Nr. 214. flbonncmcntS'Bcdingungcn: Wdonnements. Preis rränmneiando Lierleljährl. 3,90 Mk, monatl. lL0 Ml, wöchentlich W Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags« nunimer mit illustrierter Sonntags« Vellage.Die Neue Wein 10 Psg. Post- Lbonnement: 1.30 Mark pro Monat. Eingelragen in die Post-Zeitungs. Vreisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn 2L0 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen an Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, «umänien, Schweden und die Schweis 33. Iahrgimg. v!e MerNoiB-Levüdr befrügt für die sechsgespaltene Kolonel- zelle oder deren Raum 00 Pfg., Mr politische und gewerlschastliche Lcreins- und Versannnlungs- Anzeigen 30 Psg. „Aleine Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. tZUlässtg 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen da? erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere WortSPsg. Worte über 13 Buch- abgegeben werden. Die Exvcoition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. erlcheiol täglich, Vevlinev Volksblntt. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Parte» Deutfchlands. Telegramm-Adresse: „Sozialtleniokrat Reriln" Neüaktiov: EW. HS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1S1 SV— 1S1 S7. Expeüttion: SM. HS, �indenstraße z. Fernsprecher: Amt Morwplatt, Nr. 15190— föl 97. warum müssen wir in öiesem gerbst Sie Kartoffeln teurer bezahlen als im vorigen! Von Otto Braun. Das neue Kriegsernährungsamt hat in der Preis- gestaltung auf dem Lebensmittelmarkt, soweit das Interesse der Verbraucher in Frage kommt, bisher fast völlig versagt. Das ist besonders kraß bei der Festsetzung der neuen Kar- tosfelpreise in die Erscheinung getreten. Für die Ernte 1913 wurde der Kartoffelpreis im Herbst v. I. auf durchschnittlich 58 M. die Tonne für den Erzeuger festgesetzt. Das war gegen den Erzeugerpreis im Frieden, der etwa 30 M. im Durchschnitt der letzten Jahre betrug, eine Steigerung um 93 Proz., über- stieg� also weit die durch die Kriegsverhältnisse verursachte Erhöhung der Produktionskosten. Dieser hohe Preis wurde auf Drängen der Erzeuger im letzten Frühjahr noch erheblich erhöht. Das geschah, obwohl der Ernteertrag im Vorjahre besonders reichlich gewesen war. Viele Millionen Mehrver- dienst wurden dadurch den Kartoffelproduzenten zugeführt. Für die diesjährige Ernte ist nun der Preis der Winter- kartoffeln bereits festgesetzt worden, und zwar auf 4 M. pro Zentner bis zum 15. Februar 1917 und von da ab 5 M. Das ist ein Jahresdurchschnittspreis von 90 M. die Tonne für den Erzeuger. Diese gelvaltige Steigerung des Preises, der da» mit den im Frieden gezahlten Erzeugerpreis um 200 Proz. übersteigt, kann selbst unter Anwendung kühnster Rechenkünste nicht mit der Erhöhung der Produktionskosten begründet werden. Das wird auch nicht mehr versucht, sondern erklärt, der Preis der Kartoffeln müsse nach ihrem derzeitigen Futter- wert bemessen werden. Wollen wir feststellen, ob diese Art der Prcisbcmessung berechtigt ist, müssen wir prüfen, welche Bewandtnis es mit diesem Futter wert hat. Um die Käufer von Web-, Wirk- und Strickwaren nach Erlaß der Verordnung zur Regelung des Verbrauchs gegen Uebervorteilung zu schützen, hat das Oberkommando in den Marken kürzlich eine Verordnung erlassen, nach der die Ver- käufer nur Anspruch auf einen angemessenen Ge- w i n n haben sollen. Als solcher ist nach der Verordnung grundsätzlich nur derjenige Gewinn anzusehen, der auch in Friedenszeiten für gleiche Waren und unter sonst gleichen Verhältnissen er- z i e l t w o r d e n i st. Da die„Deuffche Tageszeitung" von dieser Verordnung Notiz nimmt, ohne ihr zu widersprechen, darf man wohl annehmen, daß sie den darin ausgestellten Grundsatz billigt und ihn auch für landwirtschaftliche Pro- dukte, sowohl bei dem Verkauf durch den Produzenten, wie durch den Händler gelten läßt. Danach dürften auch die Preise für landwirffchaftliche Produkte nur um den Betrag erhöht werden, um den die zu ihrer Herstellung ausgewen- beten Kosten durch die Kriegsverhältnisse tatsächlich gesteigert worden sind. Bei der Festsetzung der Höchstpreise für Brot- getreide, Weizen und Roggen, hat man auch die Steigerung der Produktionskosten zur Richtschnur genommen, ist indes bei der Bemessung der Preise nach dem Urteil aller nicht inter- essierten Sachverständigen über das durch diese Steigerung gerechtfertigte Maß erheblich hinausgegangen. Bei der Fest- setzung der Preise für Gerste und Hafer, die mehr als Futter- getreide angesprochen werden können, wie bei der Bemessung der Preise für Kartoffeln, die zum kleinen Teil der direkten menschlichen Ernährung, zum größeren Teil als Futterniittel dienen, ist man aber nach anderen Gesichtspunkten verfahren. Ein Vergleich der Preisspannung zwischen diesen wichtigen landwirtschaftlichen Produkten aus der Friedenszeit mit der jetzt bestehenden läßt das klar erkennen. Nach der preußischen Statistik betrug der Großhandels- preis im Durchschnitt der letzten zehn Jahre vor dem Kriegs für Weizen 195 M. und für Roggen 163 �M., also für dieses Brotgetreide zusammen durchschnittlich 179 M. pro Tonne. Die entsprechenden Preise für Gerste und Hafer standen auf 156 und 165 M., das find für dieses Futtergetreide durch- schnittlich 160 M. Der Preis des Brotgetreides stand sonach zu dem des Futtergetreides in dem Verhältnis wie: 179: 160. Durch die Höchstpreisfestsetzung vom vorigen Jahr wurde der Preis für das Brotgetreide auf durchschnittlich 240 M. fest- gesetzt. Wäre der Preis für Futtergetreide im gleichen Verhältnis gesteigert worden, würde er 214 M. be- tragen haben, denn 179: 160 enffpricht 240: 214. Tatsächlich wurde der Preis für Futtergetreide auf 300 M. festgesetzt. Das fft eine Steigerung des Friedenspreises um� 87 Proz. gegen 34 Proz. Steigerung des Brotgetreidepreises, wobei noch die höheren Preise für Oualitätsgerste zu Brau- und sonstigen Zwecken außer acht gelassen sind. Von einer Preis- fteigerung nach Maßgabe der Erhöhung der Produktions- kosten kann da wohl nicht mehr die Rede sein. Da ist zweifel- los ein anderer Maßstab angewendet worden. Dieses Mißverhältnis zwischen den Preisen für Brotgetreide und den Preisen für Futtergetreide, das sich schon nach der Preisfestsetzung im ersten Kriegsjahre heraus- gebildet hatte, wo die Regierung der wüsten Preistreiberei auf dem Futtermittelmarkt viel zu lange untätig zusah, h a t diePreisgestaltungfürallelandwirtschaft- lichen Produkte überaus verhängnisvoll beeinflußt. Das ist besonders auch bei den Preisen für Kartoffeln, Fleisch, Mollereiprodukte und Eiern in die Er- scheinung getreten. Nach der normalen Preisspannung in der Friedenszeit standen die Preise für Brotgetreide zu denen für Kartoffeln im Verhältnis von 179: 30. Nachdem der erstere Preis auf 240 erhöht worden war, würde sich bei relativ gleicher Stei- gerung des Kartoffelpreises das Verhältnis wie 240: 40 ge- staltet haben. Tatsächlich wurde der Kartoffelpreis aber auf 58 pro Tonne, also um 93 Proz., gesteigert und geriet dadurch in ein ähnliches Mißverhältnis zum Brotgetreidepreis wie der Preis für Futtergetreide. Durch die Erhöhung der Kartoffel preise in diesem Jahre ist dieses Mißverhältnis noch stark vergrößert worden. Statt 240: 40 hat es sich jetzt wie 240: 90 ge- staltet. Und das soll, wie das Kriegsernährungsamt halb- amtlich mitteilt, und die an den hohen Kartoffelpreisen inter- essierten agrarischen Kreise mit Genugwung unterstreichen, durch denFutterwertderKartoffeln bedingt sein. Wie wird nun eigentlich dieser ominöse Futterwert be- stimmt? Der Futterwert der Kartoffeln und sonstigen Futter- mittel wird bestimmt durch die Preise der Produkte, die durch Verfütterung dieser Futtermittel erzeugt werden. Das sind, um nur die wichtigsten zu nennen, Fleisch, Fett, Milch, Butter, Käse und Eier. Die Preise dieser Lebensmittel sind infolge der Preistreiberei auf dem Futternüttelmarkt in das gleiche Mißverhältnis zu dem mehr nach Maßgabe der erhöhten Pro- duktionskosten festgesetzten Preise ftir Brotgetreide geraten, wie die Preise für Futtergetreide und Kartoffeln. Rindfleisch kostete in Berlin im Juni 1914 im Kleinverkauf etwa 175 Pf. pro Kilo. Der damalige Brotgetreidepreis stand daher zu diesem Preis im Verhältnis von 179: 175. Nach der Er- höhung des Preises für Brotgetreide auf 240 M. mußte sich bei entsprechender Steigerung des Rindfleischpreises das Ver- hältnis wie 240: 235 gestalten. Da der Preis für Rindfleisch im Juni 1916 aber bereits auf 450 Pf. pro Kilo, also um 150 Proz. gestiegen war, stellte sich das Verhältnis wie 240: 430. Ein ähnliches Mißverhältnis hat sich zwischen den Brotgetreidepreisen uird den Preisen für andere Fleischsortcn, Milch, Butter, Eier herausgebildet. Diese Preise sind zu einer für weiteste Vollskreise unerschwinglichen Höhe gesteigert worden. Die Nutznießer dieser Preise drängen noch auf weitere Steigerung. Und diese so in die Höhe gc- triebcnen Preise für die Produkte der Vieh- Haltung bilden nunmehr den Maßstab für den Futterwert der Kartoffeln und der anderen Futtermittel. Das ermöglicht den an diesen hohen Preisen inter- essierten Produzenten- und Händlerkreisen folgendes Spiel: Werden die hohen Preise für Kartoffeln, Hafer, Gerste und andere Futtermittel angegriffen, dann verweisen sie begrün- dend auf die ihren Futterwert bestimmenden hohen Preise für Fleisch und andere Erzeugnisse der Viehhaltung. Be- schwert man sich über die hohen Preise dieser Produkte, dann verweisen sie umgekchrt zur Begründung auf die hohen Preise für Kartoffeln und sonstige Futtermittel. So läuft es eben daraus hinaus, daß wir in diesem Herbst höhere Preise für Kartoffeln bezahlen müssen, weil die ihren Futterwert be- stimmenden Preise für Fleisch, Fett, Eier usw. so unerschwing- lich hoch sind. Und warum müssen wir die schier unerschwing- lichen Preise für diese Lebensmittel bezahlen? Nun, weil die Preise für Kartoffeln und sonstige Futtermittel so hoch sind. Wie lange soll dieses Spiel noch getrieben werden, das die Volksernährung und damit die Volksgesundheit auf das schwerste gefährdet? Weiteste Avbeiterkreise und insbesondere zahlreiche minderbemittelte Kriegerfamilien müssen heute schon oft auf die ihnen zugemessene geringe Fleischration ver- zichten, weil sie die hohen Preise nicht erschwingen können. Da ist es eine der dringendsten Aufgaben des Kriegs- ernährungsamts, mit dieser unglückseligen Preispolitik, die den Lebensmittelproduzenten und-Händlern bereits Milliar- den unverdienter Kriegsgewinne auf Kosten des Volkes in die Taschen gejagt hat, endlich einmal gründlich aufzuräumen. Mit aufklärenden und beschwichtigenden Zeitungsnotizen und schwungvollen Aufrufen ist da nichts getan. Das Volk will Taten sehen. Eine durchgreifende Aenderung in der Preis- gestaltung muß erfolgen. In erster Linie müssen die Preise für Kartoffeln, Gerste, Hafer und andere Futtermittel auf die den Produktionskosten entsprechende Höhe herabgesetzt werden unter Einräumung des in der Friedenszeit üblichen Gewinns an die Erzeuger. Nachfolgend muß eine entsprechende Herabsetzung der Preise für Fleisch und andere Produkte der Viehhaltung erfolgxn, da- mit das Spiel mit dem hohen Futterwert der Kartoffeln aufhört. Den aus dem Auslande eingeführten Futtermitteln darf kein Einfluß auf die Preisgestaltiing der im Jnlande er- zeugten gleichen Produkte eingeräumt� werden. Daß die rumänischen Agrarier uns hohe Preise für ihre Produkte ab- nehmen, ist erklärlich, denn diese Sorte ist sich überall gleich. Das gibt den Produzenten im Inlands aber keinen berech- tigten Anspruch auf ähnliche Kriegsprofite. Die Zentraleinkaufsgesellschaft, die die ganze Einfuhr kontrolliert, kann das eingeführte Getreide und die einge- führten Futtermittel zur Deckung des gewaltigen Heeres- bedarfs verwenden und das dann noch verbleibende Quantum zu dem niedrig festgesetzten Inlandspreise gegen Maswertrag an Gemeinden oder sonstige für sachgemäße Verwendung Ge- währ bietende Körperschaften abgeben. Die Preisdifferenz muß als Kriegskosten vom Reiche getragen werden. Der zurzeit eingeschlagene Weg, auch den inländischen Produzenten die hohen Preise zu sichern und durch Zuschüsse des Reiches, des Staates und der in schwerer finanzieller Be- drängnis befindlichen Gemeinden einen Ausgleich derart her- beizuführen, daß im Kleinhandelspreis der hohe Erzeuger- preis nicht voll zur Geltung kommt, ist durchaus zu ver- werfen. Denn, ob hohe Preise oder hohe Steuern, das bleibt sich ziemlich gleich: das Volk muß es aiff alle Fälle zahlen. Auch ist es ganz verfehlt, hohe, durch den Erzeugungs- aufwand nicht gerechtfertigte Preise als Lockmittel für die Erzeuger von Lebensmitteln festzusetzen. Das muß diese geradezu dazu anreizen, durch Zurückhaltung der Produkte und durch passive ResisteNz bei Ernte und Liefe- rung steigernd auf die Preise einzuwirken. Entweder können die Landwirte die notwendigen Mengen Kartoffeln und Ge- treide, zur rechten Zeit dem Bedarf cntspre- ch e n d, liefern, dann haben sie die Pflicht, es auch ohne Lockmittel, in Gestalt von Drufchprämien und hohen Preisen, zu tun, oder sie können es nicht, dann nützen auch die das Volk schwer belastenden Lockmittel nichts. „Deutsche Art ist es, daß jeder Deutsche freiwillig die Pflicht gegen das Vaterland auf sich nimmt," schrieb die„Deutsche Tageszeitung" kürzlich in einem Leit- artikel über„Die Größe der Zeit". Ist dem so, dann sind doch die hohen Preise als Lockmittel nicht notwendig, um die Pflichterfüllung gegen das Vaterland bei den Landwirten auszulösen, die doch„deuffche Art" sicher für sich in Anspruch nehmen. Doch dem sei, wie ihm wolle. Finden sich gewissenlose Halunken, wie sie das Hauptorgan der Konservativen in Ost- Preußen kürzlich nannte, die den Hungcrkrieg, den die Eng- länder gegen uns führen, dadurch unterstützen, daß sie zur Er- Pressung höherer Preise ihre Produkte zurückhalten, nun so muß sich das deutsche Volk gegen das schändliche Treiben dieser inneren Feinde mit der gleichen Enffchlossenheit und Zähigkeit wehren, lvie es zur Verteidigung des Landes den Ansturm der äußeren Feinde unter unsäglichen Opfern an Gut und Blut abwehrt. Vorspiel. Am 6. August wird der Nationalrat der französischen Partei tagen. Einer der Hauptpunkte der Tagesordnung ist die Stellung zur Kriegs- und Friedenspolitik der Partei. Bei dieser Beratung wird sich der größte Kampf zwischen Mehrheit und Minderheit enffpinncn. Ob die Minderheit sich auf dem Nationalrat durchsetzen wird, ist noch nicht sicher. In der letzten Zeit hat sich auch die Mehrheit enger zusammen- geschlossen und Propagandaausschüsse geschaffen, die sehr wirk- sam arbeiten, da sie sich noch immer als Organisation der Parteimehrhcit bezeichnen können. Um so höher wird ein Fortschritt der Minderheit zu bewerten sein, den sie gegen die konzentrierte Macht der Mehrheit erkämpft. Inzwischen beschäfffgen sich die einzelnen Föderaffonen mit ihrer Stellung zum Nationalrat. Interessant ist die Ent- Wicklung, die die Seineföderation genommen hat. Im De- zember 1915 vereinigte die Minorität auf ihre Resolution 3800 Stimmen gegen 6000 für die Mehrhcitsresolution: im April vor dem Nationalrat erzielte die Minderheit 4100 gegen 5500, und jetzt erhält die Minderheitsresolution auf der Föderationsversammlung vom 23. Juli 4907 Stimmen gegen 5276 der Mehrheit, also nur 369 Stimmen weniger. Also ein erheblicher Fortschritt trotz der energischen Arbeit der Mehrheit. Der Föderation lagen drei Resolutionen vor. Eine der Mehrheit, von der 20. Sektion eingebracht, die erklärte,„daß die gerechten Vorbedingungen(für die Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen), wie sie im Kongreß im De- zember 1915 aufgestellt wurden, noch nicht realisiert sind". Sie enthält auch einen„energischen Tadel" gegen die„ge- fährliche Spaltungstendenz, die sich in Zimmerwald und in Kienthal kundgab". Die Minorität legte eine von Jean L o n g u e t und Paul Louis verteidigte, reichlich lange Resolution vor, die da- gegen protestierte, daß die Regierungen der kriegführenden Staaten sich noch immer einer Beendigung des Krieges durch diplomatische Verhandlungen widersetzten. Sie verlangte außerdem sofortigen Einberufung des Internationalen Sozia- listischen Bureaus und eine Zusammenkunft der Sozalisten der alliierten Länder zu dem Zweck, ihre Regierungen zur Be- kanntgabe ihrer Kriegsziele aufzufordern. Eine dritte Resolution wurde von der Gruppe von Puteaux eingebracht und vom Genossen M o r a verteidigt. Sie war von dem sozialistischen Bürgermeister von Puteaux, dem Genossen Lucien Voilin, verfaßt und unterzeichnet. Sie lautete: „Der Föderaffonskongrcß bestätigt nach Prüfung der Be- richte und der Lage seine früheren Abstimmungen über die nationale Verteidigung und sein Verlangen nach einem bal- digen und dauerhaften Frieden. Zu. dem Zweck, die sofortige Wiederaufnahme der inter- nationalen Beziehungen vorzubereiten, beaufttagt er die T. A. P.(Ständige Verwaltungskommission der Partei)', einen Kongreß der nationalen Sektionen der alliierten Länder ein- zuberufen. Er fordert die Partei und ihre Vertreter auf, bei der Re- gieruug Schritte zu tun, daß sie ihre Kriegszwecke öffentlich bekanntgibt." Als man zur Abstimmung schritt, zog Longuet zum großen Acrger der Mehrheit seine Resolution zurück und unterstützte die Resolution der Gruppe von Puteaux, um auf diese Weise alle Delegierten der Linken zu vereinigen. Die Resolution erhielt dann 4907 Stimmen, die der 20. Sektion 5276 Stimmen. 243 enthielten sich, 500 waren abwesend. Bei der Wahl erhielt die Mehrheit neun Delegierte und vier Stellvertreter, die Minderheit sieben und drei Stell- Vertreter. Unter den Delegierten der Minderheit befinden sich die Genossen Bourderon und V e r f e u i l, die unseren Genossen in Deutschland als unerschrockene Kämpfer für die Minderheit bekannt sind. Am 3. August sollte eine zweite Versammlung stattfin- den, in der man zu den anderen Punkten der Tagesordnung des Nationalrats Stellung nehmen wollte. Die 16. Sektion will dann eine Resolution verteidigen, die verlangt, daß die „HumanitS" nicht nur Artikel der Majorität, sondern auch der Minorität bringen sollte, da sie nicht nur von den Ge- nassen der Majorität, sondern auch von denen der Minorität moralisch und finanziell unterstützt werde. Der Seinekongreß bedeutet also wieder einen Forffchritt der Minderheit. Es fragt sich nun, wie sich die anderen Fö- derationen stellen werben, und ob die gesamte Minderheit in ihrem Kampf gegen die einer Zusammenkunft der Jnter- nationalen feindlichen Majorität der französischen Partei ge- schlössen und energisch vorgehen wird.(�) Der frsmzöjlsche Tagesbericht. Paris, 5. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Freitagnachmittag. Auf dem rechten Ufer der Maas wurde die Schlacht an der Front Thiaumont— Fleury fortgesetzt, die die Deutschen die ganze Nacht mit äußerster Erbitterung an- griffen. Mehrere ihrer mit starken Kräften unternommenen An- griffe wurden in der Gegend des Werkes Thiaumont mit schweren Verlusten für die Deutschen zurückgewiesen. Die Franzosen er- griffen sogleich Besitz von dem Werke, säuberten es unter heftigem Artikleriefeuer und nahmen 80 Gefangene mit. In der Gegend von Fleury waren die Kämtzfe auch heftig; die Deutschen verviel- fachten ihre Gegenangriffe auf das Dorf. Einem jeden ging eine gründliche Artilerievorbereitung voraus. Nach mehreren frucht- losen Versuchen faßten sie Fuß im südlichen Teil des Dorfes, wo der Kampf sehr lebhaft fortgesetzt wird. Die Franzosen halten immer noch die Bahnstation, die im Südosten des Dorfes gelegen ist. Die Deutschen griffen die Nacht hindurch gleichfalls die Stellungen östlich Vacherauville an; sie erlitten beträchtliche Ver- luste, ohne ein Ergebnis zu erzielen. In der Gegend von Vaur, Chapitre und Chenois sehr lebhafter Artilleriekampf. In den Vo- gesen griffen die Deutschen gestern gegen 10 Uhr abends den Vor- sprung bei Chapellote an. Der Angriff wurde zerstreut, ehe er die französischen Linien erreichen konnte. Die Llacht war auf dem übrigen Teil der Front verhältnismäßig ruhig. Pari?, 5. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Freitagabend. An der Sommefront hat unsere Artillerie feindliche Werke beschossen. Ein deutscher Fesselballon, der von unserem Feuer getroffen worden war, wurde bei Ennemain(südlich von Peronne) zerstört. Am rechten Ufer der Maas dauerte der Kampf den ganzen Tag in der Gegend von Thiaumont und Fleury an. Nordwestlich und südlich vom Werke Thiaumont blieben alle feindlichen Angriffe und Versuche, uns aus den eroberten Stellungen zu werfen, vergeblich. Wir haben nicht nur die Anstrengungen de» Feindes vereitelt und ihm erhebliche Verluste beigebracht, sondern es gelang unseren Truppen in einem zweiten Gegenangriff auch, sich zum zweiten Male innerhalb von zwölf Stunden des Werkes von Thiaumont zu bemächtigen, das trotz mehrerer vom Feinde unternommener Gegen- angriffe in unserer Gewalt geblieben ist. Der Kampf wurde ebenso hartnäckig um das Dorf Fleury fortgesetzt. Nachdem das ganze Dorf am Vormittag infolge mehrerer deutscher Angriffe geräumt worden war, hat unsere Infanterie heute nachmittag mit dem Bajonett den größten Teil des Dorfes erobert, wo der Feind noch mit Energie Widerstand leistete. Die Zahl der unverwundetcn Gefangenen, die von uns in den Kämpfen dieses Tages gemacht worden sind, übersteigt svv. In der Gegend Vaux-Chapitre-Chenois heftiges ArtiTeriefeuer ohne Jnfanierietätigkeit. Flugwesen. In der Nacht vom 3. zum 4. August haben unsere Lustgeschwader in der Gegend von Verdun verschiedene Be- schießungcn ausgeführt; 32 Bomben wurden auf den Bahnhof von Stenay, 83 auf die Bahnhöfe von Montmedy und Sean(? Sedan) und auf Lager in der Gegend von Damvillers geworfen. Belgischer Bericht. In der Gegend von Dixmuidcn dauerte der Artilleriekampf den ganzen Tag an. Einige örtliche Artillerictäkigkeit an anderen Stellen der belgischen Front. Die englische Melüung. London, 4. August.(W.T.B.) A m t l i che r B« r i ch t d e S General Haig. Letzte Nacht gewannen wir westlich von Poziöres durch kleinere Kämpfe einiges Gelände. In anderen kleineren Kämpfen nördlich Bazentin-le-Petit und nordwestlich des Waldes von Delville inachten wir einige wenige Gefangene. Wäh- rcnd der Nacht herrschte an mehreren Stellen der britischen Front beträchtliches beiderseitiges Artilleriefeuer. Eine Abteilung zer- streute östlich von Loos einen feindlichen Minenstollen. In der Nähe der Straße von Dpern nach Comines ließen wir in den feind- lichen Linien eine kleine Mine springen und besetzten den Trichter. London, ö. August.(W. T. B.) Amtlicher britischer Bericht. Der Tag war ruhig. Die feindliche Artillerie war tätig bei Pozieres und am Walde von Mametz. London, 4. August.(W. T. B.) Die Admiralität teilt mit: Ein Geschwader von Marineflugzeugen hat zwei Tonnen Bomben auf einen feinblichen Flugplatz bei St. Denis- Westrem und Munitionslager bei Reirelbeke geworfen und beträcht- lichen Schaden angerichtet. Ein Flugzeug wird vermißt. Der Verlauf üer„neuen§ront tzinüenburg� Zu der Uebernahme des Oberbefehls am größten Teil der Ost. front durch Hindenburg wird der Korrespondenz„Heer und Politik" auf Grund des jüngsten Generalstabsberichtes geschrieben: Auf einer Front von ungefähr 800 Kilometer hat nun Hinden- bürg die Führung übernommen, in einer der gewaltigsten Schlach- ten, die die Welt je gesehen hat. Da mit dieser Neuordnung der Befehlsverhältnisse im Osten«in neuer Abschnitt beginnt, so gewinnt die Frage nach dem Verlaufe der dem Generalfeldmarschall von Hindenburg unterstellten Front erhöhte Bedeutung, da das Ver- ftändnis für die Ereignisse der kommenden Tage und die Kämpfe der einheitlich zusammengefaßten Heeresgruppen zum nicht geringen Teil von dem Ueberblick über den augenblicklichen Stand der Dinge abhidytzig ist. Die Front im Osten hat sich im großen und ganzen in Mm lies Srolra SMMlim. Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Ztriegsschauplatz. Wie nachträglich bekannt wird, haben sich die gestern berichteten Kämpfe nördlich der Summe auf breiterer Front und gegen starke englische Kräfte abgespielt, sie dauerten zum Teil tagsüber noch au. Die im Abschnitt von nördlich Ovillcrs bis zum Foureaux-Walde vor- brechenden Engländer sind unter großen Verlusten für sie, au einzelnen Stellen nach hartnäckigem Nahkampf zurück- gewiesen. Neue Kämpfe sind heute bei Poziöres im Gange. Ein französischer Teilvorstoß wurde nachmittags südlich von Maurepas abgeschlagen. Im Aisne-Gcbiet machte der Feind zahlreiche Pa- trouillenunternchmungcn, die überall erfolglos blieben. Rechts der Maas wurden bei unseren gestrigen Gegen- angriffen im Abschnitt von Fleury 468 Gefangene von vier verschiedenen Divisionen eingebracht. In der Gegend des Werkes Thiaumout entwickelten sich von neuem er- bitterte Kämpfe. Im Somme-Gebiet wurde« zwei feindliche Doppeldecker im Luftkampf abgeschoffen. festlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e l d m a r sch a l l s von Hindenburg. Urberg angsversnche der Ruffc« über die Düna bei Tweten wurden vereitelt. Die Zahl der bei Rudka-Mirynska eingebrachten Ge- fangeneu ist auf 561 gestiegen. Am Screth nordwestlich von Zalosze wurden mehr- fache feindliche Angriffe abgewiesen; bei Ratyscze über den Screth vorgedrungene russische Abteilungen mußten einem Gegenstoß wieder weichen; bei Miedzygory und Czystopady hält sich der Gegner noch auf dem Südufcr. Front des FeldmarschallcutnantS Erzherzogs Carl. In den erfolgreichen Karpathenkämpfen wurden bisher 325 Ruffcu gefangen genommen und zwei Geschütze er- beutet. Balkan-Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Oberste Heeresleitung. »* Ziel iiilmeWA GemliMdMW. Wien, 5. August.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Tie in den Karpathen kämpfenden Streitkräfte der Heeres- front des Erzherzogs Karl haben auch gestern Raum ge- Wonnen. ES wurden 325 Russen gefangen genommen, zwei Ge- schütze erbeutet. Die Kämpfe dehnten sich bis t» die Gegend von Drlatyn aus. Nordwestlich von ZaloSze— am Südflügel der Front deS Generalfeldmarschalls von Hindenburg— ist es dem Feinde an einigen Stellen gelungen, die Sereth-Nicderung zu überschreiten. Er wurde geworfen. Nur an einem Punkte ist der Gegen- angriff unserer Truppen erst im Gange. Weiter nördlich keine Ereignisse von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. Im südlichen Teile dcr Hrchflächc von Doberdo kam es gestern zu heftigen Kämpfen. DaS feindliche Artillericscner, das schon in den letzten Tagen an Stärke zugenommen hatte, setzte im Abschnitt Monte dci Sei Busi— Monfalconc-Riicken— um 10 Uhr vormittags mit großer Heftigkeit ein. Nach unnntcrbrochcncm anhaltenden vicrundzwanzig- stiindigcm Massenfeuer begannen um 2 Uhr nachmittags die italicni« schcn Jnfantrricangriffe. Die ersten Versuche des Gegners, aus seinen Deckungen vorzugchen, scheiterten an der trefflichen Wirkung unserer braven Artillerie. Trotzdem gelang rS dem Feinde, im Laufe deS nachmittags an mehreren Punkten in unsere Stellungen einzudringen. Dank der tapferen Haltung unserer Infanterie wurde er jedoch im Nahkampf überall wieder hinausgeworfen, sodaß um 7 Uhr abends die ganze alte Stellung wieder in unserem Besitze war. Um diese Zeit ließ das Gcschützfcucr nach und flaute bis zum Einbruch der Dunkelheit völlig ab. Mindestens sieben italienische Regimenter waren an diesem mißlungenen Angriff be- teiligt. Zwcihundrrtdrcißig Manu wurden unvcrwundet gefangen, Zwei Maschinengewehre erbeutet. Der Nordteil der Hochfläche und der GörzrrBrückenkopf standen tagsüber gleichfalls unter starkem Gcschützfener. In Körnten wurde auf dem Plöcken der Vorstoß von drei italienischen Kompagnien, an der tiroler Ostfront der Angriff einer Brigade gegen die Höhen von Pancveggio blutig abgewiesen. Unsere Flieger belegten Bassano erfolgreich mit Bomben. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabeS: v. Hoefer» Feldmarschallcutnant. dem dem Generalfeldmarschall unterstellten Bezirk nur wenig seit dem Beginn des Stellungskrieges im Anfang Oktober 1915 geändert. In dieser Zeit wurde bekanntlich der Bewegungskrieg im Osten zu- gunstcn der Expedition gegen Serbien eingestellt, zumal die Front eine sehr günstige und kurze Gestalt angenommen hatte. Die„neue Front Hindenburg" verläuft vom Meere westlich von Tukkum aus nach Sudosten, geht an dem Turulsumpf entlang, durchschneidet die Kronsforst von Mitau im Norden dieser Stadt und gehl von hier aus, die Straße Mitau— Riga durchschneidend, fast gradlinig gegen Westen an die Düna. Von hier aus läuft die Front im Verlause der Flußrichtung nach Südosten, umgeht Jakobstadt in einem nach Westen gerichteten Bogen, um von hier aus bis südwestlich von Dünaiburg bei Jlluxt vorbei bei Nowo-AIexandrowsk einen Rich- tungsabschluh zu erfahren. Hier macht sie nämlich eine Biegung nach Osten bis ungefähr südlich von Dünaburg, geht dann an dem bekannten Dryswiatysee entlang, östlich von Widsh zum Naroczsee, der auch aus mehreren Schlachten bekannt geworden ist. Von hier aus verläuft sie weiter über Smorgon—•Wischnero— Ljubitsch, östlich von dem in letzter Zeit mehrfach genannten Schlachtort Gorodischtschc (westlich der Linie Skrobowa— Whgoda), um dann östlich von Ba- ranowitschi. ferner westlich Ljachowitschi in einer Bogenlinie an die Schara zu gehen. Nun zieht sie sich fast geradlinig nach Süden in den Raum des Ogiusftkanals, geht dann nach Südwesten, zieht sich in einem großen gegen Osten gerichteten Bogen um Pinsk. das die Russen angeblich schon vor Wochen besetzt hatten, an die Jasjolda, um beim Styr wieder nach Westen zurückzubiegen. Bis hierher hak die Front feit dem Oktober vorigen Jahres wenig Aenderung erfahren, da die russischen Erfolge der letzten Wochen ausschließlich auf dem südlichen Teil der Ostfront, besonders in Galizicn und der Bukowina, erzielt worden sind. Bei unseren Truppen sind hier auch einige Raumgewinne der Russen festzustellen, sie haben aber nur verhältnismäßig geringen Umfang angenommen. Die An- stürme der Russen gegen die früheren Fronten der Generalfeld- Marschälle von Hindenburg und Prinz Leopold von Bayern sind dagegen stets ohne jeden Erfolg der Russen abgewiesen worden. Aus der Darstellung der neuen Frontlinie wird man auch die Gering- fügigkeit des russischen Vorrückcns erkennen können, das sich be- anntlich an dem hartnäckigen Widerstand Linsingens brach. Die frühere Front ging von Pinsk aus fast geradlinig nach Süden. östlich von Luzk, bei Dubno nach Galizien an die rumänische Grenze. Nach dem russischen Geländegewinn windet sich nun die neue Front Hindenburgs nach Südwesten, am Stochod, geht über Stobhchwa, wo in den letzten Tagen heftig gekämpft wurde,»ach Gulewitschi am Stochod, schneidet den Stochodbogen in der Sehn« ab, verläuft weiter im Räume von Kisielin, das auch in letzter Zeit der Schauplatz starker russischer Angriffe war, östlich von Gorochow, um dann westlich an Brody vorüberzugehen, da die Russen diese Stadt im Besitze haben und westlich von ihr stehen. Weiter südlich geht die Front auf die Armee Bothmer über. Im großen und ganzen ist nach dieser Darstellung die„neue Front Hindenburg" durchaus günstig zu nennen, auch eine Gewähr für das glückliche Fortschreiten der großen Schlacht im Osten unter Hindenburgs Führung. Der rusiische Kriegsbericht. Petersburg, 5. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 4. August nachmittags. Westfront: Am Stochod in der Gegend von Lubieczow gingen unsere Truppen auf das linke Flußufer und besetzten eine Reihe von Höhen, die sie befesttgten. Am Ufer des Stawok, eines linken Nebenflusses des Stochod, kamen unsere Truppen im Laufe des Gefechts ganz nahe an das Ufer heran. Es entspann sich ein heftiger Kampf um den Besitz des Dorfes Rudka-Mirynska. Es kam in den Straßen zum Bajonettkampf. Das Dorf, um dessen Besitz abwechselnd gekämpft wurde, blieb schließlich in unserer Hand. Alle Versuche des Feindes, uns daraus zu vertreiben, blieben erfolglos; wir Waffen ihn über den Stawok hinaus, machten ungefähr 600 Deutsche zu Gefangenen und eroberten 12 Maschinengewehre. In der Gegend von Korytnica(15 Kilometer südöstlich Lokacze) wiesen wir einen feindlichen Angriff durch unser Feuer ab. An der übrigen Front das gewöhnliche Jnfanteriefeuer. Kaukasus: Nichts von Bedeutung. Petersburg, 5. August.(W. T. 83.) Amtlicher Bericht vom 4. August abends. Westfront: An den Ausgängen des Dorfes Rudka-Mi- rynska, das den ausspringenden Winkel unserer Stellungen am Flusse Stawok bildet, entspann sich ein heftiger Kampf, der die ganze Nacht andauerte. Nachdem der Feind von drei Seiten das Dorf ein- geschlossen hatte, machte er hintereinander mehrere Gegenangriffe. Wir wiesen einige dieser Gegenangriffe ab, mußten aber gegen 3 Uhr nachts das Dorf räumen und uns 400— 600 Schritt weiter nach Osten zurückziehen. Weiter südlich von Brody in der Linie der Flüsse Graberka- Sereth fand ein heftiges Gefecht der Truppen des Generals Sacharow statt. Sie machten 1300 Mann zu Gefangenen. In Brody tötete die Explosion eines großen Schrapnells den Feldprcdiger Pater Uspensky. Kaukasus: Die Lage ist unverändert. Nelöung üer italienischen Heeresleitung. Rom, 4. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Im Etschtala andauernde Tätigkeit der feindlichen Artillerie, besonders gegen unsere Linien südlich des CamaraSbaches. Am 2. August abends griff der Gegner an der Posinaftont unsere Stellungen öst- lich von Griso an. Er wurde aber unverzüglich zurückgeschlagen. Am gestrigen Tage war die Tätigkeit der Artillerie stärker zwischen dem Monte Selluggio und dem Monte Simone. In der Nacht zum 4. August versuchte der Feind im Travignolotale einen Ueberfall auf die von uns eroberten Stellungen. Wir schlugen den Angriff zurück. Dabei gelang es uns, einige Fortschritte im Drautale zu erzielen. Am Oberlauf des Digonsbackes(Hochpiave) dehnten wir den Besitz der Stellung an der Vallonespitze in der Richtung auf den Monte Cavallino aus. Am Jsonzo wurde beiderseits mit großkalibrigen Ge- schützen gekämpft._ C a d o r n a. Die türkische Hauptquartiersmelüung. Konstantinopel, 5. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 22. Juli 1332(türkischer Zeitrechnung). An der Jrakfront und in P e r s i e n an der russischen Front kein Ereignis.— K a u k a s u s f r o n t: Auf dem rechten Flügel griffen unsere vorgeschobenen Abteilungen den Feind an, der sich auf eine befesttgte Linie auf den beherrschenden Höhen südlich von Bitlis zurückgezogen hatte, und besetzten die Gräben der ersten Linie des Feindes. Russische Truppen, die südlich den Müsch lagerten, wurden ebenfalls aus ihren Stellungen Vertrieben und nach Norden zurückgedrängt. Im Laufe dieses Kampfes machten wir zwei Offiziere, darunter einen Kompagnieführer, und vierzig Soldaten zu Gefangenen. Im Abschnitt von Oknott nur Scharmützel. Im Zentrum wurden Teilangriffe deS Feindes gegen unsere Stellungen westlich von Erzindjan und Guemueschkane durch unser Feuer aufgehalten. Im Norden, im Küstenabschnitt des linken Flügels, keine Tätigkeit. Aegyptische Front! Von den Gewässern von Mu- hamedie aus haben zwei feindliche Kriegsschiffe von neuem ohne Erfolg die Dattelhaine von Ogratine östlich von Katia beschossen. Ein feindliches Flugzeug, das über Hassana, un- gefähr 27 Kilometer südöstlich von Jbne, erschien, wurde durch unser Feuer vertneben. Drei feindliche Flieger, die ohne Er- folg Bomben auf unsere Truppen bei Katia warfen, wurden durch einen Angriff unserer Flugzeuge, die zum Kampfe mit ihnen aufgestiegen waren, und durch das Feuer unserer Ab- wehrkanoncn vertrieben. Keinerlei Veränderung an den anderen Fronten. Eine Schlacht am Kanal von Suez. London, 5. August.(W.T.B.) Reutermeldung. Amtlich. Der folgende Bericht wurde am 4. August 11 Uhr abends vom Oberkommandierenden in Aegypten veröffentlicht: Seit Mitternacht vom 3. August auf den 4. August haben die Türken in einer Stärke von 14 000 Mann unsere Stellungen bei Romani östlich von Port Said in einer Front von sieben bis acht Meilen angegrfffea. Die Lage bei Einbruch der Dämmerung am 4. August war folgende: Die Türken hatten gegen unsere befestigten Stellungen nichts aus- gerichtet. Auch an der südlichen Flanke, wo vier- bis fünfhundert Gefangene gemacht wurden, entwickelte sich der Kampf zu unseren Gunsten. Kriegsschiffe haben von der Bucht von Tina aus wert- vollen Beistand geleistet. Zur Zeit der Absendung des Berichtes ist der Kampf noch im Gange. Lustkampf an der flanöristhen Küste. Amtlich. Berlin, den S. August.(W.T.B.) Heute dormittag wurde in der Nähe der flandrischen Küste ein feindliches Kampfflugzeug durch eines unserer Seeflugzeuge nach längerer Verfolgung zum Kampfe gestellt, zum Absturz gebracht und vollständig vernichtet. Damit hat der Leutnant zur See Boenisch das vierte feindliche Flugzeug von einem Seeflugzeug aus verachtet; er hat vor einigen Tagen einen weiteren Gegner durch Maschincngewehrtreffer zur Notlan- dung dicht hinter der feindlichen Linie gezwungen. vom U-Soot-Krieg. r Sern, 5. August.(SS. T. B.)..Secolo' meldet aus Tri- valis: Nachdem man seit einigen Tagen über das Geschick des DampserS„Setimbro" sehr beunruhigt war, wurden von der- schiedenen Häfen aus Torpedoboote und Kundschafts-Schnell- dampfer auf die Suche gesandt. Das Kriegsschiff„Guerrazzi" sichtete 110 Meilen vor Bengasi ein Boot mit Uebcrlebenden des Dampfers, nach deren Angaben„Setimbro* von einem öfter- reichisch-un garischen Unterseeboot versenkt wor- den war. Das Schiff führte etwa 120 Passagiere und 58 Mann Besatzung. An Bord befanden sich unter anderen Commendatore Salvadpre, der Geucralsekretär der Cyrenaika sowie mehrere höhe« italienische Offiziere, die auf der Heimreise waren. Bern, 5. August.(SB. T. B.) Zur Versenkung des Dampfers .,L e t i m b r o" melden Mailänder Blätter aus dem Bericht des Kapitäns noch folgende Einzelheiten: Der Dampfer verfügte über zwei 5,7-Aentimeter-Kanonen. Zwischen dem Il-Boot und dem Dampfer fand ein regelrechter Kampf statt. Die Schiffs- geschütze feuerten 24 Kanonenschüsse ab. Erst als eines der Ge- schütze unbrauchbar geworden war, hißte der Kapitän die weiße Flagge. Zum Untergang der �Königin wilhelmina�. Amsterdam, 5. August.(T. U.) Aus Vlissingen wird ge- meldet: Unter sehr großer Beteiligung fand gestern auf dem Begräbnisplatz(Friedhof) in Vlissingen die Beisetzung zweier Maschinisten statt, die an ihren Brandwunden, welche sie bei dem Untergang der„Königin Wilhelmina" erlitten hatten, gestorben sind. Am Grabe sprach der Direktor der„Zeeland'-Gesellschaft uiiii erinnerte an die vielen Unglücksfälle, welche die Gesellschaft in diesem Kriege schon getroffen habe, von denen aber der Unter- gang der„Königin SLilhelmina" der schwerste gewesen sei, weil er fünf Menschen das Leben kostete. Weiter widmete der Verwalter den auf ihrem Posten Gefallenen einen letzten Gruß und Nach- ruf. H�lfour über die zwei Jahre Seekrieg. London, 4. August.(W.T.B.) Meld. d. Neuterschen Bureaus. In einem Rückblick auf zwei Jahre des Seekrieges sagt Lord Balsour: Tie Zeit, die längst aufgehört hat, unseren Feinden zu helfen, ist seit der Schlacht bei Jütland stark auf unserer Seite. Jede Woche, seitdem die deutsche Flotte beschädigt in ihre Häfen zurückgetrieben worden ist, hat einen neuen Erfolg der Al- Inerten auf dem einen oder dem anderen Teile des Schlachtfeldes gesehen. Es wäre jedoch ein Irrtum, anzunehmen, daß der See- sieg die Lage verändert habe; er hat sie nur bestätigt. Vor der Schlacht bei Jütland ebenso gut wie nach ihr war die deutsche Flotte eingekerkert. Die Schlacht bei Jütland war ein Versuch, die Sperre zu durchbrechen; er ist mißlungen, und mit seinem Mißlingen ist die deutsche Flotte zur Ohnmacht herabgesunken. Das Ziel einer Seeschlacht ist, die Herrschaft über die Meere zu gewinnen oder aufrechtzuerhalten. Es steht fest, daß Deutschland sie nicht erlangt und wir sie nicht verloren haben. SLcnn die Deutschen glaubten, sie wären auf dem Wege zur Gleichstellung auf der See, würden sie dann mit soviel Lungenkrast die Tat eines Unterseebootes aus- posaunen, das unter der Handelsflagge 280 Tonnen deutscher Er- Zeugnisse, nicht zu erwähnen das Handschreiben des Kaisers, von Bremen nach� Baltimore gebracht hat? Die Tat selbst enthielt keinerlei seemännische Schwierigkeit; die Handelsergebnisse sind not- wendigerweise unendlich winzig. Das ganze Interesse, mit dem deutsche Augen die Fahrt begleiteten, beruhte auf der Hoffnung, sie könnten durch den Gebrauch von Unterseebooten die von der briti- schen Flotte aufgerichtete Schranke umgehen, die die deutsche Flotte weder brechen noch schwächen kann. Aber die Scegewalt zeigt sich nicht nurchurch Verlegung der Wasserstraßen für den Feind, sondern auch durch deren Gebrauch für die eigentlichen militärischen Zwecke. In den letzten zwei Jahren hat sich ein stetiger, stets wachsender Strom von Männern und Munition über den Kanal ergossen, dessen Wirkung wohl entscheidend sein mag. Indessen ist er niemals vor dem Angriffe feindlicher Schlachtschiffe oder Kreuzer sicherer ge- Wesen, als seit dem deutschen„Siege vom 31. Mai. Der Wert, den die Deutschen in Wirklichkeit ihrer siegreichen Flotte beimessen, wird durch ihre Politik der Unterseebootkrieg- führung dargetan. Der Vorteil von Unterseebootangriffen auf den Handel besteht darin, daß sie nicht durch eine stärkere Flottenmacht in derselben Weise kontrolliert werden können wie Kreuzer; ihr Nachteil besteht darin, daß sie in großem Maßstäbe nicht in Ueber- cinstimmung mit den Kriegsgesetzen oder den'Forderungen der Menschlichkeit durchgeführt werden können. Sic verlangen daher ein Doppeltes: Klugheit und Brutalität. Die Deutschen wußten, daß ihre siegreiche Flotte ihnen nichts nützen kann; sie konnte sicher im Hafen behalten werden, während außerhalb die Unterseeboot- kricgführung stetig und lustig weiterging. Sie wußten, daß ein Unterseeboot von Schlachtschiffen und Schlachtkreuzern nicht gestellt werden kann. Sie glaubten daker, diesen neuen Handelszerstörern müßten unsere Kauffahrteischiffe, ungeschützt durch Kriegsschiffe und nicht imstande, sich selbst zu schützen, eine leichte Beute werden. Sie haben sich in beiden Beziehungen geirrt. Zweifellos ist es ihre Wut über das Geschick und die Energie, mit denen britische Handels- kapitäne und Schiffsbemannungen die ihnen anvertrauten Menschen- leben und Eigentum verteidigt haben, die die deutsche Admiralität zu ihrer letzten und dümmsten Tat berechnender Grausamkeit ge- trieben hat, dem Justizmord an Kapitän Frhatt. SLaS müssen die Neutralen über alles dieses denken?! Bon den Verteidigern Deutschlands wird ihnen beständig ver- sichert, daß die Mittelmächte für die Freiheit der Meere kämpfen. Das ist eine Phrase, die eine verschiedene Bedeutung hat, je nach «iem Sprecher. Wir haben aber jetzt genug Gelegenheit gehabt, um uns ein Urteil darüber zu bilden, was es im Munde der Deutschen bedeutet. Es bedeutet, daß die deutsche Flotte sich aus der See ebenso aufführen soll, wie das deutsche Heer auf dem Lande. Es »xbeutet, daß weder feindliche Zivilisten noch Neutrale irgendwelche "Tkechte gegenüber dem streitbaren Deutschland haben sollen; daß diejenigen, die ihm nicht widerstehen, ertränkt, die ihm widerstehen. erschossen werden. 244 neutrale Handelsschiffe sind unter Miß- achtung von Recht und Menschlichkeit versenkt worden, und ihre Zahl wächst mit jedem Tage. Die Menschheit hat nach den Er- sahrungen von zwei Kriegsjabren ihr Urteil über die deutsche Kultur gebildet, die auch einiges enthält, aus dem man sich ein Urteil über deutsche Freiheit bilden kann. Rückreise von Italienern nach Italien. Berlin, 4. August.(W. T. B.) Zu der in den deut- schen Blättern jüngst verbreiteten Notiz auS Lugano, wonach in den letzten vier Wochen gegen 38 000 Italiener aus Deutsch- land, Luxemburg und Belgien nach Italien zurückgekehrt seien, er- fahren wir von unterrichteter Seite, daß diese Nachricht die Tatsache vers-yweigt, daß diese Italiener nicht frisch aws den genannten Ländern abgereist sind, sondern daß eS sich um Leute handelt, welche zu Beginn des Weltkrieges, lange vor dem Eingreifen Italiens, zum Teil auch kurz vor Ausbruch des italienisch-österreichischen Krieges nach der Schweiz gereist sind. Diese Leute fielen bisher der Schweiz zur Last, infolge der unablässigen Tätigkeit italienischer Regierungsagenten mögen sie anläßlich der von der Ententepresse übertriebenen Erfolge unserer Feinde zu ihrem eigenen Nach- teil veranlaßt worden sein, endlich nach Italien heimzukehren. Die deutsche Grenze haben jedoch in den letzten vier Wochen nach zuverlässigen Berichten nur vereinzelte italienische Frauen und Kinder überschritten, um zu ihren Gatten und Bätern zu gelangen, die es jetzt selbst bereuen mögen, Deutschlands gastlichen Boden verlassen zu haben. So scheint also die anfangs erwähnte Nachricht aus Lugano nichts anderes zu bedeuten, als ein Versuch interessierter Kreise, unnötige Unruhe unter den noch in Deutschland weilenden fleißigen italienischen Arbeitern zu verbreiten, die man wohl gleichfalls unter die„Beschäftigungslosen" in Italien aufnehmen möchte, zur Sovgenmehrung. Um leerem Gerede entgegenzutreten, bittet uns die Lega degli Emigranti in SSerlin, die italienischen Arbeiter in Deutschland darüber aufzuklären, daß jedeBefürchtung, sie würden inter- niert werden, absolut unbegründet ist. Tie Leute sollen also ruhig ihrer Arbeit nachgehen, die bestehenden behördlichen Vorschriften gewissenhaft befolgen und sich vor Verstößen gegen die öffentliche Ordnung hüten. Der König von England für unentwegte Fortsetzung des Krieges. London, 4. August.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der König hat an die Souveräne und Oberhäupter der alliierten Staaten das folgende Telegramm gerichtet: An diesem Tage, dem zweiten Jahrestage des Beginnes des großen Kampfes, in den mein Land und seine tapferen Alliierten verwickelt worden sind, drängt eS mich, Ihnen meine unentwegte Entschlossen« h ei t z u ü b e r m itte ln, denKrieg fortzusetzen, bis unsere vereinigten Anstrengungen die Ziele erreicht haben, für die wir gemeinsam zu den Waffen ge« griffen haben. Ich bin überzeugt, daß Sie mit mir in dem Eni- schluffe übereinstimmen, daß die Opfer, die unsere tapferen Truppen großherzig gebracht babcn, nicht umsonst gebracht worden sein sollen, und daß die Freiheiten, für die sie kämpfen, in vollem Um« fange verbürgt und sichergestellt werden sollen. Ein neuer ruPscher Landwirtschastsminifter. Petersburg, 4. August.(Petersburger Telegraphenagentur.) Das Mitglied des Reichsrats Graf BobrinSky ist zum Ackerbau- mini st er ernannt worden. Der neuernannte Ackerbauminister tritt an die Stelle N a u- m o w s, der von den führenden agrarischen Kreisen Rußlands ge- stürzt wurde, weil er sich ihren Forderungen, namentlich auf dem Gebiete der Höchstpreise, nicht nachgiebig genug zeigte. Der an seine, Stelle tretende Graf Bobrinsky wurde vor dem kürzlich vor- genommenen Ministerwechsel als Kandidat für das Ministerium des Innern betrachtet. Daß er dann übergangen wurde, erklärt sich wohl daraus, daß er als einer der Führer der extremsten Agrarier für den Posten des Landwirtschaftsministers in Aussicht genommen war. Nach seiner jetzt erfolgten Ernennung dürften die Vertreter des adligen Großgrundbesitzes erleichtert aufatmen, denn in dem Grafen Bobrinsky besitzen sie an der Spitze eines der wichtigsten �Ministerien nicht nur einen Mann von erprobter„echtrussischer" Gesinnung, son- dern auch einen eifrigen Verfechter der Privilegien und Forderungen des adligen Großgrundbesitzes. Kriegswucher in Rußland. Kopenhagen, 3. August. Die großen Petersburger Zeitungen berichten über die Verhaftung des Bankiers R u b i n st e i n sowie anderer Bankiers. Das Hauptorgan der Moskauer Industriellen „U t r o R o s s i i" und der nationalistische„G o l o s R u s i" decken «iber die wahren Gründe der erfolgten Verhaftungen auf und geben ein Bild der in den betroffenen Kreisen herrschenden Korruption. Nach einer Darstellung des„Golos Rusi" entdeckte die polt- tische Polizei Dokumente einer russisch-französischen Bank über die Beteiligung von SZanken an ausgedehnten Zuckerspekulatio- neu, womit die Berhaftung der Zuckerfabrikanten Brodskij und Babuschkin zusammenhängt. Weiterhin stellte sich heraus, daß die Banken alles Metall auskauften und an die Regie- rung für Kriegszwecke zu fabelhaften Preisen wieder verkauften, da auf dem Markte kein Metall mehr zu bekommen war.„Rußkoje Slowo" vom 26. Juli veröffentlicht eine neue Auslegung zur Bankenangelegenheit. Danach waren der Grund der Verhaftung Rubinsteins und der Personen seines Kreises ungesetzliche Bankoperationen. Die Tätigkeit Rubinsteins war längst der Regierung bekannt. Wegen seiner hohen Gönner bei Hofe wagte man aber nichts Entscheidendes gegen ihn zu unternehmen, bis endlich die Aufmerksamkeit der Militärbehörden im Hauptquartier des Zaren auf die Tätigkeit RubinsteinS gelenkt wurde. Auf Anordnung des Zaren wurde zu diesem der in Tis- Position stehende General Pokotilo nach Petersburg entsandt, welcher nach Prüfung der Sachlage die Verhaftung RubinsteinS anordnete. Der Direktor des Polizeidepartements Resanow erschien selbst bei Rubinstein. Rubinitein protestierte gegen seine Verhaftung, indem er sich auf seine Eigenschaft als persischer Konsul berief, doch wurde diesem Einspruch nicht stattgegeben. Alle Verhasteten sind im Militärgcfängnis in Pskow interniert. Di« Untersuchung wird von General Pokotilo geleitet. „Birschewija Wjedsmosti" melden: In Verbindung mit dem aufgedeckten, weitvevbreiteten Spekulationsschwindel, der zur Verhaftung einer großen Zahl von Finanzleuten in PeterS- bnrg, Moskau und Kiew führte, ordnete die Regierung an, daß die bekannte russisch-crmerikanische Gummifabrik Treugolnik unter Negier u ngsaufsicht gestellt werde. Ferner sollen die Bücher einer Anzahl großer Petersburger Banken von der Re- gieung geprüft werden, um festzustellen, ob sie an dem Spekulations- schwinde! in Lebensmitteln beteiligt waren. Die Untersuchung bei der Internationalen Bank, bei der Russischen Bank für Außenhandel und bei der Russisch-Franzö- fischen Bank ist bereits abgeschlossen. Es ist aber noch un- bekannt, mit welchem Ergebnis. Ein rußlsches Industrie-»u u. huMer Deckel Dtr, 1.40 Aufgäberthefte.M.:.'.. stück 6 9 Pt. Oktavhetie......... stück 6 10 Pt Löschblätter...v... n stück 7 10 Pt Löschblätter.....>00 stock 25 35 Pt Bleistlftanspitzer.. Stück 9 25 42 pt Radiergummi....... stück 5 25 pt Federhalter....... St£ick: 4 5 pt Federhalter....� stück 8 10 12 pt 0Kinder-Schnürstiefel Boxcalf, Ross-Chevreau, Chevreau, weisse Stoffsliefel und farbige Stoff-Turnschuhe mit Chromsohlon in allen Größen. Die mit o veraehenen Artikel sind nicht h ezn&s cheinpflieb tig. 0Schul-Artikel Schulfedern...... 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Eine amiliche Meldung beruhigt die Berliner Bevölkerung über das häufige Erscheinen von Flugzeugen. Es handle sich dabei um deutsche Flugzeuge; das Erscheinen feindlicher Flugzeuge in der Provinz Brandenburg sei fast ausgeschlossen. Durch unvorsichtiges Vorgehen, namentlich wildes Drauflosschießen, würden die deutschen Flieger den schwersten Gefahren ausgesetzt. Weiterhin wird amtlich aufgefordert, die Iagd auf angebliche feindliche Geldautomobile einzustellen, sie gefährde nur die Durch- sührung des notwendigen Kraftwagenverkehrs für die eigene Heeres- leitung. Die„Franks. Ztg." meldet die Erschießung mehrerer Auto- mobilführer, darunter eines Offiziers, durch übereifrige Wachtposten. Dix„Staatsbürger-Zeitung" bemerkt zur Ermordung des Ge- nassen Zaurös: „Die Sozialdemokratie, die jahrzehntelang den politischen Mord verherrlichte, hat Pech.... Im vorigen Jahre mußte der Sozia- listenführcr Schumeier in Wien daran glauben. Jetzt ist Iaurös in Paris von einem französischen Patrioten erschossen worden. Iaures hatte, trotzdem er katholisch war, das Aeußere eines dunkel- blonden russischen Juden, was gewisse Rückschlüsse erlaubt." Die österreichisch-ungarische Regierung übermittelt Rußland die Kriegserklärung. Kord Kitchener ist zum Kriegsminister ernannt worden. Deutsche Truppen besetzen Vriey nordwestlich von Metz. In Petersburg war das Gebäude der deulschen Botschaft Gegenstand wüster Ausschreitungen. Der Petersburger Stadtpräfekt ver- öffentlicht einen Aufruf, Personen und Eigentum fremder Unter- tancn nicht zu belästigen. Slumlst IStS. Weitere Vorschiebung der gesamten Ostfront. Ein italienisches U-Boot wird durch ein österreichisches U-Boot versenkt. Das italienische Luftschiff„Citta di Jesi" wird bei Pola durch Schrapnellfeuer heruntergeholt. Lloyd George erklärt in einer Versammlung in Bangor, er habe keine Angst wegen des endgültigen Ausganges des Kampfes. Die dunklen Wolken im Osten betrachte er mit Besorgnis, aber nicht mit Angst. Er sehe einen Strahl der Hoffnung am Horizont: die Wieder- geburt des großen russischen Volkes. Die Konferenz öer sozialistischen Neutralen. H a a g, 3t. Juli.(Eig. Bcr.) Die Nachmittagssitzung ist allgemeinen Ausführungen der Delegierten gewidmet. Die Reihe eröffnet Branting mit einer Rede, deren Ausführungen i:n ganzen ungefähr dem Stand- Punkt der französischen Parteimehrheit entsprechen und stellenweise zu denen Troelstras in scharfe Opposition treten. Branting sagt u. a.: „Ich hätte gern französisch gesprochen, um dem internationalen Charakter der Konferenz einen stärkeren Ausdruck zu geben und keinen falsche it"E1ndruck aufkommen zu lassen, da aber jeder hier Deutsch versteht, spreche ich in dieser Sprache. Die gedankenreiche Rede Troelstras war sicher in vielen Punkten allen aus dem Herzen gesprochen, aber sie enthielt auch Ausführungen, mit denen nicht alle cinverstanden sein können und über die man sich am besten freundschaftlich, aber ohne Verschweigung ausspricht. Einverstanden sind wir alle mit Troelstra, wenn er die Konferenz von Zimmer- Wald als ein Zeichen des Bedürfnisies begrüßt die Internationale hochzuhalten. Aber ich glaube betonen zu müssen, daß unsere Er- fahrung in Schweden— und dies ist wohl auch anderswo so— gezeigt hat, daß diese Bewegung auch andere Ziele gehabt hat. Bei uns ist die Zimmerwalder Aktion eine Aktion professioneller Nörgler, von Dichtern, die erst kurze Zeit bei uns sind, und wohl auch von Leuten, die zwar schon länger bei uns sind, ohne unsere Ansichten aber ganz geteilt zu haben. Da ist nun die Idee einer dritten Internationale entstanden. Angeblich hat die zweite den Nationalismus nicht scharf genug abgewiesen und zu wenig Klassen- kämpf getrieben. Aber wir haben immer den nationalen Gedanken neben dem internationalen hochgehalten und erkannt, daß er fruchtbar ist, da die Menschheit nicht nur aus entwurzelten Existenzen besteht. Unsere Kongresse haben sogar den Krieg zur Verteidigung der Nation gebilligt. Wir hatten in Schweden eine Programmkommission, wo man das Wort„Entwaffnung" an Stelle von„allmöbliche Abrüstung" setzen wollte. Ich kann diese Strömung heute verstehen, halte es aber für notwendig, daß die Internationale für die Nationalvertcidigung entschieden eintritt. In diesem Sinne hat sich die Programmkommission für die Selbstbestimmung und dementsprechende nationale Verteidigung ausgesprochen und er- klärt, daß die Zeit eines Weltkrieges für eine Programmänderung nicht geeignet ist. Und nun zur Frage der Einberufung der Vollsitzung. Ich für meinen Teil bin ganz einverstanden mit der bisherigen Haltung des Bureaus. Ich erkenne an, daß das Bureau verpflichtet war, solche Einladungen zu erlassen; aber ich erkenne auch die Pflicht der Parteien an, sich zu fragen, ob es für die Zukunft der Welt von Vorteil wäre, dieser Einladung zu folgen und ob— wie die Franzosen sagten— die Partei nicht damit ihren Einfluß verlieren würde, den sie nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen darf. Ich stimme mit Troelstra darin überein, daß in den Ländern, wo bisher ein verkappter Absolutismus herrscht, eine wirkliche Demokratie, worin die Partei auf einer gewissen Grundlage die ministerielle Verantwortung übernimmt, kommen muß. Unleugbar liegt eine Ursache des Kriegs in den verschiedenen Graden des Einflusses der Parlamente. Diese Reste der Feudalzeit sind vielleicht von den Genossen jener Länder nicht genug ernst genommen worden. Wohl kämpften sie, ohne jedoch Erfolge zu erzielen und vielleicht weil sie um sozialer Ziele willen die an- deren zu sehr zurückstellten. Das hat sich gerächt. Das Wort Iaures in Amsterdam bleibt nur allzu wahr, daß die größte Gefahr für den Sozialismus und den Frieden nicht das Bündnis der französischen Sozialisten mit der bürgerlichen Demokratie, sondern die politische Machtlosigkeit der deutschen Sozialdemokratie ist. Wir wollen hoffen, daß die deutschen Genossen diese Rück- ständigkeit gutzumachen suchen. Wir mischen uns in ihre Politik nicht ein, aber ww dürfen uns fragen, ob sie Hand in Hand mit der gegenwärtigen Regierung die Demokratie durchführen können. Wichtig ist, daß kein ökonomischer Krieg kommt. Dies scheint auch überall gebilligt zu werden." Ter Wirtschaftskrieg. Ueber den ökonomischen Krieg nach dem militärischen Krieg liegt folgender im Namen der holländischen Delegation eingebrachter Be- richt von F. M. Wibaut vor: In Deutschland und Oesterreich hat der Wirtschaftskrieg eine konkrete Form bekommen im Naumannschen Vorschlag der Bildung eines Mitteleuropa. In Großbritannien und Frankreich wurde eine entsprechende Be- wegung sichtbar, die zu den Beschlüssen der Pariser Wirtschastskon- ferenz führte. Naumann sieht im Europa von morgen zwei Gruppierungen von Gebieten, die zugleich durch Schützengräben und durch Zolltarife verteidigt werden. Nach ihm würde eine Annäherung an Rußland oder Großbritannien einen Verzicht auf die ehrgeizigen Bestrebungen des Germanismus bedeuten, die dahin gehen, der Mittelpunkt der Weltpolitik zu werden. Das Alldeutschium soll so mit dem pro- letarischcn Interesse zusammenfallen. Diese Ideen eines Ueber-Nationalismus haben in den sozialisti- scheu Kreisen Anhang gefunden. Ludwig Ouessel bekannte sich in den„Sozialistischen Monats- heften(1315, S. 478, und 1316, S. 474) zur Idee des zentralen und kolonialen germanischen Imperiums. Heinrich Pens(1916, S. 253) feierte begeistert die koloniale Ausdehnungspolitik und Emil Kloth (1316, S. 436) will eine germanische Welt gründen, die das europäische Festland mit Kleinasien und einen Teil Aftikas umfassen soll. Wil- Helm Jansson(„Arbeiterinteressen und Kriegsergebnis", S. 153) be- trachtet diese Ausdehnung als ein außerirdentliches proletarisches Interesse und schreckt nicht vor der Notwendigkeit eines die Volks- ernährung treffenden Zolltarifs zurück. Paul Umbreit(„Korrespon- denzblatt" 1915, Nr. 51) erblickt in dieser Auffassung das wirtschafts- politische Programm der deutschen Gewerkschaftsorganisationen. Diese Ideen haben in Oesterreich und Deutschland einen solchen Widerhall gefunden, daß es angezeigt schien, in Berlin(am 9. Januar 1916) eine Zusammenkunft deutscher und österreichischer Sozialdemokraten zu organisieren, bei der Karl Renner nachdrück- lich auf die Unvermeidlichkeit der Errichtung riesiger Wirtschafts- reiche hinwies, eine EntWickelung, an deren Ende er die— Internationale sieht. Für Renner est diese neue Agglomeration eine notwendige Folge der kapitalistischen Konzentration. Dem autono- mischen Staat folgt das Bündnis der Staaten und das Kartell der Staaten mündet in der Weltproduktion. In Großbritannien haben analoge Ideen einen beredten Pro- pheten in der Person des australischen Ministerpräsidenten Genossen Hughes gefunden und begeisterte Anhänger im Lager der verstock- ten Freunde der„Tarifs Reform". Diese Herren berufen sich auf die austro-deutsche Bewegung, um ihre eigene Politik zu rechtfertigen. Nach ihnen sollen die Ententeländer eine vollständige ökonomische Unabhängigkeit organisieren, und der einzige Unter- schied zwischen der Situation von heute und der von morgen wäre, daß man sich morgen nicht mehr mit Flinten und Kanonen be- kämpfen würde, sondern mit zollpolitischen Beschränkungen und Verhoten. Der Plan läßt sich in zwei Sätzen zusammenfassen: „die fremden Waren müssen vertrieben werden" und„die frem- den Produzenten müssen vertrieben werden". Hughes spricht ganz die Sprache Naumanns. Es sind die- selben Gedanken und man möchte sagen: dieselben Worte. Nach beider Ansicht muß sich die Produktion national entwickeln, um ein glückliches Volk zu schaffen. In Wahrheit will man die Arbeiter glauben machen, daß im Schutzzollsystem das Heil liege. Man will sie glauben machen, daß die Belastung der Konsumenten zugunsten der Grundeigentümer und der Jndustriekapitalisten schließlich im ganzen auf die Verbesserung der Lage der Arbeiterschaft hinaus- laufe. Man will sie glauben machen, daß die Tatsache der Er- Hebung fiskalischer Abgaben zum Schaden der großen Massen zu guter Letzt in eine diesen Massen günstige umschlage. Aber, was noch stärker ist, ist der Umstand, daß man die Einbildung hegt, uns glauben machen zu können, daß das beste Mittel, Europa das Leben zu ermöglichen die Teilung des Jahrhunderts in zwei Hälften sei: in fünfzig Jahre des gegenwärtigen Gemetzels und die fünfzig folgenden, wo man versuchen würde, einander auszu- hungern. Etwas Derariges kann aber nicht die Politik des Proletariats sein. Renner verhehlt sich übrigens keineswegs die unmittelbaren Folgen des von ihm angenommenen wirtschaftlichen Regimes. Aber er nimmt dieses als eine unvermeidliche Entwickelungsstufe des kapitalistischen Systems hin. Er gibt sich eben nicht genügend Rechenschaft darüber, daß die kapitalistische EntWickelung schon die Organe geschaffen hat, die das internationale Zusammenwirken der großkapitalistischen Gruppen innerhalb der verschiedenen Na- tionen zu sichern bestimmt sind. Die politischen Grenzen und sogar die politischen Gegensätze und Abneigungen haben die Kapitalisten- gruppen der einander politisch gegenüberstehenden Nationen nicht gehindert, sich international zu verbinden, um neue Gebiete zum Zwecke kapitalistischer Ausbeutung mit dem gemeinsamen Ziel des höchsten Profits zu erforschen Die Verbindungen der französischen Großbanken mit den deutschen zur Ausbeutung Kleinasiens, Marokkos und Südamerikas liefert uns Beispiele. Wir erinnern weiter an die verschiedenen Trusts unter der Leitung des intcr nationalen Finanzkapitals, unter anderem den Dynamittrust, in dessen Leitung sich die englischen und deutschen Kapitalisten teil- ten. Die neueste Geschichte der kapitalistischen EntWickelung zeigt uns, daß die Jntcrnationalisierung der kapitalistischen Ausbeutung mitten auf dem Marsche ist und daß sie die Zwischenstufe, mit der sich Renner abfinden zu müssen glaubt, schon überschritten hat. Diese Jnternationalisation vollzieht sich durch die stetige EntWickelung immer enger werdender Beziehungen zwischen den Gruppen der Großbanken der verschiedenen Nationen und sie bedarf nicht mehr vorbereitender Gruppierungen und Wirtschaftseinheiten verschiedener Nationen. Im Gegenteils diese Gruppierungen würden für die Entwicklung der kapitalistischen Internationale, deren Entfaltung schon voll zutage tritt, ein Hin- derni sbilden. Für die Interessen des Großkapitalismus besteht der nationale Gedanke— die nationale Bevorzugung— nicht mehr. Noch in einer andern Hinsicht ist die These Naumanns, der Mitarbeiter der„Sozialistischen Monatshefte", und Hughes, wo- nach die Entwicklung des nationalen Wirtschaftslebens zu gegen- sätzlichen Wirtschaftsgruppen zwischen den Nationen führen soll, angesichts der Wirklichkeit nicht aufrechtzuhalten. Die bloße Tat- fache, daß die Einfuhr deutscher Jndustrieprodukte in den eng- lischen Kolonien in einer Periode von fünf Jahren(1908— 1913) von 222 Millionen auf 380 gesttegen ist, beweist_ das Gegenteil. Stellen wir weiter fest, daß von 1839 bis 1913 die Einfuhr aus fremden Ländern in den englischen Kolonien verhältnismäßig stärker gestiegen ist als die Einsuhr aus England selbst. Die erste hob sich von 75 Millionen Pfund auf 244 Millionen, die zweite von 109 auf 240. In praktischer Hinsicht ist der Freihandel sofort anwendbar in den Kolonien und hier würde solches Regiment alle Möglichkeiten des Konfliktes entfernen. Die einzige Wirtschaftspolitik der Arbeiter. klasse ist daher der Freihandel. Nur aus diesem System kann ein dauerhafter Frieden hervor- gehen. Der kommerzielle Boykott führt zum Konflikt. Die Handels- freiheit führt zum Einvernehmen und zum Frieden. Sicherlich, der Protektionismus wie der Freihandel sind keine sozialistischen Lösungen. Man mutz zwischen dem Prinzip des Freihandels und dem was der Kapitalismus daraus gemacht hat, wohl unterscheiden. Während der letzten vierzig Jahre hat der Freihandel durch die EntWickelung der Trusts und Kartelle sein Hauptelement eingebüßt: die freie Konkurrenz. Der Freihandel hat zum Schluß nichts mehr bedeutet, als das Fehlen von Schutz, zöllen, und das Produktionsmonopol hat zu bestimmen. Die Sozialdemokratie hat daher das größte Interesse daran, den Frei- Handel in seiner vollen Wirksamkeit wiederherzustellen, um die vernunftmäßige Organisation der Weltproduktion vorzubereiten. Sicherlich wird das sozialistische Regime seinerseits die Konkurrenz in einem gewissen Ausmaß aufheben, d. h. soweit, als die Kon» kurrenz die Ergiebigkeit der Produktion beeinträchtigt. Aber wenn die Trusts und Kartelle ein Interesse daran finden, die Produktion einzuschränken, so verfolgen sie ein entgegengesetztes Ziel. Die Arbeiterklasse hat ein mächtiges Interesse daran, den natürlichen Gebieten der Produktion die freie EntWickelung zu verschaffen, den Austausch der Waren zu möglichst billigen Preisen zu er- leichtern und so eine friedliche Arbeitergemeinschaft der autonomen Nationen zu begründen. Ter Protektionismus dagegen kann nur beschränkt nationalen Zwecken dienen und die Erfahrungen unserer Zeit haben uns gelehrt, daß er ein Prinzip des Krieges darstellt. Und aus diesem Grunde haben wir unseren Feind in ihm zu sehen. Sind wir die einzigen, die das Problem auf diese Weise auf- fassen? Keineswegs. In Deutschland haben Lcdcbour, Kautsky, Meyer u.«. nicht gezögert, den Protektionismus— des alten wie des neuen Stils— zu bekämpfen. In Frankreich äußerte sich die parlamentarische Gruppe wie folgt(„Humanits" vom 25. Juni 1316): „Wir erklären hier im Einvernehmen mit allen, daß die ver- bündeten Nationen alle Maßregeln zu treffen haben, die ihre Pro- duktion und ihren Austausch entwickeln, das Entstehen und das Wachstum ihrer wirtschaftlichen Solidarität begünstigen und sie vor einem unlauteren Wettbewerb schützen können. Aberunsere Pflicht ist es, nicht einSystem des übertriebenen Protektionismus zu verstärken, dessen Kosten die arbeitenden Klassen aller Länder zu zahlen hätten und selbst gegenüber Deutschland kein System vitaler wirtschaftlicher Einschränkung zu entwickeln, das sicher eine Quelle neuer Konflikte und vielleicht ftir unser Land auch eine Ursache industrieller und kommerzieller Trägheit werden würde." „Wir lehnen es ab, das Unheil des europäischen Kriegs in einem Wirtschaftskriege zu verlängern." Die Konferenz der neutralen Länder kann noch klarer reden. Eine kriegerische Wirtschaftspolitik kann keine Bürgschaft eines dauerhaften Friedens sein. Die einzige Wirtschaftspolitik, die, weil sie die Grundlage für eine friedliche EntWickelung der Wirtschaftsinteressen der verschie- denen Nationen legt, dem Interesse des internationalen � Proletariats dienen kann, ist die Politik des vollen Freihan- d e l s, mit der Freiheit der See als wesentlichem Mittel der freien wirtschaftlichen EntWickelung und der offenen Tür in den Kolonien und Protektoraten. Der internationale Sozialismus muß mit all seinen Kräften dahinwirken, zwischen den Nationen die politischen Beziehungen herzustellen und zu entwickeln, die durch die EntWickelung der wert- schastlichen Kräfte selbst möglich und notwendig geworden sind, j-j politische Uebersicht. Krieg und Kapital. Zu den, gestern bei uns auszugsweise wiedergegebenen, Ausführungen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über Deutschlands W'irtschaftsbilanz schreibt Dr. Erich Marx in der„Berliner Volkszeitung": „Weit entfernt, lediglich ein Zerstörer des privaten Kapi- tals zu sein, hat der Krieg im Gegenteil das Privatkapital immens gefördert und gestärkt. Ein großer Teil der Industrie lebt von den Heeresausträgen und hat aus ihnen große und größte Verdienste gezogen. Die übrige Industrie aber, soweit sie nicht etwa aus Mangel an Rohstoffen aiktionsunfähig geworden ist, setzt alles, was sie fabrizieren kmin, im Eiltempo mit gutem Bevdienst ab. Sie braucht die Kundschaft nicht mehr zu be- suchen; wer heute Ware hat, wird mit Nachfrage überstürmt. Und da gehen denn auch gleich die alten Bestände mit fort, die jahrelang auf Lager wareu; alles wandert nun in den Konsum. Der glückliche Fabrikant räumt seine Bestände und schlägt mit bestem Nutzen sein Kapital ständig um. Auch das neutrale Ausland, so wenig es sonst oft von uns wissen will, nimmt nur zu gern unsere Ware; zur Leipziger Frühjahrs- messe strömten die Fromden schorenweise." Nach einem Hinweis daraus, baß namentlich die neu- zeitlichen Kriege tmd Heere die Kapitalsanhäufung gefördert und in starkem Maße zur Entstehung des moder- nen Kapitalismus beigetragen haben, fährt Dr. Marx fort: „Dieser Krieg nun vollends, dessen Bedarfserfordernisse alles frühere bei weitem in de« Schatten stellen, hat die K a- pitalsanhäufung in stärkstem Maße gefördert. Die Gewinne der Industrie sind teilweise derart, daß ein der Großindustrie nahestehender Schriftsteller das vermessene Wort vom„Geschmack am Kriege" aussprechen konnte, der in rnirnstriellen Kreisen hier und da entstanden sei. D i e M a ch t des Kapitals ist jedenfalls in Deutschland wie in allen anderen Industrieländern in bedeu- tender Steigerung begriffen. Diese Entwicklung ist nun darum vor allem bedenklich, weil dem Ansteigen des privaten Reichtums der gegen- teilige Vorgang beim Staate gegenübersteht. Der Staat, dessen Schuldenlast wächst, wird im Gegensatz zu vielen seiner Bürger immer ärmer. Es wird der ganzen A u t o r i- tätsentfaltung des Staates bedürfen, wenn er der gestiegenen Machtfülle der Privaten gegenüber sich in der alten Bedeutung bewahren will. Gegenüber der gestiegenen Kraft des Unternehmertums wird auch die Lage der Arbeiterorganisationen nicht besser. Sie haben einen großen Teil ihrer Fonds zur Unter- stützung ihrer einbezogenen Mitglieder und deren Familien verwandt und sind, im Gegensatz zum Unter- nehmertum, an Kraftfülle nicht gewachsen." Diese Feststellung eines bürgerlichen Autors ist um so beachtenswerter, als sie unbarmherzig mit den Illusionen aufräumt, die selbst in unseren Reihen von einzelnen ge- flissentlich verbreitet werden. Das Fazit ist bei Herrn Dr. E. Marx kurz folgendes: Das Kapital hat an Macht gewaltig zugenommen, während die organisierte Ar- b s i t stark ins Hintertreffen geraten ist. Demgegenüber an die„Autoritätsentfaltung des Staates" zu appellieren, der die Arbeit„schützen" soll, ist— echt liberal. Die davon er- wartete Wirkung kann erst dann eintreten, wenn die dem Kapital gegenüberstehenden sozialen Kräfte sich in energischer Betätigung den feindlichen Mächten entgegenwerfen und sich der Organe des Staates bedienen, um ihre Erxistenz und weitere Entwicklung zu verteidigen. Intensiver Druckschriftenvertrieb. Die.Freisinnige Ztg." schreibt: „Auch die Denkschrift des ehemaligen GeneralkandschaftSdireftorS Kapp- Königsberg„Die nationalen Kreise und der Reichskanzler", die in der Rede des Kanzlers vom 5. Juni eine gewisse Rolle spielte, wird von den»drei Deutschen" in einer ge- druckten Neuauflage verbreitet. Au'ch diesmal scheinen die„drei Deutschen" ihren Vertrieb recht„geschickt" einzurichten, indem sie dm Druckschrift aus verschiedenen Ortschaften versenden. So bat sie ein Berliner Bezirksverein aus Kray erhalten. Uns ging das Exemplar aus Lübeck zu.(Die Broschüre von sunius alter hatten wir aus Braunschweig erhalten.) In der Einleitung erklären die drei dunklen Ehrenmänner, die über viel Geldmittel zu verfügen scheinen, daß sie die Denkschrift Kapps ohne dessen Wissen neu auf- gelegt haben."— Auch diese Nachricht ist ein weiterer Beweis dafür, mit welcher Zielsicherheit und Energie die Vertreter i>sr„schärferen Tonart" zu Werke gehen, um ihren Bestrebungen Geltung zu verschaffen. Sie begnügen sich nicht damit, daß eine weitverbreitete Presse tagein tag- aus unermüdlich in ihrem Sinne tätig ist. Sie suchen auch die für sie übrigens recht milden Schranken der öffentlichen Aeußerung zu umgehen, indem sie einen massenhaften„illegalen" Druckschriften- vertrieb im ganzen Reiche organisieren. Traub unter Verbot. Der„K r e u z z e i t u n g" zufolge wird aus München gemeldet, dah der Vortrag des ehemals freisinnigen Lizentiaten Traub über die Kriegsziele, der am Donnerstag stattfinden sollte, von der Zensur verboten worden mit der Begründung, datz die Zuhörer bei dem Vortrage des Grafen Reventlow gewisse Stellen durch demonstrativen Beifall unterstrichen hätten.— Die„Freisinnige Ztg." bemerkt hierzu: Wir können diese MitteUung bestätigen mit der Ergänzung, datz die angegebene Ursache des Verbots nur einen Teil der wirklichen Begründung darstellt. Leider dürfen wir einstweilen nicht mehr darüber verraten." Bekanntlich hat Herr Traub in den Kriegsmonaten eine Wand- lung durchgemacht, die ihn von der Linken des Liberalismus bis in die unmittelbare Nähe des Grafen Reventlow gebracht hat. Geschichtliches zur EntWickelung der v-Bootwassc. In der Monatsversammlung des Vereins der Fortschrittlichen Volkspartei Plauen hielt Lgndtagsabgeordneter Günther einen Vortrag, in dem er sich auch über den lll-Bootkrieg und die Be- sprechung der Kriegsziele auslietz. Er behandelte, wie der„Vogtlän- dische Anzeiger" berichtet, die Angriffe gegen den Reichskanzler, die seiner Meinung nach unberechtigt seien. Es komme eben auch darauf an, in besonnener Weise die eigenen Machtmittel richtig ein- guschätzen. Redner gab als ftüheres Mitglied des Reichstags einen Ueberblick über die Entwickelung der Unterseebootswaffe. Ent- gegen der damaligen Auffassung der Marineleitung haben die liberalen Parteien eine Beschleunigung des Baues von Unterseebooten ge- fordert. Am 28. November 1907 führte Abg. Bassermann im Reichstage aus, datz die Versuche, die die deutsche Marine damit ge- macht habe, abgeschlossen seien, und man werde nun im verstärkten Maxe an den Bau von Unterseebooten herangehen. Im Auftrage der freisinnigen Parteien wies Abg. Dr. Leonhart am 39. Januar 1998 im Reichstage nach, datz wir in der Unterseeboots- frage den anderen Mächten gegenüber bedenklich ins Hintertreffen gekommen seien. Falsche Sparsamkeit sei hier nicht am Platze. Die deutsche Technik habe den Beweis geliefert, datz sie auch in der Unterseebootsfrage Vorzügliches geleistet habe. Entgegen dieser Auf- fassung betonte der freikonservative Abg. Frh. v. G a m p am 7. De- zember 1998 im Reichstage, datz gerade diese Zurückhaltung der Marineverwaltung in der Frage der Unterseeboote uns die Gewähr dafür gäbe, datz sich unsere Marineverwaltung zu dem Bau der großen Schiffe nur nach sorgfältiger Prüfung entschieden habe. Erst im Oktober 1919 wurde die erste deutsche Unterseebootflottille errichtet; später folgte die Gründung einer Unserseebootsschule. Man müsse das Vertrauen zu unserer obersten Heeresleitung haben, dah bei veränderten politischen Verhältnissen, die im Laufe des Krieges doch besonders sehr flüssig seien, namentlich durch die bekannten An- sprüche der amerikanischen Regierung, auch unsere Seemachtmittel, insbesondere die Zahl unserer Unterseeboote, richtig beurteflt werden. Davon hänge auch die Entschließung über einen verschärften Unter- seebootskrieg ab.— Der geschichtliche Rückblick des Abg. Günther ist nicht ohne In- teresse. namentlich soweit er auf die Verschiedenheit der Auffassungen der liberalen Parteien und der Konservativen 1998 im Reichstage bezug nimmt. Den jetzigen Wortführern der Konservativen, die nicht laut genug ihre besonderen Forderungen betonen zu können glauben, dürften die obigen Feststellungen kaum sehr angenehm sein. Nachklänge zur U-Boot-Versanimlung in München. Die„Münchener Neuesten Nachrichten" schreiben: An der Versammlung in München, in der zur Haltung des Reickiskanzlers in der Ick-Boot-Frage Stellung genommen wurde, haben Angehörige verschiedener Parteien teilgenommen, darunter mehrere Mitglieder der liberalen Parteiorganisation. Da vielfach die Meinung der- breitet ist, diese Herren hätten in der Versammlung gewissermaßen als Vertrauensmänner der liberalen Partei an den BeMcküssen mitgewirkt, stellen wir, ohne den Standpunkt der einzelnen Or° ganisationen hier des Näheren erörtern zu wollen, von den zu- ständigen Stellen ermächtigt, fest, datz diese Herren lediglich in privater Eigenschaft gehandelt haben und nicht Mandatare der Parteiorganisationen gewesen sind, weder der Münchcner, noch der des Landes.(Es handelt sich um eine Versammlung, die von einem Komitee veranstaltet wurde, das sich auf der Linie Reventlow be- findet.)_ Tie Studentenschaft und der ftfall Förster. Vor einiger Zeit brachte die Presse Mitteilungen, datz der Aus schütz der Berliner Studentenschaft auf einer allgemeinen Studentenversammlung eine Stellungnahme zum „Fall Förster" herbeiführen wollte. Die Behandlung des Falles Förster wuvde aber durch die Universitätsbehörden verboten. Der Studentenausschuß hält es jetzt für nötig, der Presse mitzuteilen, datz er nicht einmal eine Stellungnahme für die Freiheit der Wissenschaft und gegen die Angreifer Försters gewollt habe.„In vorliegendem Falle kam es der Berliner Studsntenvertretung lediglich darauf an, aufklärend in der Studentenschaft zu wirken, da es eine ziemliche Schwierigkeit darstellt, sich bei der Fülle der fast ausschließlich polemischen Literatur über diesen Fall ein Urteil zu bilden. Ferner glaubte der Ausschutz feststellen zu sollen, datz nach seiner Meinung eine Studentenschaft als solche nicht b e- rechtigt ist, insonderheit in der jetzigen Zeit, zu politischen Fragen l?) Stellung zu nehmen." In dem Schreiben des Rektors, das gegen die Veranstaltung Einspruch erhob, hieß es:„Da die Presse irreführende Notizen über Punkt 3 der Tagesordnung für die Studentenversammlung gebracht hat und daher zu befürchten ist, datz der Gegenstand als politisch aufgefaßt wird.... ziehe ich die Erlaubnis zu seiner Behandlung zurück..." Der Inhalt dieser Mitteilung des Berliner Studentenaus- schusses scheint uns weder für ihn noch für die Universitäts- bdjörden besonders rühmlich. Es wäre nicht nur ein Recht, sondern sogar eine Pflicht der Studentenschaft gewesen, sich mit Ent- schiedenheit für die Freiheit der Wissenschaft auszusprechen. Lohnkürzungen und Militärrenten. Die von uns schon wiederholt sestgestellte und gegeißelte Tat- fache, daß bei der Beschäftigung von Kriegsverletzten, die eine Militärrente beziehen, sogar in öffentlichen Betrieben die Löhne nicht selten im Hinblick auf die Rente gekürzt werden, hatte den Ab- geordneten Marquart veranlaßt, sich mit einer Eingabe an den Reichskanzler zu wenden, worin er bat, diesem Mßstand entgegen- zuwirken. Daraufist jetzt vom Reichskanzler eine Antwort erfolgt, in der es heißt: „Die von Euer Hochwohlgeboren vertretene Auffassung, daß der Lohn der in öffentlichen Betrieben beschäftigten Militär- rentenempfänger, insbesondere also der Kriegsbeschädigten, nicht mit Rücksicht auf den Rentenbezug gekürzt werden dürfe, wird auch von mir geteilt. Der Grundsatz, datz der Lohn auch dieser Klasse von Beschäftigten lediglich nach ihrer Arbeitsleistung bemessen werden soll, ist sowohl von der Reiwsleilung wie vom königlich preußischen Staatsministerium und anderen BundeSregie- rungen als maßgebend anerkannt worden und hat sich auch im gewerblichen Leben, soviel mir bekannt, ganz überwiegend Bahn gebrochen. Ich glaube annehmen zu können, daß diejenigen öffentlichen oder privaten Stellen, welche etwa bisher eine abweichende Lohnregelung befolgt haben, sich dem Einflüsse der herrschenden Anschauung und des von Reich und Staat ge- gebcnen Vorbildes nicht werden entziehen lönnen. Eines Ein- gehens auf die Frage, ob die städtischen Verwaltungen bisher die Rente auf den Lohn ganz oder teilweise angerechnet haben, wird es nicht Weiler bedürfen. Dem deutschen Städtetag ist von der amtlichen Stellungnahme Kenntnis gegeben worden. Auch wird die Angelegenheit weiter im Auge behalten werden; etwaige Wahrnehmungen auf dem in Rede stehenden Gebiet stelle ich er- gebenst anHeim, zur Kenntnis des Herrn Staatssekretärs des Innern zu bringen. gez. v. Bethmann Hollweg." Es wird Pflicht der Verantwortlichen Stellen fein, mit weit größerem Nachdruck, als es bisher(wenn überhaupt) geschah, dem Unwesen derartiger Lohnkürzungen entgegenzuwirken. Neue Höchstpreise für Leder. Berlin, ö. August.(W. T. B.) ES ist eine neue Bekannt- machung betreffend Höchstpreise und Beschlagnahme von Leder(Eh. IL 888/8. 16 K. R. A.) erschienen, die an Stelle der bisherigen Bekanntmachung betreffend Höchstpreise von Leder Eh. II. 888/1. 16 K. R. A: tritt. Durch die neue Bekanntmachung sind die Höchstpreise für Leder entsprechend den kürzlich erlassenen neuen Höchstpreisen für Häute verändert und vielfach herabgesetzt worden. Auch die Bestimmungen über die Freigabe von be- schlagnahmtem Leder und seine Verwendung haben Abänderungen erfahren. Anfragen von nichtamtlichen Stellen wegen der Bekanntmachung sind, sofern sie sich auf die Preise beziehen, an die Geschäftsstelle der Gutachterkommission für Lederhöchstpreise in Berlin W 9, Budapcstcr Str. 11/12, und sofern sie sich auf die Beschlagnahme- bestimmungen beziehen, an die Meldestelle der Kriegs-Rohstoff- Abteilung für Leder und Lederrohstoffe in Berlin, ebenda zu richten. Die Bekanntmachung tritt mit dem 1. September 1916 in Kraft, Ihr Wortlaut, der für die beteiligten Kreise von Wichtigkeit ist, ist bei den Polizeibehörden einzusehen. Allgemeine Seftanösaufnahme am 1. September ISIS. Berlin, 5. August.(W. T. B.) Auf Antrag des Präsi- deuten des Kriegsernährungsamts hat der Stellvertreter des Reichskanzlers eine Verordnung über eine allgemeine Be- standsaufnahme erlassen. Als Termin ist der 1. September festgesetzt worden. Die Aufnahme soll sich einerseits auf sämtliche privaten Haushaltungen erstrecken, andererseits auch die Bestände er- Mitteln, die sich im Gewahrsam der Gemeinden und sonstigen öffentlich rechtlichen Körperschaften befinden, ferner die Be- stände der Anstalten aller Art, der Gewerbe- und Handels- betriebe aller Art. In den Privathaushaltungen mit weniger als 30 zu der- pflegenden Haushaltungsmitgliedern beschränkt sich die Pflicht zur Anmeldung der vorhandenen Vorräte nur auf vier Warengruppen, nämlich 1. Fleischdauerwaren(Schinken, Speck, Würste, Rauch- fleisch, Pökelfleisch und andere Fleischdauerwaren), 2. Fleischkonserven, reine Fleischkonserven in Büchsen, Dosen, Gläsern usw., 3. Fleischkonserven mit Gemüse und anderen Waren ge- mischt in Büchsen, Dosen, Gläsern usw., 4 Eier, während für die ganz großen Haushaltungen mit 30 und mehr Personen sowie für die Gemeinden, öffentlich recht- lichen Körperschaften, Anstalten, Gewerbe- und Handels- betriebe usw. für im ganzen 33 verschiedene Waren und Warcngruppen die am 1. September 1916 vorhandenen Vor- räte anzumelden sind. Die Landeszentralbehörden können die Erhebung auf andere Gegenstände ausdehnen. Zur Anzeige verpflichtet sind diejenigen, welche die Vor- räte im Gewahrsam haben, glcichaiültig ob sie ihnen gehören oder nicht. Außerdem sind sämtliche Haushaltungs- vorstände verpflichtet, wenn sie keine Vorräte der bezeichneten Art haben, eine entsprechende Fehlanzeige zu erstatten. Die Aufnahme soll in der Weise erfolgen, daß für jede Haus- Haltung eine Haushaltungsliste, für Gemeinden, Anstalten, Gewerbe- und Handelsbetriebe usw. eine besondere Liste aus- zufüllen ist. Die Ausführung der Erhebung liegt den Ge- meindebehörden ob, sofern nicht die Landeszentralbehörden etwas anderes bestimmen. Diese haben auch die zur Aus- führung der Erhebung erforderlichen Anordnungen zu er- lassen. Um die Zuverlässigkeit und Richtigkeit der Anaaben zu erreichen, ist bestimmt, daß die damit beauftragten Personen befugt sind, sämtliche Räume, wo Vorräte zu vermuten sind, zu durchsuchen und die Bücher nachzuprüfen. Ferner sind bei mangelnder Rechtzeitigkeit, Richtigkeit und Vollständig- keit der Angaben Strafen angedroht. Vorräte, die ver- schwiegen wurden, können eingezogen werden. Auch fahr- lässig falsche Angaben sind unter Strafe gestellt. Die Er- Hebung erfolgt gemeindeweise, die Angaben sind auf An- zeigevordrucken auszufüllen, die durch die Landeszentral- behörde nach festgesetzten Vorlagen hergestellt und gedruckt werden.» Es sei bei dieser Gelegenheit nochmals darauf hinge- wiesen, daß die Bestandaufnahme nicht den Zweck hat, als Unterlage für eine Beschlagnahme von Vorräten zu dienen. Es handelt sich lediglich um die Feststellung der vorhandenen Vorratsmengen, ein diesbezüglicher Hinweis findet sich auch auf den Formularen für die Erhebung in den Haushaltungen. In Hinsicht darauf ist es völlig zwecklos und bedenklich, wenn Vorratsbesitzer aus Angst vor einer Beschlagnahme ihre Vorräte verschwenden. Diejenigen Bevölkernngskreise, die nicht täglich oder wöchentlich ihren Bedarf decken können, müssen gewisse Vorratsbestände haben, und darum wäre es verfehlt, wenn sie sie jetzt in unbegründeter Besorgnis ver- schwenden würden. Die angeordnete Bestandserhebung ist ein wichtiges Glied in der Kette der allgemeinen Versorgungsmaßnahmen. Es wird daher auf die verständnisvolle und bereitwillige Mitwirkung aller Kreise unseres Volkes gerechnet werden können. das tägliche Srot. Ein Butter- und Flcischparadies. Wie wenig hinreichend die jetzige Verteilung der Nahrungsmittel innerhalb des Reichsgebietes ist, tut erneut eine Zuschrift dar, die der bekannte Berliner Theaterkrittker S. I a c o b s o h n an das„Berliner Tageblau" gerichtet hat. Darin heißt es: „Ich Hause seit acht Wochen irgendwo in Deutschland zwischen Danzig und dem Westerwald. Als ich bei der An- kunst unseren„Brotkartenabmcldeschein" vorwies, erhielten wir nicht etwa einen Brotkartenanmeldeschein; der wurde für über- flüssig erklärt. Wohl aber erhielten wir vom ersten Augenblick bis heute: Brot, Buller, Eier, Fleisch und was sonst zu Hause kaum nach kleinsten Maßen, kaum um schweres Geld, kaum mit der größten Mühe zu erschwingen ist— das erhalten wir ohne Beschränkung, in einer Qualität, die vor dem Kriege selten, für einen Preis, der immer spottbillig zu nennen war. Zum Früh- stück und zum dritten Gang kommt auf jeden so viel Butter, wie in der Großstadt die Woche über auf eine mehrköpfige Familie. An den beiden fleischfreien Tagen gibt es nicht einen Eierkuchen, sondern sieben übereinandergelegt, die in reiner Butter— und von welcher Menge!— gebacken sind. Ueberhaupt schwimmen die meisten Gerichte in reiner Butter. Margarine kennt man nicht. Zu Kaffee und Tee braucht man keine Milch, weil an fetter Sahne niemals Mangel ist. Fleischsorten tauchen wieder auf, die sagenhaft geworden waren: auf einen bestiminten Wochentag fällt ein Schweine« braten, der gleich dem köstlichsten Gänsebraten schmeckt; wie da- von heruntergesäbelt wird, das erinnert an Homer. Derart werden allein in unserem Gasthof täglich 79 Personen— ernährt? Gemästet I Und in manchem Gasthof manches Nachbarorts zwei- hundert. Ihnen allen erscheint die Unvernunft dieser Ver» schwendung so arg, daß sie sich den Uebcrgang in die Gewohn- heilen der Heimai unbedenklich zu erleichtern trachten: sie laufen eine Weile vor der Abreise Butter aus und lassen sie im Eiskeller des Gasthofs lagern. Es ist klar, daß in der ganzen Gegend, die sonst zur Reisezeit nicht eben überfüllt war, ans Wochen hinaus kein Bett und kein Billard zu haben ist, daß Spekulanten sich über den Werl von gutgeschnittenen Ecken für künftige Holelbauten unterrichten, und daß man sich verwundert fragt, ob wirklich nicht erreichbar, sein sollte, von diesem märchcn« haften Ueberfluß ein Teil an die Großstädter abzuleiten. Ich lege Wert auf die Feststellung, daß meine Miltetlungen in keiner Weise übertrieben sind." Es scheint uns dringendste Notwendigkeit, daß solchen paradiesischen Stätten etwas von ihrem Ueberfluß genommen wird, damit an anderen Orten der Mangel nicht mehr gar so schroff in die Erscheinung zu treten braucht. Magdeburger Erde statt Kartoffeln. Eine neue Art von Kartoffelwucher stellte die PreiSprüsungS- stelle von Remscheid fest. Die aus der Magdeburger Gegend kommenden Kartoffeln sind derart mit Erde überschüttet, daß es Mühe macht, den Kartoffelblock zu zerkleinern und zu verladen. Die einzelnen Waggons enthalttn 29, 25 und 39 Zentner Erde. Die Magdeburger Erde mag zwar kostbar sein, aber zu Kartofielpreisen verkauft, bält die Preisprüfungsstelle doch einen Betrug für vor« liegend. Das Verfahren der Landwirte bedeutet eine bettäckitliche Schädigung der Stadt Remscheid, die ausgerechnet hat, daß sie für aus dem Kartoffelverkaus entstehenden Mehrkosten, die durch Reich, Stadt und Gemeinde getragen werden, bis September 75 999 M. zulegen muß, und zwar wenn sie Kartoffeln und nicht Erde für ihr Geld erhält._ Mus?nöustrie und Handel. 25 Proz. Dividende bei überreichlichen Abschreibungen. Der Rohgewinn der Vereinigten Stahlwerke van der Zhpen und Wissener Eisenhütten Aktiengesellschaft für das am 39. Juni beendigte Geschäftsjahr beträgt 17 Millionen Mark. Zu Abschreibungen sollen rund 3,8 Millionen Mark und zur Bildung eines Fonds zur Wiederherstellung der Betriebe auf FriedenSatbeil anderthalb Millionen Mark verwendet werden. Für die Kriegsge- winnsteuer sind 5 Millionen zurückgestellt worden. Es ergibt sich ein Reingewinn von rund 6,9 Millionen Mark. Der Aufsichtsrat wird der auf den 5. Oktober einzuberufenden Generalversammlung vor- schlagen, eine Dividende von 25 Proz. zu verteilen und reichliche Zu- Wendungen zu Wohlfahrtszweckcn zu machen, unter anderem an die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen 509 999 M. und für die Arbeitcrwohnungsfürsorge 759999 M. zu überweisen._ Niederländische Ausfuhr vou eingemachtem Gemüse. Der„Nederlandsche Staatscourant" vom 19. Juli 1916 enthält zwei Ministerialverfiigungcn vom gleichen Tage. Die erste bestimmt folgendes: Anerkannten Aussührern von gesalzenem, getrocknetem oder auf andere Weise haltbar gemachtem Gemüse soll von heute ab Ge- legenheit gegeben werden, für bestimmte Mengen gesalzenen Spinat Ausfuhrbewilligungen zu erhalten unter der Bedingung, daß sie für jedes Faß von 299 Kilogramm Reingewicht oder weniger, für das Ausfuhrbewilligung beantragt wird, vom 1. Oktober 1916 erb zwanzig Dreiliterbüchsen eingemachten Spinat erster Güte dem Vereine„Gcmüsezentrale" zur Verfügung stellen. Als Bürgschaft, daß die Ausführer dieser Verpflichtung nach- kommen, haben sie für jedes Faß, wofür sie Ansfuhrbewilltgung be- antragen, bei dem Vereine.Gemüsezentrale" eine Sicherheit von 15 Gulden zu stellen. Die zweite Verfügung bestimmt folgende?: 1. Ausführern von gesalzenem, getrocknetem oder auf andere Weise haltbar gemachtem Gemüse, die bei dem Vereine„Gemüse- zentrale" eingetragen sind, soll von heute ab Gelegenheit gegeben werden, für bestimmte Mengen Gemüse, deren Ausfuhr in frischem Zustand verboten ist, Ausfuhrbewilligungen zu erhalten. 2. Eine solche Ausfuhrbewilligung soll ausschließlich für Gc- müse erteilt werden, das aus ftischem, gemäß der Verfügung vom 28. Juni 1916 auf einer Gemüseversteigerung eines bei dem Ver- eine„Gemüsezentrale" eingetragenen Versteigerungsvereins für das Ausland verkauft ist. 3. usw. 4. Die Erteilung von Ausfuhrbewilligungen geschieht nur für Gemüse, das unter amtlicher Aufsicht an den Orten eingeladen wird, wo eine solche Einladung von frischen Gemüsen �-'�chen darf, sowie an den von dem Minister noch näher zu bestimmenden Orten. Schwedische Preißclbeercn. Der Lebensmittelausschutz der Stadt Stockholm hat nach „Stockholms Dagblad" den Erlaß eines Ausfuhrverbots von Preitzclbeeren beantragt und dabei darauf hingewiesen, datz die diesjährige Bcerenernte in Schweden hinter dem Durchschnitt zu- rückbleiben dürfte. Soweit der Ernteertrag den Bedarf in Schweden übersteigen sollte, können Ausfuhrbewilligungen erteilt werden. Gegen den Erlaß eines Ausfuhrverbots für Preitzelbecren haben sich inzwischen die Handelskammern von Norrbotten und Mästerbotten ausgesprochen. IL a. haben sie darauf hingewiesen. datz die Möglichkeiten einer Veredelung der Beeren in Schweden selbst geringer seien als je, da die Vorräte an Zucker knavi und die Zuckerpreise hoch seien. Auch könnten die Aussichten der Preitzelbeercnernte in den beiden nördlichsten Provinzen Schwedens als günstig angesehen werden. Vou der sapamschen Industrie. Die«Rietsch" vom 1. 7. entnimmt der„Japan DimcS* folgende Mitteilungen über das Wachstum der japanischen Industrie infolge des Krieges, das im Oktober, besonders im Dezember des Vorjahres hervorzutreten begann. Vom Januar bis zum Dezember ISIS hat das Kapital der bestehenden Unternehmungen eine Vermehrung von 196 831 000 Aeli erfahren, während in neuen Unternehmungen 95 7S3 000 g)eii angelegt worden sind. Im ganzen sind im Zu- sammenhang mir dem Kriege in die japanische Industrie 2S2'/z Millionen Jen Kapital geflossen. Während der beiden eisten Monate I!>l6 sind in der Erweiterung von Unterncbmungen ungefähr 80 Millionen und in neuen Unternehmungen 27'/, Millionen Jen angelegt worden. Soziales. Schwangerschaft ist keine„Krankheit". Daß die Schwangerschaft keine„Krankheit" ist, die eine Krankenkasse zur Nichtaufnahme der Schwangeren als selbst- zahlendes Mitglied berechtigt, mußte das Oberversicherungs- omt Zwickau die Allgemeine Krankenkasse zu Zwickau be- lehren. Eine Fabrikarbeiterin ist seit dem Juli 1915 freiwilliges Mitglied der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Sie hat am 6. März 1916 geboren und Anspruch auf Wochenpflege erhoben. Die Krankenkasse lehnte den Anspruch ab, weil die Versicherte an- nehmbar schon zur Zeit der Anmeldung zur Kasse in anderen Um- ständen gewesen sei, was fie dem Arzte und der Kasse verschwiegen habe. Wäre dies der Kasse bekannt gewesen, würde sie die Arbei- terin nicht als freiwilliges Mitglied aufgenoipmen haben. Das Zwickauer Versicherungsamt hat die Krankenkasse zur Gewährung von Wochenhilfe verurteilt und das O b e r v e r- sicherungsamt hat die dagegen erhobene Berufung der Krankenkasse jetzt verworfen. Schwangerschaft sei, so wird in der Entscheidung ausgeführt, als Folge einer normalen körperlichen Entwicklung, nicht als Erkrankung im Sinne von Z 310 Abs. 2 der Neichsversicherungsordnung anzusehen. Die Kasse sei daher nicht berechtigt, den Anspruch der Versicherten abzuweisen. Diese habe von ihrem Recht, der Kasse freiwillig beizutreten, Gebrauch gemacht. Die Voraussetzungen hierzu haben vorgelegen. Ob fie dem Arzte, der sie vor der Aufnahme untersuchte, und der Kasse ihre Schwan- gerschaft verheimlicht habe oder nicht, brauche nicht ermittelt zu werden. Dies sei unerheblich, da hierdurch das Beitrittsrecht nicht beeinträchtigt worden wäre. Die Entscheidung entspricht durchaus dem Wortlaut, Zweck und Willen des Gesetzes, Wahl von Frauen in städtische Kommissionen. Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. stimmte einer Vorlage zu, nach der Frauen in städtische Aemter und Kommissionen gewählt werden können. Bisher waren Frauen dort nur in wenigen städtischen Aemtern vertreten, die Vorlage sieht eine wesentliche Erweiterung der Rechte der Frauen vor. ES sollen gewählt werden: in das Jugendamt vier Frauen(bisher zwei), Gesundheitskommission zwei Frauen(bisher eine), Unter- stützungskommission des Lieferungsverbandes zwei Frauen, Schul- vorstand der Fortbildungs- und Fachschulen zwei Frauen, Gewerbe- und Verkehrsamt(Lebensmittelamt) zwei Frauen, Badeamt, Elek- trizitäts- und Bahnamt, Friedhofsamt, Galeriedeputation, Kom- Mission für das Völkermuseum, Deputation zur Verwaltung des Zoologischen Gartens, Aufsichtskommission für das Pfandhaus, Anstaltsdeputation, den Pflegeämtern des Hospitals vom Heiligen Geist, des Waisenhauses, des Versorgungshauses, des St. Katha- rinen- und Weißfrauenstiftes, der Taubftummenerziehungsanstalt, der Anstalt für Irre und Epileptische jeeineFrau. In einigen Aemtern�haben die Frauen beschließende, in den meisten nur be- ratende Stimmen. Die Wahl erfolgt demnächst; die Sitze werden unter den Parteien entsprechend ihrer Stärke verteilt. „Zusammenrottung" der Schachtmeister und Lokomotivführer. Die Baufirma Lenz u. Co. hat in Belgien Arbeiten auszu- führen, bei denen eine Anzahl von Schachtmeistern und Lokomotivführern beschäftigt werden, die von Berlin aus eingestellt wurden. Die Schachtmeister und Lokomotiv- führer wareu mit ihren Lohn- und Arbeitsverhältnissen nicht zufrieden. Ein besonderer Grund zur Unzufriedenheit war der, daß täglich 11 Stunden gearbeitet werden mußte, ohne daß eine Ueberstundenvergütung bezahlt wurde. Nach Meinung der Schachtmeister und Lokomotivführer war mit ihnen eine zehn- siündige Arbeitszeit vereinbart worden, so daß ihnen die elfte Stunde als U e b e r st u n d e hätte bezahlt werden müssen. Auf der Baustelle herrschte die Ansicht, daß diese Differenz sowie andere Mißstände lediglich auf ein Verschulden der an Ort und Stelle befindlichen Bauleitung zurückzuführen seien und die Firmen- inhaber in Berlin nichts davon wüßten. Ein Schachtmeister und er» Lokomotivführer sandten deshalb rm Namen ihrer Kollegen ein Schreiben an den einen Firmeninhaber, Baurat Lenz. Sie legten ihre Wünsche hinsichtlich der Arbeitsverhältnisse, namentlich wegen Bezahlung der Ueberstunden in höflichen und sachlichen Ausfüh- rungen dar. Schließlich wird in dem Schreiben gesagt, daß ein allgemeiner Unwille wegen der angegebenen Mißstände herrsche, einzelne Kollegen liehen sich kaum noch hindern, aus der Sach« einen Skandal zu machen. Unter diesen Umständen stehe, wenn die Erfüllung der Wünsche verzögert werde, das Ansehen der hoch- geschätzten Firma auf dem Spiele. Um einen Skandal zu ver- meiden, hätten sich die Verfasser des Schreibens an den Herrn Baurat gewandt. Die Folge dieses Schreibens war die sofortige Ent- l a s s u n g der beiden Unterzeichner desselben. Diese klagten nun beim Berliner Gewerbegericht auf Bezahlung der Kündigungszeit Und der geleisteten Ueberstunden.— Der Vertreter der Firma bestritt die Verpflichtung zur Bezahlung der Ueberstunden und erklärte die kündigungslose Entlassung für ge- rechtfertigt, weil die Kläger in dem erwähnten Schreiben mit einem Skandal gedroht und auf der Baustelle eine„Zusammenrottung" der Schachtmeister und Lokomotivführer herbeigeführt hätten.— Mit dieser Bemerkung ist lediglich das gemeinsame Vorgehen der Schachtmeister und Lokomotivführer hinsichtlich ihrer auf Verbesse- rung der Arbeitsbedingungen gerichteten Wünsche gemeint. Der Vorsitzende des Gerichts bemerkte hierzu, über den Standpunkt der Beklagten könnte sich vielleicht reden lassen, wenn die Kläger beabsichtigt hätten, einen Skandal herbeizuführen. Sie hätten aber doch einen nach ihrer Meinung in Aussicht stehenden Skandal verhindern wollen. Es liege hier keiner der in der Ge- Werbeordnung vorgeseheneu Gründe zur kündigungslosen Ent- lassung vor. Nach längerer Verhandlung einigten sich die Parteien dahin, daß die Firma den Klägern drei Viertel ihrer Forderung zahlt._(z) Gerichtszeitung. Der„Juxbarou" vor dem Kammergericht. Wer theatralische Vorstellungen, ohne daß ein höheres Interesse der Kunst oder Wissen- schaft dabei obwaltet, in seinen Wirtschafts- oder sonstigen Räumen öffentlich veranstalten oder zu deren öffentlicher Veranstaltung seine Räume benutzen lassen will, bedarf zum Betriebe dieses Gewerbes der Erlaubnis. Auf Grund dieser Vorschrift und einer Anordnung des Ober- befehlshabers war K. als Vorsitzender eines Bühnenvereins ange- klagt worden, weil er ohne Genehmigung Theatervorstellungen und öffentliche Tanzlustbavkeiten ohne Erlaubnis veranstaltet habe. Der betreffende Bühnenbund, welcher gegen 50 bis 60 Mitglieder zählt und gegen 200 passive Mitglieder besitzt, hatte unter der Leitung von K. mehrfach Theateraufführungen mit folgenden Tanzlustbar- leiten unter der Teilnahme einer großen Personenmenge veran- staltet; es waren u. a. die Stücke„Der Juxbaron" und„Um eine Krone" aufgeführt worden. Polizeilich war festgestellt worden, daß jeder Eintritt erhielt, welcher sich auf ein Mitglied berief. Auch ein Polizeibeamter hatte Einlaß erhalten und festgestellt, daß über 1000 Personen anwesend waren. Die Strafkammer erachtete auch K. in vollem Umfange für schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe. Diese Entscheidung focht K. durch Revision beim Kammergericht an. Dies hob jetzt die Vorent- scheidung auf und wies die Sache an die Strafkammer zurück. Es führte aus, dem Angeklagten werde zur Last gelegt, gegen Z S3a der Gewerbeordnung verstoßen zu haben; es komme eine Ueber- tretung in Frage, welche bereits nach drei Monaten als verjährt anzusehen sei. Eine Zuwiderhandlung gegen Z 9b des Belagerungsgesetzes sei aber noch nicht als verjährt zu erachten; es müsse daher von der Strafkammer noch geprüft werden, ob K. als Veranstalter einer öffentlichen Tanzlustbarkeit in Frage komme. Kindesmißhandlung. Auf die Anzeige des eigenen Bruders hatte sich die Frau Anna Ponto gestern vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts I wegen grausamer und boshafter Mißhandlung ihres vorehelich geborenen dreijährigen Töchterchens zu verantworten. Die Angeklagte war des Tags über auf Arbeit; sie gab das Kind während des Tages zu einer Frau, die es sorgsam betreute und holte es abends von dieser wieder ab. Nachbarn hatten schon wiederholt wahrgenommen, daß die Mutter das Kind übermäßig mit einem Stock oder einem Teppichausklopfer verprügelte, und auch der eigene Bruder, der bei der Angeklagten wohnte, war oft Zeuge, wenn die Angeklagte beim Nachhausekommen das Kind aus dem Schlafe weckte und aus winziger Veranlassung knuffte und puffte. Seine Proteste hiergegen blieben wirkungslos. Die An- geklagte erklärte, daß sie sich in ihre Erziehungsmethode nichts dreinreden lasse. Die Folge davon war, daß er das Feld räumen mußte. Als er dann eines Tages von dritter Seite hörte, daß das Kind auf dem Gesäß und dem Rücken viele blutige Striemen hätte, erstattete er Anzeige gegen seine Schwester. Nach der Bekundung des praktischen Arztes Dr. Cohn zeigte der Körper des kleinen Mäd- chens arge Spuren starker Mißhandlungen und am Gesäß s o viele blutrünstige Striemen, daß eigentlich keine Stelle ohne solche Merkmale war. Die Ange- klagte hatte versucht, die Pflegemutter als die Täterin zu verdäch- tigen, dieser Versuch war aber vor dem Schöffengericht völlig gescheitert. Gegen das wider sie ergangene, auf drei Monate Gefängnis lautende Urteil hatte die Angeklagte Berufung eingelegt. Im gestrigen Termin beschwor die Pflegemutter, daß sie das Kind niemals gezüchtigt hatte. Gegen die Glaubwürdigkeit des als Belastungszeugen auftretenden Bruders, der übrigens nicht internierter Russe ist, kämpfte der Verteidiger durch den Hinweis darauf an, daß zur Zeit der russischen Revolution im Jahre 1906 dieser Zeuge durch seine Aussagen dem eigenen Vater zu 20 Jahren Zuchthaus verholfen und auch gegen seine Geschwister belastende Aussagen gemacht habe. Da in dem hier zur Anklage stehenden Falle aber die Wahrnehmung dieses auptbelastungszeugcn auch von einem zweiten Bruder und andere» eugen bestätigt wurden, erkannte die Strafkammer auf Ver- werfung der Berufung. öriefkasten üer Reüaktion. Die luristische Sprechstunde sindet tür Abonnenten Lindenstr. s, IV. Hos cechts, parterre, am Montag bis Freitag von t bis 7 Nor, am Sonnabend von b bis ö Uhr Patt. Jeder sllr den B r i e t I a st e n bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Laht als Merlzetchen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonnemenlSauitlung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Vertrüge, Echriststücke und dergleichen bringe mar in dir Sprechstunde mit. W. 29. Nach der am 3. April in Kraft getretenen, am 18. März ver- öffentlichten Verordnung des OberbeteblShabers in den Marken über Spar- kassenzwang Jugendlicher hat jeder Arbeitgeber über den an die Sparkasse abzusuhrenden Betrag dem Jugendlichen bei der Löhnung eine Bescheinigung zu erteilen, aus der sich ergibt, an welche Sparkasse der Betrag abgcjührt wird. Ferner ist der Jugendliche berechtigt, bei dem Arbeitgeber monatlich einmal den Nachweis über die ersolgte Einzahlung an die Sparkasse ein- zusehen. Ein Arbeltgeber, der gegen eine dieser Vorschriiten verstößt, iit aus Grund des S 9 des Belagcrungszustandsge setzes zu beslrnsen. Slras- barkeit liegt auch dann vor, wenn der Jugendliche etwa aus Veranlassung des Arbeitgebers oder ohne eine solche aus die Bescheinigung verzichtet. Ihr Sohn ist also durchaus im Recht.— Neukölln 50. Nach den beiden Ziffern liegen die Kebrauchssähigkeit störende Entartungen oder dergleichen der Muskeln oder Sehnen vor.— B. R. 20. Sie würden mit Aussicht aus Ersolg gegen den Vermieter klagen können. Dieser hätte gegen die andere Mieterin vorzugehen.— Hildegard 6. Eine gesetzliche Vorschrift besteht hierüber nicht. Sie können aber mit Aussicht aus Erfolg einen Antrag an das Kriegsministcrium richten. — P. 15. Das Urteil müßte aus den Nechtsnachsolger umgeschitcbcn werden.— F. U. 88. Das Verlangen, den Erbschein bcizubiingen, ist berechtigt. Da das Geld aus den Namen ihrer Frau eingezahlt ist, gilt es als ihr gehörig.— Akarieudnrg. Ueber die Kriegsunterstützung hat in erster Reihe der Kreisausschuß Beschluß zu fassen. Gegen dessen Bescheid ist aber jetzt Beschwerde beim Regierungspräsidenten, dann weitere Be- schwerdc an den Obcrpräsidentcn und Minister des Innern möglich.— H. B. Snmariterstr. 8. Nein.— See 100. Das gebt nicht. Die be- treffende Bestimmung findet sich in§ 390 des Versicherungsgcsetzes für An- gestellte. Danach iönnen nur Angestellte, sür die vor dem 5. Dezember 1911 bei öffentlichen oder privaten VersicherungS- Unternehmungen ein Versicherungsvertrag geschlossen ist, aus ihren Antrag von der Beitragsleistung unter gewissen Voraussetzungen de- sreit werden.— Sch. 18, Eine Beleidigung kann für vorliegend erachtet werden. Sie können jede Aussage oblchucn, weil. Sie sich evtl. der Gefahr, selbst angeklagt zu werden, aussetzten. Wenn eine Klage erfolgen sollte, kommen Sie mit derselben in die juristische Sprechstunde. K0 F. P. Leider steht der Frau eine Rente nicht zu. Kn, 89. Der Gläubiger kann uichl ge- zwungcn werden, von seinem nach dem Gesetz ihm zustehenden Recht Ab- stand zu nehmen. Er hat das Recht, den über 2000 M. jährlich betragenden Lohn zu pfänden. Eingegangene Druckschriften. „Nrbciterpolitik-. Wochenschrift für wissenschaftlichen Sozialismus. 7. Heft. Einzelnummer 1b Pf. Verlag in Bremen, Aumünder Str. 23. Die Dat. Heft 5. Monatsschrift sür die Zukunft deutscher Kultur. Viertelj. 3,50 M. E. DiedenchS, Jena. Ter Krieg 1911/10 t» Wort und Bild. Heft 87— 89. Jede Woche ein Heft a 30 Pf.— Bong u. Co., Berlin W 57. Technik für alle. Heft 2—4. Technische Monatshefte. Vierteljährl. 1,25 M. Franckh, Stuttgart. Deutschlands Recht. Die Streitschrift der sranzösischen Protestanten widerlegt durch Dr. A. Bolliger. 30 Ps. C. Hirsch A.-G., Konstanz(Bad.). Gänse, Gänsefleisch), Gänsezucht. Von Bruno Dürigen. 1,60 M.— P. Paretz, Berlin SW 11. WetterauSsichten für das mittlere Norddeutschland biS Montag mittag. Vielfach heiter, aber noch ziemlich kühl. Oestlich der Oder zahlreiche, weiter wesllich mehr vereinzelte, im allgemeinen geringe Regensälle. Kinder. SchwauDoxcalb- stlefel... 22-50 1(1,50 31-55 Damen: Breun Glanzziege �__ 27-50 10,50 51-55 R JSL,50 Knaben-Rohcherreau-Slfl.*-» Backfischt Rohbox-Schndrsflefel, Laikapps 11,50 II 12,50 11,90 Rohbox- Derby- SchnOrsUefel 1 0 10,50 19,50 12,50 Lackblatt-Schnflrsdcfel mit schwars, hellgrau u. dunkelgrau Stoffelnsatr Echt Chevreau- SchnOrstietei mit Derby und Lackkappe Prima braun Chcrr.-SchnQr- itlcfel crstkl. Material•••• Backfisch: Chcvrcau-Schnflrsffl. m. Derby •ireiff&aga Frledrlchsteaße 179 Tauentzienstraße 20 KSalgsträß« 54 leipziger Straße 65 Cranienflroßt 47a Moabit, Turmstraße 50 Müllerstraß« 3a Oranlenstraße 34 NeukSllo. Bergstr. 7/8 ?riedtuau,Zlheillstr.l4 *?. y* V*• Herren: Halbschuhe: Chevreau-SchnOrsllefel mll und g St Chevreau- Schnürschuh mit g Zfa ohne Lackkapp«........ JHJ�O Lackkappe........... ü jr,50 Boxcelb-Schnürstlefel mit und ohne Lackkappe und Derby.. Lackblati• Schnürschuh mit � feinem matt Leder Hlnlerlell jjj Braun Chevreau-Schnürschuh IL ,50 Bekanntmachung. Städtische Volksspeisung. Am 14. August wird in der Markthalle la. Neue Friedrich strajze 29/34, die sünjte städtische Hentraltüche eröffnet. Weitere Küchen ii den anderen Stadtteilen folgen in kurzer Zeit. Die Ausgabe der Teil. nebmcrkarten crsolgt bei den zuständigen Brottommisfioncn und zwar vor- läuftg nur sür die Bewohner der zu diesen gehörigen Straffen. AuS nachstehender Zusammenstellung ergibt sich, wo die Teilnehmerkarten zu haben und die Speisen zu entnehmen find: «artenauögabrstclle (Brotkommission) Hinter der Garnisonkirche; (Kommission 1) Speisenausgabestelle Markthalle la, Neue Friedrich. straffe 29/34, Eingang Neue Friedrichstraffe (Slusgabestelle 27) Hirtenstraffe 4 (Kommission 92) Marlihalle la. Neue Friedrichstraffe 29/34, Eingang Noch- straffe (Ausgabestelle 28) Eipsstr. 23a (Kommission 94), Auguststr. 67/68 (Kommission 96), 45, Gemeindeschule, Auguststr. 67/68, Turnhalle aus dem ersten Hos (Ausgabestelle 29) Landsberger Str. 55 (Kommission 76), Georgenkirchplatz 16 (Kommission 91), 84. Gemeindeschule, Keibelstr. 31/32, Turnhalle auf dem ersten Hof (Ausgabestelle 39) Kleine Frankfurter Str. 6 (Kommission 52), Markus str. 49 (Kommission 53), Blmncnstr. 77 (Kommission 54) Schund str. 16 (Kommission 49), Schmidstr. 38 (Kommission 50), Köpenickcr Str. 125 (Kommission 51) 155./156. Gemeindeschule, Markus straffe 49, Turnhalle aus dem erstenHos (Ausgabestelle 31) 62. Gemeindeschule, Schmidstr. Turnhalle aus dem ersten Hos (Ausgabestelle 32) 33. Nicderwallstr. 6—7 (Kommission 2), Mohrenstr. 41 (Kommission 4) 130. Gemeindeschule, Niederwall. straffe 6/7, Turnhalle aus dem ersten Hos (Ausgabestelle 33) Unter den Linden 59 (Kommission 3), Albrechtftr. 20 (Kommission 133), Kronprinzen-Ufer 18 (Kommission 134). Fn der Brotkommission 134 werden jedoch Karten vorläufig nur sür den östlichen Teil ihres Bezirkes au§- gegeben, �nämlich sür den Teil zwischen Sommerstraffe, Panlstrajic und Spreeweg, jedoch ausschließlich der Paulstraffe und des Sprecwegs.� 26./179. Gemeindeschule Albrecht straffe 20, Turnhalle aus dem 1. Hos. (Ausgabestelle 34) Elisabethkirchstr. 19 (Koinmission 123), Gartcnstr. 107 (Kommission 123), Hannoverschestr. 20 (Kommission 129). Scharnhorststr. 12 (Kommission 130), Grenzstr. 8 (Kommission 132), Scharnhorststr. 12) (Koinmission 15 l). 36. Gemeindeschule, Garten- straffe 107, Turnhalle aus dem 1. Hos. (Ausgabestelle 35) 10. Gemeindeschule, Scharnhorst- straffe 12, Turnhalle auf dem 1. Hos (Ausgabestelle 36). Strclitzcr Str. 41a— 43 (Kommisston 124), Stralsundcr Str. 54 (Kommission 125), Ackerstr. 67 (Kommission 126), Bernauer Str. 89/90 (Kommission 127), Pflugstr. 12 __(Kommission 131). Zimmerstr. 90 (Kommission 5), Alte Jakob str. 33/35 (Kommission 47). 260.' Gemeindeschule, Ackerstr. 67, .Turnhalle aus dem 1. Hos (Ausgabestelle 37). Geschästshaus zhommandanlenslr. bis 81, 1. Hos, (städtisches Grundstück) (Ausgabestelle 38)._ Wer nicht weiß, wo sich die Geschästsstelle seiner Brotkommission be. findet, crsährl dies bei seinem.Hauswirt oder Hausverlsalter. Die AuS. gäbe der Speisen crsolgt täglich tauch Sonntags) von—'/jl-J Uhr, Es werden ganze Portionen zu 40 Pf. und halbe Portionen zu 20 Ps. aus gegeben. Die Teilnahme kann nur wochenweise, beginnend am Montag, stattfinden, jedoch ist zulässig, die Teilnehmerkarten sür mehrere Wochen zu- lammen zu enlnekmen. Wer teilzunehmen wünscht, hat sich bei der sur seine Wohnung zuständigen Brotkommission in der Zeit von Montag bis Donnerstag der der Teilnahmewoche vorhergehenden Woche, also zum ersten Male in der Zeit vom 7. bis 10. August, während der GeschästSswnden der Brotkommission zu melden und die sür die Teilnahmewochen geltenden Fleischkartcn und Kartoffelkarten vorzulegen. Berlin, den 27. Juli 1916. Magistrat der Königlicheu Haupt- und Defideuzstadt. 394 V. Speis. IG. Mermuth. Möbel-Angebot. Solide Möbelfirma liefert Spe-isl-klli»- und Zwei- zininicr- /Einrichtungen sowie Einzelmöbel gegen maffige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung und ge- ringen monatlichen Ratenzahlungen. Offerten X. S an die Expedition des»Vorwärts". Keine Kassierer. 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Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Dienstag, den 8. August, abends 8l/z Uhr, bei Franke, Badstr. 1L>: Bezirks-Versammlung für den äO. Bezirk. Tagesordnung: Bericht vou der stattgefundcneu Geueralversammlung und Stellungnahme zur uädjstcu ordentlichen Generalversammlung. Ohne Mitgliebsbnch kein Zutritt l Zahlreiches und pünMichcs Erscheinen wird ermattet. 120/20 Die Ortsverwaltung. Verwaltung Berlin. Tel.-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungesiraffe 30 Freitag, den 35. August, abends 8 Uhr, im Gcwerkschafts- haus, Engelufer 15, Saal 4: Ordentliche General-Vers ammlung. Anträge zur Generalversammlung müssen bis znm 11. August an das Bureau eingereicht sein. Irsneksn-Verssmmlungen: Rahmenmacher! Montag, den 7. August, abends 6 Nhr, bei Wählisch, Skalitzer Str.'i'i, Bode«leger! Montag, den 7. August, abends 8'/z Uhr, bei Abendroth, Adalbertstr. 61; KrllNlhtvkommisstous- nnd Vertrlllltnsmälmerfitzllllg. Bezirk Weißenfee. Mittwoch, den S. August, abends 5� Uhr, im Lokale „Zum Prälaten", Lehderstr. 1258: Bertranensmänner-Berfammlung. 89/12 Die Ortsvcrwaltung. 3. Saer BällStr.Zß Primt�-Allee Moderne Herren- und Knaben-Anzüge. Eleg. Paletots, Ulster Joppen i. jed. Preislag. Gr. Stoff lager z. eleg. Mafianfehlgung Billigste, feste Preise."96 Spezialarzt Dr. med. Vl'oekeutufi, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- 222/6* Störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10— 1 und 5— 8. Filiale Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis: HO. 43. Weinstrafte Nr. 8. Montag, den 7. August, abends 8�2 Uhr, In den Musiker-Sälen, Kaiscr-Wilhelm-Str. 31: Sektions-Versamniliing der Miitzeabraiiclis. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Antwort der selbständigen Mützenmacher zur Teuerungszulage. 2. Dislusston. 3. Verschiedenes. SKgr 100/3 Wir ersuchen die Kollegen, im Interesse der äußerst_ wichtigen Tagesordnung um vcilzllhllges Erscheinen. Wer nicht zur Versammlung kommt, schädigt sich Nicht nur selbst, sondern auch die Allgemeinheit!"SS Die Oi-tsverwaltnng. Yolks- FeuerbesMungs- jV�rein Groß-Berltn Nächsten Sonntag, am 13. Angnft, vorm. 10 Uhr: Führung dnrch die gesamten Räume der städtischen Berlin, Gerichtstraste 37/38. Unsere Mitglieder sowie Anhänger der Feuerbestattung, welche beab- sichtigen, unserem Verein beizutreten, sind sreundlichst eingeladen. Die Besichtigung ist vollständig kostenfrei. Der Verein gewährt nach einjähttger Mitgliedschaft vollständige sreie Be- staitung. 285/1« Der monailiche Beitrag beträgt bei einem Ausnahmealter bis zu 20 Jahren 25 Ps., •. 30„ 35# .. 40„ 45, .. 45„ 55# .. üO„ lO„ ,, 55, 85, .. 60. 1,10 M. Ausnahmen werden jederzeit in folgenden Zahlstellen entgegenge- nommen: Berlin N: Schwarz, Ackerstr. 31. , Eichhorn, Danziger Str. 93. # Schulz, Stettin er Str. 52. , Hasenbant, Tristsir. 2. , 0: Acinacht, Grünstr. 21. . NW: Hagedorn. Alt-Moabit 77. , SW: Hemp, Halleschcs User 10. . LL>: Geisler, Skakitzer Str. 59. , 0: Urban, Mögliner Str, 2. , NO: Zieckert, Kniprodeslr. 4a. Lichtenberg: Otto, Mainzer Str. 5. Tegel: Lehnhardt, Berliner Str. 84. Oberschöneweide: Warneke, WUhel- mincnhosstr. 18. Adlershof: Pötewitz, BiSmarcksir. 20. Weiffensce: Peukett, Berliner Allce251. Nied er-Schönhausen: Greth, Bismarck- straffe 37. Reinickendorf: Lüning, Scharnwcber- straffe 37. Chart oitenburg: Hartfiel, Kirchstr. 19. Schöneberg: Wandle, Bahnstr. 2S. Steglitz, Meyer, Forststr. 11. Lankwitz: Heitzmann, Mattenstr. 7. Tempelhos: Müller,Nmgbahnitr.41/42. Neukölln: Föhst, Steinnietzstr. 93. Jjüänerctugcn WmcrjSafte Jutsohlenverbällung». 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Hof, 3 Trep Pen, zu adressieren. Ms Groß-öerlin. Nach ltharlottenburg auch Schö'neberg. Auch der Schöneberger Polizeipräsident hat an die Gast- Wirte eine Verfügung gerichtet, die Sitte und Anstand in den öffentlichen Lokalen verlangt. Sie lautet: „Die Inhaber der öffentlichen Lokale werden darauf auf- nierksam gemacht, datz neuerdings berechtigte Klagen über eine Zunahme leichtfertigen Treibens, namentlich der Jugend, in öffentlichen Lokalen laut geworden sind. Es kann nicht ge- duldet werden, daß in den Wirtschaften ein Treiben herrscht, welches einen Mangel an Zucht und sittlichem Gefühl zeigt und mit dem Ernst der gegenwärtigen Zeit nicht im Einklang steht. Die Inhaber der öffentlichen Lokale sind dafür verantwortlich, daß das in ihren Räumen sich aufhaltende Publikum ein Be- nehmen zur Schau trägt, daß der großen, aber schweren Zeit, in der wir leben, wücoig ist. Jeder lauten, das Gefühl der Mehrheit der Bevölkerung verlebenden Aeußerung von Aus- gelassenheit, wie sie öfters als Folge übermäßigen Genusses geistiger Getränke zu beobachten ist, mutz von dem Wirt oder dessen Personal entgegengetreten werden. Lärmende Zeche- reien sind unter keinen Umständen zu dulden. An angetrunkene Personen dürfen keinerlei Getränke verabfolgt werden, vielmehr ist für Entfernung dieser Personen in unauffälliger Weise zu sorgen. Die bestehenden Verbote des Spirituosenausschanks sind auf das sorgfältigste zu beachten. Jede Musik in den ösfent- lichen Lokalen hat spätestens um 12 Uhr zu enden; Ausnahmen können nicht mehr zugelassen werden. Unzulässig ist insbe- sondere jedes anstößige Verhalten der Lebe- und Halbwelt. Es wird polizeilich kontrolliert werden, ob in den Lokalen Ver- stoße gegen Sitte und Anstand vorkommen, die ein Einschreiten erforderlich machen. Daher liegt es im wohlverstandenen Jnter- esse aller Inhaber von öffentlichen Lokalen, zweifelhafte Ele- mente von dem Besuch ihrer Wirtschaften fern zu halten und aus jede Weise dahin zu wirken, daß ein anständiger Ton in ihren Lokalen gewahrt wird. Nachdem diese Warnung ergangen ist, würden die Lokalinhaber es sich selbst zuzuschreiben haben, wenn bei Verstößen gegen OÄnung und gute Sitte polizeiliche Maßnahmen ergriffen werden müßten." Dieser Erlatz ist gestern abend sämtlichen Gastwirten in Schöneberg zugestellt worden. Die Verfügung ist recht allgemein gehalten und wird sich auf alle öffentlichen Lokale erstrecken. Es wird der An- schein erweckt, als ob während des Krieges besondere Aus- fchreitungen erfolgt wären. Tatsächlich kann aber davon gar keine Rede sein. Der größte Teil der kleineren Lokale weist einen sehr geringen Besuch auf, abgesehen davon, daß viele Gastwirtschaften während des Krieges ihre Pforten ge- schlössen haben. Die Verfügungen des Charlottenburger und Schöneberger Polizeipräsidenten erinnern stark an ähnliche Verordnungen, die Anfang der 83 er Jahre in Berlin er- lassen wurden. Damals wurde sogar angeordnet, daß nach 13 oder 11 Uhr abends Damen allein nicht auf der Straße gehen dursten. Mißgriffe über Mißgriffe diskreditierten die Polizei. Eines Abends mußte eine Hofdame, die ver- gebens auf einen Wagen gewartet hatte, um zu ihrer in der Dorotheenstraße gelegenen Wohnung zu kommen, den Nachhauseweg zu Fuß antreten. Von Polizeibeamten er- griffen, wurde sie nach der Wache gebracht und weil sie an- gab, Hofdame zu sein, zunächst recht ungebührlich behandelt, weil man ihr nicht glaubte. Der Vorfall hatte aber zur Folge, daß die Verfügung bald darauf aufgehoben wurde. Tie Polizei hatte damals keine Lorbeeren geerntet. Sie wird das auch jetzt kaum. Keine Ncichsabgabc auf Postgebühren in Gcrichtskosten- rechnungcn. Die außerordentliche Reichsabgabe auf Post- und Telegraphengebühren wird in den Gerichtskostenrcch- nungen nicht angesetzt. Eine besondere Verfügung des Justiz- Ministers ordnet dies jetzt ausdrücklich an. In dem bisherigen Portoablösungsverfahren tritt keine Aendcrung ein. Die Post- fendungen der Behörden und einzelnen Beamten, auf die das Verfahren Anwendung findet, werden also nicht mit Freimar- ken, sondern wie bisher nur mit dem Stempel„Frei durch Ab- lösung" versehen. Natürlich muß auch die Preußische Staats- Verwaltung die Abgabe an das Reich ebenfalls entrichten. Wegen Ennittlung der Höhe dieser Abgabe sind neue beson- dere Bestimniungen in nächster Zeit zu erwarten. Schtveinebauch oder Rückenfctt? lieber Betrug, Wucher und sonstige Vergehen der Fleischermeister berichtet die Presse täglich. Auch die Fachpresse der Fleischermeister bringt täglich mehrere Spalten über allerlei Vergehen gegen die Strafgesetze. Zu ihrer Entschuldigung sühren die Fleischermeister vor Gericht oft die sonderbarsten Gründe an. Ter Flcischermeistcr Bannach, Braunsberger Str. 20, war an- geklagt. Schweinebauch für Rückenfctt verkauft zu haben. Ein Um- stand, der täglich vorkommt; sintemalen der Preisunterschied pro Pfund 80 Pf. beträgt. Vor Gericht behauptete nun Herr B., er habe Rückenfett von einem mageren Schwein verkaust und das sei von Bauch sehr schwer zu unterscheiden. Der gerichtliche Sach- verständige bestätigte diese eigenartige Behauptung. Tarauf sprach das Gericht den Angeklagten frei. Hätte das Gericht eine Probe Bauch und Rückenfett von einem mageren Schwein gehabt, die Richter hätten sofort gemerkt, daß der Sachverständige über sehr wenig Fach- kenntnisfe verfügte und sie wären sicher zu einem anderen Urteil ge- kommen. Der Unterschied zwischen Bauch und Rückenfett von einem mageren Schwein ist so, daß auch der Nichtfachmann beides unter- scheiden kann. Bauch hat oben eine magere Schicht; desgleichen zieht sich durch denselben ebenfalls eine solche. Besonders bei mageren Tieren ist der Unterschied groß. Seitdem Höchstpreise be- stehen, versuchen sehr viel Fleischermeister Bauch � besonders fetten— als Rückenfett zu weit höheren Preisen zu verkaufen. Oft geschieht es, daß zu dem Rückenfett ein Teil Bauch zugelegt wird. Bei dem Zurechtmachen des Fleisches wird jetzt der Bauch sehr schmal geschnitten, nm viel Fett zu bekommen. Die Rippchen werden stark abgeschnitten, damit es nicht so auffällt. Auf diese Weise wird das Publikum betrogen._ Kaufgelegenheit für arbeitende grauen. Aus den Kreisen der tagsüber berufstätigen Bevölkerung sind mehrfach Klagen laut geworden, daß infolge vorzeitiger Schließung der Nahrungs- und Lebensmittelgeschäste es ihnen nicht möglich sei, ihre Einkäufe nach Schluß ihrer eigenen Arbeitszeit vorzunehmen. Die zuständigen Stellen haben sich deshalb mit Jnteressenvertretern in Verbindung gesetzt und daraufhin eine Verordnung erlassen, durch welche das Offenhalten der Nahrungs- und Lebensmittel- Verkaufsstellen in den Abendstunden von 8 bis 8 Uhr oder darüber hinaus, soweit dies polizeilich zulässig ist, vorgeschrieben wird. Hierdurch in Verbindung mit dem Verbot der Voraus- bestellungen, das durch die Verordnung des Magistrats vom 25. Juli l. I. ausgesprochen ist, dürfte den erwerbstätigen Kreisen des Publikums die Versorgung mit Lebensmitteln wesentlich er- leichtert werden. Die rtfleifchration in nächster Woche. Die auf den Kopf der Berliner Bevölkerung entfallende Menge an frischem Fleisch oder frischem Fett beträgt für die Zeit vom 7. August bis 13. August 253 Gramm. Es ent- fallen somit auf einen Vollabschnitt der Fleischkarte 53 Gramm und auf einen Teilabschnitt 25 Gramm. Kartoffelmenge und Kartoffelkarte. In Uebereinstimmung mit den Nachbargemeinden hat der Magistrat Berlin auch für die folgende Woche bestimmt, daß auf jeden der drei Abschnitte 15 der Kartoffelkarte je drei Pfund, zusammen also höchstens neun Pfund Kartoffeln abgegeben und entnommen werden dürfen. Eröffnung der». städtischen Zentralküche. Am Montag, den 14. August, wird in der Markthalle la, Neue Friedrichstr. 29/34, die fünfte städtische Zentralküche eröffnet. Weitere Küchen in anderen Stadtteilen folgen in kurzer Zeit. Die Ausgabe der Teilnehmerkarten für die Spei surig durch diese neue 5. Zentralküche findet durch die Brotkommissionen 1— 5, 47, 49—54, 76, 91, 92, 94, 96, 123—134(für letzte Kommission vorläufig und für den Stadtteil zwischen Sommerstraße, Paulstraße und Spreewog, ausschließlich der Paulstraße und des Spreewegs) und 151 statt, und zwar nur für die Bewohner der zu diesen Kom- Missionen gehörigen Straßen. Speiseausgabestellen befinden sich in der Markthalle la, Eingänge Neue Friedrichstraße und Rochstratze, in den Turnhallen der Gemeindeschuleir Auguststr. 67/48, Keibel- straß« 31/32, Markusstr. 49, Schmidftr. 38, Niederwallstr. 6/7, Albrechtstr. 20, Gartenstr. 107, Scharnstorststr. 12, Ackerstr. 67 und in dem städtischen Grundstück Kommandantenftr. 80/81. Die Anmeldungen haben bekanntlich von Montag bis Donners- tageinerjeden Woche zn erfolgen. Die Milchversorgungsstellc Groß-Berlins ist zurzeit da- mit beschäftigt, die für eine gleichmäßige Milchverforgung Groß-Berlins erforderlichen Vorbereitungen zu treffen, wird jedoch bei dem außerordentlich großen Umfang des zu be-' arbeitenden Materials vor Ablauf einiger Wochen die end- gültige Regelung nicht in Wirksamkeit treten lassen können. Da die augenblicklichen Verhältnisse nicht weiter bestehen blei- ben können, ohne einzelne Bezirke Groß-Berlins der Gefahr auszusetzen, zeitweise keine Milch zu haben, so hat sich die Milchversorgungsstelle Groß-Berlins entschlossen, eine vor- läufige Regelung einzuführen. Die Regelung ist so gedacht, daß die Milchgroßhändler verpflichtet werden, diejenigen Milchkleinhändler, die sie am 1. März d. I. mit Milch ver- sorgt haben, auch weiterhin mit Milch zu beliefern, und zwar in demselben Umfange wie an diesem Tage. Man hofft auf diese Weise die Milch auch in diejenigen Bezirke zu bringen, aus denen sie sich zurzeit mehr und mehr zu- rückzuziehen droht, insbesondere bis in die Außenbezirke des Groß-Berliner Komplexes. Um wenigstens eine gewisse Uebersicht über die damalige und heutige Verteilung an die Milchkleinhändler zu erhalten, werden die Großhändler an- zuzeigen haben, wieviel Milch sie am 1. März und am 4. August 1916 insgesamt bezogen und wieviel sie hiervon insgesamt an ihre Wiederverkäufer abgegeben haben. Die Veröffentlichung der Verordnung wird in den nächsten Tagen erfolgen._ Mitteilungen an das Rote Kreuz. In einer kürzlich durch die Blätter verbreiteten Notiz:„Mehr Rücksicht gegen das Rote Kreuz" werden die Angehörigen von Ver- mißten aufgefordert, alle direkten Nachrichten, die ihnen etwa über Gefangenschaft oder Tod ihres Familienmitgliedes zugehen, der Gesangenenhilfe mitzuteilen. Jede derartige sofort an das Rote Kreuz weitergegebene Meldung erspart viel Arbeit und gänzlich unnütze Belästigung einheimischer und fremder Behörden. Es ist selbstverständlich, daß solche zweckdienlichen Mitteilungen nicht nur von denjenigen erwartet werden, die sich bereits um Auskunft an die Gesangenenhilfe gewendet haben, sondern von jedermann, dem eine direkte Meldung, die über den Verbleib eines vermißten Kriegers zuging. Eine unverzügliche Meldung an das nächste zu- ständige Rote Kreuz, Gefangenenhilfe, über das Schicksal des Ver- mißten ist also in allen Fällen erforderlich. Bei Zweifeln über die Zuständigkeit geschieht die Meldung am zweckmäßigsten für Süddeutschland und das Rheinland an den Ausschuß für deutsche Kriegsgefangene Frankfurt a. M., Zeil 114, für Norddeutschland an den Ausschuß für deutsche Kriegsgefangene Hamburg, Ferdi- nandstraße 75.(z.) falsche Nachrichten über Vermistte. In der Bevölkerung laufen zuweilen immer noch Gerüchte um über gewisse Kriegsgefangenenlager aus französischem oder englischem Gebiet, aus denen angeblich nicht geschrieben werden darf. In einer Reihe von Fällen, wo angeblich nach längerer Zeit eine Nachricht, daß der betreffende Vermißte lebe, an Verwandte eingegangen ist, dann aber wieder weitere Nachrichten ausblieben, ist schließlich die Vermißtenhilfe des Noten Kreuzes zu Rate gezogen worden. Bisher ist in allen derartigen Fällen festgestellt worden, daß diese Meldungen den Tatsachen nicht entsprachen. Es lag ent- weder eine Verwechselung mit Leuten gleichen Namens vor, oder es war den Angehörigen eine fonstige irreführende Nachricht zuge- gangen. Dauernde Schreibverbote für Kriegsgefangene im feind- lichen Ausland, soweit die Westfrönt in Betracht kommt, bestehen nicht. Wenn nach längerer Zeit ein Vermißter weder in den Ge- fangenenlisten der feindlichen Staaten vorkommt, noch mit seinen Angehörigen in Briefverkehr getreten ist, so kann daraus mit aller Sicherheit geschlossen werden, daß sich der Betreffende überhaupt nicht in Gefangenschaft befindet. Auch in die Zeitungen sind hie und da falsche Nachrichten über Kriegsgefangene gelangt, die an- geblich monatelang nicht schreiben durften und sich dann plötzlich meldeten. Es dürfte sich empfehlen, daß die Blätter derartige Nach- richten nicht aufnehmen, ohne vorher mit der Vermißtensuche bzw. Gefangenenhilfe deS Noten Kreuzes in Beziehung getreten zu sein. Was Rußland anbetrifft, so dürfte auch dort in keinem Kriegs- gefangenenlagcr ein Schreibverbot bestehen. In Anbetracht der dortigen unvollkommenen Postverhältnisse kommt es allerdings öfter vor, daß von Gefangenen lange Zeit keine Nachricht an ihre Angc- hörigen gelangte. Auch sind mehrfach Fälle zu beobachten gewesen, bei welchen erst nach vielen Monaten, manchmal erst nach Jahres- frist die erste Nachricht des Gefangenen bei den Angehörigen eintraf._ ,(z.) �amilientragödie in der Brunnenstraffe. Unheilbare Krankheit der Tochter und Liebe der Eltern zu ihrem Kinde sind der Beweggrund eines erschütternden Familien- dramas, das am gestrigen Sonnabend im Hause Brunncnstr. 34 entdeckt worden ist. In diesem Hause wohnt schon seit mehreren Jahren der 51jährige Kaufmann Joseph Puttkammer mit seiner einige Jahre jüngeren Ehefrau Anna und zwei Töchtern Marie und Thekla, die im Alter von 18 und 15 Jahren stehen. Die Familie erfreute sich allgemeiner Achtung und Beliebtheit in der dortigen Gegend. Die 18jährige Marie P. litt schon seit langer Zeit an der Schwindsucht und alle Bemühungen der Eltern und der Aerzte vermochten dem unheimlichen Leiden nicht Einhalt zu tun. Seit etwa einem halben Jahre lag das bedauernswerte junge Mädchen fest zu Bett und sah ihrem Ende entgegen. Den Eltern, die an der Tochter mit großer Liebe hingen, ging das schreckliche Schicksal ihres Kindes sehr zu Herzen. Sie verfielen schließlich in Schwer- mut, aus der sie sich nicht mehr cmporraffcn konnten, und in einem Schwermutsanfall beschlossen Vater und Mutter, gemeinsam mit dem kr-rnken Kinde in den Tod zu gehen. Die jüngere Tochter Thekla, die sich einer guten Gesundheit erfreute, wollten sie jedoch verschonen. Sie schickten deshalb Thekla P. zu einer Verwandten, mit der Erlaubnis, dort über Nacht zu bleiben. Von dieser Er- laubnis machte das junge Mädchen, wie schon häufiger, auch Ge- brauch, da sie nichts von dem Vorhaben der Eltern ahnte. Als Thekla P. am Sonnabend früh nach Hause zurückkehrte, fand sie keinen Einlaß. Als ihr auch auf wiederholtes Klingeln und Klopfen nicht geöffnet wurde, benachrichtigte sie den Hauswirt, der die Korridortür öfnen ließ. Den Eintretenden bot sich ein erschüttern- der Anblick dar. Das Schlafzimmer, in dem die Kranke gelegen, war vollständig mit Gas angefüllt. Marie Puttkammer lag tot im Bette und neben dem Bette der Tochter saßen ebenfalls tot Vater und Mutter. Alle drei waren, wie der ärztliche Befund einwand- frei ergab, der Einwirkung des Gases erlegen. Auf einem Tische fand man einen an die jüngere Tochter gerichteten Brief vor, in dem die Eltern ihr mitteilen, daß sie aus Liebe zu ihrem kranken Kinde und aus Kummer über dessen trauriges Schicksal freiwillig und im Einverständnis ihrem Leben ein Ende machen würden, und in welchem sie den Wunsch aussprechen, in einer gemeinsamen Gruft beigesetzt zu werden. Die Leichen wurden nach dem Schauhause ge- bracht. Die jüngere Tochter der P.schen Eheleute fand bei Ver- wandten liebevolle Aufnahme. Ihren Bcrlctznngen erlegen ist die 18 jährige Arbeiterin Herta John aus der Holfteinischen Straße 40. die am'Mitlwocki in einem Vergnügungslokal in der Kaiserallee verunglückt war. Das junge Mädchen hatte eine Lustschaukel benutzt, aus der sie während des Schaukelns abstürzte. Sie hatte so schwere Verletzungen erlitten, daß sie nach dem Schöneberger Krankenhause gebracht werden mußte. Dort ist sie jetzt gestorben. Hühncrdiebe treiben seit kurzem in den Laubenkolonien am Königsdamm, Jungfernheide, ihr Unwesen. Die Frechheit geht so weit, daß die Spitzbuben am bellen Tag(nachmittags 5 Uhr), wo die Wege mit Arbeitern von Siemens belebt sind, Hühner, die Kolonisten, um Futter zu sparen, frei herumlaufen lassen, stehlen. So passierte einem Kolonisten am Freitag, daß ihm zwei große und vier kleinere Hübnerküken gestohlen wurden. Einen Sack haben die Spitzbuben an Ort und Stelle liegen lassen, da sie wohl gestört wurden. Einem anderen Kolonisten ist es vor kurzem ebenso er- gangen. In Anbelrackit, daß Kolonisten unter den erschwerten Ver« hälinissen und mit großen Opfern das Kleinvieh großziehen, ist es für sie doppelt ärgerliw, auf derartig gemeine Weise um den Lohn ihrer Arbeil zu kommen. Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde gestern in einem Paket in Papier in einem Müllkasten des Hauses Emdener Str. 15 gefunden. Ter Deutsche Arbeitcr-Sängervund, Gau Berlin, veranstaltet am Sonnabend, den 12. August, in dem Garten des Friedrich-Wilhelm» städtischen Schauspielhauses in der Chausseestraße ein Sommer« konzert, bestehend in Massenchören(Männer- und Frauenchöre) unter Leitung deS Bundesdirigeutcn I. v. d. DrieS, und Einzelchören. Außerdem wirkt das Berliner Sinfonie-Orchester(Dirigent Maximilian Fischer) mit. Da das Eintrittsgeld nur 30 Pf. beträgt, so steht zu hoffen, daß der Besuch ein sehr guter sein wird. Billetts, nur im Vorverkauf, sind bei sämtlichen SangeSbrüdern und in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Im Zoologischen Garten ist heute billiger Sonntag mit 25 Pf. Eintrittsgeld für die Person, für Erwachsene und Kinder, während des ganzen Tage?; ebenso für das Aquarium, das von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends geöffnet ist. Von 4 Uhr nachmittags ab findet großes Militärkonzert statt. Ms öen Gemeinden. Weitere Herabsetzung der Kartoffelpreise im Kreise Teltow. Nachdem erst vor einigen Tagen der Landrat des Kreises den Produzentenpreis auf 7 M. für den Zentner festsetzte, ist jetzt eine weitere Herabsetzung erfolgt. Vom 7. August ab zahlt die Teltower Kriegswirtschaftsgesellschaft nur noch 5,50 M. für den Zentner der von ihr anzukaufenden Frühkartoffeln. Zur Kartoffclversorguug in Spandau. Städtische � Kartoffeln ohne Marken pro Pfund 8 Pf., ein Zentner für 7,50 M., sind in Spandau nun schon seit einer Woche in großen Mengen zu haben, ohne daß sich die Käufer sonderlich darum reißen. Im Gegenteil sind die Hausfrauen mit den Kar- toffefn sehr unzufrieden und klagen, daß ein großer Teil derselben schon angestockt ist und fortgeworfen werden muß. Die Stadt büßt bei dem Kartoffelverkauf große Summen ein, da auch in diesem Jahre große Mengen angefaulter städtischer Kartoffeln auf dem Rittergut Wansdorf als Schweinefutter verwendet werden müssen. Fortführung der Uferpromenade um den Weihen See. Die letzte Gemeindevertretersitzung genehmigte ein Projekt, die Uferpromenade über das Schloßrestaurant-Grundstück hindurch- zuführen, so daß man fortan in der Lage ist, um den ganzen See zu lustwandeln. Unter Schonung der uralten und seltenen Bäume, sowie unter Erhaltung einiger Baulichkeiten auf dem Schloßgrund- stück kann man die Lösung des Projektes als glücklich bezeichnen. Der zukünftige Betrieb des Restaurants wird nicht gestört, ebenso wird die Bootsanlegestelle, die vollständig erneuert werden soll, er- halten bleiben. Zur Durchführung dieses Projektes wurden 4l1 000 Mark bewilligt und soll dasselbe sofort in Angriff genommen werden. Zu den Parteidifferenzen in Teltow-Beeskow. Trcptow-Baumschulenweg. Donnerstag, den 3. August, haben in dem Lokal von Erbe-Baumschulenweg eine größere Anzahl Ge- nassen getagt, die die Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft ablehnen und gewillt sind, Mitglieder des alten sozialdemokratischen Wahl- Vereins zu bleiben. Der Genosse Wissell hielt das einleitende Re- ferat und die Versammlung beschloß einen neuen Vorstand zu wählen. Einstimmig gewählt sind: Als Vorsitzender der seitherige Vorsitzende Paul Magel, als Kassierer die seitherige Kassiererin Frl. G e r i s ch, als zweiter Vorsitzender L e m m, als Schriftführer Joseph, zu Revisoren Schulz, Gramenz und Genossin 3i y n e ck. Als Abteilungsführer wurden gewähst di« Genossen F r o h n und Pappe. Charlottcnburg. Zu dem in der Freitagnummer abgedruckten Versammlungsbericht geht uns von dem Vorstand eines aus Mehr- heitsanhangern gegründeten Vereins eine längere Erklärung zu, in der u. a. darauf hingewiesen wird, daß der Vorsitzende in der letzten Mitgliederversammlung eine Erklärung abgegeben hat, die sich mit dem alten Kreisvorstand einverstanden erklärte. Der volle Abdruck der Erklärung erübrigt sich, da sie sich mit der in Neukölln abgegebenen von uns in der Sonnabendnummer abgedruckten Mehrheitserklärung wörtlich deckt. Cöpenick. Zu dem Bericht über die Cöpenicker Mitgliederver» sammlung geht uns eine längere Erklärung von Anhängern des neuen Kreisvorstandes zu, der wir entnehmen, daß bei der Abstim- mung über die Anträge der Opposition die Gegenprobe nicht aus- gezählt wurde. Der Schriftführer hat bei der Berichterstattung vielmehr von der Zahl der anwesenden Teilnehmer einfach die für die Anträge Stimmenden abgezogen und die übrigen als gegen diese Anträge stimmend gezählt. Dadurch sind alle Stimmenthaltungen der Mehrheit zugezählt worden. Weiter wird mitgeteilt, daß nach der Abstimmung 78 Genossen sich mit dem Genossen H. aus dem Saale entfernten. Berichtigung. In dem in der gestrigen Nummer enthaltenen Mehrheitsbericht aus Bohnsdorf mutz es heißen: Der Vorstand setzt sich aus folgenden Personen zusammen: H. Schleffler, Vorfitzender, E. Hamann, Kassierer und A. Haese, Schriftführer, keine Kenntnis von dem Stattfinden der Bersammkung hatte«. Vom Vorstand wurde der Vorwurf einer Ueberrumpelung zurück- gewiesen; die Einladungszettel seien einen Tag zu spät eingetroffen, so daß sie dem„Vorwäris" nicht beigelegt werden konnten. Nach längerer Debatte, in der die Anhänger der Fraktionsmehrheit es als ihr Recht bezeichneten, auch für die vom alten Kreisvorstand einberufenen Generalversammlungen Delegierte vorzuschlagen und eventuell neue, von früher gefaßten abweichende Beschlüsse zu fasten, wurden die vier vorgeschlagenen Delegierten mit 46 gegen 30 Stimmen gewählt. Im weiteren Verlauf der Debatte warf Genosse Neumann dem Vorstand nochmals vor, daß er durch sein Verhalten die Beschlüsse des Vereins gröblich mißachtet habe, und beantragte daher, auf die Tagesordnung der nächsten Mitgliederversammlung : den Punkt„Neuwahl des Vorstandes" zu setzen; er zog jedoch schließ- � lich diesen Antrag wieder zurück. Zwei weitere Anträge, von denen i der eine nur den neuen Kreisvorstand anerkannt wissen wollte, während der andere sich für den alten Kreisvorstand entschied, wur- den von den Antragstellern gleichfalls zurückgenommen, nachdem Genosse Lomdahl vorgeschlagen hatte, erst die Berichte von der letzten Kreis-Generalversammlung und der vom alten Kreisvor- stand zum 6. d. M. anberaumten Gen eraloers ammlung abzuwarten. Den Anhängern der Fraktionsmehrheit wurde Sonderbündelei vor- geworfen, weil sie mit dem Vorstand eine Sondersitzung abgehalten hätten; diese verteidigten sich damit, daß sie nur das Beste der Or- ganisation dabei im Auge hatten und nur das taten, was die An- Hänger der Arbeitsgemeinschaft anderenorts seit Beginn des Partei- l streite» in weit größerem Maße getan Hadem Wahlvereinsversammlung in NowaweS. Der Vorstand hatte zum Freitag, dem 4. d. M., nach dem „Voltsgarten" eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein- berufen, die die Wahl von Delegierten für die vom alten Kreis- vorstand zum 6. d. M. angesetzte Kreis-Generalversammlung vor- nehmen sollte. Die AnHanger der Arbeitsgemeinschaft erhoben gegen die Versammlung Protest, weil der Wahlverein durch Be- schlutz den neuen Kreisvorstand anerkannt habe, dann aber auch Oeshalb, weil die Einladung zu der Versammlung so spät und mangelhaft erfolgt sei, daß eine beabsichtigte Ueberrumpelung der Anhänger der Arbeitsgemeinschaft angenommen werden müsse. Die Einladungen hätten der„Brandenburger Zeitung" erst am Abend der Versammlung beigelegen, während die Leser des„Vor- wärtS" überhaupt keine erhalten und deshalb zum größten Teil Mus alier Welt. Strahenbahnschaffnerinnen, die militärisch grüszen müssen. Die Verwaltung der.Bergischen Kleinbahnen", Abtlg. Straßen- bahn der Stadt Elberfeld, hat, wie der„Courier", das Organ des Transportarbeiterverbandes, mitteilt, am 22. Juni durch nachstehenden Anschlag im Depot Mirke der ernsten Zeit Rechnung ge- tragen: „Laut Bekanntmachung unserer Betriebsverwaltung haben die Schaffnerinnen die Vorgesetzten durch Anlegen der rechten Hand an die Kopfbedeckung zu grüßen." Diese Verfügung wurde durch einen neuen Anschlag vom 1. Juli ergänzt. Dieser lautet: „Es ist bei sämtlichen Bahnen Wlich, daß Schaffnerinnen in Uniform militärisch grüßen.(Das ist eine UiNvahrheit, be- merkt dazu der„Courier".) Wir ordnen deshalb für unsere sämtlichen Beamten das gleiche an." Der„Courier" kritisiert diesen Erlaß natürlich und teilt ferner mit, daß dieser bei den Schaffnerinnen eine begreifliche Erregung hervorgerufen habe. Auch hätten fich die Schaffnerirrneu nicht gleich an diese neue Art des Grüßens gewöhnen können.„Aber wo es bei einer Schaffnerin nicht klappte, halfen die Kontrolleure nach. Klang den Herren noch der übliche Gruß„Guten Morgen" entgegen, dann hieß es:„Es wird nicht mehr„Guten Morgen" ge- sagt, sondern die Hand hoch." Auch wurde den Schaffnerurnen angedeutet, daß, wenn sie nicht dorschriftsmäßig grüßten, sie ihre Kündigung zu gewärtigen hätten." Es entspricht ganz unserer Meinung, wenn der„Courier" darauf erklärt, daß es dem Ernst der Zeit mehr entsprechen würde, wenn die Verwaltung fich mal um die Bezahlung der Angestellten bekümmerte. Die Verwaltung bringt es noch fertig, den Schaffnern einen Tagelohn von 3,70 M. und 3,80 M. und den Führern einen solchen von 4,20 M. und 4,30 M. in den ersten Dienstjahren zu zahlen. Daß dies bei dieser unerhörten Teuerung Hungerlöhne sind, kann nicht bestritten werden. Es würde daher für die An- gestellten viel nützlicher fein nnd auch der Betriebssicherheit auf den Bahnen mehr gedient werden, wenn die Verwaltung, anstatt sich über die Form, in der die Schaffnerinnen ihre Vorgesetzten zu grüßen haben, schlaflose Nächte zu bereiten, den Angestellte« eine durchgreifende Teuerungszulage gewähren würde. IS Zentner Brotgetreide»erschwiegen. In der Grasschafi Camburg in Thüringen sind Massenklagen gegen Landwirte wegen unrichtiger Angabe von Getreidevorrälen durchgeführt worden. Wie der„Deutsche Kurier" berichtet, hat sich bei den Nach- forschungen ein Mehr von 18 000 Zentnern Brotgetreide ergeben bei der verhältnismäßig geringen Anbaufläche von etwa 2260 Hektar. Schweres Bootsunglück auf der Oder. Infolge des Sturmes kenterte auf der Oder bei T s ch i ch e r z i g ein mit fünf Personen besetztes Segelboot. Sämtliche Insassen fanden den Tod in den Wellen. Die Verunglückten, die in der Sommerfrische Oberwein- berge bei Züllichau weilten, sind: Regierungsbaumeister und Stadt- verordneter Kuhlmann aus Züllichau nebst Frau, Lehrer am Königlichen Pädagogium Reinhold Quarg aus Züllichau und dessen Frau Gertrud, sowie Dr. Walter Pomptow aus Ober- Weinberge. Drei Personen beim Baden ertrunken. In Weitenhagen bei Stolpmünde hat sich, als Folge des Sturmunwetters, ein schweres Badeunglück ereignet. Die Familie des Pastors Köpke befand sich beim Baden am Strande..Die See ging infolge des Sturmes hoch, und deshalb verließ die Frau Pastor mit dem jüng- sten Kinde sehr bald das Wasser. Der Pastor, sein zwölfjähriger Sohn und das Kinderfräulein, ein Fräulein Chemnitz, wmmellen sich aber noch, wenige Meter vom Strands, in den Wellen. Plötzlich wurden alle drei von einer Sturzwelle fortgerissen und kamen nicht mehr zum Vorschein. Es wurden sofort Rettungsversuche ange- stellt, aber ohne Erfolg. Nach einer halben Stunde gab das Meer die Leichen des Pastors und des Mädchens wieder; die Leiche des Knaben konnte noch nicht geborgen werden. Zeh« Mensche» derbrannt. Beim Besitzer Kijewski in Trzepowo bei Plvck entstand im Wohnhaus nachts Feuer. Da die Türen von außen verrammelt waren, verbrann- t«n die Mutter und die Frau des Besitzers, sechs Kinder und zwei Mägde. Der Besitzer und die Knechte, die in der Scheune schliefen, wurden gerettet. Ballonnnglück. Während des fürchterlichen Sturmes, der an der dänischen Küste wütete, ritz sich ein militärischer Fessel- b a l l o n los und stürzte in den Sund. Die beiden Insassen, ein Leutnant und ein Unteroffizier, find anscheinend ertrunken. Die Opfer de? Waldbrandes w Kanada. Nach den letzten Schätzungen find bei den Waldbränden in Ontario 5 0 0 M e n- scheu umgekommen, von einigen entlegeneren Siedelungen sind noch keine Berichte eingetroffen. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Dollar. parteiveranftaltungen. NenkSkln. Die Bibliothek ist von Montag, den 7. August, an wieder w der üblichen Zeit geöffnet Tempelhof. Mittwoch, de» 9. August, findet bei Behrendt, Ringbahn- straffe ö/7, ein gemewschasllicher Zahlabend statt ßrauenveranftaltungen. Berei» für Kranen und Mädchen der Arbeiterklasse. Donners. tag, den 10. August: Ausflug nach Bichelswerder. Treffpunkt von 1V Uhr vormittags an beim„Alten Freund*. Jugenöveranftaltungen. Brtb-Bnckow. Sonntag, den 6. August: Spaziergang nach Buckow. Treffpunkt 3 Uhr Pintlch-Allee, Ecke Hannemannstraffe. Mittwoch, den 3. August: Spielabcnd im Körnerwäldchcn. Treffpunkt 'Iß Uhr bei Frau Siedel, Eberstadl-Allee 11. Reinickendors-Ost. Heute Sonntag, den S. August: Monats. belprechung der Abonnenten der„Arbeiter-Jugend*.— Montag, den 7. d. MtZ.: Mädchenabend. Vortrag von Frau Emma Döly über„Frcund- ichast*.— TienStag, den 8. d. Mts.: Eesangsübungen.— Donnerstag, den 10. d. Mts.: Fragekaftenbeantwortung. AnUCbotS ohne Bezugsschein finden Sie bei uns'wie bis- her. Garderobe in reichlicher Auswahl zu nebenstehenden Preisen Es handelt sich hierbei—«fies sei ausdrücklich bemerkt— um irische, moderne Übcrgangs- bezw. Winter wäre die aber Bezugschein- frei ist, weil sie bereits vor dem 10, Juni dieses Jahres in unseren Häusern war. Kömgsfr. 33 a. Bahnhof Alexonderpl. Chaussecstr. 113 beim Sictiincr-Bahnhof Sonnferfs beschlossen 29.75 34.— 42.50 49.75 22.50 32.50 39.75 46.— Blaue Jackenkleider Farbige Jackenkleider Einfarbige Wintermäntel 19.75 24.50 27.50 34.50 Fantasie Winicrmänfel 17.50 21.50 26.— 29.75 Schwarze Mäniel Blaue Röcke Farbige Röcke 22.50 26.75 32.50 37.— 16.50 19.75 22.50 24.— 9,75 11.50 14.50 16.— Kindermäntel in sehr grosser Reichhaltigkeit, entzückende, kindliche Muster, nur praktische Ware. Grösse I von Mk. 9.73 an Todes-Anzeigen Neukölln Nm 4. August verstarb unser Parteigenosse 238/15 m\ Heilmann Kaiser-Friedrich-Str. 75. 8. Bezirk.- Ehre seinem Andenke»! I Die Beerdigung findet morgen» Montag, den 7. August, nachmittags Z'/z Uhr, auf dem Neu- köllner Gemeindesricdhos, Marien- dorser Weg. statt. Um rege Beteiligung ersucht .Der Vorstand. Am 3. August verstarb unser i Parteigenosse Adolf Sclirammeck Hcrrsurthstr. 19. 21. Bezirk. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Montag, den 7. August, nach- mittags 4'/, Uhr, aus dem Iatobi-Kirchhof, Hcrmannstratze, statt. vor Torstand. SczlaldemokFalischerWahlvereini NiedeFbarniE Bezirk Lichtenberg. Nach kurzem Leiden, infolge! Rülkenschufi, verstarb im Vereins- 1 lazarclt zu Dresden unser Ge- j nosse Max Schlorabach im Alter von 24 Jahren, Sonn- j tagslraste 5(Gruppe 53). Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung hat am Frei- tag. den 4. Juli stattgefunden. 13/19 Die Bezirksleitung.! DeuiseliEFMetaliaFlieiter-yerbanii Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Kollege, der Maschinen- arbciter ktaltaif Litifin am 30. Juli infolge eines Unfalls gestorben ist. Ehre seinem Andenke» k Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unser Kollege, der B Dreher Erich Purwin am 3. d. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Montag, den 7. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle dcS Südwest-Kirchhoses in Stahnsdors aus statt. Rege Beteiligung erwartet >21/1 Die Örtsvcrwaltnng. Veriiand der Sattler und PöFleleuUler. Ortsverwaltung BeHln. Als Opfer des Weltkrieges fielen die Kollegen Gustav Spiegelberg 21 Jahre alt, Karl Franz 31 Jahre alt. Ehre ihrem Andenke» k 158/3 Tie Ortövcrwaltnug. ÄrhettEF-JuijEiid Liclitsnherg. Das Dölkcrringcn hat wiederum Zwei unserer Besten von uns ge- fordert, unseren Gruppenleiter Robert Etzne und �unseren langjährigen Leiter der freien Jugendorganisation Eruno(Zöfirinx. Vieles haben sie der Freien Jugendbewegung gegeben, mehr noa, halten sie der Ärbeilerbcwe- gung nutzen können. Möge ihnen die fremde Erde leicht sein. Ihr Andenken werden wir dauernd m Ehren halten. 285/11 Am 1. Juli fiel unser lieber! Kollege, der Fräser 42A! .Jobsnn Pestka Wchrmann. Sein kollegialer Geist sichert ihm bei uns ein dauerndes ehrendes Andenken. Die Kollegen und Kolleginnen der Firma A. Vorfig. Tegel, Abt. Bcitstraße, 1. Etage. ZentFal-KFanken- u. StEFliekasse der Deulselien WapbaueF. V. a. G. Berlin, Bezirk 9. Den Mitgliedern bicrmit zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schmied Heinried Setmlz Grünthaler Str. 75 am Donnerstag, den 3. August verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Sophien-Kirchhoses, Freien- walder Strage, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 257/16 Tie Lrtsverwattnng. ScIiwininiveFEin JOFffärtr Berlin 1897. Wiederum haben wir die trau- rige Pflicht, den Mitgliedern den Verlust eines unserer Schwimm- genossen Prunn Siebert bekannt zu geben. Er fiel als Opfer des Weltkrieges. Ehre seinem Andenke«! 10S5b Her Vorstand. RudervEFEin„Vorwärts". Aus unseren Reihen ist weiter durch das Völkerringeu der Sportsgenofle Mannes Gotlsehalk gerissen worden. 1056b In Richtigstellung unserer letzten Anzeige bemerken wir, daß unser gesallener SportSgenofle nicht Hoffmann, sondern Paul Hoffmeister heißt. Wir werden den Gefallenen stets ew treues Andenken be- wahren. Der Vorstand. »äiiuerekoF„LeFche-Bulgkett" 1870. Am 11. Juli erlitt»nfer Sanges- I bruder Adolf Babkuhl j infolge eines Kopfschusses den ! Heldentod. Wir verliere» ia dem als Opfer des Weltkrieges Verstorbenen einen lieben Freund, deflen An- denken wir stets in Ehren halten. 53/20 Der Torstand. Als Opfer deS Weltkrieges fiel bei den Kämpsen am 15. Juni 1916 durch Granatsplitter in die Brust getroffen unser lieber, un- vergeßlicher Sohn, Bruder, Schwager und lieber Oukel, der Gefreite Mannes Goüschalk Füs.-Regt. Nr. 35, 3. Komp. im 27. Lebensjahre. Dies zeige» liesbctrübt an Wilhelm Gottschalk nebst Frau, als Eltern. AZax Müller als Schwager, auS dem Felde zurück. Luise Müller geb. Goltscbslk als Schwester nebst Kindern. Hans Stellbaum als Schwager zurzeit im Felde. BmmaJjtellbaum geb. Gottschalk als Schwester nebst Kindern. DaS ist der Krieg I Hinweggeriffen vom Mutterherz, vom Vaterhaus wird jäh der Sohn,— wir alle wissen, wieviel an Lieb' zog mit hinaus! Er fiel als Held l Ob Du einsam draußen schlum- merst, ob Du ruhst im Maffengrab: Deiner lieben Eltern Glück mid Hoffnung 13öA sank mit Dir zur Gruft hinab. Ruhe sanst in fremder Erde I Als Opfer des Weltkrieges starb am 19. Juli an den Folgen eines schweren Lungensch usses unser einziger geliebter Sohn, der Musketier IZZoh klisl Schulz im 21. Lebensjahre. In tiefstem Schmerz vis trauernden Eltern und Geschwister,©�««�42. Familie Rehischke, Neukölln. Du starbst an Deinen schweren Wunden, des Feindes Blei traf Dich zu schwer. Vorbei, vorbei des Lebens goldne Stunden, sür Dich gibt's keinen Frühling mehr. Für's Vaterland in Sturm und Not warst Du getreu bis in den Tod. Ruhe sanst. Du guter Kurt, meine Liebe deckt Dich zu. Deine Dich nie vergessende Gertrud. jr Als Opfer des Weltkrieges fiel am 23. IM 1916 unser Sfesd lieber Kollege Willi Pfaffle im blühenden Alter von 27 Jahre». In trauernder Erinnerung gewidmet von alle» seinen Kollegen und Kolleginnen, die ihm zu aller Zeit ein ehrendes Andenken be- wahren werden. Die Vleister, Kollegen und Kolleginnen der Firma Sudikatis& Co., Abteilung A 5, Zündermontage. Wär jeder so wie er, Gäb's weder Krieg noch Not. Als L-ohn des Volkes starb er, Getreu bis in den Tod. Möge ihm die Erde leicht werden. 114A Als Opser des Weltkrieges fiel am 25. Juli 1916 durch Kops- schuß unser lieber Sohn, Bruder und Onkel, der Grenadier Erwin Simon Res.-Jnf.-Reg. Nr. 12, 1. Komp. im blühenden Alter von 25 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Didn Simon geb. Schultz als Mutter. Ella Kräser geb. Simon als Schwester. nebst Söhnchen Bein�. Der Schwager Max Kräser wird). Z. vermißt. Herbert Simon j Hans Simon z. Z. im Felde> all Brüder Knrt Simon z. Z. im Lazarett) Wenn die Glocken werden klingen zum Friede» einst,»ach blutigem Streit, Dir, lieber Sohn und Bruder wird keine mehr er- klingen. Du ruhst in Feindesland so weit. Wir sahen nicht Dein brechend Auge, dursten nicht zum letztenmal die Hand Dir drücken. Nur wer mit uns fühlt, wird unseren Schmerz ermeffen, und nimmer werden wir Dich vergessen. Ihm der Friede, unS der Schmerz. 119A Als Opser des BölkerringenS fiel am 21. Juli 1916 durch Ver- schüttung einer Granate mein lieber Mann und herzensguter Vater, mein lieber Sohn, guter Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Landsturmmanu Otto i.Snniok Jns.-Regt. 176, 10. Komp., im Alter von 35 Jahren. Dies zeigen in tiefstem schmerz an Qennlckl geb. Rosenthal nebst Tochter Erna sowie Eltern und Verwandten. Allzu srüh verließest D« die Deinen, die in der Heimat bitt're Tränen um Dich weinen. Fern von der Heimat, in fremdem Land, da ruhst Du nun, Ge- liebter, Dein Grab schmückt keine liebende Hand, drum schmücken wir Dein Bild hier im öden Heim, als sollt es Dein Grab in der Heimat sein. O Schicksalsmacht, noch faffen wir es kaum.— Wo bist du hin, unser schönster Traum I 119A Nach kurzen, schweren Leiden I starb am 29. Juli 1916 im Feld- lazarett mein guter, treusorgender J Sohn, Bruder und Schwager, der I Musketier Wolion Geier | im Alter von 22 Jahre». Im Namen der trauernde» Hinterbliebenen Witwe Klara Vieler nebst Kinder». 135SI Wär' jeder so wie er, Gäb's weder Krieg noch NM Als Sohn des Volkes starb er Getreu bis in den Tod. I Ihm der Friede, uns der Schmerz. AIS Opfer des Welt- kriegeS fiel am S. IM 1916 mein geliebter Mann, der Malermeister Will! Wurski als Tambour im Königin- Elisa- beth-Garde-Grenadier-Reg. Nr. 3 durch Brustschuß im besten ManneSalter von 37 Jahren. Um fülle Teilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen Johanna PrzytarsU 164/17 geb. Schmidt Berlin, Norduser 14. Gewidmet zum Sterbetage I meines lieben Bräutigams, un- seres Schwiegersohnes und Schwa- 1 gerS, des Musketiers Max Gueridon vvm Jnf.-Regt. 82 gefallen am 5. August 1915. In schmerzlicher Erinnerung Frida Pilamm als Braut nebst Eiter», Scbweslern». Schwager. Vor einem Jahr, da nahm der Weltkrieg mir mein höchstes Glück, Du, mein lieber Max, kehrst nun nimmermehr zu uns zurück. Mit nichts können wir Dich mehr ersreu'n, Nicht mal eine Handvoll Blüten aus Deinen Hügel slreu'n. So will ich schmücken Dein liebes Bild daheim, Als sollt' es Dein Grab im _ Buchenwald(ein. So schlaf denn wohl, mein lieber Max, in Feindesland, Wo Dich zur letzten Ruh' bettete 141A treue Kameradenhand. Ais letzter Gruß von Deinem Fritz. AIS Opfer des Weltkrieges fiel am 3. Juli 1916 durch Granat. schuß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Unteroffizier Wi\Mm Miethke Lanuw.-Jnf.-Regt. Nr. 72, 9.Komp. Ritter des Eisernen Kreuzes. Die» zeigt in ttesem Schmerze an Fr an Helene Hietbke nebst Kindern. Du bist so schwer von uns ge« schieden In banger Ahnung aus ew Mieders eh'n. MZ Held bist Du im Kampf geblieben, Doch kann kein Sturm Dein liebes Bild vertveh'n. Beklagt, Beweint von Deinen Lieben, Zu früh hat Dich der Tod ereilt, Das Schicksal tras uns schwer. Wenn auch dteZeit dieWunden heilt, Vergessen nun und nimmermehr. Nu» ist'S vorbei. eS kann nicht mehr gescheh'n, Wie Du eS immer schriebst: 141A Aus Wiedersehe I Die trauernden Hinterbliebenen. Sillens erwand ten undBckamlten die traurige Nachricht, daß unser zweiter Sohn, der Gefreite Max Rückwald Res.-Jns.-Regt. 202, 6. Komp., am 26. IM 1916 im 21. Lebens- jähre infolge Zerschmetterung des rechten Oberschenkels durch Arülle- riegeschoß aus dem Verband- Platz verstorben ist Er folgte seinem Bruder Art»», welcher am 20. Slpril 1916 im 22. Lebens- jähre stet 119A Die ilefbetrübten Eiter« 5?arl Rückwald und Augufte Rückwald. Frida Rückwald als Schwester. Elise Reiche als Braut Ruhet sanft in fremder Erbe. StIS Opser deS Kriege» starb am 25. IM 1916 an den Folgen seiner schweren Verwundung. Kopsschuß, im Kriegslazarett unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Land- sturmmann 42Sl Hugo Treß Res.-Jnf.-Reg. Nr. 85, 1. Komp. im blühenden Alter von 30 Jahren. Die» zeigen tn ttesem Schmerz an Die Eltern Franz und Slugnste Treff, Sprengelstr. 43, nebst Familienangehörigen. Ruhe sanft w fremder Erde. Als Opser deS Weltkrieges fiel durch Bauchschuß am 10.. 7. 16 im 35. Lebensjahre mein lieber, immer treusorgender Mann und Vater 147A Mi Stulpe Ins.-Reg. Nr. 205. DieS zeigen in tiefem Schmerz an Frau Johanna Stulpe und fein Sohn verheil Wir schmücken Dein Bild mit Blumen schön, O, guter Mann und Vater, Könnten wir Dich noch einmal wiederseh'ul Arn 28. Juni 1916 fiel als Opser des Weltkrieges infolge 1 eines Granatschusses mein lieber I Sohn, der Grenadier 14421 f Ernst Nowera Jnf.-Regt 210. Die trauernden Hinterbliebenen j Frau Luise Nowera als Mutter. Paul Nowera, zurzeit im Felde. Franz Nowera,,»» Fritz Nowera,... Johanna Nowera a. Schwester. Adolf Nowera in Gefangenschaft. Ruhe sanst in fremder Erde. Pankow/Wilmersdorf. Als Opfer des Krieges starb ! am 29. Juli 1916 durch Kopf- j und Bruflschuß mein lieber, un- " vergeßlicher Manu Alexaniier Kahl llnteroffz. im Res.-Jnf.-Reg. 1, 10. Komp. In tiefstem Schmerz | Im Ramcu aller Hinterbliebenen Emilie Kahl geb. Frwke. Allen Verwandten und Bekannten i die traurige Nachricht, daß mein lieber, unvergeßlicher Mann, der treusorgende Bater seiner drei | Lieblinge, der Landsturmmann Emil Wühler in einem Rcsero e-Jnsanteric-Rgt., am 28. Juli 1916 durch einen Volltreffer auch ein Opser des Weltkrieges geworden ist. Die tiesgebeugte Witwe Elisabeth Ntühler gb. Bammann nebst Kindern, 133A Petersburger Platz 6. Schwer ward es Dir, von un« zu scheiden, Die Du so innig hast geliebt Nun bist Du nicht mchrl Härttres Leiden, Für Deine Lieben es nicht gibt. Du kannst unS nie an's Herz mehr drücken Un« nie mehr Deine Liebe weih'»--- Und ach I— wir können nimmer Ichmücken, Dew ferne« Grab mit vlüme- lein. Drum guter Vater ruh' w Frieden. Mein lieber Mann— ach gar zu früh Bist wahrlich Du von un« ge- schieden— Vergessen wirst Du von unS nie I AIS Opfer des Weltkrieges fiel am 11. Juli mein lieber Mann, der Landsturmmann ffisx Keßler (Falckensteinstraße 17) Ref.-Jnf.-Regt. 52, 11. Kompagnie im 29. Lebensjahre. Tief betrauert von feiner Gattin nnd Tochter nebst Angehörigen. Sein letzter Gruß, sein GehnsuchtS- blick, Traf unflre Herzen schwer; Lebt wohl, ihr Lieben alle, Wir seh'n unS nimmermehr. Plötzlich und tieferfchütternd er- hielt ich die traurige Nachricht, daß am 23. Juli 1916 nach 15 Monate langen Kämpfen mein innig ge- liebter, unvergeßlicher Mann und treusorgender, guter Vater als Opfer des Weltkrieges, der Land- sturmmann Wübelni Mathow Jns.-Reg. 48, 10. Komp� den Heldentod Im blühenden Alter von 33 Jahren fand. 142A Im tiefen Schmerz Elfriede Mathow gb. FäBer als Frau. Herbert u. Gerda als Kinder. Wilhelm Mathow u. Frau als Eltern. Ma* Mathow u. Frau, zurz. i. Felde Karl Füller u. Frau als Schwiegereltern. Artur FäBer». Fraa. Alfred Fäller, zurzeit im Lazarett, nebit Frau. Karl Fäller)..._ Ewald Fäller J$®aßeF Martha Fäller j"»d Schwagerin. Richard Klauck u. Frau geb. Fäller. Alle Freunde und Bekannte. Du bist so schwer von uns ge- schieden In banger Ahnung aus ew Wiederschn. AIS Held bist Du im Kampf geblieben. Doch kann kein Sturm Dein liebes Bild verweh». Beklagt,bewcwt von Deinen Lieben, Zu früh hat Dich der Tod ereilt, DaS Schicksal tras uns schwer. Wenn auch dieZeit die Wunden heilt, Vergessen, ach nein, nimmermehr. In Deinem Brics, da schriebst Du es nieder: In die Heimat möchl' ich wieder I Doch eS ist vorbei, eS kann nicht mehr geichehn, Wie Du eS immer schriebst, ge- sundes Wiedersehn. Wer ihn gekannt, muß um ihn weinen. Lieber Papa, ruh' in Frieden, Herbert U.Gerdas Liebe deckt Dich zu Wenn jeder so wie er, Gäb's weder Krieg noch Not Als Sohn des Volkes starb er Getreu bis in den Tod. Als Opfer des WettlriegeS fiel am 26. Juli er. durch Granat- Iplitter unser lieber Sohn, Bru- der, Schwager und Onkel, der Musketier �iebard Hoffmann Jns.-Reg. Nr. 64, 11. Komp. im 20. Lebensjahre. Paul Hofsmann nebit Frau und Kindern Bersin-Britz, Eberstadt-Allee 14. Walter Hosfmann, Kriegsinval. Fritz Hosfman», z. Zt. im Felde nebst Frau. Hans Kläber als Schwager. Dorothea Kläber geb. Hosfmann. Edith Kläber als Nichte. Wir können Dir nichts mehr bieten, Mit nichts mehr Dich ersreun, Nicht einmal Blumen können Wir aus Dein Grab Dir streun. Am 3. August starb im Lazarett an seiner schweren Kopsoerlctzung mein inniggeliebter, herzensguter Mann, seiner lieben Kinder ttcu- sorgender Papa, Bruder, Schwager und Onkel, der Landswrmmann Georg Emulier im 40. Lebensjahre. In schmerzlicher Erinnerung Heine liehe Frau und Beine liehen Kinder Klärchen, Edith, Else und lf!arthchen, nebst allen Angehörigen." 13731 Wär' jeder so wie er, Gäb's weder Krieg noch Not. Als Sohn des Volkes starb er, Getreu bis in den Tod. Als Opser dieses Weltbrandes fiel am 28. Juli 1916 durch cwen Volltreffer unser hochgeschätzter Kollege, der Lagerverwalter Pctersburge: Platz Nr. 6 im blühenden Alter von 32 Jahren, Er war uns stets ein leuchtendes Beispiel treuer Pflichtersüllung, sein gerader, ehrlicher, prächtiger Charakter machte ihn uns zum unvergeßlichen Freund. 133A Wir hofften bestimmt. Dich wieder in unserer Mitte zu haben, Nu» liegst Du in fremder Erde begraben. Ew Denkmal hast Du Dir selber gesetzt, Dew schlichtes, ehrNcheS Wesen haben wir stets hochgeschätzt, I» unserem Herzen lebt Emil Mühler jort, DieS ist ew kugelsicherer Ort. Wir werden unserem liebens- würdigen Kollegen ein treues und ehrendes Andenken bewahren. Ble Arbeiter und Arbeiterinnen der„Diamant"-Gasglühllcht-Gesellschaft m. b. H. Berlin, Gubener Stralle Hr. 47. Kranzspenden sowie sämtliche ßlumenarrangcmentö liefert schnell und billig Foul Gposs, Lindenstr. 69, Tel.Mpl.7203. Wer sich m Redner ausbilden will, dem ist als grundlegende Schrift sehr zu empfehlen: Referenten-Mrer von G. Saoid. preis 1,50 M. Das ausführliche Inhaltsoer- zeichnis wird auf Aerlangen verschickt vom Verlag Luchhandlung Ä orwärts Berti» SW.«- ttutenstrap« 3 Von Pau! Hirsch, Mitgl. des preuß. Abgeordnetenhauses, Stadtverordneter Preis I Mark Vereinsausgabe SO Pf. 18 Eine Schrift, die in allgemeinen Umrissen eine sach. liehe Uebersicht über die wichtigsten Geschehnisse deutscher Stadt- und Landgemeinden auf dem Gebiete kommunaler Kriegsfürsorge gibt. Für alle Stadtverord., Gemeindevertreter sowie für die kommunalen Beamten und Ehrenbeamten ist diese Arbeit von großem Wert Buehliandlung Vorwärts SW68, UndenstraBet Im MM»»nietet»nl öem StleMWlO gelodenen Mode»! Im?uli 1916 fiel aus dem Schiachtseide unser Tenofie, der Schriftsetzer Fvanz Möhring Slmbtstr. 20, Bez. 99. Hm 23. Ful! 1916 fiel aus dem Schlachtselde unser Genosse, der Maler Vitiii Erdmann Bez. 77. Am 8. Juli 1916 fiel aus dem Schlachtseide unser Genosse Zvkann GZpp Böckhstr. 7, Bez. 131. 206/1« Lorlalilemollr. Vtstiiveeein f. d. 2. Berliner Relehetagswahlkr. Am 28. Juli fiel im Alter von 40 Jahren der Schuhmacher Karl Peter Posener Straße 4, Bezirk 318 1. Am 28. Infi fiel im Mtcr von 32 Jahren unser BezlrkSflihrer, der Packer Emil Muhlep Petersburger Platz 6, Bez. 39011 215/7 Sezialdemokr. Wahlverein f. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Am 23. Juli fiel der 32jShrige Tischler Wim Mathow Mautschoustr. 1. 16. Abt. Bez. 764a. Am 26. Jull fiel Bei einer Mwenwerserabtcilung der Metall- arbeiter ktakspt Tpoemel 21 Fahre alt, Stvincmünder Str. 4. 2. Abt. Bez. 499. Am 21. Jull verstarb im Lazarett der Maurer Otto Behling 87 Fahre alt, Christianiastr. 127. 18. Abt. Bez. 814. Am 18. Juli fiel bei der Arbeit durch Kopfichuß der 38jShrige Straßenreiniger Flriedpich Thiess Hochftr. 34. 17. Abt. Bez. 807a. 227/6 Soilaldomokr. Wahlverein f. d. 6. Berliner Relehetagswahlkr. Am 7. Inst fiel im Felde der Bäcker Fpitz HopcH Hermannstr. 31— 24. Bezirk. Am 6. Just fiel im Felde der Maler Paul Kleemann Friedelstr. 28— 1. Bezirk. Im Felde fiel der Nadler Ott« Lennick Hobrcchtstr. 64— 2. Bezirk. 238/14 Sozialdemokratischer Wahhrereln Neukllln. Am 7. Just 1916 fiel unser Genosse, der Gefreite Hepmann Doping Finowstr. 25. 6. Abt., 28. Gruppe. 13/18 Sezlaldemokr. Wahlver. Nlederbamlm. Bez. Lichtenberg. Dem Weltkrieg fielen zum Opfer Genosse Otto Kpeutz Parkstr. 19a in der Nacht vom 8. zum 9. Juli Genosse Heinpich Topfep Mühlenstr. 66. 246/1 Soziald. Krels-Wahlvereln Nlederbamlm, Bez. Pankow. «IS Opser deS Weltkriege« fiel am 5. Jull der Laudfiurmmann, unser Genosse Max Mack. 245/2 Sezlaldem. Wahlverein Niederbaralm, Bez. SeMnelohe. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Im Felde gefallen sind folgende Mitglieder: Witketm Anders, M-Ichwen-rbetter. 88 Fahre-lt. Friiz Blasse,»w«, s-h« �eindold Börnicke, sw«, s« Jahre-n. Paul Bkrenberx,»1�.& Iah« an. Eugen Emmerich, Maschinenarbeit«, 84 Jahn alt. Walter Geier, Schirmmacher, 22 Iah« all. Otto Güldenpfennig, Mstenmach«, 38 Jahre alt. Robert Güthert, zw«.» sah««a. Paul Jonas, Aschi«, 39 Iah««b. Karl Kindervater,«swnuaq«. 37 J-h« Paul Eehrnann, 3�1«.-4 sah« Bruno Liedel, Klavinarbelt«, 20 Iah« all. Wilhelm Mathow, awi«, 32 Iah«°s. FranZ Pichl, Maschinenarbeit«, 89 Jahn all. «hre ihrem Anbenkenk 89/13 VI««ntavonr,»Itrulx. Deutsch. Metallarbeiter-Verband vrtsver�valtunx Berlin. Dem Andenken unserer im Felde gefallenen Kollegen. Oskar Lecker, Wi»ler, geb. 17. Juli 1873, Berlin. Erich Lliekert, Einrichter, geb. 19. September 1896, Neukölln. �Vsltsr Conrad, Hilfsmontenr. geb. 18. April 1894, Berlin. Albert Dähne, Helfer, geb. 19. August 1873, Berlin. Leon Doering, Schmied, geb. 4 Mai 1886, Damcrow. Rudolf Dügro, Former, geb. 23. Juli 1877, Berlin. Hugo Förster, Former, geb. 2. Oktober 1892, Leipzig. Rudolf Frohberg, Schloff«, geb. 15. Juli 1893, Großschocher. Friedrich Frömmelt, Schmied, geb. 15. Januar 1892, FriederSdors. Johann Henke, Arbeit«, geb. 13, Januar 1884, JägerSdors. Reinhold Hoffmann, Schloff«, geb. 20. Juli 1882, SteinSdors. Richard Krause, Schloff«, geb. 14. August 1888, Berlin. Wilhelm Kuppler, Schmied, geb. 1. November 1893, Georgsburg. Otto Lennick, NM«, geb. 10. Dezember 1882, Berlin. Wilheln Lichtenberg, Arbeit«, geb. 23. Februar 1885, Berlw. Hans iHatern, Dreh«. geb. 23. Dezember 1892, Treptow. Max Müller, Rohrleg«, geb. 1. Dezember 1886, Berlw. Oskar Paetzold, Schloff«, geb. 12. Dezember 1877, PoenSte. Albert Prochnow, Schmied, geb. 17. September 1886, Wallbruch. Adolf Riemann, Form«, geb. 11. April 1882, Bischofftin. Franz Schalthoff, Siiber-rbeit«, geb. 26. September 1880, Fricdrichsderg. Wilhelm Schier wagen, Arbeiter, geb. 5. März 1877, Tilsit. Robert Troemel, Dreh«, geb. 5. Februar 1895, Magdeburg. Georg Vogt, Mechanik«, geb. 29. April 1895, Berlw. Rudolf Waclawiak, Schloff«, geb. 25. März 1886, Lilbben. Emil Wollenberg, Schmied, geb. 11. Juni 1891, Trampe. Ehre ihrem Andenke«! 120/tS Die OrtSverwaltnag. ZV und veirodleu Berate Berlin. Unseren Mitgliedern machen wir hierdurch die traurige Mit- teilung, daß folgende Kollegen gefallen sind: Geopg Wischnat, Steinbruck«, gefallen am 12. Ottober 1914 durch Kopfschuß. Paul Hahn, Steindruck«, gesellen durch Mnenexplofion. Richard GpoHgp, Stewdrnck«, gefallen am 6. August 1915. Hepmann Mangelsdopf, Lithograph, gefallen am 17. Juli 1916. Gin ehrende« Andenken ist ihnen gefichert. 108/18 IM« OrtuTerwaUnnj. , AIS Opser deS Weltkrieges fiel am 10. Juli 1916 uns« heiß- geliebter, jüngster Sohn, Schwager, Onkel und Neffe, der Kanonier ülnis Haberer Karde-Fcld-Artillcrie-Regiment Nr. 5 im Alter von 25 Jahren.! Du sankst dahin, wie Rosen sinken, Wenn sie in voller Blüte stch'n, Schlaf wohl. es gibt kew Wiederfeh'n. Me Gräber, die nicht ikranz noch Denkmal tragen/ Die einsam und verlassen liegen ganz allein, Sie schließen oft mit allen lh«n Klagen, Da« beste Herz, de« llrbstrn Menschen ein, War' jeder so wie«, Gäb'S weder Krieg noch Rot. Ais Sohn des Volkes fiel er, Getreu bis in den Tod. Die tieftrauernden Eltern. Geschwister und Verwandte. Neukölln, Britz, Breslau. yififrfiiph p wie schwer war d«. -iMi Filiale(Sroß-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß folgende Kollegen aus dem Schlachtfelde gefallen sind: Kapl Kdpplep, Zentral-Magaziu. Erwin Herbst, Ceffentache Beleuchtung. Paul Förster, 22. Revier.Jnspekti»». Wilhelm Freimund, Zentrale Buch. Ferdinand Baschinski,©«S: Kurt Schulz, 36. Revier.Jnsprttion. Karl TopfeP, Gaswerk Schmargendorf. Wilhelm Miethke, Gasw. Gitschmer Straße. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. 34/7 VI« vi-t»v«Fwaltim�. r Bezirk Grotz-Berlin. Folgende Kollegen sind im Felde gefallen: .loh. Antoschewicz, Geschaftsdieoer. Paul Bonisch, Geschäftsdieu«. Max Engler, Lagerarbeiter. Richard Hoffmann, Geschäftsdieu«. Hermann Kirschke, Rollkutfch«. Richard Kohl, Geschäftsdieu«. Emil Möhler, Packer. Heinrich Prägert, Straßenbahn«. Theodor Ribbe, Arbeit-kutsch«. Walter Simm, Industriearbeiter. Ernst Schmidt, Geschäftskutsch«. Friedrich Weber, Rollkntsch«. 66/20 Ehre ihrem Andenke«: VI« veulrlisleltiuix. Plötzlich und tief erschütternd erhielten wir die traurige Nach. richt, daß am 14. Juli 1916 mein tnnigstgeliebter Mann, der treu- sorgende Bater seines SohneS, unser lieber, braver Sohn, guter Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Unl«oifizier Paul HaTemann Inhaber deS Eisernen KreuzcS (Res.-Jnf.-Reg. 12, 9. Komp.) den Heldentod im blühenden Alter von 34 Jahren fand. Schon seit Beginn des Krieges in treuester Ausübung feiner Pflicht vor dem Feinde, ist er nun seinem Bruder Otto ge- folgt, den schon seit Sept. 1914 der kühle Rasen in Frankreich deckt. In unsagbarem Schmerz Berta Hsvemeim geb. Hünlsch als Gattin, Fritz Havemann als Sohn, Neukölln, Warthestr. 73. Buetav Navomann und Frau als Eltern, Culmstr. 21. Wilhelm Hfinisch und Frau als Schwiegereltern. »az Havemann\ als Brüder, Willi Havemann 1 und Familien. Willi Kahle als Schwager, zurzeit im Felde. Frläa Kahle als Schwest«, u. Sohn. Faul Häniach als Schwager, n. Frau Willi lauho als Schwager, und Familie. Aariha und Selma Hllnlaeb als Schwägerinnen. - 10606 SSät* jeder so wie«, Gäb'S weder Krieg noch Not. Als Sohn des Belkes starb er, Getreu bis in den Tod. Lieber Papa, schlaf w Ruh', Üns«e Liebe deckt Dich zu! Den Tod im Felde fand am 23. Juli in treuer Pffichterfüllnng mein lieber Mann, der treu- sorgende Vater seiner beiden Kinder, unser lieber Bruder und Schwager, der Kanonier Bnmo Pollack, Feld-Artl-Reg. Nr. 18, 2. Satt., im Alt« von 23 Jahren. In ttesstem Schmerz 1067b Frau Telma Pollack, Rudi und Leni Pollack, seine lieben Kinder. ES ist bestimmt in Schicksals Rat, Daß man vom Liebsten, was man hat, Muß scheiden, ja scheiden. Nach 23 Monaten fiel als Opfer des Weltkrieges am 19. Juli, nach viermaligem Ausrücken ms Feld, mein hoffnungsvoll« jüng- ster Sohn, unser teurer Bruder, Schwager, Onkel und Bräuttgam, d« Unterosfizi« d« Reserve Max Ishrandt Jns.-Regt. 62, 2. Kompagnie, nachdem er fast an allen Kämpfen aus sämtlichen Kriegsschauplätzen teilgenommen. In unermeßlichem Schmerze Fran Chr. Jsbraudt, geb. Zahn, Elsa JSbrandt, Paul Jsbraudt, zurzeit im Felde, Otto Jsbraudt, zurzett im Lazarett, Elfe Hubner als Braut, Berlin W. 57, Grotzgörschenftr. 16. Zum Sterbetag:« meines herzensguten, unvergeßliche» Mannes, des FüsUiers Marquardt. Ein Jahr ist nun darüber hingegangen,— Da Du starbst den Heldentod,— BiS nach langem schweren Bangen mir die Nach- richt ward,— Daß man mir das Liebste nun genommen.— Nun liegst Du fern in Deinem kühlen Grabe— Mit Deinen Kameraden treu vereint.— Ich schmücke meine größte'Habe,— Dem Bild, daheim ganz still beweint.— Zum fernen Grab schweift tränenschwer mein Blick;— ES war zu kurz, unser sonnige» Glück.— Zu früh hat Dich der Tod«eilt.— DaS Schicksal traf mich schwer.— Wenn auch die Zeit die Wunde heilt,— Vergessen kann ich Dich nimmer- mehr. 1052b Gewidmet von Oalnar Gattin. In schmerzlichem Gedenken Zum Sterbetage unseres guten, braven, heiß- geliebten Sohnes, Bruders, Schwager», Onkels und Neffen, deS MuSketi«S Bruno Seiler Jnf.-Reg. Nr. 44, 10. Komp., gefallen am 5. August 1915. - 10721 Du warst unsre größte Hoffnung, Standst uns bei mtt Rat und Tat, Jetzt deckt Dich die kühle Erde, Ruhe sanft im Heldengrab l Ob Du einsam draußen schlummerst, Ob Du ruhst im Massengrab, Dew« lieben Mutter Stütze, Sank mtt Dir zur Gruft hinab I Ruhe s ans tl Deine ticftrauerude Mutter Frau Wenzlz« u. Geschwister nebst allen Verwandten. — BetfljllttoctLidjef Bchglteiir: Slircp WiZepp, Leulöll». Für fcea Lnserat enteil veiantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Vertag.'«orwärt» Buchdrucker« u. Verlagsanstalt Paul Kingcr&!io„ Berlin SW,