Ar. 31ö.- 33. Jahrg. n bo n ncmcn ts-Bedlngu ngen: Klonnemcms» BtcU trcönumctanbd' «iineljährl. 8,90 Mk, monatl. 1,30 Ml. »oöchenllich 80 Psz. frei ins Haus. Einzelne Nununer b Pjg. Sonnlags- nuiumer mit wustrierter Sonntags. Beilage.Die Nene Welt' 10 Pja. Voll. Kbonnemem: 130 Mark pro Monat, Eingetragen in die Bosi-Leiinngs. Brcisliile. Unter Kreuzband für Deulscyland und Oesterreich- Ungarn L,SO Marl, für das übrige slusland . Marl pro Monat. Poftabonnemems nehmen an Belgien. Däncmarh pollunp. Italien. Uuremburg, Portugal, umänien. Schweben und die Schweij. R f 5 PfennSg) Die Iniertions'Gebübr beträgt für die lechsgespaUcne Kolonel- »eile oder deren Raum 60 Big,, für polilnche und gcwcrlickiailliche Vereins- und VcrsamnrlungS-Anzeigen 80 Plg, „kleine Anzeigen", das leiigedrucste Wort 20 Big. izuläisig 2 fciigedrlickls Worici. jedes wcilere Wort 10 Big. Sicllcngciuche uns Schlaistelleinin- zeigen das erste Wort 10 Big,, jedes wencre WortZPsg, Worte über Il-Buch- fiabcn zählen für zwei Worte, Inicrnte für die nächste Nummer milijcn bis 5 Uhr naännsttags in der Erpedstion abgegeben werden. Die Ervedition ist bis 7 Uhr abends gcöstnet. crlcheiiit liigNch. Nvvltnev Dolksblnik. Zcntratorgan der rozialdcmokratifcbcri Partei Deutfcblands. Iclegramm-Adresle: .Sozialdemokrat Benin". Neöaktion: SA). 6$, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplat!, Nr.»31 SO— 151 S7 Die„Neuorientierung" im Schul- wesen. Uns wird geschrieben: In seiner Rede, die Professor von Harnack ols Ver- treter des Deutschen Nationalausschusses hielt. deutete er auch Richtlinien an, nach denen sich das Schulwesen nach dem Kriege entwickeln solle. Bekanntlich sieht der Nationalaus- schütz„seine Aufgabe darin, den Geist der Zuversicht im Volk daheim zu pflegen... und allen Bestrebungen entgegenzutreten, welche unter Verkcnnung des Ernstes, der Stunde die siegver- heitzende Eintracht gefährden". Als Mittel zur Verwirklichung dieser Aufgaben erkennt von Harnack allgemein die Förderung des gesamten Volksbildungswesens, sowie insbesondere die Hebung des Schul- und Fortbildungswesens an. Mit einer präzisen Ab- sage aber bedachte er die Forderung der Einheitsschule, auf die„man seinem Ermessen nach unberech- tigte Hoffnungen setz t".» Da für uns die Einheitsschule die Kardinalfrage aller Bil» dungsbestrebungen ist, müssen wir gegen diese Auslassung Har- Nacks öffentlich Protest einlegen. Wir wissen nicht, welche Gründe ihn zur Gegnerschaft der Einheitsschule führen, da er es an einer für einen Wissenschafter geradezu befremidlich berührenden Be- weiSführung fehlen und bei der oben zitierten Bemerkung bewen- den lietz, ein Verfahren, das um so mehr Verwunderung erregt, als alle führenden Pädagogen der Vergangenheit und Gegenwart diese Schulorganisation für die wissenschaftlich begründete ansehen. Aber wir haben die Pflicht, gerade in dieser Zeit darauf hinzuweisen, datz eine solch merkwürdige Stellungnahme zu einer das ganze Volk berührenden Angelegenheit auch wenig den Zielen entspricht, die der Deutsche Nationalausschutz sich selbst stellt:„den Bestrebungen entgegenzutreten, welche unter Verkennung des Ernstes der Stunde die siegverhcitzende Eintracht gefährden". Deshalb scheiden wir die Frage nach der wissenschaftlich päda- gogischen Begründung der Einheitsschule hier aus,, und können es. da darüber schon oft und gründlich hier gehandelt worden ist, und beschränken uns in dieser Hinsicht auf die Feststellung, datz die Einheitsschulfreunde nicht eine einzige Schulart fordern, womög- lich mit einem gleichen Lehrziel für alle Schüler, sondern datz sie mit dem zusammenhanglosen Nebeneinander der einzelnen Schul- arten aufräumen wollen und an die Stelle des heute bestehenden Chaos der Bildungsmöglichkeiten einen Organismus des Schul- aufbaus setzen wollen, in dem viel mehr als jetzt der Vielgestaltig- keit des Bildungswesens Rechnung getragen werden kann, weil die Voraussetzungen für Scheidung nach Begabung und Leistung dort erst sicher verankert liegen. Es ist eine beabsichtigte unwahre Unter- Stellung oder eine völlige Untkenntnis des strittigen Problems, wenn man die Fovderung nach Einheitlichkeit des Auf- daus mit Einseitigkeit im Ausbau abtut, und wenn die erstrebte höchste Differenzierung nach Anlage und Willenskraft der Uniformierung und Schabloni- f i e r u n g verdächtigt. Wir gehen heute den andern Gründen nach, die gerade den Nationalausschutz und seinen Wortführer hier bestimmen mutzten, für die Einheitsschule einzutreten, wenn er seinen sich gestellten Aufgaben sich gewachsen zeigen will. Das ist zunächst der Grundsatz der Gerechtigkeit. Dieser Grundsatz, der als oberster Gesichtspunkt in jeder ver- niinftigen Familienerziehung gilt, und dem Vater— wenn ihn nicht ökonomische Hindernisse abhalten— die Verpflichtung auferlegt, gleich hoch begabten Kindern auch die gleichen Bildungs- Möglichkeiten zu gewähren, beansprucht seine sinngemätze Anwen- dung auch für den Kulturstaat, der das gleiche Recht für alle an- erkennen mutz. In logischer Konsequenz ergibt sich für diesen Staat, datz er seine gleichbegabten Staatsbürger nicht zu ver- schicdenwertiger Ausbildung verdammen darf. Bei den heutigen Verhältnissen ist das der Fall; die heutige Schulorganisation— soweit man überhaupt jetzt von Organisation reden kann— futzt auf der Standes- und Besitzgliederung und sucht die augenblickliche Verteilung von Besitz und Vorrechten aufrecht zu erhalten. ES erscheint jedem gerecht Empsindenden als Hohn auf die Ge- rechtigkeit, wenn bei dem sich immer mehr verschärfenden Kamp- ums Dasein solchen, die ohnedies wirtschaftlich günstiger gestellt sind, noch besondere Vorteile gesichert werden(durch bessere Bil- dung!), die ihnen den Kampf im wirtschaftlichen Ringen erleich- tern, während jenen, die nicht ein gütiges Geschick auf die Sonnen- seite des Lebens warf, die Teilnahme am wirtschaftlichen Aufstieg erschwert oder gar unmöglich gemacht wird; wenn ihnen damit, obwohl sie gleich oder besser begabt sind, die höheren Stellen im Staats- und Wirtschaftsleben verschlossen bleiben. Ein Bil- d u n g s w e s e n, das die Einheit eines Volkes erstrebt, darf nicht, wie Tews treffend sagt, zur Versicherungs- ansralt für soziale Sonderinteressen werden. Rechtsgleichheit begründet den Anspruch gleicher Begabung und gleicher Tüchtigkeit auf gleiche Bildungsmöglichkeit. Der andere Grund für die Fovderung der Einheits- schule mützte für den Nationalausschutz in ihrer Volkswirt- schaftlichen Ueberlegenheit liegen. Die höchsten wirtschaftlichen Werte eines Staates sind� nicht seine materiellen Schätze, sondern die geistigen Kräfte seines Volkes. Sie sind sein Stammkapital. Natürlich nur solche Kräfte, die nicht brach liegen und schlummern, sondern die wachen, die lebendig sind und arbeiten. Jetzt, wo zu Hunderttausenden strotzende, hosfnungsfrohe Intelligenz getötet und schöpferische Kraft vernichtet wird, mutz beizeiten auf Ersatz Bedacht genommen werden. Solchen Massencrsatz kann nicht eine dünne Oberschicht stellen; wir müssen ihn suchen und nehmen, wo wir ihn finden. Etiles, was an wertvollen Kräften vorhanden wäre, aber unge- Expedition: Sw. 68, Zindenfttaße 3. iscrniprccher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 30-151 S7. nutzt liegen bleiben würde und müßt«, wäre Raub am National- vermögen unseres Volkes, ein Luxus, den wir uns unmöglich noch weiter gestatten dürfen, und der angesichts der jetzigen Notlage unseres Volkes zum ökonomischen Verbrechen würde. Den seit- herigen Zustand im Bildungswesen, die unrationelle Oekonomic unserer Schulorganisation schildert ein Kollege des Herrn Pro- fessor v. Harnack, der verstorbene Friedrich Paultzen:„Unbefähigte werden abgerichtet und treten in die leitenden Stellen, wo sie nichts leisten und ihnen selbst nicht wohl wird, und andererseits wird solchen, die zu grotzer Tätigkeit innere Begabung mitbringen, die Gelegenheit zur Ausbildung vorenthalten; indem sie bei niede- ren Dienstleistungen festgehalten werden, geht ihr Talent der Ge- sellschaft verloren und sie selbst haben lebenslang den Druck der Verhältnisse." Herr v. Harnack wird schwerlich seinem Kollegen von der andern Fakultät, die diese Fragen als ihr Spezialgebiet erforscht, das Urteil absprechen wollen. Und wir setzen hinzu: Es ist eine Vergeudung von Staatsgeldern, wenn man eine derartige unrationelle, veraltete Schulorganisation weiter konservieren wollte. Der rechte Mann mutz an den rechten Platz gestellt wer- den, und das ist nur möglich, wenn alle Staatsangehörigen d i e Bildung erfahren, die ihren Anlagen und ihrer Wissenschast cnt- spricht, und die sie ohne äutzere Hemmung sich erwerben können. Dann wird der künftigen Kulturarbeit ein unerschöpflicher Jung- brunnen an Intelligenz und Kraft erschloffen, der auch der jetzt über uns hereingebrochenen Massenvernichtung von Kulturwerten Herr wird. Solche Aussichten können aber nur dann Erfolg haben, wenn durch eine einheitliche Schulorganisation die Entfaltung aller im Volke vorhandenen, schlummernden Kräfte gewährleistet wird. Die Einheitsschule fordern heißt drittens aber auch Ernst machen mit der Sozialisierung des Staatswesens. In Gemeinwesen, wie z. B. der Schweiz, wo der soziale Gedanke nicht solchen Verdächtigungen und Hem- mungen ausgesetzt ist wie bis jetzt bei uns, gilt die gemeinsame Bildungsarbeit des ganzen Volkes als selbstverständlich. Geradezu aufreizend mutz es wirken, wenn man in der jetzigen Zeit die Ein- heitsschule ablehnt und den untern Volksschichten immer wieder aufs neue zum Bewußtsein bringt, datz für sie die Anteilnahme an den Kulturgütern eine Gnade oder ein Almosen sei, während doch gerade die harte Zeit des Krieges die bisher sich ablehnend verhaltenden Teile des Volkes zu der Erkenntnis geführt haben sollte, datz die Gewährung ausreichender Bildungsmöglichkeit kein Vorrecht begüterter Klassen bleiben, sondern zum allgemeinen Men- schcnrecht erhoben werden mutz. Uns scheint, Herr v. Harnack hätte unter Berücksichtigung des sozialen Momentes wohl zu einer ande- ren Auffassung über die Einheitsschule kommen müssen; dann hätte er sicherlich der von ihm propagierten Erhaltung der Volks- einheit einen besseren Dienst geleistet. Besonders merkwürdig mutz sich Harnacks Abwehr der Einheitsschule ausnehmen, wenn man daran denkt, datz ein anderer Propagandist die Forderungen des Nationalsausschusses, Herr Professor Theobald Zieglcr in Straß- bürg, ein überzeugter Verteidiger und glänzender Lobredner der Einheitsschule ist. Er kennzeichnet sie„als das eigentliche Palla dium der Reform"(Schulreform),„als Kern und Stern aller wahren Volksbildung". Für uns ist die Abneigung gegen den Gedanken der Einheits- schule nicht so verwunderlich; verwunderlich insbesondere nicht bei einem deutschen Professor zur Kriegszeit, wo wir an noch größere Merkwürdigkeiten gewöhnt sind. In der ganzen Struktur unserer Gesellschaftsordnung, die eine Klassengesellschaft darstellt, ist die Standes- oder Klassenschule begründet. Sie wird schwinden mit der Erkümpfmig des Nolksstaates, dann erst wird sie den Ehren- titel Volksschule erhalten und verdienen. Vorerst haben wir uns, wo unser Zukunftsideal angegriffen und gefährdet werden könnte, zur Abwehr einzusetzen. Tie sieghafte Kraft der Wahr- heit, die in ihm verborgen ruht, wird uns ein wertvoller Bundes- genösse sein bei der Durchsetzung der Idee in die Wirklichkeit. _______ H. J. Lanöesverfammlung üer französischen Sozialüemokraten. Paris, 0. August.(W. T. B.) Die Landcsvcr- s a m m l u n g der s o z i a l i st i s ch e n Partei und der französischen Abteilung der Internationalen Arbeiter organi- sation ist am Sonntag vormittag zusammengetreten. Drei sozialistische Minister nahmen an den Verhandlungen teil. Die Versammlung beschäftigte sich zunächst mit der Frage der Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen und der Herstellung eines dauerhaften Friedens. Presse mane verlangte hierbei eine gemein- same Konferenz der Soziallsten der alliierten Länder, um die Negierungen zu zwingen, die Kriegs- ziele genau anzugeben. Die Gegner einer sofortigen Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen machten die Notwendigkeit geltend, die Unabhängigkeit der Völker zu verteidigen. C a ch i n erinnerte daran, daß ALquith die Kriegs- ziele ausreichend bezeichnet habe.� B r i z o n brachte einen Antrag ein, der sich mit der Resolution von Kien- tal einverstanden erklärt. Der öeutjch-italienische Hanöelsvertrag besieht nicht mehr. Das preußische Finanzministerium veröffentlicht folgende Bekanntmachung: Der deutsch-italienische Handels-, Zoll- und SchiffahrtSvertrag vom 6. Dezember 1891/3, Dezember 1904(Reichsgesetzblatt von 1892 S. 97 und von 1905 S. 413) wird von der italienischen Regierung als Sicht me�r wirksam..Angesehen. Demgemäß werden nunmehr auch deutscherseits auf die italienischen Boden- und Gewerbserzeugnisse die Sätze des autono- men Tarifs angewendet werden. Infolge des Wegfalls der vertragsmäßigen besonderen Zoll- begünstigung für Marsalawein sowie der Zugeständnisse für Wein. Baumöl(Olivenöl) und für SumachauSzug(vergl. Schlutzprotokoll zu Artikel 10 und 7 des Handelsvertrags) dürfen keine llnter- suchungszcugnisse italienischer Untersuchungsanstalten und Fach- chemiker über die Einfuhrfähigkeit von Wein, Traubenmost und Traubenmaische sowie über die Reinheit von Baumöl(Olivenöl) und über die Reinheit von Gerbstoffauszügen nud ebenso wenig Ursprungszeugnisse sizilianischcr Handelskammern für Marsala- wein in Flaschen mehr zugelassen werden. Dagegen sind die Be- günstigungen des bisherigen deutsch-italienischen Handelsvertrags weiter auf Waren anzuwenden, die aus meistbegünstigten Ländern stammen oder sich auf deutsche Rechnung in deutschen ZollauS- schlutzgebieten, Freibezirken oder Zollagern befinden; die Bekannt- machung, betreffend die Wirkung des Außerkrafttretens von Hau- delsverträgcn vom 10. August 1914(Reichsgesetzblatt S. 307), ist anwendbar. Berlin, den 5. August 1916. Der Finanzminister. I. A.: Wolffram. An sämtliche Obcrzolldirektionen(einschl. Erfurt). Harnack, öie fillüeutschen unö ein „öentfches 5r!anü". Wir berichteten in unserer Nummer vom 1. August über einen Briefwechsel zwischen Prof. v. Harnack und dem zweiten Vorsitzenden des Alldeutschen Verbandes, General v. G e b s a t t e I, der den Ausdruck„Unersättlichkeit" rügte, den der Aufruf des Deutschen Nationalansschusses gegenüber den Kundgebungen des Alldeutschen Verbandes ge- braucht hatte. In seinem damals veröffentlichten Briefe hielt Prof. v. Harnack den Satz von der Unersättlichkeit der All- deutschen aufrecht. General v. Gebsattel antwortete mit einem weiteren Schreiben, in dem er den Alldeutschen Ver- band in Schutz nahm. Nun veröffentlichen die„Alldeutschen Blätter" eine Antwort Harnacks auf diesen Brief, der in seinem wesentlichsten Teil lautet: „Ew. Exzellenz bestätige ich den Empfang des geehrten Schreibens vom 22. Juli samt der gefälligen Mitteilung der „Eingabe". Nachdem ich sie gelesen, scheint mir aufs neue das Wort„unersättlich" nicht zu stsrk zu sein; denn, um Belgien und Nordftankrcich zu behalten, diese Länder mit zirka 10 Millionen Menschen als Helotenländer, als ein deutsches Irland regieren zu wollen, das ist U n- ersältlichkeit, die vor nichts zurückschreckt. Meine Annahme, datz die Kundgebungen des Alldeutschen Verbandes, wie sie vor dem Kriege verlauteten, auch im Kriege festgehalten würden— übrigens die einzig natürliche An- »ahme—, war also richtig. Eben deshalb weise ich hiermit den Vorwurf, datz ich ohne Kenntnis der Dinge geschrieben habe chzw. mich einer Erklärung angeschlossen habe, ausdrücklich zurück und mutz mich umgekehrt beschweren, datz Ew. Exzellenz «inen ungerechtfertigten Vonvurf wider mich erhoben haben." Tie konservative Presse ist natürlich über diesen Brief Harnacks böckflickist entrüstet. Die„D e u t s ch c Tages- zeitung" schreibt: „Was Geheimrat v. Harnack für„Unersättlichkeit" ansieht, ist seine Sache. Hoffentlich bat er aber seither eingesehen, datz Länder, die in irgendeiner Weise unter deutschen Einfluß kommen, niemals„H e l o t e n l ä n d e r" oder ein„I r- I a n d" werden könne n. Wir möchten jedenfalls dringend hoffen, datz solche haltlosen S ch l a g w o r t c, die dem deut- scheu Juteresse auf jeden Fall schädlich sein müssen, aus dem Meinungsstreit in Deutschland verschwinden." Ebenso wettert die„K r euz z e i t u n g" gegen Harnack: „Wir kennen die Eingabe des Alldeutschen Verbandes nicht, halten es aber für höchst bedauerlich, daß Erzeilenz Harnack, selbst wenn er darin Anhaltspunkte dafür zu finden glaubte, datz die bon ihm gebrauchten Ausdrücke zutreffend seien, sich dieser Ausdrücke bediente, die unsere Gegner zweifellos gegen uns ausbeulen werden. Wer solche Fehler nicht zu vermeiden weiß, täte besser, sich den politschen Auseinandersetzungen fern zu- halte n." Weiter verbreitet sich das konservative Organ darüber, daß Belgien„durchaus nicht zu einem deutschen Irland zu werden brauch t". Seine Argumentation ist aber hierbei ebenso wenig überzeugend, wie die der„Deutscheu Tages- zeitung", die in ihrer Nummer vom 5. d. M. der eigenartigen Auffassung Ausdruck gab, eS handle sich Belgien gegenüber um„einen Akt der Befreiung und der Ord- nun g". Offener ist freilich„ein deutscher Großkausmann", der in einem in der„R b e i n i s ch- W e st f ä l i s ch e n Z e i- t u n g" veröffentlichten Brief an Harnack mit dürren Worten erklärt, datz Belgien„Deutschlands Vasall" loer- den müssei Daß eine derartige Auffassung, die die Bestrc- bungen der alldeutschen Annerionisten auch nur verhüllt widergibt, letzten Endes zu dem politischen„Helotentum" führen mutz, vor dem Prof. Harnack im Interesse Deutsch- lands warnt, kann von keinem Einsichtigen bestritten werden. Erfreulicherweise beginnt eine einsichtsvollere Auffassung dieses Problenis sich auch bei denjenigen bemerkbar zu inachen, die bisher unter dem Eindruck der Kriegshypnose andere Bahnen wandelten. So tritt Hans L e u tz in der„Welt am Montag" in energischer Weise für die Auffassung Harnacks ein, datz man aus Belgien kein neues Irland machen solle: „Hohe Offiziere und vernünftige Staatsmänner haben die- selbe Ansicht vertreten wie Harnack mit seiner WlUÄliug- So viele geschichtliche Erfahrungen beweisen den Daners chadeu« '£,•' VT A? T?.:''P,.-'-,. Sen 6{e N nkervrücku n g selbständiger Völker und Staaten, wenig st ens in neueren Zeiten, für die Eroberer gebracht hat. Nur in Zeiten, die keine Rechte, keine Presse kennen, in denen das Nationalgefühl, der Gemeingeist der Unterdrückten weniger stark war und ihnen keine Waffen zu Gebote standen, während die Unterdrücker un- gescheut alles über ihre Opfer verhängen durften, was ihnen beliebte— nur in solchen barbarischen Zeiten ist die Unter- drückung fremder Völker durch Eroberer zuweilen gut ausgegan» gen, das heißt! gut für die Eroberer. In unseren Tagen ist das unmöglich. Und nun gar Belgien! Seit Jahrhunderten weiß man, daß die Wallonen der hartnäckigste Stamm Europas sind. Karl der Kühne hat sie ebenso vergebens unter Botmäßigkeit zu halten gesucht, wie nach ihm sein Schwiegersohn Maximilian, der Habsburger. Die grausamste Unterdrückung hat nichts ge- nützt; Karl ließ einmal achthundert Bürger von Lüttich in der Maas ersäufen, aber kaum hatte er den Rücken gewandt, als der Aufstand wieder aufflammte und die Lütticher über die zurück- gelassene burgundische Besatzung herfielen. Die Belgier von heute sind an Freiheit gewöhnt, sind be- triebsam, tüchtig. Wie ihre Gesinnung sich gegen uns äußert, selbst unter dem Druck der militärischen Besatzung, davon kann man öffentlich schon sehr viel und unter der Hand noch ganz erheblich mehr erfahren. Welcher verständige Mensch kann wohl daran zweifeln, daß dem Deutschen Reiche kaum ein böseres Geschenk ge- macht werden könnte, als durch eine Annexion Belgiensl Ganz ohne alle„Ethik" und„Sentimentalität", rein aus politischer Vernunft heraus mutz man dem Deutschen Reiche solch einen Zuivachs vom Halse halten. Harnack hatte durchaus recht mit seiner Warnung vor einem neuen Irland." Dieser Appell an die„politische Vernunft" klingt schon wesentlich anders als der billige Hohn über die noch vor kurzem verlachten und verspotteten„politischen Kindsköpfe", die angeblich aus doktrinärer Verranntheit„keinen Grenz- pfähl verrückt" wissen wollten. Der französische Tagesbericht. Paris, 7. August. sW. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonntag nachmittag. Südlich der Somme gestatteten zwei kleine Teilunternehmungen den Franzosen, in den deutschen Schützen« grüben südwestlich von Eströes Fortschritte zu machen. Nördlich der AiSne scheiterte ein deutscher Handstreich gegen die Hochfläche von Vauclerc im Sperrfeuer schon im Beginn. Auf dem rechten User der Maas erweiterten die Franzosen in Teilkämpfen das nord- westlich de? Dorfes Thiaumont eroberte Gebiet merklich und wiesen einen Gegenangriff in derselben Gegend ab. In der Kegend von F I e u r y und in den Abschnitten von C h a p i t r e und L e C h ö n o i S wurde der Artilleriekampf ohne Jnfanterietätigkeit fort« gesetzt. L u f t k a m p f. In der Nacht vom 5. zum 6. warfen franzö« fische Geschwader 40 Bomben auf die Gegend von Combles, 84 auf den Bahnhof Nohon, 30 auf die Bahnhöfe Stenay und Sedan, 40 auf den Bahnhof von Conflans, 60 auf den Bahnhof Metz-Sablons und die Eisenbahnwerkstätten und 40 auf die militärischen Einrich- tungen von Nombach nördlich Metz. Mehrere Geschwader unter« nahmen hintereinander Ausstiege, eines deren sieben. An der Somme- front verbrannten die Franzosen zwei deutsche Fesselballons. Ein deutsches Flugzeug warf vier Bomben auf Baccarat. Keine Verluste, Schaden unbedeutend. Amtlicher Bericht von Sonntag abend: Am rechten Ufer der Maas beschoffen die Deutschen von S Uhr ab da» Werk Thiaumont und unsere Stellungen in Fleury, dem Chapitre-Wald und Le Chenois heftig. Kein Jnsanterieangriff. Im Laufe des Tages zeitweise aussetzendes Geschützfeuer an der übrigen Front. Luftkrieg: Heute morgen hat einer unserer Flieger nach- einander zwei feindliche Flugzeuge in der Gegend von Verdun zum Absturz gebracht. Eines fiel in die französischen Linien, das zweite zwischen die deutschen und unsere Schützengräben. Gleichfalls am Morgen wurde ein anderes deutsches Flugzeug durch eines unserer Flugzeuge nach Kamps zum Niedergehen in unsere Linien bei Moyen- ville snördlich von EströeS) gezwungen, die beiden feindlichen Flieger wurden gefangen genommen. DaS Flugzeug neuer Bauart ist un« beschädigt. Belgischer Bericht: Im Laufe deS Nachmittags entfalteten die deutsche Artillerie und Schützengrabenkampfmittel lebhafte Tätig« keit in den Abschnitten von Steenstraete und Het SaS. Die Belgier richteten ein erfolgreiches Zerstörungsfeuer auf eine feindliche Batterie südlich von Tervaete. Die englische Melöung. London, ö. August. sW. T. B.) Amtlicher britischer Bericht. Oestlich von Poziöres machten wir Fortschritte in der Richtung auf M a r t i n p u i ch. Der Feind griff daS von uns nordwestlich von Poziörcs genommene Gelände'zweimal an. Bei dem einen Angriff gebrauchte der Feind brennende Flüssigkeiten und drängte uns zeitweise aus einem der eroberten Gräben zurück. Später ober gewannen wir alles bis auf eine Strecke von 40Nards znrück. Der zweite Angriff wurde unter Verlusten für den Feind abgeschlagen. Beträchtliche Tätigkeit bei Carency, LooS und St. Elvi. Wir griffen feindliche Gräben an und verursachten große Verluste. Die Artillerie leistete Hilfe. Flugzeuge haben mehrere Geschützstellungen zerstört. London, 6. August.(W.T.B.) General Haig berichtet: Wir haben im Hochwalde(? Hixb Wood) weitere Fortschritte gemacht. Der russische Kriegsbericht. Petersburg, 7. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom g. August, nachmittags.— Westfront: Anden Flüssen Graberka und Sereth, südlich Brody haben den ganzen Tag heftige Kämpfe stattgefunden, deren Gegenstand die Dörfer und Höhen auf dem linken Flußufer bilden. Der Gegner leistet äußerst heftigen Widerstand, und setzt wiederholte Gegenangriffe an. In den Dorsstraßen entspann sich ein erbitterter Kampf und wir mußten den Gegner aus verschiedenen Gebäuden vertreiben. Alle Gegen« angriffe wurden abgewiesen und der Widerstand deS Gegners wurde gebrochen. Unsere Truppen nahmen die Dörfer Zvhghin(? Zwhzhn), Ratistsche Czystopady, Miedzygory, Hnidawa, Zaloilne(? Zalocze) und alle Höhenzüge dazwischen. Eines unserer tapferen Kosakenregimentcr attakierte feindliche Infanterie und eine Batterie und warf den Gegner nach Südwesten zurück. Bei diesen Kämpfen machten wir SS Offiziere und mehr als 3000 Soldaten zu Gefangenen. Am Pruth, südlich Delatin, im Räume von Dora, Jaremoze und Jablonica wurde ein feindlicher Angriff durch unser Feuer zum Stehen gebracht. Kaukasus: Im Becken des Fluffes Kelkit eroberten unsere Truppen bei der Weitersührung ihrer Angriffe wiederum befestigte feindliche Stellungen, die stellenweise aus fünf Linien Schützengräben bestanden. Sie machten 7 Offiziere, darunten den Kommandeur des Regiments 52, und 108 Askaris zu Gefangenen und erbeuteten 4 Maschinengewehre und eine große Menge Waffen. Gegenangriffe IMiis Se; Meli SMmrllm. Amtlich. Großes Hauptquartier, 7. August 1316.(23. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Poziöres wurden den Eugläudern Grabenteile, die sie vorübergehend gewonnen hatten, im Gegenangriff wieder cutrisicn. Seit gestern abend sind neue Kämpfe zwischen Thiepval und Bazentiu-lc-Petit im Gange. Nördlich des Gehöftes Monacn wurde abends ein schwächerer, heute früh ein sehr starker französischer Angriff glatt abgewiesen. Die Kämpfe anf dem Thiaumout-Rücken find, ohne dem Feind Erfolge zu bringen, zum Stehen gekommen. Am Ostrande des Bergwaldes wiesen wir einen französischen Angriff ab._ Mehrfache Angriffe feindlicher Flieger im rückwärtigen Gelände blieben ohne besondere Wirkung, wiederholter Bombenabwurf anf Metz verursachte einigen Schaden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e ld m a r s ch all» von Hindenburg. Auf dem nördlichen Teile keine besondere« Ereigniffe. Gegen die vorgestern gesäuberte Sanddüne südlich von Zarocze(am Stochod) vorbrechende feindliche Abteilunge» wurden durch Gegenstoß zurückgeschlagen. Nordwestlich und westlich von Zalocze bliebe» rnssische Augriffe ergebnislos. Südlich davon wird anf dem rechte« Sereth-User gekämpft._ Unsere Fliegergeschwader habe« mit beobachtetem Er- folge zahlreiche Bomben auf Truppenansammlungen an nud nördlich der Bahn Kowel-Sarny abgeworfen. Front des Feldmarschallentuant» Erzherzogs Carl. Bei der Armee des Generals Grafen von Bothmer ist die Lage im allgemeinen nuverändert. Zu den Karpathen gewannen unsere Truppe» die Höhen Plaik und Dereskowata(am Czermosz). Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts Neues. O b e r st e Heeresleitung. D• * ber SilmeWA MmlWMM. Wien,?. Augnst 191«.i-.--i-'tTc-r,..... i'aMckriri-Miniii-r- nr» und mehr als 8500 Soldaten: die Gefangenenzahl wächst noch dauernd. Außerdem wurden Maschinengewehre und Minenwerser erbeutet. Kaukasus: Die Kämpfe dauern an. Nelüung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 6. August.■'' �'-v"'«./■'•V"'-- hakkunff irnS Verbesserung der militärischen Stellungen der in daZ Land«ingedrungenen Unterdrücker mitzuarbeiten, wird buchstäblich als Sklaven behandelt. Die Schrecken der vor kurzer Zeit durch- geführten Deportierung eines großen Teils der Zivilbevölkerung von Lille und anderen Städten des nördlichen Frankreichs, die mitternächtigen Ueberfälle auf Privatwohnungen und die massen- hafte Entführung von Frauen und Kindern vereinigen sich zu einer Geschichte, die, wenn sie einmal vollständig niedergeschrieben sein wird, selbst für die schmutzigen Annalen der deutschen Armee noch ein Schandfleck sein wird.(Beifall.) Wir tonnen hier in England auch nicht die letzte gegen uns selbst gerichtete Infamie vergessen, nämlich die Ermordung des Kapitäns Fryatt, die die ganze zivi- lisierie Welt entrüstet und ihr Gewissen schändlich verletzt hat. Wir erwägen im Verein mit unseren Verbündeten die geeigneten Me- thoden, die gegenüber diesen Abscheulichkeiten und ihren Urhebern angewendet werden sollen(anhaltender Beifall) und gegen die Na- tion, die sie verzeiht und mit Beifall begrüßt. Vergessen wir aber nicht die Voraussetzung zu jedem derartigen Schritt, wenn er wirk- lich Erfolg haben soll, nämlich die, daß wir den Krieg gewinnen. Das ist unser höchstes Ziel, dem wir alles unterordnen. Ich sagte, den Krieg gewinnen. Es ist, glaube ich, die einstimmige Ueber- zeugung des Generalstabes der Verbündeten, daß unsere Aussichten aus einen Sieg niemals so glänzend gewesen sind, wie jetzt, oder so vielversprechend. Alles, was unsere Verbündeten brauchen, oder unsere Sache, ist die Zusammenfassung unserer Energie und, was uns betrifft, die Fortdauer desselben überwältigenden selbstlosen weit- blickenden Patriotismus, der Hunderttausende, ja Millionen unserer besten Arbeiter, Mäner und Frauen, veranlaßt hat, auf ihre Feier- tage zu verzichten.(Beifall.) Bonar Law unterstützte die von Asquith der Versammlung unterbreitete Resolution, die durch Zuruf angenommen wurde. Er sagte: Der Sieg, aus den wir ausgehen und den zu erringen wir fest entschlossen sind, wird überhaupt kein Sieg sein, wenn er nicht bedeutet, daß es sowohl für unsere Zeit, wie für die Zeit, die nach uns kommt, unmöglich gemacht wird, daß ein Mann oder eine Gruppe von Männern die Welt in solches Elend stürzt, wie es uns heute umgibt. Wo immer die deutschen Truppen hinkamen, sind ihre Futztapfen von Blut befleckt gewesen, und das Andenken, das sie zu- rückließen, schreit laut nach Sieg und Rache.(Beifall.) Durch ihre Methoden und den Druck, den sie ausübten, haben die Deutschen mehr dazu beigetragen, das britische Reich zusammenzuschweißen, a!S Generationen unseres eigenen Volkes es hätten tun können. (Anmerkung des W. T. B.): Ob die englischen Minister unter dem Galgen Easements und angesichts der Schlacht am Suez- kanal Anlaß haben, mit ihren staatsmännischen Leistungen und krje- gerischen Erfolgen so zufrieden zu sein, wie sie sich den Anschein geben, kann dahingestellt bleiben. Die Verhöhnung unserer Diplo- matie und unserer Flotte und die wüste Beschimpfung unseres Heeres macht an und für sich nicht den Eindruck, als ob die ehrenwerten Herren ihrer Sache so sicher wären. Und Herr Asquith hat schließ- lich selbst bemerken zu müssen geglaubt, die Voraussetzung für alle Strafmaßregeln gegen Deutschland sei, daß England den Krieg ge- Winne. Sehr richtig, Herr Asquith, und deswegen ist Ihre ganze Rede belangloses Geschwätz!) politische Uebersicht. Fälschung der öffentlichen Meinung. Nach den Versammlungen des Deutschen Nationalausschusses vom 1. August unterstrich die alldeutsch-nationalistische Presse mit verdächtigem Eifer die Tatsache, daß ein beträchtlicher Teil des erschienenen Publikums an verschiedenen Orten mehr auf feiten der„Unentwegten" als der Anhänger der„mittleren Linie" ge- standen habe. Besagte dieser Hinweis zwar nichts über die An- schauungen der breiten Massen, da bekanntlich nur das zahlungsfähige Bürgertum an den lllersammlungen des National- ausschusses teilgenommen hat, so konnte durch derartige Unter- streichungen immerhin der Eindruck erweckt werden, als habe das Bestreben einzelner Redner deS Nationalausschusses— von allen kann man das nicht behaupten— die Auswüchse des Annexio- nismus zu bekämpfen, den spontanen P r o t e st der Anwesen- den ausgelöst. Nun erfahren wir aber aus der„Frankfurter Zeitung", daß die in einzelnen Versammlungen erfolgten Kundgebungen für die„schärfere Tonart" vorher sorgfältig organisiert worden sind. Das Blatt gibt folgenden Auszug ans einem in Massen verbreiteten Rundschreiben deS „Unabhängigen Ausschusses für einen deutschen Frieden", gezeichnet Professor Dr. Dietrich Schäfer und 'datiert Berlin, den 22. Juli, wieder: „Der„Deutsche Nationalausschuß" wird mit einer umfassen- den Werbetätigkeit beginnen. Es sollen für den 1. August nicht weniger als 75 Vorträge in 50 Orten in Aussicht genommen sein. Wir bitten unsere Vertrauensmänner dringend, sobald die Ver- anstaltung einer Versammlung des„Nationalausschusses" ange- kündigt wird, uns von der geplanten Versammlung und dem in Aussicht genommenen Redner umgehend Mitteilung zu machen. Sache unserer Vertrauensmänner wird es dann sein, genau zu überwachen, was geschieht, für möglichst zahl- reichen Besuch unserer Gesinnungsgenossen zu sorgen und, wenn Diskussion zugelassen, zu widersprechen, sofern etwas vorgetragen wird, was unseren Anschauungen entgegengeht. Es werden als Redner des„Deutschen Nationalausschusses" Herren genannt, die wir als unsere Gesinnung?- e nassen ansehen müssen, da sie sich für uns eingetragen aben, von denen wir also annehmen dürfen, daß sie in unserem Sinne sprechen werden. Geschieht das, so können wir das nur begrüßen. Wird aber etwas vorgetragen, was wir als irre- leitend oder schädlich ansehen müssen und ist keine Gelegenheit gegeben, sogleich zu widersprechen, so müssen die Ver- trauensmänner baldtunlichst Versamml-ungen folgen lassen, in denen unsere Auffassung nachdrücklich vertreten wird. Sofern sie für solche Versammlungen die nötigen rednerischen Kräfte nicht zur Verfügung haben, sind wir zu Helsen bereit." In demselben Rundschreiben fordert Professor Schäfer gleich- zeitig zur Ueberwachung und Beeinflussung der Presse auf. Diese Aufforderung ergänzt das Bild, das sich hin- sichtlich des Treibens des„Unabhängigen Ausschusses" aus seinem Rundschreiben ergibt und das manche Erscheinungen in den Ver- sammlungen und dann in der Presse hinreichend erklärt. Einmal sorgten die Vertrauensleute der„Unabhängigen" für zahlreichen Besuch der Versammlungen, für Ueberwachung der Vorträge und, wo es anging, für„Widersprüche" an Ort und Stelle, die dann als „spontane Willenskundgebungen" ausgegeben wurden. Hier setzte offenbar sofort die gewünschte Ueberwachung und Beeinflussung der Presse ein, deven Aeußerungen wiederum in derselben Weise wie die„Kundgebungen" in den Versammlungen ausgeschlachtet wur- den. Ferner ergibt sich aus dem Rundschreiben noch die pikante Tatsache, daß als Redner des Deutschen Nationalausschusses Herren genannt wurden, die sich als Anhänger der alldeutschen Annexionisten eingetragen hatten. Wir wissen nicht, wie viele von diesen Herren tatsächlich gesprochen haben. Immerhin ergibt sich anS den Berichten über die Versammlungen vom 1. August, daß so mancher Redner der angeblichen„mittleren Linie" den zur„Ueberwachung" erschienenen Vertrauensleuten Professor Schäfers kaum Anlaß zum„Widerspruch" gegeben haben dürfte. Alles in allem vervollständigen die nun an die Oeffentlichkeit gezogenen Praktiken des„Unabhängigen Ausschusses für einen deutschen Frieden" das Bild, das wir über die jetzt inaugurierte „Ausschußpolitik" ento-orfen haben. Zusammen mit der dem Nationalausschuß gewährten Propagandafreihcit ermöglichten es die hinter den Kulissen betriebenen Vorbereitungen seiner Nach- barst vöri recht-, daß die Verschiedenen Rich?ün�en des Bürgertums mehr oder minder offen ihre„gemäßigten" oder extremen Forde- rungen zum Ausdruck bringen konnten. Den einen wurde cs leichter gemacht, den anderen schwerer, allein das Gesamt- ergebnis war ein für das Bürgertum als Ganzes immerbiu befriedigendes. Ausgeschaltet waren lediglich diejenigen, die weder mit den„Unentwegten" noch mit den„Gemäßigten" gehen. Diese Tatsache gilt es nun besonders zu unterstreichen, um der Annahme entgegenzutreten, als hätten die breiten Massen der werk- tätigen Bevölkerung irgend etwas gemein mit denjenigen, die sich anmaßen, am 1. August entweder in ihrem Namen gesprochen oder „spontan" protestiert zu haben. Zusammentritt des Bundesratsausschuffes für auswärtige Angelegenheiten. Der Bnndesratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten tritt heute vormittag unter dem Vorsitz des bayerischen Minister- Präsidenten Grafen v. Hertling in Berlin zusmnmen. Wie wir hören, ist der Einberufung des Ausschusses indessen eine b e- sondere Bedeutung nicht beizulegen, sie entspringt vielmehr lediglich dem Bedürfnis der gegenseitigen Aussprache über allerlei Tagesfragen, die allgemeine Lage, die russische Offensive und ähnliches. Da die Bundesrats- Mitglieder jetzt während der Vertagung des Reichstags und in der Zeit der Sommerferien nur selten vollzählig in Berlin sind, hat der Reichskanzler den Ausschuß zu dieser Sondersitzung eingeladen. Kricgsbcschränkungen für Landarbeiter. Da? stellvertretende Generalkommando des 17. Armeekorps hat angeordnet, daß sämtliche Empfänger von Deputat in Stadt und Land das ihnen vertraglich zustehende Deputat an Butter, Schmalz oder Speisefett nur noch in Höhe von 50 vom Hundert erhalten dürfen. Die in Deputat stehenden Saisonarbeiter dürfen von jetzt ab nur 125 Gramm Fett für die Woche und den Kopf erhalten. An Stelle der wegfallenden Fettmengcn sind die Deputatempfänger durch Geld oder durch Gewährung von Marmelade, Mus, Honig oder Sirup zu entschädigen. Ferner ist angeordnet worden, daß die mit Landarbeit be- schäftigten russischen Arbeiter und Arbeiterinnen an den auf den 15. August und 8. September 1016 fallenden katholischen Feier- tagen die Arbeit nicht verweigern dürfen. Arbeitsverweigerung oder vorsätzliche Nachlässigkeit in der Arbeit wird bestraft. Der Versuch ist strafbar, ebenso die Aufforderung oder Anreizung zu einer Zuwiderhandlung. Nach einer weiteren Verordnung ist jede nach ihrem Stande. ihren Kräften und ihren Fähigkeiten geeignete Person männlichen und weiblichen Geschlechts verpflichtet, auf Erfordern bei allen landwirtschaftlichen Arbeiten im Bezirk ihres Wohnsitzes mitzu- helfen. Falls die Witterungsverhältmsse es erfordern, ist die H e r- anziehung zur Arbeit auch an Sonntagen statt. Haft. Jede Arbeitsverweigerung, auch von vertraglich angestellten Arbeitern, wird bestraft._(z) Rentenempfänger und Erntearbeitcn. Der Vorstand der Landesbersicherungsanstalt Berlin weist daraus hin. daß Rentenempfänger, die Erntearbeiten verrichten, keinerlei Befürchtungen wegen etwaiger Rentenentziehungs-Maßnahmen zu haben brauchen. Die Landesversicherungsanstalt Berlin wird grund- sätzlich die Verrichtung von Erntearbeit nicht zum Anlaß auf Ein- leitung eines Rentenentziehungs-Verfahrens nehmen. Höchstpreise und Beschlagnahme von Leder. Berlin, 8. August.(W. T. B.) Es ist eine neue Bekannt- machung betreffend Höchstpreise und Beschlagnahme von Leder(Eh. II. 888/7. K. P. A.) erschienen, die an Stelle der bisherigen Bekanntmachung betreffeick Höchstpreise von Leder Ch. II. 888/1. 16 K. R. A. tritt. Durch die neue Bekanntmachung sind die Höchstpreise für Leder entsprechend den kürzlich erlassenen neuen Höchstpreisen für Häute verändert und vielfach herabgesetzt worden. Auch die Bestimmungen über die Freigabe von beschlag- nahmtem Lsder und seine Verwendung haben Abänderungen er- fahren. Anfragen von nichtamtlichen Stellen wegen der Bekannt- machung sind, sofern sie sich auf die Preise beziehen, an die Ge- schäftSstelle der Gutachterkommission für Lederhöchstpreise in Berlin W. 0, Budapester Str. 11/12, und sofern sie sich auf die Beschlagnahmebestimmungen beziehen, an die Meldestelle der Kriegs-Rohstoff-Abteilung für Leder und Lederrohstoffe in Bertin, ebenda, zu richten. Die Bekanntmachung tritt mit dem 1. September 1016 in Kraft. Ihr Wortlaut, der für die beteiligten Kreise von Wichtig- keit ist, ist bei den Polizeibehörden einzusehen. Einfuhrverbot von Rohtabak und Tabakfabrikate«. Berlin, 7. August.(W. T. B.) Mit Rücksicht auf die im In- land vorhandenen erheblichen Mengen an Tabak und um Preis- treibereien hintanzuhalten, hat der Reichskanzler die Einfuhr von Rohtabak und Tabakfabrikaten— a b g e se h e n von Zigarettentabak, für den bekanntlich eine besondere Regelung erfolgt ist— mit Wirkung vom 7. August 1016 ab verboten; Ausnahmen sind für unterwegs befindliche Sen- düngen und vor dem 7. August 1016 gekaufte Partien zugelassen. Zugleich hat der Bundesrat zur Verhinderung von Preissteigercien und zur Vorbereitung einer angemessenen Verteilung der im Inland vorhandenen Vorräte den Verkauf, die Veräußerung und den Erwerb derselben vorübergeheird Vorboten; Ausnahmen von dem Berkehrsverbot sind vorgesehen, soweit sie zur Aufrechter- Haltung des Betriebes erforderlich sind. Sie werden von der Rohtabakaussuhr-Prüfungsstelle in Bremen nach Prüfung der An- gemessenheit der Preise verteilt auf Grund einer Bescheinigung der„Deutschen Zentralstelle für Kriegslieferungen von Tabakfabri- katen" in Minden(Westfalen) über das Bedürfnis. Eine zweite Verordnung des Bundesrats verbietet die söge- nannten Frühkäufe von Rohtabak der inländischen diesjährigen Ernte. Lstzts Nachrichten. Der Nationalrat der französischen Sozialisten. Bern, 7. August.(W. T. B.) An dem Kongreß deS Nationalrats der französischen sozialistischen Partei in Paris haben über zweihundert Abgeordnete teilgenommen, die un- gefähr dreitausend Mandate wahrnahmen. Die erste Sitzung wurde von dem Abgeordneten M i st r a l, einem Vertreter der Minderheit, geleitet. Bei der Erörterung der Berichte des ständigen Verwaltungsausschnsses verwahrte sich die Mtnder- heit gegen die Haltung der Mehrheit, der sie vorwirft, das Parteiorgan allein für ihre Lehren und Interessen auszu- nutzen. Die Minderheit beantragte ferner, im angemessenen Verhältnis in dem Propagandaansschuß der Partei vertreten zu sein. Ter Antrag wurde von den Vertretern der Mehr- heit wie Renandel u. a. in sehr bewegter Aussprache bekämpft und die Abstimmung darüber mit 1800 gegen 1000 Stimmen der Minderheit aus den Schluß der Tagung verschoben. GewerksthaWches. Militärische Schlichtungsftellen. Militärische Schlichtungsstellen zur Beseitigung von Differenzen zwischen Arbeitern unb Unternehmern in den Betrieben der Metallin>dustrie Thüringens wer- den von dem stellvertretenden Generalkommando des tl. Armeekorps zu Kassel in den Städten Apolda, Arnstadt, Koburg, Eisenach, Erfurt, Jena, Gera, Gotha, Greiz, Mühl- Hausen i. Th., Nordhausen, Ruhla, Saalfeld a. S., Salzungen, Schmalkalden, Sömmerda, Suhl, Weimar und Zella-St.Blasii errichtet. Die Grundlage der aufgestellten Bestimmungen ist sol- gende: Die Arbeiter sollen gehalten werden, nicht ohne Ein- willigung des Unternehmers die Entlassung nehmen zu kön- neu. Gegen die Verweigerung des Entlassungscheines kann der Arbeiter die Schlichtungsstellc anrufen. Der Arbeiter darf vor der Entscheidung der Schlichtungsstelle die Arbeit nicht aufgeben. Die Schlichtungsstellc muß innerhalb einer Woche entscheiden; sie kann eventuell selbst den Entlassungs- schein sofort ausstellen. Nimmt der Arbeiter seine Entlassung entgegen der Entscheidung der Schlichtungsstelle, so sollen ihn andere Unternehmer innerhalb einer beschränkten Frist nicht einstellen dürfen. Für die einzelnen Schlichtungsstellcn ernennt das Ge- neralkommando Vertrauensmänner. Die Vertrauensmänner haben nur die Beschwerden der Antragsteller auf Entlassungs- scheine entgegenzunehmen, den Antragstellern mitzuteilen, daß sie bis zur getroffenen Entscheidung in der Arbeitsstelle bleiben müssen, und die Beschwerde bzw. die Anträge an den vom Generalkommando ernannten Schiedsoffizier weiter- zugeben. Der Schiedsoffizier ladet die Parteien zu den VerHand- lungen und entscheidet allein. Beisitzer werden nicht ernannt. Ein Schiedsoffizier hat alle Verhandlungen und Entscheidun- gen an den Orten der genannten Schlichtungsstellen zu erledigen. Der Vertrauensmann jeder Schlichtungssielle hat mit den Verhandlungen und Entscheidungen nichts zu tun; er übt nur korrespondierende Tätigkeit aus. Zu den Verhandlunge» kann der Unternehmer selbst er- scheinen oder er kann einen seiner Beamten als Vertreter ent- senden oder als Vertreter mitbringen. Der Arbeiter kann seine Sache ebenfalls selbst vertreten oder einen Vertreter an der Verhandlung teilnehmen lassen. Der Vertreter des Arbeiters darf nur von den Arbeitern aus irgendeinem in der Umgegend der Schlichtungsstelle befindlichen Betriebe ent- nommen werden. Berufsvertreter sind als Vertreter aus- geschlossen. Zur Aufnahme der Anträge, zur Führung der notwcndi- gen Korrespondenz und der Verhandlimgsvorbereitung wer- den vorgedruckte Formulare benutzt werden, die so gehalten werden, daß sie zugleich zu einer Kartothek verwendet wer- den können. Diese Schlichtungsstellen zeigen ein neues Gestcht. Hof- fentlich läßt das Generalkommando praktische Vorschläge der Arbeiter später zur Geltung kommen. Die Zahl der Schlich- tungsstellen ist so groß, weil Arbeiter und Unternehmer keine Unkosten und Zeitverluste durch Reisen erleiden sollen. Für alle Schlichtungsstellen ist nur ein Schiedsoffizier ernannt, um Kräfte zu sparen und um dem Herrn Gelegenheit zu geben, in die Sache einzudringen. Der Schiedsoffizier soll ohne Bei- sitzcr handeln, um Zeit in allen Sachen zu ersparen und Streit über den Einfluß der Parteien zu vermeiden. Dem Schieds- offizier ist eine Aufgabe getollt, die er nützlich mir dann lösen wird, wenn er Verstäiümis für die Arbeiter und ihre soziale und wirtschaftliche Lage hat. Die Metallarbeiter werden für den Ausbau der kom- Menden Schlichtmigsstellen sorgen müssen.(?) verlin miö«mgegenS. Aus dem Kviegsausschns; für die MetaUbetriebe Grotz--V«r!ms. Der SchloAer R. fordert von der Firma K. den Kriogsschein, weil die Arbeit bei der Firma ihm zu schwer ist. Da der Schloff« ein ärztliches Attest vorlegen kann, in dem ihm bestätigt wird, daß er für schwere Arbeit nicht geeignet ist, wird ihm der tt«egs- schein ausgestellt. Der Schlosser T. und der Schloster W. von der Firma E. wollen den Kriegsschein, weil sie ihrer Meinung nach zu wenig verdienen. Bei der Verhandiring ergibt sich, daß beide nicht aus- gelernt haben. Beide sind 17 Jahre alt. T. bat 38 Pf. pro Stunde Verdienst und K. desgleichen. Da beide in diesem Betrieb Gelegenheit haben, sich zu vervollkommnen, um später wirklich als vollwertige Schlosser gelten zu können, lehnt der Kricgsausschutz die Erteilung eines Kriegsscheins ab. Der Werkzeugmacher D. von der Firma G. will einen Kriegs- schein, weil er behauptet, beleidigt worden zu sein. Die Fest- Stellungen ergeben, daß in den von ihm selbst angegebenen Aeuße- rungcn des Borgesetzten keine Beleidigung liegt, dodj soll D. wegen feiner schlechten Augen Arbeit erhalten, welche die Augen weniger anstrengt. In seinem Verdienst, dar zurzeit t,3S M. pro Swnde beträgt, soll er dabei nicht geschmälert werden. Ein Kriegsschein wird nicht erteilt. Der Monteur K. von der A. E. G. will einen Kriegsschein, weil er glaubt, nicht seinen Fähigkeiten entsprechend beschäftigt zu werden. Es wird festgestellt, daß es sich nur einmal um eine gelegentliche Arbeit gebandelt hat, die als Zwischenarbeit gemacht würbe, jedoch auch noch durchaus als Schlosserarbeit anzusprechen ist. Der KriegsauSsckrnß hat die Gründe des Monteurs nicht als ausreichend anerkennen köimen und die Er- teilung eines Kriegsscheins abgelehnt. 18 Schlosser' einer Abteilung der Firma D. wollen einen Kriegsschein, weil sie zu wenig verdienen. In der Aussprache erfolgt eine Verständigung dahin, daß die Schlosser sofort eine Zulage erhalten. Damit erübrigt sich die Ausstellung eines Krieasscheins. Der kriegsbesckiädigte Dreher E. von der Firma Schw. in W. will einen Kriegsschein, da er die lange Fahrt zur Arbeit nicht ertragen kann. Das Verlangen des Drehers wird als berechtigt erklärt und erhält derselbe den Lkriegsschein. Von derselben Firma erscheint der Dreher K. und will einen Kriegsschein. Als Begründung gibt K. an. er wäre seinerzeit während eines Streiks bei der Firma Schw. dort in Arbeit getreten und glaube mm, daß er bei der Preisfest- setzung aus dem Grunde benachteiligt wird. Der Streik, um den eS sich handelt, liegt mehr als zwei Jahre zurück. Der Vertreter der Firma erklärt es sür ausgeschlossen, daß St irgendwie benachteiligt werde, und da andere Gründe nicht vor- lagen, anch nicht angegeben werden, lehnte der Kriegsausschutz die Erteilung eines Kriegsscheins ab. Der Schloffer W., der in einem Spandauer Betriebe beschäftigt ist, will aufhören, weil er nicht genügend verdient. W. ist 18 Jahre alt und erhält pro Stunde 96 Pf. Es würde das Verlangen W.s unter diesen Umständen nicht als berechtigt anerkannt werden; da W. jedoch angibt, daß er der Ernährer seiner Geschwister ist und eine erhebliche Summe seines Verdienstes pro Woche zur Unterstützung dieser Geschwister abgibt, wird W. aufgefordert, hier- "verantw. Redakt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Jnf�ratenteil verantw. für einen ausreichenden Nachweis zu erbringen, und soll er dann entweder einen entsprechend höheren Verdienst erhakten oder aber es wird ihm ein Kriegsschein ausgestellt. fluslanS. Das internationale Steinarbeitersekretariat im Jahre 1915/16. Das in Basel domizilierte internationale Sieinarbeitersekretariat hat erfreulicherweise während des Krieges bis jetzt seine Verbin- düngen mit den ihm angeschlossenen Landesverbänden aufrecht- erhalten und daher jetzt auch den zweiten Bericht in der Kriegszeit veröffenttichen können, der den Zeilraum vom 1. Juli 1315 bis 33. Jnni 1916 umfaßt. Einleitend wird im Bericht auch mit Genug- tuung konstatiert, daß die meisten Landesverbände vielfach ganz an- sehnliche Lohnerhöhungen oder Tcncrungszulagen zur Verbefferung der Lebenshaltung ihrer Mitglieder erringen konnten. Trotz der mitunter scharfen Zensur in den kriegführenden Ländern gestaltete sich der schriftliche Verkehr zwischen dem Sekretariat und den Landesverbänden sehr rege und umfangreich. Das Sekretariat ver- sandte 862 Korrespondenzen mid 246 Pakete und vermittelte für 18 im Militärdienst stehende Mitglieder von Verbänden und ihren An- gehörigen regelmäßige Korrespondenz, wobei es sich hauptsächlich um Deutschland, Oesterreich und Italien handelte. Auch der gegen- seitige Austansch der Verbandsorgane der verschiedenen Landes- organisationen wird durch das Sekretarial besorgt, speziell zwischen den deutschen und französischen. Die Berichterstattung der Verbände an das Sekretariat erfolgt prompt, mit Ausnahme jener in Belgien, Finnland und den Balkan l ändern. Die Verbände in Spanien und England bekundeten sür das internationale Steinarbeitersekretariat ihre wärmsten Sympathien, sie veröffentlichen auch die Quartals- berichte des Sekeelariats, aber der Appell an ihre Verbandskassen blieb erfolglos. Die Spanier interessieren sich für die Gründung eines internationalen Bauarberterverbandes. Mehrers Zirkulare der englischen Trades Unions konnten wegen ihrer einseitigen Stellung- nähme zum Weltkrieg nicht weiter geleitet werden. Die regste Kor- resperndenz wurde mit Frankreich geführt, dessen Verbaudsleiter an der Ausbreitung und Befestigung des internationalen GewerkschastS- gedankens mitwirkten. Weniger befriedigend gestalteten sich die Kaffenverhältniffe des internationalen Srcinarbeiterselrelariats, da die Ansprüche gestiegen, die Einnahmen aber zurückgegangen sind. Dabei wirkt auch der schlechte Geldkurs in Oesterreich, Ungarn und Italien schädlich mit. So»nußte der Sekretär aus Privatmitteln Gelder für die Bedürf- nisie des Sekretariats zusetzen. Amerika sagte seine Hilfe zu, aber es ist von drüben noch nichts eingegangen. Bon den sieben Ver- bänden in Deutschland(283,53 Fr.). Norwegen, Oesterreich, Däne- mark, Schweden, Italien, Frankreich und der Schweiz gingen ins- gesamt nur 631,45 Fr. ein, denen 1392 Fr. an Aasgaben gegenüber- stehen, so daß sich ein Defizit von 463,59 Fr. ergibt. Bon elf Verbänden mit vergleichenden Mitgliederzahlen weist einzig der spanische Verband eine Zunahme von 2133 Mitgliedern seit dem Kriege auf; alle anderen Verbände haben erhebliche Mit- gliederverluste erlitten. Den nächsten Jahresbericht hofft Genosse Koch in neuer Friedens- zeit erstatten zu können._ Ms der Partei. Die bürgerliche Presse und die Generalversammlung vm» Tcltow-Beeskow. Der Bericht über die von dem alten Vorstand einberufene Generalversammlung von Telww-Beeskow beschäftigt die bürger- liche Presse in ungewöhnlichem Maße. Die Angaben auf dieser Generalversammlung, daß die anwesenden Delegierten 23 333 Mit- glleder repräsentierten und daß nur 6333 Mitglieder ihre Bei- träge nicht an den alten Kreisvorstand abgeführt hätten, wird allgemein als„glatter Erfolg", als überraschender Sieg jener Richtung im Kreise betrachtet, die auf'dem Boden der Politik der Fraktionsmohrheit steht. Wir verzichten darauf, an dieser Stelle zu dem in Teltow-Beeskow ausgebrochenen Streit Stellung zu nehmen; wir haben über die Versammlung, die der alte Vorstand für den letzten Sonntag einberufen hatte, und die dort gemachten Ausführungen und Zahlenangaben genau so objektiv berichtet, wie seinerzeit über die Kreisgeneralversammlung, die der Groß- Berliner Zentralvorstand für den 23. Juli einberufen hatte, auf der bekanntlich der neue, bis dahin nur provisorisch wirkende Kreisvorstand endgültig gewählt wurde. Die Prefsestimmen, die von dem großen Erfolg des alten Vorstandes berichten, übersehen indessen durchweg jenen Bericht über die Versammlung vom 23. Juli. Hier stellte die Mandats- Prüfungskommission bekanntlich fest, daß die ans ihr anwesenden Delegierten 27 Orte mit(vor dem Kriege) 34 333 Parteimit- gliedern repräsentierten, während nur 3333 Mitglieder nicht der- treten waren. Ohne uns für die Richtigkeit dieser oder jener Angabe zu erklären, dürfen wir wohl darauf hinweisen, daß sich der hier klaff ende Widerspruch daraus ergibt, daß mau auf der einen wie auf der anderen Versammlung den anwesenden Ver- tretern der verschiedenen Orte jeweils alle an diesem Orte vor- handenen Parteigenossen als durch sie vertreten zuzählte. Die Angaben des Kassierers des alten Vorstandes, daß für 23 533 Mitglieder mit ihm abgerechnet worden wäre und nur für 6333 nicht, kann dabei tatsächlich wenig entscheiden, ans dem einfachen Grunde, weil sich die Vorstände jener örtlichen Organisationen, die sich inzwischen ausdrücklich sür den neuen Kreisvorstand er- klärt haben, größtenteils ihre letzte Abrechnung noch mit dem Kassierer des alten Vorstandes vollzogen, da ja der neue die Ge- schäfte noch nicht übernommen hatte.— Da die bürgerliche Presse das nicht berücksichtigt, müssen ihre Schlußfolgerungen natürlich in mancher Hinsicht bedenklich erscheinen. Aus den Organisatlvnen. Eine am 6. August in Görlitz lagende Ikreiskonferenz des Sozialdemokratischen Vereins des Wahlkreises G ö r l i tz- L a u b a n, die von 23 Ortsvereinen beschickt war, stimmte nach einem Refer« des ReichSlagsabgeordneten Genossen T a u b a d e l einstimmig sol- gender Resolution zu:... „Die Kreiskonserenz des Sozialdemokratischen VeremS für den Wahlkreis Görlitz-Lauban erklärt sich mit der Haltung der Mehrheit der Reichstagsfraklion und des Parteivorstandes einverstanden. Die deutsche Perteilcitung hat nachweislich alles getan, um durch Aussprache und gemeinsames Handeln mit den sozialistischen Parteien der feindlichen Länder sür Beendigung des Krieges zu wirken. Leider wurden alle diese Bestrebungen der deutschen Sozial- demokratie bis jetzt schroff abgelehnt. Solange bei den Feinden Deutschlands keine Fnedcnsgeneigt- heit besteht, gebietet es das Interesse der deutschen Arbeiterklasse, an der am 4. August 1914 begonnenen Kriegspolitik festzuhallen. Die Konferenz verurteilt aufs schärffte das parteizerrültende Treiben einiger Mitglieder der Parteioppofition und fordert vom Partei- Vorstand die baldige Einberusung einer Reichstonferenz, auf der Maßnahmen zu treffen sind, die die innere Geschlossenheit der Partei sicherstellen. Sie richtet den Appell an die Parteigenossen und-ge« nossinnen des Wahlkreises Görlitz- Lauban, auch weiterhin für die Geschlossenheit unserer Bewegung zu wirken." Der bisherige Kreisvorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Die Kreislonferenz ermächtigt den Vorstand für den Fall, daß eine Reichskonferenz stattfindet, die Beschickung dieser Konferenz für die Kreisorganisolwn zu regeln.___ Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt' Soziales. Wem gehört das Lohnbuch? Vor der Kammer I des Gcwerbegerichts werden öfter Klagen durchgefochten, wo Arbeiter die Herausgabe des Lohnbuches ver» langen, welches der Arbeitgeber bei Lösung des Arbeitsverbälinisics verweigerte. Es handelt sich um die Lohnbücher, welche durch Bundesralsverordnung auf grund des Z 114a der Gewerbeordnung für die Schneiderei und Konfektion eingefühlt sind. Die Frage, wer das Eigentumsrecht an dem Lohnbuche hat, ist strittig.§ 114a der Gewerbeordnung sagt hierüber: „Das Lohnbuch oder der Arbeitszettel ist von dem Arbeit« geber auf seine Kosten zu beschaffen und dem Arbeiter nach Boll« ziehnng der vorgeschriebenen Eintragungen vor oder bei der lieber« gäbe der Arbeit kostenlos auszuhändigen." Der Vorsitzende der Kammer I des Gewerbegerichts, M a g i« stratsrat Dr. Leo, steht— wie aus einem von ihm in der „Deutschen Juristenzeitung" veröffentlichten Aufsatz hervorgeht— auf dem Standpunkt, daß der Arbeitgeber Eigentümer des Lohn- buches bleibe und deshalb nicht gezwungen werden könne, dem Arbeiter das Buch nach der Lösung des Arbeitsverhältnisses zu be- lassen, denn es stehe nichts davon im§ 114a, daß das Eigentumsrecht an dem vom Arbeitgeber auf seine Kosten zu beschaffenden Lohnbuch auf den Arbeiter übergehe. Das Lohnbuch sei nach den vorgeschriebenen Eintragungen dem Arbeiter vor oder bei Ueber- gäbe der Arbeit auszuhändigen. Da nach Beendigung des Arbeits« Verhältnisses eine Uebergabe von Arbeit nicht mehr erfolge, so habe der Arbeiter kein Recht, die Aushändigung des Lohnbuches zu ver« langen. In Arbciterkrcisen herrscht dagegen mit Recht die auf die Ent« stehungsgeschichte des§ 114a und dessen sinngemäße Auslegung ge« stützte Anficht, daß das Lohnbuch nach der erstmaligen Uebergabe an den Arbeiter in das Eigentum des Arbeiters übergegangen ist. Diese Auffassung geht davon aus, daß ja die Lohnbücher deshalb ein- geführt find, um dein Arbeiter ein sicheres Beweismittel für den vereinbarten Arbeitslohn in die Hand zu geben, daß ihm aber dieses Beweismittel genommen werde, wenn eS nach Lösung des Arbeitsverhältnisses zu einem Streit um die Lohnvereinbarung komme, und das Lohnbuch in Händen des Arbeitgebers verblieben jei. Auch der Wortlaut„kostenfrei auszuhändigen" beweist die Richtigkeit dieser Auffassung. Das Verlangen, ein Beweismittel über die vereinbarte Lohn- höhe zu haben, ist denn auch meistens der Grund zu den Klagen auf Herausgabe des Buches. Die Arbeitgeber begründen die Zurück« beHaltung des Lohnbuches in der Regel damit, daß in dem Buche erst wenige Eintragungen gemacht seien und dasselbe deshalb für einen anderen Arbeiter weiterbenutzt werde. Die Urteile, welche die Kammer I des Gewerbegerichts in der« artigen Klagen fällt, fallen bald so, bald so aus, je nachdem im Beratungszimmer die Ansicht des Borsitzenden oder die entgegen« gesetzte Anschauung durchdringt. Bei der Geringwertigkeit des Klage« gegenständes erscheint es ausgeschlossen, daß diese Streitfrage jemals in der Berufungsinstanz entschieden wird und sich so vielleicht eine einheitliche Nechtjprechnng herausbildet. Uebrigens könnten derartige Streitfälle ganz vermieden werden, wenn die Arbeitgeber nicht Lohn« bücher, sondern Arbeitszettel— die ja nach§ 114a zulässig sind— an die Arbeiter ausgeben würden. Um den Besitz des Zettels wird es wohl kernen Streit geben. Gerichtszestiing. Gegen die Metallwarcnverordnung. Der Händler Heinrich Weitmann hat die Ver- Ordnungen über die Bestandausnahme und Beschlagnahme von Metallen mißachtet und sich dadurch eine Anklage zugc- zogen, die ihn gestern vor die Ferienstrafkammer des Tand- gerichts I führte. Der Angeklagte, der bis dahin mit allen möglichen Dingen handelte, hat sich nach Ausbruch des Krieges auf den Handel mit Messing und Kupfer geworfen und darin anscheinend erhebliche Um- sätze erzielt. Eine bei ihm vorgenommene Revisiori ergab, daß er andauernd das vorgeschriebene Lagerbuch nicht geführt hat, so daß eine ganze Anzahl von Einzelgeschäften nicht ermittelt und nicht festgestellt werden konnte, wo die Metalle geblieben sind. Der An- geklagte wollte sich damit entschuldigen, daß er, als aus Galizien stammend, sich in den verschiedenen Verordnungen nicht habe znrecht- finden können. Das Gericht hielt ihn aber nicht für einen so wenig intelligenten und harmlosen, sondern für einen sehr ge- wiegten Kaufmann, durch dessen Hände ganz erhebliche Posten gegangen sind. Mt Rücksicht hierauf venrrteille ihn das Gericht zu 2333 M. Geldstrafe eventuell für je 12 M. zu einem Tage Gefängnis._ Teure Wurst. Kriegswucher unb Vergehen gegen bie Verordnungen des Magistrats betr. das Feilhalten von außerhalb der Provinz Brandenburg bezogenen Fleisch- und Wurstwaren wurde dem Fleischermeister Adolf Hönisch vor dem Schöffen- gcricht Berlm-Mitte zur Last gelegt. Der Angeklagte hatte aus Oldenburg Wurst bezogen und diese feilgehalten, ohne von dem Magistrat die Erlaubnis eingeholt und von diesem den Preis festgesetzt bekommen, auch ohne die vorschrifts- mäßige Plombe angelegt zu haben. Er bezog die Wurst zu einem Preise von 3 M. und verkaufte sie zu einem Preise von 5,53 M. für das Pfund. Er behauptete, daß er die Wurst am 22. März ans Oldenburg erhalten habe; sie sei weich gewesen, und da das Publikum feste Ware verlangte, habe er sie bis Mai hängen lassen und die Wurst erst im Mai zum Berkauf gebracht. Es habe sich dabei ergeben, daß die 2$'A Kilogramm, die er bezogen, einen Trockenverlust von 13 Pfund auswiesen; deshalb sei der geforderte Preis gerechtfertigt gewesen. Der Sachverständige der Preis- prüfungsstelle Dr. Kuhlmann bestritt diese Angaben und berechnete den Preis, zu welchem der Angeklagte die Wurst hätte verkaufen dürfen, auf 4,32 M. für das Pfund. Der Amtsanwalt hielt die vorliegende Uebervorteilnng des Publikums für so ungeheuerlich, daß er 1333 M.Geldstrafe in Antrag brachte. Das Schöffen» gericht erkannte auf 233 M. Geldstrafe. Straßenbahnuusall. Die Straßenbahnführmn Frau Heinrich hatte sich gestern wegen fahrlässiger Transportgefähr- d u n g vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu verantworten. Zu ihrem Glück ist der Unfall, den sie verschnlbet hat, noch ziemlich glimpflich abgelaufen. Am 3. Juni marschierte die 3. Kompagnie des Ersatzbataillons des 2. Garderegiments z. F., von einer llebnng heimkehrend, durch die Chansseestraße. Die vorairschreitenden Spielleute mußten vor einem Straßenbahnwagen ausweichen und gerieten so auf das Gleise der entgegengesetzten Richtung. Die Angeklagte, die den auf diesem Gleise fahrenden Wagen leitete, fuhr in das Militär hinein, anstatt zu halten oder mit der Glocke die nötigen Warnungszeichen zu geben. Hierdurch wurden die Spielleute arg gefährdet; zwei von ihnen wurden vom Wagen der Angeklagten ge« streift, zu Boden geworfen und leicht verletzt, ein dritter erlitt eine etwas stärkere Verletzung, die aber bald wieder geheilt ist. Die Angeklagte übte das Amt der Wagenführerin erst seit April aus. Nur mit Rücksicht hierauf und um der Angeklagten nicht die Mög- lichkeit der weiteren Tätigkeit in ihrem Berufe zu nehmen, verstand sich das G e r i ch t zu der milden Strafe von 33 M., ermahnte aber die Angeklagte ernstlich, für die Zukunft nie wieder in so rücksichtS« loser Weise durch die Straßen Berlins zu fahren.___ jaul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 1 Beilage� u. UntcrhaltungsblP Nr. 216. 33. Jahrgang. WM des.Awiris" Wiwt WksdlR Dienstag, 8. August 1916. Chronik des Wettkrieges. 8. August 1914. W. T. B. meldet, daß am 2. August 1914 der deutsche Gesandte in Brüssel der belgischen Regierung mitgeteilt hat, daß Deutschland, um einem feindlichen Angriff zuvorzukommen, den Durchmarsch seiner Truppen durch Belgien unternehmen müsse. Deutschland beabsichtige keinerlei Feindseligkeiten gegen Belgien. Sei Belgien bereit, im Kriege eine wohlwollende Neutralität an- zunehmen, so oerpflichte sich Deutschland, beim Friedensschluß Be- sitzstand und Unabhängigkeit des Königreichs in vollem Umfange zu respektieren. Sollte dagegen Belgien den deutschen Truppen feindlich entgegentreten, so würde Deutschland das Königreich als Feind betrachten und keinerlei Verpflichtungen übernehmen. Amtlich wird gemeldet, daß nach den vorliegenden Meldungen über die kämpfe um Lüttich die Landescinwohner sich am Kampfe beteiligt hätten. Sollte sich das bestätigen, so werde der Krieg mit unerbittlicher Strenge auch gegen die schuldige Bevölkerung geführt und in der Selbstverteidigung kein Pardon gegeben werden. Französische Truppen beginnen aus der Richtung Belfort vor- zugehen, werden aber zurückgeschlagen. Russische Kavallerie überschreitet bei Eydtkuhnen die Grenze, weicht aber beim Erscheinen deutscher Kavallerie wieder auf russt- sches Gebiet zurück. An der Grenze Mittel- und Ostgaliziens kommt es zu Zusammen- stößen zwischen russischen und österreichischen Truppen. Der englische kleine Kreuzer„Amschion" wird durch deutsche Minen an der Themsemündung versenkt. Das Ehrengcrichtsverfahren gegen Karl Liebknecht, das wegen der Charakterisierung des russischen Herrschers als eines„Lügen- zarcn" und„Blntzaren" eingeleitet worden war, wird eingestellt. 8. Slnaust INI.?. An der Westfront Stellungskrieg. An der Ostfront weiterer Bormarsch. Die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand meldet 6000 Gefangene. Der gcschäftsführende Ausschuß der nationaMberalen Partei Pommerns nimmt einstimmig eine Resolution für Bassermann an unter Betonung,„daß die gewaltigen Erfolge unseres unoergleich- lichen Heeres und unserer todesmutigen Flotte auch politisch restlos ausgenutzt werden müssen". Das tägliche Srot. Ter Verkehr mit Butter. Amtlich wird mitgeteilt: Gemäß§ 39 der Verordnung vom 20. Juli 1910 treten die Vorschriften der Verordnung über den Verlehr mit Butter vom 8. Dezember 191S und über vorläufige Maßnahmen ans dem Gebiete der Fettversorgung mit dem 12. August 1910 außer Kraft. Von diesem Tage ab ist die gesamte Molkereibutter zugunsten der Kommunalverbände beschlagnahmt. Der Rcichsslelle sollen nach § 21 der neuen Verordnung die durch den Verteilungsplan fest- gesetzten und sonst etwa sich ergebenden Ueberschüsse seitens der Landesverteilungssielle geliefert werden. In der ersten Zeit werden sich jedoch gewisse Uebergangs- ichwierigleilen ergebe». Z 40 der Verordnung vom 20. Juli 1910 sieht daher den Erlaß von Uebergangsbestimmungen vor. Diese sind nunmehr ergangen; danach sind die bei den Molkereien bis zum 12. August 1910 seitens der Zentral- Einkaufs- gesellschaft beziehungsweise der Landesverteilungsstellen bean- svruchien Mengen auch nach dem 12. August 1910 noch an die Zentral-Einkaufsgesellschaft beziehungsweise an die LaudesverteilungS- stellen abzuliefern. Jusoweit erleidet der Z 10 der Verordnung vom 20. Juni 1910 fiir die erste Zeit eine Abänderung. Für die AblieferungSverpflichtnngcn gelten die Vorschriften der Verordnung vom 20. Juli 1910, und dementsprechend greifen auch iür den Fall der Nichterfüllung der Ablicferungs- und Absetznugs- Verpflichtungen die in der Verordnung vorgesehenen Straf- b e st i m m u n g e n, die schärfer sind, als die früheren,' Erhöhung des Preises für Sonncnblumensamcn. An allen Orten, wo, veranlaßt durch den Aufruf deS Kriegs- ausschusses für Oele und Fette, der Anbau von Sonnen- blumen aus zum Ackerbau nicht geeignetem Gelände erfolgt ist, dürste die Bestimniung der Bundesratsverordnung vom 20. Juni 1910, durch welche der Preis von 100 Kilogramm Sonnenblumensamen aus 4ö M. erhöht worden ist, niit Freude begrüßt werde». Aus grund der Verordnung werden den Ablieferern von den Eisenbahn- st a t i o n e n nicht 40 Pf. wie im Vorjahre, sondern 45 Pf. für das Kilogramm Sonnenblumen vergütet werden. Als Annahmestellen von Sonnenblumenkcrnen kommt jede Station aller deutschen Eisen- bahnverwaltungen in Betracht(zumeist die Eilgüter- und Güter- abfertigungsstellen). Die Eisenbahnministerien machen darauf auf- merksam, daß die Kerne von dem Verkäufer in einem reinen, möglichst staubfreien� Zu st and, ohne Ver- unreinigung mit Blüten» oder Blätterteilen und unvermengtmit anderenSamen abgeliefert werden müssen. Die R e i f e z e i t der Sonnenblumen ist je nach Aussaat und Art verschieden und reicht von Ende August bis inden Oktober.(Im Westen früher, im Osten später.) Der K r'i e g s- ausschußfürOele und Fette macht darauf aufmerksam, daß ein großer Teil der vorjährigen Sonnenblumenernte zu früh gecrniet wurde, was zur Folge hatte, daß bei einem Teil der zur Ablieferung gelangten Mengen etwa die Hälfte unreif und daher für die Oelgewinnung beziehungsweise für die neue Aussaat u n- brauchbar war. Die B e v ö l k e r u n g wird deshalb dringend ersucht, in diesem Jahre den im Sommer 1915 genrachten Fehler vermeiden und sich streng an die Vorschriften des vom.Kriegsaus- schuß kostenlos jedermann zur Verfügung gestellten Merkblattes hallen zu wollen. Wncher überall. Die. T ä g l i ch e R u n d s ch a u" meldet, daß mit Saccharin eine ungeheuerliche Spekulation versucht wurde. Während in Friedenszeilen ein Pfund elwa mit 14 M. bezahlt wurde, solllen die Drogenhändler kürzlich schon für 80 Gramm 14 M. entrichlen, also nahezu sechsmal soviel. Diese haben darauf großenteils den Ver- trieb des Saccharins eingestellt. Zur Klarstellung sei bemerkt, daß die einzige in Deulschland bestehende Saccharinsabrik an dieser un- gehcuerlichen Preissteigerung unschuldig ist. Wenn die Fabrik keine Schuld trifft, dann müßte doch gerade bei diesem Artikel, dessen Abnehmer leicht festzustellen sind, kräftig zugegriffen werden. Ganz offenbar haben es einige geriebene Spc- kulanlen verstanden, die Vorräte an Saccharin an sich zu bringen und treiben nun den unverschämtesten Wucher. Diese Sippe müßte nicht bloß strafrechtlich gefaßt, ihre Namen müßten auch der breitesten OcGenilichkeil übergeben werden. /in Sie arbeitende Jugend Groß-Serlins! Der öiesjährige Maffenausflug findet statt am nächsten Sonntag, den 13. August 1910, nachmittags, nach Kaulsdorf Süd, Bahnstation Sadowa, Restaurant Sanssouci.— Darbietungen: Bewegungsspiele, Reigentänze, Vorführungen sportlicher Art(Freiübungen, Stafettenlauf), unter Leitung und Mit- Wirkung des Turnvereins„Fichte", Gesang, Musik, Rezitation.— Allgemeiner Treff- und Sammelpunkt: Mittags 1 Uhr am Bahnhof Köpenick, von dort gemeinsamer Spaziergang nach dem Festplatz. Junge Arbeiter und Arbeiterinnen! Agitiert für eine Mafien- bcteiligung I Bietet alles auf, um auch den letzten Jugendlichen auf die Beine zu bringen! ES gilt unserem Feste, unserem Groß- Berliner Jugendtag einen würdigen Verlauf zu geben. Darum auf zum Massenausflug! Gäste, besonders Eltern und Angehörige der arbeitenden Jugend, sind willkommen! Mus Groß-öerlm. Schulspeisung in stäütischer Regie. Der Kranz städtischer Küchen und Ausgabestellen für die Massenspeisung wird in kurzer Zeit geschlossen sein. Die Or- ganisation für die Speisenherstellung und-Verteilung ist ge- troffen und funktioniert. Sich herausstellende Mängel können mit der Zeit beseitigt, das Essen nach Möglichkeit verbessert und schmackhafter hergestellt werden. In dieser Situation hat sich der Berliner Magistrat auch mit der Speisung bedürftiger Schulkinder wieder befaßt. Bisher wurden diese Kinder in den Küchen des Vereins Nationaler Kindcrvolksküchen gespeist. Die Stadt zahlte an den Verein für jede Portion Mittagessen 18 Pfennige. Seit Jahren hat die Fraae der Schulspeffung Magistrat und Stadtverordnete beschäftigt. Im Februar dieses Jahres beschloß die Stadtverordneten- Versammlung einstimmig, den Magistrat zu ersuchen, ihr bald- möglichst eine Vorlage zu machen, nach der die Schulspeisung im Eigenbctriebe der Stadt stattfindet. Es sollte endlich der Zustand beseitigt werden, daß ein Verem, auf den die Stadt keinerlei nachhaltigen Einfluß besitzt, die Schulspeisung nur ausübt, für die schließlich doch die Gemeindebehörden die Ver- antwortung tragen. Die jetzige Lage, die durch die Massen- spcisung geschaffen wurde', hat die Ausführung des Stadtverordnetenbeschlusses erleichtert. Und deshalb hat der Magistrat in seiner letzten Sitzung bcschloffen, die Schul- speisung vom 1. Oktober ab in eigener Regie in den geschaffenen städtischen Küchen vorzunehmen. Dieser Magistratsbeschluß wird nur begrüßt werden können. Er macht die Stadt unabhängig und selbständig, was bei den großen für die Schulspeisung aufgewendeten Kosten(in den letzten Jahren 500— 600000 M. jährlich) nur zu berechtigt ist. Er dürste auch den reckst unangenehmen Zu- stand verschwinden lassen, daß die hungernden und im Winter stierenden Kinder längere Zeit auf den Straßen warten müssen, bevor sie an die Reihe kommen. Endlich ist als sicher anzunehmen, daß das in den städtischen Küchen gereichte Essen an Nährwert das bisher gegebene übersteigen dürfte. Mit der Uebernahme der Schulspeisung in den Eigen- betrieb der Stadt geht eine alte Forderung der sozialdemo- kratischcn Stadtverordnetcnfraknon ihrer Verwirklichung entgegen. Die Speisung bedürftiger Schulkinder ist bisher von Vereinen ausgeführt worden. Vor mehr denn 28 Jahren wurde wäh- rcud des Winterhalbjahres an bedürftige Kinder ein zweites Frühstück gegeben. Größere Mittel stellten seit Dezember 1909 der Vcrlagsbiuhhändler Emil Mosse und seine Gemahlin be- reit, die den in Frage kommenden Kindern Milch reichen ließen. Um den Kindern ein ivarmes Mittagessen zuteil werden zu lassen, gründete sich vor 23 Jahren der Verein der Kindcrvolksküchen unter Lettung des Herrn Abraham. Dieser recht rührige Verein hat auf diesem Gebiete viel Gutes geleistet. Die Zahl der Kinder, die gespeist wurden, stieg. Die Mittel des Vereins reichten aber nicht aus, so daß von der Stadt Zuschuß erbeten wurde. Immer mehr erhöhte sich dieser Zuschuß. Schließlich wurde dem Verein für jede Mittagportion Zahlung geleistet, zunächst 10 Pf.. dann 12, dann 15 und endlich 18 Pf. Und wenn auch zwischen der Stadt und Herrn Abraham viele Differenzen entstanden sind, die ihre beste Erledigung in dem Magistrats- bcschlusse gefunden haben, so soll heute durchaus nicht das Verdienst des Herrn Abraham für die Kinderspcisung in Berlin verkleinert werden. Die sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadt- verordnetenversanimlung hat auf dem Gebiete der Schul- speisung fortgesetzt vorwärts gedrängt. Interessant ist heute, einen kurzen'Rückblick zu werfen auf den Werdegang dieser Angelegenheit. Ani 18. September 1897 beantragte die sozialdemo- krattsche Fraktion im Rathause: die Stadtverordnetenvcrsamm- lung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, die Schul- deputation zu beauftragen, Erhebungen darüber anzu- stellen, ob und wieviel Schüler der Gcmeindeschulen diese ohne Frühstück besuchen und der Versammlung die Ergebnisse dieser Erhebungen mitzuteilen. Der Antrag wurde am 14. Ottober von Stadthagen be- gründet, der der Versammlung anschaulich die Verhältnisse darlegte. So sehr die Privatwohltätigkeit auch helfe, so dürfe die Stadt sich nicht auf dieselbe verlassen, sondern sie müsse die Verpflichtung anerkennen, sich selber um die Angelegenheit zu kümmern. Der damalige Stadtschulrat Bertram widersprach dem Autrage auf das entschiedenste, er malte den sozialdemo- kratischcn Zukunftsstaat an die Wand, er_ warnte davor, „auf©rund eines solchen statistischen Materials nun einen Schritt zu tun in unserem Gemcindeschulwesen und von da aus in unserem sozialen Leben, der in der Tat zu dem An- fang des Kommunismus führt." Der Antrag, der zunächst nur E r h e b u n g e n verlangte, wurde abgelehnt, nicht ein- mal wurde er einem Ausschuß überwiesen, obwohl Genosse Singer noch warm für ihn eingetreten war. Ein im De- zember 1907 von unseren Genossen eingereichter Antrag ver- langte Einrichtungen und Bereitstellung von Mitteln, um die Speisung bedürftiger Schulkinder von Stadt wegen zu bewerkstelligen. Die eigene Regie fand keine Zustimmung, weil man die freie Liebestätigkeit nicht ausschalten wollte, da- gegen wurden größere Mittel für den Zweck bereitgestellt und dem Kindervolkskücheiwerein überwiesen. Die Entwicklung der Sache ging weiter. Immer größer wurden die Mittel, die zu diesem Zwecke benötigt wurden, immer wieder beantragten unsere Genossen, die Stadt solle die Kinder selbst speisen. Auch in bürgerlichen Kreisen be- freundete man sich mehr mit dem Gedanken, daß die Stadt den vorgezeichneten Weg gehen müsse, bis schließlich die Ueber- zeugung von der Notwendigkeit der Eigenspeisung sich all- gemein Bahn gebrochen hatte und im Februar dieses Jahres die Stadtverordnetenversammlung zu einem einstimmigen Beschlüsse kam. Jetzt endlich ist das so lange erstrebte Ziel erreicht. Hoffen wir, daß unsere 5linder und die Schule den erhofften Nutzen haben, denn die Schulspeisung ist eine wichttge Schul- frage. Aber man sieht auch hier: Zähigkeit und Ausdauer führt schtteßlich doch zum Ziell_ Sichcrstcllung der Milchvcrsorgung der Kinder. Die kürzlich angekündigte vorläufige Verordnung zur Sicherstellung der vorzugsweisen Mflefjoersorgung der Kinder, füllenden Mütter und Kranken Groß-Berlins tritt am 9. August 1916, also am Mittwoch dieser Woche, in Kraft. Die wesentliche Bestimmung ist, daß die Großhändler alle Wiederverkäufer, die sie am 1. März 1916 mit Milch beliefer- ten, vom 9. August 1916 ab in demselben Umfange wie am 1. März 1916 mit Milch zu versorgen haben. Insoweit der Gesamtmilchbezug des Großhändlers hinter dem des 1. März zurückbleibt, ist der Anteil der Wiederverkäufer zu kürzen, und zwar in demselben Verhältnis, in welchem der jeweilige Gesamtbezug des Großhändlers hinter dem damaligen zurück- bleibt. Desgleichen kann der Großhändler eine Kürzung seiner Abnehmer insoweit vornehmen, als der ihm verbleibende Rest nicht zur Versorgung der bei ihm angemeldeten Milch- karteninhaber ausreicht. Diejenigen Händler, die Milch im Umherfahren unmittelbar an Verbraucher abgeben, müssen dieselben Straßenzüge durchfahren, die sie am 1. März 1916 befahren haben. Die Milchgroßhändler haben, um der Milch- versorgungsstelle Groß-Berlin eine lieber sieht über die Verteilung der Milch zu verschaffen, dieses bis Mittwoch, den 9. August 1916, anzuzeigen, wieviel Milch sie am 1. März 1916 und wieviel sie am 4. August 1916 erhalten und wieviel sie hiervon an den beiden Tagen an Wiederverkäufer ab- gegeben haben. Der Milchversorgungsstelle Groß-Berlin sind hiernach 4 Zahlen anzugeben. « Unhaltbare Zustände beim Bolleschen Milchverkauf spielen sich täglich in der Blankenburger und Karower Straße in Niederschön- hausen ab. Hierzu wird uns geschrieben: Durch Klagen der Frauen über das Benehmen des Kutschers veranlaßt, benutzte ich den Sonntag, um mich von den Tatsachen persönlich zu überzeugen. In der Blantenburger Straße warteten zirka 20 Frauen. Als der Wagen eintraf, entstand schon ein Gedränge. Hier hielt aber der' Wagen nicht, sondern fuhr zirka 15 bis 20 Schritte weiter: so daß.. die Frauen dem Wagen nachlaufen mutzten. Hier angekommen, mußten sie erst links, dann rechts vom Kutscher antreten. Ich hielt mich im Hintergrunde, um zu sehen, wie sich die Sache abspielen würde. Dem Kutscher schien mein Beobachten aber nicht zu passen, denn er fragte mich in brüskem Tone, was ich dort wolle. Ich ant- wartete, daß ich mich einmal davon überzeugen wolle, nach welchem Modus er die Milch verabfolge, da manche Kunden 1 Liter und mehr bekamen, andere dagegen gar nichts.„Das b e st i m m e ich," war seine Antwort, ßnn junger Mensch von zirka 18 Jahren, angeblich ein Kontrolleur der Firma Bolle, sagte mir, daß der Kutscher nach den Vorschriften des Direktors verfahre. Ein hinzukommender Mann, dessen Frau auch schon mehrcrcmal nichts erhalten hatte, sagte dem Kutscher in ruhiger, aber be- stimmter Weise, wie es ihm wohl gefallen würde, wenn seine Frau so behandelt würbe, wie er es hier den Frauen gegenüber beliebt. Im nächsten Moment springt der Kutscher auf den Mann zu, dem jungen Kontrolleur den Spazierstock aus der Hand reißend, und dringt auf den Mann ein. Nur mit Mühe gelang es mir. Tätlich- leiten zu verhindern. Nun gehen die Beschwerden der Frauen dahin: Einige erhalten 1 Liter Milch und mehr, andere � oder% Liter und andere wieder gar nichts. Auch über das Benehmen des Kutschers den Frauen gegenüber wird geklagt. Man kann schon auf dem Standpunkt stehen, daß Familien mit kleinen Kindern mehr Milch erhalten als solche, die keine oder erwachsene Kinder haben. Aber diese dürfen auch dann nicht ganz leer ausgehen, wenn noch Milch vor- Händen ist. Und Willkür muß dann ausgeschlossen sein. Das Publikum darf wohl erwarten, daß die vorhandenen Vorräte s o verteilt werden, daß jeder etwas bekommt. Wissen die Frauen dies, dann entstehen auch keine Drängeleien. Vom Zweckverband. Unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Neicke fand gestern eine Sitzung des Vcrbandsausschusses des Verbandes von Groß- Berlin im Berliner Rathause statt. U. a. wurde ein Generalbebauungsplan der Stadt Neukölln für das Ge- biet zwischen der Berliner Ringbahn, Gemarkungsgrenze mit Treptow und Dammweg beraten. Dies Gebiet liegt am Stichkanal des Teltower Kanals in der Nähe des dortigen städtischen Elektrizitätslverks, Gaswerks und der neuen Ring- bahnstation. Es soll für Jndustriezwccke reserviert werden und eine Industriebahn zur besseren Verbindung mit den ein- zclnen Fabrikanlagen erhalten. Nach einem Referat des Ver- bandsdirettors Dr. Steiniger und einem Korreferat des Oberbürgermeisters Kaiser wurde der Plan genehmigt. Außer- dem standen noch mehrere Fluchtlinienpläne und gutachtliche Aeutzerungen zu Polizcwerordnungcn und Frciflächcnangelegen- heiten auf der Tagesordnung, die von keinem öffentlichen Interesse sind. Genehmigt wurde zum Schluß noch der Plan für die Kirchhofsanlage der Kirchhossgemcinde in Berlin- Mariendorf._ Eine Sitzung der Stadtverordneten findet am Donnerstag mit einer reichhaltigen Tagesordnung statt. Herabsetzung der Kartoffelpreise. Die Groß-Berliner Gemeinden haben in der gestrigen Sitzung des Arbeitsausschusies Groß-Berlin beschlossen, den Preis für Früh- kartoffeln von Mitlwoch, den 9. August, ab auf 9 Pf. für das Pfund herabzusetzen. Kleinhandel mit Fischen. Die PreiZplüsungSstelle Grotz-Berlin hat nach Anhörung von Sachverständigen in Bezug auf den Groß- und iUeinhandel in Fischen folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die von der Kommission der PreikprüfungZstclle in der Zentralmarkthalle für den Großhandel in Seefischen ermiltellen ötichtprcise gelten auch für die außerhalb der Zentralmarkthalle im Bezirk der Prei-prüsungsstclle Groß-Berlin getätigten Verkäufe. 2. Im Kleinhandel mit Seefischen und solchen Süßwasser« fischen, für die keine Höchstpreise bestehen, wird als angemessener Bruttonutzen ein Ausschlag von höchstens 2ö Proz. auf den Ein- kaufspreis angesehen mit der Ausnahme, daß bei einem Einkaufs- preis von unter 40 Pf. für das Pfund ein Aufschlag von 10 Pf. auf den Pfundpreis zugebilligt wird. Eine Ueberschreitung dieser Preise wird die Preisprüfungsstelle als eine ungerechtfertigte Pceisforderung ansehen, gegen die sie mit den gesetzlichen Mitteln einzuschreiten hat. Ms öen Gemeinden. Aufhebung der Kartoffelkarte für Pankow. Der Gemeindcvorstand macht bekannt, daß in der Woche vom 7. bis 18. August 1816 Kartoffeln in jeder Menge ohne Kar- toffelkarte entnommen werden können. ArbritcrlülouitgSschule. Da sich am 13. August zum dritten Male der Dag jährt, an dem unser unersetzlicher Vor- kämpfer August Bebel von uns genommen wurde, soll der am D o n n e r s t a g, d e n 1l). A u g u st, fällige w i s s e n- schaftliche Einzelvortrag dem Gedächtnis unseres großen Führers gewidmet sein. Genosse Heinrich S t r ö b e l wird in einem Vortrag die Persönlichkeit und die geschichtliche Bedeutung A u g u st B e b e l s für die Arbeiter- belvegung behandeln. » Der nächste n a t u r w i s s e n s ch a f t l i ch e A u s f l u g findet am kommenden Sonntag, den 13. August statt. Er wird von Chorinchen über Klo st crChorin, Plage- und Paar st einer See nach Liepe und Niederfinow führen. Abfahrt früh 3,48 Uhr ab Stettincr Bahnhof bis Chorinchen. Fahrgeld insgesamt 2 M. Wcglänge 35 Kilo meter. Treffpunkt Chorinchen außerhalb der Bahnspcrre. Proviant für den ganzen Tag ist mitzubringen. Der Aus flug findet bei jedem Wetter statt. T e i l n e h m e r s ch e i n c zu 30 Pf. sind zu haben im Berliner Vcrbandsbureau, Lindenstr. 3, und in den Bureaus des 4. und 6. Wahlkreises, Stralauer Platz 10/11 und Gericht straße 71. Beim Baden ertrnnkcn. Der 12jährige Schüler HanS Hartig aus der Reichenberger Str. 179 in Berlin halte an den Ferienspielen auf dem von der Stadt Berlin errichteten Spielplatz beim Wasser werk in der Wuhlheide am Sonnabend teilgenommen. Entgegen dem ausdrücklichen Verbot schlich sich H. mit drei anderen Knaben ßeimlich fort, um in der Nähe von Sadowa ein Bad in der Spree zu nehmen. Dabei wagte er sich zu weit in den Fluß hinein, geriet an eine tiefe Stelle und versank vor den Augen seiner Ge fährten, die ihm Hilfe nicht bringen konnten. Die Leiche des Er trunkenen ist noch nicht geborgen worden. Ein tödlicher Unglückfall hat sich in den Eisenbahnwcrkstätten Rummclsburg ereignet. Als dort am Sonnabend der Lackierer Paul Brückner aus Köpenick mit dem Anstreichen eines Güterwagens be schäftigt war, wurde der Waggon versehentlich rangiert. Der in Bewegung gesetzte Wagen riß B. um, der Lackierer geriet unter die Räder, die ihm das rechte Bein weit über dem Knie abtrennten. Der Verunglückte, der auch schwere innere Verletzungen erlitten hatte, wurde nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht, wo er bald nach der Aufnahme gestorben ist. Wegen eines Dachstuhlbrandcs wurde der 13. Löschzug nach der Wiclefstr. 58 alarmiert, wo der Dachstubl des Vorderhauses um 8 Uhr vormittags in Flammen stand. Brandmeister Sleiner ließ mit drei Schlauchleitungen über die Treppen und eine Maschinen- leiler vorgehen und es gelang, die Flammen auf den Dachstuhl zu beschränken. Sportpark Treptow. Das Programm des Renntages am Sonn- tag war zusammengesetzt aus zwei Steherrennen hinter Motor- führung über 23 und 40 Kilometern mit der Besetzung Appclhans, Demkc, Pawke, Schipke und einem Stunden-Mannschafts-Rennen mit 14 Mannschaften zu je zwei Fahrern, die sich nach Art der Sechs- tage-Renncn beliebig ablösen konnten. Im Lä-Kilometer-Rennen kam eS gleich beim Anlauf der Motore in der Mine der ersten Kurve zu einer Karambolage zwischen den Motorführern Käser und Gebhardt. Die Führer kamen glücklicher- weise mit dem bloßen Schrecken davon. Die Führungsmaschinen wurden aber beide außer Betrieb gesetzt. Als Ersatzführung sprangen Bajorath und Wiewerall mit ihren Motorrädern ein. Das Nennen wurde in überaus flotter Fahrt in 22 Min. 13 Sek. von Schipke vor Pawke(260), Demke(1240) und Appelhans<1830 Meter zurück) gewonnen. Das Stunden-Mannschafts-Rennen nahm einen recht interessanten Verlauf. Die Mannschaft Stabe— Hoffmann gab schon nach Ablauf der ersten halben Stunde auf. Stabe fand wenig Unterstützung durch seinen Partner. In den Endspurt griffen nur noch sieben Mannschaften ein. Llütt— Steinke blieb Sieger vor Lorenz— Niederkrone, Krahner— Thadewald, Kops— Nüdlitz, Packcbusch— Krupkat und Abraham— Müller. Die zurückgelegte Strecke beträgt 37,800 Kilo- meter. Die ausgeworfenen Viertelstundenprämien fielen an Rütt, Lorenz. Tcchiner und Behrendt. In dem 40-Kilometer-Nennen zeigte sich Schipke seinen Rivalen gegenüber weit überlegen. Er gewann das Nennen in 35 Minuten 28 Sekunden mit 1010 Meter Vorsprung vor Pawke; AppelhanS wurde<3720) Dritter, Demke(3400 Meter zurück) Vierter. Kleine Nachrichten. Beim Abspringen von einem Straßenbahn- wagen schwer verunglückt sind in der vergangenen Nacht zwei Frauen. Vor dem Hause Lützowstr. 81 wollte eine unbekannte Frau von etwa 20—23 Jahren den Wagen während der Fahrt verlassen, kam zu Fall und zog sich eine schwere Schädelverletzung und eine Gehirn- crschülterung zu. Die Verunglückte wurde noch dem Elisabeth- Krankenhause gebracht und liegt dort noch besinnungslos darnieder. Sie ist mittelgroß und trug ein weißes Kleid, weiße Schuhe und einen kleinen schwarzen Hut.— Am Sonntag verunglückte die 30 Jabre alte Frau Pauline Andersch, die gegen 10 Ubr abends einen Triebwagen der Linie 18 an der Ecke der Köpcnicker und Adalbcrtstraße verließ, als sich der Wagen in der Anfahrt zur Hallestelle befand. Sie kam zu Fall und zog sich einen Bruch des linken Unterschenkels zu. Die Verunglückte wurde nach dem Krankenhause Moabit gebracht.— Eine Bande von fünf Fahrraddieben, die diese Spezialität gewerbsmäßig betrieben, wurde in Neukölln festgenommen. Die Burschen durchzogen die Straßen Groß-BerlinS, um sich nach Fahrrädern umzusehen, die irgendwo führerlos dastanden. Fanden sie eins auf einen Hausflur oder sonstwo, so schwang sich einer hinauf, während die anderen auf- paßten, und fuhr davon. Fanden sie keins führerlos, so hielten sie einen harmlosen jungen Radier unter einem Vorwande an, ver- anlaßten ihn abzusteigen und sein Rad an einen Baum oder die Mauer des Hauses zu stellen. Während sie dann mit dem Radier plauderten, bemächtigte sich vor dessen Augen einer, der es zu be- sichtigen schien, des Rades und verschwand damit. Später trafen sie sich jedesmal alle wieder, um die Beute unter der Hand an Trödler oder Händler zu verkaufen und den Erlös zu teilen. Bestohlene, die ihr Rad noch nicht wieder erhalten, können sich auf ihrem Revier melden. Aus Teltow-Beeskott. NnS gehen folgende Mitteilungen zu: Sozialdemokratischer Zcntralwahlvcrein Tcltow-BceSkow« Storkow-Charlottcnburg. Wahlvereinsbureau: Neukölln, Neckarsir. 8, Laden. Das Bureau ist vorläufig geöffnet: MittwochS.abendS von 6 bis 8 Uhr und Sonnabends, abends von 5 bis 9 Uhr. Alle Geldsendungen sind zu richten an Max Freigang, Treptow, Graetzstr. 24 IV, alle übrigen Zuschriften an Paul Frastek, Nieder- schöneweide, Rudower Str. 14 II. « An die Mitglieder und WahlvereinSvorstande von Teltow« BeeSkow-Storkow-Charlottenburg. Die ordentliche Kreisgeneralversammlung vom 6. August d. I. wählte zum Sekretär den Genossen Groger und zum Kassierer den Genossen Pageis. Die Wahlen erfolgten einstimmig. Alle den Kreiswahlverein betreffenden Zuschriften find zu richten an den Sekretär Max Grogcr Berlin 81V., Lindensir. 8, II. Hof, Eing. Hl, 4 Treppen(Fernruf: Moritzplatz 14714); alle Geldsendungen, welche sür den Kreiswahlverein bestimmt sind, richte man an den Kassierer Alex Pagels Berlin LW, Lindenstr. 3, II. Hof, Eing. Hl, 4 Treppen(Fernruf: Moriyplatz 147 14). Nach wie vor befindet sich auch dort das Kreisbureau; eS ist geöffnet von 8—1 und 4—7 Uhr. Alle Funktionäre der Kreisorganisation, welche ohne Verzug die sozialdemokratische Parteikorrespondenz unent- geltlich weiter beziehen wollen, werden um schleunige Angabe ihrer Adresse gebeten._ Der KrciSvorstand. Generalversammlung des Wahlvereins Treptow« Baumschulenweg. In der außerordentlichen Generalversammlung deS Wahl- Vereins, die am 1. August stattfand, gab Genosse F r e i g a n g den Bericht von den Generalversammlungen des Kreiseö Teltow- Beeskow-Storkow-Charlotienburg. In der Diskussion kritisierte Ge- nosse WifseU die Art der Berichterstattung, die ihm nickt anS- führlich genug sei. Weiter wendet er sich gegen die Beschlüsse der Kreisgeneralversammlung und hauptsächlich gegen die Zulassung der Delegierten von Neukölln und Lichierfelde. Wissell bringt am Schluß seiner Ausführungen folgende Resolution ein: „Die Versammlung mißbilligt das Verhalten der Delegierten auf der Kreisgeneralversammlung vom 18. Juni und den sogenannten Kreisgeneralversammlungen vom 3. und 23. Juli. Sie erklärt, daß die Maßnahmen des alte» Kreisvorstandes gerechtfertigt sind. Er allein kommt für die Ortsvereine in Betracht." In seiner Erwiderung geht Freigang auf die UnHaltbarkeit der Wiffellschen Ausführungen ein und unterbreitet der Versammlung nachstehende Resolution: „Die am 1. August tagende außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins Treptow-Banmschulenweg nahm Kenntnis von den Beschlüssen der Kreisgeneralversammlung vom 23. Juli. Sip erklärt sich mit der Haltung der Delegierten und der endgültigen Wahl des neuen Kreisvorstandes einverstanden. Um ein gedeihliches und geschlossenes Fortbestehen der Organisation zu ermöglichen, ver- vflichtet sie den örtlichen Vorstand, Unverzüglich das für das zweite Quartal 1316 entnommene Material restlos an den alten Vorstand zurückzugeben und wegen weiteren Materials mit dem neugewählten Kreisvorstand in Verbindung zu treten." Es entspann sich dann noch eine lebhafte Aussprache, in der sämtliche Redner sich gegen die Ausführungen Wisiells wandten und sich für die neue Kreisleitung erklärten. Allseitig kam zum Ausdruck, daß es nicht an den Mitgliedern der Ortsvereine des Wahlkreises lag, daß die heutige Situation heraufbeschworen wurde, sondern daß die Schuld einzig und ollein an dem bisherigen flireisvorstand lag. Dieser habe die Wünsche und Anregungen der Mitglieder seit langem achtlos beiseite gesetzt und nur nach seinem eigenen Ermessen ge handelt. Wenn jetzt Zustände eingetreten wären, die jeder Partei- genösse aufrichtig bedauern müsse, trage daran der Kreisvorstand die Schuld. Die Resolution Wiffell wird mit 57 gegen 25 Stimmen ab gelehnt, diejenige Freigangs, die sich mit den Beschlüssen der Kreis Generalversammlung einverstanden erklärt, mit 38 gegen 22 Stimmen angenommen. Es findet noch eine Aussprache über die unrechtmäßige Kassenabführung der Genossin Gerisch an den seitherigen Sekretär Pagels statt. Die Genossin Gerisch hatte entgegen den Ab- machungen in der Funklionärsitzung die Kasseneingänge der letzten Zeit dennoch an Pagels abgeführt. Diese Handlung wird allgemein mißbilligt. Zum Schluß dieser Aussprache legt der Vorsitzende des Wahlvereins Genosse Magel eine bereit gehaltene Erklärung vor, in der er sich mir der Genossin Gcrisch solidarisch erklärt. Beide legen ihre Aemter nieder. Hierauf verlassen die Anhänger deS alten Kreisvorstandes demonstrativ das Lokal. An Stelle des zum Militär eingezogenen AbteilungSführerS für deu Ortsteil Treptow wurde Genosse Horst-Treplow gewählt. Ferienspicle in Mariendorf. Heute, vormittag? pünktlich i/�8 Uhr, Treffpunkt vor dem Hause Großbeerenstr. 113, sür Nach- zügler nachmittags Uhr am Rathause. Fahrgeld 20 Pf., sür Kinder unter 10 Jahren 10 Pf. Ms aller Welt. Ein schweres Explosionsunglück hat sich in Königs- b e r g i. Pr. ereignet. Das stellvertretende Armeekorps teilt mit: Montag morgen, 8,15 Uhr, erfolgte in Königsberg, Ar- tilleriedepot Rothenstein, eine Explosion russischer Munition. Bei der Entladung verunglückten, soweit es sich bei dem plan- losen Fortlaufen des Personals hat feststellen lassen, 30 Depot- arbeiter, 20 Frauen tot, etwa 14 schwere, 53 leichte Ver- wundungen. Verdachtsmoments auf Spionage oder Attentat haben sich bis jeht nicht ergeben. Gerichtsseitig wird das Weitere festgestellt. Weitere Explosions- und Feuersgefahr sind beseitigt. Die städtische Feuerwehr und der Sanitäts- dienst funktionieren ausgezeichnet. Wieder ein schwerer Fall von Pilzvergiftung wird aus Kosel (Oberschlesien) gemeldet: Die Mutter des früheren Gastwirts Paul P ü s ch e l sowie dessen Ehefrau und 13jährige Tochter hatten ein Pilzgericht gegessen, unter dem sich auch giftige Pilze befanden. Trotz ärztlicher Hilfe sind die Mutter und die Ehefrau gestorben. Die Tochter liegt schwer erkrankt danieder, doch hofft man sie am Leben zu erhalten. Eine Daucrrebe. In einem Prozeß, den gegenwärtig in L o n- d o n zwei Kolonialgesellschaften wegen des Besitzes eines goldreichen Gebietes in Rhodesia führen, hielt der Anwalt der einen Partei eine Schlußrede, die genau 23 Tage gedauert hat. Nach dieser Leistung muhten die Verhandlungen vertagt werden, da der Anwalt erklärte, daß er, nach der Meinung seines Arztes, minde- tens sechs bis sieben Wochen Ruhe brauche. Der Arzt sagte aus, >aß sein Patient seit dem achten Tage seiner Rede sich fast anS- schließlich von nervenpeitschenden Arzneien ernährt habe. ParKeweeanftaltungen. Eharlottenburg. Den Mitgliedern des Charlottenburger Wabwereins sür die Erledigung der Geschäsle zur Kenntnis, daß der in der General- Versammlung am 2. August neugewählte Vorstand aus solgenden Genossen besteht: 1. Vors. Anna Nemitz, Waitzstr. t t. 2. Vors. Bruno Peters, Schristjührer Alfred Wagner, Katsierer Wilhelm Mich a l s k i, Hacseter- straße 16s, Vertreterin der Frauen Selms Hilse. Beiträge sind durch die Bezirkskassierer nur m i t M i ch a l s k i abzurechnen. Treptow-Banmschulenweg. Mittwoch, den 8. August, abends 81/,, Uhr: Gemeinsamer Zahlabend, für Ortsteil Treptow bei Martert, Graetzstr. 28, für Ortstcil Baumschulenwcg bei Erbe, Baumfchulenstr. 14. Tagesordnung: Bericht von der Kreisgeneraloersammlung am 6. August 1816 und Vereiusaugelegenheltcu. Mitgliedsbuch legitimiert. Als Revisor wurde in der letzten Versammlung nicht Genos s i n Ryneck, sondern Genosse Ryneck, und die Genossin Wissell als Beisitzerin gewählt. Treptow-Baumschulenweg. Mittwoch, den 9. August, abends 8>/, Uhr; Gemeinsamer Zahlabcnd der Bezirke 1—4 bei Krause. Kiesholz-, Ecke Marienthaler Straße: sür die Bezirke 3—12 bei vorm. Ringeltaube, Graetzstr. 1, Ecke Lohmühlenswaße..Situationsberichte und Vorschläge zu ErgänzungSwahlen." Grosi, Lichterfelde. Mittwochabend 81/, Uhr: Zahlabend bei Wahren- dors, Hindenburgstr. 104. Britz-Buckow. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet Mittwoch, den 9. August, abends 8'/, Uhr, bei Weitphal, Rudower Str. 48, statt. Köpenick. Der Zahlabend am Mittwoch fällt aus. Dafür nächste Woche Mitgliederversammlung. Nähere Bekanntmachung ersolgt noch. Friedrichsfeldc. Mittwoch, den 9. August: Mitglieder ver- sammlnng bei Sudbrink, Berliner Straße. Vortrag des Genosscu E i ch h o r n über:.Mitteleuropäische Wirtschastssragen". Beginn püntt- lich 9 Uhr. Friedrichshagen. Mittwoch, den 9. August, abends 8'la Uhr, bei Lerche: Mitgliederversammlung. Aus der Tagesordnung steht u. a.: Bericht von der Vcrbandsgeneralversammlung Groß-Berlins. Karlshorst. Mittwoch, den 9. August, abends 9 Uhr, bei Perske, Prinz-Adalbert-Straße: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Fort- setzung der Diskussion über die Verbandsgeneralvcrsammtung. Quartals- und Kassenbericht. DaS Mitgliedsbuch ist zwecks Legitimation mitzubringen, ohne Buch kein Eintritt. Bohnsdorf. Mittwoch, den 3. August, abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht, 2. Bericht von der Kreis- generalversainmlung, 3. Diskussion, 4. Parteiangelcgenheiten.— Mitgliedsbuch legitimiert. Eichwalde. Mittwoch, den 3. d. Mts., abends 8'/2 Uhr. im Lokal von Emil Witte: Zahlabend(Mitgliederversammlung). Kassenbericht, Bericht- erstattung von der KreiSgencralversammIiing, Vereinsangetcgenheitcn. Nowawrs. Mittwoch, den 3. August, abends pünktlich 8>/z Uhr, findet im Lokal von Max Singer die ordentliche Mitgliederversammlung des Wahloereins statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliches, 2. Berichte von den Kreisgeneraloersammtuiigen, 3. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt._ Eingegangene Druckschristen. „Der Kampf". Augusthest der sozialdemokratischen Monatsschrift Oesterreichs. 60 Ps.— Verlag in Wien 5, Rechte Wienzeiie 97. Tie(8 locke. Sozialistische Wochenschrift. 13. Heft. Herausgeber: Parvus. 20 Pf.— Verlag sür Sozialwissenschaft, München. Sriefkasten üer Redaktion. Die luriftische Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenstr. I, IT, Hot cechtS, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Nor, am Sonnabend r> e l l a st e n bestimmten Anfrag« Mertzetchen beizusügen. Briefllw« denen leine AdonnementsauiNung Eilige Fragen trage man in der «nd dcrgletch-n bring« mar in dir cJeÄi# LMfiMottlicher Mpäkkeurt' Alfrep Wiclepp, Nkiikölln, Für fcea JnjiMenttil Lbranw,.: Ttz-GlockchBerlin, Druck u.Perlag:Vorwartl Buchdruckerei u. VörtSzsüflstalt Paul Emgel& Eo, Berlin � von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den ist ein Buchstabe und eine Labt atS Antwort wird nicht erteilt. Antragen, beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Sprechstunde vor. Lcrtrüge, Schrtststücke eprcckflnndc mit. Max Becslor, Iaiiv. Eine derartige Znsschrist erscheint in keinem Parlcivcrlag.— L. E. 119. Der Vater des außerehelich erzeugten Kinde» hat lein Recht, über die Erziehung oder Pflege des Kindes Bestimmungen zu trestcn. Das knun allein der Vormund; der Vormund soll sachgemäße Anordnungen treffen und die Alimente vom Vater einziehen.— N. R. 33. 1. Ja. 2. Ja, aber vorzuziehen wäre zuerst eine Beschwerde beim Vcisicherungsamt.— Landsiurmmaii» M. P. 1. Uns nicht bekannt. 2. Sie würden event. zunächst den Befehl auszusüdrcn haben und hätten dann eine ordnungsmäßige Beschwerde einzulegen. Es ist allgemein angeordnet, daß Leute, die nicht zur Kirche gehören, auch nicht ge- zwungcn werden können, am Kirchgang teilzunehmen.— M. Ä. Pankow. Sie können mit Aussicht auf Erfolg aus dasjenige klagen, aus das Sie nach Ihrem Mietsoertrag Anspruch haben. Zuslündia ist das Amtsgericht. — S. 100. DaS Testament ist gültig, wenn dasleibc eigenhändig nieder- geichrieben und unterschrieben iir. Zeugen und dergleichen sind nicht er- forderlich. Ein Beispiel sür solch ein Testament finden Sie Seite 238/233 des dem„Arbeiter, echt" beigcsügten Führers durch das Bürgerliche Getetz- buch. Das Buch finden Sie in den Bibtiotheken.— Cr. T. in 2p. 1. Nur wcun nachweislich der Tod in ursächlichem Zutammcnbange mit dem Leiden steht, würde der Antrag aus Hinlcrblicbeneurentc Aussicht aus Erfolg haben. Wenden Sic sich direkt an das Kricgsministerium. 2. Die Witwe soll bei der LandcSvcrsickicrungsanstalt den Antrag aus Witwen- und Waisenrente stellen.— B. 798. Wenn nachgewiesen wird, daß der Betreffende wissenr- lich als Zeuge unter seinem Eid salsch ausgesagt bat, muß er von der Staats anwaltschast, der die Sachlage mitzuteilen wäre, wegen Meineides angeklagt werden.— P. Sch. 56. 1. Leider läßt sich keine Zeit angeben, wie lange die Hast andauern kann. Eine Einziehung zum MUUär ist in Ihrem Fall ausgeschlossen. 2. Der Mietsvertrag läuft weiter. Der Wirt kann aus demselben bestehen, es wäre nur eine Einigung möglich. WetterauSiichten für daS mittlere Siorddeutfchlan» bis Mittwoch mittag. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, jedoch unbeständig und besonders östlich der Oder öfter etwas Regen. Am ö. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber, herzensguter Maun, unser uu- vergeßlicher Schwager und Onkel tiennaim ßorchert. DicS zeigt an in tiesster Trauer im Namen der Hinter- blicbenen Boris Borchert geb. Schermer Sorauer Str. 17. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. August, nach- mittags 4'/z Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhojes in Friedrichsselde aus statt. A Als Opfer des Weltkrieges starb am 13. Juni mein herzensguter Bruder und Schwager, der Ge- sreite A Gustav Kloß. Paul Kloß als Bruder nebst Frau. Ehre seinem Andenke«! Am 14. Juli 1916 fiel als Opfer des Weltkrieges unser treuer Kollege 103/19 JUsteß Pfiiipp. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Gesamtpersoual der Zentrale der Konsum- Geuofsenschaft Berlin und Umgegend. Danksagung. Für die innige Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters lÜ68b keralisrä Lischka sagen wir hiermit allen Freunden und Bekannten, den Kollegen der L. V. G., den Genossen des Wahl- Vereins, besonders dem Genossen Girbig sür seine Rede und dem Ge- sangverein unseren herzlichsten Dank. Frau M. Lischka nebst Kindern. IdanlrsaxuiiK:. Für die vielen, trostreichen Worte, welche unS beim Tode meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Liml Mühler zuteil wurden, sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank, ins- besondere der Diamant-Gasglühlicht, G. m. b. H., dem kaujmännischen und dem Arbeiterpersonal obengenannlcr Firma, dem Sozialdemokrat. Wahl- verein sür den 4. Berliner Reichs» tagswahlkreis, Bezirk 330 II, und dem Deutsche» TransporMrbeiteroerband. Eliosdotti MShier geb. Bammano A und Kinder.»