Ar. 220.-33. Jahrg. flbonnemcntS'Redlngungen: Hbottnemmtä• Vre,» pränumerando Licrleljährl. S.Sv Ml» monall. 1,2v MI. wöchenUich so Vig. frei ins Hau? Einzelne Nummer ö Pfg. konnlap». Nummer mit illustrierter SonnianS. Vcilagc»Die Neue Welt' 10 Psa, SSofl. Monnement! 1,30 Marl pro Monat. Eingetragen tn die Vost- ZeitungK- Preisliste, llmcr Kreuzband für Teulictilan» und Oesterreich- Ungarn 2.60 Marl, fit da» übrige S!u?land 1 Marl pro Monat Postabonnement» nehmen an Belgien. Dänemarl. Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. kumäuicn. Schweden und die Schweiz. f 5 Pfennig) vi? TnlcrtlonS'GcöOljr tetrSgl füt die sechsgcspaltene Koloneltelle oder deren Raum SO Psg.. für polnische und gewerlschastliche BereinS- und Versammlungs- Anzeigen 80 Pfg. „Meine Snrcigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. ktellengcsuche und Schlasslcllenan- zeigen da» erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buch- slabcn zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmi itagS in der Expedition »dgegeden werden. Tie Expedition ist bis 7 Uhr abend» geöffnet krtcheiBi(Zgflch. Verlinev VolkSblatk. »elegramm-Adresie: �»xidiilem»!!»! llttild" Zentralorgan der fozialdcmokratird�cn Parte» Deutfchlands. ReSaktion: SA). H8, Linöeastraße 3. Fernsprecher: Amr Vlorivplab. Nr.»S» gv—».?» S7. Cin sächsisches Clektrizitäts- Monopol. Ii. Als Grund für die schnelle Wandlung ihrer Stellung zum Elektroverband gab die Negierung in ihrer Denkschrift an, sie habe bei näherem Studium der Sache die lieber- zcugung gewonnen, daß ein Gemeindcverband. der grohe und kleine Gemeinden unifasse, gar nicht in der Lage sei, die vielfach auseinandergehenden Interessen der einzelnen Ge- meinden sachgemäß auszugleichen. Da die Vertretung im Aufsichtsrat und in der Verbandsversammlung sich nach der Menge der im Jahre entnommenen Kilowattstunden richten sollte und Tarisänderungen nur mit Dreiviertelmehrheit be- schlössen werden sollten, so sei anzunehmen, daß die großen Gemeinden eine Ermäßigung des Tarifes sür die kleineren Gemeinden verhindern könnten und würden. Deshalb sei die dauernde Benachteiligung der kleinen Gemeinden und ländlichen Bezirke in der Elektrizitätsversorgung zu bcfürch- ten— die Industrie werde sich natürlich vor allem in jenen Gebieten ansiedeln, wo sie einen billigen Strompreis finde. Die natürliche Verteilung der Industrie und des Gewerbes über das ganze Land dürfe aber durch die Bemessung des Strompreises nicht beeinträchtigt werden. Zumal die Be- deutung des elektrischen Stromes für das Gewerbsleben nach dem Kriege stark wachsen werde. An die Stelle fehlender Menschenkräfte würden mechanische Arbeitskräfte treten, ver- altete Arbeitsmethoden würden neuzeitlichen elektrischen Be- trieben weichen müssen und daneben werde die elektrische Be- lcuchtung sich weiter ausbreiten. Nur der Staat, der die Aufgabe habe, allen Landesteilen„das erreichbare Gleich- maß der wirtschaftlichen Entwickelung zu sichern", sei in der Lage, den gerechten Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen zu schaffen. Dazu müsse er den Betrieb für die Stromerzeugung in der Hand haben, um sowohl über die zweckmäßigste Art der Maschinenausnutzung als auch über die Verwendung der Bruttoüberschiisse im Dienste der All- gcmeinheit verfügen zu können. Schließlich wird auch noch auf die kommende Einführung des elektrischen Betriebes auf den Eisenbahnen verwiesen; wenn sie auch für die Haupt- linien aus Gründen militärischer Zweckmäßigkeit vorerst noch nicht in Betracht komme, so doch für einzelne verkehrsreiche Neben- und Kleinbahnen und Vorortnetze. Für diese Ent- Wickelung müsse der Staat günstige Bedingungen, billigen Strom sichern und deshalb dürfe er kein Abhängigkeitsver- bältnis mit dem Elektroverband eingehen, auf dessen Ent- schließnngen er keinen genügenden Einfluß haben würde. Der Elektroverband hat den Regicrungsplan in einer längeren Eingabe bekämpft, die er an den Landtag richtete. Er bemängelte die plötzliche Wandlung der Regierungshal- tung, die UnVollständigkeit des Planes, das Fehlen jeglicher Berechnung der Wirtschaftlichkeit des Betriebes und des Strompreises, den hohen Kaufpreis für das Werk Hirschfelde und ungünstige Bedingungen des Kaufvertrages, vor allem aber die Schwerfälligkeit des Staatsbetriebes und die Gefahr, daß die Regierung das Monopol zur Erzielung von Ein- nahmen ausnützen und dazu den Strompreis erhöhen könne. Er empfahl ein gemifcht-wirtschaftlichcs Unternehmen, das von Gemeinden und Staat getragen werde, doch so, daß der Staat nicht die Oberhand habe. So werde die Gemeinnützig- keit des Unternehmens, der Verzicht auf Gewinn gesichert und die Nachteile der bureaukratischen staatlichen Venvaltung und die Gefahr des Fiskalismus vermieden. Die Regierung hatte den letzten Einwand gegen ihren Plan vorausgesehen und sich im voraus gegen ihn gewendet. Sie erklärte in ihrer Denkschrift, daß sie nicht die Absicht habe, dem Staate«ine neue reichlich fließende Einnahmequelle zu eröffnen. In erster Linie betrachte sie es als ihre Aufgabe, das Land mit billigem Strom zu versorgen. Außerdem sei der Staat bei der Bemessung des Strompreises nicht freier als die Gemeinde, die ja infolge ihrer Herrschaft über die Ge- meindewege sich innerhalb ihres Gebietes das Monopol des Stromverkaufs verschaffen könne. Und schließlich könne der Tarif nie über ein bestimmtes Maß hinausgehen, das durch die Selbstkosten gegeben ist, die dem Privatunternehmer bei der Eigenerzeugung der Elektrizität in seinem Grundstück er- wachsen. Das Recht zur Eigenerzeugung kann, da es durch die Gewerbeordnung gewährleistet ist, also durch ein Reichs- gcsetz. vom Staate nicht beschnitten werden. Im Landtag hat der Regierungsplan im allgemeinen eine günstige Aufnahme gesunden. Sozialdemokraten und Konservative waren bei allen Vorbehalten in den Einzelheiten grundsätzlich für den Staatsbetrieb und die Liberalen, die die Bedenken des Elektroverbandcs und der Industriellen ver- traten, die wegen der Gefahr des Fiskolismus eine besondere Vertrstung der Industrie bei der Verwaltung des Staats- betriebas forderten, zeigten sich bereit, unter gewissen Bedin- gungen zuzustimmen, da auch sie die Zentralisierung der Stromerzeugung als nützlich anerkennen mußten. Ueber die Beschküsse der Zwischendeputation der Zweiten Kammer ist der Bericht noch nicht erstattet, doch ist das Wesentlichste schon bekannt. Es besteht in der einstimmigen Bewilligung der vo» i*r Regierung geforderten außeretats- mäßigen Mittel, in einer günstigeren Gestaltung der Kauf- Verträge mit der E.L.G. für den Erwerb des Kraftwerks Hirschfelde und in der Aufstellung von Richtlinien für den Staatsbetrieb. Sie besagen, daß das Unternehmen keine Ge- winnquelle für den Staat sein soll, sondern daß die Strom- preise nach Deckung der Betriebs- und Erneuerungskosten nur volle Verzinsung und angemessene Tilgung sicherstellen soll. Der Strom-Kleinverkauf soll in der Regel den Gemeinden und Gemeindeverbänden verbleiben, doch hat der Staat das ! Recht, ausnahmsweise an industrielle Betriebe, die nur bei ! niedrigsten Strompreisen bestehen können, den Strom direkt ! zu liefern. In seinen Stromlieferungsverträgen mit den Gemeinden soll der Staat eine Verbilligung des Stromes für die Verbraucher anstreben, mindestens um soviel, wie der von ihm gelieferte Strom billiger ist als der früher bezogene oder hergestellte. Das Recht der Gemeinden und Privat- unternehmen, selber Strom zu erzeugen, wird nicht angetastet, insofern indes Gemeinden über ihr Gebiet hinaus Strom lie- fern, soll die Verlängerung der Verträge über ihren Ablauf und ebenso eine Ausdehnung ihres Versorgungsgebiets nur er- folgen, Wenn dabei die Interessen der mit Strom versorgten Gemeinden gewahrt werden und das Ziel der Verstaatlichung der Elektrizitätsversorgung nicht geschädigt wird. Private Elektrizitätsunternehmungen sollen möglichst vom Staate er- worden, die Gründung neuer Privatbetriebe aber verhindert weröen. Der staatlichen Verwaltung des Betriebes wird ein Landesclektrizitätsrat mit beratender Stimme zur Seite gestellt. Er soll aus je zwei Vertretern der Großstädte und der Handelskammern und je einem der Mittelstädte, der Landgemeinden, der Gcwerbckamnicrn und des Landeskultur- rats(der landwirtschaftlichen Vertretung) bestehen, auf For- derung der Sozialdemokraten wurde auch eine Vertretung der Arbeiterschaft„in Aussicht genommen". Einige Vertreter werden von der Regierung ernannt. Wenn der Bericht der Zwischcndeputation der Zweiten .Kammer vorliegt, wird die der Ersten Kammer die Vorlage beraten. Da die E.L.G. an den Vertrag über den Verkauf des Kraftwerks Hirschfelde nur bis zum I. Oktober gebunden ist, so wird der Landtag im Herbst zu einer kurzen Tagung zusammentreten, um das Werk zu vollenden. Voraussichtlich wird der staatliche Elektrizitätsbetrieb in Sachsen zustande- kommen. Dem Reichsmonopol für die Lieferung des elektrischen Stroms wäre damit ein erhebliches Hindernis in den Weg gewälzt. Um so mehr, als dieses Monopol gerade im Gegensatz zum sächsischen Plan dazu bestimmt sein würde, dem Reich eine neue reichliche Einnahmequelle zu erschließen. Ob freilich die guten Vorsätze der sächsischen Regierung und des Landtags, den elektrischen Strom nicht zu verteuern, vor- halten werden, wenn die Finanznot nach dem Kriege sich in ganzer Größe offenbaren wird? Sechmann tzollweg unü �agow in Wien. Wien, ll. August.(W.T.B.) Reichskanzler v o n B e t h- mann Hollweg, der heute früh 8 Uhr in Begleitung des Staatssekretärs v. I a g o w aus Berlin eintraf, wurde am Bahnhofe von dem deutschen Botschafter v. Tschirschkv und semem Neffen, dem der deutschen Botschaft in Wien zu- geteilten Botschaftssekretär Legationsrat v. Beth mann H o l l w e g, empfangen. Aus Anlaß der Anwesenheit des Reichskanzlers findet heute abend bei der deutschen Botschaft ein Essen statt. Wien, lt. August.(W. T. B.) Die Blätter widmen dem Be- suche des Reichskanzlers v. Bethmaun Hollweg und des Staatssekretärs v. Jagow in Wien Artikel, in denen sie die leitenden Staatsmänner des verbündeten Deutschen Reiches aufs herzlichste willkommen heißen.„Fremdenblatt" schreibt: Wie die Armeen draußen angesichts der feindlichen Fronten Schul- ter an Schulter im Kampfe stehen und nach übereinstimmenden Weisungen dem Feinde gegenüberlreten, so arbeiten daheim die Politiker der Verbündeten in loyaler Uebereinstimmung und in treuem Festhalten am Geiste des im Kriege so wunderbar be- währten Bündnisses. Bethmann Hollweg hat vom ersten Tage seines Amtsantritts angefangen als unentwegter und konsequenter Anhänger der BündniSpolrtik hohe Wertschätzung genossen, und so wird ihn die Bevölkerung der Monarchie auch diesmal freudig will- kommen heißen. Ihr Gruß gilt auch seinem hervorragenden Mit- arbeiter auf dem Gebiete der auswärtigen Politik, dem Staats- sekretär v. Jagow, der als zuverlässiger Freund der Monarchie Anspruch auf ihre dankbare Gesinnung hat. Man darf dessen sicher sein, daß die Beratungen der Staatsmänner einen ersprießlichen Verlauf nehmen und neuerdings dem feindlichen Auslande das Bild unerschütterlicher Einigkeit der verbündeten Mittelmächte vor Augen führen werden. Wieu, 11. August.(W.T.B.) Der R e i ch s ka n z l e r von Bethmann Hollweg und der Staats- sekretär von Jagow begaben sich heute iOty Uhr vormittags in das Ministerium des Aeußeren, wo sie mit dem Minister des Aeußeren Baron von Bnrian eine zwsistündige Unterredung hatten. Um 1% Uhr nach- mrtt«g?. nahmen der Reichskanzler und der Stasstsfckretär als Gäste Baron Burians das Frühstück im Schönbrunner StöcWaotäude. Wie», 11. August.(W. T. B.) Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg ist heute vom Kaiser Franz ■vzoseph in Audienz empfangen worden. Kurz darauf empfing Seine Majestät auch den Staatssekretär von Jagow. Expeüition: Slv. H8, Hmöenstraße 3. Fernsprccber: Zlmt Wtoripplat», Nr.»81 SO— IS» S7. Cntscheiöenöe verhanölungen in der polnischen ßrage? Unter Anknüpfung an die gestern wiedcrgegebene Meldung über die Reise des Reichskanzlers und des Staatssekretärs von Jagow nach Wien, um»die Besprechungen über die Ord- nung der Angelegenheiten der von den Berbündeten gemeinsam besetzten Gebiete fortzusetzen", und unter Bezugnahme auf das Geiücht, daß Gcaf Julius Andrassh an Steve Baron BurianS die Leitung der auswärtigen PoUtik der Tonou- Monarchie übernehme, schreibt die. K r c u z> Z e i t u n g" an der Spitze ihrer gestrigen Abendnummcr: »Bei dem bekannten Standpunkte des Grafen in der polnischen Frage wäre daS nicht ohne Bedeutung. Aber diese Gerüchte sind wenig glaubhaft. Denn wenn ein solcher Wechsel wirklich bevorstünde, würde Burian schwerlich noch mit so entscheidenden Verhandlungen betram werden. Und entscheidend darf man diese Verhandlungen wohl nennen, da sie die endgültige Regelung der Pol- irischen Frage bringen dürften. Wir haben unsere schweren Bedenken gegen diese Art des Vorgehens schon wiederbolr zum Ausdruck gebracht, durch die das dentschc Volk in einem der wichtigsten Punkte der politischen Zukunft?- gestaltung vor vollendete Tatsachen gestellt wird, ohne daß eine klärende Erörterung der überaus verwickelten Frage vorausgegangen wäre. Das entspricht nicht den ge gebenen Zusagen. Zur Sache selbst können wir nur den Wunsch aussprechen, daß allein das deutsche Jnter- esse bei den jetzt zu treffenden Entscheidungen maßgebend sein möge, und daß es nicht am moralische Augenblicks- erfolge und vorübergehender Vorteile willen in irgendeiner Hinsicht aufs Spiel gesetzt werden möge. Insbesondere wird man sich auch immer die Rückwirkung vor Augen zu halten haben, die die Gestaltung der Lage R u ss i s ch- P o l e n S auf unsere ge mischt sprachigen Provinzen haben muß. Mehr zu sagen ist uns im Augenblick nicht möglich. D i c Wirkungen der jetzigen Regelung können sich auf Jahrhundert« erstrecken, und es ist keine leichte Verantwortlichkeit, die die leitenden Persönlichkeiten jetzt ganz allein auf ihre Schultern nehme n." Von anderen Gesichtspunkten als die„Kreuz-Ztg." ausgehend, müssen auch wir die schwersten Bedenken dagegen aus- sprechen, daß über die Köpfe der Völker hinweg endgültige Ein- scheidungen in einer so wichtigen Frage wie die polnische gclroffei! werden sollen. henöersons /Ibschieö. Ziemlich überraschend kommt die Mitteilung von der Demission Hendersons als Unterrichtsminister. Was ist vorgegangen? Hat ihm das undemokratische Verhalten der eng- tischen Regierung veranlaßt, ihr den Rücken zn kehren und die Verantwortung für eine Politik abzulehnen, die von Liberalismus kaum einen Hauch mehr verspürt? Tic Gründe werden in der telcgraphischen Meldung nicht mitgeteilt, und wir tverden uns noch einige Zeit gedulden müssen, ehe wir Näheres erfahren, es geht jedoch aus der Notiz hervor, daß Henderson nicht vollkommen mit der Regierung gebrochen hat, denn sonst könnte er nicht»als Berater der Arbeiter- Partei im Kabinett bleiben". Ein wenig Licht in daS Dunkel dieses Vorgangs bringen zwei Aufsätze, von denen einer in der liberalen„Nation", der andere in dem Wocfyrnblatt der Nationalen Sozialisten Englands,„Justice", erschien. Beide beschäftigen sich mit dem Stand der Volkserziehung während des Krieges, und beide konimen zu dem Schluß, daß Herr Henderson die Erwartungen nicht erfiillt habe, die vor allem die Arbeiterschaft auf einen Unterrichtsminister setzen mußte, der aus ihren Reihen her- vorgegangen war.„Nation" knüpft an die Debatte im Unter- haus über das Schulwesen an, in der besonders Genosse M a c- Donald eine ausgezeichnete Rede gehalten hat, und schreibt folgende Sätze, die Henderson schwerlich angenehm sein konnten: „Ein Arbeiter-Mitglied(des Unterhauses), wenn er ein Mann mit der Kapazität freien und überlegten Denkens wäre, wenn er seine eigene Erfahrung und seinen eigenen Gesichts- Winkel an einem offiziellen Posten verwenden könnte, wenn er Perstandestiefe und aufbauende Macht hätte, könnte als Unterrichtsminister eine Epoche machen. Drei Arbeiter-Mit- glieder brachten wertvolle Beiträge in diese Debatte, und eins von ihnen, Mr. Ramsay MacTonald, entwickelte in einer Rede von seltener Fähigkeit und Tiefe vortrefflich jene Kraft, die Erziehungsproblcme in ihre menschlichen und sozialen Be- Ziehungen zu stellen, die den aufbauenden Reformer aus- macht. Von dieser Kraft zeigte Mr. Henderson keine Spur. Er stellte eine peinliche offizielle Höflichkeit zur Schau im Angesicht der Ruinen, in denen unser Schulsystem nach zwei Jahren Krieg liegt. Er hat als Verwalter weder Festigkeit gezeigt noch Hilfsquellen im Kampf gegen die Verwüstungen der reaktionären lokalen Autoritäten entwickelt. Schlimmer noch, sein Ausblick für die Zukunft mangelt des Zusammenhanges. und seine Armut an Ibsen prägt sich genügend in dem Ausweg aus, zwei oder drei Sachvcrständigenkomitees zu ernennen, um über eine einzige Seite des Reformproblems zu berichten." � Das ist ein hartes Urteil, aber„Nation" begründet c? im einzelnen, und wenn wir hören, wie„I u st i c c", der man gewiß kein Vorurteil gegen Henderson an allgemeinen volitischen Gründen nachsagen kann, über seine Tätigkeit spricht, so kann man den Tadel der bürgerlichen Wochenschrift kann? als unberechtigt zurückweisen.„Justice" vertritt den richtigen Gedanken, daß die Entwicklung des Staates zum großen Teil von der gründlichen Vorbildung der Kinder, bc» sonders ini Elementarunterricht abhänge. Aber an gut unter- richteten Kindern werde in England, wenn kein Wunder ein- trete. Mangel herrschen. Das Blatt weist auf Frankreich und macht. Von dicsre Kraft zeigte Mr. Henderson keine Spur. England größte Aufmcrksantfeit geschenkt werde, und fragt dann:„Wo ist Artur Henderson?"„Am Beginn des Krieges konnte erwartet werden, daß der Volksschulunterricht(xri- rnai-y eckucation) sicher vor Angriffen sein würde. Wurde nicht einem Arbciter-Mitglied des Parlaments der Posten des Präsidenten des Unterrichtsamts und ein Sitz im Kabinett gegeben? Sicherlich konnten sie darauf vertrauen, daß die Erziehung der Kinder derer, die sie speziell repräsentierten, geschützt würde." Die Arbeitcrmitglieder hätten mit wenigen Ausnahmen ihre Aufgabe vernachlässigt.„Ter Mann, von dem sie Führung und Unterstützung erwarten mußten, ent- täuschte sie miserabel. Mr. Henderson, von der Arbeiterpartei gestützt, hätte das meiste von dem Unrecht, das getan worden ist, verhindern können. Mr. Henderson wird die Genug- tuung haben zu wissen, daß er es zuließ, daß die Schwachen ihrer Rechte beraubt wurden, und daß Tausende von Men- schen in späteren Jahren sich seiner als des Mannes erinnern werden, der zugab, daß sie für den Lebenskampf geschwächt aufwuchsen." Die Zustimmung der Arbeiterpartei zur Besetzung des UnterrichtsamteS mit Henderson sei ein tragischer Fehler ge- Wesen. Hätte ein ausgesprochener Reaktionär diesen Posten ausgefüllt, so wäre es den Arbeitern leichter geworden, ihn zu bekämpfen. Tie Kapitalisten wüßten genau, daß eine gut unterrichtete Arbeiterklasse die größte Bedrohung des Kapi- talismus bedeute, deshalb hindern sie eine Reform des Schul- Wesens. Jetzt, wo die Arbeiterpartei zugesehen habe, wie der Standard des Unterrichts herabgedrückt wurde, werde es sehr schwer sein, auf einer Rückkehr zu den Bedingungen, wie sie vor dem Kriege waren, zu bestehen,— um nicht von den vielen Verbesserungen zu reden, die dringend nötig wären. Herbert Adams, der Verfasser des Artikels, vergleicht Henderson mit dem jungen Ncgcrmädchen aus dem Märchen, daS auf einen Tiger reiten wollte. Aber in der Geschichte sei nur die Lady verschlungen worden, während in der Erziehungsange- legenhcit nicht nur der Präsident des Unterrichtsamtes ver- schlungen worden sei, sondern mit ihm seien die Resultate der Arbeit von vielen Jahren vernichtet." Genosse Henderson mag nicht der geeignete Mann für diesen Posten gewesen sein. Aber hätte er auch die besten Fähigkeiten besessen, so würde er sich immer nur bis zu einem gewissen Grade haben durchsetzen können, bis zu dem Punkt, wo er auf die kapitalistischen Interessen stieß. EL ist eben nicht gut möglich, sozialistische Erfolge innerhalb einer Re- (rierirng zu erzielen, die durch und durch an�isozialistisch ist. Das darf man bei allem nicht aus dem Auge verlieren,(r) Der französische Tagesbericht. Paris, 11. August.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von Donnerstag nachmittag. Nördlich der Somme erzielten die Franzosen im Laufe der Nacht nördlich vom Gehölz von Hem einen Fortschritt: sie brachten gestern in dieser Gegend etwa 100 Ge- fangen« ein und erbeuteten sechs Maschinengewehre. Regen und Nebel behindern die Operationen. Eine deutsche ErkundungSabtei- lung, die südlich der Somme westlich von VermandovillerS an unsere Linien heranzukommen suchte, wurde in unserem Feuer zersprengt. Auf dem rechten Ufer der Maas zeitweise Beschießung in der Ge- gend von Fleury. Vrnxx und Thapitre. In den Vogesen hatte«in deutscher Handstreich gegen den vorspringenden Winkel nordwestlich von Altkirch, dem eine Beschießung vorangegangen war, keinen Er- folg und kostete den Angreisein Verluste. Flugdienst: An der Somme-Front lieferten gestern sran- zösische Flugzeuge fünfzehn Gefechte; sie schössen ein deutsches Flug- zeug zwischen Herly und Reconvillcrs herunter und zwangen zwei andere, in der Gegend von CombleS zu landen. Am 9. August und in der Nacht zum 10. August warfen französische Kampfgeschwader neunzig Granaten auf die Bahnhöfe an der Front Lassigny— Com- bles, 136 auf den Bahnhof von Cigny, 40 auf den Bahnhof von Anilly, 38 auf eine in der Gegend von Noyon tätige Batterie, IS auf den Bahnhof von Bazancourt nordöstlich von ReimS, 92 auf die Bahnhöfe von Spincourt, Danvillers und auf umliegende Truppen- lager. Paris, 11. August.(W. T. D.) Amtlicher Bericht von Donnerstag abend. Außer ziemlich lebhaftem Geschützfeuer nördlich von der Somme und in der Gegend deS Werkes Thiaumont war der Tag an der ganzen Front ruhig; das schlechte Wetter be- hindert die Operationen weiter. Belgischer Bericht: Einige Tätigkeit der deutschen Artillerie an verschiedenen Punkten der belgischen Front; unsere Bat» terien unterhielten ein zerstörendes Feuer im Abschnitt von Stern» stracte und weiter südlich, und zwar mit Erfolg. Die englische Melöung. London, 10. August.(W. T.B.) Amtlicher britischer Bericht. Die Lage ist unverändert. Feindliche Abteilungen, die südlich von Martinpuich vorgingen, wurden zurückgeschlagen. Der versprochene Sieg! W ol f f S Telcgraphenbureau teilt mit: Mit welchen Mitteln die französischen und englischen Befehls- Haber an der Somme-Front die anscheinend stark gesunkene flu- verficht ihrer Truppen zu heben und ihren schwindenden Mut neu zu beleben suchen, beweisen die folgenden in unsere Hand ge- fallenen Armeebefehle: 1. Englischer Armee-TageSbefehl(4. Arm.) vom 12. Juli 1916. „Der Feind hat bereits die meisten seiner Reserven aufge- braucht und hat nur noch sehr wenige verfügbar. Die noch zu durchbrechenden Verteidigungslinien sind nicht annähernd so tief, so stark oder so gut angelegt wie die schon«ingenommenen, und die feindlichen Truppen, e r s ch ö v f t und demoralisier t, sind viel weniger zur Verteidigung fähig, als sie es vor 10 Tagen waren. Tatsächlich ist die Schlacht schon mehr al» halb gewonnen. Was noch z u tun übria bleibt, i st leichter als das, was schon getan ist, und wir sind imstande, es durchzusetzen. Führt jeden Angriff bis zu seinem bestimmten Ziele durch, mit der gleichen Tapferkeit und Entschlossenheit wie am 1. Juli. Haltet alle gewonnenen Angriffsobjekte gegen Alle, die an» stürmen, wie es britische Soldaten stets zu tun pflegten. ES besteht kein Zweifel, daß einige Tag« weiterer standhafter, entschlossener, vereinter und unablässiger Anstrengungen die Wagschale noch entscheidender zu unseren Gunsten wenden und den Weg zu neuen Erfolgen öffnen werden, welch« den end- gültigen und vollständigen Sieg gewährleisten!" H. Qu. der 4. Armee gez. H. Rawlinson 12. Juli 16. Führer der 4. Armee. i-- «m ies«es SWlmrlim. Amtlich. GroßeSHauptquartier, 11. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich der Somme habe« farbige und weiße Eng- läuder vereinzelt uud ergebnislos angegriffen. Ebenso mißlaug der oftmals wiederholte Ansturm französischer Truppen hart nördlich dcö Flusses gcgeuübcr dem stand- haften Festhalten sächsischer Rescrvetruppcnteile. Im übrigen sind keiuc Erciguiffc besonderer Bedeutung zu berichten. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G c n e r a l f c l d m a r s ch al l S von Hindenburg. Zwischen Wiszniew-Sce und Smorgon, sowie in der Gegend nordöstlich von Krcwo sind zahlreiche schwache russische Angriffe mühcloS abgewiesen worden. An der Stochod-Front beschränkte sich der Gegner «ach seinen Niederlagen der letzten Tage im allgemeinen auf lebhafte Artillerictätigkcit, von ihm versuchte Teil- angriffe westlich dcö Nobcl-Sces, bei Lubieszow und südlich von Zareeze sind nicht geglückt. Die südlich von Zalocze eingeleiteten Kämpfe haben größere Ausdehnung angenommen. Ter russische Angriff, der zwischen Bialoglowy und Horodyszrze zunächst Boden gewann, wnrde durch deutschen Gegenstoß zum Stehen ge- bracht. Starke Augriffe deS Feindes in der Gegend von Trosciauiee wurde« blutig abgewiesen; seine Versuche, am Sereth südöstlich von Horodyszcze Vorteile z» erringen, sind restlos gescheitert. Front des Feldmarschallentnant» Erzherzogs Carl. Südwestlich von Mouastcrzyska sowie im Winkel deS Tnjestr und der Bystrzyca griffen starke russische Kräfte an. Der Uebcrlegenheit des Gegners mußte der tapfere Verteidiger an einzelnen Stellen nachgeben, Gegenangriffe fingen de» feindlichen Austurm wieder auf uud brachte« den Kampf zum Stehen. Tie im Gange befindliche Umgruppierung der ver- büodetcu Truppen, die angeordnet wurde, um den russi- schen Kräftrvcrschicbungcu Rechnung zu trage», ist in wci- terer Durchführung. In den Karpathen bemühte sich der Feind südlich von Zabie vergebens,«uS die errungene« Borteile wieder zu entreiße«. Balkan-Kriegsschauplatz. Südlich des Dojran-S?ts unternahm der Gegner mit schwachen Abteilungen einzelne Scheinangriffe, die ohne ernstlichen Kampf durch unscr Feuer abgewiesen wurden. Oberste Heeresleitung. O* Set öilmeWM GeoeMWMlM. Wien, 11. August 1916.(W.T.B.) Amtlich wird ver- lautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Heeressrout de» F e ld m a r s ch a ll r u t u»« ts Er». Herzogs Carl. Unsere Karpathenlruppen habe» südlich von Zabie neuerdings parke russische Angriffe abgeschlagen. Nordöstlich von StaniSlau und südwestlich von MvnastrrzyLka griff der Feind wieder mit überlegenen Krüftc« an, er errang wohl einige örtliche Erfolgt, wurde aber schlichlich nach hartem Ringen zum Stehen gebracht. Die in diesem Räume kämpfenden Streitkräfte sind im Begriff, jene Räume zu erreichen, die ihnen angesichts der Kräftever- schicvung deS Gegners zugcwtcse» worden sind. Dir Russen haben Dclatyn und TySmieniea besetzt, auch StaniSlau ist von uns ohne Kampf geräumt worden. HerreSfront des G c n er a l fe ld m a r s ch a ll» v. H i n d e n b u rg. Südöstlich von Zalocze wurden russische Massenangriffc durch Gegenangriffe abgeschlagen. Ebenso wurde bei TroScianicc der Feind blutig abgewiesen. Im Stochodbogen von KaszowSka nahm eine österreichisch-ungarische Abteilung eine feindliche Bor- Position; bei den Truppen deS Generals Fath erstickten neuer« liche NebergangSversuchc deS Gegners in unserem Artillcriesperr- fcuer. Italienischer Kriegsschauplatz. An der küstculäudischen Front erncurrten die Italiener ihre Anstrengungen gegen de« Abschnitt von Plava»nd griffen auch unsere neuen Stellungen auf den Höhr» östlich von Görz mit bc- trüchtlichen Kräften an. Alle dies« Angriffe wurden abgeschlagen. Ebenso scheiterte» mehrere Borstöhr des Feindes in den Dolo- mite». Südöstlicher Kriegsschauplatz. An der»ntercn Bojusa Geplänkel. Sonst nichts von Belang. Der Stelkveetreter be» Chef» de» GeneralstabeS: v. Horfrr, Feldmarschallentnant. » Ereignisse zur See. In der Nacht vom 10. auf 11. August wiederholten unsere Sceflugzeuggeschwader den Angriff auf Venedig. Arsenal, Bahn- Hof, die Auhcnwrrke und AuhcufortS wurden auSgicbig mit Bombe« belegt; gute Wirkung und Brände im Arsenal und in den Bnhnhofaulageu konnten trotz deS herrschenden Gewitter- regeaS rinwandftci festgestellt werden. In die Luftschiffhalle von Campalt» wnrde ein Volltreffer erzielt. Ferner wurden die Batterien in Grad»»nd an der Jsonzomündung erfolgreich mit Bomben belegt. Trotz deS sehr ungünstigen WetterS uud des heftigen Abwehrfeuers sind alle Flugzeuge unversehrt eingerückt. Flottenkommando. 2. Französischer Tagesbefehl vom DivifionS-Kommandeur der 53. Reserve-Division, General Lebouc vom IL. 7. 1916: „Ihr seid müde, ich weiß eS, aber ich weiß auch, daß der Deutsche noch erschöpfter ist als Ihr, und ich weiß auch, daß der Befehlshaber Euch nicht ablösen kann. Der Deutsche ist ermüdet, weil er sub seit 8 Tagen nur mit großen Schwierigkeiten verpflegt. Er ist demoralisiert, weil er fühlt, daß wir bereif sind, uns auf ihn zu stürzen, sowohl von Norden wie von Westen her, ihn so in einer Zange packend. Der Befehlshaber kann Euch nicht ablösen, weil er zum Nach- stoßen Reserven braucht, um, nachdem Ihr Deniecourt einge- nommen habt, Suern Erfolg fruchten zu lassen. Erreicht Ihr dies so werdet Ihr heute abend abgelöst. So braucht Ihr denn nur borzugehen: Der Deutsche liegt seit 14 Tagen Euch gegenüber in einem Ring von Feuer, rn einer wahren Hölle. Ties wollte ich Euch sagen, denn Ihr wißt, daß ich Euch immer die Dinge sage wie sie sind. Ihr werdet mich verfluchen, weil ich trotz Eurer Müdgkeit noch eine An- strcngung von Euch fordere; aber dann werdet Ihr Sieger sein, das verspreche ich Euch, wenn Ihr alle drauf geht lote ein Mann." gez. General Lebouc. Der ungebrochene Widerstand und die erfolgreichen Gegen- stöße unserer heldenmütigen Truppen an der Somme während dreier weiterer Wochen heißen Ringens werden unsere Feinde inzwischen darüber belehrt haben, wie unsere„erschöpften und demoralisierten" Feldgrauen die„schon mehr als halb gewonnene Schlacht" weiter zu führen imstande sind. Der französische Ge- neral hat seinen Soldaten mal wieder die Dinge geschildert, wie sie nicht sind. Die Verheerungen ües Krieges. Amsterdam, 11. August.(33. T. 33.) Nach einem hiesigen Blatt wird der„Times" von ihrem Berichterstatter beim britischen Haupt« quartier, der das Gebiet südlich von Thicpval besucht hat, gemeldet, daß die ganze Gegend entsetzlich verödet sei. Von den Dörfern OvillerS und La Boiselle(et nichts mehr übrig als wüste Stein- Haufen. Kalkirümmer und zersplitterte oder verkoblie Holz« ballen. Es sei nichts mehr vorhanden, was durch seine äußere Gestalt an ein Haus erinnere. Die deutschen Lausgräben seien größtenteils dem Erdboden gleich ge- macht und mit Schutt angefüllt. Das Gelände in der Umgebung sei besät mit Ausrüslungsgegenständen, Patronen, Granaten. Bomben und allerlei Gerät, von der Kirche sei nichts mehr übrig als daS Stück einer Mauer mit zwei Gräbern. Weiter weg an der Straßenkreuzung stehe noch der alle, von den Deutschen dort aufgestellte Wegweiser mit der Aufschrift„Nach PoziöreS". Hier befänden sich auch die gcwalligen unterirdischen Unter- stände. Diese Höhlen hätten sehr schmale Ausgänge gehabt. Eine sei von den Deutschen in bewundernswerter Weise als Verband- platz eingerichtet worden. Jetzt fei alles weggefegt oder unter Trümmern begraben. Die einzigen Lebewesen, die man finde, seien Fliegen und Ratten; selbst die Vögel hätten diese Strecke verlassen. Die Gegend sei eine Wüste- Der rusilsche Kriegsbericht. Petersburg, 11. August.(W. T. B.) Amtlicher Nach- mittagSbericht vom 10. August. Westfront: Unsere Truppen, die daS rechte User deS Koro- piec besetzt haben, bauten ihren Erfolg auS und näherten sich der 33ahn Monasterzhska— Nizniow und der Mündung deS Zlata-Lipa- Flusses. In der Gegend von TySmieniea verfolgen unsere tapferen Truppen den Feind, der sich in Unordnung zurückzieht, und gehen weiter nach Norden und Westen vor; sie besetzten das Ufer westlich der Bvstrzyea Nadwornianska in der Linie der Städte Nadworna— Stanislau. Wir nahmen den Bahnhof Chryplin(5 Kilometer südöstlich StaniSlau) an der Eisenbahnlinie im Norden. Ter Feind sprengte alle Flußübergänge. In der Gegend von Worochta kamen unsere Truppen an den Flüssen Vialy Czeremocz und Suezawa einige Werst vor. Baltisches Meer: Am II. August fand«in Lustkampf zwischen zwei von unseren Wasserflugzeugen und drei feindlichen statt, wobei der Leutnant Garowenko den Gegner angriff, ihn mit Maschincngewehrfeuer beschoß und ein deutsches Wasserflugzeug zwang, an der Küste niederzugehen. Wir hatten weder Verluste noch Schaden. Kaukasus: Wir wiesen türkische Angriffe in der Gegend westlich Gümischkhane ab. Erbitterte Kämpfe finden nördlich der Linie Müsch— Elis(BitliS?) statt. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 10. August.(W. T. B.) Amtlicher Heeres« bericht. Unsere Operationen in der Umgegend von Görz weiden mit Erfolg fortgesetzt. Tie Brücken wurden wieder hergestellt und der Uebergang unserer Truppen auf das linke Ufer des Jsonzo ging gestern weiter. Kavallerie und Radfahrer drangen bi« östlich von der Stadt vor und wurden mit einem lebhaften Feuer empfangen, das von den umliegenden Anhöhen und aus der Linie Verlojbica herkam. Unsere tapferen Schwadronen griffen den Feind an mehreren Stellen in glänzender Weise mit der blanken Waffe an, fügten ihm schwere Verluste zu und nahmen ihm einige hundert Gefangene ab. Auf dem Karst drangen unsere tapferen Truppen in heftigem und erbitieriem Ringen in mächtige befestigte feindliche Linien nordöstlich de? Monte San Michele und in der Unigebling bon San Mortino ein und besetzten kleine Wäldchen. In den Ge- fangeneniaminelstellen zählten wir bisher 263 Offiziere. 12 072 Mann. Weilerr Gefangenen strömen hinzu. In vergeblichen, Bc- mühen, unsere Ausmerlsamkeit abzulenken oder unsere Täiigkeit am unteren Jsonzo zu verlangsamen, versuchte der Gegner während des gestrigen Tages hcslige unvermutete Angriffe oder er führte heftige Beschießungen auf verschiedenen Punkten der übrigen Front aus. Solche Unternehmungen fanden siall am Tonale in den Tälern der Judikarien und im Lagarinatal, am Pasubio, auf dem Monte Cimone, in dem Travignotale und aus Mrzli.(Monte Nero.) Uebcrall hielten wir unsere Stellungen fest in der Hand. Em Geschwader von 18 Coproniflugzeugen, begleitet von Nieuport-Jagdflugzeugen, führte gestern einen glänzenden An- griff auf die Versorgungsbobnhöfe Prvacina und Dörnberg aus. Mehr als 3 Tonnen kräfligen Sprengstoffes wurden mit sichtlich er» folgreichem Ergebnis auf Eisenbabnanlagen und milaäriiche Magazine abgeworfen. Trotz heftiger Beschießung durch Flugzeug- Abwohrbatterien und wiederholter Angriffe seindkichcr Flugzeuge. von denen ein« abgeichosien wurde, kehrte unser geschicktes und tapferes Geschwader unversehrt in seine Lager zurück. Feindliche Flugzeuge warfen gestern zahlreich« Bomben auf Venedig. Zwei Tote unter der Bevölkerung und einiger Schaden. E a d o r n a. Oericht öes türkischen Hauptquartiers. Konstantiuopel, 9. August.(W. T. B.) H a u P t q u a r- tiersbericht. An der I r a k f r o n t keine Ereignisse von Bedeutung. Die feindlichen Lager, die bei Nassirieh an dem Euphrat- abschnitt sich befinden, sind durch unsere überraschenden nächt- lichen Angriffe beschädigt worden, wobei wir dem Gegner Beute entrissen. In P c r s i e n fährt unsere Armee an der russischen Front fort, mit ihrem rechten Flügel den Feind in der Richtung auf Hamadan zu verfolgen. Der Feind versuchte energisch, sich in dem Engpaß östlich von Sakna zu verteidigen, aber er wurde gezwungen, sich nach Kankaver zurückzuziehen, und ließ eine Zahl von Gefangenen, zwei Munitionswagen, Bc- spannung fiir acht Kanonen und eine große Menge anderer militärischer Gegenstände in unseren Händen. Eine feindliche Haubitze wurde durch das Fcuer unserer Artillerie zerstört. Gefangene erklärten, ein französischer General sei von Anfang an mit der Befestiaung des Engpasses östlich von Konkaver beauftragt gewesen. Kaukasusfront: Am rechten Flügel fahren unsere Trrchpcn fort, gegen die Engpasse nördlich von Bitlis und Müsch vorzurücken. Die von uns gegen die feindlichen Stel- lungert in der Umgegend der Ortschaft Ognott nordwestlich von Müsch, ungefähr 80 Kilometer von Erzerum begonnene Offensive nimmt einen für uns günstigen Fortgang. Ein Teil unserer Truppen nahm in heftigen Stürmen den Hügel Bughlan und die Hochfläche Melqnan zwischen Müsch und Ognott, und ebenso den Hügel Tscheli-Geul, zwei Kilometer östlich von Ognott und die feindlichen Stellungen westlich der genannten Oertlichrcit in einer Ausdehnung von acht Kilo- meiern. Bei diesen Kämpfen nahmen wir dem Feinde vier- hundert Gewehre, eine Menge Munition und Pioniermaterial ab, auch machten wir 140 Gefangene. Ein anderer Teil unserer Truppen, der 40 Kilometer südlich von Mamachatun in der Richtung auf Kighi operierte, näherte sich dieser letzten Ortschaft. Im Zentrum und auf dem linken Flügel entwickelte der Feind gestern keine wichtige Tätigkeit. An der ä g y p t i s ch e n Front fand kein Ereignis von Bedeutung in der Umgegend von Katia statt. Konstantinopel, 9. August.(W. T. B.) Der letzte Bericht, den wir über den Kampf vom 4. und 5. August in dem Gebiet von R o m a n i und Katia erhalten haben, lautet: Unsere Abteilungen, die mit der Bestimmung vor- geruckt waren, einen Erkuudungsangriff auszuführen, hatten voll Aufopferung einen Sturm gegen die stark eingerichteten Stellungen rrnternommen und besetzten die ersten Linien der feindlichen Gräben. Sie gelangten gegen Abend an die Draht- verhaue der feindlichen Hauptstellung. In der Zwischenzeit hinderten verheerende Sandstürme die Bewegung unseres linken Flügels und nahmen ihm jede Möglichkeit, seine Erkun- dung weiterzuführen. Aus dieser Lage zog der Feind mit Hilfe von Abteilungen der Kamelreitcrci und Verstärkungen, die er aus der Richtung von El Kantara und Duidar heranführte, Nutzen und machte einen überraschenden Augriff gegen den Rücken unseres linken Flügels.- Von diesem fiel ein Teil nach einem langwierigen Kampfe in die Hände des Feindes. Einige unserer Maschinengewehre, die in der Stellung zurück- geblieben ivaren, wurden nach Unbrauchbarmachung ausgegeben. Infolge dieses Vorganges wurden unsere Truppen in der Nacht vom 4. zum ö. August in der Richtung auf Katia zurückgenommen. Am 5. August unternahm der Feind mit allen seilten Kräften und mit Verstärkungstruppen, die er eiligst auS El Kantara heranführte, einen Angriff auf unsere Truppen, die im Gebiete von Katia lagerten. Er wurde,, aber infolge unseres Gegenangriffs zurückgeschlagen und erlitt schwere Verluste. In der Nacht vom 5. zum 0. August zogen wir unsere Truppen auf die Linie östlich von Katja zurück. Konstantinopcl, Ist. August.(W. T. V.) Haupt- quartiersbericht. Bon der Irak front und von der persischen Front liegt kein Bericht vor. An der Kaukasusfront auf dem rechten Flügel be- setzten unsere Truupen vollständig die Höhen nördlich, östlich und westlich von Biltis: sie gerieten auf der Verfolgung in einen iiamvf mit Teilen der feindlichen Streitkräfte, die sich im Engpaß von Rahova zu halten bemühten. Ein anderer Teil unserer Tnippcu verfolgt energisch den Feind, der sich nach dem westlichen User des Wan-Sees hin zurückzieht. Unsere Abteilungen nahmen auf der Vcvfolguug 20 feindliche Soldaten nördlich von Müsch gefangen. Feindliche Truppen, die den östlichen Ausgang des Engpasses von Äuglan ver- teidigten, wurden nach der Ortschaft Ziarct östlich von dem genannten Engpaß zurückgedrängt. Die Verfolgung des Feindes im Abschnitt von Ognott hält am Unsere Truppen, die in der Richtung von Kighi operieren, warfen in einem Angriff den Feind, der sich dort zu halten bemühte, in nörd- licher Richtung zurück. Sie besetzten am 27. Juli die Ort- schast Kighi. 80 tote Feinde, darunter zwei Hauptleute, wurden südlich von Kighi gezählt. Eine unserer Patrouillen in Stärke von 8 Mann hatte nördlich von Kighi einen Zu- saminenstoß mit einer aus 20 Bäann bestehenden feindlichen Patrouille, von denen sie 18 gefangen nahm. Im Zentrum und auf dem linken Flügel entfaltet der Feind große Tütig- keit, um seine Stellungen zu befestigen. In einem über- raschenden Ängriff, den wir vorgestern gegen einen Teil der feindlichen Stellungen richteten, nahmen wir dem Feinde Gefangene ab, machten Beute und verjagten den Feind ans dieser Stellung. Ein Gegenangriff des Feindes wurde mit Verlusten für ihn zurückgeschlagen. Bon der ägyptischen Front ist kein Ereignis zu berichten. Nach Aussagen von Feinden, die wir in dem Kampf bei Katia gefangen genommen haben, wurde ein feindliches Kavallerieregiment fast völlig aufgerieben, alle Offiziere wurden getötet, 3 Geschütze zerstört. Am 22. Juli verlor der Feind drei Flugzeuae im Luftkampf oder durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze. In der Umgegend von Muhammcdie und Namoni warf unser Luftgefchwäder mit Erfolg mehrere große und mittlere Bomben auf ein feindliches Lager. Gen!7?Q' Sarrall Gberbefehlshabe? an öe? ma�eüonifchen �ront. Paris, 11. August.(SB. T. SS.) Auf Wunsch des Generals Sarrail würbe ihm General Covdonnier beigeordnet, um die fran- zösischen Divisionen unmittelbar zu befehligen. General Sarrail wurde bcaustragt, den Oberbefehl über die gemein- iamen Streitkräfte der Alliierten in der Gegend von Saloniki zu übernehmen. vom U-Host-Kr�eg. London, 9. August.(SB. T. V.)„Daily Telegraph' meldet, dag die beiden Schiffe„Agenda' und„Prefereuce" von dem Feinde in Brand geschossen wurden und gesunken sind. Land«», 9. August.(W. T. B.) Der Schooner„DemariS' wurde versenkt. Londou, 11. August.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der französische Segler„Annetto Marie", der französische Dampfer„Henri Elisa', der SDampfer..Robert' und der Dampfer„San Bernard«" au« Glasgow wurden per- senkt. Die Besatzung des„San Bernardo' wurde gerettet. Bern» 11. August.(W. T. SB.)„T e m p s' meldet aus To u- lousc, daß der spanische Dampfer„Ganekogorta Mendt", 3061 Tonnen groß, der der Gesellschaft Sola y Amar in Bilbao gehört, am 9. August von einem österreichisch-ungarischen Unterseeboot versenkt worden ist. Die aus 24 Mann bestehende Besatzung wurde in zwei Rettungsbooten in?ott Vendres gelandet. Der englische Dampfer„Baycraig"(?) hat in Marseille die Mannschaft des englischen Dampfers„Imperial', 3818 Tonnen, das kürzlich im Mittelmccr versenkt worden ist, gelandet. Kopenhagen, 11. August.(W. T. B.) Der dänische Dampfer„SDannevang' mit zugeschnittenem Holz von Haparanda nach Hull unterwegs, wurde in der Nordsee von einem Unterseeboot torpediert. Die Besatzung wurde gerettet. Zur Torpeöierung öes italienischen Poft- öompfers �Letimbro". Wien, 10. August.(SB. T. B.) Das Wiener K. K. Telcgr.- Korr.-Bureau schreibt: Das R c u t e r s ch e Bureau hat vor einiger Zeit folgende Depesche aus Malta veröffentlicht: Der italienische Postdampser„Lelimbro' wurde durch ein Tauchboot zum Sinken gebracht. 28 Mitfahrende, die hier gestern ankanien, er- zählten, daß das Schiff von Benghasi nach Syrakus unterwegs war. Die Bemannung zählte 50 Köpfe. Außer ihr fuhren noch 113 Passagiere mit; auch Frauen und Kinder waren darunter. Das Tauchboot löste einen Warnungsschutz und fuhr auf das Schiff, sorrwähreud- weiter feuernd, zu. In einer halben Stunde holte es dasselbe ein, worauf dieses die RettungZ- boote niederließ. Das Tauchboot feuerte immer weiter, wodurch fünf Rettungsboote umschlugen, deren Insassen ertranken oder durch das Feuer getötet wurden. Wie verlautet, erreichten noch zwei Boote Syrakus. Wie j)as K. K. Telegr.»Korr.-Bureau von zuständiger Seite erfahrt, spielte sich der Hergang folgendermaßen ab: Am 29. Juli morgens sichtete eines unserer Unterseeüoote einen etwa 2000 Tonnen großen Dampfer, der das Aussehen eines Fracht- danrpfcrs hatte. Um den Dampfer anzuhalten, ging das U-Boot auf etwa 8000 Met« Entfernung heran und schoß einen Warnung?- schütz dem Dampfer vor den Bug. Der SDampfer stoppte nicht, drehte vielmehr ab und eröffnete sofort aus zwei Heckgeschützen das Feuer. Er versuchte durch Erhöhung der Geschwindigkeit und Fahren in Zickzacktursen zu entfliehen. Das U-Boot nahm die Ver- folgung auf und erwiderte das Feuer des SDampferS, ohne zunächst Treffer zu erzielen. Nach einem Artillericgefccht von etwa 20 Minuten Dauer stellte der Dampfer das Feuer ein und begann nacheinander fünf Boote auszusetzen. Er hatte bisher weder ein Signal noch eine Nationalflagge gehißt. Er tat dies auch fernerhin nicht. Das U-Boot war wegen des Geschützfeuers und des sonsttgcn Verhaltens des Dampfers, auf dem viele uniformierte Leute gesehen wurden, überzeugt, einen Truppentransportdampfer vor sich zu haben. Es ging daher vor- sichtig näher und schoß nach dem Abstoßen der Boote ab und zu auf den Dampfer, damit keine Geschütz- bemannung zurückbleiben sollte, die das Feuer auf kurze Eni- fernung wieder aufnehmen könnte.(Diesbezüglich sei auf den Fall Baralong verwiesen.) Treffer wurden erst auf eine Ent- sernung von 3000 Meier erzielt, nachdem sämtliche Boote, wie schon erwähnt, vom Dampfer abgestoßen waren. Schließlich ging daS U-Boot bis auf etwa 800 Meter an den Dampfer heran, über- zeugte sich, daß keine Leute mehr an Bord waren, und versenkte nunmehr das Schiff durch einen Torpedoschuß. Nach dem Ver- senken de? SDampferS ging das U-Boot noch in die Näbe eines oer ausgesetzten Boote, um Namen, Typ und Nationalität des SDampferS festzustellen. In dem Boote befanden sich etwa dreißig Leute, von denen etwa 20 Khakiuniforinen mit Achselklappen trugen. Da serner durch die Aussagender Leute festgestellt wurde, daß daS Schiff von Benghasi nach Syrakus unterwegs war. be- stärigte sich die Annahme deS U-Voot-Kommandantcn, daß eS sich um ein Schiff mit Truppen an Bord und zwar um den italienischen SDampfer„Lcttmbro' handelte. Die engiischen KriegssthuBen. London, 10. Anglist.(SB. TS?.) Unterhaus. Bei Beratung der Fin a n z b i l l sagte Finanzminister McKenna: Unsere G e- samtverschuldung wird für Ende März 1017 auf 3440 Mit- lionen Pfund Sterling(68,8 Millialdcn Mark) angenommen. Stach Abzug der unicren Alliierten und Dominien gewährten Vorschüsse von migesühr 800 Millionen Pfund Sterling<16 Milliarden Mark) beträgt di« Schuld netto 26-10 Millionen Pfund(52,8 Milliarden Mari). DaS geht ganz über alles Maß dessen hinaus, daS wir je gekannt haben. Das gesamte National e i n- kommen beträgt ungefähr 2700 Millione.'. Pfund Sterling (54 Milliarden Mark), so daß die gesamte Nationalschuld un- gefähr dem jährlichen Nationaleinkommen gleich- kommt. Das ist nicht als eine unerträgliche Last zu betrachten. Wir geben täglich auf dem Festlaiide mehr als eine Million, wahrscheinlich nahe an zwei Millionen Pfund Sterling(40 Millionen Mark) für eigene Rechnung und für Rechnung unserer Sllliierten aus. McKenna verteidigte die Finanzpolitik inbezug auf die kurz- fristigen Sicherbetten und sagte: Wenn die finanzielle Verschuldung es rechtfertige, werde man ohne Zögern eine Anleihe auflegen und das Versprechen auf Uinwandlung der schwebenden Kriegsschuld i» Anleihen erfüllen. Die englische skcbeiLerpartei zur irischen ßrage. London, 9. August.(W. T. B.) Die Arbeiterpartei hat sich gestern im Unterhause versammelt und eine Resolution über die irische Frage angenommen, in der sie bedauert, daß die vorläufige Beilegung der Homerule-Streitfrage für die Dauer des Krieges nicht zustande gekommen ist und den irischen Nationalisten wegen des wiederholten Aufschubs der Erfüllung ihrer nationalen Wünsche ihre Sympathie aus- spricht. * Amsterdam, 8, August.(SB. T. B.) Der römisch-katho- lisch e Bischof von Limerick wendet sich gegen eine Flug- schrist über Patriotismus, die in den Schulen seiner Diözese ver- breitet wurde. Der Bischof erklärt, daß die Flugschrift ein reines NÄrutierungsmanifest sei, und wenn man sie den Kindern auf- drängen wollte, so würde das vermutlich unerwarteten Widerstand hervorrufen. In diesem Augenblick, erklärte der Bischof, yerrscht in Irland größere Erbitterung, als ich seit langer Zeit erlebt habe. Die jüngsten Ereignisse in Dublin, die P e r f i d i e der e n g I i s ch e n Ll e g i e r u n g in der Homerule-Frage, die Unehrlichkeit, mit der man uns Selbstregierung versprach als Belohnung für unsere Unterstützung Englands am Kriege, so daß unser Volk dazu gebracht wurde, zu glauben, daß es wirklich ein Krieg für Irland sei, alles das und die vielen anderen Beispiele von Zweideutigkeit, die soeben im Parlament enthüllt worden sind, haben das irische Volk in eine Stimmung versetzt, daß es von England keine Lehren über Patriotismus mehr annimmt. Englisches GelZ für Portugal. London, 9. August.(SB. T. SB.)„Daily News" meldet aus Lissabon vom 7. August: Der Kongreß trat heute zusammen und die beiden Minister, die von London zurückgekehrt sind, be- richteten über ihre Mission. Dr. Alfonso Costa erklärte, daß die englische Regierung alle bisherigen Anleihen übernommen habe. Der Gesamtbetrag wird England zwei Jahre nach Friedens- schlutz zurückerstattet. England wird ferner bei einer auswärtigen Angelegenheit seine Unterstützung leihen, soweit es irgend kann. Der Minister deS Auswärtigen, Dr. Soares, verlas eine Note des Foreign Office, worin Portugal zur Teilnahme an dem Kriege in Europa eingeladen wird, sobald cs dazu in der Lage sei. Portugals Setdügtmg cmföem europäische!: Kriegsschauplatz. Bern, 10. August. Die Finanzgebarung des Zentralverbandes der Zimmerer während der Kriegsdauer ist durchaus befriedigend. Bei Kriegsaus- bruch betrug das Verbandsvermögen 4 834 945,58 M.; davon in der Verbands Hauptkasse'3 352 923,14 M. und in den Lokalkassen 936 937,84 M.; außerdem in den Zahlstellen verbliebene Haupt- kasscngelder 45 984,69 M. Nach Ablauf des ersten Kriegslahres bzw. nach der Abrechnung für das zweite Bierteljahr 1915 stellte sich das Verbandsvermögen auf 4 888 418,55 M.; davon in der Ver- bandshauptkasse 4969723,43 M. und in den Lokalkasscn 795 439,29 M.; außerdem in den Zahlstellen verbliebene Hauptkassengelder 32 255,83 M. Die Abrechnung für das zweite Vierteljahr 1916 ist noch nicht fertiggestellt, deshalb vermögen hier vergleichsweise die Schlußsummen für das erste Vierteljahr 1916 Erwähnung finden. Dieses Vierteljahr schloß ab mit einem Verbandsvermögen von 5 954 162,25 M.; davon in der Verbandshauptkasse 4 281 798,68 M. und in den Lokalkassen 761293,49 M.; außerdem in den Zahlstellen verbliebene Hauptkassengelder 11 169,17 M. Der Verband kann somit bis dahin nicht nur keinen Rückgang, sondern ein langsames Anwachsen des Vcrbandsvermögcns feststellen. Zwar haben sich die Bestände in den Zahlstellen nicht unerheblich verringert, hingegen weist der Vermögensbestand in der Verbandshauptkasse eine erfreu- liche Zunahme auf. Die Teuerung zwang den Verband zu einer Aktion, die nach Ileberwindung mannigfacher Schwierigkeiten die Gewährung von Teuerungszulagen von 7— 11 Ps. durchsetzte. Die Teuerung war es auch vornehmlich, die die Verbandsinftanzen wiederholt zu einer Unterstützung an die Familien unserer zum Kriegsoiensi eingezogenen Verbandsmitglieder Stellung nehmen ließ. Im ersten Kriegsjahre ist eine solche Unterstützung dreimal zur Auszahlung gelangt, und zwar im Oktober und Dezember 1914 sowie zu Pfingsten 1915. Im zweiten Kriegsjahre wurde sie zweimal gc- zahlt, und zwar zu Weihnachten 1915 und im Juni 1916. Die Ge- samtsumme, die für Unterstützung der Kriegerfamilien bis jetzt aus- gegeben ist, beläuft sich auf über 999 999 M.; sie läßt sich erst genau angeben, wenn über die letzte Auszahlung vom Juni dieses Jahres Rechnung gelegt ist. Es konnte für diesen Zweck ein so hoher Betrag deshalb ausgeworfen werden, weil erfreulicherweise für Arbeits- losenunterstützung nur unwesentliche Mittel benötigt wurden. Seinen sonstigen Aufgaben ist der Zcntralverband der Zun- mever auch im zweiten Kriegsjahre in jeder Hinsicht gerecht gc- worden. Wo immer sich Gelegenheit bot, ist er für seine Mitglieder besorgt gewesen, sowohl wenn es galt, ihre Ansprüche gegenüber den Unternehmern wahrzunehmen, als auch bei Linderung außer- gewöhnlicher, durch den Krieg und seine Wirkungen verursachter Nolkage. Rusland. Eine Lchrlingsskala hal die Wiener Hutmachergenossenschaft unter tätiger Mithilfe der Arbcitervertreier aufgestellt, wobei letz- tere den Standpunkt vertraten, daß in dieser Frage lediglich der wirkliche Bedarf an Nachwuchs in Betracht zu ziehen und zu ver- hindern sein wird, daß etwa eine weit über den Zkahmen des Er- forderlichen gehende Lehrlingszüchterei betrieben werden kann. Auch müsse die Anzahl der Lehrlinge in ein richtiges Verhältnis zur Zahl der beschäftigten Gehilfen gebracht werden. Betriebe mit keinem oder nur einem Gehilfen dürfen nach der Skala nur 1 Lehrling, Betriebe mit 2 Gehilfen 2 Lehrlinge, solche mit 3 bis 6 Gehilfen 3 Lehrlinge, mit 7 bis 19 Gehilfen 4 Lehr- linge, mit 11 bis 29 Gehilfen 5 Lehrlinge, mit 21 bis 39 Gehilfen 6 Lehrlinge, mit über 39 Gehilfen 19 Lehrlinge halten. Die Dauer der Lehrzeit wurde mit 3fh Jahren festgesetzt, nachdem die Gebilfen für 3 Jahre eingetreten waren, während in Unternehmerkreisen Stimmung für 4 Jahre vorhanden ge- wesen war._ Zum schwedischen Eisenbahnerstrcik. Zu dem Streik der nicht fest angestellten Eisenbahner hat jetzi der Eisenbahnerverband Stellung genommen, und zwar in ableh- nendem Sinne. Dem Beschluß des Hauptvorftandes entnehmen wir folgendes: .Da das streikende Personal überwiegend nicht dem Eisen- bahnerverbande angehört und außerdem ohne Wissen des Per- bandes und der Sektionen die Arbeit ganz plötzlich eingestellt hat, hat der Vorstand beschlossen, daß Mitgireder des Eijen- bahnerverbandes die ihnen aufgetragene Arbeit ausführen sollen." Sollten Mitglieder des Verbandes zu direkter Streikarbeit, d. h. Arbeit, die sie unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht ver- richtet haben, herangezogen werden, so soll dies sofort der Organi- sation gemeldet werden. Eine Folge des Beschlusses ist, daß der Verband den am Streik beteiligten Verbandsmitgliedern keine Unterstützung gewährt. 8om1l!ewvWAkM?ei'eiii Li 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Köpenicker Viertel. Bez. 183 II. De» Mitptiedern zur Nachricht, s daß unser Genosse, der Zigarren-' Händler Robert Rosemann Arangclitr. 45, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet h e n t e I Tonnabend, den 12. August, nach- j mittags 4'/, Uhr. von der Halle I des Jakobi- Kirchhofes in Nsu-f kölln, Hermannitratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/19 Ter Boritand. I ÜLllüeljsi'�laUäi'deiles-Vei'dälli! Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hetzer EmiS Zipter Lüderitzstr. 57, am 9. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 12. August, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes in der Müllerstraße ans statt. Nege Beteiligung erwartet l2t/7 Tie OrtSvcrwaltung tiiederliarnim. Bezirk Lilchtcnberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, ! daß unser Genosse, der Schlosser krieänek Wasewitz Wagnerltraße 59a, im Alter von 1 28.'ahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule I Sonnabend, den 12. August, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Friedhos zu KarlShorst, Warmbäder Straße, s slatl. Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. Plötzlich und ticscrschüttcrnd er-! hicll ich die traurige Nachricht,' daß am 14. Juli 1916 mein innig-! geliebter Mann, seiner Kinder j liebevoller Vater, der Landswrm- mann Wiidehn Giersieferii Ncs.-Jnf.-Reg. 8, 4. Komp. als Opfer des Weltkrieges gefallen I ist im Alter von 34 Jahren tzhcule).[ In tiefem Schmerz Frau Christine Gtersiefer und Kinder. Sein Wunsch war nur ein Wieder- j sehn. Heul au seinem Geburls- 1 tage lönuen wir nicht au seinem Grabe stehen. 114A I Am Donnerstag, den 19. August, ! verstarb nach langem, mit viel I I Geduld ertragenem Leiden meine| 1 liebe Gattin und Mutter �uguLle Petzold | im 58. Lebensjahre. Dies zeigen um stilles Beileid ! bittend an Bari PetzoI«i. Artur Petzold. Die Beerdigung findet am ! Sonntag, den 13. August, nach- mittags 3'/i Uhr, von der Leichen- halle des neuen St. Paulsiirch- doses, Blößenice, aus statt. 1984b -------------— Nach langem, schwerem Leiden cntschiics sanst am 9, d, Mls. mein unvergeßlicher Gatte und | Vater, der Wickler Ailretl Spatzek [im 28. Lebensjahre. 1987b In tiefster Betrübnis | Die trauernden Hinterbliebenen. Das Begräbnis findet Montag, > den 14. August, nachm. 22, Uhr, ans dem Slädt. Friedhos See- straße, Ecke Müllerstraße, statt. G Nachruf. Am 12. August fiel als _ Opfer de« Weltkrieges mein inniggeliebter Bräutigam Paul Qüldner im Aller von 31 Jahren. Ein Jahr ist nun dahin, voll Schmerz und voll Verlangen I Es täuichte meinen Sinn, Ich hoffte aus ein Wi-der- kommen. Ach ja, der grausige Krieg nahm mir Die HerzrnSruh und all mein Glück. Den» das warst Du. So ruh nun aus, wo kewe Dornen stehn, Kew Wurm an Blüten nagt, Wo kewe Herzen rächen Und kew Betrübter iiagt. In ttestraurtger Erwnerung 169/18 Deine Emilie. Heines Werke > J BüniK 4 Mar!• Buchhandlung BonvSrt» Für dt« innige Teilnahme»nd zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines sieben ManneS, unseres guten Vaters, deS Schmieds Nemricb Schulz (Mitgsied der Wagenbanerkasse) sagen wir allen LeteRgten unseren herzlichsten Dank. 137A Ww. Schulz nebst Kindern. für Heim und Wanderung im Auftrage der Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands herausgegeben von Hermann Böse Das Buch enthält auf 286 Seiten 266 Volks- lieber mit?7oten und eine Einführung in das Lautcnspiel. 166 Lieder sind mit Akkordbezeich- nung versehen, natürlich durchweg mit ein- fachstenSarinoliiegäiigen. Klavier- undLautcn- spielern wird diese Einrichtung willkommen sein. Taschenformat in Leinen gebunden preis 1,50 Mark Bei parllebezug durch vereine ö0 Pfennig WWW LwW Wisser Verlin SW. 68, Lindenstrahe 3 G. m. b. H. zg jPreiswert oHue ▲uw&biMBdaagM omIi ajwMrhalb gegen Anzablouj. Billige �Preiset' sc r> ein pfl Ichtlg Jackert- u. 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IahrgaiA. inlage des Jotmärte" Ktllim loMlatt Sllvnabenil, 12. August 1916. Chronik des Weltkrieges. IS. August INI 4. Bei Mülhausen werden S2Z Gefangene gemacht. Die Zahl der bei Lagarde eingebrachten Kriegsgefangenen ist auf über 1000 angewachsen. Deutsche Unterseeboote haben in den letzten Tagen an der Ost- käste Englands eine Streiffahrt unternommen, Über deren Ergeb- Nisse einstweilen Mitteilungen nicht gemacht werden. Das österreichische Oberkommando veröffentlicht eine Proklamation an das polnische Volk, in der es heißt: „Durch den Willen Gottes, der die Schicksale der Völker lenkt, und durch die Macht unseres obersten Kriegsherren Über- schreiten die verbündeten österreichisch-ungarischen und deutschen Armsen die Grenze: hiermit bringen wir auch den Polen die Befreiung vom moskowilischen Joche. Begrüßt unsere Fahnen mit Vertrauen, sie bringen Euch Gerechtigkeit.... Die Engländer beschießen Dawssalm». 12. August 1915. Im Osten weiterer Vormarsch der deutschen und österreichischen Truppen. Ouckow wird besetzt. Insgesamt werden S600 neue Gefangene eingebracht. Eine Anzahl Dampfer wird in der Nordsee torpediert. Die prej)e über öen /luftuf öes parteivorftanöes. Wahrend ein Teil der Berliner Presse nur mehr oder minder ouZfuhrliche Auszuge aus dem gestern veröffentlichten Aufruf des Parteivorstandes brachte, äußerten sich einige Blätter in recht interessante! Weise. Die„K r e u z- Z t g." meint, der Parteivorsteid suche>u begreiflicher Sorge um Einheit und Bestand der Partei... den Stimmungen auf dem linken Flügel Rechnung zu tragen". Zum Aufruf selbst bemerkt das konservative Organ: -.Ein Friede, der uns wirklich wirtschaftliche Eni- Wickelungsfreiheit gewährleistete, müßte sehr viel eut- halten, auch territoriale Eroberungen. Aber im Sinne des sozialdemokratischen Parteivorstandes, der solche Eroberungen ablehnt, muß diese Wendung so lange als eine leere Redens- art bezeichnet werden, wie ihr nicht durch nähere Angaben ein konkreter Inhalt gegeben wird. Es soll also in einer Petition ein Friede gefordert werden, der uns nichts bringt als den Sitstuz quo ante, vermutlich auch nicht einmal eine KriegSent- schädigung, die die„Nachbarvölker" ja ernstlich verstimmen -könnte. Mit anderen Worten: die Sozialdemokratie will das deutsche Volk um die Fruchte seiner mit so viel Blut und Leiden erkauften Siege bringen." Selbstverständlich muß auch das schon zu Tode gehetzte Argu- arent der„Fernwirkung" herhalten, um die Oeffentlichkeit graulich zu machen: „Dabei ist ja ganz klar— fährt die„Kreug-Ztg." fort—, daß diese Friedenspetition, je erfolgreicher sie ist, je mehr Unter- ''chriften sie findet, um so schädlicher wirken, den Mut der Feinde und ihre Hoffnung auf unser Schwachwerden um so mehr stärken und damit sehr stark zur Verlängerung des Krieges beitragen muß." Daran anknüpfend, sucht das konservative Organ gegen die Sozialdemokratie scharf zu machen: „Unter dem Eindruck der allgemeinen Volksstimmung hat die Sozialdemokratie sich bei Kriegsbeginn zur Bewilligung der Kriegskredite veranlaßt gesehen.... Bei jeder' Neubewilligung ist dann die Zahl derer, die dem deutschen Volke die Mittel zu seiner Verteidigung versagten, gewachsen. Jetzt fällt der sozial- demokratische Parteivorstand dem um seine Zukunft kämpfenden deutschen Volte mit obiger Kundgebung in den Arm. Wir wollen mit unserem Endurteil noch zurückhalten. Aber schon jetzt werden diejenigen, die die Nationalisierung der Sozialdemokratie so überschwenglich begrüßt hatten und die weitestgehenden Schlüsse daraus zu ziehen bereit waren, erkennen, daß sie sich in ihren Hoffnungen ge- täuscht haben." In der Form weniger scharf, aber dem Wesen nach ebenso ablehnend äußern sich die übrigen Organ« der Siechten. Die »Post" schreibt: „Der hier im �Auszug wiedergegebene Aufruf zeigt von neuem, daß in den führenden Kreisen der Sozialdemokratie nach wie vor der Glaube allmächtig ist, es könnte nach dem Frieden eine Freundschaft mit den Nachbarvölkern möglich sein. Die Männer, die eine solche Meinung ernsthaft vertreten, scheinen an der Giftflut niedrigster Verleumdung und an den Zeichen eines unbezähmbaren Hasses unserer Gegner mit geschiossenen Augen vorbeizugehen." Die„Deutsche Tageszeitung" glaubt, die Annahme des Parteivorstandes, daß die feindlichen Völker zu einem Frie- den bereit seien, der nicht auf einer Niederlage Deutschlands auf- gebaut fei, fei„völlig unbegründet". „Nur Teile, hauptsächlich sogar nur recht kleine Minder- heilen, der Sozialdemokratie in den Ententeländern wären zu einem Frieden bereit, der nicht gerade eine Vernichtung Deutsch- landS brächte. Bei dieser Sachlage sollte die Sozialdemokratie in Deutschland sich darauf beschränken, den Unterschied in der Haltung der deutschen Regierung und der Regierungen in den feindlichen Ländern hervorzuheben und zu erklären, daß sie unter diesen Umständen zurzeit für den frieden nichts tun könne. Eine solche Haltung wäre doch auch vom be» sonderen sozialdemokratischen Standpunkte aus vollauf be- gründet. Wenn aber die deutsche Sozialdemokratie trotzdem letzt eine große Friedensaktion ins Werk zu setzen sucht, so m u ß dadurch bei unseren Feinden der Eindruck er- weckt werden, daß das deutsche Volk einen baldigen Frieden nötiger habe als seine Gegner. Und von einem solchen Eindruck sind ernstliche Nachteile für uns zu erwarten, er kann zugleich nur kriegsverlängernd wirken. Deshalb müssen wir diese sozialdemokratische Kundgebung bedenklich finden und bedauern." In einem Punkte jedoch ist die„Deutsche Tageszeitung" be- reit, der Kundgebung des Parteivorstandes zuzustimmen, und zwar: „daß schon die Billigkeit erfordert, nachdem man dem Eürstlich Wedelschen Nationalausschuß die Erörterung der riegsziele erlaubt hat, die Freigabe der Kriegsziel. erörter�un g nunmehr weiter auszudehnen." Auf denselben Standpunkt stellt sich im wesentlichen, nachdem sie einzelnen Teilen des Aufrufes zugestimmt, auch die„V o s si sche Zeitung": „Der sozialdemokratische Parteivorstand stellt eine F o r- d e r u n g an die Regierung, eine Forderung, die ebenfalls in bürgerlichen Kreisen überwiegend Zustimmung finden muß. So wenig man zuzugeben braucht, daß Aeutzcrungen einzelner„chauvinistischer Eroberungspolitiker" die Haltung unserer Feinde nennenswert beeinflussen(?), da sie doch durch cnt- gegengesetzte Aeußerungen aufgewogen werden(?) und im übrigen für die Reichsleitung ganz und gar nicht bindend und maßgebend sind: so sehr ist doch das Verlangen g e r e cht- fertigt, daß die Erörterung der Kriegsziele freia«geben wird... Man ist aller Wahrscheinlichkeit nach im Auslande über die bei uns herrschenden Stimmungen, Strömungen und Gegen- strömungen hinsichtlich der Kriegsziele so gut unterrichtet, daß man bei Freigabe der Erörterung nicht das mindeste mehr er- fahren könnte, als man heute weiß. Wenn aber dort jedem nach Herzenslust KriegSziele aufzustellen freisteht...— weshalb soll jetzt in Deutschland von einer öffentlichen Aussprache unabsehbarer Schaden zu befürchten sein? Im Gegenteil, der Zwang zum Schweigen schafft nur dumpfe Unzufriedenheit und verführt zu einer geschickten Umgehung oder gröblichen Ver- spottung der Verbote, zu den Wühlereien und zu den Geheim- schrtften, von denen man nur zuviel gehört hat. Es ist an der Zeit, das Ventil zu öffnen, damit die Spannung nach- läßt. Die Freiheit gleicht dem Speer des Achill, sie kann Wunden schlagen, aber auch Wunden heilen. Darum verdient die Forderung des sozialdemokratischen Parteivorstandes,„die Erörterung der 5kriegSziele allgemein freizugeben", nur Billigung."_ politisihe Ueberstcht. Zedlitz als Vermittler. Herr v. Zedlitz bleibt seinem Beruf treu, bei Differenzen und Konflikten im Lager der bürgerlichen Parteien als»ehrlicher Makler" aufzutreten und die Gegensätze auszugleichen zu suchen. Sein neuester diplomatischer Schachzug ist der Versuch, zwischen dsm Deutschen Nationalausschuß und dem 12 u a b- häng igen A u s s ch u tz Prof. Schäfers ein« Verständi- gung herbeizuführen. „Neben dem Deutschen NationalouSschuß— schreibt er im roten„Tag"— verfolgt auch der Unabhängige NationalouSschuß unter Leitung des Professors Dr. Dietrich«chäfer das Ziel der Vorbereitung des Friedens. Arbeiten beide weiter getrennt, so kann es kaum ausbleiben, daß aus dem Nebeneinander bisweilen ein Gegeneinander wird und die Kräfte in Reibungen unnütz verbraucht werden. Vereint könnten beide. Ausschüsse auf die wirksame Vorbereitung des Friedens ungleich mehr leisten. Fragt sich, ob und inwieweit für Zusammengehen die sachlichen Voraus- setzungen vorliegen. Gemeinsam i st beiden neben dem kräftigen Patriotismus das allgemeine große Kriegsziel, si« beide erstreben einen Frieden, der den großen Opfern unseres Volkes an Blut und Gut voll entspricht und die Gewähr der Dauer in sich schließt. Insoweit erscheint daher schon jetzt ein Zusammengehen beider Ausschüsse angängig, also in den Grenzen, in denen sich im Interesse der Erhaltung unserer sieg- verheißenden Eintracht«ine Aktion zur Pflege der Zuversicht im Volke daheim jetzt noch zu halten hat. ES würde daher sachlich nichts entgegenstehen, wenn beide Ausschüsse an einem geeigneten Tage, z. B. am Sedanstage, mit gemein- samen Veranstaltungen in breitester Oeffentlichkeit sich an da» deutsch« Volk wenden und feine Siegeszuversicht und damit zugleich seinen SiegeSwillen stärken wollten. Gin solches Vorgehen würde bei sachgemäßer Vorbereitung einen ungleich stärkeven Widerhall in unserem Volke finden als die Reden vom t. August, und ein« nachhaltige einheitlich« Wirkung im Sinne der Erhaltung und Stärkung der Siegeszuversicht zu üben ge. eignet sein." Herr v. Zedlitz hofft zwar selber nicht, daß eine Vereinigung beider Ausschüsse herbeigeführt werden könnte. Immerhin ist aber fein Versuch bezeichnend, eine Annäherung zwecks gemeinsamer Veranstaltungen herbeizuführen, mit dem nicht ganz unberechtigten Hinweis auf den»kräftigen Patriotismus" und das„allgemeine große KriegSziel" der beiden.Nationalausschüsse". deutsche Volk. Uebrigens, wenn wir das parlamentarische Regierungssystem hätten, dann wäre Herr v. Bethmann Hollwez längst nicht mehr auf seinem Posten, der Zabern-Sturm hätte ihn seinerzeit weggefegt und Schäfer und seine Herde brauchten sich jetzt nicht grün und blau über den Mann zu ärgern.(t) Deutsche Weltgeltung. Professor Dietrich Schäfer, emer der Wortführer der kleinen, aber mächtigen Gruppe der Annexionisten, wie sie in dem »Unabhängigen Ausschuß" organisiert find, stellt in der»Täglichen Rundschau" Betrachtungen an über Deutschlands Weltgeltung. Diese Artikel find merkwürdigerweise in der— Unterhaltungs- bei lag« des alldeutschen Blatte? erschienen! Unterhaltend sind sie in mancher Richtung ganz gewiß, in Wirklichkeit ist die Arbeit eine etwas konzentrierte Zusammenfassung aller der Schmerzen»nd Wünsche, di« seit Monaten in»Handschriften",»vertraulichen' und „streng vertraulichen Mitteilungen" ihren Niederschlag gefunden haben. Das Urteil Schäfers geht dahin, daß die deutschen Regie- rungen seit dem Ausscheiden Bismarcks von allen guten Geistern verlassen gewesen sind. Die in der engsten Verbindung mit der Schwerindustrie stehenden„Unabhängigen" des Herrn Schäfer find ganz bestimmt keine Freunde von einer Erweiterung der Rechte des Volkes und seiner Vertretung. Aber wie nach einem bekannten Wort der Teufel in der Not selbst Fliegen ftißt, so wäre die Schäfer-Gruppe bereit, wenn«S ihren Interessen förderlich«r- scheint, dem Gedanken der parlamentarischen Regierungsform ge- wisse Konzessionen zu machen. Herr Schäfer meint nämlich: „Bei keiner der großen Nationen, die neben uns stehen, kann die auswärtig« Politik gemacht werden, ohne eine starke, ohne die beherrschende Teilnahme des Volkes. Selbst in Rußland ist das nicht möglich. Unser verfassungsmäßiges Leben kennt parla- mcntarische Regierungsweise nicht. Welchen schweren Bedenken ihre Einführung in deutsche Verhältnisse unterliegt, zeigen die Ausführungen dieser Weltgeschichte deutlich genug. Aber die Erfahrungen der letzten Jahre drängen dem Vaterlandsfteunde die Frage auf, ob nicht doch ein Weg in eine andere Bahn ge- funden werden mutz. Sie haben weiteste und beste Kreise der Nation in Zwiespalt gebracht mit der Regierung, die ihr Ver- trauen in der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten, der wichtigsten von allen, nicht mehr besitzt. In England, in Frank- reich, in Italien würden die Männer, die sich verantwortlich machen wollten für solche Politik, dem Unwillen des Volkes weichen müssen. Wie wird man uns draußen einschätzen, wenn man sieht, wie es bei uns offenkundig anders ist? Kämpfen wir nicht so schon umsonst gegen den Spott des Auslandes, daß wir «in unfreies Volk seien, unfähig zur Selbstregierung? Unsere Volksvertreter dürfen darüber keinen Zweifel lassen, daß sie Männer an ihrer Spitze haben wollen, die in Fühlung bleiben mit dem Pulsschlag des Volkes." Diese Sätze kann mit wenig Vorbehalt unterschreiben. Die Sozialdemokratie hat immer gegen das bureäukratische Regie- rungsshstem angekämpft, bislang ohne Unterstützung bei den an- deren Parteien zu finden. Aber Herr Dietrich Schäfer will nicht das, was wir wollen, er hebt ja ausdrücklich die schweren Bedenken hervor, die er gegen die Einführung dieses Systems hat. Wenn er dem Volk einen gewissen Einfluß auf die Zusammensetzung der Regierung verschaffe» will, dann versteht er darunter nur daS „Volk der Annexionisten" und nicht etwa das „Vettel-HumanitKt". Wie wir dem„Berliner Börsen-Courier" entnehmen, hat das Herrenhansmitglied v. Hertzberg- Lottin vor einigen Tagen in der„Pommerschen Ta g e s p o st"-Stettin einen mit Namen unterzeichneten Artikel veröffentlicht, der alles, was an Ge- h ä s s i g k e i t und Bissigkeit bisher geschrieben worden ist, in den Schatten stellen dürfte. Schon die Ueberschrift des Artikels: „Die Vettel-Humanität" zeigt an. welcher Art die dann folgenden Ausführungen sind.„Wir versagen es uns— schreibt der„Börsen-Courier"— den Wortlaut der Schreiberei des Herrn v. Hertzberg wiederzugeben, und erwähnen nur, daß er für seine Anwürfe die Form wählt, sich scheinbar auf die Seite derer zu stellen, die für möglichst große Humanität in der Kriegsführung sind, von dieser Basis aus aber den Reichskanzler mit Bosheiten aller Art zu überschütten. Bon den Kriegsgescllschasten wird be. hauptet, daß in ihnen das auSerwählte Volk fast überall an leiten- der Stell« stehe, und es wird angedeutet, i||ß die Angestellten dieser Kriegsgesellschaften dem Heeresdienst entzogen würden. Die Tonart des gangen Artikels ist derartig, daß sie nur als dema- g o g i s ch bezeichnet werden kann." Schade, daß der„Börsen-Courier" nicht ausführlicher auf den erwähnten Artikel eingegangen ist. Sein Wortlaut konnte immer- hin als interessanter Beitrag zur Charakteristik unserer Lords- Kammer dienen und insofern der politischen Aufklärung uns«es Volkes dienstbar gemacht werden- Vergeltung. Zu der Meldung über den angekündigten Zwangsverkauf des gesamten deutschen Grundeigentums in der englischen Kolonie Nigeria erfährt der„Berliner Lokalanzeiger" von unter- richteter Seite, daß die deutsche Regierung der britischen Regierung schon vor einiger Zeit mitgeteilt hat, im Fall der Verwirklichung diese? Raubes an deutschem Gut werde sofort das bekannte Pate; des englischen Handelsagenten Sir Francis Oppenheimer in Frank- furt a. R. öffentlich versteigert werden. Unterstützung n«S dem Heere Entlassener. Die BerbandSleiiung der deutschen Gewerkvereine ersucht in einer Eingabe für die Unterstützung der aus dem Heeres- dienst Entlassenen und ihren Familienangehörigen das preußische Kriegsministerium, Bestimmungen zu erlassen, durch die 1. den aus dem Heeresdienst Entlassenen die bisherige Soldatenlöbnung, auf die Dauer bis zu einem Monat vom Tage der Entlassung ab ge- rechnet, weiter gewährt wird, wenn sie nachweisen, daß sie inner- halb dieser Zeit keine Arbeit erhalten konnten, 2. den aus dem Heeresdienste Entlassenen, die im ersten Monat nach ihrer Entlassung wieder in ein festes Arbeitsverhältnis getreten sind, diese Löhnung bis zum Empfang deS ersten Arbeitsverdienstes gewährt wird, 3. den Familienangehörigen die Unterstützung solange weiter- gezahlt wird. Diese Forderungen find sehr bescheiden, der Entlassene hätte damit für einen Monat Anspruch auf ganze 9,90 M. I Die Fürsorge für die Entlassenen mutz ganz anders gestaltet werden. General von Langermann hat in der Budgetkommission des Reichstages erklärt, kein Entlassener solle hilflos bleiben, und eS können deshalb erst einmal die Vorschläge der Heeresverwaltung abgewartet werde»._ Eine notwendige Warnung. Soeben ist der Bericht über die letzte Sitzung der Kriegshilfs- kommission für Ostpreußen erschienen, in der Herr v. B a t o c k i, der frühere Oberpräsident, u. a. folgende überaus bemerkenswerte Aus- führungen gemacht hat: .Wenn Preußen bei erheblicher Mehrbelastung seiner Steuer- zahler die allgemeinen StaatSauSgaben mit größter Sparsamkeit be- messen und jeden Pfennig dreimal umdrehen mutz, so wäre es unverantwortlich, wenn w i r mit den uns vertrauensvoll überwiesenen Mitteln nicht bei oller Entschlossenheit in der Be- willigung dessen, waS wirklich nötig ist, aufs sparsamste Haus- halten und auch unsererseits die Ausgabe jeden Pfennigs, der entbehrt werden kann, vermeiden würden. Wenn gewaltige Summen für ein Werk aufgewendet werden müssen, so ist die Gefahr, datz die Beteiligten den Zahlenmatzstab verlieren und die Sparsamkeit im einzelnen vergessen, eine große. Sie wird ver- mieden, wenn alle beteiligten Stellen sich immer wieder vor Augen führen, daß jeder Pfennig, der für Ostpreußens Wiederaufbau aus- gegeben wird, durch eine Mehrbelastung der Steuerzahler im ganzen Staate aufgebracht werden muß, die von vielen in der jetzigen teueren Zeit hart empfunden wird. Angesichts dieser Tatsache grenzt es an ein Verbrechen, wenn irgendeiner der Geschädigten aus dem großen und dem Unverständigen leicht unermeßlich scheinenden Geld- Vorrat der Wiederaufbaumittel auch nur einen Pfennig mehr zu er- langen sucht, als er vor den bestehenden Bestimmungen und vor seinem eigenen Gewissen verantworten kann. Wo daS absichtlich ge- schieht, ist die schärfste, rücksichtsloseste Verfolgung ohne Ansehen der Person geboten, und ich habe dafür gesorgt und werde dafür sorgen, daß sie nicht unterlassen wird." Verurteilte Lederfabrikanten. vor dem Landgericht Rudolstadt hatten sich im März drei Lederfabrikanten in Pößneck wegen Vergehens gegen die Verfugung betr. Beschlagnahme von Viehhäuten zu verantworten. Sie wurden damals verurteilt, der eine zu 1600 M. Geldstrafe, die beiden anderen zu je 6 Wocben Haft. Auf die eingelegte Revision hob das Reichs- gericht das Urteil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Ver- Handlung an das Landgericht zurück. In der jetzigen Sitzung wurden die Angeklagten abermals verurteilt, und zwar zu einer Geldstrafe von insgesamt 10 440 M._ Die„Lebensmittelversorgungssacheu'. In der„Kölnischen Zeitung"(Nr. 804) sucht das Landratsamt Olpe i. Wests,„für die Dauer des Kriege? eine in der Bearbeitung der L e b e n S m i tt e I v e r s o r g un g S- fachen erfahrene selbständig arbeitende Bureau- kraft. Gehalt 1600— 1800 Mark. Wenn man sich dieses Gehalt ansieht, so könnte man zu der Auffassung kommen, datz in den Landratsämiern den doch so wichtigen.Lebensmittelversorgungssachen" recht geringer Wert bei- gemessen wird, denn es werden sich schwerlich einigermaßen brauchbare Kräfle um diesen Posten reißen. Vielleicht ist das Gehalt für den Olpener Lebensmitteldircktor aber nur deshalb so gering be- messen, damit er an billigen Nahrungsmitteln persönlich intcr- efsiert bleibt. Sie empfindlichen Industriellen tut Nationalausschufi. ZV. T. B. meldet aus Düsseldorf vom 11. August: ..Infolge der Angriffe, die Exzellenz v. Harnack in seiner Rede ain 1. August gegen die deutsche Privatindustrie erhoben hat, babcn die Herren August Thyssen, Louis Röchling, Peter KWckncr und Freiherr v. Bodenhausen-Degener in Würdi- gung der maßgebenden Stelle, die Exzellenz v. Harnack inner- hglb des Deutschen Nationalausschusses einnimmt, ihren Aus- tritt aus dein Ausschuß erklärt." Die Herren Industriellen sind wirklich überempfind- l i ch. hat doch Professor H a r n a ck in seiner Rede in der Tat nichts gesagt, was�als Kränkung industrieller Kreise betrachtet werden könnte. Sollten nicht andere Gründe hinter dem Austritt der Herren stecken? Rohtabak für den Kleinmengenverkauf ohne Bezugs- scheine freigegeben. > Amtlich wird mitgeteilt: Die Vorschrift in der Bekanntmachung vom 7. August 1916, wonch zur Aufrechterhaltung des Betriebes Roh ta bak bis aus weiteres gegen Bezugsscheine ab- gegeben werden darf, hat sitfi allzu umständlich für die kleinsten Betriebe, die sich nur für einzelne Tage oder eine Poche mit Tabak einzudecken pflegen, erwiesen. Der Reichskanzler hat daher vorbehaltlich weiterer Regelung den sogenannten Klein- mengenverlauf von Rohtabak gemäß Z 6 der Tabakszollordnung ohne Bezugsscheine freigegeben. Weiter ist die Abgabe von Kentucky- und Virginia-Pretztabak und sogenannten Utigarnblättern zur Verwendung als Pfeifentabak im Rahmen des § 22 der Tabakzollordnung gestattet worden. »-- Weniger Gewinnsucht! Vom Genossen O t t o B r a u n erhalten wir folgende Zuschrift: In einem fast zwei Spalten langen„Mehr Sachlichkeit!" über- schriebenen Artikel versucht die„Deutsche Tageszeitung" die Ge- winnsüchtigen, die, um sich den höchsten Kartoffelpreis zu sichern, zum Schaden der Volksernährung viele Tausende Zentner Kartof- feln dem Verderben preisgegeben, gegen die Angriffe zu verteidigen, dse in der Presse gegen sie erhoben worden sind. Auf die meisten der Arguniente, die zur Erklärung des Kartoffelskandals ins Feld geführt wurden, verlohnt es sich nicht einzugehen, da es nur lahme Ausflüchte sind. Einige erheischen jedoch eine kurze Zurückweisung. So entbehrt die Behauptung, daß der Frühkarkoffelpreis nicht übermäßig hoch sei, da diese Kartoffel nach Bechendüngung, Arbeit und Ertrag weit höhere Kosten als Spätkartoffeln verursache, jeder Begründung. Gewiß läßt sich für die Frühtartoffel ein etwas höherer Preis rechtfertigen, als für die Spättartoffeln gezahlt wird. Das g'flt aber nur, wenn für die Spättartoffeln normale Preise fest- gesetzt sind. Ter diesjährige Preis für Spätkartoffeln übersteigt aber, wie hier nachgewiesen worden ist, da er nach dem angeblichen F u t t e r w e r t der Kartoffeln bemessen wurde, den durch die ge- rfnge Erhöhung der ProdnktioNskostcil bedingten Satz ganz bedeu- tend. Daher ist ein Preis, der diesen nach dem Futterwert be- messcnen Spättartoffelpreis noch um 100 bis 150 Proz. übersteigt, Opch mit dem Hinweis auf höher- Produktionskosten nicht zu recht- fertigen; ex ist zu hoch und mutz daher die verhängnisvollen Vcr- h�ltniffe auf dem Kartoffclmartt auslösen, die wir jetzt zu beklagen haben. UebrigenS ist das mit dem höheren ProduttionSaufwand für Fpühtcrrtoffeln auch noch so eine Sache; insbesondere bei den Früh- kgrtoffeln„. die in diesem Jähre auf. den Markt geworfen werden. Es dürfte der�., Deutschen Tageszeitung" doch ungemein'schwer fällen, den rechnerischen Nachweis für den diese Pmsdifferenz rechtfcrli-, geyden Mchraufwaird an Erzeugungskosten zU erbringen. ." Auch der weitere Einwand der„Deutschen Tageszeitung", es sei finistos, die Profitsucht der Landwirte als Triebfeder für die über- mgtzige Kartoffelliefcrung vor dem l. August hinzustellen, da der Lqndwirt doch nicht ganz sicher sein könne, ob bei dem späteren Ausnehmen mit dem Ertrag der ausgereiften Kartoffel nicht ein besseres Geschäft zu machen sein würde, ist wenig stichhaltig. Denn ljei dem regenreichen Wachswetter dieses Jahres gewinnt die Kar- chfiel durch längeres Verweilen im Boden wohl an Nährstoff und an Haltbarkeit, aber kaum an Gewicht. Das wissen auch die Kar- thfielexzeuger besser als ihr Verteidiger uird deshalb brachten sie die unäuSgereiften Kartoffeln in großer.Haft auf den Markt, um sich den Zentnerpreis von 10 M. noch zu sichern. ' Patz das nur geschehen sei in dem redlichen Bemühen, das stür- mischs Verlangen der Städter nach Kartoffeln zu befriedigen, glaubt da? agrarische Blatt doch wobl im Ernst selbst nicht. Wie in dem hier veröffentlichten Antrag unserer Genossen aus dem parlamen- tarischen Ernährungsbeirat an dos ErnährungSamt an der Hand von Tatsachen nachgewiesen wird, bat man den Kommunen cnt- gegen ausdrücklicher Abbestellung K artoffeln weit über den Bedgrf aufgedrängt. Also es war doch wohl der einen hohen Kmegsgewinn sichernde Zehnmarkpreis und nicht der Hilferuf der Städte, der die Landwirte zu der Hast in der Kartoffelliefernng an- trieb. Das gibt übrigens die.Deutsche Tageszeitung", alle ihre Erklä- ritngs- und Eillschuldigungsgründe zu Boden schlagend, ja auch gavz offen zu mit folgendem Satz: „Ten Kaufmann, der nickt versuchte, wenn eine abgleitende Preisskala festgesetzt wird, feine Ware möglichst vollständig zu dem besten Preise abzusetzen, würde alle Welt einen Narren nennen; beim Landwirt schreit man über„Profitwut"!" Es soll hier nicht im einzelnen nachgewiesen werden, inwiefern dieser Vergleich im Hinblick auf die hier zur Erörterung stehenden Vorgänge hinkt. Doch das sei bemerkt: Einen Kaufmann, der in dem Bestreben, seine Ware möglichst vollständig zu dem besten Pr.eise abzusetzen, taufende Zentner dringend notwendiger Lebens- mittel, zumal in einer Zeit der Knappheit und Teuerung dem Ver- dirbxn preisgäbe, würden wir weder als Narren noch als klugen Äytm bezeichnen, sondern wir würden ihn einen Verbrecher nennen, denn sein Vorgehen wäre gleich dem des ebenso handelnden Produzenten ein Verbrechen an der Allgemeinheit. � Obgleich die agrarischen Blätter und ihre Hintermänner die Regierung beschwören, es bei der verfehlten Preisfestsetzung zu lassxn, müssen wir dringender denn je fordern, daß mit einer Preis- Politik, die derartige Verbrechen ermöglicht und begünstigt, die der- qxt die Volksernährung schädigt und damit die Volksgesundheit untergräbt, daß mit einer solchen Preispolitik radikal und schnell gebrochen wird. Jeder Tag des Weiterbestehens der aus den Anreiz zur Lieferung gerichteten unglückseligen Preis- stcckä für Kartoffeln verursacht unersetzliche Verluste. Denn solange diese Skala mit ihren unberechtigt hohen Preisen gilt, d. h. bis Ende September wird sie die Landwirte anreizen, unausgereiste und da- her weniger nahrhafte und weniger haltbare Kartoffeln ems der Erde zu nehmen, und dadurch die Ernte an Kartoffeln, auf deren Ertxag die gesamte Voltsernährung in so erheblichem Maße ange- fcsiiffen ist, auf das schwerste gefährden. Diese Preisgestaltung, die unß angeblich einen hohen Ernteertrag sichern soll, bewirkt, wie die Srsjthxung ltchri, und wie selbst umsichtige Landwirte zugestehen, gtzräde dgs Gegenteil. Daher kann und darf die auf den Anreiz der Gewinnsucht ge- richtete Preispolitik nicht weiter betrieben werden. Sie mutz der Bolksernährung zum Verderben gereichen und daqüt auch die Sicherheit des Landes, für die Millionen draußen im heißen Kampfe bluten, auf das schwerste gefährden. Deshalb ist die Forderung des Tages nicht„mehr Sachlichkeit", sondern man mutz bei aller Sachlichkeit kommen zu der gebieterischen Forderung: Weniger Gewinnsucht! Otto Braun. Das tägliche örot. Die diesjährige Getreideernte. Der stellvertretende Vorsitzende der Kreselder Handelskammer, Kommerzicnrat Bayerthal, machte in der letzten Sitzung bemerkens- werte Angaben über die deutsche Getreideernte. Nach den Mit- teilungen der„Köln. Zeitung" führte er aus, daß die Gersten- ernte so reichlich ausgefallen sei, daß davon für die Schweinemast 5 Millionen Doppelzentner zur Verfügung gestellt werden sollen. Auch den Malzkasfee- und Graupenfabriken, sowie den Brennereien sollen gegen das Vorjahr erheblich größere Mengen überwiesen werden. Nach vorsichtigen Schätzungen wird die Ernte an Gerste und Haser gegen das Vorjahr ein Mehr von 3 Millionen Tonnen liesern. Auch die Ernte in Weizen und Roggen kann durchweg als gut bezeichnet werden, so daß Deutschland auf eine Einfuhr an Brotgetreide aus dem Auslände nicht angewiesen ist. Kommer- zienrat Baherthal bemerkte, daß die diesjährige Ernte für Deutsch- land auf wirtschaftlichem Gebiete einen großen Sieg darstelle. Man tut gut daran, diese Angaben recht vorsichtig aufzn- nehmen. Zunächst ist die Getreideernte noch nicht in allen Teilen Deutschlands beendet und dann liegt auch amtliches Material über den Ausfall der Ernte natürlich noch gar nicht vor. Zumeffung des Brotgetreides für die Bevölkerung. Zur Beseitigung von Zweifeln macht das Direktorium der Reichsgetreide stelle darauf aufmerksam, daß die bis- her als durchschnittlicher Höchstverbrauch für die versorgungsberech- tigie Bevölkerung zugelassene Tagesmenge von 200 Gramm Mehl und der bisherige Ausmahlungssatz fiir Brotgetreide(Roggen 82 Proz., Weizen 80 Proz.) zunächst auch noch für das neue Erntejahr bis zum 15. September d. I. weiter gilt. Für die Zeit nach dem 15. September wird Be- stimmung getroffen werden, sobald das Ergebnis der Ernte- schätzung 1916 abgeschlossen vorliegt. Das Verlangen nach ausreichenden Kartoffclrationen. Es ist beabsichtigt, für die Wintermonate auf den Kopf der Be- völkerung l'/z Pfund Kartoffeln zu gewähren. Selbst leitende Kreise mancher Stadtverwaltungen haben Bedenken, ob dieses Quantum für die arbeitende Bevölkerung ausreicht in einer Zeit, wo die Kartoffel den wesentlichsten Bestandteil der Nahrung bilden muß. Die Arbeiterorganisationen haben jeden« falls allen Grund rechtzeitig und entschieden auf eine ausreichende Erhöhung für die arbeitenden Schichten hinzuwirken. Bemerkenswert ist, daß die»Kol- nische Volkszeitung"(Nr. 639) eine Zuschrift vom Lande ver- öffentlicht, die ebenfalls verlangt, daß die Kartoffelration höher an- gesetzt wird: „Einige Volkskreise mögen immerhin mit anderthalb Pfund Kartoffeln pro Tag und Kops reichen, aber für die weitaus größte Mehrheit des deutschen Volke« langt diese Menge nicht. Wer auf dem Lande lebt und Einblick in die wirtlichen Verhältnisie hat, wird dem Schreiber dieses unbedingt beipflichten, daß pro Kopf und Tag mindestens zweieinhalb bis drei Pfund berechnet werden müssen, zumal jetzt in der Kriegszeit bei der Knappheit der anderen Lebensmittel die Kartoffeln überall als Ersatz in An- spruch genommen werden müssen. Es ist aber auch durchaus kein Grund vorhanden, weshalb man die Rationierung so knavp be- mißt." In der Tat sollte man bei den großen Kartoffclmengen, die Deutschland erzeugt, meinen, wenigstens von diesem Nahrungsmittel könnte jedem Einwohner ausreichend zugemessen werden. Obstwucher. Di- Folgen des Fehlens von Obsthöchstpreisen und der Nickt- rcgelung der Obstpachtverhältnisse zeigen sich anschaulich in dem folgenden Bericht aus dem„Hildburghäuscr K r e i s d l a t t" vom 4. August: „In 29 Orten betrugen die Kirschpachtsummcn 59 458 M., gegen 19215 M. im Vorjahre. Trotzdem begegnet man beim diesjährigen Ernteschluß(abgesehen natürlich vom' verbrauchenden Volte) nur frohen Gesichtern, da jeder der Pächter einen großen Verdienst eingeheimst hat. So sind an Plantagen, welche mit 1500 bis 2000 M. bezahlt wurden, Ueberschüsse von 3— 4000 M. nach Abzug der Unkofteu gemacht worden. Ganz dieselben Preisver- Hältnisse scheinen die Pächter für Pflaumen und Kernobst zu er- warten; da auch hier die Pachtungen zu geradezu unheimlichen Preisen erworben wurden, so daß häusig der Zentner Pflaumen nach Angabe von Fachleuten 5 bis 6 M. auf dem Baum kostet, was im Interesse der Käufer bei dem recht reichen Pflaumen- anhange sehr zu bedauern ist. Solange bei uns der Obstverkauf in Wucherbänden liegt, wird Obst noch lange nicht das vielgeprie- sene„Volksnahrungsmittel", und man verschone uns, wenigstens jetzt während der Kriegszeit, mit aller Theorie auf diesem Ge- biete," Der KriegSaus schütz für Konsumenteninter- essen bemerkt mit Recht hierzu: Wenn schon die Früh- obsternte nicht mehr vor den Wucherern gerettet werden kann, so sollten wenigstens für Pflaumen und Kernobst unverzüglich Reichs- Höchstpreise, etwa nach bestimmten Erzeugungsgebieten, festgesetzt werden. Wenn dabei die Pächter infolge der unsinnigen Pacht- summen zu kurz kommen sollten, so wären sie und die Besitzer wenigstens sür das nächste Jahr gewarnt. Und gegen etwaige Streikgelüste nach Kölner und Werderscher Art haben wir ja noch Landfturmleute. Ganz besonders horrende Obstpreise wurden in Köln gefordert. Pflaumen kosten 60 bis 70 Pf. gegen 15— 18 Pf. im Vorjahre; Aepfcl 30 bis 35 Pf., die im Vorjahre sür 10 bis 15 Pf. zu haben waren. Für Falläpsel, die in Friedenszeiten 5 bis 7 Pf. kosteten, und im Vorjahre zu 10 bis 12 Pf. vertaust wurden, werden eben- falls Preis« von 30 bis 40 Pf. gefordert; alles nicht etwa nur beim Händler auf dem Markte, sondern unmittelbar im Obstgarten vom Bauern. Der Kölner Stadtverwaltung ist es nun gelungen, größere Obstmcngen anzukaufen, die sie auf den Kleinverkaussmärkten ganz bedeutend billiger abgibt: Pflaumen für 40 Pf., Birnen für 15 Pf. das Pfund. Zu vielen Hunderten sammelten sich die Frauen vor den Verkaufsständen, und die Wirkung war, daß allgemein ein merklicher Preisdruck eintrat._ Wachsende Beteiligung an der Massenspeisung. Die Stadtküche in Köln erfreut sich nach anfänglicher Zurück- Haltung der Bevölkerung wachsenden Zuspruchs. Die Teilnehmer- zähl stieg innerhalb von vierzehn Tagen von 2500 auf 11 800, wo- bei bei weitem noch nicht alle Stadtteile angeschlossen find. Zur Tagung Ses französischen Nationalrats. Die Beschlüsse des Nationalrats. Laut einer Baseler Meldung der„Franks. Ztg." meldet die Havas-Agentur aus Paris: Der Parteiausschutz der sozialistischen Partei nahm(wie bereits gemeldet, mit 1820 gegen 1075 Stimmen) am Montag- nachmittag folgenden von Renaudcl abgefaßten Antrag an: „In voller Uebereinstimmung mit seinen früheren Eni. schcidungen versichert der Parteiausschuß der sozialistischen Partei seine Entschlossenheit, seine ganze Kraft weiterhin der Landes- Verteidigung zu weihen bis zur Befreiung des vom Feinde hesetzten Gebietes und bis zur Wiederherstellung eines freien un- abhängigen Belgiens und Serbiens. Sie weist den gefährlichen Zimmerwalder und Kienthaler„Divisionismns" von neuem zurück und verurteilt als antisozialistisch jegliche These, die nicht das Recht einräumt, sich�für die Verteidigung eines angegriffenen. Landes einzusetzen. Sie versichert, daß es Pflicht des internationalen Sozialismus ist, die angreifende Regierung aussindig zu machen, damit sich die Kraft der Proletarier aller Länder gegen sie wenden kann, und so die Völker vor der Entfesselung und einer langen Tauer eines künftigen Krieges bewahrt bleiben. Unter dem Eindruck der Motion des Kongresses vom Dezember 1915 stellt sie das Anwachsen der Bestrebungen bestimmter Fraktionen der deutschen Sozialdemokratie fest, sich von der imperia- listischen Politik zu befreien; sie erinnert aber auch daran, daß die Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen von ihr an Bedingungen geknüpft worden ist, die sich noch nicht erfüllten. Ver- schiedene Sektionen der Internationale haben ihre Kongresse noch nicht gehalten und haben daher die in den Verhandlungen des Dezember-Kongresses beschlossene Zustimmung zu folgenden von der Internationale selbst festgelegten Grundsätzen noch nicht be- kündet: 1. Verurteilung des Imperialismus und der Eroberungs- Politik; 2. Betonung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker und des Rechtes vergewaltigter Nationalitäten und Nationalitäten- Parteien, sich ihre Verfassung selbst zu geben; 3. Protest gegen die Verletzung des Völkerrechts sowie des Rechtes der unter Garantie Europas gestellten Neutralen; 4. Untersuchung und Bekanntmachung der Verantwortlichkeit für die Ursachen des Krieges und Forderung von Garantien für die Herstellung eines dauerhaften Friedens; 5. Anerkennung des Verteidigungsrechtes des Prolc- tariats des angegriffenen Landes und der Pflicht des intcr- nationalen Proletariats, diese Anstrengungen zu unterstützen. In Ernmngelung der Möglichkeit, auf Grund dieser Thesen die internationalen Beziehungen wieder aufzunehmen, beschließt der Parteiausschuß, so bald wie möglich eine Versammlung der Sozialisten der verbündeten Länder zu organi- sieren, in der die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen eines dauerhaften Friedens genauer festgelegt werden sollen, dem die Sozialisten sodann Geltung zu verschaffen suchen werden. Der Parteiausschuß ersucht die Partei und alle ihre Vertreter, von der Regierung feste und destimmte Erklärungen über die Kriegsziele Frankreicks zu erhalten. Je stärkeren und anhaltenderen Beistand der französische Sozialismus der Landesverteidigung leistet, um so eher hat er das Recht und die Pflicht, von der Regierung zu verlangen, daß sie ihren Willen nach einem dauerhaften Frieden deutlich betundct, einem Frieden, der begründet ist auf der Wiederherstellung deS im Jahre 1871 verletzten Rechtes, aus der Wiederherstellung der Unabhängigkeit der unterdrückten Nationen, unter denen Polen in erster Reihe steht, auf der formellen Ablehnung jeglicher Annexion und der Sicherung des Völkerrechts und des intcr- nationalen Schiedsgerichts. Ter Parteiausschuß beaustragt ferner seine Vertrauens� männer, von den Regierungen Maßnahmen zu fordern,, die in Erfüllung der übernommenen Verpflichtung die Führung de» Krieges entschiedener gestalten sollen zur Erlangung eines raschen und entscheidenden Sieges. Ter Parteiausschuß zählt auf seine Delegierten in der Regierung und der nationalen Verteidigung, daß sie fortfahren, ihren Druck auf die Beratungen der Regierung auszuüben, um die militärische und diplomatische Aktion Frank- reichs und der Verbündeten zu einer energischeren und voll- ständigeren Organisation zu bringen." Der Ausschutz genehmigte dann eine Tagesordnung zur Einberufung einer Konferenz der sozialistischen Fraktionen der Verbündeten im Dezember und be- schloß, daß auf dieser Konferenz nur wirtschaftliche Fragen behandelt werden sollen, die in den Friedensvertrag auf- genommen werden. Der Ausschuß beschloß weiter, die BeHand- lung der gegen verschiedene Parteimitglieder, wie Herve, Blanc, Raffin-Dugens, Brizon, beantragten Maßnahmen auf die Zeit nach dem Kriege zu verschieben. Die Tagung' des Ausschusses ist damit geschlossen.—.; Einer weiteren Meldung der„Franks. Ztg." entnehmen wir: Das Ergebnis der Ab st immun g über die Mehrheit?- resolution wurde mit wildem Lärm aufgenommen. Die An- Hänger der Minderheit weigerten sich, an der Abstimmung über einzelne Absätze teilzunehmen und verließen unter Absingen der Internationale den Saal. Tie bürgerttöhc Presse über den Nationalrat. Der„B. Z. am Mittag" wird aus Genf gedrahtet: Die Ergebnisse der stürmischen Beratungen der Landes- Versammlung der französischen Sozialisten envecken, wie man au» den Artikeln der bürgerlichen Pariser Presse schließen kann, in den Regierungstreisen heftiges Mißtrauen,— obwohl doch die von der Mehrheit angenommene Entschließung Rcnaudeis die Bc. schlüsse der Dezember-Konserenz bestätigt und alle Forderungen der sozialistischen Vertrauensmänner im Ministerium angenommen wurden. In Regierungskreisen wird anscheinend mit besonderem Befremden die Tatsache bemerkt, daß die srondierende Minderheit seit Dezember an Stärke der Organisationskraft und des Mutes nicht geringer geworden ist, sondern eher zugenommen hat. Namentlich mutzte es verstimmen, daß sich über ein Drittel der französischen Sozialistenpartei ausdrücklich gegen Poincare persönlich ausgesprochen hat. Wie man nämlich jetzt im „T c m p s" lesen kann, wurde in die Entschließung der Minderheit noch die Stelle eingefügt, welche die Kriegsrede Poincares in Nancy als„herausfordernd" bezeichnet. Die regierungstreuen Blätter meinen daher, es sei Zeit, daß die im Briandschen Ministerium sitzenden Sozialisten in der gefährlichen Verwirrung, die in den Reihen der Partei eingerissen sei, Ordnung schaffen. Ter „Figaro" stellt bereits die sozialistischen Minister vor ein„ent- weder— oder". Entweder reinliche Trennung der Partei von den Zimmerwalde rn und ihrem ganzen Anhang oder Verzicht auf die Freuden der Regierungsgetvalt. Der„T e m p S" bält über die Entschließung der Mehrheit ein äußerst strenges Gericht. Daß die sozialistische Mehrheit weiter an der Landesverteidigung teilnehme, Elsatz-Lothringen zurück- babcn und von der deutschen Sozialdemokratie, nichts wissen wolle, dies. erscheint dem Blatte selbstverständlich; das Verlangen aber, daß ein sozialistischer Kongreß der Alliierten den Entente- regwrungen ein Kricgsziel vorschreiben wolle, offenbare einen bc- bäuerlichen Geist der Anmaßung. �rei nach Kolb. Herve überschreibt einen Leitartikel bereits„Auf dem Wege zur Spaltung". Er schreibt:„Es sei Zeit, die Wunde mit rotglühendem Eisen auszubrennen, sonst werde in Kürze die Spaltung kommen."„L i b e r t e" sagt: „Wenn auck die Spaltung noch nicht offiziell verkündet ist, so be- steht sie doch tatsächlich'tief und unheilbar." Uj flus See Partei. Berichtigung. Durch ein Versehen ist in dem Aufruf des Porteworftcn- des ein Wort ausgelassen worden. Der letzte Satz muß rich- tig heißen: „Auch ersuchen wir, Vorbereitungen für. die-Unter- Zeichnung einer Petition zu treffen, in der ein Friede der- langt wird, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern ermöglicht und unserem Land die territoriale Unversehrt- Veit, volitischc Unabhängigkeit und wirtschaftliche EntWicke- lungsfreiheit gewährleistet." Konferenz Thüringer Wahlkreise. Im Volkshaus in Weimar tagte eine Konferenz, die von Vertretern der Genossen aus den Thüringer Wahlkreisen beschickt war, um Stellung zur Jugend frage und zu der vorgeschla- genen R e i ch s k o n f e r e n z zu nehmen. Bezüglich der Jugend- frage wurde folgende Resolution angenommen:„Die Bezirks- leitung der Thüringer Jugendbewegung setzt sich paritätisch aus Vertretern der Partei, der Gewerkschaften und der Jugend zu- sammen. Die Vertreter der Jugend werden auf den Bezirks- konferenz der Ausschüsse gewählt, die Vertreter der Partei und Gewerkschaften von der Partei und Gewerkschaften bestimmt."— Für die Einberufung einer Reichskonferenz konnten sich tüe Versammelten nicht erwärmen, sie wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. Sollte eine solche trotzdem einberufen werden, so wünscht die Konferenz, daß jeder Wahlkreis nur einen Ver- treter sendet und nur solche Kreise, in denen über 20 000 Stimmen abgegeben wurden, sollen das Recht haben, zwei Vertreter zu ent- senden. Jauräs-Fcicr in der Heimat Jaurös'. Im Wahlkreis Jaurcs' ist der Gedenktag seiner Ermordung feierlich begangen worden. In A l b i zogen 2000 Trauernde mit Kränzen nach dem Friedhof. Unter ihnen befanden sich die Ab- geordneten B e d o u r e und L o n g u e t und Genosse Merxheim. Der Gemeinderat von Toulouse hatte eine Delegation gesandt. Der Sekretär der Arbeitsbörse, Genosse B o u r e t, hielt am Grabe eine Ansprache.— Am Abend fand in Earmaux eine Versammlung statt, �wo Genosse Longuct die Gedenkrede hielt. Es verdient jedenfalls Aufmerksamkeit, daß in dem Wahlkreis Jaures', bei den Bergleuten und Glasarbeitern von Earmaux und Aldi, wo seine Persönlichkeit im Bewußtsein der Arbeiterschaft lebendig fortdauert, ein Angehöriger der P a r t e i m i n d e r h e i t, ein Befürworter der Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen es war, dem die Aufgabe anvertraut wurde, das Andenken des Toten zu feiern. Von der schweizerischen Sozialdemokratie. - In der Parteivorstandssitzung vom 5. August in Zürich wurde berichtet, daß insgesamt 120 385 Unterschriften für die sozialdemo- kratische Initiative betreffend die Abschaffung der Militärjustiz aufgebracht worden sind. Beschlossen wurde, den diesjährigen ordent- lichen Parteitag auf den 4. und 5. November nach Zürich einzu- berufen und auf die Tagesordnung außer den üblichen Geschäften (Berichterstattung usw.) die internationale Konferenz in Kien- thal, das Verhältnis von Partei und Grütliverein sowie die Bundessinanzreform zu nehmen. Die Militärsrage soll auf einem außerordentlichen Parteitag im Februar 1917 in Bern behandelt ,-werden. Für_ die Neuregelung des Verhältnisses von Partei und Grütliverein soll ein Protokollbeschlutz des Parteitages im Sinne der Parteieinheit und der Vorbereitung der vollständigen Revision der Parteistatuten mit besonderer Berücksichtigung des Arbeite- rinnenverbandcs und der Jugendorganisation Herbeigeführt wer- den. Ferner wurde beschlossen: der Parteivorstand soll eine all- gemeine Bewegung für den Austritt der Grütliverei.ne aus ihrem Zentrolverband einleiten. Eine weitere Resolution erklärt als Barbedingung und Grundlage der B.undes.sina.nzreform die dauernde. direkte und progressive. Brnchessteuer auf große- Einkommen und Vermögen/ ohne die die.sazialdemokftrtischs- Perrtei jede Mitwirkung an der Finanzresorm ablehnt.-„Insbesondere erklärt sie sich grundsätzlich gegen alle Verbrauchssteuern und Mono- pole, die eine Belastung der Arbeiterklasse zur Folge haben." Der„Grütlianer" proklamiert angesichts der Stellungnahme des Parteivorstandes gegen die Zentralorganisation des Grütli- Vereins den Kampf gegen die Partei, was er zwar nicht direkt sagt, was aber das logische Ergebnis ist, da auch nicht gesagt ist, daß der proklamierte Kampf etwa gegen die Freisinnigen gemeint sei. Die unglückliche Halsstarrigkeit einiger weniger Grütli- Vereinsfanatiker kann vorübergehend für die Arbeiterklasse in der Schweiz von erheblichem Schaden fein. Thaddäus Rcchniewski t. , Von einem polnischen Genossen wird uns geschrieben: Am 21. Juli verschied in W a r sch a u nach langen und schweren Leeden, die ihn zeitweise ans Krankenbett fesselten, im Alter von 51 Jahren einer der ersten und tüchtigsten Pioniere der polnischen sozialistischen Bewegung, Genosse Thaddäus Rechniewski. Geboren am 2. April 1862 in Petersburg, hatte Rechniewski noch alS Student zusammen mit' einigen polnischen Kollegen, mit der damals vom berühmten.„Aktionskomitee des Volkswillens"(Na- rodnaja Wolja) geleiteten russischen revolutionären Bewe- gung nahe Fühlung genommen. Bald aber wendet er sich, gleich seinen Kollegen, dem polnischen Arbeitervolke zu, dessen gerade zu jener Zeit einsetzende Bewegung seiner Geistesrichtung wie seiner Tatkraft mehr, als der russische blanquistisch gefärbte agrare Sozialismus entsprach. Er kommt nach Warschau, wird Mit- begründer der ersten politischen Organisation der polnischen Ar- beiterklasse, der Sozialistisch-revolutionären Partei„P r o l e t a- r i a t", Mitglied deren Zentralkomitees und Redakteur des Haupt- organs der Partei. Die junge Organisafton, die eine rege Tätigkeit entfaltete und täglich an Einfluß gewann, mußte bald der nach Erdrosselung der russischen revolutionären Bewegung verstärkten Reaktion erliegen. Im Jahre 1883 wird Rechniewski mit anderen Führern der Partei zusammen verhaftet und im großen- politischen„Prozeß der 23" vom Militärgericht zum Tode verurteilt, dann aber zu 16 Jahren Zwangsarbeit„begnadigt". Nach Verbüßung der Strafe durfte er zuerst in Tschita, dann in I r k u t s k Aufenthalt nehmen. Als im Jahre 1905 der revolutionäre Sturm im ganzen ruffischen Reiche die Grundfesten des Zarismus zu erschüttern begann, stellte Rech- niewski sogleich seine außergewöhnlichen organisatorischen Fähig- ketten in den Dienst der revolutionären Bewegung, wurde aber bald, als die„Strafexpeditionen" General Rennenkampfs in St- birien die„Ordnung" wiederherstellten, verhaftet. Nur dank einem Konflikt zwischen den Ortsbehörden und dem General entging er nochmals der Todesstrafe und wurde statt dessen aus dem nun- mehr von der revoluftonären„Pest" angesteckten Sibirien nach dem europäischen Rußland deportiert. Rechniewski kam dann nach Warschau, um wieder in der Be- wegung des polnischen Proletariats seinen Mann zu stellen. Dem marxistischen Flügel der Polnischen Sozialistischen Partei(P. P. S., Linke) angehörend, war er als Redakteur ihrer wissenschaftlichen Zeitschrift mehrere Jahre hindurch täftg. Daneben erwarb er sich unschätzbare Verdienste um die Förderung der-Bildungs- b e st r e b u n g e n der Arbeiter, indem er den lebhaftesten Anteil an allen Organisaftonen nahm, die diese Bestrebungen zu befrie- digen suchten. Als Mensch war Rechniewski die Schlichtheit selbst, ein kristall- reiner Charakter, von allen polnischen Sozialisten ohne Unter- schied der Richtung als Träger der lebendigen sozialistischen lieber- lieferung, als Vorbild der Ueberzeugungsfestigkeit und Treue hoch verehrt. Diese Gefühle kamen zum Vorschein, als man in diesem Jahre, am dreißigsten Jahrestag der Hinrichtung der fünf Führer der Partei„Proletariat" deren Andenken feierte und in Massen- Versammlungen Rechniewski begeistert begrüßte. Und noch einmal sammelten sich die Scharen des Warschauer Proletariats; diesmal, um einem ihrer Vorkämpfer das letzte Geleit zu geben. Imponierend gestaltete sich der Trauerzug, den Arbeiterdelegationen von allen sozialistischen Organisaftonen Warschaus und ganz Polens, den die Leidensgerlossen des Per- storbenen, ehemalige sibirische Sträflinge, eröftnetem Beim offe- neu Grabe haben Genossen, Freunde, Vertreter sämtlicher sozia- lisftschen Parteien Reden gehalten und mit einem Kampfliede haben die Arbeiter vom Grabe ihres Führers Abschied genommen. Das Ziel, das dem Verstorbenen so nahe am Herzen lag und dessen Erfüllung er nicht erlebte— die Einigkeit der soziali- sti scheu Bewegung Polens— schien in diesem ergreifen- den?luFSnblick der gemeinsamen Trauer den Anwesenden vorzu- schweben. Möge es denn auch bald in der Gemeinsamkeit des Han- oelns des Kampfes seine Verwirklichung finden! Mus Industrie unö hanöel. Gründung einer südamerikanischen Farbenfabrik. Die„Croix" weist auf Grund eines Berichts aus Montevideo vom 1. Juni darauf hin, daß der amerikanische Johannisbrotbaum ' Drosopir. L'slbe) nach einer Entdeckung von Dr. Dvminguez Färb- -stoffe. enthält,.-dich mehr ausgeben alsi die Kwjftfarben.-Die argen- Urtrschs FarbeniGesellschoft mit 2F Millionen Frank Kapital hat. in Puerto dt.Santa-Fe eule große, Farbfabrik gebaut, um die Patente von Tominguez und Bana auszuirntzen. Soziales. Tagung für Kriegsbefchädigtcnfürsorgc. Aus Anlaß der Ausstellung für Kriegsfürsorge Köln 1916, die am 19. August eröffnet werden wird, veranstaltet der Reichs- auSschuß der Kriegsbeschädigten für sorge in der Zeit vom 22. bis 25. August in Köln eine Tagung für Kriegsbeschädigtenfürsorgc. Einem Antrage des Reichsausschusses entsprechend wird den Teilnehmern an dieser Tagung Fahrpreisermäßigung auf den deutschen Staats- bahnen gewährt, überdies wird unseren Kriegsbeschädigten, für welche die Ausstellung eine Fülle wissenswerten Materials und neuer Anregungen bietet, den Ausstcllungsbesuch dadurch erleich- tert, daß allen Kriegsbeschädigten, die in die Fürsorge einer öffent- lichen oder behördlich anerkannten Organisation für Kriegsbc- schädigte aufgenommen sind, Fahrpreisermäßigung eingeräumt wird. Den Kongreßbesuchern und den kriegsbeschädigten Aus- stellungsbesuchern wird Beförderung in 2. und 3. Klaffe zum hal- ben Fahrpreis gewährt, in Schnellzügen gegen tarifmäßigen Zu- schlag. Nähere Bestimmungen über etwa erforderliche Fahrtaus- weise usw. sind dem ReichSauSschutz noch nicht zugegangen. Sie werden, sobald sie eintreffen, veröffentlicht werden. Gerichtszeitung. Ueberflüfsigc Anklagen. Anstatt einer Bestrafung erhielt der Schlächter- meister Paul P r e n z e I, der gestern unter der Anklage der Verkaufsvcrweigerung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte stand, eine uneingeschränkte Belobigung. Der Angeklagte war in der glücklichen Lage, Schweinefleisch zum Verkauf stellen zu können. Diese Kunde lockte schon in aller Frühe große Scharen" von Hausfrauen und Dienstmädchen vor seinen Laden, denen der Angeklagte vor Beginn des Verkaufs laut verkündete: er habe Schweinefleisch und Rindfleisch zu ver- kaufen; um aber zu verhüten, daß eine ungleichmäßige Verteilung Platz greifen könne und zu ermöglichen, daß möglichst viele Leute in den Besitz des Fleisches gelangen, erhalte nur jeder ein Pfund, dergestalt, daß entweder ein halbes Pfund Schweinefleisch und ein halbes Pfund Rindfleisch, oder ein ganzes' Pfund Rind- fleisch verabfolgt werde. Damit waren die Anwesenden auch sehr zufrieden, nur eine Käuferin verlangte, nachdem sie ein Pfund Rindfleisch erhalten hatte, noch ein Pfund Schweinefleisch und als ihr dies im Interesse der übrigen Käuferinnen abgelebnt wurde. lief sie spornstreichs zum nächsten Schutzmann und beschwerte sich darüber, daß der Angeklagte den Verkauf von Schweinefleisch ver- weigert habe, obgleich er noch Vorräte davon gehabt habe. Da die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte keinerlei Bevor- zugung seiner ständigen Kunden hatte stattfinden lassen, erkannte das Gericht auf Freisprechung, wobei der Vorsitzende es als durchaus lobenswert erklärte, daß der Angeklagte- in der gc- schilderten Weise dafür gesorgt hatte, daß das vorhandene Fleisch in die Hände recht vieler Personen kommen tonnteft es sei bc- dauerlich, daß wegen einer solchen Sache überhaupt eine Anklage veranlaßt worden sei.— Sehr richtig! Mus aller Welt. Zur Explosionskatastrophe bei Bukarest. Bukarest. Amtlich wird festgestellt, daß die Explosion in der Pulverfabrik Dudeschti durch Zufall und nicht durch verbrecherische Hand herbeigeführt worden ist. Die Unterschlagungen bei der rumänischen Post- Verwaltung. Bukarest. Die von dem hiesigen Börsensyndikus Filötti zum Schaden der rumänischen Postverwaltung unterschlagene Summe beträgt 6 100060 Lei, wovon 600 000 Lei in das Jahr 1914 zurückreichen. Die ausländischen Verwaltungen, an die das Geld hätte ausbezahlt werden sollen, verlangen jetzt außer dem Kapital auch die aufgelaufenen Verzugszinsen. Uebcrdies ist festgestellt, daß Filotti auch bei dem Ankauf von Devisen für zu machende Zah- lungen Betrug verübt und Kurse um nahezu 15 Prozent höher an- gerechnet hat._ „Unwürdiger Verkehr" mit Kriegsgefangenen. Der Landrat des Kreises Hirschberg in Schlesien gibt bekannt, daß ein Arbeitgeber an einem Sonnkagnachmittag getroffen wurde, als er mit vier französischen Kriegsgefangenen, von denen einer bei ihm in Arbeit stand, einen Ausflug ins Gebirge machte xnd die �ixgsgefangenen mit Kaffee und iKuchen bewirtete.) iJn'Pnem an- deren Zeille tranken zwei Arbeiter und Kl« Landwixtsfohn Mit zwei Kriegsgefangenen.�Bier,� Zu diesen � Tatsachen bentzxkft.nun der Landrat:. �' „Der freundschaftliche Verkehr mit Kriegsgefangenen wider- spricht nicht nur den bestehenden Anordnungen, denen, sich chie Ar- beitgeber zu fügen haben, sondern betveist auch einen tiefbedauer- lichen Mangel an Naftonalgefühl. Wenn zu derselben Zeit, wo unsere Truppen in schweren Kämpfen stehen, zu- Hause gebliebene Männer- mit kriegsgefangenen Feinden- freundschaftlich verkehren oder ihnen durchaus unangebrachte und überflüssige Gefälligkeiten erweisen, so wirkt das im höchsten Grade abstoßend und muß auf das schärfste verurteilt werden. Arbeitgebern, die mit Kriegsgesan» genen auf diese Weise freundschaftlich verkehren oder zulassen, daß die Kriegsgefangenen mit anderen männlichen oder weiblichen Per» sonen in Verkehr kommen, werden die Kriegsgefangenen entzogen werden. Die wirtschaftlichen Folgen-haben sich derartige Leute selbst zuzuschreiben. Außerdem werden die Namen der beireffendcn Personen öffentlich bekanntgegeben werden."(z) 8. Pretths sch-Siid dentsche (234. König!. Pveutz.) Klassenlotterie S.Klasse 1. ZiehungStaz II. August ISIS Vormittag stuf jede gezogene Stummer sind zwei gleich Hobe viewinn« gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Stummer tu den beide» Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 96 M. find in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 220 SLo S7 731<60v> 313 303 32 34 I2SS 326 606 343(200) 32 2033 173 241 33 412 624(200) 68 965 93 3 046 243(30(1) 71 614 20 63 699 917 4115 358 29 630 671 82 777 82 842 98 5083 276 479 633 6053 117 268 302 808 54 63 7 003 124 41 92 437 603(300) 831 934 8327 86 447 758 9344 728 903 1O076 311 95 614 861 74 936 11280 305 86 424 32 603 (300) 34 781 828 929 1 2300 25 475 629 66 675(300) 983 13120 657 813 930 1 4080 260 369 769 85 92 829 62 1 5068 100 76 633 701 63 73 975 1 6012 24 389 645 646 912 18 1 7268 399 621 711 32 801 18083 91 136 266 431 625 714 869 1 9856 918 20169 202 610 891 21126(300) 96 206 7 14 448 602 729 (200) 93( 200) 826 956 2 2354 637 655 736 63 91 872 2 3292 664 842 940 2 4136(3000) 493 767 851 2 6082 263 360 481 669 714 18 37 848 2 7056 618 737 67 2 8048 61165 370 2 8319 620 799 3 6 026 237 320 429 69 618 752 848 936 81043 80 160 788 3 2 014 3 3 313 666 727 28 33 84 9 972 3 4 010 693(400) 713 34 45 976 83 3 S016 64 236 810 930< 200» 36021 230(200) 819 931 8(1 3 7 362 722 80 852 936 3 8461 650 73 704 20(200) 3 8227 366 471 676 4 0 074 256 669 715 938 41402 683 4 2 087 391 472 91 795 884 94 4 3034 196 608 996 4 4068 92 128 244 48 308 603 41 842 941 45 4B125 417 4 0 639 709 18 850 987 4 6312 461 695 717 92 4? 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Prenstisch Snddentsche (234. Königt. Mr-uß.) Klassenlotterie 2. Klasse 1. Ziehungstag 11. August ISIS Nachmittag Auf jede gezogene Stummer sind zwei gleich bobe Gewiuue gefallen, nnd zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beideu Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über SS M- find in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.>(Nachdruck verboten) 167 289 630 68 669 786 90 97 833(200) 1383 738 2088 190 207(200) 323 68 443 3013 256 306 87 432 684 85 6)8( 200) 760 678 4126 63 224 77 323(200) 36 635(200) 64 870 78 5033 78 163 637 870 932 Ol 02 381 464 668 940 7062 182 425 603 738 0027 66 349 69 683 637 72 726 9088 138 243 469 527 10 049 884 923 11114 200 419 877 928 1 2169 1 3437 504 «66 69 861 14292 321 662 1 5010 184 92 257 480 616 908 16370 583 92 662 93 852 927 60 1 7164( 300) 307 1 8026 160 219 725 94 95 1 9132 64 88 332 42(200) 469 774 816 20126 201 7 378 403 625 833 21108 30 49 287 34-1 64 766 822 2 2023 87 92 122 473 841 91 962 2 3037 398 460 932 2 4076 284 317 95 407 620 984 2 5 226 345 444 637 42 707 39 699 2 906 152 77 86 267 338 97 441 600 2 770 2 7413 740 88 91 884 23188 606 634 2 9022 227 756 877 916 52 3 0073 117 766 31132(200) 307(300) 45 490 95 664 718 32168 400 671 33103 67 212 429 70 3 4100 267 364 421 649 716 902 3 6160 688 632 778 3 6406 546(300) 783 803 961 68 37246 391 ff8! 67 048 3 8 213 31 40£49 727 819 907 24 67 89 3 9296 379 606 977 40140 231 60 498 666 94 729(20 000) 881 41000 20 417 672 781 920 4 2245 610 80 726 986 4 8 052 103(200) 495(200) 705(200) 44394 4 5 218 410 14 27 512 750 929 48 496 4 7010 953 4 8172 633 49120 235 434 617 862 963 5 0 012 74 148 68 262 629 81 825 963 61066 195 268 363 57 95 731 816 922 5 2261 311 411 689 689 5 3065 691 680 809 5 4 320 629 86 676(200) 782 933 6 6300 518 714 887 941 6 6 601 766 6 7106 64 74 205 6 8145 63 234 73 75 692 5 9396 636 9 0067 120 483 627 709 76 888 916 61023 203 26 442 616 55 6 2658 723 6 3 047 183 616 669 91 705 20 964 8 4027 73 107 46(200) 328 523 646 72 6 5179 420 712 6 6062 133 66 224(200) 48(200) 473 95 628 29 71 6 7009 32 169.291 603 670 773 938 6 8004 312 496 667 639 6 9 002 673 788 997 7 0081 94 96 179 360 429 71053 177 646 7 2027 45 320 462 617 719 7 3 205 29 434 44 7 4033 127 219 340 406 681 706 60 6 90 7 5162 342 84 86 98 469 616 786 90 7 6287 902 7 7221 69 398 467 74 663 645 7 8014 25 498 608 68 60 7 9137 63 448 76 723 60 8 9081 161 234 338 772 941 81020 37 844 8 2103 23 621 83 207 746 80 953 8 4066 76 89 261(500) 410 644 731 866 63 8 5 244 398 486 94 764 8 0102 479 720 8 7 362 531 698 818(300) 74 971«3000 184 208 31 430 760 810 60 64 (200) 933 8 9 056 430 715 808 956 9 9073 645 769 86 982 91009 22 520 643 97 734 82 988 9 2 085 98 247 75(200) 400 7 64 609 845 9 3 083 122 266 69 723 86 9 4093 121 768 938 9 6101 45 269 73 93 458(300) 96327 48 6 80 98 781 803 9 7006 8(400) 305 912 13 29 87 08097 162 303 84 800 016(200) 68 9 8204 301 421 696 997(300) 10 0492 616 842 915 47 1 01 06 496 743 918 62 1 0 2041 81 519 24 93 637 1 0 3083 177(300) 311 627 728 83 949 104094 262 475 613 637( 200) 864 919 1 05127 432 86 660 681 84 901 106127 306 629 85 616 86 99 790 822 971 10 7050 70 221 10 8096 254 654 774 1 09176 296 406 570 609 981 110017 102 93 313 664 111064 104 347 433 48 64 572 851 112023 789 890 113034 97 216 64 423 62 640 753 114347 863 930 115138 55 75 513 613 116047 72 202 453 76 679 623 97 117409 728 71 936 66« 8000 163 318 461 661 657 739 802 119061 137 600 878 965 1 20207 23 438 560 92 697 753 1 31316 468 605 54 1 2 3379 424 35( 400) 621 693 963 123187 332 409 634 753 879 81(200) 13 4633 622 856 1 2 5253 360 641 662 93 772 884 1 2 8 024 116 30 443 513(200) 61 71 679 743 82 937 1 2 7 083 195 668 769 1 2 8012 262 385 463 784 941 12 9021 162 370 483 512 953 13 0429 76 668 633 716 899 691 121229 333 411 684 13 3 063 214 76 309 760 942 1 3 3215 383 618 786 926 1 3 4 324 97 618 716 801 13 5 221 81 84 337 424 553 710 843 913 16 79 13 8 257( 200) 318 459 72 76( 200) 644 75? 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Emaille 45 pt. 1 Rasier- garnitur 45 p< 23 Poslkarteo gemiiolit, Geburtstagr, Köpfe, L&ndschaften 45 Pf Sliköilietiierl mit Kante 45 lirotenplatte ' Porzellan, 35 cm 1 45p.. A. Dandorf&G Bells-filliDnce-Slrcsse Gr. Frankfurter Strasse Brunnen-Strosse Rottbaser Domm Wllmersdorfer Strasse Verlangen Sie bei Einkäujen Rabattmarken SMuneii mii laeier 2 Rollen Toilettepapier 100 gemisclite Federn...] JU'E IFIascheSciireilJtinte.....(45 50 Kerl. Ansichtspostkarten 45 1 Brietblock?0nÄark 45 Pf. 70 Blatt stark 1 Brieftasche mit Block und Geldtasche Kunstleder, Pt 45 pt 1 Tasche für Lebensmittel- KR lon-fon mit i Fächern und ndl lull Geldscheintasche.... PI. Pomimn (5 6 Abendbrotteller..... 1 Senftopf............. KT" 1 SaIz-u.Pfeffergefäss(45 pf. 6 Kompotteller.......... 45 pt 3 Milchtöpfe �-"�45 pt 2 Portionskatfeetassen KR mit Untertassen, gerippteForra Pf. 1 Katfee-odissigtrichterKR mit Delftdekor............... P'- 1 Obstkorb Ä»l'jsa., 1 Kompottschale 1,,�».» viereckig oder oval, mit Griff,>■ 1 8alz-u.PfeffergarniturJ4D n mit Golddekor 2 Katfeebecher ÄnT 45 Pl, 1 Kuchenteller"�45 p, durchbrochenem Rand........> 2 Obstteiler reichdekoriert, KR mit durchbrochenem Rand Pf. 1 Tunkenschussel 45 pt 2 Kaffeetassen mitDntertassen, XR dekoriert......"v' 1 Katfeekanne 45 p.. 1 Barttasse 45 pt 1 Milchtfpf lüter Inhalt.. 45 Pf. 4 Milchgiesser 45 pt 1 Teekanne iSK mit Golddekor pf. 1 Fischform jk mit Delftdekor Pf. '3 Abendbrotteller bunt od. mit Goldband.. 1 Schaumlöffel m,t 1 Teesieb Goldde!£0r j tj 1 Melonenform Silitdekor 45 pt bunt od. mit zusammen GMults-ArtlKel 3 Ruhrkellen I kudelroile 1 Stuhlsitz.. ............. 45 p.. ............. 45 pf. ............. 45 p.. 2 Köchenbretter 45 1 Teeglashalter vernickelt, mit Glas 45 • i PL 1 Fleischbrett......|",a"meD 1 Klopfer............ j w. 1 Abstäuber............. 45 pl 1 Backform gro............ 45 1 Barderobenleiste"naken 45 pl 2 Schinkenteller......... 45 pl 1 Guirlbrett Ahom........ 45 1 Glanzbürste............ 45 pl 1 Haarbörste............ 45 pl 1 Springform-o-m...... 45 pl 1 Königskuchenform.... 3 Küchenlöffel......] 3(luirle.............(45 1 Schneeschläger..™,en 1 Kartoffelstampfer( 45 imammen Pf. Pf. 1 ßewörzbrottftthen' 1 Korkenzieher 1 Muilschaufei 7u«Ammen 45» ....45» PorfQmerlen 45 1 Flasche Franzbrantwein 1 Flasche Hundwasser... 45 pl. 1 Flasche Bay-Rum....... 45 n 1 Flasche Birkenhaarwasser 45 1 Tube Zahnpasta..... 45 pl 1 Glas Haarpomade....... 45 pl 1 Oelluloid-Zahnbürste..45pL 6 Pakete Blitzblank...... 45 pl 6 Pyramiden-Fliegenfänger 45 Calanterle mit Henkel 45 1 1 silberner Kinderring:. 45 pl 1 silberner Anhänger KR Herzform................. P'- 1 Armband TÄen... 45 pl 1 silberne Haiskette.... 45 pl 2 Schock Klammern... pl 1 Borstenhandfeaer..... 45 p.. 1 KOnSOi mit Haken 1 Reibeisen............... 45 pl 1 Schrubber.............. 45 pl 1 Handtuchhalter........ 45 1 Paar Messer und Gabeln 45 pl poliert..... 45 PL 1 Fussbank 1 Wichskasten........... 45 pl 1 Kammkasten.......;.... 45 pl 1 Besteckkasten........ 45 pl 1 Putzkasten............. 45 pl 1 Eierständer............ TT 1 Eierständer 1 Brotmesser............ 45 pl ITisch- o. FrühstOcksmesser 45 mit Aluminium Griff............ PL 1 Gebäckkasten 1 Vorratsbüchse......... 45 pl 1 Deckelhalter........... 45 pl Emoille 1 Kasserolle 1 Fleischtopf............ 45 pl 1 Bratpfanne mustiei.... 45 pl 1 Müllschaufel 45» 1 Maschinentopf dakortert. 45 pl 1 Schaffnerkanne 45 pl steinsut 4 Schüsselnbuntoderwsatsz 6 Kaffeetassen gros, 45 .... 45 pl 2 Salatschüsseln 45 2 Gewürztönnchend*or'. 45 pl 1 Essigflasche oemdekor.. 45 pl 1 Gelflasche Delftdekor.... 45 Pf. 1 Bratenplatte...... f" lAufsGhnittplatte..(45pL 1 Nachtgeschirr eltenbein- farbig _____ oder bunt 2 Mesten................. 45 pl 3 Vorratstonnen mitDeokei 45 pl Delftdekor. 3 IflllülKUpiO Satz 3 Abendbrotteller mit Goldband und Linie 45 PL 1 Tunkenschüssel 45 3 Kaffeebecher bunt..... 45 pl Glas 1 Marmeladen- od.Honigdo8e45 modernes Pressmutter.......... PL 2 Kompottschüsseln 45 Diamantmuster Pf. 1 Salatschüssel Diamant- ZK muster.... w FL 2 Blumenvasen 45 pl Sattzr45 PL dekoriert 3 Schüsseln Diamantmuster 1 Obstschale mit t Henkeln 45 P: mit 1 Henkeln TCvJ PL 4 Bierbecher mit Kante.... 45 pl IKuchentellers� 1 Butterdose gross zusammen 2 Wassergläser....).- 1 Wasserflasche...(45 3 Dosen Schuhcreme! schwara 45 Fl. 3 Kaffeetassen Porzellan, mit Unter lassen, dekoriert..... l SiMßse Porzellan, mit Golddekor 45 F 3friilis!8[k!- iirettclieD 45 pl 1 Vorratstonne Demdekor 45 pl f]|t2 PDlZilSDk 45 pl 2 ImMu | tief oder Uacb, j Festonlorm mit Goldband und Linie 45 pi. 1 Kleiderbürste 45 pl Wrks-KeilM Ks Lmiirts" str ZöknDrllk�=.w �us Groß-öerlin. Die Milchkarte. Es ist der letzte Tag im Monat. Ich werde, als ich am Abend nach Hause komme, von meiner Frau mit Tränen empfangen. Sie begrüßt mich mit leiser Stimme, sie ist ganz niedergedrückt.„Was ist geschehen," frage ich und ziehe sie an mich. Frage nicht," antwortet sie.„Frage lieber gar nicht." Mir will das Herz stehen bleiben.„Ist Dir ein Un- glück zugestoßen? So sprich doch. Hast Du eine Lebens- mittelkarte verloren? Hat sich Besuch von außerhalb ange- kündigt? Ist Dir das Essen angebrannt. Oder ist am Ende gar die Milch sauer geworden? Das wäre allerdings eine Katastrophe." Meine Frau schüttelt den gesenkten Kopf. Seufzt, stöhnt und sagt endlich:„Die abscheuliche Kuhstallolle hat mir am Morgen gesagt, daß sie keine Karten mehr annehmen kann. Das ist doch rein fürchterlich. Ich konnte den ganzen Tag nichts tun vor Aufregung. Drei Jahre lang hat man Milch bei ihr geholt, und nun hat sie mit einem Male keine mehr für uns. Wer nimmt uns gleich wieder die Karten ab? Kein Mensch! Du mußt morgen früh mit dem Topf hinübergehen und mit ihr sprechen. Vor Dir hat sie Respekt. Dir wird sie die Karten vielleicht doch abnehmen." „Vielleicht? Nein. Sie muß mir sie abnehmen. Und warum bis morgen früh warten? Ich gehe sofort hin- über!" „Willst Du nicht vorerst esien?" «Nein. Gib mir die Karten. Und die Kinder nehme ich mit. Wo sind sie?" „Sie spielen in der Stube." Fünfzehn Minuten später war ich auf dem Weg nach dem Kuhstall, mit dem einjährigen Töchterchen auf dem Arm und dem vier Jahre alten Jungen an der Hand. Der Laden, in dem einstmals nur Milch verlaust wurde, ist voll von Frauen, die Marme- lade, Schrippen, Butter u. a. kaufen. Die Milch ist schon alle. Als ich das mürrische Gesicht der Kuhstallbesitzerin hinter dem Ladentisch erblicke, bekommt mein mutiges Herz einen Stoß. Ich sage ein lautes„Guten Abend". Es wird nur von einer einzigen Käuferin beantwortet. Die Kuhstall- und Ladeninhaberin sieht mich eintreten, erwiderte aber nicht meinen Gruß. Und in mir schwillt die Abneigung, die ich seit je gegen diese unzugängliche und unhöfliche Frauens- Person hege. Sie verkauft und rechnet langsam, unbeholfen, unwillig und mißtrauisch. Kein freundliches Wort kommt über ihre Lippen und ihr Dank ist kalt. Nein, sagte ich zu mir. ich will doch lieber mit i h m reden. Er ist ein Mann und hat Gemüt. Und so ging ich denn aus dem Laden hinaus und begab mich durch den Torweg nach dem Kuhstall. Die Kleine begann beim Anblick der Kühe zu schreien: eines und das andere der Tiere wendete neugierig den Kopf. Nur der Kuhstallbesitzer selber, der gerade seiner Mähre Ermahnungen erteilte und Püffe versetzte, beeilte sich gar nicht, Notiz von uns zu nehmen. Wir mußten warten, bis er sein Pferd mit aller Ruhe besorgt hatte. „Der Kleine ist wohl ängsterlich, wat?" sagte er, mit der Pfeife im Munde.„Ja," antwortete ich.„Sie sieht zum ersten Male im Leben die Kühe, von deren Milch plötzlich nichts mehr für sie übrig sein soll. Ihre Frau nämlich will uns im nächsten Monat keine Milch mehr verkaufen. Was sagen Sie dazu?" „Da kann ich nischt zu sagen, mein Lieber. Die Milch verkauft meine Frau. Da derf ich nicht dreinreden. Geh'n Sie vor und sprechen Sie man mit ihr." „Herrgott," sagte ich.„gilt denn in keinem Hause mehr ein Manneswort. Hier sind die Karten und ein Blei- stift. Schreiben Sie Ihren Namen." „Nee," lachte er und wehrte ab.„Das derf ich nicht machen. Immer gehn Sie vor. Meine Olle läßt mit sich reden. Die ist ja nicht so." Und ich mußte schon des Kindes wegen aus dem Stall hinaus. Es schrie entsetzlich. Und naßgemacht hatte es nach auch. Als ich wieder in den Laden trat, standen nur noch zwei Frauen und ein Junge vor dem Tisch. Die Uhr war bereits acht. Was alles so in dem Laden einer Molkerei verkauft wird, läßt sich auf keine Kuhhaut schreiben. Marmelade und Schuhcreme, kitschige Ansichtskarten und Mostrich— Packung Granatenform—, Fischkonserven, Oelersatz, Suppenwürfel, Feuerzangen u. a. m. Im Schaufenster aber prangten diverse Leckereien für Kinder. Rote Pilze und grüne Frösche aus Stärkezucker, schwarzweißrote Pfefferminzstangen, Waffel- kram— natürlich auch in Granatenform— und winzige Fläschchen— gläserne Hindenburgköpfe voll bunter Kügelchen. Leicht käuflich ist alles Mögliche in dem Laden, nur keine Milch. Wohl dem, der ein fleißiger Abnehmer all der Waren ist, die die Kuhstallfrau so nebenbei verkaufen muß, weil an der Milch überhaupt nichts mehr zu verdienen ist. Er wird manchmal eine Kanne Milch „erben", die für einen schlechten Kunden nicht mehr vorhanden war. Viermal schon mußte sich die Kuhstallfrau vor Gericht lvegen Zurückhaltung von Milch verantworten. Das letztemal wurde sie mit hundert Mark bestraft. Kein Wunder, daß sie auf Polizei und Gericht schlecht zu sprechen ist.—„Ich komme wegen unserer Karten", sagte ich zu ihr, nachdem sie die andern abgefertigt hatte.„Wollen Sie uns wirklich keine Milch mehr geben?" „Ich habe nicht für alle Milch. DaS habe ich Ihrer Frau gesagt." „Aber für uns sollten sie welche übrig haben. Wir kaufen schon seit Jahren bei Ihnen. Wir haben zwei kleine Kinder." „Da kann ich nicht for," witzelte sie.„Andere haben ooch Kinder. Und mehr als Sie." Erst nach langem Reden, schier bis aufs Betteln habe ich mich verlegen müssen, kritzelte sie ihren Namen auf die beiden Karten. Ich dankte. Sie lächelte ein wenig höhnisch. Zu Hause wurde ich mit einem furchtbaren Donnerwetter empfangen. Eine solche Ewigkeit wegzubleiben! Die Kleine müßte schon längst in ihrem Bette sein. Das Essen sei kalt und ungenießbar geworden und so. Aber schließlich mußte ich mich doch umarmen lassen, und ich bekam sogar die— gütige Erlaubnis, eine am Morgen eingetroffene Einladung zu einer Skatpartie für den nächsten Sonnabend anzunehmen. Das sind so die kleinen Freuden in unserer heutigen Zeit. Presikommission. Alle für die Preßkommission des„Vorwärts" bestimmten Znsthriften und Beschwerden sind an den Genossen Oskar Witzle, 0 112, Grüneberger Strafte 9, IN, zu richten._ Zur Beschlagnahme der Fahrradbereifung«». In Ausführung der Verordnung des Kriegsministeriums vom 12. Juli d. I.— Nr. V. I. 334/6. 16. Li. R. A.— betreffend Beschlagnahme und Bestanderhebung der Fahrrad- bereifungen hat der Magistratskommissar für Militärangelegen- heiten(Metallabteilung) folgendes bekannt gemacht: Der freihändige Ankauf der beschlagnahmten Fahrradbereifungen (Decken und Luftschläuche) erfolgt in der Sammelstelle I— Stadthaus, Stralauer Str. 13/22, Einfahrt l, Hof rechts (Kellergeschoß)— vom Montag, den 14. August, ab werktäg- lich in der Zeit von 9— 2 Uhr. Zerschnittene Fahrradbereifungen oder Teile von Decken und Schläuchen sind vom Ankauf ausgeschlossen. Die Uebernahmepreise sind vom Kriegsministerium— und zwar in folgender Höhe— festgesetzt: Decke Schlauch Klaffe A sehr gut... 4,— M. 3,— M. , B gut..... 3,—, 2,—„ , C noch brauchbar. 1,60, 1,50, , D unbrauchbar.. 0,50„ 0,25, Die Uebernahmepreise werden regelmäßig sofort cm der Kasse der Sammelstelle gegen Ouittung des Ablieferers ge- zahlt. Die Angestellten der Sammelstelle sind berechtigt, einen Ausweis über die Person des Ablieferers zu fordern. In den HauptauSschuß und den Arbeitsausschuß für die Kriegs- hintcrblicbencnfürsorge der Stadt Berlin sind die Genossen Koblenzer, Ritter und Brückner von der Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. Keine Brotsendnngen an deutsche Zkriegsgefangene in Frankreich! Auf Grund eines mit der französischen Regierung im Mai d. I. getroffenen Abkommens, durch das die Ernährung der deutschen Kriegsgefangenen verbessert wurde, darf den französischen Gefangenen in Deutschland Brot in Sammelsendungen als Liebesgabe ihres Heimatlandes zugesandt werden. Um einen Mißbrauch dieser Zubilligung und eine Ueberlastung der Post zu verhindern, mußte gleichzeitig die Versendung von Brot, Zwieback und Biskuit in Einzelpaketen an französische KriegSgefangsne der» boten werden. Darauf hat nun ftrankreich mit einem gleichen Verbot für die deutschen Kriegsgefangenen geantwortet. Des- halb ist dringend davor zu warnen, daß deutsche Familien ihren in französischer Kriegsgefangenschaft befindlichen An« gehörigen Backware der genannten Arten allein oder in Verbindung mit anderen Gegenständen schicken, da diese Sendungen in Frank- reich sofort der Beschlagnahme verfallen würden. Die deutschen Kriegsgefangenen werden solche Liebesgaben um so leichter entbehren können, als sie jetzt von Frankreich 500 Gramm Brot täglich er- halten. Gleichzeitig wird den Angehörigen der Kriegsgefangenen emp- fohlen, zur Verpackung der Sendungen keine neuen Stoffe von irgendwelchem Werte, insbesondere nicht Leinwand oder wollene Tücher zu verwenden, weil derartige Umhüllungen in Frankreich meist vor der Aushändigung entfernt werden. Für die Verpackung wird in den meisten Fällen starke Pappe genügen. Kriegsgefangenen-Photographien. Vor längeren Monaten hat eine Photographie, die eine Gruppe deutscher Gefangener aus dem französischen Lager Jffoudun darstellte, die Runde durch Deutschland gemacht. Bielen Angehörigen, die auf dem recht undeutlichen Bilde einen der Ihren zu erkennen meinten, sind dadurch Hoffnungen gemacht worden, die das Ergebnis der amtlichen Feststellung später in bittere Enttäuschung verwandelt hat. Gegenwärtig wandert wieder eine ähnliche Gefangenenphotographie durch Deutschland, auf der 18 deursche Kriegsgefangene von der Insel Olsron abgebildet sind. Auch in diesem Falle wurden bereits verschiedene Vermißte angeblich einwandfrei wiedererkannt. Nach Muteilung der französischen Negierung handelt es sich um folgende 18 Personen: a) Unteroffiziere Hermann Bosch(Drag. 25) und August Fischer «Art. 9), h) Gefreite Max Schupfner(I. R. 106) und Conrad Winneke (J. R. 164). o) Richard Koch(I. R. 16), Mathias Diefenbach(J. R. 69), Jürgen Weber/z1l Uhr im Seim. Fahrgeld SV Pf. Arbeiterjugend Ober- und Niederschöncweide. Alle jüngeren utkd älteren Anhänger unserer Jugendbewegung bitten wir, sich an dem Massenausflug zu beteiligen. Treffpunkt mittags 12 Uhr im Jugendheim. Der Jugendausschuß. Arbeiter-Tamariterbund. KolonneGroß-Berlin. Lehrftunde haben nächste Woche, abends 8'/, Uhr: 1. b i s ö. A b t e ick u n g: Montag. den 14. August, Köpenicker Str.'62, Restaurant. Vorwag. Praktische Ver- bandübungen. Sonntag, den 20. August, nachmittags von 2 Uhr ab, öffentliche Uebung der Arbeiter-Samariter im Treptower Park am Karpsenteich mit Ausstellung des Inventars und der Lehr- mittel Besichtigung unentgeltlich. HilfSkasie der Graveure, Ziseleure und verwandter Berufs- genossen in Verlin tagt jeden zweiten Montag im Monat, abends von 8— 10 Uhr im Restaurant Fournier(Max und Moritz), Oranienstr. 163. Der Volks-FeuerbestattungSvemn Graft- Berlin veranstaltet am Sonntag, vormittags 10 Uhr, eine Führung durch die gesamten Räume der Feuerbestattungsanlage, Gerichfftr. 37/38. Die Besichtigung ist frei. Der Gesangverein Liedertafel Oberschöneweide veranstaltet am kommenden Sonntag im Restaurant Lorelcy in Nieder- schöneweide ein Gartenkonzert mit Gesangsvorsührungen. Es wird ersucht die Veranstaltung zu unterstützen. Briefkasten der Redaktion. Die luristisch« Sprcchlwnde findet für Avonnenten Lindettftr. 3, IV. Hof rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Ugr, am Sonnabend von S bis 6 Uhr statt. Jeder für den Bileflisten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsauitmng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen wage man in der Sprechstunde vor. Beiträge, Schriftstücke und dergleichen bringe mar in die Sprechstunde mit. B. 47. 1. und 2. Nein. 3. Ein bestimmtes Alter ist nicht vorgeseben. In Ihrem Falle würden Sie in Ihrer Reklamation hervorzuheben haben, daß die Veranlagung zu Unrecht erfolgt ist, weil Sie Saushaltungsvorstand find. Das Einkommen ist Ihrem Einkommen zuzurechnen. Die Einlcgunz der Reklamation hält die Pfändung nicht auf.— M.(?. 100. Leider besteht ein solcher Anspruch nicht.— T. 20. 1. und 2. Beides kann entzogen werden, wenn die Gemeinde annimmt, daß, weil Sie Einkommen haben, eine Bedürftigkeit nicht vorliegt. 3. Nein.-- S. 2. Legen Sie de» Fall, den Sie meinen, ausführlich dar; in der Allgemeinheit, wie Sie ihn darstellen, ist er unverständlich. Insbesondere legen Sie dar, ob es sich um einen Beamten handelt, der im Felde ist, welchen Rang er hat usw.— F- 1 1. Ja. 2. Es kann notarielle oder gerichUiche Voll- macht von der Post verlangt werden.— B. 310. Der Anspruch steht Ihnen noch zu. Wenden Sie sich zunächst an den Verband der Sattler, Engelufer 14/15.— W. S. 100. 1. und 2. Nein. — Martha Z. 48. Asthma, das zeitig untauglich macht, aber nicht dauernd besreit.— E. B. 100. Sie müßten Ihrem Mann mitteilen, was los ist.— F. W. 10. Leider ist die Erreichung Ihrer Absicht nach deutschen Gesetzen nicht zulässig. Es wäre aber vielleicht ein Austausch möglich und dann die Heirat. Wenden Sie sich mit einem Gesuch unter Darlegung der Verhältnisse an das Kriegsminijterium.— F. B. 30. Das ist unzulässtg, es darf nur sür jede Woche eine Marke geklebt werden. Geschäftliche Mitteilungen. Die bekannte Schuhwarenfabrik Conrad T a ck u. C o. hat neuerdings der Nationalfttsiung sür die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen 20 000 M. als Spende überwiesen. Wettcraussichte» für da» mittlere Norddcutschland vi? Sonntag mittag. Ein wenig kühler. Im östlichen Binnenlande zunächst noch vielfach heiter. Jin Westen und längs der Küste veränderliche Bewölkung und verschiedentlich leichte Regenfälle. Strichweise Gewitter. Nur souksit Vorrat Preiswerte Angebote Nur soweit Vorrat. Unsere 50 Fenster und Schaukästen sowie die Auslagen im Lichthofe und in den Abteilungen bitten wir besonders zu beachten An WiecServerkäufer keine Abgabe ©Sine BeiugscIieBn An Wiederverkäufer keine Abgabe PA�konar Briefpapier | lOOBog�QO Kuverifl ondurcbflichtig, 1 95 300 Blatt 1 Batterbrotpa- [ pler, fetischützd, j 95 pl 5 Rollen Klosettpapier| 95 fi Blechwaren Semmelbehälter, 1 Zwiebel- b ehälter msunmca.... S5 pl Leitungsschoner uckUit. 95 pi PelroSeumkanne« i-w«. 95?». 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Galanterie 1 rundes Tablett 95 Pt 1 Brotkorb veroick� Pt 1 Familien-Photographie- Rahmen mit Gold! eiste 95 Pf. 4 Pestkarten- Photogr.- Rahmen mit Holzleiste, zusjiznmeQ 95 Gläserteller miIÄÄe 95 ri Obstschale T8r,ilbart'"Ä 95 pt Obstsehale 95 pt Keksdose mit Dookei.... 95?f. Butterdose rnlt Buttormeeser 95 Pf- 5 �tück Abfall-Seife k SO Gramm auf Seifen karte KS F.. Zuckerschale m. Znokanange 95 Pf. Glasbild° 95 Pt Taschenlampe mit Bitt«i. 95 Pt Frühstücks-Service Swut» 95 Pt IT ortenplatte � d�s�wgntp. 95 Pt H. JOSEPH& Co., Neukölln Bezugsqueüen�Verzeichnis B e r* S ä n- S ü cS e n Ericbeint wäctcnlücli tinmal._ Ciileiistehendc Gwctäfl» empfelilen a'.rli b-j Einlänftn. Bäcker- u. KondHorclen HD RoHlfltf diklln-, Allerstr. 37- Jfi liuuiUll Anerkariiit3Qi.Ku«lienw.jj . lessch- u. Wurstwar. jjf Paul liier, Fpi88eDSlp.22.fi OpplÄp�t Tr-ETHT- Bettfodern: g NfehFh'dlB.iKoTonlaliai. h MMedIMmA gOiejiiilz.MapianijeusiHj jjmeine.FruchisanB.Likor.li E.& m. 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