Ar. 199.-33. Jahrg. 1Idonnement5-keS1ngllngen! vionnemenls- Preis pränumerando Lierleljährd 3,90 Ml. monoü. 1,30 Ml, wöchemlich 30 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nununer h Pfg, Somuags- nurnmcr mil illuslriericr Sonnlags- Beilage»Die Neue Weli" 10 Pfg, Post- Hbonncmenl: 1,30 Marl pro M o n a I. Eingelragen in die Poil-Zeitungs- Preislifle, Unrer Kreuzband für Demichland und Oesterreich. Ungarn LchO Marl, für das übrige Ausland « Mark pro Monal, Poslabonuemcnls nehmen an Belgien. Täncmarh Holland, Jlalien, Luxcniburg, Porlugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. krlcheilil läglich. � 05>V * ♦ Vevlinev Volksblstk. ( 5 Pfennig) Die TnlertlonS'Gebdbr belrägi für die sechsgespaltenc Kolonel» seile oder deren Raum 60 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 80 Pig, „Meine Znreigen", das lctlgedruiklo Wort 20 Pfg, fzuläksig 2 setigedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlafsicllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Pfg, Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worie. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Zlelegramm-Adreste: .Sozialdcmoltrat Berlin". Zentralorgan der fostaldemokratifcben Partei Deutfcblands. Neüaktion: EL). 6$, Linöenstraße 3. Tsernivrecher: Amt Moristplast- Nr. 131 gv— 131 97. Sonnabend, den 33. Jnli 1916. Cxpeüttion: Sw. öS, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritiplagi, Nr. 131«0—13137. I Englanös Kriege und Englanös Staatsschuld. Von Ed. Bern st ein. II. Am Vorabend des Krieges mit dem revolutionären Frankreich 1792 ist die englische Staatsschuld auf 4% Milliarden gestiegen. Der jährliche Zinsendienst erfordert 299 Millionen Mark. Der Krieg mit dem revolutionären Frankreich, der söge- nannte erste Jakobinerkrieg, ward, als die Jakobiner gestürmt waren, fortgesetzt gegen das Direktorium, das Konsulat und> das Kaiserreich Frankreich. Fast ein Vierteljahrhundert dauerte es, bis es zu einem wirklichen Friedensschluß kam. Im Jahre 1816, ein Jahr nach der Schlacht von Waterloo, war der Stand der Staatsschuld Englands rund auf 17 Mil- liarden Mark und der Zinsendienst auf 649 Millionen Mark Jahresausgabe angewachsen. Das Finanzreform-Jahrbuch schreibt darüber: „Dieser furchtbare Krieg, der uns 831 Millionen Pfund Sterling loftete, war gänzlich unnötig und entsprang unserer Einmischung in Dinge, welche das französische Volk ganz gut selbst hätte besorgen könkien. Unsere gesetzgebenden Grundberren wußten jedoch sehr gut, daß, wenn sie nicht die Freiheit in Frankreich erdrückten, sie nicht hoffen konnten, ihre ungerechten Privilegien in Britannien aufrechtzuerhalten. Der Ruf nach Reform war bereits erhoben worden, und daher stürzten unsere Gesetzgeber in einen ungerechten Krieg mit dem französischen Volk und führten unter dem Vorwande nationaler Gefahr so strenge Zwangsgesetze für die Regierung Britanniens ein, daß selbst in Fällen, wo der Tatbestand erwiesen war, Ge- schworene sich weigerten, auf Grund ihrer Verurteilungen aus- zusprechen. Sie überluden das Volk mit Steuern, lehnten es aber ab, den ihnen zukommenden Anteil auf sich zu nehmen, ob- wohl ihre Pachteinnahmen unter der Wirkung der Kriegspreise mehrfach gestiegen waren. Sie liebten ihr Geburtsland im Grunde nur wegen der Bodenrente, die sie von ihm zogen, und als der Krieg zu Ende kam, hungerten sie das Volk durch Korn- zölle aus, die so angesetzt wurden, daß der Preis des Brotes — und folglich die von den Bauern zu zahlende Bodenpacht— auf dem Satz der Kriegszeit zu bleiben hatte."_, Immerhin wurden nach Beendigung der Napoleonischen Kriege ernsthafte Anläufe gemacht, die ungeheure Schulden- last abzutragen. Aber neue Kriege, von denen das Finanz- reform-Jahrbuch den 1838 bis 1843 spielenden Kampf zur Niederwerfung von Aufständischen in Kcmad-a, den 1849 bis 1843 spielenden ersten Krieg gegen China und die 1848 bis 1863 währenden Kriege in Südafrika gegen die rebellischen Kaffernstämme erwähnt, hemmten den Prozeß, so daß im Jahre 1854, am Vorabend bes Krimkrieges die englische Staatsschuld noch immer in runder Summe 794,7 Millionen Pfund Sterling oder 16,9 Milliarden Mark betrug. Vom Krimkrieg schreibt das Jahrbuch: „Dieser Krieg, der völlig unnütz war, und in den man me hätte sich einlassen sollen, kostete uns 70 Millionen Pfund, wo- von 34 Millionen der Schuld hinzugefügt wurden. Es darf nicht vergessen werden, daß das Volk ob des Krimkrieges ebenso begeistert war, wie es dies über den gegenwärtigen(1900/1301) in Südafrika geführten Krieg ist, und daß jeder, der seinen Ver- stand anzuwenden und zu sagen wagte, daß der Krieg unnötig sei, als unpatriotisch denunziert wurde. Jetzt aber wird uns von Lord Salisbury hinsichtlich des Krimkrieges erzählt, daß wir „unser Geld auf das falsche Pserd gesetzt" haben. Obwohl wir in der Zeit seit dem Abschluß des Krimkrieges bis zum Ausbruch der Feindseligkeiten in Südafrika keinen großen Krieg gehabt haben, hatten wir doch eine Fülle von„kleinen", die trotz ihrer Kleinheit kostspielig waren. Auch sind wir von periodischen Paniken heimgesucht worden, die unterschiedslos erhebliche AuS- gaben für, einige Jahre später von der Wissenschaft als nutzlos und veraltet gestempelte, Befestigungen oder Schiffe bedeuteten." Am Ende des Krimkrieges— 1856— war der Stand der englischen Staatsschuld 826 Millionen Pfund Sterling oder 16,5 Milliarden Mark. Da England nun vier Jahr- zehnte lang keinen großen Krieg katte, konnte trotz der kleinen Kriege diese Summe bis Ende 1899 auf 634 Millionen Pfund Sterling oder 122/� Milliarden Mark herunter gearbeitet werden. Eine im Verhältnis noch größere Ermäßigung erfuhr der Zinsendienst der Staatsschuld, nämlich von 25,63 Mill. auf 17,6 Mill. Pfund Sterling. Das heißt, während die Staats- schuld um nicht ganz den vierten Teil sich verringerte, ver- ringerte sich die Zinsenlast um nahezu den dritten Teil. Der Staat hatte einen geringeren Betrag zu verzinsen und konnte außerdem den Zinssatz herabsetzen. Da kam der Burenkrieg und änderte das Bild. „Zur Zeit, wo dies geschrieben wirb(Dezember 1900)," heißt es in dem uns vorliegenden Bande des Finanzreform-Jahr- buchs,„hat der Krieg in Südafrika 80 Millionen Pfund ge- kostet, wovon 54 Millionen auf die Staatsschuld geschrieben war- den sind. Fünfzehn Monate Krieg mit einigen vierzigtausend' holländischen Bauern haben somit 11 Jahre Arbeit an der Er-| Mäßigung der Staatsschuld zunichte gemacht. Es ist bsmerkens- wert, daß die großen Napoleonischen Kriege, während deren wir, entweder gegen ganz Europa standen oder einige europäische Na- 1 tionen mit Hilfe von Verbündeten bekriegten, denen wir große Subsidien zahlten, damit sie imstande seien, ihre Heere auszu- rüsten, 24 Jahre dauerten und jährlich gegen 35 Mill. Pfund koste- ten. Dieser Krieg kostet uns pro Jahr das doppelte. Die furcht- bare Verschleuderung, welche die Ausgaben für den Krieg zur Wirkung haben, kommt der Nation nicht zum Bewußtsein. � Wir borgen, wir vergessen aber, daß, selbst wenn auch die jetzige Generation nicht an das Zurückzahlen geht, doch, wie in der» „Jnvefters Review" vom 1. Dezember 1900 hervorgehoben wird, „eine Million zu 3 Proz. geborgtes Geld für Zinsen allein den ganzen Verdienst von 000 Mann hinwegnimmt, die zu 1 Pfund die Woche arbeiten, der Verkürzung des Einkommens von über 11 500 Arbeitern um 1 Schilling die Woche entspricht und daß die Steigerung der Nationalschuld um fünfzigmal eine Million das Einkommen von 600 000 Arbeitern in gleichem Maße be- rührt." Was würde uns ein europäischer Krieg kosten? Und doch sprechen manche Leute leich- ten Sinnes von einem folchen." Das war Ende 1999 geschrieben, lange bevor der Buren- krieg sein Ende fand. Im ganzen kostete dieser, einschließlich des englischen Anteils an der gleichzeitig erfolgten China- Expedition der europäischen Großmächte England über 3 Milliarden Mark oder 162 Millionen Pfund Sterling. Die Nationalschuld, die am Ende des Geschäftsjahres 1899/1999 auf 628 Millionen Pfund Sterling gesunken war, war trotz fortlaufender Tilgungszahlungen am Ende 1993/1994 wieder auf 779 Millionen Pfund Sterling gekommen. Im erst- genannten Jahr hatte der Kurs der englischen konsolidierten Staatsschuld noch al pari notiert, d. h. für 199 Pfund Nenn- wert wurden 199 Pfund bezahlt, am letztgenannten Termin aber war er nur noch 8814. Es hat dann eine ziemlich starke Abtragung der Schuld eingesetzt. Die 1996 ans Ruder ge- langte liberale Regierung hat sie in sieben Jahren um 199 Millionen Pfund oder 2 Milliarden Mark vermindert, so daß am Ende des Geschäftsjahres 1913/14 der Stand wieder auf 661,5 Millionen Pfund herabgedrückt war. Aber in- zwischen ist der Weltkrieg, von dem„manche Leute leichten Sinnes sprachen", wirklich gekommen, und die Schuldenlast, mit der er abschließen wird, wird alles hinter sich lassen, was die ärgsten Pessimisten befürchtet hatten. Wie aber wird die Geschichte über ihn urteilen? Noch einmal, nicht Sozialisten, bürgerliche Reformer sind es, deren Urteil über Englands frühere Kriege in Obigen zitiert wird. Sicher beansprucht es nicht historische Objektivität, es betont die Sünden der heimischen Staatslenker und schweigt von denen der jeweiligen Gegenseite. Indes der Zweck der Zusammenstellung ist auch nicht, einen Abriß aus der Weltgeschichte zu liefern, sondern einen ganz bestimmten Zu- fammenhang aufzudecken und die Leser zum Nachdenken über ihn zu veranlassen. So weit, so gut. Aber bis jetzt ist die Mehrzahl der. Menschen immer erst hinterher für das Nach- denken gewesen._ Georg öranöes über öen Irieöen. Die„Neutrale Konferenz" in Stockholm hat Georg Brandes gebeten, ihr eine Kundgebung zur Verfügung zu stellen, die sich weniger mit den Möglichkeiten eines zukünftigen Friedens befaßt, sondern vielmehr an die Verantwortlichkeit aller Kriegführenden appelliert, dem entsetzlichen Kampf, der mit jedem Tag seiner Ver- längerung den Friedensschluß nur erschwere, ein Ende zu machen. Der Aufruf ist jetzt in der„Züricher Post" abgedruckt. Wir geben im folgenden einen Auszug daraus wieder. Brandes meint, daß es einem Neutralen unmöglich sein müsse, den Haß, der die Welt durchseuche, zu teilen. Er könne die Völker verstehen, die alle behaupten, daß der Krieg für sie ein Akt der Notwehr war. „Alle betrachten sich als Neberfallene. alle kämpfen für ihre Existenz. Wenn aber keiner von ihnen den Krieg gewünscht hat, so sollten sie das Licht ihrer Friedensliebe, die sie von Anfang an genährt haben und jetzt noch zu nähren erklären, nicht länger unter den Scheffel stellen. Die Zentralmächte erklären, daß sie den Frieden wollen. Nur erfahren wir nicht, was sie dafür opfern wollen, um zum Frieden zu gelangen. Sie wollen ihre Feinde so niederschmettern, daß ein dauernder Friede geschlossen werden kann. Auch die Alliierten wollen die Feinde zerschmettern, bevor der Friede geschlossen wird. Sie formulieren ihr Kriegsziel gewöhnlich so, daß nicht die Zentralmächte, sondern nür deren Militarismus vernichtet werden soll. Aber man kann dem Stachelschwein nicht wohl seine Stacheln ausreißen, ohne dem Stachelschwein selbst weh zu tun. Und während des Krieges selbst ist es klar geworden, daß, je länger der Krieg dauert, desto kürzer der künftige Friede sein wird.... In den kriegführenden Ländern suchen die Heere natürlich zunächst und in erster Linie den Sieg; aber noch stärker ist ihr Verlangen nach Frieden._ In den neutralen Ländern fühlt sich die öffentliche Meinung nicht berechtigt, für den Frieden einzutreten. Sie steht hier meist auf dem Nätherinnenstandpunkt, es mit der einen oder anderen der streitenden Parteien zu halten, und vergißt darob, das Gewicht ihrer Meinung auf die Wagschale des Friedens zu werfen. Unter den neutralen Mächten hat die eine größere Bedeutung als alle anderen zusammen. Diese Macht ist jedoch nicht aufrichtig und ernsthaft neutral. Washington hatte eine andere Auffassung der Neutralität als Wilson. Obgleich Frankreich während des Unabhängigkeitskrieges den Freistaaten kräftig Beistand geleistet, verbot er im Kriege zwischen Frankreich und England auf das strengste und unter Gefängnisstrafe die Ausfuhr, von Waffen und Munition an irgendeine der kämpfenden Parteien. Hätte Wilson wie Washington gehandelt, so wäre der Krieg nun zu Ende. Ziehen es die amerikanischen Freistaaten vor, aus diesem Kriege materiellen Vorteil zu ziehen, statt ihren Einfluß geltend zu machen, um Friedensverhandlungen herbeizuführen? Gibt es denn niemand mehr, der für Frieden wäre— vom gesunden Menschenverstand und unverdorbenem menschlichen Fühlen allenfalls abgesehen? Dem Schrei nach dem Frieden, der sich bald einmal in allen. Staaten erheben wird, bezeichnet man als Feigkeit. Aber wenn. die Menschen schweigen, so werden die Steine schreien. Die Steine der Ruinen nach Frieden, nicht nach Revanche. Und wenn die Steine schweigen, so werden die Becker und Wiesen, die Wälder und Sümpfe, vom Blute triefend, mit Leichen gedüngt, zum Himmel schreien.... Was auch geschehen mag, welche Schlachten auch gewonnen oder verloren werden, welche wertvollen Schiffe auch versenkt und welche Luftschiffe niedergeschossen werden mögen, wieviele Sol- daten auch getötet oder verwundet oder gefangen werden, das eine ist sicher, daß alles schließlich mit einem Waffenstillstand und mit Friedensverhandlungen enden muß. Warum sollten da diese Unterhandlungen nicht jetzt schon be- ginnen? Es sieht gar nicht danach aus, als ob jetzt noch irgend- etwas zu gewinnen wäre, als weiteres Blutvergießen bis aufs äußerste. Der Friede ist die Sybille, deren Bücher, d. h. deren Schätze man kaufen muß, Schätze, die aber mit jedem Tag, der dahingeht, abnehmen Und doch im Preise steigen. Beide Gruppen wollen durchhalten bis zum„bittern Ende" und mit jedem Tag wird es bitterer. Was man mit dem Beginn der Friedensverhandlungen gewinnen kann, das verliert man hundertfach mit der Verlängerung des Krieges. Es ist, als ob keine andere Erledigung menschlicher Streitig- keiten und menschlichen Wettkampfes möglich wäre als die durch Minen und Granaten. Wie wird die Zukunft urteilen? Daß es in unfern Tagen in ganz Europa keinen einzigen wirklichen Staatsmann gab. Zwei große Staatsmänner hätten den Krieg verhindert, ein einzelner hätte ihn vor Schluß des ersten Jahres zu Ende gebracht. So aber entzogen die Generäle den Staatsmännern die Macht... Der Krieg sollte ohne allzuharte Demütigung irgendeiner der kämpfenden Mächte abgeschlossen werden. Sonst werden die Ge- demütigten auf einen weiteren Krieg sinnen. Und man sollte auch daran denken, daß die Demütigung, die man den Feinden zufügt, keines der vorlorenen Menschenleben zurückbringt. Jedes Menschenleben hat seinen Wert, wenn auch nicht alle Menschen gleichbedeutend sind. Es ist kein großer Trost, wenn wir tausend Mann, der Feind aber zehntausend verlor. Niemand weiß, ob unter diesen Tausend nicht derjenige mitgefallen ist, der der Stolz seines Landes und ein Wohltäter für die Menschheit, für alle Zeiten geworden wäre. Es kann ein Shakespeare oder ein Newton, ein Kant oder Goethe, ein Moliere oder Pasteur, ein Kopernikus oder Rubens, ein Tolstoi unter den hunderttausend zwanzigjährigen Engländern, Deutschen, Franzosen, Polen, Bel- giern, Russen gewesen sein, der gefallen ist. Was bedeutet die Versetzung eines Grenzpfahls, der Gewinnst ist ein einstweiliger. Der Verlust ein unersetzlicher. Der Gewinn ist der eines einzelnen Staates, der Verlust ist der der Menschheit. Jedermann sieht, wie unter dem Einfluß des Krieges das Ver- mögen der Menschheit schwindet, und zwar derart, daß zuletzt keiner die Kriegskosten wird bezahlen können. Aber der Verlust an Menschenwerten, die schlimmste Verarmung, wird nicht mit ein- gerechnet. Was wir mit erleben, bedeutet die Vernichtung der Vorstellung — durch die weiße Rasse selbst!— von unserer Ueberlegenheit über die schwarze, braune und gelbe Rasse. Man hat deren Hilfe in An- sprach genommen, man hat sie dafür gepriesen, daß sie Weiße niederschlugen. Wie sollte sich dies nicht rächen müssen!"(r) Zum rusiisch-japanisthen Abkommen. Die veröffentlichten Artikel des russisch-japanischen Bündnis- Vertrages vom 3. Juli, deren Fassung nur in allgemeinen Zügen bekanntgegeben wurde, haben folgenden Wortlaut: „Die Kaiserliche Regierung von Japan und die Kaiserliche Regierung von Rußland beschließen, ihre Bemühungen für die Erhaltung eines dauerhaften Friedens im fernen Osten fori- zusetzen und haben ein Einverständnis über folgendes herbei- geführt: Art. 1. Japan wird an keiner politischen Uebereinkunft oder Kombination teilnehmen, die gegen Rußland gerichtet ist. Ruß- land wird an keiner politischen Uebereinkunft oder Kömbina- tion teilnehmen, die gegen Japan gerichtet ist. Art. 2. Wenn die territorialen Rechte und besonderen Rechte im fernen Osten der einen kontrahierenden Partei, die von der anderen kontrahierenden Partei anerkannt worden sind, bedroht werden, so werden Japan und Rußland sich über die Maßnahmen beraten, die im Hinblick auf die gegenseitige Un- terstützung und Kooperation zum Schutze und zur Verteidigung dieser Rechte und Interessen getroffen werden müssen." Außer diesem Abkommen, das, wie wir wiederholen, außer dem veröffentlichten Teil nach einen vorläufig geheim gehaltenen enthält, wurde von den Vertretern beider Staaten ein russisch- japanisches Protokoll unterschrieben, nachdem es zuvor einer besonderen Sitzung des japanischen Genro(Rat der Aeltesten) zur Begutachtung vorgelegt wurde. Der Text dieses Protokolls lautet nach einem Tokioter Telegramm des„Rußkoje Slowo" folgender- maßen: 1. Die vertragschließenden Mächte handeln gemeinsam zur Verteidigung ihrer Sonderinteressen in China und Sibirien, falls eine dritte Macht versucht, diese Interessen zu verletzen. 2. Die Untertanen der vertragschließenden Mächte genießen völlige Freiheit, zu wohnen und Geschäfte und Unter- nehmungen zu betreiben in Sibirien und der japanischen und russischen Einflußsphäre in der Mongolei und Man- d s ch u r e i. 3. Die Schiffahrt auf dem Sungari, die ein Vor- recht der Russen ist, wird in gleicher Weise für die Japaner frei- gegeben. Ein Zusatz bestimmt die Uebergabe des Abschnitts der oft- chinesischen Bahn zwischen dem Sungari und Kwan- tschöng-tsu an Japan. Diese Meldung enchält also im wesentlichen eine Bestätigung der von uns wiodergegebenen Mitteilung des japanischen Blattes „Darren", wobei nur die Regelung der mandschurischen Bahnfrage präziser formuliert wird. Wenn die oben wiedergegebene Fassung zutrifft, wird nur eine relativ kleine Teilstrecke der ostchinesischer'. Bahn— von Sungari bis Kwangtschöngtsu— an Japan abgetreten, während die Strecke von Sungari bis Charbin in rufst- schen Händen bleibt. Diese letzte Tatsache mutz besonders unte:.- strichen werden, weil dadurch alle an die angebliche Beherrschung der Bahn über Charbin nach Wladiwostok durch die Japaner ge» knüpften Folgerungen hinfällig werden. Der französische Tagesbericht. Paris, 21. Juli. fW. T. B.) Amtlicher B e r i ch t d 0 n Donnerstag nachmittag. Beiderseits der Somme griff die französische Infanterie am Morgen die deutschen Stellungen an und inachle dabei merkliche Fortschrille. Nördlich der Somme nahmen die Franzosen die deutschen Gräben vom Hügel von Horde- court an und rückten auf der Linie östlich von Hardccourt längs der Eisenbahn von Combles nach Clory merklich vor. An dieser Stelle des Schlachtfeldes machten die Franzosen bis jetzt 4vi) Gefangene. Südlich der Somme ist die ganze erste deutsche Grabenlinie zwischen Barleux und Soyecvurt in die Gewalt der Franzosen gekommen. In der Champagne drangen die Franzosen in einen deutschen Graben nordöstlich von Auberive ein und brachten Gefangene zurück. In den Argonncn versuchten die Deutschen gestern abend gegen 7 Ubr einen Handstreich auf einen kleinen Posten am vorspringenden Winkel von Volonte. Sie wurden aber nach lebhastcn Handgranatenkämpsen zurück- geworfen. Auf dem linlen Maasufer dauert die Beschießung in der Gegend von Avocourt und Chattancourt und der Handgranaten- kämpf auf dem Nordosibange der Höhe 304 an. Auf dem rechten Maasuser machten die Franzosen im Laufe der Nacht westlich des Werkes von Thiaumont und südlich von Fleury Fortschritte. Ein befestigtes und hartnäckig verteidigtes Werk wurde angegriffen und von den französischen Truppen genommen. Mehrere Ossiziere und hundert Mann wurden beim Sturm gefangengenommen. Flugdienst: Im Sommegebiet wurde gestern nachmittag ein deutsches Flugzeug östlich von Peronne abgeschossen. Ein anderes deutsches Flugzeug zerschellte auf der Erde in der Nähe von Gre- neilly bei Verdun. Paris, 21. Juli.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von Donnerstag abend: Nördlich der Somme befestigten wir die heule vormittag eroberten Stellungen. Südlich der Somme dehnten wir im Laufe des Nachmittags unsere Angriffsfront aus und nahmen die erste deutsche Stellung von EsträeS bis zur Höhe von Vermond- Ovillers vollständig. Im Laufe der Kämpfe während des Tages machten wir auf beiden Ufern ungefähr 2900 Gefangene, darunter 30 Offiziere. Drei Geschütze, etwa 30 Maschinengewehre und be- deutendes Material blieben gleichfalls in unseren Händen. Auf dem rechten Ufer der Maas setzten wir unser Borrücken im Handgranaten- kämpf westlich des Werkes Thiaumont fort. Die Gesamtzahl der von UNS heute vormittag im Abschnitt von Fleury gemachten Ge- fangcnen beträgt 300, darunter 8 Offiziere. Flugwesen: Unsere zum Bombenwerfen bestimmten Flieger fühlten in der Nacht vom 19. zum 20. Juli zahlreiche Unternehmungen aus. Die Bahnhöfe don Thonville, Montmedy und Brieulles und Biwaks bei AzanncS(in der Gegend von Aniicns) erhielten zahlreiche Geschosse. Ebenso warf ein anderer Flieger acht Granale» schweren Kalibers auf die militärischen Anlagen von Lörrach(nordöstlich von Basel). Belgischer Bericht: Im Laufe des 20. entwickelten sich an verschiedenen Punkten der belgischen Front Artilleriekänrpfe be- sonderS in der Gegend von Dixmude und weiter südlich. D!e englische Melöung. London, 20. Juli.(W.T.B.) A m t li ch e r B e r i ch t. Nördlich der Linie Bazentin— Longueval drangen wir trotz hartnäckigen Widerstandes um etwa 1000 Uards vor. Die schweren Kämpfe halten an den nördlichen Ausläufern deS Dorfes Longueval und des Waldes von Delville an. An dem Nest der Hauptschlachtfront ist die Lage unverändert. Unsere Flugzeuge haben gestern mit grotzem Erfolge viele Tonnen Explosivstoffe Tag und Nacht auf Eisenbahnknotenpunkte, Flugplätze und andere wich- tige Punkte abgeworfen. Ein feindliches Flugzeug wurde zerstört und mehrere andere beschädigt und zum Niedergehen gezwungen. Von unseren Flugzeugen sind seit 10. Juli vier nicht zurückgekehrt. London, 20. Juli. puiend« StQoko vorrätig. lang. Billige Preise!!! Allgemeine Ortskrankenkafse Berlin-Pankow. Die ansterordentliche Ausschußsitzung findet am Montag, den ZI. Jnli 1916, abends 8 Uhr, im Restaurant von Boczycht, Kreuzstr. 3/4, statt. Tagesordnung: 1. Verlesung deS Protokolls der letzten Sitzung. 2. Beschlußfassung über die Dienst- ordnung sür die Angestellten der Kasse. 3. Verschiedene Kassenangelegcn- Helten. Die Herren Vertreter der Arbeit- geber und der Versicherten werden hierzu höflichst eingeladen. Ein Aus- weis wird denselben noch zugesandt werden. 269/17 Bcrlin-Pankow. den 21. Juli 1916. Otto Ristmaun, Vorsitzender. MTta Inprftarsferte Melden- üttotel, federleicht entzückende Formen, bleo,(rfla, top,»ot, lila. Cilocken schnitte 78,- 58.- 48,- 36,- 29* Schwarze Taff et- Jacken, für jeden Hock passend 20,— Eollenne- Mäntel für stärkste flgsaren 70,- 45,- 28,— Modell- dexasatwiRatel nstt Keppe, Glockensehciitte, reizende Aasffihrongee, blau, Krün, feldgrau, alle F*rbea 39.— SU,- 25»/, 18,- Iznprfiffmerte Staabm&ntd 20,— 15,— Lodenmäntel mit Kapp« 81— 26,— Herren gamzn im äntel, eile Größen 88.- 23,- 21£ Kontttme, MV. 18,- •Lö' Zigaretten direkt ab Fabrik —■völlig versteuert� A.l,8Pf.lOOSt. 1.30m. G.-u.o.M. B.3 B 100, 1.90„,,„, C.4,2„ 100„ 2,40 m. G-oldmst. D.6,2, 100, 3.75. Garant, frische u. gute Ware. Bei Abnahme v. 3500 sortiert 2°l0 Rabatt. Versandnur geg. Nachn. Ins Feld nur geg. V oreinsend. Bei l-Pfd.-Patet. 30 Pf. f. Porto u.Verpack.extra Zigarettenfb. Wiih. Schnur Berlin 1.88, Chausseestr. 88. Tel.: Norden 11766. 1 nur Werktags v. Geöffnet ■6 Uhr.*| Spezialarzt Dr. med. WockenfuB, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), fDr Syphilis. Harn- u. 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Die Bilanz nebst Gewinn- und Veriustrechnung sind in unserer Ge- schästsstelle in Bohnsdorf in den Kassenstunden von 9—11, DonnerS- tags von 5—8 Uhr nachmittags ein- zusehen. Der Vorstimd: Q. Dorner. P. Schitlke. F. Hoppe.___ Bercmtw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Jnftvatenteil verantw. Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtSBuÄdr.u. Veriagsanstalt kaulSinger äi Co� Bertin ZW. Hierzu 2 Beilagen«. Unterhaltungsttt. «ss Sunt, Said«. Tuch, Kammgarn,' auch neueste Herbstmodolle, Sohöpfongen erster Meister. 200,- 150,- 120. 90.- 68. Teeoht Kostüme aus Loden, Kammgarn, Krätuel- Stoffen, wunderTolle Aasführaogen 60,— 42,— 36,— 28.— 18� Billige Preise! 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Graf Reventlow bemüht sich zwar, in der„Deutschen Tageszeitung" nachzuweisen, daß ein gruirdsätzlicher Gegensatz zwischen „Vorschiebung der Grenzen" und„realen Garantien" nicht bestehe. Aber gleichzeitig wendet er sich dagegen, daß„der sogenannte Nationalausschutz mit irreführenden, sehr bedenk- liehen Schlagworten arbeite", und er fordert den„National- ausschutz" auf, lieber erst zu sagen, was dieser unter„realer Garantie im Westen" verstehe. Was Graf Reventlow selbst unter„realer Garantie" meint, deutet er an der Geschichte Bosniens und der Herzegowina an. Beide Gebiete habe Oesterreich-Ungarn zunächst als„Okkupationsgebiete" be- festen und nach 30 Jahren bei passender Gelegenheit„unbe- kümmert um irgendwelche Nebenrücksichten und ohne Rück- ficht auf europäische Entrüstung" die staatsrechtliche Ängliede- rung beider Gebiete vollzogen. Dieser Vergleich ist ja für das Kriegsziel des Herrn Grafen in bezug auf den Westen deutlich genug. Trotzdem beeilt er sich hinzuzufügen, daß auch das Umgekehrte wünschenswert sein könne:„daß näm- lich die Forderung der Realität der Garantie sofortige Angliederung auch im staatsrechtlichen Sinne verlangt". Im übrigen bemüht sich merkwürdigerweise die recht?- stehende Presse nachzuweisen, daß sie nicht zu den„extremen" Annexionisten gehört. Sowohl die„Deutsche Tageszeitung� als die„Tägliche Rundschau" verwahren sich dagegen, daß es überhaupt„wilde Annexionisten" gebe. Die„Deutsche Tages zeitung" betont dabei, daß die einzelnen Kriegszielforde rimgen überhaupt nicht Zweck, sondern Mittel zum Zwecke feien. Sie fchreibt: „Auch Herr Dr. Julius Bachem degeht den grundlegenden Irrtum: bei dem Verlangen nach größerer Klarheit über die Kriegsziele Zweck und Mittel zu verwechseln, wenn er fragt, was es den Rüsten genützt habe, daß sie Konstantinopel, oder den Italienern, daß sie Trient und Trieft, oder den Fran- zosen, daß sie Elsaß-Lothringen als ihr Kriegs ziel auf- stellten, so sind wir allerdings der Meinung, daß namentlich für Frankreich und Italien die Aufstellung dieser Kriegsziele von einer entscheidenden moralischen Bedeutung für die Aufrecht- rrhaltung des KricgswillcnS und allen Vertrauens und Höffens ist. Aber auch das führt vom Kern der Sache ab. Dieser liegt nicht in der Aufstellung einzelner Kriegsziele, sondern einzig und allein im Handeln nach dem entscheidenden Ziel. Die Worte des Reichskanzlers vom 5. April 1916 sind gewiß gut und schön; aber es sind Wort«, die alles sagen können, schließlich aber auch— nichts____ Es handelt sich tatsächlich um eine Festlegung bestimmter Ziele nur als Mittel zum Zweck: die Notwendigkeit festzulegen und den Entschluß zu finden, mit aller Kraft und allen Mitteln um das eine große Ziel zu kämpfen: den Sieg. Um das eine Ziel, alle Kriegsmittel uneingeschränkt an- zuwenden, damit in absehbarer Zeit und ohne unabsehbare Opfer dieser Krieg für uns und unsere Zukunft gewonnen wird" Auch die„Germans a", das Zentrumsblatt, deutet an, daß die„mittlere Linie", die der„Nationalausfchuß" verfolgt, mit Rücksicht auf die Wirkung im In- und Auslände nicht immer ganz angebracht fei. Sie schreibt: »Daß man diese Politik der mittleren Linie aber in jedem Falle mit Recht wählen könne, daß sie vor allem auch auf die Fragen der großen internationalen Politik, die uns in den Kriegszielen zu lösen sein werden, ohne weiteres übertragen müsse,, soll damit keineswegs gesagt sein." Im übrigen vermeidet das Zentrumsblatt, sich irgendwie Nach rechts festzulegen, es kündigt vielmehr an,_ daß das Zentrum der Regierung und dem offiziösen„Nationalausschuß" folgen werde: „Im innerpolitischcn StaatSIeben muß die goldene M i t t e l st r a ß e fast in den meisten Fragen gesucht und be- treten werden, die S t a a t s r e g i e r u n g vor allem ist auf sie immer wieder angewiesen, um den Ausgleich zwischen einander widerstreitenden Interessen zu finden, und auch unsere Par- teifreunde, die Zentrumsfraktionen in den Par- iamenten, haben sie gern als die gangbarste gesucht und zum Wohle des Vaterlandes verfolgt." Auch Herr Dr. Julius Bachem hat bereits am Don- nerstag im„Tag" die Kriegszielpolitik des Kanzlers verteidigt. In der gleichen Zeitung tritt Profestor Hans Del- brück, der Herausgeber der„Preußischen Fahrbücher", für reale Garantien nach dem Westen, aber Vorschiebung der Grenzen nach Osten ein. Während die rechtsstehende Preste gegen den National- ausschutz polemisiert, wenden sich die„gemäßigten" Annexio- nisten gegen Forderungen, die der Zentrumsabgeordnete im bayerischen Landtag. Dr. Schlittenbauer, jüngst in einer Münchener Versammlung aufgestellt hat. Schlitten- bauer hatte England als ärgsten Feind bezeichnet und die rücksichtslose Anwendung aller Kriegsinittel gefordert. In einer Zuschrift an den„Berliner Lok a lanzeige r" wird nun die Regierung gegen die Schlittenbauerschen Vor- würfe verteidigt: „Der Vorwurf hört sich an wie eine naive Unterstellung, als besäße man ein Arkanum, England auf den Grund zu zwingen, wende es aber in unbegreiflicher Verblendung nicht an. Alte, nach ehrlicher Auseinandersetzung als begraben vermeinte Vor- urteile steigen wieder auf, wie das Wort von der„rücksichtslosen Anwendung aller uns gegen England zur Verfügung stehenden Waffen" ersehen läßt.„Am allerwenigsten", meinte Schlitten- vauer,„haben die Bauern, bei ihrer Wut gegen Amerika, die Einstellung des U-Bootkrieges verstanden." Es ist wahrlich nicht notig, darauf hinzuweisen, daß auch der gesündeste Volkssinn nicht die Spürung besitzt, zu unterscheiden, ob Kriegsmaßnahmen angebracht oder schädlich, politisch und militärisch erfolgverheißend oder unwirksam sind.... Neben dem Willen, den Gegner zu treffen, in dessen Be- Wertung wir wohl alle eins sind, heißt es aber auch, Mittel zu besehen, und wehe dem Fechter, dessen Ausfall nur von dem Wut- gefühl, nicht von der Kunst geleitet wird, die mit der Deckung und den Mitteln des Gegners rechnet!" Im Anschluß baron verweist die Zuschrift mif B! s- in a r ck, der 1870, um der Einmischung Englands zu cnt- gehen, auf rasches Zustandekommen des Vorfriedens drängte und sogar die Forderung Beiforts fallen ließ. Dieser Hin- weis ruft natürlich wieder in der konservativen und national- liberalen Presse entrüstete Entgegnungen zur Verteidigung Bismarcks hervor. Und wenn die„Kreuz-Zeitugn" polemisch gegen den„Lokalanzeiger" schreibt, daß es erstaunlich sei, „was sich der t o t e B i s m a r ck" alles gefallen lasten müsse", so giebt sie selbst eine Bestätigung dieses Satzes, indem sie behauptet, Bismarck wäre von vornherein auch für die wirksamste Verwendung der U-Bootwaffe eingetreten! Die Forderung nach rücksichtsloser Anwendung dieses Kriegsmittels ist ja der Refrain, der bei all diesen Debatten immer wiederkehrt. Zur Abrundung des ganzen Bildes wollen wir noch hin- zufügen, daß die„D e u t s ch e T a g e s z e i t u n g" gegen den Vorwurf der„Kanzlerstürzerci" von neuem erklärt:„Wieder- holt haben die führenden Männer in unserem Lager erklärt, daß, wenn der Kanzler die nach ihrer Ueberzeugung nötigen Schritte tut, niemand unbedingter hinter ihm stehen wird, als sie." Deutlicher kann man nun wirklich nicht sagen, daß die Konservativen den Kanzler gern scheiden sehen. politische Ueberflcht. Zum Kapitel„Burgfrieden in Baden". DaS führende Organ der badischen Zentrumspartei bekämpft den Kolb'schcn.Volksfreund" wegen der»Tendenziösen Vor« würfe" von sozialdemokratischer Seite gegen da? christliche Zentrum. Die Bezeichnung.ultramontan" wird als Beleidigung zurückgewiesen und der Ton des.Volksfreund" als ein unerträglicher, seine Vor« würfe gegen die ländliche Bevölkerung als erbitternd und leichtfertig bezeichuet. Dann wird dem.Volkssreund' der Fehdehandschuh hin- geworfen mit den Worten:»Es ist unmöglich, bei solcher fortgesetzt wahllos beschuldigenden Angriffslust von der anderen Seite, auf den.Burgfrieden" Rücksicht zu nehmen. Es gibt anscheinend auch auf Redaktionen immer noch Leute, die im Krieg nichts gelernt haben." Und um den Karlsruher Virtuosen im sozialdemokratischen Umlernen auf seinem Gange zur Er- kenntnis der Neuorientierung einige Schritte weiter voran zu bringen, liest das Zentrumsblatt»Bad. Beobachter" dem an dem Egoismus der Bauern nörgelnden Kolb ein Kapitel aus dem Evangelium des vom.Volksfreund" so hochverehrten Freundes C a l w e r vor, welcher als»sozialistischer Wirtschaftspolitiker hohe Preise für die Produkte der Landwirtschast ohne Beschränkung durch Höchstpreise für die einzig richtige Preispolitik in einem Kriege, der uns die Zufuhr abschneidet", bält, um so den Anreiz zum Bau der Lebensmittel zu geben.— Der Abg. Kolb ist Mitglied des vom Ministerium eingesetzten Wohlfahrtsausschusses zur Volksernährung der bisher mit schwachem Erfolg gegen die nach Calwer praktizierte Politik angekämpft hat. DaS neueste burgfriedliche Bild ist die kampfgemeinschafllich« Verbrüderung Dr. Lensch-Kolb, die bereits zu einer rührenden Abwehr des Stampferschen Tadels an.Glück und Ende' geführt hat. Wie�S gemacht wird. Das»Berliner Tageblatt" erhält au? München folgende Zuschrift: »Unter dem unverfänglich klingenden Titel»Die Landwirtschast und der Krieg' hielt in der letzten Woche der auf dem agrarischen Flügel deS Zentrums stehende Abg. Schlittenbauer in einer von nationalen Männern verschiedenerRichtungen berufenen öffentlichen Versammlung in München eine Rede; verfolgte sie doch keinen anderen Zweck, als unter geschickter AuSnützung volkstümlicher, zw weilen auch partikularistischer Stimmungen das Vertrauen zu dem angeblich zu englandfreundlichen Reichskanzler zu erschüttern und die kaum beruhigten Gemüter aufs neue für den r ü ck si ch tslosen Unterseebootskrieg und starke Kriegsziele nach Ost und West zu erhitzen. Den Vorwond für dieses Vorgehen mußte eine angeblich wachsende mißmutige Stimmung abgeben, die der Redner bei seinen Fahrten aufs Land bei der bäuerlichen Be> völkerunz wahrgenommen haben will; deshalb/ erklärte er, müffe ein förmlicher Feldzug unternommen werden, um da? Landvolk zum Durchhalten zu begeistern Wie wenig wählerisch in ihren Mitteln die Veranstalter dieser Versammlung vorgingen, zeigt die Art, wie man in einer jeden Widerspruch ausschließenden Weise ohne Ab st i m m u n g eine Kundgebung zustande bracht«, mit der sicher ein großer Teil der Anwesenden keineswegs einverstanden war. Eine Entschließung für rücksichtslose Anwendung aller KrtegSmittel gegen England kleidete man in Form von HuldigungStele- grammen an den König von Bayern und an den Kaiser unt> er- klärte sie rasch als von der Versammlung gebilligt, als ein Teil der Zuhörer klatschte, während die Gegner achtungsvoll schwiegen, schweigen mutzten, wenn sie sich nicht der Miß- deutung aussetzen wollten, als wollten sie dem Kaiser und dem König die beantragte Ehrung verweigern. Gegen solch« Entstellung der öffentlichen Meinung ist schärfster Widerspruch am Platze."_ Exzellenz Spahn. Dem Vorsitzenden der Zentrumsfraktion deS Reichstages, Wirkl. Geh, Oberjustizrat Dr. Spahn, Oberlandesgerichtspräsident in Frankfurt a. M.. ist. wie die.Germania" mitteilt, der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz der- liehen worden._ Ein neues Polenblatt. Am 1v. August wird zum ersten Male eine neue, große, politische polnische Zeitung erscheinen— zweimal täglich— unter dem Titel.Gazeta Narodowa(.Nationalzeitung"). Das Betriebskapital beträgt zwei Millionen Mark. Als Gründer des neuen Blattes werden u. a. genannt: Dr. v. Jockowski(Wronczyn), Graf Kwilecki, WladislauS v. Koscielski kein Sohn des verstorbenen HemnhauSmitgliedeS), v. Turno(Objezierze), v. Koczorowski. Das tägliche örot. Batocki warnt vor übertriebenen Hoffnungen. Der Präsident des Kriegsernährungsamts Herr v. Batocki hielt bei seinem Besuch in Stuttgart eine Sitzung ab, die der Staatsminister des Innern, Dr. v. Fleischhauer, leitete. Der Minister sprach sich zum Beralungsgegenstand u. a.� wie folgt aus: „Die Bevölkerung Württembergs leidet nicht weniger als andere Teile des Reichs unter den Schwierigleiten, welche die Absperrung der Grenzen der Volksernährung bereitet. Unser Land, für gewisse wichtige Nahrungsmittel Erzeugungsgebiet, ist bei anderen, nichl weniger wichtigen, auf die Einsuhr angewiesen. Wenn es trotzdem gelungen ist, einigermaßen erträgliche Zustände zu schaffen, so werden wir dies auf die bei uns eingeführte Art der Verbrauchsregelung zurückführen dürfen, die durch Zusammenfassung von Bedarfs- und Ueberschußgebieten zu einem einheitlichen Wirtschastsverband einen zweckentsprechenden Ausgleich herbeizuführen bestrebt ist. Die be- stehenden Organisationen soviel möglich ausrechtzucrhaltcn, ist daher der überwiegende Wunsch des Landes." Präsident v. B a t o c! i antwortete: Bei der anzustrebenden allgemeinen Rationierung sollten bewährte Einrichtungen, soweit möglich, erhalten bleiben. Wo durch einzelstaatliche Maßnahmen eine Schädigung von Nachbarbczirken zu besorgen sei, müsse durch freiwillige Verhandlungen ein Ausgleich gesucht werden. Bezüglich reichlicherer Zuteilung, insbesondere von Fleisch, Fett, Eiern, Zucker und Saccharin, dürfe man sich keinen zu großen Erwartungen hin- geben, bezüglich der Kartoffeln aber glaubt das Kriegsernährungs« amt aufs sorgfälligste die Maßnahmen getroffen zu haben, die eine Wiederkehr der vorjährigen Mißstände unmöglich machen werden. Lieblmgsgewohnbeilen einzelner Reichsteile hinsichtlich der Küche und bevorzugter Speisen müssen hinter dem wichtigeren Gesichtspunkt einheitlicher Verteilung zurücktreten. Aber auch der Wunsch nach niederen Preisen müsse gegenüber dem überragenden Er« fordernis der Sichersiellung der Versorgung hintan stehen. Warnung vor Preistreibereien. Bei dem Ankauf von Männerhandschuhen(Finger- und Faust- Handschuhen) sowie Socken durch die Heeresverwaltung hat sich ge- zeigt, daß durch Kettenhandel ungerechtfertigte Preisforderungen gestellt werden. Eine derartige Preistreiberei ist nach der Bekannt- machung des Bundesrats vom 23. Juli ISIS strafbar. Die Heeresverwaltung wird für energische Verfolgung dieses Gebarens sorgen und ferner erwägen, ob nicht zwecks völliger Unterbindung des Kettenhandels die Beschlagnahme auf derartige Waren, die bisher durch die Bekanntmachung nicht erfaßt sind, auszudehnen ist. Die beteiligten Kreise seien daher hierdurch nochmals eindringlichst ge- warnt.(W. T. B.) Regelung der Butterversorgung. Eine Bekanntmachung des Bundesrats vom 20. Juli 1916 regelt die Versorgung der Bevölkerung mit Speiseseltten(Butter, Butterschm alz, Margarine.Kun st speisefett, Schweine« schmalz, Speisetalg, Speiseöle) in einheitlicher und zusammenfaffender Weise sür das ganze Reichsgebiet. Organe der Versorgungsregclung sind eine neu zu bildende„Reichs stelle für Speisefette", Laiidesvcrtcilungsstellcn für jeden Bundes- staat oder für mehrere Bundesstaaten zusammen, BezirksverteilungS« stellen nach Bedarf und schließlich die Kommunalverbände. Die Landeszentralbehörden der Bundesstaaten können nach Bedarf für einzelne Teile ihrer Bezirke Bezirksverteilungstellen errichten. Die Reichsstelle für Speisesette ist ganz ähnlich aufgebaut und zusammengesetzt wie die Reichsgetreidestelle oder die Reichsfleiich- stelle. Sie besteht auS einer Verwaltungsabteilung, die eine Be- Hörde, und einer Geschäflsabteilung, die eine Gesellschaft mit be- schränkter Hastung ist. Vorstand und Mitglieder des Beirats der Verwaltungsabteilung werden vom Reichskanzler ernannt; im Bei- rat führt der Präsident des Kriegsernährungsamts den Vorsitz und bestellt ein Mitglied zum stellvertretenden Vorsitzenden. Der SieichS- kanzler ernennt auch die Mitglieder des Aussichtsrats der Geschäfts« abteilung, dem der Vorsitzende der Verwaltungsabteilung präsidiert. Die Verwaltungsabteilung hat die Kopfration des Speisefet:- Verbrauchs festzusetzen und einen Verteilungsplan für die Abliefe- rung von den Kommunalverbänden und die Zuweisung an sie auf- zustellen. Zur Praktischen Durchführung der Versorgung werden zunächst die in den Molkereien herge st ellten Speisesette für den Kommunalverband, in dem die Molkerei liegt, beschlag- nahmt. Als Molkerei gilt dabei jeder Betrieb, in dem täglich mehr als S0 Liter Milch im Durchschnitt verarbeitet werden. Trotz der Beschlagnahme bleibt die Rücklieferung von Bulter an die Milchlieserer sowie die Verwendung von Butter in der eigenen Wirtschaft, sofern die Molkerei ein landwirtschaftlicher Nebenbelried ist, erlaubt. Die Reichsstellc kann jedoch, falls dies nölig ist, die Mengen der Rücklieferung sowie des Selbstverbrauchs beschränken. — Außerdem können Kommunalverbände, soweit dies zur Deckung ihres Bedarfs erforderlich ist, mit Genehmigung der zu- ständigen Verteilungsstelle ohne Beeinträchtigung des eigenen Bedarfs der Hersteller die käufliche ll e b e r l a s su n g der in ihrem Bezirke vorhandenen, nicht in Molkereien hergestellten Speisefette an die von ihnen bestimmten Stellen oder Per- sonen verlangen und können verbieten, daß diese Speisefette ander« weilig abgesetzt werden. Dadurch kann der An« und Verkauf von Butter durch Händler, welche nicht vom Kommunal- verband zngelaffen sind, verhindert werden; auch wird hier- durch die sogenannte, Bauer nbutter" der allgemeinen Ver- kehrSregelung unterworfen. Weiter können die Kommunalverbünde die Herstellung von Butter in landwirtschaftlichen Betrieben, aus denen die Milch oder die Sahne an Molkereien zu liefern ist, untersagen und dadurch verhindern, daß Buttermengen der allgemeinen Versorgungsregelnng entzogen werden. Schließlich können Halter von Kühen wiederum unbeschadet ihre» eigenen Bedarfs— soweit eS zur Sicherung des Be- darss an Milch und Fett für die Gesamlbevölkerung erforderlich ist, angehallen werden, Milch an Molkereien oder andere Stellen zu liefern; auch kann die Entrahmung der Milch und die Lieserung deS RahmS angeordnet werden. Die Anordnung geht, wenn die liefernde und die empfangende Stelle im gleichen Kommunalverband liegen, von diesem, wenn sie im Bezirke einer Verteilungsstelle liegen, von der letzteren, sonst von der Reichs- stelle aus. Der Vorschrist ist von erheblicher Bedeutung für die Milchversorgung der Slädte. Die VerbrauchSregel u n g liegt in den Händen der Kommunalverbände, die laufend ihre Ueberschüffe an die Ver- teilungsstellen abzuliefern haben. Die Preisregelung erfolgt nach den gleichen Grundsätzen wie bisher. Die Tätigkeit und die Befugnisse des KriegSausschufscs für pflanzliche und tierische Fette und Ocle bleiben, abge- sehen von der Verteilung, welche auf die ReichSsielle übergeht, un- berührt. Auch auf ausländisches Schweineschmalz und Auslands- butter beziehen sich die Beschlagnahme« und Ablieferungsvorschristen der vorliegenden Verordnung nicht. Für die Regelung der Ver« sorgung mit AuslandSbutter kann der Reichskanzler besonders Bestimmungen erlassen. Dem Reichskanzler bleibt auch vorbehalten, die Bewirtschaftung von Milch und Käse der Reichsstclle sür Speisefette zu übertragen und den Verkehr mit diesen Erzeugnissen zu regeln. Die Hauptbestimmungen der neuen Verordnung(Beschlagnahme, Ablieferung der Ueberschüffe) treten mit dem 12. August 1916, die übrigen sofort in Kraft. Vertvendungsverbot für Speck und Fett. Der Bundesrat hat am 29. Juli 1916 eine Bekanntmachung er- laffen, durch die die Verordnung über das Verbot der Verwendung von pflanzlichen und tierischen Oelen und Fetten zu technischen Zwecken vom 6. Januar 1916 geringfügige Veränderungen erfährt. In die Liste der Fette, die zu technischen Zwecken nicht verarbeitet oder sonst verwendet werden dürfen, ist auf Grund praktischer Er- ahrungen Speck sowie Rinder-, Schaf- und Schweine- fett in jeglicher Form aufgenommen worden. Da» Verbot der Verwendung pflanzlicher und tierischer Oele zur Herstellung von Seife gilt jetzt auch für die Erzeugung aller anderen Wasch- mittel; es ist ferner auf die aus den genannten Oelen und Fetten gewonnenen Oel- und Fettsäuren erstreckt. Saccharin für Brauzwecke. Eine Bekanntmachung des Bundesrats vom 20. Juli 1916 gestattet für das Gebiet der Bcausteiiergemeinschafr die fvurch§ 1 des BrausteuergesetzeS vom 15. Juli 1909 verbotene) Verwendung von Süßstoff bei der Bereitung von obergärigem Biere. Da der Süßstoff keinen Brau-, sondern nur Süßungswert besitzt, wird die Brausteuer von ihm nicht erhoben. Im übrigen finden jedoch die für Zucker geltenden Vorschriften des Brausteuergesetzes, die namen:- lieb die strenge Beschränkung der Verwendung auf obergäriges Bier sicherstellen sollen, auf Süßstoff entsprechende Anwendung. Die Zureilung des Süßstoffes an die Brauereien wird durch die Reichs- zuckerstelle veranlaßt werden. Karten, aber kein Geld. Die wirtschaftliche Schwäche breiter Volksschichten zeigt sich u. a. auch in dem Umstände, daß nach genauen Feststellungen in Mar- bürg a. d. Lahn ein erheblicher Teil der städtischen Butter- und Fleischkarten nicht eingelöst wird, weil es einfach an dem nötigen Gelde fehlt, die geringen Rationsmengen zu kaufen. Das ist der beste Beweis für die Notwendigkeit weitgehender und ausreichender Preisherabsetzungen, wenn die Bevölkerung an ihrer Gesundheit keinen Schaden nehmen soll. Tie Teuerungsaktion der holländischen Arbeiterschaft. Am 16. Juli fand in Amsterdam eine große Kundgebung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, des Gewerkschaftsverbandes, des Konsumvereinsverbandes und der lokalen Gewerkschaftssekretariate statt. Im ganzen waren 152 000 organisierte Arbeiter durch Dele- gierte aus dem ganzen Lande vertreten. Neben der Versammlung im Consertgebouw, die hauptsächlich die Delegierten vereinigte, tagte ein Meeting unter freiem Himmel, das gleichfalls von einigen Tausenden besucht war, wenn auch der strömende Regen der Kundgebung stark Abbruch tat.— Die angenommene Resolunon beschäftigl sich Haupt- sächlich mit dem 20-Millionen-Entwurf zur Verbilligung der Lebensmittel und der neuen„Verteilungsvorlage", deren Tendenz, die organisatorischen und zum Teil auch materiellen Lasten der Ver- billigung den Gemeinden aufzuerlegen, sie verwirft. Ein Erfolg der Volksbewegung gegen die Teuerung ist, daß der Landbauminister nunmehr auch sür den Großhandel in Gemüse und Kartoffeln Höchstpreise vorgeschrieben hat, die sich in mäßiger Höhe bewegen. vis Paeteipreffe zur Cmberufung eines Kriegsparteitages. In der„Leipziger V o Ik.s z« i t u n g" wendet sich Genosse K. Kautsky in einem Leitartikel:„Der Parteitag des Belagerungs- zustandes" gegen den von uns veröffentlichten Artikel des Genossen Braun. Er schreibt zum Schluß: Der jetzt geplante Parteitag kann dem Partcivorstand, auch wenn dieser dort eine Mehrheit finden sollte, nur eine Verminderung seiner moralischen Autorität emtragen gegenüber der Autorität, mit der ibn der Jenaer Parteitag bekleidete. Er vermag der Partei nicht Be- ruhigung, sondern, nur eine Verschärfung des Konflikts zu bringen, die so hochgradig werden kann, daß sie die Spaltung herbeifiibrt. Und dabei würde er endgültig den Weg verlegen, der die beste Aussicht bietet, die Einheit der Partei misrechtzuerhalten. Stets ist das Hauptmittel, die Einheit der Partei zu bewahren, möglichste Freibsit der Meinungsäußerungen gewesen, nicht in dem �inne, daß jede Meinung in der Partei zu dulden sei— da hörte sie aus, Partei zu sein— sondern in dem Srnne, daß für jene Richtungen, auf deren Zusammenwirken in der Partei man Wert legt, die Freibeit der Meinungsäußerung durch die Parteidisziplin möglichst wenig unter- bundsn werden soll. Das galt schon im Frieden, es galt um so mehr im Kriege, wo ein Parteitag mit ausreichender moralischer Autorität nicht zu- sammentreten konnte und angesichts der aufiauchenden Gegensätze die moralische Autorität der aus der Friedenszeit überkommenen Parieifunktionäre immer geringer wurde. In dem Maße, in dem diese Autorität schwand, hätten sie gut getan, auch mehr davon ab- zusehen, sie geltend zu machen und der Meinungsäußerung den wei- testen Spielraum zu gewähren. Statt dessen seben wir das Um- gekehrte. In dem Maße, in dem ihr« moralische /utorität schwindet, pochen unsere Parteinstanzen immer mehr auf ihre materielle Auto- rität, auf ihre statutarischen Rechte und materiellen Machtmittel, ziehen sie die Zügel der Disziplin immer straffer an, ja gehen noch über das statutarisch ihnen eingeräumte Recht hinaus. Die Auflehnung erzeugt dann das, was der Parteivorstand als Parteizerrüttung bezeichnet. Nur ein Mittel gibt es. ihr zu begegnen, den Verzicht der leitenden Instanzen aus jede Maßregelung der Opposition. Toleranz und Verständigung, nickt Maßregelung und Disziplinierung muß die Parole lauten. Der Parteitag aber würde in gegensätzlichem Sinne wirken und Oel ins Feuer gießen. Wir haben gesehen, daß er dem Vorstand nicht Mehrung, son- dern bloß Minderung seiner moralischen Autorität bringen, daß er die Gegensätze nicht mildern, sondern nur in ihren Formen ver- schärfen kann. Wollte er trotzdem der Opposition Herr werden, so wurde er sich gedrängt fühlen, die Disziplinargewalt unserer leiten- den Instanzen zu verstarken, ihre materiellen Machtmittel zu ver- mehren, um damit das Schwinden ihrer moralischen Autorität weit- zumachen. Das würde natürlich dem Faß vollends den Boden ausschlagen. Das kämpfende Proletariat läßt sich am allerwenigsten durch Zwangs- maßregeln der eigenen Parteibehörden matzregeln und reglementieren. Und es hieße sehr leichtsinnig mit dem Feuer spielen, wenn der ganze Vorstand die Meinung des Genossen Braun teilte, es könne dabei ..höchsten? zur Absplitterung jener für die Einordnung in eine demo- kratische Organiiaiion ungeeigneten Elemente kommen, wodurch der Partei wenig Abbruch getan würde". Diese„Absplitterung" droht zur Sprengung der ganzen Partei zu führen. Diejenigen Genossen, die die Autorität des Porstandes und des Fraktionsvorstandes haben wollen, mögen es sich also wohl überlegen, ebe sie zu diesem Zwecke das verzweifelte Mittel eines Kriegsparteitags ergreifen. Sollten sie trotz alledem ein Tänzlein a la Dresden im Belagerungszustand wagen wollen— wir spielen ihnen auf! * Anschließend an einen Artikel des Genossen F I e i ß n e r, der sich gegen die Abhaltung eines Parteitages ausspricht, bemerkt die Re- daktion der„Dresdener Volkszeitung": ..Es ist ja gewiß richtig, daß ein Kriegsparteitag kein zuder- lässiger Spiegel der Ansichten der Mehrzahl der Gsnopen sein kann, weil eben ein großer Teil unserer Parteigenossen im Schutzengvaiben liegt, und wenn gesagt wird, daß eine völlig freie Aussprache auf dem Parteitag nicht möglich ist, so ist das an sich auch richtig, �aber man darf die Bedeutung dieser Tatsache nicht zu hoch einschätzen. Nicht nur die Leute, die auf den Parteitag delegiert werden würden, sondern alle, die am Leben der Partei regen Anteil genommen haben, wissen heute, was sie wollen. Sie kennen das Für und Wider in allen Streitfragen, die die Partei während des Krieges beschäs- tigt haben, und wir glauben, auch bei völlig ungehinderter Aus- sprach« würde kaum irgendein Genosse etwas zu hören bekommen, was ihm neu wäre. Sind doch die Fragen, über die der Parteitag zu entscheiden hatte, schon oft und gründlich genug überall disku- tiert worden. Trotz alledem wäre es uns auch heute noch� lieb, wenn ein Kriegsparteitag vermieden werden könnte. Dazu wäre es aber notwendig, daß alle Teile der Partei dem parteitagslosen Zustand Rechnung tragen, daß sie die Autorität der Parteiichtanzen an- erkemien und sich nach ihren Beschlüssen richten. Aber was ist tat- sächlich geschehe:? Unter der Behauptung� daß die Instanzen nicht die Ansicht der Massen vertreten, haben sick gewisse Leute über alle Beschlüsse und alle Bestimmungen des Organisationsstatuts hin- weggesetzt. Es ist soweit gekoinmen, daß sich Genossen dafür ein- gesetzt haben, dem Parteivorstand die Beiträge zu sperren, weil er nicht nach ihrer Pfeife tanzt, daß Parteigenossen für die Ab- bestellung des zuständigen Parteiorgans agitiert haben. Infolge des Verhaltens mancher Genossen ist in unserer Partei ein geradezu anarchischer Zustand eingerissen. Es gibt für diese Leute gar keine■ ' Bindung mehr. Die elementarsten Pflickten der Parteidiszipfin, die in normalen Zeiten sür selbstversländlich gehalten werden, werden nicht mehr anerkannt. Unter diesen Umständen bleibt unseres Erachtens nichts weiter übrig, als die Einberufung eines Parteitags, der, mag er auch nicht die gleiche moralische Autorität haben wie' ein Friedensparteitag, doch in formell einwenidsreier Weise endgültige Beschlüsse fassen kann. Ein solcher Parteitag ist freilich kein unfehlbares Konzil und nichts braucht einen späteren Friedensparteitag davon abzu- halten, seine Beschlüsse umzustoßen. Erklären sich die Genossen der Minderheit bereit, in Zukunft die Parteidisziplin zu wahren, so loäre ein Knegsparteitag natürlich überflüssig. Geschieht das aber nicht, so bleibt der Parteitag das einzige Mittel, um geordnete Zustände in der Partei herzu- stellen. Es geht, wenn die Partei nicht den schwersten Schaden er- leiden soll, nicht so weiter, daß viele Genossen glauben, machen zu können, was sie wollen. Genossen, die sich etwaigen Beschlüssen des Parteitags nicht fügen wollen, müßten eben die Konseguenzen aus ihrem Verhalten ziehen." * Der Braun schweizer„Volks freund" beantwortet die Frage: Warum also kemen Parteitag? folgendermaßen: 1. Weil er die größte Außerrechtsetzung der zahlreichen im Felde befindlichen Parteimitglieder wäre, die ein elementarstes Recht haben, mitzusprechen, wenn es sich um das Schicksal der.. Partei handelt, wenn der wichtigste und grundlegendste Parteitag der deutschen zialdemokratie tagen soll. 2. Weil der Parteitag nicht frei und ungehindert tagen, seine Aussprache keine freie und ungehinderte sein kann; weil es nicht nur der Ehre und Würde der Partei widerspräche. Stellung zu nehmen zum Parteitage unter einem oft einseitigen Eingreifen der Zensur und einem ebensolchen Walten des Belagerungszustandes und unter diesen Einflüssen zu tagen, sondern well dies alle Beschlüsse des Parteitages null und nichtig machen würde. 8. Weil endlich, wenn diese so gefaßten Beschlüsse dann mtl autoritärer Gewalt durchgesetzt werden sollten, dies die Spaltung der Partei unbedingt hervorrufen müßte. Wir sind also gegen den Parteitag aus Rechtsgründen, im In- teresse der Parteiehre und im Interesse der Einheit der Partei. * Die rechtsstehende„S ck l e s i s ck e B e r g w a ch t" bemerkt: Der höchste und ernsteste Zweck emes Kriegsparteitags kann doch nur bei seinen jetzigen Befürwortern der sein, einmal die Politik der Fraktionsmebrheit und des Parteivorstandes durch die höchste Parteiinstanz zu sanktionieren und der Parteileiwng wie der Fraktion für die weitere Politik in diesem Sinne freie Hand zu sichern. Weiter muß dem �Vorstand, wenn die Sanktion erfolgt ist, parteigesetzliche Macht gegeben werden, gegen die Parteizerstörer vorzugehen, um den Frieden und die Einheit in der Partei zu sichern. Aber um das erlangen zu können, muß erst über die Richtigkeit oder Verkehrtheit der Politik vom 4. August 1914 gesprochen werden. Und es mutz sehr gründlich gesprochen werden, gerade um das gefährliche, oft ge- nug demagogische Treiben der Minderheitsleute aufzeigen zu können. Um das zu köiinen, darf nicht nur die Mehrheit rückhaltlos reden, sondern muß es auck die Minderheit können. Das verlangt die De- mokratie. Das verlangt vor allem das Interesse der Mehrheits- Politik. � Es gibt ja gar nichts besseres für die Begründung der Mehrheitspolitik, als wenn man die Minderheitsleute mit all ihren unfertigen, unlogischen, problematischen Argumenten, ihren Zwie- spälfigkeiten herauskommen läßt. Mus Ztiöustrie und Kandel. Der deutsche Schiffbau nach dem Kriege. Im„Daily Expreß" vom 12. Juli heißt es: Wie wird es mit der' deutschen Handelsflotte nach dem Kriege stehen? Sicher geborgen warten die schwimmenden Paläste Deutschlands darauf, die Früchte— nickt des Sieges—, sondern der Niederlage ein- zubeimsen. Die„L u s i t a n i a" und viele andere britische Schiffe liegen aus dem Meeresgrund— wird England nun den im Vec- steck gebaltenen deutschen Schiffen gestatten, die Sahne von dem Weltpassagierverkehr abzuschöpfen? Die Schiffsbau an st alten Deutschlands sind so- sagen alle in den Händen von zwanzig Firmen, die in normalen Zeiten 70 000 Arbeiter beschäftigen, darunter als größte der Ham- burg-Stettiner Vulkan, Blahm u. Votz und die Germania-Werff. So wunderbar der Schisssbau sich in den letzten zwanzig Jahren entwickelte, ist der deutsche doch sur uns lange nicht so bedrohlich gewesen wie einige andere deuffche Jndusroien, denn während er noch 1900 nicht weniger als 21 v. H. des ausländischen Bedarfs lieferte, ging diese Zahl bi? Kriegsbeginn auf etwa 4,6 v. H. zurück. Ein derartiger Zustand befriedigte natürlich den deutschen Ehrgeiz nicht. In der Herstellung von Frachtschiffen stand jedock der britische Schiffsbau an erster Stelle, denn trotz aller Vorzüge, die die Deutschen für ihre Schiffe in Anspruch nehmen, wurde doch in England fraglos billiger gebaut. Trotz der fast unübertrefflichen Einrichtungen der deutschen Werften blieb die deuffche Schiffsbau- industrie in finanzieller Beziehung immer eine„lahme Ente". Die Werften waren eben auf viel größere Nachfrage zugeschnitten, als sich tatsächlich einstellte, und dieser unglückliche Zustand hätte auch noch werter angedauert, wenn nicht der Kvieg gekommen wäre. Wahrend sich die deuff'chen Schiffsbaucr nun eigentlich in finanziellen Nöten befinden müßten, erbringen die Jahresberichte den Beweis, daß die Industrie ganz außerordentlich blüht. Ties wird mit Einzelheiten der letzten Abschlüsse deutscher Werften belegt, dann heißt es: Die Anlegung neuer Helligen, die Vergröße- rung der Werstanlagen und des Kapitals, alles deutet daraus hin, daß der deutsche Schiffsbau ein furchterregender Mitbewerber ist. Der englische Schiffsbau wird mit den laufenden Arbeiten der Handelsflotte vollauf beschäftigt sein, unsere eigenen Reeder und die der Verbandsgenossen weiden so große Anforderungen stellen, daß der neutrale Schiffseigner kaum viel Gelegenheit finden wird, in England Aufträge unterzubringen. Hierin liegt aber gerade eine Gefahr. Ten tsch laich darf keinesfalls den neutralen Markt an sich reißen und Gelegenheit bekommen, seinen Auftragsbestand wieder auf die Ziffer von 21,3 v. H. wie 1900 zu bringen. � Nichts darf daher unversucht bleiben, um die Ausführung von Schiffsbau- aufträgen in England zu fördern. Ein Mittel ist die Festlegung gewisser Schiffsthpen, deren Dan allgemein zu betreiben ist(also„Standardisierung"), ferner muß die Arbeiterschaft helfend eingreifen und auch die Regierung der Industrie gegenüber eine wohlwollende Haltung beobachten. Gerichtszeitung. Schlechtes Brot. Auf Selche Ursachen die Klagen über schlechte Beschaffen- beit des Brotes manchmal zurückzuführen sind, zeigte eine Anklage wegen Ncchrungsmittelverfälschung, die den B ä ck e r- meister Otto Liedtke in Steglitz vor das Schöffen- gericht Berlin-Schöneberg führte... �, Ter Angeklagte bat im April 1916 beim Backen des BroieS infolge der Mehlknappheit sogenanntes Spclzmehl zugesetzt. Es handelt sich dabei um die oberen Spitzen der Aehren, die ab- geschnitten und zu Mehl vermählen werden; da es vorkommt, daß man bei dieser Prozedur auch Stiele mitfaßt, so kommt dadurch der sogenannte Holzgesckmack mit hinein. Der Angeklagte berief sich darauf, daß sein Lieferant ihm ausdrücklich erklärt habe, es sei gestattet, von diesem Mehl 6—7 Proz. mit hinneinzunehmen und auch auf Seite der Innung sei man eine Zeitlang der An- sichi gewesen, daß gegen einen derartigen Zusatz nichts einzuwenden sei. Der Angeklagte will aber nur 2 Proz. zugesetzt haben. Nach dem Guiachten des Sachverständigen Chemikers Hermann aus Dahlem liege eine Verfälschung vor, da ein solcher Ersatzstoff nicht ins Brot hineingehöre. Da zur Herstellung des Brotes außer Mehl undJSasset jetzt nur noch Kartoffeln als Surrogat zugelassen seien, müpe hier ein Verstoß gegen das Nahrungsmittelgesetz als vorliegend erachtet werde». Ter Verteidiger machte geltend, daß gegen den Angeklagten, der in gutem Glaübeii gehandelt habe, ein sehr scharfes Verfahren stattgefunden habe, denn man habe ihm sein Geschäft aus sechs Wochen geschlossen ge- habt, so daß er vollständig ruiniert worden sei. Das Mehl sei außerordentlich knapp gewesen. Das Gericht hielt eine Verfälschung sür erwiesen, da der Beklagte aber schon erheblichen Schaden er- litten habe, wurde die Strafe nur auf 10 0 Mark bemessen. Der Staatsanwalt hatte 1000 M. beantragt. Höchstpreisüberschreitung. Wegen Aufforderung zu einer Ueberschreitung der Höchst- preise hatte sich der Kaufmann Adolf I a e d i ck e in Steglitz vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg zu verantworten. Der Angeklagte halle als Wildbändler einen Brief an den Ritterguisbesitzer v. Arnim gerichtet, in welchem er diesen ersuchte, ibm auch fernerhin Wild liefern zu wollen, und sich bereit erklärte, 15 Proz. über die festgesetzten Höchstpreise zu zahlen. Die Behörde hatte darin eine Aufforderung zur Ueberschreitung der Höchstprciie erblickt, während der Angeklagte meinte, daß die 15 Proz. nur eine Deckung der Kosten der Anfuhr der Bahn'pesen usw. darstellen sollien. Der Staalsanwalt war der Ansicht, daß aus diese Weise nur die Ueberschreitung der Höchstpreise verschleiert werden sollie, und be- anrragte 300 M. Geldstrafe. Das Urteil lautete auf 200 M. Geldstrafe._ Milchfälschung. Als einen besonders krassen Fall bezeichnete gestern der Vorsitzende des Schöffengerichts Berlin-Schöneberg die Milch- Verfälschung, die dem Molkereibcsitzer Merz in Schöneberg zur Last gelegt wurde. Der Angeklagte ist erst im März v. I. zu einer hohen Strafe wegen NahrungSmirtelverfälschung verurteilt worden, Hai sich ober dadurch nicht abhalten lassen, sein maierielles Heil in der reichlichen Verwendung von Wasser zu erblicken. In mehreren Milchproben, die auS dem Betriebe des Angeklagten entnommen waren, stell'.e Professor Dr. Juckcnack einen Bestand von 20 bis SO Proz. Wasser fest. Der Staalsanwalt beantragte gegen den Angeklagien neun Monate Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe. Der Gerichtshof hielt diese neue Verfehlung des Angeklagten für eine sehr krasse, da er auch Lieferungen für eine Fürsorgestelle sür Säuglinge hatte; das sei geradezu gemeingefährlich und fast ein Verrat am Baterlande. Das Gericht erkannte auf 3 M o n a l e Gefängnis, 3000 M. Geldstrafe evenl. noch 300 Tage Ge- fängnis und Veröffentlichung des Urteils. Ein Sittlichkeitsprozeß. Vordem Schwurgericht O f f e n b u r g kBaden) wurd« an drei Togen gegen den dortigen ArztDr. Hör- t e r, Spezialist für Frauenkrankheiten, und gegen drei Mäd- chen aus bürgerlichen und Arbeiterkreisen verbandelt, denen insgesamt die Abtreibung der Leibesfrucht unter Beihilfe des Harter zum Vorwurf gemacht wurde. Der viel Aufsehen erregende Prozeß ist zusammenhängend mit der Feindschaft des Offenburger Ortenauifchen Aerztevereins gegen den L. Harter, dem die Nichtmitgliedschast in diesem Be- nissverband bei Ausübung der Praxis Schwierigkeiten berettete. Es wurde ihm auch die Kassenpraxis erschwert und die Assistenz verweigert. Auf ergangene anonyme Anzeige bei der Slaats- anwaltschast Offen bürg wurde im März d. I. eine junge Klientin und daraus der Arzl selbst in Untersuchungshaft gezogen unier dem Verdacht deS oben bezeichneten Verbrechens. Es erfolgten auf Grund des Klientenbuches Untersuchungen gegen eine Anzabl Frauen und Mädchen, welcke wegen Menstruationsbeschwerden sich von Dr. Harter seit Jahren behandeln ließen. Die Tochter einer Beamtensamilie ist wäbrend der Untersuchungshaft irrsinnig geworden und von der Gerichtsverhandlung ausgeschieden. Letztere gestaltete sich wissenschaftlich ganz besonders interessant durch den Kampf der medizinischen Autoritäten, von welchen der berübmre Gynäkologe der Frsibnrger Universität. Geh. Hosrat Pros. Krönig, dem der Anklage unterlegten Gutachten des Großb. Mediz. Referenten des Ministeriums über die Untersuchung der Patienten aus etwaige Schwangerschaft entgegentrat. In der Schwurgerichts» erhandlung. hielt Staatsanwalt Krauß die Anklage auf vollendete Abtreibung ausrecht. Der Staatsanwalt forderte die schwerste Beffrasung des Doktors mit Zuchthaus, damit dem verbrecherischen Treiben ein Ziel ge- setzt werde. Der Spruch der Geschworenen hat die Anklage im wesentlichen abgewiesen, indem die Fragen nach vollendeter Abtreibung und nach der gewerbsmäßigen Beihilfe a b g c l c b n t wurden. Nur gegen den Arzt und eine junge Arbeiterin wurde die Frage des versuchten Abortes mit ärztlicher Beihilfe zum V-ersucb bejaht unter Zubilligung mildernder Umstände. Das Mäd- chen erhielt fünf Monate, der Ar z t ein Jahr Gesang- n i s, angerechnet wurden je zwei Monate der Untersuchungshaft. Eine Aufhebung des Haftbefehls wurde bei Dr. Harter wegen Fluchtverdachts abgelehnt.__ Ein reicher Preiswuchcxer. Bor dem Dresdener Landgericht hatte sich der reiche Zlei- schermeister Gustav Alwin Erl et wegen Ueder- schreit um g der Höchstpreise für Schiveinefleisch zu ver- antworten. Obwohl der Angeklagte über ein Hobes Vermögen von mindestens 300 000 M.— 100 000 M. bar und zwei Grundstücke— verfügt, überschritt er den Höchstpreis, indem er einer Kundin für ein halbes Pfund Schweinefleisch ILO M. abverlaiigte, während der Höchstpreis für das Pfund 2,76 M. betrug. Das Gericht ver- urteilte den Angeklagten zu 500 Mark Geldstr a s c oder 50 Tagen Gefängnis. � Auch verfügte das Gericht die Ver- öffentlichung des Urteils in den Dresdener Tageszeitungen. Teppichklopfen an der Straßenftont verboten. Die Steglitzer Ortspolizeiverordnung vom 31. Mai 1S97 verbietet u. a. das Klopfen und Entstäuben von Teppichen auf den Straßen und vor den stratzenwärts gelegenen Türen, Fenstern und Balkons. Auf Grund der Verordnung wurde das Dienstmädchen Ossig zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie aus einem straßen- wärts gelegenen Fenster der Wohnung ihrer Dienstherrschaft einen kleinen Teppich ausgeschüttelt hatte. Das Kammergericht verwarf die gegen das Urteil ein- gelegte Revision mit der Begründung: Die Verordnung sei gültig. Sie fei auch richtig angewendet, denn es sei ein Entstäuben vor dem Fenster, wenn jemand«inen Teppich zum Fenster hinaus aus- schüttele, wie das hier festgestellt sei. Soziales. Amtsdauer der Beisitzer der Gewerbe- uud Kaufmamtsgerichte. Eine Verordnung de? Bundesrats vom 20. Juli 1916 der- längert die Amtsdauer der Beisitzer der Gewerbegerichte und der Kaufmannsgerichte, soweit sie vor dem 31. Dezember 1917 abläuft. bis zu diesem Tage. Die Gründe, die für die bisherigen Verlänge« rungen(Verordnungen vom 17. Sept. 1914 und Pom 26. Juli 1915 maßgebend waren— Abwesenheit der Mehrzahl der Wahlberechtigten von der Heimat— bestehen fort. Zur Ergänzung der durch die Ein- berufungen stark zusammengeschmolzenen Beisitzerkollegien ohne Vor- „ahme von Neuwahlen wird dem Reichstage ein Gesetzentwurf vor- gelegt werden.__ Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschlaud bis Sonntag mittag. Vieliach fieiter. aber veränderlich, bei wenig ver- änderten Temperaturen. OesUich der Lder noch öfter etwas Regen. Nr. W. 33. Jahrg. rillst d» LmW" str Zlntki 33. Juli 1916. Der Direktor öes Zweckverbanöes für öie Große Derlmer. Durch �die Presse läuft die Nachricht, daß der Direktor de-S Zweckverbaudes, Dr. Steiniger, eine Denkschrift der ausgegeben habe, in der er für eine gewaltige Erhöhung der Fahrpreise auf der Großen Berliner Straßenbahn eintritt. Der Bevölkerung, die auf die Straßenbabn angewiesen ist, wird eine Verteuerung der Fahrpreise zugemutet, die noch weit über das hinausgebt, was im Vorjahre von der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn- gescllschaft selber verlangt, aber damals einmütig abgelehnt wurde. Wir kennen die Denkschrift tm einzelnen nicht, sind deshalb nur darauf angewiesen, was Herr Steiniger durch eine ihm nahe- stehende Korrespondenz auszugsweise der Oefsentlichkeit mitteilen läßt. Der Verbandsdirektor tritt dafür ein, daß der Einheitstarif von 1b Pfennig auf 15 Pfennig für jede Fahrt erhöht wird und daß bei Abnahme einer größeren Anzahl von Fahrscheinen 12� Pfennig zu zahlen sind. Der Grund, warum diese Fragen gerade jetzt zur Erörterung gelangen, beruhe darin, daß der Verband Groß-Bcrlin Ende Ibli sich über die Frage schlüssig gemacht haben muß, ob er sein Er- werbsrecht gegenüber der Straßenbahn ausüben soll. Weiter führt der Verbandsdirektor aus: „Nach dem Vertrag der Stadt Berlin mit der Großen Berliner Straßenbahn muß das dem Verband gegenüber den Straßenbahnen im Jahre 1920 gegebene Erwerbsrecht mit Ablauf des nächsten JahreS ausgeübt werden. Ob es ausgeübt werden soll, wird die Verbandsversammlung entscheiden müssen: auch die Tariffrage kann ohne Erörterung durch die Verbandsoersammlung nicht er- ledigt werden. Eine richtige Verkehrspolitik für die Zukunft muß auch hier von den Mängeln der Gegenwart und ihren Gründen ausgehen. Die gegenwärtige Lage des Straßenbahnwesens ist für Groß-Berlin nicht mehr erträglich. E? ist nicht möglich, von den Straßenbahngesellschaften Zugeständnisse zur Verbesserung des Vsrkehrs in den Vororten zu erhalten. Wenn die Gesellschaften gegenwärtig infolge der Einstellung zahlreicher Omnibuslinien einen vsrbäUnismäßig starken Verkehr aufweisen, so ist damit nicht eine Grundlage für ihre dauernde L eistu ngsf abigkeit gegeben. Außerdem haben.e nach dem Kriege mit einer Fülle neuer An- fovderungen an ihre Finanzen und damit zu rechnen, daß ihnen die Eröffnung der neuen Untergrundbahnen außerordentlich große Ausfälle bringt. Leistungsfähigkeit der Unternehmungen ist aber selbstverständliche Voraussetzung für Ansprüche auf neue Leistungen.. Unerträglich sind auch die bestehenden Tarisverhältnisse der Straßenbahnen. Die Vielgestaltigkeit und Buntheit der einzelnen Tarife ist sehr groß. Von den insgesamt 132 Linien der G. B. St. und ihrer Tochtergesellschaften sind 79 Linien 10-Psennig-Linien,. 28 Linien sind 15-Pfennig-Linien und bei 25 Linien beträgt der Fahrpreis 20 Pfennig. Die Tariferhöhung des Jahres 19 2O. Eine vollständige Umwälzung droht diesen Tarifzuständen durch die Bestimmung des Berliner Vertrages, wonach die G. B. St. 1920 für Fahrten von mebr als 5 Kilometer 15 Pfennig und für Fabrten von mehr als 10 Kilometer 20 Pfennig erbeben darf. Vom Standpunkt des einbeiUichen Berkehrsgebietes Groß-Berlin und vom sozialpolitischen Standpunkt aus ist ein solcher Staffel- tartf unerträglich und nur ein Einheitstarif annehmbar. Der Berliner Tarif von 1920 wurde für das Leben in den Vororten Überaus belastend wirken Die Berliner Verträge belasten mich in anderer Beziehung Groß-Berlin auf das schwerste durch die Be- stimmung, daß der Erwerbsprets 1920 mindestens 200 Prozent des Akrienkapilals betragen muß und dadurch, daß die Vorort- bewobner zu der Nettoabgabe der Großen Berliner Straßenbahn auch für deren Außenstrecken an Berlin beisteuern müssen. Als Aufgaben der nächsten Zukunft ergeben sich hiernach für den Ver- band Groß-Berlin die folgenden: Klärung der Frage, ob die Straßenbahnen zum Jahre 1920 erworben werden sollen, andern- falls die Umgestaltung der Vertragsbeziehungen zu den Straßen- bahngesell ubasten in der Richtung, daß sie angehalten werden, dem VerkehrsbedürsniS Groß-Berlins gerecht zu werden, und insbe- sondere ihre bestehenden Vertrayspslichteu zu erfüllen, serner — soweit sie zu diesem Zweck nötig ist— Stärkung der Finanzkraft des Unternehmens, Herstellung eines Einbeitstarifs für Groß-Berlin unter endgültiger Beseitigung der Anschlußbetriebsstrecken und Aenderung des Abgaberechts; ferner Aenderung der Verträge mit der Hochbahn und Auseinoirderfetzung mit den erfatzberechtigten Gemeinden Groß-Berlins." Der Verbandsdirektor unterbreitet nun dem Verbandsaus- schuh verschiedene Vorschläge. Es könne entweder der Erwerb der Straßenbahn nach einem günstigeren System als seinerzeit mit Berlin vereinbart in Betracht kommen; oder es könne der Straßen- babn die oben erwähnte Tariferhöhung mittels eines erhöhten Einheitstarifs zugebilligt und dabei gleichzeitig das Erwerbsrech: für 1930 verbessert werden. Dabei würden dann auch dem Ver- bände Einnahmen zufließen, die für Verkehrsunternehmungen oder dazu verwendet werden könnten, daß die Gemeinden in den nächsten Jahren von Zahlungen auS dem Waldank auf befreit blieben." Man fragt sich verwundert, wie kommt der Direktor de? Zweck- Verbandes dazu, fo offensichtlich und unverhüllt für die Interessen einer privaten Erwerbsgesellschaft auf Kosten des Publikums ein- zutreten. Einzutreten, ohne auch nur vorerst neue Anträge der Straßenbabn abzuwarten. Bisher war es Sache der zuständigen Behörden. Anträge auf Verteuerung des Verkehrs von den-Jnter- essenten selbst stellen zu lassen und diese Anträge eingebend zu prüfen. Im vorliegenden Falle ist es umgekehrt. Auf dem Präsentier- teller bringt der Direktor des Zweckverbandes der Gesellschaft Bor- teile ungeheuerlichster Art entgegen. Ein solcher Vorgang dürfte nirgend? ein Seitenftück haben, so skandalös ist er. Die Begründung weist auf den Verkehr und auf die Verbesse- rung des Verkehrs, insbesondere für manche Vororte hin. So wünschenswert jede Verkehrsverbesserung ist, so bedeutet doch eine solck>e gewaltige Steigerung der Fahrpreise nicht nur einen großen Aderlaß am Portemonnaie des fahrenden Publikums, sondern auch eine große Erschwerung des Verkehrs mit den Vororten Berlins. Würde die Stadt Berlin lediglich ihr eigenstens Interesse im Auge gehabt haben, hätte sie seinerzeit den Wünschen der Großen Der- liner Straßenbahn auf Aufhebung des Zehnpfennigtarifs nur ent- gegenzukommen brauchen und sie hätte eine ganze Reihe von Vor- teilen dafür eintauschen können. Eine Verteuerung des Verkehr? wird gerade den Verkehr mit den Vororten sehr erschweren und die Vororte in der schlimmsten Weise schädigen. Hoffentlich legt die Bevölkerung Groß-BerlinS gegen die Ab- sichten des Zwcckverbandsdircktors Kinz unzweideutig Verwahrung ein und spricht aus, baß der Direktor des Zweckverbandes nicht dazu da ist, die Juteressen privater Erwerbsgef ellschaften nn Gegensatz zu den des zahlenden Publikums zu fördern. Das ist nicht seine Aufgabe. ♦ Magistrat und Verbandsdirektor. Der Magistrat Berlin hat sich in seiner gestrigen Sitzung mit der in der Presse wiedergegebenen Denkschrift des Verbandsdirek- tors beschäfrigt. Auf Grund dieser Beratungen erklärt der Magisrrot: Der Direktor des Verbandes Groß-Berlin hat es für ange- messen erachtet, eine Denkschrift über das Verkehrswesen ver- öffentlichen zu lassen, in wclckier die Interessen Berlins in einen Gegensatz zu denen der Vororte gestellt und wohlerworbene Ver- tragsrechte Berlins als belanglos und lästig bei Seite geschoben wenden. Die Veröffentlichung ist an demselben Tage erfolgt, an wel- chem einigen Mitgliedern der Berliner Stadtverwaltung ein Exem- plar der Denkschrift zuging. Dem Magistrat von Berlin und dem Vorsitzenden des Verbandsausfchusses isi .die Denkschrift bisher überhaupt nicht zuge- gangen. Dieser Vorgang kennzeichnet die Auffassung, welche der Ver- bandsdirektor von den Rechten und der Stellung der Verbanbsmit- glieder hegt. Wollte man die Denkschrift zur Grundlage von Beratungen machen, so würde das die Eröffnung erbitterter kommunaler Streitigkeiten bedeuten, welche mit dem bewährten und erfolg- reichen Handinhandgehen der Groß-Berliner Gemeinden während der gesamten bisherigen Kriegszeit nicht in Eincklang zu bringen. wären. Berlin wird mit allen Kräften bestrebt sein, einer derartigen EntWickelung entgegenzutreten und dazu beizutragen, daß auch we großen Verkebrsfragen in Einmütigkeit aller Gemeinden behandelt und gelöst werden. Er hegt aber schwere Bedenken gegen die Tariferhöhung und die daraus eintretende außerordentliche Be- lastung des Verkebrs, welche den Ausgangspunkt und das Rückgrat der Denkschrift bildet und welche über die Pläne des vorigen Jahres um das Vierfache hinausgeht. Angesichts der Aufwendungen, die der Krieg für die gesamte Bürgerschaft mit sich bringt und welche die Leistungsfähigkeit der minderbemittelten Bevölkerung bis zur äußersten Grenze in An- spruch nehmen, könnte eine so einschneidende Verteuerung des Verkehrs nur im Falle, zwingendster Not gutgeheißen werden. Eine solche Notlage kann aber namentlich bei den beiden größten Ver- kehrsunternehmungen nicht als vorhanden angesehen werden. Der Magistrat hält es deshalb für norwendig, diese Tarifcrhöhungsfrage bis zum Ende des Krieges ruhen zu lassen. /ins Groß-Serlin. Der Fahrschein. Im Straßenbahnwagen ein älterer Herr, der die Zeitung lieft und sich um nichts weiter kümmert. Plötzlich dringt eine Stimme an sein Ohr, sehr höflich, aber auch sehr bestimmt: „Bitte, mein Herr, Ihren Fahrschein!" Es ist der Kontrolleur(immer noch ein Fremdwort— entsetzlich!). Die übrigen Fahrgäste hat er bereits durch- genommen, der Herr ist sein letztes Opfer. Der Alte blickt aus seiner Zeitung auf, wie geistesabwesend. „Ihren Fahrschein, bitte!" Ach, so, nun geht ihm ein Licht auf. Er greift in die Westentasche und findet nichts, wenigstens nicht das Gesuchte. Jetzt beginnt er umständlich die Zeitung zusammenzufalten, ganz genau und korrekt. So, er hat sie auf's Fensterbrett gelegt und kann mit beiden Händen die Razzia ans den Malefizschein aufnehmen. In siebzehn Taschen stöbert und fingert er herum, nirgends ist er zu finden. Er öffnet seinen Ziehharmonikageldbeutel und sucht in sämtlichen Fächern her- um. Vergebens. Er klappt die Brieftasche auseinander— nichts. Ein Briefumschlag muß sich eine genaue Durchsuchung gefallen lassen. Der Schein ist nicht zu finden. Der Wagen hat inzwischen schon drei Haltestellen zurückgelegt. Noch immer harrt der Beamte, aufrecht, ruhig, würdevoll wie Napoleon bei der Schlacht vor Austerlitz. Keine Wimper zuckt bei ihm. Mit unnachahmlicher Geduld und Gelassenheit wartet er. Nun beginnt der alte Herr den Fußboden abzu- suchen. Ein paar Backfische raffen kichernd ihre Röckchen zu- sammen. Triumphierend hält der Bedrängte den Kontrolleur einen zerknüllten Schein hin. Der wirst einen Blick darauf und schüttelt den Kopf. „Vielleicht steckt er doch noch in einer Tasche," sagt er jetzt, freundlich, aber unerschütterlich. Wieder stülpt der Herr alle Taschen um, mit dem gleichen Erfolg wie vorher. Einen ganz roten Kopf hat er be- kommen, so mußte ihn das erregt haben. Nun blickt er rat- los und verlegen auf. „Gelöst Hab' ich einen, die Schaffnerin weiß es ja, sie hat mir'n Zweimarkschein gewechselt." „Ja, daran zweifle ich nicht, aber ich mutz tun, was meine Pflicht vorschreibt," erwidert der Kontrolleur und winkt die Schaffnerin heran. Die löst einen neuen Fahrschein vom Block und hält ihn dem Herrn hin, der sichtlich verärgert in den Geldbeutel greift und ein 10 Pfennigstück hervorholt. Ja, wenn man den Fahrschein nicht sorgfältig aufhebt. haben die Aktionäre der Straßenbahn ihren Nutzen davon. Es gibt auch andere Fahrgäste, die peinlich darauf achten, daß die kleine Quittung nicht verloren geht. Manche legen sie ins Portemonnaies, einzelne zwischen den Uhrdeckel und das Ziffernblatt, andere schieben den gerollten Schein wie einen Federhalter hinter das Ohr und wieder andere klemmen ihn, ebenfalls gerollt, zwischen Ring und Finger. Kinder und Frauen halten ihn oft krampfhaft in der Hand, jeden Augen- blick bereit, ihn vorzuzeigen. So hat jeder seine Gewohnheit. Die Hauptsache bleibt, daß er im gegebenen Moment zu finden ist. Immerhin, der Fahrschein ist kein großes Objekt. Schlimmer ist eS schon bei Quittungen über erhebliche Summen. Wenn man da zweimal bezahlen muß, tut's schon weher. Darum beachte jeder die Moral der Geschichte: Hebe Quittungen und Empfängsbestätigungen sorgfältig auf, sie sind so gut wie bares Geld I Gegen die Verteuerung von Markenartikeln. Beim Handel mit Markenartikeln herrscht unter vieler Fabrikanten der Brauch, daß sie, wenn neue Ware zu höherem Preise von ihnen in den Handel gebracht wird, die alte Ware von den Kleinhändlern mit Zetteln überkleben lassen, auf denen die neuen höheren Preise aufgedruckt sind. Die Preis- Prüfungsstelle Groß-Berlin macht darauf aufmerksam, daß ein solches Verfahren unstatthaft ist und als Vergehen gegen§ 1 der Bundesratsverordnung vom 26. Mai 1916, sowie gegebenen- falls als Verstoß gegen die Bundesratsverordnung vom 23. Juli 1915 gegen übermäßige Preissteigerung verfolgt werden wird. Eine Nachkur. Da das auf dem Berliner Viehhof angelieferte Vieb� zum größten Teile in so schlechtem Futterzustande ist, daß eine allgemeine Abschlachtung durchaus unwirtschaftlich erscheint, sind, wie die„Deutsche Fleischer-Zeitung" berichtet, die Vertreter der Fleisch- versorgungsgebiete Groß-Berlins dahin übereingekommen, dieses Vieh aus Viehweiden der Kreise Teltow und Niederbarnim zu- nächst noch m ä st e n zu lassen, ehe es zur Verteilung kommt. Von einem Gendarm erschossen? Aus Buckow wird berichtet: Seit Beginn der Kartoffelernte klagten die Bauern der südlichen Vororte, daß allnächtlich ihre Kar- toffeläcker von Dieben heimgesucht werden. Dies wurde auch dem Buckower Gemeindeamt gemeldet, und die dortigen Gendarmerie- Posten wurden veranlaßt, allnächtlich Patrouillengänge zu tun. Als am Mittwochabend ein Gendarm das Buckower Feld abschritt, bemerkie er auf einem Kartoffelacker mehrere Personen, die da- mit beschäfligt waren, Kartoffeln zu buddeln und in Säcke zu füllen. Der Beamte konnie bei der Dunkelheit die ein- zelnen Personen nicht erkennen, er glaubt aber, daß sich drei oder vier Männer darunter befunden haben. Der Gendarm, der etwa 30— 10 Schritt entfernt war, rief die Leute an und forderte sie auf, stehen zu bleiben. In diesem Augenblick knallten mehrere Revolver- schüsse, und die Kugeln flogen dicht an dem Beamten vorüber. Der Gendarm gab nun aus seinem Karabiner einen Schuß in der Richtung ab. worauf die Leute die Flucht ergriffen. Der Gendarm erstattete Meldung und begab sich am anderen Morgen mit mehreren Beamten nach dem Felde, wo sie in einer Furche den Leichnam eines unbekannten Mannes fanden. Die Leiche wies einen Schuß durch das Herz auf. Die Staatsanwaltschaft des Landgerichts U ist mit der Aufklärung des Vorfalls beschäftigt. Aus dem Untersuchungsgefängnis entwichen sind drei Geldschrank« einbrecher, die von der Polizei eifrig gesucht werden. Es handelt sich um einen 35 Jahre alten Schlächter Georg Göhring aus der Franisurter Allee 352, einen 21 Jahre alten Kutscher Artur Blöck aus der Naunynstr. 70 und einen Arbeiter Bruno Görbig auS der Görschstr. 19 zu Pankow. Die drei sollten zu einem Verhör vor- geführt werden und fanden dabei Gelegenheit, zu entweichen. Wahr- scheiulich werden sie auch jetzt wieder Einbrüche verüben. Görbig ist bereits zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Dreiraddicbstahl steht wieder in hoher Blüte. Es vergeht kaum ein Tag. an dem nicht hier ober da ein Rad gestohlen wird. Die Diebe haben es dabei mehr auf die Ladung als auf das Rad selbst abgesehen. So wurden in der letzlen Zeit besonders Dreiräder mit Seidenstoffen gestohlen. In mehreren Fällen, die im Zentrum der Stadt vorkamen, bandelte es sich um Ladungen im Werte von mehreren Tausend Marl. Tie Kriminalpolizei hat gegen dieses Treiben besondere Maßregeln getroffen: die Fahrer werden aber auch gut tun. mehr als bisher auf ihre Räder zu achten. Selbstmord eincS Soldnlen. In schwerverletztem Zustande wurde in der Köpenicker Forst ein Soldat aufgefunden, der sich aus einem Revolver zwei Schusse in die Brusl beigebracht hatte. Der Schwer- verletzte wurde noch dem Köpenicker Krankenhause geschafft, wo so» fort eine Operation an ihm vorgenommen werden mutzte. Er starb jedoch, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, an den Folgen der schweren Verletzungen. Der Soldat gehörte einem Wacht- kommando in Woltersdorf an. Durch ihre Habgier lieferten sich gestern abend Einbrecher selbst der Polizei in die Hände.-In der Pcinzenallee wurde kürzlich in eine Wohnung, deren Insassen verreist sind, eingebrochen. Die Hauswirlin benochrichtigle den Mieter telegraphisch, und er kam daraufhin gestern abend nach Berlin. Während er sich noch im Hausflur mit der Wirtin unterhielt, erschien ein fremder Mann und ging die. Treppe hinauf. Bald darauf folgten ihm noch ein Mann und eine Frau, nachdem sie zum Schein bei der Wirtin nach irgend- einem Hausbewohner gefragt hatten. Man schöpfte Verdacht und beobachtete, wie alle drei in die erst kürzlich erbrochene Wohnung hineingingen. Ein Schutzmann, der nun rasch geholt wurde, nahm die drei fest und brachte sie nach der Wache. Die Vermuiung, daß man die Einbrecher gefangen habe, bestätigte sich. Bei der Frau, einer Frau Höpfner aus der Prinzenallee, fand man in der Woh» nung, in der auch die beiden Männer, Arbeiter namens Schärf und Liebig unangemeldet hausten, den größten Teil der Beutestücke wieder. Die Einbrecher waren zum zweitenmal gekommen, um noch zu holen, was sie beim ersten Besuche nicht hatten mitnehmen können. Die Gelegenheil hatten sie dadurch herausgefunden, daß die Fenster- vorhänge ständig geschlossen blieben. Beim Einkaufen vom Tode überrascht wurde am Donnerstag die 40 Jahre alle Schlosierfrau Trost aus der Perleberger Str! 57. Die Frau wollte in einen Laden in der Fennstraße Butter kaufen. Dort gab es ein großes Gedränge, weil gerade auch Eier ange- kommen waren und ausgegeben werden sollten. Wahrscheinlich vom Herzschlag gerührt, brach Frau Trost plötzlich zusammen und starb auf der Stelle. Durch einen Sturz aus dem Fenster tödlich verunglückt ist vorgestern der 8 Jahre alte Sobn Fritz des Kulschers Hartwig aus der Oppelner Straße 31. Der Knabe fiel aus dem vierten Stock auf den asphaltierlen Hof hinab und war soforl tot DaS nächste Volkskonzert des Philharmonischen Orchesters findet am Sonnabend, den 22. Juli, in der Neuen Philhar- monie, Köpcnickcr Straße 96/97, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Der Vorverkauf zu den Volkskonzerten findet in der Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 15, Zimmer 18, statt, außer Sonnabends nachmittags, und in den betreffenden Konzertsälen. Die im Vorverkauf nicht unter- gebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Der Eintritspreis beträgt 30 Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr. Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin. In der Ausschuß« sitzung vom 10. Juli gedachte der Vorsitzende in warmen Worten der in den letzten Monaten gefallenen Sangesbrüder. Sodann teilte er mit, daß am Sonnabend, den 12. August, im Konzertganen des Fricdrich-Wilhclmstädtischen Schauspielhauses ein Konzert unter Mit- Wirkung des Berliner Sinfonie-Orchesters stattfindet. Die Proben hierzu finden für die Frauenchöre am 2. August, für die Männer« chöre am 4. August im Gewerkschaftshause statt. DaS StiftuugZ- fest des Gaues soll am 9. Dezember in der Philharmonie ge« feiert werden.__ Ms den Gememöen. Fürsorge für Arbeitslose der Textilindustrie in Neukölln. Der Neuköllner Magistrat hat beschlossen, entsprechend der von der Sladt Berlin, eingerichteten besonderen Fürsorge sür arbeitslose Angestellte, Arbeiter und Arbeiterinnen der Textilindustrie für die Dauer des Krieges auch für Neukölln eine gleichartige Regelung zu treffen. Die nach der bisherigen Arbeitszeit und dem Lebensalter bemessene Arbeitslosenunterstützung wird nach den ergangenen Be« stimmungen durch den Arbeitgeber ausgezahlt, der auch die An- Meldung der Arbeitslosen in der sozialen Versickerung weiter bewirkt. Arbeitslose, sür die ein früherer Arbeitgeber nicht in Betracht kommt, nMm ihre SnivSge im Zimmer 126, unter Vorlage der üblichen Ausweise wochentäglich aub»r Sonnabend, vormittags zwischen 9 und 12 Uhr stelle«. KriegSflhsorgeumt. Rathaus, 1 Trepp«. ....." rtfe"------- Lebensmittelverteilung in Schöneberg. Der Magistrat bringt vom Sonnabend, den 22. Juli ISIS, ab Kakao zur Verteilung. Die Abgabe erfolgt in Mengen von Pfund auf die Abschnitte der roten Lebensmittelkarte zum Preise von 0.00 M. Gegen Ende der nächsten Woche wird eine Verteilung von Haferflocken, Hafergrütze, Maisgrieb und Maismehl solgen. Haferflocken und Hafergrütze werden in Mengen von l/. Pfund zum Preise von 0,14 M. abgegeben, Maisgriek und Maismehl in Mengen von 200 Gramm zmn Preis« von 0,16 M. Eutwickelung der Charlottenburger Sparkaffe. In der Zeit vom 1. Januar bis zum SO. Juni dieses Jahres sind insgesamt 22 846 000 M. eingezahlt, dagegen nur 16 144 000 M. abgehoben worden. Von Mehreingängen sind 6 908 000 M. den Sparern für die Kriegsanleihen kündigungsfrei zur Verfügung ge« stellt worden. Die Anzahl der Sparer hat sich ebenfalls außer« ordentlich erhöht, sie ist seit Beginn dieses Jahres von 142 274 auf 149 661— also um 7337— gestiegen. Seit Beginn des Krieges ist die Anzahl der Sparer um 20 612 gewachsen. Aus der Gemeindevertretung Adlershos. In der letzten Gemeindevertretersitzung berichtete der Gemeinde Vorsteher Dr. Sporleder über die enormen Steuerausfälle und empfahl beim EisenbahnfiskuS den Versuch zu machen, durch ein Darlehen den gegenwärtigen Ausfall der Bahneinnahmen zu decken. Die Rückzahlungen sollen dann in normalenJahren ratenweise erfolgen. Ebensalls soll der GememdesteuerauSfall, der sich für 1915 auf 47 000 M. belief, auS Kreis« oder staatlichen Notstandsmitteln ge deckt werden. Zur Vorlegung des Bauplanes für das fiskalische Gelände an der Nudower Chaussee bemerkte der Gemeindevorsteher, daß versucht werden müsse, moderne VerkehrSstraßen zu schaffen, um die Industrie für den Ort zu interessieren, dann würde auch eine Gesundung der Finanzen eintreten. Zu diesem Zwecke wurden 1000 M. für Reklame bewilligt. Die Vertretung beschloß sodann eine BermiltelungSstelle für Bauinteressenten im Gemeindebureau ein- zurichten._ Gemeiudevertretersihuug in NowaweS. In ihrer letzten Sitzung beschäftigte sich die Gemeindevertretung unter anderem mit der Schaffung eines Ausschusses für den öffent« lichen Arbeitsnachweis, in dem neben dem Verband Märkischer Arbeitsnachweise, die Gemeindeverwaltung sowie Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten sein sollen und von dem die AufsichtS- behörden glauben, d«ß er zur Beseitigung des in den interessierten Kreisen noch vielfach vorhandenen Mißtrauens gegen die öffent- lichen Arbeitsnachweise beizutragen imstande ist. Wie Herr Syndikus Rosen thal mitteilte, soll der örtliche Ausschuß im Einverständnis mit dem Verbände Märkischer Arbeitsnachweise wie folgt zusammengesetzt sein. Vorsitzender: Syndikus Rosenthal; Vertreter der Gemeinde: Schöffe Steiner und Kämmerer Schmidt; Vertreter der Arbeitgeber: Fabrikbesitzer Levy und ein noch namhaft zu machender Vertreter der Firma Orenstein u. Koppel; Vertreter der Arbeitnehmer: GewerkschaftSsekretär OSmer und Weber Paul Wolter. Der Ausschuß, der mindestens einmal jährlich zusammen- treten und den der Borfitzende innerhalb 8 Tagen zu einer Sitzung einladen muß, wenn mindestens 3 Mitglieder dies schriftlich ver« langen, soll das Recht haben, etwaige Aenderungs- oder Verbesse« rungsvorschläge zu machen und über Beschwerden gegen die Geschäftsführung deS Arbeitsnachweises zu entscheiden.— Die in der Sitzung am 10. Mai für Pflasterung der Scheffelstraße bewilligte Summe von 6600 Mark mußte wegen der gestiegenen Herstellungskosten und der Beseitigung des Sommerweges auf 9000 Mark erhöht werden, wovon 2900 Mark im öffentlichen Jntereffe aufgewandt werden. Die Notwendigkeit der letzteren Summe, deren Aufbringung bemängelt wurde, begründete der Gemeinde- baumeister mit der Verteuerung der Materralien, der Arbeitslöhne, der für die einzige Durchgangsstraße von Neubabelsberg nach NowaweS erforderlichen Verbreiterung von 6 auf 9 Meter und mit der Festlegung der in den Verträgen mit den Anliegern normierten Beträge.— Zustimmung fand der vorgeschlagene Berkauf des für Gemeindezwecke ungeeigneten Grundstücks Kreuzstraße 10 zum Preise von 10 000 M. • Neufestsetzung der Kartoffelmenge in NowaweS. Die auf Grund der Kartoffelkarte abzugebende Kartoffelmenge ist nach Maßgabe der einzelnen Abschnitte von Donnerstag, den 20. d. M� ab auf 10 Pfd. festgesetzt. Der Verkauf durch die Gemeinde erfolgt Dienstag«. Mittwochs und Freitags von 2 bis 7 Uhr nachmittags in der Tmn- halle Scharnhorststraße. Mus aller Welt. Für 40 009 M. Fleischwaren vernichtet. Donnerstag nacht wurden, wie die.Deutsche Fleischer-Zeitung" berichtet, bei einem Brande des Kühlhauses aus dem Schlachthof in Pforzheim für 40 000 M. Fleischwaren vernichtet. 40 Personen an Fleischvergiftung erkrankt. Nach dem Genuß von gehacktem Fleisch erkrankten in Treuenbrietzen 40 Per- sonen an Fleischvergiftung, davon mehrere sehr bedenklich. Ein Doppelmord. Am Donnerstagnachmiftag hat der vor einigen Tagen von dem Landwirt Schöppel entlassene Knecht K a n h s e k dessen Schwester, die Frau des Schmiedemeisters Priese in Flemmingen, und die Magd Klara R o t t a u, mit der er ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, durch Beilhiebe ermordet, anscheinend aus Rache. Der Mörder ist noch nicht ergriffen. Der Mörder der Zoppoter Schutzleute verhaftet. Der Fürsorge. zögling Hochmut, der seinerzeit bei dem Versuch seiner Fest- nähme zwei Zoppoter Schutzleute ermordete und dann entfliehen kannte, ist, nach der„Voss. Ztg.", in Pillkallen verhaftet worden. Der Kanaltunnel zwischen England und Frankreich gesichert. Wie„Berlinfle Tidende* aus Paris erfährt, ist die Durchführung des Planes eines Tunnels zwischen England und Frankreich end- "liig gesichert. Auf französischer Seite mündet der Kanal bei Sawgatte bei Kap Griznez aus, auf englischer Seite südlich von Dover. Der Tunnel erhält eine Länge von 60 Kilometer, wovon 39 unter Wasser liegen. Der Tunnel erhält die Form eines Doppeltunnels. Zwischen beiden Gleisen beträgt der Abstand IL Meter. Fliegerunftlkle in Spanien. Ans dem Flugplatz Madrid stürzte ein Hauptmann bei der Landung ab und wurde verletzt. Auf dem Flugplatz in Tetuan fing ein Doppeldecker in großer Höhe Feuer. Die Insassen wurden getötet. Sturmwctter bei Ecylon. An der Küste von Ceylon herrscht nach einer„Reuter'-Meldung em heftiger Sturm. Man fürchtet, daß Hunderte von Fischern davon überrascht wurden und ertranken. Regierungsfahrzeuge suchen nach den Schiffbrüchigen. Viele wurden gerettet. Die Wirkungen der Katzenstener, welche im vorigen Jahre nach dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung in Reichenbach (Oberlaufitz) eingeführt worden ist, zeigt sich jetzt darin, daß die Zahl der dort gehaltenen Ratten und Mäuse vertilgenden Tiere von 400 auf 60 zurückgegangen ist, die insgesamt 200 M. Jahressteuer bringen._ parteweranftaltungen. Achtung! Teltow-BeeSkow! Der Gefchäftsführende Ausschuß von Groß-Berlin gibt im„Vorwärts" vom 20. Juli eine von ihm für unseren Wahlkreis einberufene Kreis- generalversammlung bekannt, die der Organisationsspaltung dienen soll. Wir weisen die Mitglieder unseres Kreises darauf hin, daß der geschäftsführende Ausschuß dazu weder berech- t i g t noch von uns beauftragt worden ist. Der allein hierzu berechtigte Kreisvorstand wirb w aller- nächster Zeit eine Kreisgeneralversammlung einberufen; des- halb ersuchen wir die örtlichen Wahlveretne, der zum 23. Juli 1916 einberufenen Versammlung fernzubleiben, Der Kreisvorstand. Thurow, LoeSke, Groger. PagelS, Ryneck, Ewald, Wenzel, Stiefsenhofer. * Vom GefchäftSführenden Ausschuß erhalte» wir zu vorstehender Erklärung folgende Aeußerung: Nicht einer OrganiiationS f p a l t u« g soll die von uns zum Sonntag einberufene Generalversammlung dienen, sondern im Gegenteil die Differenzpunkte zu beseitigen. Wenn zwei Teile flch nicht verständigen können, gibt es gar keinen anderen Weg als den, daß ein dritter Teil eine Verständigung herbeizuführen versucht. Zu einer solchen im Jntereffe der Partei liegenden Verständi» g u n g s a k t i o n hat der Zentralvorstand von Groß-Berlin nicht nur da» Recht, sondern sogar die Pflicht, und eS ist dringend zu wünschen, daß sich diesen Bemühungen niemand entgegenstellt, dem daS Wohl der Organisation bei KreiseS und der Partei am Herzen liegt. Wir hoffen, daß all« Ortsvereine und auch die Verfasser der obigen Erklärung der angebahnten Verständigung sich nicht enlgegen- stellen, sondern daß sie durch ihr Erscheinen auf der Generalver- sammlung am Sonntag den ehrlichen Willen zur Verständigung zum Ausdruck bringen. Das liegt gleicherweise im Interesse unserer Be- wegung in Groß-Berlin als im Interesse der Gesamtpartei. Neukölln. DaS Bureau des SSahlverewS Ist vom Montag, den 24. Juli, bis Donnerstag, den 27. Juli, vom 31. Juli bis 3, August und vom 7. August bis 10. August geschlossen. Der Frauenleseabcnd fällt im Juli auS. Schimeberg. Die Generalversammlung des WahlvereinS findet Dienstag, den 26. Juli, abend;'/,0 Uhr, im Schwarzen Adler, tauptstraße 144, stall. Tagesordnung: Geschäfts- und Kassenberichte sowie euwahl des Vorstandes. Die Mitglieder sind hierzu dringend eingeladen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Jugenöveranftaltungen. Wilmersdorf. Sonnabend und Sonntag: Nacht- und TageS- Wanderung»lach Erkner, Grünheide, Werlsee, Erkner. Trefftmnkt: Sonnabend, abend; 7 Uhr, im Jugendheim, Mannheimer Straße 61, Sonntag früh flzk Uhr, Bahnhof Schmargendorf. Kosten 1,50 M. Gäste willkommen. Abonnenten jür die„Arbeiterjugend" werden täglich im Heim aus- genommen. Fricdrichshage». Sonntag, den 23. Just: Tageswanderung nach Kalkberge. Treffpunkt früh 6 Uhr, am Bahnhof. Heschästliche Mitteilungen. Da; Spezialhaus für Herren- und Knabenbekleidung von S. I o s e P h in Schöneberg, Hauptstratze, Ecke Grunewaldstraße, weift auf fein reich assortiereS Lager hin._ Sriefkasten öer Redaktion. Dt« lvristischi Spr-chstund- findet für Abonnenten Lindenftr. 3, I?. Pos rechts, parterre, am Montag bis Freitag von t bis 7 Ugr, am Sonnabend von 6 Iis 6 Uhr statt. Jeder für den Briefkasten bestimmte» Anfrage ist ein Buchstabe unb eine Saht ai; Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, betgefügt ist, werden nicht beantwortet. Sprechstunde vor. Verträge, vchriststücke und dergleichen bringe mar in dt« Sprechstunde mit. K. Tch. 47. Di« Firma ist für den Diebstabl nicht haftbar.— CS. «R. 63. Da ein voller JabreSverdicnst vom vorigen Jahre für Sie nicht vorliegt, so können Sie gemäß dem jetzigen Einkommen zur Vieuer ver- anlagt werden. Wenn Sie der Aufforderung der Steucreinschätzungs» kommissio» nicht nachkommen, wird Ablehnung der Reklamation erfolgen. — F. G. 84. Anspruch auf Krankenrente besteht nur von der 27. Krank- hettswoche ab. Wenn Sie aber mindestens zu 66'/, Prozent erwerbsunfähig erachtet find, fo können Sie Antrag auf Gewährung der Invalidenrente stellen.—_ Buchholz 4. Zur Zahlung der Kirchensteuer sind Sie ver- pflichtet. Sie könnten um Eeftundung einkommen.— I. 100. Di« Karten dürfen nicht aus eine andere Person übertragen werden. Sie machen flch strafbar.— O. K. 18. Lungenlciden: zurückgestellt.— A. W. �3. Die Arbeitsordnung ist für die Kündigungszeit maßgebend. Sie hoben also keinen Anspruch auf 14tägige Kündigung.— Herta 100. Ja. Antrag auf Löhnung ist beim Ersatzbataillon desjenigen Truppenteils zu stellen, zu dem der Sohn eingezogen wurde.— Adlershof. Bitte solche Relchsgerichtsentfcheidung ist uns nicht bekannt. Unseres Erachten; find Sie aber zur Versicherung verpflichtet. -7 A. B.<£. IOO. 1. Sie müssen darüber Erkundigungen beim Be« zirk;lonnn«ndo einziehen. 2. Die in einem Lande als gesetzliche; Zahl» mittel anerkannte und al; allgemeine; Wertmaß dienende Geldeinheit; der Gegenwert, den ein anderes Land dafür gibt.— H. R. W. 30. 1. Eine wcilere Beschtverde ist namentlich jetzt aussichtslos. Der Sohn hat keinen absoluten Zwfpruch au! Gewährung von Urlaub. 2. Eventuell können Sie fich an den Regimentskonmiandeur wenden.— I. SS. 93. Bei Ihrem Fortznge nach außerhalb gehen Sie der kommunalen und der Mietsunter« stütznng verlustig. Sie erhalten dann nur die slaatllche Unterstützung. — R. H. 18. Bei diesem geringen Vermögen iann der Vater dazu nicht verpflichtet werden.— K. fi. 1000. Ja.— H. SS. 349. 1. Sie haben Anspruch aus Nachzahiung de; Krankengeldes. 2. Nein.— G. SS. 80. 1. Wen« die Invalidität des Ehemannes vor dem 1. Januar 1312 ein« getreten ist, so besteht kein Ansprrch. 2. Vom Konsulat wird Ihnen keine Unterstützung gezahlt.— W. T. 4. 1. Kündigung muß am 16. zum 1. er- solgen. 2. DaS unterliegt der Vereinbarung zwischen Herrschaft und Dienst« madchen. Eine bestimmte Zeitdauer ist dasür nicht gesetzlich festgesetzt. — A. B 3 Bände 4 Mark■ Zu allerbilligsten Tagespreisen empfehle in allen meinen Verkaufsstellen Sufter, Star, Käse UCarmeladen und andere Nahrungsmittel in besten Qualitäten. J. F. Assmann Butter-Großhandlung, 35 Verkaufsstellen in Groß-Berfin. Buchhandlung vorwärt» Bensu�sciuellen- V eraselclinls Berlin-Norden Ff&sch- u. Wurstw. f. Str. US. vorm. O. 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