Zlr. 333.-33. Jahrg. klbsnnementz-IZeSZngungen: IlbonlismentZ- PrelZ pränuaieilMdo' Licn�jährl. L,g0 Mt, monotL 1,30 Ml, wöchcittlich 30 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer S Vfg. Sonnrags- Nummer mir illuftrierler Eonmags» Beilage.Tie Neue Weil" 10 Pjg. Pajt- Abonnement: 1,30 Mark vre Monat. Eingetragen in die Poil.Zeilungs- Vrcislijrc, Unter Kreuzband für Tenlichland und Oesterreich» Ungarn 3�0 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat, Poftabonnemeniz nehmen an Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxembisg. Portugal, »mnänien. Schweden und die Schweiz. krichewt lügNch. Verlinev Volksblstt. ( 5 PfennSa) Die InlertionS'Gcbüljr betrügt für die fechsgefpaltene Kolonel- zeils oder deren Raum 00 Pfg,, iirr dolitifche und gewertschaftliche Pereins- und Vcrsammlungs-Anzcigen 30 Pfg, »Mein« Anreisen", das fettgedruclie Wort 20 Pfg.(zuläWg 2 fettgedruckie Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellengesuche und Echlasstellenan- zeigen das crite Wort 10 Pfg,, jedes wciiereWortLPfg, Worte über lö Buch- flaben zählen für zwei Worte. Jnfcraie für die uächjte biummer mäßen bis » Uhr nachmittags in der Expeditw» abgegeben werden. Die Ervedition ist bis 7 Uhr abends geöfstiel. Telegramm-Adresf e: »Zssislseillslifsl Bcrlla". Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Dcutfcblands. Neüaktjon: EW. HS, Liuüsnstrasze Z. «serufprecher: Zlint Moritzpittv, Rr. 1S1SO— ISIS?, öer Schwelle des üriaen Kriegsjahres. Ein ungehaltener Vortrag von Ed. Be r n st e in. II-*) Nicht vor Sonnenaufgang, vor einem Sonnenuntergang sahen sich nun die Völker Europas. Das Tageslicht des Friedens begann zu sinken. Die Note Ocsterreich-llngarns an Serbien vom 23. Juli 1914 stellte eine Reihe von Forde- rangen an das kleine Nachbarland, für die sie bedingnngsloie Annahme innerhalb 48 Stunden verlangte� lieber die Natur und Berechtigung der Forderungen will ich mich hier nicht äußern. Es genügt, daran zu erinnern, welchen Eindruck chie Note machte. Ein Aufruf des Parteivorstandes der Sozial- demokratie Deutschlands vom 25. Juli forderte die Genossen im Lande auf, sofort in Massenversammlungen den„nner- schütterlichen Friedenswillen des klassenbewußten Proleta- riats" zum Ausdruck zu bringen. Dieses fordere gebieterisch von der deutschen Regierung, daß sie ihren Einfluß zur Aufrechterhaltung des Friedens ausnbe und, falls es doch zum Kriege komme, sich jeder kriegerischen Einmischimg enthalte. Noch schärfer drückten sich die Preßorgane der Sogialdemo- kratie aus, und m den nun allerorts verrmstcrlteten Protest- Versammlungen fand der Airftms des Parteivorstandes bei den Rednern wie bei den sich drängenden Arbeitern lebhaften Widerhall. Aber Worte, so wuchtig sie auch klingen mochten, konnten das Verhängnis nicht aufhalten. Ter Note folgte am 22. Juli der diplomatische Bruch Ocfterreich-llngarns mit Serbien und diesem am 28. Juli die Kriegserklärung. Sie wurde von Rußland mit der Mobilmachung beantwortet, die von Oesterreich-Ungarn nicht unenoidert blieb. Am 31. Juli fordert Deutschland in einem Ultimatum an Rußland von die'em Entmobilisiernug und erklärt ihm, als es in der ge- stellten Frist keine Antwort erhält, am 1. August den Krieg. Am 2. August wird Luxemburg von deutschen Truppen be- setzt, an Belgien ein Ultimatum gerichtet, das für die deutschen Truppen freien Durchmarsch verlangt, am 3. August an Frankreich, das auf eine Anfrage über seine Stellungnahme eine bindende Antwort verweigert hatte, der Krieg erklärt. Am 4. Anguft morgens rücken deutsche Truppen entgegen der Weigerung Belgiens in belgisches Gebiet ein, und am 4. August abends erklärt England, da Deutschland die vou diesem geforderte Rücknahme des Vorgehens gegen Belgien ablehnen zu müsseu erklärt, sich mit Deutschland im Krieg. Der seitdem mrf andere Kontinente ausgedehnte europäische Krieg war da. lieber die Frage, welche von den Mächtegruppen die Schuld oder Hauptschuld au ihm trägt, wird noch heute so heftig gestritten, als am ersten Tage. � Und nicht mit Unrecht. Kriege sind kerne NaturerÄgn'rffe, die ohne bewußtes Ein- greifen der Menschen eintreten. Mögen sie noch so sehr durch bestimmte soziale und politische Zusammenhänge sachlich auf die Tagesordmmg gesetzt sein, immer bedarf es der Tat be- wüßt handelnder Menschen, bis sie zur Tatsache werden. So ist es verständlich, daß sich bei ihnen die Frage einstellt, wo die Verantwortung für die entsckieidende Tat liegt, wer sie be- gangen und wer sie verursacht hat. Von der Beantwortung dieser Frage wird nicht nur die Stellungnahme zu ihnen, sondern auch das Urteil über-die Kriegsziele bestimmt werden. So hat in unser em Fall Herr von Bethmann Hollweg wieder- holt bei Erklärungen über seine mutmaßlichen Friedensfordc- rungen auf Vorgänge bei Kriegsbeginn zurückgegriffen, das gleiche ist von feiten der Staatsmänner der Gegenseite ge- schehen, und ebenso begründen die Sozialisten Frankreichs wie auch andere ihre Haltung im Kriege mit Hinweisen auf dessen Herbeiführung. Die Frage hat also durchaus mif ernsthafte Prüftmg Anspruch. Gründe verschiedener Art veranlassen mich jedoch, sie nicht bei dieser Gelegercheit zu unterfuchen. Wer sich über sie zu unterrichten sucht, findet unter anderem ein reiches Material in den Weiß-, Blau-, Gelb- und so weiter Büchern der ver- schiedenen Regierungen über den Krieg. Gewiß sagen die einzelnen Regierungen darin nicht alles, was gesagt werden müßte, jede sucht natürlich ihre Sache so günstig wie nur mög- lich hinzustellen und verschweigt manches, was das Bild anders gestalten könnte. Aber jede kontrolliert auch bis zu einem gewissen Grade die andere, und so kann der Leser, der diese vom Verlag des„Vorwärts" in handlichem Format Herems- gegebenen Dokumente mit kritischem Auge liest und vergleicht, doch sich ein Urteil bilden, das mindestens die Wahrschein- lichkcit für sich hat, das Richtige zu treffen. Es würde sich übrigens vielleicht auch empfehlen, daß der Verlag des„Vorwärts" den Abschnitt„Das Deutsche Reich und der Weltkrieg" des neuesten Bandes seines Jnternatio- nalen Jahrbuchs für Politik und Arbeiterbewegung, soweit er die Vorgänge bis zum 4. August 1914 einschließlich behau- delt, in Sonderausgabe veröffentlichte. Dort werden näm- lich die wichtigsten Noten und Berichte aller Regierungen der Zeitfolge nach gewissermaßen Tag für Tag gegeben, und das erleichtert natürlich die Vergleichung ungemein. Soweit die Zeit bis zur Reichstagssitzung vom 4. August 1914 in Betracht kommt, ist meines Erachtens die Zusammenstellung dieses •) Siehe Nr. 222 des„Vorwärts". Donnerstag, den 17. August 1916. Jahrbuchs die beste, sachlichste Arbeit über diese Verhängnis- vollen Tage, die in deutscher Sprache bisher erschienen ist. Bei dieser Gelegenheit kann ich eine beiläufige Bemer- kuug uicht miterdcückeu. Die vorerwähnten tüplomatrschen Dokumeute sind natürlich auch in anderen Ländern veröffent- licht worden. Aber während sie zum Beispiel in den Ver- einigten Staaten von Amerika in Hunderttausenden von Eremplareu Verbreitung geftmden haben, sind sie bei uns, die sie doch direkt angehen, alles in allem in kaum ebensoviel. Zchntausenden abgesetzt worden. Das stellt dem politischen Sinn unseres Volkes kein sehr hohes Zeugnis aus. Während man bei uns sich begnügt, über eisen politischen Vorgang zu lesen, will der Amerikaner, der freilich durch die alle vier Jahre stattfindenden Präsidentemvahlen daran gewöhnt ist, daß die großen Fragen der Polftik der Republik unmittelbar dem Volk zur Entscheidung unterbreitet werden, soweit dies irgend möglich ist, die Akten selbst sehen. Und das ist sicher das Richtige._(z) Unterftaatsfekretär Zimmermann öementiert öeutsche Zcieöensverbanölungen Haag, 12. August.(T. U.) Der„DailyTelegraP h" meldet aus New Jork vom Freitag: Dem Berliner Korrespondenten der„New Jork Times" ist erlaubt worden, nach Amerika zu berichten, daß in Deutschland die Meinung Geltung habe, die Zeit für den Frieden sei noch nicht gekommen. Herr Unter- staatssckretär Zimmermann habe im Namen des Aus- wärtigen Amts den Korrespondenten ermächtigt, alle Nachrichten, das; irgendwie über den Frieden verhandelt werde, zu dementieren. Herr Zimmermann sagte danach: Die Entente gebe sich der Illusion hin, daß sich ihre Aussichten nach den gegenwärtigen Offensiven verbesserten. Aber die WrlheKnstraße ist überzeugt, daß die eiserne Mauer im Westen nicht durchbrochen werden kann und daß neue Erfolge im Osten zu erwarten sind. Wir müssen abwarten, sagte.Herr Zimmermann, bis die Illusion der Entente verflogen ist, und glücklicherweise sind wir bis dahin in jeder Beziehung vorbereitet. Me ausgezeich- nete Ernte, die wir hatten, wird selbst die Engländer über- zeugen, daß die Hungerblockade keinen Erfolg hat. Herr Zimmermann sagte weiter, daß die Feinde Deutschlands für das furchtbare gegenwärtige Blutvergießen verantwortlich zu machen seien, da England nnveruüllstigerweise den Krieg ausdehne, indem es eine Hungerblockade versuchte. Auf die Frage, ob er glaube, daß England alle seine Reserven in die gegenwärtige Offensive gebracht habe, antwortete Herr Zim- mermann: Gewiß, und wir glauben, daß das ganze Gerede über weitere Millionen lediglich Geschwätz ist. England hat seine Verbündeten stets zur Schlachtbank geführt, aber die englischen Verluste sind nun derart, daß sie die englischen Ans- sichten über die Fortführung des Krieges etwas mäßigen werden. Engiisthe Mlehnung öer Kriegsziele öes deutschen Aatwnalausschujses. „Manchester Guardian" bcichüfligt sich in seinem Leit- artikcl vom 4. August mit H a r n a ck s Rede: G-i ist unmöglich, von frieden zu sprechen, solange Deutschland von Annexionen und Eni- schädignngen spricht. Das ist nicht bloß das überhebende Gerede der Exlremcn, wie die Rede Harnacks, der zu den Gemäßigten ge- hört, beweist. Auch er sagt seinen Hörern, daß der Krieg nicht mit dem Status guo ante enden kann. Belgien darf nicht von England abhängig sein. Das bedeutet, genau genommen, nichts. Aber Aeußerungen solcher Art werden oft mit Absicht gebraucht. Und die einzige Absicht, die man hier entnehmen kann, ist, daß es Belgien nicht gestattet sein soll, sich selbst zu be- schützen, sondern daß es für Deutschland eine Straße an das Meer oder nach Frankreich binein bleiben soll. Die wirkliche Gebiets- crweiterung soll im Osten erfolgen und eS steht ganz im Einklang mit der Anficht eines deutschen Staatsmannes über einen„ehrenvollen" Frieden, wenn Harnack Rußland die Möglichkeit einer Entschädigung im Osten anbietet, das heißt natürlich auf Kosten von Deutsch- lands Verbündeten. Weder Rußland noch die Wcstmächte haben zu diesem Vorschlage etwas zu sagen. Wir werden es nicht ruhig hin- nehmen, daß Polen und die Baltischen Probinzen mit über zehn Millionen Einwohnern dazu benutzt werden, Deutschlands Zwangs« Heere aufzufüllen und ihm zu ermöglichen, mit verdoppelter Krast über das, was von Europa übrig bleibt, herzufallen. Wir werden, solange wir Schisse und Männer haben, nicht gestatten, daß, sei es durch Waffen oder unter dem Namen eines Bündnisses, der Balkan und die Türkei von Deutschland annektiert werden. Die rumänischen Sozialiften gegen öie Kriegshetzer. Bukarest, 16. August.(W. T. B.) Die Sozialisten hielten gestern eine öffentliche Versammlung ab, in der sie gegen die kriegerischen Absichten der Föderalisten Verwahrung einlegten und die Regierung aufforderten, Maßnahmen gegen die Teuerung zu ergreifen.— Das Moratorium für ausländische Forderungen ist um vier Monate verlängert. Expcöition: SW. HS, Änöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 97. .................................................................. �sqmth für öas KrauenVahlrecht. Rotterdam, 16. August.(W. T. B.)„Nieuwe Rotter- dcuufehe Corwant" meldet: Am Montag hat Asquith im Unterhaus mitgeteilt, daß er seine persönlichen Ansichten über das FraneniUtchlrecht, dessen Gegner er früher war, ge- ändert habe.„Daily News" erfährt dazu aus guter Quelle, daß diese Erklärung eine Aenderung der Politik des Premier- Ministers ankündige. Das Blatt schreibt, Asquith habe im Kabinett erklärt, daß im Falle einer Wahlreform auch die Frauen das Wahlrecht bekommen müßten. Die Lage öe? Arbeiter nach öem Kriege. In der„Daily News" entwirft der bekannte englische Sozialpolitiker Sidney W e b b, laut der„Franks. Ztg." ein äußerst dunkles Bild von der Lage der Arbeiter nach dem Kriege. Er führt darin aus, daß jeder Versuch, die Löhne nach dem Kriege herabzusetzen, einen äußerst starken Wide r- st and erfahren werde, da die Lebensmittelpreise nach dem Kriege keineswegs wieder eine nennenswerte Verminderung erfahren würden. Die Frachten würden hoch bleiben, da der größte Teil der Schiffe fehle und Rohmaterial von den Zentral- mächten verlangt würde. Wollene Kleidung bliebe teuer. Fleisch und Milch könnten eventuell bis zu Hungerpreisen getrieben werden, ivenn erst Deutschland daran gehe, seine abgcschlach- teteu Rindviehherden wieder herzustellen und der amerikanische Fseischtrusl wieder die Gefrierschiffe in den.Händen halte. Brot werde kaum um mehr als um 1 oder 2 Pence fallen und niemals mehr ans den billigen Preis vou 4 Pence her- untergehen, lind die hohen Abgaben für Zucker, Tee und Petroleum könnten auch nicht abgeschafft werden. Der offizielle Bericht über die Einstellung von Arbeitern in der Landwirtschaft spreche von Arbeitermangel und rate geradezu an, daß man landwirtschaftliche Arbeiter zwingen solle, zu den früheren ungenügenden Löhnen zu arbeiten. Am schlimmsten denkt sich Sidney Wcbb die ftnauziellc Lage der Arbeiter, wenn erst nach dem Krieg die Ueberstuuden hinwegfiolcn, und Greise und Kinder, Sie jetzt durch ihre Arbeit eilten nennenstverten Betrag zustenerten, nicht mehr, wie bisher, beschäftigt werden könnten. Andererseits hätten die Metallarbeiter niit großer Selbstverleugnung ihre Gewerkschaftsregel« aufgegeben und die Regierung habe„sich schwarz im Gesicht" geschworen, daß alle diese Aufopferungen der Metallarbeiter später wieder gut gemacht werden und die allen GewerkschastSregeln wieder in Kraft treten sollten. Die Arbeitgeber lachten jedoch geradezu über derartige Versprechungen, und mallsten absolut kein Geheimnis daraus, daß sie später jede Einmischung in ihre Fabriken perbieten würden und alle Vorteile, die der Krieg gebracht habe, nunmehr auch nach dem Kriege festhalten ivollten. Sidney Webb sieht als einziges Mittel, dem zu steuern, daß den G e iv e r t s ch a f t e n Rechte gegeben und die Arbeitgeber gezwungen würden, die Gelocrksch asten als Organisationen durch- aus anzli er kennen._ Hegen öen Protektionismus! Unter diejer Ueverfchrift veröMntliäst der„Avanti" an hervorragender Stelle einen Appell an die Sektionen und die Parteiorgane� der italienischen Sozialdemokratie, der offenbar eine offiziöse Auslassung und Wilienskiiiidgebung der Parteileitung darstellt. Der Aufruf knüpft an die Diskussion über die Pariser Wirtschaftsion- ferenz, die vor kurzem in den Spalten des„Avanti" zum Anstrag kam und bezeichnet sie als die Antwort der Partei auf die Ankündigung des Wirtschaftskrieges nach dem Fric- densschluß. Die Diskussion sei zioar erschöpft, indessen sei es gut, nochmals daran zu erinnern, daß die Partei stets für den Freihandel eingetreten sei, wofür die voin National- k o n g r e ß in A u c o n a(26.— 29. April 1914) angenommene Resolution der beste Beweis sei. Diese Tagesordnung betont in entschiedenster Weise die Gefahren der protektionlstischen Politik, die eine Anhäufung der Konfliktsstoffe zwischen den Nationen im Gefolge habe, weist darauf hin, daß die Schutz- zöllst eine Bevorzugung der Arbeitgeber zuungunsten der arbeitenden Bevölkerung bedeuten und fordert die Partei auf, in Anbetracht der bevorstehenden Erneuerung der Hau- delsvcrträge alle Kräfte anzuspannen, um die Pläne der kapi- talistischen Kreise zu vereiteln und einen möglichst schnellen Abbau der Zölle herbeizuführen. Zu diesem Zweck solle im Lande eine Agitation organisiert und nötigenfalls die Hilfe des Internationalen Sozialistischen Bureaus angerufen werden. Heute nun, fährt der„Avanti" fort, sei das Pro- blem viel ernster und drohender als in jenen Tagen. Heute ist das längst Vorausgesehene und Gefürchtete Wahrheit ge- worden, und die Zukunft enthält neue furchtbare Drohungen. Solange die einzelnen Nationen oder Völkergruppen den Handelsverkehr durch Errichtung von Zollschranken zu hemmen suchen, muß in der Welt Haß, Groll und Zwietracht herrschen, Gefühle, die immer wieder zum Anlaß neuer Kriege werden. Das ist ein Problem, dessen Schwere kein Sozialist verkennen kann. Unsere Sektionen werden daher gut tun, sich ernstlich und methodisch damit zu beschäftigen. Daher sollen sie es nach den Werken und Aufsätzen, die in der sozialistischen Presse erschienen sind, studieren, um auch die Genossen dauernd darüber auf dem laufenden zu halten. Die so erworbenen « Kenntnisse müssen sodann im Proletariat verbreitet und in Versammlungen, Diskussionen, Konferenzen erörtert und weitergegeben werden, damit die Arbeiterklasse bereit sei für das Morgen, jenes Morgen, das die herrschenden Klassen ebenso gestalten wollen wie das Gestern, jene goldene Zeit, die sie in vollen Zügen genossen haben. Das Proletariat, das manche für unfähig halten, diese Probleme zu verstehen, wird, wenn es durch die sozialistische Schule hindurchgegangen ist, die hohe Bedeutung dieser Frage vollauf würdigen. Es ist daher eine dringende Pflicht der Partei, die Arbeiter schon jetzt dazu aufzufordern, ihre Stimme zu erheben und ihrer Meinung Ausdruck zu geben. Das Problem des Zustandes nach dem Kriege, schließt der Artikel, dessen Lösung bereits in den geheimen Konvcntikeln und diplomatischen Konferenzen heranreift, muß in die Oeffentlichkeit hinausgetragen und vor der Arbeiterklasse an- hängig gemacht werden, die die große Mehrheit der Bevölke- rung bildet und die danach streben muß, daß i h r Interesse triumphiere über das der wenigen Privilegierten.(z) Der französische Tagesbericht. Paris, IL. August. sMeldung des Reuterschen Bureaus.) Amtlicher Bericht aus Chengchiatung: 9 japanische Soldaten, ein Zivilist und ein Polizeibeamter wurden getötet, 7 japanische Soldaten verwundet. Die chinesischen Verluste werden auf 59 Mann geschätzt. Der Kampf dauerte bis in die Nacht vom 13. auf den 14. August fort. Als der Gouverneur von dem Vorfall erfuhr, befahl er den Chinesen, sofort mit dem Feuern aufzuhören; er besuchte den japanischen Konsul und sprach chm sein tiefstes Bedauern aus._ politische Uebersicht. Xit Kriegszicle der„wirtschaftsfricdlichen" Arbeiter« verbände. Der Hauptansschuß der nationalen Arbeiter- und Berufsverbände Deutschlands hat am 19. Juni eine Eingabe an den Reichskanzler gesandt, die nun in seinem Organ«Der Werkverein" veröffentlicht ist. Die„Deutsche Tageszeitung" gibt den Hauptinhalt dieser Eingabe wieder, ohne sich freilich in allen Einzelheiten mit ihr zu solidarisieren, und empfiehlt sie vorwiegend der Beachtung der weitesten Oeffent- «chkeit als ein»eindrucksvolles Zeugnis für die politische Reife und Klarheit", die in den vom Hauptausschuß vec- tretenen Arbeiter- und Angestelltengruppen vorhanden sei. Auch wir empfehlen die Darlegungen der„Wirtschaftsfriedlichen", von denen die„Kreuzzeitung" nicht ohne Berechtigung sagen kann, in ähnlichem Sinne hätten sich jüngst„hervorragende" Führer der freigewerkschaftlichen Arbeiter geäußert, als charakteristisches Bei- spiel dafür, wie die imperialistische Denkweise, ergänzt durch die spezifische Ideologie unserer„unentwegten" Annexionspolitiken den Arbeitern und Angestellten eingeimpft wird. Der Hauptausschuh stellt, nach J>er„Deutschen Tageszeitung", fest, daß nach dem Kriege eine erhebliche Verteuerung eintreten müsse, weil der Krieg uns eine ungeheure Schuldenlast aufge- bürdet habe. Es taucht die erschreckende Erkenntnis auf, daß wir mit einer Erhöhung der Steuern um ungefähr drei Milliar- den Mark zu rechnen haben. Es sei gar nicht möglich, die neuen Steuern auf den Besitz zu legen. Eine Ueberspannung in dieser Beziehung hätte die verhängnisvollsten Folgen gerade für die Arbeiterschaft. Und nun werden die Grenzen für die Be- stcuerung des näheren umschrieben. Das mobile Kapital dürfe nicht zu stark gefaßt werden, sonst wandere es aus. Die Industrie dürfe nicht zu stark belastet werden, sonst schränke sie die Betriebe ein und die Folgen seien Arbciterentlassungen und Herabsinken der Löhne. Die Belastung des landwirtschaftlichen Bodens finde ebenfalls ihre Grenze; eine zu hohe Belastung würde in ihren Wirkungen voll auf die Arbeiter zurückfallen. Eine zu hohe Steuerbelastung des städtischen Grundbesitzes hätte die gleiche Wirkung durch entsprechende Steigerung der Mieten. Wenn so die Besteuerung des Besitzes ihre natürlichen Grenzen findet, so müsse der Rest durch Besteuerung der Arbeit, durch indirekte Steuern, durch Belastung des Verbrauchs aufgebracht werden. Eine solche Belastung bedeute aber: Rückschraubung der Lebens- baltung und Kulturentwicklung der Arbeiter. Um dem vorzu- beugen, gebe es nur ein Mittel:„Wir müssen unseren Sicgeswillen durchsetzen, so daß wir eben diese drei Milliarden Kriegstribut, die uns entkräften sollen, nicht selbst zu tragen haben, sondern wie es sich gehört nach Kriegsbrauch, u n- s e r e Gegner." Zur Begründung dieses Standpunktes stellt der Hauptausschuß folgende reizvolle Kriegstheorie auf. Der Krieg, gedacht und durchgeführt als Wirtschaftskrieg, solle die deutsche Industrie vom Weltmarkt verdrängen. „Der Krieg richtet sich aber nicht gegen das deutsche Kapital, dieses arbeitet in England und seinen Kolonien ebenso wie englisches Kapital in Deutschland. Der Kampf geht auch nicht gegen den deutschen Ingenieur und kaufmännischen Angestellten; die haben Engländer angeworben, gut bezahlt und für sich nutzbar gemacht.— Der Kampf geht gegen etwas, das man nicht nach England holen konnte. Gegen diedeutsche Arbeit, und damit gegen den deutschen Arbeiter." Diese Erklärung, die für die Erforschung der Kriegsursachen ungeahnte Perspektiven eröffnet, wird der oben dargelegten For- derung des Hauptausschusses zugrunde gelegt. Daran knüpft sich logischerweise eine weitere Forderung ganz im Sinne unserer „Unentwegten" aus dem Lager der alldeutschen Annexionisten: „Das Interesse des Arbeiter st andes mehr als das aller anderen Stände verlangt, daß wir gerade im gegenwärtigen Augenblick der Kriegführung nicht schwach werden und uns diejenige Zukunft in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht aus den Händen gleiten lassen, die wir mit so gewaltigen Opfern militärisch schon erkämpft haben. Verhängnisvoll wäre es für des Reiches und des Volkes Zukunft, wenn wir uns zu einem unfruchtbaren Frieden ver- leiten lassen würden, weil der Lebensmittelmangel und die hohen Preise uns drückend geworden sind.... Wir würden un- sere ganze Zukunft und die Zukunft unserer Kinder preisgegeben haben für ein Nichts, für einen Irrtum, nicht einmal für ein Linsengericht, sondern für einen leeren Teller." Schließlich wird in dieser Darlegung ausgeführt, daß alle deutschen Arbeiterorganisationen sich zu einer gemeinschaft- l i ch e n Stellungnahme verbinden müßten, um den Wahn des feindlichen Auslandes zu beseitigen, daß die Stellungnahme der Sso zialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft für d.. Stimmung der deutschen Arbeiterschaft bezeichnend sei. Die„Deutsche Tageszeitung" bemerkt hierzu, daß eine solche gemeinsame Kundgebung kaum zustande kommen dürfte. Diieser Zweifel macht dem Scharfiinn des Blattes alle Ehre. Denn trotz aller Bestrebungen, die deutsche Arbeiterklasse vor den Wagen des Imperialismus zu spannen, müßte es der klassenbewußte Teil des deutschen Proletariats nach wie vor als eine Ver- höhnung seiner Weltanschauung betrachten, wenn ihm zugemutet würde, an Kundgebungen teilzunehmen, die auch nur im entferntesten den Darlegungen des Ausschusses der natio- nalen Arbeiterverbände entsprächen. Beamtentum und Krie�stenernng. Die in Berlin erscheinende„Preußische Schutzmanns- z e i t u n g"(Nr. 33) wendet sich in einem scharfen Artikel gegen den„Wucher auf Kosten der Nation". Sie meint, die guten Absichten der Regierung scheiterten an dem Eigennutz der Menschen und stellt fest; .Heut« ist thr die Hydra Kapital über den Kopf gewachsen. Sie findet es, in Anbetracht der lang- jährigen liebung, ganz selbstverständlich, daß sich Millionen Menschen unter schwersten Entbehrungen ohne nennenswerte Ent- schädigung, ja selbst unter größten Opfern, zu ihrem Schutze allen erdenklichen Gefahren aussetzen und ihr Höchstes hingeben, w ä h- rend ihr mühelos die Früchte dieser schweren Entbehrungen und Opfer in den unersättlichen Bauch wandern. Wenn es die LebenSmittelwuchercr auch nicht offen aussprechen, so beweist doch die Erfahrung und ihr Handeln, daß sie nicht davor zurückschrecken, die unentbehrlichsten Lebens- mittel verderben zu lassen, wenn sie beim Verkauf nicht jenen Ge- winn erzielen, ddr ihrer Profitwut entspricht. Ihnen ist es nicht darum zu tun, das Volk mit Lebensmitteln zu versorgen, s o n- dern an der Versorgung möglichst viel zu ver- diene n." Das sind bei einer„Preußischen Schutzmannszeitung" immer- hin ganz achtbare Erkenntnisse des Wesens der kapitalistischen Wirt- schaftsordnung. Das Blatt meint im Einklang mit dem in Dort- mund erscheinenden„Berufsfeuerwehrman n", es sei be- dauerlich, daß Regierungsvertreter so lange den falschen Standpunkt vertreten hätten, Preissteigerungen seien der beste Regulator im Verbrauch des Vorhandenen.„Gerade diese auf den Schutz der Besitzenden zugeschnittene, der Ansammlung von Kapital dienende Theorie hat die berüchtigten Teuerungen gbrackt." Von dem„entarteten Kapital und den entarteten Produzenten" Wird gesagt: „Nur auf Gewinn bedacht, ist ihnen jede andere Rücksicht als die auf den eigenen Geldbeutel fremd, und nur strengste Kontrolle kann sie zur Pflichterfüllung bewegen." In derselben Nummer der„Schutzmannszeitung" wird aus einer Berliner Tageszeitung der Nachweis eines seit achtzehn Jahren im Dienste befindlichen Eisenbahnbeamten abgedruckt, daß er mit einem Jahreseinkommen von 2199 M. nicht auszukommen wisse. Der Mann schreibt u. a.: „Seit fünf Tagen muß ich mit trockenem Brot meinen Dienst verrichten. Gute Wurst darf ich mir nicht leisten. Kochwurst kann ich nicht mitnehmen. Sie ist gewöhnlich schon sauer, wenn die Frau damit nach Hause kommt. Dieses Leben ist meinem Dienst nicht zuträglich. Wenn wir keine Teuerungszulage bekommen sollen, dann wäre es doch Pflicht des Staates, dafür zu sorgen, daß der Wucher aufhört und wir die Ware zu einem angemessenen Preise erlangen." So berechtigte Klagen werden also bei einem Einkommen von 2199 M. laut. Was fangen wohl die vielen hunderttausende städtischer Familien an, die die Hälfte oder noch weniger zu verzehren haben? Es ist unbegreiflich, daß es noch immer Leute gibt, die eisenstirnig die Entbehrungen des Volkes leugnen. Tie Arbeitsmethoden der„Drei Deutschen". Von einem fortschriltlichen Landtagsabgeordneten ist dem„Berl. Tageblatt" folgendes ihm zugestellte Schreiben übermittelt worden, das offenbar irrtümlich an seine Adresse gerichtet wurde: „Streng vertrauliche Mitteilung aus dem Sachsen- Wälde, die nach Kenntnisnahme zu verbrennen ist. Verebrter Kampfgenosse! Als Postpaket erhalten Sie von einem Ihnen unbekannten Ab- senner eine Partie nationaler Denkschriften. Wir bitten Sie, dieselben am Tage des Empfanges aus dem beiliegenden Be- trag mit je 5 Pf. zu frankieren und die Exemplare zu verschiedenen Stunden in verschiedenen Postämtern und Briefkästen Ihrer Stadt in kleinen Partien aufgeben zu lassen.— Indem wir annehmen, daß sie sich dieser Arbeit, die zum Wohle des Vaterlandes geschieht, freudig unterziehen, verbleiben wir mit deutschem Gruß und Handschlag Drei Deutsche." Die Geldgeber der ominösen„Drei Deutschen" lasse» sich die Vertretung ihrer Profitinteressen immerhin was kosten. das tägliche örot. Herunter mit den Kartoffelpreise«! Noch immer rührt sich das KriegsernährungZamt nicht, um die Mißstände auf dem Kartoffelmarlt zu beseitigen, die es durch seine viel zu hohen Preisfestsetzungen hervorgerufen hat. In seinen „Mitteilungen" vertröstet das Kriegsernährungsamt damit, daß die trockene Wilrerung ein weiteres Verfaulen der zu viel angelieferten Kartoffeln verhindern werde und schließlich der entstandene Schaden gar nicht so groß sei, es handele sich, an der Gesamt- menge der Kartoffelernte gerechnet, doch nur um„einen ver- schwindenden Teilbetrag". Beweise, daß der Schaden nur verschwindend klein sei, bringt das K. E. A. nicht, wohl aber melden zahlreiche Gemeinden große Verluste an und bei der Knappheit an Nahrungsmitteln ist eben jeder solcher Verlust eine Schädigung der Bevölkerung. Auf jeden Fall aber hätte das K. E. A. sich doch nun endlich über« zeugen müssen, daß die von ihm für August und September fest- gesetzten Höchstpreise zu hoch sind, zumal die Ernteerträge in diesem Jahre ohnehin schon den Landwirten großen Gewinn sichern. Der fortschrittliche Rcichstagsabgeordnete Dr. Mendorfs, der selbst Gutsbesitzer ist, vertritt im„Berliner Tageblatt" vom 15. d. M. dieselbe Ansicht; er tadelt die zu langsame Abminderung des Frühkartoffelpreiscs auf den Winterpreis,„der seinerseits mit 4 M. für den Erzeuger weit über dem.durchschnittlichen Friedens« preise liege und noch den vorjährigen Kriegspreis um etwa 5 0 P r o z. L b e r st e i g t." Selbstverständlich nimmt die„Deutsche Tageszeitung" sofort Herrn von Balocki in Schutz und führt für den hohen Winter- preis der Kartoffeln Gründe an, die in schroffem Widerspruch zu den Grundsätzen stehen, die bei einer nicht wucherischen Preisbildung matzgebend sein dürfen. Die„Deutsche Tagesztg." wagt nicht etwa zu behaupten, daß der hohe Winterpreis der Kartoffeln mit 4 M. durch die Produktionskosten der Kartoffeln bedingt sei, sondern sie stellt den Grundsatz auf:„Durch den Wegfall der großen Futtermitteleinfuhr ist der tatsächliche Wert der Kartoffeln für die ländlichen Wirtschaften außerordentlich gestiegen. Da haben wir wieder das alte Geschäftsprinzip: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Weil es jetzt weniger Futtermittel als im Frieden gibt,„muß" die Bevölkerung die Kartoffeln teurer bezahlen. Mit Verlaub— das haben bisher nur die N» h r u n g s- m i t t e l w u ch c r e r als„berechtigten" Grundsatz aufgestellt, wenn der Einkaufspreis einer Ware stieg, haben sie schleunigst den Verkaufspreis der Vorräte, auch wenn sie sie weit billiger eingekauft hatten, in die Höhe geschraubt. Gegen diesen Wucher der Händler hat das Reichsgericht vor einigen Monaten ein jetzt bei allen solchen Wucherprozesscn maßgebendes Urteil gefällt und erklärt, daß dies unerlaubte Preistreiberei sei! Und dasselbe Recht gilt auch für den Produzenten I Nicht danach darf sich der Preis der Kartoffeln richten, daß andere Futtermittel teurer sind, sondern allein die P r o d u k t i o s k o st e n der Kartoffeln dürfen für den Preis der Kartoffeln maßgebend sein. Die„Deutsche Tageszeitung" aber meint,„ein Preis, der dieser Wertsteigerung(infolge des Wegfalls der Futtermitteleinfuhr) keine Rechnung trüge, wäre unnatürlich". Es ist ein alter Witz, nur das, was einem nützlich ist, als natürlich zu bezeichnen. j Einschränkung deS TchweinefleischgenusseS. Erneute Verhandlungen zwischen den Zentralstellen für die Fleischversorgung von Heer und Volk haben, wie offiziös verlautet, ergeben, daß zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Heeres diesem eine bestimmte Menge Schweinefleisch sofort gesichert wer- den muß. An der irgend zulässigen Sparsamkeit fehlt es rncht, da bei der Heeresverwaltung vollstes Verständnis für die Bedürfnisse und Kriegsnöte der Zivilbevölkerung herrscht. Aber wie die Ver- hältnisse jetzt liegen, kann der Zivilbevölkerung in den nächsten Wochen eine noch stärkere Einschränkung in dem Verbrauch von Schweinefleisch nicht erspart werden. Dr. Heim gegen das KriegsernährungZamt. Der bayerische Bauernbündler Dr. Heim setzt seine Angriffe gegen das Kriegsernährnngsamt fort. In seiner Zuschrift an das „Berliner Tageblatt" kritisiert er die Preisordraxng für Brotgetreide, Gerste und Hafer. Diese Preisordnnng hält er für völlig geeignet, eine Stockung in der Versorgung mit Brotgetreide hervorzurufen. Dr. Heim sagt dann noch:„Die schädlichen Folgen der Preisordnung im vergangenen Fahre mit ihrem Anreiz, Brotgetreide zu verfüttern und Gerste und Hafer restlos zu verkaufen, ist auch in diesem Jahre wieder konserviert, trotz Kriegsernährnngsamt." Lebendiger Käse. Eine öffentliche Käseverstcigerung nahm gestern in Oberschöne- weide einen für die erschienenen Kauflustigen unerwarteten Perlauf Im Keller eines Schulhouses in Oberschöncweide lagerten seit längerer Zeit 189 Brode dänischen und holländischen Käses. Wie es heißt, bestanden über den Fettgehalt dieser Ware Meinnngsvtr- schiedenheiten. Einige gaben ihn auf 49 Proz., andere nur auf 89 Proz. an. Es lam darüber wohl zu einem Zivilstreit, der längere Zeit in Anspruch nahm. Nun sollte man meinen, es hätte vor allen Dingen bei der herrschenden Knappheit an Nahrungsmitteln dafür gesorgt werden müssen, daßdieWare. um die sich der Streit drehte, vor dem Verderben geschützt werde. Ließ sich das nicht durchführen, so hätte der Käse rechtzeitig unter die Bevölkerung zum Verbranch gebracht werden müssen, ohne Rücksicht auf den Rechtsstreit und seinen Ausgang. Verderben lasten durfte man eine solche Menge von NahlungSmitteln, die einen Wert von mehreren tausend Mark hatten, unter keinen Umständen. Daß sie verdorbene Ware vor- finden würden, das glaubten auch die Kauflustigen nicht, als sie er- fuhren, daß ein Posten Käse durch den Gerichtsvollzieher öffemlich versteigert werden solle. Außer anderen Liebhabern fanden sich auch Berliner Händler ein, die ein Geschäft machen zu können glaubten. Ein durchdringender Geruckt und ein unheimlicbes Leben in der Käse- masse ließ es die„Interessenten" ratsam erscheinen, bei Beginn der Versteigerung zu fragen, ob der Käse für den menschlichen Genuß noch brauchbar sei. Der Gerichtsvollzieher sicherte sich und seine Auftraggeber mit der Antwort: Ohne Garantie l In Wirklich- leit konnte allerdings von vornherein niemand mehr daran denken, diesen Käse, der schon sörmlich auf dem Fußboden umher lief, noch dem menschlichen Genuß zuführen zu wollen. Das Ergebnis der öffentlichen Versteigerung war denn auch danach. Ein Berliner Geschäft kaufte den ganzen Haufen für 199 Mark und ließ ihn dann mit dem Spaten auf den Wagen verladen. Wieviel ihm unterwegs davon weggelaufen sein mag, weiß man nicht. Ebenso wenig, was er mit der stinkenden Masse noch anzufangen gedenkt. Letzte Nachrichten. Bulgarien und Rumänien. Sofia, 16. August.(W." T. B.) Seit vier oder fünf Tagen ist das rumänisch- bulgarische Verhältnis freund- li cher geworden. Günstig wird die Bereitwilligkeit der rumä- nischen Regierung hinsichtlich der raschen Abwickelung des jüngst zustande gekommenen Warenaustauschabkommens beurteilt, nach dem Bulgarien Salz und Petroleum von Rumänien, dieses dagegen Tabak aus Bulgarien erhält. Die rumänischen Delegierten sind bereits gestern hier eingetroffen. Den Aenßerungen rumänischer Diplomaten zufolge kann später auch die Frage des Aus- tausches anderer Artikel an die Reihe kommen. Der in Regiernngskreisen herrschende Optimismus begründet sich natürlich nicht bloß auf den Abschluß und die Durchführung deS Warenaustauschabkommens. Der hiesige rumänische Gesandte Derusji ist gestern nach Bukarest abgereist; er kehrt»ach zehn Tagen wieder hierher zurück._ Der Fall Fryatt vor dem Unterhaus. London, 16. August.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Unterhaus. Sir Eduard E a r s o n fragte, welche Schritte die Regierung in der Angelegenheit der„Er- mordung" Fryatts zu um gedenke. A s q u i t h antwortete: Die Regierung ist entschlossen, daß dieses Land die Wiederaufnahme des diplomatischen Verkehrs nach dem Kriege nicht dulden wird, bis Genugtuung für die„Ermordung" Fryatts gegeben ist. Einige unserer Verbündeten haben unter Brutalitäten zu leiden gehabt, die sogar noch ärger und noch zahlreicher waren als die uns durch das Vorgehen der deutschen Behörden zugefügten. Wir beraten mit ihnen über die besten und wirksamsten Schritte, die unternommen werden können und darüber, auf welchen Bedingungen wir bei Friedensschluß bestehen müssen, um uns die Genugtuung zu sichern, die die Gerechtigkeit verlangt.(Lauter Beifall.) Ministerkrise in Dänemark? Kopenhagen, 16. August.(W. T. B.)(Meldung des Ritzau- scheu Bureaus.) Die Sitzung des als Ausschuß konstituierten Landsthings, in dem der Verkauf der westindischen Inseln beraten werden sollte, wurde heute nachmittag unter- brachen, als der Ministerpräsident die Parteiführer zu einer Kon- ferenz zusammenberief. Nach der Konferenz verlautete allgemein im Reichstag, daß der Gedanke eines Koalitionsmini- st e r i u m s in den nächsten Tagen beraten werden wird. Die ver- schiedenen politischen Parteien werden zu Parteisitznngen in den nächsten Tagen zusammenberufen. Der Verkanfsvertrag ruht vorläufig._ Brand eines französischen Trustpcnlagcrs. Bern, 16. August.(W. T. B.)„Petit Journal" zufolge ist in dem großen Truppenlager Blois� eine Feuersbrunst ausgebrochen, die in weniger als einer Stunde alle Baracke» einäscherte. Angeblich sind keine Opfer zu beklagen. Der Schaden soll sehr be- deutend sein._ Starkes Erdbeben in Italien. Bern, 16. August.„Corriere della Sera" meldet: Heute früh 9 Uhr 19 Minuten wurde in Bologna ein ziemlich starker E r d- beben st oh verspürt. Es ist kein Schaden angerichtet worden. Heute nacht sollen in R i m i n i und P e s a r o starke Erdstöße statt- gefunden haben. Bern, 16. August. Zu dem bereits gemeldeten Erdbeben teilt die „Agenzia Stefcmi" mit, daß in A n e o n a kein Schaden angerichtet worden sei; in Pesar« erhielten viele Häuser Risse, und die Woh- nungen wurden geräumt, Opfer seien jedoch nicht zu beklagen. In Rimini sind mehrere Häuser eingestürzt, wobei wahr, scheialich Leute umgekommen sind. GewerksthaWches. Deutsches Reich. Einsammeln von Brennesseln durch arbeitslose Textilarbeiter. Die Rohstoffabteilimg des KriegsministoriumZ Bat vor kurzem Auweisungeu ergehen lassen über oie zweckmäßigste Arr des Ein- sammelnS von Brennesseln. Die im Stengel der Brennessel cnt- haltene Faser soll als Rohstoff der Textilindustrie nutzbar gemacht werden. Ein Zentner getrockneter Brenneffelstengel gibt etlva 13 Proz. brauchbare Faser. Die Faser ist gleich der Baumwolle zur Herstellung von Hemdenluchen uiw. verwendbar. Für den Doppel- zentncr getrockneter und entblätterter Brennesselstengel zahlen oie errickUeten Abnahmestellen 14 M. Die geschnittene Brennessel wird ähnlich wie Heu unier fleißigem Wenden getrocknet. Heu trocknet in drei bis vier Tagen voll- ständig, der Stengel der Brennessel braucht zwölf bis fünfzehn Tage. Zum Zwecke der Sammlung und Nerweruing der Brennessel ist in Berlin, Wilhelmstr. 91, unter Beihilfe des KriegSministeriinns die „Nesselfaser-Verwerinngs-Gesellichaft m. b. H." gegründet worden. Das Stamnikapital beträgt 39 900 Wl. Erster Geschäftsführer ist Fabrikant Friedrich Hebel- Plauen, zweiter Geschäftsführer Dr. Büttner, zurzeit geschäftsführender Direktor des Kriegs- ousschusses der deutschen Bauniwollindustrie. Der Betrieb der Gesellschaft ist nicht auf Erwerb gerichtet, Ueberschüsse werden an die Neichskasse abgeführt. Der Vorstand, des Deutschen Textilarbeiterverbandes. dessen Mit- glieder zum großen Teil ganz oder teilweise arbeitslos sind und deshalb bei kleinem Verdienst und mir karger Unterstützung sich in sehr bedürftiger Lage defindcn, hat nun in einem Ltundschreiben auf die Möglichkeit hingewiesen, durch Einsammeln von Brennesseln einige Groschen daneben zu verdienen. Selbstverständlich erwartet er dabei, daß diese wenigen Groschen von den Behörden bei Aus- zahlung der Unterstützung nicht etwa angerechnet werden. Die Funklionäre des Verbandes find angewiesen' worden, den Verbands- Mitgliedern überall die entsprechenden Mitteilungen zu machen. �usianü. Die neuen Lohnforderungen der englischen Eisenbahn- arbeiter. Der Natilmakverband der Eisenbahliarbeiter hat nach einer Mel« dung der„Frmilf. Zig." wegen der stets steigenden Lebensmittel- preise eine weitere Lohnerhöhung hon 19 Schilling pro Woche ber- langt. Es steht dies im Widerspruch mit dem iin letzten Oktober getroffenen Abkommen, wonach die Eisenbahner eine Zulage von 5 Schilling erhielten und dafür fich verpflichteten, von weiteren Lohnforderungen abzusehen. Für ihr Vorgehen finden die Eisenbahner die Entschuldigung, daß die Negierung keinerlei wirksame Maßnahmen getroffen Hobe, eine Kontrolle der Lebens- mittelpreise durchzuführen. Die.Times" widmet diesem Vorgeben einen Leitartikel, den fie mit der Ueberschrift:.Ein circulus vitiosus" überschreibt. Sie sagt, wenn durch die Erhöhung der Löhne die Preise allgemein erhöht würden, so führe diese Erhöhung der Lebensmittelpreise wiederum notgedrungen zu einer Erhöhmig dsr Löhne und so fort. Mus der Partei. „Gefährliches Treiben". Der„Verl. L o k a l a n z e i g e r" teilte unter obiger Ueberschrift mit: „Unter diesem Stichwort haben sozialdemokratische und bürgerliche Blätter erst vor kurzem vor gemeingefährlichen Flugschriften gewarnt, die von anonymen Verfassern verbreitet wurden, um für eine gewaltsame Herbeiführung des Friedens Stimmung zu machen. Der Berliner Polizei ist es nunmehr, wie unser bcl.-Berichterstatter erfährt, gelungen, m dieses licht- scheue Treiben durch eine Reihe von Haussuchungen und Fest- nahmen hineinzuleuchten und als Hersteller mehrerer solcher anonymen Druckschriften eine hiesige kleine Druckerei in der Oranienstratze zu ermitteln, deren Inhaber noch nebenbei in einer hiofigen Fabrik zu arbeite» pflegt, und in der sonst das Anarchistenorgan„Der fteie Arbeiter" gedruckt worden war. Als Auftraggeber dieser Drucksachen mit irreführenden Preß- vermerken, wie„Schweizerische Gcnossenschaftsdruckerci Bern" oder„Eugen Döste u. Co., Dörentrnpp", wurde ein Redakteur des hiesigen Sozialdemokratischen Pressebureaus und als Ver- breiter ein Schriftführer des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend festgenonimen, die beide auf dem Boden der Sozialdemokratischen Arbettsgemernschaft stehen. Der Drucker, der Besteller und der Verbreiter find nach ein- gehenden Feststellungen dem Staatsauwalt zugeführt worden und sehen strenger Bestrafung entgegen." Nach unseren Ermitielungen sinb diese Angaben nichk zutreffend. Es handelt sich bei den Druckschriften im wesent- lichen um Auseinandersetzungen zwischen der Minderheit und Mehrheit der Partei, und in keiner der Flugschristen ist zu einem gewaltsamen Frieden aufgefordert. Gleichzeitig möchten wir mitteilen, daß die von der I. K. ausgehende, in bürgerlichen Blättern verbreitete Notiz, daß im Berliner Verbandsbureau Schriften beschlagnahmt seien, unwahr ist._(z) Aus den Orgauisatlouen. Am Sonntag tagle eine Verirauensmännerfitzung des Wahl« kreiscs Nordhausen- Grafschaft Hohenstein. Sie war aus allen Teilen des Kreises zahlreich besucht. Außer der Entgegen- nähme des Rechenschaftsberichts des Kreisvorstandes, stand noch ein Referat des Abgeordneten des Kreises, Genossen Dr. Oskar C o b n, über die gegenwärtige Lage der Partei auf der Tagesordnung. Das Ergebnis der Verhandlungen über diesen Punki war die Annahme einer Resolution, in der es u. a. heißt: „Die aus allen Teilen des Wahlkreises Nordhausen-Grafschait Hohenstein zahlreich besuchte Konferenz der Vertrauensleute der Parteiorganisationen billigt einstimmig die politische Haltung der Fraltron der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft. Sie bekundet das oußerordeniliche Mißtrauen gegen die Politik des Parteivor- standes und der Frakrionsmehrheir, die geeignet ist, die Interessen der Arbeiterklasse zu schädigen, die Kampfkraft der Arbeiter- organisalioncn zu schwächen, der Verbreitung und Vertiefung sozialistischer Auffassung entgegenwirken. Sie beauftragen den Abgeordneten des Kreises. Genossen Dr. Oskar Cohn, auch in der Sozialdemokratischen Arbeitsgemein- ichaft mit jedem geeigneten Mittel für die schleunigste Beendigung des Krieges zu wirken." Mus Znöustne unö hcnöel. Rumätlische Bestellung von Eiseubahumntcrial. Die rumänische Staats bahn hat soeben mit dem deutschen Stahlwerksverband einen Licferungsvertrag auf 25—89 999 Tonnen Eisen- bahnschienen für den Bau einer neuen Bahn von Crajova nach Bukarest abgeschlossen. Extra* Preise A.WERTHEIM Donnerstag b's Sonnabend Leipziger Sirafce/ ~'............ 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Messer 7.25 8.75 Gaskocher 2 Loch 9.00 2 Loch 2 Ufirraer 12.50 Waschtische lackiert... 4.50 bis 10.50 Waschfässer Zink.... 7.75 Ms 15.50 Waschfässer zink m.wuist 13.50 bis 18.00 Spülzober Zink..... 9.00 Ms 12.50 Waschemangeln.... 23.00 Ms 25.(10 Gestellmangeln........... 38.00 Bürsten waren Wasserkessel für Gas... 2.75 bis 3.40 Wasserkessel mit Absatz 3.35 3.59 Kaffeekannen........ IV... 1.00 Kaffeebretter V......., 7'. 95pl Wassereimer££�lft2.75 Kehrichteimer mj)cckei3.50 'v- Scheuergarnituren Sand, Seife, Soda 3.00 Wasserleitungsbleche.*.V/.'. 2.00 Wasserlaüge konisch.... W'. 2�0 Milchtöpfe bauchig... V. 35 bis 1,89 Schlafzimmer-Eiiper mit Einlage, weiß- gold.. 1.. 6.50 RoßhaarbeseniaAusführung2�0bis3�0 Roßhaarhandfeger 1.45 Ms 1*80 Borstenbesen grau..... 1.35 Ms 2.00 Handfeger grau....... 65pf.Msl.10 Teppichbesen mit Stiel....... 1.25 Ctariengcraie- Rasenmähmaschinen 24, 25, 26 m. Gartenschlauch 2.75 Schlauchrollen eiserne... 8.50 16.00 Gießkannen velzj-kt.. 5.25 bis 7J25 Gießkannen lackiert..:.. 3.25 3.60 Obstgestelle in floiz 12.50 13.50 20�0 23.00 25.00 28joo Kleiderbürsten...... SlPf. Ms 2.25 Blankbürsten........ 60 Pf. Ms 1.45 Zahnbürsten....... 25 30 35 Pf. Möbelbürsten Kokos... 80 Pf. Ms 1.70 Teppichkehrmaschiaen 11.50 14.50 16 M. s Obst- u. Gemüse-Dörrapparat 1.45 Einkochbüchsen Weißblech 60 bis 85 Pf. Frachtsaftbeutel........... 1.10 Biechdosenöffner. 22 Pf. Kirschcntkemmaschine...'...* 2.20 Pflaumenentkerner......... 95 PL Kartoff ekchälm aschinen lehr sparsam im Gebrauch 6.50 7.50 Besonders für neue Kartotfeln ille Wei s cliLl£.e s s el in verschiedenen Größen tsesonders preiswert Ständiger Verkauf: KiSSCl�irällRe Bestes Fabrikat ! mit Ziqjc ausgeschlagen oder mit Glasplatten ausgelegt in verschiedenen Größen und Preislagen._ Donner siag Raudaerwaren Sprottbücklinge... pu 1.30 Kieler Biickünge... stück 1 5 Pf. 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Pfund von 2*25 an ... stück 3.80 Gänse-StöcMeiscli. Pfund 3.00 Fische rl- Schellfische.... Pfund von*±0 Pf. an KablläU In ganzen Fischen.. Pfund"1*00 Schollen........ Pfund von 40 Pf. an Hom-Äale... V Stock von 25 Pf. an ;-c■ Makrelen...........< Pfund 7 0 pl Grüne Heringe.....1� 40 pl Lebende Äale.. Pfund von f»50 an Neue Sal�Heringe Im FHüclxen. ca. 34 Stück Inhalt, pro Faß 12.50. v««tw. Rchchkstt«lireh Wielepp. SteuMst. 2vst?atentest vepgntw. Xtz. GUttte. Berlm. Triick»t. Verlag! Vorwärts Buchdr. tt. Verlagsanstalt Paus Si.tge; ch Co, Berim s vv. Hierzu 1 Beilage u, UktMaltuuMl. Lr. 225. 33. Jahrgang. Chronik des Weltkrieges. 17. Auqilst i»a4. Amtlich wird gemeldet, daß eine kleine Feslungsableilung aus Slraßbucg am 14. August im Vogesenpaß bei Schkmeck eine Schlappe erlitten hat. Sie wurde durch feindliches Artilleriefeuer überfallen und mußte sich mit Zurllcklassung der unbrauchbar ge- machten Geschütze und Maschinengewehre zurückziehen. Die„Ilordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht eine Warnung an Rußland. Da russische Truppen gegen preußische Grenzortschaftcn sengend und brennend vorgegangen seien, erhebe Deutschland Einspruch gegen eine solche d-m DZllerrech! zuwiderlaufende Art der Kriegführung. Wenn durch sie die Kmnpfesweise einen besonders schrcsfeu Charakter annehmen sollte, so treffe Rußland dafür allein die Verantwortung. Weiter teilt die Jlordd. Allgem. Ztg." mit, daß nach der Ein- nähme von Lüttich die deutsche Regierung Belgien erneut ein Ab- kommen angeboten habe: „Deutschland ve-sikhert nochmals feierlichst, daß es nicht von der Absicht geleitet gewesen ist, sich belgisches Gebiet anzueignen, und daß ihm diese Absicht durchaus fernliegt. Deutschland ist noch immer bereit, das belgische Königreich unverzüglich zu räumen, sobald die Kriegslage es Ihm gestattet." Darauf ging folgende Antwort Belgiens ein: „Der uns von der deutschen Regierung unterbreitete Vor- schlag wiederholt die in dem Ultimatum vom 2. August formu- lierte Forderung. Getreu seineu internationalen Verpflichtungen kann Belgien nur seine Antwort auf dies Ultimatum wiederholen, nm so mehr, als feit dem Z. August seine Reulralität verletzt und ein schmerzvoller Krieg in sein Gebiet getragen worden ist und die Garanliemächte loyal und nnverzügllch seinem Hilferuf entsprochen haben." 17. Anaust 1915. An der Westfront SLellungskäw-pse. In der Ostsronk weiterer Vormarsch der deutschen und öfter- rcichischen Armeen. Ein Fort und zwei Zwischenwerke von Rowo- Gcorgiewsk werden im Sturme genommen. Ebenso mehrere Forts von Kowuo. Mehr als 9200 Gefangene und 2S9 Geschütze werden erbeutet. Ammcnikg. 17. August 19iß. Mus Groß-Serlin. Die Milchversorgung öe? Kmöer. Eine neue Art der Milchversorgung Grosz-Berlins ist im Gange. Sic hat ihre Ursache in dem Bestreben, die Milch zu möglichst starker Fetterzeugung heranzuziehen. In diesen Matznahmen liegt eine schwere Gefahr für die Kinderwelt. Professor Dr. L a n g st e i n, Direktor des Kaiserin- Angufte-Piktoria-Hauses in Charlottenburg, verbreitet sich in recht sachverständigen Ausführungen im„Lokal-Anzeigcr" des Eingehenden über diese Angelegenheit. Er schreibt: „In normalen FriedcnSzeiteii bedarf daSKind im 1. und 2. Jahre ougcr der üblichen Beikost höchstens 3/t Liter Milch. Wenn Fleisch, Gemüse, Mehle ausreichend zur Versügung stehen und zu erschwing- lichen Preisen zu beschasseu sind, dann loinnit das Kind vom ü bis 6. Jahre mit Ve Liter Milch und weniger aus; ja es wird sich ohne gesundchenliche Nachteile durchführen lassen, wenn daS Schul- tmd so pul wie niilchirci ernährt wird, natürlich immer nnr»iner der VorauSieyung, dag die anderen NabrunaSmitiel nu Verfügung stehen.(Für die ärmsten Bevötterungslieise gilt das auch im Flieden nicht,) Die Kriegsverhältnisse müssen eine Aenderung des Vorgehens herbeiführen; denii da angesichts des Fleisch- mangels es nicht möglich ist, dem Kinde im Spielalter vom zweiten bis sechsten Jahre und dem Schullinde bis zur Schulentlassung genügende Menge» Eiweisz durch Fleisch zuzufnbreii, die es not- wendig obne eine Eriatzmöglichkeit siir sein Wachstum braucht, müsien wir uns für das Kind nach anderen Eiweißquellen um- sehen. AIS solche Eiweisquelle kommt angesichts der Unmöglich- keil ausieichender Beschaffung von Käse und Eiern— auch aus geiundheitlichen Gründen— nur die Milch in Frage. Nun be- slcbt aber, wie mir wohl bekannt ist(hervorgerufen durch daS Bestreben. mit Rücksicht auf den großen Fettinangel so viel Milch als möglich zu verbullern), die Absicht, nur dem Spielkindo noch ein gewisses Milchquautum zu bewilligen, ffir das Schullind in Groß-Berlin jedoch die Milch völlig auszuschalten. Ich weiß nicht, wieweit die Verhandlungeit in dieser Richtung bereits gediehen sind, inöchte aber der Hoffnung Ausdruck geben, daß die maßgebenden Behörden twn emein solchen Schritt, die Milch dem Schultinde gänzlich vörznenthalten. Abstand nehmen iocrden. Die Milchversorglina von Groß-Berlin ist tatsächlich eine solche, daß es möglich ist, für jedes Schulkind'/z bis 8/4 Liter Milch zur Verfügung zu halten. Das ist aber auch~das geringste Maß, welches das Schulkind nötig bat. Ich wüßte lalinchtlch nicht, woher es sonst seinen Eiweißbedarf decken soll uirö wie gesundheitliche Schädigungen vermieden werden lönnlen; denn die Flelichmenge, die dem einzelnen zugemessen ist. reicht doch nicht iin enlsernlesten aus. Hingegen gibt dieie Milchmenge. die ich fordere, dock halbwegs die Möglichkeit, dem Eiweißbedarf des wachsenden Organismus zu genügen und in Zusammenhang mit Brot, Geinüsen eine, wenn auch nicht ideale, so doch immerhin keine schweren gesundheitlichen Folgen nach sich ziehende Ernährung zu gewährleisten. Daß dieie Milch in wirklich hygienisch einwandfreiem Zu- stände geliefert werden muß. liegt aus der Hand. Das ist auch der Grund, warum ich ein Gegner bin, Kindern, namentlich so- weil sie jünger sind, Magermilch zu verabtolgen, die zwar einen ausreichcndeil Eiwechgehalt hat, aber neben ihrem Fettmangel so viele Keime enthält, daß sie nicht unter allen Umständen als ein iür Kinder ungefährliches Nahrungsmittel angesprochen werden kann. Hier wird es Ausgabe der Technil sein, Verbesserung in der Gewinnung der Magermilch zu erreichen; solange sie nicht vor- banden sind, ist die Magermillti infolge ibreS Keimaeballes siir Kinder ein Nahrungsmittel zweiten Range«. Mit Rücksicht auf die Anforderungen, die loir an die Güie der Milch als Bolls« Nahrungsmittel, besonders auch mit Rücksicht auf die Kinder stellen muffen, ist es vollkommen unverständlich, daß die Milchversorgungs- stelle Groß-Berlins beabsichtigt, nur die kleinen Milchhändler ,ur Lieferung von Vollmilch beranzuziehen und für Großbetriebe nur Magennich zuzulassen. In die Sprache der Hypiene über- setzt, heißt dies, daß musterhafte Betriebe, welche über alle Einrichtungen verfügen, die für eine sachgemäße Behandlung der Vollmilch notwendig sind, zurückgesetzt werden hinter anderen Betriebe», bei denen diese Garantie auch nicht im entferntesten in gleicher Weise gegeben ist. Vom Standpunkte derjenigen Stellen, denen an einer Gewinnung von möglichst viel Fett gelegen ist, kann ich die angesübrlen Verordnungen und Absichten verstehen: vom Standpunkte des Arztes und Hygienikcrs, dem die Aufgabe zusällr, den kindlichen Nachwuchs über die Kriegszeit unter allen Umständen ungefährdet hinwegzubringen, muß ich sie auf das ent- schiedenste bekämpfen." Diese Darlegungen sind sicher sehr beachtenswert. Für diele Arbeiterfrauen ist heute schon die Ernährung ihrer kleinen Kinder niit den größten Schwierigkeiten verknüpft. Ihnen sehlen heute schon all die Malerialicn, insbesondere Grieß usw., die sie für Suppenher stcllung für die Kinder benötigen. Einheitliche Milchkarten für Groft-Bcrlin. Für die Zeit nach dem 31. August 1913 werden für Groß-Berlin einheitliche Milchkarten ausgegeben. Nach dieser Regelung erhalten Kinder, die nach dem 1. Juli 1914 geboren sind, einen Liter Vollmilch täglich; Kinder, die in der Zeit vom 1. Juli 1912 bis 39. Juni 1914 geboren find,% Liter Vollmilch täglich, und Kinder, die in der Zeit vom 1. Juli 1919 bis 39. Juni 1912 geboren sind, Liter Vollmilch täglich. Für Kinder, die in der | Zeit vom 1. Juli 1999 bis 39. Juni 1919 geboren sind, werden | besondere(grüne) Milchkarten ausgegeben. Welche Art Milch und welche Menge auf diese grünen Milchkarten entnommen werden kann, wird noch besonders festgesetzt. Schwangere Frauen in den letzten drei Monaten vor der Entbindung erhalten% Liter Vollmilch täglich und Kranke aus Grund einer ärztlichen Bescheinigung bis zu einem Liter Vollmilch täglich. Die Karten werden in jeder Gemeinde nach deren besonderen Bestsinmur.gen ausgegeben. Im Stadtbezirk Berlin erfolgt die Milchkartenverteilnng wie bisher durch die Brotkommissioncn. Die Haushaltsvorstände haben sich zur Empfangnahme der Karten zu den Brotkmnmissionen zu begeben und ihre und ihrer Kinder Eintragung in die Milch- kartenliste zu bewirken. Zum Nachweis der Geburtstage der Kinder haben die Haushaltsvorstände Geburtsurkunden, Taus- scheine oder sonst geeignete Urkunden vorzulegen; sie haben ferner eine Bescheinigung ihres Hausbesitzers oder deffen Stellvertreters über die Zahl der in ihrem Haushalt befindlichen, nach dem 1. Juli 1999 geborenen Kinder vorzulegen. Zu deren Ausstellung ist der Hausbesitzer verpflichtet. De Brotkommissionen werden an ihren Bureauräumen anschlagen, welche Straßenzüge sie cni den ein- zelnen Tagen erledigen wollen. Die Eintragsfrist erstreckt sich vom iL. bis 23. d. M. Die schwangeren Frauen und Kranken.— auch stillenden Frauen, soweit sie krank sind— erhalten ihre Milchkarten in Ber- lin nach wie vor von der Zentralstelle für Krankeuerliährung. An der Art der Austeilung dieser Karten wird nichts geändert. Die von der Zentralstelle für Krankenerttährrnig bisher festgesetzten Grundsätze bleiben auch weiterhin in Kraft. * Tie Knndenliste. Mit den neuen Grrch-Berlirier Mtlchkarten haben sich die Haushaltnngsvorftände bei dem Milchhändler anzumelden, bei wel- chem sie ihre Milch künftig zu beziehen gedenken. Der Milch- Händler, der zurzeit Milch unmittelbar an Verbraucher abgibt oder sein Geschäft wieder eröffnet, ist zur Auflegung der Kunden- liste verpflichtet und hat alle AnmeDunaen anzunebinen. Für d*e Kundenli jteu hat er die von der Mllchvcrsorgungsstelle Groß- Berlin vorgeschriebe!«» Fornrnkrre zu verwenden. Die Formu- lare sind bei der Mllchversorgungsftelle Groß-Berlin, Berlin C. 2, Poststraße 13, Hof 2 Treppe», sowie auch in den einzelnen Ge- merndcn in den von diesen bezeichneten Stellen zu erhalten. Die Händler, die Anmeldungen entgegenuchmen, haben in der Zeit vom 18. bis 23. August 1916 ihre Geschäfte an den Wochentagen von spätestens 3 llhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags und von 5 bis 8 Uhr nachmittags, sowie Sonntags von spätestens 3 bis 19 Uhr vormittags offen zu halten. Die Milchhändler dürfen durch einen einfachen Aushang in ihrem Geschäft bekanntgeben, daß Kundenlisten zur Eintragung von Anmeldungen für den Milch- bezug aufliegen, und daß diese am Mittwoch, den 23. August 1913 geschlossen werden. Jni übrigen ist ihnen jede Reklame zur An- lockung von Kunden untersagt. Die Anmeldung geschieht in der Werfe, daß der Karteninhaber, oder der Haushaltsvorstaud seine oder tue auf den Haushalt ent- fallenden Muchtarten vorlegt und der Milchhändler die an den Karten befindlichen A nineldeabschmtte abtrennt und an sich nimmt. Nachdem der Milchhändler sodann die durch das Formu- lcrr vorgeschriebenen Eintragungen gemacht hat, hat er auf der Rückseite des Mittelstückes der Milchkarte die Nummer der Ein- tragung, sowie die etwaige besondere Bezeichnung der einzelnen Liste und seinen Namen oder die Firma seines Geschäftes zu ver- merken. Diesen Vermerk kann auch der Karte urnhaber macheu. Die Anmeldung ist in jedem Falle erst gültig, nachdem die Milch- karten diesen Vermerk erhalten haben. De Kundenlisten sind am 23. August 1919 zu schließen, und der Milchvcrsorgnngsstclle Groß-Berlin, Berkin C. 2, Pchistraße 13, Hof 2 Treppen, so rechtzeitig zu übersenden, daß sie sich spätestens am 24. August vormittags 12 Uhr in ihren Händen befinden. Der Knndenliste sind die abgetrennten Anmeldeabfchnitte beizufügen, und zwar sind die grün' schraffierten von den übrigen sorgfältig zu trennen. De Anmeldeltsten werden dem Kleinhändler wieder zugesandt, nachdem auf ihnen der Name oder die Firma des Groß- Händlers vermerkt worden ist, dem die Belieferung des Geschäftes übertragen wird._ Tic Milchnot bei den kleinen Händlern. Die Milchknappheit ist am schlimmsten bei den kleinen Händlern, den sogenannten Abnehmern, die sich nicht selber eine Millbpalbtiing leisten lönnen. sondern ihre Milch von einem anderen Pächter be« ziehen. Der MilSpächter. der so einen Abnehmer mit versorgt, bat ja noch seinen eigenen Laden und denkt dann eher an die Be- friedigung seiner Ladenkundschafl als an die Lieferungen für den Abnehmer, gegenüber dem er in dieser Zeit der Milchkuappheit eine Bindung durch Vertrag überhaupt nicht für nötig hält. Im „Vorwärts" wurde auf die Notlage-, die sich da für die Abnehmer herausbildete, schon vor einigen Monaten hingewiesen und hervor- gehoben, daß solche Zustände schließlich auch für die Milchverbrancher sehr unangenehm sind. Nachdem die Einführung von Milchkarle» diese EntwickluNg leider begünstigt hatte, soll jetzt durch die vorläufige Verordnung über die Milchversorgung wenig daran geändert werden. Zwar bestimmt Z 1, daß der Großhändler fortan dem Wiedciver- käufer womöglich wieder dieselbe Milchmenge wie Ansang März 1919 liefern muß. Aber§ 2 gibt dem Großhändler das Recht, wegen Rückgang der Milchzuiuhr den Anteil deS Wiederverkäufers entsprechend zu kürzen, jedoch für den eigenen Kleinverlanf den Be- darf im voraus voll zu decken. Hiervon erwarten die kleinen Milchhändler eine weitere Schädigung, die zu ihrem völligen Untergang führen könne. Sie fordern eine gleichmäßigere Verteilung der Milch, wobei auch der Kleinhändler ausreichend zu berücksichngen sei. In einer öffentlichen Milchhändler-Ver- sammlung, die vom„Verband der Milchhändlervereine Groß- Berlins(Abnehmervereinigung)" am Dienstag nach der„Alhambra" einberufen war, trugen sie ihre Klagen vor. Referate der Milchhändler Paul Rückert und W i l h. Rieß mann schilderten die Wirkungen der Milchnot auf den Kleinhandel und machten Vorschläge zur Abhilfe. Erzählt wurde da, daß kleine Händler, die früher 139, 169 und mehr Liter bezogen, jetzt mit 29 Liter abgefunden werden.(Zurufe: 19 Liter I Gar nichts!) Je weniger Milch die Pächter den Abnehmern liefern desto mehr Verbraucher müssen von den Abnehmern zu den Pächtern übergeben. So ist es gekommen, daß Milchpächter, die früher im eigenen Laden nur 129 Liter los wurden, jetzt 600, ja 1009 und mehr Liter pro Tag absetzen können. Pächtern sei, führte Rießmann aus, sogar ein wöchentlich zweimaliges Buttern möglich, wobei man freilich fragen müsse, was dann aus der Mager- milch werde. Auf den Zuruf„Vollmilch!" antwortete Referent: „Da habe ich viel z» viel Achtung vor den Pächtern— so was machen die nicht."(Siürmilche Heilerkeit,) Zur Sprache wurde gebracht, daß die Kleinhändler mit der Geineinde Weißensee, die selber als Milchlieferantin auftritt, nickt besser daran seien. Man befürchtet, daß die aus Pächierkreisen laut gewordene An- ficht, ein Kleinhändler mit iveniger als 49 Liter Tagesbedarf für Kartenkuiiden sei überhaupt nicht bei der Mlchverteilung zu berück- sichtigen, in die Tat Hingesetzt werden könnte. Die Kleinhändler halten für richtig, bei der endgültigen Regelung der MilÄ- Verteilung etwa die Lissernngsmengen aus dem vorigen Jahr zugrunde zu legen, wobei die Wirkungen der hauptsächlich erst ipäter eingetretenen Hmüberdrängung der Verbraucher zu den großen Händlern ausgeschaltet würden. Zu fordern sei neben einem Milch- erzeiigungszwang auch ein Milchverteilungszwang. Petitionen wegen besserer Verteilung, die bereits an das Kriegsernahrunzsamt lind an den Berliner Oberbürgermeister gerichtet wurden, haben bis- her nur den Erfolg einer wohlwollenden Beaniwortung gehabt. Zur Wahrung der Milchhändlerinteresien gegenüber den Milchpächtern empfahlen die Referenten— unter lebhaftestem Beifall der sehr stark besuchten Versammlung— den Zusammenschluß z u einer festen Organisation. In der Erörterung, die sich anschloß, wurde von allen Rednern die gegebene Schilderung bestätigt und die Mahnung zum Zusammen- schlüß unterstützt. Milchhändler L ei ter, Vertreter in der Preis- prüfungsstelle, erklärte, Berlin habe bis 3t. Juli d. I. noch mehr als die Hälfte der in Friedenszeiten bezogenen Milchmenge erhalten nur die Verteilung sei nicht richtig. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die„an die maßgebenden Behörden die bringende Bitte richtet, eine gerechte Verteilung der Milch in die Wege zu leiten, da die vorläufig eingeleitete Regelung den auch von der verfügenden Stelle erwarteten Erfolg durchaus nicht gehabt hat." Die Resolution führt aus: „Die Gründe liegen einesteils in der Nichtbeachtung oder Umgehung der erlassenen Verordnung seitens eines Teils der Milchgroßhändler, andererseits darin, daß z. B. die Gemeinde Weißensee, die als En« groshändler au Hunderte von Milchhändlern in Berlin, Lichtenberg, Neuköln, Steglitz, Friedenau Milch zu liesern hat, sich von der Ge- meiuschasr der Groß-Berliner Gemeuiden in der Milchversorgungs« frage ausgeschloffen hat. Die Versammlung bittet, diese unhaltbaren Anstände, welche den vollständigen Ruin von Hnndeiten von Milch- Händlern herbeiführen nniffen, energisch zu beseitigen," Schließlich wird für notwendig erklärt, daß zu den Beratungen über eine endgültige Regelung der Milchvcrteilung Vertreter deS MilchlleinhandelS zugezogen werden.___ Evnöhruugsfragcn im Rathause. Die sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadtverordneten- Versammlung hat bcschloffen, folgenden Antrag im Rathause ein- zubringen: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, alle geeignete» Maßnahme» zu treffen, um die Versorgung Berlins mit Nahrungsmitielu während der Winter- monate sicherzustellen und beim KriegSeruährungsamt zu beantragen, daß die viel zu hohen Höchstpreise für Brot, Kartoffeln, Fleisch und Fett herabgesetzt werden._ 60(Sramm Butter, 30 Gramm Margarme. In der nächsten Woche vom 21. August ab kommen wiederum pro Kopf 60 Gramm Butter und 30 Gramm Margarine in Groß-Berlin zur Verteilung. Städtische Gänse. Die Stadt Berlin hat wiederum 1999 Stück gemästete und gescdlachtete Gänse getauft, welche in den städtischen Markthallen in diesen Tagen zum Verkauf gelangen. De Ziukervefforgungsstelle deS Magistrats erläßt heute eine Be- kanntmachung, daß die Abschnitte 2—7 der Süßstosstarte H eingelöst werden können. Anforderungen von Süßstoff! arten sind auf Post- karte an die Zuckerversorguugssielle des Magistrats im Rathaus Zimmer 96 zu richten. Jeder Haushalt ist nur zur Entnahme einer Karte berechtigt. Die Zusendung erfolgt als portopflichtige Diensl- fache. Eine Anweisung zum Gebrauch des Süßstoffes wird bei- gefügt._ Erweiterung des Paketverkchrs mit Belgien. Vvm 21. August ab werden im Berkehr zwischen Deutschland und dem Gebiet des General- Gou- vernements in Belgien gewöhnliche Postpakete bis zu fünf Kilogramm zngelasfeu. Der Berkehr regelt sich im allgcui einen nach den Vorschriften des internationalen Post- paketvcrkehrs. Das Franko für ein Paket betrügt 1 Fr. 99 Cent. gleich 1 M. 20 Pf., es besteht dabei Fraukozwrmg. Dem Inhalt dürfen keine Briefe oder schriftlichen Mitteilungen irgendwelcher Art beigegeben werden. Es ist in allen Fällen Sache des Ab- seuders, sich genau zu erkundigen, ob die zu versendenden Gegen- stände in das Bestiiumungslaud eingeführt werden dürfen. Pakete nach Deutschland werde» in den deutschen Zoilorten geprüft und verzollt, Pakete nach Belgien sämtlich in HerbeLthal. Nachnahme ist bis zu 899 M.(1999 Fr.) zugelaffen. Nicht zugelassen sind dagegen Wertangabe, Einschreibung, dringende Pakete, Eilbestellung imd Rückscheine. Im Gelnet des Generals-Hiouvernements nehmen am Postpaketverkehr mit Deutschland vorerst die Orte teil, in denen sich Postämter unter Leitung deutscher Beamten befinden; das sind zurzeit 97. Einwohnern anderer Orte im General-Gouvcrncment bleibt es ttberlaffen, ihre Pakete beim nächsten Paketamt aufzu- liefern oder sie sich dahin senden zu lassen. Kettenhandel und Preispriifungsstclle. Nach Z 12 der Kettenhandelsverordnung vom 24. Juni 1916 sind Zeitungsanzeigen und sonstige für einen größeren Personen« kreis bestimmte Mitteilungen(Zirkulare und dergleichen), in denen Kaufgesuche oder Aufforderungen zur Abgabe von Preis- angeboten für Lebens- und Futtermittel enthalten sind, nur mit Ge- nebmigung der Preisprüfungsstelle zulässig. Zuständig ist die Preis« Prüfungsstelle des OrteS der gewerblichen Niederlassung oder des Wohnsitzes des Anzeigenden. Die Gesuche um Genehmigung sind für Berlin an die Preisprüfungsstelle Groß-Berlin, Breitestr. 11, schriftlich zu richten und müssen den Text des Inserats, sowie An- gaben darüber enthalten, ob der Anzeigende den Antrag auf Zu- laffung zum Handel mit Lebens- oder Futtermitteln bis zum 1. August rechtzeitig gestellt oder seine Zulassung erhalten hat; Nachweise hierüber sind beizufügen. Ferner muß angegeben werden, für welchen Zweck die aufzukaufende Ware bestimmt ist; Agenten, Vermittler, Maller müssen angeben, für wessen Rechnung oder m wessen Auslrag sie handeln._ �abrikspeisung. An den Speisungen aus den städtischen Zentralküchen sind auch die Fabrikarbeiter dadurch stark betelligh daß die Fabriken von dort das Essen für sie abholen lassen De Zahl der auf diesem Wege aus den neuen Gemeindeküchen bezogenen Portioneu t|i dauernd im Steigen begriffen. Bei vielen Fabrikinhabern be- steht nun. wie sich gezeigt hat. die Auffassung, dag die Beteiligung davon abhängig sei. dag sie mindestens 500 Arbeiter beschäftigen. Diese Annahme ist nicht zutreffend. Die Zahl von 500 Arbeitern ist von staatlicher Seite festgestellt, um bei der unmittelbaren Ver- sorgung der Fabrikkantinen mit Nahrungsmitteln eine sichere Grundlage zu haben. Bei den städtischen Speisungen spielt diese Zahl gar keine Rolle. Tatsächlich versorgen bereits viele Fabrik- betriebe, in denen weniger als 500 Personen beschäftigt sind, ihre Arbeiter aus den neuen Gemeindeküchen. Arbeiter- Bildungsschule. Heute Donnerstag, abends 8'/z Uhr, im Hörsaale der Schule, Lindenstr. 3, 4. Hof rechts 3 Treppen: Wissenschaftlicher Einzelvortrag. Genosse Eduard B e r n st e i n wird über den Gothaer Einigungs kongreß(17. August 1875) sprechen. Eintrittspreis 10 Pf. Ein„Vahnhossmardcr" wurde gestern wieder uniibädlich ge« macht. Ein früherer Barbier August Reiniger gehört zu den Leuten, die auf den Bahnhöfen ständig' herumlungern, um unerfahrene und vertrauensselige Landarbeiter auszuplündern. Er scheut auch vor Gewalt nicht zurück. Erst kürzlich aus dem Gefäng nis� entlassen, nahm er sofort sein altes Treiben wieder auf. Gestern inachte er sich an Arbeiterinnen heran, die vom Lande kamen und nun in Berlin sich nach neuer Beschäftigung um- sehen wollten. Er fand aucki eine heraus, die seiner Ver sichernng, dag er ihr dabei helfen könne, glaubte. Reiniger verschleppte die Frau in eine Schankwinichaft, gab ihr hier zum Besten und hatte bald herausgefunden, wo sie ihr Portemonnaie mit 120 M. aufbewahrte. Unter dem Scheine derber Zärtlichkeit entrig er ihr den Schatz und versuchte zu ver- schwinden. Diesmal verrechnete er sich aber. Die Frau war ent- schlossencr, als er glaubte, und holte den nächsten Schutzmann. Dieser erwischte den„Marder" noch und nahm ihn fest. Reiniger, der das Portemonnaie noch besag, bestritt, einen Raub beabsichtigt zu haben, und behauptete auch, das Portemonnaie habe nur einen £"!ttel enthalten. Der befand sich allein auch noch darin. Die 120 M. aber hatte er unterdessen auf dem Hose versreckt und dorr wurden sie auch gleich gefunden. /tos öen Gemeinöen. Die Milchkartenausgabe in Charlottenburg. Zur Vermeidung von Irrtümern sei ausdrücklich darauf hin- gewissen, dag in Charlottenburg die Haushaltungen, die Kinder im Alter bis zu zehn Jahren haben, nicht selbst ihre Milchkarten bei den Brotkommissionen in Empfang zu nehmen haben. In Cbarlottenburg ist bereits am Montag und Dienstag eine Haus- liste an die Hausbesitzer herausgegeben, die den einzelnen Haushaltungen zur Eintragung der Kinder vorgelegt wird. Diese HauSliste hat der Hausbesitzer oder sein Stellvertreter bis Sonn- abend, den 19. August, an die Brvtkommission zurückzugeben. Die Milchkarten selbst erhält der Hausbesitzer am Montag, den 21. August, bei den Brotkommissionen zur Verteilung an die Haus- Haltungen. Die Eintragung in die Kundenliste bei den Milch- Händlern ist spätestens bis zum 23. August einschl. vorzunehmen. Regelung des Fleischverbrauchs in Wilmersdorf. Die bisherigen Kundenverzeichnisse behalten für die erste Woche der am 21. August 1916 beginnenden neuen Fleischkartenperiode Gültigkeit. Zun, Zwecks der Eintragung in das neue, vorn 28. August ab in Kraft tretende Kundenverzeichnis sind die In- Haber der Fleischereigeschäfte verpflichtet, ihre Läden Montag, den Ll., Dienstag, 22., Mittwoch, 23., Donnerstag, 24., und Freitag, den 25. August, bis abends 8 Uhr offen zu halten. Für die beiden städtischen Fleischhallcn finden die Anmeldungen ,ur Ein- tragung in besonderen Anmeldestellen statt. Diese sind von Montag, den 21., bis Freitag, den 25. August, täglich von 8— 3 Uhr geöffnet. Für die Aufstellung und die Handhabung der neuen Kundenver- zerchnisse gelten die früheren Bestimmungen. Für Haushaltungen wird auf Nummer 6 der lila Lebensmittel- karte Saccharin abgegeben._ Musterung der Wehrpflichtigen im Kreise Niederbarnim. Der Landrat des Kreises Niederbarnim bringt den Geschäfts- plan einer erneuten Musterung von Wehrpflichtigen im Kreise Nieder- barnim zur Kenntnis und fordert die Gemeindebehörden auf, alle in ihren Bezirken aufhaltsamen Militärpflichtigen und unaus- gebildeten Landsturrnpfliditigen der Jahrgänge(Geburtsjahre) 1897 bis 1869(einschließlich der in den Jahren l 895— 1376 geborenen früheren Dauerndnntauglichen), welche bei früheren Knegsmuste- rungen die Entscheidung zeitig garitlsonverwendungSsähig(zeitig g. v.), zeitig arbeitsverwcndungssähig(zeitig a. v.), zeitig garnison- und arbeitsverwendungsunfähig(zeitig g. u. a. v. u.) erhalten haben oder als zeitig untauglich vorläufig zurückgestellt worden sind, an den bezeichneten Tagen morgens 8 Uhr der Königlichen Ersatzkoinmission vorzustellen. Zu dieser Musterung sind auch etwa noch im Kreise aushaltsame Militärpflichtige und u'nausgcbildete Landsturmpflichlige(einschlicß- lich der in den Jahren 1895—1876 geborenen früheren Dauernd- untauglichen), welche es versäumt haben, sich zu einer Kriegs- musterung zu gestcllen, zu beordern. Reklamationen um Zurück- stellung wegen häuslicher Berbältnisse find von den Gerncindevor- ständen auszufertigen und mit der vorgeschriebenen Bescheinigung der Ortspolizeibehörde versehen mir einzureichen, spätestens aber im Musierungslermin vorzulegen. Werden die Retlarnationsgründe aus der Arbeits- oder AussichtSunsähiglett der Angehörigen hergeleitet, so müssen diese im Musterungstermin miterscheinen. Diejenigen, welche krankheitshalber am persönlichen Erscheinen im Musterungstermin verhinderl sind, haben eine ärztliche Be- scheinigung, deren Unterschrisl polizeilich beglaubigt sein mutz, ein- zureichen._ Zu den Parteidifferenzen in Teltow-Beeskow. Trcptow-Baumschulcnweg. Der hiesige Ortswahlverein nahm in zwei getrennten Zahlabenden Stellung zu den Vorgängen innerhalb des Kreises und zur Kreisgeneralversammlung vom 23. Juli. In beiden Ortsteilen war sowohl die Beteiligung als auch die Diskussion eine äußerst rege. Allgemein wurde das Verhalten des früheren Kreisvorstandes aufs schärfste verurteilt. Die Ver- sammelten waren sich darin einig, daß den Zersplitterungsversuchen der Anhänger des früheren Kreisvorstandes mit aller Kraft ent- gegenzutreten sei. In Treptow wurde nachstehende Resolution mit allen 38 Stimmen angenommen: „Der heute am 9. d. M. tagende starkbesuchte gemeinsame Zahlabend nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem Schritte der Neugründung eines Vereins unter der Flagge„Wahlverein Trcptow-Baumschulenweg". Da dieser Vorgang der„Partei- einheit direkt Hohn spricht, lehnen es die Genossen ab. diesem parteischädigenden Treiben irgendwie Gefolgschaft zu leisten. Als Antwort darauf halten es die Genossen für ihre Pflicht, nunmehr noch fester und geschloffener für ihre Grundsätze und für die Festigkeit ihrer Ortsorganisation einzutreten." Gleichen Grundsätzen huldigten die in Baumschulenweg ver- sammelten 65 Genossen. Als 1. Vorsitzender wurde hierauf allerseits Genosse Scholze vorgeschlagen. Unter Verschiedenem wurde Stellung genommen zur Lebens- mittelversorgung: die Gemeindevertreter erhielten den Auftrag, da» für einzutreten, daß zur Lebensmittelkommission des Ortes auch zwei Genossen und zwei Genossinnen zu wählen sind. Aus Köpenick erhielten wir folgende Zuschrift: Der Wahlverein hielt am Montag, den 14. August, eine gut- besuchte Mitgliederversammlung ab. Genosse Herbst erstattete zu- nächst Bericht von der am 6. August staltgefundenen Kreis- gcneralversammlnng. Nach kurzer Debaite nahm die Versamm« kung den Bericht zustimmend zur Kenntnis. Sodann berichlete der Vorsitzende Genosse Wrßler über die Organisationsstreitigkeilen am Orte. Die zur Opposition gehörenden Parteigenossen des Ve- zirks Damm-Vorsladt haben in einer besonderen Sitzung beschlossen, sich als neuen Wahlverein zu etablieren und haben auch einen neuen Vorstand gewählt. Dies ist auch den Parteigenossen durch ein Flug- blau zur Kenntnis gebracht. Der Vorstand ist der Meinung, daß diejenigen Parteigenossen, die sich dem neugegründcten Verein an- schließen und dorthin ihre Beiträge zahlen, nicht auch gleichzeitig im allen Verein ohne Beitragszahlung Rechte ausüben lönnen. Die Dislnssion bewegte sich durchweg in zustimmendem Sinne. Nur ein Genosse suchte das Verhalten der Opposition zu rechtfertigen. Schließlich wurde folgender Antrag gegen eine Stimme ange- nommen: „Wer dem unter Führung der Genoffen Fritz Heidrich und Alberl Beyer neugegründeten sogenannten.Wahlverein Köpenick" beitritt, scheidet damit aus dem alten Wahlverein aus, da eine gleichzeitige Mitgliedschaft in beiden Organisationen mit den Pflichten gegenüber der Gesamtpartei nicht vereinbar ist." Da der bisherige Wahlvereinskassierer verstorben ist, wurde an seiner Stelle der Genosse Rudolf Krüger gewählt. Die Vorbereitung der Stadtverordnetenwahlen wurden dem Vorstand unter Zuziehung der Genossen Lehmann, Heidbeck und Karl Schulz sowie von Ver tretern der Fraktion übertragen. Nach Erledigung einiger kleinerer Anfragen wurde die Ver sainmlung geschlossen. Soziales. August Scherl vor dem Kaufmannsgericht. Die Berliner Verlagsgesellschaft August Scherl mußte in der letzten Sitzung der 5. Kammer des Berliner Kaufmanns- gerichts belehrt werden, daß ein Chef zur Annahme der Hand- lungsgehilfin verpflichtet ist, wenn er sie„unter Vorbehalt des Eingangs günstiger Auskünfte" engagiert und günstige Aus- künfte erhalten hat. Die Firma hatte eine Buchhalterin vorbehaltlich günstiger Auskünfte angestellt, weigerte sich dann aber, die Gehilfin einzu- stellen, weil die Auskünfte angeblich schlecht ausgefallen waren. Nach einer Woche forderte sie aber die Angestellte auf, anzutreten. Das lehnte die sich schwer gekränkt Fühlende ab. In der VerHand- lung hielt die beklagte Firma ihren Standpunkt aufrecht, daß sie auf Grund der Vertragsabrede zur Ablehnung der Einstellung der Klägerin berechtigt gewesen war, denn die Auskünfte seien un- günstig gewesen. Um sich selber ein Bild davon zu machen, beschloß das Gericht, die Auskünfte zur Verlesung zu bringen. Es zeigte sich, daß die Mehrzahl der Auskünfte bedingungs- los gut waren, während zwei ganz unsachlich gehalten waren und eine starke persönlich anirnose Färbung hatten. In der einen dieser beiden Auskünste wird der Buchhalterin nachgesagt, daß sie„nicht flott genug war", während es in der anderen heißt, daß Frl. L. „sehr nobel auftrat, was Aergernis bei den Mitangestellten er- regte" und daß sie„nach Geschäftsschlutz sehr leicht" war. Das Kaufmannsgericht sprach der Klägerin das Gehalt bis zum Tage der Aufforderung zum Antritt zu. Auch das weitere Gehalt wäre ihr zugesprochen worden, wenn sie nicht den Fehler begangen hätte, die Aufforderung zum Antritt abzulehnen. Das Kollegium ließ durch den Mund des Vorsitzenden verkünden, es habe auf das Gericht einen sehr schlechten Eindruck gemacht, daß eine so große Gesellschaft auf Grund derartiger unsachlicher Zuträgereien eine Anstellung rück- gängig mache._ Erlaß der Gewcrbercferendarprüfung. Wie die vom Preußischen Kriegsministerium herausgegebenen Anstellungsnachrichten" mitteilen, wird es möglich sein, Ossiziere der Pioniere, der Eisenbahn-, Telegraphen-, Kraftfahr-, Luftschiffer- und Fliegertruppen, die im jetzigen Kriege ihre Felddienstfähigkeit verloren haben, trotzdem aber noch genügende körperliche und geistige Rüstigkeit besitzen, zur Vorbereitung für den Gewerbeauf- sichtsdienst zuzulaffen und zu Gewerbereferendaren zu ernennen, ohne daß sie eine der im 8 2 der Vorbildungs- und Prü- fungsordnung für die Gewerbeaufsichtsbeamten vom 7. September 1897.bezeichneten Prüfungen bestanden haben. Die erste dieser Prüfungen ist entweder die als Regierungsbauführer im Ma- schinenbaufach, oder die als Bergreferendar, oder die Diplom- Prüfung als Hütteningenieur oder als Maschineningenieur, oder die Vorprüfung als Nahrungsmittelchemiker usw. Die zweite Prü- fung, die Gewerbeassessor-Prüfung für Gewerbeaufsichtsbcamte, bleibt bestehen. Diese Ausnahme von den-maßgebenden Vor- schriften wird jedoch auf solche Offiziere beschränkt bleiben, die das Reifezeugnis einer neunklassigen höheren Lehranstalt besitzen, die wenigstens zwei Jahre lang die Militärtechnische Akademie mit gutem wiffenschaftlichen Erfolge besucht haben und sich nach ihren technischen Kenntnissen und ihrer ganzen Persönlichkeit geeignet erweisen, in den Vorbereitungsdienst für die Stellen der Gewerbe- aufsichtsbeamten einzutreten. Genchtszestung. Ein Tummcrjungcnstrcich. Die Lektüre von Blättern und Geschichten mit sensatio- nell aufgeputztem Inhalt hat den 16jährigen Arbeitsburschen Max Sch. aus Charlottenbnrg zu einem sehr törichten Tummenjungenstreich verleitet, der ihn gestern unter der An- klage der Urkundenfälschung und des versuchten B e t r u g e s vor die Ferienstrafkammer des Landgerichts Hl führte. Der Junge wurde plötzlich von der Idee beherrscht, nach Ruh- land zu gehen und dort in irgendeiner Weise sich den deutschen Truppen dienstbar zu machen. Da sah er in dem Schaufenster des Althändlers Giehoff in Wilmersdorf vier Revolver liegen, und da er meinte, daß zu einer romantischen Fahrt nach Rußland, zu der außer ihm vielleicht noch andere befreundete Jungen Lust haben könnten, die Bewaffnung mit einem Revolver gewissermaßen Ehrensache sei, so beschloß er, sich in den Besitz der vier Revolver zu setzen. Zu diesem Zweck lockte er zunächst Herrn G. durch einen Rohrpostbrief, der ihn zum Abschluß eines Geschäfts in eine ent- fernte Stadtgegend rief, aus dem Hause und wartete in der Nähe, bis sich G. entfernt hatte. Dann erschien er in dessen Geschäft. und überreichte der Frau G. einen Brief, in welchem sich noch ein ver- siegeltes Schreiben befand. Der Brief hatte folgenden Inhalt: „Bitte dem Ueberbringcr dieses Briefes die Revolver sofort zu übergeben; er ist beauftragt von Ihrem Mann, die Revolver in Empfang zu nehmen. Es sind vier Stück, die im Fenster liegen. Im Auftrag Ihre? Mannes Fritz H e i m a n n. Den Brief, der versiegelt ist. nicht eher aufmachen, bis Ihr Mann zu Hause ist." Frau G. erhielt aber durch den in schauderhafter Orthographie ge- schriebenen Brief die Ueberzeugung, daß es auf einen Schwindel abgesehen war: der Junge erhielt die ersehnten Revolver nicht. sondern wurde festgenommen. Da wurde dann auch das versiegeile Schreiben geöffnet. In diesem stand folgendes zu lesen:„Wenn Sie diesen Brief lesen, so bin ich schon aus Berlin weg und auf dem Wege nach Warschau. Ich bin aus dem Gefangenenlager in Döberitz entwichen. Ich schicke Ihnen, wenn es geht, das Geld für die Revolver aus Rußland zu. Aber schweigen Sie über den Vor- fall, sonst geht es Ihnen mit Ihrer Frau schlecht!" Der Ange- klagte gab schluchzend zu, den törichten Streich begangen zu haben und versprach dem ihn väterlich ermahnenden Vorsitzenden, nie wieder auf solche abenteuerliche Gedanken zu kommen. Das Gericht verurteilte ihn zu 4 Wochen Gefängnis, will ihn aber der bedingten Begnadigung empfehlen. Milchpautscherei. Der Landwirt Paetsch aus Alt-Töplitz wurde von der Potsdamer Strafkammer zu 10 0 Mark Geldstrafe wegen Nohrungsmitlcl. fälschung verurteilt. Er hatte die von ihm verkaufte Milch mit Wasser vermischt. In einem Falle wurde ein Zusatz von zehn Liter Wasser auf 100 Liter Milch festgestellt. Danach dürfte der vom An- geklagten gezogene Nutzen die Höhe der Strafe wohl übersteigen. Mus aller Welt. Eine Bluttat in Chemnitz. In einem Hause in der Dorotheen« straße ereignete sich am Dienstag eine schwere Bluttat. In den Abendstiinden wurde dort die Leiche des Expedienten Wagner an der Decke hängend mit durchschnittener Kcbte aufgefunden. Seine Frau lag gleichfalls rot in einer großen Blutlawc auf dem Fuß« boden mir drei Stichen in der Brust. Der Tatbestand ist noch nicht aufgeklärt. Wahrscheinlich ist der Mann, der stark nervös war, der Täler. Beim Baden in der Ostsee ertrunken. Der Rechnungsrat B o e r st aus Berlin- Martendorf ist, wie ein Telegramm der„Voss. Ztg." meldet, bei Groß-Horst— Treptow beim Baden ur der Ostsee ertrunken. parteiveranftaltungen. Tchöncberg. Die Bezirks, und AbteilungSIeilcr und Leiterinnen werden ersucht, sofort ihre Adressen an den Vorsitzenden des WadwereinS. Genossen Ferdinand Sch tat er, Goltzstr. 45 vorn 4 Treppen, einzu- senden._ SitzungKtage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Noscnthal. Donnerstag, den 17. August, abends 6 Uhr, im großen Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes, Hauplstr. 34. Diese Sitzungen sind össenilich. Jever Gemeindeangehörige ist be. rechtigt, ihnen als Zuhörer beijuwobiien. Zentralverband der Lederarbeiter und-Arbeiterinnen Deutsch- landS. Berlin I. Sonnabend, den 13. August, abends 8 Uhr, MU- gliederversammlung bei Hermann Schmidt, Prinzenallee 33. WetterauSsichten für das mitttere Norddeutschland bis Freitag mittag. Warm und schwül Im Welten überwiegend bcwöllt und weitverbreitete Rcgensälle. Oestlich der Oder noch zeitwclje heiler. Strichweise Gewitter. Tnistfrei Trustfrei „Unsere Marine"-Zpreiie 2V2 Pfg. �nsdiKefiK�JCriegsaufsdil� Trotz Steuererhöhung behatten unsere Zigarette« ihre alten anerkannten Qualitäten Z Georg A.Jasmatzi Aktiengesellschaft, Zigarettenfabrik, Dresden- A.