Ur. 323.-33. Jahrg. Abonnements-Bedingungen: Hlonncmenö• Preis prSnmnerando Vierleljährl. S.SV Mk, mon»tl. 1,Z0 M!, wöchenilich SV Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nurmner ö Pig. konmags. nunimer nnl illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Welt' IV Pfg. Pojt- KBonnemem: 1,30 Mark pro Mona». Eingetragen in die Post. Ieirungs. Vrciölisie. Unter Kreuzband für Teutichland und Oesterreich. Ungarn LLV Mark, für das übrige iwsland « Mark pro Monat, vostabonncmem» nehmen an Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Kumänieu, Schweden und die Schweis- ktlldtil» lügllch. Nerlinev VolKsblÄkk. ( 5 Pfennig) Die Tntertions-Gebttltr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel« geile oder deren Rauni 60 Pig,. für politische und gewcrischastlichc PercinS- und Vcrsammlungs- Anzeigen 30 Pig, „Uleine Znrcigen". das icttgcdnulie Wort 20 Vfg,(zulässig 2 setigedruitte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg, Slcllcngcsuche und Echlasslellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weuerc Worth Pfg, Worte über tSBuch- slaben zählen für zwei Worte, Anscraie sür die nächste Nummer müssen bis f> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expcditwn ist bis 7 Uhr abends gcönnet. relegramm-Adresse: „Sazialdemolint BerllD". Zentralorgan der fodaldemokratifcben parte» Deutfcblands. Neüaktion: EW. b8, Linöenllraße S. Fernsprecher: Amr Moritzpian, Rr. 15»»0—15» S7. j der Krieg unö Sie rusilfthe Sozialdemokratie. Dem 3. Heft der in Genf erfcbeinendcn Revue„D e- main" entnehmen wir folgenden Auszug aus einem instruktiven Artikel des bekannten Führers der russischen Sozial- dcniokratie, Genossen L. Mario w. Tie Krise, die in den sozialistischen Parteien Westeuropas seit Beginn des Krieges eingetreten ist, hat mir langsam auf Rußland zurückgewirkt. Sicher hat es in den lehten Monaten des Jahres 1914 nicht an Zeichen gefehlt, die für eine Gedankenentwicklung sprechen, die später manche russische Sozia- listen in das Lager des nationalen Sozialismus führen sollte. Aber wenigstens während des ganzen ersten Llriegssahres machte sich die patriotische Strömung nur bei den Militaristen und isolierten Kreisen fühlbar, ohne die offiziellen Organi- sationen der russischen sozialistischen Parteien oder die große Masse der Arbeiterschaft zu berühren. Alle sozialistischen Gruppen erklärten in ihren Manifesten oder durch ihre Duma- Vertreter den Mythus des„Befreiungskrieges" nicht anzu- nehmen und jede Mithilfe zu verweigern. Die Arbeiter- massen nahmen nach der ersten Bestürzung, die der Belage- rungszustand mit sich brachte, ihren ökonomischen und politi- schen Kampf wieder auf. Nach der offiziellen Statistik war die mittlere monatliche Zahl der ökonomischen und politischen Streiks im 1914 1913 1. Biertrlj. 2. Viertelj. 3. Viertels. 4. Viertels. 1. Viertels. 2. Viertels. 248 705 17 11 21 155 und die Zahl der jeweils Streikenden: 155 000 220 000 14 500 17 000 13 500 90 000 Allgemeine Zustimmung hat bei den Arbeitern gefunden, daß der Abgeordnete Manjkow aus der sozialdemokratischen Dümagruppö ausgeschlossen wurde, weil er nicht gegen die Militärkredite stimmen wollte. Die russischen sozialistischen Organisationen haben auch nicht an der berühmten Konferenz der„Entcnte"-Sozialtsten in London teilgenommen. Im Gegenteil, die russischen und polnischen Sozialisten wurden in all ihren Gruppen bei der internationalen Konferenz von Zimmerwald vertreten und haben sich ausdrücklich deren Ent- scheidungcn angeschlossen. Aber seitdem hat die Stimmung der russischen Volksmassen einige Aenderungen erlitten. Die „patriotische" Tendenz, die bis zum Ende des Sommers 1913 nur einige Außenseiter und kleinere Gruppen erobert hatte, begann unter den Arbeitermassen Boden zu gewinnen. Die politische Psychologie des„sozialen Patriotismus-" ist nickt die nämliche in Rußland wie in Westeuropa.... Hier ist selbst die bürgerliche Gesellschaft in konstanter Opposition gegen die Regierenden: der Grundbesitzeradel, die Dynastie und die Bureaukratie, die trotz der Revolution von 1993 die gesamte wirkliche Macht in Händen haben. Denn selbst die Schwerindustrie und die Finanzplutokratie benutzen ihren Einfluß auf die politische Macht nur indirekt. Daher ist die große Masse der Nation, die in jeder gegenwär- tigcn Gesellschaft am stärksten moralisch und politisch von der Bourgeoisie beeinflußt wird— die Kleinbürger, die Intel- lektuellen und die Arbeiter—, in einer ständigen politischen Gärung, die Stabilität der politischen und sozialen Zustände, die im Jahre 1914 in den Monarchien und Republiken des Westens herrschte, existiert hier nicht. Unter diesen Umständen mußte der Krieg früher oder später eine noch tiefere Scheidung zwischen der herrschenden Kaste und der ganzen russischen Gesellschaft herbeiführen, die gezwungen ist, jetzt im 20. Jahrhundert unter einem Regime der Tyrannei und der asiatischen Korruption zu leben. Da- neben hat er freilich, wie überall, die nationalistischen Leiden- fchaften erregt und für einige Zeit den„Burgfrieden" zwischen den reaktionären Parteien und der bürgerlichen, liberalen und radikalen Opposition herbeigeführt. Die großen militärischen Niederlagen von 1913 in Ga- lizien und Polen und die schwere ökonomische Krise haben den Burgfrieden in einen erbitterten Kamps zwischen den bürgerlichen Parteien, die ans Ruder kommen wollen, der Bureaukratie und deren Verbündeten, dem reaktionären Adel, entfesselt. Die große Masse der Stadt- und Landbewohner, die mit unerhörtem Unglück überladen ist. hat gefühlt: der Moment kommt, wo die Feinde, die wir am meisten verachtet haben, unter dem Gewicht ihrer Unfähigkeit, die der Krieg gezeigt hat, zusammenbrechen. Es ist ganz natürlich, daß diese ganze oppositionelle Bewegung, sowohl die der gemäßigten Bürgerschaft, wie die des demokratischen Radikalismus, sich wie eine nationalistische Bewegung entwickelt. Die kleinere und mittlere Bürgerschaft glauben an einen„Bcfreiungs- krieg", der gleichzeitig den vaterländischen Boden vom deutschen Feind säubert und sie von der Autokratie befreit Die gemäßigten Liberalen spekulieren immer darauf, daß die auf dem Schlachtfelde besiegte Monarchie immer mehr gezwungen ist, sich um den Preis einiger politischer Zugeständnisse auf die kapitalistische Bourgeoisie zu stützen. Die Demokraten liebäugeln mit der Idee eines sozusagen revolutionären Massenaufstandes, der der gemeinsame Ausdrucks des Schreckens vor dem deutschen Angriff und der Abneigung gegen dm eigenen Unterdrücker wäre und radikal dem Zaris» Dienstag, de« 15. August IvIS. mus ein Ende machen soll. Man beruft sich dabei auf die französischen Revolutionskriege von 1792!/93 und setzt die größten Hoffnungen auf die russische Armee, die im Aufruhr gegen die unfähige und verdorbene Führung durch die Leute des alten Regimes sich der patriotischen Demokratie anschließt. Dieser geistige Zustand der Klcinbürgerschaft und der Intel- lektuellen wirkt wieder auf die sozialistischen und Arbeiter- kreise zurück. So hat der nationalistische Sozialismus im Moment einen unbestreitbaren Einfluß auf einen Teil der Arbeiterklasse gewonnen. Zweifellos wollen die meisten von den russischen Sozia- listen, die dem Patriotismus verfallen sind, Plechanow auf seinen Weg(der Unterhandlungen mit der Reaktion) nicht folgen und versuchen, der Idee einer„Revolution im Namen der nationalen Verteidigung" treu zu bleiben. Später oder früher müssen sie aber zwischen der Politik Plechanows und dem Verzicht auf ihren Gesichtspunkt wählen. Durch den imperialistischen Krieg kann das Problem der Emanzipation Rußlands nicht gelöst werden, vielmehr nur durch die Er- schütterung der imperialistischen Reaktion der ganzen Welt, die im letzten Grunde die Ursache der Beibehal- tung des Absolutismus in den zurückgebliebenen Ländern ist. Nur eine revolutionäre Bewegung, die sich auf den Kampf gegen diese Reaktion stützt, und dadurch von jeder sozialisti- schen Beschränktheit frei ist und offen sich gegen den Krieg richtet, kann wirksam sein und kann auch in den rein natio- nalcn Problemen Früchte tragen....Eskannjetzt keine ... Bewegung außer der Beivegung gegen den Krieg und für den Frieden geben. Diese Idee den Volksmasson Rußlands beizubringen und ihr Gewissen über die Illusionen eines„revolutionären Pa- triotisinus" zu erheben, das ist die Aufgabe der international gesinnten Sozialisten Rußlands. In diesem Sinne hat am 23. Februar der Führer der sozialdemokratischen Gruppe der Duma Nikolaus Tscheid ze gesprochen und kategorisch den unmittelbaren Frieden verlangt und im Namen feiner Gruppe sich mit der Zimmcrwalder Konferenz und den sozia- listischen Minderheiten Frankreichs und Deutschlands einver- standen erklärt._(z) Die polnische§rage. Nach offiziösen Wiener Meldungen haben die Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und Staatssekretär v. Jazow einerseits und den maßgebenden Wiener Persönlichkeiten andererseits zu einem vollen Einvernehmen in allen erörterten Fragen geführt. Damit dürfte, wie die.Krcuz-Ztg." annimmt, mich über die Regelung der Polenfrage entschieden sein. Es ist begreiflich, daß angesichts dieser Sachlage selbst die bürgerliche Presse ihre Unzufriedenheit äußert und nicht glauben will, daß man die Oeffentlichkeit vor vollendete Tatsachen stellen wird. So schreibt G. Bernhard in der„V o s s i s ch e n Z t g." über die pol- msche Frage: „Diese Frage ist wohl die wichtigste, die augenblicklich über- Haupt zu entscheiden ist. Nicht bloß wegen der großen Bedeutung, die das endgültige Schicksal Polens für die Polenpolitik Deutsch- lands und Oesterreich-Ungarns und mithin für die Zukunft der inneren Politik der beiden Kaiserreiche haben müßte. Auch nicht allein deshalb, weil das dauernde Zukunstsverhältnis zwischen Deutschland und seinem größten Verbündeten dadurch wesentlich mitbestimmt werden muß. Viel wichtiger noch als all das erscheint uns, daß von der mehr oder weniger glücklichen Lösung der Polen- fragen— vielleicht auch von ihrer Nichtlösung— Frist und Art des Ausganges dieses Krieges bestimmt wird.... Das Verhalten der zuständigen Stellen in dieser wichtigen Lebensfrage erscheint uns wenig verständlich. Niemand außerhalb des Kreises der Mitwirkenden und ihrer Stäbe weiß, wohin die Reise gehen soll. Selbst über die Einzelheiten der polnischen Zu- kunft sind nur Gerüchte vorhanden, und auch diese Gerüchte schon gehen in Vielem, und zwar gerade im Wichtigsten, auseinander. Aber, welchem großen Ziel nach den Absichten unserer Regierung die Etappe Polen die Wege ebnen soll, weiß überhaupt niemand." In ähnlichem Sinne äußert sich die„Deutsche Tages- zeitung": „Wir können nicht recht glauben, daß man in der polnischen Frage das deutsche Volk eines Tages vor_ vollendete Tatsachen stellen wolle. Daß ein solches Verfahren völlig unverein- bar mit dem Versprechen sein würde, dem deutschen Volke rechtzeitig Gelegenheit zur Aeußerung über die Kriegsziele zu geben, braucht ja kaum erst gesagt zu werden; es dürste aber doch wohl um so weniger in Frage kommen, je bedeutsamer, schwieriger und umstrittener ein Problem der politischen Neuordnung in Europa ist." Skeptischer äußert sich die„Kreuzztg.", die der Ansicht ist, daß wir in der polnischen Frage bereits vor vollendeten Tatsachen stehen: „Wenn die„Münch. Neuest. Nachrichten", schreibt das kon- servative Organ,„die Ansicht aussprechen, daß die weitere Auf- rechterhaltung des Zensurverbots der Kriegszielerörterung be- züglich der Polenfrage fortan mit der Zusage, daß die Erörte- rung rechtzeitig freigegeben werden solle und daß man das deutsche Volk nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen gedenke, nicht mehr vereinbar sei, so befürchten wir unsererseits, daß diese Erörterungen in der Polenfrage keinen sonder- lichen Zweck mehr haben werden, weil eben voll- endete Tatsachen bereits vorliegen. Aber wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir gerade in der Polenfrage einen Grund dafür vermuten, daß man die Kriegszielerörterung über- Haupt bisher nicht freigegeben hat." Im Anschluß daran glaubt die„K r e u z z t g.", daß nach Fortfall des Hindernisses in Gestalt der polnischen Frage die„so ziemlich in allen politischen Lagern geteilten Wünsche" hinsichtlich der Kriegs- Expeüttton: EW. 6$, Lmöenstraße 5. | pkernsprecher: Amt Moritzplah, Nr. 151»0—151»7. zielerörterung erfüllt werden könnten. Gleichzeitig unterstützt sie die Anregung Georg Bernhards, die Vertreter der Presse von den Absichten und Zielen der Regierung in der polnischen Frage in Kennt- nis zu setzen. Den Zweck einer solchen Maßnahme vermögen w i r nicht einzusehen» Denn um„verständnisvoll— schweigen" zu können, wie Herr Bernhard seinen Wunsch begründet, dazu bedarf es wahrlich keiner besonderen Maßnahmen. Der Oeffentlichkeit wäre damit nicht gedient und allein darauf kommt es in diesen wie m allen anderen Fragen an. Die französische Minüerheitsresolution. Die Resolution der französischen Minderheit auf der Tagung des Nationalrats wird von der„Humauite" zu- summen mit dem ausführlichen Verhandlungsbericht wiedergegeben. Wir werden auf die zum Teil sehr bewegten Debatten zurück- kommen. Der Text der Minderheitsresolution wurde nicht zur Ab- stimmung gebracht, da die Priorität der Majori tätsrefolution mit 1836 gegen 1081 Stimmen bei 17 Enthaltungen und 46 Abwesenden angenommen war. Es wurde dann noch über die einzelnen Absätze der Mehrheitsresolution abgestimmt. Die Minderheit stimmte jedoch nicht mit, sondern ersuchte, sie als„abwesend" zu betrachten, um auf diese Weise eine Spaltung der Minderheit zu verhindern,(e) Die tzaltung Rumäniens. Der„Franks. Ztg." wird aus Berlin, 12. August, gemeldet: Die Zeitungen besprechen in Ermangelung öffentlicher Kundgebungen alle Mitteilungen, die in der ausländischen und vor allem in der rumänischen Presse verbreitet werden und die einen Rückschluß auf die Kage zu gestatten scheinen, ob Rumänien an seiner Neutralität festhalten oder über kurz oder lang an der Seite des Viervcrbandes in den Krieg eingreifen wird. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn die Verbreitung solcher Nachrichten mit der gebotenen Vorsicht und Zurückhaltung geschähe. Die Presse ist bekannt- lich ein nicht unwichtiges Werkzeug der auswärtigen Politik, und die Vorbereitung dieses Krieges darf als Beweis dafür gelten, daß daS Ausland sich dieses Werkzeuges sehr geschickt und wirkungsvoll zu bedienen verstanden hat So bcachtcns- wert alle Mitteilungen sein mögen, die über die zukünftige Haltung Rumäniens verbreitet werden, so wird man sich doch hüten müssen, sie immer als positive Wahrheiten zu nehmen und darauf iveitgehende politische Schlüsse zu bauen. Es sieht vieles symptomatisch und dem Leser wohlgefällig aus, was nur zur Irreführung bestimmt ist. Es liegt nach unserer Meinung kein Grund vor, die Frage der rumänischen Neutralität heute irgendwie freundlicher zu beurteilen als vor einigen Wochen, womit nicht gesagt sein soll, daß sie sich ungünstig gestaltet hätte. Die Gestaltung der militärischen Lage wird nach wie vor für die rumänische Entschließung den Ausschlag geben. Aum rusilsch-japanischen Dününisvertras. Frankfurt a. M., 14. August.(W. T. B.) Die„Frank- furter Zeitung" schreibt: Von wohlunterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß außer den beiden bisher veröffentlichten Artikeln der russisch- japanische Bündnisvertrag noch einen dritten(geheimen) Artikel enthält, der folgendermaßen lauten soll: Artikel 3 a. Rußland tritt an Japan die Eisenbahnstrecke zwisckien Kwangschengtse und der zweiten Station am Sungari ab. 1») Den Japanern wird das Recht der freien Ansiedlung und des freien Handels in Sibirien zugestanden, e) Schiffahrts- und Fischereirechte auf dem Sungarifluß werden von den Japanern in gleichem Um- fange wie von den Richen ausgeübt werden, d) Durch den Vertrag wird der japanischen Regierung keine Verpflichtung auferlegt, Land- oder Seestreitkräfte nach Europa zu senden. e) Japan verpflichtet sich, Rußland mit Kriegsmaterial zu versorgen._ Zum verkauf üer üänisch-wesiinöischen Inseln. Kopenhagen, 14. August.(W. T. B.) Das F o l k e t h i n g setzte heute die Aussprache über den Beschluß betreffend den Verkauf der d ä n i s ch- w e st i n d i s ch e n Inseln mit dem Abänderungs- Vorschlag betreffend die Abhaltung einer Volksabstimmung fort. Der Mini st erpräsident schloß die Aussprache folgender- maßen: Wenn der Reichstag die Vorlage annimmt, ist die Sache in Ordnung. Wenn der Reichstag sie verwirft, so wird das Ministe- rium baldmöglichst eine Vorlage über das Inkrafttreten eines neuen Verfassungsgesetzes und die Vornahme von Wahlen einbringen. Gleichzeitig wird die Regierung Amerika um einen Auffchub er- suchen. Ob dies gelingt, kann ich nicht sagen. Jedenfalls trifft die Verantwortung diejenigen, die den Vorschlag verwerfen. Es wird kein geringer Ausschub sein, da die Wahlen erst im November stattfinden können. Es ist übrigens nicht nötig, den Vorschlag ab- zulehnen, um Wahlen zu erreichen. Aeutzert nach der Annahme des Vorschlages irgendeine Partei den Wunsch nach Reichstags- wählen, so wird die Regierung dem Wunsch nachkommen. Der Abänderungsvorschlag wurde darauf mit 62 Stimmen der Radikalen und Sozialisten gegen 44 der Linken und Konservativen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Sechs Mitglieder waren abwesend. Die abgeänderte Vorlage wurde darauf mit derselben Stimmenzahl angenommen. Das Landsthing behandelt den Vorschlag morgen. Der französische Tagesbericht. Paris, 13. August. toffeln zu ermögsichen. Das Kriegsernährungsamt solle auch dem Unfug mit sogenannter.Auslandsware" steuern. Die Bezeichnung .Auslandsware" decke vielfach nur die betrügerischen Absichten der Händler und Verkäufer. Die dritte Eingabe ist dem Kriegsministerium zugestellt werden. Sie stellt eine Art Gutachten über die Massen- fpeisung auf den Zechen dar. Es war verlangt worden, datz die Serbände sich hierüber äußern sollten. Die Verbandsvorstände er- klären, datz sie die Ausgabe von Speisen auf den Gruben aus tech nischen Schwierigkeiten heraus nicht befürworten könnten; sie wünschen, datz die Gemeinden das Austeilen warmer Speisen vor- nehmen. Gewünscht wird ein Preis von höchstens 30 Pf. für eine Portion. Sowett die Eingaben, von denen wir hoffen, datz ihre Berechti- gung anerkannt wird und die in ihnen ausgesprochenen Wünsche erfüllt werden._ Gewerkschaften»u»d Parteizwist. Der Verbandstag der Schuhmacher hat einen Beschluß gefaßt, durch den die Generalkommission ersucht wurde, baldigst eine Vor- standekonferenz einzuberufen, in der darüber beraten werden soll. wie zu verhüten sei, datz der Parteizwist in die Gewerkschaften über- greife. Die Generalkommission hat bei den Vorständen eine Um- frage gehalten, ob sie eine solche Konferenz für nötig erachten, und diese haben dieselbe nach der.Lederarbeiter-Zeitung" mit 43 gegen 3 Stimmen abgelehnt._ Ruslanft. Gehaltserhöhungen für die italienische» Eisenbahner? Rom, 3. August.(Eig. Ber.) Die vor Jahr und Tag ernannte kgl. Kommission, die die Auf- gäbe hat, die Arbeits- und Gehaltsverhäftnisse des Personals der italienischen Staatsbahnen zu prüfen und Vorschläge zu ihrer Ver- besserung zu machen, hat endlich ihre Arbeiten beendet und hat die Ergebnisse ihrer Studien dem Minister des Verkehrswesens unter- breitet. Die aus de» Verbesserungen sich ergebenden Mehrausgaben belaufen sich, vorläufigen Schätzungen gemäß, im ersten Jahre auf 5U 390 000 Lire, steigen in den nachfolgenden Jahren, um nach sieben Sahren die feststehende Jahressumme von 28 483 000 Lire zu erreichen. and in Hand mit den Gehaltserhöhungen gehen aber, den Vor- schlägen der Kommission entsprechend, die Abschaffung der Gratifikationen, die die organisierten Eisenbahner selbst wieder- holt gefordert hatten, und die der Gehaltszuschläge für gewisse Ortschaften. Durch diese Ersparnis verringert sich die endgültige lährliche Mehrausgabe aus 15.6 Millionen, in welcher Summe die 6 Millionen Lire jährlich nicht einbegriffen find, die im Juni 1914 in einem Gesetz zugunsten der untersten Kategorien des Personals ausgeworfen wurden. In den Vorschlägen der Kom- Mission ist auch die ärztliche Behandlung und die Unterbringung in Krankenhäuser des erkrankten Personals geregelt, mit großen Vergünstigungen für die untersten Gehallsklassen, das Avancement wird beschleunigt und die Ruhegehälter werden erhöht. Wir werden Gelegenheit haben, aus die Vorschläge zurückzukommen, sobald sie der Kammer in Form eines Gesetzes vorliegen werden. Es ist nicht unmöglich, datz ein Teil der Reformen durch königl. Dekret verfügt wird. Man mutz nun abwarten, wie die organisierten Eisenbahner, die durch langjährige Agitationen den Staat gezwungen haben, sich mit ihrer Lage zu beschäftigen, die Vorschläge der Kommission auf- nehmen.____ Rus der Partei. Eine Scheidemann Versammlung in Dresden. Das Pressebureau versendet darüber folgenden Bericht: Im Einklang mit dem Aufruf des Parteivorstandes hat die Dresdener Parteileitung am Sonnabend abends_ und Sonntag vormittags Kundgebungen veranstaltet. Die Versammlung für den Wahlkreis Dresden-Land war von etwa 1500 Personen be- sucht, zahlreiche Personen fanden keinen Zutritt mehr._ Die Versammlung für den 4. und 5. Kreis, die am Sonntag nn großen Zirkusbau stattfand, gestaltete sich zu einer überaus großzügigen Kundgebung unserer Partei. Schon von 9 Uhr an strömten Man- ner und Frauen in Scharen herbei, bis an 6000 Personen die weiten Räume dicht füllten und die Behörde weiteren Zutritt versagte. In beiden Versammlungen sprach Genosse Scheide- mann. Ein Störungsversuch, den vereinzelte Personen anfangs unternahmen, wurde ohne Schwierigkeiten überwunden; die große Masse der Versammlungsteilnehmer war sich über den Ernst der Stunde ohne weiteres klar. Scheidemann besprach in knappen, treffenden Darlegungen die gegenwärtige Lage, den Srand des Krieges, die Bestrebung der Eroberunaspolitiker bei uns, wie in den gegnerischen Ländern, sowie die Haltung der Regierung zur Friede nsfrage. Der Redner behandelte dann die Stellung unserer Partei: Wir müssen ausharren, damit Deutschland nicht von den noch immer ihren Sieg erwartenden Gegnern unterworfen, damit die deutsche Arbeiterschaft nicht für unabsehbare Zeit um alle ihre Zukunftshoffnungen betrogen wird. Zugleich aber gilt es für möglichst baldigen Friedensschluß zu wirken und die Erobe rungspläne abzuweisen, die dem Friedensschluß im Wege stehen An vielen Stellen der überaus eindrucksvollen Ausführungen be� kündeten die Versammelten ihre Zustimmung durch großen Beifall, der sich am Schluß nochmals steigerte. Der Vorsitzende, Genosse Otto Kühn, empfahl eine entsprechende Erklärung. Es war ein imposantes Bild, als sich in dem Riesengebäude von den unteren Plätzen bis zu den obersten Galerien, einmütig die zahllosen Hände zum Zeichen der Zustimmung erhoben. Es sei bemerkt, daß das Bureau der Versammlung aus Anhängern der verschiedenen Partei anschauungen gebildet war, zum Zeichen, daß in der Friedensfrage Einigkeit in der Arbeiterschaft herrschen soll. Es war seit langem das erstemal wieder, datz sich in Dresden die Klasse des arbeiten den Volkes zu eiuer so großen Kundgebung versammeln konnte. Möge sie dem Frieden dienen! Kiel steht zur Minderheit. Aus Kiel wird uns geschrieben: Die Genossen von Grotz-Kiel nahmen am 10. August in Kiel und am 11. August in Gaarden Stellung zur„inneren politischen Lage".' Genosse Brandes hielt ein gut angelegtes Referat, das, wie einige Diskussionsredner anführten, wohltuend von dem afr stach, was man bisher in Kiel zu hören gewöhnt war. Man ließ dem Referenten auch keinen Zweifel darüber, daß man es bc dauere, daß er aus seiner politischen Anschauung nicht die Konse quenzcn gezogen habe, da bei derartig grundlegenden Fragen die Disziplin in den Hintergrund treten müsse. Zum Schluß der Versammlung wurde eine Resolution in Kiel mit übergroßer Mehr heit, in Gaarden ohne jeden Widerspruch angenommen, die besagt, datz der größte Teil der jetzt herrschenden Mängel in der Er nährungsfürsorge auf die mangelnde Initiative der Regierung zu rückzuführen sei. Die Parteiinstanzen werden infolgedessen zu einer energischen Haihing der Regierung gegenüber aufgefordert. Ferner wivd von der sozialdemokratischen Reichstagsftaktion die Ablehnung jeglicher Mittel verlangt, wie es bereits die SoziaL demokratische Arbeitsgemeinschaft getan habe. In beiden Versammlungen wurde ferner ein Antrag ange nomine n, der den Vorstand beauftragt, innerhalb 14 Tagen eine neue Versammlung einzuberufen, in der erneut zur Schreibweise 'der..Volkszeitung Stellimg genommen werden soll. Beachtenswert ist, daß Kiel damit zum ersten Mal« bekundet, daß es die Politik der Arbeitsgemeinschaft für gut befindet. Eine vor zwei Wochen stattgefundene �Kreisvorstandekonferenz" erklärte sich mit der Politik des Abgeordneten des Kreises, des Genossen Legien einverstanden. In der Pressefrage ist die Unzuftiedenheit so gestiegen, datz eine gemeinsame Protestaktion zirka 700 NamcnS Unterschriften auf sich vereinigte. Der italienische Parte ivorfta«d zvr innercuLage der Partei Der Parteivorstand der italienischen Sozialdemokratie veröffent licht im„Avairti"(16. Juli) eine Mitteilung über die innere Lage der Partei, die einen interessanten Einblick in die Verhältnisse unserer italienischen Bruderpartei gewährt. Der Bericht beginnt mit der Erklärung, daß es auch während des Krieges gelungen sei, die moralische Situation der Parteiorgane sation im besten Sinne des Wortes aufrecht zu erhalten. Das Ver trauen zu den Organen der Partei und ihrer Presse, zu der lokalen sowohl wie zu dem Zentralorgan, dem„Avanti", nehme ständig zu. Besonders der letztere empfange täglich durch die noch immer an dauernden Geldspenden die tröstliche Zusicherung der Sympathie und Zustimmung der gesamten Partei. Auch die Wochenschriften halten sich trotz der Zensurschwierigkeiten auf der Höhe, erfreuen sich einer guten Verbreitung und setzen ihre propagandistische Tätigkeit energisch fort. Die der Schlichtung von Streitigkeiten innerhalb der Partei gewidmete Tätigkeit des Sekretariats, die in den letzten Jahren einen großen Teil seiner Zeit in Anspruch nahm, habe sich verringert. Die Zahl der Geldsammlungen habe besonders in länd' lichen Kreisen zugenommen; in der Romagna haben die politischen Ereignisse der letzten Zeit eine neue politische Lage geschaffen; einzelne Arbeitergruppen, die zu gewissen Grundsätzen der bürgev lichen Politik hinneigten, hatten sich hier den Reihen des sozialistu ichen Proletariats angeschlossen. Dieser Angelegenheit werde die Parteileitung ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Die Frage der Mitgliedskarten und Beiträge sei, obichon durch die dauernden Einberufungen grotze Lücken in die Reihen der Patteigenossen gerissen wurden, durch geeignete Matznahmen in beftiedigender Weise geregelt worden. Die Organisation des Verbandes sozialistischer Kommunen sei nunmehr mit der Einrichtung des ZentralbureauS zu Rom, der entsprechenden beratenden Organe und der verschiedenen Swdienkommissionen, die ihre Tätigkeit bc gönnen haben, zum Abschluß gebracht. Die Parteileitung erinnett alle von der Partei eroberten Stadtverwallungen daran, datz sie zum Anschluß an den Verband verpflichtet sind und für die Be schaffung der Geldmittel selbst Sorge tragen müssen. Nach den Satzungen des Verbandes haben sich auch die Minoritäten in den Kommunen dem Verbände anzuschließen. Das Sekretariat hat zu diesem Zweck ein besonderes Rundschreiben versandt, in dem die genannten Gruppen aufgefordert werden, zusammenzutreten und sich dem Verbände anzuschließen. Das Rundschreiben betont hierbei, datz der Ausschutz kein Organ der Autorität, sondern nur ein beratendes und helfendes Organ sei, das das Pro« gramm der Majotttäten mit dem oppositionellen, daS die Minoritäten in den Kommunen durchzuführen hätten, in Einklang bringen wolle, damit sich kein Widerspruch in der Verwaltungs- tätigkeit der Partei ergebe." Aus der immer größer werdenden Uebereinstimmung der sozialistischen Aktion,(der politischen, kom- munalen und gewerkschaftlichen) heißt es dann weiter, wird die Pattei bei den Massen und gegenüber dem Lande neue Kraft und neues Ansehen gewinnen." Der Bettcht verzeichnet darauf mit freudiger Genugtuung die Freilassung des Genossen Giuseppe Prampolini aus Brindisi nach sechsmonatiger Haft durch das Militärgericht von Tarent.„da er die ihm zur Last gelegten Vergehen nicht begangen habe." Dieser Sieg der unantastbare» Ehrenhaftigkeit der an die Spitze der Partei berufenen Männer werde ein Trost für alle, besonders jedoch für die Apulischen Genossen sein, die Zeugen der un- würdigen gegen den verehrten Führer Prampolini entfesselten Intrige waren. Zuletzt behandelt der Bericht noch die inneren Streitigkeiten im Bezirk Sampierdarena, wo eine opportunisttsche Mehrheit einer ge- sinnungstreuen, an den Patteigrundsätzen festhaltenden Minderheit gegenüber steht. Er stellt fest, datz der Abgeordnete M o r g a r i mit außerordentlichen Vollmachten zur Schlichtung deS Streits entsandt wurde, und schließt mit einer Aufforderung zur Einigkeit und zum gusammenschlutz..Die Parteileitung ist überzeugt, datz die Genossen in Sampierdarena, die der Pattei treu geblieben sind, das Gebot der Stunde erkennen und ihre Kräfte zur Bildung einer starken lokalen Organisation vereinigen werden, die die ruhmreichen Tradi- tionen de? ligurischen ProletattatS auftechl erhalten wird, und datz sie es verstehen werden, alle Abarten des Opportunismus, einer ver- waschenen Arbeiterpolitik sowie das Strebertum der Führer energisch zu bekämpfen."...___ Mus Industrie und Handel. Syndikatserueueruugeu. Die in aller Stille vollzogene Erneuerung des Roheisenver- bandes hat zu der Auffassung Veranlassung gegeben, datz jetzt auch die ErizeuerungSverhandlungen für den Deutschen Stahlwerks- verband, dessen Vettragsdauer mit dem 30. nächsten Monats 1917 abläuft, in Angriff genommen werden würden. Wie die.Franks. Zeitung" dazu erfährt, haben offizielle Verhandlungen in dieser Richtung hin noch nicht stattgefunden. Der Wunsch, über die Zu fünft des StahlwerksberbandeS zu verhandeln, ist indessen ollgemein in beteiligten Kreisen vorhanden und die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, datz man, sobald die Frage der Zukunft des Kohlensyndikats entschieden worden ist, mit den Beratungen beginnen wird. Die Erneuerung deS Stahlwerksverbandes wird gegenüber der ziemlich glatt vollzogenen Verlängerung des Roheisenverbandes erheblich mehr Schwierigkeiten bieten, schon wegen der Frage, ob der Ver- band mit oder ohne Einschluß der D-Produkte verlängert werden soll, vielleicht einige Male sich auf ein kurzfristiges Provisorium be- schränken, um nach dem Kriege, wenn sich die wittschaftliche Neuorientierung, die auch für die Schwerindustrie kommen wird, in ihren Wirkungen mehr übersehen läßt, die definitive Verlängerung vornehmen. Kriegsgew inite. Die Bergbau- und Hütten- A.-G. Friedrichshütte in H e r b o r u erzielte für 1915/16 einen Reingewinn von 2 683 948 M. gegen 351 686 M. im Vorjahre. Daraus ist die Sonderrücklage-Verficherung der Kriegsgewinnsteuer und die Gewinn- anteile für Vorstand und Aussichtsrat mit 1 157 763 M. zu bestteilen, wonach 1 526 186 M. zur Verfügung der Generalversammlung stehen. Dieser soll die Auszahlung von 20 Proz.(i. V. 8 Proz.) Dividende vorgeschlagen werden. Bei der Maschinenfabrik Westfalia, A.-G., in Gelsenkirche n erzielte der Abschluß einen Reingewinn von 306 682 M.(i. V. 248145 M.), Hiervon sollen 16(12) Proz. Divi- dcnde verteilt werden. Ter Bericht führt aus, datz alle Werkstätten bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt waren. Ueber das laufende Geschäftsjahr wird noch mitgeteilt, sämtliche Abteilungen des Wettes seien angesttengl sür Kttegs- und Friedensbedarf be- schäftigt. Eine Aenderung sei dann in absehbarer Zeit nicht zu erwatten. Das Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerk wird schätzungsweise 12 Proz. gegen 5 Proz. Dividende im Vorjahre zur Verteilung bringen._ Die holländischen Schiffsgesellschaften während deö Krieges. Nach der Amsterdamer Zeitschttft.In- en Uitvoer" stellten sich die Dividenden der wichtigsten niederländischen Schiffabrts- linien in Prozent in diesem Jahre(verglichen mit denen des Vor- jahres) wie folgt: Bei der Holland— Amerika-Linie 50(17), Königl. Holl. Lloyd 12(3), Gesellschaft.Nederland" 10(7Vz), Rotterdamsche Lloyd 10 (7'/z), Kgl. Nieder!. Dampfsch.-Gesellschaft 15(6), van Nieveld Goudriaan 100(16), Holl. Dampfsch.- Gesellschaft 27(13), Müller Schiff.- Gesellschaft 20(8), Frachtfahrt Bothnia 30(3), Dampfsch.- ;f. Ostsee 65(7l/3}. Die Kurse waren am 15. Jimi 1916(und am 15. Juli 1914) die folgenden: Bei der Holland— Amerika-Linie 368(190), Kgl. Holl. Lloyd 171 (85), Gesellschaft.Nederland" 170(150), Rotterdamsche Lloyd 171 (150), Kgl. Niederl. Dampfsch.- Gesellschaft 194(118), van Nieveld Goudriaan 770(143), Holl. Dampfsch.-Gesellschaft 170(108), Müller Schiff.-Gesellschaft 245(112), Frachtfahtt Bothnia 343(76), Dampfsch.- Ges. Ostsee 327(90)._ Kein Ausfuhrverbot für norwegische Becreu. Man batte in Norwegen zum Herbste den Erlaß eines Ausfuhr- Verbotes sür Beeren erwartet, da der Regierung mehrere Anträge darauf eingereicht waren, u. a. vom Nalionalrat der norwegischen Frauen. Der Proviantminister bat diese Anttäge indes abgelehnt und dabei hervorgehoben, datz ein Ausfuhrverbot einen Verlust für die arme Bevölkerung mit sich bringen würde, die aus dem Pflücken von Beeren ihren Verdienst ziehe. Andererseits hätten die Beeren ür die Lebensmittelversorgung Norwegens keine so grotze Be- deutung._ Der Rubelkurs. Der Kurs des Rubels hat sich nach dem.Economist' vom 5. August(der Gründe dafür nicht angibt) etwas verbessert, da sür 10 Pfund nicht mehr 157'/z Rubel, sondern nur 156� Rubel bezahlt werden.'_ Kanadische Reiu-Nickel-Erzeugung. Die International Nickel Co. und die British American Nickel Co. beschlossen nach einem Reuter-Telegramm aus Toronto in der Morning Post" vom 3. August, in Ontatto Rasfinerien zu errichten. Der Provinzial-Bergwerksminister Ferguson teilt mit, er werde Schritte tun, um zu verhindern, datz kanadisches Nickel nach Deutsch- land gelange._ Soziales. Tie Trinkgelder im Caf6 Bauer. Mehrere im Cafe Bauer angestellt gewesen« Zahlkellner führen gegen die Firma einen Rechtsstreit, der auf Rückzahlung des Be« träges gerichtet ist, den die Kläger von ihren Trinkgeldeinnahmen an die Firma zahlen mußten. Als der erste Fall dieser Art vor einigen Monaten vor der Kammer 6 des Gewerb egcrichts verhandelt wurde, besttitt die Firma die Zuständigkeit des Gewerbegerichts. Sie � vertrat— wie wir damals berichteten— den Standpunkt, daß nicht ein Arbeits-, sondern ein Pachtverhältnis vorliege. Tat- ächlich hat die Firma mit den Zahlkellnern einen Vettrag abge- chlossen, wonach sie dem Zahlkellner in einem von ihr bestimmten Revier das Inkasso überträgt und ihn dagegen verpflichtet, von den durch ihn von den Gästen einkassierten Beträgen 5 Proz. an die Firma zu zahlen. Außerdem hat der Zahlkellner von seinen Trink- geldereinnahmen die Zuträger seines Reviers mit je 3 M. zu entlohnen. Das Gewerbegericht hat sich als z u st ä n d i g erklärt, weil ein Arbeitsverhältnis vorliege, dem durch den ab- geschlossenen Vertrag nur der Schein eines Pachtverhältnisses ge- geben werden solle.— Die Berufung, welche die beklagte Firma gegen dies Zwischenurteil des Gewerb egettchts eingelegt hat, ist vom Landgericht verworfen und rechtskräftig ge- worden. Nun hatte das Gewerbegericht über die Forderungen elbst zu entscheiden. Zwei von den Magen standen am Montag zur Verhandlung vor der Kammer 6. Die Kläger begründeten ihre Forderung auf Rückzahlung der fünfprozenfigen Abgabe da- mit, daß der Arbeitsvertrag, weil er eine solche Abgabe festsetzt, gegen die guten Sitttn verstoße. Dagegen wandte doc Vertreter der Beklagten ein, von einem Verstoß gegen die guten Sitten könnte doch nur dann die Rede sein, wenn dos Einkommen des Klägers so niedrig gewesen wäre, daß eS als Hungerlohn bezeich- net werden müsse. Die Zahlkellner hätten aber ein recht gutes Einkommen. Sie versteuerten ein Jahreseinkommen von 3600 M., totsächlich werde sich das Jahreseinkommen eines Zahlkellners auf 5000— 6000 M. belaufen. Der Kläger, der die Rückzahlung von 1062 M. forderte, die er in etwa vier Monaten an die Firma abgeführt hatte, gab an, daß er nach Abzug aller an das Geschäft geleisteten Abgaben einen Tagesverdienst von etwa 6 M-, in Ausnahmefällen 10 M. erzielt habe. Das Gericht beschloß. Beweis darüber zu er- heben, wie hoch die im Cafe Bauer im allgemeinen gezahlten Trinkgelder im Verhältnis zur Zeche sind und ob die Einnahmen der Kläger durch die Abgabe an die Firma so stark belastet werden. datz ihr Verdienst hinter dem für Cafekellner sonst erreichten er- heblich zurückbleibt. Lerantw. Redakt.: Alsred Wielepp, Neukölln. Jnstratentefl yerqntw. Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchar. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsbl. V.r. 223. 33. Zahrgaag. Chronik des Weltkrieges. August ISI4. Aufrufung des Landsturms für das ganze Deutsche Reich. Wie W. T. B. meldet, hat die italienische Regierung den Ber- liner Botschafter beauftragt, den umlausenden Gerüchten, daß Italien gegenüber Deutschland und Oesterreich eine wenig freund- liche Stellung einnehme, als unbegründet zurückzuweisen. Amtlich wird gemeldet, daß in Kalisch auf die eingerückten deutschen Truppen aus dem Hinterhall geschossen worden sei. Da es sich zweifellos um einen planmäßigen Angriff der nichtmilitärischen Bevölkerung handle, würden auch in Rußland die deutschen Truppen rücksichtslos einschreiten. I.?. Auqust INI». Der Vormarsch an der Ostfront dauert auf der ganzen Linie fort. Insgesamt werden abermals 12 000 Gefangene eingebracht. Auf dem italienischen Kriegsschauplatz lebhaste Kämpfe im ganzen Grenzgebiet. Freiherr v. Zedlitz erklärt es in der„Post" für eine„Aufgabe des Tages",„die Arbeitsgemeinschaft zwischen den wirtschaftlichen Verbänden und den Politikern positiver Richtung zu erweitern zu einer Arbeitsgemeinschaft zwischen diesen und der Reichsregienmg. Der Weg hierzu würde vorausstchtlich der sein, die leitenden Männer jener Vereinigung zu positiver Mitarbeit bei der Vorbereitung für den künftigen Frieden heranzuziehen". fljjs Groß-öerlin. was über öie Serline? Jugenö gefabelt wirö. Es ist reichlich, was über Berlin in die Welt hinaus- gesch— rieben wird. Dieser Tage gingen uns verschiedene Zeitungen aus dem Reiche zu, in denen ein„Berliner Brief" abgedruckt wird. In der in Gumbinnen erscheinenden„Preußisch-Litauischcn Zeitung", in der in Glogau herausgegebenen„Neuen Nieder- schlesischen Zeitung" wird der„Berliner Brief" wiedergegeben. Wir lesen da u. a.: „Das schwere Bootsunglück auf der Dahme bei Grünau bildet immer noch da- Tagesgespräch der Berliner. In der Tat ist aus dem beklagenswerten Ereignis viel für die Oeffentlichkeit zu lernen. Zumal dieses: Fort mit den jugendlichen Personen von all' und jeder Tätigkeit, die irgend eine Verantwortung in beziig auf die Sicherheit von Menschenleben in sich schließt I Schon lange macht sich das Jugendlich-Märmliche im Berliner Straßen- leben unliebsam breit. Da sieht man sogenannte„grüne Jungens" große Nollwagen kutschieren, derweilen links und rechts das Ber« kehrsleben mächtige Wellen schlägt. Der Junge kann Sie, überqueren Sie seinen Weg, im Handumdrehen ins Jenseits befördern, wenn er nicht aufpaßl. Und das tun sie meistens nicbt. So war es auch bei dem Schiffsunglück. Es steht fest, daß der ebenfalls mit- errruiikene Junge Walz früher schon nach Art der dümmsten Jungen sich über Mahnungen zur Achtsamkeit beim Bootfahren lustig gemacht Hai. Jetzt, wo im eigentlichen und vielfachen Sinn„das Kind" in den Brunnen gefallen ist, erhebt sich ein großes Geschrei gegen— die Polizei, die Strompolizei.... Dieselbe gemein- gefährliche Achllosigkeit kann man all« Sonntage auf allen Strom« laufen der Umgegend beobachten. Da fahren blutjunge Bengeis, die jetzt mit 14 und wenig mehr Iahten schon Geld„wie Heu" verdienen, gleichaltrige Mädels in Booten spazieren, ohne die leiseste Ahnung vom Steuern zu haben. Es wird dann noch, um forsch zu lun, tüchtig geschaukelt, bis das Ding umfällt und die Abkühlung aller erfolgt, die nicht immer mit einem Schnupfen nur endet, wie im Landwehrkanal, wo Hilfe von allen Seiten gleich zur Stelle ist.... Ueberhaupt die„liebe" Jugend im Kriegsleben! Die Schuljungens schon reitet förmlich— entschuldigen Sie— der Deubel." Es fehlt die Zucht und die strafende Hand des Vaters, der draußen im Schützengraben weilt. Mutter wird meist von den Berliner rüden Jungens über die Nase angesehen, und so der- wahrlosen die Schlingel desto mehr, je länger der Schulzwang durch Ferien aufgehoben ist. Was so eine Berliner Jöhre für Unheil, Unfug aller Arten anzurichten vermag, davon kann sich em halbwegs gut erzogener„ P r o v i n z- Junge" kaum eine Vorstellung machen. In gewissem Sinne haben auch die „gewissen" Genosten schuld an derlei Erscheinungen, denn sie sind— das gemilderte Vereinsgesetz gibt ja so viel Spielraum— mehr als je drauf aus, die halbflügge Jugend sich frübzeüig einzufangen, um später Stimmkapital für sich herauszuschlagen. Man lockt sie durch Massenvergnügungen der„Großen" zur Beteiligung an. Wollen Sie mal wissen, wie die Leute dann„leben?" Bure, ich breche mit der Beantwortung dieser Frage nickt den kleinsten Burgfrieden, denn es stand im Regicrungsanzeiger der bewußten Herrschaften, im„Vorwärts", groß und deutlich zu lesen, was folgt: Und nun wird eine Ankündigung deZ Ockonomen des Berliner Gciverkschaftshanscs abgedruckt, von der jedermann weiß, daß sie mit der Verwaltung des Gewerkschaftshauses und mit den Gewerkschaften nicht das mindeste zu tun hat. Dann heißt es weiter: „Ja, so leben— sie. Der Mittelstand kann's wahrlich nicht!... Wir, die wir nicht„organisiert" sind, müssen uns unsere tägliche Kriegsatzung nach wie vor heranholen, immer wieder durch unsere armen Frauen forschen lassen, im Vorkostkeller und Laden, wo es etwas gibt." In diesem Tone geht es fort. Von den wirklichen Verhält- nisten gibt der„Berliner Brief" nicht die mindeste Vorstellung. Eine sachliche Widerlegung bedarf eine derartige Schreiberei kaum. Nur ein Wort über die Berliner Jugend. Soweit es sich um das Unglück auf der Dahme handelt, sprechen die Tatsachen gegen den„Berliner Brief"schreibcr. Und dann der Hinweis auf die gewissen Genossen, die Schuld an„derlei Erscheinungen" haben sollen, das gemilderte, erst kaum in Kraft getretene Vereinsgesetz muß zum Ueberfluß auch noch herhalten, um das Gefasel zu begründen. Wir denken, diesen Schmutz am besten abzutun, wenn wir das Urteil eines an leitender Stelle der Berlin er Fortbildung s- schulen Stehenden abdrucken, das in der letzten Nummer der„Korrespondenz der Lchrervcreinigung" enthalten ist. Dort heißt es: „Uns sind Schüler bekannt, die fast alles verdiente Geld dem in der Fortbildungsschule stehenden Sparautomalen übergeben, denen also der reichliche Verdienst dieser Zeit nicht zu einer Quelle unwürdiger und schädlicher Genüsse geworden ist. Weüer sind uns zahllole Lehrlinge bekannt, die als einzige Stütze der das Geschäft allein weiterführenden Meisterin treu und zuverlässig gearbeitet haben, viel mehr und viel besser, als mau das von 1ö- bis 16jährigen zu erwarten berechtigt ist. Was die Schul- zucht anbelangt, so haben sich die Verfehlungen gegen die Schul- ordnung trotz des häufigen Lehrerwechsels und des Hin- und Her- schicbens der Schüler von einer Klasse zur andern nicht ver- mehrt, eher sind sie geringer geworden." Tie Wirkung der neuen Milchverordnung. Ein Milchhändler schreibt uns:„Als Milchhändler möchte ich Ihnen doch die Wirkungen der neuen Verordnung über die Milch- Versorgung vom 0. August 1916 schildern. Mein Lieferant hatte mir bis dahin nur mehr 3ö Liter pro Tag geliefert. Nun sollte ich nach der neuen Verordnung nach{j 1 das Quantum bekommen, das ich am 1. März 1916 erhielt. Diese Bestimmung klingt sehr schön, ist aber nur Sand in die Augen.§ 2 sagt, daß, wenn der Lieferant selbst weniger Milch vom Produzenten erhält, er dieses Weniger seinen Abnehmern kürzen darf. Auch das ginge noch, wenn man prozentual weniger bekommen würde. Ich rechnete auf 70 Liter täglich, da ich am 1. März 110 Liter bekam. Nun kommt das Schönste. Der Engroshändler darf soviel Milch im eigenen Laden behalten, daß er seine Markenkunden befriedigen kann. Also der Engroshändler darf seinen Kunden, die er sich dadurch herangezogen hatte, daß er seinen Abnehmern nichts mehr lieferte, um selbst recht gute Geschäfte zu machen, das volle Quantum auf Marken liefern. Für ihn ist es keine Kunst, jetzt 400 Kunden und mehr auf Marken zu haben. Ich bekomme ent- gegen der Verordnung täglich nur noch 31 Liter. Der Eugros- Händler darf ja für seine Markenkunden zurückbehalten. Be- kommt er vom Bauern weniger geliefert, immer hat er sein Quan- tum für sich, alles darf er dem Klemhändler abziehen. Ist das nicht der reine Hohn? Ich muß mit 31 Liter Kunden, die für 80 Liter Marken haben, versorgen, darunter Familien, die 4 bis b Kinder und täglich drei Liter zu beanspruchen haben. Was meine Kunden da bekommen, läßt sich ausrechnen. Man sieht, daß die ganze Verordnung unter dem Etnfluß der Eugroshänbler zustande gekommen ist. Zum September wird hoffentlich die Verteilung besser werden, aber die Großen werden wie überall bevorzugt." Das Armenamt XIII ist gestern von der Kolonicstraße nach der Badstr. 10/ 10a verlegt worden. Die größte Berliner Zentralküche am Alexanderplatz wurde gestern eröffnet. Sie hat ihren Platz in der Zeotralmarkthalle in der Kaiser- Wilhelm- Straße. Etwa 80 blitzsaubere Kessel, deren jeder 600 Liter faßt, find hier aufgestellt. Der Zubereitung der Speisen dienen Kartoffel-Wasch« und-Schälmaschinen, Gemüse-Putz- und-Zer kleinerungsmaschinen. Als erstes Gericht gab es gestern Nudeln mit Gulaschsauce. Zur Ausstellung der Ncisepäsic an deutsche ReichSangchörige und der für jede Grenzüberschreiiung erforderlichen Sichlvcrmerke in Reisepässen der In- oder Ausländer ist das Paßbureau des Berliner Polizeipräsidiums nur zuständig, wenn die Stadt Berlin als Wohnsitz oder beim Fehlen eines Wohnsitzes im Deutschen Reich als dauernder Aufenthalt in Betracht kommt. Wer weder seinen Wohnfitz noch seinen dauernden Aufenthalt im Deutschen Reich hat, muß sich Paß- oder Sichtvermerk von der Verwaltungsbehörde des Ausreiseortes geben lassen. Dies ist das Paßbureau Berlin für die nach dem 1. August 1016 nach Deutschland gekommenen Reisenden nur dann, wenn die Stadt Berlin in dem Einreisesichtvermerk ausdrücklich als letztes Reiseziel aufge- führt war. Enthält ein Paß bereits einen von einer deutschen Konsulats- behörde im Auslande erteilten Sichtvermerk zur Ein- und Ausreise und ist die darin für die Ausreise angegebene Frist noch nicht der- strichen, dann braucht zur Wiederausrcise hier nur die An- und Ab- meidung durch das örtlich zuständige Polizeirevier auf den Paß aufgetragen zu werden. Ein weiterer Sichtvermerk einer inländi- scheu Verwaltungsbehörde ist dann nicht mehr erforderlich. Ohne Rindfleisch kein Schweinefleisch? Eine uns zugegangene Beschwerde klagt, daß in einem Schlächterladen man ein paar Kundinnen nötigen wollte, sofort ihre ganze Wochenmenge Fleisch zu kaufen. Beide Kundinnen hatten je drei Fleischkarten, was in dem Geschäft natürlich bekannt war, aber für jede der beiden Familien wurde zunächst nur ein halbes Pfund Schweinefleisch gewünscht. Die Schlächlerfrau antwortete, sie könnten nur dann daS Schweinefleisch erhalten, wenn sie sogleich auch Rindflcssch auf ihre übrigen Karlen entnähmen. DaS wurde abgelehnt, die Schlächterfrau wollte aber anders ihr Schweinefleisch diesen Kundinnen nicht geben— und so gingen sie mit Iceren Händen heim. ES ist zweifellos, daß die Weigerung, Schweine- fleisch allein zu verkaufen, unzulässig war. Der Gedanke liegt nahe, daß die Schlächlerfrau sich von dem Wunsch leiten ließ, die ganze ihr zugeteilte Ware auch sicher los zu werden. Das wäre immerhin begreiflich, aber an der Unzulässigkeit ihres Vorgehens wird dadurch nichts geändert. Kein Schlächter kann ver- langen, daß die bei ihm eingetragenen Kunden regelmäßig die ganze ihnen auf ihre Fleischkarte zustehende Menge entnehmen. Es gibt Leute, die selbst die gewiß nicht reichlich beniessene Fleischration nicht allwöchentlich voll beanspruchen, weil in Anbetracht der Magerkeit ihres Geldbeutels ihnen der FleischpreiS zu hoch ist. Will ein Schlächter sie zwingen, aus Rücksicht auf ihn mehr Fleisch zu kaufen, als ihrem eigenen Wunsch entspricht? Auch wo die volle Ausnutzung der Fleischkarten beabsichtigt ist, kann keinem Kunden ein sofortiger Kauf der Wochenmenge zugemutet werden. Nicht jeder hat immer soviel Geld beisammen, und über- dies läßt im Sommer auf Vorrat gekauftes Fleisch sich nicht leicht Tage lang aufbewahren. Für das Verfahren, kein Schweinefleisch ohne Rindfleisch abzu- geben, wäre noch ein anderer Grund denkbar. Manchmal hat ein Schlächter die an sich sehr lobenswerte Absicht, eine gleich. mätzige Verteilung der verschiedenen Fleisch- sorten zu erreichen. Sehr viel mehr als das Rindfleisch wird regelmäßig das Schweinefleisch begehrt, weil dieses mebr Fett ent- hält und nicht ganz so hoch im Preise steht. Die Schlächter haben da ihre liebe Not, möglichst jeder Kundin ihr bißchen Schweinefleisch zu sichern. Wenn eine Kundin ihren ganzen Kartenvorrat in Schweinefleisch anlegen möchte, findet man sie zum Teil mit Rind- fleisch ab, weil ja noch andere Leute Schweinefleisch haben wollen. So lag aber die Sache nicht in dem geschilderten Fall. Ausdrücklich wurde, versichert man uns, auf nur eine der drei Karten ein halbes Pfund Schweinefleisch gefordert. Toppelselbstmord in Friedenau. Freiwillig in den Tod gegangen sind zwei ältere Damen, die in der Handjerystraße in Friedenau seit langer Zeit eine gemeinsame Wohnung innc hatien. Am Sonnabend schickten sie ihr Dienst- Aieustag, 15. August 1916. mädchen zum Einkauf nach Berlin, verhängten dann die Fenster und Türen der Wohnung mit Tcppichen, öffneten in der Küche die Gashähne und cnvarieten so den Tod. Als Hausbewohner den Gas- geruch wahrnahmen und der Hauswirt die Wohnung öffnen ließ, fand man beide Damen leblos vor. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr hatten keinen Erfolg. Die Leichen der Lebensmüden wurden nach der Fricdenauer Leichenhalle gebracht. Der Grund zu der Tat soll in einem nervösen Leiden und Nahrungssorgen zu suchen sein._ Hauseigentümer und Kriegerfrau. Der Lichtenberger Hauseigentümer Gustav Brodle, dessen Miete- Mahnbrief an eine in seinem Haufe wohnende Kriegerfrau Lewin wir in Nr. 219 veröffentlicknen, bat nun auch uns eine Zuschrift ge- schickt. Entschuldigt er sick. daß er die schwangere Fron in jenem Brief auf ihren bisherigen Kindersogen hingewiesen hat? Sprickt er sein Bedauern darüber aus, ihr geschrieben zu haben, daß sie „alle 9 Monat mit der Behäbbigkeit ans der Nachbarschaft Stunden lang klatscht"? Nein, das scheint Herr Brodle nicht für nötig zu halten. In dem Brief an uns richtet er lweitere Vorwürfe gegen Frau Lewin und jetzt zugleich gegen ihren Ehemann, der schon seit mehreren Monalcn wieder im' Felde ist. Obwohl wir mit Vorbedacht über Herrn Brodle nicht ein Wort gesagt halten und er gar keinen Anspruch auf Aufnahme einer Erwiderung hat, erwartet er, daß wir auch diese Zuschrift noch abdrucken. Ach. das wäre denn doch zuviel verlangt! Warum Herr Brodle seinen Brief mit den neuen Vorwürfen eine„Richtigstellung" nennt, ist nicht klar. Will er sich selber„berichtigen"? Seine in dem Brief an Frau Lewin enthaltene Acußerung, daß er sie„jedesmal 3— 4mal und noch öfter" mahnen müsse, wird jetzt abgeschwächt. Jetzt schreibt er,„fast jeden Monat mehreremal" müsse er mahnen. Vielleicht schwebt ihm dabei vor, daß Frau Lewin den nach Abzug der Mietebeihilse noch von ihr zu zahlenden Mieteanteil nicht sogleich am Monatsersten voll« ständig mit 14.20 M.. sondern in zwei Raten von je 7,2S M. um Monalsanfang und Monatsmitte zu entrichten pflegt. Sie zahlt so, weil auch die ihr als Kriegerfran zustehende Unterstützung für sie und ihre Kinder in Halbmonatsraten ausgezahlt wird. Feststellen wollen wir, daß die Frau nicht etwa Monate hindurch bedeutende Mietereste schuldig geblieben ist. Zur- zeit hat der Wirt nichts weiter von ihr zu fordern als noch 7,25 M., die er wieder statt am Monalsersten um die Monatsmitte erhalten wird. Bisher ist Herrn Brodle durch Frau Lewin noch nicht ein Pfennig Miete verloren gegangen. Unseres Erachtens hätte Herr Brodle in seinem eigenen Interesse besser getan, nicht eine nochmalige Erörterung seines an Frau Lewin gerichteten Briefes herbeizuführen. Gewinnen kann er dabei nichts. Er nmßte doch wohl selber den Wunsch haben, diesen schlimmen Mißgriff möglichst bald in Ver- gessenheit zu bringen._ Arbeiterbildmigsschule. Donnerstag, den 17. August, abends S1� Uhr, findet der übliche wissenschaftliche Einzel- Vortrag statt. Er ist diesmal einem wichtigen Ereignis unserer Parteigeschichte gewidmet. Am 17. August 1875 fand der Einigungskongrctz in Gotha statt. Genosse Eduard B e r n st e i n wird die Bedeutung dieses Kongresses für die Arbeiterbewegung darlegen. Der Vortrag findet im Hörsäle der Schule, Lindenstr. 3, 4. Hof rechts, 3 Treppen statt. Eintrittsgeld 10 Pf. Ein Fest der Arbeiterjugend. Einen guten Verlauf nahm der diesjährige MassenauSflug der Grotz-Berliner Arbeiterjugend am vergangenen Sonntag. Von frühmorgens an waren die Jugendlichen allerorts aufgebrochen, in leichter Kleidung, mit Rucksack und Wandcrstab, mit Liederbüchern und Mandolinen— so, wie es sich für eine frischfröhlichc Jugend gehört, die einen Tag draußen im Freien verbringen will. Gegen 1 Uhr mittags begann es am Bahnhof Köpenick, dem allgemeinen Treffpunkt, lebendig zu werden. Von allen Seiten strömren größere und kleinere Trupps herbei, ftohe Lieder singend, und in nnffterhafter Ordnung. Bald ging's in langem, geschlossenem Zuge, mit Schildern und Bannern— diesmal ohne die in früheren Jahren so unvermeidliche polizeiliche Be- gleumig— zum Festplatze nach Kaulsdorf-Süd, Restaurant Sans- souci. Hier auf mehreren großen, buschbesäumten Wielen begann nun ein buntes und lebendiges Treiben. Nachdem dem Magen sein in der gegenwärtigen Zeit ach I so bescheidenes Recht geworden war, hieß es: Antreten zu Gesellschafts-, Ball- und sonstigen Spielen und überall bildeten sich fröhliche Gruppen. Gegen 5 Uhr begann ein kurzes Festprogramm, eingeleitet mit dem Vortrage des Gedichtes„Sieg der Freude" von Zerfaß: „Unseres Tages wollen wir uns freuen und singen." Dann hielt Herr Waldeck M a n a s s e eine zündende Ansprache, der noch zwei Gedichte folgten, vorgetragen vom Rezitator Hans Heinz Fuhrmann. Sämtliche Darbietungen fanden mustergültige Auftnorksamkeit und begeisterten Beifall bei den jugendlichen Hörern sowohl, die dichtgedrängt im Kreise saßen, als auch bei den zahlreich herumstehenden Erwachsenen. Mit dem gemeinsamen Gesang eines Liedes schloß daS kurze und doch überaus eindrucksvolle Fest« Programm. Es folgten sodann noch turnerische Aufführungen durch den Turnverein„Fichte" und sonstige sporiliche Darbietungen, bis eine allgemeine photographische Aufnahme den offiziellen Teil des Festes beschloß. Aber obwohl bereits der Abend herangenaht war und zum Ausbruch mahnte, blieben doch noch zahlreiche Gruppen zusammen, bis die schnell hereinbrechende Dunkelheit dem munteren Treiben ein Ziel setzte. Wohl gegen 1500 Jugendliche beiderlei Geschlechts hatten sich eingefunden, ganz abgesehen von den zahlreichen erwachsenen Gästen. Auch der Himmel, der vormittags recht mürrisch dreinschaute, hatte ein Einsehen und zeigte zum Nachmittag ein recht freundliches Gesicht. Schnell, viel zu schnell war der Jugend der Nachmittag ver- gangen, der wohl noch lange in der Erinnerung aller Teilnehmer fortleben wird. War dock sein gelungener Verlauf ein schöner Be- weis für die Solidarität und die sich auch in der trübsten Zeit durchsetzende freudige Lebensbejahung der arbeitenden Jugend Groß- Berlins. Ein Geldtäschchen mit Inhalt ist auf dem Feftplatze gefunden worden. Dasselbe kann abgeholt werden im Jugendsekre- tariat, Lindenstr. 3._ Durch einen Sprung anS dem Fenster hat sich gestern früh die 70 Jahre alte Aufwärterin Ernestine Hoffmann An der Fischer- brücke 10 das Leben genommen. Das greise Fräulein, das für sich allein lebte und hauste, litl seit längerer Zeit an Nervenreißen. Die Schmerzen waren oft unerträglich. In einem Anfalle sprang die Kranke gestern früh aus dem dritten Stock auf den Bürgersteig hinab. Ein Mann aus dem Hause, der um 5 Uhr wegging, fand sie tot daliegen. Die Leiche wurde von der Rcvierpolizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Eine LiebestragZdie wird aus der Tilsiter Straße 8Z ge- meldet. Hier wohnte als Junggeselle der 33 Jahre alte Lagerist Karl Rudolf, der ein Liebesverhältnis mit der 21 Jahre alten Anna Neck hatte. Diese war seit dem 3. d. M. von einem Aus- gange nicht in ihre Wohnung zurückgekehrt. Gestern nahm man von der Wohnung des R. einen Gasgeruch wahr, ließ sie öffnen und fand N. und seine Geliebte tot im Bette liegen. Tie beiden hatten sich mit Gas vergiftet. Ein schwerer Straßenunfall bat sich am Sonntagnachmittag in Lichtenberg zugetragen. In der Straße Alt-Boxhagcn versuchte der öljährige Tischler Hugo Zarnsdorf kurz vor einem in der Richtung nach Berlin verkehrenden Straßenbahnwagen der Linie 77 das Gleis zu überschreiten. Er hatte jedoch die Entfernung überschätzt und wurde von dem Bahnwagen erfaßt und umgestoßen. Bei dem Sturz auf das Straßenpflaster erlitt Z. eine schwere Schädelverletzung, die feine Aufnahme in das Krankenhaus Friedrichshain notwendig machte. Arbeiter- Samariterbund, Kolonne Groß- Berlin und Kreis Brandenburg. Am Sonnlag, den 23. August,' nachmittags 2 Uhr, findet auf dein Spielplatz am Karpfenteich zu Treptow bei Berlin eine öffentliche Uebung statt. Die Uebung soll stattfinden, um dem Publikum und den Behörden ein anschauliches Bild von der Arbeit und Ausbildung der Mit- gliedcr zu geben und daß trotz des Krieges immer noch Männer und Frauen vorhanden sind, welche das Arbeitersamaritcrwesen hoch halten. Das Aulegen von Notverbänden mit Verbandmaterial, ins besondere die erste Hilfe ohne Anwendung von Verbandstoffen, die einfachsten Hilfsmittel sollen vor Augen geführt werden. Auch der Transport Verunglückter und Erkrankter auf Tragen sowie Notbehelfen wird veranschaulicht. Bei den Zelten, der Sammclort der Vcrungliickien, werden die angelegten Verbände einer eingehenden Kritik von Aerzten sowie dem Vorsitzenden des Arbciler-Samariter bunde-Z unterzogen. Ein großes Zelt mit allen kür die erste Hilfeleistung in Betracht kommenden Instrumenten und Einrichtungen wird zur allgemeinen Besichtigung aufgestellt: Kochgelegenheit, Sierilisierapparat, Thermo phoren, Magenschläuche usw. sowie sämtliche Verbandartikel werden erläutert. Auch ist das Lehrmaterial veranschaulicht: Torso, Wand bilder und dergleichen. Vermißt wird seit dem 24. Mai 1918 der Musketier Walter Trcttin, Infanterieregiment Nr. 24, 1. Kompagnie. Auskunft erbeten an Robert Tretlin, Berlin, Mauerstr. 85 II. /Ins öen Gemeinöen. Charlottenburger Säuglingsfürsorgc im Kriege. Wie wir dem Verwaltungsbericht über das Jahr 1911 entnehmen, ist die Säuglingssterblichkeit in den ersten Wochen des Krieges ge- stiegen. Der Magistrat führt diese Erscheinung zurück auf den un- günstigen Einfluß der Sommerhitze in Verbindung mit der durch den Kricgsbeginn außerordentlich gesteigerten Seclcnerregung der Bevölkerung. Die stillende und die ihr Kind pflegende, um ihren Gatten bangende Mutler mußte dadurch in der Kinderpflege un- günstig beeinflußt werden. Später besserte sich die Sterblichkeit der Säuglinge. Nach Absinken der Sommerhitze befanden sich die Mütter in ruhigerer Stimmung; ob, wie der Bericht besonders hervorhebt, auch ihre Lage eine gesicherte war, bleibe dahingestellt. Allerdings glaubt Prof. Müller zahlenmäßig nachgewiesen zu haben, daß die Stadt Charlottenburg den Ansprüchen der Kriegsunterstützung be- ziehenden Bevölkerung bisher durchaus gerecht wurde, aber in der Praxis sieht es doch tvesentlich anders aus. Wir unterlassen es, an dieser Stelle des näheren darauf einzugehen und wollen zur Be- urteilung der Verhältnisse nur an die schon von Karl Marx hervorgehobene Erscheinung hinweisen, daß selbst un- günstige wirtschastliche Veränderungen, sobald sie nur die Frauenarbeit einschränken und der Mutter Gelegenheit geben, sich um ihr Kind mehr zu kümmern und häufiger Brustnahrung zu geben, den Gesundheitszustand des Säuglings vorteilhaft beeinflussen. Daß dies Moment auch für Charloticnburg ausschlaggebend sein dürfte, ergibt sich aus der ganz bedeutenden Abnahme der zur Unterbringung der Kinder arbeitender Mütter dienenden Krippen. Aber wie dem auch sei, der Zustand der Besserung war nicht von langer Dauer, denn in der Folge wurden die Frauen in immer größerem Umfang zur Arbeit als Ersatz der fehlenden Männer herangezogen und vor allem änderten sich durch die zunehmende Teuerung die Ernährungsverhältnisse, die Milch wurde knapper, sehr teuer und durch veränderte Ernährung der Kühe wohl auch weniger gehaltvoll. Charakteristisch ist auch die vielfach von den ärztlichen Leitern der Säuglingsfürsorgestellen gemachte Beob- achtung. daß die Kinder von. Frauen von Kriegsteilnehmern, die nach Kriegsausbruch geboren werden, zuweilen geringere Körper- maße und gewisse nervöse Störungen ausweisen. Die Verwaltung kommt zu dem Ergebnis, daß die Beobachtungen über den Einfluß des Krieges auf die Geburtenbewegung von einem Abschluß noch sehr weil entfernt sind. Erfreulich ist es, daß sie in der vollen Er- keniitnis der Notwendigkeit, geradewährend des Krieges derFürsorge für die Säuglinge besondere Sorgfalt zu schenken, keine einzige der be- währten Einrichtungen aufzugeben oder einzuschränken, im Gegenteil die bestehenden weiter auszugestalten beschlossen hat. Die Säug- lingssürsorgestellen haben sich genau so wie im Frieden weiter cnl- wickelt, in bezug auf die Zusammensetzung, Beratungszahlen, Be- rusSzuiammensetzung der Ratsuchenden, Dauer der Fürsorge usw. ist nicht die geringste Aenderung eingetreten. Nur die Besucherzahl der Klcinkindcrfürsorge weist eine nicht unerhebliche Abnahme auf. Im Zusammenhang hiermit sei die Frage der Geburten- abnähme kurz gestreift. Von vornherein war eine Abnahme der Geburten für einen bestimmten, von der Dauer des Krieges ab- hängigen Zeitabschnitt zu erwarten, dem nach dem Kriege eine auf mehrere Jahre sich erstreckende Zunahme folgen dürste. Die un- erwartete Länge des Krieges, die allmähliche Einziehung immer zahlreicherer Kreise und der Umstand, daß in den ersten Monaten mehr Unverheiratete, jetzt dagegen immer mehr Verheiratete ein- berufen werden, schafft so wechselnde Zustände, daß die Frage der Geburtenabnahme für eine Prüfung noch nicht reif ist, zumal da sie durch die vielen Kriegstrauungen und die in früheren Jahren weniger üblichen Beurlaubungen kompliziert wird. Bei der Ge- burtcnabnahine durch den Krieg kommt noch die Unterbrechung der Schwangerschaft in Frage und zwar sowohl die durch Erregungen oder veränderte Lebensweise eingetretene als auch die zur Ver« bergung von Fehltritten k ü n st l i ch herbeigeführte. Ueber Aenderungen in der Zahl der Fehlgeburten während des Krieges lassen sich heule noch keine Angaben inachen, zumal da diese Ziffern überhaupt schwer zu fassen sind. Da aber über die Zunahme verbrecherischer Fehlgeburten in Ver- allgemeinerung vereinzelter Fälle hier und da irrige Behauptungen aufgestellt werden, so sei ausdrücklich hervorgehoben, daß die Zahl der Aborte überhaupt, insbesondere der mit Blutvergiftung ver- bundenen Fehlgeburten, die den Krankenhäusern zugehen, und unter denen die so vielfach unglücklich ablaufenden verbrecherischen Eingriffe sich befinden, in Charlotlenburg gegenüber den Vorjahren in den bis- herigen Kriegsmonaten sogar eine nicht unerhebliche Ab- nähme erfahren hat. Krankenkartcn in Wilmersdorf. Die Ausgabe der auf Grund ärztlichen Attestes bewilligten Butter-, Fleisch- usw. Zusatzkartcn— außer Milchkarten— an Kranke und Rekonvalescenten erfolgt in Wilmersdorf für die Zeit vom 21. August bis 17. September 1916 durch das Statistische Amt, Gasteiner Str. 11, III, Zimmer 22. Es werden abgefertigt in der Zeit von 9—2 Uhr am 16. August Buchstaben.A.— E; 17. August Buchstaben F— J; 18. August Buchstaben K— JI; 19. August Buchstaben N— R; 21. August Buchstaben S— V; 22. August Buchstaben W— Z. Die Uebersendung der Zusatzkarten durch die Post erfolgt nur gegen vorherige Einsendung des erforderlichen Briefportos und auf Gefahr des Empfängers. Der Neuköllner Stadtbaurat B e st ist an einer schweren Krank- heit, die er sich im Felde zugezogen hat, gestorben. Best hat nur wenige Jahre dem Magistrat angehört. Er wurde seinerzeit als Nachfolger des verstorbenen Baurals Kiehl einstimmig gewählt und hat es verstanden, sich dieses Vertrauen zu erhalten. Die Stadt trifft daher ein schwerer Verlust. Zu den Parteidifferenzen in Teltow-Beeskow. Von den unterzeichneten B r i tz e r Gemeindevertretern werden wir um Aufnahme nachstehender Berichtigung zu dem Bericht der letzten Britzer Mitgliederversammlung auf Grund des Preßgesetzes ersucht: Nicht allein Schräder wurde als Kandidat vorgeschlagen, wie es im Berichte heißt, sondern Schröder, Kitzing und Gutfchmidt. Kitzing lehnte ab. Zu einer eventuellen Kandidatur Schröder oder Gutschmidt sollte in einer späteren Sitzung endgültig Stel- lung genommen weredn. Inzwischen stellte sich Schröder, ohne von der Fraktion dazu einen Auftrag zu haben, bürgerlichen Ver- tretern als Kandidat der dritten Abteilung für die Schöffenwahl vor. Aus dieser Veranlassung heraus faiw eine Fraktionssitzung statt, zu welcher auch Schröder geladen aber nicht erschienen war. Nicht deswegen, weil Schröder einem Spartacusvorstand angebört, wurde er nicht als Kandidat normiert, sondern es wurde Gut- schmidt als der geeignetere Kandidat aufgestellt, nachdem er wieder- holtem Drängen zu kandidieren nachgegeben hatte. Unrichtig ist ferner die Behauptung, wir würden einem Beschlüsse der Partei- Mitglieder am Orte nicht folgen, ferner: wir hätten uns einer Verantwortung vor den Mitgliedern entzogen. Fr. Kitzing. E. Eberhavdt. F. Gutschmidt. Gerichtszeitung. Wasser statt Wurst. Welche Anschauungen über eigennutzigen Wasserzusatz zur Wurst in führenden Metzgerkreisen bestehen, darüber gibt das Gut- achten des Obermeisters der Metzgerinnung in Reck- linghausen Aufschluß, das dieser in einer Gerichtsverhairdlung vor der Strafkammer in Bochum dieser Tage abgab. Angeklagt wegen Nahrungsmittelfälschung war ein Metzger- meister in Recklinghausen, weil eine bei ihm entnommene Fleisch- wurstprobe 19 Proz. Wasser enthalten hatte. Vom Recklinghauser Schöffengericht war Freisprechung erfolgt. Auf Be- rufung des Amtsanwalts hatte sich die Bochumer Strafkam- m e r mit der Sache zu befassen. Der Obermeister der Recklinghauser Metzger- i n n u n g gab vor Gericht nun folgendes Gutachten ab. In der Kriegszeit komme viel Jungvieh auf den Markt, dessen Fleisch infolge der mangelhaften Mästung viel Wasser enthalte. Im übri- gen müsse der Wurstmasse viel Wasser zugesetzt werden, weil sie fönst nicht zusammenhalte, die Wurst kein gutes Aussehen habe und nicht schnittfest werde. Je mehr Wasser die Wurst enthalte, um so besser sei sie. Das Publikum wolle eine saftige Ware haben. Er wundere sich, daß die beanstandete Wurst nicht mehr Wasser enthalte. Von dem Wasserzusatz hätten die Metzger keinen Nutzen. Der Chemiker Dr. Baumann aus Recklinghousen trat gegen dieses Gutachten auf, nachdem ja eigentlich reines Wasser die beste Wurst wäre. Er führte aus: Wenn es auch zutreffe, daß schlechtgenährte Tiere mehr Wasser aufwiesen als fette, so werde dieser Umstand von den Metzgern doch zu dem offensichtlichen Zwecke arg übertrieben, um eine Ab- lenkung für den Wasserzusatz zu haben. Nach seinen Untersuchungen auf dem Schlachthof in Recklinghausen sei der Wassergehalt des dort geschlachteten Viehes ein normaler gewesen. Der Wasserzusatz zur Wurstmasse sei zu dem Zweck, die Wurst schnittfest zu machen, in geringen Mengen zulässig. Aber das Publikum müsse sich be- danken, für teures Geld einen hohen Prozentsatz an Wassermengen mit der Wurst zu kaufen. Das zugesetzte Wasser sei bei der chemischen Analyse von dem organischen Wasser genau zu unter- cheiden und festzustellen. Es sei selbstverständlich, daß der Metz- ger durch das zugesetzte Wasser einen besonderen Gewinn habe. Das Gericht verurteilte den Schlächtermeister zu 5 9 M k. Strafe. Die Verhandlung zeigt, welchen Wert die Gutachten von Jnter- essenten haben. Es ist nur nicht immer so leicht wie hier, sie auf ihren wahren Wert zurückzuführen. und es anscheinend für ihr gutes Recht halte, solche Stiefel zu ver- kaufen, wurde zu 599 M. Geldstrafe, die unter ihrem Einfluß handelnde Mitangeklagte zu 59 M. Geldstrafe verurteilt. Für den Fall der Nichtbeitreibbarkeit der Geldstrafe wurden 59 bzw. 5 Tage Gefängnis festgesetzt. Man darf auf die Verhandlung gegen den„Grossisten" gespannt sein.__ Mus aller weit. Graste Getreideschiebungeu. Ein großer Prozeß, der sich mit den Machenschaften einer großen Zahl von Getreidehändlern zu beschäftigen haben wird, ist in nach- ster Zeit zu erwarten. Tie Betreffenden haben es verstanden, durch allerhand Schiebungen aus We st Preußen große Vorräte von Getreide und Mehl unter falscher Deklarierung nach Berlin zu schmuggeln, wo die Waren eingelagert und dann zu Wucher- preisen— man spricht von 399 Proz. Gewinnausschlag— verkauft wurden. Bisher sind ungefähr 19 9 Personen in die Untersuchung verwickelt, darunter auch mehrere Bahnhofs- Vorsteher, mit deren Hilft das Getreide unter falscher De- klaration weiterbefördert wurde. Stiefel mit Pappsohlcn. Zur Bekämpfung des Grundsatzes„außen hui und innen pfui", der sich bei so vielen Händlern mit Partie- und Ramschwarenstiefeln eingebürgert hatte, ist die bekannte Bundesratsverordnung gegen den Verkauf von Stiefeln mit Pappsohlen erlassen worden. Wie Papp« statt Leder verkauft wird, zeigte eine Anklage wegen fortgesetzten Betruges, die gestern gegen die Inhaberin einer Schuhwarenhand- ung in Steglitz Frau Helene Rademacher und deren Verkäuferin Charlotte Feige vor dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg verhandelt wunde. Frau R. hatte von ihrem Bruder ein Schuhwarengeschäft ein- gerichtet bekommen, das sich großen Zuspruchs erfreute, da dort billige Stiefel und Schuhe feilgeboten wurden, die Frau R. von Grossisten bezog. Nun waren bei der Polizeibehörde häufig Klagen von Personen eingegangen, die Stiefel der verschiedensten Art bei der Angeklagten gekauft hatten und dabei gründlich hineingefallen waren. Nach den Darstellungen der Beschwerdeführer sind die Stiefel, die als„gute, haltbare Lederstiefel" gekauft und allerdings zu sehr niedrigem Preise erstanden waren, in ganz kurzer Zeit entzwei gegangen. Das lag daran,� daß die Sohlen aus Pappe, mit einer ganz dünnen Lederschicht überzogen, bestanden. So kam es. daß in einem der zur Anklage gestellten Fälle die Sohlen sich lösten, als der glückliche Käufer damit ins Nasse getreten hatte, in einem andern Falle hielten die Stiefel gerade vier Nachmittage aus, in einem dritten Falle waren die verlangten„guten Kinder- tiefel" erst zweimal getragen, als schon die Sohle total herunter- gerissen war. Die Käufer waren teils von Frau R, teils von der Mitangeklagten Verkäuferin bedient worden; wenn sie mit den Schunostiefeln in das Geschäft zurückkehrten und ordnungsmäßige Besohlung bzw. Rücknahme der Stiefel verlangten, erzielten sie ent- weder gar keinen Erfolg oder hatten doch große Schwierigkeiten zu überwinden. In einem Falle war es sogar zu einem Zivil- Prozeß gekommen.— Die Angeklagte R. bestritt ihre Schuld und verwies darauf, daß sie die Stiefel doch von Grossisten gekauft habe und daß die Käufer sich doch selbst hätten sagen müssen, daß ie für die gezahlten geringen Preise unter den heutigen Verhältnissen unmöglich tadellose Stiefel voll auö Leder erhalten tonnten.— Das Gericht war der Meinung, daß sich beide An- geklagte des Betruges schuldig gemacht haben. Wenn ein auch noch so weltftemder Mensch in einem Geschäft gute, dauerhafte Stiefel verlangt, so befinde er sich in dem Glauben, daß er ein Fabrikat aus Leder bekommt, in welchem keine Pappe verarbeitet werden. Kein Mensch würde für ein solches Paar Stiefel auch nur den niedrigsten Preis gezahlt haben, wenn er gewußt hätte, daß die Sohlen in Wahrheit nicht aus Leder, sondern aus Pappe be- standen. Frau R., die als die Seele des Ganzen zu betrachten sei Unaufgeklärtes Drama in Köln. Montag morgen wurde der Direktor Walter von der Deutzer Gummifädenfabrik zu Köln- Deutz in seinem Bett ermordet auftesundcn. Seine Geliebte, eine Frau Menzel, lag in einer Blutlache ebenfalls tot vor seiner Lagerstätte. Tie näheren Umstände sind noch nicht aufgeklärt, doch glaubt man Anhaltsprunkte dafür zu haben, daß Frau Menzel die Mordtat vollführt und daraus Selbstmord verübt hat. Mord und Selbstmordversuch. In Hannover erschoß am Sonnabend ein Handlungsgehilfe eine Kontoristin und richtete die Waffe dann gegen sich selbst. Der Täter ist schwer verwundet und konnte noch nicht vernommen werden. Ueber die Gründe zu der Tat ist noch nichts bekannt. Feuer im Hamburger Hafen. In einem Speicher auf Stein- wärder bei Hamburg entstand am Montagmorgen ein Brand, der sich bald sehr ausdehnte und ziemlich bedeutenden Schaden an- richtete. Der Feuerwehr gelang es, das Feuer aus seinen Herd zu beschränken und die Gefahr von den bedrohten Nachbargebäudcn abzuwenden._ Parteiveranstaltungen. Wilmersdorf. Müiwoch, den 1k. August, abends'ftS Uhr. Mit. glicdcrvcrsammlung bei Schäfer, Branoenburgischestr. 69. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Ersatzwahlen zum Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Umständehalber findet die augerordent- Uche Generalversammlung des Wahlvereins erst am Donnerstag, den 17. d. M., abends 81/, Illir, im Lokal von Kubat, Parkstrage, Ecke Am Treptower Park, statt. Tagesordnung: ErgänzungSwahlen zum Vorstand, VcreinSangclcgenheitcn. Ilm unrechtmäßiges Einkassieren von Beiträgen zu verhindern, werden die lölluSkassicicr mit Auswcistarlcn versehen, welche neben der Unterschritt des Genossen Freigang den ovalen Vereinsftempel tragen. KarlShorst. Die WahIvereinSversammIung findet nicht am Mittwoch. sondern heule am Dienstag, abends 8'/, Uhr, im Fürsten- h a d statt._ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Diese Sitzungen sind Ssscnllich. Jever Eemeindeangchörige ist de- lechtigt, ihnen als Zuhörer deizuwohncn. Oberschönewcide. Heute, nachmittags S Uhr, in der Aula der Hindenburgjchule(Gymnasium). Schwimmsport. Am letzten Sonntag vcranstattelc der Ll r b e i t e r> S ch w i m m- oerein Berlin jcin diesjähriges Schwimmsest im Wellenbad Plötzenscc. Durch die Brudervereine des Kreises I zahlreich unterstützt, nahmen die Wcitkämpsc einen guten Verlaus und laiin man sagen, daß die Arbeiter- schwimmbcwegung aus dem besten Wege ist, milzuheljcn an der gesundheil- lichen Stärkung der Arbnlerschast. Nciultatc der Weltkämpsc: Damenschwimmcn: t. Langer, Weißensce, 1,40 Min. 2. Totes Rennen M. Schulz, Berlin III und Jasinski, Lichlcn- berg, 1,59 Min. 3. S. JasinSsi, Lichtenberg, 2 Min. Jugcndstasctle: 1. Weißensee 2,18'/, Min. 2. Berlin lV und Nculölln kl totes Rennen 3,22 Min. Münncritafette: 1. Weißcnsee 2,36'/, Min. 2. Köpenick 2,11 Min. 3. Lichtenberg 2.49'/, Min. Paddeln: 1. Knotbe, Weißcnsee 1,22 Min. 2. Artz, Oberschönewcide 1,28'/, Min. 3. Hamann, Potsdam 1,35 Min. Jugendrückenschwimmen: 1. Wutzki, Neukölln 1,22 Min. 2. Ramin, Weißen- see 1,32'/, Min. 3. Totes Rennen Mulack. Köpenick, und Lauckhardt, Neu- kölln 1,15 Min. Männerspringen: 1. B. Menschcl, Weißensce 16'/, Punkte, 2. Jänisch, Lichtenberg 15'/, Punkte. 3. MickmeliZ, Oberschönewcide 15 Pmiflc. Damenitafette: 1. ToteS Rennen, Neukölln l und Weißensee 2,31 Min. 2. Lichtenberg 2.10 Min. VereinSwehrkamps: 1. Potsdam 13 Punkte, 2. Oberschöncweide 7'/, Punkte. Hanptschwiminen: 1. Pelsier, Oberschöncweide 4,6 Min. 2 Selchow, Lichtenberg 4,27 Min. 3. Leibig, Tegel 4,35'/, Min. Knabenschwimmen: I.Müller, Berlin IN 6,48 Min. 2. Ncumann, Oberschöneweide 0,50 Min. 3. Lampe, Berlin IV 9,57'/, Min. Kleiderschwimmcn: 1. Bclz, Berlin III 3,11'/, Min. 2. Mulack, Köpenick 3,26 Min. 3. Knulh, Berlin IV 3.57 Min. Eingegangene Druckschriften. Tie Glocke. Sozialistische Wochenschrift Hest 20. Herausgeber: ParvuS. 20 Pf.— Verlag jür Soziaiwissenschast, München. Das Einmachen der Früchte und Gemüse. Von Frau Rose Stolle. IM.— W. Möller, Oranienburg. Bom lachende» Leben. Eine Auslese auZ F. Anders' Schrijtcn von W. Poeck. 29 S.— Fr. W. Grunow, Leipzig. Sriefkaften üer Reüaktion. Die luristische Sprechstunde findet für Abonnenten LinDenflr. 3, IV. Hol rechts, parterre, am Montag bis Freilag von 4 bis 7 Nor, am Sonnabend von b bis 6 Übt statt. Jeder(fit den Briet lasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Antragen, denen teme Abonnemcnlsauitlung beigcsfigt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Brrträg«, Schriststültc und bcrglrichen bringe mar i» b» Sprechstunde mtl. E. B. L. Wenden Sie sich direkt an die Vorsteher der einzelnen Küchen. Gcsteru ist die 5. Küche in der Markthalle am Alexandcrplatz er- öffnet worden, die 6. in der Markthalle Pückierstr. 31 wird am 21. Augnsl eröffnet.— 100. St. Landsturmpflichtig; nach Verletzungen oder Krank« heiten zurückgebliebene Schwäche eines größeren Gelenks oder chronische Gelenkerkiwnkungcn ohne Formocränderimgcn.—<£. 1. Nein.— Hopp. Wenden Sie sich mit einem Gesuch an baS zuständige Stellvertretende Gcneraltommando.— E. T. 100. Die Mutler hat Anspruch auf Kriegs- untcrstüdung. Der Antrag iit bei der zuständigen Steuerkasse zu stellen.— L. W. XI. 1. Der von Ihnen angegebene Grund erscheint jür eine Ehe- scheidung nicht hinreichend. 2. und 3 Nein.— Nt. H. 11. 1. Da Ihnen als Vater das ErzicbungZrecht zusteht, haben Sie darüber die Bestimmung zu treffen. 2. Auch dann steht Ihnen das Verfügungsrecht darüber zu.— Brauiischweig 1883. Wir halten es am zweckmäßigsten, wenn Sie per- sönlich mit dem Krankenkassenstatut in unsere juristische Sprechstunde nach- mittags von 1— 7 Uhr, Sonnabends von 5— 6 Uhr kommen würden. WettcrauSiichten für das mtttlcrc Norddeutschland bis Mittwoch mittag. Ziemlich warm und schwül, zeilwcise ausklarend, jedoch überwiegend bewölkt, strichweise Gewitterregen. Lekantwortficher ReSafte nr: Aljrctz Wictepp, Neulölln. Für de» Jnjeralenleil veranuo,: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlast Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer Sc&>* Berlin SW,