Nr. 205.- 33. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis pranumerando Vierteljährl 8,90 M, monatl. 1,30 wöchentlich 80 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. BostAbonnement: 1,30 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat Bostabonnements nehmen an Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene ftolonelgeile gder deren Raum 60 Pfg., für bolitische und gewertschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 fg.( zufäffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erfte Bort 10 Pig., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. Inserate. für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 151 90-151 97. Bülow und Bethmann. Von Ed. Bernstein. In alten Märchen liest man oft von einem franken König und einem Aufruf an alle diejenigen, welche ein Mittel zur Heilung von des Königs Leiden zu haben glauben, sich einzufinden und den Beweis zu liefern, daß ihr Mittel das rechte sei und sie die berufenen Retter. Der ihnen winkende Preis ist dann meist die Hand der selbstverständlich stets wunderschönen Tochter des Königs. Solche kranken Märchenkönige sind heute die Länder, über die der Krieg gekommen ist. Er zehrt an ihren besten Organen, entzieht ihnen die wertvollsten Lebensfäfte und bedroht sie dadurch mit schließlich eintretender völliger Entkräftung. So schauen sich denn immer mehr Menschen nach dem Heilkundigen aus dem Märchenlande um, der das fertig zu bringen vermag, was die Kunst der Beib- und Sofärzte will sagen der im Amte befindlichen Staatsmänner nicht erwirken will. Wenn die Menschen in großen Nöten sind, werden sie leicht wundergläubig. Soweit sie fromm sind, beten sie zum Himmel um das rettende Wunder, soweit sie an feine übersinnliche Macht glauben, bliden sie nach dem Uebermenschen aus, der die Rettung bringen kann und soll. Freitag, den 28. Juli 1916. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 151 90-151 97. Ein Diplomat aus den Tagen der alten Kabinettspolitik könnte in seinen politischen Anweisungen nicht mit größerer Gleichgültigkeit über alles hinweggehen, was in den Herzen und Köpfen der Völker lebt, als es hier von seiten des Mannes geschieht, der sich sonst auf seine Modernität gern etwas zugute tat. Er vertritt hier nur die schlimmsten Seiten der Staatsentwicklung unserer Tage. Eine Modernität, von der wir übergenug haben. Sentenzen durchsetzt, die zusammen, wie bemerkt, ein ganzes fonnte. Soviel müssen wir aber doch sagen, an dem Geist Programm abgeben, und wird von seinen Lobrednern als eine gemessen, der durch dieses Buch Bülows zieht, erscheint der solche Programmschrift propagiert. Seine Auslassungen über gegenwärtige Kanzler immer noch als einigermaßen fortschrittdie auswärtige Politik werden unter anderem als Kund- lich angehaucht. gebung der Nichtschnur bezeichnet, an die Bülow sich für die Bestimmung der Kriegsziele halten würde, wenn er das Steuerruder des Reiches wieder in Hand bekäme. Und da fehlt es denn in der Tat nicht an Säßen, die Bülow als den sagen wir wagen den Staatsmann erscheinen lassen, nach dem die Leute rufen, die nur von einem Frieden wissen wollen, den Deutschland diktiert. Gleich im Vorwort stoßen wir da auf die Erklärung, das Ergebnis des Krieges dürfe fein negatives, es müsse ein positives fein. Es handle fich„ nicht darum, daß wir nicht bernichtet, nicht verkleinert, noch zerstückelt, noch ausgeraubt werden, sondern um ein PIus in Gestalt realer Sicherbeiten und( 1) Garantien als Entschädigung für nie gesehene Mühen und Leiden, wie als Bürgschaft für die Zufunft". Unterscheidet sich dies noch wenig von den programmatischen Erklärungen Bethmann Hollwegs, so flingt es schon wesentlich mehr nach der Seite der Eingabe der sechs Verbände, denen Bülow denn auch an einer Stelle ein tiefes Kompliment macht, wenn er fortfährt: Gegenüber der Stimmung, die dieser Krieg gegen uns zurück laffen wird, würde die einfache Wiederherstellung des Status quo ante bellum( Bustandes vor dem Kriege) für Deutschland nicht Gewinn, sondern Verlust bedeuten. Nur wenn die Verstärkung unserer politischen, wirtschaftlichen und militä rischen Machtstellung durch den Krieg die durch ihn entzündete Feindschaft erheblich überwiegt, werden wir uns mit gutem Gewissen sagen können, daß unsere Gesamtlage durch den Stieg berbessert wurde."( S. XII.) kein deutscher Boykott neutraler Firmen. Die Norddeutsche Allgemeine Beitung" schreibt: Im britischen Unterhause hat der Minister Lord Robert Cecil das System der Boykottierung neutraler Firmen durch die amtliche schwarze Liste gegenüber der in Amerika entstandenen Bewegung au verteidigen gesucht. Was er dabei vorgebracht hat, ist schon in der den neutralen Mächten unterm 15. Juni 1916 überreichten Dentschrift der deutschen Regierung über die völkerrechtswidrigen Maßnahmen Englands gegen neutrale Firmen, die Handelsbeziehungen zu Deutschen unterhalten, eingehend widerlegt worden. Lord Robert Cecil hat nicht einmal den Versuch gemacht, die völkerrechtlichen Darlegungen und tatsächlichen Feststellungen dieser Denkschrift zu entträften. Dagegen hat er sich bemüht, die Methode des Anschwärzens auch auf die deutsche Regierung anzuwenden, indem er, wie Reuter meldet, behauptet, die englische Regierung habe Nachrichten, daß die deutsche Regierung ähnliche Schritte wie die englische gegen Firmen in neutralen Ländern unternommen habe. Diese Behauptung ist böllig unzutreffend. In Deutschland ist niemals, eine Maßnahme getroffen worden, die irgendwie mit den hölkerrechtswidrigen Eingriffen Englands in die Handelsfreiheit der Neutralen verglichen werden könnte. New York, 26. Juli.( Funkspruch des Vertreters des Kriegs- Prosperität. Solcher Leute, die auf der Suche nach einem Uebermenschen aus sind, gibt es heute auch bei uns in Deutschland nicht wenige. Nicht alle aber wollen von ihm das Gleiche. Den einen ist es nur um den Frieden schlechthin zu tun, andere aber wollen, um es ganz objektiv auszudrücken, einen vor allen Dingen materiell ertragreichen Frieden, und da Herr von Bethmann Hollweg ihnen den nicht in der gewünschten Beschaffenheit in Aussicht stellt, wäre ihnen dessen Ersetzung durch einen Kanzler gar sehr erwünscht, von dem Dieser Sat, deffen sich die Presse der Ententeländer sofort sie solche Wunderdinge erwarten fönnen, wie eine Berschmette- bemächtigt hat, ist das Leitmotiv aller weiteren Ausführungen rung ganzer Nationen bis zur bedingungslosen Unterwerfung Bülows, die sich auf die Striegsziele beziehen. Er vermeidet unter ihnen aufgeherrschte Friedensvorschriften. Die fo- es zwar weislich, allzu konkret zu werden, gibt aber deutlich genannte Bethmann- Fronde, d. h. die persönlich zugespitzten zu verstehen, daß im Westen und im Osten Deutschlands Amerikas Stellung zur„ Schwarzen Liste". Angriffe auf Bethmann Hollweg aus den Reihen derer, die Grenzen eine vorteilhaftere Gestalt erhalten müssen und er- Amfterdam, 27. Juli.( W. Z. B.) Der Times" wird aus sich die Staatserhaltenden nennen, mögen bei einigen mehr möglicht dem Leser die Folgerung, daß er Bülow im Washington berichtet, daß das Kabinett über die Frage der Pressionsmittel sein, Drohung oder Bluff, um den jezigen gegebenen Beitpunkt weit fräftiger zugreifen werde, als der Schwarzen Liste beriet. Unmittelbar darauf hatte der britische BotKanzler zur Verkündung von Kriegszielen in ihrem Sinne jebige Kanzler. König Ludwig III.- heißt es auf S. 85/86 fchafter eine lange Unterredung mit dem Unterstaatssekretär des auszustacheln. Bei anderen aber sind sie ganz ersichtlich von hat dem bayerischen und( 1) dem deutschen Volke aus dem Staatsdepartements Bolt. Er versprach, daß im britischen Parladem Wunsche eingegeben, einen unternehmungsluftigeren Herzen geredet, wenn er sagte, daß wir einen Frieden brauchen, ment zur Aufklärung des Mißverständnisses, das bezüglich der Mann an der Stelle zu sehen, wo jetzt der„ langweilige" der uns die Ruhe sichert; so ungeheure Opfer dürfen nicht Schwarzen Liste herrsche, eine Erklärung abgegeben werden würde. Schloßherr von Hohenfinom steht. umsonst gebracht worden sein." Wie König Ludwig das da Das Handelsverbot beziehe sich nur auf Firmen, die den größten Teil In diesen Regionen hat man denn auch mit lautem Jubel mals im Konkreten gedeutet hat, ist bekannt, bekannt ist aber ihres Gewinns dem Handel mit dem Feinde verdanken und ihren das Buch begrüßt, das Bethmanns Vorgänger im Amt, Fürst auch, welches Echo diese Deutung seinerzeit in der Welt her- Kredit zu seiner Verfügung stellen. Bülaw, unter dem Titel„ Deutsche Politik"( Verlag vorgerufen hat. Sie heute wieder aufzufrischen, ist von einem Reimar Hobbing, Berlin) veröffentlicht hat und das im Politiker, der das Ausland einigermaßen fennt, ein um so. E. B.) Mit Bezug auf die Ankündigung Englands, daß Gewesentlichen eine Vorführung und Begründung der Gesichts- stärkeres Stück, als Bülow an anderen Stellen seines Buches schäftshäuser, die ihren Sitz in Amerika haben, auf die schwarze Liste punkte ist, nach denen Bülow zufolge Deutschlands Politik in allerhand Variationen dem Leser zu Gemüte führt, daß gesetzt werden sollen, besagt eine Washingtoner Meldung, es feien betrieben werden muß, von ihm während seiner Kanzlerschaft die Leitung der auswärtigen Bolitif einer feinen und Anzeichen dafür vorhanden, daß neue diplomatische Vorbetrieben wurde und somit auch, hat der Leser im Geist hinzu- starten staatsmännischen Hand bedürfe. Es ist aber stellungen die Folge sein würden, wenn amerikanische Firmen zufügen, von Bülow betrieben werden würde, wenn er aufs von jeher Bülows Art gewesen, nach allen Richtungen hin oder Bürger benachteiligt. werden sollten. In amtlichen Kreisen wird neue das Kanzleramt zugewiesen erhielte. Die Mehrzahl der Verbeugungen zu machen. In den Salons der Diplomatic es als ein flarer Grundsatz des Völkerrechts angesehen, daß GeOrgane unserer Partei, die von diesem Buch Notiz genommen mag das auch am Blake sein. Die von der furchtbarsten schäftsfirmen bie Staatsangehörigkeit des Landes annehmen, in dem haben, haben ihm eine ziemlich schroffe Abweisung zuteil Heimsuchung getroffene Welt bedarf aber einer anderen sie ihren Wohnsitz haben, werden lassen. Danach möchte es überflüssig erscheinen, sich Sprache. Hier heißt es: entweder oder. Entweder be. noch weiter mit ihm zu beschäftigen. Indes haben sich auch kenne dich rundheraus zur Politik des Draufgängertums mit Sozialisten gefunden, die ihm eine gute Note erteilt haben, allen seinen Konsequenzen und Gefahren für dein Volk oder und dies sowie die Dithyramben, die ihm von Blättern ge- denke bei allen Maßnahmen der Gegenwart, die du empfiehlst, sungen werden, hinter denen Leute von nicht zu unterschäßen- an ihre Wirkungen in der vor dir und deinem Volk liegenden dem Einfluß stehen, rechtfertigen es, das in dem Buche ent- Bukunft. Wir haben es erlebt und sehen es heute deutlicher wickelte Programm etwas genauer zu betrachten. als je vor uns, wie die 1870/71 befolgte Politik der GrenzZieht man die drei Jahre hinzu, während deren Bülow regulierung auf der Basis des Kriegsglücks auf die Beunter dem greisen Chlodwig Hohenlohe zwar nur erst ziehungen des deutschen Volkes zu einem großen NachbarStaatssekretär des Aeußern war, aber doch in dieser Amts- volfe zurückgewirkt hat und was das Ende davon war. Eine stellung eine ganz andere Nolle gespielt hat, als sie heute Staatskunst, die diese Lehren leichthin beiseite schiebt, statt Herrn v. Jagow beschieden ist, so kann man sagen, daß Bülows fie dem eigenen Volfe, dessen Urteil durch die Quellen, aus Amt als Vertreter der auswärtigen Bolitik des Deutschen denen es seine Informationen über die Ursache und EntReiches zusammenfällt mit der Epoche, wo Deutschland an- stehung des Krieges empfängt, unsicher geworden ist, in passenfängt, in größerem Stil und mit stärkerer Betonung Welt- der Form nachdrücklich zum Bewußtsein zu bringen, hat auf Das ist eine furchtbare Kennzeichnung unserer Drganisation politik" zu treiben, was sich bei Bülow in Weltmacht alle möglichen Bezeichnungen Anspruch, nur nicht auf den in Friedenszeiten. Was besagen diese Ziffern? Sie sagen politik übersetzt. Es sind die Jahre der großen Flotten- Titel fein und staatsmännisch. Ebensowenig ist sie uns in der Tat, daß, wenn eine. Möglichkeit für alle, zu arbeiten, borlagen, der Einleitung der deutschen Orientpolitik, der Fest- im politischen Sinne des Wortes wahrhaft stark. da ist, so gut wie keine Beschäftigungslosigkeit, wenig Pauperismus segung Deutschlands in China und der Tangerfahrt mit A- Aber wir brauchen gar nicht erst an die Zukunft zu und nichts als ein Rest der unglücklichen Leute vorhanden ist, die geciras im Gefolge. Dieses und vieles andere schildert der denken. Schon mit Rücksicht auf die platte rauhe Gegenwart man als Unbehaufte(( ,, homeless") bezeichnet und die unter allen bierte deutsche Reichskanzler mit ersichtlicher Genugtuung in stellt sich das Problem ganz anders, als wie Bülow es prä- Männern und Frauen als diejenigen erscheinen, denen am wenigsten seiner bekannten leichtflüssigen Manier, wobei er es an Bitaten fentiert. Den am Ruder befindlichen Staatsmännern stehen geholfen werden fann und die sich selbst am wenigsten helfen können. nicht mangeln läßt, die diesmal zu einem guten Teil aus der für die Erzielung eines vernünftigen Friedens in fast allen wir dürfen beinahe sagen, daß der Pauperismus in der Kriegszeit Literatur der Diplomatie stammen, und es müßte unnatürlich Ländern ihre eigenen Neden aus dem ersten Kriegsjahr im gar nicht da ist, da von den herringerten Bahlen auf den Listen die zugehen, wenn die Vorführung seiner Politik sich nicht unter Wege, wo Erfolgrausch oder Leidenschaft sie zu den weitest- Hälfte franke Leute darstellt, die in Anstalten untergebracht sind, und seiner Feder zur Verherrlichung dieser Politik gestaltete. Der gehenden Anfündigungen über das Kriegsziel hinriffen. Die die andere Hälfte so ziemlich ganz aus Kindern und Alter Leser des Buches empfängt den Eindruck, daß hier ein Staats- Wahrscheinlichkeit ist, daß die bittere Notwendigkeit überall besteht. Der erwachsene Pauper von arbeitsfähigem. Alter mann vor ihm tritt, der durch Festigkeit und diplomatisches ein Burückgeben von diesen Programmen erzwingen wird, ist, wie es scheint, ganz verschwunden. Nun gibt es, Geschick das zu verwirklichen wußte, was er sich zum Ziel und wo die Herren, die sie verkündet haben, nicht imstande im ganzen genommen, zwei Theorien der sozialen Ber gesetzt hatte, und am Ende seiner Amtstätigkeit Deutschlands find, selbst von ihnen abzugehen, wird freilich ein Personen- wüstung. Die eine schreibt diese hauptsächlich Charakterfehlern und Macht und Geltung in der Welt sehr wesentlich stärker zurück- wechsel unerläßlich werden. Aber kein Land wird seine Lage Vererbung zu, und es wird angenommen, daß der Beschäftigungsließ, als sie zu deren Beginn gewesen waren. Ueber die Kehr- dadurch verbessern, daß es, biblisch ausgedrückt, den alten lose von Natur aus nicht beschäftigbar sei. Der Pauper ist seiten seiner Erfolge gleitet er, sofern er ihrer überhaupt ge- Salomon wegbetet, um ihn durch den jugendfrischen Rehabeam also von Natur ein Abfall, der Trinker und Verbrecher sind Trinker denkt, was ziemlich selten der Fall ist, mit einigen eleganten zu ersetzen. Der Umstand, daß Herr v. Bethmann Hollweg und Verbrecher von Natur. Die andere Theorie schreibt diese ErWendungen hinweg. von denen um Bassermann, Dertel und Westarp in unsinniger scheinungen hauptsächlich den Fehlern der sozialen Dr Darauf käme auch nicht allzuviel an, wenn das Buch Art bekämpft wird, kann für die Sozialdemokratie kein Grund ganisation zu. Sie behauptet, daß die Beschäftigungslediglich Erzählung sein wollte. Niemand wird eine solche sein, von ihrer Oppositionsstellung ihm gegenüber abzulassen. Iofigkeit hauptsächlich Folgeerscheinung einer schlect organi als erschöpfende Geschichtsdarstellung betrachten. Aber das Rwischen ihm und uns klafft der Unterschied einer ganzen fierten Industrie, Armut und Pauperismus hauptsäch Buch ist eine Tendenzschrift. Es ist als solche mit politischen Weltanschauung, den der gegenwärtige Krieg nur vertiefen lich Wirkungen der ungleichen Verteilung des Wohl Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Jm englischen Unterhaus hat vor einigen Tagen der Vorfizende des Lokalverwaltungsamts 2ong mitgeteilt, daß der Pauperismus im 2and nie so gering gewesen sei wie jest. Arbeitslosigkeit gibt es so gut wie überhaupt nicht und die Arbeitslosenkaffen wurden im vorigen Jahre nicht in Anspruch genommen. Die Vagabondage beträgt ein Drittel der von 1912 und die Bahl der Unbehausten ist von 491 auf 44 gefallen. Der Manchester Guardian" macht zu diesen Bemerkungen, die teilweise auch in anderen Ländern wahrzunehmen sind, folgende treffenden Bemerkungen: Standes, und Trunksucht und Verbrechen hauptsächlich Wirkungen der Wohnungsverhältnisse, des Elends usw. Diese Theorie lägt natürlich dem individuellen Charakter einen gewissen Spiel raum, denn es ist klar, daß die Menschen nicht bloße Puppen der sozialen Kräfte sind. Aber sie legt das Hauptgewicht auf das foziale System. Die Tatsachen, die Herr Long zusammengefaßt hat, scheinen mächtig für die zweite dieser Theorien zu sprechen. Der Krieg hat ein Experiment für uns gemacht das Er periment einer Aenderung unseres sozialen Eystems durch eine plögliche Nachfrage nach der Beschäftigung eines jeden Mannes bon militärdienstpflichtigem Alter, mit gleichzeitiger Unterstügung feirer Familie und weiter auch durch die Nachfrage nach Beschäftigung von jedem, ob Mann oder Frau, der mit seinem Gehirn oder mit seinen Händen arbeiten kann. Die Wirkung war, daß so ungefähr alles, was Abfall" genannt wird, beseitigt wurde. Die Unbeschäftigten haben gezeigt, daß sie nicht unbeschäftigbar sind, die Paupers haben sich selbst halten und die Unbehausten haben Obdach gefunden. Das find sichere Anzeichen, daß diese Klassen in der glücklichen Lage, worin der Krieg fie fand, nicht so sehr infolge unausrottbarer persönlicher Defette, sondern infolge von Mängeln unserer sozialen Organisation waren. Ist dem so, müssen wir nach dem Kriege trachten, daß unsere soziale Organisation re formiert werde. Es ist gut, ein fleines Stüd solcher rekonstruierender Reform mitten im Blutvergießen aufzuzeigen. Der französische Tagesbericht. erun Paris, 27. Juli.( W. Z. B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch nachmittag. An der Sommefront war die Nacht ruhig. Im Laufe des Kampfes, der uns vorgestern gestattete, die Häuserinsel südlich von Estrées zu nehmen, machten wir 117 Ges fangene. Wir erbeuteten drei neue deutsche Geschüße und viel Material, das wir in dem am 20. Juli nördlich von Soyecourt von uns eroberten Gelände gefunden haben. Damit beträgt die Zahl der an diesem Tage dem Feinde abgenommenen Geschüße sechs. Auf dem rechten Maasufer lebhafte Artillerietätigkeit im Abschnitte bon Fleury. Wir haben feindliche Abteilungen nördlich von Chapelle- Sainte- Fine unter Feuer genommen und zerstreut. In der Nacht vom 25. auf den 26. Juli hat eines unserer Luftgeschwader 40 120- millimeter- Bomben und zwei 200- millimeter- Bomben auf militärische Anlagen bei Thionville und Rombach geworfen. Nach Erledigung dieses Auftrages stieg dasselbe Geschwader vor Tagesanbruch von neuem auf, um ein wichtiges Munitionsdepot in der Nähe von Dun zu bombardieren. 88 Bomben wurden auf dieses Ziel geworfen. In derselben Nacht wurden 29 Bomben auf die Bahnhöfe von Bilosnes und Brieulles und auf Lager in der Nähe von Dannevoug geschleudert. Vier Paris, 27. Juli.( W. T. B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch abend: Südlich der Somme machte uns ein Handftreich zu Herren eines befestigten Hauses ungefähr 150 Meter füdöstlich von Estrées; wir haben einige Gefangene gemacht. 105- Millimeter- Geschüße, die in der vorgestern von uns füdlich von Estrées eroberten Batterie genommen wurden, kommen zu dem bereits erbeuteten Material hinzu. An der übrigen Front war der Tag ruhig, außer in der Champagne, wo ziemlich lebhafter Artilleriefampf in dem Abschnitt westlich von Prosnes stattfand. Britischer Bericht von 7 Uhr abends: Außer einigen Artillerielämpfen und örtlichen ziemlich lebhaften Gefechten ist heute nichts sehr wichtiges zu melden. Belgischer Bericht: Einige Artillerietätigkeit an der Front der belgischen Armee. Die englische Meldung. London, 26. Juli.( W. T. B.) Amtlich. Haig berichtet: Ganz Pozières ist jetzt in unseren Händen. Westlich des Dorfes machten unsere Territorials weitere Fortschritte, eroberten zwei starte Laufgräben und machten eine Anzahl von Gefangenen, darunter fünf Offiziere. Im übrigen feine Veränderung. Der russische Kriegsbericht. Petersburg, 27. Juli.( W. T. 28.) Amtlicher Bericht bom 26. Juli na chmittags. Am 25. Juli fandte der Bar folgendes Telegramm ab: An den Oberstkommandierenden in Tiflis: Voller Freude habe ich die Einnahme von Erzindjan erfahren. Ich spreche Dir und dem heldenmütigen fautafischen Heer aus vollstem, Herzen meine Glückwünsche aus zu diesem Siege. Ich bin hocherfreut, daß diese Truppen so schnell durch ihre Taten mein Vertrauen gerechtfertigt haben." Westfront: In der Gegend von Remmern( 8 Kilometer weftlich Schlock) griffen die Deutschen zweimal nach Artillerievorbereitung an. Sie drängten an einigen Puntten unsere vorderfte Linien zurüd, mußten fich aber dann unter unserem konzentrischen Feuer zurück ziehen und das gewonnene Gelände unter großen Verlusten an Toten und Verwundeten aufgeben. Im Verlauf dieser Kämpfe verwendeten die Deutschen Explosivkugeln, sowie Geschosse mit Stickgasen. Nordöstlich Baranowitschi heftiges Artilleriefeuer auf beiden Seiten während des ganzen Tages und Kampf der Bortruppen, wo bei die unfrigen an einigen Stellen ein wenig vorwärts tamen. Sechs feindliche Flugzeuge warfen 32 Bomben auf den Bahnhof Samirje( 42 Stilometer nordöstlich Baranowitschi), 11 feindliche Flugzeuge warfen 71 Bomben auf den Bahnhof von Bogorjelch( 22 Rilometer nordöstlich Baranowitschi). In der Gegend des Dorfes Wonki ( 24 Kilometer südöstlich Baranowitsche) überschritt eine feindliche Kompagnie in der Nacht vom 25. Juli nach heftigem Artilleriefeuer den Fluß Schtschara und näherte sich unseren Stacheldrahthinderniffen. Sie wurden jedoch durch Infanterie- und Maschinengewehrfeuer zurückgeschlagen. In der Gegend des Flusses wurde der Feind Wir machten weiter unter fehr großen Verluften zurückgedrängt. 63 Offiziere und 4000 Soldaten zu Gefangenen und erbeuteten 5 Geschüße und 6 Maschinengewehre, 12 Staften mit Munition und anberes Kriegsmaterial. Die Gefangenenzahl wächft. Rautajus: Am 25. Juli besetzten die tapferen Truppen des Generals Judenitsch nach Kampf die Stadt Erzindjan, womit sie die Eroberung Armeniens zu Ende führten. Amtlicher Bericht vom 26. Juli a benda Lage unverändert. An der Westfront und an der Nautasusfront if die 3m Schwarzen Meer begegnete eine Abteilung unserer Schiffe dem Kreuzer" Breslau", der seinen Kurs auf Noworossist hielt, und verfolgte ihn bis zum Einbruch der Nacht. Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, 27. Juli 1916.(.. B.) Weftlicher Kriegsschauplah. Zwischen Ancre und Somme bis in die Nacht hinein starke beiderseitige Artillerietätigkeit; feindliche Handgranatenkämpfe westlich von Bozières wurden abgewiesen. Südlich der Somme ist ein französischer Angriff nordöstlich von Barleur gescheitert. An Diese Nacht wurden in Gegend Kalte Höhe- Fleury mehrere starte französische Angriffe abgeschlagen. einigen Stellen dauern die Kämpfe noch an. Starke englische Erkundungsabteilungen an der Front südwestlich von Warneton, Patrouillen bei Richebourg abgewiesen; ein französischer Handstreich nördlich von Viennele- Château( Westargonnen) ist mißlungen. Unsere Patrouillen haben bei Ville- aux- Bois und nordwestlich von Prunay in der französischen Stellung rund 50 Gefangene gemacht. Im Luftkampf wurde ein französischer Doppeldecker bei Beine( östlich von Reims) abgeschossen. Deftlicher Kriegsschanplay. Gestern abend stürmten die Russen vergebens gegen unsere Stellungen an der Schtschara nordwestlich von Ljachowitschi an. Auch westlich von Beresteczko wurden fie blutig zurückgewiesen. Soust find abgesehen von einem für die Gegner verluftreichen Vorpostengefecht an der Komaika südlich von Widsy keine Ereignisse zu berichten. Balkan- Kriegsschauplah. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresfeitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 27. Juli.( W. Z. B.) Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplas. Westlich von Berefteczko wurde ein russischer Nachtangriff abgeschlagen. Wiederholte heftige Angriffe, die der Feind gestern nachmittag zwischen Radziwillow und dem Styr führte, brachen unter schweren Berluften zusammen. Beiderseits der Straße von Leczniow setzten die Russen ihre Anstrengungen auch in der Nacht fort; sie wurden nach erbittertem Kampfe zurückgeworfen und ließen tausend Gefangene in unseren Händen. Nördlich des Prislopfattels haben unsere Truppen die Vorrückung aufgenommen, den Czarny Czeremosz überschritten und mit Teilen die jenseitigen Höhen gewonnen, auf denen Gegenangriffe abgewiesen wurden. Italienischer Kriegsschauplah. Während im Kampfgebiet füblich der Bal Sugana bie Ruhe gestern anhielt, wurde bei Paneveggio wieder heftig gekämpft. Bon 7 Uhr vormittags an standen die Stellungen unserer Truppen auf den Höhen südwestlich des Ortes unter äußerst heftigem, auch schwerem Geschütfeuer; mittags folgte gegen diesen Abschnitt ein starker italienischer Angriff, der bis 2 Uhr nachmittags unter schweren Berluften des Feindes restlos abgewiesen wurde. Hierauf sette das starke Geschütfeuer neuerdings ein. Um 6 Uhr nachmittags schritt der Feind mit frischen Truppen abermals zum Angriff vor. In erbittertem Nahkampf wurde er wieder vollständig zurüdgeworfen; ein nochmaliger Borstoß um 11 Uhr abends scheiterte gleichfalls. Unsere braven Truppen behielten alle Stellungen in Befit. Auf den Höhen nördlich bes Drtes war tagsüber Artilleriekampf im Gange. An der Kärntner und Isonzofront stellenweise lebhaftere Gefechtstätigkeit. Südöstlicher Kriegsschauplas. unverändert. Der Stellvertreter des Chefs bes Generalstabes: v. vefer, Feldmarschalleutnant. vom 24. zum 25. atvei heftige feindliche Angriffe gegen den Cimone gipfel zurüd. Wir fegten unsere Rampftätigkeit fort, bie bahin zielt, den Gegner, von dem schwierigen, waldigen und abschüssigen Gelände des Cimone gegen Tonezza hinabzujagen. Auf der Hochfläche von Schlegen feßen sich unsere Truppen in den genommenen Stellungen feft. Während fleiner Zusammenstöße wurden dem Feinde an 80 Gefangene abgenommen. Im Travignolotale belegten unsere Flugzeuge Baris und Magazine in Bellamonte mit Bomben. In Carnien Schüsse unserer Artillerie gegen Tier- und Bagenkolonnen auf der Straße des Monte Croce Comelice. Der Gegner warf einige Granaten auf bewohnte Drte im oberen Deganotal, die einige Opfer unter der Bevölkerung forderten. Am Jfonzo fein wichtiges Ereignis. Man meldet immer ausgedehn teren Gebrauch von Explosivgeschossen auf seiten des Feindes. Cadorna Die türkische Hauptquartiersmeldung. Konstantinopel, 27. Juli.( W. T. B.) Das Hauptquartier berichtet: Einer unserer Flieger überflog am 24. Juli Tenedos und schleuderte mit Erfolg Bomben auf feindliche Schiffe und Brahme, die in der Bucht erschienen waren. Am Morgen des 24. Juli landete der Feind unter dem Schuße einiger Fahrzeuge mehr als hundert Banditen auf dem Nordufer des Zuzladere westlich von Aivadjit. Bei dem Zusammenstoß zwischen unseren Truppen und den Banditen verloren diese Tote und Verwundete und flüchteten sich dann auf die Schiffe. Inzwischen griffen zwei unserer Flieger die feindlichen Schiffe und Prahme mit Bomben und Maschinengewehrfeuer an und verursachten dem Feinde Verluste. An der ägyptischen Front in der Nähe von Katia Patrouillenscharmüßel. Ein Flugzeug, das der Feind vor Ghaza von einem Mutterschiff aufsteigen ließ, wurde durch Meldung der italienischen Heeresleitung. verjagt, der gleichzeitig die feindlichen Schiffe und die sie beitalienischen Heeresleitung. unser Artilleriefeuer und darauf durch einen unserer Flieger Rom, 26. Juli.( W. X. 28.) Amtlicher Bericht. Im gleitenden Torpedoboote angriff und sie zur Flucht in nördLagarinatal und im Abschnitt von Borcola überraschte unsere Ar- licher Richtung zwang. tillerie durch ihr wirksames Feuer feindliche Abteilungen auf dem Von den anderen Fronten liegt keine Nachricht von BeMarsche. Auf der Front Bofina- Aftachtal schlugen wir in der Nacht deutung vor. Günstiger Fortgang der Kämpfe. Von Richard Gädke. 25. Juli 1916. Man muß es den Engländern lassen, daß sie nach dem Mißerfolg ihrer Angriffe vom 1. und 2. Juli fich gewaltig zusammen genommen haben, um die Scharte auszuweßen und wieder in gleiche Kampfesfront mit ihren französischen Bundesgenossen zu gelangen. Sie haben bedeutende Kräfte, eine gewaltige schwere Artillerie und ungeheure Geschoßmassen aufgewendet, um ihren Angriff erneut in Fluß zu bringen. Gleichzeitig verringerten sie freilich die Angriffsfront. Das Gebiet nördlich des Ancre- Baches fiel für die Fortsetzung der Kämpfe aus. Andererseits steigerten sie die Tätigkeit ihres Tangen Demonstrativflügels von Dirmuiden in Flandern bis zur Ancre. Lebhafte Feuerkämpfe, Borstöße fleinerer und größerer Abteilungen, Minen- und Gasangriffe sollten offenbar die dort stehenden deutschen Truppen festhalten. Diese Unternehmungen wuchsen sich am 19. Juli sogar zu einem starken Angriff zweier englischer Divisionen gegen unsere Stellungen bei Fromelles( westlich Lille) aus, der ihnen freilich eine blutige Abfuhr und einen Gesamtverlust von 7000 bis 8000 Mann eintrug. Durch zahlreiche Erkundungen fleinerer Abteilungen suchten sie sich im übrigen Kenntnis über die Verteilung und den Verbleib der deutschen Truppen zu verschaffen. Inzwischen wurden ihre eigenen Massen zu neuen Schlägen zwischen Ancre und Somme bereitgestellt. Nach langer Vorbereitung und mehrtägigem Trommelfeuer brach am 14. Juli ein unerhört Starter Sturm gegen die deutschen Stellungen vor Ovillers bis Longueval los, der am folgenden Tage mit aller Kraft fortgesett wurde. Alle Waffen, Fußvolt, Geschüß, zahlreiche Kampfgeschwader von Fliegern und sogar Reiterei, wurden in Bewegung gesetzt, um endlich den Durchbruch zu erzwingen. Aber die Franzosen südlich der Somme waren zurzeit nicht im Stande, ihre Bundesgenossen wesentlich zu unterstüßen. Nach den ungenügenden Ergebnissen dieses Massensturms flaute der Kampf einige Tage lang ab, während Ge neral Haigh im Verein mit dem französischen General Foch die Vorbereitungen zu einem noch größeren, gemeinsamen dritten Anlauf traf. Siebzehn Divisionen, über 200 000 Mann, waren zu ihm angesetzt worden. Während des 19. und 20. Juli mogten die dicken Scharen, oft in zehnfacher Welle, gegen die deutschen Stellungen heran. Erst nach wiederum zweitägiger Bause, die zur ausgiebigen Geschützvorbereitung benutzt wurde, konnten die Engländer am 23. Juli einen vierten Versuch wagen. Sie verwendeten zu ihm Teile von 11 Divisionen, die zum Teil in Gile von anderen Fronten herangeschafft waren; ein Beweis, daß verschiedene der bisher verwandten Aufgebote ihre Kampftraft bereits verbraucht hatten. Die wiederholten, diesmal mit rücksichtslosem Einsatz des Menschenmaterials durchgeführten Angriffe, haben den Engländern, wie die deutschen Berichte zugeben, einige örtliche Erfolge gebracht. Sie haben Ovillers, die Weiler Groß- und Klein- Bazentin, den Trôneswald, Hardecourt gewonnen und südlich dieses Dorfes ihre Linie bis zur Kleinbahn Combles- Péronne vorschieben können. Vom Dorfe Pozières an der Hauptstraße Albert- Bapaume konnten sie in blutigem Kampfe nur einige wenige Häuser des Westrandes in ihren Besitz bringen. Aber auch Rückschläge blieben nicht aus. Aus dem Foureaux- Gehölz, dem Walde Delville, dem Dorfe Longueval wurden fie wieder hinausgeworfen, und ihr Angriff auf das Dorf Guillemont ( südöstlich Longueval) scheiterte. Wenn man von der offen einge standenen Absicht des Gegners ausgeht, die deutsche Front zu durch brechen, einen entscheidenden Sieg davonzutragen und die Deutschen aus Frankreich zu verjagen, dann stellen sich seine mehr als dreiwöchigen Anstrengungen schon jest als ein Mikerfolg heraus. Alle Angriffe find schließlich an dem helbenmütigen Widerstand des preu Bischen Musketiers gescheitert. Wie tapfer die Engländer auch ange griffen haben, ihre Ausbildung, ihre Kampfestüchtigkeit, ihre Bähigfeit sind der unseres unvergleichlichen Fußvolfes selbst bei großer Bahlenüberlegenheit nicht gewachsen. Dabei aber waren ihre Verluste außerordentlich hoch. Bis jetzt sind vom 1. bis 22. Juli( also auss schließlich des 23.) 9322 Offiziere als Verlust angemeldet, eine Zahl, die natürlich eher noch zu gering als zu hoch ist. Die gleichfalls genannte Zahl von 45 000 Unteroffizieren und Mannschaften hat keinen Wert; fie bleibt in wunderlicher Weise hinter der Wirklichkeit zurück. Im allgemeinen beträgt das Verhältnis der Offiziere zur Mannschaft 2,5 Proz. Nehmen wir für die Engländer 3 Broz. an und billigen wir ihnen eine ganz ungewöhnlich hohe Verlustziffer an Of fizieren zu, so werden wir mit 6 Proz.( also der doppelten Bahn) sicher nicht zu hoch greifen. Aber schon dann ergibt eine einfache Rechnung, daß auf einen Offizierverluft von 9822 Röpfen ein Mannschaftsver 9322.100 Tuft von 155 440 Mann fommen muß. Mit den Offizieren erhalten wir also für die Tage von 1. bis 22. Juli einen Ge samtverlust von zirka 165 000 Mann. Rechnen wir dazu den französischen Verlust nach dem Verhältnis der angegriffenen Front länge hinzu, so werden wir auf eine Zahl kommen, die sich um 250 000 Mann herum bewegt. 6 Sicherlich nicht die Franzosen, aber auch taum die Engländer, werden derartige Verluste noch längere Zeit ertragen können. Soll doch General Saigh auf seiner ganzen 140 Kilometer langen Front nur 1 200 000 Mann zu seiner Verfügung haben, von denen er sicher eine halbe Million für seine Angriffsfront von 25 Kilometern bereits jetzt verbraucht hat. Aber auch die in gegnerischen Zeitungen ange gebene Geschoßmenge bon 10 Millionen schweren Granaten ( 12 Bentimeter bis 38 Bentimeter Raliber) ist so ungeheuerlich, daß fie nicht dauernd wird hinausgeschleudert werden können. Und doch haben fie felbft so die Wirkung ihres Geschüßfeuers als noch immer ungenügend erkannt. Das find gute Vorb edeutungen für den weite ren Verlauf dieses Kampfes aber zugunsten der deutschen Truppen. Um Verdun, zu beiden Seiten der Maas, hat der Kampf in ben bergangenen fieben Tagen wenig lebhafte Formen angenommen. Einige abgewiesene Vorstöße der Franzosen, ein leichter Raumgewinn der Deutschen füblich Damloup gegen das Gehöft Dicourt hin, und Geschützkampf wechselnder Stärke: Das ist das Bild, das sich für dieses zweite Schlachtfeld des Westens gegenwärtig ergibt. Sehr viel stürmischer ist es immer noch im Osten zugegangen. Ihre mit starken Kräften unternommenen Versuche, die deutschen Heeresteile im Norden der Pripjetfümpfe, von Riga bis Binst, festzuhalten, um ihrer großen Offensive im Süden nach Heranführung zahlreicher Ersatztruppen wieder freie Bahn zu verschaffen, Haben die Russen fortgesetzt. Aber während sie früher gegen die Heeresgruppe des Prinzen Leopold nur Gorodischtschi und Baranowischtschi angegangen waren, wandten sie sich nun von Riga aus gegen den linken Flügel Hindenburgs. Aber ihre Angriffe hier am 17., 18., 19. und bann wieder am 21. und 22. Juli erlitten das gleiche Schicksal wie früher dort: Keine Erfolge der diden Massen, aber sehr Wir dürfen im Gegensah zu den Hoff große blutige Verluste! nungen unserer Gegner, die auf ihre überlegene Mannschaftszah! rechnen, niemals vergessen, daß auch ihre Verluste unvergleichlich viel höher find als die unfrigen. Darin liegt eine unserer Sieges aussichten. Nach den bekanntgewordenen Zahlen berechne ich die Verlufte der Stuffen vom 8. Juni an auf 900 000 Mann und vielleicht höher. In Wolhynien sind die feindlichen Feldherrn in der Fortsetzung ihrer Offensive außer durch die Gegenstöße der deutschen Truppen wohl durch die Wetterverhältnisse, bas Steigen aller Flüsse und die Versumpfung der Wege behindert worden. Südwestlich Luck hat Ge neral Sacharow noch einige Fortschritte gegen den oberen Styr und gegen Berefteczko hin gemacht; in Ostgalizien hat geringe Tätigkeit geherrscht und südlich des Dnjefter haben sich die russischen Abtei lungen näher an den Jablonita- Bak herangearbeitet und die ungarische Grenze gestreift. Bu größeren Schlägen ist es aber nirgends Deutsche Kaiser und der Chef des Großen Generalstabes nach dem gekommen. Man darf erwarten, daß die verhältnismäßige Ruhe hier nicht dauernd erhalten wird. Verzeichnen wir inzwischen, daß der östlichen Kriegsschauplaz übergefiedelt find. Deutsche Kaiser und der Chef des Großen Generalstabes nach dem ( z) Der Mfftanü in Mekka. Konstaniiuopel, 27. Juli.