*lr. 219.- 33. Jahrg. BbonnemeRtS'Bcdingungen: Rbonncmcnti• Prkls vränumerando Vierleliöhrü S.Si! MI, monatl. 1,Z0 Ml. wöchcnlüÄ so Psg� frei ins Haus. Einzelne Slummcr ö Pfg. Sonruags. nunimcr mil illusnicrlcr Sonnlays. Beilage»Die Neue Welt' 10 Pjg. Poll- Kbcnncincm; 1.30 Marl tno Monal. Eingcrragen in die Voll. Zeilungs» Vrcislifte. Unter Ureuzdand für Deutschland und Leflerrcich. Ungarn L.Ä0 Marl, für das übrige Ausland » Marl pro Monal. Postadonnemems nehnien an Belgien. Däncmarl. Holland. Italien. Luxeniburg. Parlugal, Siumänie». Schweden und die Schweiz. C S PfegiRig) erldiclnt täglldi. f. Derlinev Vollisbleltt. Die IntcrtionS'Gcbülfr betrügt für die scchsgcspaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum 60 Pfg., für tolitische und gewerljchüftlichc Bcrcins- und Bcrsammlnngs- Anzeigen LO Pfg. „Meine Anreisen", das fcttgcdlliclre Wart 20 Pfg.(zulässig 2 icllgedruliic Wortef, jedes weitere Wort 10 Pfg. Slellcngcsuche und' Schlafflellenan- zeigen dos erste Wort 10 Pfg., jedes wenere Wort b Pfg. Worte über IS Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Jnscraic für die nächste Stummer müfscn bis S Uhr nachmittags in der Ext'edition abgegeben Iverdcn. Die Ervedition ijt b>s i Uhr abends gcöijncl. Del earamm-Adresse: „ZMisldeiliollwi Berlin" Zcntralorgan der roziatdemokrati fchen parte» Deutfcblands. Neöaktion: EW. 6$, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Aurt MoriSPlaS- Nr. löl 90—151 97. Freitag, den II, August 1913. «Expedition: Ev). HS, Linöcnstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplciti, Nr. 151 90—151 97. Parteigenoflen! Zwei urcheilvollc Jahre liegen hinter uns. Noch immer jagt die schreckliche LMegsfurie erbarmungslos mordend und sengend durch die Lande. Millionen blühender Menschen- leben sind vernichtet, viele Hoffnungen und unermeßliche Kulturgüter zerstört worden. Soll dieses Länder und Volkskraft verwüstende Ringen, das schwerste Unglück, das je die Kulturmenschheit heini- gesucht hat, noch iinmer kein Ende nehmen? Nur das Bewußtsein, einen Verteidigungskrieg zu führen, der Deutschland von den gegnerischen Mächten aufgezwungen wurde, löste bei unseren Brüdern im Waffenrock die Helden- mütige Hingabe und zähe Tapferkeit aus, mit denen sie dem Ansturm der feindlichen Massenheere standhalten. Nur für die Sicherheit des Landes, für dessen politische Selbständig. keit und wirtschaftliche LebcnsmögliöAeit kämpft und leidet das deutsche Volk, nicht aber zur Verwirklichung irgendwelcher Erobcrungsplänc. Als am 4. August 1914 die Vertretung der deutschen Sozialdemokratie im Reichstage sich ihren Grundsätzen getreu für die Verteidigung des Landes erklärte und die dazu er- forderlichen Mittel bewilligte, bekundete sie zugleich( „Wir fordern, daß dem Krieg, sobald das Ziel der Sicherung erreicht ist und di« E-egner zum v«eoen ge- neigt sind, ein Ende geumcht wird turch'eitlen Frieden, der die Freundschaft' mit den Nachbarvölkern er- möglicht." Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hat diese Forderung immer wieder erhoben. Der Reichskanzler hat mehrmals erklärt, daß er zu Friedensverhandlungen bereit sei. Leider haben die gegnerischen Regierungen eine Erklärung, daß auch sie zu Verhandlungen bereit sind, bisher nicht abgegeben, weil sie, wie die blutigen Offensiven an allen Fronten beweisen, immer noch hoffen, Deutschland und seine Verbündeten militärisch niederringen zu können. Sie stützen sich dabei auf ihren unerschütterlichen Glauben an die größere Volkszahl und Hilfsquellen der Ententcländer. Ter Friedenswille, der bei den Völkern der gegnerischen Länder ebenso stark ist, wie in Deutschland, wird zweifellos geschwächt und zurückgedrängt, wenn gleich den chauvinistischen Eroberungspolitikern in den Ententeländcrn auch in Deutsch- land einflußreiche Kreise Kriegsziele aufstellen und Er- oberungspläne propagieren, die die Völker jener Länder zum zähesten Widerstand aufstacheln müssen. Es erscheint deshalb an der Zeit, daß das deutsche Volk frei und unbeschränkt zu diesen Eroberungsplänen Stellung nimmt, deren Verwirklichung den Keim zu neuen Kriegen legen würde und die nur zu sehr geeignet sind, den Krieg zu verlängern. Die von der sozialdemokratischen Partei seit langer Zeit geforderte Aufhebung des Belagerungszustandes ist nicht er- folgt, auch die Freigabe der Erörterung der Kriegsziele ist bisher nicht zugestanden worden. Trotzdem sind die An- nexionswünsche gewisser Kreise immer wieder an die Oeffent- lichkeit gekommen und zur Stimmungsmache im feindlichen Ausland benutzt worden. Nachdem nunmehr am 1. August d. I. in zahlreichen deut- schon Städten Versammlungen des„Nationalen Ausschusses zur Herbeiführung eines ehrenvollen Friedens" stattgefunden haben, in denen von den meisten Rednern Kriegsziele, viel- fach in annexionistischem Sinne erörtert worden sind, ist es eine unabweisbare Pflicht der Regierung, die Erörterung der Kriegsziele allgemein frei zu geben. Wir haben daher in einer Eingabe an den Reichskanzler die Freigabe der Kriegs- zielerörterungen erneut dringend gefordert. Die Parteiorganisationen im Reiche fordern wir auf, demnächst öffentliche Versammlungen zu veranstalten, in denen zu den Kriegs- und Friedenszielen Stellung genommen werden soll. Auch ersuchen wir, Vorbereitungen für die Unter- zeichnung einer Petition zu treffen, in der ein Friede ver- langt wird, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern er- möglicht und unserem Land die territoriale Unversehrtheit, ( Unabhängigkeit und wirtschaftliche Entwicklungsfreiheit gc- währleistet. Berlin, den 11. August 1916. Der Vorstand derZSpzialöemokratischen Partei Deutschlands. «km sächsisches ElektrizitätS' Monopol. I. � Anfang Juli hat eine Zwischendeputation der Zweiten Sächsischen Kammer, die seit der Vertagung des Landtags im Frühjahr ihre Beratungen aufgenommen hatte, die Ver- Handlungen über einen Plan geschlossen, der über die Gren- zen Sachsens hinaus Beachtung verdient. Er bezweckt näm- lich� die Errichtung eines Staatsbetriebes zur Elektrizitäts- Versorgung des Landes, der schließlich die gesamte Strom- erzeugung in sich vereinen soll. Wenn auch kein gesetzliches Staatsmonopol für die Produktion elektrischer Kraft gc- schaffen werden soll.�so steuert der Plan doch auf ein tatsäch- liches Monopol des Staates hin. Da der ungeheuere Finanz- bedarf des Reiches, der durch den Weltkrieg geschaffen wurde, den Gedanken von Reichsmonopolen neu geweckt hat, wobei mehrfach auf die Erzeugung des elektrischen Stromes als Gegenstand eines solchen Monopols verwiesen worden ist, so darf der' sächsische Plan im Reich besonderes Interesse bean- spruchchWji, folgt iPx�eii. Im der'weitgehenden Zersplitterung,'die die lPtrnilWCzrchgupg izch.Verteilung des Landes charakterisiert � e?veslehen Tal ElArizitatsunternchmungen bzw.-gescll- schaften sehr verschiedene' Größe, von denen einige allerdings nur den Kleinverkauf des Stromes betreiben, den sie von den Werken anderer Gesellschaften beziehen—, bilden die Werke und Leitungsnetze der Gemeinden und Gemeindeverbände den überwiegend größten Bestandteil. Unter ihnen entstand ein engerer Zusammenschluß, der zunächst durch die sächsisckie Biirgermeistervereinigung getragen wurde. Im Jahre 1912 aber erhielt er einen besonderen Körper in dem Verband der im Gemeindebesitz befindlichen Elektrizitätswerke Sachsens (kurz Elektroverband genannt). Er setzte sich zum Ziel die usämmenfassung der Elektrizitätsversorgung in der technisch und wirtschaftlich vollkommensten Betricbsform und die Ab- wehr eines Monopols von Privatgesellschaften, wozu in Sach- scn mindestens Ansätze vorhanden seien. Trotz des Ueber- gewichts der kommunalen Werke erschien ihre Stellung näm- lich bedroht durch das schnelle Ausbreiten großer privater Elektrizitätsgesellschaften, die Tochtergründungen der mäch- tigen und kapitalkräftigen Konzerne, der Allgemeinen Elek- trizitätsgescllschaft(A.E.G.) und der Siemens-Schuckert- Werke(S.S.W.) sind. Diese neueren Privatwcrke mit Ueber- landwerken— die älteren ohne Ueberlandnetze sind Klein- betriebe, die die Stromerzeugung meist nur als Nebenzweig einer Fabrikanlage betreiben—, lieferten zwar 1914 erst rund 48 Millionen Kilowattstunden gegen rund 14L»ch Mil- lionen Kilowattstunden, die von den Werken der kommunalen Körperschaften erzeugt wurden. Daneben stehen noch 13 Millionen Kilowattstunden, die von gemischt-wirtschaftlichen Unternehmungen, an denen Privatgesellschaften neben Ge- meindeverbänden beteiligt sind, aufgebracht wurden und einige andere kleinere Posten. Es stand also einem Anteil der großen Privatwerke von 24,2 Proz. an der Gesamtstrom- erzeugung eine solche von 69,3 Proz. der kommunalen Werke gegenüber. Aber im Zeitraum von 1995 bis 1914 waren die elfteren weit schneller als die letzteren gewachsen. Von 2)� Millionen Kilowattstunden stieg die Leistung der Privat- werke in dieser Zeit auf 48 Millionen, also um mehr als das 14fache. Die kommunalen Werke hatten dagegen im selben Zeitraum ihre Kilowattstundenzahl von 33 aus 145)� Millionen, um etwa das 4ch�fache erhöht. Da zudem vcrschic- dcne der kommunalen Werke notleidend oder technisch über- holt sind, während die großen Privatgesellschaften den starken Rückhalt der Elektriziätskonzerne haben und ihre Werke meist neueren Ursprungs und technisch modern sind, so waren die Bestrebungen des Elektroverbandes schon begründet. Gleich nach seiner Gründung schritt der Verband zur Ausarbeitung eines Planes für die Zusammenfassung der kommunalen Werke zur Stromerzeugung. Er sah die Er- richtung je eines Großkraftwerkes im Osten und im Westen Sachsens in unmittelbarer Nähe von Braunkohlengruben vor, so daß das Heizmaterial nicht durch Frachtkosten verteuert -wurde.(Die Wasserkräfte Sachsens sind ftir Elektrizitäts- erzeugung im großen zu gering.) Der Strom sollte den kommunalen Werken zu einem Preise zugeleitet werden, daß die kleineren und mittleren Werke mit veralteten Einrich- tungen und hohen Selbstkosten vorteilhaft stillgelegt werden konnten. Nur vier bis fünf technisch aus der Höhe stehende Werke sollten im ersten Jahrzehnt zur Reserve und Unter- stützung der Verbandszentralen weiter betrieben werden: der Verband sollte sie pachtweise übernehmen. Die Anlagekosten berechnete' der Plan auf etwa 60 Millionen Mark, wofür neben den beiden Kraftwerken die Hauptleitungen,' die 199 999- Volt- Strom verteilen, 9 Hauptwerke, die ihn auf 39 999 Volt transformieren, und die Leitungen für den 39 999- Volt- Strom hergestellt werden sollten; außerdem waren noch 2 Millionen Mark für den Ankauf eines Braun- kohlenfeldes im Osten vorgesehen, das die Stadt Dresden für diesen Zweck bereits erworben hatte. Für das Westwerk sollte die Kohlcnlicfcrung durch eine Privatkohlengrubc er- folgen, die einen langjährigen Vertrag anbot. Dem Plan waren eingehende Berechnungen über die Kosten der Stromerzeugung beigegeben, die seine Wirtschaftlichkeit erweisen sollten. Für den Strompreis, den die angeschlossenen Gemein- den und Gemeindeverbände zu zahlen hätten, war ein Tarif ausgestellt, der Abstufungen je nach der Menge des im Jahre entnommenen Stromes und nach der Benutzungsdauer der Höchstbelastung vorsah. Der höchste Preis sollte 6,5 Pfennig die Kilowattstunde betragen— bei einem Jahresverbrauch bis 5 Millionen Kilowattstunden und bis 1999 Stunden Be- Nutzungsdauer der Höchstbelastung, der niedrigste 2,25 Pfennig bei 59 bis 199 Millionen Kilowattstunden �Jahresverbrauch und über 3999 Stunden Benutzungsdauer der Höchstbelastung. Die Kosten der Anlagen sollten durch eine Anleihe des Ver- bandes ausgebracht werden. Der Verband mußte natürlich die Zustimmung der Re- gierung zu seinem Plan haben. Diese verhielt sich auch anfänglich nicht ablehnend, förderte die Vorarbeiten durch Ge- Währung eines Darlehens von 199 999 Mark und noch im Jahre 1914 hat das Finanzministerium zwar unverbindlich, aber grundsätzlich eine finanzielle Beteiligung des Staates an dem Unternehmen in Aussicht gestellt, wenn der Staat dadurch Teilhaber werde und Vertretung in der Geschäfts- leitung und Beaufsichtigung erhalte. Ende Okotbcr 1915 aber gab die Regierung bekannt, daß sie ihre Haltung zum Ver- bandsplan geändert habe. Sie legte dem Landtag eine aus- ftihrliche Denkschrift vor, in der sie die Zusammenfassung der Elektrizitätsversorgung in Staatsbetriebe für notwendig erklärte und die Grundzügc für diesen Betrieb entwickelte. Ihr Plan stimmt in wesentlichen Punkten mit dem des Verbandes überein, er sieht auch je ein Großkraftwerk im Osten und Westen in dcrNähe vonVraunkohlenlagern vor, geht aber über ihn hinaus mit dem Ziel, die großen privaten Elektrizitäts- Unternehmungen in absehbarer Frist in den Staatsbetrieb auf- zunehmen. Da diese Gesellschaften für ihre Leistungen öfter staatliche Grundstücke und Wege benutzen müssen, wozu ihnen die Erlaubnis nur auf jedcrzeitigen Widerruf erteilt worden ist, meint die Regierung ein Mittel in der Hand zu haben, um die Gesellschaften zu Verträgen zu gewinnen, nach denen sie innerhalb 19 bis 15 Jahren zu angemessenen Bedingungen ihre Werke und Leitungsnetze übernehmen würde. Im Gegen- satz zum Plan des Elektroverbandes wollte jener der R�gic- rung indes nicht den Bau neuer Kraftwerke, sondern den Erwerb zweier großer und moderner Werke von Privatgesell- schaften. Für den Osten wurde das Werk Hirschfelde der Elektrizitätslicfcrungsgescllschaft(E.L.G.), einer Tochter- gescllschaft der A.E.G., zum Ankauf in Aussicht genommen. Das Werk ist neu und noch lange nicht voll ausgenützt. Es liegt direkt an Brauukohlengrubcn und in der Nähe befinden sich staatliche Braunkohlcnfelder, die bei Bedarf in Angriff genommen werden können. Die Denkschrift der Regiming enthielt einen Vertrag mit der E.L.G., wonach das Werk für 5 Millionen Mark in seinen Besitz überginge. Nach Ge- nehmigung durch den Landtag sollte er sofort in Kraft treten. Für den Westen hatte der Staat den Ankauf eines Werkes noch nicht vorgesehen; er wollte sich dort vorerst mit dem Erwerb von Anteilen eines Privatwerkes begnügen. Mit einer Beteiligung bis 49 Proz. gedachte er sich genügenden Einfluß zu sichern, später erst sollte er Volleigentümer werden. Ueberhaupt entwickelte die Regierung nicht, wie der Elektroverband, einen bis aufs letzte ausgearbeiteten Plan, sie gab weder Rentabilitätsberechnungen noch Tarifverträge, sondern zeichnete die allgemeinen Umrisse des Unternehmens. An konkreten Maßnahmen sah sie vorerst nur den Ankauf des Werkes Hirschfelde Und den Bau einer Fernleitung nach Dresden bzw. Freiberg vor, der aber erst nach Beendigung des Krieges in Angriff genommen werden kann. Als erste Rate für die Arbeiten forderte die Regierung vom Landtag die auhcretatsmäßige Betvilligung von 29 Millionen Mark. Nationalausschuß und Sozial- Unser Nürnberger Parteiblatt, die„Fränkische Tages- po st", hatte, neben einigen anderen Parteiblättern, seinem Bedauern Ausdruck gegeben, daß der sozialdemokratische Abgeordnete Nürnbergs Dr. S ü d e k u m neben August Müller und Anton Fendrich als Redner des Deutschen Nationalausschusscs an den Veranstaltungen vom 1. August teilgenommen hat. Dr. Südekum richtet nun an die„Fränkische Tagespost" ein Schreiben, in dem er die Gründe für seine Beteiligung an den Versammlungen des Ratio- nalauSschusseS darlegt. Das Schreiben lautet in seinem wesentlichen Teil: „Die Gründe, die mich bewogen, die günstige Gelegenheit einer zuiälligen Anwesenheit in Mannheim am t. August nicht unge- nützt zu lassen, sondern der Einladung des Nationalausschusses zu einer Rede in jener Stadt zu entsprechen, sind im wesentlichen' die folgenden� Zunächst halte ich es angesichts des immer Iviedcr be- tonten Willens der leitenden Staatsmänner unserer Feinde, den Krieg bis zur Niederringung oder Vernichtung Deutschlands fort- zusetzen, für eine heilige Pflicht, meine Landsleute aus allen Kreisen der Bevölkerung bei aller Betonung unseres Friedens- willens zum entschlossenen Durchhalten aufzurufen; diese Pflicht wird durch das gewissenlose Treiben eines Teils der sogenannten Parteiopposition und durch die Lauheit vieler Sozialdeuwkmten, die grundsätzlich mit der Politik des 4. August einverstanden sind, des A n- Der noih dringlicher gemacht. Sodann glaube ich, daß es durchaus not- wendig ist, dem Treiben der sehr rührigen Anneltionisten entgegen- zutreten und dazu die Mitarbeit sehr weiter, über die sozialdemo- kratische Arbeiterschaft hcrauöreichender Kreise zu gewinnen. Um der Wahrheit und meinem Vaterland zu dienen, nicht um den be- teiligten Personen zu gefallen, kämpfe ich drittens gegen die in- famen Verdächtigungen, mit denen der Reichskanzler und alle die- jenigen überschüttet werden, die seiner Friedenspolitik Unter- stützung leihen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, daß ich in jedem Punkt mit jedem übereinzustimmen brauche, der sich an diesem Werk beteiligt. Endlich habe ich die Rede in Mannheim auch aus dem Grund gehalten, um der nach meiner Ansicht nütz- lichen und nötigen Erörterung der Friedensfragen den Weg bahnen zu helfen; die zuständigen Behörden werden auf die Länge der Zeit den Parteien nicht versagen können, was sie dem National- ausschuß gewährten." Die Redaktion der„Fränkischen Tagespost" antwortet darauf: „Zu dem uns heute zugegangenen Briefe haben wir zu be- merken, daß tvir gar keine Veranlassung haben, von unseren? Bedauern über die Teilnahme des Ge- nossen Südekum an der Veranstaltung des Na- tionalausschusses auch nur das Mi n de st e zurückzunehmen. Genosse Südekum vergaß auch in diesem Falle, daß es nicht gleichgültig ist, welche Kreise und Absichten man durch sein Hinzutreten als Sozialdemokrat unterstützt. Was Genosse Südekum in Mannheim gesprochen hat, wird bald der Erinnerung seiner Zuhörer entschwunden sein, daß er aber mit Harnack, Arndt, Naumann, Götz, Marcks, Zicgler, Blume, Rahrbach, mit Zentrums- leuten, Nationalliberalcn, Fortschrittlern zusammen an einer Ab tion teilgenommen hat, daß er damit die Sozialdemokratie für die Aktion mit verantwortlich gemacht hat, das i st das Entscheidende...." Das Blatt zitiert darauf die bekannte Resolution des Partei- ausschusses vom 21. Juli(siehe„Vorwärts" Nr. 200) und fährt dann fort: „Die übergroße Mehrzahl der Redner Deutschen Nationalausschusses hat sich für n e x i o n e n erklärt. Das war durchaus nicht erstaunlich. Deutsche Nationalauöschuß berief sich vor dem t. August auf eine Erklärung des Reichskanzlers über die Kriegsziele dem General- Fcldmarschall v. Hindenburg gegenüber: Vortragung der Grenzen im Osten, reale Garantien im Westen; ohne beide kein Friede und kein Aufgeben der be- setzten Gebiete. Da diese Erklärung des Deutschen National« ausschusses im Widerspruche steht mit der B e s ch l u ß f a s- s u n g des P a r t e i a u s s ch u s s e s, der in diesem Falle von der weitaus überwiegenden Masse der� Partei getragen wird, so haben wir alle Veranlassung gehabt, unser Bedauern auszudrücken, daß sich Genosse Südekum in den Kreis der Redner des Deutschen Natiunalausschusses begeben hat. Daß eine zufällige Anwesenheit des Genossen Südekum in Mannheim am 1. August diesen folgenschweren Entschluß mit ver- anlaßt hat, ist uns natürlich neu. Wir glaubten, daß so wichtige Aktionen durch derartige Nebensächlichkeiten nicht bestimmt werden, Genosse Südekum hat aber auch andere Gründe, leider nur nichj den Grund, daß er nicht auf eigene Faust, sondern im En Verständnis mit den Parteiorganen gehandelt hat. Genosse Süd! kuui war ein starker Rufer im Streite, als die Genossen Haast Bock. Schtoarz usw. aus der sozialdemokratischen Fraktion aus schieden. Wer bei anderen die Politik auf eigene Faust verurteilt, darf nicht selbst in dieser Politik besonders glänzen. Das Vertrauen des Genossen Südekum zum Reichskanzler ist sehr stark. Ob es begründet ist, ist eine ganz andere Frage. Gerade über die Kriegsziele stehen sich ja Erklä- rungen des Reichskanzlers unvereinbar gegenüber, so die dem Ge- Nossen Scheidemann gegenüber und die dem Generalfeldmarschall v. Hindenburg gegenüber, und die Vertreter der sechs Verbände deuten an, daß auch ihnen gegenüber der Reichskanzler ein anderes Kricgsziel aufgestellt hat.... Das veranlaßt uns zu aller Zurückhaltung dem Reichskanzler gegen- über in der Frage der Beendigung des Krieges, ganz abgesehen von all der Zurückhaltung, die uns seine innere Politik und seine Ernährungspolitik aufzwingen. Genosse Südekum hofft von der Tätigkeit des Deutschen Na- tionalausschusses die Freiheit der Erörterung der Friedensfragen. Ader selbst in Mannheim konnte nur der Redner des Deutschen Nationalausschusses sprechen. Auch dort galt cS als selbstverständ- lich, daß keine Diskussion möglich war. So läßt heute die von Genossen Südekum uns aufgenötigte Betrachtung seine Wirksamkeit im Rahmen des Deutschen National- ausschusses nicht minder bedauerlich erscheinen, als an dem Tage, als das Wolffsche Depeichenbureau ihn im Kreise der mehr oder minder lebhaften Annexionisten vorgeführt hat." Was unser Nürnberger Parteiblatt, das bekanntlich in den Parteiauseinandersetzungen eine vermittelnde Haltung einnimmt, gegen Südekum sagt, gilt natürlich auch für Fendnch und vor allem für Dr. August Müller, der in der Oeffentlichkeit als„Vor- treter" der Sozialdemokratie im Vorstand des Kriegscrnährungsamts betrachtet wird. Wir haben vergeblich gelvartet, daß die Kreise, die hinter den Beschlüssen des Parteiausschusses stehen und die sonst mit Mißbilligungs- und Verdammungsurteilen gegen die Linke so schnell bei der Hand sind, sich zu dem eklatanten Verstoß der Süde- kum-Müller-Jendrich gegen den Beschluß des Parteiausschusses äußern würden. Da dies bisher nicht geschehen ist und die breite Oeffentlichkeit daraus falsche Schlüsse über die politische Haltung der Partei ziehen könnte, sehen wir uns, im Anschluß an die Aeußerun- gen der„Fränkischen Tagespost" zu der Feststellung genötigt, daß die Partei mit der„Sonderaktion" der drei NationalauSschutz-Sozial- demokraten nicht das geringste gemein hat. Mang lies Elchen Mülfiers. Amtlich. Gr»ße»HaaPtq»artier, 10. August 1316.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der Artilleriekampf zwischen dem Aucre-Bach und der Somme wird mit großer Kraft fortgesetzt. Englische Angriffsabsichten bei Bazcntin-lc-Pctit wurden durch Feuer unterbunden. Die Zahl der seit dem 8. August in unsere Haud gefallenen unverwundcten Engländer hat sich auf 13 Offiziere und 563 Manu erhöht. Zwischen Maurcpas und der Somme fcheitertcu abends und während der Nacht acht französische Angriffe. Rechts der Maas wird, abgesehen von kleinen Hand- granateukämpfeu, keine Artillerietätigkcit gemeldet. Im Luftkampf und durch Abwehrfeuer sind zwei feind- liche Flugzeuge südlich von Bapaume, je eins südlich von Lille, bei Lcns nnd bei Saarburg i. Lothr. abgeschoffcu. westlicher Kriegsschauplatz. Frout des G e n c ral f e l d m a r sch all s von Hindenburg. Südlich von Smorgon herrschte lebhafte Feuer- und Patrouilleutiitigkcit. Mehrfache russische Angriffe sind am Strumien bei Dubczycze, am Stochod bei Lubicszow-Bcrezycze, bei Smolary-Zarecze und bei Witoniez blutig abgewiesen; bei Zarecze nahmen wir bei Gegenstößen 2 Offiziere 346 Mann gefangen. Unternehmungen kleinerer feindlicher Abteilungen nnd ein Ucberruuipelungsversnch im Stochodbogen östlich von Kowel bliebe« ergebnislos. Südlich von Zalocze entwickelten sich heute früh neue Kämpfe. Front des F eld m arschallcntnautS Erzherzogs Carl. Bei»ud südwestlich von Wclesuiow find starke russische Augriffe, teilweise im frischen Gegenstoß, zurückgeschlagen. Hier und südlich des Dnjestr sind die befohlenen neuen Stellungen planmäßig eingenommen. Balkan-Kriegsschauplatz. Keine Ereigniffe von besonderer Bedeutnng. Oberste Heeresleitung. Amtlich. Ä r r 1 i«, Ei« Geschwader' ünfere/ mittags vor der flandrische« Ä de' englische Monitore und leichte Streit- kräfte erfolgreich mit Bomben angegriffen und mehrere einwandfrei festgestellte Treffer er- zielt. Am gleichen Tage sind ferner die russischen Flugstatiouen AreuSbnrg und Lebara auf O e s e l von mehreren deutschen Wasserfiugzeuggcschwadcr« mit gntcm Erfolge angegriffen worden. Eine An- zahl Treffer wurden einwandfrei beobachtet. Die Flugzeughalle Arensburg ist schwer beschädigt, die Decke ein- gestürzt. Bon den zur Abwehr aufgestiegenen feindlichen Flugzeugen wurde eins gezwungen, niederzugehen. Der französische Tagesbericht. Paris, 10. August.(SB. T B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch nachmittag. Nördlich der Somme versuchten die Deutschen heftige Gegenangriffe gegen die von den Franzosen gestern und vorgestern nördlich des Gehölzes von Hem eroberten Stellungen. Diese im Feuer gescheiterten Versuche kosteten den Deutschen schwere Verluste. Sie wurden zurückgeschlagen, ausgenommen an einem Punkte, wo sie einen Schützengraben wiedereroberten, der durch einen französischen Angriff zum großen Teil wieder genommen wurde. Das Vordringen der Franzosen in den Stücken, welche die Deutschen besetzt hatten, geht mit Hilfe von Handgranaten lebhaft weiter. Zwischen dem Gehölz von Hem und dem Flusse beschossen die Deutschen mit schwerem Geschütz die Stellungen, welche die Franzosen ausbauen. In der Gegend von Chaulnes dauert der Artilleriekampf besonders zwischen Lihons und der Bahn nach Chaulnes kräftig fort. Dort drangen die Deutschen an einem Punkte in vorgeschobene französische Grabenstücke ein, aus denen sie unverzüglich mit dem Bajonett herausgeworfen lourden. Auf dem rechten Ufer der Maas dauerte der Kampf um Thiaumont einen Teil der Nacht über an. Nachdem zahlreiche deutsche Angriffe abgewiesen worden waren, faßten die Deutschen dort erneut Fuß, während die Franzosen weiterhin die nächsten Zugänge zum Werk besetzt halten, das ihre Artillerie energisch uiiter Feuer genommen hat. Im Dorf Fleurh machten die Franzosen mit Handgranaten einige Fortschritte. Sie schlugen nach lebhaften Kämpsen einen deutschen Angriff auf einen ihrer Schützengräben im Walde von Vaux und Chapitr« ab. Alle Flugzcnge find trotz heftiger Beschießung durch die englischen und russischen Streitkräfte unversehrt zurück- gekehrt. DerChefdeSAdmiralstabesderMarinc. ** M öslmellMe EeliMMMW. Wien, 16. Angnst 1916.(W.T.B.) Amtlich wird ver« lantbart: Rnffischcr Kriegsschauplatz. HeereLfront des Feldmarschallrutnants Erz- Herzogs Carl. Auf den Höhen südlich von Zabic wiesen östrrreichisch-ungarische Truppen ciiicn russischen Angriff unter schweren Fcindvcrlustcn ad. Mit der Slrmcc dcS Generalobersten v. Kocveß trat der Gegner gcpcrn nur im Räume von Telalyn in schärfere Gcfcchlsfühlung. Nördlich vonNizniow griffen dicRuffca wieder vergeblich an; sie wurden überall— an mehreren Stellen im Nahkampf— gcworicn. HccrcSfront dcö G e n r r a l f c l d m a r s ch a l l S v. H i n d e n b u rg. Südlich von Zalorzc sind seit heute früh neue Kämpfe entbrannt. Westlich»nd nordwestlich von Luck verhielt sich der Gegner nach den schweren Mißerfolgen vom 8. d. MtS. ruhiger, dagegen trieb er nördlich der von Sarny nach Kowel führenden Bahn abermals seine Massen bei Tag nnd bei Nacht zum Angriff über den Stochod vor. Seine Sturmkolonnen brachen meist schon vor unseren Hindernissen zusammen; sie erlitten durchweg schwere Niederlagen; die Verluste der Russen sind wieder sehr groß. Italienischer Kriegsschauplatz. Entsprechend der durch die Räumung des Brückenkopfes von Görz eingetretenen Lage wurde die Stadt aufgegeben und nach blutiger Abweisung neuerlicher italienischer Angriffe auf der Hoch- fläche von Dobcrdo die gebotene Berichtigung unserer Stellungen — vom Feinde uiigestört— durchgeführt. In diesem Räume nahmen unsere Truppen in den letzten Tagen 4166 Italiener gefangen. Beim Einbruch des Gegner« in den Görzcr Brückenkopf tonnten sechs unserer Geschütze nicht mehr geborgen werden. Gestern richteten sich die stärksten Anstrengungen der Italiener gegen den Abschnitt von Plava. Nach zwölfstündigcm Artillcrie« Massenfeuer griff die feindliche Infanterie Zagora viermal, die Höhen östlich von Plava dreimal an. Alle diese Stürme brachen sich am festen Widerstand unserer Truppen, unter denen sich Abteilungen der Jnfautrricrrgimenter Nr. 2'i und 53 ncnerdings auszeichneten. An der Tiroler Front scheiterten mehrere Angriffs- versuche dcö Feindes in den Dolomiten und drei Angriffe auf unsere Stellungen im Pasubiogcbiet. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine Ereignisse von Belang. Ter Stellvertreter de« EhcfS dcS GencralstabeS: WWW''' v. Horfcr, Fcldmarfchallentnant. K * b*, Dpa rifiack Ereignisse zur See. Gesuch der«ittKoufchcu Großlampfflugzcugc in Fiumc am 1. dieses Btast«»«Mdtz-liiU der Nacht vom 9. auf den 16. von unseren Geschwätz««,, tWlsammcn 21 Secflugzciigcn, in Venedig erwidert, wo sie daS Arsenal, Bahnhos, militärische Objekte und Fabrikanlagcie' mit Bomben im Gesamtgewicht von dreieinhalb Tonnen mit verheerendem Erfolg belegten. Ein Dutzend Brände wurden hervorgerufen, davon zwei mit sehr großer Ausdehnung bei der Baumwollfabrik und in der Stadt, dir noch auf 25 Meilen Entfernung fichtbar waren. DaS heftige Abwehrfeuer der Batterien war ganz wirkungslos. Alle Flugzeuge sind unversehrt eingerückt. Flottenkommando. Luftkrieg. Ein französischer Flieger verfolgte ein feind- licheS Flugzeug südlich von Lunöville und zwang eS, vor den fron- zösiichen Linien zu landen, wo die Artillerie es zerstörte. An der Maasfront lieferten französische Flieger zahlreiche Kämpfe. Sechs deutsche, ernsthaft getroffene Flugzeuge gingen jäh in ihren Linien nieder. Ein deutscher Fesselballon wurde zerstört. In der Nacht zum 9. August warfen französische Flieger Geschosse auf die Pulver- fabrik von Rottweil am Neckar. 156 Kilogramm auf die Gebäude abgeworfener Explosivstoffe riefen dort Brände und Explosionen her vor. Abteilungen von 26 und 36 französischen Fliegern flogen über die Vogesen und den Schwarzwald. Im Laufe derselben Nacht warfen französische Geschwader 24 Geschosse auf die Bahnhöfe von Andun le Roma», Longuyon nnd Montmedy und 38 auf die Eisen- bahnstrccke von Tergnieres nach dem Bahnhof von Lasröre. Paris, 16. August. u'.io noch im April dieses JahreS glückliche Vorst öf.e gegen, ihn. Man wird abwarten müssen, weiche Bedeutung der Angriff des 4. August hat; noch ist nicht zu erkennen, ob es sich wirklich um den Anfang eines allgemeinen Vorgehens gegen Aegypten, um einen TäuschungSvcrsuch oder eine Erkundung größeren Stils handelt. Vergessen aber wollen wir nicht, daß hier einer der ver- wundbarsten Punkte des britischen Weltreiches if; der Verlust des Suezkanals und Aegyptens würde unabsehbare Folgen haben,(z) Ntelöung öe? itallemfchen heeresleititNA. Rom, 9. August.(W. T. B.) Amtlicher Berich t. Unsere Truppen sind heute in Görz eingedrungen. Unsere Infanterie holte ichon am Morgen nach einer Iräitigen Arnllericporbcrciiung die Eroberung der Höhen von Oslavia und Podgora vollendet, indem sie die letzten feindlichen Ablciluiigcn vertrieb, die sich dort noch eingenistet halten. Tie Grüben und Unterstände wurden voller feindlicher Leichen angelrosfen. Wir fanden überall Waffen, Munition und Material aller Art. das von dein in voller Auslösung befind- lichen Feind zurückgelassen worden war. Bei hcranbrcchender Nackt übcrschriitcn Abteilungen der Brigaden von Caialc und Pavia die Furt am Jsonzo, wo der Feind einen Teil der Brücken gesprengt hatte, und versckanzten sick auf dein linlcn Ufer. Eine Kolonne, bestehend aus Kavallerie und Bcrsaglreri zu Rad, wurde alsbald auf daS andere Ufer zur Verfolgung aus- gesandt. Die unermüdlichen Pioniere bauten schnell im Feuer der feindlichen Artillerie Brücken und besserten die vom Feinde be- schädigten aus. Auf dem Korst wurden neue feindliche Angriffe auf die Gipfel deö Monte San Michcle abgeschlagen und im Sturm neue Grüben in der Nachbarschaft deö Ortes San Martina genommen. Die Gesamtsumme der bisher gezäbltcn Gefangenen beträgt über 10 000. Andere treffen fortgesetzt in den Sammelplätzen ein. Es ist noch nicht möglich, die gesamte Kriegsbeute feftzuslcllen. Sie wird sehr groß sein. C a d o r n a. Die Kämpfe am Suezkana!. London, 9. August.(W. T. B.) Reuter meldet amtlich aus Aegypten: Die Verfolgung des Feindes in der Gegend von Katia dauert fort. Es sind nock mehr Gefangene gemackr worden. Die Nachhut des Feindes hat sich jetzt auf eine Linie zurückgezogen, die in nord-südlichcr Richtung durch Btr-cl-Abad, 15 Meilen östlich von Katia, läuft._ vom v-Hoot-Krieg. Kopenhagen, 10. August.ehn. Ruhe sanst in Feindesland. Gewidmet von Deinen l. Ellern. Marie Schmidt als Mutter. Ernst Schmidt als sliesvater. Zossener Str. 51. Otto Zittwitz als Bruder, im Felde. 1081b Am 8. August entschlief nach 1 kurzem, schwerem Leiden unser lieber Bruder, Schwager und j Onkel, der Zigarrenhändler Robert Roseraann | im Alter von 57 Jahren. Dies zeigen an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am ronnabcnd, den 12. August, nach- ! mittags 4'/, Uhr, aus dem Jakobi- ! Kirchhof, Neukölln, Hermann- slratze 100, statt. 142A Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS herzlichen Dank. 147 A Zurückgekehrt! Dr. Süberslein, .Venkölln, Berliner Str. 93. iprechstimben 8— 10, 4— 6. HeuferslDcrfc Heines Werke ■ 3 Bände 4 Mark• Buchhandlung vorwärts 3 Bände 4 Mark• Buchhandlung vorwärts Arbeiter- Gesundheits- Bibliothek Heft ftcft Hess het Heft hefi Heft Heft«. hell S. Keft 10. hcst 12. Heft 13. Heft 14. Heft 15. Heft 16. Heft 17 Lie erste HUse bei UnglüctSjölleit. von Sc. Christeller Dos erste Lebensjahr, von Dr. Siwerftein Gcjundheilspstcge de» Ilerveujystems. von Sc. Hirschlatt Der Achtfwildentag. Loa Dt. Aadet-Lerlin Altoholjrage und Arbeiterllasse. Von Dr. Fröhlich Das Schiilkiiid. von Dr. Silberjle>!> Geichlechtsvertehr»ad Sejchlcchlskranwcilen. von Dr. Geber! Nahrung und Ernährung, von Dr. Chajes wie loben wir uns kleiden? Von Dr. P. Lmssleio Der Arbeilerjchntz. von Dr. III. Epstein Vom tuedifimschai Aberglauben, von Dr. E. Theflng Da» wasserheilvertahren>n der Gcjuadheitspjlege de» Ar- betters. von Dr. S. INunIcr verhülung und Heilung de» Stottern», von L. Zorbau Gejchlechstiche Erziehung in der'ürbellertaraifie. von Dr. Z. Martuie Zähne and Zahnpstege. Loa Gertrud Arwatd. Vau und Lebenslötigkeil de» men-chllchcn Körper», von Dr. Ehristeller. Alst zahlreichen ZUuslcatioiiea Heft 13. Der Gejchlechtstricd. von Ednard vernslria hest 19. Die Sranteapstege im Hanse, von Zoh. Aaaker-Aianaheiin Heft 20. Die protetarierkraakheit, ihre Entstehung und Verbreitung, Lerhmuag uad Heilung, von Dr. Zadet-Lerlin Heft 21. Atemgymnastik. Loa Otto Kühle. MI zahlreichen östujtratioaeu hest 22. haut- und Haarpflege, von Dr. B. Ehajes-Lerlta hest 23 wie hüten wtr uns vor Herzkrankheiten- von Dr. E. Kehfisch hei» 24. Die Hygiene der Urbeiterwohnuug. Loa Hugo hillig-hamvac- heil 25. Die Schmarotzer de» Aieuichen. von Dr.'ll. Lipichütz hejt 2b. Die krantheitru de» Ohre», der Rase und de» Aachen». Heft 22. Sport und Arbeiter, von Dt. Silberstein Heft 28. Die Zahre der Geschtcchtsreise. von Dr. Popitz-Leipztg Heft 29. vosksernährung. von Dr. Zulian Alartusc Heft 30. Die Serusswaht mit Rücksicht aus die Tau.tllchteit jiir den Berus, von Dr. Zadek-Lerlin Heft 31. Die Berufskrankheiten der Buchdrucker, von Dr. Stiberstein Heft 32. Die Arzneimittel und ihre Verwendung, von Dr. iL Lipjchüh hcft 33. Da» Auge und seine Erkrankungen, von Dr. 10. Seeügsohu Heft 34. Die Bernsskrankheiten der Sasarbeiler. von Dr. w. Hanauer Heft 35. Di« Berusskrankheitcn der Schneider und Texftlarbeiler. Von Dozenl Dr. Groljahn hefi 36. Die Berufskrankheiten der Maurer und Bauarbeiter. Loa Dr. med. E. Theftng-Magdedurg Heft 37. Die Sredskrankhell von Dr. Z. Zadei jr.-Berlw klnjere Genutzmlllei. von Dt. A. Lipjchüh Die Berusstrankheilen der Maler. Anstreicher uad Lackierer. von Albert Fleck Die Sernsskrnakheileu der Landarbeiter, von Dr. Groin ach Aedes tzzeft kostet 20 Pfeaniq ®utc Ausgabe aus holzfreiem Papier jedes fieft 50 Pjennig Die Abhandlungen sind für jedermann verständlich qef chrieben vnd olltea w keiner Aamilie fehlen. Jedes Heft»st für sich abgeschlossen und einzeln käuflich Wo es der Inhalt erfordert, sind Abbildungen beigefügt 41 SMMlW BörroStts Bau! Sinm S.m.b.h..Berli!! SV.K8 hest 38. Heft 39. Heft 40. D wälhreftd H des iCrseges Preis 40 Pf. Ein Buch, das Auskunft gibt über Farnlllenunter- Stützung. 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Die deutsche Beute besteht in 2 Batterien, 4 Maschinengewehren und 700 Gefangenen. An her österreichisch-russischen und österreichisch-serbischen Grenze kleinere Zusammenstöße. Die deutsche Flotte ist an drei Stellen in Aktion getreten. Mehrere kleine Kreuzer beschossen den Sriegshasen von Libau. In der Bordsee wurden mehrfach Vorstöße unternommen, ohne auf einen Gegner zu stoßen. Endlich beschossen deutsche Schiffe die Küste von Algier. Die.Kreuz-Zeitung" veröffentlicht eine Zuschrift über die Teil- nähme der Gewerkschaften an den Erntearbeiten, in der es heißt: „Die freien Gewerkschaften sammeln nicht— wie das Blatt fgemeint ist ein Montagsblatt) weiszumachen sucht— feurige Kohlen auf die Häupter der Agrarier, sondern sie bitten damit jetzt bei den verhaßten Gegnern um Brot, nachdem sie sahnen- flüchtig vom Lande zur Industrie desertiert waren und nun bei der Industrie kein Brot mehr finden. Durch das Mäntelchen, welches das Blatt dieser nicht von Reue diktierten Notrückkehr umzuhängen sucht, läßt sich kein selbständig Denkender täuschen." Aus Krakau wird gemeldet, daß die Russen aus Warschau abgezogen(!) seien. Aus England melden bürgerliche Blätter, daß die abreisenden Deutschen bei der Einschiffung„mit Begeisterung die„Wacht am Rhein" und„Deutschland, Deutschland über alles" anstimmten". In dem Bericht heißt es dann weiter:„Die Engländer am Kai konnten sich der Würde der Stunde nicht verschließen: sie zogen die Mützen und winkten." 1 1. August 1915. Deutsche Ostseestreitkräfte greifen erfolgreich russische Panzer- schiffe an und zwingen sie zum Rückzug. Das deutsche Hilfsschlff„Meteor" legt an der englischen Küste Minen aus und vernichtet den britischen Hilfskreuzer„The Ramsay". Bon vier englischen Kreuzern gestellt, versenkt der deutsche Komman- dant sein Schiff. Die gesamte Besatzung erreicht einen deutschen Hafen. An der Ostfront energisches weiteres Vordringen der deutschen und österreichischen Truppen. Mehr als ZOOO Gefangene werden ' eingebracht. Die polnische Fraktion im österreichischen Reichsrat, der söge- nannte Polenklub, verlangt die Schaffung eines ungeteilten König- re'.chs polen mit Galizien im Verbände der habsbnrgischen Man- archie. politische Uebersicht. Nr. S. Dem Chor der„T ä glichen Rundschau" und der „K r e u z z e i t u n g", die, anknüpfend an die innerpolitischen Verschiebungen in Rußland, für„mildernde Umstände" dem Zarismus gegenüber plädierten, schließt sich nun auch Graf E. Reventlow in der„DeutschenTageszeitung" an. In einem Artikel„Die„P o t s d a m i t e n" und S s a s o n o w" zitiert er die Aeußerung eines der Führer der „echtrussischen" Leute, Bulazel, der anläßlich der Verab- schiedung Ssasonows im„Graschdanin" schrieb, Ssasonow sei ein K o m m i S Englands gewesen und:„hätte Ssasonow sich den wilden Deutschenfressern nicht in die Arme geworfen, dann wäre es überhaupt zu keinem Kriege ge- k o m m e n. Anstatt das Auswärtige Amt zu einem russischen Ministerinm für auswärtige Angelegenheiten zu machen, ge- währte Ssasonow den Ausländern in so hohem Maße Einfluß auf unsere politischen Angelegenheiten, daß selbst die ruhigsten unter den russischen Patrioten für die Zukunft Ruß- lands in höchstem Maße besorgt sein müssen". � Diesen Ausspruch BulazelS, dem in erster Linie inner- politische Gegensätze zugrunde liegen, benutzt nun Graf Re- vcntlow, um die Echtrussen als Kronzeugen seines Stand- Punktes in der äußeren Politik aufmarschieren zu lassen: „In diesen Sätzen," bemerkt er triumphierend,„liegt ein nicht uninteressanter Beweis und eine Bestätigung unse- rer viel angefochtenen Behauptung, daß Ruß- l a n d für den großen Koalitionskrieg gegen die Mittelmächte nicht die treibendeKraft, sondern das Werkzeug Englands gewesen se i. Einen weiteren Beweis für die Richtigkeit seiner An- schauungen erblickt Reventlow in einem Artikel des Peters- burger Korrespondenten der Londoner„T i m e s", über- schrieben„Die russische Potsdamparte i", in dem über einen Vortrag des früheren Vizekonsuls in Schanghai, A. N. W o s n e s s e il s k i, über die politische Arbeit der russi- scheu„Potsdampartei" und ihren„Kampf gegen die öffent- liche Meinung in Rußland" berichtet wird. Die Potsdam- Partei, heißt es dort, sei stets gegen die russisch-englische und die russisch-japanischc Annäherung gewesen, und die russischen Teutschfreunöe betrachteten auch heute noch das russische Bündnis mit Großbritannien, Frankreich, Japan und Italien als ein nur zeitweiliges und bedauerliches Mißverständnis, welches um jeden Preis beseitigt werden müsse. Die„Potsda- miten" hätten sogar in den Ministerien Sitz und Einfluß und den Ministern Jswolski und Ssasonow ihre amtliche Tätigkeit aufs äußerste erschwert. Der Krieg habe die Pots- dampartei zuerst außer Tätigkeit gesetzt, aber schon im zweiten Jahre hätten die„Potsdamiten" versucht, Mißtrauen zwischen den Verbündeten zu säen und deutschfeindliche Beamte zu bc- seitigen. Sie arbeiteten mit allen Mitteln der Bestechung und durch Beeinflussung der russischen Presse. Herr Wosnessenski erklärte in seinem Vortag als die„schrecklichste Erscheinung in dem Wesen der Potsdampartci", daß unter den Verfechtern einer Annäherung an Deutschland sehr oft auch Personen mit rein slawischen Namen sich befänden, zumal auch frühere Kollegen des früheren Botschafters zu Berlin, Graf Osten-Sacken.— Zu diesem Bericht des ,.Times"-Korrespondenten, der unter dem Einfluß der Besorgnis um die Erhaltung der eng- lisch-russischen Freundschaft die Bedeutung der echtrussischen „Potsdamiten" in offensichtlich übertriebener Weise darstellt, bemerkt Graf Reventlow: „Vor dem Kriege sind die sogenannten„Potsdamiten", in der Duma dargestellt durch die äußerste Rechte, von politi- schem Einflüsse nicht gewesen(?). Ob jetzt eine Aenderung hierin eingetreten ist oder- eintritt, entzieht sich der Kenntnis, und ebenso wenig ist festzustellen, ob und inwieweit am Hofe und in den Aemtcrn. potsdamitische Anwandlungen sich ver- mehrt hätten. Wir erwähnen dieses Stimmungsbild des „Times"-Korrespondenten hauptsächlich als Ergänzung zu an- deren Nachrichten und Gerüchten, die bisher über russische Stim- mungcn in die Oeffentlichkeit gelangt sind." Vorsichtig fügt er dann hinzu: „Vom deutschen Standpunkte kann es kühl lassen, waS die „Potsdamiten" in Petersburg inachen und wollen." Indessen geht aus seinem ganzen Artikel, der, mit dem Echtrussen Bulazel, die These verficht, Rußland sei von Eng- land in den Krieg getrieben worden, deutlich hervor, daß die in den letzten Worten enthaltene Reserve lediglich bestimmt ist, die tiefe Zuneigung zum zaristischen Rußland zu maskieren. Gassermanns Gebot der Stunde. Der nationalliberale Parteiführer Ernst Vasscrmmm sckreibt in der„ M a g d e b u r g i s ch e n Ztg." über das„Gebot der Stunde". Eins tue not, daß wir uns freimachten von jeder Illusion und den Dingen klar ins Auge sähen. Der Krieg sei jetzt überall ein Nationalkrreg geworden.„Einerlei, ob wir nach Rußland, Frankreich, England oder Italien schauen, überall hat sich die Er- kenntnis, daß es heute um die Zukunflsgeschicke der Völker geht, Raum verschafft. Der Glaube, daß innere Schwierigkeiten die Gegner zur FriedenSbereitschafl zwingen würde», sei zunichte ge- worden: „Klar dieser Entwicklung ins Auge zu sehen, ist ein Gebot der Stunde, denn nur dann werden wir die feindlichen Kräfte überwinden, wenn auch wir bereit sind, den letzten Mann herzugeben und in unserer Energie und unserem SiegeSwillen nicht zu erlahmen." Und ein zweites erfordere volle Klarheit:„Möge man sich nicht fal s ch e n H o f fn u n g en hingeben, daß unsere Feinde auSern« anderfallen." Unter unseren Gegnern habe England die unbe- strittene Führerschaft und halte die Allianz zäh und rücksichtslos zusammen. Hieraus konstruiert Bassermann sein Gebot der Stunde, in erster Linie E n g l a n d zu bekämpfen, und zwar„unter voller AnSnutzung unserer Kriegsmittel zur rechten Zeit und mit grötzlcr Energie." Mit dieser Formel stellt sich der nationalliberale Führer erneut an die Seite derjenigen Konservativen und natioualliberalen Politiker, deren innerpolitische Bestrebungen seit Monaten darauf hinauslaufen, die Reichsregierung unter den Willen der„Unentwegten" zu beugen. Ein echter PeterS. Der sattsam bekannte alldeutsche Kolcmialpolitiker und Reichs- kommissar a. D. Dr. Carl Peters schreibt in der„Neuen Ges. Correspondenz": „Wie zu erwarten war, läßt daS Auftreten des neu- gegründeten Nationalausschusses in den deutschen Zeitungen die Erörterungen über die sogenannten Kriegsziele wieder lebhafter werden. Ich beabsichtige nicht, mich auf dieses Gebiet zu begeben. Nur die eine Bemerkung möchte ich dazu machen, daß die Leute, welche meinen und behaupten, je milder wir unsere Todfeinde bei etwaigen Friedensverhandlungen behcmdelten, um so dauernder würde der zu erreichende Friede sein, völlig im Irrtum sind. Gerade das Umgekehrte ist der Fall. Einen Frieden bc- kommen wir überhaupt nicht, wenn wir unsere Gegner— beson- ders England— nicht vollständig zu Boden schlagen können. Dazu werden wir, meiner Ansicht nach, nur imstande sein, wenn wir daS britische Reich am Suezkanal und Aegypten — welche der Türkei gehören.—, möglicherweise in Indien, schla- gen. Je deutlicher wir ihnen hernach zu fühlen geben: vae victis kW ehe den Besiegten!), einen um so dauernderen Frieden werden wir erzwingen. Jede Schonung wird uns auf der ganzen Erde Völker und Zührer Europas! Die Stockholmer VermittlungSkonferenz ersucht den bekannten Dichter und Schriftsteller Dr. OttoBorngräber zur Uebermittlung dieser Worte: Genug des Tötensl. Ihr tötet Millionen— nein, ihr mordet aber Millionen. Denn mit dem Schrei eines Sterbenden schreien auf: Mütter und Väter— um den Lebensabend betrogen! Gattin- nen und Bräute— und die«S es hätten werden können— betrogen um ihr Lebensglück! Und um den LebenSmoraen betrogene arme, hungernde Kinder. Mit einem brechenden Blick erlöschen tausenb Keime von Leben und Lebensglückl Ihr, die ihr widereinander rast: in dem brechenden Blick— seht ihr das nicht? AuS dem Schrei eines Sterbenden schreit die Menschheit auf— hört ihr es nicht? Und ihr, die ihr die Macht hattet— nicht den Mut—, dies Gemetzel zu veranstalten! Ihr, die ihr die Macht habt— warum nicht endlich den Mut?!—, dies Gemetzel zu beenden: hört ihr es nicht, wie aus dem Schrei eines Sterbenden die Menschheit flucht? Die Qual eines einzigen aus all euren Feldern der Ehre wiegt mehr als all eure eitlen Phantome, all eure Interessen, all eure veralteten Ideale— entgottete Idole, mit denen ihr die Blinden äfft. Und wenn ihr ihn nicht endlich hört, diesen mensch- lichen Hilfeschrei:„Genug de» Tötens!" dann wird dieser furchtbare Schrei, aus Millionen Lippen millionenfach zusammengeballt zu einer Riesengsstalt, aussteigen aus all euren bluttriefenden Feldern der Schande, als eine Riesengestalt, riesenhafter oenn ihr,«ine dämonische Gewalt, gewaltiger denn ihr, und wird euch und eure Kinder erwürgen I � Darum noch einmal: Genug des Töten?! Erinnert euch endlich, daß der Sinn des Lebens Leben heißt! Genug des Jammers! Fühlt endlich, daß der Wert des Lebens Freude heißt! Genug des Zerstörens! Begreift endlich, daß der Wert alles Wirken« Auf- bauen heißt! Genug des Entstellen« und LügenS! Erkennt endlich. daß der Sieg in allem Weltgeschehen Wahrheit heißt! Genug des HetzenS! Genug des HassenS l Fühlt endlich, daß euer Göttliches— Liebe heißt. Ein Geist der Liebe brachte euch euren Gott und sprach: Liebet eure Feinde! Euer Geist deS Luges entstellte diesen Gott. Der, den ihr stündlich auf euren Lippen mißbraucht, mitten in eurem mörderischen Handwerk: ist das der Gott der Liebe? Ein Götze deS Greuels! Ein Baal des Bluts! Liebe gesellt den Menschen zum Menschen, Liebe zeugt den Menschen, erzieht den Menschen— ja. hättet ihr ihn nur zur Liebe erzogen! Hättet ihr nur euren Kindern in euren Schulen nicht von Anbeginn das tötende Gift ins Blut geimpft! Hättet ihr sie nur nicht überall und überall nur immer da« eine gelehrt mit altem Pathos:„La. gloirel" Oder: Denke, daß du ein Deutscher bist, «in zum Herrschen geborener Brite bist, ein Italiener bist, ein Russe bist— und wie die vorübergehenden Erscheinungen der Menschengeschichte sonst noch heißen. Hättet ihr sie dafür lieber ein Ewiges gelehrt:„Siehe, du bist ein Mensch."„Und jener ist dein Bruder." Darum verachte nicht seine Andersart, seine Eigenart— suche sie zu verstehen mit Liebe! Brüste dich nicht mit deinen nationalen Vorzügen— hast du solche, vermittle sie den anderen— doch in Güte und Liebe. Und m u ß es sein, ihr Handelsgewaltigen, daß ihr durchaus alle den Weltmarkt erobert: so erobert ihr die Welt viel leichter— in Entgegenkommen und Liebe. Und ihr Kanonengewaltigen, und ihr Chauvinisten, muß es sein, daß ihr durchaus erst euren„Erbfeind" aus der Welt schaffen wollt: den Erbfeind schafft ihr an? der Welt nur,„wenn ihr den Erbfeind euch zum Bruder macht".*) Ja, hättet ihr in diesem Geist der Liebe und Völkerverbrüde- rung eure Kinder und euch selbst erzogen— und hättet ihr Führer der Völker euch in den Menschen nicht Knechte eurer Interessen erzogen, sondern vor allem Menschen— Brüder: dann wäre der große Tag vom Haag, dessen wir gedenken, ein gewclltiger Freudentag: an dem Großes yesät war— und Größtes wäre erblüht. So aber gedenken wir seiner in Gram, denn Großes wurde verschüttet. Hinweg mit dem Schutt, der aus euch selber stieg: aus dem mittealterlichen Wust überkommener Anschauung, verkehrter Er- Ziehung, veralteter Ideale, verfehlter Einrichtungen— und aus euren liebeleercn, haßüberwucherten Herzen. Hinweg mit dem Schutt, und auf gleichem Grunde, der dort im Haag gelegt ward, keime die neue Saat— erblühe die neue Welt. Ja, die schöne Saat war gelegt— zum erstenmal fruchwer- heißend. Alles Vorherige war erst da» Lockern des harten Bodens, ein halb Jahrhundert lang: Geister wie Tolstoi, Victor Hugo, Bertha von SuttnerS Seele— die Weltfriedenskongresse zu Paris, London, Rom, Bern, Chicago, Antwerpen, Budapest, Hamburg, Turin—, sie alle waren zunächst privater Natur, von einzelnen vorgeschrittenen Geistern getragen. Aber am 18. Mai 1899— gleichsam als ob das sterbende Jahrhundert alten, erstorbenen Götzen den Abschied geben wollte, als ob das neue Jahrhundert uns eine neue Acra des Völkergedeihens erschließen sollte— da geschah es, daß ein„Offizieller", ein Gewaltiger, ein Kaiser von Nußland zu einer Friedenskonferenz entbot, und sechsundzwanzig Staaten leisteten Folge. Was ihr damals gelobt, ihr Staaten und Gewaltigen, und was ihr in der zweiten Haager Konferenz feierlichst erhärtet: Die Schlichtung eurer Streitfälle durch Richter eurer Wahl auf der Basis der Achtung vor dem Recht, die Verpflichtung, sich in Treu und Glauben dem Schiedsspruch zu unterwerfen: daS, ihr Staaten und Gewaltigen, in Zukunft zu halten, das ver- langen eure Völker von euch. Und wenn eure Führer und Staaten euch das in Zukunft nicht halten, wenn sie wiederum setzen Gewalt vor Recht, türmen Rüstung auf Rüstung und damit Weltkrieg auf Weltkrieg: dann euer Recht, euren Frieden, eure Freiheit euch s e l b st aus den Sternen herunterzrholcn, das, ihr Völker, verlangt die Geschichte von euch. Nur auf dem Grunde des Rechts ruht die Zukunft Europas. Oder Europa hat eine Zukunft nicht. Genug des Tötens! Auf dem Grunde des verschütteten Haager Erlösungswerks baut die Zukunft der WeltI Schiedsgericht und Gerechtigkeit statt Krieg, das heißt„kriegen"— was dir meist nicht gehört. Weg mit dem ins Uferlose aufschießenden Rüsten für neues Kriegen. Weg mit dem feigen Mißtrauen zwischen Volk und Volk! Man sät das Mißtrauen, damit ihr zum Rüsten ja sagt. Habt den Mut und sagt npin. Der Staat nehme allen Wucherern ihr Handwerk. Sie verlängern den Krieg, sie säen neuen Krieg. Sie füllen den Säckel, das Volk bezahlt. � Erst mit seinem Schweiß, dann mit seinem Blut. Genug des Tötensl Des Rüstens und Kriegens genug! Wem nützt das Kriegen? Dem einzelnen? Nein! Der Gesamtheit? Nein! Dem Vaterland? O nein! Ein paar Groß- Händler sind's, die möchten noch mehr Warenabsatz finden. Im Vaterland? O nein! Es ist ihnen ja gerade zu arm! Da kommt *) Borngräbcr:„Wcltfriedensdrama". Georg Müller, München. ihnen irgendwo in der weiten, weiten Welt der Konkurrent der anderen Nation in die Quere— und schon lärmen Interessenten von„Vaterlandsgefahr"! Genug des Tötens! RüstenS! Feilschens! Fort mit den Trusts der Privatinteressen. Neuer Staat: Recht nicht nur für Privilegierte— gleiches Recht fürs ganze Volk. Weg mit den Schranken! Weg mit den Zöllen! Freiheit der Lande— Freiheit der Meere! Meidet Annexionen— sie bergen neuen Krieg! Neues Europa: Recht nicht nur für auSerwählte Völker— Recht für alle Völker der Welt. Recht allen Nationen, Sprachen, Rassen! Recht auch den Kolonien— erkennt dort Menschen, nicht bloß Aus- beutungSobjekt! Recht auch für die Frauen— sie zählen zu den Besten des Volkes. Und das Volk, daS Volk soll bestimmen, ob Friede, ob Krieg. Weg mit den Geheimverträgen— die Wahrheit zeigt ihr Gesicht. Fort mit den diplomatischen Zöpfen— Talleyrand ist tot. Fort mit den ungeheuerlichen Militarismen— Julius Cäsar ist noch länger tot. Fort mit den Chauvinismen— waS lächelst Du, alter Chauvin? Es gab einst Preußen und Bayern und Schwaben und Sachsen— dann ging'S im einigen Reich. Oesterreich schlug sich mit Preußen— dann schlössen sie den Nibelungenbund. Jetzt gebt uns ein einiges Europa unter dem Zepter deS Rechts! Nein, gebt uns eine einige Erde, den Menschen ein Reich der Menschen, unter dem Banner der Liebe und Menschlichkeit.— Eine„Bergpredigt zur Befreiung der Völker" schrieb ich— ihr habt sie nicht gehört—, die Stimme eines Prediger? in der Wüste. Und doch sagt sie viel schlichter unser Ziel. Ein Weiser steigt da von seinem Berge und trifft unter anderen den Chauvin. Chauvin sieht nichts als Feinde— der Weise sieht keinen Feind. Und Chauvin, der Fahnenjunker, schmäht den Weisen„färben- blind". Doch dieser lächelt still und sagt ihm dieS: „Komm auf meinen Berg! Siehe das Licht! Farben nur siehst du, mein Freund. Durch ein wohlgeschliffenes gläsernes Prisma brichst du das reine Licht in— einzelne Farben. Also zerfällt nach hüben und drüben in Nur-Patrioten: der unermeßliche Mensch. Farben nur stehst du, mein Freund, und nur die— deiner Fahne." „Sind nicht auch drüben Berge und Bäume, Blüten und Früchte — heilige Erde? Blickt nicht auch drüben au» ewigem Himmel eurer heiligen Sonne Vatcr-Auge? Sind nicht auch drüben Brüder und Menschen?— Auf denn, Brüder, fort mit den Pfählen! Weg mit den Grenzen! Schreitet hinüber! Freut euch der anderen Art! Kommet herüber!— empfanget von anderer Art! Züchtet miteinander höhere Art! Wirket und schaffet alle am Einen, am Guten, am Großen! Schreitet und wandelt über Grenzen und Weiten! Seid ihr die Menschen, die Herren der Erde: nun, so er- greifet die harrende Erde, die weite, die grenzenlose Welt! Ergreift sie, das Vaterland der Menschen. Und ihr werdet sie lieben.— Und werdet lieben alle ihre Söhne. Und in wundersamen Schauern werdet ihr begreifen das größere Land: das über alles erhabene, heilige Vaterland des Mensche n."— A s c o n a(Schweiz), Monte Veritä. Otto Borngräber. nur als Schwäche ausgelegt werden, und wird den etwaigen Frieden nur zu einem vorübergehenden Waffenstillstand machen. Wir können demnach alle nur hoffen, dag die„sanften Heinriche" und echten„deutschen Michel" gar nichts mit den Frie de ns Verhandlungen zu tun haben werden. Aber vorläufig ist es verfrüht, über solche auch nur nachzudenken. Noch beherrscht Mars die Stunde!" Dr. Peters sagt hier im Grunde nichts anderes, als was die gesamte von den Alldeutschen beeinflußte Presse seit Monaten mehr oder minder offen propagiert. Man mutz ihm aber trotzdem Dank wissen, daß er mit der ihm eigenen Unverblümtheit, die lebhaft an die Methoden seiner kolonialen Praxis und ihre spätere VerHerr- lichung erinnert, unverhüllt ausspricht, wohin die Reise geht,(z) Ter Reichskanzler in Wien. Amtlich. Berlin, 10. August.(W.T.B.) Der Reichs- kanzler ist mit dem Staatssekretär von Jagow nach Wien abgereist, um den Besuch des Ministers Baron Burian in Berlin zu erwidern und die Besprechungen über die Ordnung der Angelegenheiten der von den Verbündeten gemeinsam he- setzten Gebiete fortzusetzen._ Der Wiederaufbau Ostpreußens. In der Provinz Sstprcutzen wird zurzeit vor allen Dingen darauf gesehen, dag die Verlehrseinrichtungen wieder völlig in- stand gesetzt werden. In den Kreisen Johannesburg, Lhck, Oletzko und Annaburg sind die meisten zerstörten Bahnhöfe wieder ber gestellt und bereits wieder in Benutzung genommen worden. Auch der Wiederaufbau der Ortschaften macht erfreuliche Fortschritte. Von den Flüchtlingen, deren Zahl auf etwa 3(X>()00 geschätzt wurde, sind bisher 280 000 in ihre Heimat zurückgelehrt. Landesverstcherungsanstalten und Krieg. Die Landesversicherungsanstalt Westfalens veröffentlicht den Rechnungsbericht für 1913. Es geht daraus hervor, daß die Bei- tragsleistung um 4 Millionen Mark gegenüber 1913, dem letzten Friedensjahre, zurückgegangen sind, von lösh Millionen Mark auf lls-a Millionen Mark. Im zweiten Kriegsjahre ist aber auch die Ausgabe für das Heilverfahren, dessen ja besonders Lugenleidende teilhaftig wurden, von IIb Millionen Mark auf 1 Millionen Mark zurückgegangen. Für 1913 wird mit einem Ausfall an Beiträgen von 3 Millionen Mark gerechnet. Kriegssragen im ungarische» Abgeordnetenhause. Budapest, 9. August.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Aögeordneler Graf Michael Karolyi verwies auf sein schon früher betontes Bestreben, eine Richtung in der auswärtigen Politik zu befolgen, die nicht nur zu den Verbündelen, sondern zu allen Mächten' günstige Beziehungen unterhalte. Denn nur dadurch könnten Reibungen, die zum Kriege führen, aus der Welt geschafft werden. Als Ungar und als zivilifiener Mensch wünsche er einen baldigen Frieden. Er sagte sodann: Damit jedoch der furchtbare Weltkrieg den erwünschten Erfolg habe, können wir nur einen dauernden Frieden wünschen. Im Interesse des Friedens würde es liegen, wenn sich die Regierung über die Kriegsziele und Friedensbedingungen Sutzern wollte. Im Hinblick auf den Vorwurf, Rumänien könnte in seiner Haltung eine Kräftigung aggressiver Ten- denzen erblicken, erklärte Karolyi: Solange ein Ungar atmet, werden wir unentwegt für die Integrität Ungarns und für die Verteidigung Siebenbürgens kämpfen. Abgeordneter Graf Albert Apponyi sagte, er und seine Gesinnungsgenossen bekennten sich zu demselben Pro- g r am m w ie K a r o l y i. Auch er wünsche einen dauernden Frieden, welcher gegenwärtig nur mit Machtmitteln gesichert werden könne. Die beste Bürgschaft dafür sehe er in der F e st i- gung des gegenwärtigen Bündnisses.(Stürmischer Beifall rechts und links.) Ministerpräsident Graf TiSza erklärte, er wolle nur konstatieren, daß bekanntlich ein sehr lärmender Teil der rwnäni- schen Presse seit Ausbruch des Krieges alles Mögliche tue, um Rumänien in den Krieg mit Oesterreich-Ungarn hineinzuhetzen. Diese Presse stelle die Gründung der Fraktion Karolyi so dar, als ob Karolyi Frieden um jeden Preis und einen Sonderftieden mit Rußland erstrebe. Karolyi sei dieser Auffassung mit Recht ent- gegengetreten. Graf Tisza sagte weiter: Wir alle wissen sehr gut. daß ihm solche Absichten fernliegen, und daß er auch nicht in der Lage wäre, solche Absichten, falls er sie hätte, zu verwirklichen. Es ist aber Tatsache, daß diese lächerliche Verleumdung einen gewissen Eindruck in der rumänischen öffentlichen Meinung und bei der Entente ge- macht hat. Der Ministerpräsident schloß sich nachdrücklich den Ausführungen Karolyis an. daß solange ein Ungarn lebe, die ungarische Nation jedem Angriff gegen ihre Integrität bis zum äußer st en entgegentreten werde(Stürmischer Beifall), und fubr fort: Ich spreche hier nicht von Rumänien. Denn dort stehen wir ja heute einer feindlichen Strömung unverantwort« licher Faktoren gegenüber. Ich spreche von unseren Fein- den. Ich spreche davon, daß wir diesen Krieg, der gegen uns geführt wird, und den nicht wir entfesselt haben, weiter führen müssen, wenn wir unsere Integrität verteidigen wollen, denn dieser Krieg ist gegen unsere Jntegri« tat gerichtet.(Zustimmung.) Es wird ja auch heute noch ganz offen verkündet, daß man es auf die Zerstückelung der Mon- archie und besonders des ungarischen Staates abgesehen hat. Ganz offen wird verkündet, daß man sich in die blutigen Fetzen unseres Leibes teilen will.(Zustimmung.) Solange wir einer solchen Lage gegenüberstehen, soll in diesem Hause nicht von Frieden. sondern vom Siege gesprochen werden(anhaltender, stürmischer Beifall); denn nur der Sieg wird der ungarischen Nation ihren künftigen Frieden, ihre künftige Ruhe und ihre künftige Sicherheit verbürgen. Nur er wird ihr den rechtschaffenen Frieden in Ehren geben, für den diese ungarische Nation mit übermenschlicher Helden- müligkeit wie ein Mann kämpfen wird, solange als unsere Feinde uns zu diesem Kampfe zwingen.(Zustimmung.) Jedermann weiß, daß nicht wir diesen Krieg begonnen haben. Alle Welt weiß, daß wir auch in den Tagen der Kriegserklärung noch und auch seither im Laufe des Krieges jederzeit zu ehr- lichem Frieden bereit waren.(Beifall.) Allein die Aufgabe des gegenwärtigen Augenblicks, und hierin glaube ich, kann es keinen Meinungsunteischied in diesem Hause geben, wie es auch keinen draußen im Lande gibt, die Ausgabe und Pflicht des gegen« wältigen Augenblicks ist, mit Anspannung aller unserer Kräfte den mannhasten Kampf bis zum endgültigen Siege fortzusetzen.(Langanhaltender lebhafter Beifall.) Berichtigung. In unserem gestrigen Leitartikel„Das Debüt des Nationalausschusses" ist irrtümlrch gesagt, daß die Parole Georg Bernhards„Land oder Geld!" den Beifall der„Kriegs- Zeitung" gefunden habe. Es muß an dieser Stelle heißen: der .Kreuz-Zeitung".__ Der Erlaubmszwang für den hanöel mit Lebens- unö Futtermitteln. Der Nachrichtendienst für daS Ernährungswesen schreibt: Am 1. August dieses Jahres ist der Erlaubniszwanq für den Handel mit Lebens- und Futtermitteln auf Grund der Verordnung vom 24. Juni 1913 in Wirksamkeit getreten, die als eine der ersten und einschneidendsten Maßnahmen auf dem Gebiete des Lebens- mittelhandels aus der Tätigkeit des Kriegsernährungsamts hervor- gegangen ist. Danach ist der Handel mit Lebens» und Futtermitteln vom I.August ab an eine behördliche Erlaubnis ge blinden, und zwar auch für solche Personen, die schon vor diesem Tage mit den erwähnten Waren Handel getrieben haben. Ohne solche Erlaubnis ist der Handel verboten und strafbar, soweit nicht die Verordnung selbst Ausnahmen zuläßt. Für die Ueber- gangszeit ist bis zum 1. September 1913 durch eine nach trägliche Verordnung des Reichskanzlers eine Erleichterung geschaffen Danach darf deijenige, der den Antrag bis zum 1. August bei der Zulassungsstelle eingereicht hat, seinen Handelsbetrieb zunächst ohne Erlaubnis fortsetzen, bis über seinen Antrag entschieden ist, jedoch nicht üjh er den 1. September hinaus. Bis zu diesem Tage müssen alle Anträge erledigt sein. Bei der Vielgestalligkeit des wirtschaftlichen Lebens sind in den beteiligten Kreisen mancherlei Zweifel über die Tragweite der Ver- ordnung aufgetaucht. In solchen Fallen empfiehlt es sich, sich an die für die Erteilung der Erlaubnis zuständige Stelle mit der Bitte um Auskunfterleilung zu wenden. Ein Unterschied zwischen notwendigen und nicht notwendigen Lebensmitteln ist in der Verordnung nicht ge- macht und wurde auch in keiner Weise durchzuführen sein, so daß also auch der Handel mit solchen Lebensmitteln, die mehr oder weniger Genußmiitel sind,(Kaviar. Austern, Schaumwein usw.) der Erlaubnispflichl unterliegt. Auch der Handel mit sogenannten diätetischen Nähimittcln(Somaloie, Sanalogen, Haematogen usw.) ist konzessionspflichlig. Ferner erstreckt sich die Verordnung auch auf alle diejenigen Erzeugnisse, aus denen Lebens- oder Futtermittel hergestellt werden; dazu sind auch alle Stoffe zu rechnen, die Lebensmitteln zugesetzt werden, wie Zitronensäure, Wein- steinsäure, Suppenwürfel, Puddingpulver, Salz, Gewürze aller Art usw. Auch die mannigfachen Arten der sogenannten Ersatzmittel(Salaröl-Ersatz, Kunsthonig usw.) fallen darunter. Ausgenommen sind lediglich solche Genußmitteh die in keiner Weise unter den Begriff.Lebensmittel" gebracht werden können, wie z. B. Zigarren, Zigaretten, Tabak. Konzessionspflichlig sind nicht nur Eigenhändler, sondern auch Kommissionäre und Agenten aller Art einschließlich der Gelegenheitsvermittler, soweit sie am Handel mit Lebens- und Futtermitteln beteiligt find. An gestellte(Handlungsgehilfen) bedürfen einer besonderen Erlaubnis nicht. Unter den Erlaubnisschein fallen, wie besonders hervor- gehoben werden muß, neben dem Handel im engeren Sinne auch alle Arten von Her st ellern und Fabrikanten, die Rohstoffe zu Lebens- oder Futtermitteln verarbeiten, um sie dann in den Handel zu bringen, wie z. B. Konserven- und Kunst- Honigfabriken, Brauereien und die vielen anderen Fabriken der Nahrungs- und Fultcrmittelzweige. Der Verkauf selb st gewonnener Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft, des Garten- und Ob st- baues, der Geflügel- und Bienenzucht, sowie der Jagd und Fischerei ist freigelassen. Ebenso sind freigelassen die Klein Handelsbetriebe, in denen Lebens« oder Futtermittel nur unmittelbar an die Verbraucher abgesetzt werden. Regelmäßig sollen hierunter die L a d e n g es ch ä f t e; betreibt jedoch der In- Haber eines solchen, z. B. einer Weinhandlung, zugleich Großhandel, so bedarf er für den gesamten Geschäfts betrieb der Erlaubnis. Neben diesen beiden wichtigsten Aus- nahmen sind noch zwei weitere Ausnahmen zugelassen. Wer be- reils auf Grund anderer während des Krieges erlassener Vor- schriften eine behördliche Erlaubnis zum Handel mit einzelnen Lebens- oder Futtermitteln hat, z. B. für Handel mit Vieh- und Saatkartoffeln, in einzelnen Bundesstaaten für Honig, Obst und Eier, braucht hierfür keine weitere Erlaubnis, so- weit er in den Grenzen der Erlaubnis Handel treibt. Ist diese je- doch örtlich beschränkt, und will er seinen Handel darüber hinaus ausdehnen, so muß er die Erlaubnis einholen; z. B. bedars der in Württemberg zugelassene Eierhändler zum Eierhandel in Preußen der Erlaubnis nach der Verordnung vom 24. Juni. End- lich bedürfen der Erlaubnis nicht solche Personen, denen amtlich die Beschaffung und Verteilung übertragen ist; gedacht ist dabei an die Kriegsstellen und-Gesellschaften. Für die Erteilung und Entziehung der Erlaubnis sowie die Untersagung des Handels sind von den Verwaltungen der Einzel- 'taaten besondere Stellen errichtet worden, bei deren Entscheidungen auch Vertreter des Handels mitwirken. In Preußen sind in den Stadtkreisen die OrtSpolizeibebörden, im übrigen die Landralsämter zuständig. Für den Landespolizeibezirk Berlin ist eine besondere Stelle bei dem Königlichen Polizeipräsidium in Berlin gebildet. An die genannten Stellen sind alle Anträge sowie auch etwaige Anftagen zu richten. Gegen die Entscheidung der Zulassungsstelle steht dem Antrag- .'teller die Beschwerde zu, über die in Preußen der RegierungS- Präsident und im Landespolizeibezirk Berlin der Oberpräsident der Provinz Brandenburg entscheidet. Die Beschwerde hat aber keine aufschiebende Wirkung. Für den Fall der Versagung hat der Kom- munalverband etwaige Vorräte an Lebens- und Futtermitteln zu übernehmen und auf Rechnung des Antragstellers zu verwerten. das tägliche örot. Tie hohen Kartoffelpreise. Die sozialdemokratischen Mitglieder des parlamentarischen Er- nähruiigsbeirates, dje Genossen Bauer, Ebert, Molkenbuhr und Robert Schmidt haben dieser Tage beim Kriegsernährungs- amt die sofortige Herabsetzung des Kartoffelpreises beantragt. Der Antrag ist wie folgt begründet-worden: „Wiederholt haben wir im Beirai für Ernährungsfragen die Kartoffelpreisfestsetzungen bemängelt. Jetzt zeigt sich, daß eine schleunige Aenderung der Preise geboten ist, wenn man nicht in ungeheuren Mengen Kartoffeln dem Verderben überliefern will. Aus vielen Gegenden wird geklagt, daß jetzt schon erhebliche Mengen verdorben sind. Jeder Landmaun will möglicbst viel Kartoffeln zu dem jetzt geltenden Preise ve: kaufen und bringt nun Mengen an den Markt, wofür wirklich kein Absatz zu finden ist.� Ein typisches Beispiel möge das beweisen. Zu den Kreisen._ die an Berlin-Schöneberg liefern, gehört der Kreis Prenzlan. Dieser Kreis lieferte durchschnittlich pro Tag 700 Zentner. Mille Juli er höhte er. ohne daß es gewünscht war, sein Quantum. Da bei den hohen Preisen der Absatz hinter dem sonstigen Durchschnitisverbrauch zurückblieb, wurde der Landrat verständigt, die Lieferung etwas herabzusetzen. Als dann in den nächsten Tagen mehr stall weniger kamen, wurde am 23. Juli telegraphiert, nun für zwei Tage gar keine Kartoffeln zu liefern. Statt dessen brachte der Kreis sür Berlin- Schöneberg zur Verladung am 24. Juli... 1840 Zentner , 25.„... 835 , 28.,... 2492 , 27..... 1878 also statt der sonstigen Durchschniltslieferung von 2800 Zentner in 4 Togen jetzt 8850 Zentner. Da die Kartoffeln nicht sorgfältig aus- gesucht und offenbar schon beim Verladen kranke Kartoffel darunter gelassen wurden, macht das weitere Verderben rasche Forlschritte. Wird nicht schleunigst eingegriffen und folgen die Preise in ihrer Bewegung nickt den Friedenspreisen, dann ist Gefahr vorhanden, daß große Mengen Kartoffeln verderben und wir im Laufe deS Winters in eine direkte Hungersnot geraten Wie wenig man sich an die Preisbewegungen der Friedenspreise angeschlossen hat, möge folgende Uebersicht zeigen. Aus dem Markt am Winterfeldplatz waren die Kleinhandelspreise wie folgt: --- v= m-r» Preis für 1 kg Klein- Preis für 1 kg Tag des höchsten Preises Handelspreis am 5. resp. 8. VI. 1908 18. Juli 10-14 Pf. 7—10 Pf. 1909 10., 10—15„ 7—9„ 1910 13., 8—12„ 5—7„ 1911 17., 13—16. 13—15, 1912 22.. 12—14. 9-11. 1913 a. 20 10-13. Wenn nun bis zum 10. August die ProSuzentenpreise von 18 M. für 1 Doppelzentner festgehalten werden und dann eine geringe Er- Mäßigung eintritt, dann ist Gefahr vorbanden, daß, bevor der Preis von 8 M. für 1 Doppelzentner erreicht ist, ein großer Teil der Kar- toffeln in nickt ausgereiftem Zustande aus dein Boden genommen ist und dann verdirbt. _ Wir würden empfehlen, daß möglichst schnell Maßregeln er- griffen werden, den Verkehr mit Kartoffeln so zu regeln, daß Liefe- rung und Verbrauch sich decken. Vorläufig wird durch schleunige Herabsetzung der Preise dem wilden Angebot entgegengewirkt werden können." Auch kartoffelmehlhaltiges Puddingpulver ist anzumelden. Die Trocken kartoffel- Verwertungs- Gesell- schuft m. b. H. Berlin(Teka) macht daraus aufmerksam, daß auch kartoffelmehlhaltiges Puddingpulver den Besiim- mungen der BundeSratsverordniing vom 30. November 1915 unter- liegt, wonach alle Erzeugnisse der Kartoffeltrocknerei und Kartoffel- siäriefabrilalion bei der Teka anzumelden find. Kriegsgesellschaft für Teichsischvcrwcrtung. Amtlich wird gemeldet: Die Höck st Preisfestsetzungen für Fische baben nicht in jeder Beziehung erfreuliche Erfolge ge- zeitigt. Einmal haben sie verhindert, daß Fische in starkem'Maße in die großen Konsumzentren gelangten; die Fische sind vielmehr in der Hauptsache ans dem Lande verzehrt worden. Die entsprechende Abstufung zwischen den Preisen auf dem Lande und in den Städten, die eine ausreichende Fischzufuhr in den Städten gewährleisten würde, läßt sich sehr schwer durchführen, weil die Händler zu den Sladtpreisen verlaufen, aber wegen der auf dem Lande herrschenden Höchstpreise doch nicht die entsprechenden Preise anlegen dürfen. Der Fisch ist daher zum größten Teil auf dem platten Lande ge- blieben. Soweit es sich um Teichfische handelt, die zu einem be- stimmten Zeilpunlt gesangen werden, hat sich gezeigt, daß infolge der Höchstpreise die Fische mit einem Male aus den Markt geworfen werden, da eine Preissteigerung infolge der Höchstpreise nicht mehr zu erwarten ist und daher der Händler kein Entgelt für längere Aufbewahrung erhält. Das hat insbesondere bei Karpfen und Sckleien zu einem un- wirtschaftlich schnellen Verzehren der Fische geführt. Endlich muß bei Festsetzung von Höchstpreisen, wenn man keinen Teil der Produzenten und der Händler schädigen will, immer auf die ungünstigen Verhältnisse Rücksicht genommen werden. Das ver- teuert für den Konsumenten die Fische, ohne dem Produzenten ernstlich zu helfen. Der Reichskanzler hat daher auf Antrag des Kriegs- ernährungsamtes eine Bekanntmachung erlassen, durch die für Karpfen und Schleien an Stelle des Höchstpreises eine S y n- d i z i e r u n g gesetzt wird, die eine ausreichende Ueberwachung des Preises gewährleistet und daneben möglich macht, die Teichfische in diejenigen Gebiete zu bringen, in denen sie zweck- mäßig verzehrt werden sollen, nämlich in die großen Konsum- zenlren. Zu diesem Zwecke ist, unter sckarser Reichsaussicht, die Kriegs- gesellsckaft für Teichfischverwertung m. b. H. in Berlin IV, Königin-Augustastraße 21, Geschäftsführer Herr Klee, gegründet worden. Der Absatz von Karpfen und Sckleien ist fortan an die Ge- nehmigung dieser Gesellschaft gebunden. Von der Genehmigungs- Pflicht sind lediglich diejenigen Karpfen und Sckleien ausgenommen, die aus inländischen Wildgewässern oder aus inländischen Teichwirt« sckaften unter 3 Hektar stammen. Die Gesellschaft wird den Absatz der Karpfen und Schleien mit Hilfe von Kommunen und Handel vornehmen. Sie wird unter Aussicht eines durch den Reichskanzler zu ernennenden Bevollmächtigten für die Regelung des Absatzes und für eine angemessene Preisbildung Sorge tragen. Rcichs-Gerstengesellschaft. Am 3. August 1916 ist unter Beteiligung des Rsiches, der Bundesstaaten, der Preußischen Landes-Futlermiitelgesellichast sowie der Gerste verarbeitenden Industrien und des Handels die Reichs« e r st e n g e i e l l s ch a s i m. b. H. mit der Aufgabe der Bewiri- schaflung der Gerste innerhalb des Reichsgebietes gegründet worden. In der Gesellschaftsversammlung sind die bisherigen Leiter der in Liquidation befindlichen Gerslen-Vcrwertungs-Gescllschast m. b. H., die Direktoren Waldemar Sperling, Carl Weingart, Karl Scheuer. Wilhelm Bcigel und Georg Lindner zu Geschäftsführern(Direkioren) der Reichs-Gerstengesellschaft m. b. H. bestellt worden. Zur Wahr- nehmung der staatlichen Interessen bei der Geschäftsführung ist der Landral Dr. Hagedorn im Preußischen Ministerium des Innern zum Geschäftsführer und gleichzeitig Vorsitzenden des Vorstandes der Reichs-Gerstengesellschaft m. b. H. vom Präsidenten des Kriegs- ernährungsamtes bestellt worden. Sturmische Versammlung in Hamburg. Hamburg, 9. August.(W. T. B.) Vor etwa dreitausend Zuhörern gab Dr. A u g u st M ü l l e r, Vorstandsmitglied des Kriegsernährungsamts, Berlin, am Mittwochabend im großen Saal des Sagebielschen Gasthauses eine Darlegung der Kriegsernährungsschwierigkeiten, ihrer wirtschaftlichen Ur- achen und der vom Kriegsernährungsamt eingeleiteten Maß- nahmen, um das Problem der Volksernährung während der Kriegszeit zu lösen. Die Versammlung nahm bereits während des Vortrags durch andauernde Zwischenrufe und diesen ent- gegentretende Beifallskundgebungen einen sehr bewegten V e r l a u f, der sich zum Schluß des Berichtes zu einem lange anhaltendem Lärm steigerte, und während der Ansprache des dritten Redners so ausartete, daß der Vorsitzende die Ver- iammlung schließen mußte, ohne daß die vorgemerkten weiteren zehn Redner zu Worte kamen. Staötverorönetenversammiung. 17. Sitzung vom Donnerstag, den 10. August 1916, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Michclct eröffnet die Sitzung nach ölb Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den Ansang August in Schreiberhau verstorbenen Stadtv. Salinger(Linke). Die Versammlung ehrt das Andenken des Dahingeschiedenen durch Erheben von den Sitzen. Die Wahl zweier Ausschüsse von je 15 Mitgliedern für die Vor- lagen betr. 1. den Neubau von Gemeindedoppelschulen an der Christiania- und an der Grellstraße, 2. die Schaffung einer neuen Stadtrats st elle wird vollzogen. Der Ausschuß zu 2 wird noch heute nach der öffentlichen Sitzung zur Beratung zusammentreten und der Versammlung Bericht erstatten. Der Magistrat schlägt der Versammlung die Uebernahme der Kaun-Eupelschen Privatmittelschule am Grünen Weg 16 in städtische Verwaltung vor. Es soll damit der Versuch gemacht werden, von Stadt wegen auch Mittelschulen ein- zurichten. Die Uebernahme soll am 1. Oktober d. I. erfolgen. Stadtv. Cassel(Linke): Eine gründliche prinzipielle Erörterung der Fragen, die die Vorlage anregt, wird in dieser Hochsommerzeit kaum möglich sein. Die Vorlage ist aber tatsächlich sehr dringlich; soll die Schule nicht eingehen, so mutz die Stadt sie übernehmen. denn sie ist für den Osten ein Bedürfnis. Zu den programmatischen Ausführungen des Magistrats bei dieser Gelegenheit von unserem Standpuntt aus hier Stellung zu nehmen, ist aber nicht leicht. Unter keinen Uniständen darf das Aufblühen der Volksschule für unsere Mädchen beeinträchtigt werden. Den Gemeindeschulen dari das gute Schsis-raraterial auch nicht vorzeitig entzogen werden. Weiter spielt die Frage der Abschaffung der Vorschulen hier eine bedeutsame Rolle. Alle diese Fragen bedürfen gründlichster Erwägung. Jeden- falls muß genau geprüft werden, ob die Trennung der Schüler zwischen Volks- und Mittelschule schon von unten auf eine unum- gängliche Notwendigkeit ist. Wir wollen die Vorlage annehmen, verlangen aber völlige Sicherstellung des Anschlusses der Gemeinde- schule an die künftige Mittelschule und erwarten dementsprechende Vorschläge bezüglich des Lehrplans. Eine solche Vorlage wünschen wir vom Magistrat baldigst zu erhalten. Stadtv. Dr. Ritter lFr. Fr.): Wir sind ebenfalls für die Vor- läge; wenn aber die Unterstufe bestehen bleibt, würden wir darin eine Gefährdung der Gemeindeschule erblicken müssen. Den von uns eingebrachten Antrag, an dieser Schule vom 1. Oktober ab die Unter- stufe allmählich abzubauen und keine Kinder neu darin aufnehmen zu lassen, ziehen wir indessen mit Rücksicht auf den Antrag Cassel und in der Erwartung, baldigst eine Magistratsvorlage in diesem Sinne zu erhalten, zurück. Stadtv. Dr. Weyl CSoz.): Auch uns ist die Vorlage sympathisch. Ueber die Gestaltung des Schulwesens grundsätzlich zu sprechen, wird Gelegenheit sein, wenn uns der verlangte Lehrplan vorliegt; bei dem frischen Zuge, der durch unser höheres Schulwesen geht, dürfen wir auf ein System und eine Organisation rechnen, die auch unsere Mädchen mit dem geistigen Rüstzeug versieht, wie sie es gerade unter den Wirkungen des Krieges doppelt nötig haben. Wir sehen in der Vorlage auch ein Entgegenkommen gegen die Frauen- bewegung. Der Krieg hat die Frauen zur Betätigung in Berufen geführt, die ihnen vordem grundsätzlich verschlossen gewesen sind; für diesen weiblichen Nachwuchs in Handel und Industrie, in den Bureaus der städtischen und staatlichen Betriebe wird das geistige Rüstzeug durch die Mittelschulen zu liefern sein. Das Ansehen der Volksschule darf unter keinen Umständen durch die Mittelschule hcrabgedrückt werden, fordert Kollege Cassel; es wird aber herab- gedrückt, wenn in den Mittelschulen Schulgeld erhoben wird, wie es ja auch hier der Fall sein soll. Wir verlangen deshalb programma- tisch Schulgeldfreiheit, also auch für die Mittelschulen. Aber darüber wird später zu reden sein. Grundsätzliche Gegner der Vorschulen sind auch wir; wir stimmen durchaus mit dem liberalen Pädagogen Tews überein, daß die Mittelschule keine Standesschule, sondern eine Begabungsschule sein soll. Auch in der Begründung wird ja gesagt, es könnte erwogen werden, der Mittelschule einen drei- jährigen Gemeindeschulbesuch vorausgehen zu lassen. Das läßt sich doch ohne Umstände von Stadt wegen durchführen: die Rbodus, hic salta! Einigen wir uns auf den Antrag Cassel, uns baldigst eine Magistratsvorlage deS erwähnten Inhalts zugehen zu lassen. Die Vorlage wird mit dem Antrag Cassel angenommen. Bei der N o r d s ü d b a h n ist die Einführung einer E i n h e i t S- klaffe mit Raucher- und Nichtraucherabteil beabsichtigt. Nach einigen zustimmenden Worten des Genossen Dr. Weyl, in denen er besonders auf einen am 21. Dezember 19l)S vom Ge- nassen Singer begründeten, damals abgelehnten Antrag auf Einfüh- rung eines Einheitstarifs und einer Einheitsklasse bei dieser Nord- südbahn hingewiesen hatte, gelangte die Vorlage einstimmig zur An- nähme. In den Hauptausschuß und in den Arbeitsausschuß für die Kriegshinterbliebenenfürsorge der Stadt Berlin hat die Versammlung 5 bzw. 4 Mitglieder zu wählen. Die Wahl wird vollzogen; unter den Gewählten befinden sich auch Stadtv. Koblenzer(Soz.) für den Hauptausschutz und Stadtv. Ritter (Soz.) für den Arbeitsausschuß. Den Beschlüssen der Versammlung hinsichtlich der Einrichtung von Armenämtern sowie betreffs der Regelung der Kriegs- Zulagen und der Einrichtung einer Kriegshinterbliebe- nenfürsorge der Stadt Berlin im Anschluß an die National- stiftung ist der Magistrat beigetreten. Zur Kenntnisnahme gelangte eine Mitteilung des Magistrats über die Einkommensgrenze bei Gewährung der Teuerungszulage an städtische Beamte und Arbeiter. Dazu bemerkt Stadtv. Hintze(Soz.): Es geht aus den Magistratsmitteilungen zu unserer Kenntnisnahme nicht hervor, ob auch die Angestellten des städtischen Arbeitsnachweises berücksichtigt sind. Weiter ersuchen wir erneut den Magistrat, gegenüber den städtischen Arbeitern eine ein- heitliche Regelung der Kriegszulagen durchzuführen. Die Gas- und Elektrizitätsarbeiter haben seit Kriegsbeginn zweimal b Pf. Zulage erhalten und bekommen auch jetzt die neuen Satze; die AMV Arbeiter in den anderen Verwaltungszweigen sind dagegen erheblich im Nach- teil, denn sie haben bloß einmal die 5 Pf. oder die Zulage einer Stunde erhalten. Bei der jetzigen Teuerung sprechen diese ö Pf. pro Stunde schon bedeutend mit. Stadtrat Franv: Die Arbeitsnachweisangestellten sind selbstver- ständlich einbezogen. Bei einer so großen Verwaltung bringt eine Neuregelung immer gewisse UebergangSschwierigkeiten, aber wir sind dabei, eine Regelung eintreten zu lassen, die möglichst allen An- sprächen genügt. Hiernach wird um'A7 Uhr Vertagung beschlossen, um dem obenerwähnten Ausschuß Raum für seine Beratung zu geben. Um 7 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet. Stadtv. Cassel erstattet den Ausschußbericht. Der Ausschuß habe sich überzeugt, daß das Berliner Verkehrswesen trotz des Zweckverbandes noch große Aufgaben zu lösen habe, die nur von einem vollberechtigten Magistratsmitgliede wahrgenommen werden könnten. Der Magistratsantrag, für das Verkehrswesen eine neue Stelle im Magistrat zu schaffen, wird darauf ohne weitere Er- örterung einstimmig angenommen. Schluß nach 7 Uhr. Groß-öerlin. Hochsommer. In dem noch immer sehr reichen Blütenflor beginnt die Hauptblütenfarbe des Herbstes, das Gelb, mehr und mehr zuzunehmen. Gelb blühen die Nachtkerzen und Königskerzen an Bahndämmen und Wegrändern, die zahllosen Habichts- kräuter an Feldrainen und Waldwegen. In gelber Fülle des Sonnenbildes senken zahllose Sonnenblumen ihre mit der Zeit immer fruchtschwerer werdenden Köpfe nach der Richtung des Tagesgestirns, und gelb blühen in Gärten und in allen Laubenkolonien die Rudbeckien, die der Sonnenblume an Höhe gleichen, aber schlanker sind und viel kleinere Köpfe tragen. In fahlem Gelb liegen auch die gemähten Felder da, und die kornschweren Garben, deren körperliche Last uns eine geistige von der Seele nimmt. Aber an Stelle der Buntheit des Sommerslors tritt die neue Buntheit des langsam herannahenden Herbstes, ganz verschieden von jener, aber nicht weniger reizvoll. Diese Buntheit hat ihre praktischen Seiten, wie man sie z. B. den Beeten mit dicken, blauen Kohlköpfen abgewinnen muß, die sich jetzt in den Gemüsegärten gewichtig aufblähen, und sie weckt auch rein malerische Beschaulichkeiten, wie auf jeder Bahnfahrt, wo hinter Stoppeln und Getreidegarben blaue Waldsäume aufsteigen, dicht überwachsene Gräben mit dunklen Erlenzeilen das Gelände durchschneiden, und die tiefroten Beeren der Eberesche aus den Kronen leuchten. Hier und da, besonders in der Großstadt, fallen bereits vergilbte Blätter. Man hat das, gewiß mit Unrecht, als Anzeichen eines frühen Herbstes deuten wollen. Solche Erscheinungen, die man in Städten beobachtet, in denen die Bäume nicht unter natürlichen Bedingungen leben, beweisen nichts, und im Walde sieht man bis jetzt kaum etwas Nennenswertes von Blättcrfall. Soweit er vorhanden ist, hat er aber eine andere Ursache, als den angeblich frühzeitig drohenden Herbst. Die. ungewöhnliche Feuchtigkeit des Jahres hat das Laub zu einer ungewöhnlichen Entwicklung gebracht. Die Bäume haben sich eine Ucberproduktion darin geleistet. Sobald für den Ueber- schuß infolge des nun seit Wochen eingesetzten trockenen Wetters die nötige Feuchtigkeit mangelte, mußte ein Aus- gleich eintreten, indem der Üeberfluß an Blättern abzuwelken begann, aber eben nur der Ueberschuß. Auf einen vorzeitigen Herbst kann man hieraus auf keine Weise schließen. Der Mangel an Abschuß hat das Wild immer zutraulicher gemacht. Schon im Grunewald kann man, im Grase liegend, Dammwild dicht herankommen und ruhig äsen sehen, jvcnn man sich nur unbeweglich verhält. Im Brieselang sahen wir große Trupps Rebhühner auf Waldwegen, die immer nur ein paar Schritte liefen oder aufflogen, sonst aber auf dem Wege in wenigen Metern Entfernung blieben und sich und ihr Treiben beobachten ließen. Die Wildenten, deren Zahmheit bisher nur im Tiergarten bekannt war, zeigen nun auch in der weiteren Umgebung eine edle Dreistigkeit und überdies eine erhebliche Zunahme an Zahl. Aehnliches kann man an an- deren Tieren beobachten. Nimmt man hinzu, daß die Forst- Wirtschaft aus Mangel an Arbeitskräften weniger ausgiebig als sonst betrieben wird, der Wald daher in malerischer Weise etwas verwildert, so versteht man, daß der Naturfreund über diese an sich unvorschriftsmäßige Gestalwng der Dinge nicht böse ist. Nur den Grunewald müssen wir ausnehmen. Der wird nach Kräften„saniert". Hier sieht man stellen- weise den Wald vor lauter Baumlücken nicht mehr, und die Zahl der Stacheldrahtzäune, der umfriedeten Privat- stätten, Baumschulen usw. nimmt in einer Weise zu, die nichts Gutes ahnen läßt. Man muß schon kräftig aus- schreften und eine gute Strecke Weges zwischen sich und den Bahnhof bringen, bis man wieder ringsum hohen Wald um sich sieht. Aber wenn man das Havelufer erreicht hat und hier gegen Wannsee teils entlang schlendert, teils am Ufer „entlang liegt", über das Wasser hinweg oder in die Wipfel hinauf träumt, bald dem Kleingetier im Grase, bald den Möwen über dem See zuschaut, dann offenbart sich auch der Grunewald noch immer als ein heilsames Gegenstück zum nervenzerstörenden Wirbel der Großstadt in seinem Rücken. Die Mittelschule für Mädchen. Die BerlinerStadtverordnetenversamm- l u n g erklärte in ihrer gestrigen Sitzung sich einverstanden mit der vom Magistrat beantragten Uebernahme einer pri- vaten Mittelschule für Mädchen in die Verwaltung der Stadt. Dabei kam es zu einer grundsätzlichen Erörterung der Frage, warum solche Schulen für das weibliche Geschlecht notwendig sind und wie ihr Anschluß an die Volksschule ge- sichert werden kann. Die sofortige Durchführung der Maßregel, der Mädchen-Mittelschule die unteren Klassen zu nehmen, so daß für sie die Gemeindeschule als Vor- stufe dienen müßte, wurde in einem Antrag der Freien Fraktion gefordert. Stadtverordneter Cassel hielt nicht für ratsam, hiermit so rasch vorzugehen, und erreichte, daß namens der Freien Fraktion Stadtverordneter Dr. Ritter den An- trag zurückzog. Unser Genosse Dr. Weyl bedauerte, daß die Gelegenheit, einmal mit der Aufhebung von Vorschulklassen einen Anfang zu machen, wieder verpaßt werden soll. In seinen Ausführungen über die Stellung der sozialdemokrati- schen Fraktion zur Frage der Mittelschule fiir Mädchen be- tonte er, daß gleich der Volksschule auch die Mittelschule schulgeldfrei sein muß. Einstweilen steht freilich von dieser Forderung, die uns als selbstverständlich gilt, noch nichts in der Magistratsvorlage. Mit der Vorlage wurde auch eine Resolution Cassel angenommen, die den Magistrat um„baldigste" Aufstellung und Vorlegung eines allgemeinen Planes für die künftige Gestaltung der Mittelschule ersucht. Erst im Anschluß hieran will man dann erwägen, ob die Mittelschule ihre den Vorschulklassen gleichzuachtenden Unter- klassen behalten soll oder nicht. Ein sonderbarer Tarif. Die Berliner Wach- und Schließgesellschaft be- rechnet die Gebühren für Bewachung von Läden nach einem Tarif, dessen Sinn den Ladeninhabern nicht immer klar ist. Aus einem Vorort des Westens wird uns mitgeteilt, daß für ein paar Läden von annähernd gleicher Größe sehr ungleiche Gebühren erhoben werden. So muß ein Ladeninhaber die Bewachung seines Geschäftes mit einer monatlichen Gebühr von 2,50 M. bezahlen, während die- selb« Gesellschaft dem Inhaber eines gegenüber gelegenen Ladens für dieselbe Leistung eine Gebühr von 4 M. pro Monat abnimmt. Beide Läden sind etwa gleich groß, und jeder hat nur einen Ein- gang und zwei Schaufenster, so daß die Mühe des Wächters in dem einen Fall wohl nicht größer als in dem anderen sein wird. Auch bei der Gebührenerhöhung, die den Inhabern dieser Läden vor kur- zem beschert wurde, verfuhr die Gesellschaft nach nicht ganz klaren Grundsätzen. In dem einen Fall erhöhte sie die Gebühr von bisher 2 M. um 50 Pf. auf 2,50 M., in dem anderen Falle schlug sie auf die bisherigen 3 M. sogleich 1 M. und forderte fortan 4 M. Die Unterschiede, die wir hier als Beispiele anführen, sind nicht die ein- zigen. Nahe den erwähnten Geschäften befinden sich ein paar an- der« kleine Läden, für deren Bewachung die Gesellschaft jetzt 3 M. pro Monat erhebt. Als diese Besonderheiten des Tarifs den betei- ligten Geschäftsleuten durch Zufall bekannt wurden, erregten sie nicht geringe Verwunderung. Wie soll man die ungleiche Gebühren- berechnung verstehen? Rechts ausweichen der F-uhgSnger. Eine neue Straßenordnuna sieht u. a. vor, daß Fußgänger, die nicht rechts ausweichen, bestraft werden. Der Berliner Magistrat hat beschlossen, gegen diesen Vorschlag Bedenken zu erheben. Der Magistrat ist der Meinung, daß eine feste Ordnung nur für die Fahrstraßen notwendig und am Platze sei, daß es dagegen be- denllich erscheine, den»Fußgänger für jede seiner Bewegungen auf dem Bürgersteig verantwortlich zu machen und einer Strafanzeige auszusetzen. Aus dem gegenwärtigen Zustande, nach welchem den Organen der Polizei eine bedeutende Einwirkung auf die Gestaltung des Fußgängerverkehrs bereits zusteht, haben sich Schwierigkeiten keineswegs ergeben. Es darf deshalb angenonimen werden, daß die abweichende Auffassung des Magistrats das Zustandekommen der neuen Straßenordnung schwerlich gefährden wird. Ein Hauseigentümer an eine Kriegerfra«. Durch den folgenden Brief, den wir ohne Aenderung wort- und buchstabengetreu wiedergeben, wurde in Lichtenberg eine Krieger- frau von ihrem Hauswirt um Miete gemahnt: „Frau Lewin durch Ihr absichtliches zurückhalten der fälligen Monatsmiete, erblicke ich Ihre schmutzige und böswillige Handlung, Sie bekommen regelmäßig die Unterstützung und sind verpflichtet die Miete von 14,50 am 1. oder 2. wie Sie das Geld bekommen zu bezahlen ohne das ich Ihnen jedesmal 2—3 mal und noch öfter mahnen muß solten Sie Ihre Methode nicht ändern, so bin ich gezwungen, das Mietsamt anzurufen, als 20jähriger Eigentümer habe ich Leute die sich so l ä st i g machen wie Sie, nicht kennen gelernt, ich bin für L e w i n s gewarnt worden, aber Leider zu späth, ich kann Ihnen aber heute schon sagen, das Ihre Woh- nung gekündigt ist eine Frau die alle 9 Monat mit der Behäbbig- keit auf der Nachbarschaft Stunden lang klatscht, worüber sich be- reits Leute aufhalten, und in der Wohnung nichts macht, gereicht Ihnen wohl nicht zur Ehre; Ich könnte Ihnen viel mehr sagen, aber ich halte es für nicht angebracht, wohl aber muh ich Ihnen nochmals sagen das ich die Miete am 1. oder 2. ohne zu mahnen zu verlangen habe, eine Familie mit% Dutzend Kindern und dann derartig lästig, ist kein Vergnügen beglücken Sie mit Ihrem Aeußeren und Kindern einen anderen Hauswirt. Gust. Brodle, Eigentümer." Zur Erläuterung dieses Briests wollen wir uns auf wenige Worte beschränken: Soweit Herr Brodle in Frage kommt, enthalten wir uns jeder Aeußerung. Ueber Frau Lewin sei bemerkt, daß sie sich in der Schwangerschaft befindet. Sechs Kinder hat sie, nicht„% Dutzend"— wie Herr Brodle im Uebereifer schreibt. Sie bezahlte die Miete nicht schon am 1. oder 2. dieses Monats, weil zu der Zeit die Unterstützung noch nicht in ihren Händen war. Daß der Hauswirt sie„jedesmal drei- bis viermal und noch öfter mahnen" müsse, weist sie als unzutreffend zurück. Man beachte, daß Herr Brodle das Wort„jedesmal" sogar durch Unterstreichung hervor- gehoben hat. Es ist begreiflich, daß Frau Lewin den Brief nach Inhalt und Form als Beleidigung empfindet. Was sagen übrigens zu diesem Brief diejenigen, die in Sorge um die Zukunft Deutsch- lands jetzt die Beherzigung des Wortes„Seid stuchtbar und mehret euch!" für eine vaterländische Pflicht erklären?, Um die Milchkarte«« Aus dem Rathause wird folgender Hinweis verbreitet: Infolge der durch das Nachlassen der Produktion verursachten geringeren Milchzufuhr nach Groß-Berlin haben sich zahlreiche Personen, die nicht im Besitz von Milchkarten sind und daher mehr und mehr keine Milch erhielten, veranlaßt gesehen, sich ein ärztliches Attest zu verschaffen, um auf diese Weise in den Besitz einer Milch- karte zu gelangen. Die Milchversorgungsstelle Groß-Berlin weist darauf hin, daß auf solche Anträge Milchkarten nur dann zugebilligt werden, wenn es sich um schwere Krankheitsfälle handelt, zu deren Behandlung der Milchgenuß absolut unentbehrlich ist. Das Publikum wird daher gut daran tun, selbst zu überlegen, ob es wegen eines geringfügigen Krankheitsfalles einen Arzt bemühen und sich Unkosten machen will, die aller Wahrscheinlichkeit nach zwecklos sind." Die neue Seifenkarte. Die Hauseigentümer und Verwalter werden daran er- iitnert, daß sie nach der Verfügung des Magistrats vom 28. Juli 1916, die an den Anschlagsäulen und in den Zeitungen bekannt gemacht worden ist, verpflichtet waren, die Seifenkarten in den ersten drei Tagen des Monats August von der zuständigen Brotkommisston abzuholen und an die Haushalwngsvorstände zu verteilen. Wer dies nunmehr nicht sofort erledigt, setzt sich der Gefahr einer Bestrafung aus, Auf dem Bahnhof erschossen hat sich gestern vormittag ein Mann in Offiziersuniform, dessen Persönlichkeit noch nicht feststeht. In einem Hotel in der Schadowstraße stieg gestern ein angeblicher Offi- zier ab, der weder Gepäck noch sonst etwas mit sich führte. Es fiel auf, daß er den Namen, den er zunächst angab, später änderte. Min- destens einer mußte falsch sein. Verdacht erregte weiter die Art und Weise, wie der Mann sich auf der Straße benahm. Man benach- richtigte deshalb die zuständige Behörde. Gestern morgen erschienen im Hotel zwei Beamte und ersuchten den Gast, mit ihnen nach der nächsten Polizeiwache auf dem Bahnhof Friedrichstraße zu kommen, damit er sich über seine Person ausweise. Er ging auch ruhig mit. Auf dem Bahnhof bat er, ihn erst austreten zu lassen. Während nun die Beamten den Ausgang bewachten, schoß sich der Fremde auf dem Abort aus einem Revolver kleinen Kalibers eine Kugel in die rechte Schläfe und war sofort wt. Vermutlich handelt es sich um einen Mann, der aus Eitelkeit zu Unrecht in der Offiziersuniform umher- ging und jetzt die empfindlichen Folgen dieses Unfugs fürchtete. Solche Prahlhänse hat daS Kriminal-Militär-Strciflomniando in der letzten Zeit schon mehr auf der Straße getroffen und angehalten, so erst kürzlich einen Kaufmann, der den Rittmeister spielte. Wenn sie auch eine vorschriftsmäßige Uniform tragen, so findet man sie an ihrem Benehmen doch leicht heraus. In der Regel aber fehlt auch dieses oder jenes an den Abzeichen. Zuweilen tragen die Narren ganze Phantasieuniformen. Die Entlarvten werden fiir die Dauer deS Krieges in Sicherheitshast gesetzt. WrtS die Berliner für Schinken bezahlen. Unier dieser Ueberschrift lesen wir in der.Deutschen Kriegs- zeitung": „Ein gutes Geschäft machte dieser Tage ein Landwirt in einem braunschwcigischen Dorf. Zu ihm kam ein zu Besuch weilender Herr aus Berlin und bot ihm für einen saftigen Schinken im Gewicht von vierzig Pfund für das Pfund acht Mark. Der Verkauf kam zu« stände, und der Berliner zahlte 820 Mark für den einen Schinken." Man sieht, was manche Leute sich auch heute noch leisten können, wenn sie es dazu haben._ Aus dem Fenster deS vierten Stockwerkes des HauseS Mark- grafenstr. 75 auf den Hof gestürzt hat sich gestern früh 7 Uhr die 24jährige Lucie Gerike. Das Mädchen war sofort tot. In AdlcrShof stürzte sich am Mittwoch abend eine Frau Schulz aus der Kronprinzenstraße, Ecke Hoffmannstraße, aus ihrer im dritten Stock belegenen Wohnung auf den Hof. Die Frau starb bald. Sie hinterläßt drei unmündige Kinder. Ein Zusammenstoß von zwei Straßenbahnwagen ereignete sich am Millwochnachmittag auf der eingleisigen Strecke in dem von Stralau nach Treptow führenden Tunnel unter der Spree. Der Zusammenstoß war zun. Glück nicht übermäßig stark, so daß die Fahrgäste in der Hauptsache mit dem bloßen Schreck davonkamen. Wagenführer und Tunnelwärter, die es an der nötigen Vorsicht fehlen ließen, sind ihres Amtes enthoben worden. Am Grabe seiner Frau vom Tode überrascht wurde gestern abeijd der 63 Jahre alte Arbeiter Heinrich Schnee aus der Kösliner Str. 23. Der Mann hatte den Grabhügel auf dem PHilippuS-Apostel-Fried- host in der Müllerstraße gepflegt. Beim Antritt der Heimkehr brach er vom Schlage gerührt auf dem Mittelwege zusammen. Als andere FricdhofSbesucher ihn auffanden, war er schon tot.— Am Herzschlag starb auch die 82 Jahre alte Zeitungshändlerin Frida Gille auS der Minenwalder Str. 32. Als sie gestern mit ihren Blättern die Kaserne des Augusta-Regimenls in der Friesenstraße aufsuchen wollte, sank sie auf dem Hofe tot um. Ein Fahrstuhlunglück ereignete sich gestern nachmittag im Weihen- stepban in der Jägerstr. 15, Ecke Friedrichstraße. Dort verunglückte der Hausdiener Kroll bei der Bedienung des Fahrstuhles, sodaß die Feuerwehr geholt werden mußte. Sie konnte aber den Mann nur noch als Leiche bergen. Reisen nach Oesterreich-Ungarn. Das Polizeipräsidium teilt mit: Zum Nachteil der Reisenden ist vielfach beobachtet worden, dast deutsche ReichSangehörige, die zum Kurgebrauch usw. die Grenze nach Oesterreich-Ungarn überschreiten wollen, sich zwar im Besitze eines vorschriftsmäßigen Reisepasses befinden, daß sie aber diesen Paß durch die österreichisch-ungarische konsularische Behörde mit dem Sichtvermerk nicht haben versehen lassen. Derartige Reisende müssen beim Ueberschreiten der Grenze bestimmungsgemäß zurückgewiesen werden. Die Bevölkerung wird daher auf die Verpflichtung hin« gewiesen, deu Paß bei Auslandsreisen mit dem erforderlichen Sich- tungsvermerk vorher versehen zu lassen. Die Besucher deS Zoologischen GartcnS, vor allem die kleinen, werden in Zukunft um eine Freude beraubt sein. Wie drängte sich doch alles um den Affenzwinger, in dem Moritz und Misst ihre ge- lehrigen Künste zeigten. Die zwei Schimpansen, die groß und klein viel Spaß bereiteten, sind tot. Misfi starb vor einem halben Jahre; setzt ist auch Moritz seiner Lebensgefährtin gefolgt, er ist nach längerem Kränkeln an Lungentuberkulose gestorben. Sein Aller wird auf IS Jahre geschätzt. Der Kadaver ist, wie auch seinerzeit derjenige der Missi, dem Krankenhaus Friedrichshain überwiesen worden. Bekanntlieb bilden Menschenaffen von dieser Größe und Wesensart ein äußerst dankbares Studienobjekt für die Heilkunde. Straßendahmimlcnkimg. Wegen Bauarbeiten in der König- stratze zwitchen Kloster« und Dircksenstraße werden in den Nächten vom 14.— 15., 16.— 17., 18.— 19., 22.-23., 24.-25., 28.-29., 30. bis 81. August, 1.-2., 5.-6., 7.-8., 11.-12., 13.-14. und 15. bis 16. September d. I. von 10 Uhr ab in der R Richtung nach dem Alexanderplatz die Straßenbahnlinien 59, 60, 6t, 65, 67, 69, 71, 73, 7t, 80, 162 und 164 über Spandauer Straße, Hackeschen Markt, Neue Schönhauser-, Münz- und Alexander straße, in den Nächten vom 15.-16., 17.-18, 21.-22., 23.-24., 25.-26., 29. bis 30. August, 31. August zum 1. September, 4.-5., 6.-7.. 8.-9., 12.— 13. und 14.— 15 September d. I. ebenfalls von 19 Uhr ab die Linien 58, 61, 69, 74, 80, 164 vom Alexanderplatz ab über denselben Weg, die Linien 61 und 80 jedoch über Kaiser-Wilhclm« und Heilige« geistsiraß«, umgeleitet. Die Linie A verkehrt jetzt wieder auf ihrem alten Wege durch die Potsdamer, Kurfürsten-, Flottwellsiraße. I« Possen-Thcater findet heute Freitag. 11. August, die Wieder- eröffnung mit zwei von Leonhard Haskel verfaßten Possen»Gebr. Hirsch" und»Fängste schon wieder an' statt. /ins öen Gemeinden. Z« den Parteidifferenze» in Teltow-Beeskow. Wir werden um Aufnahme nachstehender Mitteilungen ge- beten: Köpenick. Unter Leitung der Genossen Fritz Heidrich und Albert Beyer ist hier von»inigen Personen ein neuer Verein ge- bildet, der irreführend unter dem Namen»Wahlverein Köpenick' auftritt. Wir weisen die Parteigenossen darauf hin. baß der alte Wahlverein unverändert fortbesteht. Wer Mitglied der Partei bleiben will, zahle seine Beiträge nur an die Kassierer deS alten WahlvereinS, die eine vom Vorsitzenden Ge- nassen Emil Wißler eigenhändig unterschriebene und mit dem große» BereinSstempel versehene Legitimation haben. Jugendweihe in Neukölln. Die Jugendweihe findet Tonntag, den 24. September 1916, in der üblichen Weise statt. Anmeldungen werden bi» 9. September im Bureau des Wahlvereins und in beiden ZeitungSfpeditionen entgegengenommen. Ferieuspiele in Mariendorf. wald. Treffpunkt um 2 Uhr am athauS. nachmittag Spielen im Ur- Soziales. Zur ReichSvereinsgesetznovelle. Einen Beitrag dafür, wie recht diejenigen hatten, die der Ansicht waren, die Reichsvereinsgesetznovelle garantiere keines- wegS ein Recht der Jugendlichen, bringt daS letzte„Corre- fpondenzblatt der Generalkommission". Dort führt Emil Kloth an, daß der»Reichsdeutsche Mittel- standSverband" am LI. Juni ein Rundschreiben versandt hat, in dem es heißt: „Der Lehrherr übt also dieselbe Gewalt aul, die einem Vater über seinen Sohn zusteht. Kraft dieser Gewalt kann er bei- spielsweise dem Lehrling verbieten, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein. Nach den Erklärungen deS Vertreters der ReichSregie- runa soll diese Möglichkeit, wenn wir sie richtig verstanden haben, ausdrücklich offengehalten werden. Freilich hat der RegierungS- Vertreter von einer Beschränkung des KoalitionSrechtS der Jugend- lichen„durch Vertrag" gesprochen. Wir nehmen aber an, daß er hiermit Gewerbetreibende, auf die die vorgenannten Paragraphen zutreffen, die also Lehrlinge im Sinne des Gesetzes be- schäftigen, nicht im Auge hatte. Vielleicht hat er gedacht an die- jcnigen Betriebe, die zugcndliche Arbeiter beschäftigen, auf die ja die vorgenannten Paragraphen nicht Bezug haben. Diese würden also durch«inen Vertrag, etwa in der Form einer Werk- statt- oder Fabrikordnung, vom Anschluß an die Gewerkschaften ferngehalten werden können. DaS Handwerk und übrigens selbst- verständlich auch der kaufmännische Mittelstand werden in Ruhe überlegen müssen, welche Maßnahmen sie treffen, um die be- stehenden Möglichkeiten möglichst allgemein in unserem Vater- lande auszunutzen. Denn die selbständigen ErwerbSleute, die mit der Verantwortung für ihre Betriebe, für ihr Personal und für ihre eigene Existenz bis oben vollgepackt sind, erkennen, welch eine furchtbare Gefahr nicht nur für ihre Berussstände, sondern für unser gesamte» Volk e» haben würde, wenn die Jugendlichen und die Lehrlinge während der Zeit, wo sie ihren Beruf und Gehorsam lernen müssen, in daS Getriebe der Gewerkschaften hineingerissen werden. Und daß die Gewerkschaften die feste Absicht haben, die Jugendlichen bei Lohnkämpfen zu verwenden, da« offenbaren die vorstehenden Ausführungen aus den Reichs- tagsverhandlungen. Sorgen die selbständigen Betriebsleiter nicht schleunigst für das Notwendige, so werden sie sich nicht zu wun- dcrn brauchen, wenn hernach bei Lohnkämpfen auch die Lehrlinge gezwungen werden, zu streiken. Daran möge jeder Handwerker und jeder Kaufmann denken in dieser Zeit, wo er mit beschließen mutz, welche Maßnahmen zum Schutze gegen diese? unheilvolle Gesetz getroffen werden sollen." Kloth selbst meint dazu:„Gewiß ist der Einfluß der Mittelständler kein großer, aber eS wäre nicht ausgeschlossen, daß sie nur da» aus- gesprochen haben, was die Unternehmer im allgemeinen auszu- führen gedenken. Und da heißt eS nicht nur für die Gewerkschaften, scharf AuSlug zu halten, sondern auch rechtzeitig die Eltern auf die Gefahr aufmerksam zu machen, welche ihrem Nachwuchs mann« lichen und weiblichen Geschlechts besonders al» jugendliche Arbeiter droht, wenn sie durch Verträge oder Arbeitsordnungen irgendwelcher Art veranlaßt werden sollen, auf ihr gute? Recht der gewerkschaft- lichen Organisation und damit auf eine Mitbestimmung über ihre ArbeitSbeDingungen zu verzichten." Alles ganz nett und schön. Aber wa» nützt da» „Auslug halten", nachdem durch Annahme der Novelle die Gelegenheit verpaßt ist, den Gewerkschaften und den Jugend- lichen daS Recht zu geben, auf das sie Anspruch haben? Bei der Beratung der Vereinsgesetznovelle hat Ministerialdirektor Lewald für die Reichsregierung ausdrücklich in der Kommission und am 5. Juni im Plenum des Reichstags erklärt: die Gewalt 'Verhältnisse, die durch die Schuldisziplin und durch daS Verhältnis des Lehrherrn zum Lehrling durch das Recht der Behörde gegeben sind, sollten durch die Novelle nicht berührt werden. Vergeblich wiesen die Abgeordneten Dr. Herzfeld und Stadthagen darauf hin, daß ja nach dieser Erklärung und nach der des Ministers Delbrück am 10. Dezember 1912 das Recht der jungen Leute, in eine Ge- werkschaft einzutreten, von dem Belieben der Schulbehörde, der Lehrherren und der Arbeitsordnung abhängt. Vergeblich der Hinweis, daß ja danach— nach der Ueberzeugung der Redner entgegen dem bisherigen RechtSzustand— durch Verträge und durch Schulvorschriften den ForibilbungSschülern, den Lehrlingen, jugendlichen Arbeitern unter 18 Jahren, auch darüber hinaus den Er- wachsenen, den Staatsarbeitern, verboten werden könne, GeWerk- jchaften anzugehören. Die Novelle wurde in der bekannten Fassung nach den Erklärungen des Staatssekretärs angenommen, denen nur die beiden genannten Abgeordneten widersprachen. Dadurch ist die Möglichkeit, den Jugendlichen den Eintritt in die Gewerk- jchaften zu verwehren, gegenüber dem früheren Zustand noch erhöht. Ein Zeichen hierfür ist das vom„Correspondenzblatt" mitgeteilte Rundschreiben. Dies Schreiben zeigt, daß aus der Gestaltung der Novelle in der Form, die leider unter Ablehnung aller Verbesse- rungsanträge beschlossen ist, den Jugendlichen und den Gewerk- schaften neue, schwierigere Kämpfe als bisher um Erringung des vermeintlich erfochtencn Recht? der Jugendlichen und Gewerk- schaften bevorstehen._ Arbeiterschutzbestimmungen im Kriege. Darüber, daß die Arbeiterschutzvorschriften auch für Heereslieferanten gelten, belehrte das sächsische Oberlandes- gericht Dresden einen Heereslieferanten. Der Fabrikant Bahner in Lichtenstein hatte im Herbst vorigen Jahres große Lieferungen für die Heeresverwaltung übernommen, die in kürzester Zeit erledigt sein mußten. Der Fabrikant glaubte, seine Arbeiter ohne weiteres auch in der Nachtzeit von 8>4 Uhr abends bis 5)4 Uhr morgens beschäftigen zu dürfen, weil nach seiner Ansicht die Bestimungen der Reichsgewerbeordnung für die Kriegslieferanten nicht bindend seien. Da er die Erlaubnis der Amtshauptmannschaft nicht eingeholt hatte, erhielt er eine Strafverfügung über 100 M. wegen Vergehens nach Z 137 der Reichsgewerbeordnung. Diese wurde sowohl vom Amtsgericht Lichtenstein als auch vom Landgericht Zwickau bestätigt. Hier- gegen wendete sich die Revision de» Fabrikanten. Er machte vor dem OberlandeSgericht Dresden erneut geltend, daß er und auch alle anderen Fabrikanten, die mit Aufträgen für die Heeresverwaltung beschäftigt sind, der Meinung gewesen seien, die Gewerbe- ordnung sei für die KriegSlteseranten nicht mehr, bindend. DaS OberlandeSgericht belehrte jedoch am Mittwoch den Angeklagten unter Verwerfung seiner Revision eine? besseren, indem eS entschied, daß ein Rechtsirrtum der Vorinstanzen nicht vorliege. Die Bestim- mungen der Reich Sgewerbeordnung seien auch für die Kriegslieferanten maßgebend und bin- d e n d. Die Genehmigung für Nachtarbeit müsse unter allen Um- ständen von den Verwaltungsbehörden eingeholt wevden. Der Angeklagt« habe sich einer fahrlässigen Handlung nach§ 187 G.O. schuldig gemacht. Daß er einem MitzverständmS zum Opfer gefallen sei, schütze ihn nicht vor Strafe. Gerichtszeitung. Ein Selbstmordversuch. Eine LiebeSaffäre, bei der ein Rasiermesser eine Rolle spielte, beschäftigte gestern die Ferienstrafkammer bei Landgerichts I. Die Anklag« lautete auf gefährlich« Körperverletzung und richtete sich gegen die Näherin Anna Rottin. Ende Dezember vorigen Jahr«? war die Rottin bei dem Schneider Alfons Wittwer, der sich während des Kriege» ein« selbständige Werkstatt ringe- richtet hatte, als Näherin eingetreten. ES chatten sich zwischen beiden nähere Beziehungen entwickelt. Die Angeklagte behauptet nun, daß diese Beziebungen zu einer Heirat führen sollten, Wittwer dagegen stellt flies energisch in Abrede. W. schrieb nach einem Auftritt zu Pfingsten einen in heftigem Tone gehaltenen Absagebrief. Die Angeklagte suchte ihn noch einmal auf, um eine letzte Aussprache herbeizuführen. Nach ihrer Angabe sollte es wirklich die letzte sein, denn sie habe für den Fall, daß ihr eine Aussöhnung nicht gelänge, sterben wollen. Lediglich zu diesem Zweck will sie sich das Rasiermesser gekauft und mitgenommen haben. Wie sich daS Zusammentreffen abspielte, darüber gehen die Schilderungen der Beteiligten auseinander. Nach der Aus- sage deS Schneiders Wittwer ist die Rottin am Abend de? 18. Juni, während er die Tür zu seiner Wohnung in der Dunckerstraße aufschloß, plötzlich auf der Treppe hinter ihn getreten, hat ihn am Jackett gezupft und ihm, als er sich daraufhin umsah, mit einem bereitgehaltenen Rasiermesser, alle? blisi'chnell binterein- ander, einen Schnitt an der linken Halsseite beigebracht, nach- dem sie noch gerufen, sie wolle in seine Wohnung. Dann habe sie ihn in diese hineingedrängt, um ihn weiter mit dem Raster- messer zu bearbeiten, jedoch sei es ihm geglückt, um Hilfe zu rufen, worauf Leute herbeikamen. Die Angeklagte dagegen behauptet, daß sie, da die Aussprache vergeblich war und sie die ihr angeblich anaetanene Schmach nicht überleben zu rönnen glaubte, das Messer gegen sich gerichtet habe, um sich den Hals durchzuschneiden. Wittwer habe es ihr entreißen wollen und bei dem Ringen sei eS dann wahrscheinlich gegen seinen Hals ge- kommen. Das Schöffengericht schloß sich den Angaben de» Zeugen an und verurteilt« die Angeklagte zu 3 Monaten Ge- f ä n g n i». Auf ihre Berufung hin erkannte die Straf« lammer jedoch aufIreisprechung, indem sie da» Gutachten de» med,. ganze letzung spreche. Ein Schwein zu viel. Welche Bedeutung einem einzigen Schwein in der Jetzt- zeit zukommt, zeigte eine Verhandlung, die gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte gegen den G r o ß s ch I ä ch t e r- meister Georg Behrendt stattfand. Zur Regulierung des Bedarfs der Schlächter an Schweinen hat der Magistrat unter dem 11. November 1915 ein« auf dem Zentralviehhof angeschlagene Verordnung betr. die Zulassung der Käufer und die Verteilung der Schweine erlassen. Danach durfte ein Großschlächter nicht mehr als 50 Schweine aufkaufen. Gegen diese Verordnung hat der Angeklagte verstoßen, indem er am 16. November auf dem Viehhof anstatt der zugelassenen 50 Schweine deren 51 gekaust hatte. Für dieses eine Schwein sollte der Angeklagte nach dem Antrage des AmtSanwalt» 800 M. Strafe zahlen. Das Schöffengericht nahm jedoch nur Fahrlässigkeit an und setzte eine Strafe von 60 M. fest. Mus aller Welt. brannte aus. Die Hauptmagazine, die große Mengen Aether und Alkohol enthalten, sind unbeschädigt geblieben. Vernichtet sind 10 000 Kilogramm Aether und 6000 Kilogramm Alkohol. Der Betrieb dcS Werkes wird aufrecht erhalten. 62 Personen wurden ge- tötet, 108 Personen verletzt, von denen die meisten Brandwunden erlitten. Unter den Toten befindet sich der Vorsteher des Werkes Oberst Albu und der Betriebsleiter Hauptmann Savopol. Explosion einer Pulverfabrik bei Bukarest. Bukarest, 10. August. Ueber eine Mittwoch stattgefundene Explosion in der Pulver- und Waffenfabrik Dudesti bei Bukarest wird gemeldet: Die Explosion erfolgt« um 10 Uhr vormittags. Es explodierten nacheinander zwei Aetherbehälter. Ein Alkoholbehälter WetterauSüchte« für das mittlere Norddeutschland dt» Tonnabend mittag. Norm, zunächst noch trocken und vielfach heiter, fpäter vom Westen nach Osten fortschreitende vorübergehende Trübung und _____ besonder» im Süden leichte Regenfälle. Strichweise Gewitter._ Verantwortlicher Redakteur: Alfred Scholz, Neukölln. Für den gnseratenteU verantw.: Th. Glocke, Mrlin. Druck u.VS5MziÄI!voSrti Buchdrvckerei u, VerlagWrMt Kaut SWJtt& Cv-, BWin SW»' Das unechte Wildschwei«. Ein Schweinebcsitzn irgendwo im deutschen Vaterlande hatte sich ein fettes Schwein herangemästet. Da kam indes das Hau-- schlachtverbot, und der Besitzer des Borstentieres schien wohl oder übel auf de» saftigen Happen verzichten zu müssen. Aber bald fand er einen Ausweg. Er nahm Farbe und Pinsel und strich das Schweinchen sauber an, so daß es seinem wilden Vetter zum Ver- wechseln glich. Abends führte er das Tier in den Wald, stellte sich mit seinem Feuerrohr in schicklicher Entfernung auf und— Bum§— wälzte sich der grimme Basse in seinem Blute. Er hatte seine Rolle bis zu Ende vorzüglich gespielt, nicht so der mit dem frischen Bruch geschmückte glückliche Schütze. Ob er sich selbst seines Jagdglückes zuviel gerühmt hatte, oder ob Mutter den Mund nicht hatte halten lönnen, kurzum, die Geschichte kam zur Kenntnis der Polizei und die Folge der Waidmannsfreude war eine Anzeige wegen Ueber« trelung des Schlachtverbots._ folgenschwerer Wolkenbruch in Amerika. Eharlesto«(Westvirginien), 10. August.(W. T. B.s(Reuter- Meldung.) Ueber dem Tale de? Coal River ging ein Wolkenbruch nieder. Man glaubt, daß über hundert Menschen ums Leben gekommen find. Der Sachschaden beträgt eine Million Dollar. Köpenick. Parteiveranstaltungen. 14. August. M i t gliederversammlung. Montag abends 8'/, Uhr, Im L okale von Nieck, Grünauer Str. 7. Tagesordnung: 1. Bericht von der K reisgeneralversammlung. 2. Stellungnahme zu den .............«n am Orte. 3. Ersatzwahl zum Vorstände. en. Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Oraantsationsstrettigkelt e 4. VerewSangelegenheite Jugenüveranstaltungen. CchSneberg. Arbeiterjugend. Sonnabend: Spielen aus dem Platz Rubensstraße. Ansang 7 Uhr. Sonntag, den 13. August, bei Regenwetter am?<1.: Massenaus- flug nach Kaulsbors. Fahrgeld 20 Ps. Treffpunkt 7 Uhr Bahnbos Schöne- berg, sür Nachzügler'/,t2 Uhr Bahnhof Schöneberg, und 1 Uhr Baynhos Köpenick. Gaste und Ellern sind sreundlichst eingeladen. Dienstag, den 15. August, abend« 7 Uhr, Spielen aus dem Platz. Mittwoch: Lese- und Besprechungsabend im Lokal von Henkel, Meininger Str. 8. Ansang 8 Uhr. Schöneberg. Jugendbildungsverein. Sonntag, den 13. Fahrt nach Erkner, Treffpunkt ll,7 Uhr, Kaiser-Wiibeimpiatz. Mittwoch, den 16., Spieiabend im Lokal Hauptstr. 5, Ansang 3 Uhr. vriei ter>Radfahrer