Zlr. 313- 33. Jahrg. ftdorniemetitz-Bellitigiinzei): Bbonnemmtä» Preis pränumerando Lierleljährl. 8,30 MI, monatl, 1�0 Ml, wöchentlich 80 Vsz. frei ins Haus. einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags. numnicr mit Mustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1.80 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl.Zeitungs, Treisliste. Unter Kreuzdond für Deutschland und Oesterreich. Ungarn LchN Marl, für das übrige Ausland . Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an Belgien. Dänemarh Holland. Italien, Luxemburg. Portugal Rumanicu, Schweden und die Schweiz. 5 Pfennig) Die TntertionS'Gebülir beträgt für die sechSgcspaltene Kolonel. zcile oder deren Ziamn CO Pfg.. sür Uplitiicfle und gewerlschaftliche LercinZ. und Versammluugs> Anzeigen 80 Pig. ..Aleixe Znoeigen", das tetigcdruclie Wort 20 Pfg. szulüsstg 2 fcttgcdcucfie Worte), joves weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaniellenan. zeigen das erste Wort 10 Lsg., jedes weitere Wort 5Pig. Worte über I? Buch. stallen zählen für zwei Worte, �iiierme sür die nächste Nummer müjjcn bis ä Uhr nachmittags in der Expedition odgcgcden werden. Die Erveouic« ist bis 7 Uhr abends gevsstiel. kklcheitil iZgllch. Vevllnev VolklsblÄK. Telcgxamm.Adrcise: »SosislsemslitZl kcrlio'. Zcntvalorgnn der fozialdcmokrati feben partei Deutfcblands. Neüaktion: EW. HS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Ami Morippla«, Nr. 151 SV— 151 37. Freitag, den 4. August 1916. Expedition; EW. HS, Linöenstraße S. isernspvechrr: Amt Morippla«, Nr. 15130—15137. „Ernteöienst— Kriegsdienst". Im Anschluß an die vorgestern von uns veröffentlichten Kundgebungen der lippischen und Altenburger Re- gierung über die Durchführung eines eventuellen Arbeits- Zwanges für die Erntezeit, namentlich gegenüber Frauen und Rentenempfängern, möchten wir nachträglich auf einen Artikel in der„Deutschen Tageszeitung" vom 28. Juli über„Erntehilfe für die Landwirtschaft" hinweisen, der uns recht interessante Zusammenhänge aufzudeckon scheint. Das agrarische Blatt wies unter anderem darauf hin, daß namentlich für die Bergung der Kartoffelernte ein Mangel an Arbeitskräften bestehe. Wie die Landwirtschaft, wenn ihr nicht durchgreifende Arbcitshilfe zuteil werde, rechtzeitig mit ihr fertig werden solle, sei nicht abzusehen. Aus ihrem Leserkreise seien der„D. T." mannigfache Anregungen zugegangen, für die ländliche Arbeitshilfe in der Erntezeit unbeschäftigte städtische Arbeitskräfte in größerem Maß- stabe zu organisieren, insbesondere weibliche, denen gegenüber wieder die Idee des„weiblichen Dienstjahres" angeregt werde. Das Blatt selbst hegt einige Zweifel, ob die städtischen Kräfte wirklich in so durchgreifendem Maße für die Erntehilfe mobil gemacht werden könnten; daß aber die in den Städten „brachliegenden" Kräfte herangezogen werden müssen, erscheint auch ihm notwendig. Daran knüpft es. unter Hinweis auf einen Bericht des Vorstehers des Arbeitsnachweises der s ch l e s i s ch c n Landwirtschaftskanimer, wo- nach von 2000 von ihm vermittelten Brcslaucr Arbeitslosen 20 Proz. Frauen und 80 Proz, Männer kontraktbrüchig geworden seien, die Warnung, zur Auswahl geeigneter städtischer Arbeitskräfte eine feste Organisation zu schaffen und gegebenenfalls einen gewissen Zwang walten zu lassen. „Den Zwang, schreibt das Blatt, verstehen wir zunächst jeden- falls nicht dahin, daß etwa eine förmliche Mobilmachung aller städtischen Kräfte, die nicht nackweiZlich in der Stadl selber nützlich oder gar dringend bcsckäsligt sind, stattzufinden habe: von einer solchen Hilfe würde sich auch die Landwirt- icbaft kaum etwas versprechen. In dieser Beziehung denken wir .vielmehr nur an eine durchgrerfende Organisation für Arbeits- Hilfe, die freilich das'Recht haben müßte. Arbeitslose zur Verwendung in der Landwirtschaft zu be- st i m m e n, die aber auf eine gewisse Eignung für ländliche Arbeit schon deshalb sehen müßte, weil andernfalls die der Land- Wirtschaft zugeftihrten Kräfte ihr leicht mehr Last als Nutzen bringen löiinrcn. Diese Organisation, die von bestimmten Be- Hörden, nameMlich auch von mililärischer Seite, auszugehen halte, mlHe ober, abgesehen von der Verteilunei der Arbeits- kräsle, dit Llrbeits bedingungen, unter Berücksichtigung immer der einscb lägigen besonderen Verhältnisse, festsetzen und eine gewiffe Arbeits a u f Ii ch l durchführen, um solche Er- scheinungen, wie der ArbeilSnachiveis der schlesischen Land- Wirtschaftskammer sie in der obigen Zuschrift feststellt, zu ver« hindern. Insofern müßte der Ernredienst allerdings gewissermaßen als Kriegsdienst gellen. Ein g e w i j s e r Zwang würde namenllich auf jugendliche Personen, denen die Landarbeit wohl vorwiegend zunächst wenig behagen dürfte, ebenso wohltätig wirken, wie der militärische Zwang auf die Relruten, die am Dienst ja auch nicht sofort Geichmack finden, unter dem Einflüsse des Zwanges aber doch meist bald seine Segnungen spüren." Den„Segnungen" dieses eigenartigen„Erntedienstcs" für die davon betroffenen Arbeitskräfte stehen wir freilich recht skeptisch gegenüber, müssen aber zugleich gestchen, daß die empfohlene Zwangsaushebnng städtischer Ärbeiterkräfte für die Landwirtschaft dieser in der Tat neue„Segnungen"— zu den vielen, die ihr die KricgSzeit beschert— in den Schoß werfen würde. Uns ernstlich mit den Klagen der Landwirte über die„kontraktbrüchigen" Arbeiter auseinanderzusetzen, haben wir um so weniger Lust, als sie von den Agrariern schon seit Jahrzehnten vorgebracht werden. Würden die Arbeitsbedingungen, die Lohne usiv. ans dem Lande besser sein, so würden die Arbeiter die„Segnungen" der Land- arbeit nicht wieder mit dem Elend der Arbeitslosigkeit vertauschen. Nun soll nicht nur der Freizügigkeit der Arbeiter durch eine„gewisse Arbeitsanfsicht" ein Damm gc- setzt, es sollen auch Zwangs- und Pressionsmaßnahnien in Anwendung gebrachst werden, wie sie zum Teil schon in den Erlassen der lippischen und Altenburger Regierung an- gekündigt werden. Natürlich heißt es bei der Begründung derartiger For- derungen und Maßnahmen stets, das Interesse des Bater- landes erfordere eine durchgreifende„Erntehilfe", Gut. Wenn dem so ist, so möge die Landwirtschaft, die ihre Interessen als Produzentin ausgezeichnet wahrzunehmen versteht, nun auch als Konsumentin der Ware Arbeitskraft den Interessen der A r b e i t n e hm e r durch entsprechende Löhne und Ar- beitsbedingungen gerecht werden. Dann wäre sicher- lich jeder„Zwang" überflüssig. Daß aber die berufenen Vertreter der Landwirtschaft, die den„Segen" der Konjunktur bis auf die Neige ausschöpft, den städtischen Ar- beitskrästcn nun außer der Last der emporgeschraubten Lebensmittelpreise auch noch den Zwangsdienst auf- bürden wollen, ist ein Unterfangen, gegen das wir im Interesse der Arbeiterschaft den schärfsten P r o t e st er- heben. Imperialismus unö Arbeiter- klaffe in Australien. Von allen Enttäuschungen, die wir während des Krieges erlebt haben, war vielleicht die größte die Kapitulation der Demokratie vor dem Nationalismus und Imperialismus. Sicher hatte die Demokratie nirgend einen so hohen Entwick- lungsgrnd erreicht als in Australien. Die australische Re- publik war tatsächlich als erste soweit gelangt, eine Arbeiter- regierung zu besitzen, das heißt, eine Regierung, in der das Proletariat eine fast absolute Kontrolle über die lokalen und bnndcsstaatlichen Angelegenheiten des Landes hatte. Australien war ein Land, in dem der größte Teil der Gesetzgebung den Interessen der Arbeiter diente, und wo die Grundlagen der Demokratie am gesündesten waren. Dieses ganze wunder- bare, mit Mühe und Beharrlichkeit errichtete Gebäude ist vor einer Erscheinung eingestürzt: dem Nationalismus und Im perialiSmus. So außerordentlich die Tatsache ist, muß man doch er kennen, wenn man die Phänomen aus der Nähe prüft, daß es nicht anders sein konnte, denn die führenden Schichten der australischen Arbeiter hatten sich darauf versteift, bei dem Bau ihres Staatswesens ein nationales Gebäude zu errichten, und hatten vergessen, zu gleicher Zeit den Grund zu der inter- nationalen industriellen Organisation zu legen. Und deshalb trug das Wirken dieser Arbeiter seinen Todeskeim in sich. Denn, im GegRisatz zu den Sozialisten und zu den inter- nationalen Gewerkschaftern waren sie nicht für den Unisturz des kapitalistischen Systems. Was sie anstrebten, war einfach die Teilnahme an dem bürgerlichen Regie- r u n g s s y st c m. Nachdem dieses Ziel einmal erreicht war, mußten sie gezwungenermaßen die Politik des kapitalistischen Systems, das heißt, eine nationalistische und imperialistische Politik, mitverfolgcn. In der Tat haben die Führer der Arbeiterpartei sl-abour Party) jetzt im Kriege weder ihre Hilfe noch ihren Eifer für die Sache des britischen Imperialismus geschont. Sie haben die Rekrutierung der Truppen sür die britische Armee sehr ivarni unterstützt. Und sie haben ein ebenso bedeutendes Kontingent pon Männern gestellt, wie Kanada, obwohl die Bevölkerimg von Australien ungefähr die Hälfte von der Kanudas ausmacht. Der Teil der australischen Arbeiter, der noch immer an der Politik ihrer Regierung festhält, ist von Stolz über die vollendete Aufgc�ie erfüllt. Und er zieht hieraus— ganz im Sinne der bürgerlichen Gedankengänge der„alten Welt"— die Konsequenz, die die Zeitung„Bulletin" in Sidney wie folgt sorniuliert:„Weil Australien in diesem Kriege eine ebenso mächtige Armee gestellt hat wie die, die England seit 20 Jahren besaß, hat es ein Recht beim Friedensvertrag einen Anteil an der Beute zu verlangen." Die australische Arbeiberregierung hat auch ihren Premier- minister nach England entsandt, der ihre Interessen vertreten und zugleich die Treue Australiens zum Mutterland knnd- gebsn sollte. Der Arbeiter-Preniierminister, der ehemals berühmte William Morris Hughes, begann seine Lauf- bahn als revolutionärer Arbeiter. In England hat ihn die imperialistische Presse warm empfangen. Die alliierten Re- gierungen haben ihn wie einen Messias gefeiert. Die Auf- gäbe, die sich dieser Exrevolutionär gestellt zu haben scheint, ist die Organisation des britischen Weltreichs. Sein Ideal wäre die Errichtung eines Föderativreiches mit einem zentralen Kriegsministerium und einer Politik des aggressiven Jnipcrialis- inus und Militarismus. Auf der Wirtschaftskonferenz der Alliierten, die in Paris stattfand, hat er sich ganz besonders mit dem wirtschaftlichen Krieg nach dem Kriege beschäftigt. Herr Hughes hat ein Zoll- regime zwischen den Alliierten begünstigt, das Minimalzölle für den Austausch von Waren innerhalb der Verbündeten Länder festsetzen würde,„vernünftige" Zölle für die neutralen Länder und ein Prohibitivtarif für alles, was von deutscher Herkunft ist. Wie man sieht, ist diese„Arbeiterpolitik" Imperialismus in demokratische Formen gekleidet. Aber man darf nicht glauben, daß diese Politik in Australien allgemeine Zustimmung findet. Schon vor demKriege bestand eine große Unzufrieden- heit unter den ungelernten Arbeitern, derrn Streiks von der Arbeiterregierung unterdrückt wurden— und dasselbe Element bildet heute den Oppositionskern gegen die Arbeiterregiernng. Die Ersatzwahlen, die seit dem Beginn des Krieges in Australien stattgefunden haben, sind alle gegen die Regierung ausgefallen. Nach und nach kehrt auch bei der australischen Arbeiterklasse die Besinnung wieder, verstärkt durch eine tiefere Einsicht in die großen Zusammenhänge der Politik. Die Ar- bcitcrpartei selbst ist durch den Druck der Bevölkerung ge- zwungen worden, ihren Premierminister zu desavouieren— und nach und nach geben sich die australischen Arbeiter Rechen- schaft von der Unzulänglichkeit des„Laborisme"(Arbeiter- regierung), um zu Kampfmethoden überzugehen, die den internationalen Interessen des Proletariats und seinen großen Endzielen eher entsprechen als die bisher vorherrschenden Methoden. ltasements Urteil vollstreckt. London, 3. August.(W. T. B.) Reutcrmeldmig. Heute um 9 Uhr früh wurde Roger Cascmcut erschaffen. Wenn auch nach juristischen Begriffen Talbesiand des Hochverrats vorgelegen haben mag, wäre es von England politisch uu- endlich viel klüger gewesen, wie in früheren Fällen Großmut zu üben. Derartige politische Gewaltakte sind, wie die Geschichle lebrr, noch immer zum Nachteil der Regierungen ausgeschlagen, die das gebotene Maß politischer Besonnenheit nicht zu wahren verstanden. Amsterdam, 3. August.(W. T. B.) Es geht aus der Meldung dcS Rcuterschen Bureaus über die Hinrichtung Casements nicht hervor, ob Cascmcnt gehängt oder, Ivie zuerst gemeldet wurde, erschossen worden ist. Zur englischen Regierungskrise. Rotterdam, 3. August.(W. T. B.) Nach einem Telegramm des„Nieuwe Rotterdamschen Courant" aus London schreibt der Londoner Korrespondent de?„Manchester Guar- d ia n" seinem Blatte unter dem 2. August, daß A s q u i t h im Unterhaus e einiges A u f s e h e n�e r r e g te, als er sagte, er wisse nicht, wer in der nächsten Session für die Arbeitseinteilung des Hauses verantwortlich sein werde. Die Bemerkung hätte vielleicht kaum mehr als vorübergaherrde Verwunderung er- regt, wenn nicht gestern(Mittwoch) abend eine Nachrichtenagentur eine, wie verlautet, von maßgebender Stelle stammende Erklärung verbreitet hätte, daß der Bemerkung Asquiths keine weitere Bedeu- tung beizumessen sei. Allein die Tatsache, daß eine derartige Erklä- rung verbreitet wurde, gibt nach dem Korrespondenten des„Man- chefter Guardian" der ursprünglichen Bemerkung Asquiths schon Bedeutung. Viele nüchterne Beurteiler der parlamentarischen Lage halten eine Rekonstruktion der Regierung für sehr wahrscheinlich und nahe bevorstehend. Wenn cS dazu kommt, wird auch ein neuer Premierminister kommen müssen. In den letzten zwei Wochen hat Asquiths Ansehen sehr gelitten. In den letzten Tagen hat die Regierung eine Reihe von Niederlagen erlitten, und außerdem hat die irische Frage Asquith in eine schwierige Lage gebracht. Man kann nicht vermuten, wie die 3!e- Konstruktion des Kabinetts aussehen wird. Wenn Asquith zurück- träte, könnte nur ein Liberaler sein Nachfolger werden, und der einzig mögliche Liberale wäre Lloyd George. Es steht außer Zweifel, daß Carson wieder ins Kabinett aufgenommen werden wird, vermutlich als Nachfolger Lloyd Georges als Staatssekretär für den Krieg. Asquith über öie pariser IVirtschsfts- konferenz. London, 3. August.(SS. T. V.)' Rcuicrmekdung. Unterhaus. ASquith eröffnete gestern die Debatte über die Beschlüsse der Pariser Wirtschaftskonferenz mit einer Rede, in der er sagte: Ter Zweck der Veteitigimg Englands an der Konferenz war erstens, den Feind zu überzeugen, daß die Alliierten entschlossen sind, den Krieg mit voller Einigkeit zu sührcn, ans dem wirtschaftlichen ebenso wie auf dem militärischen Bodens zweiten?, Vorbereitungen für die Zeit nach dem Friedensschluß in anbettacht der bekannten Hallung Dculschlands zu treffen. Deutschland wird forlfahrcn, nach dem Kriege von demselben Grift beseelt zu sein, und organisiert be- reitS feine Industrie für einen Angriff auf die Märlie der Alliierten sowie sür einen kräftigen und wenn möglich siegreichen Angriff aus die Märkte der Neutralen. Es sei eine ivescnliche Friedens- beding nng, fuhr ÄSqnilh fort, daß Belgien, Serbien, die besetzten Teile Frankrei ch-s n n d Pole n materiell und wirtschaftlich wiederhergestellt w n r d e n. Asquith betonte, cS sei ober jedem einzelnen unter den Alliierten anbcim gestellt Ivorden, die Politik zur Durchführung der Beschlüsse der 5!önserenz auszuarbeiten. Diese BesÄliisse seien nicht gegen die Neutralen gerichtet. Inzwischen sei aber in ncntiialen Ländern, namentlich in Amerika, die Bcfnrch- tung entstanden, daß die Beschlüsse gegen d i e N e n t r a l e n gc- richtet seien. Das sei nicht der Fall. Sie faßten bloß die not- wendigen Selbstveiicidigungsmaßnahmen gegen einen Wirtschaft- lichen Ueberfall ins Auge, der die Lcbensintercssen der Alliierten bedrohe, aber bei der Durchsührung dieser Maßregeln werde alle Anstrengung gemacht werden, um zu verhindern, daß die Neutralen darunter litten.____ Eine Sotschaft pomcares an öie Armeen. Basel, 3. August.(T. U.) Havas meldet aus Paris: Anläßlich des zweiten Jahrestages des Kriegsbcginns veröffentlicht das„Armee- Lulletin eine Botschaft Poincarss an die Armeen. Der Präsident ruft den Angriff der Feinde in Erinnerung, die fälschlich behaupteten, daß sie provoziert worden seien. Hierauf rühmt er die Haltung des französischen Volkes, das sich im Zustande einer rechtmäßigen Ver- teidigung befinde und die Crnoii saere aufrecht erhalte, die die Be- dingung sür den Sieg sei und die in der Parlamentssitzung vom 4. August 1014 eine grandiose Weihe empfangen habe. Der Krieg sei unverzüglich ein nationaler Krieg in des Wortes ganzer Bedeu- tung geworden. Der Präsident spricht dann von den Anzeichen des Sieges.„Euere Geduld und Euere Tapferkeit haben während langer Monate den Druck der deutschen Armeen ausgehaltcn. Ihr habt Fianlreich erlaubt, seine Ausrüstung mit Kriegsmaterial zu organi- sieren, Belgien und Serbien ihre Armeen zu rekonstruieren. Ihr habt England Zeit verschafft, seine bewundernswerten Divisionen zu bstden, die gegenwärtig an Eurer Seite zu lämpfen. Ihr habt Ruß- land dazu verholfcn, sich mit Gewehren und Kanonen zu versehen. «!N des Meli SWWMers. Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich der Somme ließ das starke feiudliche Vor- bereitungSfener zwischcu dem Ancre-Bach und der Somme einen großen, entscheidenden Angriff erwarten. Infolge unseres Sperrfeuers ist es nur zu zeitlich und räumlich ge- trennten, aber schweren Kämpfen gekommen. Beiderseits der Straße Bapaumc— Albert»nd östlich dcS TroneS- WaldcS sind starke englische Angriffe zusammengebrochen. Zwischen ManrcpaS und der Somme wiederholte sich der französische Ansturm bis zu sieben Malen. In zähem Ringen sind unsere Truppen Herren ihrer Stellung ge- blieben, nur in das Gehöft Monaen und in einen Graben- teil nördlich davon ist der Gegner eingedrungen. Südlich der Somme wurden bei Barleux und bei Estrecs franzöfischc Vorstöße abgewiesen. Rechts der Maas setzte der Feind gegen den Pfeffer- rücken und auf breiter Front vom Werk Thianmont bis nördlich des Werkes Laufte starke Kräfte zum Angriff an. Er hat auf dem Westteil des Pfefferrückens nnd südwestlich von Flcury in Teilen unserer vordersten Linie Fuß gefaßt und im Lanfckc-Wäldchcn vorgestern verlorene Grabenstücke wicdergenommcn. Am Werk Thianmont nnd südöstlich von Flenry wurde der Gegner glatt abgewiesen, im Bergwaldc nach vorübergehendem Einbruch durch Gegen- stoß unter großen Verluste» für ihn geworfen. Bei feindlichen Bombenangriffen ans belgische Städte wurden unter anderen in Meirelbeke ssüdlich von Gent) 16 Einwohner, darunter 9 Frauen nnd Kinder, getötet oder schwer verletzt. Unsere Flieger griffen die feindlichen Geschwader an und zwangen sie zur Umkehr. Eins von ihnen wich über holländisches Gebiet aus. Im Luftkampf wurde ein englischer Doppeldecker südlich von Roulcrs und ein feindliches Flugzeug, das 13. deS Leutnants Wintzens, südöstlich von Pcronne abgeschossen. Durch Abwehrfeuer wurde je ein feindlicher Flieger bei Boesinghe und uörd- lich von Arras heruntergeholt. O estlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Auf dem Nordteil der Front keine besonderen Ereig- viffe. Russische Vorstöße beiderseits des Nobel-Sees find gescheitert; ein starker Angriff brach südwestlich von Lnbieszow zusammen. An der Bahn Kowel— Sarny vorgehende feindliche Schützenlinien wurden durch unser Fener vertrieben. Im Walde bei Ostrow«nördlich von Kisielio) wurde» über 109 Gefangeue eingebracht. Beiderseits der Bahn bei Brody anscheinend geplante feindliche Angriffe kamen nur gegen Porikowira zur Durch- führnng und wnrden abgewiesen. Im übrige» herrschte auf der Front geringere Gesecht»- tätigkeit. Bei Torozyn wurden russische Flugzeuge abgeschoffen. Armee des Generals Grafen v. Bothmer Südwestlich von Welesniow wurden kleine Russeunester gesäubert. Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. Neuer Zeppelinangriff gegen Englanü. Amtlich. Berlin, 3. August.(W. T. B.l In der Nacht vom 2. zum 3. August hat wiederum eine größere Zahl unserer Marinelnftschiffe die südöstlichen Grafschaften Englands augegriffen und besonders London, den Flottenstützpunkt H a r w i ch, Bahnanlagen nnd militärisch wichtige Industrieanlagen in der Grafschaft Norfolk mit einer großen Zahl Spreng- und Brand- bomben mit gutem Erfolg belegt. Die Luftschiffe wnrden auf dem Anmarsch von feindlichen leichten Streitkräften und Flugzeugen angegriffen, beim Angriff selbst von zahlreichen Scheinwerfern beleuchtet und heftig beschoffen. Sie sind sämtlich unbeschädigt zurückgekehrt. DerChefdesAdmiralstabesderMarine. Ui MrellWe EMMWslmW. Wien, 3. August.«W. T. B.) Amtlich wird vcr- lantiart; Russischer Kriegsschauplatz. Bei Welesniow warfen unsere Truppen eine feindliche Ab- tcilung, die auf schmalem Frontstück in unsere Gräben ein- gedrungen war, restlos wieder hinaus. Die Armee des General- obersten von Bochm-Emoli wies südöstlich und westlich von Brody Angriffsvcrsnchc zurück. Auch an der von Sarny nach Kowel sührendcn Bahn und am unteren Stochod scheiterten russische Vorstöße. Sonst verhielt sich der Feind gestern wesentlich ruhiger, waS vor allem seinen über jedes Maß hohen Bcrluften zuzuschreiben sein mag. Italienischer Kriegsschauplatz. Bei erfolgreichen llcinere» Unternehmungen wurden gestern im Borcola-Abschnitt einhundertvirrzig Italiener, darunter zwei Offiziere, gefangen, zwei Maschinengewehre erbeutet. Auf den Höhen südwestlich Pancvcggi» wurden am 1. August wieder zwei italienische Bataillon« unter den schwersten Verlusten zurück- geschlagen. Sonst keine besonderen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Stellvertreter deS EhcsS des GeneralstabcS: v. H oeser, Fcldmarschalleutnant. » Ereignisse zur See. Eine Gruppe unserer Torpcdofahrzcugc hat am 2. August morgens militärische Objekte in Molfctta beschossen; ein Flugzeug- Hangar wurde demoliert, eine Fabrik in Brand geschossen, eine beschädigt; bei der Rückkehr hatten diese Torpedofahrzeuge und der zu ihnen gestoßene Kreuzer„ASpcrrr" ein kurzes Fcuergefccht mit einer aus einem Kreuzer und.sechs Zerstörern bestehenden feind- lichcn Abteilung. Nachdem unsererseits Treffer erzielt worden waren, wendeten die feindlichen Einheiten nach Süden ab und verschwanden; unsere Einheiten kehrten unversehrt zurück. In den Morgenstunde» desselben Tages wurden fünf feindliche Land- stngzeuge, welche über Durz«Durazzo) Bomben abgeworfen hatten, ohne irgend einen Schaden anzurichten, von den dort sofort aufgestiegenen Sccflugzcugcn verfolgt; eines der feindlichen Flugzeuge wurde einige Seemeilen südlich Durz (Dnrazzo) durch eines unserer Secflugzcuge«Führer: Scefähnrich v. Fritsch; Beobachter: Scefähnrich Scwera) zum Absturz gc- bracht und, nur leicht beschädigt, erbeutet. Bon den beiden Insassen, welche die Flucht ergriffen hatten, wurde später ein Offizier von unseren Truppen gefangen. Torpcdofahrzeug„Magnet" wurde am 2. August vormittags von einem feindlichen Unterseeboot anlancicrt und durch einen Torpedotrcffer am Heck beschädigt; hierbei wurden zwei Mann getötet, vier verwundet; sieben Mann werden vermißt. DaS Fahrzeug wurde in den Hasen eingebracht. Flottenkommando. Unvermmöerte Stärke öer Schlachten. Von Richard Gädke. Die letzte Juliwoche ist dadurch gekennzeichnet, daß die Kämpfe in Ost und West mit neuer Wut entbrannt sind. Von beiden Seiten haben die Gegner neue Kräfte herangeführt, um ihre Au- griffe in größtem Maßstabe wieder aufzunehmen. Ihre Absichi, durch die unverminderte Kraft ihrer Anstrengungen die Fronten der verbündeten Mittelmächte doch noch zu durchstoßen und in die-- fem sommerlichen Ringen eine endgültige Entscheldung herbei- zuführen, ist noch nicht aufgegeben. Auch durch gelegentliche Stim- mungsberichte, die aus dem gegnerischen Lager zu uns gelangen, darf man sich daran nicht irre machen lassen, daß der Siegeswille der feindlichen Heeresleitungen keineswegs gebrochen ist.«ic glauben nunmehr die Vorhand des Spiel» an sich gerissen, unsere Heere auf allen Seiten in die Hinterhand gedrängt, ihre Eut- schließungsfreiheit eingeschränkt und ihnen die Möglichkeit genom- men zu haben, durch Hinüberwerfen von Massen aus der einen nach der andern Front, auf einer Seite noch einmal zum Jälii- griff großen Stils vorbrechen zu können, wie es im Mai 1912 in Galizien, Ende September gegen Serbien, im Frühjahr gegen Verdun und im Mai an der italienischen Grenze geschah. Aber auch auf unserer Seite hat sich der Widerstand überall verstärkt, die Ankunft türkischer Truppen in Galizien ist in Aussicht gestellt worden. Ueber deren Zahl zerbricht man sich im feindlichen Lager gegenwärtig die Köpfe. Inzwischen ist die Ankunft eines türkischen Generals mit größerem Gefolge in Krakau gemeldet. das tatsächliche Eingreifen türkischer Truppen in die Kämpfe aber noch nicht mitgeteilt worden. Der Verlauf der Schlachten in diesen acht Tagen war im allgemeinen günstig für unsere Waffen, wenn den Russen im Osten auch noch ein weiteres Vorschieben ihrer Linien und die Besetzung der österreichischen Stadt Brody ge- glückt ist. Im W e st e n haben besonders die Engländer mit großer Eni» schlossenheit und unter Einsatz erheblicher Kräfte ihren hart- nackigen Sturm gegen unsere Linie wieder aufgenommen, um die Beule zu erweitern, die sie von südlich Thiepvol bis Hardecourt in einer Breite von 12 Kilometer während der ersten drei Wochen der Schlacht in sie geschlagen hatten. Zweimal während der Woche setzten sie zum entscheidenden Stoße an, das erstemal gm geschlossenen Zusammengehen mit den rechts von ihnen zu beidon Seiten der Somme stürmenden Franzosen. Das war am 24. Juli. Der einzige größere Erfolg bestand darin, daß sie Pozicrcs aus ihrem linken Flügel in ganzer Ausdehnung gegen die Gegen- angriffe der Deutschen behaupteten und einen Teil von Longueval und dem Delville-Walde im Zentrum hielten. Die wesentliche Absicht war nicht erreicht, die Verluste waren sehr schwer und so folgen denn erst wieder mehrere Tage Trommelfeuer. Erst am Nachmittag deS 27. Juli versuchten sie wieder starke Einzclangrifse, die nirgends zu einem Erfolge führten, nach der deutschen Mel- dung auch nichr in Longueval und im Delville-Walde. Der eng- lische Bericht behauptet allerdings über diese beiden Punkte das Gagenteil. In zedem Falle überzeugte sich ihre Leitung, daß sie auf diesem Wege nicht zu einem entscheidenden Siege gelangen würde, und sie wandte sich von neuem der Vorbereitung durch ein mehrtägiges Trommelfeuer zu. Lloyd George hat seinen LandSleuien zugerufen, daß der Sieg in erster Linie durch die unerschöpfliche Masse der zur Ver- fügung stehenden Munition verbürgt sei. Danach haben oie Ena- länder gehandelt und für ihren großen Angriff ungewöhnliche Massen schwerer und schwerster Geschütze bereitgestellt. Diesen hat es während der vierwöchigen Kämpfe bisher in keinem Augenblicke an Schießbedarf gefehlt. Industrie und Technik hoben dem gewünschten Siege offenbar in trefflichster Weise vorgearbeitet; der Verzicht der englischen Arbeiter auf alle Feiertag« hqt sich bewährt. Die Heimatkämpfcr haben alles geleistet, was bei ihnen stand, den deutschen Widerstand unter einer Flut berstender Riesen- hlöcke zu zerschmettern. Aber Lloyd George hat unrecht. So richtig es ist, daß ohne die vernichtende, ununterbrochene Arbeit der schweren Artillerie ein Angriff heutzutage unmöglich ist, so verbürgt sie doch noch nicht den Sieg— sie müßte denn dauernd der feindlichen Artillerie derart überlegen sein, daß diese zur Ohnmacht verurteilt wäre. Aber die Feinde mußten sich uberzeugen, daß auch die deutschen schweren Geschütze sich fortdauernd vermehrten und daß das deutsche Maschinengewehr in der Hand geschickter und kaltblütiger Soldaten das Schlachtfeld beherrschte. So war es schließlich die Seele deS deutschen Mannes, die sich in diesen verzweifelten Kämp- fen siegreich behauptete. Erst am 89. Juli glaubte der Gegner soweit zu sein, daß er einen neuen allgemeinen Sturm in der Mitte seiner Front von Longueval bis zur Somme wagen könnte. Sechs Divisionen faßte er hierzu in einheitlicher Handlung zusammen und unterstützte diese deS Abends durch Angriffe seines linken Flügels, für die er drei weitere Divisionen einsetzt«. Südlich der Somme scheinen die Franzosen, die dort in der ersten Zeit ihre ganze Kräfte rück- sichtslo» in den Angriff geworfen hatten, vorläufig ermattet zu fein. Der großgedachte Angriff scheiterte auch diesmal:„keinen Fuß Boden hat er gewonnen," sagt der Bericht des Großen Haupt- guartiers. Das ist so bündig, daß daneben kein Zweifel bestehen kann, auch wenn die Franzosen nordöstlich Hardecourt in unsere Gräben gedrungen zu sein behaupten. Sie sind eben wieder hinausgeworfen worden. Auch die glücklichste Abwehr kann natürlich ihrerseits das Ende der Kämpfe nicht herbeiführen, solange der Angreifer nicht Abstand nimmt oder nehmen mutz, weil er seine Verluste nicht mehr ersetzen kann. Wir müssen also erwarten, daß das mörderische Ringen weiter gehen wird. Vor Verdun ljat in den letzten acht Tagen wenig Tätigkeit geherrscht: sie beschrankte sich auf Geschlltzkämpfe und vergebliche kleinere Borstöße der Franzosen. Im O st e n vollzieht sich die Kampfhandlung in weit größerem Maßstabe als im Westen. Wenn man oft sagen hört, daß die Entscheidung des Krieges im Westen liegt, so halte ich das für falsch. Die Entscheidung fällt dort, wo ein so durchgreifender Sieg erfochten wird, daß der geschlagene Gegner für absehbare Zeit außer Tätigkeit gesetzt wird oder das Spiel endgültig ver- loren gibt. Kämen die verbündeten Mittelmächte dapin, gleich- gültig auf welcher Front, einen solchen Sieg zu erfechten, dann wäre das Spiel für alle unsere Gegner aus. Denn unserer vcr- einigten Macht kann keine ihrer getrennten Hälften widerstehen. Das gleiche ist freilich auch umgekehrt der Fall; ein entschci- dender Sieg Brussilows würde die Wagschale dauernd zu unse- ren Ungunsten in die Höhe schnellen. Er ist weit davon entfernt, obwohl er seine Strategie des rück- sichtslosen Masseneinsatzes russischen Leben? nach kurzer Pause erneuert und, wie bereits erwähnt, auch einige Erfolge errungen hat. Die um die Mitte de« Juli wieder begönne»« Angriffs- bewegung hat vom 22. Juli an ihre größte Kraft gewonnen und bisher behauptet. Hier setzten auf einer Front, die sich allmählich von nördlich Stobhchwa bi» zum Boldurka-Flüßchen nördlich Brody auf 132 Kiometcr erweiterte, die drei russischen Armeen Lcsch. Kaledine und Sacharow zum einheitlichen Angriffe gegen unsere Linien an. Vom 29. Juli an trat auch südlich des Dnjestr die Armee Leschizki zu neuem Angriff« in westlicher Richtung an, während der äußerste linke Flügel an den Karpathen nur mit kleineren Abteilungen gelegentlich vorstieß. Die Russen blieben also der Strategie treu, die sie vom Beginne ihrer Bewegung an- genommen hatten, mit ihren Flügelheeren den Massenstotz zu machen, hier durchzubrechen und die Mitte der verbündeten Kampf- ront mit Umfassung zu bedrohen. Immerhin haben sie auch gegen lese durch ihre Armeen Schtscherbatschew Angriffe richten lassen. um sie festzuhalten und die Unterstützung der angegriffenen Flügel von hier aus zu verhindern. Dem Anariff ihres rechten Flügels gaben sie wie bisher so auch in den letzten acht Tagen eine besondere Stärke durch eine Demonstration größten Maßstabes gegen die Heeresgruppe Prinz Leopold nördlich der Pripjctsümpfe, die sick übrigens wiederholt zu sehr dichten uiid blutigen Massenstürmen auswuchs, so auch wieder am 22., 29. und 27. Juli. Der 29. und 39. sah nach dem völligen Scheitern jener Angriffe dann noch kleinere Persuche. Heute beginnen die Alliierten die Frucht Euerer Ausdauer zu pflücken. Der Kampf ist allerdings noch nicht beendet, er wird noch hart sein und wir alle müssen fortfahren, ohne Unterbrechung mit Leidenschaft und Feuer zu arbeiten Aber bereits offenbart sich die Ueberlegen- heit der Alliierten allen Augen." Der Präsident schließt mit der 83e- mcrkung, daß sich die Schicksalswage nach langem Hin- und Hergehen entschieden auf die Seite der Entente neigt. Joffres Tagesbefehl. Bafel, 3. August.«T. 11.) HavaZ meldet ans Paris: Da« Armee- bulletin veröffentlicht folgenden Tagesbefehl des Generalissimus: Soldaten der Republik!' Euer drittes KriegSjahr beginnt. Seit zwei Jahren tragt Ihr ohne schwach zu werden, das Gewicht eines furchtbaren Kampfes. Ihr habt alle Pläne unserer Feinde zum Scheitern gebracht. Ihr hobt die Feinde an der Marne besiegt, Ihr habt sie an der Dser aufgehalten und sie iin Artois nnd in der Chainpagne geschlagen, während sie vergeblich den Sieg in den Ebenen von Rußland suchten. Dann hat Euer siegreicher Wider- stand in der Schlacht von Verdun während fünf Monaten die deutschen Anstrengnngen gebrochen. Dank Eurer Tapferkeit und Hart- näckigkeit konnten' die Armeen unserer Alliierten die Waffen schmieden, deren Gewalt heute linier Feind an allen Fronten spürt. Der Augen- blick ist nahe, wo die deniscbe Militärmacht unter unserem gemein- samen Drucke zusaminenbrechen wird. Soldaten Frankreichs I Ihr könnt auf da« Werk, das Ihr bereits vollbracht habt, stol, sein, Ihr seid entschlossen, eS bis zum Ende durchzuführen. Der Sieg ist Euch sicher. gez. Joffre. Der französische Tagesbericht. Pari«, 3. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch nachmittag. Nördlich von der Somme nahmen die Franzosen ein stark besetztes Werk zwischen dem Gehölz von Hern und dem Gehöft Monacu. Südlich von dem Fluffe besetzten die Franzosen einen feindlichen Graben nordwestlich von Denie- court und machten Gefangene. In der Champagne westlich von Aubörive griff eine russische Erkundungsabteilung mit dem Bajonett eine deutsche Abteilung an. die zerstreut wurde und Tote auf dem Gelände hinterließ. Auf dem rechten Ufer der Maa« hielt der Kämpf an; er war im Laufe der Nacht heftig an der Front Vaux— Chapitre— Le Chenoi« und breitete sich in östlicher Richtung bis in die Gegend südlich von Damloup au§. Nach einer Reihe erfolgloser Angriffe, darunter einiger mit ersticken- den Gasen, gewannen die Deutschen etwas Gelände in den Wäldchen von Vaux. Chapitre und Le Chenois. Andere Sli-griffsversuche an anderen Stellen wurden im Feuer angehalten. Tie Deutschen er- litten beträchtliche Verluste. Die Franzosen machten etwa hundert Gefangene, darunter drei Osfizicre. Flugwesen: An der Somme-Front waren die französischen Jagdflugzeuge tätig; sie lieferten gestern 33 Gefechte, schössen einen Gegner ab und zwangen 14 andere, die ernstlich getroffen waren, Hals über Kopf in ihren Linien zu landen. Paris, 3. August.«W. T. 9J.) Amtlicher Bericht von Mittwoch abend. Nördlich.der Somme im Laufe des. Tages keine Jnfanterieunternehmung. Nach neuen EiAzelheiien befanden sich in dem von uns zwischen dem Walde von Hem und dem Gehöft von Monacu genommenen befestigten Werke etwa 199 tote Deutsche. Bisher haben wir in diesem Werke vier Maschinen« gewehre erbeutet. Südlich der Somme wnrden zwei vom Feinde versuchte Gegenangriff« auf den von uns nordwestlich von Denie- court eroberten Graben abgeschlagen. Auf dem linken Ufer der Maas Beschießung unserer zweiten Linien südlich vom„Toten Mann" mit Granaten schweren Kalibers. Auf dem rechten Ufer führten wir mehrere gestaffelte Angriffe aus von der Maas bis südlich von Flenry, im Walde unmittelbar östlich von Bacberauville, westlich und südlich vom Werke Thianmont sowie in der Schlucht südlich von Fleury. Unsere Truppen nahmen mehrere deutsche Gräben und ein» gerichtete Stützpunkte. Bei diesen Unternehmungen machten wir un- gefähr 690 Gefangene und erbeuteten 19 Maschinengewehre. Ein feindlicher Gegenangriff in der Gegend von Vocherauville wurde mit Handgranaten abgeschlagen. In den Abschnitten von Vaux, Chapitre und ChenoiS dauert die Beschießung heftig an. Die englische Meldung. London, 3. August.lieben ebenso unfruchtbar, während es dem rechten südlich der Pinsker Sümpfe gelang, die verbündeten Truppen von dem weiter vor- springenden Stochod-Knie zwischen Kaszowka und Janowka zu verdrangen fZg. Juli), nachdem sie durch eine Reihe von Gefechten ont 25., 26., 27. Juli weiter südlich die Slonowka und Boldurka- Linie genommen und schließlich Brody besetzt hatten. Westlich Luc! hingegen haben sie nicht wesentlich an Boden gewonnen, sind vielmehr durch eine Reihe von Gegenangriffen an einzelnen Stellen zurückgeworfen worden. Eine Entscheidung ist noch nir- gends gefallen; wie im Westen geht auch hier der Kampf weiter._(z) Alelöung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 2. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Die neuesten Meldungen über den Kampf am 31. Juli abends im Astochtale geben ein Bild von der schweren Niederlage, die der Feind erlitten hat. Nach einer heftigen Beschießung unserer ganzen Front zwischen dem Tovo- und dem Assatale richtete der Feind verschiedene Angriffe gegen den Monte Selluggio und Piro di Castellette. Ein Angriff auf den Monte Cinone wurde, obwohl mit bedeutenden Kräften unternommen, an allen Stellen unter sehr schweren Vcr- lusten abgeschlagen, Im Tofanagebiet erneuerte der Feind gestern feine erfolglosen Anstrengungen gegen unsere Stellung am Forcella- walde. Seine Artillerie eröffnete Feuer auf Cortina dÄnpezzo Unsere großkalibrigen Geschütze antworteten darauf durch Be- schießung von Ortschaften im Drautale. Im oberen Deganatale schleuderte die feindliche Artillerie Brandbomben auf Forni und Stvoltri. Die unscrige antwortete durch Zerstörung eines Teils der Ortschaft Mauihen im Eailtale. Nachdem am 27. Juli feindliche Flugzeuge ohne militärische Notwendigkeit unsere offenen Städte am unteren Adriatischen Meere bombardiert hatten, hat gestern vor- mittag ein Geschwader unserer Caproniflieger am Golf von Fiume die Whitehcadsobrik für Torpedos und Unterseeboote drei Kilometer westlich von der Stadt bombardiert. Trotz heftiger Beschießung durch Abwehrgeschütze und deS Eintreffens zahlreicher feindlicher Flugzeuge haben unsere kühnen Flieger vier Tonnen von hoch- explosiven Stoffen auf ihr Ziel geschleudert und große Verwüstungen und zahlreiche Brände verursacht. In den Luflkämpfen wurde ein feindliches Flugzeug am Fuß des Muggia abgeschossen. Einer unserer Eaproniflugzeuge wurde gesehen, als es bei BoloSca landete. Die übrigen sind unversehrt zurückgekehrt. Cadorna. Die türkische tzauptquartiersmelüung. Konstantinopcl, 3. August.(W. T. B.) Haupt- guartierLbericht vom 2. August. An der I r a k f r o n t keine Veränderung. An der persischen Front erreichten unsere Truppen auf der Verfolgung der aus der Ortschaft Sakiz geflüchteten russischen Truppen die Ortschaft Buquan nördlich von Sakiz. An der K a u k a s u s f r o n t in den Abschnitten von Bitlis und Müsch schivache örtliche Feuerkämpfe. Vom Feinde seit fünf Tagen mit sieben Regimentern Infanterie, vier Regimentern Kavallerie und über 30 Kanonen und Haubitzen hartnäckig ausgeführte Angriffe gegen unsere vorgeschobenen Stellungen, die einen nach Nordosten ge- richteten Vorsprung im Abschnitte von Ognott bilden und -von einer ganz geringen Streitmacht verteidigt wurden, wurden blutig abgeschlagen. Der Feind hatte während dieses Kanipfes über 3000 Tote. Unsere Verluste sind Verhältnis- mäßig sehr gering. Am 1. August morgens griff der Feind mit heran- geführten Verstärkungen nach einer siebenstündigen Be- schießung von neuem diese Stellungen an und erlitt wiederum außerordentliche Verluste. Unsere vorgeschobene Abteilung wurde, da ihre Anwesenheit in dieser Stellung für nutzlos gehalten wurde, in ihre ein wenig rückwärts gelegenen Stellungen zurückgezogen. Im Zentrum und auf dem linken Flügel an der Küste keine bedeutende Kampf- Handlung. Die vom Feinde entfaltete Tätigkeit, um nament- lich nach Westen von Erzindjan vorzurücken, war vollständig fruchtlos. Die Ortschaft Kalcburnu westlich von Bolathans wurde vom Feinde besetzt. Ein russisches Flugzeug wurde an der Küste des Schwarzen Meeres abgeschossen. Seine Insassen, ein Marineoffizier und ein Soldat»vurden zu Gefangenen gemacht und das Flugzeug von uns erbeutet. Am 30. Juli landeten östlich der Insel Sa mos an der Küste von Dipe Burun ungefähr 500 Räuber in verschiedenen Trachten unter dem Schutze feindlicher Kriegsschiffe. Aber an- gesichts unseres Widerstandes und unserer Angriffs konnten sie nicht vorrücken, sondern mußten zu ihren Landungsstcllcn zurück- flüchten, wobei sie durch unser heftiges Feuer Verluste an Toten und Verwundeten erlitten. In der Richtung nordwestlich von K a t i a warfen unsere Flieger Bomben und griffen mit Maschinengewchrfcuer erfolgreich englische Stellungen und Lager bei Muhammedie an der Küste und in Rummanie südlich von diesem Orte an. Vor zwei Tagen beschossen ein Hilfskreuzer und ein be- waffnetes Transportschiff, die in dem Golf von A k a b a ein- liefen, die Ortschaft und seine Umgebung und versuchten, Truppen zu landen, konnten aber infolge unseres Feuers nicht dazu gelangen und mußten sich zurückziehen. Die feindlichen Verluste bei diesen Zusammenstößen sind ernst. Ilugzeugangriff auf russische ßlugstatlon. Berlin, 3. August. Amtlich.(W. T. V.) Mehrere deutsche Wasserflugzeuge haben am 2. August früh erneut die russische Flugstation ArenSburg angegriffen und mehrere Treffer in den dortigen Anlagen erzielt. Die zur Abwehr aufgc- sticgenen russischen Kampfflugzeuge wurden abgedrängt. Unsere Flugzeuge sind unversehrt zurückgekehrt. vom U-Soot-Krieg. London, 2. August.(23. T. 23.) Reutermeldung. Die Bemannung des niederländischen Dampfers„Zeeland* ist in South Shields angekommen. Die Leule berichten, daß das Schiff in der lctzien Nacht aus der Nordsee durch Gefchützfeuer eines Unterseebootes zum Sinken gebracht worden sei. London, 3. August.(W. T. B.) Lloyds meldet: Vor der Mün- dung der Tyne wurden die vier englischen Fischdampfer.Braconasl". .Titania',„Rhodesia"' und„Helvetia" durch deutsche Unterseeboote in der Nordsee versenkt. Die Besatzungen wurden gerettet und in England gelandet. Englische Darsiellung öes lluftjchiffangriffs. London, 8. August, 1.80 Uhr morgens.(W. T. B.) Amtlich. Eine Anzahl von Luftschiffen passierte um Mitternacht die Osttüste. Ihr Ziel ist noch nicht festgestellt, da der Angriff noch im Gange ist. An verschiedenen Orten wurden Bomben abgeworfen.— Amtliche Meldung von 3.20 morgens. Es haben offenbar seckS bis sieben Luftschiffe an dem Angriff teilgenommen. In den östlichen und süd- östlichen Grafschaften wurde eine beträchtliche Zahl von Bomben abgeworfen. Es liegen keine bestimmten Nachrichten vor und es wurde kein militärischer Schaden gemeldet. Viele Zlbwehrkanonen waren in Tätigkeit. Wie gemeldet wird, wurde mindestens ein Luft- schiff getroffen. Zur Abreise öer �Deutschland. Washington, 3. August.(W. T. B.) Rcuterineldung. Der Schleppdampfer„Timmiiis" teilt mit, daß die„Deutsch- land" gestern um 8,30 Uhr die Vorgebirge von Virginien passierte. Die rusilsche fintmvt in Sachen öer der- letzung öer schweöischen Neutralität. Stockholm, 3. August.(W. T. 33.) Meldung der Schwedischen Telegraphenagentur. Die Antwort der russischen Re- gierung auf den schwedischen Protest gegen die Auf- bringung der deutschen Dampfer»Lissabon" und »Worms" ist jetzt eingegangen. Durch die vor Abgang des Protestes borgenommene Unter- suchung ergab sich sür die schwedische Negierung, daß die Schiffe in schwedischem Hoheitsgewässer gekapert worden sind. Von der .Worms" ist das Rettungsboot ausgesetzt worden, in dem 13 Mann das Ufer erreichten. Tie Russen versuchten dies durch Karabiner- schlisse zu verhindern; ob die Schüsse scharf und gegen das Nctiungs- bool gerichtet waren, ist nicht festgestellt worden. Die Besatzung der.Lissabon" hat in Rettungsbooten das Land erreicht. Dagegen wurden 27 Mann von der Besatzung der»Worms", darunter der Kapitän sowie auch der schwedische Lotse, von den Russen weg- geführt. Die russische Regierung hatte am 16. Juli mitgeteilt, daß ein Bericht deS betreffenden Befehlshabers eingefordert worden sei. In der jetzt vorliegenden Antwort wird jener Bericht angeführt, wonach die Aufbringung der Dampfer sowie die Verfolgung der Rettungsboote der.Lissabon" außerhalb der Drei- ni eilengrenze stattgefunden hätten. Es wird jedoch die Möglichkeit eingeräumt, daß Prellschüsse in schwcdi- schem Hoheitsgewässer niedergegangen wären. ES wird auch behauptet, daß die Besatzungen der.Worms" und der.Lissabon" den Befehlen der russischen Fahrzeuge zu gehorchen sich geweigert, die Dampfkessel entleert und die Maschine beschädigt hätten, was alles als Zeichen dafür angenommen wird, daß den Besatzungen bewußt gewesen sei, sich außerhalb der schwedischen Hoheitsgrenze zu befinden. Die russische Regierung bedauert, daß Prellschüsse schwedisches Hoheitsgebiet getroffen hätten. Der Ober- befehlshaber der Ostseeflotte habe dem verantwortlichen Offizier einen Verweis erteilt und alle Offiziere der russischen Marine hätten den Befehl erhalten, jedeVerletzung der Neutra- lität Schwedens zu vermeiden. Nach dem Einreichen des Protestes hat die schwedische Regierung durch zwei Verhöre des von Nußland heimgekehrten Lotsen sowie durch die Zeugnisse deS Leuchtturmpersonals und deS Lotsenpersonals an der AufbringungSstelle sowie ferner deS schwedischen Kapitäns Vonnevier, der sich an Bord der»Lissabon" befand, erfahren, daß die Ausbringung der Dampfer innerhalb deS schwedischen Hoheitsgebiets stattgefunden hat. Der Schriftwechsel in dieser Frage ist noch nicht beendet. Betreffs der Torpedierung des Dampfers.Shria' und des Versuchs der Torpedierung der»Elbe" ist eine befriedigende russische Antwort in den nächsten Tagen zu erwarten. Die Kämpfe in Deutsch-Gsiafrika. Paris, 3. August.(W. T. B.) Nach einer belgischen Mel- dung soll in einem Gefecht auf dem Tanganika-See der deutsche Dampfer„Graf von Goetzen" gesunken sein. politische Ueberslcht. Ein symptomatischer Kommentar. Nachdem, gleich nach dem Rücktritt Ssasonows, die „T ä g l i ch e Rundschau" ihrer Sehnsucht nach einen: „Abbau" des Weltkrieges durch eine Verständigung mit Ruß- land Ausdruck verliehen, die bei der Herrschaft der Hofpartei eher möglich sei, als bei einer„der Liberalen und Revolu- tionäre", äußert sich nun auch Prof. Otto H o e tz s ch in seiner Wochenübersicht in der„K r e u z- Z e i t u n g" über den russischen Ministerwechsel in einer Weise, die den Gedanken- gängen des alldeutschen Blattes mindestens recht nahe kommt. „Wenn Stürmer," schreibt er,„gerade jetzt, mitten in der Offensive, Ssasonow beseitigte und selbst die Zügel in die Hand nahm, so kann er dies nur getan haben für eine ganz be- stimmte politische Idee, für die er den Boden bereiten will und für deren Durchführung er dann zu gegebener Zeit einen Fachmann der auswärtigen Politik beruft, in der er nach seinem eigenen Wort ja nicht zu Hause ist. Wir führen nicht näher aus, welches diese politische Idee sein könnte, aber das ist ja klar, daß Stürmer England gegenüber freier dasteht, als Ssasonow, der Bürge des Septemberabkommens. Stürmer ist nicht an die Besprechung von Reval und alles weitere gebunden, er ist nicht, wie wir bei seiner Ernennung schon hervorgehoben, ein Panslawist und Welteroberer, und wir sehen jetzt negativ im Sturze Ssasonows jedenfalls das, daß er nicht zum Vorteil Englands erfolgte und nicht ein Werk des Panslawismus war. Im übrigen wollen wir abwarten, ob Ssasonow seine bisherigen Gehilfen im Ministerium folgen und durch Leute der Gegen- Partei, wie Schebeko, Tscharyrow und Botkin, ersetzt werden oder nicht. Erst dann wird noch mehr über die Folgen dieses bedeut- famen Wechsels zu sagen sein, wobei die Warnung wohl nicht nötig ist, die Folgen dieser Kursänderung gleich allzu sehr zu überschätzen." Eine Bestätigung für die außenpolitische Orientierung Stürmers sieht Prof. Hoetzsch auch in dem inner politischen Kulissenwechsel, soweit er in den Aenderungen im Minister- kabinett zum Ausdruck gekommen ist. „Diese Veränderungen im Kabinett wurden durch eine immer mächtiger werdende innerpolitische Strömung bestimmt, die andererseits wieder von ihnen beeinflußt wird. Im Reichsrat hat sich eine große Gruppe von entschlossenen Agrariern gebildet, und immer schärfer werden die gefähr- deten Interessen der Landwirtschaft, des Großgrundbesitzes, vor allem in Südrußland, in den Vordergrund geschoben. Diese Kreise waren schon vor dem Kriege durch eine weit zurückliegende Entwicklung gefährdet, sie werden jetzt durch die Folgen deS Krieges am schnellsten von allen Schichten Rußlands dem Ruin zugetrieben. Darum setzen sie sich so entschloffen zur Wehr, in der Parteibildung, im Druck auf Stürmer, ja in offener Manifestation." Prof. Hoetzsch führt den Satz aus einer solchen Mani- festation russischer Agrarier an, daß man zwar bis zum Siege kämpfen, aber auch verstehen müsse, rechtzeitig oufzu- hören, damit die Früchte der Siege nicht durch„aus- brechende Unruhen" vernichtet würden. Diese Andeutung ist überaus klar und sie erklärt nach der Ansicht Prof. Hoctzschs die Haltung, die Stürmer als Ministerpräsident und Minister des Aeußeren jetzt einnimmt: „Er braucht freie Hand, und er will freie Hand haben, nach innen und nach außen, und er hat dafür das Vertrauen und die Zustimmung des Zaren. Er fürchtet nicht die Duma, er fürchtet noch weniger eine Rcvoln- tion jetzt während des Krieges, er sieht, daß aus dem Kriege für Rußland nichts herauskommen kann, daß seine weitere lange Dauer nur den Boden bereitet für die liberale Bewegung des Mittelstandes und der Intelligenz, in der er den Hauptfeind des Zaren und seines Vaterlandes sieht." In der Tat, ein interessanter und, wie uns dünkt, recht symptomatischer Kommentar!(z) Die Kanzlerfronde an der Arbeit. Herr von Bethmann Hollweg hat den lühnsten der»Piraten der öffentlichen Meinung", seinen in mystisches Dunkel gehüllten Gegner in der Maske deS„llunius aUor" mit seiner scharscn Reichstagsrcde keineswegs totgeschlagen. Tie von ihm verfaßte Hetzschrift wird vielmehr jetzt erst recht verbreitet.»Drei Deutsche", die es ebenfalls vorziehen, ihren Namen zu per- schweigen, sich aber dafür auf Hutten, Luther, Friedrich den Große», Bismarck und Molike berufen, haben sie unter dem Tiicl »Deutsche Neichspolitik seit 14. Juli 1900" neu drucken lassen und schicken sie den Redaktionen und sicher auch vielen anderen Stellen zu. Ein Beweis, mit welcher Riicksichtslosiglat und Ausdauer, aber auch mit welchem Aufwand von Mitteln die .Unersättlichen" ihre Wühlarbeit gegen die heutigen Leiter unserer Politik, die ihren Wünschen nicht weit genug entgegenkommen, fortsetzen.__ Kriegsziele und Kommandogewalt. Der Nationalausschuß hat mit seinen Veranstaltungen vom 1. August keine gute Presse. Von links und rechts her ist zum Teil recht herbe Kritik an seinen Kundgebungen geübt worden.»Berliner VolkSzeitung" wie»Kreuzzcitung" haben sich gegen sie gewandt. Die Presse der Rechten, der»Unentwegten", ist natürlich besonders unwillig über mancherlei, was in den Versammlungen gesagt und gefordert wurde. Eine Redeblüte auS dem Bukett von Vorträgen, mit denen die zahlungsfähigeren Kreise deS Volke« am 1. August beglückt wurden, verdient noch besonders hervorgehoben zu werden. In Halle a. S hat nach den»Verl. Neuesten Nachrichten" der Geheime Bergral Arndt u. a. erklärt:»DaS Volk hat über KriegSzicle gar nichts zu bestimmen. Das ist nach der Verfassung Sache der Kommandogewalt deS Kaisers." Wir sind in der Lage, hier ausnahmsweise einmal dem rechts- stehenden Blatte zustimmen zu können, wenn eS dazu bemerkt, daß dies eine.Neuorientierung" politischer Freiheit und nationaler UnVerantwortlichkeit sei, die»allerdings klassisch(im uncrsreu- lichen Sinne) genannt werden muß". Gegen eine Neuorientierung. In den Reden, die der NationalauSichuß am 1. August halien ließ, haben die»Kreuzzeitung" am meisten einige Ileußcrniigcii aufgebracht, die, wenn auch noch so zart, die Notwendigkeit einer innerpolitischen Neuorientierung andeuteten, sei es auch bloß, daß Harnack in Berlin einige Worte über die Wohnung«« frage, den Geburtenrückgang, das Bildungswesen und die künftige Wirtschaftsorganisation fallen ließ.»All daS sind unserer Meinung nach," so schreibt das Blatt,»Aufgaben, die uns nach dem Kriege zu beschäftigen haben". Allenfalls will eS gestatten, daß die nötigen Vorarbeiten dafür»innerhalb der Fachkreise" und„bis zu einem gewissen Grade" auch in der größeren Oeffentlichkeit bekriebcn werden.»Aber zum Gegenstände der praktischen Politik sollte man die»Neuorientierung" in jeder Hinsicht nicht machen, solange unsere ganze Kraft für die unmittelbaren Kriegs- aufgaben in Anspruch genommen ist und in Anspruch genommen sein soll." Natürlich können nur Illusionisten glauben, daß nach dem Kriege die hinter der»Kreuzzcitung" stehenden Kreise g c- willt sein würden, eine sozialpolitische und demolratische„Neu- orientierung mitzumachen. Man will sie heute nicht und Ivill sie in alle Zukunft nicht. Die Entrüstung über alle Andeutungen in dieser Richtung kann daran keinen Zweifel lassen. Ter Reichskommiflar für die Uebergangstvirtschaft. Amtlich wird durch W. T. B. gemeldet: Als leitendes und zusammenfassendes behördliches Organ für die organisatorischen Aufgaben der Beschaffung und Per» teilnng der Rohstoffe, deren die deutsche Volkswirtschaft beim ÜebergangvomKriegs-indenFriedcns- zustand in großen Mengen bedürfen wird, ist durch Vcr- ordnung des Bundesrats vom 3. August 1316 ein R c i ch L- komniissar für Uebergangswirtschaft bestellt worden. Die Ernenung des Neichskommissars erfolgt durch den Reichskanzler. Dem Reichskommissar werden Mit- arbeiter— in erster Linie sachverständige Männer aus den beteiligten großen Jnteressentengruppen— und ein Beirat an die Seite gestellt, in dem der Staatssekretär des Innern den Vorsitz führt. Mitarbeiter und Beiratsmitglie- der ernennt der Reichskanzler. Damit der Reichskommissar sich einen ausreichenden Ueberblick über Rohstoffbedarf, Rohstoffvorräte und bereits erfolgte Ankäufe im Auslande beschaffen kann, ist eine allge- meine Verpflichtung eingeführt, ihm und seinen Bcauf- tragten A u s k ü n f t e zu erteilen. Einsicht in Geschäfts- brisfe und Geschäftsbücher zu gewähren sowie B e s i ch t i- g u n g in Lägern zu gestatten. Verweigerung der Erfüllung dieser Verpflichtungen ist mit Strafe bedroht; ebenso ist natürlich die Geheimhaltung der zur Kenntnis des Reichs- kommissars und seiner Mitarbeiter oder Beauftragten gc- langten Einrichtungen oder Geschäftsverhältnisse durch Straf- Vorschriften gesichert. Als Reichskommissar ist der hamburgijche Senator S t h a m e r bestellt._ Ans dem Bundesrat. Wolfis Bureau meldet unter dem 8. August: In der heutigen Sitzung deS Bundesrats gelangten zur Annahme: Der Entwurf einer Bekanntmachung über die Bestellung eines Reich«- k o m m i s s a r S für Ücbergangswirtichaft, der Entwurf einer Be- kanntmachung über Weintrester und Traubcnkerns, der Entwurf einer Bekanntmachung über Gummisauger und der Entwurf einer Bekanntmachung zum Schutze eiserner Gedenk stücke der Reichsbank. Der Erklärung des Vorstandes des KriegScrnährungSamtS hat sich ferner angeschloffen: Generalverband ländlicher Genossenschaften für Deutschland E. V. zu Berlin: Dr. Noldc», Eyermann. GewerksthaMches. Serlin und Umgegend. Die Löhne der Straftenbahnangostelltcn. Am 2S. Juli d. I. wurde in der gesamten Tagesprcsse Groß- Berlins die Begründung einer Tariferhöhung besprochen, die die Große Berliner Straßenbahn an den Zwcckoerband Groß-Berlins eingereicht hatte. In dieser Begründung ist auch u. a. herbor- gehoben, daß das Personal„durch Teuerungszuschläge und Ueberstunden gegenüber dem Friedenszu- stand ein Mehreinkommcn von 33 Proz. erlangt" habe. Das sind Hinweise, die nicht nur den Tatsachen widersprechen, sondern auch in der Form geeignet sind, die Oeffentlichkeit irre zu führen. An der Hand einiger Gegenüberstellungen resp. Bei- spielen soll im Nachstehenden gezeigt werden, welcher Wert der Be- gründung der Tariferhöhung nach dieser Richtung beizumessen ist. Die Straßenbahnverwaltung behauptet, daß das Personal ein Mehreinkommen von 33 Proz. habe. Damit hat sie sagen wollen, daß das Lohnkonto um 33 Proz. mehr belastet wurde gegenüber �en Friedensjahren. Die Geschäftsberichte von 1914 sowie 1313 be- sagen hingegen etwas ganz anderes. Im Jahre 1914 wurden durchschnittlich 19132 Personen beschäftigt; für diese sind 13 882 193,63 M. Gehälter und Löhne gezahlt worden. Das durch- schnittliche Jahreseinkommen betrug demnach pro Kopf rund 1533 M. Das Jahr 1914 kann für die Gegenüberstellung als Unterlage dienen, zumal in diesem Jahre eine Lohnaufbesserung nicht gewährt und die Wirkung des Krieges zum Teil doch in Er- scheinung getreten ist. Im Jahre 1913 wurde im Februar und Mai dem Personal eine Lohnaufbesserung bewilligt. Im März 1313 trat eine weitere, jedoch kaum nennenswerte Aufbesserung ein. Wäre nun eine 33prozentige Mehrausgabe an Löhnen usw. an das Personal erfolgt, so müßte diese im Geschäftsbericht 1915 zum Vor- schein kommen. Hier wird angegeben, daß für 8546 beschäftigte Personen 13 887 153,66 M. Lohn gezahlt wurde. Der Durchschnitt beträgt also in diesem Jahre pro Kopf 1613 M. Das ist ein Mehr gegenüber 1914 von 3,97 Proz., es fehlen also nahezu 39 Proz. Selbst wenn man berücksichtigt, daß die Lohnaufbesserungen erst von Mitte Januar resp. Mitte Mai in Erscheinung treten und die letzte sogar nicht für 1913 in Betracht kommt, so ist die Diffe- rcnz doch schon so gewaltig, daß die Angaben in der Begründung an den Zweckverband unglaublich erscheinen. Bemerkt sei hier aber noch, daß die Lohnaufbesserung im Jahre 1916 im besten Falle 3 Proz. ausmacht. Doch wir wollen klarer sehen und daher muß hier eine Aus- führung der Lohnerhöhungen erfolgen. Im Jahre 1313 erhielt das verheiratete männliche Personal 19 und das unverheiratete 8 M., die Frauen aber nur 3,49 M. pro Monat; dazu erhielten die Verheirateten pro Kind 2 M. Im Jahre 1316 wurden weitere 3 und 2 M. und für jedes Kind noch eine Mark bewilligt. Die Lohnerhöhung beträgt in ihrer Gesamtheit nun nicht 33 Proz., sondern für das männliche Personal 8 bis 16 Proz. und für Frauen 8 bis 14 Proz. Dabei ist für jeden Beschäftigten schon ein Kind mit eingerechnet. Nun besteht allerdings eine erhebliche Differenz zwischen den Ergebnissen der Geschäftsberichte und den von uns angeführten Tatsachen. Die Ursache dieser Differenz ist aber einzig und allein im Geschäftsbericht zu suchen. Die Angaben über die Löhne sind so gehalten, daß sie nur wenigen Eingeweihten nachprüfbar sind. Die Angaben über den Personalbestand sind ebenfalls so geheim- nisvoll. Obwohl im Geschäftsbericht für 1913 zu lesen ist, daß nur 9637 Personen in den gesamten Betrieben der Gesellschaft beschäf- tigt seien, inklusive sämtlicher Direktoren, hoher und höherer Beamten, waren in der Betriebskrankenkasse doch 19 944 versichert. Diese Tatsache, daß die Teuerungszulagen, die bisher dem Personal gewährt wurden, keineswegs auch nur annähernd den An- gaben von 33 Proz. entsprechen, weiß auch die Gesellschaft. Daher werden die geleisteten Ueberstunden mit in Berechnung gestellt. In der Tat: Ueberstunden werden von dem Personal oft in er- schreckender Höhe geleistet. So ist zum Beispiel der Dienst für Fahrer von 9 auf 19 Stunden erhöht. Dazu kommen häufig genug noch weitere Ueberstunden. Die Frauen, denen in einem Werbungs- zirkulär sechs- bis achtstündiger Dienst zugesichert wurde, leisten heute fast durchweg 19 Stunden. Der Durchschnittsverdienst von acht Stunden, der später proklamiert wurde, ist daher schon um zwei Stunden überschritten. Indessen auch hier werden noch weitere Ueberstunden geleistet. Belasten nun Ueberstunden den Ausgabeposten für Löhne usw. im Sinne von Teuerungszulagen oder Lohnerhöhungen? Doch nur bedingt, d. h. wenn die Ueberstunden hicher bezahlt werden, als der Lohn beträgt und dann nur um die Summe, welche höher ist als der Lohn. Die Große Berliner Straßenbahn zahlt nun für Ueberstunden 39 Pf. pro Stunde. Für die jüngeren Angestellten ist das eine Aufbesserung, für die älteren ein Verlust' an ihrem üblichen Lohn. Aber was sind bei der Großen Berliner Straßen- bahn Uebersiunden? Die Schaffnerinnen und das Ersatzpersonal erhalten erst Ueberstundenbczahlung, wenn sie über 19 Stunden leisten. Die 9. und 19. Stunde, die ihren Durchschnittsdienst von acht Stunden überschreiten, werden nur mit dem gewöhnlichen Lohn, also 33 Pf. pro Stunde, bezahlt. Die Fahrer erhalten aller- dings die 19. Stunde schon mit 39 Pf. bezahlt, das bedeutet aber für viele ein Verlust, weil ihr Monatslohn, auf Stundenlohn um- gerechnet, über 39 Pf. pro Stunde steht. Daß sich trotzdem Mehr- ausgaben für Ueberstunden ergeben, steht fest. Immerhin ist die Summe nicht geeignet, ihr erhebliche Bedeutung zuzumessen, denn sie beträgt pro Kopf und Tag noch keine 2 Pf. Das will auch die Begründung allein nicht sagen, denn sie spricht von Ueberstundenleistung schlechtweg. Mehr Arbeitsleistungen des einzelnen durch Ueberstunden können hier in diesem Falle nie- mals als eine Mehrbelastung der Ausgabe bezeichnet werden. Ob- wohl fast täglich zirka 9399 Ueberstunden geleistet werden, ist das kein Beweis für eine Mehrbelastung, sondern nur einer, daß mehr als 1939 Angestellte fehlen, für die die vorhandenen die Arbeit mitleisten müssen. Von diesen Ueberstunden werden höchstens nur ein Drittel mit Aufschlag bezahlt. Dementsprechend ist die Dar- stellung in der Begründung für die Oeffentlichkeit irreführend. Das Fahrpersonal hat nun in mehreren Zusammenkünften sich eingehend mit den in der Tagespresse veröffentlichten Auszügen der Begründung befaßt. Ueberall wurden die Angaben der Direk- tion als unrichtig, zum mindesten als ungeeignetes Mittel zur Be- gründung der Tarifreform bezeichnet, schon deswegen, weil sie den Tatsachen nicht entsprechen. Man fürchtet im Kreise des Perso- »als, daß durch solche Darstellungen, wie sie die Direktion gemacht, in der Oeffentlichkeit die Meinung Platz greift, daß das Personal ausreichend und den Verhältnissen entsprechend entlohnt werde. Das ist keineswegs der Fall. Schon die sehr hohe Zahl der Ueber- stunden beweist, wie unzureichend die Entlohnung ist. Frauen sind häufig 14 und 16 Stunden im Dienst und dennoch können sie sich und ihren Kindern kaum die erforderlichen Nahrungsmengen kaufen. Nicht Habgier ist die Triebfeder der meist freiwilligen Verlängerung ihres Tagesdienstes, sondern die Not. Sollte die Begründung der Tariferhöhung ihren Zweck erfüllen, so hätte man Objektivität von der Gesellschaft verlangen können, d. h. sie mußte auch gleichzeitig die Verdienste resp. Löhne des Personals für alle Gruppen bekannt geben. Damit hätte die Oeffentlichkeit die Mög- lichkeit einer Prüfung gehabt, und es wäre einige Klarheit in die verworrenen Lohnverhältnisse der Angestellten gebracht. Zur Lohnbewegung in der Berliner Zigarettenindustrie. Die Lohnbewegung in der Berliner Zigarettenindustrie hat durch nachstehende.Entscheidung des Einigungsamtes ihren Ab- schluß gefunden. 1. Die gegen Zeitlöhn beschäftigten Arbeiter und Arbeite- rinnen erhalten bis 29 M. Lohn eine Lohnzulage von 23 Proz., hingegen bei einem Löhn von 29 M. bis 27,59 M. eine Lohn- zulage von 29 Proz. 2. Bei Akkordlohn bis 39 M. wöchentlich eine Lohnzulage von 29 Proz., bei einem Akkordlohn von über 39 M. wöchentlich eine Lohnzulage von 13 Proz. 3. Auf diese Lohnzulagen werden die bisher gezahlten Teue- rungszulagen angerechnet. 4. Die Höhe des Einstellungslohnes für die im Gewerbe noch nicht Beschäftigten unterliegt der freien Vereinbarung der Parteien. Nach einer Befchäftigungsdauer von vier Arbeits- Wochen erhalten die Beschäftigten einen Lohn von 13,73 M., nach acht Wochen 13 M.< nach zwölf Wochen 16,59 M. und nach 24 Wochen 18 M. Für weitere Lohnerhöhung kommt die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer in Betracht. 3. Die gesetzlichen Feiertage werden den Lohnarbeiterinnen voll bezahlt. 6. Für die nach einer täglichen Arbeitszeit von neun Stun- den, sowie sieben Stunden am Sonnabend geleisteten Ueber- stunden wird für die ersten zwei Stunden ein Aufschlag von 23 Proz., für weitere Stunden und für Sonntagsarbeit ein Aufschlag von 39 Proz. bezahlt. Diese Bestimmungen finden auch auf Akkordarbeiter Anwendung. 7. Zur Beilegung von Differenzen im Gewerbe ist die be- stehende Schiedskommission anzurufen, welche innerhalb läng- stens zehn Tagen nach Anrufung zusammenzutreten hat. Falls eine Einigung nicht erzielt wird, ist das Einigungsamt anzu- rufen, welches innerhalb zehn Tagen nach Anrufung zusammen- tritt und endgültig entscheidet. 8. In Betrieben, in welchen bessere Lohn- und Arbeits- bedingungen bestehen, dürfen diese nicht verschlechtert werden. 3. Maßregelungen dürfen aus Anlaß dieser Lohnbewegung nicht stattfinden. Berlin, den 28. Juli 1916. gez. v. Schulz. Gerstel, I. Benas, Ritter, Massini. Beide Parteien haben diesen Schiedsspruch angenommen. veutsches Nekch. Gewerkschaftliche Zukunftsfragen. Unter dieser Spitzmarke nimmt das„Zentralblatt der christ- lichen Gewerkschaften Deutschlands" zu den Berichten der Tages- presse über die Unterredung L e g i e n s mit dem Reichskanzler Stellung. Das Blatt schreibt: „Soweit wir unterrichtet sind, gibt die vorstehende Dar« stellung den Inhalt der fraglichen Verhandlungen mit dem Reichskanzler unzutreffend wieder. Ob diese unkorrekte Wieder- gäbe auf Legien oder auf die Tagesprcsse zurückzuführen ist, ent- zieht sich unserer Kenntnis. Damit erübrigt sich auch, auf die - Art und Weise näher einzugehen, wie Legien für ein etwaiges späteres Kartellverhältnis den christlichen Gewerkschaften glaubt Bedingungen stellen zu können, während er im gleichen Atem für seine Richtung jedes Abweichen von den bisherigen Bahnen rundweg ablehnt. Ein Kartellverhältnis, falls ein solches über- Haupt jemals angestrebt werden sollte, würde doch nur dann denkbar sein, wenn die beteiligten Gruppen als gleichberechtigt eine Verständigung über den einzuschlagenden Weg herbeiführen; niemals aber, wenn eine Gruppe Bedingungen stellen will und die andere sich dem einfach unterwerfen soll. Falls Legien sich also wirklich so ausgedrückt haben sollte, wie berichtet wird, würde das heißen: In dem Verhältnis der verschiedenen Gewerk- schaftsgruppen zueinander bleibt alles beim alten. Ter große Weltkrieg hätte also nicht vermocht, der deutschen Gewerkschafts- bewegung neue Möglichkeiten zu eröffnen. Wie die christliche Gewerkschaftsbewegung bei solcher Sachlage ihre künftige Tätig- keit einstellt, darüber demnächst." fius öer Partei. Leichenfeier für Genosse« Gustav Eckstein in Zürich. Zur Leichenfeier des Genossen Gustav Eckstein hatte sich in der Halle des nencn Krematoriums eine internationale Trauergemeinde von etwa 199 Genossen und Genossinnen eingefunden. Die Re- daktion der„Neuen Zeit", die Sozialdemokratische Arbeitsgeinein« schaft dcS Deutschen Reichstages, die österreichische Sozialdemokratie, die schweizerische sozialdemokratische Partei, die russischen, polnischen und italienischen Sozialdemokraten hatten Kränze mit Schleifen und Inschriften gespendet. Die Genossen, Dr. Fritz Adler namens der österreichischen Sozialdemokratie, der näheren Freunde des Verstorbenen sowie der Redaktionen der„Neuen Zeit" und des„Kampf", Lang namens der schweizerischen Sozialdemokratie, Malnely und Marloff namens der polnischen und russischen Sozialdemokratie, endlich Genossin Balabanoff namens der internationalen sozialislischeil Franc», feierten die großen Verdienste des Verstorbenen um den Sozialis- mus und die Arbeiterbeweguug, bedauernd, daß Genosse Eckstein so früh seine noch so viel verheißende Wirksanlkeit einstellen inußte. /Ins Industrie und Handel. Bekanntmachung über Truckpapierpreise. Auf Grund der Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers, be- treffend die Errichtung einer Reichsstelle für Druckpapier, vom 31. Juli 1916 sReichs-Gesetzbl. S. 863) wird folgendes bestimmt: 1. Auf die Preise ssogenannte Friedenspreise), die am 39. Juni 1913 für maschincnglattes, holzhaltiges Druckpapier, das zum Druck von Tageszeitungen bestimmt ivar, zu bezahlen waren, ist a) für Rollenpapiere ein Aufschlag von 15 M.. b) für Formatpapiere ein Ausschlag von M M. für 199 Kilogramm maschinenglattes, holzhaltiges Druckpapier zu zahlen. Die Lieferung hat im übrigen zu denjenigen Zahlungs- und Lieferungsbedingungen zu erfolgen, die im zweilsn Vierteljahr 1916 Geltung gehabt haben. 2. Erfolgt die Lieferung von Druckpapier vom Lager eines PapierhändlcrS, so kann der Händler auf den auf Grund der Ziffer 1 zu zahlenden Betrag einen weiteren Aufschlag von fünf vom Hunderl berechnen. 3. Bei allen Lieferungen durch Papierhändler hat der Händler auf den Rechnungsbetrag sabzüglich Fracht und Verpackung) einen Rabatt von zwei vom Hundert zu gewähren, wenn die Bezahlung der Rechnung durch den Verleger bis zunr 39. Tage nach Eingang der Rechnung erfolgt. Wird die Rechnung an den Händler bis zum 69. Tage bezahlt, so kann der Händler die Bezahlung ohne Abzug von Rabatt ver- langen. Erfolgt die Bezahlung nach dem 69. Tage, so ist der Händler berechtigt, auf den Rechnungsbetrag seinschließlich Fracht und Verpackung) zwei vom Hundert aufzuschlagen. Weitere Ausschläge als die vorstehend unter Ziffer 2 und 3 ge- nannten darf der Händler auf die nach Ziffer 1 zu zahlenden Preise nicht fordern. 4. Die Preisfestsetzungen der vorstehenden Ziffern 1 bis 3 gelten für die Zeit vom 1. Juli 1916 bis 39. September 1916. Alle Zuschriften sind an die Reichsstelle für Druckpapier in Berlin C 2, Breitestraße 8/9, zu richten. Berlin, den 1. August 1916. Reichsstelle für Druckpapier, Rühe, Regierungsrat. k. iL 4. BErl.ReichstagswahIkrEis.| Stralauer Viertel. Bezirk 301. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, Abteilungs- sichrer, der Klempner Bernhard Lischka Goßlerstr. 32, nach langem Leiden j gestorben ist. Ehre seinem Zlndenken! _ Die Beerdigung findet am\ Sonnabend, den 5. August, nach-' mittags Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoses ui| Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/6____ Der Vorstand, j Die Einäscherung unseres ver- storbenen Mitgliedes Frau LAiise Tehlen Charlottenburg, PotsdamerStr.57, findet Sonnabend, den 5. August, mittags 12 Uhr, im Berliner Krc- matvrium, Gerichtstr. 37, statt. Ehre ihrem Andenke»! VeM öerteinilE-D. Staats- 1 arbeitEr, FiiialB Gpoß-Berlin. Den Mitgliedern geben wir biermit Nachricht vom Tode des Kollegen �Ussust Heitmann von der 21. Revierinspektion. Ehre feinem Andenken! Beerdigung am Sonnabend, den 5. Augnsl, nachmittags 3 Uhr, von dcr Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsselde aus. Um rege Beteiligung bei der fi Bestattung des Kollegen ersucht! Die Ortsverwaltung, g NsckrulS znm äl. Ctebnrtstasre. AI» Opfer dcS Völkerringens siel am 22. Juni 1916 unser ein- ziger. unvergeßlicher Sohn, Nesse, Enkel und Cousin, dcr Musketier (Res.-Jns.-Regt. 272, 7. Komp.) geboren 4. August 1825. Gewidmet von seinen ticsbclrübten Eltern Orahlmann llvs Frau geb. Wünsch allen Anverwandten u. Bekannten. Mit der Sehnsucht im Herzen nach Deinen Lieben, Mit der Sehnsucht im Herzen bist Du geblieben. DEUtsedEi' TransportarliEitEF-VBrlianil. Bezirksvervvaltang Groß-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Botcnsrau Amalie Maiwald von der Firma„Vorwärts"- Spedition, Müllcrstraße 34a, am Montag, den 31. Juli, im Alter von 66 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Bezirksverwaltung.| Am 6. Juli fiel infolge Granatverletzung unser lieber Kollege, der Maschinensetzer Xnrt Meitzner aus Siebenlehn i. S., im 36. Lebensjahre. 1642b Sein allzeit kollegialer Geist sichert ihm bei uns ein dauerndes, ehrendes Andenken. vie �eitunxssetzer des„Berliner Tageblatts". Spezialarzt Dr. med. Wockenfaß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- 222 j 6* Störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 16— 1 und 5—8. Berliner Landpacht-Genossenschaft eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftpflicht. Bilanz für das Geschäftsjahr vom 1. Juli lvIS bis 31. Dez. ISIS. Aktiva: Kautionen...... 2 317.— Inventar....... 161.35 Restanten der Kolonien. 9 659.62 Darlehne....... 1969.45 Schuldner...... 6 424.33 Guthaben b. d. Dresd. Bank 8 384.66 Kassenbestand.... 55.57 28 971.32 ZPa«-,iTa: Pachtguthaben d. Kolonien 2 761.84 Sparkonto...... 17 255.86 Blockkonto...... 767.65 Anteile....... 4 326.— Kriegsuntcrstützungskonto. 157.— Reservefonds..... 563.— Gewinn....... 3 206.57 28 971.32 Mitglicderbewegnng; Mitglicdcrstand am 30. Juni 1915— 366 Genossen neu eingetreten.. 113 Genossen— 419 Genossen ausgetreten.......... 8 Genossen Mitglied erstand am 3t. Dezember 1915...... 411 Genossen DaS Gcschästsguthabcn der Genossen betrug am 36. Juni 1915 3220.— M am 31. Dezember 1915 4330— M. (für 411 Genossen mit je 1 Anteil— 4110.— M. weitere Anteile bis 36. Juni 1915— 160.— M. ,, neu hinzugekommen 6 ä 10= 60.— M.)_ mithin mehr Die Haftsumme der Genossen betrug am 36. Juni 1915... am 31. Dezember 1915... mithin mehr... Berliner Landpacht-Genossenschaft eingetragene Genossenschast mit beschränkter Hastpflicht. Der Vorstand: Wilhelm Both, Fritz Wils. 1116.— Ai. 6446.— M. 8666.— M. 2226.— M Berlin c H« Wallstr. 13 Gardinen Spezialfirma, aardinenhaus Bernhard Schwarte ukMertwffen subtvsonnabcndabcnd 7.34 vom Bahnhof FricdiichShggcn. Fahrgeld 1,56 M. Proviant, Decke» und Liederbücher sind mitzubringen. Eingegangene Druckschristen. Bon der.Neuen Zeit-- ist soeben das 18.©est vom 2. Band de« 34. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heltes heben wir hervor: Gustav Eckstein Von St. KautSky.— Rcvenant Bülow. Bon Ed. Bern- stein.— Eine Bckennlnislchrist. Von August Erdmann.— Die Umwälzuug im fernen Osten. Von Spcctator.— Literarische Rundschau: Proiefsor Dr. Paul Arndt, Die Mobilmachung de« Geldes. Von Gustav Ecksteii?. Dr. Flitz Redlich. Die volkswirischastliche Bedeutung der deutschen Teer- sarbenindustrie. Bon H. Schneider. Vom.Wahren Inrob« ist soeben die!6. Nummer des 33. Jahr- gangs erschienen Bon der„Gleicstheit--, Zeltichrist sür die Interessen der ArbeUerinncn, ist uns soeben Rr. 23 des 26. Jahrganges zugegangen. Aus dem Jnbalt dieser Nummer beben wir hervor: Um die.Kriegsziele.— Ein Blatt Geschichte. II.— MutlerschastS- und SäuglingSsihutz. Rede des Reichstags- abgeordneten Geuossen Kuncrt. sSchlujg)— Zur Abhaltung einer Reichs» sraucnkonfercnz. Von Frida Wulff, Breslau.— Aus der Bewegung: Mc, nossin Hajlamün-Leipziq f.— Gcwcrischastliche Rundichau.— Genoffcn, ichastlichc Rundschau. Von H. F.— NotizeniStl: Aus dem öffentlichen Leben.— Für den Frieden.— Fraucnstimnirccht. öriefkasten der Redaktion. Dte lartstischi Eprechstundc sind« sür Abonnenten Lindenftr. 6, IT Hof recht«, parterre, am Montag btt tzreitag von 4 tt« 7 U»c, am Sonnabend von ü dt» e u«e stau. Jeder für den»r,,ttaft-a besumliuen»ntrage tft ein Buchstabe und eine Ladt alt Mertzetchen deizusügen. Bri etliche Antwort wird nicht«teilt. Antragen, denen teine elbonnementsgultlung beigefügt tst, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man«i der Sprechstunde vor. i>crträgc, sqrifistiiilc und dergleichen trtuge mar t» die Sprechslunde mit. Eolombo 39. 1. Um Hebamme zu werden, bat die Betreffende sich zu» nächst zur Erlangung eine« VorprüfungSzcugnisse« bei dem sür ihren Wohnort zuständigen Kreisarzt zu melden, dann hat sie sich an das Polizeipräsidium zu wenden. Dort wird sie, wenn sie die Vorprüfung be- standen bat, in eine Liste eingetragen, um später die Hebammen-Lchranstalt besuchen zu können. Bei der Auinahme in diese darf die Betreffende nicht unier 26 und uicht über 36 Jahre alt sein. Bi« zur Auinahme vergebe» von der Sinlrngiing beim Polizeipräsidium ab in der Regel 1—3 Jahre. In der Lehranstalt sind sür Wohnung und Beköstigung 266 M., für Bücher und Instrumente 37,56 M. beim Eintritt zu entrichten. Der Kursus in der Lcdianstalt(Eharitö) findet vom I. Oktober bis Ende März statt. 2. Solch Antrag kann gestellt werde».— W. M. Linirustrahe. Nein. W. H. 34. Die Schwester tft zur Rückgabe nicht verpflichtet.— 11. Landstnrm. 1. Ja. 2. Die Streichung erfolgt ohne weiteres; Sie linncn aber auch ausdrücklich den Antrag bei der Polizeibehörd« stellen.— O. S. 16. Leider ist der AuSsall einer Klage aus Aushebung deS Miets- vertraget nach der hiesigen Rechtsprechung außerordentlich zweiseibast völlig aussichtslos ist sie nicht. Wegen der mit einer Abweisung verbun- denen Kosten raten wir aber nicht zur Anstrengung der Klage. Fordern Sie den Wirt aus. das Ungeziefer endlich innerhalb»cht Tagen zu ent- lernen, widrigensallS Sie aus seine Kosten einen Kammerjäger zu diesem Zweck annehmen und die Kosten von ihm ersetzt verlangen würden. Handeln sie dann wie angedroht. Zeigt sich das Ungeziefer später wieder, würden Sic immer wieder diesen Weg gehen können.— Görlitz 41. 1. Die Ebe- cheidungSkiage hltt« Aussicht aus Erfolg. Beantragen Sie zunächst bei zem Amtsgericht, in deffcn Bezirl Sie wohnen, Sühnclermin. 2. Nach fruchtlosem Abiaus des Sübnetermin« beantragen Sie, Ihnen das Attest zur Erwirkung de« Armenrecht» zweck» Ehescheidung zu erteilen. Haben Sie dieses Attest vom Magistrat, so legen Sie die Sache dar und be- antragen unter Ueberrcichung deS Attestes beim Landgericht die Bcwilli- gung des AnnenrechlZ zur Scheidungsklage.— W. S. 1. und 2. Nein. Ks. 18. 1. Für Hebammen ist sür den Landesbezirk Berlin die Ge- bllbrenordnung vom 25. September 1968 maßgebend. Danach beträgt die Gebühr sür den Beistand einer regelmäßigen Geburt 7,56—36 M., sür jeden Besuch 1—5 M., bei Nacht das Doppelte. Ferner ist eine Entichädi- gung sür DcSinsettionsmiticl usw. zu zahlen. Die niedrigsten Sätze finden Anwendung, wenn nachweisbar Unbemittelte die Verpflichteten sind, oder wenn die Zahlung aus StaatSsonds, an» den Mitteln einer milden Stiftung oder eines Organ» der gesetzlichen Zwangskaffenoersichcrung zu leisten ist und nicht besondere Schwierigkeiten der Leistung oder da» Maß des geitauswandcs einen höheren Satz rechtsertigt. Den Wortlaut d-r Gc- bübrenordnung hat der„Vorwärts" u, a. am 26, Ztprik 1915 abgedruckt. 2. Die Hebammen find zu sechs Besuchen verpflichtet, und zwar zu je zwei am ersten und zweiten Tage nach der Entbindung, einen am dritlen und einen am vierten oder sünften Tage, 3, Ja.— H. U. 15. Rein. — N. D. 34. 1. Die Kinder sind nach keiner Richtung bin haltbar. Gegen sie kann nichts unternommen werden. 2. In diesem Falle sollen die Kinder innerbnlb späsesien» sccks Wochen nach dem Tode die Erbtchast ausschlagen. 3. Strasversoigung ist noch möglich. 4. Ein Antrag ist nicht rriordertich. 5. Sie leben in getrennten Gutern. Sie können aber einen besonderen Külcrrechtsvertrag In der Art, in welcher Sie wollen, noch jedt bei Gericht schließen.— K. W. Leider würden Sie mit Sicherheit mit einem Schadcncrsatzprozeß nur gegen den Sohn durchkommen. Das Urteil Ist 36 Jahre lang vollstreckbar. Eine Klage gegen die Eltern hätte nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn nachzuwctseu ist, daß sie die ihnen ob. liegende Ziussichtspflicht vernachlässigt haben. AuS dem, was Sie angeben, folgt das noch nicht. Wenn aber daS Gewehr etwa fahrlässig(wie es scheint), geladen hingestellt war oder so verwahrt war, daß es leicht geladen werden konnte, so würde die Klage auch gegen denjenigen, der diese Fabi- iässigkeit begangen hat, Aussicht aus Erfolg-haben.— H. D. A. 199. DaS hiesige Kausmannsgericht entscheidet in den verschiedenen Kammern über diese Frage verschieden. Der Anspruch ist u. E. berechtigt; strengen Sie event. die Klage aus Nachzahlung an.— W. W. 88. Ja. sh. L. 5. Idorn« Machen Sie Ihren Anspruch gegen die Krankenkasse schleunigst geltend. Er steht Ihnen zu. Es genügt»um Nachweis Ihrer Erwerbsunsähigkeit die Tatsache, daß Sie im Lazarett liegen,— M. 1999. Sie können entweder die Summe bereil« b« Lebzeiten Ihrer Tochter schenken oder ein Konto aus ihren Namen aus einer Bank anlegen und in einem Nachzetlel zum Testament, der aber eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein und auch Datum und Ortsangabe haben mug, mitteilen .Meine Tochter erhält von uns sür Ihre Mühewaltung nach der Abrede; die wir bei Lebzeiten mit ihr getroffen haben, so und so oiel�viark, die aber erst noch unserem Tode ausgezahlt werden sollen. Diese Summe ist da und da angelegt, sie steht unserer Tochter(Vorname) zu, ohne daß die Summe zur Erblchaitsmaffe zu rechnen ist.'(linterschrist.) Hierunter schreibt dann Ihre Frau eigenhändig Ort und Datum und darunter: „Dies Testament soll auch als mein Testament gelten", und unterschreibt dies.— B. M. 399. Ist die Wartezeit nicht ersüA, also die aus dem „Vorwärts" vom 13. Juli erfichtliche Zahl der Marken nicht geklebt, so hat man keinen Anspruch aus eine geringere Rente, sondern muß nachklcben und hat erst dann, wenn nun die ersorderltche Anzahl Marten erreicht ist, einen Anspruch auf AkierSrente.— C. R. 99. 1. u. 2. Nein. 3. Ja. WettcrauSsichten für daS mittlere Norddeutsltzland vi» Zoiiiiabciid mittag. Ziemlich lübl. Zunächst überwiegend� bewölkt. Ocsllich der Oder und längs der Küile viclsach starte, im Südwesten schwächere Rcgcnsälle. Später wieder zeitweise heiler, aber veränderlich. LevuitwwtüSek aefegfie«; aiirjü Wirlexp. MuMo. güi de» Jnjercu enteil vergntwu Ttz. Glocke, Berlin. Druck u.Bkrlag:«orwart» BuchSruckerei u. LcrlagSqnstalt Paul Emger& Co, Berlin„Ä,