzig Jahren. Wer hier am Wasser seßhaft ist, hält den angestammten Grundbesitz fest, hat noch keine Lust oder Gelegenheit zum Spekulieren und huldigt umsomehr den Freuden des Wassersports. Vielleicht ist das ein Vorteil. Darum macht Friedrichshagen, vom See aus gesehen, einen sehr bescheidenen, richtig dörflichen Eindruck. Die sandigen Uferabhänge hinter der Gasanstalt wirken geradezu unschön Viel reizvoller ist das gründichte Südufer vor den Müggelbergen. Wer zur Abwechselung auf Wasser verzichten, neues sehen und sich berauschen will an einem vom großen Verkehr noch wenig berührten Waldgebiet, geht vom Bahnhof Friedrichs- Hagen aus in der Richtung der Bahnlinie eine schnurgerade herrliche Waldchaussee, die in einer knappen Stunde nach Schöneiche führt. Man kann auch mit einem halbstündigen lohnenden Umweg den Weg scharf links vom Bahnhof einschlagen, kommt dann bald zur idyllischen Ravensteiner Mühle, etwas nördlicher nach dem hübschen Forsthaus Neu-Krummen- damm und stößt, scharf rechts nach einem Gestellweg abbiegend, auf die erwähnte Waldchaussee dicht vor Schöneiche. Alle diese Wege, die in Wanderbüchern nicht zu finden sind, führen ausschließlich durch seltener begangenen und deshalb natürlichen Wald. Schöneiche, wo noch vor etwa zehn Jahren das märkische Junkergeschlecht derer von Knobelsdorff hauste, bis Kapitalisten auf der Bildfläche erschienen und den reichen Privatbesitz auf- teilten, hat sich sehr gut herausgemustert. Die Elektrische nach Kalkberge Rüdersdorf durcheilt die freundliche Gemeinde, die nicht mehr viel vom ehemaligen Dorf- und Rittergutscharakter zeigt. Der Königspark in ihrer Mitte mit den haushohen Eichen ist den Weg zu ihm wert. Dichtauf sitzt Klein- Schönebeck, auch kein Dorf alten märkischen Schlages mehr, vom Hauch der Neuzeit munter gerüttelt und schon stark mit Landhäusern durchsetzt. Man vergesse nicht, am Ende des Dorfes die sogenannte Einöde zu besuchen, die eine mächtige Obstplantage darstellt. Die Klein-Schönebecker Mühle ist aber noch ganz ein köstliches Idyll aus der guten alten Zeit. Der in die Müggel fließende Mühlengraben bildet zehn Minuten weiter auch das Rückgrat der reizenden Landhauskolonie Fichtenau mitten in Nadel- und Laubwald. Himmlisch ruhig ist es hier. Der Wald steht greifbar nahe bei den Häusern. Durch den hübschen Kurpark am Mühlenfließ entlang ist in einer Viertelstunde der Bahnhof Rahnsdorf zu erreichen, von dem aus sich reichliche Gelegenheit zu weiteren Wanderungen bietet, so auch nach den nahegelegenen Landhauskolonien Grätzwalde, Wellstein, Schönblick und Hohenberge. Nach 20 Minuten ist man zu Fuß am Ende der Müggel bei Rahns dorf und Neu-Helgoland, ebenso lange fährt die Elektrische für 25 Pfennig nach Woltersdorfer Schleuse. Diese ganze Tour vom Bahnhof Friedrichshagen aus kann man bequem am Nach- mittag erledigen._ 60 Gramm Butter, 30 Gramm Margarine in nächster Woche. Für die Woche vom 17. bis 23. Juli werden nach Ver- öffentlichung der Butterversorgungsstelle Groß-Berlin auf den Butterkartenabschnitt 6l) Gramm Butter und 30 Gramm Mar- garine abgegeben. Bekanntlich hat das Kriegsernährungsamt die Anordnung getroffen, daß die Fettportion pro Kopf und Woche 90 Gramm nicht übersteigen dürfe. Die Abgabe der Margarine ist in die Verteilung der Butter mit eingezogen worden. Der Bezug der Margarine ist daher nur dort zulässig, wo der Käufer auf Grund der Verordnung über die Anmeldung des Butterbezngs in das Kundenverzeich- nis eingetragen ist. Besondere Margarinekarten werden nicht ausgegeben, vielmehr dient der Butterkartenabschnitt zur gleichzeitigen Entnahme beider Fette. Selbstver- ständlich bleibt jedem unbenommen, nur 60 Gramm Butter oder nur 30 Gramm Margarine zu kaufen. Die Preise sind auf 32 Pf. für 60 Gramm Butter bester Beschaffenheit und auf 12 Pf. für 30 Gramm Margarine festgesetzt. Täglicher Meischverkauf. In Fleischerkreisen bestehen immer noch Zweifel darüber, ob in den Ladengeschäften Dienstags und Freitags der Fleisch- verkauf gestattet ist. Es wird nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, daß seit dem 1. Juli d. I. in Ladengeschäften der Fleischverkauf täglich stattfinden kann. Bekanntmachung. Amtlich. Berlin, 13. Juli.(W. T. B.) Meine Bekanntmachung vom 13. August 1915— O. 37 942—, nach der Rotkohl. Weißkohl, Wirsingkohl, Kohl- rabi, grüne frische Gurken und Mohrrüben im Kleinhandel nur nach Gewicht verkauft werden dürfen, setze ich hier- mit außer Kraft. Ter Oberbefehlshaber in den Marken gez. v. Kessel. Generaloberst. Tariferhöhung sind vom Verbandsausschuß e i n st i m m i g ab« gelehnt worden.- Maßgebend war dabei die Meinung, daß während des Krieges an eine solche Maßnahme überhaupt nicht gedacht werden dürfe. Diese Auffassung ist von den Berliner Vertretern in vollem Umfange geteilt worden. Gerade die Stadt Berlin ist am ehesten in der Lage, bei ihrer Kriegssürsorge zu erkennen, wie schwer die große Masse der Bevölkerung davon betroffen werden würde, wenn zu den Schwieligkeilen und den Preissteigerungen in der Lebensmittelversorgung auch noch eine durch die Verhältnisse nicht unbedingt gebotene Verkehrsverteuerung hinzuträte. Seit dem vorigen Jahre hat sich ein Anlaß zur Aenderung dieser Haltung nicht er- geben. Um so weniger als weder die Große Berliner Straßenbahn noch die Hoch- und Untergrundbahn irgendwelchen Antrag auf Toris- erhöhung gestellt' haben. Soweit bis jetzt erkennbar, geht das Be- streben dahin, diesen Anstalten, welche einen Gesamtverkehr von 605 Millionen Personen im Jahre haben, die Tariferhöhung künst- lich aufzunötigen, weil eine solche für die Allgemeine Omnibus- gesellschaft mit nur 94,6 Millionen Fahrgästen im Jahre unumgäng- lich sei, also wegen eines Bruchteiles von etwa Vg eine schwerwiegende Belastung dcS ganzen Verkehrs herbeizuführen. Ueberraschend ist die Andeutung, die Stadt Berlin, welche einen Kriegsaufwand von 300 bis 400 Millionen gehabt hat, solle, indem sie ihre Vertragsrechte einschränken läßt, dazu beitragen, der Großen Berliner Straßenbahn, die in den ersten sechs Monaten dieses Jahres über zwei Millionen Mark mehr eingenommen hat als in dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres, zu einer Mehreinnahme von 10 bis 12 Millionen Mark im Jahre zu verhelfen. Berlin ist in der vorliegenden Frage nach keiner Richtung auf seinen Sonder- vorteil bedacht, sondern läßt sich lediglich von allgemeinen Verkehrs- erwägungen leiten; aber seine bestehenden Vertrags» rechte würde es sich nicht verkürzen lassen. Die Preise für Wild steigen; Kaninchen, die sonst 50 und 75 Pf. das Stück kosteten, sind heute nicht unter 2 M. zu haben. Fasanen, Hasen, Enten. Rehe, Rot- und Damwild, sogar Schwazwild erzielen Phantasiepreise. Auch für Birkhühner und anderes Wild werden Preise bewilligt, die in gar keinem Verhältnis zu ihrem Werte stehen. Für kleine Kriekenten wurden 2stz und 3 M. bezahlt gegen 75 Pf. vor Beginn des Krieges. Während nun diese Preise steigen, fallen die Pachten für Jagden ganz bedeutend. Manche Jagd ist jetzt ausgeboten, wie saures Bier. Wucher überall! In der letzten Ouartalsversammlung der Tischlerinnung teilte der Obermeister mit, daß die Innung sich beschwerdeführend an das Reichsamt des Innern gewendet habe, damit es dem Wucher der Leimhändler entgegenwirken möge. Die Preise für Leim sind in der letzten Zeit um 2—300 Prozent erhöht worden, ein Wucher, der unerhört sei. Die Innung habe darum gebeten, daß die Behörde Höchstpreise für Leim festsetze, und vom Ministerium des Innern sei die Ant- wort eingegangen, daß man sich mit der Beschwerde befasse und die Angelegenheit einer Prüfung unterziehe. Die Innung hat ferner Vorkehrungen getroffen, daß die Mit- glieder unter Umgehung des Zwischenhandels sich Leim besorgen können, ein Ausweg, der durchaus verständlich ist, uns selbst aber in vergangenen Zeiten immer scharfe Angriffe von jener Seite ein- gebracht hat, die jetzt auch dazu übergehen mutz. Auch ein Stück Umlernen I_ Zu den beiden Bankveruntrcuungcn ist nicht viel Neues zu be- richten. Weder Stephan und feine Geliebte Marie Hörasch, noch Oueißer sind ermittelt._ Warnung vor einem Schwindler. Unter dem Namen Julius Schneider und Vorzeigung einer angeblichen' MiigliedSkarte des 5. Berliner Wahlkreises besucht ein Schwindler Ehefrauen und Eltern von Verhafteten, erzählt alles mögliche von den Verhafteten und sucht allerlei über dieselben und ihre Verwandten zu erfahren. Ein Julius Schneider ist nicht Mit- glied des Wahlvereins des 5. Wahlkreises, der Verein hat keine Mitglieds karten. Man nehme sich vor diesem und ähnlichen Schwindlern in acht, da sie offenbar nichts Gutes beabsichtigen. Neun Monate Gefängnis für 10 Pfund Mehl. Der Kutscher Franz V. in Charlottenbueg war beauftragt, für den Magistrat eine Ladung Mehl auf den städtischen Speicher zu fahren. Er benutzte die günstige Gelegenheit, einen der Säcke um ein Quantum von 19 Pfund zu seinen Gunsten zu erleichtern. Ein Bäckermeister hatte von seinem Laubenlande aus diesen unerlaubten Eingriff oder besser Einschnitt in den städtischen Mehlsack be- obaihtet und die Polizei darauf aufmerksam gemacht. Diese fand auch bei Untersuchung des Wagens den Beutel mit Mehl in einem Kasten unter dem Kutschersitz. Der Kutscher hat diese 19 Pfund Mehl mit neun Monaten Gefängnis zu bezahlen. Tie Stadt Berlin und die Verkehrsverteuerung. Die Haltung der Stadt Berlin gegenüber den fortgesetzten An- trägen auf Erhöhung der Verkehrstarife, namentlich derjenigen der Großen Berliner Straßenbahn und der Hoch- und Untergrundbahn wird von einer der Zwecksverbandsverwaltung nahestehenden Seite in durchaus unzutreffender Weise gekennzeichnet. Es sei deshalb folgendes festgestellt: Die vorjährigen Anträge der Großen Berliner Straßenbahn auf Der Verein Berliner Volksküchen teilt uns zu unserer Notiz „Das verlängerte Mittagessen" mit, daß es am Freitag Back- pflaumen mit Reis gegeben habe. Dieses Gericht dicke aber in der Gulaschkanone nach und deshalb sei von der Wirtschafterin zu dem dicken Reis in heißem Wasser ausgelöste Zitronensäure mit Zucker und anderen Zutaten hinzugetan worden. Bemerkt sei, daß der Verein seit 50 Jahren besteht und nicht auf Erwerb gegründet ist. Sine Anzahl Ehrendamen stellte sich selbstlos in den Dienst der Sache. Odstkernsammelstcllen sind in verschiedenen Gegenden der Stadt auf Veranlassung des Vaterländischen Frauenvereins eingerichtet worden und zwar: SW. 11, Schöneberger Str. 22, Kohlen-Großhandlung Berger u. Kulp, 17. 28, Gleimstr. 62, am Nordbahnhof, Berger u. Kulp, NWl 40. Heidestr. 21, am Lehrter Bahnhof, Efrem u. Bicknase, Kohlen-Großhandlung, O. 17, Fruchistr. 16, am Ostbahnhof, Louis Schulze. Kohlenspedition, 80. Görlitzer Ufer 5, am Görlitzer Bahn- Hof, Louis Schulze, Kohlenspedition. Die Sammler und Sammlerinnen werden gebeten, die getrennt nach einzelnen Gattungen, also nicht vermischt abzuliefernden Kerne der nächstgelegenen Sammelstelle zu übermitteln. Die Samm- lung und Aufbewahrung von Obstkernen geschieht für die Oel- gewmnung. Beim Abspringen von einem fahrenden Straßenbahnwagen schwer verunglückt ist in der vergangenen Nackt gegen 3 Uhr eine un- bekannnte Frau in Neukölln. Sie zog sich dabei vor dem Hause Kaiser-Friedrich-Str. 66 einen schweren Schädelbruch zu, an dem sie im Krankenhause in Buckow noch besinnungslos danieder liegt. Die Verunglückte ist ungefähr 28—30 Jahre alt und trug einen braunen Rock, eine weiße Bluse mit rosa Blumen, eine helle Reformschürze, schwarze Strümpfe und gelbe Sandalen. Zirkus Krone verbleibt nur noch bis Montag, den 17. d. Mts., am Neuköllner Ringbahnhos. Großfeuer kam in der letzten Nacht vermutlich durch elektrischen Kurzschluß in der Konservenfabrik von Holm u. Kompagnie in Lichten- berg, Herzbergstraße 127, die auch in Treptow, Puderstraße 23, einen großen Betrieb unterhält, zum Ausbruch. Gemeldet wurde der Brand gegen 1 Uhr nachts. Als die Lichtenberger Feuerwehr an der Brand- stelle ankam, stand das einstöckige Kesselhaus mit angrenzenden Räumen schon vollständig in Flammen. Brandinspektor Groß ließ sofort mit vier Schlauchleitungen einen umfassenden Angriff aus» führen, um die übrigen Fabrikgebäude, das Kontor und die Lager- rühme su schützen. Die Flammen hatten an Brennmaterial und Vorräten schon so reiche Nahrung gefunden, daß eZ mehrstündiger angestrengter Löscharbeit bedurfte, um des großen Brandes um 4 Uhr Herr zu werden. Die Aufräumung war um 7 Uhr noch nicht beendet. Der Schaden ist natürlich recht erheblich und besonders durch die Vernichtung von Sterilisierungsapparaten und Maschinen. die nicht so schnell ersetzt werden können. Lebensmittel sind zum Glück nur in ganz geringem Umfange verbrannt. Der Feuerwehr gelang es, die großen Vorräte bis aus einen kleinen Teil zu bergen und zu schützen. Der Betrieb wird in Treptow fortgesetzt und soll auch in Lichtenberg bald wieder aufgenommen werden. Zur Entdeckung eines großen Hchlcruestes führte die Verhaftung der Treibriemendiebe Döhring und Genossen. Die Ermittelungen ergaben, daß die Diebe Beziehungen zu einem Schuhmacher Weiß in der Kreutzigerstr. 11 unterhielten. Als die Beamten dort nun den Laden und die anderen Räume durchsuchten, entdeckten sie unter dem Bett eine Klappe, die über einem Zugang zum Keller lag. Dieser war von unten an bis zur obersten Stufe vollgepfropft mit 122 größeren und kleineren Stoffballen, Hemdenwch, Kleidersatin und Futterstoffen. Außerdem fand man eine Menge Treibriemen. die zwar schon zerschnitten, aber noch nicht verarbeitet waren. Weiß wurde ebenfalls verhaftet, das ganze Lager beschlagnahmt und nach dem Polizeipräsidium gebracht. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß das Lager einem großen Geschäft in der Klosterstraße gehörte. Fuhrwerksdiebe hatten diesem einen voll beladenen Wagen von der Straße weg gestohlen und die Ladung eiligst zu dem Hehler in den Keller gebracht. Die große Beute, die jetzt dem Bestohlenen wieder zugestellt werden konnte, war gegen 10 Wv M. wert. Der Münzendiebpahl im Museum für Völkerkunde scheint seiner Aufklärung entgegenzugehen. Am Mittwoch voriger Woche erschien in einer bekannten Münzhandlung in der Wilhelmstraße ein junger, feingekleideter Mann und bot einen kleinen Posten asiatischer Münzen an, die er sowohl wie sein Vater durch Vertretungen in Asien erworben hatten. Es waren 17 siamesische Münzen, die auch jetzt noch in Kurs sind. Da die Angaben des jungen Mannes glaubwürdig erschienen, so trug das Geschäft kein Bedenken, den Kauf abzuschließen. Erst als der Diebstahl bekannt wurde, konnte festgestellt werden, daß die 17 Geldstücke zu den gestohlenen Münzen gehörten. Von dem Täter hat man noch keine Spur. Eine Selbstmörderin festgestellt. Die Persönlichkeit einer Lebens- müden, deren Leiche vor einigen Tagen aus dem Neuköllner Schiff- sahrtskanal an der Wildenbruchbrücke gelandet worden ist. konnte jetzt ermittelt werden. Die Tote ist die 17jährige Kontoristin Erna Naß aus der Schlesischen Straße 12 in Berlin. Sie ist durch eine unheilbare Krankheit zu dem Selbstmord getrieben worden, den sie in der Nacht zum 6. d. M. ausgeführt hat, indem sie sich am Elsen- sieg in den Kanal stürzte. Bus den Gemeinden. Erbsen- und Bohnenverkauf in Charlottenburg. Der Verkauf auf Abschnitt 2 der Charlottenburger Nahrungs- mittelkarte findet von Freitag, den 14., bis zum Sonnabend, den 22. Juli, statt._ Städtische Schulzahnklinik Charlottenbnrg. In der Zeit vom 1. April bis zum 30. Juni d. I. wurde die städtische Schulzahnklinik in Charlottenburg von 20S8 Kindern, und zwar von 1029 Knaben und 1069 Mädchen, aufgesucht. ES wurden 1314 Zähne gefüllt, 1460 gezogen und bei 286 der Nerv getötet. Lebensmittelversorgung in Steglitz. Die Gemeindeverwaltung von Steglitz, das bekanntlich mit seinen 76 000 Einwohnern das größte Dorf in Preußen ist, ist be- müht, die Versorgung der Einwohner mit Lebensmitteln auch für die Zukunft sicher zu stellen, indem das Kämmereigut Ziethen hierzu in weitgehendstem Maße herangezogen wird. Auf dem Gute wird die Gemeindeverwaltung eine ausgedehnte Schweinezucht einrichten und auch die Mästerei von zunächst 1000 Gänsen betreiben, die im Herbst zu billigen Preisen an die Steglitzer Bewohner abgegeben werden. Um besonders die Kinder und kranke Personen mit guter Milch versorgen zu können, sind 40 neue Milchkühe eingestellt worden. Auch die Ziegen- und Kaninchenzucht wird von der Gemeinde- Verwaltung gefördert._ Ferienspiele in Pankow. Der Anregung in der letzten Gemeindevertretersitzung entsprechend, finden in diesem Jahre zum ersten Male für die Pankower Schul- jugend gemeinsame Ferienspiele unter Aufsicht und Leitung von Lehrern' und Lehrerinnen statt. Dieselben haben am Donnerstag dieser Woche ihren Anfang genommen und sollen an jedem Wochen- tage nachmittags von 3 bis 6 Uhr stattfinden. Für die Kinder der 6. und 6. Gemeindeschule sowie der 1. Hilfsschule ist hierzu der freie Platz an der Wilhelm-Kuhr-Straße, für die der 2. Gemeinde- schule der freie Platz an der Kissingenstraße und für die der 7. Gemeindeschule und 2. Hilfsschule der Tiroler Platz bestimmt. Die Mädchen der 3. Gemeindeschule und der 2. Hilfs- schule spielen auf dem Schulhof der 3. Gemeindeschule, alle übrigen Schülerinnen auf dem Schulhof der 1. Gemeindeschule. Neben diesen Äpielgelegenheiten für die Kinder sind auch Schülerwanderungen in Aussicht genommen, die sich in Anbetracht der ungünstigen Ver- Pfleglingsverhältnisse auf die Nachmittage beschränken sollen. Gerichtszeitung. Verfaulte Blutwurst und verschimmelter Talg— beim Hos- licferanten. ' Vor dem Potsdamer Schöffengericht war der Hof- s ch l ä ch t e r m e i st e r Wilhelm Müller, in der Linden- straße 12 zu Potsdam, angeklagt, verdorbene Wurst und Talg in den Verkehr gebracht zu haben. Im April kaufte ein Frl. S. im Müllerschen Geschäft Talggrieben, die schon verschimmelt waren und ein widerliches Aussehen hatten. Am 2. Mai kaufte der Postschaffner Köhler 6 Pfund Blutwurst, um sie nach dem Felde zu schicken. Er bezahlte für das Pfund 1,60 M. Als er die Wurst näher musterte, fiel ihm der faulige Geruch auf. Die Wurst wurde zur Polizei gebracht und dann dem Kreisarzt vorgelegt, der ihre Beschlagnahme und Uebersendung an das Nahrungsmittelunter. suchungsamt veranlaßte. Dort stellte man fest, daß die Wurst faulig und gesundheitsschädlich war. Die gleiche Feststellung wurde bezüglich des Talgs getroffen mit dem Hinzufügen, er müsse uralt gewesen sein, denn sonst könnte sich kein Schimmel gebildet haben. Diese groben Verfehlungen ahndete der zuständige Amtsrichter durch S t r a f b e f ehl in Höhe von 6 0 Mark. Dagegen erhob der Beschuldigte Einspruch mit der Begründung, er sei nicht im Geschäft anwesend gewesen, habe genügende Vertretung und könne sich um den Kleinverkauf nicht kümmern, weil er rnit�dem Einkauf für seine Lieferungen beschäftigt sei. Das Schöffen- geeicht verwarf den Einspruch und verurteilte den Angeklagten zu 60 M. Geldstrafe. Es nahm von einer höheren Strafe ledig- lich deshalb Abstand, weil sich da? Geschäft sonst eines guten Rufes erfreue und der Angeklagte anscheinend nicht vorbestraft sei, sonst müßte durch eine strenge Strafe der Schlächter besonders in der heutigen Zeit gezwungen werden, die nötige Sorgfalt anzuwenden, daß nichts umkomme. Ein fahrlässiges Verschulden treffe den Angeklagten unbedingt, denn der Betrieb sei nicht so groß, daß er ihn nicht überschauen könne. Gerade jetzt, wo das Fleisch so knapp sei und zu so undenkbaren Preisen verkauft werde, sei das Ver- derben einer Ware ein großer Nachteil für die Volksernährung, wie er kaum gröber zu denken sei. Die Strafe ist erheblich billiger als die Wurst._ LeravD.ortiicher Redakteur:.«Ifrefc Wiejexp, xeuWn. güj fceg Markenfreie„FlsH-BuWer-Wurst" vor GerW. Ein umfangreicher Nahrungsmittelfälschungsprozeß wegen Verkaufes der sogenannten markenfreien„Fisch- Butter-Wurst" beschäftigte das Leipziger Schöffen- g e r i ch t. Auf die Anzeige des Geh. Med.-Rats Dr. Krause in Leipzig war gegen den dortigen Fleischermeister Heinrich Wilhelm Gustav Rudloff Anklage wegen Nahrungsmittelfälschung erhoben worden. R. gründete im Jahre 1915 in Dänemark zusammen mit einem dänischen Fleischermeister eine Fleischwarenfabrik und vertrieb die dänischen Fabrikate, darunter auch die bekannte sogenannte marken- freie„Fisch-Butter-Wurst" in seinem Leipziger Geschäft, das Pfund für 2,20 M., später für 2 M. Insgesamt wurden dort 130 Zentner abgesetzt. Die famose„Fisch-Butter-Wurst" hatte einen chemischen Wassergehalt von über 70 Proz., der Gehalt an Butter war 7 Proz.; während nach den in den Läsen des Angeklagten ausgehängten Plakaten das Fabrikat nur aus Fisch, reiner dänischen Naturbutter. Vollmilch und Gewürz zusammengesetzt sein sollte. Die Wurst bestand aus 100 Teilen Seessichen, 10 Teilen Butter, 14 Teilen Vollmilch, 10 Teilen Weizenmehl, Salz und Gewürz. Auch hatte die chemische Untersuchung das Vorhandensein von Fischgräten und -schuppen in der Wurst festgestellt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geld st rase. Die Höhe der Strafe sei gerechtfertigt, einmal, weil der Angeklagte sich einer groben Täuschung des Publi- kums schuldig gemacht habe, und dann, weil er schon mehrmals wegen Nahrungsmittelsälschung, zuletzt mit 3 Monaten Gefängnis und 600 Geldstrafe bestraft worden sei. Ein teuerer Schnaps? Als Warnung für Gastwirte, verbotswidrig Schnaps zu verschänken, kann folgender Straffall dienen, der gestern vor der Berufungskammer des Landgerichts I verhandelt wurde. Der Angeklagte, Schankwirt H ermann Wolf, hatte den Verdacht erregt, daß er in seinem Schanklokal trotz des bestehenden Verbots fortgesetzt noch nach 9 Uhr abends Schnaps an feine Gäste verabfolge. Um der Sache auf den Grund zu gehen, wurde er eines Tages durch einen Kriminalbeamten auf die Probe gestellt. Diesem verkaufte er aus einer unter dem Laden- tisch stehenden Flasche ein GlaS Branntwein. Der Beamte be- hauptete, daß die Flüssigkeit zweifellos wie echter Korn-Brannt- wein geschmeckt habe, während der Angeklagte dies mit der Angabe bestritt, daß er sogenannten Sherry eingefchänkt habe. Das Schöffengericht folgte der Aussage des Beamten und ver- urteilte den Angeklagten, indem es annahm, daß er fortgesetzt gegen die betr. Verordnung verstoße, zu zwei Monaten Ge- f ä n g n i s. In der Berufungsinstanz folgte das Gericht zwar den Darlegungen des Justizrats Dr. S ch o e p s, daß nur der e i n e Anklagefall erwiesen sei, und nahm von einer Gefängnis. strafe Abstand, verurteilte aber den Angeklagten zu 760 Mark Geldstrafe, damit die Gastwirte eindringlich gewarnt werden, da solche Gefetze nicht zum Spaß gemacht werden. Bus aller Welt. 78« Tote bei einem Explofionsunglück. Die„Baseler Nachrichten" melden aus Mailand: Auf Um- wegen wird jetzt bekannt, daß die in der italienischen Presse nur ganz kurz erwähnte Explosionskatastrophe von Spezis viele Hunderte von Opfern gefordert hat. In Wirklichkeit ist nicht«in« Kiste Pulver, sondern eine große Munitionsfabrik in die Luft geflogen und von ihren 480 Arbeitern ist kein einziger am Leben geblieben. Außerdem sind aber noch zahlreiche andere Opfer zu beklagen. Am Strande bei Spezia badeten eine große Anzahl Kinder und Erwachsener. Von ihnen wurden mehr als 300 getötet, und drei Tage lang wurden diese armen Opfer der Katastrophe im Golf ans Land gespült. Die Beschreibung der Oertlichkeit läßt auf M u g g i a n o bei Spezia schließen, wo sich ebenso die Strandbäder wie Flottenarsenale befinden. Unaufgeklärte Leichenfunde. Wie die Hamburger Polizeibehörde mitteilt, ist am 18. Juni in einem Kieferngehölz an der Chaussee Bergedorf-Geesthacht tief ver- scharrt die stark verweste Leiche eines schmächtigen, schlanken Mannes im Alter von vielleicht dreißig Jahren gefunden worden. Nach dem ärztlichen Befunde muß die Leiche, die mehrere Verletzungen der Schädeldecke aufweist, schon mehrere Monate in der Erde gelegen haben. Papiere und Wertsachen find nicht gefunden worden, so daß ein Raubmord vorzuliegen scheint. Ueber die Persönlichkeit deS Toten ist noch nichts bekannt. Zu den in Ham- bürg als vermißt Gemeldeten gehört er nicht; wahrscheinlich hatte der Ermordete seinen Wohnsitz in einem anderen Orte. Der Mann war 1,76 Meter groß und hatte blonde? Haar; ein Schneidezahn im Unterkiefer und mehrere Backenzähne fehlen, ebenso die rechte Hand; eS ist aber mit der Möglichkeit zu rechnen, daß diese Fehler erst durch die Gewalttat enlstanden sind. Bekleidet war die Leiche mit kleinkariertem, dunklem Kammgarnanzug, weißleinenem Oberhemd, baumwollenem, weißem Trikotunterhemd mit bläulich gestreiftem Brusteinsatz, schwarzen Socken und schwarzen Knopfstiefeln. Sachdienliche Mitteilungen über die Person des Getöteten und des Täters werden unter Zusicherung einer hohen Belohnung an die Polizeibehörde in Hamburg, zu Tagebuchnummer 4631/16. II. v 1, erbeten. Ein weiterer Leichenfund, der ebenfalls mit einem Verbrechen in Verbindung gebracht wird, ist auf dem Gut Liebenberg bei Herz- felde jNiederbarnim) gemacht worden. Dort fanden Arbeiter wenige Zentimeter unter dem Erdboden eine männliche Leiche, die auch schon stark verwest war und schwere Schädelverletzungen aufwies. Man vermutet, daß es sich um einen russischen Landarbeiter handelt, der vor anderthalb Jahren spurlos verschwand. Als Täter wird ein anderer russischer Landarbeiter verdächtigt, der mit dem Toten damals oft Streitigkeiten hatte. Dieser Mann verschwand vor einigen Wochen ebenfalls au» der dortigen Gegend und ist dann bei dem Versuch, die holländische Grenze zu überschreiten, fest- genommen worden._ Eine Mafsenklage gegen Landwirte wegen nnrichttger Bestandsangaben. Eine in der Grafschaft Camburg(Kreis Saalfeld i. Thür.) vorgenommene Untersuchung hat ergeben, daß eine große Anzahl Landwirte bei den Getreidebestandseinschätzungen zu niedrige An- gaben gemacht haben. Die Staatsanwallschaft in Rudolstadt hat nunmehr die Anllageerhebung beschlossen, derzufolge sich nächste Woche 813 Landwirte vor dem Landgericht Rudolstadt und dem Schöffengericht in Camburg zu verantworten haben werden. Verbote de? Pilz- und BeerenfammelnS werden von der.Freist Ztg." auch aus Pommern berichtet. So befinden sich beispielS- weije in den letzten drei Ausgaben der.Kreiszeitung für den Regen- walder Kreis" Anzeigen, in denen daS Betreten der Wälder und das Beeren- und Pilzesuchen verbieten: Frau v. Podewils, Woitzel; die F o r st v e r w a I t u n g der F o r st e n Ruhnow und Win- n in gen, Stein-Teschendorf; die Forst Verwaltung der Höckenberger Forst; v. Alten; Prötzel- Dübzow; die Forst Verwaltung d e S Kiefholzer Forstes.— Es macht sich wunderschön, daß in einigen Zeitungen, die derartige An- zeigen veröffentlichen, im redaktionellen Teil die Bevölkerung immer noch zum Pilz- und Beerensammeln angespornt werden. Born nickt er und hinten pickt er. Auf eine originelle Idee ist, wie das„Lanbaner Tageblatt" mitteilt, die RittergutSverwaltu ng von Königs- Lnfer-tlmteU veianw�! Th, Glocke. Berlin, Krück u, Verlag iVorvärt« Wartha gekommen. Sie erließ folgende Bekanntmachung:„Vom 6. Juli an werden die für dieses Jahr gültigen Beeren- und Pilz- scheine hier unentgeltlich abgegeben. Dieselben sind für alle der hiesigen Gutsherrschaft gehörigen Forstreviere gültig. Das Betreten des Waldes ohne Schein ist verboten und zieht Bestrafung nach sich. Jede Haushaltung kann bis zwei Scheine entnehmen. Der In- haber eines Scheines ist verpflichtet, fünf Liter gute Beeren und fünf Liter Einlegepilze kosten- los innerhalb zwei Wochen im Schlosse abzu- liefern."— Da wären wir ja glücklicherweise wieder bei der mittelalterlichen Sitte der„Zehnten"-Ablieferung angelangt. Beim Spielen mit einer Patrone schwer verunglückt ist am Donnerstag in Jüterbog der 10 Jahre alte Knabe Otto Wenzel. Der Knabe, dessen Vater im Felde steht und dessen Mutter in einer Fabrik arbeitet, hatte sich irgendwie eine Patrone verschafft und spielte damit, als er allein zu Hause war. Bei dem Versuch, das Pulver herauszukratzen, explodierte die Patrone. Dem Kleinen wurde die linke Hand und die Nasenspitze abgerissen und das linke Auge so schwer verletzt, daß es auslief. Auch am ganzen Gesicht furchtbar entstellt, lief der Verunglückte noch 300 Schritt weit nach dem Krankenhaus in Jüterbog und brach dann vor der Tür zusammen. Nachdem ihm die Aerzte die erste Hilfe geleistet hatten, ließen sie ihn mit der Eisenbahn nach Berlin in die Charit« bringen, wo er schwer daniederliegt. Eine bestialische Bluttat. Ein Einbrecher stieg in Fried- l a n d in di« Wohnung der Witwe eines Försters ein und machte sich an das Erbrechen der Türen und Behältnisse. Dabei gelangte er in einen von dem Dienstmädchen bewohnten Raum. Zwischen diesem und dem Einbrecher entspann sich ein Kampf auf Leben und Tod. In bestialischer Weise stach der Einbrecher mit einem Messer auf die Ueberfallene ein und ließ erst ab, als sein Opfer im Blute schwamm. Das Überfallene Mädchen wurde erst gefunden, als der Täter bereits entflohen war. Die Unglückliche hatte gegen vierzig Messerstiche und Wunden erlitten. Kohlenabstürze. Auf der Castelengo- und Hedwigswünschgrube in Hindenburg(O.-Schl.) fanden nachts umfangreiche Kohlen- abstürze statt. Bisher wurden drei Leichen geborgen und mehrere Schwerverletzte herausgeholt. 150 Häufer eingeäschert. In der Ortschaft G r o j e tz.(Kreis Lublinitz) brannten, wie aus Breslau gemeldet wird, 150 Gebäude ab. Die Brandursache ist auf einen fehlerhaften Schornstein zurück- zuführen._ Jugenüveranftaltungen. Schöneberg. Jngendbildnngsverein. S o nn t a g. den 16. Juli: Fahrt nach Zehlendorf. Treffvunkt:'1,7 Uhr am Kailer-Wilbelm-Platz. Mittwoch, den IS. Juli: Vortrag über»Märkische Volkssazen". An- sang 8 Uhr. Wilmersdorf. Arbeiterjugend. Sonnabend und Sonntag: Nacht- und Tag-Wanderung nach Birkenwerder— Lehnitzsee— Oranienburg. Treffpunkt: Sonnabend, abends 7 Uhr. im Heim, Mannheimer Str. 61. Absahlt 8.46 Uhr vom Bahnhos Gesundbrunnen.— Treffpunkt: Sonntag srüh 5 Uhr, Bahnhos Schmargendorf Abfahrt 6.17 Bahnhos Gesundbrunnen. Kosten 1,60 M. Gäste willkommen. Allgemeine Kranken- und Tierbekaise der Metallarbeiter zu Hamborg(B. a. G.). Filiale Baumschulenweg. Den in Treptow wohnenden Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 16. Juli, abends von 8>/,— 10 Uhr, im Lokal von Borch, Elsenstraße, Ecke Kiesholzstraße, kassiert wird. Eingegangene Druckschristen. Von der«Reuen Zeit� ist soeben das 15. Hest vom 2. Band des 34. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Die Juden im Weltkriege. Von Jakob Pistiner(Czernowitz).— Elektrizitätsversorgungsmonopol? Von-etz.— Die Kämpfe um Knapp- schaftsresormen. Von LinuS Scheibe(Bochum).— Bon unserem Blldnngs- Wesen nach dem Kriege. Bon Richard Seidel(Berlin).— Literarische Rundschau: Guftaous Myers, Geschichte der großen amerikanischen Ver- mögen. Von K. KautSlh. Dr. Siegmund Schilder, Entwicklungstendenzen der Weltwirtschaft. Von Lp.— Anzeigen: Heinrich Schulz: Arbeiterkultur und Krieg. Wie wir unser Eisern Kreuz erwarbeu. Bearbeitet von Freiherr F. von Dincklage- Campe. Hest 8—10. Erscheint in 20 Heften zu je 50 Pf. Bong u. Co., Berlin W 57. Hilal. Türkische Monatsschrift, herausgegeben von St. T. Abdoullah. Vierteljährlich 1,60 M. Hanseatische Druck- und Verlagsanstalt. Hamburg. Die Türken und wir»ach dem Kriege. Von E. Marrs. 80 Pf. — Die wirtschaftliche Annäherung der Zentralmächte. Von Bela Rajnik. 80 Ps.— C. Sl. Schwetschke u. Sohn, Berlin W 57. Hriefkasten üer Redaktion. r>e lurlslil»« Sprechstunde findet lllr«donnenten Lindenstr. 3, TV. Hot cechtS, parterre, am Montag bis Freitag von t bis 7 Nur, am Sonnabend von 3 tu 6 Uhr statt. Jeder für den B r t e s k a st e a bestimmten Anfrage ist«in Buchstab« und ein« gahl als Merkzeichen beizufügen. Brieflich« Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine LbonnementSquitlung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bot. Bertrige, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. Seppe! 101. k. Der Austritt aus der Landeskirche kann von Personen Über 14 Jahre alt vollzogen werden. 2. Nein. 3. An das zuständige Amisgericht mit dem Antrage aus Ansehung eines Termins zwecks Aus- trittserklärung aus der Landeskrrche.— K. 57. Das kommt aus die Be- stimmungen deS Statuts an. Sie haben aber wahrscheinlich keinen An- spruch, da durch das Krankenkassennotgesetz die Leistungen der Krankeukaffen herabgesetzt sind.— E. K. 14. Die nach dem Gesetz vorgeschriebene Be- dürftigkeit wird in diesem Falle verneint und deshalb keine Unterstützung gezahlt werden. Immerhin wäre zu empfehlen, einen Slntrag auf Unter- stützung zu stellen, vielleicht wird wenigstens die staatliche Unterstützung bewilligt.— K. 113. Herzleiden; landsturmpflichtig.— E. Sch. 200. Bei Ihrem angegebenen geringen Einkommen müßte Ihne» auch die kommunale Unterstützung bewilligt werden. Wenden Sie sich mit einer Beschwerde an das Militärbureau des Magistrats.— A. S. 75. Nein. — H. G. T. 12. 1. Slntrag aus Kapitaladfindung können Sie nur stellen, wenn Sie sich mit Hilfe deS Kavitals aus eigener-schölle ansässig machen oder vorhandenes Besitztum erhallen oder starken wollen. 2. Anspruch aus der Invalidenversicherung steht Ihnen nicht zu, da Sie nicht zu mindestens 66'/, Proz. erwersunsähig erachtet worden sind.— H. 31. Das unterliegt der Entscheidung deS Militärarztes. Wenn aber AnsteckungSgesahr nicht mehr vorhanden ist, kann Einziehung erfolgen.— U. 44. Stach dieser Berufung aus den Lieferungsvertrag werden Sie gegen die Ab- lehnung Ihres Antrages nichts unternehmen können.— K. 14. Die Kündigung ist nicht rechtsgültig, sie hätte müffen laut Vertrag an den Hauswirt gerichtet und am 27. Juni in dessen Besitz sein. Die Kündigung ist ihm aber erst am 28. Juni zugestellt worden.— R. Berlin. Im Bureau des Textikarbellerverbandes, Berlin 0. 27, Andreasstratze 17. — Herta 5 und R. H. 818. In dieser Angelegenheit wenden Sie sich am besten an den Metallarbeiterverband, Linienstraße 83— 85.— M. S. 35. Ob darüber tarifliche Abmachungen bestehen, erfahren Sie beim Verband der Maler und Lackierer, Meichiorstr., 2s Part., Berlin SO. 16. — C. B. 7. Die Wirtin bat die Berechtigung, bei der Besichtigung der Wohnung zum Zwecke der Vermietung zugegen zu sein.— M. B. 30. Wenn die Finna zur gütlichen Einigung der Sache nicht bereit ist, können Sie durch Klage beim Amtsgericht die Herauszahlung des Kaufgeldes er- wirken.— G. I. 72. Da beiden Mietern die Kündigung fristgerecht zu- gestellt ist, müssen sie die Wohnung zum 1. Oktober räumen.— A. B. 17. In der Sache selbst wird sich nichts tun lassen; es würde sich aber emp- fehle», mit Ihrem Anwalt nochmals Rücksprache zu nehmen.— D. B. 7. Wenn die Ehe linderlos ist, gehören der überlebenden Ehefrau die Wirt- schastSgegenstande im voraus; Sie haben also überhaupt keinen Erb- anspruch.— Balentin. Ein derartiger Stoff ist uns nicht bekannt. Garnisondienstverwendungssähig, Innendienst. Sie müffen erst die Erlaubnis vom Erfinder der Masse einholen.— U. R. 7. Nein. WetterauSsichten für da» mittlere Norddeutschland bis Sonnabend mittag. Zeitweise heiter, aber sehr veränderlich. Im Norden zahlreiche, im Süden mehr oereinzelle Regensälle. Strichweise Gewitter. Temperaturen meist wenig verändert.___ Suchdruckerei u, BerlagSanjtalt Paul Singer St öo„ Berlin SW,