Zlr. 311.-33. Jahrg. �Ax �„- 1— N «tft Hbonncments-Redingungcn: MM I II HB I\sSS( wSl Tfs WM �3 MZ bs!&tw;/.�Sel i. vetrsgt für die sechsocsp-litcnc Koionei. «bonmm-ms. Preis rränumer-mdo EU LLJBI«H W W 5< WWW M M M ROe f« betm sM W Ii i�iii i i i ftTir mr?/ ÄÄ?w3 W sM Hl m III m m 1�1 MUL tI B| I JkL MM, mv i"MMs ISen nrnntnlZSaT'füx Hl H M. � W mtÄSä ÜSiJ�"W/jLm. ÄnHCIsss=3<5<�>& mätsäss Holland. Italien. Luxemburg. Portugal.-K�_ y'"ä' abends geöffnet. «umäliieit. Schweden und die Echweij.-rf" ♦ a � tT-ÄT wf-- erldjeint tägiia. X XX � 4-fX XX X Cl-XX* �zialdSrat�crlia". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Neüaktion: EW. HS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morinplati, Rr. 181 SV— 181 37. Die Neutralen. Als Grey erklärte, Englands Handel würde nicht viel weniger leiden, wenn England neutral bleibe, dachte er wohl bloß an einen kurzen Krieg und an die ersten Wirtschafts- störungen, die durch einen Weltkrieg verursacht werden muß- ten. Nun ist es aber anders gekommen. Der Krieg dauert schon � zwei Jahre. Der englische Export hat aber erst im Juni die entsprechenden Zahlen von 1913 überstiegen, und zwar bloß um 7,4 Millionen Pfund. Ganz anders haben sich die Verhältnisse in den neutralen Ländern entwickelt. Zwar dauerte die Kriegskrise hier länger als in den krieg- führenden Ländern an; lange nachdem die Industrie in den kriegführenden Ländern sich den neuen Bedürfnissen ange- patzt hatte, sah noch die Industrie der neutralen �Länder schwere Tage. Heute aber besteht in den neutralen Staaten tatsächlich eine Hochkonjunktur, während in den kriegführen- den Ländern die Kurve schon zu neigen beginnt. Wie ein Ungeheuer vernichtete der Krieg zunächst alles, was ihm ain nächsten stand, griff dann aber auch nach den neutralen Län- dern über und zog aus ihnen, was er bekam. So hat sich der Welthandel im Kriege so gestaltet, daß die Einfuhr der kriegführenden Länder gewaltig angeschwol- len, während umgekehrt ihre Ausfuhr zusammengeschrumpft ist. Dagegen übersteigt die Ausfuhr der neutralen Länder ihre Einfuhr ganz beträchtlich. Diese Erscheinung tritt bc- sonders deutlich zu Tage, wenn man die Handelszahlen Eng- lands oder Frankreichs mit denen der Vereinigten Staaten Amerikas vergleicht. England hatte im ersten Halbjahr 1916 einen Einfuhrüberschuß von 178,98 Millionen Pfund(3,6 Milliarden Mark); Frankreich in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres einen solchen von 2,29 Milliarden Frank. Dagegen weisen bekanntlich die Vereinigten Staaten einen gewaltigen Ausfuhrüberschuß auf. im letzten Zolljahre einen solchen von 2265 Millionen Dollar. Die gleiche Erscheinung läßt sich für alle ncntralen Län- der feststellen. Obgleich ihr Handel auf große Schwierigkei- ten stößt, die ihnen immer von neuem gemacht werden, zeigt er dennoch einen recht günstigen Verlauf. So ist beispiels- weise die Ausfuhr der Schweiz von 1376,4 Millionen im Jahre 1913 auf 1679,1 Millionen Frank im Jahre 1915 ge- stiegen. Die Einfuhr blieb auch 1915 noch größer als die Ausfuhr, aber nur um ein geringes, nämlich um rund 10 Millionen Frank, während der Einfuhrüberschuß von 1913 543 Millionen betrug.... Die Schweiz hat darum auch einen Einfulwüberschuß von Edelmetall von fast 41 Millio- neu Frank(1913 von 23,6 Millionen). Auch sonst ist die Konjunkturlage in der Schweiz wie in den anderen neutralen Ländern recht günstig. Das macht sich in dem Ausleben der Gründungstätigkeit, Entlastung des Arbcitsmarktcs u. ä. m. bemerkbar. Indes scheinen die Vorräte der neutralen Länder in Europa zur Neige zu gehen und die Zufuhr wird immer schwieriger. Dadurch geraten sie in eine recht unangenehme Lage, die für die Schiveiz, die gänzlich von der Zufuhr von Rohstoffen abhängt, Verhängnis- voll werden könnte. Uebcrblickt man die Entwicklung des schweizerischen Han- dels vor dem Kriege, so kann man leicht feststellen, daß die Schweiz seit dem Zollkriege mit Frankreich sich immer mehr an Deutschland angeschlossen hat. Von 1994 bis 1913 ist die Einfuhr aus Deutschland um 66 Proz., die aus Frankreich ober bloß um 10 Proz. gestiegen. Dabei zieht Deutschland einen gewaltigen Nutzen aus dem Händel mit der Schweiz. Nach der deutschen Handclsstatistik hat sich die Einfuhr Deutschlands aus der Schweiz von 1890 bis 1913 kaum erhöht(um 23 Proz.), während die Ausfuhr dorthin sich in dieser Zeit mehr als verdeifacht hat und 1913 die Ein- fuhr um 322,8 Millionen Mark oder um 151 Proz. über- stiegen. Ein sehr großer Teil der schweizerischen Käufe aus Deutschland besteht aus Fabrikaten(mehr als die Hälfte!). Allein aus Deutschland bezieht die Schweiz fast doppelt so- viel Fabrikate als aus allen Vierverbandslän- dern zusammen. Es ist begreiflich, warum gerade Deutsch- land besonders stark an der Äufrcchterhalwng guter Handels- beziehungcn mit der Schweiz interessiert ist. Diese dauern- den und wichtigen Interessen dürfen wegen momentaner Vorteile eben nicht übersehen werden.... In der schweizerischen wie in der Presse der anderen neu- tralen Länder wird jetzt die Frage eines Zusammengehens der neutralen Länder gegenüber einem eventuellen Handels- krieg zwisdjen den kriegführenden Mächtegruppen besprochen. Die Möglichkeit eines solchen Zusammenschlusses ist nicht ein-� fach von der Hand zu weisen und sie wird hoffentlich dazu beitragen, den Eifer zu einem Handelskrieg zu dämmen.... Aber auch noch in einer anderen Hinsicht erwachsen der Industrie der kriegführenden Länder schwere Gefahren, wenn der Krieg noch lange dauert oder wenn er in der Form eines Handelskrieges fortgesetzt wird. Immer größer wird die Konkurrenz, die ihr in den neutralen Ländern erwächst. Zu- nächst flüchtet sich das Kapital der kriegführenden Länder selbst nach den neutralen Ländern, wo es frei wirtschaften kann. Tann suchen die neutralen Staaten die einheimische Industrie zu fördern. Von den Vereinigten Staaten abge- sehen, die in der Zukunft den ersten Platz unter den In- dustrieländcrn einnehineip werden, zeigen auch die anderen Länder eine rege Tätigkeit auf dem Gebiete der Industrie. So machte sich beispielsweise in China 1915 eine vermehrte! Donnerstag, den 3. August 1N16. Herstellung von chinesischen Baumwollgarn und Baumwoll- 1 waren bemerkbar, die auch guten Absatz fanden. Zurzeit' arbeiten dort 39 Webereien mit über einer Million Spin- dein und 4619 Stühlen und einer Hcrstellungsfähigkeit von 799 999 Ballen Garn und 1,38 Millionen Stück Stoffe zu 49 Aards. In Brasilien sind sogar Farbenfabriken gegründet wor- den und man sucht die eigenen Eisenerze an Ort und Stelle zu verwerten. Aehnliche Nachrichten, wenn auch vorläufig noch spärlich, kommen auch aus den anderen Ländern. Man darf darum Wohl annehmen, daß, falls der Krieg lange dauert, die neu- tralen Länder eine eigene Industrie ausbilden werden, so daß die Industrie der kriegführenden Länder vor ganz neuen Wettbewerbsbedingungen stehen werde. Der Krieg ist eine Dampfwalze: die einen erdrückt und vernichtet er und macht sie dem Boden gleich: für die anderen schafft er uinaekclirt neue Entwicklungswege. Den größten Nutzen aus ihm werden die außereuropäischen Agrarländer zieben, denen er die Wirt- schaftliche und für einige auch die politische Selbständigkeit bringen wird.(?) • Neuregelung ües Oberbefehls im Osten» Amtlich. B e r l i n. 2. August.(W. T. B.) Wäh- rend der Anwesenheit Seiner Majestät des Deutschen Kai- scrs an der O st f r o nt hat in Ilebcrcinstimmung mit seiner k. u. k. apostolischen Majestät eine neue Regelung der Bcfchlsverhältnisse dort stattgefunden, die der durch die allgemeine russische Offensive geschaffenen Lage Rechnung trägt. Unter Generalscldmarschall v. Hindenburg wurden mehrere Heeresgruppen der Verbündeten zu einheitlicher Verwendung nach Vereinbarung der beiden obersten Heeresleitungen zusammengefaßt. ♦ Wien, 2. August.(W. T. B.) Die Zusammenfassung mehrerer Heeresgruppen der Verbündeten unter General- fcldmarschall von Hindenburg wird hier amtlich in. demselben Wortlaut gemeldet wie von deutscher Seite. Ein italienisches U-boot erbeutet. Wien, 2. August.(83. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Ereignisse zur See. Das italienische Unterseeboot„G i a c i n t o P u l l i n o" fiel in der nördlichen Adria in unsere Hände und wurde fast ganz un- beschädigt nach Pola geschleppt. Die gesamte Bemannung, bc- stehend aus drei Offizieren und 18 Mann, wurde unverwundct gc- fangen genommen. Flottcnkommando. Entspannung in Rumänien? Frankfurt a. M., 2. August.(83. T. SB.) Die.Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinopel von heute: Nach guten aus Bukarest vom heutigen Tage vorliegenden Nachrichten, ist in der diplomatischen Lage in Rumänien, die am Sonnabend zur höchsten Spannung gediehen war, zweifellos eine Entspannung eingetreten. die Kriegsziele öes National- Musschusses. Der Ullstcin-Preffe entnehmen wir folgende Berichte: Südckum in Mannheim. Geheimrat Eberhard G o t h e i n führte aus, daß nicht zum Festefeiern der 1. August angetan sei, daß er vielmehr von neuem ein Bekenntnis der Entschlossenheit des deutschen Volkes nach außen und der Geschlossenheit im Innern sein solle. Gerade in diesem Sinne begrüße er es, daß ein V c r- treter der Sozialdemokratie vor der Bürgerschaft Mannheims das Wort ergreife. Rcichstagsabgeovdneter Dr S ü d e k u m begann mit einem sehr warm empfundenen Dank an die tapferen Kämpfer, zu deren Ehren sich zu erheben er d:e Versammlung bat. Jeder Mensch, sagte er dann, unter den kriegführenden Völkern ist heute von Friedenssehnsucht erfüllt. Aber die Regierungen der Feinde gestatten diesem Gefühle noch heute keinen Einfluß aus ihre Handlungen. Noch immer zielen sie auf die Vernichtung Deutschlaiws ab. Wir könnten freilich den Frieden haben, wenn wir die demütigenden Bedingungen von ihnen annehmen; aber daran ist nicht zu denken. So heißt es für unser Vojk draußen>vie daheim, weiter durch zu hal- ten bis zu dem Ende, das unserem Vaterland seinen Bestand und seine Entfaltung sichert. Gewaltige Ausgaben wird unser Volk, in dem jeder einzelne sich durch den Krieg als Staats- bürgcr hat fühlen lernen, nach dem Kriege zu lösen haben. Wir hoffen, daß der Geist der Erneuerung in jedem einzelnen das Pflicht- und Verantwortungsgefühl wachrufe, an seinem Teil an diesen Aufgaben mitzuwirken. So, hoffen wir, wird aus dem großen Erlebnis Deutschland mit Freude und Zuversicht in eine große Zukunft eintreten. _ Dr. August Müller, das sozialdemokratische� Mitglied des Kriegscrnährungsamtes, bezeichnete in Bielefeld als den Brennpunkt des ganzen Weltkrieges die Dardanellen frage. Müller meinte,"daß Deutschlands Lebensinteressen den Russen den Besitz von Konstantinopel nicht gestatten könne. Andererseits sei zu verstehen, wenn Rußland, das 79 Proz. seiner Getreide- usw. Produktion durch die Dardanellen ausführe, deren Er- langung intensiv anstrebe. Vielleicht sei eS möglich, über die � Dardanellcnfrage zwischen Deutschland und Rußland zu einer ! vorläufigen Verständigung m der Richtung zu gelangen, daß den CxpeSition: EW. öS, Linöcnftraße 5. Fernsprecher: Amt Moritzplat», Nr. 18130—181.37. j Russen die freie Durchfahrt durch die Dardanellen garantiert ! werden könne, was, gleichbedeutend sein»verde mit dem Ausschalten künftiger Feindschaft zwischen Deutschland und Nußland. Die Möglichkeit einer Verständigung mit England liegt nach Ansicht des Redners nicht im Bereiche der Wahrscheinlichkeit, solange nicht England zu einer solchen Verständigung gezwungen wer- den kann. Zur Frage der Annexionen übergehend, meinte Dr. Müller, das Streben in Deutschland nach Siedlungsgebieten für die Bauernschaft sei wohl verständlich. Dieses Sied- lungsgebiet liege aber keinesfalls im Westen, sondern höchstens im Osten. Als innere Kriegszlele bezeichnete er die politische, wirtschaftliche und soziale Gleichberechtigung eines jeden Volks- genossen in dem eventuell erweiterten Deutsch- land. Dr. Rahrbach knüpfte in seinem Vortrag in Dortmund an die von ihm 1910 getanen Acußcrungen, daß der Tag kommen werde, an dein am Tigris der deutsche Infanterist auf Posten ziehe. Er legte die Wichtigkeit der Orientfrage für Deutschland dar: SJnr über den Orient gehe ein unbestreitbarer Weg zur deutschen Weltpolitik. Rußland dürfe daher nicht in den Besitz Konstantinop'els kommen, und der Suezkanal müsse der Kontrolle Englands entzogen werden. Der konservative englische Politiker Garbe habe ehrlich ausgesprochen, daß der Ausgang des Krieges allein davon abhänge, ob die Mittel- und Orieutinächte den Weg nach dem Orient behaupten können. Könne der Vierverband den Weg nicht zertrümmern, dann sei der Krieg für ihn mißglückt. Ter Krieg muß nach Rohrbachs Ansicht fortgesetzt werden, bis England am Boden liegt und Deutschland als gleichberechtigt neben sich duldet. Georg Bernhard in B o ch u m. Es ist schon oft gesagt wor- den, daß Deutschlairds Unversehrtheit und Deutschlands neue wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeilen von uns erkämpft sein müssen, bevor wir die Waffen niederlegen. Deutschlands Unvcr- sehrtheit soll nicht bloß im Friedensvertrag festgelegt tvcrden, son- dern muß auch dauernd behauptet werden können. Infolgedessen sind unter allen Umständen unsere Grenzen so zu stecken, >vie unsere militärischen Sachverständigen es fordern. Anderer- seits ist Deutschlands freie wirtschaftliche Entwicklung nur urög-. lich, wenn unsere Kapitalkraft im Verhältnis zu der Englands mindestens ungeschwächt bleibt. Auf K r iegöe n t s ch äd ig u n- gen verzichten, heißt auf Deutschlands wirtschaftliche.Zukunft verzichten. Wir müssen entweder diese Kriegsentschädigung i n bar oder in V e r r e ch n u n g erhalten/ damit wir Kapitalschnkden abbüvden können, oder»vir müssen die von uns in hartem Kampfe erstrittenen Länder besetzen, um aus ihnen einen Teil unse- rer Zinsenlast zu begleichen. In Hamburg erwärmte der Meichstagsabgeordnete Eon- rad Hau ss mann durch seine Ausführungen die Mehrheit der Versammlung in steigendem Maße, sie blieben aber'nicht ohne Widerspruch." Die Opposition nahm zuletzt sogar einen etwas tnmultuari scheu Charakter an. Dabei kam der in weiten Kreisen Hamburgs herrschende Haß gegen England, der eine scharfe Bc- kämpfung Großbritameiis durch die Unterseeboote fordert, zum Ausdruck. Rufe erklangen: U-Boote heraus! Nieder mit Eng- land! So darf man den Hamburgern nicht kommen! In Dresden war der Vortrag des Berliner Juristen Ge- Heimrais Kahl ein unumwundenes Bekenntnis zur Politik und zu den Kriegszielen des Reichskanzlers, wie sie in der bekannten Dezemberrede im Reichstage ausgesprochen worden sind. Lebhafte Zustimmung fand der Rodner, als er die Möglichkeit eines neuen verschärften Unterseebootkrieges streifte, während der Satz„von der künftigen mittleren Linie" mißfällige Zurufe auslöste. Ebenso wurde das zustimmende Interesse der Zuhörer- schaft stärker, als der Redner als Bedingung eines dauernden Friedens die Niederringung Englands forderte. Ferner wurde die notwendige Ablehnung eines allgemeinen Friedenskongresses, der nur im Interesse Englands liege und die Absichten gewisser freund- lich gefälliger Neutraler, die ihre Vermittlerrolle anbieten würden, beifällig aufgenommen. Der Heidelberger Nationalökonom Max Weber bezeichnete m Nürnberg den Reichskanzler als den einzig möglichen Mann, der völlig das Vertrauen der Feldgrauen im Schützengraben als Staatslenker genieße. Er polemisierte gegen die Annexionspolitik, verlangte jedoch zuverlässige militärische Garantien, sowohl in Belgien, wie im neuen polnischen Staatsgebilde, dessen Aufbau wesentlich von der Möglichkeit der Schaffung eines einheitlichen Mitteleuropas abhängen müsse. ReichLtagsabgeovdneter Kcrschenstcincr-München beleuchtete in Karlsruhe eingehend die innere Politik. Er ermahnte alle Parteien, dem Reichskanzler volles Vertrauen entgegenzubringen und die Ausführungen in seiner letzten Reichstagsrede anzuer- kennen. Der Redner verlangte eine Neuorientierung der inneren Politik auf freiheitlicher Grundlage. Der Bismarckbiograph Universitätsprofessor Dr. Marx er- klärte in München: Wir müssen wünschen, daß wir Grenzen erhalten, die unser Land verteidigungsfähiger machen, als das bisher der Fall war. Daß wir dabei ein national geschlossenes Reich behalten müssen, darf nicht vergessen werden. Den Frieden können wir heute nicht erflehen. Fetzt heißt es noch schlagen und nicht handeln! Der Redner rief auf zum Vertrauen zu den füh- renden Männern und zur Sammlung. Das Programm des Reichs- kanzlers ist gut und wir müssen und dürfen ihm folgen. Abgeordneter Dr. Pfeiffer in Köln: Ob wir die heute be- setzten Gebtete behalten werden, weiß ich nicht. Jedenfalls müssen wir Garantien in Händen halten, womit sich das ganze Volk zu- friodengeben kann. Was wir haben, werden wir klug und weise in der Hand behalten. Wir werden die Ergebnisse des Krieges auszunutzen wissen für die Zukunft, damit demnächst das Ziel der deutschen Politik unangegriffen dasteht im Herzen Europas. Das deutsche Volk möge Pertrauen zum Kaiser und der vielge- schmähten Diplomatie haben. Professor Dr. Onckcn in Kassel: Es ist unverständlich, warum man den inneren Zusammenschluß und das Vertrauen zur Reichsleitung hier und da vermissen lasse, obwohl doch nur sie von der höchsten Warte übersehen kön.ne, was dem Deutschen Reiche und dem deutschen Volke notwendig sei. Abgeordneter v. Paycr in Frank fürt a. M.: Von dem Streite um den Unterseebootkrieg iit das Beste, daß er allmählich abflaut. Einig sind Regierung und Volk darüber, daß wir aus . England und seine Bevölkerung, die uns dem Hungertode preis- j geben wollen, irgendwelche Rücksicht zu nehmen keinen Anlaß hätten. Aber man muß die II-Bootfrage nicht von allen anderen Militärischen und politischen Fragen losgelöst für sich allein betrachten. Ebenso bei der Anwendung der Zeppeline gegen England. Tie letzten Tage haben wieder bewiesen, dag Rücksichten auf den englischen Königshcs nicht maßgebend in dieser Frage sind. Es ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, vorläufig auf die öffentliche Erörterung der Kricgsziele zu verzichten. Friedensbedingungen werden nach dem Maß von Kraft und Widerstand bemessen werden, die bei Schluß des Krieges auf beiden Seiten der kriegführenden Parteien noch vorhanden sind. Friedrich Naumann in Leipzig: Wenn man die Ge- schichte der bisherigen Friedensschlüffe ansehe, so sei der Friede desto leichter zu erreichen, je absoluter eine Seite gesiegt hätte, und desto schwieriger, je weniger klar diese Tatsache sei. Heute müsse festgestellt werden, daß der Umfang unserer Leistungen noch nicht ausreicht, um die Gegner zu überzeugen, daß die geschichtliche Elitscheidung sich zu unseren Gunsten gewendet hat. Wir im deutschen Vaterlande glaubten, daß durch einen besonderen Schlag die letzte Entscheidung herbeizuholen sei. DaS sei aber nicht Sache des Volkes, auch nicht der Volksvertretung, sondern allein der Heeresleitung. Wir müssen unserem Schicksal folgen, damit wir nicht aus Mattigkeit fahren lassen, was wir in zwei Jahren durch den Heldentod so vieler unserer Söhne er- rungen haben._- De? französische Tagesbericht. Paris, 2. August.S zu unseren Grähen gelangt waren, wurden durch lebhafte Gegenangriffe unserer Truppen zurückgeworfen. Am Ende deS TageS gestattete unS ein Handgranatenangriff südlich deS Werkes Thiaumont Fortschritt« zu machen. Zu gleicher Zeit griffen die Deutschen auf der Front Vaux— Chapitre— Lachenois an. Nur an diesem letzten Punkt faßten sie in einigen unserer vorgeschobenen Stellungen Fuß; wir warfen sie aber von dort etwa? später zurück. Uebcrall sonst wurden ihre Angriffe durch unser Feuer angehalten und kosteten ihnen schwere Verluste. Zeitweilige Beschießung an der übrigen Front. Belgischer Bericht: Der Artilleriekampf dauert an der- schiedenen Punkten der belgischen Front fort, besonders nördlich von Dixmuiden. Op erationcn der Orientarmee vom 16. bis zum 3l. Juli: Serbische Vorposten schlugen am 24. Juli bulgarische Abteilungen zurück, die die Höhen von Kovil{im Tale der oberen Moglcniza) besetzt hatten, und bemächtigten sich am 27. Juli deS Ton'eS SborSko i?), wo sie sich trotz der Beschießung des Feindes einrichteten. Am 26. sind sie nördlich von Pojar(?) und Srupine(?) vorgegangen nach einem Gefecht, in dem die Bulgaren sich zurückziehen mußten, wobei sie zehn Tote im Gelände liegen ließen. Die serbischen Verluste beliefen sich nur auf zwei Tote und drei Verwundete. An den übrigen Teilen der Front der Orient- armee herrschte zeitweilig aussetzende Beschießung, die manchmal aus beiden Ufern im Tale des Wardar heftig war. Die englische Melöung. London, 1. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht des Generals H a i g. In der allgemeinen Loge ist heute keine Veränderung ein- getreten. Nördlich von Bazenlin le Petit wnrde ein feindlicher An- griffsversilch auf unsere Linie mit Erfolg abgewiesen. Während der ganzen Nacht heftiges Artilleriefeuer von beiden Seiten. An der übrigen britischen Front nichts. London, 2. August.f r o n t. In der Linie Sielcc— Wielik— Kucharh im Siochodbogen warfen unsere Truppen den Feind zurück und gingen nach Kampf über diese Linie hinaus nach Westen vor. An der Straße Kowel— Lucl wurden alle feindlichen Gegenangriffe abge- wiesen. Bei dem Angriff auf das Dorf Tubienko(5 Werst südlich Mo- iiasierzysla) gingen unsere tapferen Regimenter, bis an den Hals im Wasser, durch den sumpfigen Koropiec. da der Feind sämtliche Brücken zerstört hatte. Auf dein Westufer machten sie mehr alS 1606 Oester- reicher zu Gefangenen und richteten sich dort ein. Kaukasus. Die Bersolgung deS Feindes kn der Richtung auf Mosiul dauert an. Zusatz. In dem Bericht vom 2o. Juli ist irrtümlicherweise gemeldet, daß die Flieger Hauptmann Beridze und der Leutnant Rlyschtschvw infolge feindliche» AnilleneieuerS den Heldentod starben. In Wirklichkeit wurde unsere Voisin-Maichine von einem feindlichen Fokker angegriffen, unser Apparat fing bei dem Luftkampf Feuer und stürzte in die vorgeschobenen feindlichen Stellungen ab. Amtlicher Bericht von DienStag abend. Westfront. Im Räume Stobychwa— Smolary griff deutsche Infanterie unsere auf dcni westlichen Slochodufer stehenden Truppen sehr heftig an. Unsere tapferen Regimenter warfen den Feind mit großen Verlusten für ihn zurück, der Kampf dauert noch an. Kaukasus. In der Richtung auf Siwas westlich Erzindjan machten unsere Truppen von neuem Forlschritte. Zusatz. Oestlich Gorodischtsche gelang es einem unserer Auf- llärer, aus den feindlichen Hindernissen einen verwundeten Soldaten von uns zurückzubringen, der erzählte, daß die Deutschen mehrmals auf ihn losgegangen seien und ihn mit Mesierstichen an Hals und Brust verwundet hätten. Die Aussage des Verwundeten konnte bestätigt werden. «elim des Meii SMMlNs. Amtlich. Großes Hauptquartier, 2. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich der Somme griff der Feind abends mit sehr starken Kräftcu, aber pergeblich den Abschnitt von MaurePaS bis zur Somme au, nachdem er bereits am Nachmittag bei einem Tcilunternehmen gcgcu daS Gehöft Mouacu durch raschen Gegenstoß deutscher Bataillone eine blutige Schlappe erlitten hatte. An der Straße Maricourt— Clery ist er bis zu unseren völlig eingeebnetem Graben vorgedrungen. Die feindlichen Verluste sind wieder erheblich. Südlich der Somme haben sich bei Belloy und EstrceS örtliche Kämpfe abgespielt. Rechts der Waas machten wir nordwestlich und west- lich des Werkes Thiaumont Fortschritte, gewannen die Bcrgnase nordöstlich der Feste Souville und drückten de« Feiud im Bcrgwalde sowie im Lauföc-Wäldcheu wescnt- lich zurück. An unverwuudeten Gefangenen sind 19 Offi- ziere, 923 Mann eingebracht und 14 Maschinengewehre geborgen. Englische Patrouillen, die im Abschnitt Aper»— Ar- meutiöreS besonders tätig waren, wurden überall ab- gewiesen._ Die feindlichen Fliegerangriffe gegen Ortschaften hinter dem nördlichen Teile unserer Front wurden abgewiesen. Bon militärischem Schaden ist kaum zu reden, die Verloste unter der Bevölkerung mehren sich. Wie nachträglich ge- meldet wurde, ist in der Nacht zum 31. Juli auch Arlon in Belgien angegriffen worden. DaS Jesuiteuklostcr nnd die Kirche find getroffen. Durch Abwehrfeuer wurden drei feindliche Flugzeuge, nnd zwar nördlich von Arras, südwestlich von Bapaume und bei PoziöreS, im Luftkampf eins bei MonthoiS ab- geschosien. Q östlicher Kriegsschauplatz. Ans dem nördlichen Teile der Front keine wesentlichen Ereignisse. Südwestlich von Pinsk wiederholten sich die rnsfischen Unternehmungen beiderseits deS Nobel-Sees mit verstärkten Kräften und dehnten sich auch ans die Gegend von Lnbieszow(am Stochod) ans. Sie wurden glatt ab- gewehrt. Mehrfache Angriffe im Stochod-Bogen(nordöstlich der Bahn Kowel-Rowno) brachen bereits im Sperrfeuer voll- kommen zusammen. Immer wieder lief der Gegner ohne Rückficht auf seine großen Mcnschenverlnste gegen unsere Stellungen zwischen Witooiez und der Tnrya an; alle seine Anstrengungen blieben erfolglos. Bei der Armee des Generals Grafen v. Bothmer sind feindliche Teilangriffe in der Gegend westlich von Wisniowczyk(au der Strypa) nnd bei Welesniow(am Koropiec) gescheitert. Balkan-Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. '*• 4t ZA WWW MMIMMW. Wien, 2. August.(W. T. v.) Amtlich wird vcr- lautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Keine Acnderung in der Lage. I» Ostgalizicn brachen süd- westlich von Buczacz, bei WiSnicwczyk und im Süden, Süd- Westen und Westen von Brody mehrere, zum Teil starke russische Angriffe zusammen; ebenso scheiterten alle Anstrengungen des Gegners zwischen der obersten Tnrha und der von Rowno nach Kowel führenden Bahn, die Front der Verbündeten zu durch- brechen, an der Abwehr der dort kämpfenden deutschen und öfter- rcichisch-ungarischen Truppen. Gleiches Schicksal hatte» schließ- lich mehrere parke Borstöße des Gegners im Stochod-Knie bei KaSzowka. Jtalieuischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. In den Dolomite» wurde östlich deS SiefsattelS der Angriff von zwei italienischen Kompagnien abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Begebenheiten. Der Stellvertreter deS Chef? deS GeneralstabcS: ». H o e f e r, Fcldmarfchalleutnant. Ereignisse zur See. Am 1. August um 7'/? früh brach ein Geschwader von vier- zehn italienischen Großkampiflugzeugen über Piranv»ach Jstrien ein. LinicnschiffSlcutnant Bansield stieg in Trieft mit einem See- stugzcug auf, verfolgte daS feindliche Geschwader über ganz Jstrien, erreichte dessen Gros— sieben Caproni— über Fiumc in 706 Meter Höhe und schoß ein Großkampssiugzeug ab. Führer tot. Zwei Beobachter gesangen. Banficld und sein Flugzeug blieben unversehrt. Flottenkommando. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 1. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Im Etschtal setzt die feindliche Artillerie, von der unserigen energisch bekämpft, ihre Tätigkeit fort. Im Astachlal unternahm der Gegner am Abend des 31. Juli nach heftigem Artilleriefeuer gegen unsere Stellungen auf dem Monte Cimone einen Angriff, der schnell ab- geschlagen wurde. Ein anderer feindlicher Versuch, gegen unsere Stellungen südwestlich von Eastelletto auf der Hochfläche der Siebe» Gemeinden hatte dasselbe Schicksal. Im Travignolotal befestigten sich unsere Truppen, die bereits seit einigen Tagen im Besitz des Fleckens Paueveggio sind, dort stark. Im Abschnitt der Tofana be- schoß der Gegner in der Nacht zum 31. Juli mit Geschützen aller Koliber unsere neue Stellung auf dem Col BoiS, dann griff er mit bedeutenden Kräften an. Er wurde zurückgeworfen und durch einen Gegenangriff in die Flucht geschlagen, nachdem er sehr schwere Ver« Inste erlitten hatte, wie es die große Anzahl der auf dem Kampf- felde gebliebenen Toten beweist. Im Deganoial riefen von der feindlichen Artillerie abgefeuerte Granaten in verschiedenen Orr- scharten einige Brände hervor, die sogleich gelöscht wurden. An der Jsonzofront kein wichtiges Ereignis. Cadorna. Neun englische Iahrzeuge versenkt. Amtlich. Berlin, 2. August.(W. T. B.) Am 28. Juli wurden au der englischen Ostküste von einem unserer llutersec- boote acht englische Motorsegler und ei« eu-g lischer Fischdampfer verseukt. fibreise öe? �Deutschland. Baltimore, 1. August.(W. T. B.) Meldung des Reuter- schcn Bureaus. Die„Deutschland" hat heute nach- mittag ihre Rückreise angetreten. Englische Melöung über ösn letzten Luftangriff. London» 1. August.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschcn BuveauS.) Amtlich. An dem letzten Luftangriff von gestern nacht haben sechs oder sieben Zeppeline teilgenommen. Nach de» hier jetzt vorliegenden Berichten wurden 66 Bomben abgeworfen, meist in dünn bevölkerten Bezirken. Ein Luftschiff wurde von Flugzeugen und Abwehrkanonen angegriffen. Man sah, wie es tiefer herabging und dann im Nebel verschwand. Zurückhaltung schwedischer Zischdampfe? durch England. Kopenhagen, 2. August.(W. T. B.)»Nationaltidende* meldet aus Stockholm: Auf Verlangen Englands haben die isländischen Behörden schwedischen Fischdampfern nach vollendetem HeringSfang die Abreise nach Schweden verboten und gefordert, die Dampfer sollten vorher den Fang Engländern zum Preise von 45 Oer« für das Kilogramm zur Verfügung stellen. Der Fang war jedoch be- reits an die schwedische Regierung für den JnlandSverbrauch verkaust worden. Die schwedischen Fischhändler richteten daher eine Klage an die schwedische Regierung, die bei der dänischen und englischen Regierung Schritte getan hat, um die Freigabe der Dampfer zu erlangen. /lsquith droht mit Vergeltung. Der„Täglichen Rundschau" wird tclegraphisch gemeldet: Haag, 1. August.„Reuter" meldet aus London: A S q u i t h hat gestern im Unterhause folgende Erklärung abgegeben: Zu meinem größten Bedauern muß ich mitteilen, daß es offenbar Tatsache ist, daß Kapitän Fryatt von den Deutschen ermordet wurde. Die englische Regierung hat mit großer Entrüstung von diesem Verbrechen gegen das Völker- und Kriegsrccht Kenntnis erhalten. Aehnliche Gewalttätig- leiten, welche die Deutschen gegenüber der Bevölkerung von Lille und in anderen besetzten Teilen Frankreichs begangen haben, lassen darauf schließen. daß der deutsche Oberbefehlshaber unter dem Einfluß seiner Enttäu- schung über die fehlgeschlagenen militärischen Erwartungen die Politik der Furchteinflößung wieder aufgenommen hat. Es ist nicht möglich, zu sagen, welche Grausamkeiten, die Deutschen noch begehen werden. Die englffche Negierung wünscht mit dem größten Nachdruck ihren Entschluß zu wieder- holen, daß, wenn die Zeit gekommen ist, dieses Vor- brechen nicht ungestraft bleiben wird. Wenn die Zeit gekommen ist, so ist die englische Regierung ent- schlössen, gegen die Urheber dieses Verbrechens, wer sie auch sein mögen, und welche Aemtcr sie auch bekleiden mögen, mit aller Schärfe vorzugehen. Die Frage, welche unmittelbaren Maßnahmen getroffen werden könnten, beschäftigt zurzeit die Regierung in ernster Weise. Ich binnen kurzem eine Eesetzesvorlage einbringen zu können, durch die zum Ausdruck gebracht wird, daß wir uns weigern, das deutsche Volk in der Gemeinschaft der Nationen solange zu dulden, bis die jetzt begangenen Verbrechen gesühnt sind. * London, 1. August.(28. T. B.) Der„Times" wird aus Schiff- fahrtskreisen milgeieilt, daß die Hinrichtung deS Kapitäns Fryatt in allen Kreisen der City, die mit Schiffahrt zu tun haben, eine unausrottbare Erbitterung hervorgerufen habe. Es werde dadurch erstens die Ueberzeugung befestigt werden, daß dieser.Mord' gerächt werden müsse, und zweitens die Tendenz, das deutsche Volk für einige Jahre in Acht und Bann zu legen, bestärlt werden. Nie. mand zweifle daran, daß Deutschland alles tun werde, um sich nach dem Kriege wieder in Gunst zu setzen. Die Geschäftsleute der City feien sich aber darüber einig, daß man eS den Deulsche» ein für allemal unmöglich machen müsse, als Wolf im Schafspelz aufzutreten. Die Bewegung, nach dem Kriege alle Häfen des britischen Reiches für eine Anzahl von Jahren den Deutschen zu ver- schließen, fei durch den„Mord" an Fryatt sehr gestärkt worden. Ein Rückblick auf die Ereigniffe in den Schutzgebieten während des zweiten Kriegsjahres. Berlin, 2. August.(W. T B.) Dankbar haben wir in diesen Tagen der glänzenden Leistun- gen unseres Heeres und unserer Flotte an unseren Grenzen ge- dacht, heute wollen wir uns daran erinnern, daß auch im Uebersee während des verflossenen zweiten Knegsjahres noch zahlreiche Deutsche und treue farbige Soldaten für Deutschlands Besitz und Ehre kämpften, bluteten und litten. Angesichts des gelvaltigen über unsere Zukunft entscheidenden Ringens in Europa und Asien ist es vielleicht verzeihlich, wenn wir unser Hauptaugenmerk mehr auf diese Ereignisse richten, aber trotzdem dürfen und wollen wir auch die Leistungen unserer in ferneren, vom Mutterlande abge- schnittenen Gebieten tapfer streitenden Brüder nicht vergessen oder diese Leistungen gering anschlagen. Togo, die Südseebesitzungen und K i ä u t s ch a u waren schon im Laufe des ersten KriegSjahreS feindlicher lieber- macht erlegen. Auch in Deutsch-Südwestafrika war cS kurz vor Ablauf des ersten Kriegsjahrcs am 9. Juli 1915 der mehr als zehnfachen Uebermacht der englisch-südofrikanischen Armee Bothas gelungen, die kleine deuffche Schutztruppe zu erdrücken und eine Kapitulation zu erzwingen, deren Bedingungen für die Ver- teidiger nur ehrenvoll genannt werden können. Nur Kamerun und Deutsch-Ostafrika h-elten zu Beginn des zweiten Kriegsjahres noch ungebrochenen Mutes stand. Aber auch für Kamerun hatte die Stund« geschlagen. Nachdem es seinen heldenmütigen Verteidigern noch einmal ge- lungen war, die feindlichen Streitkräfte der vereinigten Frau- zosen, Belgier und Engländer zurückzuschlagen, setzten diese nach Heranziehung neuer Verstärkungen im November zu einem neuen konzentrischen Angriff an. Posten auf Posten mußte nach hart- nackigem Widerstand aufgegeben werden. Immer kleiner wurde das Gebiet, welches die underzL�t weiterkämpfenden schwachen Ab teilungen der Schutztruppe fü. Kamerun noch deckten, und schließ lich mußten die letzten Aerteidiger sich ihren Weg durch die sie einkreisenden feindlichen Kolonnen bahnen, um durch Uebertritt auf neutrales spanisches Gebiet der Kriegsgefangenschaft zu ent- gehen und auch dazu entschlossen sie sich erst, als die letzte Patrone verschossen war. Mit dem Fall von Mora am 18. Februar 19M sank dann die letzte deutsche Flagge, die noch über Kamerun wehte, wie wir allerdings alle zuversichtlich hoffen, nicht für immer. In siebzchnmonatigem ununterbrochenem Kampfe, in fieberfeuchten Wäldern, auf glühenden Felsen und in strömenden tropischen Regengüssen, unter Entbehrung jeglicher Art, haben unsere Kameruner Helden gegen einen mit allen neuzeitlichen HilfS� Mitteln ausgerüsteten, oft abgelösten und vielfach überlegenen Feind nahezu Uebermenschlichxs geleistet. Nur in Ostafrika weht heute noch die deutsche Flagge über deutschem Kolonialboden. Unsere Ostafrikaner haben im zweiten Kricgsjahr ihren durch die Schlachten bei Tanga, Longido und Jassini sowie in zahllosen größeren und kleineren Gefechten gegen weiße, und farbige Engländer aller Schattierungen, gegen Belgier und Südafrikaner im ersten KriegSjahr erworbenen Rühm glänzend behauptet. Bis zum Februar 1L1S war nicht nur das Schutzgebiet völlig frei vom Feind, nein, sogar fast 1000 Quadratkilometer feindliches Gebiet waren von der ostafrikanischen Schutztruppe besetzt. Um uns auch dieses unser letztes Schutzgebiet nun doch zu entreißen, haben dann Engländer, Belgier und neuerdings auch die Portw giesen riesige Anstrengungen gemocht. Nach vorsichtigen Schätzuw gen sind nicht weniger als 70 000 bis 80 000 Mann mit allen nur denkbaren Hilfsmitteln neuzeitlicher Kricgsführuna aufgeboten zum Kampf gegen Tcutsch-Ostafrika, das so durch seine glänzende Verteidigung nicht unbeträchtliche feindliche Streitkräfte von an« deren Kriegsschauplätzen abzieht. In dem letzten Viertel des zweiten Kriegsjahres ist es dann zwar diesen feindlichen Massen aufgeboten � der südafrikanischen Brigaden englischen, indb scheu, � britisch- ostafrikanischen und rhodesischcn Regimentern, belgischen und portugiesischen Truppen gelungen, in Deutsch- Ostafrika an vier verschiedenen Stellen einzubrechen und die Schutztruppe gegen die dos Land in seiner Mitte durchschner deiche Tangayjikabahn zurückzudrängen, aber die Widerstandskraft unserer Ostasrikaner ist noch nicht erschöpft. Gerade in den letz- ten Tagen des zweiten Kriegslahres mutzte der feindliche Ober> bcfehlshaber in Ostafrika, General Smuts, von wiederholten deut schcn Gegenangriffen melden. Ob und wie lange Deutsch-Ostz afrika der gewaltigen feindlichen Uebermacht noch zu widerstehen vermag, steht dahin. Mag die Entscheidung fallen wie sie will, wir können jedenfalls nur mit Stolz und dankbarer Bewunderung auf die Leistungen auch dieses Schutzgebietes während der ver- flosscnen Kriegsjahre blicken. All das gegen unsere Feinde zur Verteidigung unseres BescheZ in Uebersee vergossene Blut wird nicht umsonst geflossen sein, die gebrachten Opfer haben uns unseren überseeischen Besitz nur noch teurer gemacht und ihn uns noch mehr ans Herz gelegt. Mit dem Siege der guten und ge- rechten deutsche» Sache wird auch unser Kolonialbesitz wie ein Phönix aus der Asche feint licher Verwüstung wieder entstehen. Diese Hoffnung bildet das Band, das unsere Streiter in den Schutzgebieten mit unserem siegreichen Heer und Flotte in der Heimat auf das innigste verknüpft. Kampfe in Deutsch-Oftafrika. London, 1. August.c><) Stück ausgezeichnetes Vieh erbeutet. sAnmerkung des W. T. B.: Es kann sich hierbei nur um das allerdings vor- zügliche Vieh der Wagogo-Eingeborcncn handeln, also Viehraub in krassester Form.) Auf diesem letztgenannten Wege zog sich der Feind nach anfänglichem scharfen Widerstand zurück, verfolgt von unseren bcrillcncn Ttuppcn. Dodona wurde am 20. Juli besetzt. Am 3l. Juli befanden sich die beiden anderen Abteilungen in Schußweile vo» der Eisenbahn. Weiter östlich hat General Hoskins das Gebiet südlich der Usambara-Eisenbahn aufgeklärt. Er besetzte den Hafen Pangani. Eine kleinere Abteilung, die zwischen Nduru Hills und der Küste operiert, drückt den Feind südwärts. Vanöervelöe und öie jüöisihe Irage. Wie daS in Lausanne in französischer Sprache erscheinende .Bulletin Juif"(Nr. 2) mitteilt, hat der Redakteur des eng- ltlch-jüdischcn BlaitcS.Jcwith Times", M. Chasanowitch, Mitglied der zionlstisch-sozialistischen Partei, eine Unterredung mit dein Gc- nosjcii Veiidervelde gehabt und ihm nahegelegt, eine Aktion zu- g u n st e» d e r r u s s r s ch e n Juden zu unleritehmcn. Bänder- Velde erbot sich daraus, eine von den jüdischen Sozialisten auszu- arbeitende Denlschrifl über die Lage der russischen Juden zu prüfen und sich dann mit den beiden sozialistischen Minislern im franzö« fischen Kabinett. Guesde und Sembat, zum Zweck einer ge» >n eins amen Aklion bei der russischen Regierung zu verständigen. Hochverrat/ Man erinnert sich noch der Deportation und Gefangensetzung der Munitionsarbeiter in Clyde, die auch während des Krieges das Recht der englischen Arbeiter auf Lohnkämpfe und Streiks ge- tvahrt wissen wollten. Ihre Propaganda für höhere Löhne und gegen den damaligen Munitionsministcr Lloyd George ist ihnen als Hochverrat angerechnet worden. Man warf ihnen vor, daß sie durchjhr Verhalten die Männer im Schützengraben gefährdeten. Ter Schutz der Soldaten fei höchste Pflicht und wer ihn hindere, müsse als Hochverräte, angesehen und bestraft werden, ganz gleich, toelcher Schicht er angehöre. Jedoch in England scheint die gleiche Aktion verschieden be- wertet zu werden, nachdem sie von dieser oder jener Schicht unternommen wird. Höchste Produktion bei der Munitionsfabrika- tion wurde als erste Pflicht ausgegeben. Wie stellten sich die Unternehmer dazu? Es gibt in England 4000„kontrollierte" Mi�nitionSfirmen, die durch daS Gesetz verpflichtet wurden, ihren Reingewinn an das Schatzamt abzuführen nach Abrechnung von einem Verdienst der 20 Proz. höher sein durfte als der Durch- schnittsvcrdienst in den Jahren vor dem Kriege. Falls der Rest- gewinn niedriger war als die Angabe, die die unkontrollierten Firmen an besonderen Gewinnsteuern an das Schatzamt zu zahlen hatten, sollten die betreffenden Firmen auch noch die Differenz zwischen den Munitionsgesetzgebüh-en und den außerordentlichen Gewinnsteuern abführen. Daß den Munitionsfabrikantcn auch dann noch ein schöner Mchrverdicnst bleibt, darf ohne weiteres an- genommen werden Aber sie sahen sich ,n ihren Rechten und in ihrem Profit aefchmälcrt und sie veranlassten, im Unterhaus einen Sturm der Entrüstung gegen das Vorgehen der Regierung. Sie waren zwar„patriotisch", aber ihr Patriotismus sank auf einen sehr niedrigen Grad herab, als ihnen zugemutet wurde, sich mit geringeren Profiten zufrieden z» geben. Sie gaben der Regie- rung deshalb zu verstehen, dass die Munitionserzeugung nicht so reichlich vor sich gehen werde, wenn sie auf ihren Vorschlägen bestehe. Nichtsdestoweniger wurde das Gesetz angenommen. Die War- nungcn der Munitionsfabrikantcn, dass die Regierung das Gesetz noch bereuen werde, ja direkte Drohungen mit Arbeitsverzögerung hatten nichts geholfen. Es wäre auch nicht gut möglich gewesen. den Fabrikanten nachzugeben, wo man eben erst die Arbeiter ver- urteilt hatte. Aber am Tage nach der Annahme des Gesetzes suchten 60 Vertreter der„kontrollierten" Firmen den Premier- minister Mr. Mc. Kenna und Mr. Lloyd George auf, und die Presse konnte konstatieren,„dass sie in ihren Vorstellungen so weit erfolgreich waren, als sie die Wiedereröffnung der ganzen sel; schwierigen Frage erreichten". Die Regierung gibt also nach. Sie denkt nicht daran, den„Hochver'mt" der Unternehmer mit De- portation und Gefängnis zu bestrafen, sondern sie erfüllt ihre Forderungen. Die Munitionsfabrilanten haben zweifellos die Macht, die englische Regierung, die aus die schleunige Herstellung von Muni tion angewiesen ist, zu zwingen, ihren Wünschen nachzukommen. Aber haben die englischen Arbeiter nicht die gleiche Macht? Könn ten sie nicht, wenn sie geschlossen aufträten, ebensogut die Auf- Hebung von Vorschriften, die sie als drückend empfinden, durch- setzen? De? Papft für öie Segnaölgung Casements. Bern, 2. August.(W. T. B.) Die römische„Jtalie" meldet. in vatikanischen Kreisen werde behauptet, der Papst habe König Georg von England um die Begnadigung Sir Roger CasynentS gebeten, da er von Kardinal Logue und mehreren irischen Bischöfen darum angegangen worden sei. Man glaubt, dass König Georg der Bitte des Papstes willfahrt und eine Umwandlung der Strafe zu gestanden habe. In den letzten Tagen empfing der Papst, ver- mutlich in dieser Frage, Howard, den englischen Sondergesandten beim Heiligen Stuhl. italienische ßinanzschwierigkeiten? Zürich, 2. August.(W. T. B.) Nach einer Privat meidung der„Neuen Zürcher Zeitung" aus Vlissingen ist sickerem Vernehmen nach die Finanzierung der mindestens 000 Millionen Lire monatlich betragenden italienischen Kriegskosten auf der Finanz- Ministerkonferenz in London nicht gelungen. Italien hat bisher die von England geforderte Verpfändung seiner Zolleiimahmen, auch bei der vorgeschlagenen Geheimhaltung vor der Oeffentlichkeit und dem Parlament, nicht zugestanden. DaS Stillschweigen über die Zwanzig Milliarden-Anleihe des Verbandes wäre demnach erklärlich. Meistbegünstigung öer Japaner in Italien. Das italienische Militärblatt veröffentlicht lau dem„Avant i" vom 22. Juli ein ministerielles Rund schreiben, in dem bekanntgegeben wird, daß auf Grund des italienifch-japanischen Handels- und Schiffahrts- Vertrages Japan in Fragen der R e q u i s i t i an auf die Be- Handlung des meistbegünstigten Staates Anspruch hat, wie er Italien gegenüber durch die Schweiz repräsentiert wird. Das Eigentum japanischer Untertanen, das am Bord bc- schlagnahmter deutscher Schiffe oder sonstwo in Italien sich befindet, ist ebenso wie der Besitz schweizerischer Bürger von jeder Beschlagnahme ausgenommen, und die Behörden können -darüber erst nach vorheriger Vereinbarung mit den Eigen- tümern verfügen.(s) Stürmer für den Krieg bis zum Triumph. Petersburg, 31. Juli.(W. T. B.) Die Petersburger Telegraphenagcntur erfährt aus unterrichteter Ouelle, daß der Ministerpräsident und Minister des Aeußeren Stürmer am zweiten Jahrestage der deutschen Kriegserklärung folgende Erklärung bekannt geben wird: In dem Augenblick, da die Alliierten in daS dritte Kriegsjahr eintreten, ist die kaiserliche Regierung, ebenso wie ihre treuen Alliierten, mehr als je fest entschlossen, den vom Feinde heraufbeschworenen Krieg bis zum endgültigen Triuinph der Alliierten durchzuführen. Zwei Kriegsjahre haben die Mächte der Entente durch die Waffenbrüderschaft der alliierten Truppen, durch ihren Heldenmut und durch das vergossene Blut noch enger zusammengeschweißt in ihrem Entschluß, das bedrohte Europa von dem Joche der deutschen Vorherrschaft zu befreien. An allen Fronten erteilen die Truppen der Alliierten dem Gegner Schlag auf Schlag, und ich habe die Uebcrzcugung, daß es den Alliierten mit dem Beistand dcS Allmächtigen gelingen wird, den Feind zu besiegen und ihre edle Sache zum Triumph zu führen. Amerika gegen öie englischen schwarzen Listen. New Jork, 27. Juli.(Funkspruch des Vertreters von W. T. T Verspätet eingetroffen.) Die Lag«, oie sich aus der englischen schwarzen Liste ergibt, hat nach hiesiger Beurteilung an Ernst zugenommen. Die amerikanischen Kaufleute befaßten sich mit der Absicht, sich zu einem wirksamen Einspruch zu vereinigen. Obwohl einige den Gedanken vertreten, dass Bryans Friedensvertrag mit England amerikanisch« Vergeltungsmahnah- men gegen England ausschließt, wird doch die Notwendigkeit, Ver- zeltungsmatzregeln zu treffen, falls England auf seinen ohne Bei- piel dastehenden Boykott bestehe, viel erörtert.— Eine Depesche des„New Dork American" aus Washington sagt: Wilson versuchte, England davon abzubringen, Amerikaner auf die schwarze Liste zu setzen, aber er wurde glatt abgewiesen. Für den Fall, daß ein diplomatischer Einspruch keinen Erfolg hat, wird der Plan erwogen, ein Gesetz durchzubringen, das ausländische Schiffe, die amerikanische Häfen anlaufen, verhindern soll, Amerikaner zu benachteiligen. Ein Verfahren, zu dem geraten worden ist, besteht darin, jedem amerikanischen Schiff die Abfertigung zu versagen, das sich weigert,-von einem auf der schwär- zen Liste stehenden amerikanischen Exporteur Ladung anzu- nehmen. Ein allgemeiner Protest soll sich darauf stützen, daß die Ausnahme von Amerikanern in die schwarze Liste eine unterschiedliche Behandlung bedeute und in so hohem Maße gegen die Neutralität verstoße, dag sie als unfreundlich angesehen werden müsse. Ein Berwaltungsbeamtcr ist der Ansicht, daß, sofern eine freundschaftliche Beilegung auf diplomatischem Wege nicht erreicht werden sollte, die Gefah-- eines ernsten Handelskrieges zwi- schcn den Vereinigten Staaten und England bestehe.—„New V o r k World" berichtet aus Washington: In amtlichen Kreisen wurde die Notwendigkeit ernsthaft erörtert, bei dem Kongreß ein Gesetz zu beantrage», das Vergeltungsmaßnahmen gegen England und seine Verbündeten zuläßt, um sie zur genauen Beobachtung der Rechte Amerikas und der anderen Neutralen zu zwingen.— „N e w Dork Tribun-." läßt sich aus Washington melden: In den beiden letzten Tagen ist ein vollständiger Wandel in der Haltung der Regierung England gegenüber im Vergleich mit dem Zustande des Protestierens und der Duldung eingstreten. Amerika ist durch eine Reihe von Nadelstichen zu der Notwendig- keit ausgerütclt worden, einen schärferen Standpunkt in bezug auf das, was es als Verletzung amerikanischer Rechte durch England ansieht, einzunehmen. England ist zu weit ge- gangen, wie die Beamten erklären.„Hearsts Jnternatio- naler Nachrichtendienst" berichtet aus Washington: Eine englische Verteidigungsschrift, die von einem Beamten der Bot- schast verfaßt worden ist, macht eS klar, daß noch mehr Firmen auf die Schwarze Liste gesetzt werden sollen, und enthüllt den Entschluß Englands, die Neutralen mit Einschluß der Vereinigten Staaten zu zwingen, ihm mit der übrigen Welt bei der Ausrottung und Vertreibung des Handels Deutschlands von der Erdoberfläche zu helfen. Senator Hitchcock führt aus: Die Aufstellung der Schwarzen Liste ist nur ein anderes Mittel für England, um den amerikanischen Auslandshandel zu vernichten. Die wirksamste ge- setzgeberische Vergeltungsmahregel würde das Verbot der Ausfuhr nach England sein. Professor Stowell von der Columbia- Unibersität, eine Autorität auf dem Gebiete des Völkerrechts, führt aus: Das englische Vorgehen ist, seitdem die Akte für amerikanisches Gebiet wirksam ist, eine handgreifliche Verletzung der amerikani- sehen Souveränität. Diese Akte setzte der langen Reihe der Ver- letzung neutraler Rechte die Krone aus. Es ist erniedrigend für die nationale Unabhängigkeit und Selbstachtung, sich ihr zu unter- werfen. Vergeltungsmassregeln, nicht Worte sind das geeignete Mittel, uns Achtung zu verschaffen gegenüber der fortgesetzten Ver- letzung unserer souveränen Rechte. Aktionen öer mexikanischen Arbeiter gegen öie Kriegsgefahr. Erst jetzt erfahren wir, dass die mexikanischen Arbeiter, ebenso wie die Arbeilerorganisationcn der V-rewigien Staaten, in den letzien Monaten eine lebhaste Agitation gegen einen Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko entfallet haben. � Zur Koordinierung der gemeinsamen Arbeit beschlossen die Führer der Gewerkichaftszentralen beider Länder, wie das russisch« sozialistische Blatt.Nowy Mir" in New Uorl meldet, eliie gemein- same Konferenz in El Paso abzuhalten, um über Massnahmen zur Abwendung der beiden Republiken drohenden Gefahren zu berate». Zugleich wandten sich die Vertreter der Arbeiterorganisationen I ü k a l a n s an das Proletariat der Vereinigten Staaten mit einem Ausruf, der Arbeiterklasse Mexikos in ihrem Kamps gegen daS amerikanisch« Kapital und die mexikanischen Reaktionäre beizustehen, die sich bemühen, beide Republiken in einen blutigen Krieg zu stürzen. « Uebcr einen weiteren Schritt der mexikanischen Arbeiter wird dem.Avanti" aus Paris berichtet. Danach haben sich 37 Gewerk- schoflen des Volkshauses(Oasa del Popolo) in Mexiko mit einem Appell an die sozialdemokratische Partei Spaniens gewandt. DieS der Wortlaut der Depesche, die in ihrem Nanien an Pablo JglesiaS abgesandt wurde: .Die Föderation der mexikanischen Gewerkschaften wendet sich an Sie, den Führer des spanischen Sozialismus, und ersucht Sie, die spanischen Genossen zur Entfaltung einer energischen Protest- aklion gegen die Intervention der Vereinigten Staaten in Mexiko aufzufordern. Ihr müßt es den Seelen Eurer Nation, die unsere Mutter ist, tief einprägen, Ihr müßt es den Völkern Europas und der Ver- einigten Staaten klar machen, wie ungeheuerlich die Intervention der Vereinigten Staaten in Mexiko ist, die vom amerikanischen Kapitalismus und vom amerikanischen und mexikanischen Klerikalismus veranlasst wurde. Eine solche Intervention hat nur das eine Ziel, die durch die mexikanische Revolution errungenen Erfolge zunichte zu machen. Treu unserem Prinzip werden wir alles aufbieten, um einen drohenden Konflikt zu vermeiden. � Aber wenn unsere Be- mühungcn vergeblich sein sollten, so werden wir wissen, uns mit Gewalt dem Angriff einer Regierung zu widersetzen, die, um unS unsere Errungenschaften zu entreißen, die Arbeiter zweier Schwesternationen unbarmherzig aufeinander hetzt. Wir boffen, dass unser Appell der erste Schritt zur Annäherung und Verständigung zwischen den Genossen zweier Erdteile sein wird." Letzte Nachrichten. Zur deutschen Offensive vor Verdun. Berlin, 3. August.(W. T. B.) Die„N o r d d e u t s ch e Ä I l- gemeine Zeitung" schreibt über einen wichtigen Fort- schritt der Deutschen vor Verdun: Während der gestrige amtliche deutsche Heeresbericht die gün- stige Lage der Deutschen, vor allem an der Somme, hervorhob und die Aussichtslosigkeit der dortigen feindlichen Angriffe, die besonders von den Engländern ganz ausserordentlich grosse blutige Opfer fordern, ohne auch nur an irgend einer Stelle die deutsche Linie zu erschüttern, verzeichnet der heutige Bericht einen wichtigen Fortschritt der deutschen Offensive vor Verdun, und zwar an zwei Stellen zugleich: sowohl westlich und nordwestlich des Werkes Thiaumont, als auch am östlichen Wege von Vaux nach Souville, wo es gelang, die Bergnase nordöstlich der Feste Souville zu gewinnen und den Feind im Bcrgwalde sowie im Laufse- Wäldchen wesentlich zurückzudrängen. Letzterer Erfolg ist von um so grösserer Bedeutung, als durch die Er- stürmung der dortigen französischen Stellungen zugleich die so außerordentlich wichtige Tavannsoschlucht von den Deutschen bc- herrscht wird. Alle Versuche der Franzosen zur Wiedergewinnung der verlorenen Stellungen im Bergwald waren erfolglos. Die äusserst heftigen Gegenangriffe wurden sämtlich blutig abge- wiesen, sie beweisen indes, welch grosse taktische Bedeutung auch die Franzosen dem Besitz dieses wichtigen Geländeabsckynittes beimessen. Durch diesen neuen, schönen Erfolg der tapferen deutschen Truppen ist die deutsche Offensive vor Verdun um einen erheblichen Schritt voran gekommen. Zugleich oeweist dieser Er- folg der Deutschen, daß die nun schon über fünf Wochen anhaltende Offensive der Engländer und Franzosen an der Somme nicht einmal die Entlastung der schwer leidenden französischen Truppen bei Verdun bisher hat erreichen können. Ein Danktelegrainm des Kaisers an Professor Harnack. Berlin, 2. August.(W. T. B.) Seine Majestät der Kaiser hat an den Wirklichen Geheimen Rat von Harnack- Berlin nachstehendes T e l e gr a m m gerichtet: Wärmsten Dank für die Meldung von der freudigen Auf- »ahme Meiner dem deutschen Volk an der Schwelle des dritten KricgSjahres gewidmeten Worte in der durch Ihren Vor- trag begeisterten patriotischen Versammlung derReichShauptstadt. Wilhelm I. R. Hochvcrratsvrozeß in Wien. Wien, 2. August.(W. T. B.) Divisionsgericht wurde am 30. Vor dem Wiener Landwehr- Juli nach vierzehntägiger Daner der Prozess gegen�die Reichsratsabgeordneten C h o c, Ä u- rival, Aojna und N e t o l i ck y wegen des Verbrechens der Mitschuld am Hochverrat in öffentlicher Verhandlung zu Ende gc- ührt- Dem von der Militäranwaltschaft durchgeführten Er- mittelungSverfahren lagen eigenhändige von der genannten Be- Hörde in einem besonderen Verfahren beschlagnahmte Aufzeich- nungen des ins Ausland geflüchteten, wegen Hochverrats verfolgten Professors Masarhk über eine Beratung desselben mit den an- geklagten Abgeordnelen zugrunde. Die Angeklagten wurden im vollen Umfange der Anklage für schuldig erkannt und zu schwe- rem verschärften Kerker, und zwar Choc zu sechs Jahren, Bnrival zu fünf Jahren, Vojna und Netolicky zu je einem Jahre verurteilt. Der Verteidiger meldete die Nich- tigkeitsbcschwerde und Berufung an. Maßregelung cnglisch-indischcr Offiziere. Rotterdam, 2. August.(W. T. B.) Der„Nieuwe Rotter- damsche Courant" meldet aus London: Es findet allgemein Beifall, daß die Regierung von Indien drei hohe Offiziere entlassen hat, die dafür verantwortlich waren, dass bei einem Truppentrans- port von Kirachi eine große Anzahl von Soldaten den Sonnenstich bekamen. GewerkfthaWches. V-rlin und Umgegend. Mangelnde Kriegsbcschädigtenfürsorge im Gastwirts- gewcrbc. Zwischen den mahgebenvcn Unternehmerorganiscitionen im Gast- Wirtsgewerbe Grog-Berlins und den in Betracht kommenden Ge- HUfenorganisationen ist vor einiger Zeit eine Arbeitsgemeinschaft abgeschlossen worden, welche die Unterbringung der Kriegsbeschädigten im Beruf zum Zweck hat. Die Ausführung dieses Abkommens ist dem parilätischen Arbeitsnachweis für das Gastwirtsgewcrbe über- tragen worden. Es hat sich aber gezeigt, daß die gastwirtschaft- lichen Grogbelriebe fast gar kein Interesse für diese Angelegenheit haben. Uni sie für die Kricgsbeschädigtenfürsorge zu interessieren, hatte daS Kuratorium des parilälischen Arbeitsnachweises zu seiner am Mittwoch unter dein Borsitz des Magistralsrats Dr. G e r t h abgehaltenen Sitzung Großbetriebe eingeladen. Man crwarlete, daß eine Aussprache mit den Leitern der großen Unternehmungen einen günstigen Erfolg für die Kricgsbeschädigtenfürsorge haben würde. Leider muß bemerkt werden, daß ein solcher Erfolg nicht verzeichnet werden kann, denn von den 43 Eingeladenen waren nur 7 erschienen(!) und von den Nichterschienenen hatten nur einzelne ihr Fernbleiben entschuldigt. Wie festgestellt wurde, war auch ein für die Kriegs- beschädigtenfürsorge eingeladener Vertreter des Berliner Magistrats nicht erschienen. Die Kuratoriumsmiiglieder, welche zu dieser Angelegenheit das Wort nahmen, bedauerten lebhast, daß die Einladungen zu dieser Sitzung emen so geringen Erfolg hatten. Es wurde betont, daß die Beschäftigung der Kriegsbeschädigten— soweit irgend möglich— in ihrem Beruf allgemein als vaterländische Pflicht bezeichnet worden sei. Leider müsse aber festgestellt werden, daß die großen ga st wirtschaftlichen Unternehmungen sich dieser Pflicht zu entziehen suchen. In kleinen Betrieben, die nur wenige Personen beschäftigen, könne eine nennenswerte Zahl von Kriegsbeschädigten nicht untergebracht werden. Dagegen würde es den großen Betrieben mit ihrem nach Hunderten zählenden Personal nicht schwer fallen, Kriegsbeschädigten, wenn nicht gerade als Kellner, so doch auf irgend einem anderen für sie geeigneten Posten zu beschäftigen. Mit Bedauern müsse bemerkt werden, daß die Leitungen von Großbetrieben nicht nur kein Interesse für die Kriegsbeschädigtenfürsorge zeigen, sondern sich sogar in bestimmten Fällen gc» weigert haben. Kriegsbeschädigte zu beschäftigen. In den großen Betrieben gebe es mancherlei Beschäsligung, wo der betreffende Angestellte mit dem Publikum gar nicht in Berührung komme, also niibts gegen die Besetzung einer solchen Stelle durch einen Kriegsbeschädigten geltend gemacht werden könne. Leider seien aber eine Anzahl von Fällen bekannt, wo intelligente, schreib- gewandte und sprachenkundige junge Leute, die sich als Kellner nicht mehr eigneten, nscht einmal einen gewöhnlichen Schreiberposten im Bureau irgend eines Großbetriebes hätten bekommen können. So lange sich die Leiter der großen Betriebe nicht für die Unterbringung der Kriegsbeschädigten interessieren, sei an eine Durchführung der Kriegsbeschädigtensürsorge im Berliner Gast- Wirtsgewerbe nicht zu denken und es könnte dann eintreten, was durch die Arbeitsgemeinschaft verhindert werden solle: Daß die lriegsbcschädigten Gasiwirtsgehilfcn, mit dem Leierkasten von Hof zu Hof gehend, ihr kümmerliches Brot suchen müssen. Ein anwesender Vertreter des Jnteressenverbandes für das Berliner Gastwirtsgewerbe bemerkte, sein Verband werde sich mit dieser Angelegenheit befassen und eine Versammlung zu diesem Zweck abhalten. Er nehme an, daß der Jnleressenverband, dem die meisten der zu dieser Sitzung Eingeladenen angehören, ein gutes Resultat erzielen werde. Die Sitzung beschloß, die Leiter der großen Betriebe nochmals zu einer Aussprache über die Kriegsbeschädigtensürsorge einzuladen. Die Töpfer Berlins hielten um Dienstag eine außerordentliche Generalveriommlung ab. Es handelte sich darum, wie nach dem Beswluß der vorhergehenden Versammlung, wonack nur e i n An- gestelller in der VerWallung zu verbleiben habe, die Geschäfte Weiler- geführt werden sollten. Die große Mehrzahl der Bezirksversamm- hingen hatte sich für die Beibehaltung zweier Angestellten aus- gesprochen, und es lag ein dahingehender Antrag des Bezirks Moabit vor. Räch dreistündiger Debatte stimmten per Zettel 59 Anwesende dafür, 40 dagegen, ein Zettel war unbeschrieben. Der Vorsitzende erklärte, daß, wenn mit der Zeit die Arbeilen in der Verwaltung sich vcr- ringern sollten, und ein Angestellter die Arbeit bewältigen könne, ohne weiteres der zweite abtreten werde. Ferner wurde ein Antrag angenommen, demzufolge daS Bureau wieder morgens von 8 Uhr an geöffnet sein soll. Des weiteren wurden die Ersatzwahlen zum Vorstand er- ledigt. Betreffs des Beschlusses der letzten Versammlung, daß von der Verwaltung keinerlei politische Druckschrislen mehr ins Feld ge- sandt werden sollen, erklärte Richard Schmidt: die meisten von enen, die dem Beschluß zugestimmt, hätten die„Fackel" gar nicht gekannt. Er stehe in regem brieflichem Verkehr mit vielen Verbands- kollegen und sei von diesen immer gebeten worden, Lesestoff ins Feld zu schicken. Ter„Vorwärts" gehe auch ins Feld, darum werde die„Fackel" auch hinausgeiandt, als Ergänzung, um eine einseilige Jniormation zu verhüten.*) Er habe heule eine Anzahl Exemplare der „Fackel" in der Versammlung zur Verteilung gebracht, damit die Anwesenden einmal sehen könnten, wie die„Fackel" eigentlich aussehe. *) Wir möchten, um Mißverständniffe nicht aufkommen zu lassen. von vornherein bemerken, daß der„Vorwärts" nicht etwa von der OrgaliisationSleitung der Berliner Töpfer ins Feld geschickt wird. Ob sich unter den Feldpostbestellern eine erhebliche Zahl von Töpfern befindet, vermögen wir nicht zu sagen. � KuslanS. Löhne und Produktionskosten. Sir Leo Chiozza Money führt im„Daily Expreß" vom 21. Juli aus:„Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß die Löhne durch den Krieg gestiegen sind, und daß keine Aussicht vorhanden ist, daß sie nach dem Kriege zu der früheren niedrigen Basis zurückkehren. In Ländern, die die höchsten Löhne zahlen, werden die billigsten Waren erzeug? denn der Fabrikant ist gezwungen, die billigste Herstcllungs- weise anzuwenden. Der schlecht bezahlte Arbeiter arbeitet nicht intensiv und besitzt keine Kaufkraft. Nehmen wir als Beiipiel dos Automobil. Vor dem Kriege war das englische Auto ein teurer Artikel, das amerikanische dagegen billig, und doch wurde ersteres von einem schlecht, letzteres von einem gut bezahlten Arbeiter hergestellt, der doppelt so viel verdiente als der englische. Dasselbe ist der Fall bei Wasscrröhren; Amerika produzieri besser und billiger als England. Wenn der Krieg zu Ende ist. müssen die Arbeiter Löhne erhalten, die sie überzeugen, daß eine möglichst große Produktion in ihrem eigenen sowohl wie im Interesse der Nation liegt. Aber nicht nur in der Industrie, sondern auch in der Land- Wirtschaft sind hohe Löhne nur von Vorteil. In den Teilen Eng- lands, wo die niedrigsten Löhne bezahlt werden, ist die Produktion am geringsten. Die Einführung von Mindestlöhnen wird für die Landwirtschaft nur von Nutzen sein. Wenn die Löhne in England nicht höher werden, als sie vor dem Kriege waren, dann werden unsere Leute mit den Kanadiern und Australiern, mit denen sie Seile an Seite känipflen, in deren Heimat auswandern. ES war höchste Zeit, daß wir uns der Situation bewußt wurden, und das verdanken wir dem Krieg. In Deutschland wurden die Löhne vor dem Kriege immer höher, und das war die Folge von Massenproduknon. auf die wir uns werfen müssen, während wir uns bis jetzt mit Kleinigkeiten zufrieden gaben. Dafür haben wir im Kriege bitler büßen müssen, und ich hoffe, daß wir im Frieden auS der Lehre Nutzen ziehen werden." Mus der Partei. Eine Richtigstellung. Vom Genossen K a u t s k y erhalten wir folgende Erklärung: Der„Vorwärts" bringt heute(2. August) eine Zuschrift, die sich gegen meine in dem Artikel über Jaurss angedeutete Auffassung der Zimmerwalder Konferenz wendet. Die Redaktion stellt in Aus- ficht, sie werde zu dieser Frage selbst Stellung nehmen. Dabei will ich ihr natürlich nicht vorgreifen. Ich möchte mit folgenden Zeilen nur einer irrigen Deutung meiner Ausführungen vorbeugen. Die in Rede stehende Zuschrift erweckt den Glauben, als hätte ich an den Zimmerwalder Beschlüssen Kritik geübt und behauptet, in Zimmerwald sei die bestehende Organisation der Internationale tatsächlich in die Luft gesprengt worden. In Wirklichkeit sagte ich bloß, einzelne Teilnehmer an der Konferenz hätten erklärt, die Neubildung der Internationale müsse damit begonnen werden, daß sie gesprengt und ihre Beschlüsse für nichtig erklärt würden. Tatsächlich haben jene Teilnehmer, nicht bloß in Zimmerwald selbst, sondern schon vorher wie auch nachher erklärt, die bestehende Internationale sei nicht mehr lebensfähig, die alten Parteien in den meisten der kriegführenden Länder müßten gesprengt werden und höchst wichtige Beschlüsse, die die Jnter- nationale in der Kriegsfrage einstimmig gefaßt hatte, seien Unsinn. So schrieb z. B. die Genossin Roland-Holst im„Vorboten" vom 1. Januar: „Wir sollen offen erklären, daß eine vom Internationalen Sozialistischen Bureau herbeigeführte Einigung(der Internationale) überhaupt nur Schein, Lüge, Schwindel bedeuten kann, eine eklige Komödie, ausgeführt zu erneutem Betrug der Massen... Aber eine solche rücksichtslose Offenheit hat wohl zur Konsequenz die Spaltung, national wie international?— Gewiß, und auch die Notwendigkeit der Spaltung sollen wir den Massen klar machen."(Im Original gesperrt.) Diese einzelnen Teilnehmer wurden vielfach als die eigentlichen führenden Geister der in Zimmerwald vertretenen Gc- nossen angesehen. Daher kam es, daß in manchen Kreisen, die mit den dort gefaßten Beschlüssen im wesentlichen übereinstimmten, starkes Mißtrauen gegen die Absichten der Konferenz Platz griff, das ihre Wirkungen ebenso beeinträchtigte, wie etwa die Opposition gegen die Fraktionsmehrheit in Deutschland durch die Propagierung der Beitragssperre beeinträchtigt wurde. Das mutz am meisten gerade derjenige bedauern, der den Be- strebungen der Zimmerwalder Mehrheit den besten Erfolg wünscht. K. K a u t s k y. Die französische Minderheit. Genosse Jean L o n g u e t erhebt im„Populaire" einige Ein- Wendungen gegen unsere Artikel über die französische Minderheit („Vorwärts" vom 8. und 9. Juli). Genosse Longuet verteidigt die Haltung der französischen parlamentarischen Minderheit, die mit Ausnahme der Genossen Blanc, Brizon und Raffin-Dugens nicht nach Zimmerwald gegangen sind, noch gegen die Kriegskrediie ge- stimmt habe». Longuet meint, daß der„Vorwärts" sich durch seine Haltung allzusehr dem Standpunkt von Zimnrerwald verschrieben habe und er bemängelt insbesondere unsere Bemerkung über den Beschluß der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands zu Ncwcastle. Wenn Longuet dabei von neuem erklärt, dieser Beschluß sei zu .tolstoiistisch,, und.hcrvsistisch", so verweisen wir ihn auf das. was wir in Nr. 197 vom 29. Juli gesagt haben. Genosse Longuet scheint zu Lberscben, daß sich seine ganze Kritik ja nicht nur gegen den „Vorwärts", sondern gegen alle mit Ztmmerwald einverstandenen „Minderheiten" und nicht zuletzt auch gegen die französische Minder- bcit um M e r r h e t m und Brizon richtet. Unser Artikel hatte aber gerade den Zweck, darauf hinzuweisen, daß auch in Frankreich die Opposition keineswegs mir der parlamentarischen Minderheit zu- sammcnfällt. Dabei übersehen wir keineswegs, daß die Lage der französischen Minderheit in Frankieich eine unvergleichlich schwierigere ist als die der deutschen Minderheit. Wir hatten uns in unserem Artikel auf die Ausführungen eines in der Schweiz lebenden französischen Sozialisten Henry G u i l- b e a u x gestützt. Genosse Longuet glaubt den Werl dieser Kritik deshalb geringer schätzen zu können, weil Guilbeaux in Genf lebe und ein junger„Anarchist" sei. Wir wollen demgegenüber fest- stellen, daß Genosse Guilbeaux erst seit einem Jahre in der Schweiz lebt und bis dahin zu Paris in engen persönlichen Beziehungen zu der französischen Minderheit gestanden hat und auch jetzt noch steht. Genosse Guilbeaux ist weiter Mitglied der Schweizer sozialistischen Partei. Seine Kritik wird auch in Frankreich geteilt, wie, um nur ein Dokument herauszuheben, ein Artikel des„Populaire du Centre" vom 39. Juni 19l0 beweist, in dem sich Verfeuil über die Haltung der parlamentarischen Minderheit und des von Longuet ge- leiteten„Populaire" beklagt. Es liegt uns. wie wir schon in uniern Artikeln von Ansang Juli unterstrichen, völlig fern, unsererseits die französische Minorität schulmeistern zu wollen. Aber wir legen ebenso großen Wert darauf, demjenigen Teil der französischen Mino- rität besondere Sympathien auszusprechen, mit dem wir am ineisten übereinstimmen._ Protest gegen die sozialdemokratischen Nationalansschußrcdncr. Die„Leipziger VolkSzeitung" schreibt: Einen scharfen Protest gegen die Teilnahme sozialdemokratischer Redner an der Kundgebung dcS NationalausschusieS bar der erweiterte Kreisvorstand des Sozialvemokrarischen Vereins Essen beschlossen. Er lautet: Nach unwidersprochenen Meldungen reden in den Versamm- lungen des sog. NationalausschusieS am 1. August neben Jmperia- listen wie Rahrbach auch die Sozialdemokraten Dr. Südckum, Dr. August Müller und Fendrich. Der Nationalausschuß richtet seine Propaganda ausdrücklich auch gegen die Gegner voll Annexionen. Zu diesen gehört die Sozialdemokratie auf Grund ihres Programms und gemäß den Beschlüssen der ReichstagSsraknon und des Parteiausschusscs vom August 1915. die in verschärfter Form von der letzten Sitzung des Parleiausschusses wiederholt wurden. Wenn Parteivorsland und Reichstagsfraktion einer solchen Durchkreuzung sozialdemokratischer Politik widerspruchslos zusehen. laden sie damit die Verantwortung für ständig steigende Verbitte- rung der Genossen im Lande aus sich. Der erweiterte Kreisvorstand des Sozialdemokratischen Vereins Essen fordert deshalb vom Partcivorstand und von der Reichstags« fraktion entschiedenen öffentlichen Einspruch gegen das Verhallen der genannten Genossen. Der Protest wurde dem Parteivorstand übersandt. Der wird wenig damit anzufangen wissen. Denn die sozialdemokratiscven Förderer des Nationalausschusses können sich ihm gegenüber darauf berufen, daß die Politik des Ausschusses die des Kanzlers ist. und die Unterstützung der Kriegszielpolitil des Kanzlers gilt doch dem Parlcivorstand und seiner Anhängerschaft als die einzige vernünftige Realpolitik. Der weise Realpolitiker aber muß sich gewöhnen, noch ganz andere Dinge zu schlucken als einige kleine Annexionen. Mus Industrie und Handel. KriegSdividcndcn der Papierfabriken. Zu den industriellen Unter- nehmungen, deren Gewinne durch den Krieg erheblich gesteigert wurden, gehören auch die Papierfabriken. So ergibt der Abschluß der Äröllwitzer Aktien-Papierfabrik für das am 39. Juni beendete Geschäftsjahr wieder einen ganz netten Profil. Nach Kürzung der auf 104 711,71 M. festgesetzten Abschrei- bringen und unter Hinzurechnung des Vortrages aus 1914/15 sowie eines Betrages für verfallene Dividendenscheine beziffert sich der Reingewinn auf 329 350.71 M. Der General- Versammlung soll die Verteilung einer Dividende von 12 Proz. m Vorschlag gebracht werden. Die Ammendorfer Papierfabrik schneidet noch be- deutend günstiger ab. Bei den üblichen Abschreibungen soll der auf den 28. Oktober einzuberufenden Generalversammlung vorgeschlagen werden, eine Dividende von 20. Prozent auszuschütten.— Den Zeitungen, die den Papierfabriken wahnwitzig hohe Preise für Druck- papier zahlen müssen, geht es bekanntlich weniger gut. Wer seinen Winterbedarf in Schuhfett beschafft, kauft billiger als während der Saison. mu® Schuhfett enthalten, _ wenn es wasserdicht machen soll. Dr. Gentner's Schuhfett Tranolin und Universal-Tran-Lederfett sind er st klassige Schuh- fette und können prompt qe- liefert werden. Ebenso der be- lieble nichtabfärbende O e l- Wachs- Lederputz Nigrin. Heerführerplakate. Fabrikant: Carl Gcntner, chem. Fabrik, Göppingen(Württbg.). n.& P. Uder, sn'I-a"-/-'. Tabak-CxroUliaudliiiig: und Tahaktabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. Kanewacker, Qnmm& Trispel. ■ Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen.' ■ Am« Jloritzpl. 3014.-_ Trustfrei Tmstfrei I „Unsere Marine"-Zigarette| pfg. einschließlici�JCrieg�ufschlag W Troll SteuerorhShung| behalten unsere Zigaretten ihre■ alten anerkannten Qualitäten!> |j Georg A. Jasmatzi Aktiengesellschaft, Zigarettenfabrik, Dresden- A U Schntzmarke LZerantw. Redakt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Inseratenteil verantw. Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanjtalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 1 Beilage u. UntcrhaltungSbl. Dr. 211. 33. Jahrgang. MW i>cs JotiuWs" Mim MsWiilt Donnerstag. 3. Anguß 1916. Chronik des Weltkrieges. 3. August 1914. Eine amtliche Mitteilung meldet, daß der deutsche Vots6>after in Paris angewiesen worden sei, seine Pässe zu fordern, da Frank reich durch Patrouillenangrifse und Bombenabwürfe von Fliegern in Baden und Bayern den Kriegszustand eröffnet habe. Noch einer Petersburger Meldung werden durch Kaiserlichen Ukas Reichsduma und Staatsrat einberufen und ein Moratorium angeordnet. Großfürst Nikolai Nikolasewilsch ist zum Generalissi mus der russischen Streitkräfte ernannt worden. Die Schweiz und Schweden erklären ihre Neutralität und treffen militärische Vorbereitungen zu ihrem Schutze. Auch die Türkei be schließt eine teilweise Mobilisierung. Italien gibt die amtliche Erklärung ab, daß es gemäß dem Geist und Wortlaut des Dreibundvertrages Neutralität beobachten werde. Die Seuche der Sensationsnachrichten setzt ein. Aus Metz wird gemeldet, daß ein sranzösischer Arzt, der mit Hilfe französischer Ossi ziere versucht habe, Brunnen mit Cholerabazillen zu oergiften, stand rechtlich erschossen worden sei. W. T. B. dementiert spät abends die Nachricht. Von der Ostfront wird amtlich die Besetzung von Czenstochau Vendzin und Kalisch durch deutsche Truppen gemeldet. Die sozialdemokratische Fraktion beschloß in einer Sitzung, für die Kriegskredite zu stimmen. 3. Zluquft 1915. Im Westen kleinere Kämpfe in der Champagne, den Argonnen und den Vogesen Im Osten an der ganzen Front Fortdauer des Vormorsches der verbündeten Armeen, wobei insgesamt rund Ii) 000 Gefangene ein- gebracht werden. An der Tiroler Front die üblichen Stellungsgesechte. Eine amtliche deutsche Meldung bestätigt die Sapitulatton der Schuhtruppe von Südwestafrika. Aus der Schweiz kommt die Nachricht, daß es England gelungen sei. durch eiserne Riesenschuhnetze den Kanal zwischen Dover und Calais abzusperren und gegen Angrisse aller Art zu sichern. Der russische Botschafter in London gibt die ausdrückliche Er klqrung ab, daß Rußland nur gemeinsam mit England Frieden schließen werde. Zur /luslänöerfrage in öen Gewerkschaften. Die Frage der Zuwanderung ausländischer Arbeiter nach dem Kriege findet in der Presse und den Arbeiterorganisationen des In und Auslandes in steigendem Maße Beachtung. Diese Frage war bekanntlich Gegenstand der Beratungen der Pariser Konferenz der französischen, belgischen und italienischen Gewerkschaftsvertreter im verflossenen Frühjahr und hat auch den französischen Gewerkschasts bund zur Ausarbeitung bestimmter Leitsätze zur Regelung der iiobn-�und Arbeitsbedingungen der zugewanderten Arberter und zunr Schutz ibres Äoalitionsrechts veranlaßt. Eine Stellungnahme der deutschen Gewerkschaften zu dieser Frage liegt eigentlich noch nicht vor. Bloß im„Grundstein", dem Organ des Bau- arbeiterverbandes, ist dieses Problem in zwei Artikeln behandelt worden, die namentlich in der italienischen Arbeiterpresse leb haste Beachtung gefunden haben. Daß die Diskussion über die Ausländerfrage gerade hier eingesetzt hat, erklärt sich wohl daraus, daß nach der Berussstatistik von 1ö07 14 Proz. der Arbeiter im deutschen Baugewerbe Ausländer toarcn, von denen wiederum der überwiegende Teil auf italienische ZuWanderer entfiel. Ein näheres Eingeben aus diese Diskussion bat deshalb neben theoretischen» Interesse auch eine eminent praktische Bedetung. Den Anstoß für die Diskunion gaben, wie gesagt, zwei Artikel iin„Grundstein", und zwar vor allein eine Einsendung auö den Mitgliederkrcisen, die die Redaktion an leitender Stelle abdruckte, obne sich aber mit allen Ausführungen des Verfassers einverstanden zu erklären. Der Bcrfasier ivill von der bisherigen laxen Auf- sasiung der Ausländerfragen in den deutschen Gewerkschaften nichts wissen. Es sei höchste Zeit, eher zu spät als zu früh, daß die dcut- scheu Arbeiter gegen die Masse neinwanderung aus- lanbischer Arbeitskräfte Front mache n, die auf dem deutschen Arbeitsmarkte die Arbeitslöhne herabdriickcn und die son- stigen Arbeitsbedingungen verschlechtern, aber für die gewerkschaft- *'en Bestrebungen der deutschen Arbeiter nicht zu gewinnen seien. Die Theorien der lleber-Jnternationalistcn dürften uns nicht mebr abhalten, die eigenen Interessen gebührend zu vertreten. Dann fährt er fort: „Kommen wir zu Ende. Die deutschen Gcwcrk- schafteu müssen ihre seitherige Haltung in der Ausländerfragc von Grund aus ändern. Sie müssen einmal ihren Einfluß bei der Regierung gel- tend machen zur Erreichung von gesetzgeberischen Maß- nahmen, die die Einfuhr ausländischer Arbeitskräfte so regeln, daß den Einheimischen kein Schaden erwächst. Sodann müssen die Tarssverträge zur Lösung der schwierigen Frage herangezogen werden, indem in ihnen das selbstverständliche Recht der dcut- schen Arbeiterschaft auf Bevorzugung bei Besetzung der Arbeitsplätze festgelegt wird. Und endlich müssen die deutschen Gewerkschaften dazu übergehen, der Ausländerfrage oder besser gesagt-plage ohne die herkömmliche Sentimentalität gegenüber- zutreten. Wir wollen in Zukunft jeden Ausländer, der mit dem Verbandsbuch seiner heimatlichen Orga- n i s a t i o n zu uns kommt, so wie bisher mit offenen Armen aufnehmen. Aver die unorganisierte Masse der Ausländer wollen wir als das betrachten, was sie in Wirklichkeit ist, als Gegner, denen wir überall und bei jeder Gelegenheit rücksichtslos entgegentreten wollen. Wir werden damit nur das tun. was in anderen Ländern: in Eng- land. Frankreich»nd Amerika schon lange von den Gewerkschaften geübt worden ist." Zu diesen Ausführungen bemerkte das„Correspondenzblatt der Gnieralkommiision der GeZverkschastcn Deutschlands"(Nr. 20 vom 13. Mai 1916): „Gleich der Redaktion des„Grundstein" können wir uns nicht mit jedem Wort des Verfassers einverstauden erklären, aber die Grundtendenz seiner Ausführungen ist jedenfalls der B c a ch! u n g wert." Das Organ der italienischen„Confcderationc generale dcl Lavoro" schrieb über den„Gruildstein"-Artikel: ..Es ist der„Grundstein", der so spricht, d. h. die Ge- lvcrkschost der Bauarbeiter, die die meiste» Beziehungen zu unseren Arbeitern hat. Und während die Franzosen, ob sie nun Zimmerwälder sind oder nicht, e i n st i in m ig die Beseitigung aller gesetzlichen Einschränkungen der Freizügigkeit und die Gleich st cllung der fremden mit den ein- heimischen A-, heitern verlangen, fordern die Deutschen vom Staat den weitgehendsten Schutz und stellen denen, die sich ihrer Disziplin nicht unterwerfen wollen, kräftige Schläge in Aussicht. Es ist gut, sich dies für alle künstigen Unterhandlungen zu merken." Zu diesem Pronunziamento des„Monitore" nahm im„Avantl" vom 29. Juni der Chefredakteur Genosse Scrrati das Wort. Auch er fand es peinlich, daß der„Grundstein" nach staatlichen Schutzmaßnahme» ruft, er wendete sich aber bei dieser Ge- legenheit auch gegen Rigola, den Generalsekretär der italieni- schen Gewerkschaftszentralc, der zusammen mit Ouaglio und dem Abg. C a b r i n i an der Pariser Gewerkschaftskonferenz teil- gcnonrinen hatte. Sollte— so führte er aus— die erregte Antwort auf den Artikel des„Grundstein" nur die Verteidigung eines Nationalismus gegen einen anderen sein, so wäre das nicht die Art, den sozialistischen Prinzipien Treue zu halten und die Jnter- essen der Auswanderer zu vertreten. Nach dem Kriege wird die Arbeit der internationalen Erziehung der Arbeiter mit neuer Energie wieder aufgenommen werden müssen, dazu aber werde es nötig sein, gegenüber allen nationalistischen Getverk- schaften die völlige Unabhängigkeit zu wahren, und„daher wollen wir uns sowohl von Berlin wie von Paris fernhalten". Diesen Ausführungen Serratis trat Rigola im„Avanti" vom 23. Juni entgegen. Er zitierte zunächst die Aeußerungen des schweizerischen Gewerkschaftsorgans über den„Grundstein"- Artikel: Der Ruf nach gesetzgeberischen Maßnahmen gegen die Einwanderung von ausländischen Arbeitern sei reaktionär, einseitig und kurzsichtig: denn die Regierungen der andern Länder würden mit den gleichen Maßnahmen auch gegen die Eimvanderung von deutschen Arbeitern antworten. Tie Maßnahmen würden so zweischneidige Schwerter sein, die auch die deutschen Arbeiter verwunden würden. Der Artitelschreiber»er- gesse auch, daß in den letzten Jahren vor dem Kriege die aus- ländischen Arbeiter reicklich Ursache baiten, mit den deutschen Ar- beitern unzufrieden zu sein; denn deutsche Arbeiter waren es, die als organisierte Streikbrecherkolonnen in allen Ländern erschienen, wo einheimische Arbeiter im Kampfe mit dem Unternehmertiuni standen, und sie um ihve Erfolge brachten. Gewiß waren die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter in Deutschland damit nicht einverstanden, ja sie litten selbst schwer darunter; aber die Tatsache der organisierten deutschen Streik- drecherkolonnon in allen Ländern werde dadurch nicht beseitigt. Uebrigens fti die Forderung staatlicher Maßnahmen utopisch. Keine Klasscnregierung opfere die Untcrnehmerintcressen denen des Proletariats. Und dann fuhr Rigola fort: Soll den Italienern ein Protest verwehrt sein, der den Schtveizcrn erlaubt ist? Nicht die Forderung der Schutzmaßnahmen sei es, die am„Grundstein"- Artikel in Erstaunen setze, sondern der vornehm gering- s ch ä tz i g e Ton dieses Blattes, zumal da es in einem Lande er- scheine, an dem der Makel des Streikbvechertums klebe und dessen Haltung so wenig im Einklang stehe mit den i n t e r n a t i o n a l c n Prinzipien. In seiner Erwiderung auf diese Ausführungen RigolaS fragte Scrrati(„?lvantt" vom 24. Juni): Wenn Rigola der Ansicht sei, daß keine Klassenregierung die Interessen der Unterniehmer denen des Proletariats opfere und nach dein Kriege kein anderes Mittel gegen das Streikvrechertum der Einlvandercr� übrigbleibe als Propagqzida und Organisation, warum habe er, Rigola, zu- sammen mit Jouhaux und Apple ton gegen Mcrrheim und B o u r d e r o n die Klaffenregierungcn Frankreicks und Eng- lands zu gesetzgeberischen Maßnahmen zugunsten der Auswanderer aufgefordert? Noch einmal ergriff Rigola zu einer Erwiderung das Wort. Er wünsche zwar, daß die Auswanderung nach dem Kriege ganz aufhöre, doch glaube cr, daß besonders in Frankreich als dem Schau- platz der kriegerischen Ereignisse die Bautätigkeit nach dem Kriege sehr zunehmen werde, daher müßte daran gedacht tvcrden, wie die Interessen der Bauarbeiter zu schützen seien. Seine Zustimmung zur Zimmerwälder Resolution bedeute nicht den Ver- zicht, auch weiter mit solchen Arbeiterorgauisationen zu verhandeln, die am Burgfrieden teilgenommen hätten. Er habe den„Grund- stein" zitiert, weil der gereizte Ton der Zeitschrift ihm charak- teristisch erschienen wäre. Er selbst wüßte sehr wohl zwischen den regierenden Klassen in Deutschland und dem deutschen Proletariat zu unterscheiden und kömite beweisen, daß er stets bemüht getvpscn sei, auch den Deutschen gegenüber strengste Unpar- teilichkeit zu wahren. Der„Grundstein" scheine sagen zu wollen, das Prinzip der Organisation allein genüge nicht mehr, daher seien Maßnahmen nötig, die das Schweizer Organ als reaktionär, einseitig und kurzsichtig bezeichne. Trotzdem habe cr gesagt: Wenn sich auch der„Grundstein" auf den Boden des Nationalismus stelle, so hoffe er, Rigola, doch immer noch, daß es einmal möglich sein werde, die Internationale zu rekonstruieren. In Paris sei erklärt worden, wenn die direkte gewerkschaftliche Aktion allein unzureichend sei, die llnternehmer an der Einführung fremder Sireikbreeher zu hindern, so müsse die Einsetznng eines Kontrollorgans durch den Staat gefordert werden, das paritätisch aus Arbeitern und lluternepmern zusaminengesetzt ist und die Einwanderung über- wacht. Zugleich wurde die gewerkschaftliche und juri- st i s ch c Gleichberechtigung der Ausländer verlangt. damit diese nicht in Gefahr kämen, wegen Beteiligung an den Organisationen und der Agitation ausgewiesen zu werden. Wolle der„Grundstein" etwas Aehnliches— nun wohl—, so wäre er bereit, ihn zu unterstützen. In einem weiteren Artikel crklärie dann noch Rigola: Der Krieg habe ilin nicht in seinem Gefühl internationaler Solidarität beirrt. Die italienischen Arbeiter hätten stets jede Lehre, von welcher Seite sie käme, dankbar angenommen, und das werde auch scruer so sein. In Italien sei lange Zeit hin- durch das Streikbrechertuiii durch Gewaltmittel und durch einen oft grausamen und unbarmherzigen Boykott bekämpft war- den. Dagegen sei cS das deutsche Prinzip gewesen, dem Streikbrechcx nichts zuleide zu tun, sondern ihn entweder zu iso- lieren oder ihn zu bessern und zu belehren. Die Italiener hätten sich vor diesem Kriege diese Methoden zu eigen gemacht, in den loichtigsten AilSwanberuiigszentren eine intensive Propa- ganda entfaltet, und das gleiche hätten die französischen Genossen getan. So wurde schließlich erreicht, daß die Mitglieder der Bau- gewerkschaft bei ihrer Einwanderung in andere Länder ohne Obligo einer Einschreibgebühr in die dortigen Gewerkschaften aufgenommen wurden; hätte der Krieg diese friedliche Arbeit nicht unter- brochcn, so wären solche Pereinbarungen auch in anderen Län- der», z. B. mit Nord-Amerita, zustandcgekominen. Die einige, einzige Gewerkschaft, die alle Nationen umfaßt— diese große Idee ist nun nach der Ansicht des„Grundstein" gescheitert, und die deutschen Getverkschaften kündigen jetzt an, daß sie ihr Verhalten und ihre Taktik grundsätzlich ändern wollen.— Damit chließt die Diskussion, soweit sie auf die Auswandcrerfrage Be- zug hat. Als interessanicL Schlußwort zu dieser Auseinandersetzung bringt der„Avanti" am 5. Juli noch einen Artikel der Genossin Angelica Balabanoff. Nach einer Bemerkung, daß sie sich bereits lange vor dem Kriege die Ungnade der deutschen Getverk- schaftsmehrheit zugezogen hätte, erklärt sie, sie halte die pro- ektioni st is che n Theorien des„Grundstein" für ebenso verderblich wie das Eckweizer Bruderorgan. Jene deutschen Sozialisten, die in Teutschland wie in anderen Ländern„u n- praktisch" und„u t o p i st i s ch" genannt würden, bekämpften alle derartigen Ber suche, die Einlvanderung zu unterbinden, und zwar nicht nur aus praktischen, sondern aus prinzipiellen Gründen.£jic erinnere sich, daß z. B. aus dem Stuttgarter Kongreß ein noch entschiedenerer Protektionismus von den Amerikanern, wie z. B. Hunter, und von den Australiern be- fürwortet, von den Deutschen dagegen bekämpft wurde. Die Haltung des Grundstein" sei namentlich im gegenwärtr- gen Moment, wo der Krieg eine so mächtige Schranke zwischen den Arbeitern aller Länder aufgerichtet hat, besonders u n v e r- z e i h l i ch. So könne es zwischen den Anhängern Zimmerwalds und der deutschen Gcwerkschaftsmehrheit nur einen strikten Gegen- satz— theoretisch wie praktisch— geben, denn die Zimmerwälder verwerfen jeden n c o- n a t i o n a l i ft i s ch e n O p p o r t u n i s- mus. Wenn jedoch der„Grundstein" diese Haltung einnehme, so sei dies noch lange kein Grund mit der„Bataille" zu paktieren, die den französischen Zimmcrwäldern ebenso fernsteht wie der„Grund- stein" den deutschen._ politische Ueberftcht. Wann ist der Krieg verloren? Zu der Polemik des„Berliner Tageblattes" gegen die Aeußerung des Fürsten Salm:„Der Krieg sei verloren, wenn Deutschland nicht Belgien annektiere", schreibt Gras Reventlow in der„Deutschen Tageszeitung": „Im Grunde handelt es sich natürlich beim Fürsten Salm um die Ueberzeugung und Behauptung, daß die Beherrschung der fl a n d r i s ch e n K ü st e durch Deutschland eine der vom Reichs- kanzler angedeuteten realen Garantien für die Sicherheit und Bewegungsfreiheit nach Westen sowie für eine deutsche Freiheit der Meere bilde.... Da nun diese reale Garantie— neben den anderen zu verlangenden— eine Lebensnotwendigkeit des Deut- schen Reiches und B o lk e s bildet, so ist die Folgerung un- ausweichlich, daß bei Nichterfüllung einer solchen Lebens- Notwendigkeit der Krieg für Deutichland ein ver- lorener sein würde, trotz allem Heldenmute und aller Ausdauer, trotz allen Erfolgen und Siegen unserer Armeen... Eine Politik, wie sie das„Berliner Tageblatt" befürwortet, ebenso Herr Prof. Delbrück u. a. m., würde den Krieg, als Ganzes be- trachtet, zu einem verlorenen machen... Ebenso ist es doch wohl etwas unvorsichtig, daß das„Berliner Tageblatt" den Gedanken deutscher Beherrschung flauderischer Küste als einen„Aimexions- träum" bezeichnet... Die Auffassung des Fürsten Salm ist kein „Traum" auch kein„Annexionistentraum", sondern die nüchterne Formulierung einer der realen Garanlien, deren Deutschland unbe- dingt bedarf, wenn ihm der Krieg nicht ein verlorener sein soll. W i e eine solche Beherrschung der flandrischen Küste auszusehen hätte, inhalllich und formal, ist eine Tat- und Detailfrage, ist leine prinzipielle Frage, sondern eine solche der praktischen Verwirklichung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Erreichung des Zweckes, daß die Garantie eine wirklich reale sei, also allen Anforde- rungen der Machtfrage mit Sicherheit Genüge leisten werde." Das Zentrum und die„Neuorientierung". Die Zentrumspartei zeigt recht wenig Neigung, an die„Neu- orientierung" heranzugehen. Neuerdings ichreibt das Blatt des Reichstagsabgeordneten Dr. Marcour, die„Koblenzer Vollszeilung" (Nr. 387): „Unberechtigt ist auch da? immer noch wiederkehrende Verlangen, die wiederholt in Aussicht gestellte innerpolitische Neuorientierung schon jetzt während des Krieges eintreten zu lassen. Es liegt doch auf der Hand, daß, wenn zum Zwecke der Neugestaltung unserer innerpolitischen Verhältnisse mit gesetz- geberischen Maßnahmen beute schon vorgegangen würde, damit viel Zwist und Hader im Parlament wie im Lande ausgelöst werden müßte, denn es gibt Parteien, welche eine Reuorientierung für überflüssig und schädlich halten, weil sie bei den gegenwärtigen Berhällnissen sich ganz behaglich fühlen, während andere», denen es weniger nach Wunsch geht, die Neuorientierung gar nicht radikal und einschneidend genug ausfallen könnte. Da läßt man die Dinge im Interesse de» inneren Friedens doch am besten vorläufig ruhen; n a ch dem großen Kriege wird eine innerpolitische Auseinandersetzung. wie sie nun einmal unvermeidlich ist, jedenfalls viel weniger be- denklich und gefährlich sein." Kriegsziele eines Arbeiterabgeordneten. In der„Essener Volkszeitung" vom 1. August wird über eine Rede berichtet, die der ZentrumSabgeordncte G i e S b e r t S am 29. Juli in Essen gehalten hat. Er stellte darin folgende Kriegs- zielforderungen auf: Wir werden unS auf keinen Fall mit dem be- gnügen, was wir vor dem Kriege besaßen. Wir iniisjeii uns diejenigen Stützpunklc sichern, die uns für alle Zeiten vor einem Ueber- fall, wie dem diesmaligen, schützen. Wir werden Belgien nicht wieder zum Vorort Englands werden lassen. Die Balkanstaaten müssen von dem englischen Geldbeutel und von gewissenlosen Königen und Großfürsten befreit werden. Im wetteren betonte der Redner, daß unsere„bewährte" Wirtschaftspolitik selbstverständlich nach dem Kriege beizubehalten sei. Alle Anschauungen der christlichen Gcwerl- schaften hätten sich bewährt, so daß für sie kein Grund zum Um- lernen bestehe._ Das Verlangen nach Versammlungsfreiheit. Die Deutsche Friedensgescllschasl, Ortsgruppe Berlin, hat bei der ReichSregierung, unter HiniveiS auf das Vorgehen des„National- auSschysseS", beantragt, ihr die Erörterung von Friedenszielen und die Veranstaltung von Versammlungen zu diesem Zwecke cbensallS freizugeben._ Eine Rechtfertigung. Die„ V o i s i i ch c Z t g." wendet sich, unter Bezugnahme auf die von u»S i» Nr. 297 wiedergegebcnc Glossielung ihrcS Berichterstatters Max Theodor Vehr mann in der Wiener„Arbeiler- Zeilung", an uns mit einer Zuschrift, in der sie darauf hinweist, daß Herr Behrmann keineswegs erst in der Kriegszeit„auf- getaucht", sondern beinahe ein Jabrzebnt der Petersburger Kor- respondent der„Täglichen Rundschau" gewesen sei. Zu dem lrilistertcn Artikel habe Herr Behilnann gleichzeitig die„faksimilierten Briefe des Grafen Witte"»ritgesandt(in dem Ariikel war übrigens nur von eine m Briese Wittes die Rede), die Redaltion habe aber von der Veröffentlichung der„Faksimilia" Abstand ge- nommen. Wir nehmen von dieser Zuschrift gern Noiiz, müssen aber ge- stehen, daß sie weder die Kritik der Wiener„Arbeiterzeitung" an dem allgemeinen Charakter des Bchrtnannscheir Artikels wider- legt, noch die wesentlichste Frage beantwortet, iveshalb Herr Behl- mann diesen für die Beurteilung der russischen Politik so wichtigen Brief Wittes erst jetzt, also fast zwei Jahre nach dein Tode WitteS, zu veröffentlichen für gut befunden hat. Landtagsersatzwahl. Bei der LandtagSwahl in Labiau-Wehlau wurde an Stelle des verstorbenen Amtsrats Schrewe der konservative Ritler- gutSbesitzer v. Boddien-LeiSczienen, zurzeit im Felde, mft allen abgegebenen(218) Stimmen gewählt. Die Erklärung des ErnährungSamteS. �Der gestern veröffentlichten Erklärung des Vorstandes deS Kriegs- ernährungsamtes haben sich weiter angeschlossen: Deutscher Land- wirtschastsrat: Dr. Graf v. Schwerin-Löwitz.— Hauptausschusi nationaler Arbeiter- und Berufsverbände Deutschlands: Jenen.— Reichsausschusi für den Kleinhandel: Dr. Biller. Findeisen, Dr. Eberle.— Reichsverband deutscher Städte: Saalmann, Dr. Belian. Heeresbedarf an Webwaren. Amtlich. Alle für die Heeresverwaltung bestimmten An- geböte in Web-, Wirk-, Strick-, Filz- und Seilerwaren und daraus hergestellten Erzeugnissen sind, wie mehrfach in der Presie mit- geleilt, an das Webftoffmeldeaml der Kriegsrohstoffabteilung zu richten. Die Kriegsrohstoffabteilung gibt bekannt, daß zurzeit ins- besondere Bedarf an leichterem baumwollenen Rohnesiel, an fertigen Strohsäcken und Strohsockstoffen, Scheuertüchern und Scheuertuch- stoffen sowie an für militärische Zwecke geeignetem Leinen und Baumwollband vorliegt. Angebole hieraus sind trotz der durch die Bekanntmachung vom 10. Juni 1916 angeordneten Verfügungsbeschränkung auch fernerhin gemätz§ 17 der Bekanntmachung zu- lässig. Für diese Angebote sind die amtlichen Vordrucke zu benutzen, die bei den Handelskammern und der Vordruckverwallung der Kriegs- rohstoffabteilung erhältlich sind. Das tägliche örot. Zur Ernährungsfrage i» Sachsen. Die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten Kammer des sächsischen Landtages hielt in Dresden eine Sitzung ab, in der u. a. zu dem gegenwärtigen Stand der Ernährungsfrag« in Sachsen Stellung genommen wurde. Das Ergebnis der Erörterung gipfelte in dem Beschlutz, in einer Eingabe, die auf die in Sachsen bestehenden schweren Mängel hinweist, die sächsische Regierung zu einem energischen Vorgehen gegenüber den herrschenden Zuständen auf dem Gebiet der Lebensmittelversorgung aufzufordern. � In erster Linie wird eine sofortige Herabsetzung der Kartoffelhöchst- preise verlangt. Die Fett- und Butterbersorgung Sachsens sei „geradezu kläglich", von einer ersprietzlichen Tätigkeit des Reichs- ernährungsamtes im Interesse der Verbraucher oerspüre man so gut wie nichts. Es wird ferner endlich eine energische und rück- sichtslose Bekämpfung des Preiswuchers gefordert, auch die Be- reitstellung von Staatsmitteln für die Gemeinden wird verlangt, die vielfach am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind. Die Organisation lasse nach wie vor sehr viel zu wünschen übrig. Die Berichte der Fraktionsmitglieder aus den verschiedenen Bezirken des Landes liehen erkennen, datz im allgemeinen die Zu- stände im Ernährungswesen als sehr schlimm bezeichnet werden müssen. Bemerkt wurde auch, datz der Einflutz der sächsischen Re- gierung auf die in Betracht kommenden Zentralstellen des Reichs sehr gering zu sein scheine._(z) Ueber den Rückgang des Fleischverbrauchs. Die Monatsberichte des Städitischen Statistischen Amtes für Dresden enthalten recht interessante Angaben: Danach wurde im Monat März 1915 ein Gesamtfleischverbrauch von rund 3144 909 Kilo festgestellt, im gleichen Monat 1916 betrug er aber nur noch 1 947 999 Kilo. Eine noch deutlichere Sprache reden die auf den Kopf der Dresdener Einwohner berechneten Durchschnitts- zahlen: im März 1915 entfielen 5,49 Kilo auf den Kopf, im März 1916 aber nur noch 1,81. Dabei ist zu beachten, datz bei den Durchschnittsberechnungen der grotze Unterschied von Bemittelten und Unbemittelten autzer Betracht bleibt. Bekannt ist, datz die arbeitende Bevölkerung, welche am ehesten kräftigste Nahrung braucht. Fleisch am wenigsten kaufen kann, weil die Preise zu hoch sind. Am stärksten ist der Rückgang beim Verbrauch von Schweinefleisch, das im März 1915 mit 1755 999 Kilo an erster Stelle stand und über die Hälfte des gesamten Fleischver- brauchs ausmachte, im März 1916 aber bis auf 263 909 Kilo zu- rückging. Ueber die Preis st eigerungen während der Krieg?- zeit geben die Zahlen ebenfalls lehrreichen Aufschlutz. Ueber Benachteiligung Sachsens bei der Fleischverteilung wird von der Regierung und den Gemeinden lebhaft geklagt. In einer Eingabe der Stadt Dresden an den Reichskanzler wird u. a. darauf hingewiesen, datz Sachsen jetzt noch Schlachtvieh von seinem Bestände an die Zentrale in Berlin abgeben mutz, obwohl es schon in normalen Zeiten starke Zufuhr zur Deckung des Bedarfs braucht. Datz unter solchen Umständen zum Beispiel in Berlin zur- zeit fast noch einmal so viel Fleisch auf den Kopf der Bevölkerung verteilt werden kann, wie in Dresden, gibt eine gute Illustration zu diesen Verhältnissen._ Zum Zuckerhandel. Von verschiedenen Seiten wird Kunsthonig und Marmelade an« gebolen unter der Bedingung, datz die Käufer gegen Lieferung von Kunsthonig und Marmelade Zuckerbezugsscheine geben. Derartige Geschäfte sind nach den gesetzlichen Bestimmungen unzu- lässig. Zuckerbezugsscheine dürfen nur gegen Lieferung von Zucker weitergegeben werden, dagegen ist jede Weitergabe ohne Lieferung von Zucker und jeder Handel mit Bezugsscheinen verboten. Wer diesen Bestimmungen zuwiderhandelt, macht sich strafbar. Berichtigung. Von der Z. E. G. erhalten wir folgende Zuschrift: In Jdrer Nr. 219 vom 2. d. Mts. bringen Sie eine Notiz, über- schrieben„Unangenehme Situation", derzusolge die Z. E. G. einem Grotzkaufmann die Lieferung von Kaffee an da» III. Armeekorps verboten haben soll. Offenbar liegt eine Verwechselung der Z. E. G. mit dem KriegSausschutz für Kaffee. Tee und deren Ersatzmittel, G. m. b. H., Berlin, vor. Die Z. E. G. hat mit der Einfuhr und Beschlagnahme von Kaffee überhaupt nichts zu tun. Ms Groß-öerlin. Leiermanns Glück unü Pech. Bald nach Kriegsausbruch war in Grotz-Berlin der Leier- lastemnann, dessen armseliger Beruf schon dem Aussterben zu neigte, wieder eine vielbeachtete Persönlichkeit. Mit jeder neuen Kriegswoche stiegen seine Aktien. Geschäftstüchtige Leute hatten schnell, genau wie Anno 1870. die Drehorgelwalzen umarbeiten und auf nationale Töne stimmen lassen. Einen Leierkasten ohne Kriegsmelodien gab es nicht mehr. Wo nur das gefühlvolle Lied vom Wiedersehen der Heimat ertönte. öffnete es die Herzen und den Geldbeutel. Man gab in der noch frischen Begeisterungsstimmung gern und reichlich. Auch die damals von allen Seiten gehörte Moralpredigt, es dürfe nie wieder der alte jämmerliche Zustand eintreten, datz Kriegskrüppel, mit Kriegschrenzeichen ge- schmückt, leiernd um Pfennige betteln, stärkte die Gebe- laune. Sah man doch auch jetzt als Leiermänner fast ausschlietzlich Leute, die irgend ein äutzerlich erkennbares Gebrechen hatten und damit das Mitleid wach- riefen. So war es schon die ganzen Jahre zuvor gewesen, aber damals hatte man für die Leiermänner, deren Gedudel als nicht mehr in die Grotzstadt passend angesehen wurde, nicht viel übrig. Es war Hungerleiderbrot. Hunderte von Berliner Höfen blieben der Drehorgel durch Hauswirtsgebot verschlossen. In den Vororten durfte, wie noch heute, nur aus der Stratze und an gewissen Wochentagen geleiert werden. Selten fiel das gelddeschwerte Papierchen aus den Vorderhäusern.. Dienstmädchen und Hinterhausbewohner opferten allenfalls noch, besonders wenn zu der Orgel der Singsang nicht fehlte. Jetzt nach Kriegsbeginn regnete e? wieder halbe und sogar ganze Iftckel. Das Fett schöpften freilich die Drehorgel- Verleihgeschäfte ab. Sie wollten ihre Unkosten einbringen und schraubten die Pacht hoch, waren ja schon immer die Drohnen gewesen und lietzen den Krüppel sich mit dem schweren Musik- kästen von Haus zu Haus schleppen. Mit der unerwartet langen Dauer des Krieges hat sich das Bild abermals geändert. Die Verleihgeschäfte sind„auf- geschmissen", was im allgemeinen kein Schaden ist. Wer will denn jetzt noch geben. Die Teuerung hat die Begeisterung und das Mitleid gezügelt. Das schönste Kriegslied zieht nicht mehr. Erst Friedensschalmeien werden wieder die Sechser aus der Tasche locken. Dann wollen wir uns das Freudenorgeln gern abermals eine Weile gefallen lassen, wenn hinter dem Leierkasten nicht etwa von neuem der Kriegsvcr- clendete im zerschlissenen Soldatenrock steht. Feueruugsmaterial aus de« Hausböde». llns wird geschrieben: „Nach den Bestimmungen für Feuersicherheit sollen bekanntlich Brennmaterialien auf den Hausböden nicht zur Aufbewahrung gelangen. Diese Bestimmungen werden aber vielfach autzer acht ge- lassen. DaS Aufspeichern von Preßkohlen nnd Brennholz auf Haus- böden wird vornehmlich von Bewohnern der oberen Etagen beliebt, gemeinhin nur aus Bequemlichkeitsgründen, um das Brennmaterial für den Gebrauch schneller zur Hand zu haben, als wenn eS erst aus den Kellerräumen hinaufbefördert werden mutzte. Was sich bei dem einen als Bequemlichkeit erweist, bedeutet für den andern eine grotze Last und Qual. Das letztere trifft nun ganz besonders für die Arbeiter zu, welche in den Kohlengrotzhandelsbetrieben be- schäftigt find, die den Transport von Brennmaterial bewerkstelligen müssen. Das Abtragen von Preßkohlen auf HauSbäden ist eine körper- lich sehr anstrengende Arbeit. Diese Arbeit erschwert sich je nach der Beschaffenheft der Zu- gänge zu den Häusern bzw. der Treppenanlagen. Das Aufspeichern von größeren Mengen von Brennmaterial auf den Hausböden wird vorzugsweise in hochiherr schaftlichen Häusern im Westen Berlins und den westlichen Vororten beliebt. Die herrschaftliche Vortreppe darf beim Abtragen von Brennmaterial nicht benutzt werden. Die Kohlenträger müssen ihre schweren Lasten zunächst durch Keller- eingänge und dann auf oftmals dunklen, winkligen Hintertreppen zu den Böden hinaustragen. Mit dem Kellergeschoß sind somit sechs Treppen zu erklimmen. Was für grotze Kraftanstrengung von einer Kolonne von vier Mann erforderlich fft, wenn sie 15 999 bis 29 999 Preßkohlen auf diesen Wegen abtragen müssen, kann sich jeder Einsichtige leicht vorstellen. Die Kohlenkleinhändler lehnen daher auch die Beförderung von Heizungsmaterial nach den Haus- böden meistenteils ab. Bei den Kvhlengrotzhandlungsftrmen ist dies bisher nicht der Fall. Diese glauben mit Rücksicht auf ihre Kundschaft den Transport von Heizungsmaterial nach den HauS- böden nicht ablehnen zu dürfen. Unwillen und lebhafte Klagen über das Abtragen von HeizungS« Material nach den Hausböden destanden schon vor dem Kriege unter dieser Arbeiterschaft. Aber damals verfügten die Arbeitgeber immer über genügend kräftige Leute, so datz diese Klagen niemals so in den Vordergrund traten, als wie eS jetzt zur Zeit des Krieges der Fall ist. Es gibt auch heute noch viele solcher Kunden der Kohlengrotzhändler, die auch jetzt noch nicht ein Einsehen haben mit den schwachen Arbeitskräften, welche heute den Großhändlern zur Verfügung stehen. Gemeinhin sind es ältere oder ganz jugendliche Arbeiter und auch vielfach Frauen, von denen diese Arbeit verlangt wird. Es wäre daher angebracht, wenn in dieser schweren Zeit und in Anbetracht der heutigen Ernährungsweise der schwer ar- beitenden Schichten der Bevölkerung, die Kunden der Kohlengrotz- Händler im Interesse ihrer Mitmenschen von der Hinauffchaffung von Heizmaterial nach den HauSböden Abstand nehmen und ihren Bedarf in Kellerräumen zur Aufbewahrung bringen würden. Die meisten dieser Kunden dürften wohl noch über Arbeits- kräfte verfügen, welche nach und nach dann das für den Gebrauch erforderliche Heizmaterial aus dem Keller nach den Wohnräumen befördern könnten. Aufgabe der Behörde würde es auch fe-in, daZ Lagern von Heizmaterial auf den Hausböden zu verbieten." An Kriegsunterstätzungen ausschließlich für Kriegerfamilien sind seitens der Stadtgemeinde Berlin im Juli 10'/« Millionen Mark aufgewendet worden, hierunter mehr als 1,94 Millionen Mark für Miets- b e i h i l f e n. Insgesamt sind bis Ende Juli lediglich an Bar- unter st ü Hungen für Kriegerfamilien rund 160 Millionen Mark ausgezahlt worden. Neue Richtpreise für Obst. Unter Berücksichtigung der augenblicklichen Lage auf dem Obstmarkt hat die Preisprüfungsstelle Groß-Berlin beschlossen, ihre Ende Juni für angemessen erklärten Richtpreise für O b st teilweise abzuändern und für einige Frnchtarten in Uebereinstimmung mit den in Betracht kommenden Pro- duzcntenverbänden niedrigere Preise festzusetzen. Die Preise sind in folgender Weise abgeändert worden: Sauerkirschen Preßware 20 M. pro Zentner(früher 23 M.), gut sortierte echte saure Einmacheware. II. Sorte 30 M. pro Zentner(früher 40 M.), Johannisbeeren, gewöhnliche rote und weiße 22 M. pro Zentner(früher 25 M.)— Die übrigen Preise bleiben bestehen._ Abgabe von Hühnereier«. Der Magistrat hat eine am 3. August in Kraft tretende Verordnung erlassen, nach der die Abgabe von rohen Hühner- eiern, soweit sie nicht dem sofortigen Genuß an Ort und Stelle dienen, in Schank- und Gastwirtschaften. Speisewirtschaften und Speiseanstalten, Bäckereien und Konditoreien verboten ist. Dieses Verbot erstreckt sich sowohl auf inländische wie auf die durch die Zentraleinkaufsgesellschast gelieferten, durch die Eiervcrteilungsstelle in den Handel gebrachten ausländischen Eier. Sammlung der Seifenkarteuabschnitte. Nach einer heute veröffentlichten Bekanntmachung des Magistrats haben die Abgeber von Seife die von ihnen abgetrennten Abschnitte der Seifenkarten zu sammeln und monatlich in Paketen an die zu- ständige Brolkommiision abzuliefern. Jedes Paket darf nur gleich- artige Abschnitte enthalten; es mutz mit einer Aufschrift versehen sein, aus der der Inhalt des Paleis(z. B. 199 Abschnitt« über 59 Gramm Seifenpulver aus dem Monat August 1916), sowie Name und Wohnung des Absenders ersichtlich find. Stadtverordneter Kaufmann Max Sasinger ist in Schreiberhan im Alter von 68 Jahren gestorben. Der Verstorbene verlrat seit 12 Jahren den 11. Gemeindewahlbezirk in der zweiten Abteilung und war Mitglied der Fraktion der Linken. 32(KK) Mark Strafe wegen Höchstpreisnberschrcitung. Wie das hiesige Polizeipräsidium mitteilt, ist der Kaufmann Leon Sklarz, Luisenstr. 41 wohnhast, mit 32 999 M., evenl. für je 15 M. 1 Tage Gefängnis bestraft worden, weil er die Metall« Höchstpreise überschritten hatte._ Großer Andrcug herrschte dieser Tage in der Fischerstr. 39/42, wo sich die eingerichtete Zentralstelle sür Krankcnernährung befindet, um Erlangung von Scheinen zum Milckbezuge. Der Andrang war geradezu beängstigend und es war nichr viel davon zu bemerken. datz vorgcsorgt war. Infolgedessen entstand unter den dort Harrenden, vielfach kranken und älteren Personen, groher Mißmut. Das Polizeipräsidium teilt mit: Die Erteilung der Erlaubnis zur Verabfolgung von Sahne an Verwundete. Kranke oder Ge- nesende aus Grund ärztlicher Anordnung und ohne solche beim Vor- liegen eines unabweisbaren Bedürfnisses erfolgt künftig in Berlin nicht mehr durch die Polizeireviere, sondern durch die im Medizinal« amt der Stadt Berlin errichtete Zentralstelle für Krankenernährung, Fischerstr. 39/42._ „In freien Stunden"— ein neuer Halbjahrsband. Der Schatz guter Erzäblungsbllcher, den unser Berliner Partei- Verlag seit Jahren für das arbeitende Volk herrichtet, hat sich um ein neues Stück vermehrt: Ueber 699 Seften stark liegt ein neuer Band der von Preczang redigierten Wochenschrift„In freien Stunden" vor, der 39. Halbjahrsband. Der Band enthält den Roman„Helene" von Minna Kautsky, den Joseph Damberger reich mit Bildern geschmückt hat. Außerdem fand eine Reihe anderer Erzählungen darin Aufnahme, von denen wir nennen:„Die Belagerung der Pfalzburg" von Erckmann« Chatrian;„Die„Dschunke" von Friedrich Gerstäcker;„Der Wald- steig" von Adalbert Stifter und vieles andere. Wer nach unier- haltendem Scherz verlangt, findet ebenfalls reichlich Stoff in diesem Bande. Der Band kosiet, auf gutem Papier gedruckt, in Leinen qe- bunden 5 M., der Halbfranzband 6 M. Die Wochenschrist„In freien Stunden" kostet 15 Pf. pro Heft. Alle Volksbuchhandlungen halten den Band vorrätig und nehmen Bestellungen auf die Zeit- schrift entgegen. Ei« bedauerlicher Unfug häuft sich in der letzten Feit auf den Brücken des Teltowkanals und des Neuköllner Schiffahrtkanals. Von Kindern, die anscheinend während der Ferien unbeaufsichtigt sind, wird abends auf die zurückkehrenden Dampfer Wasser herab- gegoffen, mit Steinen geworfen, gespuckt und ähnlicher Unfug ge- trieben. Es sei darauf hingewiesen, datz in Zukunft von zuständigen Organen diesem Treiben eine scharfe Aufmerksamkeit geschenkt und mit aller Strenge gegen die Täter eingeschritten werden wird. Es besteht die Gefahr, datz auch die Eltern oder sonstige verant- wortliche Personen dieser Kinder, falls sie ihrer Aufsichtspflicht nicht genügend nachkommen, zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Die Leiche eines zwölffährigen Knaben wurde am Dienstag« nachmittag am Schiffbauerdamm gelandet. Es handelt sich um den Knaben Max Lüdke aus Neukölln, der allem Anschein nach selber den Tod gesucht hat. Großfeuer beschäfsigte die Berliner Feuerwehr längere Zeit in der Schönflietzer Stratze 1, Ecke Dänenstratze 14. Als die Feuerwehr an der Brandstelle ankam, stand der mächtige Dachstuhl des Eckhauses schon in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten reiche Nahrung gefunden und schlugen an mehreren Stellen hell aus den Dachluken und Fenstern heraus. Mit fünf Schlauchleitungen von Motorspritzen der Züge 19, 29, 17 und 21 wurde über eine Maschinenleiter und die verqualmten Treppen angegriffen und kräflig Master gegeben. Es gelang, den Brand auf den Dachstuhl zu beschränken. Dieser mutz vollständig erneuert werden.— Ein zweiler Dachstuhlbrand kam gestern früh um 4 Uhr in der Frankfurter Allee 321 zum Ausbruch. Hier brannte das Vorderhaus. Dem 7. Zuge gelang es, eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Gegen 7 Uhr konnle die Wehr, die mit mehreren Rohren Wasser gegeben halle, abrücken. Die Schöneberger Feuerwehr hatte gleichzeitig einen kleineren Fabrikbrand in der Bennigsenstratze 21/22 zu löschen, das in der H. Windhoffschen Apparate- und Maschinenfabrik ausgekommen, bei der Ankunft der Wehr gefährlich aussah. Mit zwei Schlauch- leitungen konnte dieses Feuer binnen zwei Stunden vollständig gelöscht iverden. Ueber den Brand in Schöneberg wird noch berichtet: In dem Fabrikgebäude des Hauses Bennigsenstratze 21/22 betreibt die Wind- hoffscbe Fabrik die Anfertigung von Kühlapparalen, sowie von Auto- mobilteilen. Während der Beiperpause um Mitternacht der in Nacht- ichicht beschäftigten Arbeiter brach plötzlich im Lackierraum aus bis- her ungeklärter Ursache Feuer aus, das sich durch die vorhandenen Spiritusvorräte leichr ausbreiten konnte. Die Feuerwehr erschien glücklicherweise sofort, und obwohl bereits helle Flammen aus den Fenstern schlugen, gelang es ihr innerhalb einer Stunde, des. Feuers Herr zu werden. Die ge- fährdeten Personen waren bereits in Sicherheit gebracht, doch hatlen vier von ihnen Verletzungen, die 29jährige Arbeiterin Erna.Rudlow aus Wilmersdorf, Bernhardstr. 3, erlitt schwere Brandwunden im Gesicht, an beiden Händen und Füßen; sie mutzte, dem Auguste« Viktoria-Krankenhause zugeführt werden. Drei andere junge Ar- beiterinnen konnten nach Anlegen von Notverbänden ihre Wohnungen aufsuchen. Der Schaden ist nicht allzu groß, es verbrannten einige Materialvorräte und hölzerne Einrichtungsgegenstände. DaS Apollo-Theatcr hat am 1. August die Spielsaison mit einem auserlesenen Programm eröffnet. Die Vera-Truppe zeigt sich auf dem Drahtseil zu Hause wie im Ballsaal. Else Garell als Opernsängerin erzielt mit ihrem Ave Maria einen durchschlagenden Erfolg. Nicht minder erfolgreich war die Vortragskünstlerin Ilse Bois, deren Parodie auf das Varieivprogramin unaufhörlich applaudiert wurde. Eine Rummer besonderer Art war die Musikal- Szene der Adelmann-Familie„Alt-Nürnberg" mit den sonderbarsten Instrumenten. Alte Bekannte sahen wir in der Lorch-Familie mit ihren mit großer Eleganz und Gewandtheit ausgeführten Italischen Spielen. Und dann Paul Beckers mit seinem„Fliegentütencorqilet" und seinem.Hühnerhof". Man mag noch so ernst gestimmt sein in dieser schweren Zeit, aber Paul Beckers versteht es, mit seinem sächselnden Humor den Zuhörer zum Lachen zu reizen. Kein Auge bleibt trocken— vor Lachen. Ms öen Gemeinden. Güterwirtschaft der Stadt Neukölln. Die Bewirtschaftung der städtischen Rieselgüter hat seit Krieg»- auSbruch bei den Grotz-Berliner Gemeinden in besonders hohem Matze an Bedeutung gewonnen. Neben ihrer eigentlichen Be« stimmnng als Aufnahmegebiete sür die gewalligen Mengen von Abfallstoffen aus den Städten sind die Rieselfelder mehr und mehr zu einer Nahrungsmittelquelle geworden. In der Erkenntnis, daß die Versorgung der großstädtischen Bevölkerung mit den notwendig« sten Lebensmitteln gegenwärtig als eine der dringendsten Aufgaben der Gemeinde angesehen werden mutz, ist von der Neuköllner Stadlverwaltung sowohl der Anbau von Halm« und Gartensrüchten als auch die Vermehrung des Viehbestandes für dieses Jahr aus den beiden Gütern Waßmannsdorf und Boddinsfelde in größtmöglichem Umfange durchgeführt worden. Schon die in Friedenszeiten erzielten Erträgniffe. wobei zum Teil der Eigenverbrauch nur klemere Mengen für den Verkauf üBttq lieh, geben tut anschauliches Bild don der Leistungsfähigkeit dieser Gutswirtsschasten. Rittergut Wahmanns« darf in einer Gesamtgrötze von rund 500 Hektar hatte zusammen mit Boddinsfelde, einem aus Ländereicn der Rittergüter Brusendorf und Groß-Machnow gebideten selbständigen Gutsbezirk von insgesamt 862 Hektar, im Jahre 1914 eine Roggenernte von 11080 Zentnern, die mit 10 090 Zentnern zum Verkauf gelangte. Außer Weizen und Hafer kamen neben Obst und Gemüse vorwiegend Kartoffeln /Ertrag 35 000 Zentner), Rüben(53 300 Zentner) und Rieselgras (75 000 Zentner) zum Anbau. Die beiden letztgenannten Produkle fanden grötztenteils zur Deckung des Futterbedarfs für das auf den Gütern eingestellte Rindvieh Verwendung. Um auch den Milch- ertrag in weitgehendstem Maße zu fördern— im Jahre 1914 gaben 176 Kühe rund 583 000 Liter Milch— hat die Stadt den da- maligen Rindviehbestand von 212 Stück ausschließlich Jungvieh durch Einstellung weiterer Milchkühe beträchtlich erhöht. Mit Rück- ficht auf die allgemeine Fleischknappheit sind inzwischen auf den Gütern auch Einrichtungen zur Schweinemästung getroffen worden. Das städtische Slltersheim in Neukölln. Mitten im ältesten Stadtteil Neuköllns, im sogenannten böhmischen Dorf, liegen abseits der Kirchgasse in der Gärtnerstraße drei kleine Landhäuschen, fern vom Straßeulärm und Verkehr. Dem Beschauer mag sich wohl kaum der Gedanke aufdrängen, daß diese Häusergruppe ein Heim darstellt welches die Stadt Neukölln im Interesse der Wohlfahrt alter Einwohner geschaffen hat. Ihnen soll in diesen sauberen Häuschen, die mit ihren gepflegten Vorgärten einen freundlichen Eindruck machen, ein sorgenfreies Unterkommen für die letzten Lebensjahre gewährt und dadurch die Tage des hohen Alters erträglicher gestaltet werden. Aufnahmefähig sind Neuköllner Ein- wohner über 60 Jahre ohne Unterschied des Standes und der Kon- sefsion gegen Zahlung eines Einkaufsgeldes von nur 1500 bis 1000 Mark je nach den Altersjahren. Die Insassen erhalten dafür bis zu ihrem Lebensende freie Wohnung, vollständige Verpflegung, ärztliche Behandlung, Arznei und Begräbnis. Zu diesen Unierhaltungskosten leistet die Stadtgemeinde alljährlich einen namhaften Zuschuß, da naturgemäß die geringen Einkaufsgelder bei weitem nicht aus- reichen, um die erforderlichen Aufwendungen auch nur annähernd zu decken. Städtische Beratungsstelle in Charlottenburg. Die Sprechstunden für Geschlechtskranke im Char- lottenburger Krankenhause, Kirch st raße, finden von jetzt an sowohl für Männer wie für Frauen zweimal wöchentlich von 12—1 Uhr, und zwar Dienstag von 12—1 Uhr und Freitag abend von 7—8 Uhr statt._ Lebensmittelverkauf in Pankow. Die Gemeindeverwaltung hat jetzt mit dem Verkauf der ihr überwiesenen und von ihr beschafften Lebensmittel begonnen. Zur Abgabe gelangt auf Nr. 14a der Lebensmittelkarte Vs Pfund Teigwaren zum Preise von 36 und 37 Pf. Ferner wird eine größere Menge Bohnen zum Verkauf kommen. Auf Abschnitt 19 und 19a der Lebensmittelkarte wird je'/< Pfund zum Preise von 12 Pf. ab- gegeben. Die Abschnitte 20 und 20a berechtigen zum Einkauf von je 100 Gramm geräucherten Speck zum Preise von 0,58 M. Die Karteninhaber find jedoch verpflichtet, den Speck bei dem für sie zuständigen Schlächtermeister zu entnehmen. Soziales. Zur Bordellfrage. Die„Kriegskorrespondenz" des evangelischen Preßverbandes für Deutschland bringt folgende Mitteilung zum Nach- denken: .Soziale, wirtschaftliche und gesundheitliche Erwägungen der- hindern, die Bordelle in Altona zu schließen. Diese Häuser sind bekanntlich wirtschaftliche Unternehmungen von außerordentlich hohem Erlrag, deren Anlagekapital sich mit 100 Proz. und inehr verzinst. Dazu kommen für die Stadt die hohen direkten und in- direkten Steuern, z. B. der enornie Verbrauch an elektrischem Licht, für die Geschäftsleute der große Umsatz an Alkohol in jeder Form und andern Genuß- und Reizmitteln. Die Altonaer Bordelle haben keine Polizeistunde wie die Gastwirtschaften, sondern sind die ganze Nacht geöffnet, io daß nach Schluß der Wirtschaften ein Teil der Besucher in die Bordelle abströmt. Die hohe Rentabilität der Häuser wird dazu benutzt, um sie weil über den wirtlichen Wert zu belasten, damit der Unternehmer für neu austauchende Gründungen Geld flüssig hat. Eine Schließung der Häuser würde deshalb eine wirtschaftliche Katastrophe heibeiführen. Der sanitäre Wert der Bordelle ohne Untersuchung auch der Männer begegnet in Fachkreisen mehr und mehr starken Zweifeln. In Kiel z. B.. wo doch gewiß alles getan wird, um die Soldaten bor Ansteckung in den Bordellen zu schützen, wurden im Lause des Jahres 1909 unter 330 Mädchen 605 Erkrankungsfälle an Geschlechtskrankheiten festgestellt, wie der Bericht über das Gesundheitswesen des Preußischen Staates im Jahre 1909, bearbeitet in der Medizinal- Abteilung des Ministeriums des Innern, mitteilt. Sehnliche Zahlen lassen sich aus andern Städten anführen." Das sind allerdings eigenartige„soziale, wirtschaftliche und gesundheitliche Erwägungen" zum Schutz von Bordellen. Sie sind in Wahrheit ein Hohn auf soziale Notwendigkeiten, auf das bestehende Strafgesetz und auf hygienische Rücksichten. Bordelle halten ist, auch wenn es polizeilich geduldet oder gar „konzessioniert" ist, mit Gefängnis und Ehrverlust von unserem Strafgesetzbuch bedroht. Eine nette„Wirt- schaftliche Erwägung", die den Schluß einer straf- rechtlich verbotenen, hygienisch verderblichen, sozial geradezu verbrecherischen Einrichtung hindert. Die Leute, die solche Erwägungen für gerechtfertigt halten— die„Kriegs-Korrespondenz" tut das nicht— müssen auch mit ihrer Konsequenz einverstanden sein: Wucherern. Menschen- aussaugcrn oder' Lebensmittelfälschern, Gaunern, Räubern, Münzverbrechern und dergleichen ihr Handwerk nur nicht zu stören, weil das„eine wirtschaftliche Katastrophe" für die herbeiführen würde, die diese„Geschäfte" betreiben oder aus ihnen Vorteil ziehen. Bordelle sind eine Schmach für die Leute, die sie halten. Es gibt kaum etwas Schimpflicheres als Zuhälter- und Bordellhaltertum. Der„sanitäre Wert" von Bordellen ist seit Jahrzehnten als ein lediglich eingebildeter nachgewiesen: in der Tat sind die Bordelle die schlimmsten Ver- breiter von Geschlechtskrankheiten. Aber wenn das auch nicht der Fall sein würde, ist die Ausbeutung Prostituierter durch Bordelle eine infame Nichtswürdigkeit. Sie ist vom Straf- gesetzbuch. wie das Reichsgericht in ständiger Rechtsprechung anerkannt hat. st e t s strafbar. Weshalb schützt man, wenn der Bericht der»Kriegskorrespondenz" zutrifft, in Altona die Kuppler. wenn sie Bordellbesitzer sind? Man sollte sie unter Anklage stellen, mit Ehrverlust und Polizeiaufsicht belegen und den armen, in solchen Spelunken festgehaltenen Mädchen Gelegen- heit zu ehrlichem Erwerb geben. Eine Gesellschaftsordnung, die aus„wirtschaftlichen Rücksichten" sblche Kuppelnester be- stehen läßt oder gar begünstigt, ist eine Ordnung brutaler Ausbeutung und empörender Niedertretung des Menschlichen im Menschen. Ist die Gesellschaftsordnung dazu da, um Kupplern Reichtümer zu verschaffen oder um allem, was Mcnschenantlitz trägt, Licht und Luft, geistige und körperliche Vervollkommnung zu verschaffen? Gerichtszeitung. 2b00 M. Nettogewinn an 145 Schlachtkälberu. Ein Strafprozeß wegen Kriegspreiswuchers gegen den Vieh- Händler Emil Pick in Leipzig beschäftigte die Leipziger Strafkammer. Der Angeklagte, der seit 5 Jahren als Viehhändler und Viehhandelskommissionär tätig ist, kaufte Ansang März dieses Jahres auf dem Viehhofe zu Berlin für Leipziger Rechnung 51 Kälber für die Summe von 8004,40 M., die er nach zwei Tagen auf dem Schlacht- und Viehhofe zu Leipzig für 9185,20 M. wieder verlauste, sodatzihmnach Abzug der bis auf den Schlachthof zu Leipzig betragenden Kosten in Höhe von 167 M., eilt Nettogewinn von 1013,80 M. verblieb. Derzeit betrug der Marktpreis für den Zentner Lebendgewicht in Leipzig 126 bis 130 M. für beste Kälber. Diesen hat der An- geklagte durchschnittlich um 10 M. überschritten. Einige Tage später brachte Pick wiederum einen Posten Kälber, diesmal waren es 94 Stück, auf dem Leipziger Viehhofe zum Verkauf, die eben- falls in Berlin erstanden worden waren. Der Ankaufs- preis stellte sich auf insgesamt 14 495,10 M., die Gesamtunkosten von Berlin bis Viehhos Leipzig beliefen sich auf 270,70 M., so daß Pick in diesem Falle ein Nettogewinn von 1457,75 M. verblieb. Er hatte somit an 145 Kälbern innerhalb sieben Tagen einen Reingewinn von rund 2500 Mark erzielt. Nach dem Gutachten der Sachverständigen betrug zu Friedenszeiten der normale Verdienst an einem Kalbe und an einem Hammel 3 bis 4 Mark, die Spesen abgerechnet, und das Gericht ist der Ansicht, daß in den vorliegenden Anklagefällen erhebliche Preisüberschreitungen stattgefunden haben. Das Gericht erkannte auf 1500 Mark Geldstrafe. Bleibt also noch immer nach Abzug der Strafe als Geschäfts- spesen ein Reingewinn von 1000 Mark. Das nennt man ein Geschäft.__ Eine HauSdiebia. Ein altes Schuldkonto, das noch aus dem Jahre 1913 stammt, hatte das Dienstmädchen Martha M i ch a l s k i gestern vor der Ferienstrafkammer zu begleichen. Die Angeklagte führte ein abenteuerliches Leben; sie ist viel in der Welt herumgekommen, spricht fertig Englisch und Französisch, hat eine ganze Zeitlang als Stewardeffe auf großen Seedampsern ihr Geld verdient, war in England und in Belgien und hat in den ver- schiedensten Städten Eigentumsveränderungen vorgenommen. So soll sie vor Jahren in einem Hotel in London einen großen Juwelendiebstahl ausgeführt haben. Auch während ihres Aufent- Halts in Brüssel ist sie wegen Diebstahls zu einer mehrjährigen Ge- fängnisstrafe verurteilt worden, die sie zum Teil verbüßt hat. In Aachen hat sie sich f. Z. als Dienstmädchen ver- mietet, war aber schon nach drei Tagen unter Mitnahme von Schmucksachen und Kleidern im Werte von 450 M. ver- schwunden. Von Aachen hatte sie sich nach Berlin begeben und nahm hier kurz hintereinander als Dienstmädchen bezw. Wirtschafterin Stellung bei Gast- und Schankwirten an. In allen Fällen hat sie die Gelegenheit zur Ausführung von Dieb- stählen benutzt. So stahl sie bei einem Schankwirt in der Köpenicker Straße während der kurzen Abwesenheit der Frau aus deren Schlaf- zimmer aus einer Kaffette eine Summe Geldes, die nach der Be- hauptung der Bestohlenen zirka 300 M. betragen haben soll, und eine goldene Uhr nebst Kette in demselben Werte; in anderen Dienststellen ließ sie Kleidungsstücke und Wertgegenstände von weib- lichcn Mitangestellten verschwinden.— Da die Angeklagte zur Zeit der Begehung dieser alten Straftaten noch nicht wesentlich vor- bestraft war, verurteilte sie der Gerichtshof nur zu einem Jahre Gefängnis und rechnete ihr auch fünf Monate Untersuchungs- hast an._ Mus aller Welt. Gut Geld, gut Leben. Wer Geld hat. braucht noch immer nichts zu entbehren. Für fünf oder sieben Mark kann er in Berlin, soviel er will, dänisches Schmalz kaufen. Mehlknappheit braucht er ebenso wenig zu fürchten. In verschiedeneu größeren deutschen Blättern erschien kürzlich ein Inserat, in dem„beschlagnahmefteies Mehl" angeboten war. Ein Jntereffent wandte sich an die betreffende Stelle und er- hielt, wie wir unserem Nürnberger Bruderblatt entnehmen, folgende Antwort: Köln-Mülheim, den 13. 6. 1916. B untenbach u. Kortlang (vorm. Hubert Otten) Getreide-Jmport- u. Mehl EngroS. Fernsprecher Nr. 2. Herrn....„ Nürnberg. Wir offerieren Ihnen freibleibend zufolge Ihrer w. Anfrage: beschlagnahmefreies holländisches Weizenmehl 80 Prozent ausgemahlen zu M. 175,— per Zentner ab hier gegen Nach- nähme auf gefl. sofortige Zusage, die wir gerne erwarten. Wir empfehlen uns Ihnen und zeichnen hochachtungsvoll Bunlenbach u. Kortlang. Eine Mark fünfundsiebenzig Pfennige für ein Pfund Mehl ist zwar«in bißchen happig— aber für den, der über einige Hundert- tausende verfügt, macht daS schließlich doch nicht viel auS. Er braucht sich auch nicht um Milch und Butter zu sorgen— die Domäne Edwardshof in der Reumark erläßt Anzeigen folgenden Inhalts: .Butter kann geliefert werden gegen Einstellung einer Kuh und Futtergeld. Der Ankauf der Kuh wird besorgt. Dom. Edwards- Hof bei Granow N,-M." Reflektanten auf diese Butterlieferung erhielten, nachdem sie um nähere Angaben gebeten haben, von der Domäne folgenden Bescheid: „Meine Bedingungen zum Füttern einer Kuh für Sie sind folgende: Zum Ankauf einer Milchkuh müssen Sie mir 3500 Mark übersenden. Die Kuh gehört dann natürlich Ihnen. An Futter- geld haben Sie täglich 2,50 Mark, und zwar ohne Aufforderung, am Schluß eines jeden Monats zu zahlen. Dafür erhalten Sie wöchentlich drei Pfund Butter. Die Rückstände, welche sich bei der Vutterfabrikation ergeben, gehören mir. Dieser Vertrag soll ein Jahr laufen und, wenn er nicht ausdrücklich verlängert wird, als aufgehoben betrachtet werden. Hochachtungsvoll Pankow." Das„Berl. Tgbl." hat ausgerechnet, daß unter den hier ge« gebenen Bedingungen das Pfund Butter auf die Kleinigkeit von 28 M. 26 Pf. zu stehen kommt. Sicherlich ein Preis, selbst für die heutigen Verhältnisse nicht ganz normal. Aber das Kriegsgeschäft hat dafür gesorgt, daß es eine ganze Reihe von Leuten gibt, die auch so viel anlegen können, ohne den Bankrott fürchten zu muffen. Versorgen sie ihre Küche dann noch reichlich mit Wild und Geflügel, die ja für gutes Geld immer noch unbeschränkt im freien Handel zu haben find, versehen sie sich hinreichend mit den gleichfalls genügend erhältlichen Büchsen voll konservierten Fleischdelikatessen als Ab- wcchflung,— so können sie sich wirklich auch heute noch ein Leben gestatten, das dem im Frieden nichts nachzugeben braucht. Aufreizung zum Streik in militarisierten Betrieben in Italien. Vor dem Mailänder Militärgericht ist am 1. Juli gegen den Arbeiter Orioli verhandelt worden, der in einem militarisierten Betriebe seine Mitarbeiter zum Streik aufgereizt und in einer öffentlichen Rede die Disziplinarmaßnahmen des überwachenden Offiziers getadelt haben soll. Da nachgewiesen wurde, daß der An- geklagte sich am Tage der Tat nicht wohl fühlte, wurde verminderte Zurechnungsfähigleit angenommen. Er wurde daher wegen ver- fuchter Aufreizung zur Fahnenflucht zur Mmdeststrafe von zwei Monaten Gefängnis verurteilt.(z) DaS Pech deS Dichter?. In der„Ostdeutschen Rundschau' war kürzlich ein langes Ge« dicht.Deutschland' zu lesen. In der ersten Strophe heißt es: Wie wundervoll bist du, mein deutsches Volk! Ich kann nur deinen?!amen beten, Und Tränen mir ins Auge treten, Gedenk' ich dein, mein teures, deutsches Volk! Von den folgenden zwölf Strophen geben wir noch die nach« stehende wieder: Du Volk, du meine Hoffnung, Zuversicht I Wer sich zu dir darf frei bekennen, Mit deutschem Namen darf sich nennen, Der fühlt im Herzen heiße Dankespflicht. Merkwürdigerweise darf sich aber der Dichter dieses Poems nicht „mit deutschem Namen nennen', denn er heißt... F. C. v, Ku- czynska._ Schweres Bootsunglück bei Hamburg. Dienstag nachmittag kenterte in der Nähe von Blankenese bei Meyerssand ein von a ch t jugendlichen Personen besetzte? Segelboot. Trotz so- forliger Rettungsversuche konnte nur ein Knabe gerettet werden. Die Pilzvergiftung in Dessau, die durch eine Verwechselung von Champignons mit dem überaus gefährlichen Knollenblätter- schwamm herbeigeführt worden ist, hat zwei weitere Opfer gefordert. Im Kreiskrankenhause starben noch eine 13- und eine 14jährige Tochter des Arbeiters Müller. Von dieser Familie sind nunmehr fünf Kinder der Vergiftung erlegen. Im ganzen find sieben Personen gestorben. Man hofft, die anderen Erkrankten am Leben zu erhalten. Bestien. In Groß-Tinn wurde, wie ans Breslau gemeldet wird, ein unmenschliches Verbrechen an einem auf Urlaub enl- lassen Sirafgesangenen begangen. Als der Äckerpächler S ch i l d zu seiner Familie aus dem Gefängnis heimkam, stach chm fein Sohn mit der Düngergabel ins Genick. Darauf schlug ihm feine Frau mit einer Holzaxt auf den Kopf. Die Tochter des Sträflings be- schleunigte dann noch den Tod des Ueberfallencn dadurch, daß sie ihm weitere Äxthiebe beibrachte. Verhaftung eines Mörderpaarcs in Könitz. In Könitz in Westpreußen wurde ein Ehepaar Lange unter dem Verdacht, schwere Einbruchsdiebstähle verübt zu haben, verhaftet. In ihrer Wohnung fand mrnp ein großes Lager gestohlener Sachen. Bei ihrer Vernehmung gestand die Frau u. a. ein, am 26. Ja-, nnar d. I. mit ihrem Manne zusammen den Rendanten der Ko- nitzer Ortskrankenkasse Boeck, als dieser den Kasscnraum in der Dunkelheit betrat und das Paar bei einem beabsichtigten Einbruch überraschte, ermordet zu haben. Jetzt hat die Frau in ihrer Zelle Selbstmord durch Erhängen verübt. Betrügerischer Hcercsliefcrant. Die Strafkammer in Frank- furt a. M. verurteilte nach einer Meldung des.Lokal-Anzeigers' den Fleischwaren-Großhändler Josepb Grübling, der ver- faulten Schinken an ein Regiment lieferte, zu einem Jahr Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte wurde wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet. 200 Opfer des Waldbrandes in Kanada. Aus Toronto wird gemeldet: Bei den Waldbränden in Kanada sind zweihundert Menschen umS Leben gekommen. Der angerichtete Schaden ist sehr groß. Eine Kinderlähmungsepidemie herrscht nach amerikanischen Blättermeldungen seit Wochen in New Uork. Meist werden Kinder im jüngeren Alter davon ergriffen, aber auch Personen im Alter bis zu 15 Jahren sind bereits diesem Leiden erlegen. Die Be- Hörden treffen große Vorsichtsmaßregeln und verbieten wegen der großen Ansteckungsgefahr starke Menschenansammlungen. Zahl- reiche Familien flüchten, mit ihren Kindern auf das»Land. Eine crhpliche Epidemie herrschte auch 1m. Jahre 1907 in New Forh, doch soll sie. diesmal stärker aufgetreten sein. ßrauenveranftaltungen. Fünfter Kreis. Frauenlescabend der 2. und I. Abteilung. Sonn- tag, denk. August: Ausflug nach Waldhaus Grunewald. Treffen um S'ft Uhr vormittag am Prenzlauer Tor, Straßenbahn-Haltcslellc. Gäste willkommen. Eingegangene Druckschristen. Was nach dem Krieg? Neue Wege und Ziele. Von G. Ströhm« seid. 1 M.— A. Beil, Stuttgart. Der Osten. Literarisches Sammelheft. Herausgegeben von S. Dem- bitzer. 1 M.— Verlag 2. Lamm, Berlin 0 2. Vaterland und Proletariat. Von Jean JauröS. Einführung von E. Perncrstorfer. 1,50 M.— Lbrigkeitsstaat und grofldcurschcr Gedanke. Von H. Preuß. 1,20 M.— Demokratie und Weltkrieg. Von G. F. Steffen. 5 M., geb. KM.— Vertag E. Dicderichs, Jena. Gesammelte Satiren. Bd. 1. 1303—1913. Von A. O. Weber. 3 M., geb. 4M.— A. H. Müller, Halle a. S. 'Aus Forst»nd Flur. Vierzig Tiernovcllen von H. Löns. t M., geb. 5 M.— Verlag R. Voigtläuder, Leipzig. Volksvcrsorgüng durch Zwang oder durch Freiheit Sammlung don Auflätzen von G. W. Schiele. 72 S.— I. F. Lehmann, München. Jahrbuch des Deutschen Dextilarbeiter-Berbaudes 1914/15. 393 S.— Verlag K. Hübsch, Berlin O. 27. Die Kä»ipfe Julius Casars an der AiSne im jetzigen Gefechtsbereich sächsischer Truppen. Von Pros. Dr. A. Schlotzmann. 90 Pj. F. C. W. Vogel, Leipzig. Das Kälbchen. Vier Novollen von L. Thoma. 3 M„ geb. 4,50 M. A. Langen, München. Kriegsbuch für die Jugend und das Volk. Bd. 7. 1. M. Geb. 1,25 M. Franckh, Stultgarl._ Briefkasten der Redaktion. Tie lurlslische EprechUunde lindet tllr Abonnenlen Ltndenstr. Z, ir. Hos cechls, parterre, am Womag bis gceilaß von 4 bis 7 Uor, am Sonnabend von b bis 6 Uhr statt. Jeder(ür den B r> e t i a st e n bestimmten Antrag« tst ein Buchstabe und eine Lahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonnementSguittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, echrisistückc und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. P. 5(51. 1. und 2. Nein.— C. H. 100. Die Eltern können, wenn sie In bedürftiger Lage leben, unter Darlegung Ihrer Verhältnisse bei dem Erfatzbalaillon des Truppenteils, zu dem der Kricgsgcsangenc eingezogen wurde, Auszahlung der KriegSlöhnung beantragen.— H. B. 17. 1. Zwei Pstichtkranfenkaffen darf man nicht angedörcn. 2. Nein. DaS stalutarische Geld wird gezahlt. 3. Einen Minderjährigen kann man wegen eines Dar- lehenS nicht mit Erfolg verklagen. Er kann sich als Minderjähriger nicht verpflichten. 4. Die Ziffer muß salsch angegeben sein. Die Ziffern reichen nur bis 73. B bedeutet i bedingt tauglich.— Pankow 51. Das Vcrsicherungsgcld ist Ihr Eigentum und würde im Fall einer Klage Ihnen auch nicht streitig gemacht werden können, wenn Sie Ihre Angaben beweisen.— W. W. 99. Nein.— H. R. 48. 1. In Ihrer Miclsangelegcnheit würde, wenn zu Ungunsten der Frau von der Nnterstützungskommbston entschieden wird, Beschwerde beim Regierungspräsidenten und Oberpräsidcnten eingereicht werden können. Viel Aussicht aus Erfolg hätte die Beschwerde leider nicht. 2. Nach dem Gesetz ist eine Exmission einer Kricgersrau unzulässig. Jedoch haben wir wiederholt daraus hinweiscu müssen, daß die Bundesratsverordnung vom Januar 191k dennoch zur Durchführung solcher Klage mißbraucht wird. Sollte Ihre Frau eine Klage erhalten, so soll sie mit derselben und der „VorwärtS'-Ouittung in der juristischen Sprechstunde vorsprechen. — B.®. 999. 1. Die betreffende Zeitung ist in allen Buchhandlungen und Zeitungskiosken zu kaufen. Sie besonders zu cmpschlen, sind wir nicht in der Lage. 2. Nein, nicht mehr vorhanden. WettcrauSstchten kür das mittlere Norddeutfchland bis Freitag mittag. Ziemlich warm und schwül, veränderlich, überwiegend dewölkt und im Norden, besonders an der Küste, leichte Rcgenfälle. Strich- weist Gewitter. « Verkauf ohne Bezugssthein: A.WERTHEIM Herren- Wasche Sporthemden Z W Oberhemden ÄaPe.rUJ al!."T. 5.50 Oberhemden 6.25 �Oberhemden 8.75 ♦Herrenkragen 4.80 ♦Stehumlegekragen vencbi*1-£6£™ 5.40 ♦Stehumlegekragen 3.60 Krawatten u. 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Schrtstsührer, ein Beisitzer, ein Revisor(Er- gänzungswahi). S. Verschiedenes. Der Emtrill ist nur gegen Vorzeigung de» OuitwngSbucheS gestattet; auch ist die Anwesenheit der Frauen erwünscht. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht vor Vorstand. 285/14' g-A: Otto Rosengarten, vorfitzender, Genter Str. 37. Trofe Warcnknappheit sind meine LflJJCr in Teppichen, Möbelstoffen, Gardinen, Steppdecken, Tisch- n. Diwandecken etc. »och reich sortiert!! Viele Artikel zu alten Preisen!! leppich-SPHialhaus Emil Lefevre Berlin-Süd. Seit 1882 nur Iii tu» Opfer de» Weltkrieges fiel am 17. Juli ISIS durch Kops. schütz im Gefecht mein lieber, Herzensguter Mann, der Land- sturmmann 1v44b Wilhelm Wehnert Res.-Jns.-Regt. Nr. 35, 5. Komp. Dies zeigt in tiesem Schmerz an die trauernde Witwe Frau Charlotte Wehnert nebst Schwiegermutter, Brüdern, Geschwistern u. allen Verwandten. Du bist so schwer von uns ge- schieden in banger Ahnung aus ein Wiedersehn. Al» Held bist Du im Kamps geblieben, doch kann kein Sturm Dein liebes Bild verweh«. Bellagt, beweint von Deinen Lieben, zu srüh bat Dich der Tod ereilt, da? Schicksal tras uns schwer. Wenn auch die Zeit die Wunden heilt, vergessen. ach nein, nimmermehr. In Dei. nem Brie! da schriebst Du es nieder: In die Heimat mächt' tch wieder! Doch es ist vorbei, e« kam, nicht mehr geschehn, wie Du rS immer schriebst, gesundes Wiedersehn. Wer ihn gelannl, mutz um ihn weinen. Die Trauernde. Bectseiitf Hetallarbelter-lerbanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Schieiser Gustav Schmidt am 80. Juli an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. August, nach. mittag» 4'/, Uhr,»on der Leichen» Halle des Zentrai-FriedhoseS in FriedrichSselde au» statt. Rege Beteiligung erwartet 120/16 Die Ortsverwaltung. Verband der Ireien Gast- and Schankwirte Deatschlands. Ortsverwaltung Neukölln. Am 30. Juli starb die Frau unseres Kollegen Nerrlich, Elise �eirlich geb. Tolamasin Siegsriedstratze 48/47. Die Beerdigung findet beute Donnerstag, den 8. August, nach- mittags 4 Uhr, von ver Halle des neuen Jalobi-Kirchhoses aus statt. 74/13 Um rege Beteiligung ersucht Die OrtSverwaltung. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zwelgvepeln Berlin. Bezirk Moabit. Am 30. Juli starb unser Mit- glied, der Hilfsarbeiter Gottlieb Leipe. Ehre seinem Andeukeu! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 3. August, nach- mittags 2il4 Uhr, aus dem Ber- iiner Gemeinde» Friedhos in Stahnsdorf statt. 142/13 via lirtlleda VarwaJhuig. verenNrortlichctz Sieiolteuii Lljrch ißUltps, Mulsin, güc fies Deutscher Holzarfaeiterverband. Zahlstelle Berlin. De« Mitgliedern znr Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler Felix Graamski Große Frankfurter Strotze 12 im Alter von 55 Jahren ge- storben ist. Ehre feine« Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 3. August,»ach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Friedhofs der Piusgemeinde in WilhelmSberg aus statt. Nachruf. De» Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler Heiarich Wittig Neukölln, Niemetzstr. 1 im Alter von SS Jahren ge- storben ist. Ehre seine« Andeukeu l 89/10 Die Ortsverwaltung. Am Montag, den 31. 7. ver- starb unsere Kollegin, die Botenfrau Amalie Manvaid. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Nazareth- Kirchhofe«, Kögelstratze, au« statt. Die Botenfrauen der Vorrvörtsivedttion Müllers, r.«4». Spezialarzt für Haut-, Harn-, Frauenleiden. nerv. Schwache, Bemlranle jeder --i.Ehrlich-h»ta-K«rll, Frltiliichslr, 81,«A" Sprchft.S-11,'/jS-'/jS, Sonntags Ii-2. Honorar mätz., a. Teilzahl. -- Separates Osmeuimmer— ©KCiflUl einer I-eibbinde* Sämtliche Systeme am Lager resp. nach MaJJanfertigung sowie Bruchbandagen'i£r Artikel z. Gesundh.- u. 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