Ur. 313- 33. Jahrg. Udonnements-SeiNngllnge«: Hbcrmetnmts• Preis»ränuainanbo Siicrteijä�tL 3,90 MI, monatl. 1,30 MI, wöchenliich 30 Big, frei in- HauS. Einzelne Nummer S Big, SonnlagZ» Nummer mU Multriener SonniagS» Beilage.Die Neue Wein 10 Pfg, Post- Abonncnicnt: 1,30 Mar! vro Monat. Eingerragen in die Poii.ZeilungS- Vrcisliile, Umer Kreuzband lür Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2.50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Atonal, Postabonnemcnts nehmen an Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien Schweden und die Schweiz. Crfdicint täglich. Vevlinev Volksblskk. ( 5 Pfennig) Die Inlcrtions-Gcöüijr beträgt für die sechsgesbaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Big,, iür dolitiiche und gewerlschaftlichc Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big, „Kleine Znoeigen", das fetigedruckle Wort 20 Big.(zulässtg 2 fetigedruchte Worte), jedeS weitere Wort 10 Big. Slellengciuche und Schlafstellenan- zeiaen das erste VZort 10 Big., jedes weirerc WortöPfg, Worte über 15 Buch- staben zählen iür zwei Worte. Jnjerale iür die nächste Nummer müsten bis 5 Nbr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exvedilion ijt bis 7 Uhr abends gebkfnet. Tclegrainm-Adrefle: .SozlitititlNSitlSt sttllio". 0 Zaitralorgan der foztaldemokratifchen Partei Deutfchlands. Neöaktisn: SW. HS, Linöenstraße Z. Zscrniprecher: Ämr Morittvlaü, Nr. 1151 90—151 97. Sonnabend, den 5. August 1916. «Expedition: EW. 68, Linöenstraße 3. Kerniprecher: Amt Morichplat;, Nr. 15190—15197. Unter Englands druck. Von Heinrich Cunow. Nach Mitteilungen italienischer Blätter beabsichtigt die italienische Regierung den deutsch-italienischen Handelsvertrag vom Jahre IRM zu kündigen. An der zurzeit zwischen Deutschland und Italien bestehenden Handelslage würde durch solche Kündigung des ohnehin bald ablaufenden Vertrages wenig geändert; dennoch hat sie insofern eine gewisse Be- deutung, als sie die Reihe der Nadelstiche, durch die die italienische Regierung die delitsche zu einer Kriegserklärung zu reizen sucht, um einen weiteren vermehrt.� Als das Kabinett Boselli das Salandrasche Erbe über- nahm, stand bereits fest, daß es früher oder später den Wunsch seiner radikal-liberalen Anhängerschaft erfüllen und auf irgendeine Weise den offenen Kriegszustand zwischen Deutschland und Italien herbeizuführen suchen werde, nicht nur weil es noch weit mehr von der Advokaten- und kriegs- fanatischen Gelehrtenklique Italiens abhängt, als das frühere Ministerium, sondern weil es auch in feiner eigenen Mitte mehrere Mitglieder enthält, die schon vor ihrem Eintritt in das Ministeramt für die Kriegserklärung an Deutschland agitiert haben, allen voran Herr Bissolati, der frühere sozialistische Parteiführer. Zudem aber besitzt der von Boselli aus dem früheren Salandraschen Kabinett mit herüber- genommene Minister des Auswärtigen, Sidney Sonnino, in dem neuen Ministerium einen noch größeren Einfluß als im früheren. Sonnino aber war stets der englischen Regierung gefügig. Tatsächlich ist es denn auch England, auf dessen Geheiß das jetzige Vorgehen der italienischen Regierung er- folgt. Wie Mephisto hinter Faust, steht die Asguithsche Regierung hinter dem Bosellischen Kabinett und komman- diert:„Heraus mit eurem Flederwisch! Nur zugestoßen! Ich hariere." Und die Motive, die England zu diesem Kom- Wando-bewegen, sind leicht erkennbar. Es hofft keineswegs darauf, daß Italien dann, wenn die Kriegserklärung erfolgen sollte, größere Heeresmassen aufbieten und Frankreich an der Westgrenze unterstützen werde, wohl aber rechnet es da- mit, daß Italien in diesem Falle nach dem Friedensschluß, da seine wirtschaftliche Wiederausrichtung aus eigener Kraft ausgeschlossen erscheint, sich genötigt sehen wird, sich noch enger an England anzuklammern und sich dessen Wünschen zu fügen. Tiefe Aussicht auf die spätere Vasallenschaft Jta- liens hat in den Augen der englischen Regierung solchen Wert, daß sie sich, wie italienische Blätter vor kurzem be- richteten, sogar herbeigelassen hat, Italien als Belohnung für seine treuen Dienste eine neue finanzielle Unterstützung und eine Vermehrung der Kohlenzufuhr zu versprechen. Wie Deutschland durch die weitgehendsten Zugeständnisse dem Eingreifen Italiens vorzubeugen versucht hat, so� hat es auch später noch nach dem Ausbruch des Krieges zwischen Italien und Oesterreich die Rechtsbrüche Italiens niit einer gewissen Langmut hingenommen. Noch kurz vor dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Teutschland und Jta- lien, am 21. Mai Illio, war ein Vertrag abgeschlossen wor- den, in dem es heißt:„Die italienischen Staatsangehörigen inDeutschland und die deutschen Staatsangehörigen inJtalien werden hinsichtlich ihrer Person und ihres Eigentunis g e- mäß den Gesetzen und rechtlichen Grund- sätzen, die in beiden Ländern in Kraft sind, geschützt sei n." Bereits einige Tage später verletzte Italien diesen Ver- trag. Es duldete, daß am 27. Mai 191ö in Mailand von einer ausgehetzten Volksmenge unter den Augen der Polizei deutsches Eigentum im Werte von vielen Millionen Mark vernichtet wurde. Hinterher wurden zwar mehrere Beamte, die gegen diese Gewalttätigkeiten nicht eingeschritten waren, bestrast, aber das vernichtende Eigentum wurde nicht vergütet und, i st b i s h e u t e n i ch t e r s e tz t worden. Dann begannen die italienischen Banken unter allerlei Vorwändcn die Guthaben deutscher Banken nicht auszuzahlen und darauf erfolgte am 3. November auf Antreiben Englands die Beschlagnahme der in den italienischen Häfen liegenden Kaufsahrteischiffe, obgleich nach dem gültigen Handclsver- trag deutsche Staatsangehörige mit ihrem Vermögen von allen militärischen Requisitionen befreit sind. Zudem heißt es ausdrücklich in dem oben erwähnten Vertrag vom 21. Mai 1915, Artikel 14, daß die Vorschriften der sechsten Haager Konvention über die Behandlung der feindlichen Kandels- schiffe bei Beginn der Feindseligkeiten agf die italienischen Handelsschiffe in deutschen Häfen und auf die deutschen Han- delsschiffe in italienischen Häfen Anwendung finden sollen. Nun gestattet zwar die sechste Haager Konvention unter ge- wisten Bedingungen die Requirierung fremder in den Häfen festliegender Schiffe, aber nur gegen volle Entschädigung. Solche Entschädigung anzubieten/ ist Italien jedoch gar nicht eingefallen. Es beruft sich darauf, daß ja im �"-rer Abkommen nicht angegeben sei, daß die Entschädigung sofort gezahlt werden müsse, folglich könne Italien immer noch später nach Belieben die Entschädigung zahlen. Läßt aber die Bestimmung der Haager Konvention immerhin in Zweifel, wann die Entschädignna für die requi- rierten Schisse zu entrichten ist. so ist bezüglich der Ladnn- gen dieser Schiffe die Rechtslage völlig klar. Die Ladung ist den Eigentümern sofort bei der Beschlagnahme auszu- liefern. Die italienische Regierung hat aber bisher jede Herausgabe verweigert, falls nicht zuvor der Wert der� Ladungen in Gold hinterlegt werde. Erfüllen die Eigentümer diese Forderung nicht, so werden einfach die betreffenden Waren zwangsweise versteigert und der Erlös nicht etwa ausgezahlt, sondern vorläufig deponiert. Diesem Rechtsbruch folgte am 19. Februar 1916 von ' italienischer Seite(entgegen dem noch immer gültigen Han- dclsvertrag) das Verbot des mittelbaren oder unmittelbaren Warenverkehrs mit Deutschland und weiter am 16. März das . Verbot der Einlösung von Zins- und Dividcndenschcinen, j die aus deutschem Besitz stammen; eine Maßregel, die am ! 39. April dahin erweitert wurde, daß auch deutsche Wechsel- forderungcn und Forderungen aus verkauften Wertpapieren � künftig nicht mehr in Italien eingezogen werden durften. Trotz dieser fortgesetzten Vertragsbrüche hat sich die deutsche Regierung auf Proteste beschränkt und keine Ver- | gcltungsmaßnahmen ergriffen, bis am 16. Mm die italienische Regierung erklärte, sie behalte sich bezüglich des Vertrages vom 21. Mai 1915 die Freiheit ihrer Entschließung vor, da die deutsche Regierung der Abreise von gestellungspflichtigen Italienern aus Belgien Schwierigkeiten bereitet habe. Eine Behauptung, die zwar insofern richtig ist, als tatsächlich den Italienern nicht gestattet wurde, nach ihrem Belieben ihren Reiseweg nach Italien zu wählen; aber dieses Recht steht ihnen nach dem Vertrag vom 21. Mai 1915 auch gar nicht zu, denn im Artikel 2 dieses Vertrages heißt es wörtlich; „In gleicher Weise wird ihnen frei stehen, das Land inner- halb derjenigen Frist und auf denjenigen Wegen zu oerlassen, die die zuständigen Behörden dafür fe st setzen und für nötig erachten; ausgenommen sind aktive Ossiziere sowie wegen Vergehens gegen das Gsmeinrecht vcrsolgtc oder verurteilte Personen. Die beiderseitigen Staatsangehöri- gen werden das Recht haben, ihre persönliche Habe mitzunehmen mit Ausnahme derjenigen, für die ein allgemeines Aussuhr- verbot besteht." Demnach hat die deutsche Regierung nicht nur das Recht zu bestimmen, in welchen Zeiträumen die Abreise er- folgen kann, sondern auch welche Wege eingeh a l- ten werden müssen. Die italienische Regierung ließ jedoch den Hinweis auf den Vertrag überhaupt nicht mehr gelten; sie erklärte kurzweg, sie hielte sich nicht mehr an ihn gebunden. Erst darauf hat die deutsche Regierung den beut- schon Banken freigestellt, nun auch keine italienischen Forde- ntngen mehr auszuzahlen. Zugleich wurden die Berufs- genossenschaften angewiesen, vorläufig die Versicherungsrenten der außerhalb Deutschlands lebenden Italiener, einzu- behalten. ' Fü'' die italienischen Arbeiter mag dieser Entzug ihrer Rente recht schmerzlich sein, die Schuld daran tragen aber lediglich die sortgesetzten Provokationen ihrer eigenen Regierung. Allerdings handelt sie auch in diesem Falle kaum aus eigenem Antrieb, sondern auf Drängen Frankreichs und vor allem Englands. Das zeigt sich schon darin, daß das letzterwähnte einschneidende Verbot vom 39. April erst erfolgte, nachdem einige Tage vorher die Pariser Konferenz, zu der als Vertreter Italiens dessen Finanzminister erschienen war, beschlossen hatte, die Ententemächte seien verpflichtet, unter keinen Bedingungen mehr Zahlungen an das feindliche Ausland zu dulden. Das Ziel Englands ist, wie schon gesagt, Italien nach dem Kriege wirtschaftlich völlig von sich ab- hängig zu machen. Für die italienische Geschäftswelt sehr traurige Aussichten, denn Italien ist auf die Zufuhr von Eisen und Eisenwaren aus Deutschland angewiesen, zu- mal Frankreich, dessen Montanindustrie enorm unter dem Kriege gelitten hat. in den ersten Jahren nach Friedensschluß kaum imstande sein wird, die früheren Lieferungen wieder auszunehmen. Ueberdics kann Italien den Absatz seiner Früchte, Rohseide, Eier, Häute sowie seines Weins, Hanfs, Marmors usw. nach den Mittelmächten nicht entbehren. I m Jahrfünft vor dem Kviege haben die Zentralmächte allein fast ein Viertel der ganzen italienischen Warenausfuhr aufgenommen. England vermag dem Handel Italiens dafür keinen Ersatz zu bieten, selbst wenn es wollte.—(2) Bern, 4. August.(W. T. B.)„Secolo" zufolge soll der gestrige Ministerrat in R 0 ni ein Dekret genehmigt haben, wonach den italienischen, auch im Ausland ansässigen Staatsangehörigen der Geschäftsverkehr mit Angehörigen von Ländern, die niit Italien feindlichen Staaten verbündet sind, verboten wird. Trotz des Verbots eingegangene Verträge sind rechtsungültig. Die Vertragschließenden sind strafbar. Ein weiteres Dekret soll der Regierung die Befugnis geben, Handelsgesellschaften, die ihren Sitz in Italien haben und deren Kapitalien gänzlich oder vorzugsweise Bürgern feindlicher Staaten oder mit diesen verbündeter Länder angehören, unter Kontrolle zu stellen. Jni Bedarfsfalle kann zur gericht- lichen Beschlagnahme und Liquidation geschritten werden. Versicherungsgesellschaften sollen nicht unter diese Bestini- mung fallen. Versenkung eines italienischen postüampsers Malta, 3. August.(W. T. B.) Meldung des Reutcrschcn Bureaus. Ter italienische Postdampfer„Le- t i m b n 0", 2219 Tonnen, wurde von einem E-Boot versenkt. 28 lleberlebende sind hier angekommen und erklärten, daß der„Letimbno" mit einer Besatzung von 59 Mann und 113 Passagieren auf der Reise Vau Syrakus nach Bcnghasi begriffen war, als ein E-Boot zuerst einen Warnungsschuß löste und darauf das Schiff unter fortwährendem Feuern verfolgte. Das E-Boot holte den Dampfer, der die Rettungsboote aussetzte, innerhalb einer halben Stunde ein. Es setzte die Beschießung fort und traf fünf Boote, die vernichtet wurden. Man glaubt, daß die Insassen ertrunken oder durch das Granatfeucr getötet worden sind. Wie verlautet, sind zwei Boote in Syrakus angekommen. Mahnung zur Vö'lkerverstänöigung. Stockholm, 2. August. Auf der neutralen K 0 n f e- renz wird folgende Erklärung abgegeben werden: An dem Tage, da der Krieg zwei Jahre gedauert hat, wünschen wir unterzeichnete Bürger von kriegführenden wie von neutralen Staaten eine gemeinsame Erklärung abzugeben, die unseren festen Glauben an eine bessere Zukunft bezeugen soll. Trotz des durch den Krieg hervorgerufenen Hasses glauben wir, daß die Entwicklung der Menschheit sich nicht in der Richtung einer dauernden Feindschaft und Eifersucht zwischen Nationen bewegen wird, sondern vielmehr in derjenigen der Verständigung und des friedlichen Zusammenwirkens. Wir glau- ben an die internationale Zusanimenarbeit auch in dem Sinne, daß die Völker jeden Versuch ablehnen wer- den, diesem Krieg einen wirtschaftlichenKrieg folgen zu lassen, daß im Gegenteil die Völker für jede Nation die Möglichkeit einer friedlichen Entwicklung der wirtschaftlichen Kräfte zu fordern wünschen. An Verständigung glau- ben wir in dem Sinne, daß die Völker sich weigern werden, je wieder die Politik der Weit- rüstungen zu unterstützen, die wo nicht Haß und Feindschaft, so doch gegenseitiges Mißtrauen erzeugt. W i r verurteilen die Meinung, daß Macht, nicht Recht der entscheidende Faktor in der inter- nationalen Politik sein soll. Wir wissen wohl, daß auch in einer besseren, von dem Geiste der Verständigung und des gemeinsamen Schaffens durchdrungenen Zukunft die Streitfragen zwischen Völkern nicht verschwinden werden, aber wir haben den festen Glanben, daß es möglich sein wird, eine zwischen st aatliche Organisation zu schaf- fen, die imstande ist, die Beilegung aller Z w i st i g- keiten auf friedlichem Wege herbeizuführen. In diesen Tagen der Trübsal möchten wir feststellen, daß trotz- alledem kein Grund zur Verzweiflung vorliegt und daß die ganze Kulturmenschheit immer entschiedener die Verwirklichung der Rechtsorganisation der Staatengemeinschaft ver- langt, welche die Freiheit und die Rechte aller Völker sichert und alle Wettrüstungen und Hindernisse für ihre friedliche ökonomische Entwicklung beseitigt und wir geloben unserer- seits mit neu erEnergie für diese Grundsätze einzu st ehen, jeder in seinem Lande zum zu- künftigen Wohle und Segen der ganzen Menschheit. Stockholm, 4. August. Es folgen zahlreiche Unterschriften aus Dänemark, Norwegen, Schweden und der Schweiz, darunter viele Parlamentarier, Universitätsprofessoren, frühere Staatsnünister usw. Die Namen aus Amerika und den k r i e g f ü h r e n- den Staaten sollen später veröffentlicht werden. �sqirith über öen tzanöelskrieg. Rotterdam, 3. August.(W. T. B.s. N i e u w e Natter« d a m s ch e Couranl" wird aus London berichtet: Bei der Be« raiung im Unterbause über die Beschlüsse der Paciscr Kon- ferenz verteidigte A S q u i t h gestern die neue Politik der Regierung mit der Begründung, daß sie gegen die d e n t- scheu Handels Methoden notwendig geworden sei, über die der Krieg den Alliierten die Augen geöffnet habe. Die Beschlüsse der Äonscrenz hätten einen rein verteidigenden Charakter. Teutschland werde sein System der wirtschaftlichen Turchdringniig nach dem Kriege wieder aufnehmen und dabei über sehr beträchtliche Vorteile verfügen. Im besetzten Gebiet von Belgien und Frankreich habe Deutschland Werkstätten und Fabriken zerstört und große Mengen Maschinen und Rohstoffe weggeführt, ohne von ben Menschen zu sprechen, die nach den Industriezentren Deutschlands und Oester- reich-Ungarns geschickt toordcn seien. Es veriüge außerdem über eine mächtige Handelsflotte, die augenblicklich sicher in den eigenen Häsen oder in den Häfen neutraler Länder liege. Au? den deutschen Handelsblättern gehe deutlich hervor, daß die Deutschen mit diesen Faktoren rechneten, um die industrielle und kommerzielle Wieder- geburi der Alliierten zu behindern. Die Deutschen organisierten schon jetzt Industrien für einen Vorstoß auf die Märkte der Entente und für eine energische und wenn möglich siegreiche Mitbewerbnng in neutralen Ländern während der Zeit der allgemeinen Erholung vom Kriege. Die Wiederherstellung des verwüsteten Gebietes sei die allererste Forderung der Alliierten und diese Wiederherstellmig müsse sowohl die Ersetzung der Rohstoffe wie der industriellen Ma- schinen, der Acketbauiverkzeuge, der Vorräte und der Handelsschiffe ein- schliefen. Außerdem häiteu sich die A lli e r t e ei n an�> e r verpflichtet, den feindlichen Mächten für eineAnzahl von Jahren d i e Behandlung auf der Bafis der lvt e i st b e g ü n st i g u n g zu verweigern. Das bedeute, das; für diese Periode das Enlgegentommen, das die Alliierten einander beweisen würden, nicht auf Deutschland und Oesterreich-Ungarn aus- gedehnt werden solle. Auberdeni würden die Alliierten in der Zeit der Erholung vom Kriege ihre Hilfsmittel unter Bedingungen aus- lauschen, die die Maßregeln Deutschland?, sich Vorräte und Material aus den neutralen Ländern zu sichern, durchkreuzen würden. Der Premierminister sagte weiter: Wir müsfen alle deutschen Monopole, die vor dem Kriege bestanden, wie z. B. das Metall- inonopol in Australien, verhindern. Dos Handelsamt ist eifrig an der Arbeit, Pläne zu entwerfen, um unS von der Zuiuhr aus seeindeSland unabhängig zu machen. Was Hartstoffe, nichlraffiniertcS Zinl und andere wichtige Artikel betrifft, so ist bereits ein Plan für l le S u b f i d r e r u n g der hierfür nötigen Wissenschaft und indnstriellen Unternehmungen ausgestellt. Der Premierminister führte weiter aus. daß sich die Beschlüsse der Pariser Konserenz nicht gegen die Neutralen richteten. Es stehe im öicgenteil fest, dasz die Wirt- schaftliche Offensive, die die Alliierten fürchteten, auch für die Neu- tralsn, deren Interessen dieselben seien wie die der Alliierten, Ge- fahren einschliche. Die protektionistische Preffe ist mit ASquiths Rede sehr zufrieden. Namens des unionistischen Kriegskomitees erklärte Carson, daß die Pläne, die der Premiermimsier dargelegt hätte, allgemeiner Natur seien. Sie bänden aber die Negierung und diese könne davon nickt wieder abgehen. Was ober solle nun in England geschehen und Ivelchcr Plan sei beschlossen, ehe der Friede zustande komme? Carson verlangte einen bestimmten Plan, vor allem um zu verhindern, dag Waren unter Preis auf den Markt gcivorfen würden l.dumping"), icruer eine Abänderung der fiskalischen Politik, um auf diese Weise Teutschland zu treffen und seinen Handel aus das Rcichsinnere zu beschränken. Die„Daily News" nimmt entschieden gegen diese neue Handelspolitik Stellung. Auch„Daily Chronicle" erklärt: Wir wünschen nicht, das; England und seine Alliierten einen Handels- trieg ansangen und die Feindschaften nach dem Friedensschluß fort- ieyen. Es gibt viele Menschen, die einen Handelskrieg mit Deutschland mit Beifall begrüßen. Wir müssen uns deutlich vor Augen hallen, daß es für uns notwendig ist, zunächst den mili- inrischen Krieg zu gewinnen und gründlich zu gewinnen, und daß der Friede, der daraus folgt, ein wirklicher Friede sein mutz. Der franzöjifche Tagesbericht. Pari?, 4. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Tonnerstagnachmittag. Nördlich der Sornine wiesen die Franzosen während der Nacht mehrere Angriffsversuche gegen Monacu zurück und richteten die neuen Stellungen zwischen diesem siiehöft und dem Gehölz von Hem ein. Es bestätigt sich, daß die deutschen Einheiten, die bei Monacu eingesetzt waren, infolge ihrer bedeutenden Verluste seit dem 30. Juli zurückgezogen werden mutzten. Südlich der Somme scheiterte ein deutscher Gegenangriff südlich Estrees in unserem Feuer. Auf dem rechten Ufer der Maas richteten die Deutschen heftige Gegenangriffe auf die Schützengräben, die sie gestern verloren hatten. Ueberall brach das Sperrfeuer und das Feuer unserer Infanterie ihre Anstrengungen und brachte ihnen schwere Verluste bei. Die Franzosen rückten südlich Fleurh ernstlich vor und er- reichten die unmittelbaren Zugänge zu diesem Dorfe, wobei sie an v-:r Station vorbei kamen. Die Zahl der Gefangenen, die allein in der Gegend von Fleury im Laufe des gestrigen Tages gemacht wurden, überschreitet 700; die Gesamtzahl der Gefangenen, die auf dem rechten Ufer der Maas seit dem 1. August gemacht wurde, beträgt 1700.' In der Gegend von Vaux, Chapitre und Chenois, geht der Artilleriekampf ohne Jnfantcrietätigkeit heftig weiter. Auf der übrigen Front war die Nacht ruhig, auher im Apremont- Gehölz, wo deutsche Patrouillen durch Gewehrschüsse zersprengt wurden. Flugwesen: An der Sommefront schätz Sergeant Chainot gestern zwei Gegner ab und brachte dadurch die Zahl der von ihm abgeschossenen Flugzeuge auf acht. Ein anderes deutsches Flugzeug mutzte infolge des Kampfes weichen und fiel bei Chaunh nieder. Paris» 4. August.(SB. T. B.) Amtlicher Bericht von D o n n e r S t a g a b e n d. An der Sommefront im Laufe des TagcS keine Jnfantcrietätigkeit. Der Artilleriekampf in der Gegend von Monacu dauert fort. Am rechten Ufer der Maas nahm unsere Infanterie in Verfolg ihrer Angriffsbewcgung an der Front Thiaumont— Fleury in einer Reihe von aufeinanderfolgenden An- griffen im Laufe des Tages alle Gräben zwischen diesen beiden Punkten bis südöstlich des Werkes Thiaumont und der Nachbar- schuft des Hügels W0. Das Dorf Fleury, das zugleich von Nord- westen und Südosten angegriffen wurde, wurde von unseren Truppen nach einem glänzenden Kamps vollständig besetzt. Die Zahl der Gefangenen, die im Laufe dieser Kampfhandlung ge- .macht wurden und gegenwärtig gezählt werden, übersteigt 050, was die Gesamtzahl der von uns auf dem rechten Ufer der Maas seit dem I. August gemachte�? unverwundeten Gefangenen auf >750 bringt. In der Gegend von Chenois unternahmen wir gleich- zeitig einen lebhaften Angriff, der uns den grötzeren Teil des von uns vorgestern verlorene» Goländes einbrachte. An der übrigen Front zeitweiliges Geschützfeuer. Flugdienst: In der Nacht vom 2. August haben unsere Bombenflugzeuge Geschosse auf die Bahnhöfe Ham und Noyon ab- geworfen. Am Morgen warf ein feindliches Flugzeug Bomben auf Nancy ab. Es sind keine Opfer und kein Schaden zu beklagen. Auch Pont-ä-Mousson erhielt einige Geschosse, die ebenfalls keine Wirkung hatten. An der Sommefront zeigten sich unsere Kampf- flugzeuge im Laufe des Tages besonders tätig. Vier deutsche Flugzeuge wurden heruntergeholt, zwei von ihnen in der Gegend von Maurepas, eine bei Guillemont und ein anderes in der Um- gcgend von Barleux. Dieses letztere wurde von unserem Unter- lcutnaut Guyncmer abgeschossen, der damit sein zwölftes deutsches Flugzeug zur Strecke gebracht hat. Zwei andere Flugzeuge, die crnstlich beschädigt wurden, muhten im Sturzflug in ihren Linien landen, das eine davon bei Brie, das andere bei Andechy. B e l g i s ch e r B e r i ch t: Es ist nicht» Besonderes zu melden. Infolge des Nebels war die Artillerietätigkcit heute wenig lebhaft. Die englische Meldung. London, 3. August.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t d e S britischen Hauptquartiers. Während der Nacht wurde die Arbeit an dem Ausbau des von uns eroberten Geländes und an der Freimachung der Vcrteidigungsgräben fortgesetzt. Unsere Artillerie war in Tätigkeit, die feindliche Artillerie erwiderte das Feuer während der Abendstunden an unserer Front von Maltzorn- Farm bis Longucval heftig. Ebenso bei dem Wäldchen von Mametz, Fricourt, Becourt und beim Dorfe PoziereS. Bei Tagesanbruch lictz das Feuer nach. Der Feind lieh bei Souchez eine kleine Mine springen, verursachte aber keine Verluste und richtete wenig Schaden an. London» 3. August.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t v o n Donnerstagabend: Tie Briten haben nördlich von Bazen- lin-Ie-Petit Boden gewonnen und heftige Angriffe im Walde von Delville zurückgewiesen. Auf dem gewonnenen Gelände bei Bozen- lin fanden Handgranatenangriffe statt. Vier starke feindliche Ab- leilungen griffen in der Nacht den Wald von Delville an, wir liehen sie bii dicht an unsere Reihen herankommen, bevor wir das iZMg Des MW MWMs. Amtlich. Großes Hauptquartier» 4. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der Artillcriekoinpf erreichte nördlich des Aucrc- Baches wieder große Stärke, rr wurde zwischen Aurre und Somme mit unverminderter Heftigkeit fortgesetzt. Kräftige feindliche Angriffe sind nördlich von Ovillers» südwestlich von Guillemont und nördlich deö Gehöftes Monacn abgewiesen. Südlich der Somme scheiterte nachts ein Angriff des Gegners bei Barleux. Ten Franzosen gelang es gestern abend sich in den Besitz unserer Stcllnugc» am Dorf Flcnry und südlich des Werkes Thiaumont z» setzen. Nusere heute morgen ein- setzenden Gegenangriffe brachten uns wieder in den vollen Besitz deS Dorfes Fleury und der Gräben westlich nud nordwestlich dieses OrtcS. Feindliche Angriffe nordwestlich deS Werkes Thiaumont und gegen»uscrr Stellungen im Chapitre- und Bergwald wnrdcn gestern abend unter großen Verlusten des Feindes abgewiesen. Die Lage ist jetzt wieder so, wie sie vor dem mit überaus starken Kräften geführten französischen Angriff war. Leutnant Mulzer setzte im Lustkampf bei Lcns seinen 9.» Leutnant Frank! vorgestern bei Bcaumctz seinen 6. Gegner außer Gefecht. Ferner wnrdcn ein feindlicher Doppeldecker gestern bei Peronue, zwei weitere, wie nachträglich ge- meldet ist, am 1. August südwestlich von ArraS und bei Lihons von unseren Fliegern abgeschossen. Durch Abwehr- fener wurde je ein feindliches Flugzeug bei BerleS-au-Bois (südwestlich von Arrasj und bei Namur heruntergeholt, letzteres auS einem Geschwader, das Namur mit geringem Sachschaden angegriffen hatte. Qeftlichcr Kriegsschauplatz. Front des G e n c r a l f e l d m a r s ch a Iis von Hindeuburg. Nordwestlich von Postawy zwangen wir durch Feuer den Feind zur Aufgabe vorgeschobener Gräben und wiesen in der Gegend von Spiagla(zwischen Narocz- und WiSznicw- See) Borstöße gegen unsere Fcldwachstellungen ab. Am Scrwetsch östlich von Gorodischtsche und an der Schtschara südöstlich von Barauowitschi lebhafte Hand- granatcnkämpfc. Bei Lubicszow scheiterten abermals starke feindliche Angriffe. Im Abschnitt Sitowicze— Wielick entspannen sich heftige Kämpfe, in deren Berlauf der Gegner in daS Dorf Rudka— Mirynska und die anschließenden Linien eindrang. Im Gegenangriff gewannen deutsche nnd österrcich-unga- rischc Bataillone sowie Teile der polnischen Legion den verlorenen Boden restlos zurück. Sie machten 361 Ge- faugcne, erbeuteten mehrere Maschinengewehre nnd wiese« erneute russische Angriffe glatt ab. Weiter südlich, sowie bei Ostrow und in der Gegend östlich von Swiniuchy kamen feindliche Unternehmungen in unserem Feuer nicht über die ersten Ansätze hinanS. Front des Feldmars challeutuautS Erzherzogs Carl. Bei der Armee deS Generals Grafen von Bothmer keine besonderen Ereignisse. I» den Karpatheu in Gegend deS KopilaS gewannen deutsche Truppen Boden. Balkan-Kricgöschauplatz. Bor den Stcllnngcn südlich von Bitolj fanden für die bulgarischen Lorpostcu erfolgreiche Gefechte mit serbischen Abteilungen statt. Oberste Heeresleitung. *» * Set MmilMe ßemKÄsliMi. Wien, 4. Augnp./z Ubr Iianeu wir ein gemciniamcS Gebet, dann nahmen wir von emauder Abschied. Ter gesamte Fund mit der Flaschenpost ist dem deutschen Konsul in Göteborg übergeben worden. Englischer Heheimbefehl. Amtlich. Berlin, 4. August. sW. T. B.) Folgender Befehl aus einem durch ein dcui'cheS U-Boot verseullc» englische» tBorpostenboot aufgefunden worden: Geheim. Rcar Admiral's Oifice, Peterhead, 5. Juli 1916. Segclorder. Die Abteilung hat am Donnerilag morgen anstatt am Freitag nach Aberdeen zurückzukehren. Vorläufig sollen keine holländischen Fischerfahrzeiige mehr noch Peterhead eingebracht werden. gez.: E. H. Simpson. Rcar Admiral. Lenin. C. Asquith, R. N. R.— H. M. T..Onward'. AuS diesem Geheimbeschl folgt, datz die englische Negierung den Bcfebl gegeben ha», alle holländischen Fischersahrzeuge, deren man habbasl werden konnte, nach England einzubringen. Es war der englischen Negierung also gleichgültig, ob gegen die einzelnen riugebrachten Fischcrfahrzeuge Verdacht vorlag, der die Ausbringung geeechtfertigt kälte oder nicht. E» kam ihr offenbar allein darauf a», durch nackte Vergewaltigung die Mittel in die Hand zu bc- loiunien, um die beabsichtigte Erpressung gegenüber der holländischen Regierung und gegen die holländische Fischerei durchdrücken zu lönneit. Zur Erschießung Zrpetts. Awfterdam, 8. August.(23. T- V.) Das Neuteri'che Bureau ver- breitet folgende Mitteilung: Teutschlands Bemühen, die Er- s ch i e tz u n g F r y a t t s vor der Welt im Lichte einer gesetz- mätzigen und gerechtfertigten Handlung erscheinen zu lassen, ist an- gesichts de» Abscheus, den seine Hiiirtchlnug in der gesamten neu- traleu Welt hervorgeruscn hat, sehr verständlich. Aber wenn die Handlungsweise der deutschen Negierung auch noch so vlausibcl dar- gestellt wird, so lanu sie doch nur als flagranter Justizirrtum au- gesehen werden. Die gesamte Piaxis der Nationen in den letzten beiden Jahrhunderten erbringt den unwiderleglichen Beweis, datz die„Brüssels' im Rechte war, wenn sie eine Beschlagnahme oder eine Zerstörung durch ein feindliches Kriegsschiff zu vermeiden strebte. Tie deutsche Admiralität selbst lätzt in ihrem Anhang zur Prisengerichtsorduung vom 22. Mai 1914, veröffentlicht am 3. August 1914, zu, datz die Mamischaslen eines bewaffneten feindlichen Handelsschiffes als Kriegsgefangene zu behandeln sind, Ivenn sie der Beschlagnahme Widerstand leisten. Als Hiiirichlungsgrund wird in dem amtliche» Bericht über den Prozetz angegeben, datz Fryatt nicht Mitglied der bewaffneten Macht gewesen sei und den Versuch gemacht habe, da» deutsche Untcrseebot zu rammen. Wenn sein Schiff das Unterscebool versenkt hätte, dann wären die Deutschen durch ihre eigenen Vorschriften verhindert ge- Wesen, ihn anders denn als Kriegsgcsangeneii zu behandeln. Ein Handelsschiff ist deshalb nicht weniger Handelsschiff, weil es bc- waffnet ist. Seine Offiziere und seine Mannschaften sind nicht Mit- glieder der bewaffneten Macht, Ivenn das Schiff auch Kanonen zur Verteidigung führt. Ter Gebrauch dieser Bewaffnung zur Selbst- Verteidigung ist von der deutschen Prisengerichtsordnung als gcsctzmätzig anerkannt, und verschiedene neutrale Staaten, z. B. die Vereinigten Staaten, Spanien und Chile, haben seit Beginn des gegenwärtigen Krieges die Gesetzmätzigkeit derartiger Verteidigungs- ivaffcn anerkannt. Das Recht der Selbstverteidigung ist auch von Dr. Hans Webberg, einem dcuisÄen Dölkerrcchtskundigeii, in seinem Werke.Da» Scclriegsgcricht 1915' anerkaniit worden, welches er nach Ausbruch des gegenwärtigen Krieges veröffentlicht bat. Er lagt darin:.Der Widerstand feindlicher Handelsschiffe gegen die Beschlagnahme tünnte nur dann als unberechtigt angesehen werden, wenn eine Vorschrift dagegen allgemeine Anerkennung gesunden hätte. In Wahrheit aber kann kein einziges Beispiel aus den inter- nationalen Präzedenzfällen angeführt werden, in welchem die Staaren einem feindlichen Handelsschiffe daS Recht der Verteidigung gegen einen feindlichen Angriff vorenthalten hätten, und dicie» Reckt kann es gegen eine Durchsuchung ausüben, denn eine solche stellt in der Tal die erste Handlung einer Beichlagnabme dar. Das angegriffene Handelsschiff kann in der Tat selbst das nberwuitdene Kriegsschiff als Prise nehmen.' Die deutschen Vorschrifren machen indessen einen Unterschied zwischen Angriffen und Verteidigungs- Handlungen, die von einem bewaffneten Handelsschiff unternommen werden. Angriffe werden als secräuberiiche Handlungen betrachtet. ES gibr viele gute Gründe für den Satz, datz es niwt gesetzmäßig ist, wenn ein Handelsschiff ein feindliches Handelsschiff angreift, aber wo komr eine Linie zwischen Verteidigung imd Angriff gezogen werden bei dem System der Unterseeboolkriegfübrung, welches von den Deutschen seil länger als 18 Monaten anaewandt wird? Die Kommandanten der deutschen Unterseeboote haben mit wenigen Ausnahmen in Mißachtung aller Gesetze des Krieges und der Menschlichkeit gehandelt. Völkerrecht und internationale Sittlichkeil sind von den Deutschen zu Lande und zur See systematisch verletzt worden. Während deS gegenwärtigen Kriege» ist die Durchsuchung neutraler Schiffe häufig durch Angriffe ohne vorherige Warnung ersetz: worden, und die Pflicht, Perioncii an Bord der Handelsschiffe vor Versenlung deS Schiffes in Sicherheit zu bringen, ist beständig mitzacktet worden, und selbst, wenn Zeit gegeben wurde, in die Boote zu gehen, so sind sie meilenweit vom nächsten Lande cntsernt den Wellen preisgegeben worden. Der Feind zieht bei seinen Angriffen keine Grenzlinien zwischen bewaffneten und unbe- tvaffneten Handelsschiffen. Unsere Handelsschiffe werden deshalb iorlfahren, obne sich durch die Ermordung FryaltS abschrecken zu lassen, sich mit allen Mitteln, über die sie verfügen, in Ucbcrein- siimmnng mit dem Völkerrecht zu verteidigen. Zu diesen Ll u ö s ü h r u n g e n des Reuterschen Bureaus crfährr das W. T. B.: Festzustellen ist zunächst, datz Reuter oder vielmehr durch Reuter die cnglisrbe Regierung verschweigt, datz sie selbst ihre Handelsschiffe aufgefordert hat, jedes Untcrsce- boot, sobald cS gesichtet wird, anzugreifen, und zwar ohne eine ieiud- selige Handlung desselben abzuwarten, datz sie für die Wer- nichtung deutscher U-Boote PrämienauSgc setzt bat, und datz sie dem Kapitän Fryatt für die von ihm behauptete Vernichtuug eine« deutschen U-BooteS eine Prämie gegeben hat. Festzustellen ist ferner nochmals, weil Reuter hier zu verdrehen sucht, datz Kapitän Fryatt nicht deshalb zum Tode verurteilt worden ist, iveil er sich verteidigt hat, sondern weil er einen heimtückischen Uebersall zu dem Zwecke unternommen hat, um sich durch Vor- nichtung deS U-VootcS die ausgesetzte Prämie zu verdienen. Wenn demnach sür die Bcstrasung deS Kapitäns Fryatt auch die Frage. ob ein feindliches Handelsschiff sich gegen ei» e» anhaltendes Kriegs. schiff verteidigen darf, gar nicht zur Ilnivenduiig komnit, sei doch tnrz aus die Frage eingegangen, weil Reuter sie zur Irreführung der öffentlichen Meinung als für die Beurteilung der Sacke motz- gebend mitzbrauchl. Wiederholt wird daher, waS schon in der Denk- ichrift vom 3. Februar 1916 zum Ausdruck kam, datz Deutsch« land ein allgemeines Recht zurVerteidigung nicht anerkennt. Ob England auf einem anderen Standpunkt siebt, ist gleichgültig, denn Rechtswidriges wird dadurch nicht Recht, datz England es. weil sciiicn Zwecken frommend, als Reckt hinzustellen sucht. Oder will England etwa auch bebauvlen, datz sein schamloser, allem Völkerrecht ins Gesicht schlagender Hungerkricg gegen die wehrlose deutsche Bevölkerung Reckt sei, weil es ihn als Recht hinstellt? In dieser Beziehung hat ja bekanntlich die letzte Note der Vcreiiiigicii Staate» schon klar genug gemacht, was von solchen englischen Be- hauplungen über Recht und Unrecht zu balien ist. Die Zeil tvar einmal, datz Deutschland alles das unbesehen als richtig hinnahm, was engliiche Priieiiqcricbte zur Verteidigung der jeweiligen leeräuberischen Zwecke Englands als.Reckt' hinstellten! Zkeulcr versucht aber auch durch ein Zitat aus dem Buche eines Deutschen, des Dr. Wehbcrg. nach- zuwelscn, datz die englische Ansicht über daS Recht zur Ver- teidigung auch die Ansicht der deutschen Wissenschast sei. Wenn man ichoii einmal aus Wehberg zitieren will, so soll man da» wenigstens ganz tun. Tut man das, so findet man, datz sogar Wehberg auf dem Standpunkt steht, datz die Anlage zur deutschen Priienordnung, die den Besatzungen feindlicher bewaffneter Schiffe die Slelluiig von Kriegsgesangeiien zusichert, sich mir auf bewaffnete Handelsschiffe bezieht, denn er sagt ausdrücklich: Ter bewaffnete Widerstand von 'eilen unbewaffneter feindlicher Handelsschiffe wird slillichweigend als unerlaubt angesehen. Festzustellen ist alio auch hier wieder eine bewußte Irreführung, Im übrigen sei Reuter darauf hingciviesen, daß die deuliche Wissenschast keineswegs von Wehbcrg repräsentiert und datz noch viel weniger das Buch Weh- bergS als verbindlich sür daS, waS nach deutscher Ansicht Recht ist, angesehen wird. Zum Schluß sei noch ein Wort gesagt zu dem«atze:„DaS Völkerrecht wie die intcriiationale Sittlichkeit sind von den Deutschen zu Lande und zur See systematisch verletzt tvordcn,' Wenn die eng« tische Regierung glaubt, mit solchen Worrcn ein vernichtendes Urteil über Deutschland sällen zu können, und wenn sie glaubt, datz solche Heucheleien und Unwahrbeiten auch nur einen einzigen Deutschen berühren, so im sie. Deutschland hat für Urteile über Moral. Sitten und Reckt au« englischem Munde nur ein Achselzucken, zumal wenn es aus dem England der Baraloug- Mörder, de» King Stephen und der irischen Schlächtereien kommt. Besonders eigenartig berührt aber solch englisches Urteil angesichts des tu diesen Tagen bekannt gewordenen Falles de» „HeldeniiiädchenL von Loa»', da» sür feigen und hinter- listigen Mord von fünf deutschen Soldaten einen englischen Orden erhalten hat. Neue irische Kunögebungen. London, 1. August.(W. T. B.) Im Unterhaus sagte A s q u i t h iu der Debatte über Irland: In vielen Teilen des Landes habe eure beträchtliche Erneuerung der Sinn-Fcin-Bcwcgung in ihrer aggressivste» Form siattgesun'den. In einigen Orlen sei es zu be- daucrlichcn öffentlichen Knudgebungeil für Deutschland gekommen. ASquilh fügte hinzu, datz die Militärmacht und die Polizeimacht ausreichend gewesen seien, um eiiicn ueueu Aufruhr zu verhindern. Pferüe und Menschen. In einem der größten TageSblälter des englischen Imperialismus, in einer Rubrik, die seit dem Kriege cingejührt worden und den Titel„Auhuse zugunsten des Krieges' führt, das heitzt in einer Rubrik, die dazu bestimmt ist. nienschliches Leben, Munitionen, Bc- gcistcruiig, Anleihen und dergleichen mehr sür den Krieg zu sammeln, und dazu bestimmt ist, zu beweisen, daß die Pflicht eines jeden Menschen jetzt nur in der Vernichtung deS„FeindcS' bestehen kann, finden wir einen Aufruf zugunsten—„unserer stummen Freunde'. ES bandelt sich um ein„BlaueS Kreuz', an dessen Spitze Angehörige der Aristakialie und des bohen Klerus stehen: der Zweck der Vereinigung ist, die Pferde der krieg« s ü b r e n d e n L ä n d e r zu schützen u n d z w a r—•_ wie aus« drücklich beivorgchobcn wird— wird die Nationalität der betrefsenden Pferde nicht berücksichtigt, alle ohne Ausiiabme dürfen den Schutz beanspruchen... Als Gegenstück zu dem oben erwähnten Zirkular, das die humanitäre Seite des Pferdeichutze»— ohne Unterschied der„Ratio« lität'— ganz besonder- betont, sei eine Warnung hervorgehoben, die Ende Juni iu der.Times' veröffentlicht wurde. Ihr Inhalt lautet: Alle diejenigen, die da behaupten, die Arbeit in den Staats muiiiliouSfabriken sei schädlich oder gar lebensgefährlich, werden zu sechs Monaten Kerker mit Z iv a n g s a r b e i t und zu einer Strafe von hundert Schilling verurteilt. „Solche Gerüchte— hictz es weiter in der Drohung der Regie- riiiig— können nur vom Feinde oder von vaterlandSloscn Engländern verbreitet werden, haben doch die ärztlichen Fadrilinspeltorcn� fest« gestellt, daS Explosivmaterial könne nur die Haut ritzen, was jedoch leine Lebensgesahr darstelle und sobald vergehe,„wie die Beschäsli« gung in den Munitionsfabriken unterbrochen oder durch eine andere Arbeit ersetzt werde". „Die schntzberechligten— Pferde— bemerkt hierzu der Lon« doner Korrespondent des„Züricher VolkSrechts'— haben tatsächlich keinen Grund, die Proletarier und Proletarierinnen des lulturreichcn, freien, demokratischen Englands zu beneiden oder etwa mit ihnen lauschen zu tvollen." Sie dürsten auch anderwärts, möchten wir hinzufügen, hierzu kaum Veranlassung haben. Konferenz öer ausira!ischen Gewerkschaften. An, 10. Mai sand in Melbourne eine außerordentliche Konferenz der Delegierten der auftraliichen Tradc-Unions statt, um zu der Frage der Einsührmig der ollgemeinen Wehrpflicht Stellung zu nehmen. Auf der Konferenz waren vertreten 276 666 Mitglieder der Trade-NnionS, ferner die Sozialisten und die Jndusiriolisten. AlS erste wurde eine von Dl a c R e i l im Namen der australischen Arbeitersöderalion ciugeblachlc Resolution zur Diskussion gc» stellt. In dieser Nesoliliion beißt es, der Staat, der leinen Angehörigen nicht das Leben gebe, dürfe von ihnen auch nicht vcr« langen, daß sie es sür die Interessen des Staates opferteii. Wohl aber könne und müsse der Staat seine Hand aus den Besitz jener seiner Bürger legen, die sich am Kriege bereicherten. Deshalb werde die Konferenz mit ollen anerkannten Mitteln gegen die Wehrpflicht lämpfen. Zugleich spreche die Konferenz den Ziele» der Alliierien ihre Sympathie ouö nnd vortrete ferner die Anschauung, datz da» Sysicni der srciwilligen Reliuiicrung das zweckmätzigsti sei, wenn es geiördcrl werde durch solgcndc Matziiahmeti: 1. Erhöhung der Soldatcu» löhnung, 2. Erhöhung derUutcislützungcn an dieFrauen und Mütter der Soldaten. 3. Erhöhung der Invalidenrenten. Um die Mittel hierzu zu beschaffen, mützlen bis zum Ende de» Krieges bei allen nicht im Heere Dinieiiden alle Einkünfte konfisziert werden, die die Löhnung deS Soldaten übersteigen.— Sämtliche Redner zu dieser Resolution sprachen sich in dem Sinne der Bekämpfung der Wehrpflicht aus und akzeptierten sie nur unter der Bcdiirgrmg, datz vorher die „ Aushebung des Besitzes" durchgeführt werde. Nach einer lebhaslen Diskussion wurde die Resolution mit 258 618 gegen 753 Stimmen angenommen. Als zweite wurde folgende Resolution von Mac Neil erörtert: „Ter Kongreß ist der festen Uetcrzcugung, datz das System der frei« willigen Werbung durchaus zweckmäßig war und datz es, unrerstützt von den finanziellen Mitteln der Nation, am produllivsteu sein imS keinen Mechanismus zurücklassen werde, der nach dem Kriege in der Lage wäre, die Bcslrcbuiigcn der Arbcircr zu unterdrücken, wa» ein- treleu würde, wciiir die Wehrpflicht zur Annahme gelangte." Die Diskussionsredner zu dieser Ncsolulioii teilten sich in zwei Gruppen, die sich schroff gegenüberstanden: die einen akzeptierten unier gc- wissen llmstäiiden den Krieg, während die anderen ihn unter allen Umständen verwarfen. Schließlich wurde die Resolution Mac Neil mit 199 384 gegen 46 737 Stimmen angenommen. Danach gelangte folgende Resolulion der Eisenbahner einstimmig zur Annahme:„Da die Kriegkpolitil der kapitalistischen Klaffe in der Aushebung von Menschenleben und in der unbeschränkten PIllndcrimg der Bürger, statt in ihrem Schutz, besieht, ist der Kongreß der An« ficht, daß die l'lrbciieipartci die Pflicht habe, die kapitalisiiiche Kriegsvolitik zu ändern und die Ausdeutung des Publikums zu ver« bieten." Zum Schluß brachte Russell im Namen des Bureau« angestelltenverbaudc» solgeuden Antrag ein:„Wenn das Bundes- Parlament den Versuch machen sollte, durch irgend einen Parlaments« akt oder eine cinsache militärische Versügnng die Llushebung des Lebens oder der Llrbeil dem ganzen Wolle oder einem Teil von ihm auizucrlege», so empfiehlt dieser Kongreß allen Gctverl« schaften Nustraliens, den Generalstreik zu proklamieren, und 'ordert sie auf, dem Exekutivkomitee der Konferenz daS Recht zu verleiben, den Beginn, die Dauer und die Methoden dieses Streiks zu bestimmen." Dieser Eintrag rief die lebhaslcstcn Debaltcir her« vor imd wurde schließlich nur mit knapper Majorität<129 736 gegen 168 728 Stimmen) abgelehnt. An Stelle dieses 2lnlragS wurde mir 230 220 gegen 1480 Stimmen der Beschluß angenommen, ein Referendum über die Geueralsireilsfrage vorzunehmen. Letzte Kackrickten. Rnmänisch-bulgarische Grenzzwischenfälle. Bukarest, 4. August.(W. T. B.) Zu Grenzzwischenfällen auf der Donau wird halbamtlich vcrlautbart, daß der rumä- nische Minister des Aeußercn die notwendigen Schritte unter- nahm, um die Aufmerksamkeit �er bulgarischen Regierung darauf zu lenken, daß sich die Zwischenfälle zu oft wiederholen und daß sie den guten Beziehungen der beiden Länder nicht entsprechen.___ Fünf Personen ertrunken. Züllichau, 4.?lugust.(W. T. B.) Gestern nachmittag kenterte auf der Oder bei Tschicherzig, im sogenannten Oderknie, ein mit 5 Personen besetztes Secgelboot. Sämtliche Insassen ertranken. GewerkfthaMches. Ssrlin und Umgegend. Die Militärbranche der Sattler nahm in einer Versammlung Stellung zu der willkürlichen Preisfestsetzung der Fabrikanten für neue Artikel. Hauptmann wies als Referent darauf hin, daß in jeder Schlichtungskonimissionssitzung, wenn es sich um die Rege- Iijng bon Nachzahlung handelt, die betreffenden Unternehmer er- klären: bei mir ist kein Vorbehalt angemeldet worden. Sie hätten demnach erst vom Tage der Entscheidung nachzuzahlen. Ausge- sprachen müsse es aber werden, führte der Referent aus, datz manche Arbeiter bei der Preisfestsetzung wenig Rückgrat zeigen. Meist handelt es sich bei den Differenzen um alte, bekannte Be- triebe. Eine bessere Verständigung unter den Arbeitern der Branche müsse geschaffen werden. Bei jeder neuen Preisfestsetzung sollten die Arbeiter des betreffenden Betriebes zuerst nach dem Bureau der Ortsverwaltung kommen und sich Rat holen. Die Fabrikanten sind der Meinung, daß der Vorbehalt immer ange- meldet sein müsse. Im Rcichstarif ist der Passus über den Vor- behalt folgendermaßen gefaßt: In dem Fall, wo zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern eine Differenz wegen eines zu zahlen- den Lohnsatzes entsteht, muß die Arbeit beiderseits zu dem bis- hcrigen oder angebotenen Lohnsatz unter Vorbehalt weitergeführt werden. Entscheidet die örtliche Schlichtungskommission sich für einen anderen Lohnsatz, so ist die Differenz mit rückwirkender Kraft bis zum Tage des Ausspruchs zu begleichen. Die Schlich- tungskommission muß innerhalb fünf Tagen, vom Tage des Ein- spruchs an gerechnet, zusammentreten. Die Schlichtungskommission steht dagegen auf dem Standpunkt: wo Preise festgelegt sind, braucht kein Vorbehalt angemeldet zu werden. Anders sei es aber bei neuen und abgeänderten Artikeln, da müsse der Vorbehalt sofort angemeldet werden, und zwar mög- lichst klar und unzweideutig, am besten schriftlich. In der Diskussion wurden strengere Maßnahmen gegen jene Unternehmer verlangt, die sich tarifliche Verstöße zuschulden kommen ließen. Es genüge nicht, sie zur Nachzahlung zu der- anlassen, vielmehr müßten sie durch Extrastrafen vor Tarifverstößen abgeschreckt werden. Wie Hauptmann weiterhin mitteilte, hat man sich auch schon mit der Frage befaßt, ob Zwischenmeister, die fortwährend nicht die richtigen Löhne zahlen, noch Arbeit bekommen sollen. Eine Entscheidung darüber ist zwecks näherer Prüfung der Sachlage noch ausgesetzt worden._ veutfches Neich. Der Verband der Schiffszimmcrer Deutschlands hielt am Sonntag, den 30. Juli, in Hamburg eine Konferenz seiner Be- zirksleiter und Vorstandsvertreter aus den Tariforten ab. Haupt- sächlich beschäftigte man sich mit der Stellungnahme zu den be- stehenden Tarifverträgen und der Lehrlingsfrage des Berufes. Zur Tariffrage wurde der nachstehende Beschluß angenommen: „Die lange Dauer des Krieges und die damit verbundene kolossale Steigerung der Preise für alle Bedarfsartikel hat eine Reduzierung in der Lebenshaltung der Arbeiterschaft herbei- geführt, die immer unerträglicher wird, je länger der Krieg dauert. Die geringen Teuerungszulagen, welche zu den Tarif- löhnen gezahlt werden, sind größtenteils unter dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs gewährt. Die Konferenz der Bezirks- leiter und Vorstandsmitglieder aus den Tariforten hält deshalb eine Erhöhung der bisherigen Lohnsätze, wie sie in unseren Tarifverträgen mit den Boots- und Flußschiffswerften vor dem .Kriege festgesetzt sind, für einen Akt dringender Notwendigkeit. Sie hält deshalb die Kündigung aller bestehenden Verträge zum nächsten Ablaufstermin für geboten. Die Konferenz erwartet von der Verbandsleitung und den Zahlstellen, daß diese sich durch Anbahnung von Verhandlungen um die Erlangung höherer Löhne bemühen. Der Abschluß neuer oder die Verlängerung bestehender Verträge ist nur dann vorzunehmen, wenn zeitgemäße höhere Lohnfestsetzungen erfolgen." Bei Beratung der Lehrlingsfrage wurde betont, daß die Ausbildung der Lehrlinge viel zu wünschen übrig lasse. Die Organisation habe sich leider viel zu wenig um das Lehrlings- wesen gekümmert. Es sei nötig, daß in der herrschenden Gleich- gültigkeit zum Lehrlingswesen eine Aenderung eintrete. Es sei deshalb die Anregung dieser Frage auf der Konferenz zu begrüßen; die Aussprache werde befruchtend für die Zukunft wirken. Die Ansicht der Konferenz wird durch den nachstehenden Beschlutz kundgegeben: „Der Krieg hat die außerordentliche Wichtigkeit gründlicher Ausbildung der Facharbeiter im allgemeinen und derjenigen des Schiffbaues im besonderen aller Welt gezeigt. Die Konferenz der Bezirksleiter und Vorstandsmitglieder ist aber der Meinung, daß in der Lehrlingsausbildung unseres Berufes sehr vieles im argen liegt, und daß besonders die technische und theoretische Ausbildung der jungen Leute während der Lehrzeit große Mängel aufweist. Der Verbandsvorstand wird deshalb von der Konferenz beauftragt, durch statistische Erhebungen die Lehrlingsvcrhält- nisse unseres Berufes genau zu erforschen und der nächsten Generalversammlung des Verbandes hierüber eingehend zu be- richten. Die Zahlstellen werden aufgefordert, ihr Augenmerk mehr als bisher der Lehrlingsfrage zuzuwenden und praktische Vorschläge zur Abänderung bestehender Mängel in der Aus- bildung der Lehrlinge in Erwägung zu ziehen und dem Ver- bandsvorstand hierüber zu berichten." Musland. Gewerkschaftszwang für Staatsbeamte. Der australische Ministerpräsident hat an die Chefs sämtlicher Regierungsdepartements einen Erlaß gerichtet, wonach bei An- stellung im Staatsdienste nur solche Bewerber berücksichtigt werden sollen, die einem Gewerkschaftsverein angehören, vorausgesetzt, daß in dem betreffenden Erwervszweig eine anerkannte Gewerkschafts- organisation vorhanden ist. Tie österreichischen Gewerkschaften während des Krieges. Wie nicht anders zu erwarten war, haben auch die österreichischen Gewerkschaften schwer unter den Kriegswirkungen gelitten. Immer- hin kann aber konstatiert werden, daß sich die weitgehenden Be- sürchtungen, die vielfach zu Beginn des Krieges gehegt wurden, als übertrieben erwiesen. Die Organisationen haben die schwere Be- lastungsprobe bestanden und sie können mit einer gewissen Ruhe den kommenden Ereignissen entgegensehen. Den schwersten Stoß erlitten die Gewerkschaften im Jahre 1914. Obwohl die Zahl der Ein- berufenen im Jahre 191S kaum wesentlich geringer war als im ersten Kriegsjahr, blieb der Mitgliederverlust ganz bedeutend hinler dem des Jahres 1914 zurück. Dazu bewirkte die Hebung des Geschäfts- ganges, zumal in der Rüstungsindustne, daß sich der Ansturm an die Kassen der Gewerkschaften im zweiten Kriegsjahr bedeutend ver- minderte. Die österreichischen Gewerkschaften sind schon seit einer Reihe von Jahren aus der Beunruhigung nicht herausgekommen. Seit der Jahrhundertwende begann eine kräftige Entwickelung der Gewerkschaften. Von 119 930 Mitgliedern im Jahre 1901 wuchsen die Organisationen ständig bis 223 099 im Jahre 1905. Das folgende Jahr brachte eine Verdoppelung der Mitgliederzahl auf 448 270 und das Wachstum hielt auch im Jahre 1907 noch an, und brachte mit 301 094 Mitgliedern den bisherigen Höchststand der Bewegung. Das Jahr 1908 zeitigte mit dem Aufkommen der tschechischen Separa- listenbeweguug einen Rückgang, und im Jahre 1909 umfaßten nach der Absplitterung der Separatisten die der Reichsgewerkschaftskom- Mission angeschlossenen Gewerkschaften nur noch 415 256 Mitglieder Der später wieder einsetzende Ausschwung ermöglichte es, das Jahr 1912 mit 428 363 Mitgliedern abzuschließen. Die Balkan- Iriegskrise, unter welcher die österreichische Industrie schwer zu leiden hatte, blieb nicht ohne Einfluß auf die Gewerkschaften� Deren Mit- glicdcrzahlen gingen im Jahre 1913 auf 415 193 zurück. Dann kam der betäubende Schlag des Wellkrieges. Die Gewerkschaften ver- loren im Jahre 1914 174 514 Mitglieder, am Jahresschluß waren nur noch 240 681 vorhanden. Der Rückgang bielr auch im Jabre 1915 an, aber die Mitgliederzahl verminderte sich nur um 63 568, so daß die Jahresrechnung mit 177 113 Mitgliedern abschließt. Insgesamt haben die österreichischen Gewerkschaften während des Krieges 233 082 Mitglieder oder 57,3 Proz. ihres früheren Bestandes verloren. Wenn nian die Zahl der Eingezogenen in Betracht zieht, dann wird man allerdings zugestehen müssen, daß sich die österreichischen Gewerkschaften im großen und ganzen gut gehalten haben. Ein wunder Punkt ist die Organisationstreue der weiblichen Mitglieder. Obwohl auch in Oeslerreich die Frauenarbeit während der Kriegsdaucr eine gewaltige Steigerung erfahren hat, ist die Zahl der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder ganz bedeutend zurück- gegangen. Im Jabre 1913 zählien die Verbände 42 979, im Jahre 1915 nur noch 25 689 weibliche Mitglieder, also ein Rückgang unr 40,2 Proz. Bei den männlichen Mitgliedern betrug der Rückgang von 372 216 im Jahre 1913 auf 151 424 im Jahre 1915: 220 792 oder 59,3 Proz. Im Jahre 1913 bildeten die iveiblichen Mitglieder 10,4 Proz. des Gesamlbestandes, im Jahre 1915: 14,5 Proz. Die Gesamteinnahmen der Gewerkschaften hatten im Jahre 1913 10 036 521 Kr. betragen; im Jahre 1914 gingen sie auf 8 274 012 Kr. zurück und im Jahre 1915 erfuhren sie eine weirere Verminderung auf 4 979 997 Kr. In entsprechender Weise bewege» sich auch die Ausgaben, die von 10 058 297 Kr. im Jabre 1918 auf 9 922 301 Kr. im Jahre 1913 zurückgingen. DieimJahre1914cingelretene Vermögens« Verminderung war am Schluß des JabreS 1915 nahezu ausgeglichen. Die Gewerkschaiten verfügten Ende 1915 über einen Vermögensbestand von 14 357 000 Kronen. Dieses günstige finanzielle Er- gebnis ist hauptsächlich durch die verminderte Anforderung an Arbeitslosenunterstützung erzielt. Diese hatte erfordert: 1912 gleich 1 403 067 Kr.. 1913 2 204 801 Kr.. 1914— 3 023 780 Kr., im Jahre 1915 aber nur 504 617 Kr. Bei der Kassengebarnng der österreichischen Gelverkschniten ist zu beachten, daß diese aus Rück- ficht auf die bestehenden Gesetze gezwungen sind, neben den Gewcil- schaften in sogenannten„freien Organisationen" Widerstandsfonds zur Führung ihrer Lohnlämpfe anzusammeln. In den Abrechnungen der Gewerkschaften treten somit die Einnahmen und Ausgaben der Widerstandsfonds nicht in Erscheinung. Die Mitglieder der Gewerkschaften verteilen sich auf 52 Zentral- verbände und 22 Landes- oder Lokalvcreine mit zusammen 2665 Oris- gruppen. Im Jahre 1913 existierten 4189 Ortsgruppen. Die stärksten Verbände waren die Eisenbahner mit 38 013, die Metallarbeiter mit- 28 606 und die Tertilarbeitcr mir 26 529 Mitgliedern. Sehr unglcicti verteilten sich die Mitglieder auf die einzelnen Kronländer. Der Löwenanteil mit 67 462 oder 38,03 Proz. der Gesamtzahl entfällt auf Wien. Dann folgt Böhmen mit 40 432 oder 22,83 Proz. In weitem Abstand koimnr Niedcrösterrcich mir 16 798 oder 9,48 Proz., Steiermark mit 13 328 oder 7,52 Proz., Mähren mit 11913 oder 6,74 Proz., Schlesien mit 8520 oder 4,81 Proz., Oberösterrcich mit 6344 oder 3,59 Proz. der Gewerkschaftsmitglieder. Auf die anderen Kronländer entfällt je weniger als 2 Proz. Diese Zahlen geben einen ungefähren Anhalt für die Beurteilung der Verteilung der Industrie in Oesterreich. Außerhalb Wiens hat die gewerkscbafiliwe Agitation mit sehr großen Schlvlerigkeilen zu kämpfen. Trotz der durch den Krieg bewirkten Mitglicdcrverlusle gewährt der Stand der Gewerkschaften Oesterreichs am Schlüsse des Jahres 1915 ein be- sriedigendes Bild; es rechtfertigt die Erwartung, daß nach der Wiederkehr des Friedens auch die gewerkschaftlichen Organisationen in Oesterreich einen kräftigen Aufschwung nehmen werden. neue Manoli preise EINSCHLIESSUCH KSIEGSZUSOilMi SttW % JLJLUMJXs* ß I 34 1 h/ss////yy////ss/Mf/s///s/s/wsMyyy///yZrsy'/rssSjy//////ArAMm� 'Mtimmemzl 33M'"" �Mman i| Maatfebello i 54 ' ßumpler» Ikmbe �________,___________, ""' 54 l@4 ist- pi Wkxsse toü l HERGESTEUI AUS REIN MACEDONISCHEll EMXEÄBAKEN IN UNVE8SNIMEERGS)1E Lerantw. Redakt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Jnf�ratentefl verantw. Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchor. u. Verlagsansralt Maul Singer chEo., Berlin S�V. Hierzu 2 Beilagen u. UnterhaltungSbl. Cr. 213. 33. 1-hr-mg. 1. Sciliije Ks Juntiittü" forlinct NslksdlM. Zounabtlld, 5. August Wik. Chronik des Weltkrieges. ». Auqust ISI4. Amtlich wird gemeldet, daß bei Soldau Kämpfe mit einer rusii- fchen Kaoalleriebrigade stattfanden. Deutsche Kavallerie griff rufst- sche Kavallerie bei dem russischen Grenzort Kiberty an. Ferner besetzte deutsche Kavallerie Wilna südlich von Kalisch. Räch einer Petersburger Meldung wurde ein deutsches Ge- schwadcr in der Richtung Memel-Libau gesichtet. Deutsche Schisse zerstörten an der Küste von Algler befestigte Plätze, die als Einschifsungsorte für französische Truppentransporte in Betracht kamen. Bei Belgrad Artillerieduell zwischen serbischen und österreichischen Batterien. Ein deutscher amtlicher Erlaß mahnt die Bevölkerung zur Ver- eitelung feindlicher Spionagetätigkeit, zugleich aber vor voreiliger Tätlichkcit, da mehrfach Offiziere der eigenen Armee als russische Spione angesehen und in der Ausführung ihrer Tätigkeit behindert wurden. Der französische Generalissimus Zoffre verläßt Paris, um sich zur Front zu begeben. Die Wiener„Heichsposl" bringt Sensationsmeldungen über Insurrektion in Russisch-Polen. Die Türkei sperrt die Dardanellen und den Bosvorus für fremde Schiffe. Zluqust IS»5. Das Große Hauptquartier meldet Kämpfe in den Bogefen. An der russischen Jront weiteres erfolgreiches Vordringen. In Kurland wurden 222S Gefangene gemacht. An der Straße Lomza- Ostrow-Wyszkow 4863 Gefangene. Die Armee des Prinzen Leopold von Bayern besetzt Warschau. Zwischen oberer Weichsel und Bug wird die Verfolgung fortgesetzt. In der �Deutschen Tageszeitung" wendet sich der Abg. Oertel gegen die„Neuorientierung". Eme Konferenz der foziaiistifthen Neutralen. Haag, 31. Juli.(Eigener Bericht.) Es ist eine gar kleine Versammlung, die sich heute zusammen- gefunden hat, um der Sache des Friedens und des Sozialismus mit Mahnruf und Rat an die im Weltkrieg kämpfenden Brüder zu dienen, und nicht ohne Wehmut mochte man an die glänzenden Zusammenkünfte der sozialistischen Internationale in den Jahren vor dem Krieg denken. Aber der alte Glaube— das fühlte man schon heute— an die geschichtliche Idee und den Weltberuf des Proletariats lebt in seiner ganzen Kraft weiter, und die Zuver- ficht, daß auch Re heute einander heftig befehdenden Parteien sich wieder im alten Verband vereinigen werden, sandte heute Freundes- gedanken nach allen Ländern, wo das Schicksal sozialistische Ar- beitcr gezwungen hat, einander' zu bekämpfen. Tic Internationale hat chne schwere Wunde empfangen. Gewiß, aber der Geist, der die Sitzung von heute beherrschte, war nicht der eines müden In- validen, sondern das sichere Lebensgefühl eines, dem die Genesung naht. Die Delegierten sind noch weniger zahlreich, als man erwartet hatte. Tie rumänische Partei mußte infolge der Kriegsgefahr auf die Beschickung der Konferenz verzichten, Grimm(Schweiz) und die angemeldeten Norweger Vidnes, T r a u m a l l und O l e L i a n konnten infolge von Paßschwierigkeiten nicht kommen. Der spanische Delegierte B e st c i r o wird erwartet, aber hat der Er- öffnungssitzung noch nicht beigewohnt. Anwesend sind die holländischen Delegierten im I. S. B. T r o e l st r a Van Kol, A l b a r d e, als Ersatzmänner W i- baut und Vliegen, als Vertreter der holländischen Gewerk- schaftszentrale F i m m e n, B r u e n s und Van Z u t p h e n. Dänemark ist durch S t a u n i n g, Sch w e d e n durch B r a n- ting, Argentinien durch Dr. Repetto vertreten, die Vereinigten Staaten durch Algernon Lee an Stelle Hillquits, der verhindert war. Genosse Huysmans wohnt der Konferenz, die als auto- nome Versammlung der neutralen Parteien von den holländischen Delegierten einberufen ist, nicht in seiner Eigenschaft als inter- nationaler Sekretär, zondern mit privatem Charakter bei, hat aber bei den vorbereitenden' Arbeiten tätige Hilfe geleistet und wirkt auch auf der Konferenz als Ucbersetzer mit. Tie Eröffnungsrede hält Genosse Troelstra in der deutschen Sprache, da diese von allen relegierten verstanlsen wird. In der- selben Sprache werden auch in der Folge die meisten Mitteilungen gemacht, doch werden die wichtigsten für die Presse ins Französische übersetzt. Nach Troelstras Rede folgte eine Reihe von Mitteilungen, als erste die eines Briefes von Vandervelde. Weiter liegt vor ein Begrüßungstelegramm des deutschen P a r t e i v o r st a n d e s. der Sozialisten aus Russisch-Polen und Galizien, der Südslawen, des russischen Aus- landskomitees(für die Zimmerwalder Politik), des jüdi- s ch e n sozialistischen Arbe,terverbandes Poale ■o i o n(für den Dr. Kaplensky als Gast der Konferenz bei- wohnt), ein Protest des l e t t i s ch e n K o m i t e e s in der Schweiz gegen die Stockholmer Lettenerklarung(das Schweizer Komitee fordert Autonomie im Rahmen eines demokratisierten russischen Staates), ein Protest der russischen Emigranten in K r- st i a n i a gegen die von der englischen Regierung gegen An- gehörige der befreundeter Nationen getroffenen Maßregeln, ein Brief des Verbandes der sozialistischen Frauen Groß- britannrens, der hervorhebt, daß die internationale Verbindung der Frauen aufrechterhalten geblie- ben ist, u. a. Ein eigenes Kapitel bilden hier die verschiedenen Briefe und Telegramme, die unbestellt geblieben sind. So hat L u x e m b u r g die Delegation unterlassen, weil es seinerzeit die Einladung nicht erhalten hat. Auf eine diesbezügliche Anfrage antwortete das I. S. B. mit einem Telegramm, das vorsichtshalber an Genossen Dr. Walter, den gegenwärtigen Ministerpräsidenten adressiert war. Auch dieses Telegramm ist nicht angekommen.... Auf der anderen Seite hat sich ein von der englischen Unabhängigen Arbeiterpartei zugesagtes Memorandum verloren,„wie andere Briefe und Sendungen dieser Partei", bemerkt Genosie Huys- mans. Die verschiedenen Eingaben werden, je nach dem Inhalt, der politischen und der ökonomischen Kommission zu- gewiesen. In die politische Kommission werden gewählt: Troelstra, Bran- ting, Stauning, Besteiro, Lee, Van Kol, Vliegen, Van Zutphen. In die ökonomische: Wibaut, Repetto, Albarde, Fimmen, Bruens._(z) gelten, wenn man der Regierung zutrauen kann, daß sie im ent- TT rrtpjfjrr? Ifir(FrÄfiTttllinrt«Oltff rttan' scheinenden Augenblick bereit sein wird, die wesentlichen Forde- zur vec rungen des sozialistschen Friedensprogramms durchzuführen und nicht selbst auf eine Lage hinsteuert, die den Keim neuer Konflikte enthält. Wer aber wagt es, diese Gesinnung bei der Regierung seines Landes zu verbürgen? Die große Gefahr ist, daß ein Frie- den unter den Einfluß der imperialistischen Elemente des Finanz- und Äolonialkapitals und der Kartellindustrie gemacht wird, deren Einfluß in den bürgerlichen Parteien bis heute so stark ist, daß ohne eine energische antiinilitaristische�Aktion der sozalstschen Ar- beiterklasse ein Frieden in unserem Sinn nicht denkbar ist. Alle Regierungen haben in dieser 5lriegszeit die Notwendigkeit kennen gelernt, von der sozialistischen Arbeiterbewegung unterstützt zu werden. So soll u. a. die Sozialdemokratie zur aktive» direkten Teilnahnic an der Feststellung der Fricdensbedingungen herangezogen werden. In den Ländern, wo sie einen Teil der hie- gierung ausmacht, kann dies der Fall sein, namentlich wenn sich die Vertreter der Partei in der Regierung nicht dazu hergeben, die Regierung mit ihrer Verantwortlichkeit zu decken, wenn diese sich in einer dem sozialistischen Willen entgegengesetzten Richtung be- wegt, aber auch die aktive Mitarbeit der Parlamente und aller darin vertretenen Parteien ist unbedingt zu fordern und die Tele- gationen der Regierungen zum Friedenskongreß in Ländern mit großen sozialistischen Parteien sollten auch sozialistische Vertreter enthalten. Auch die Aussichten der inneren Politik fordern die baldige Selbstbestiinmung der Sozialdemokratie und ihre Rückkehr zum.Kampf für ihre eigenen Ideale und gegen die Klassen uud Parteien, die den Burgfrieden permanent machen wollen als das beste Mittel, die sozialistische Arbeiterbewegung zu lähmen. Die erste Aufgabe der Partei wird Wohl sein, die vom Krieg geschaf- fenen neuen Möglichkeiten zur EntWickelung der Gesellschaft in sozialistischer Richtung voll auszunützen, damit sie nicht zur Vor- stärkung des absolutistischen oder bureaukratischen Staats und der Abhängigkeit der Arbeiterklasse gebraucht werden. Ich denke hier besonders an Deutschland, das eine ausgebreitete soziale Fürsorge hat, wo aber die Arbeiterklasse keinen ernsthaften Kampf zur Einführung des parlamentarischen Regimes geführt hat. Die völlige Verwirklichung der bürgerlichen Demokratie und des liberalen Staatsrechts wird in der kommenden Periode der Ausbreitung der Staatsmacht mehr als je nutwendig sein, da- neben eine gewisse Dezentralisation, Ausdehnung der Gemeinde Autonomie und Heranziehung der sozialen Organismen der Ar- beiterklasse wie Gewerkschaften und Genossenschaften zu den neuen Staatssunktionen. Ich weise ferner auf die dringenden aktuellen Fragen der ge- planten handelspolitischen Bündnisse, der.Steuerpolitik, der Kolo- nialpolitik, auf die Frauenfrage u. a. hin, die die Notwendigkeit der baldigen Wiederaufnahme der gemeinsamen Beratung der sozialistischen Parteien zeigen. Ich zweifle nicht daran, daß die Parteien auf einer sozia- listischen Friedenskonferenz auch zu einem Einvernehmen über die noch strittigen'Punkte kommen werden. Die sozialistischen Par- teien aller Länder haben von Anfang an jede Annexionspolitik ab- gewiesen. Die französische Partei hat sich auch gegen jenen Be- schluß der Pariser Wirtschaftskonferenz ausgesprochen, der die Fortsetzung des Wirtschaftskrieges gegen die Zentralmächte im Frieden bezweckt. Von den Verhandlungen der Vertreter der österreichischen und deutschen Sozialdemokraten habe ich den Ein- druck empfangen, daß sie ein Bündnis nicht zur wirtschaftlichen Bekämpfung der Entcnteländer, sondern zur Erleichterung des Verkehrs zwischen beiden Staaten anstrebrnz ich gebe utdes�zu, daß hier' eine Gefähr' besteht-und'begrüße' die Gelegenheit, die uns divise Konferenz bietet, uns über diese Pläne und über die Handels- Politik, die sich aus dem Friedensprogramm der Internationale er- gibt, auszusprechen. Parteigenossen! Als Sozialisten der neutralen Länder haben wir nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Pflicht, ohne Leiden- schaft und Haß gegen irgend eine Partei der Internationale die Notivendigkeit der Aktion für den Frieden zu besprechen. Sicherlich haben wir alle unsere Sympathien und Antipathien, aber in up- sercn Herzen lebt die Idee der Internationale gebietend fort und darum haben wir auch das Recht daraus, von den streitenden Par- keien gehört zu werden. So hebe sich diese Konferenz aus der rasenden See der nationalen Leidenschaften als ein Eiland, wo noch die Internationale wohnt I Dann wird von ihr ein starker Drang ausgehen nach dem Frieden zwischen den Sozialisten, der ersten Vorbedingung des Friedens zwischen den Staaten.(z) SozialiftenkonftrenZ. Aus dem Haag wird uns berichtet: Genosse Troelstra begrüßt die Delegierten. Nach einer Schilderung� der Wirkungen des Krieges führt er aus, daß die Sozialdemokratie in die Notlage mit hineingerissen worden sei, die den Burgfrieden schuf. Zwar mahnt sie überall zur Mäßi- gung und fordert Bereitwilligkeit zu einem dauernden Frieden, aber einen geschlossenen Kampf führt sie nicht. Die erste Vor- bedingung dazu, die internationale Verständigung, war bis heute nicht zu erreichen. In den kriegführenden Ländern hat sich eine Kriegsideologie gebildet, deren Einfluß sogar gewisse sozialistiche Kreise sich nicht ganz entziehen konnten. Es scheint, daß mancher Sozialdemokrat durch den herrschenden Burgfrieden die Kraft und Bedeutung der Arbeiterklasse als eines politischen Faktors ersten Ranges aus den Augen verloren hat. Schon von Anfang des Krieges an hat das Erekutiv-Komitee versucht, als Friedensvermittler zwischen den Parteien der Inter- nationale tätig zu sein. Die nationalen Antagonis- men(Gegensätze) waren aber bis heute noch zu stark. Es erwies sich sogar unmöglich alle Parteien der kriegführen- den Ländern zu Privatkonserenzen mit dem Exekutiv- Komitee zu bewegen. Es war namentlich die französische Partei, die, solange französischer Boden von den Deutschen besetzt sei, jede auch indirekte Unterhaltung mit der deutschen Partei ablehnte und sich von diesem Standpunkt nicht abbringen ließ. Der in- zwischen von mehreren angeschlossenen Parteien gestellten Forde- rung, eine vollständige Bureausitzung einzuberufen, hat das Exe- kutiv-Komitee nicht nachgegeben, in der Erwägung, daß ein miß- lungener Versuch nur vom Uebel sein könnte. Wir hoffen aber, daß es dieser Konferenz gelingen werde, die Bedenken gegen eine sofortige brüderliche Aussprache zwischen den Vertretern der durch die Politik ihrer bürgerlichen Regierungen geschiedenen Bruder- Parteien zu beseitigen. Aus dieser bedauerlichen Sachlage hat man von verschiedenen Seiten, besonders bei den vom Nationalismus berührten rechtsstehenden Genossen gefolgert, die Internationale sei tot. Auch auf gewerkschaftlichem Gebiet äußert sich dieses Bestreben, u. a. auf der Konferenz in Leeds, die einen Antrag auf Errichtung einer internationalen Gewerkschaftsunion in der Schweiz angenommen hat. Der Zweck scheint zu sein, die be- stehende, alle Länder umfassende Gewerkschaftsinternationale durch eine Teilunion zu ersetzen, deren Jnternationalität darin be- stünde, daß sie nicht mehr international wäre. Der„Tod" der Internationale, den man in diesen Kreisen predigt, bedeutet nur, daß der interuationale Gedanke bei ihnen selbst den Todesschlaf schläft. Die andere Todeserklärung der Internationale kommt von der linken Seite der Partei, wo man an die Notwendigkeit glaubt, die Taktik gegenüber der Nationalverteidigung und dem Militarismus in revolutionärem Sinn zu ändern. Zweifellos wird der Krieg eine gründliche Diskussion dieser Fragen zur Folge haben. Aber ich glaube, Latz sie nicht auf Sondcrkonferenzen einiger Gruppen und Parteien zu lösen sind und eine Stellungnahme noch zu verfrüht ist. Wenn die Zeit dazu gekommen sein wivd, wird die Internationale die Unzerstörbarkeit ihres Wesens eben dadurch zeigen, daß sie ihre Tätigkeit den neuen Verhältnissen anpassen und auch dort, wo die Meinungen auseinandergehen, die Einheit wahren wivd. Als Kundgebung des Friedenswillens und als Aufruf zur sozialistischen Selbstbesinnung habe ich die Konferenz von Zimmerwald be- grüßt. Ich meine aber die sozialistischen Arbeiter warnen zu müssen, gegen den Gebrauch, den gewisse intrausigente Kreise davon machen, iiin' das'Vertraüeii des Prolekäriaks zu"seinen Parteien und Organisationen zu untergraben und die Spaltung in die Par- teien. in die Internationale hineinzutragen. Wenn das, was wir in jahrzehntelangen Kämpfen an sittlicher mch intellektueller Er- Hebung, proletarischer Machtbildung, politischer Einsicht und Tat- kraft in den arbeitenden Klassen errungen haben, in den Stürmen des Weltkrieges nicht zugrunde gehen soll, ist es unbedingt not- wendig, die Einheit und das gegenseitige Vertrauen in den führen- den Kreisen so gut wie nur möglich zu wahren. Wohl ist der Höhepunkt der Kriegserfolge der Zen- tralen vielleicht überschritten, aber wie lange muß der Krieg noch dauern, damit die Ententemächte Deutsch- land gegenüber jene Position einnehmen, die dieses jetzt ihnen gegenüber hat? Es steht wohl fest, daß, je länger dieser Krieg dauert, desto mehr die Bedeutung der russischen Heere und damit des Zarismus für die Ententemächte zunimmt. Sind dies angenehme Perspektiven für uns Sozialisten? Und wird nicht eine so lange Fortsetzung des Krieges, als zu einer gründlichen Aenderung der Kriegskarte notwendig ist, soviel neue Opfer an Blut und Geld fordern, daß es ein Verbrechen würde, für jenen zweifelhaften Erfolg Europa zum Ruin zu führen? Wir verstehen die Chauvinisten und auch die Schwäche der Regierungen und der gemäßigten bürgerlichen Parteien ihnen gegenüber. Aber die Sozialdemokratie darf den herrschen- den Klassen nicht blindlings auf den Weg zum Verderben folgen, sondern muß in jeder Phase des K'rieges die Frage seiner Fort- setzung mit Hinblick auf seine Aussichten und auf die wirklichen Volksiuteressen prüfen und wir sind der festen Ueberzeugung, daß eine derartige Prüfung im jetzigen Augenblick dazu führen muß, daß die sozialistischen Parteien der verschiedenen Länder ihre Freiheit gegenüber den eigenen Regierungen und bürgerlichen Parteien zurücknehmen und sich miteinander über die Herbei- führung eines dauernden, d. h. auf den Hauptforderungen des internationalen sozialistischen Friedcnsprogramms aufgebauten Friedens verständigen. Dieses Programm, beruhend auf der Resolution des Inter nationalen Sozialistischen Kongresses von Kopenhagen llglO) ist während des Krieges von den französisch-engtisch-belgischen Par teien in London, von den österreichisch-deutschen Parteien in Wien, und von den skandinavisch-holländischen Parteien in Kopenhagen bestätigt worden. Dieses Programm von ISIO verpflichtet die parlamentarischen Vertretungen der sozialistischen Parteien zu wir ken für: „Obligatorische Schlichtung aller Konflikte zwischen den Staa tei» durch internationale Schiedsgerichtshöfe; fortwährende Arbeit in der Richtung der allgemeinen Abrüstung und vor allem für den Abschluß von Uebereinkommen zur Beschränkung der Rüstungen zur See und zur Abschaffung des Prisenrcchts; Abschaffung der Geheimdiplomatie; Autonomie aller Völker und ihre Verteidigung gegen jede Vergewaltigung und Unterdrückung." Dieses Friedensprogramm kann schwerlich seine Durchsetzung von der' Kriegsgewalt einer der kämpfenden Parteien erwarten, sondern nur von der Erkenntnis, daß der Krieg selbst sich überlebt hat, dank der Vervollkoininnung der Technik und infolge der Staateiigruppierungen, die keine» Sieg ohne den eigenen Rum zulassen. Kein dauernder Frieden also aus der Basis der„Kriegs- karte" oder der„Vernichtung des deutschen Militarismus". Der Militarismus aller Staaten soll vernichtet wer- d e n. In allen Ländern fordert man Garantien und einen Frie- den, der das vergossene Blut wert sei. Welcher Friede aber könnte bessere Garantie geben und das vergossene Blut besser vergelten, als einer, der den Krieg endgültig besiegt? Bis heute haben wohl die Mehrheiten der sozialistischen Parteien in Deutschland und Frankreich den Burgfrieden ernster genommen als dies von seilen der groß- kapitalistischen und reaktionären Parteien geschah. Freilich kann es Situationen geben, wo eben zur Bekämpfung der imperialisti Die defthlüjle üer neutralen Sozialisten- konferenz im Haag. Aus dem Haag wird uns vom 2. August gemeldet: Der letzte Konfereuztäg brachte die einstimmige Annahme ökonomischer und politischer Resolutionen. Die ökonomische lehnt den Wirtschaftskrieg ab und fordert vollen Freihandel. Die politische fordert erhöhten Kampf für politische Macht und Volkssouveränität. Sie erklärt die gänzliche Nieder- werfung einer Kriegsgruppe für zweifelhaft und unwünsch- bar. Sie fordert die Parteien zur Verständigung auf Grund des sozialistischen Friedensprogramms auf und erwartet die Bereitschaft der deutschen Partei, mit der französischen zu be- raten. Tie Partei soll überall direkte Teilnahme am Frie- densschluß erringen. Die Konferenz verwirft Spaltungs- tcndenzcn, sie billigt, daß die Exekutive die Vollsitzung ab- lehnte, solange ein Teil sich an der Beschickung weigerte. Sie erklärt sich für Einberufung einer Vollsitzung. (?) politische Uebersicht. Neue Kriegszielkundgebungen. Das Verlangen nach einer Eingliederung Bei- giens in das deutsche Machtgcbiet wird immer lebhafter und rücksichtsloser propagiert. In der„Post" deutet Octavio Freiherr v. Zedlitz und Neukirch die„nega- tive" Formulierung des Kricgszicls in der Berliner Rede des Professors Harnack vom 1. August ohne langes Besinnen in seinen: Sinne zurecht: „Soll Belgien keine britische Satrnpie werden, so muß es der britischen Macht- und tSinftutzsphäre entzogen werden. Das kann wirksam sicher nicht anders geschehe», als daß Belgien, soweit dies zu dieseni Zwecke erforderlich, der deutschen Macht und d e in deutsche» Einflüsse u» t c r w o r- fen wird. Darüber, wie weit die deutsche Macht über Belgien auszudehnen sein wird, kann man verschiedener Meinung sein... Daß es sich dabei nicht um rein vertragliche Sicherun- gen handeln kann, hat der Reichskanzler selbst auf das bündigste erklärt, indem er das Wort von den„realen Garantien für unsere Sicherheit" prägte." Wir verzichten darauf, in eine Diskussion dieser Aus- führungcn einzugehen. Ihnen steht zur Seite, �ja übertrifft sie an Bedeutung eine Kundgebung des Groß- admirals von Tirpitz, die von der„Kreuzzeitung" ............. ü_,________[,___ d______ �______|... W von der fchen Treibereien die'Sozialdemokratie die Regierung unterstützen � der breitesten Oeffentlichkeit unterbreitet wird. Es handelt muß, die jenen widersteht. Dies kann aber auf die Dauer nur 1 sich um die Beantwortung eines poetischen Grußes, der dem ehemaligen Leiter des Neichsmarineamtes zugegangen war. Der Schtub dieser Antwort tautet: »Möge das Verständnis in unserem Vaterlande zunehmen, daß das Deutschtum sich nur erhalten und durchsetzen kann, wenn wir aus diesem Kriege mit einer Stellung dem Lnglo-Ame- rikanertum gegenüber hervorgehen. Wir erlangen diese Stellung, wenn nicht England, sondern wir die Vormacht von Flandern werden." Angesichts einer derartigen unverhüllten Propaganda für bestimmte Kriegsziele wird es höchste Zeit, daß endlich auch denen, die mit ihren Anschauungen den hier geäußerten diametral entgegen st ehen, das Recht gegeben lvird, ihre Gegengründe uneingeschränkt zu entwickeln und ihre Forderungen zu vertre- t e n. Es muß Unheil anrichten, wenn die Vertreter weit- gehender Anncxionswünlche den Eindruck zu erwecken der- inögen, daß breite Kreise des Volkes hinter ihnen stehen. Es muß die Möglichkeit geschaffen werden darzutun, daß die Massen mit ihren Forderungen nichts zu tun haben wolle n._ Nachklänge zum 1. August. Die.Deutsche Tageszeitung' und ihr nahestehende Organe kommen noch immer wieder aus die Kundgebungen des National- auSschusscS zurück, um darzutun, daß sie ei» völliger Miß» erfolg gewesen wären. Tatsächlich wird man diese Kundgebung auch kaum anders nennen lönncn. Das Blatt dc§ Herr» v. Revcnllow schreibt über die geringe Beteiligung an den Ver- sammlungen: „In Kiel mußte die Versammlung überhaupt fallen gelassen werden, weil der Kartenverkauf zu dürftig war: die„rein lokalen' und.technischen' Giünde, die noch an anderen Orten zu einer Absage derVersammlung führten, dürften auch wohl verwandter Natur geweicn sein. Ganz ausfällig schlecht war der Besuch der Versamm- lungen beispielsweise in Chemnitz, Darmstadt, Saarbrücken und verschiedenen anderen Städten im Westen. Redner wie die Herren Dr. Pieper in Essen und auch Dr. Pfeiffer, die sonst volle Häuser gewohnt sind, fanden diesmal»nr recht mäßigen Zulauf, und Herr Stegerwald mußte in Elberfeld, nachdem man für den ursprünglich in Aussicht genommenen großen Saal der Stadtballe schon den kleineren Kaisersaal gewählt halte, vor ganzen 1S0 Personen sprechen.' Natürlich verabsäumt das Blatt nicht, im Anschluß daran auch noch wieder ausdrücklich hervorzuheben, daß an verschiedenen Orten, das erschienene Publikum mehr auf Seite der.Unentwegten' als auf Seile des NationalauSschusses gestanden haben dürste. ES liegt ober natürlich auf der Hand, daß dies für die Slimmung im Volke gar nichts besagen will. Die Massen haben ja an den Kundgebungen des NationalauSschusses überhaupt nicht teilgenommen. Nicht ohne Bedeutung ist, daß in Bonn neben der Verianim- lung des Nationalausschusses am 1. August auch noch eine andere statt» fand, für die der liberale Bürgervercin die Genebmignna erhalten hatte. Hier sprach der Prorektor der Universität, Geheimrat Landsberg. Laut dem Bericht der.Kölnischen Zeitung' führte LandSberg u. a. aus: Glaubt man durch Zerstückelung fremder Ge- biete oder Ausdehnung unseres Gebietes ins Ungemesiene hinein den Frieden auch nur für lange Zeit zu sichern und die Feinde von neuen KriegSgreueln abzuhalten? Der Gegner muß selbstverständlich mögltchst uligünstig gestellt werden, dafür müssen die FriedenSbcdingungcn die nötige Gewähr bieten, dafür dürfen wir auf unsere Waffen und auf unsere leitenden Männer rechnen. Weg aber mit dem Schlagwort, daß wir die Waffe erst aus der Hand legen dürfen, wenn wir den Feind zerschmettert haben. Weg auch»til dem Schlagwort, den Gegner weitgehcirder Erober uirgspolitik schwach zu schelten. Hclßt Vernunft Schwäche, ist Vorsicht Schwäche?... Aber wir teilen auch mit dem Kaiser uii- erschültcrlich„die Zuversicht, daß Deutschland trotz der Ucberzabl der Gegner unübertvindlich ist". Unübertolndlich gerade deshalb, weil wir mit unseren noch so berechtigten Ansprüchen Maß zu halten wissen werden. Denn nicht durch die Herrschaft über fremde Völker und Länder, nicht durch Unterjochung fremder Nationen und Vernich- rung fremder Eigenart, sondern durch Behauptung und Pflege unserer vaterländischen Art wollen auch wir im Bürger- rock eS erreichen, daß Deutschland erhaben über allen Völkern dastehe. Die„Kölnische Zeitung' bezeichnet die Rede alz„sehr ernste Mahnworle'._ „Ter schlimmste Frcinb". Unter dieser Stichmarke faßt die„Berliner Volksztg.' er- ncut die Gründe zusammen, weshalb die rechtsstehenden Gruppen mit der Politik des Kanzler? unzufrieden sind. Erstens wünscht man keine innere Neuorientierung. Zweitens ist man un- zufrieden, daß der Kanzler„um Amerikas willen den U n t e r s e e- bootkrieg nicht mehr mit derselben Wucht führen läßt". Drittens hält man England für den schlimmsten Feind Deutschlands und betrachtet den Kampf gegen ihn als die wichtigste Aufgabe des Krieges. „Es ist eine völlige Verschiebung"— bemerkt hierzu die„B. V." —„wenn man jetzt England statt Rußland zu unserem Haupt- feind inacht. Sowohl Lloyd George wie Churchill haben erklärt, bis zum Krieg war das Verhältnis zwischen England und Deutschland in den letzten Jahren recht gut gewesen. England fürchtete nur, wir würden seine BundeSgenosien mit Leichtigkeit niederwerfen und dann in Europa die Hegemonie erlangen." � Diese Ausführungen des liberalen Blattes haben natürlich sofort die„Kreuzztg." auf den Plan gerufen. Nach dem ziemlich durch- sichtigen Hinweis darauf, daß die„Berliner Volksztg." zurzeit im Straßenverkauf usw.(!) an die Stelle des„Berliner Tageblattes" getreten" sei, schreibt das konservative Blatt: „Auch dieser Artikel ist wieder ein Beweis dafür, daß, wie es ja auch in den Versammlungen des„Naiional-Ausschusies" ge- schehen ist. die Polemik, von der diese Blätter stets betonen, wie schädlich sie sei, doch gerade immer von d i es c r Seite wieder auf- genommen werde." Auf die Frage der„Neuorientierung" übergehend, bemerkt das konservative Blatt lakonisch: «Wir brauchen darauf nicht abermals näher einzugehen, nach- dem wir erst gestern an dieser Stelle betont haben, daß die Neu- Orientierung eine Angelegenheit sei, die nach dem Kriege ihre Erledigung zu finden habe." Wir haben bereits gestern die diesbezüglichen Aeußerungen der „Kreuzztg." wiedergegeben, deren unzweideutiger Charakter durch die obenstehende schroffe Absage noch besonders unterstrichen wird. AuS- führlicher wendet sich das konservative Blatt dann gegen die Vorwürfe der„B. V." in der Frage des Unterseebootkrieges, ohne freilich der bekannten Argumentation der Befürworter des rücksichtslosen Tor- pedierenS etwas Neues hinzuzufügen, lieber die dritte Frage endlich, der Frage des„HauptfeindeS", schweigt die„Kreuzztg." sich diesmal aus. Allein auch ohnedem dienen ihre Ausführungen, natürlich gegen ihren Willen, der weiteren Klärung der Frage, wer der„schlimmste Feind" deö deutschen Volkes ist._ Die Wirtschaftsverbände und der Nationalanöschust. Der Berichterstatter der„Tijd" in Köln schreibt(laut„Rhein.- Wests. Ztg.") seinem Blatte: „Wie man weiß, hatten die sechs wirtschaftlichen Verbände in Deutschland ein Kriegsziel aufgestellt, das durch die Annexion von erobertem Gebiet, Ausbreitung der deutschen wirtschaftlichen Macht und Vergütung für die Kriegsvcrluste viel weiter ging, als das jeitenS des Reichskanzlers in allgemeinen Zügen dargelegte. Mir wird jetzt„aus bester Quelle" mitgeteilt, daß diese Verbände ihre Forderungen einer Revision unterworfen haben. Sie verlangen jetzt nur noch eine Ausdehnung der Grenzen im Osten und Garan- tien im Westen. Inzwischen ist im„Deutschen Nationalausschuß", der gegründet wurde, um die Politik des Reichskanzlers zu unter- stützen, eine Strömung zu bemerken, um unter dem Drange der militärischen Ereignisse das vom Reichskanzler ausgesprochene Kriegsziel noch mehr einzuschränken. Die Ausdehnung der Grenzen im Osten würde so ausgelegt werden, daß wirtschaftliche Vorteile in einem ziemlich sclbststäiidigen Polen verlangt werden, wenn die Russen gewisse besetzte Gebiete enträumen, und daß die „wirklichen Garantien im Westen" nicht in Festungen, sondern in einer internationalen Regelung bestehen würden, die für alle Staaten bindend sein sollte." Die„Rhein.-Westf. Ztg." bemerkt hierzu:„Eine höchst unklare und zweideutige Geschichte. Hoffentlich enthalten die rednerischen Visitenkarten des Ausschusses einige Tatsachen, die sich über das all- gemeine Getratsche von„Sicherungen und realen Garantien" er- heben. Sonst ist es an der Zeit, daß man die Ueberflüssigkeit und deshalb Schädlichkeit dieser„Wedel-Schöpfung" energisch betont."— ES ist auffällig, daß daS Organ der Schwerindustriellen nur die Forderungen des NationalauSschusses kritisiert, sich aber nicht gegen die Behauptung wendet, die sechs Wirtschaftsverbände hätten ihre Kriegsziele einer Revision unterworfen.(?) Bedenklicher Vorschlag. In der„Deutschen Tageszeitung' entrüstet sich Graf R e v e n t- l o w über die Worte, die Grey über die Regelung det Lebensmittel- einfuhr in die von den Deutschen besetzlcn Gebiete sprach, und nennt die Forderung einer neutralen Kontrolle über die Verwendung der Bodenerzeugnisse in den besetzten Ländern eine.llassische Unver« schämthcil'. Er nimmt dann diesen Anlaß wahr, um eine Forde- rung der„Rheinisch-Westsälischen Zeitung' aufzugreifen, die dahin ging, daß man einen Teil der Bevölkerung der be- setz ten Gebiete„nur zu veranlassen brauche, ihr Land zu verlassen und zu ihren Freunden überzugehen, um damit jede Ernährungksrage für das deutsche Volk auszuschalten'. Gras Revcnllow läßt die Frage offen, ob heute schon eine Notwendigleit in dieser Richtung vorliege; unzweifelhaft erscheint ihm aber, daß nach Lag« der Dinge wirtschaftlich und politisch nichts im Wege stünde, und der Vorschlag scheint ihm von großem Werte. Wir glauben— von manchen anderen Bedenken ganz abge- sehen— nicht, daß es dem deutschen Ansehen und der denlschen Kriegführung sehr günstig wäre, wenn die verantwortlichen Stellen zu einer solchen Gcwaltmaßnahme greifen und Hunderttausende, vielleicht Millionen friedlicher Bewohner der besetzten Gebiete zwingen würden, Haus und Heimat zu verlassen.(?) Ein Erzbischof tibcr Krieg und Frieden. Der Kardinalcrzbischof von Köln hat die Kinder seiner Diözese zu einem Gebets siurm für den Frieden aufgefordert. In dem Hirtenbties Ilagt er über das Kriegsclciid und beantwortet die Frage nach den Kriegsursachcn mit den Worten:.Der Krieg ist eine harte Strafe, die Gott über die Menschen kommen läßt, iveil so viele Gott den Herrn durch Sünde b e- leidigt haben.' Er gibt aber zu, daß der Krieg auch.eine schwere Prüfung für die Gute» und Unschuldigen' sei. Der Kardinalerzbischof gibt seiner Austordcrung zum ver- stärkten Beten folgende Ergänzung: „Aber vielleicht wollt ihr mich fragen: Wir haben eS getan und es ist dock Krieg geblieben und kein Friede gekommen. Ihr habt Recht, lieb« Kinder l Aber nun frage ich euch: Warum ist denn noch lein Friede? Ich will cS euch sagen: Weil wir alle noch nicht genug, oder noch nicht gut genug gebetet haben: und weil der gerechte heilige Gott noch nicht genug versöhnt ist wegen der vielen Sünden, die den Krieg verschuldet haben: und weil Gott sieht, daß die Menschen noch nicht verdienen, daß der Krieg aushört und Friede kommt. Darum müssen wir alle, auch ihr Kinder, noch braver werden und mehr und besser beten und Gottes ge- rechten Zorn besänftigen.'_(?) (Gewerkschaftliche Kundgebungen. Die offiziöse bayerische Korrespondenz Hoffmann meldet: die Konferenz christlich-nationalcr Arbeiter- f ü h r e r, die heute in München tagte, befaßte sich nach einem Vortrag des Generalsekretärs Stegerwald mit den gegenwärtig schwebenden Fragen. Das Ergebnis der Konfc- renz ist dahin zusammenzufassen, daß die christiich-nationale Arbeiterbewegung die gegenwärtigen Treibe» reien gegen die Reichsleitung aufs allerentschic- denste mißbilligt und die Arbeiter warnt, mit ver- lockenden Scheingründcn sich zum Schleppenträger der politi- schen Reaktion gebrauchen zu lassen. Von der Rcichslcitung erwartet die christliche Arbeiterschaft Bayerns, daß auch die Wünsche der Arbeiterschaft künftig in Teutschland eine ange- mcssene Berücksichtigung erfahren. Im Anschluß an diese Mitteilung dürfte folgende Mel- dung des„L o k a l a n z e i g c r s" von Interesse sein. Dem Blatte wird unter dem 4. August aus München gedrahtet: Eine Besprechung der Vorstandsmitglieder deö Kriegs- ernährungSamtcs Generalsekretär Stegerwald und August ernährungsämter Oeneralsekretär Steigerwald und August Müller in Hamburg mit Vertretern der christ- lichen und freien Gewerkschaften ergab, daß die Gewerkschaften die gegenwärtigen Treibereien gegen die Reichs- leitung auf daS allercntschiedenste mißbilligen. Der„Lokalanzciger" bringt diese Nachricht am Schlüsse eines längeren Berichtes über eine von den freien und den ch r i st l i ch e n Gewerkschaften Münchens veranstaltete gemeinsame Versammlung und versieht seinen Bericht mit der triumphierenden Uebcrschrift:„Freie und christliche Gewerkschaften Hand in Hon b." Wenn an der Tatsache der Münchener Versammlung, die eine rührende Jdeengemeinschaft der Teilnehmer ergab, nach diesem Bericht nicht zu zweifeln ist, so bedarf die Meldung über eine Besprechung Stegerwalds und August Müllers mit»Ver- tretcrn der christlichen und freien Gewerkschaften", soweit sie auf die freien Gewerkschaften Bezug nimmt, dringend weite- rer Aufklärung._ Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstags. Mit dem 12. Januar 1S17 endet die Legislaturperiode dieses Reichstages und verfassungsmäßig müßten zu diesem Termin die Neuwahlen vorgenommen werden. Daß dies nicht möglich sein wird, darüber herrscht Uebereinstimmung zwischen allen in Betracht kommenden Faltoren. Unter dem Druck des Belagerungszustandes ist ein Wahlkampf eine Unmöglichkeit. Die.Köln. Volksztg.', die sich gleichfalls mit dieser Frage befaßt, sagt: .Es fragt sich, auf wie lange die Legislaturperiode zu verlängern sein wird. Man wird geneigt sein, zu antworten: Solange, bis wenigstens der größte Teil der jetzt im Felde stehenden Wähler an den Neuwahlen teilnehmen kann. Auch nach dem Friedensschluß wird ein großer Teil dieser Wähler kürzere oder längere Zeit außer- halb der Grenze des Deutschen Reiches festgehalten und dadurch an der Teilnahme bei den Neuwahlen gehindert sein. Es ist aber sehr schlver, beute schon zu übel schauen, bis wann unier diesem Gesicht-» Punkt der Termin für die Neuwahlen hinausgeschoben werden muß. Zweifellos wird man so dazu kommen, die Legislaturperiode zu- nächst um ein Jahr zu verlängern. Das weitere muß sich dann später finden.' Ter von der.Tägl. Rundschau' vertretene Vorschlag, die Por- teien sollten durch einen gemeinsamen Antrag die Verschiebung der Wühlen fordern, wird von dem Zentrumsblait abgelehnt. Mit vollem Recht— es ist Sache der Regierung, dem Reichstag eine Vorlage zu unterbreiten. Die.Kölnische Volksztg.' ermahnt ihre Anhänger: .Namentlich ist die sorgfältige Aufrechterhaltung d er Parteiorganisation in allen ZentrumSwahlkreisen un- bedingt notwendig und sollte nirgendwo vernachlässigt werden.' Ein Pluralwahlrecht zum Reichstage? Die„Deutsche Tageszeitung" kommt auf die Ausführungen des Abgeordneten Kanzow in Königsberg zu- rück, wonach die Absicht bestehe, für Preußen ein Pluralwahl- recht einzuführen. Das agrarische Blatt stellt fest, daß der Gedanke, unseren Kriegern eine Pluralstimme bei Wahlen zu geben, schon vor langer Zeit in der„Süddeutschen Konservativen Korrespondenz" ausgesprochen worden ist, und zwar habe sich dieser Vorschlag auf die R ei ch s t a g s Wahlen bc- zogen._ Reichstagswahlrecht nicht Pluralwahlrccht für Prcustcn. Nach Zeitungsmeldungen sollte der fortschrittliche Landtags- abgeordnete Kanzow kürzlich in Königsberg den Gedanken der Tin- führung eines Pluralwahlrechts für die preußischen Landtags- Wahlen erörtert und dabei gefordert haben, daß jedem Kriegsteil- nehmer eine Pluralstimme zugebilligt werde. Wie die„Königs- berger Hartungsche Zeitung" jetzt meldet, beruht diese sonderbare Wahlrechtsforderung eines Fortschrittlers auf einem Druck- fehler. DaS Königsberger Blatt schreibt: „Durch den Fortfall einer Druckzeile(in dem Bericht über die Rede KanzowS) ist zur Frage der preußischen Wahlreform der Satz entstanden:„Der liberale Antrag geht aufs Pluralwahlrecht." Richtig muß cS heißen:„Der liberale Standpunkt verlangt gründ- liche Reform und hält fest am Reichstagswahlrecht. Ein im Ministerium des Innern vorbereiteter Regierungsantrag gebt auf das Pluralwahlrccht." Abgeordneter Kanzow betonte ausdrück- lich,»ie sehr sich bei der Opferwilligkeit des Volke« in diesem Kriege die Grundlage des Reichstagswahlrechts bewährt hat. Er fügte hinzu, daß, falls eine Regierungsvorlage das Pluralwahlrecht bringen sollte, er in unserer Landtagsgruppe darauf hinwirken werde, daß die Fortschrittliche Volkspartei dann den Antrag stelle, jedem Kriegsteilnehmer eine Pluralstimme zu geben." Der Druckfehler hat Herrn Kanzow allerdings bös mitgespielt, aber ganz unschuldig ist er an dem Mißverständnis nicht. Wenn er schon die Einführung des Reichstagswahlrechts für Preußen ver- tritt, dann sollte er sich nicht so leichten Herzens mit dem Plural- Wahlrecht abfinden, und eS gar noch jetzt schon durch Verbesserungs- antrüge schmackhaft zu machen versuchen. Man mutz allerdings dann zu der Uebcrzeugung kommen, daß der Widerstand des Herrn Kanzow gegen die Einführung des PluralwahlrcchtS nicht allzu erheblich fein werde. Ein gemastregelter Ncichstagsabgeordncter. Der ReilbStagSabgcordnete Kreislierarzt LövSque in Saar- bürg, der dem Reichstag al«„unabhängiger Lothringer" angehölt«. ist nach der„Voss. Ztg." dieser Tage seiner amtlichen Stcl- lung enthoben und ihm für die Dauer deS Krieges ein Ort in Pommern als Wohnsitz angewiesen worden. Ursache zu dieser Maßnahme der Behörde war das Verhalten Lövöques, der wahrend der Rückfahrt von Berlin, wo er den Sitzungen des Reichstages bei- gewohnt hatte, unvorsichlige und mindesten» mißverständliche Aeußerungen über die Kriegslage und die Kriegs« mittel getan hatte._ Landtagsabgcordneter Tumrath gefallen. Der nationallibcrale LondtagSabgcordneie D u m r a l h, Ver- treler deS WahllreiicS Sollau-Fallmgbvstel, ist. wie aus Hannover gemeldet wird, als Oberleutnant im Osten gesallen. Regelung des Gummisaugerbezuges. Nach einer vom Bundesrate beschlossenen Verordnung müssen die aus dem Ausland eingeführten Gummisauger für Säuglinge an die Handelsgesellschaft deutscher Apotheker in Berlin(Hagcda) geliefert werden. Durch Vermittlung der Gnmmi-Rohstofs-Abtci- lung des KriegsministcriuinS und der Hagcda werden die ferner- hin im Inland zur Herstellung gelangenden und die aus dem Aus-. land eingehenden Gummisaugcr den Apotheken zur Abgave geliefert werden. Dort sind sie zum P r e i s e v o n 3 5 P f. für das Einzelstück Jnlaudware käuflich. Ausländische Gummisauoec werden voraussichtlich zum gleichen Preise erhältlich sein. Die Sauger dürfen regelmäßig nur gegen Vorzeigung des Gcburts- scheins und nur für solche Kinder, die nicht über ein Jahr alt sind, abgegeben werden, und zwar aus Sparsamkeitsrücksichtcn für ein Kind das erstemal nicht mehr als zwei Sauger, fernerhin aber nur gegen Rückgabe der früher bezogenen, damit daraus neue gefertigt werden können. Der Verkauf von Saugern aus Ersatzstoffen sü: Gummi ist nach wie vor freigegeben. veutfchlauös Wirtschaftsbilanz. Die„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht einen mehrere Spalten umfassenden Artikel, der eine Wirtschaftsbilanz Deutschlands seit Ausbruch des Krieges darstellt. Der Artikel betont zunächst, daß England noch immer an dem Gedanken festhält, daß Teutschland und seine Verbündeten aus den ihnen zur Verfügung stehenden Gebieten nicht die Kräfte ziehen können, um einmal den Krieg Jahre hindurch erfolgreich durchzufechten und femer gleichfalls Jahre hindurch das wirtschaftliche G.eichgewicht seiner Zivilbevölkerung einigermaßen aus- rechtzucr�llten, und um endlich am Kricgsschluß und nachher noch zu weltwirtschaftlicher Bedeutung fähig zu sein. Diese Auffassung Eng- lands wird nun in dem Artikel eingehend zu widerlegen versucht. ES wird gesagt:.. „Als hior vor etlichen Wochen die beispiellos ungünstigen Ziffern der Ernte von 1915 mitgeteilt wurden, wiesen wir darauf hin, daß in jenen Zahlen der unumstößliche Beweis des Scheiterns des briti- schen Aushungerungsplanes nicht nur für dies Jabr, sondern für jede mögliche KriegLdauer enthalten sei. Denn ein kleinerer Ertrag deS deutschen Ackers als der vorjährige, ist auch bei stärkster Ungunst der natürlichen Voraussetzungen nicht zu erwarten; und mit dieser Minimalernte sind wir durchgekommen, aus ihr haben wir noch er- hcbliche Zubuße für die von den zurückflutenden Russen zerstörten Besetzungsgebicte des Ostens abgegeben, die sich schon vom kommen- den Herbst ab selbst vermehren, un? nach Deckung ihres eigenen Be- dcrrfs vielleicht sogar gewisse Mengen zurückerstatten können. Die deutsche Ernte wird zum mindesten eine gute Mittclernte sein. d. h. sie wird mehrere Millionen Tonnen mehr in unsere Scheunen lieicrn als die letzte." Die Behauptung eines englischen Blatte?, daß wir un,er Vieh schrittweise aufzehren, wird zurückgewiesen und betont, daß wir eine glänzende Futterernte haben und daß uns allein an Gerste mindestens eine Million Tonnen mehr zur Verfügung stehen wird als im Vor- jähre, und daß nach den nunmehr abgeschlossenen Vorarbeiten in der nächsten WirtschafrSperiode mehrere Hunderttausend Tonnen hoch- wertiger Kraftfuttermittel aus Stoffen erzeugt werden, die bisher zum Teil als gänzüch wertlos galten. Im übrigen— wenn das deutsche Volk durch den Hungerkrieg in tief eingreifende, seine Ge- fundheit und Lebenskrast schädigende Entbehrungen gestürzt werden könnte, so müßten sie in den letzten Wochen eingetreten sein, in der schwierigsten Zeit der Versorgung am Ende der ungünstigsten Ernte- Periode, die wir seit vielen Jahren hatten. Der Artikel sagt dann weiter: .Unser Volk als Ganzes mutz sich zwar beschränken, leidet aber auch jetzt keine, unser Durchhalten gefährdende Not. Dafür statt vieler nur zwei bündige Beweise: In einer Anzahl von Städten wird setzt die Massenspeisung eingerichtet, die für ganz billiges Geld, für Summen, die jedermann leicht aufbringen kann, auskömmliche, näbrwerti�che Mahlzeiten liefert. Allgemein wird nun beobachtet, dah die Zahl der Anmeldungen für diese Speisegemeinschasten sehr gering ist. Gcwitz spielt dabei Vorurteil und Mitztrauen eine grohe Rolle; aber würde dringende Rot dieses Vorurteil nicht sehr rasch niederschlagen? Eine andere, nicht minder beweiskräftige Tatsache: Die Krankheitsziffern unserer Krankenkassen sind niedriger als im Frieden, obwohl in der Mitgliedschaft ältere Leute und Frauen weit stärker vertreten sind; ebenso sind die bürgerlichen SterblichkeitS-, vor allem die relativen Säuglingssterblichkeitsziffern, autzergewöhnlich klein. Wir haben rund sieben Achtel unserer bisherigen Kriegsausgaben durch Anleihen, durch so gut wie ausschlietzlich im Jnlande unter breitester Beteiligung des ganzen Volkes aufgebrachte Anleihen ge- deckt; den Rest nicht etwa durch Papier, sondern in der Form schwe- bender Schulden auS Anlage suchenden Mitteln deS deutschen Kapital» marktes. In wenigen Wochen werden wir auch diese schwebenden Darlehen in feste Anleihen verwandelt� Wo ist auf der Gegenseite der Staat, der seine KriegSauZgaben gleich restlos fundiert, in der Heimat fundiert hat? Wir haben unsere wirtschaftliche Kriegsbilanz mit aller Offen- heit klargelegt; denn in ihr ist nichts, was es zu verheimlichen oder zu vertuschen gäbe. Wir haben den Beweis geführt, datz der Rahmen unserer wirtschaftlichen Arbeit nicht schmäler, sondern breiter, ihr Pulsscklag nicht schwächer, sondern stärker wird. Beharren die Vier- vcrbandSmächte darauf, die Standfestigkeit unserer Kriegswirtschaft noch weiter auf die Probe zu stellen, so werden wir auch diese Probe bestehen, wenn ivir es auch auf das tiefste beklagen, datz das Grauen dieses Krieges fortdauern mutz. Auf unsere Feinde allein fällt die Schuld des weiteren Blutvergietzcns." Vas tägliche Srot. Bekanntmachung zur Sicherstcklung des Kartossel« Verbrauchs. Das Kriegsernährungsamt veröffentlicht eine „Bekanntmachung über die Verpflichtung der Kommunalver- bände und der ßartoffclcrzeuger zur Sicherstellung und Abgabe von Kartoffeln". Es werden darin die 5l'artoffelmengen anheglchen, die vou den Provinzial-Kartoffelstellen, Landes- kartoffelstcllen und Landcsbehördcn sicherzustellen sind. Von den weiteren Bestimmungen sind die wesentlichsten: Die Vermittlungsstellen haben zur Durchführung der Sicher- stelluna die im§ 1 genannten Mengen auf die Kommunalverbände ihres Bezirks nach Anweisung der Pcichskartoffclstelle zu verteilen. Di« Kommunalverbände haben die ihnen zur Sichcrstellung aufgegebenen Karwffelmcngen auf die Gemeindebezirke unter- zuverteilen. In den Gemeinden erfolgt die Untcrverteilung auf die Kartoffelerzeuger durch den Gemeindevorstand. Die Kommunal- verbände können verschreiben, daß Kartoffelerzeuger, deren gesamte Kartoffclanbaufläche kleiner ist als 10 Ar, bei der Untervertcilung freizulassen sind. Die Kommunalvcrbände können bei den Kartoffelerzeugern auch diejenigen Mengen sicherstellen, die zur Deckung des eigenen Bedarfs des Kommunalvcrbandes erforderlich sind. In diesem Falle sind der Bcdarfsbcrechnung höchstens l'A Pfund Kartoffeln auf den Kopf und Tag der versorgungsberechtigten Bevölkerung für die Zeit vom l(3. August 1010 bis 15. August 1917 zugrunde zu legen. Die Kartoffelerzeugcr haben ihre Kartoffelvorräte pfleglich zu behandeln und dürfen sie in Höhe der bei ihnen sichergestellten Mengen nicht verbrauchen noch durch Rechtsgeschäft darüber ver- fügen. Wer den Bestimmungen im Absatz 4 oder den Anordnungen des Kommunalverbandes oder der Gemeinde über die Sicherstellung und Abgabe der sichergestellten Kartoffeln zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1V00 Stark bestraft. Neben der Strafe können die Vorräte, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, emgezogen werden, ohne Unterschied ob sie dem Täter gehören oder nicht. Die Bekanntmachung über da« Verfüttern von Kartoffeln vom 8. Juni 1910(Neichsgefetzblatt S. 440) wird aufgehoben. Tie Kölner„Kartosiclnot". Wir haben bereits gestern einer Zuschrift auS Köln Raum ge- gebe», in der— sagen wir gelinde: sehr sonderbare— Zustände bei der Llanoffelversorgung dieser Stadt dargestellt waren. Diese Zuichrisl findet ihre Bestäligung durch die folgenden Mitteilungen über eine Sitzung des Kölner SiadtverordnetenkollegiumS, in der jener gefährliche.Kartoffclsegen" zur Sprache kam. Der Lebens« mitteldezernent legte dar. datz mehr als die Hälfte der heranfluten- den Kartoffeln verdeiben. An einem Tage find 112 Doppel- Waggons auS Sachsen angekommen. Bei den unmätzig hohen Preisen suchten die Bauern die Kartoffeln zum Teil halbreif los zu werden. Zahlenmätzig wies der erste Beigeordnete Adenauer nach, dah die Provinzial-Kartoffelstcllen entsprechend den amtlichen Höchstpreisen den Bauern einen unr mehr als doppelt so hohen Preis zahlten, als zu welchem die Stadt Köln seinerzeit mit den Landwirien abgeschlossen hatte. Bei Köln ernten laut den Angaben des Ersten Beigeordnetes Bauern auf einem Morgen Land bis zu 159 Zentner Frühkartoffeln, bösen also brutto bis zu 1800 Mari. Das sei bei der überreichen Ernte ein ungeheurer Betrug. Oberbürgermeister Wallraf be- zeichnete die jetzigen Zustände in der Kartoffelvenorgung bei aller Zurückhaltung gegenüber den zentralen Stellen als nahezu unerträglich und sagte den Stadiverordnclcn zu, nötigenfalls persönlich nach Berlin zu fahren, da es doch nicht mit anzusehen sei, wie Unmengen Kartoffeln verderben. Militärische Hilfe für Erntcarbciten. In einem lürzlich ergangenen tclcgrophnchen Er last an die Oberpräsidenlcn macht der Minister des Innern auf die autzer- ordeniliche Wichiigkclt einer schnellen und vollständigen Bergung der diesjährigen Er nie aufmerksam. Wo Arbeitskräfte nicht ausreichen, müsse militärische Hilfe angefordert werden. Die Stellvertretenden Generalkommandos werden nach Mitteilung des Kriegsministeriums solche Hilfe bereitwillig stellen, soweit die mili- tärilchen Vcrhältniffe dies irgend zulassen. Einsammeln von Sonncnblmnenstengcl. DaS LandwirtschaftSmiliisternim teilt mit: Infolge deS Krieges ist die Einfuhr geschnillener Schalbretter, die im Bauwesen als Holzschalung für Decken und Fachwerkwände Verwendung finden, stark beeinträchtigt. AI« Ersatz hierfür eignen sich, wie von sach- kundiger Seite mitgeteilt wird, die Sonnenblumcnstengeb welche bisher nur als Brennmaterial dienten. Durch Verwendung der Sonnenblumenstengel im Bauwesen würde nach Angabe Sach- verständiger eine beträchtliche Mchrcinnahme beim Sonnenblumen- anbau erzielt werden löuncn. Mus See Patlei. Bezug der„Partei-Korrespondenz". AuS einigen Wahlkreisen wird uns mitgeteilt, datz die Organi- sationsleitungen in letzter Zeit die„Sozialdemokratische Partei- korrespondenz" an die bisherigen Bezieher nicht mehr liefern, wohl weil sie den von ihnen«inseitig informierten Genoffen das in der .Partei-Korrespondenz" enthaltene, zur Beurteilung der politischen Vorgänge im In- und Auslände wichtige und notwendige Material vorenthalten wollen. Der Partcivorstand ist überzeugt, dah die von dieser Matzregel betroffenen Genossen mit einer solchen Bevor- mundung nicht einverstanden sind, und ist deshalb bereit, Partei- funktionären, die bisher die„Sozialdemokratische Parteikorrespondenz" bezogen haben, sie jetzt aber nicht mehr erhalten, dieselbe weilerzullefern. Wir ersuchen die betreffenden Genossen, ihre Adresse an die Expedition der„Sozialdemokratischen Partei- korrespondenz", Berlin SW. 08, Lindenstr. 8, 3. Hof, 4 Tr., ans- zugeben, damit für die weitere Lieferung der„Partci-Korrespon- denz" Sorge getragen werden knin. Berlin, den 4. August 1910. Der Parteivorstand. Aus den Lrgauisativnen. Eine stark besuchte Mitgliederversammlung des Sozialdemo- kralischen Vereins für den Kreis Mörs-Rees(Bezirk Niederrhein) nahm ein Referat des Genossen Ebert über die Vorgänge in der Partei entgegen und beschlotz einstimmig nachstehende Resolution: „Die am 31. Juli tagende, stark besuchte Mitgliederver- fammlung erklärt sich mit dem Referat des Genossen Ebert-Berlin über die Vorgänge in der Partei vollinhaltlich einverstanden. Die Versammlung verurteilt aufs schärfste die Zerstörungs- arbeit an der Parteiorganisation und betrachtet dicS als«in Verbrechen an den Interessen deS Proletariats. Die versammelten Parteimitglieder geloben nicht nur für die Aufrechterhaltnng, sondern auch für die weitere Ausbreitung der Parteiorganisation und Presse im Kreise zu wirken. Von der in Aussicht stehenden ilieichskonferenz erwartet die Versammlung, datz sie Mittel und Wege finden möge, durch die die innere Geschlossenheit der Partei sichergestellt wird, damit diese ihre grotzen und dringenden Aufgaben erfolgreich für das Prolc- tariat während und nach dem Kriege erfüllen kann." Verurteilung wegen Unterschlagungen. Am 3. August wurde vor der Strafkammer des Dresdener Landgerichts der frühere Geschäftsführer der„Dresdener Volks- zettung" wegen Veruntreuung von 98 000 M. zu Jahren Ge- ftingnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Wegen der hohen Strafe erfolgte sofortige Verhaftung. Der Verurteilte gab an, zu den Veruntreuungen durch die Sorge um seine Familie bewogen worden zu sein. Die„Dresdener Volkszeitung" erleidet keinen Schaden; es wurde von seinen Angehörigen voller Ersatz geleistet. Soziales. Sind vom Arbeitgeber gezahlte Unterstützungen steuerpflichtig? Diese von uns stets verneinte Frage ist auch in einem von dein Verein für Handlungskommis von 1858 veröffentlichten Erkenntnis des Obervcrwaltungsgerichts verneint. Von vielen Firmen werden die Familien der einberufenen Anaestelltcu dauernd unterstützt. Die Höhe dieser freiwilligen Leistungen richtet sich im allgemeinen nach der Stellung des bc- treffenden Angestellten in dem Geschäft, nach der Tauer der Tätig- keit usw. Diese von den Firmen freiwillig und jederzeit widerruf- lich geleisteten Beträfe sind des öfteren Gegenstand von Zweifeln geivorden. Die Reichsversicherungsanstalt für A n- g e st c l l t e verlangte, datz an sie die entsprechenden Beträge für die geleisteten Unterstützungsgeldcr abgeführt werden, und die Steuerverwaltungen haben diese Unterstützungen für steuerpflichtig erklärt. Eine Steuerbehörde hatte nun einen im Felde stehenden kaufmännischen Angestellten, dessen Angehörige von der Firma wöchentlich 38 M. bezogen, mit 1820 Ä. zur Einkommensteuer veranlagt. Dabei war angenommen worden, datz die Zahlung der 38 M. wöchentlich auf Grund des Dienstverhältnisses ge- schche. Der betreffende Angestellte hat gegen diese Veranlagung Einspruch erhoben und schliesslich hat der 5. Senat des Ober- verwaltungSgcrichts am 2 0. Februar 1910 eine für den Angestellten günstig« Entscheidung getroffen. Ter Beschlntz wurde wie folgt begründet: Tie Zubilligung an die Ehefrau des Angestellten hätte nur angerechnet werden dürfen, wenn dargctan wäre, datz dem Steuerpflichtigen bzw. dessen Ehefrau ein Recht auf periodische Zahlung in der bezeichncien Art bei Beginn des Steuerjahres zustand(§ 14 des Einkommensteuergesetzes, Art. 23, Ziffer 2 der ausführlichen Bestimmungen vom 23. Juni 1900). Nach den glaubhaften Angaben der Ehefrau beruhte aber die Ge- Währung der Unterstützung auf dem freien Willen des Gebers, und sie sei auch keine Gegenleistung für die Tätigkeit des Steuerpflich- tigen oder seiner Ehefrau, da weder diese noch der Steuerpflichtige dafür etwas leisten. Ein Recht auf Zahlung der Unterstützung bestehe also nicht. Hiernach � ermangele es an einer rechtlichen Grundlage für deren Entrichtung. Tie Steuerfestsetzung sei da- her, da anderes steuerpflichtiges Einkommen nicht in Frage steht, auf Freistellung zu berichtigen gewesen. Gerichtszeitimg. Gefälschte Rezepte. Gefälschte Sacharinrezepte bildeten die Grundlage einer Anklage wegen schwerer Urkundenfälschung und Vergehens gegen das Süffstoffgcsetz, die gestern gegen den Besitzer der Pelikan-Apotheke Siegbert Badt vor der 1. Ferienstrafkaminer des Laitdgnichts 1 verhandelt wurde. Sacharin war bekanntlich bisher de»i freien Verkehr entzogen und durfte in Apotheken nur gegen ärztliches Niezept abgegeben werden. Nach den bis dahin in Gültigkeit gewesenen JÖorschristc* mutzte in den Apotheken über den Bestand an diesem Sützstoff ein besonderes Buch geführt lverden, um der Stnierbehörde, deren Kontrolle der Verkehr mit Sacharin unierliegt, jederzeit eine Ucber- sicht über den Ju- und Abgang zu gewähren.— Nach den Angaben des früher bei dem Angeklagten beschäftigt gewesenen, von diesem in Unfrieden geschiedenen Provisors Staub, soll nun der Auge- klagte wiedecholt die einschlägigen Vorschriften umgangen haben, indem er ohne ärztliche Rezepte Sacharin an Käufer verabsolgic und auch bezügliche Anordnungen seinen Angestellten gegeben haben soll. Infolge dieses Verfahrens mutzten natürlich bei den monatlichen Bestandsaufnahmen die Belege in Gestalt der Rezepte für den Abgang von Sacharin fehlen. Um den Fehlbetrag auszu- gleiche», soll dann der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Fälschungen begangen haben. Wie der Zeuge Staub unter seinem Eide aussagte, hatte er ans Veranlassung des Angeklagten, seines Chefs, Sackwrinrezeple ausgefüllt, fingierte Namen bon Patienten hiueingeichrieb.en und sie dann Herrn Badt übergebe». Dieser habe sie mit nach seiner Wohnung genominen und am nächsten Tage, mit der Unterschrift verschiedener Aerzte versehen. «vlcdergebracht, um sie dann der Steuerbehörde einzureichen. Diese Unterschriften der Aerzte sollen nach der Anklage von dem Ange- klagten gefälscht worden sein. Ladt bestritt ganz energisch, in dieser Weise sich vergangen zu haben. Er gab zwar zu, datz bei den in Betracht kommenden neun Rezepten zweifellos Fälschungen vor- lägen, behauptete jedoch, datz sie von anderer interessierter Seite begangen sein mutzten, der daran gelegen war, sich Ausweise zu verschaffen. Der Schreibsach verständige Langen- b r u ch kam jedoch auf Grund seines graphometrischen Gutachtens zu dem Schlutz, datz die Unterschriften unter den Rezepten zwcifcl- loS von dem Angeklagten herrührten. Staatsanwalt Stelz- n e r beantragte daraufhin 9 Monate Gefängnis. Rechtsa»- Walt Daniel hielt den Nachweis nicht für geführt, datz die Fälschungen von dem Angeklagten herrührten und beantragte die Freisprechung, eventuell aber Vertagung und Ladung mehrerer Zeugen, um über die Glaubwürdigkeit des HauptbeiastungSzeugcn näheres zu erfahren. Das Gericht hielt nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme den Angeklagten für überführt, die Rezepte gefälscht und sie dazu benutzt zu haben, sich der Geldstrafe, die ihm drohte, zu entziehen, indem er sie der Steuerbehörde vorlegte, Ter Angeklagte habe leichtsinnig gehandelt, aber es liege doch eine schwere Verfehlung vor. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde der Angeklagte wegen Vergehens gegen Keukiilin Anzengruberstr. 25. [?!l!l8l-Ba(l Diana-Bau Kational-Bad, Brunnenstr. 9. Passage- Bad Beform-Bad, Wiener Str. 65. 4 Bftrber- u. Konditoreien � Prj�FriodridijjEiser� liskar HaDke's firotl; W 7a OescHälte in eilen Stadtteilen Berlins sowie in NenkSIIn n. Treptow Bw-ründat IBBg. Erscheint 2 mal w3chentlich. 4 Buttar, Mop, Kä«a � I Wilhelm Gfibel| 25 eigene FtlialeD. Bezugsque88eEi-Vei*xeichnis.| Untenstehende GesohSkte empfohlcneloli b. Einkauf. August Holtz oeSi. Herrn. Hanert, T Uta-i B 48«iL«»« PcialltMclilft« j Kosmalia, E., 4 t. Kioae wetter, SctiTtlbdtdmr, u. Felix Kynait, Dünenttr. 5. O. Meier, Grünerwee 27. Fr, Prlbyl, Otnabrückerttr. 28, Tnithun Filialen In allen 1 UFDaU Stadtteilen. Emil Werk, Samarlterstr.». Otto Wolrf, Treptow, Krüliat, ig Zechau, Gr.-Licbteri.,Ck»u«#«it«6» Paul Zaslrow, ßtrometr. 53. 4 Knnriwnnn. flummfw.> R. Bänke,.Stralauer Str. 56. E. Kram, Kounsdastnill. 5t. A.£, Longe, BninneBttf. 164 Schröter, R. ZW 43 DtrKauteMrllm 4i ühly&Wolfram 4 ClnarrsnfobPllcen'~V JUHL 250 GESCHÄFTE J. Neumann 200 HiodorUcta 4 BierbrRBerei.> falorhdftadlg ► irauerelBölzoui empfiehlt Oiiaimere erftton Rnngoa Osw. Berliner tTr-Derlinef. hell und dunkel C. Habels Brauerei hall— Hobwlbrlu— dnuksi MQnchener Brauhaus Berlin und Oranienburg TrinHi mannlnoer Bien Weissbier, C. Breithanpt, raUaadenatr.97 I»l.I|it.»»11,2082 4 Progen uns Forbsn k Wordtr-Drogtiie, IHttllhwanL 5a 4 EoalBfoormen k CTimner�Esslg"1 ■berali crhilUlobl J H Cacao, Schokolade] Con�lluren[fe| � Xoloilialw! O' A 1 Hübaer.Schlif SAROTTI Kakao und Schokolade preiswert beliebt in Jedem Haushalt. _______,_ emannstr. Ii. fcafffoH'RöatRpel � SCTi vvTW affen.vV crTcrT� Carl Jung, Stromstr 31. Rflhlmfiiin.P.,Mftller8t.40b,E.Seest 4 Fleisch- u, Wuritw,» Filialen und Niederlagen in allen Stadtteilen Nur reelle QualitSten W. kiecR Inh.i Herrn. Gorbaoh Cbarlottenburg, Berlinerst. 68-68 Fleisoh- und Wnrstwn ronf abrlk WlllyGerldie.BotorahurgaratrJl Otto Kongel, Alto Jaoobatr. 26. LÄJütl. 1. Alto jacoüBir, ao. Rostockerstraßo 65. Flaisch.u Wurstfabr. in.rkaum mi.illiaUe heza|]sqii«ll« Kaffee. Tee, Kakao und Schokolade olo. Hamlnirgtr Kaffe6-Iniportg»scHfl Emil Tengelmann 4 Wehühandlwngen BethKe, Georg, hr«. Henkolli. Elbeitr. 88, Kaiaer-Fricdr. Str. 84. Wweritr. 188, Frledelilr. 13 rreptoir, Qrils-Straßo 14 4 HBte» Motzen, �olzwaren» Schoor�Herm.» WUmer8d.-St.48| Vester, E. J.BaerÄnMr* faliissöäCfl.�Är/as'ir L«*k» ASUpccki, StUli-iÜMl Gaege�tto�r F, Pflugraachor, Colonnenstr. 48 FJ.iüef�r&g. 4 Kiirx-,Wciil..Wollw.,TrikotagrV HerniannMayar.Sttirelbciiierit. 21. 4 Phoioar. ÄuparoVi_ ► Mfllhrn+f'0' Kottbuserstr. 5. . MM auch Geiegenhoitskl. Fbato-JaBMOi Haust 5 tr. ü- _ 3 4 Ktolkerelen» „Schwel�erhof", Meierei und Milchkuranstalt. Emdener Str. 66. i; Tel. II 5535. 4 WStimaachinitli st Bellmaiui, E., Singer Nähraasoliinen Uden In allen Stadtteilen. Groll, Paul, Warachaueratr. 66. Sehnbart.Carl, Wklln.BergBtr.H8 Herrn. Weyer& Co. Sei; ca.550Ysrkaüs3sl8ll. ßr;-Berl. iC. Bolle A.-3. jl Ol Alt Moabit ».Ali! 98/113:i Ältester und srCsster Milch wlrtacüaftlloher Orosabetrleb= 4 Schreibwaren S O. ProchnowvNköIlii.llermaitusir. 69 4"llliren»». floldwaren k Lahmann, Alb., Prenkf. AÜooM 4 Weraloheronaen» „Deutschland" Berlin Arbflterverslcherunß— Schützon- Slcrbekasscnvenichefg. Straße 3. � WirtschaftenfEtabllsaem. h 0 ,7t o h I o ff, U f r rt UTTTr a u e r ol K o ITi g a fj 1 1 Oripal-idinli�iS-fiiißsiiaiik Alexsnderpl., Rieh. Sciiloßmea# �rau A', I�g��foloriJalwärenT 4 Warlangiory» H. Wagner, Käniflil. 1 1, Fieiseh.- Wosiir 4 Spagidau ► ScbcucrUio, Billiger Verkauf ohne Bezugsschein da nicht bezugsscheinpflichtig Jacket- und Sportanzüge fertig und nach Mass, über m 60.— Rock- U. Gehrockanzüge fertig und nach Mass. über M. 75.— W esten.,,.,.. fertig und nach Mass, Über M. 1 0,— Reinkleider. fertig undnach Mass, uber M. �.8.� Linter Überzieher...1.. fertigundnachMass,überM. 80.— Sommer Überzieher.7... fertigund nach Mass, über M. 65.— Wettermäntel____......... überM 40.— | Gummimäntel u.Gummipeierinen i Grosse Läger vorrätig Militär-Uniformen, Militärausrüstungs- Gegenstände, Mützen, Hüte, Schirme, Kragen, Manschetten, Vorstecker, Krawatten, Wickelgamaschen, Taschentücher, Hosenträger, Schlafanzüge. Anzüge, BeinKleider und Paletots lür Sommer, Herbst a. Winter für Herren, Jünglinge n. Knaben in billigerer Preislage wie oben angeführt, sind nur gegen Bezugsscheine erhältlich. In unseren 4 Geschäftsstellen wird bereitwilligst Auskunft über Ausfertigung der Bezugsscheine erteilt. Formulare sind bei uns erhältlich. RleiderwerKe BAER SOHN Chausseestrasse 29/30 Gr. Frankfurter Strasse 20 Brückenstrasse 11 Schöneberg, Hauptstrasse 10 Wunderroll« Seldcnmfintcl iinprfißni«rt, in blau, grün, weinrot, all« Farben, reizend« Glookeasehnitte 6r,- 43.-»9.— 2SV« Tuch-Eoliennomäntel, schwär« 76,- 60,— 38- 26,- Entzucker.de 3f odell-K ostilme Hus Saldo, Samt, T aob. Kammgarn, reizend« Aafmacbuog, elegante Herbskostüme, Schöplangon erster Meister, Answablsendun»«« 250,—'1 0,— 150,— 120,— 90,—. Pnebtrolle Kamms-arn-, Phantasie- und oasb aoHsartoalb gegen Anzahlung. Waschkoatöme 65,— 52,- 45.— 39,— 30,— 24.- 18V,. Lodenmäntel 33,— 25,— Lodenkoslume 62,— 46,— Modell-Röcke 36.— 22,— Ohr« B«zagsschein, da nicht bezugssehoinpflichlig. Ulster. Di« feschesten Ulster, darunter Prachtstücke, molligste, weichst« Stoffe, 95,— 76,— 45,— 33.— 20,- 1. Geschäft: Mohrensti&Be 37 b(Kolonnaden). Plüschmäntel. Dl« berühmten Westmann achen Plüschmäntel, Sealplüsoh, Wollplüsch, Seiden- plüsch, Astrachan 200.— 150.- ICO— 80.- 60,— Einzelne kurze Plüschjackett« 36,— 22.— Sonntags Westmann Zarengeijlet Sturmschreie aus hundert Jahren:: Herausgegeben von Dr. Franz Diederich In festem Umschlag gebettet 50 Pfennig Das Thema dieses Buches ist derKampfgegendenZarismus, der Rußland blutig knechtet u. Europa barbarisch bedroht.— Die ZarengeiBel ist ein Kampfbuch vollUnerbittlichkeit, Aus dem Sturm des gegenwärtigen Kriegesist eshervorgewachsen Zu beziehen durch die: Buehhandlung Freier Verkauf ohne Bezugsschein! Mäntel, Kostüme, Köck«, Blusen, Plüschmäntel. Pelzmäntel elc. laut amtlicher Bekanntmachung tot der Bestandaufnahme. IMlItcie Preise! Fesche Gammlmäntel mit Kappe, Glockenformen, Original• Fat ben, fesch« Aufmachung 46.- 3>.- 23.- 18.— Imprägniert« Ltaubmänt«! 36,- 27,- 22,- 18— Füi stärkst« Flz-nren passende Stück« vorrätig, Pelzmantel. Beste Felle, gediegenste Verarbeitung, firsobost« Formen 1200.— 900,— 60ü,— 3üU,- Kimelne kurze Pelsjacken 150,- 75,- IL Geschält: geöffnet d— 10. Gr off e Frankfurt«) Str. 116 �»ah« An drezsstr.). Bezugsquellen-Verzeichnis Berlin-Westen Ewchelnt wSekeBtllek einmal. �nlcnstchen�Gezchin�mpfehl� ooi Brauerelen«aoe« fideiung& Hottmann 8 Akt.-Branerel Potsdam H IjEig. Niederlag. Berlin SW.47IJ kKrcuzbergstrasso 23, Bran-N Idenburg a. IL, Wilhelms-M dorforstraße 72. M •Potsdam.Stangen-H .. bior BurgerbrSt Fleisch- u. Wurstwaren* Potsdamer üBüfgDa&elow s�sse veb. »» Geleoenheitskäufe■■ WMUMWM �Solange der Vorrat reicht* (kreld AWZJ Bei gemeinsamem Bezag Preisermässigung Berlin, LQtzowstr. B4 Verlangen Sie Preisliste. cWeine, Fruchtsäfte, Liköresa SE. s. in. Leydicue Manatelnstr. 4 1 prätz Charlottenburg sexa Mehlhdl., Kolonw. 7 �•.Wilaersd. Str.60 Schuhw.-Lag., Rep. bill. lifitzower Str. 7. Nowawes F\. Kicpcr Friedrichstr. 28 [Damen-, Kinder-Konfektion Spandau__ metii und . Hoioniaiui. Breiteste. 57, äctaönwalder- itr, 1-7 14, Pichcladorferstr, lt. Haus- und Küchengeräte Hermann Finck Eisenwar., Sch5nwalderst.87. Alfred Bartels, Breitestr. 35 Schirme, Leder-, Drechslerw, A.klBrkgraf,Brüderst.lt Eck. ■JägersT.Lainp.,Gla..PonelL. Steina- läfl TflPnniu fjoldschmiedemst. |hQ. lül IIUW Marktl0.gegr.1859. Bezugsquellen-Verzeichnis Berlin-Süden Eracätliit wicliralllet einmal. IJiiisc.ilfheTiiI» dfücliiin« Gieldes ,lrt d«! Kiitkänfen. Bicken- n. Kondliorelan IlF.RaittÄÄc�g Flclsch-u. tMurstwar. M Bettfsdern; Paul Müller,'FriG»lf, m PKarlsgarcen 16 y ff. Fleischw. n.ABfschn. U "Solange der Vorrat reicht" BeigemeiniamemBe-u zug Preisermäßigung� Berlin, Lützcwslr. 94 llerlanq. Sie PreisllsteH � Berta Ffeffer gfijfe h! hdTg. ,"k o i 011": a! wTB M.FMsGiuiieissnaasyyj jA.iSsiiisinilz.liariaoflensl.i� pU>eine.Früsjitsäne.Lii{iir|" f. k l leydioiiel H EVlansteinstp. 4 aaclihröR, Goidwnranscx kS. Eenske,Kottbns. Damm 9611 ijStrentr r�g.I, anevkannt bill.H �eMteöäiga � !C. Dittmannlj Berllnerstr. 43 U �Wild— Geflügel— Fische.q L SehuhflaBS Schöneberg Hauptsfrasse 160{ Ecke Kaiser■ Friedrich■ Sfrasse- Wilmersdorf Augustastrasse 1 ----------- Billige Preise----------- Streng reelle Bedienung Sehr grosse Auswahl mOBE liefert gegen bar und auf Krebst anter ganstigslen Zahlungsbedingungen Norden: Urunnensirasse 1 Osten Frankturfer Allee35ü Suüen: Kottbeser Uamm 103 Westen: 0 Ii ar I ot tenburg, icharrenstr. 5, feto Wilmersdorler Sir. �Vallstiiiiga Wiknuis EiariclitMiH. in jeder gewünschten Preislage Herren-, Speise-, Wohn- u. Schlaf- Zimmer, Salons, färb. Küchen Grosse Auswahl nntex* Qun»ä«g»i«;a z.u B. FEDER Inserat m tnnngtn 5 Mark Wert Spezialarzt Dr. med. Wockenfnß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hala-KtiT(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- 222/6* Störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10— l und 5—8. Vran?-11- �npenden |il MBIm schnell und billig. SÄ 56 Zabers Univerial-Brtef stell er 3 Mark Buchhandlung Vorwätts, Linden- strage 3(Laden). »*>1 _ einer Lieibbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Mäßanfertigung sowie Bruchbandagen � Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., Lothringer Str. 60.* Lieferant füi Krankenkassen. In guter Ausführung VORWÄRTS Buchdruckerei und Verlag SW-6S Lin�enstraße 3 Allgemeine Orts- Krankenkasse sür Kkrlin-Miidlnsiilirf Die Vertreter der Arbeitgeber und Versicherten im Ausschuß werden hiermit gemäß z 80, Absatz 1 der Satzung zu einer Sitzung des Ansschuffes am Montag, dettl-t. August 1916. abends 8-/z Uhr, im Kassenlokal. Kaiser-Allee ergebenst ein- geladen. Tagesordnung: 1. Verlesung und Genehmigung des Protokolls der 8. Ausschuß- sitzung. 2. Bericht der Nechnnngsprüfungs- Kommisstonund Besprechung des gedruckten Vorstandsberichtes. 3. Abnahme der Jahresrechnung 1915. 4. Beschlußfassung über da? vor dem Versicherungsamt Teltow getroffene Abkommen die Auseinandersetzung mit der All« gemeinen Orts- Krankeniasse Schmargendorf betreffend. 5. Aenderung der Satzung Z 87, Abiatz i. 6. Beratung und Beschlußfassung über die Dienstordnnng sür die Angestellten der Kaffe. 7. Verschiedenes. 270/4 Beschwerden und Anfragen, welche Akteneinsicht erfordern, müssen drei Tage vorher dem Vorstand schriftlich eingereicht werden. Berlin-Wilmersdorf, den 4. August 1916. A. Krause, Vorsitzender. Mtecliei' Güctiliiüflerverlianil. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Buchbinder Emil Kroll am 1. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 5. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, auf dem Schöne- berger Friedhof, Maxstraße, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24/8 Die OrtSverwaltnng. DentsetiepMEtallsFhelteF-VeFiianij Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Ktembner Bernhard Lschka am 1. d. Mts. an Magenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet beute Sonnabend, den 5. August, nach- mittags 4-/»Ubr, von der Leichen- Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichsseide aus statt. Nege Beteiligung erwartet 120/18 Die OrtSverwaltnng. Als Opfer des Weltkrieges ver- starb in Feindesland insolge einer Operation unser langjähriger An- gestellter Fritt Sclilmneister. Wir betrauern in dem Dabin- geschiedenen einen gewissenhaften, pflichttreuen Mitarbeiter, dem wir ein ehrendes Andenken be< wahren werden. 103/18 Berlin-Reinickendorf, Z.Aug. 1916. Neue Berliner Genosseiischaftö-Bäckeret. Eingetragene Genossenschaft mit bcschräntter Haftpflicht, Reinickendors-Ost, Wiilcstr. 62. Als Opfer des Weltkrieges siel am 26. Juli er. durch Granat- splittcr unser lieber Sohn, Bru- der, Swwagcr und Onkel, der Musketier kidiard Hoffmann Jns.-Reg. Nr. 64, 11. Komp. im 20. Lebensjahre. Paul Hoffiiiann nebst Frau und Kindern Bcrlin-Britz. Ebeisladt-Allee 14. Walter Hoffmann, KricgSinval. Zrih Hoffmann, z. Zt. im Felde nebst Frau. Hans Kläber als Schwager. Dorothea Kläber geb. Hoffmann. Edith Kläber als Nichte. Wir können Dir nichts mehr bieten, Mit nichts m- br Dich ersrcun, Nicht einmal Blumen können Wir ans Dein Grab Dir streun. Am 14. Juli 1916 fiel als Opser des Weltkrieges auf dem Schlachtseide unser Mitarbeiter, der Expedient Alkred Philipp im blühenden Alter von 26 Jahren. Seinen so frühen Tod empfinden wir äußerst schmerz- lich, verlieren wir doch in dem Gefallenen einen eisrigen, stets pflichigetreucn Beamten. Möge ihm die jremde Erde leicht werden! 103/7 Konsitingeiioffenschaft Berlin nud Umgegend. Eingctr. Genossenschaft mit beschr. Hastpflicht, Berlin- Lichtenberg. Verantwortlicher Ketzglteur; Mjred Wielexp, Neulölln. Für de« JnieratenteU veiantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Bertas.-Vorwart» BuchSruckeret u. Verlagsanjralt Paul Singer& lio, Berlin SW. »r.213. 33»«.n9 2. Ktllllge des Lllmarts" Dlllltt Dljlkslillltt. Textilwaren- öezugsfcheine für Gewerkfchaftsmitglieöer. Laut Bundesratsverorduung ist seit dem 1. August die Erwerbung von Web-, Wirk- und Strickwaren und der aus ihnen gefertigten Erzeugnisse in der Regel davon abhängig, dah der Käufer dem Verkäufer einen Bezugsschein vorlegt. Die Bezugsscheine werden von den städtischen Behörden er- teilt. Der Berliner Magistrat hat auch die freien Gewerk- schaften um ihre Mitarbeit bei der Ausstellung der Bezugs- scheine ersucht. Der Ausschuß der Gcwcrkschaftskommission hat— vorbehaltlich der Zustimmung der Gewerkschaften— die Mitarbeit soweit zugesagt, als es sich um die Prüfung des Bedarfs in den Fällen handelt, wo Gewerkschafts- Mitglieder für sich und ihre Familienmitglieder Bezugsscheine fordern. Eine am Donnerstag abgehaltene Sitzung der Gewerkschaftsvorstände hat nach einem Referat des Genossen K ö r st e n einstimmig beschlossen, diese Mitarbeit zu leisten. Dieselbe erstreckt sich nur auf die in der Stadt Berlin wohnenden Mitglieder. In den Vororten wird die An« gelegenheit in anderer Weise erledigt. Nach den Darlegungen des Genossen Körsten erlangen die Berliner Gewerkschaftsmitglieder die Bezugsscheine in folgender Weise: Zunächst ist zu beachten, daß die Verordnung gewisse Ausnahmen vorsieht, wo Waren der gedachten Art ohne Bezugsschein erworben werden können. Nämlich: Stoffe aus Natur- und Kunstseide, gewisse halbseidene Artikel, wollene und baumwollene Damenkleider- und Schürzenstofie in höheren Preislagen. Ferner sind ohne Bezugsschein zu haben: Bänder, Schnüre, Litzen, Schnürsenkel, Hosenträger, Strumpfbänder, Mützen. Hüre, Schleier, Schirme, Teppiche, Bettüberdeckcn, farbige Tischdecken, abgepaßte Gardinen, Tüll- gardinen meterweise, Verbandstoffe und Damenbinden, kon- sektionierte genähte ungewaschene Weißwaren. Fertige.Herrengarderobe kann ohne Bezugs- schein erworben werden, sofern sie folgende Kleinhandelspreise übersteigt: Rock- und Gchrockanzug M., Sack- und Sport- anzug 6O M., Rock- und Gehrock 47 M., Sackjacke 32 M., Weste 10 M.. Beinkleid 18 M.. Winterüberzieher 80 M.. Sommerüberzieher 65 M., Wettermantel aus Lodenstoff 40 M. Artikel der Damenkonfektion sind ohne Bezugsschein zu haben, wenn sie folgende Kleinhandelspreise übersteigen: Mantel 60 M., Jackenkleid 80 M., Waschkleid 40 M., wollene Bluse 15 M., Waschblusc 12 M., wollener Morgenrock 30 M., Waschmorgenrock 23 M., garniertes wollenes Kleid 100 M.. Kleiderrock 25 M., Damenwäsche aus Webstoffen und Hemd 6,50 M., Nachthemd 10 M., Beinkleid 5 M., Untertaille 5 M., Frisiermantel 10 M., Waschunterrock 12 M., Morgenjacke 10 M., Nachtjacke 5 M. Ferner gibt es ohne Bezugsschein: Säuglingswäsche und Säuglingsbekleidung, Korsette und Korsettschoner, Wäschestoffe, die bei einer Breite von etwa 80 Zentimeter 2 M. für das Meter und für halbleinene und reinleinene Stoffe 3 M. sür das Meter übersteigen. Gemusterte weiße Tischzeuge, Kragen, Manschetten, Vorstecker und Einsätze. Krawatten und Schlafanzüge. Fertige Herrenhemden, die mehr als 7 M. das Stück kosten. Taschentücher, Hausschürzen, teurer als 4,50 M., Zierschürzen, teurer als 2 M. Herren- und Damcn-Ober- und Unterkleider nach Maß, wenn sie die für die Konfektionsartikel angegebenen Preise übersteigen. Ge- tragene Kleidungsstücke, wenn sie die Hälfte dieser Preise übersteigen. Wer Gegenstände kaufen will, die nicht unter die vor- stehenden Ausnahmen fallen, der niuß einen Bezugsschein haben. Das wird in der Regel in den Fällen erforderlich sein, wo es sich um die Anschaffung von billigeren Kleidungs- und Wäschestücken handelt, wie sie von der breiten Masse der Arbeiterbevölkerung konsumiert Iverden. Der Bezugsschein wird dem Verbraucher nur im Bedarfsfalle und nur auf An- trag � erteilt. Der Antragsteller muß die Notwendigkeit der Anschaffung auf Verlangen dartun. Nach 8 11 der Bundes- ratsverordnung kann von diesem Verlangen Ab- stand genommen werden, wenn die Vermutung für die Notwendigkeit spricht.— Hier- zu wird in den Ausführuugsbestimmungen gesagt: „Die Vermutung für die Aollvendigkeit der Anschaffung von gewissen Kleidungs- und Wäschestücken kann als gegeben an- gesehen werden a) bei Gründung eines Haushalts, d> für Wöchnerinnen und Kinder, <-> bei Kranlheiien und Todesfällen, ck> bei besonderen kirchlichen Feiern und Eintritt in einen Beruf, e) in bezug auf eine begrenzle Stückzahl von Wäsche und Klei» dung derjenigen Bevölkerungskreise, bei denen anzunehmen ist. daß sie Vorräle an Wäsche und Kleidung über den regel- mätzigen Bedarf hinaus nicht besitzen." In einer in den Ausführungsbestimniungen gegebenen Erläuterung zu dem vorstehenden Absatz o heißt es: „Soweil der erstmalige Amrag nur auf Erteilung deS Be- zugZscheins für ein oder zwei Wäschestücke derselben Gattung oder auf ein Stück Oberkleidung derselben Art gerichtet ist. kann von einer lv eiteren Erörterung d e S Bedarfs ab» gesehen werden. Dasselbe gilt bezüglich eines zweiten oder dritten Antrages auf Erteilung deS Bezugsscheines derselben Gegenstände, wenn nach der Beschäftigung des Aniragstellerö oder aus sonstigen Umständen anzunebmen ist, datz eine Notwendigkeit für den Ersatz dieser Stücke vorliegt." Tie Gewerkschaften haben die Mitarbeit bei der Bedarfs- Prüfung übernommen, um ihren Mitgliedern bei� der Er- langung von Bezugsscheinen Zeit zu ersparen. Es ist nämlich anzunehmen, daß bei den städtischen Prüfungsstellen— deren 23 für das ganze Stadtgebiet eingerichtet sind— ein starker Andrang herrschen und die Abfertigung mit erheblichem Zeit- Verlust für die Antragsteller verbunden sein wird. Die Gewerkschaftsmitglieder kommen also in folgender Weise zu eincni Bezugsschein: Der Antragsteller geht in das Bureau seiner Gewerkschaft. Dort bekommt er ein Bezugsschein« formular, welches er auszufüllen hat. Ter Antragsteller muß angeben, in welchem Stadtbezirk er wohnt. Dies ist aus der Steuerquittung ersichtlich, die am besten mitzubringen ist. Der Bezugsschein hat stets auf den Namen des Familienhauptes zu lauten, auch wenn der gewünschte Gegen- stand sür ein anderes Mitglied seiner Familie bestiniint ist. Nicht zu seiner Familie gehörende Personen jAstermietcr, Schlaf- barschen usw.) sowie erwachsene Fainilienmitglicder, die ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten, haben den Schein auf ihren eigenen Nanien auszustellen. Nachdem sich der Gewerkschaftsbeamte von der Notwendigkeit der beantragten Anschaffung überzeugt hat— was meistens ohne Schwierigkeit der Fall sein wird— versieht er den Schein mit einem entsprechenden Vermerk. Mit diesem Schein begibt sich der Antragsteller nach der für seinen Stadtbezirk zuständigen städtischen Aus- sertigungsstelle. Hier erhält der Schein, ohne daß eine weitere Prüfung des Antrages erfolgt, den amtlichen Ausfertigungsvermerk und kann nun zum Bezug der gewünschten Ware benutzt werden. Welche der städtischen Ausfertigungsstellcn für den Stadt- bezirk des Antragstellers zuständig ist, ergibt sich aus dem folgenden Verzeichnis. �tos Groß-öerlin. Sturm in Berlin. Der orkanartige Westwind, der nach Tagen schönstcll Sommerwetters am Donnerstagabend einsetzte, hat in Groß- Berlin nicht unerheblichen Schaden angerichtet. Besonders arg mitgenommen wurden die Berliner städtischen Anlagen und Parks, in denen zahlreiche Bäume umgerissen, entwurzelt oder umgebogen wurden. Noch in der Nacht tvurde das gesamte städtische Parkpersonal alarmiert und hinausgesandt, um weiteren Schäden zu begegnen. Am Freitag waren die An- gestellten und Arbeiter schon in aller Frühe dabei, die Sturmschäden auszubessern. Auch im Gruneivald hat der Sturm arg gehaust und namentlich in der Nähe von Dahlem eine Anzahl Bäume umgelegt. Im Tiergarten dagegen ist nur ganz unerheblicher Schaden angerichtet worden. Nach- dem schon vor längerer Zeit alle morschen Bäume beseitigt worden waren, hat der Wind nur einige starke Acste fällen können. In den Straßen Groß-BcrlinS sind eine ganze Reihe von Fensterscheiben dem Sturm zum Opfer gefallen. Auch mehrere Dachrinnen wurden gelockert und mußten von der Feuenvehr entfernt werden.__ Leeres Gerede. In der„Berliner Morgcnpost" vom 4. August ist folgender Er- gutz zu lesen: „Der neue radikale Vorstand des sozialdemokratischen Ver- bandes für Grotz-Berlin unter Leitung Adolf HoffmannS befindet sich in einer wenig beneidenswerten Lage. Auch der radikalste Verbandsvorstand braucht natürlich Geld für feine laufenden Ver- waltungSausgaben. Aber damit sieht es bei ihm bös aus. In der gegenwärtige» Zeit stießen die Beiträge nur fparlich, und der Varteivorstand, der bisher manchmal ausgeholfen hatte, lehnt eine Unterstützung des neuen Verbandes natürliä, ab. Der Verband greift daher zu allerlei bedenklichen Manövern, vor denen zu warnen der alte Vorstand eS für seine Pflicht hält. Es wird nämlich anonym unter der Berliner Arbeiterschaft ein Aufruf ver- breitet, in dem angeblich zur Deckung von Verteidigungskosten Geld gesammelt werden soll für diejenigen Arbeiter, die sich an Kundgebungen oder Ausständen beteiligt haben und deshalb zur gerichtliche» Verantwortung gezogen worden sind. Dazu schreibt der alte Vorstand(Eugen Ernstj: „Arbeiter l Arbeiterinnen! Unter dem Deckmantel„Für die Opfer des Klassenkampfes" und unter ähnlichen Uebcrschriftcn zirkulieren seit Monaten in den Fabriken Sammellisten. Die Sammler erwecken den Anschein, als sollten die Gelder zu den Verteidigcrunkosten für diejenigen Arbeiter benuyt werden, die sich an den Demonstrationen oder den Streiks beteiligt habe». DaS ist eine bewußte Lüge I Nicht ein Pfennig ist von den auf diesen Listen gesammelten Geldern für die Angeklagten oder deren Familien verbraucht worden. Niemand weiß, wohin die Gelder fließen. Arbeiter I Arbeiterinnen! Habt Ihr schon eine Ab- rechnung gesehen? Mir den Sammlungen betrügt man Euch I Niemals ist eine Abrechnung gegeben worden, auch nicht im ciigslen Kreise. Wenn irgend jemand verurteilt wurde, hat er sich bisher noch immer an die Parteiorganisation gewandt. Wir warnen die Arbeiter dringend vor diesen unkontrollierbaren Listen." Diese Warnung läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und wird sicher ihren Zweck nicht verfehlen." In dieser Auslassung der„Morgeripost" ist so ziemlich alles falsch. Falsch ist die Angabe, daß der Parteivorstand dem Verbände von Groß-Berlin manchmal ausgeholfen habe und nun eine Unter- stützung des neuen Verbandes natürlich ablehne. Im Gegenteil hat die Groß-Berliner Organisation, soweit das ihr möglich war, sich bemüht, dem Parteivorstande Mittel zuzuführen. Daß während des Krieges diese Mittel geringer waren als vor demselben, ist kein Geheimnis, aber noch im letzten Geschäftsjahre sind dem Partei- vorstände noch bOOOV M. überwiesen worden. Falsch ist, daß der Vorstand eine Unterstützung des„neuen Verbandes" abgelehnt habe. Einmal ist der Verband noch derselbe wie früher, nur mit dem Un- terschiede, daß in die Leitung des Verbandes andere Personen berufen Ivurden. Dann aber konnte der Parteivorstand eine Unterstützung gar nicht ablehnen, weil er um eine solche garnicht angegangen worden ist. Richtig ist nur, daß Zettel verteilt worden sind mit dein oben mitgeteilten Inhalt, aber niemand weiß, wer diese Zettel verausgabt hat; sie tragen keinerlei Unterschrift, die auf ihren Urheber schließen lasten. Daß diese Zettel von dem alten Vorstand sein sollen, ist eine Bc- hauptung, die vollständig aus den Fingern gesogen ist. Genosse Ernst hat mit diesem Zettel und seinem Inhalte nicht das mindeste zu tun. Im allgemeinen haben die Berliner Parteigenossen zu allen Zeiten sich politisch Verfolgter und Gemaßrcgclter angenommen und zu verhindern versucht, datz die Familien dieser Genossen der Not und der Sorge überantwortet werden, selbst dann, wenn die Genossen mit den Handlungen Einzelner nicht einverstanden waren. Die Mittel haben unsere Genossen unter sich immer allein aufgebracht und auch ordnungsgemäß darüber Rechnung gelegt. Städtische Volksspcisung. Auch für die kommende Woche wird denjenigen, die an der städtischen Volksspeisung teilnehmen, nur ein Teilabschnitt der Kartoffelkarte in Anrechnung gebracht. Erneut wird darauf hin- gewiesen, daß die Anmeldungen zur Volksspcisung von Montag bis Donnerstag einer jeden Woche bei der zuständigen Brot» konlmission zu bewirken sind.__ Die Butterration. In der nächsten Woche, vom 7. bis 13. August, gelangen lviederum 90 Gramm Butter zur Verteilung. Der Klein- Handelspreis für die Butter bester Qualität beträgt unvcr- ändert 48 Pf. für 90 Gramni. Eine Millionenstiftung für uneheliche Kinder. Der am 17. Juli 1916 verstorbene Geheime RegierungSrat Dr. ing. b. c. Karl Hofmann in Berlin hat der Stadtgemeinde Berlin den Betrag von einer Million Mark mit der Auslage ver- macht, dieses Kapital nach ihrem Ermessen zur Erhaltung, Erziehung und Ausbildung unehelicher Kinder ohne Unterschied der Religion zu verwenden. Der Magistrat hat mit Dank gegen den Spender die Annahme deS hochherzigen Vermächtnisses beschlossen. Herabsehung der Kartoffelprcise in Sicht? Aus dem Rathause wird berichtet:„Wie wir erfahren, hat die Rcichskartoffclstcllc Anweisung an die mit Kartoffel- licferungcn für die BedarfSverbändo beauftragten Licferungs- krcise ergehen lassen, von dieser Woche oder Anfang nächster Woche an die Frühkartoffeln zu keinem höheren Preise als zu 7 M. für den Zentner einzukaufen. Wenn sich diese Nachricht bestätigt, werden die Groß-Berliner Gemeinden in die Lage versetzt werden, den Kleinhandelspreis für Frühkartoffeln dem- nächst ebenfalls herabzusetzen." Es wird höchste Zeit, daß die Kartoffelpresse herabgesetzt werden. Verkauf von Hühnern. Heute, am Sonnabend, findet in den Markthallen, in Ständen, die besonders bezeichnet sind, ein städtischer Verkauf von lebenden Hühnern statt. Der Brand einer Kistcnfabrik hat gestern der Berliner Feuer- wehr eine Menge Arbeit verursacht. Es brannte in der Alten Jakob- straße 18/1S gegenüber der Feilnerstraße auf dem 3. Hofe das drei- stöckige langgestreckie Ouergebäude, in dem sich hauptsächlich die Kistenfabrik von Emil Fehse befindet, die auch Holzwolle und Leisten usw. fertigt. Der Brand wurde erst bemerkt, als die Flammen bereits eine große Ausdehnung erlangt hatten. Als die ersten Löslbzügo aus der Lindenstraße, WilmS- und Köpenickcr Straße an der Brandstelle anlangten, bildete das Erdgeschoß schon einen einzigen zusammenhängenden Brandherd. Das Vorgehen war durch die große Hitze, den engen Raum des Hofes, der vollständig verqualmt war, sehr erschwert. In kurzer Zeit waren gegen ö Uhr mehr als 30 Fahrzeuge um die Brand- stelle versammelt. Mit 2 B« und 6 C-Röhrcn von Motor- und Dampsspritzen wurde der Angriff eröffnet. Zwei Rohr- führer drangen mit Ranchschutzapparaten rechts und links in das Erdgeschoß ein, in dem die Flammen, wie in einem Hochosen gc« nährt von den Holzvorräten(Brettern usw.) wüteten. Das eni- fesselte Element hatte auch schon die ausgedehnien Räume im ersten und zweiten Stock ergriffen. Um 6 Uhr stand auch der Dachsiuhl auf der linken Seite in Flammen. Die Feuerwehr hatte bei dein herrschenden Sturm einen schweren Stand. Die Stichflammen schössen bald hier bald da blitzschnell aus den Tür- und Fenster- Öffnungen, so daß immer wieder von neuem kräftig gelöscht werden mußte. Das Erdgeschoß ist total ausgebrannt, der erste und zweite Stock hat ebenfalls beträchtlich gelitten, nur der dritte Stock und der rechte Seitenflügel konnten wirksam geschützt werden. Der Schaden ist erheblich, indes durch Versicherung voll gedeckt. Der Betrieb der Fabrik wird in den anderen Räumen ausrechlcrhaktcn. Näharbeit an Hcimarbcitcrinnc» haben die Arbeitsnachweise der Schneider: Junkerstr. 16, Rückerstr. 6, Gerichiftr. 35 und Tresckow- straße 58, im Laufe der letzten Tage in größeren Mengen vergeben. Es handelt sich um Mililärarbeilen, die von Näherinnen ohne weiteres ausgeführt werden können. Es ist noch ein großer Posten derartiger Arbeiten vorhanden. Arbeiterinnen, die sie aussührcn wolle», können sich an einer der genannten ArbeitSnachweiSstellen melden. Bootsunglück auf dem Langensec. Ein aufregender Boolsnnsall hat sich am Freitagmorgen auf dem Langensee ereignet. Trotz de« auch gestern sriih noch anhaltenden Sturmes hatte sich der Kaufmann Wütan aus Berlin mit seinem Segelboot aus den See hinausgewagt. Als er sich in der Nähe des Restauranis Karolinenhof befand, setzten besonders heftige Windstöße ein, die das Fahrzeug hin und her warfen. Plötzlich brach mit lautem Krachen der Mast mitten entzwei und im nächsten Augenblick schlug das Boot voll Wasser und kenterte und der Insasse stürzte i»S Wasser. Der Unfall war vom User aus, Ivo zahl- reiche Personen die gefährliche Fahrt des Segelbootes Beobachtete», bemerkt worden, und zloci der Augenzeugen, der Besitzer Eng- Karolinenhof und der Fabrikbesitzer Krnsch auS Tempclhos, fuhren sofort in einem Boot hinaus, um Hilfe zu bringen. Nur mit großer Anstrengung gelang es den mutigen Männern, bei den hochgehenden Wellen, zur Unfallstelle zu gelangen und mehrmals schwebten sie selbst in höchster Gefahr. Die Nctier erschienen gerade noch zur rechten Zeit, um den mit den Wellen Kämpfenden, den schon dieKräste zu verlasse» drohten, den Fluten zu entreißen und ihn in ihr Boot aufzunehmen, was sich ebenfalls sehr schwierig gestallete. Das ver- unglückte Segelboot, daS kieloben trieb, konnte später geborgen werden. Straßenuilfall. Beim Besteigen eines in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens ist Donnerstag nachmittag Oberst a. D. v. Müller zu Schaden gekommen. Der Offizier Verluchte auf einen Triebwagen der Linie 67 auszujprüigen, laut dabei aber zu Fall und erlitt eure Verletzung an der Stirn und' Hautakschür�tngrn am Arm. Der Der- unglllckte wurde �ur nächsten Unfallstelle Und von dort nach seiner Wohnung gebracht. Auf frischer Tat ertappt wurde gestern vormittag ein Fahrrad- dieb in der Kochstraste. Dort holte er vom Hofe eines Grundstücks ein Rad herunter, um damit zu verschwinden. Er wurde aber be- obachlet, von ungefähr zehn Radfahrern verfolgt und an der Wllhelmstratze eingeholt und festgenommen. Nachdem man ihm eine Tracht Prügel verabreicht halte, brachte man den Dieb mir dem Rad nach dem Grundstück zurück und übergab ihn dann der Polizei. Diese stellte ihn fest als einen Fürsorgezögling Walter Gruhn, der aus der Anstalt in Hamburg entwichen ist und sich wohnungslos in Berlin umhertrieb. Berliner Asylvcrein für Obdachlose. Im Monat Juli nächtigten im Männerasyl 7041, im Frauenasyl 2373 Personen. Arbeitsnach- weis wird erbeten für Männer und Frauen Wiesenstr. 55/öQ. Eine überraschende Aufklärung hat die vermeintliche Unter- schlagung bei den Gaswerken gefunden, über die wir gestern nach einer Korrespondenz berichteten. Nickel hatte 60(10 M. eingenommen. Statt diese an die Kasse abzuliefern, legte er sie in einen Schrank und ging dann in der Aufregung über irgendeinen Aerger, den er gehabt halte, weg. Später schrieb er, dast er sich das Leben nehmen werde. Jetzt glaubte man, dast er das Geld veruntreut habe. Als man jedoch später den Schlüssel zum Schrank, den der Buchhalter in der Aufregung verlegt hatte, fand und den Schrank öffnete, entdeckte man das Geld. Nickel beruhigte sich bald wieder, kehrte nach Hause zurück und trat auch seinen Dienst wieder an. ES liegt also nichts gegen ihn vor. Das Casino-Theatcr beginnt am Mittwoch, den 16. August, seine diesjährige Spielzeit. Nach wie vor werden nur Berliner Possen und Volksstücke zur Aufsührung gelangen, und betitelt sich die neue Berliner Posse„M eine gute Olle". Dem Zuge der Zeit fol- gend, ist der Beginn auf 8'/« Uhr verlegt worden. Das nächste Konzert des Philharmonischen Orchesters findet heute Sonnabend, den 6. August in der Neuen Philharmonie, Köpenicker Stratze 96/97 statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr, Der Vorverkauf zu den V o l k s k o n z e r t e n findet in der Berliner Gewerkschastslommission, Engelufer 15, Zimmer 13, autzer Sonnabends nachmittags, und in den betreffenden Konzertlokalen statt. Die im Vorverkauf nicht untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Kasieneröffnung 7 Uhr. Die Reinickendorfer Fcuerwehrcu von West und Ost hatten in General-Woyna-Straste 65 einen Dachstuhlbrand zu löschen, der in« folge des grosten Sturmes eine größere Ausdehnung erlangte, aber trotzdem bald gelöscht werden konnte. ßas den Gemeinden. Verkauf des Gemeinde-Elektrizitätswerks in Weiftensee. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschloß, das Gemeinde- Elektrizitätswerk an das Märkische Elektrizitätswerk, Aktiengesell- schaft zu Berlin, zum Buchwerte von 1 586 530 M. zu verkaufen, und zwar das Grundstück Große Seestr. 13/14, die auf diesem Grundstück befindlichen Gebäude, die Kessel, Maschinen, Schalt- anlagen bis zu den Sicherungen und die gcsame elektrische Ein- richtung, die Werkzeuge, Vorräte und Betriebsmaterialien. Das gesamte Kabelnetz, wie es sich zurzeit befindet, verbleibt im Eigen- tum der Gmeinde und gibt die Gemeinde den von den Märkischen Elektrizitätswerken zu liefernden Strom an die Konsumenten zu den bestehenden Tarifpreisen ab. Das Märkische Elektrizitätswerk liefert lediglich Großabnehmern Strom zu Kraftzwecken, während die Gemeinde das ausschließliche Recht hat, die Großabnehmer mit Strom zu versorgen, der nicht Kraftzwecken dient. Der Verkauf des Elektrizitätswerkes hat sich nötig gemacht, weil durch die Ent- Wickelung der Industrie das bestehende Werk sich nicht mehr als leistungsfähig erwies und nur durch Aufstellung kostspieliger Ma- schinen oder durch Lieferung des Stromes von dritter Seite ren- tablcr gemacht werden konnte. Durch langandauernde VerHand- lungen hatte man sich entschloffen, die gesamte Stromlieferung dem Märkischen Elektrizitätswerk zu überlaffen. Dieses Werk garantiert weiter der Gemeinde, daß der Gewinnanteil, den die Gemeinde aus der Superdividende der Provinz erhält, folgende Sätze erreich:: bei einem jährlichen Absatz von über 5 Millionen Kilowattstunden 1 Proz., über 8 Millionen Kilowattstunden i'A Prozent, über 12 Millwnen Kilowattstunden 2% Proz., steigend bis 32 Kiloivattstunden 5 Proz. von der gesamten innerhalb der Gemeinde erzielten Stromeinnahme. Das Märkische Elektrizi- tätswerk ist verpflichtet, die jetzt schon beteiligren Großabnehmer mit Strom zu versorgen. Die Uebernahme des Gemeindelektrizi- tätSwcrks erfolgt am 1. September 1916. Kriegsteuerungszulagen iu Wilmersdorf. Kriegsdeputation und Magistrat haben, vorbehaltlich der Zu- stimmung der Stadtverordnetenversammlung, mit Rücksicht auf die anhaltende Teuerung der Lebenshaltung eine Abänderung der seit 1. April 1915 gewährten Kriegsteuerungszulage an die städtischen Arbeiter, Angestellten, Beamten und Lehrpersoneu beschlossen. Es sind nicht nur die Grundbeträge der bisherigen Zulage, sondern auch die Kinderzulagesätze erhöht worden. Außerdem wurde der Kreis der Empfänger erweitert, indem bei den einzelnen Gruppen die für die Gewährung maßgebenden Einkommensgrenzen eine Er- höhung erfuhren. Während nämlich Visher diese Einkommens- grenzen für Ledige auf 2000 M., für Verheiratete auf 3600 M. festgesetzt waren, sind sie jetzt auf 2200 bzw. 5000 M. bestimmt. Die erhöhten Zulagen sollen vom 1. Juli dieses Jahres ab gezahlt werden. Bezugsscheine für Web-, Strick- und Wollware« in Pankow. Die Ausfertigung von Bezugsscheinen für Web-, Strick- und Wollwaren erfolgt im Rathaus, Zimmer 13. Hier wie auch in den Verkaufsgeschäften sind Vordrucke der Bezugsscheine erhältlich. Die Ausfertigung ist unter Vorlegung eines Vordruckes zu beantragen, der für Familien vom Antragsteller auf den Namen des Familien- Hauptes ausgefüllt sein muß, auch wenn es sich um andere Fami- lienmitglieder handelt. Ausgenommen hiervon sind nicht zur Familie gehörige Haushaltsangehörige sowie solche Familienmit- glieder, die ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Für diese Personen ist der Bezugsschein auf ihren eigenen Namen auszu- füllen. Für jede Warengattung ist ein besonderer Bezugsschein er- forderlich, auf dem hinter der Bezeichnung des Gegenstandes an- zugeben ist, für wen die Beschaffung erfolgen soll. Bei Kindern ist außerdem das Alter anzugeben. Zur Feststellung der Not- wendigkeit der Anschaffungen sind außer der bei der Ausfertigungs- stelle(im Rathaus) eingerichteten Prüfungsstelle zunächst auch die freien Gewerkschaften als besondere Prü- fungs stellen bestellt und ermächtigt, Anträge ihrer Mitglieder entgegen zu nehmen sowie die Notwendigkeit der Anschaffungen zu prüfen und zu bescheinigen. Bei den Geschäftsstellen der Ge» werkschaften sind auch die erforderlichen Vordrucke erhältlich. Die beantragten Bezugsscheine müssen in der von der Ausgabestelle be- stimmten Frist von dieser abgeholt werden. In besonders dringenden Fällen, in denen die Notwendigkeit der Anschaffung ohne weiteres ersichtlich ist, kann der Bezugsschein sofort erteilt werden. ifurn Kartoffelvertrieb im Kreise Teltow. Der Landrat des Kreises macht bekannt, daß die Erzeuger von Kartoffeln die nicht für den eigenen Betrieb erforderlichen Mengen nur an die Teltower Kriegswirtschaftsgescllschaft m. b. H. zu Berlin und deren angenommene Händler verkaufen dürfen. Verboten ist lnsheföndere 1, die Äusfuhr von Kartoffeln und deren Verkauf außerhalb des Kreises Teltow; 2. der Verkauf an Großhändler, die nicht Händler der Teltower Kriegswirtschafts- gesellschaft sind; 3. der Verkauf auf Wochenmärkten außerhalb des Wohnortes des Kartoffclerzeugers. Zu den Parteidifferenzen in Teltow-Beeskow. Die Anhänger des alten Kreisvorstandes haben in den letzten Tagen in verschiedenen Orten des Kreises Versamm- lungen abgehalten, über die sie uns Berichte übermitteln, denen wir folgendes entnehmen: Neukölln. Am 3. August fand in der„Jdeal-Klause" eine gut- besuchte Versammlung von Neuköllner Genossen statt, die gewillt find, Mitglieder des alten Kreisvereins für Teltow-Beeskow zu bleiben. Der Einberufer der Versammlung, Genosse Aug. Neumann, gab einen kurzen Bericht über die Verhältnisse in der Kreisorgani- sation und im Wahlverein Neukölln, wie sie sich als Folge des Neu- köllner Beitragssperre-Beschlusscs vom 27. Mai und 28. Juni ge- staltet haben. Er schlug der Versammlung vor, folgende Erklärung als ihre Willenskundgebung zu beschließen: „Im sozialdemokratischen Wahlverein Neukölln hat sich ein Doil der Genossen planmäßig in den schärfsten Gegensatz zu der von den berufenen Organen der Gesamtpartei(Parteivorstand, Parteiausschutz und der Reichstagssraktion) im Interesse des Proletariats vertretenen Politik gestellt. Sie haben in steigen- dem Maße die aus dem Boden dieser Organe stehenden Ge- nossen an der sachlichen Vertretung ihres Standpunktes gehindert und sich durch ihre Beschlüsse, besonders durch den Beschlutz der Beitragssperre, und durch die Verletzung des Organi- sationsstatuts außerhalb des Rahmens der Organisation gestellt. Wir sind deshalb zu unserem Bedauern nicht mehr imstande, gemeinsam mit diesen Genossen die Grundsätze der Partei zur Geltung zu bringen, und sehen uns daher genötigt, um die alten sozialdemokratischenGrundsätze auch ferner zu vertreten und an Stelle einer wirkungslosen Demonstrations- Politik praktische Arbeit im Dienste des Proletariats leisten zu können, unter Anerkennung des alten Kreis vor- st a n d e s und der von diesem einberufenen Kreis- generalversammlung unseren alten Wahlverein unter einem anderen Vor st and nach dem bestehenden Statut weiter zu führen. Wir sind der Ueberzeugung, hiermit dem Interesse der Parteigenossen, besonders der im Felde stehen. den, am besten zu dienen." Nach eingehender Aussprache, an der sich 12 Genossen beteilig- ten, wurde diese Erklärung e i n st i m m i g angenommen. Als Vorstand des Orts-Wahlvereins wurden darauf folgende Genossen gewählt: als erster Vorsitzender Gen. Aug. Neumann, als zweiter Vorsitzender Otto Ganger, Kassierer Otto Jacobs, Schrift- führer Heinrich Krause, Beisitzer Otto Guse. Weitere Wahlen zum Vorstande wurden vertagt.— Sodann wurde die Wahl der Dele- gierten zur Kreis-Generalversammlung am 6. August vorge- nommen. Britz-Buckow. Mit den Organisationsstreitigkeiten beschäftigte sich eine am 2. d. M. tagende Versammlung. Die Mehrheit der Mitglieder des Ortsvereins hat sich durch Entsendung von Tele- gierten zu den Veranstaltungen der Opposition bzw. des Bezirks- Vorstandes Groß-Berlin auf den Standpunkt des neuen Kreisvor- standes gestellt. Der Ortsvorstand hat diese Stellungnahme noch ergänzt durch seinen Beschluß: mit dem alten Kreisvorstand alle Verbindungen abzubrechen und nur den neuen Kreisvorstand an- zuerkennen und von diesem Beitragsmarken zu entnehmen. Eine Abrechnung mit dem alten Kreisvorstand soll nicht erfolgen. Eine besondere Beschlußfassung hierüber durch die Mitglieder hält der Wahlvereinsvorstand nicht für erforderlich. In der«ingehenden Debatte wurde von allen Rednern aus- geführt, daß der Ortsvorstand mit seinem Beschluß den Boden der alten Organisation verasscn hat und, da diese noch zu Recht besteht, nicht mehr als Funktionär der Parteiorganisation gelten kann. Bedenken gegen eine sofortige Reorganisation, die dem Statut entspricht, sind nach den Vorkommnissen der letzten Wochen und gegenüber einem Vorstand bzw. einem Beauftragten einer Sonderorganisation gegenstandslos. Ihren Standpunkt präzisierte die Versammlung bei zwei Stimmenthaltungen durch folgende Erklärung: „Die am 2. August er. tagende Versammlung der Mitglieder deS Wahlvereins Britz-Buckow stellt sich auf den Bodender alten Kreisorganisation. Sie erblickt in der Wahl eines sogen, neuen Kreisvorstandes und Herausgabe von Bei- tragsmarken durch diesen eine Neugründung. Die Versamm- lung lehnt es ab, dem Beschlüsse des bisherigen Vorstandes des Wahlvereins Britz-Buckow,„sich an dieser Neugründung zu beteiligen", zu folgen." Die hierauf vorgenommene Vorstandswahl ergab folgen- des Resultat: Vorsitzender F. Gutschmidt, Kassierer W. Buten schön, Schriftführer Luise Siedel, Revisoren Witte und Karge, Jugendkommifsion Richard Schmidt. Zu Delegierten für die am 6, August cr. stattfindende Kreisgencralversammlung wurden die Genossin Siedöl und die Genossen Gutschmidt, Butenschön und Schmidt gewählt. Bohnsdorf. Eine am Donnerstag, den 3. August,(�gehaltene Versammlung, welche von 26 Mitgliedern des Wahlvereins besucht war, beschäftigte sich mit den Parteiverhältnissen im Kreise Teltow und wählte nach eingehender Würdigung der Situation einen Vor- stand, der die Garantie bietet, daß die alten Grundsätze der Partei- disziplin auch im hiesigen Wahlverein wieder Geltung bekommen. Der Vorstand besteht aus dem Genossen H. Schleffler, Vorsitzender, Der Vorstand besteht aus den Genossen H. Schleffler, Vorsitzender, zur Kreisgeneralversammlung am 6. August wurden die Genossen Schleffler und Haese gewählt. Mitgliederversammlung in Grünau. In der am Mittwoch, den 2. August, tagenden Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins wurden Genosse Prang als erster Vorsitzender und Genosse Klein als Kassierer gewählt. Nach der Wahl gab Genosse Prang die Erklärung ab, daß die Geschäfte mit dem neugewählten Vorstand erledigt werden, womit die Versamm- lung einverstanden war. Nach dieser Zustimmung wurde von einer Delegiertenwahl für die vom alten Kreisvorstand zum Sonntag, den 6. August, einberufenen Kreisgeneralversammlung Abstand genommen._ Ms aller Welt. Nachrichten durch Flieger. Ein Kompagnieführer schrieb dieser Tage der Frau eines Ver- mißten die folgenden Zeilen aus dem Felde: „Werte Frau, Ihr Mann ist seit dem 1. Juli verwundet in englischer Gefangenschaft. Ein Flieger hat die Namen der... er, die verwundet gefangen tvurden, abgeworfen und daher haben wir die Nachricht. Warten Sie also ruhig näheres aus England von Ihrem Manne ab. Ich glaube, daß er gut gepflegt wird." Die„Times" brachte am 24. Juli die folgende Meldung: Nach Newcastle kam die Nachricht/daß sich der seit dem 3. Juli vermißte Leutnant W. B. Ellis vom Royal Flying Corps in deutscher Kriegs- gefangenschaft befindet. Ein an seinen Vater gerichteter Brief mit der Nachricht seines Wohlbefindens wurde von einem deutschen Flieger über den englischen Linien abgeworfen. Leutnant Ellis teilt mit, daß er von den Offizieren der deutschen Fliegerabteilung gut behandelt würde.(z.) So �was kommt in den„besten Familien" vor. Wie weite Kreise sich daran beteiligen, die Kriegsnot zu ihrem Vorteil auszunützen, illustriert sehr gut die folgende Mitteilung, die der„Tägl. Rundschau" aus Stolpe zuging:„Wegen Ueber- schreitung des Höchstpreises für Eier hatte sich Frau v. Brehn aus Lojow, Frau des Kammerherrn v. Brehn, vor dem Stolper Schöffen- gericht zu verantworten. Sie wurde zu 300 M. Geldstrafe ver- urteilt. Derselben Uebertretung hatte sich Frau Majoratsbesitzer v. Puttkamer aus Glowitz schuldig gemacht, die zu 100 M. Geld- strafe verurteilt wurde." Es mag der Frau Kammerherrin und Frau Majoratsbesitzerin etwas peinlich sein, ihre Namen dergestalt durch die Presse gezerrt zu sehen. Aber es ist nicht mehr als recht und billig. Aus dem eidgenössischen Volkshecr. In Nr. 347 des Bern er„Bund" vom 26. Juli ist aus Bern ein Befehl veröffentlicht, Welchen der Kompagniekommandant G. Bühler im Wachlokal der 3. Kompagnie des 90. Bataillons hat anschlagen lassen. Er lautet: „Bei der Achtungsstellung sind die Schultern energisch zu- rückzureißen, der Mann hat auf die Zähne zu beißen, die Gesichts- muskeln zu verzerren und die Augen leicht nach auswärts zu richten. Der Mann soll in der Achtungsstellung wie ein sprungbereiter Tiger stehen." Diese Erziehung erwachsener Menschen zur Tigernatur ist so- gar dem„Bund" zu bunt. Das Regierungsorgan findet die von der sozialdemokratischen Presse an diesem Kabinettstück geübte Kritik in der Sache berechtigt, wenn auch nicht in der Form. Jedenfalls zeigt der Befehl, daß man auch in der Schweiz zu lernen versteht. Mordversuch in Dresden. In einer Leihbibliothek in Dresden wurde am Freitag die Verkäuferin Johanna Schoepe über- fallen und durch einen Stich in den Kopf schwer verletzt. Blut- überströmt und bewußtlos mutzte sie ins Krankenhaus geschafft werden. Von dem Täter hat man bisher keine Spur. Französischer Hecreslieferungsskandal.„Petit Journal" zu- folge wurden im Bezirk Bordeaux große Unter schlagun- gen bei Munitionslieferungen entdeckt und dem Kriegsgericht angezeigt. Unerträgliche Hitze in Kairo.„Daily Telegraph" berichtet aus Kairo, die Hitze sei dort. so unerträglich geworden, daß alle Spitäler mit Hitzschlagkranken gefüllt sind. parteiveranftaltungen. Stralau. Kcmcinsamer Zalilabend bei Schulz, Markgrafendamm 6. Mariendorf. Der Bildungsausschutz veransialtel Sonntag eine Besichtigung des Botanischen Gartens. Tresipunkt nachmittags 1»/,'Uhr am Bahnhof Mariendoif. Kinder unter 10 Jahren dürfen nicht daran leü- nehmen._ Slrbeiter-Samariterbund. KolonneGrotz-Bcrlin. Lebrstunde haben nächste Woche, abends Ly, Uhr: t. b i s 6. A b t e i I u n g: Montag, den 7. August, im Restaurant Köpenicker Str. 62. Nach dem Vorttag praktische Berbandübungen. Sonntag, den 6. August, nachmittags LH, Uhr: Familien-Spiclalisflug nach dem Plänterwald. Tresipunkt Restaurant Rats, Neue Krug-Allcc 62 (Treptow). Gäste sind gern gesehen. Sriefkaften üer Reüaktion. Tie luriftifche Spreibsmnde findet für Abonnenten Lindenstr. 3, IT. Hof ceSts. parterre, am Montag bis Freitag von t bis 7 Ugr, am Sonnabend von b bis 6 Uhr statt. Jeder für den B r,- t I a st- n beslimmleii Antrag« ist ein Bucbstade und eine Labt als Mertzeichen beizufügen. BriestiS« Antwort wird nich: erteilt. Anfragen, denen leine Abonnemenlsouitiung beigefügt ist, werden nicht beaMwortet. Eilige Fragen trage man in der Svrcchsluiide vor. Verträge, Schriststückc und dcrglciche» bringe mar in die eprcchünnde mir. C. 61. Zur Feuerbestattung ist nach dem Gesetz vom 13. September 1911 in Preutzen der Nachweis erforderlich, dah der Verstorbene die Feuer- bcstattung angeordnet hat. Dieser Beweis kann nach dem Gesetz nur er- bracht werden: 1. durch eine letztwillige Verfügung des Verstorbenen, 2. durch eine mündliche Erklärung des Verstorbenen, die von einer zur Führung eines öffentlichen Siegels berechtigten Person als in ihrer Gegen- wart abgegeben bekundet ist. Es würde also eine Erklärung folgender Art, wenn sie eigenhändig geschrieben und unterschrieben und mit Ort und Datum versehe» ist, genügen:„Letztwillige Verfügung: Berlin, den 1. Scp- tember 1916. Ich oibnc_ hierdurch für meine Leiche die Feuerbestattung an. Unterschrist." Eine Stempelung oder dergleichen ist für. diese Ver« sügung nicht erforderlich.— R. 18. Ja.— C. D. 100. 1. Soviel uns bekannt, steht Ihnen in diesem Falle, da Sie Arbeit haben, die Löhnung nicht zu. 2. Die Unterstützung würde an sich Ihrer Frau solange zustehen, bis Sie entlassen sind. Es kann aber die Behörde aus Ihrem Lohn folgern, datz Bedürstigkeit nicht vorhanden ist. Liegt Bediirstigkeit nicht vor, so ist auch die Kricgsunterstützung nicht zu zahlen.— M. 55. 1. und 2. Ja. — H. I. 38. Um aus der Kirche auszutreten, müssen Sie zunächst an das Amtsgericht Ihres Wohnorts sich mit der Mitteilung wenden:„Ich beabsichtige, aus der(evang.; kathol.) Landeskirche auszutreten und bcan« trage die Ansetzimg eines Termins zwecks Austritts aus der Landeskirche." -Dann müssen Sie sich innerhalb vier bis sechs Wochen, auch wenn Sie keine Vorladung bekommen, aus dem Gericht einstellen und d�xl zu Protokoll Jbren Anstritt erklären. Die Kosten betragen 3 M. und schreib- gebühren. Wenn die Frau nicht austritt, sind die aus sie entsallendcn Kirchensteuern weiter zu bezahlen. Wer austritt, hat nur noch jür das lausende und das aus seinen Austritt folgende Kalenderjahr Kucheniieuern zu bezahlen.— A. M. 31. Die Steuer ist zu bezablen.— K. 4. Wenden Sie sich an die Gewerbeinfpektion.— Eriatzgeschäst 1916. 1.— 3. Fehler, die zeitlich untauglich machen, aber doch so vermindert iverden können, dag volle oder bedingte Tauglichkeit eintritt: Allgemeine Schwächlichkeit, Augenkran kh est, Schwerhörigkeit. 4. Landsturmsähig; schwerhörig.— A. 7. Ja. —(Stenern 44. Steuerpstichtigkcit liegt vor.— F. G. 100. Sie müssen ablicjern.— Anstralien. 1. Voraussichtlich liegt Beschlagnahme vor. Wenden Sie sich an das Auswärtige Amt. 2. Wenden Sic sich an das Wöchnerinnenheim am Urban.— I. B. V. Ä. Nein. Es ist durch Gesetz vom 4. August 1914 dem Reichskanzler die Ermächtigung erteilt, allgemein oder für bestimmte Bezirke oder für bestimmte Arten von An- lagen Ausnahmen von den Schutzbeslimmungcn der Gewerbeordnung für Jugendliche und Albeiterinncn und von weiteren aus Grund der Gewerbe- ordnung vom Bundesrat erlassenen Schutzbcslimmungen zu gewähren. Ferner ist der höheren Verwaltungsbehörde das gleiche Recht, tzlusnahmcu zu bewilligen, für einzelne Betiicde erteilt. Es sind also nicht allgemein die Schutzbestimmungen für Jugendliche— zu diesen gehören die über Pausen— ausgehoben, sondern nur die Ermächtigung zur Stuf« bebüng erteilt. Ob für Ihren Betrieb etwa solche Ausnahme bewilligt ist, erfahren Sie am sichersten durch SInsrage beim Gewerbeinspektor. —t ist anscheinend unrichtig wiedergegeben.«ie meinen wohl Hypertrophie: Ucbermätzige Ernährung, Vcrgrötzcrunz eines Körperteils auch das Diltwcrdcn wird damit bezeichnet.— I. R. 300. Melden Sic sich bei Ihrem Postamt. Wenn dort keine Stelle srei ist, so erfahren Sie dort, wohin Sie sich zu wenden haben.— TS. B. 35. Wenn das Ungeziefer im ganzen Hause vcrhrcilcl ist, so wird sich schwer etwas dagegen machen lassen. Nehmen Sie mal einen Kammerjäger zu Hitse.— F. R. 3. Daraus können wir uns nicht einlassen, sondern müsse» Sie an den Arzt verweisen.— 11. 100. Darüber bat der Triippentcil zu entscheiden, bei dem der Betreffende steht.—(?. K. 7. Die istandorte der Ersatz- und Reservetruppentcile sind nicht bekannt gegeben. Slber iür einen Feldpost- brtes genügt die Adresse.— B. TS. t»0. Wenden Sie sich unter An- sübrung der dargelegten Begründung an Ihr Steucrburcau.— 31. B. 10. Meldung aus dem Bezirlskommando.— Pionier in Kowno. Ein Recht aus diese Kommandozulage bestebt nicht— Ramlerstraste 31. Der- artiges Institut ist uns nicht bekannt— F. G. 3V. Ist beim General- kommando einzureichen.— L. 50. Kommt auf die Art des Stoffes an. Am besten könnten Sie wohl beim Drogisten Rat holen.— H. U. 3. Ja. WetterauSsichten inr das iinttlere Norddeutichtand dt» Sonntag mittag. Ziemlich küht Zeilweise heiter, aber sehr veränderlich. Oester leichte Regenschauer.__ Veraniworlllcher Re&ftteuc: Aljred Wielepp, Neutollu. Für tze» Jnieratenteil verantto.: Ttz. Glocke, Lerlui. Druck».Verlag: Voiwärt»Buchdruckerei u. Lerlagsanstall Paul Singer& Co, Berlin SW. Ar. 213. 33. Jahrg. SMs.KiiM Ks Lmiilts" fo llitbrn�llfn. irvvo.:�.ys...ur*...* j.\n 5. August 1916. 3n freien Stunden Eine Wochenschrist für die arbeitende Bevölkerung. Mit dem 1. Iull beginnt ein neuer Roman und daher bietet sich Telegenheit, das Abonnement zu beginnen. Zum Abdruck kommen: Gonnenwirt Roman von Hermann Kurz. Illustriert von)os. Damberger. Diesem Roman, der zu den besten der deutschen Literatur gehört, könnte man als Motto das Wort eines unserer bekanntesten Strafrechtslehrer voraussetzen:„Jede Tesellschaft Hai die Ver- brecher, die sie verdient." Denn der Verfasser stellt uns eindringlich dar, wie ein ursprünglich guter und tüchtiger, wenn auch leiden- schastlicher Mensch durch Kastengeist, Dummheit und soziale Unge- rechtigkeit dem Verbrechen in die Arme getrieben und schließlich der Schrecken seiner Vaterstadt und seines Landes wird. Eltern, kirch- liche und weltliche Amtspersonen verschwören sich wider ihn, um seine Ehe mit einem armen Mädchen zu hindern. Das kettet ihn nur noch fester an die Geliebte und läßt ihn auf eigene Faust den Kampf mit der Gesellschaft aufnehmen. Die Schilderung dieser tragischen Konflikte beruht auf geschichtlichen Tatsachen. Die Kunst des Autors aber gibt uns mehr als diese Tatsachen: sie deckt uns die seelische Entwicklung des Verbrechers auf und stellt die soziale Schuld der Gesellschaft an den Pranger. So gewinnt der Roman Größe und kulturhistorische Bedeutung. Und da er in freiheitlichem Geiste geschrieben ist und soziale Mängel berührt, die zum großen Tell auch heute noch wirksam sind, wird er jeden Arbeiterleser, jede denkende Arbeiterin besonders stark fesseln. Neben dem Hauptroman gelangt zunächst zum Abdruck: Pulver und Gold. Ein Roman aus dem Kriege 1870/71 von Levin Schücklng. „Der Krieg! Er war wie ein böser Genius, den die Hölle aus- gesandt hatte, um sein entsetzliches Gift auf alles, was da lebte, blühte und gedieh, auszuspritzen, auf jede Frucht, jedes Glied, aus jeden Menschenkreis und in jedes warm schlagende Herz!" Diese sehr zeitgemäßen Worie, die dem Roman entnommen sind, deuten den Sinn der interessanten Handlung an. Ein deutscher Ulanenwachtmeister besetzt mit einem kleinen Kommando ein fran- zösisches Schloß, trifft hier aus allerlei verdächttge Umstände und verliebt sich in die Tochter des Hauses, die ihm als Feindin ent- gegenlritt. Soldatische Pflicht und Neigung geraten in Konflikt, Verstand und Herz in Widerstreit. Der Autor oersteht es. diesen Konflikt in feiner und ungezwungener Weise zu lösen und so den Roman in versöhnlichem Sinne ausklingen zu lassen. Andere Erzählungen werden folgen. Jedes Heft enthält außer den fortlaufenden Erzählungenvolks- tümliche Abhandlungen aus allen Wissensgebieten und eine Ecke für Witz und Scherz. In jeder Woche erscheint ein illustriertes Heft für 15 Pfennig Bestellungen erbitten wir durch den Zeitungsträger. Zusammen 50 Pfennig Porto 10 Pfennig Leicht In der Tasche und im Tornister zu tragen. In Karton, vollständig mitAnteitung für Schachspiel. Buchhandl&mg Vorwärts Berlin SW. 68, l.indenstr.3 koch Preiswerte Schuhwaren OhllS Bezugsschein, da nlcbt bezogsscheinpfllcbtlg. Damen-Schnürstiefel 24.50 21.50-gl«A Derby mit und ohne Lackkappen..... 18.50 1630 Herren-Schnürstiefel?f*50?350 Ü"'i Derby mit und ohne Lackkappen..... 18.50 1 4.50.ä Damen-Knopfstiefel 24.50 2250-g Lack und Chevreau............. 19.50 Schnur- und Spangenschuhe}§-50}5-50 jSL Lack und Chevreau..............., 12.50 10.50 Potolowsky Osten, Gr. Frankfurter Straße 141, Ecke Frachtstraße Soldaten- Sprachführer Oeuflch-Sronjösifch veutsch.polnisch das Stück zu ick Pf. veuffch- Italienisch Deutsch. Englisch Deutsch. Russisch das Stück zu 20 Pf. Porto je 3 Pf. Suchhandlung Vorwärts Berlin SW. SS, Lindenstrasie 3 Zu allerbilligsten Tagespreisen empfehle in allen meinen Verkaufsstellen Butter, Bier, Käse Ktarmetaden und andere Nahrungsmittel in besten Qualitäten. J. F. Assmann Butier-Großhandiimg. 35 Verkaufsstellen in Qroß-Berlin. »lange der Vorrat reicht liefert die Buchhandlung Vorwärts, Berlin, folgende älteren Jahrgänge der reichillustrierten Romanzeitschrift»ZuFreienStunde»"jeden Band statt gebunden 4 Mark für nur 2 Mark. Band 1: Inhalt:„Tit TSchter des SüdcnS." Bon kavier de Momevin.— Ferner die reizende Erzählung„Umsouft geopfert.- Bon Robert Schweichel. Band 2: Inhalt:„Der Jesuit.- Ein Charaliergemälde aus den« 18. Iahrhun- dert. Bon C. Svindler.—„Ein Rekrut." Bon Erckmann-Chatrian. —„Elve Scheinehe und Ihre Folgen." Bon I. 31. Potapenlo.—„Die Ausgestoßeucn." Bon M. Harimann. Land 3: Inhalt: Im Banne der Berfuchung." Roma» dem dektor Malot. „Die Mörderin." Bon B. Schulze-Schmidt.—„Der Pcdlar." Bon O. Ruppius.—„Das Kloster bei Scndomir." Von F. Erillparzer. Land 4: Inhalt:„Ter Knrter des Zaren." Don Jules Berne.—„Das»er. möchtnis des Bedlars." Bon Otto Ruppius.—„Am Malanger Fjord." Bon Theodor Mügge.—„Wie der Großvater die Großmutter nahm." VanktH: InbSit:„Der»erlorene Sohn." Roman von Hall Tain«.—„Der Flüchtling." Novelle von Moritz Hartmann.—„Zum Blcibcrgwerl verurieilt." Briefe don Walsili Iatszalow.—„Die Narrcnbnrg." Erzählung von Adalbert Slisier. Band ö: Inhalt:„Der Deserteur." Roman don Robert Buchanan.—„Zwei Welten." Roman von Madame Bigot.—„Der lote Zimmermann. HumoreSIe von Friedrich Scrftäcker.—„Waldspinne." Genrebild von Otto Ruppius.—„Sei Weih nachtsat end." Ein- Geistergefchichte. Band 7: Inhalt:„Rebellen." Erzählung von E. Zfchirilow.—„Der Glöckner von Noire Dame." Roman von Bictor Hugo.—„6t Peters Regen. schirm." Erzählung von K. Wllszath. Band 8: Inhalt:„Die Pilger der Wildnis." Lon Johannes Scherl.—„Eine Hcrrenhoisage." Bon Selma Lagerlöf.—„Rosa und SfilneUe." Von Alfonse Daudet—„Romeo und Julia." Eine Erzählung aus dem Italienischen.—„Ums Herz." Eine Erzäbwng von Robert Schweichet — Die lustige Humoreske„Kapitin Bosselmanns Eitratour." Band S: Inhalt:„Das Stnang." Bon Leon Eladel.—„Sigrid, das Fischer- Mädchen." Von Theodor Mügge.—„Der schwarze Hans." Von Melchior M-vr.—„Steuermann HalbSworih." Bon Clarl Rüssel.— „Baier und Sahn." Bon I. Potapenlo. Band 10: tnhalt:„Ter Hatbuck." von». Dumbrara.—„Rantas." Bon Emile ola.—„Der graue Papagei." Bon SS. S. Jacobs.—„Fräulein Holladad." Von B. E. Stevemon.—„Unbezahlte Schuld." Bon SI. Stroinsft,— Wie Joggcli eine Fran sncht" Von I. Gottbels.— „Der Paulcr von Niklashansen." Bon R. Schweichet—„Brnder Hnichins." Von 23. 23. Jacobs. Land 11: Inhalt:„KenUworlh." Bon Walter Scott.—„Die K-mmeriahrr." Aon Frau S. A. Sawinlowa.—„Trlnctte." Slizze von Herrn. Heijermans.—„Ktdsels Hochzeitsreise." Von Jeppe Aatlär.—„Ein Tag aus de« Leben des MnsreUerS Fttterer U." Bon Dalder Olden. Band 12: Inhalt:„Stefan vom GBNenhof." Bon Minna Kautslv.—„Es lebe die Gerechtigkeit." Bon Theodor Mügge.—„Eine Stunde im Lcucht- türm." Von Moritz Harimann. Bond 13: Jtthatt:„Der rot» Jason." Von Hall Eain«.—„Eigene»rast." Bon Tennison.—„Der schwarze Kater." Bon 22. Jacobs. Band 14: Inhalt„Ollorr Twist." Von Cb. Dickens.—„Aus lüngstcr«er. gangrnhcit." Von Gerschuni.—„Die Brüder Matthicu." Von Hart- mann.—„Rotof, der Relrnt"—„Ter zerbrochene Krug." Band 15: Inhalt: Emile Zola:„Terminal."— E. Earielliert:„Ei» Lueca Hella Rvbbia."— Jonas Sie:„Ltndelin." Bond 16: Inhalt: Waller Scott:„Jvauhoe."— Clara Viebig:„Das Weiber- darf."— Th. Mügge:„Tie«userwählte des Prapheteu."— I. Gott- helf:„Tie angenehme Ueberraschnug." Bei Bestellungen genügt Angabe der Rummer des Bandes. V erzcelctinis Berlin-Norden Erscheint ▼Uchcntllch einir«!. üntensteheaite Gesrhäfte eayfehleB«Ich bei Wnkanfen. Drogen, Farben �Srtf-no�ir. luah.Schulzendorfst. nzaco J* Solange du Vorrat reicht g* Floisch- u. Wupstw. Wiehert-» Str. 159, rj jGelsclmianiisGeDtf.i Hepr.-, Dam.-, Knab.-_ fru. Mäochen-Gapdep.�n aQ.HottmannSrr�Ma"! Kolonlalwapen Stretitiar Str. 57 ollailücleDdarlriUtlj filehlhandlungu Bei gemeinsamem Bezug Prelsermässlgung Beptln, Lützowstp. 94.1 Veriangea SI» Prel»ll»te. Mehlhandlungen nz L Fink, Pankstr Ji. s t? MSbalmagazIne*5 Buchhandlung Vorwärts, Verlin EW., Llndenstr.Z Die Bestrebungen für eine wirtschaftliche Annäherung Deutschlands und OesterreiÄ)-Angarns -Preis 1 Mark! Protokoll der Verhandtungen, die am ö Januar 1916 zwischen der sozialdemokratischen Fraktion des deutschen Reichstages, dem sozialdemokratischen Partcivorstand und Parteiausschuß, der Generallommission und den Vorständen der deutschen Gewerk- schaften,cinerVertrctungdesZentraiverbandesdeutscherKonsum- vereine und einerVertretung der sozialdemokratischenPartei Oesterreichsund der österreichischen Gewerkschaften in Berlin über die wirtschaftliche Annäherung Deutschlands und Oesterreich-Ungarns stattfanden. Berlin-Osten Emlitlal Tfotutllcb«iniMl. Cnt«ii8leb»inlc Geactifl» empfehlen lieh t«I BaHnliw. Er Buttap, EivPt KSsa s» p»» Wehl PJJtkefinaiinJ Filialen g bM Pielsdi Mehlhandluno Königsberge Straße 26 27 JD Solange der Vorrat reicht{ Bei gemeinsamem Bezug Preisermässigung Barlin. Lützowstp. 94. Verlangen Sie Preisliste. cPhotograph. /IteSlers. Haynn, Frankfurt. Allee 92| [geg. Ringbnb. Frankf. Allee. 5 8i Schuw, a. Besohlanstalten Petersburger Straße 88. 1 ■xae Warenhäuser aar« UHambnrgcr Warenhaus Mai FlcmmingM HAU-Stralan 11 Jojrw.-Les. erh. 5®/oB G iahn-Ateiier ivohlleil S H�eue Königstr. 40(am AlexanderplQH Warenhaus Wilhelm Stein Chausseestrasse 70-71» BERLIN N» Chausseestrasse 70-71 Die heute inserierten Artikel sind ohne Bezugsschein erhaltlich, weil nickt bezugssckeinptlicktig. Damen-Wäsche Damen-HemÖen Äm.8T!r.el;El.a: 675 Damen- Kniebeinkleiber 525 Rock-Beinkleiber br"t- S7» Elegante Batist- Unfertaillen"tick««?! 648 Prinzess- Unterröcke ta»n.Grt... 1295 1685 Prinzess- Unterröcke 17M 1950 Säuglingswäsche in grosser Aaswahl und allen Preislagen Korsette Frack- Korsette � 8trom�: 495 Frack-Korsette«xt« uns............ 595 Frack-Korsette?LtÄÄ15.'n.1!r".Md 695 »"» fe»tem Stoff mit«I»s«- 725 rracK rxorseiie sstitow u> rvittx üw!»?.' BÜStenfOrmer»»» welnem IMI, reistolldsr 295 Handschuhe Damen-Hanöschuhe S»ÄmÄ'«.. weiss und fnrblg..................... OO Pf. Damen-Hanbschuhe Änn;2S: 75 schwan und weisfl, glatt und durchbrochen.....■ � Damen-Hanbsdiuhe s�rnek�K"«�#", oc marine, schwan, weiss.................. wö"• Damen-Hanbschuhe �..Än0� I25 Konfirmanden-Hanbschuhe stwe!-<45 2 Druckknöpfe, schwan und weiss..........' Konfirm.- H anbschuhe fe!i;Ä.mm: I90 Kinber-Hanbschuhe 65 pr. Schürzen Bunte Blusen- Schürzen ÜI!nk"d 4#5 525 Bunte Haus-Schürzen hen«onkei 465 540 Kleiber-Sdiürzen hen seatrem...... 595 675 Kleiber-Schürzen 496 625 710 Bunte Satin-Schürzen 7«ra495 580 625 795 Weisse Stick.-Schürz. 7.'™ 478 B28 628 698 Weisse Tee-Schürzen... 210 285 385 450 Kurzwaren Militär-Nähzeug reieh«ennt.... 75 pf Schwarze Gürtel im»,............. 48 pt. Kinber-GÜrtel In rlele» Farben........ 25 Pf. Kinber-Gürtel rnVifltnF.Vb�f' 8.e!,B*,1.e: 35 pf. Drudeknöpfe �.!ÜenGrö,,e";'ch.wS"trcnd 15 pf. Druckknöpfe.�"".'/Äd' 20 p«. Haarschleifen �ÄÄ.12. 15, 23,29 pi. Kleiderstoffe Schleierstoffe �,'.°4. d00kel.f"bis;.mod.en:e. 225 325 450 Sdlleierstoffe eestreift n. gestickt, doppeltbreit Mtr. 496 550 695 Schleierstoffe weiss gestickt, Schweizer Fabrikat Mtr. 695 725 875 Wasch-Musselin u. Batist/. otz. 3°° Militär-Tücher........ stuck 40, 50, 65 pr Flaggen-Tücher............. stuck 30 pr Wi rtsdiaftsa rti kel Emaillewaren Rosshaarbesen.....-jas 2« 275 Rosshaarhanbfeger 98pf.125 143 Kleiberbürsten.... 48. 68, 75 pr Haarbürsten...... 48, 65, 98 pr Rohrklopfer........ 15, 25 pr Aermelplättbretter 68, 85 pr Fussbänke............ 68, 98 pf. Gewürzschränke. 68, 98 pr I35 Eierschränke..... 95 pr I28 175 TablettS mit Einlage............ I25 Hanbtuchhalter... 60, 95 pr I28 Feberwebel........... 65, 98 pr Messerkästen......... 68, 98 pr Brotschneibemaschine 395 495 Fruchtpressen........ 96 pr I28 Königskuchenform. 55. 68, 98 pr Gazeglocken... 48, 65, 75, 98 pi. 2 GaSplätten Ternlckelt, mit Erhitzer 725 Kohlenplätten.............. 395 Reibemaschinen............ 1 95 ISOlierflaSChen Thermodx''jLlter. 239 ESSbeStecke m. schwarz. Griff. Paar 43 Pf. Essbestecke m. vernick. Griff. Paar 65 Pf. Wassereimer... mck 125 1 48 I85 Wasserkessel rar oa.____ stock I25 Wannen rund............ stock I48 Wannen orai..... stock I98 245 425 Konsol rar Sand. Seife. Soda.. Stück 98 Pf. Kaffeekannen........... stock I28 Kückenschüssel tief. 68, 85, 98 pr Müllschaufeln......... stock 68 pr Wasserkannen....... stock 68 pr Mülleimer-»» sehn«......... 98 pr Ein Waggon Emaille iE mit kleinen Fehlern........ Pfund M Wp Milchkannen. 4 Liter I48- Liter I78 Schmortöpfe»« Bing... 90 pr I75 Kasserollen m« Bing— 48 pl 1 78 Leitungsschoner decor........ I78 Einkockkessel.. stock 228 275 295 Zum Einkochen Einkockapparate milThernuimeter 1 098 Einkockbosen Weiss- blech m Gummi u. Klamm 55, 75, 98 Pf- Gläser Monopol � 60 Pf- 65 Pf- Gläser Monopol Liter 70 Pf. Fruchtpressen..• Stack 98 Pf- I25