Ar. Ä26.-33. Jahrg. Hbonsicments-Bedingungen: HSonnemctttä.®tct« Btänumtronb«' Bierlcljährl. 8,90 Mk, monatL 1�0 MI, wöchentlich 80 Pfg, frei WS Hau». Einzelne Nummer ö Big. SonmagS» numiner mit illustrierter Sonntag»- Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg, Post- Abonnement! 1,80 Mark»ro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung»- Preisliste. Unter Kreuzband tür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2.50 Mark, ffit da» übrige Auöland l Marl pro Monat. Poslabonnement» nehmen an Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Ponugal, Rumänien, Schweden und die Schwei». ( 5 Pfennig) DI« TnferflonS'Gebü!)« tietriigt für die sechZgespalienc Kolonel» >eile oder deren Raum M Pfg,, für politische und gcwcrlschajiliche Verein». und Bersammliing»- Anzeigen 80 Psg, „Kleln« Hnreigtn", da» fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zuiülstg S setigedruckte Wortef, jede» weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlasstellenan» zeigen da» erste Wort 10 Psg., jede» weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worte. Inseraie für die nächste Nummer müsscii bi» 5 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Tie Expediiion ist bi» 7 Uhr abend» geöfsnet. kilchelM lagst«. Vevlinev VolksblAkk. irelegramm-Ndreste: �oplaitiewdkkal stcriia". Tentralorgan cker toziAldcmokrati f eben Partei Deutfcblands. Hedoftion: EW. öS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moristplati. Nr. 1S1 Sv— 181 97. Freitag, den 18. August 1916. Expedition; SW. öS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplast. Nr. ISI S0— 151»7. ■Ii immnmwmmmtmmKmammKmHatsaHminm iiinMiNimwn Hn der Schwelle des dritten Kriegsjahres. Ein ungehaltener Vortrag von Ed. Bern st ein. III.*) Wenn ich aber die Frage der Verantwortung der Rc- gierungen am Kriege unerörtert lasse, so glaube ich dagegen die Frage unserer eigenen, der Sozia ldemo- kratie, Verantwortung nicht übergehen zu sollen. Gerade heute, wo wir an der Schwelle des dritten Kriegs- jahres stehen, scheint es mir angezeigt, dieser Frage eine kurze Betrachtung zu widmen. Nicht die Regierungen allein sind für das politische Tun eines Landes verantwortlich. Auch die Parteien, ja, zuletzt auch jeder einzelne Staatsbürger, tragen ihr Stück Mitverantwortung. Mag der politische Einfluß des einzelnen verschwindend gering sein, so ist er doch darum noch durchaus kein Nichts im Spiel der Kräfte des Staats- lebens. Er ist ein Bruchteil, der im Verein mit vielen anderen ein Ganzes ergibt, das aber nie zustande kommt, wenn die Bruchteile versagen. Sich dessen stets bewußt zu sein und danach zu handeln, ist das elementare Pflichtgebot � für den Staatsbürger. Er muß sein öffentliches Wirken so einrichten, als ob von ihm abhinge, was geschieht und was unterbleibt. Noch mehr gilt das natürlich von den Parteien. Das Stück politischer Macht, das sie auszuüben vermögen, ist wie ein anvertrautes Gut, über dessen Verwendung sie Rechen- schaft abzulegen haben, wenn keinem anderen, so doch ihrem Gewissen und der Geschichte. Insoweit es sich nicht nur um die politische Macht handelt, die das Gesetz verleiht, sondern auch um die sozial mögliche, aus dem gesellschaftlichen Kräfteverhältnis, dem sozialen Können der Parteien sich ergebende Macht. Wie der große Philosoph Kant es in einem anderen Zusammenhang mit den Worten ausgedrückt hat: „Du sollst, weil du kannst." Wie steht es mit unserer Veranttvortung an diesem Krieg? Daß wir mit unserem Wollen in keiner Weise zu seinem Herannahen und Eintreten beigetragen, im Gegenteil jede Maßnahme bekämpft haben, die nach unserer Ansicht zu ihm führen konnte, dürfen wir mit gutem Genüssen behaupten. Wir dürfen uns auch darauf berufen, daß wir in der der- hängnisvollen Stunde die einzige politische Partei in Deutsch- lauö waren, die ihre Stimme zum Protest gegen ihn erhob. Die flammenden Worte im Aufruf des Parteivorstandes vom 25. Juli 1914, die krafwollen Sätze in den Resolutionen der Volksversammlungen, �u denen in jenem Manifest aufge- fordert worden war, die eindringenden Mahnworte in den Artikeln unserer Parteipresse legen Zeugnis davon ab, daß wir uns der Verantwortung, die damals auf uns ruhte, voll bewußt waren. Aber war mit dem, was wir damals taten, auch wirklich unser Können gegenüber dem erschöpft, was zu bekämpfen wir als unsere Pflicht betrachteten? Es ist nicht gleichgültig, uns diese Frage heute vorzu- legen. Gewiß, was in der Vergangenheit liegt, kann keine nachträgliche Betrachtung ungeschehen machen. Aber sie ist darum keineswegs schon überflüssig. Das hinter uns Liegende bereichert unsere Erkenntnis über die Folgen unseres Tuns und Unterlassens und kann dadurch unsere überlieferten An- schauungcn über die Bilanz unseres Könnens richtigstellen. Die große Mehrheit unserer Partei war damals und ist jetzt noch der Ansicht, daß wir in jenen Tagen alles getan haben, was in unserer Macht stand, das Verhängnis abzu- wenden. Daß auch ich sie in jenen Tagen und noch später vertrat, wird vielen bekannt sein. Aber ich werde' wohl nicht der einzige fein, der, wie der Krieg sich in die Länge zog und immer furchtbarere Gestalt annahm, sich in Stunden der seelischen Bedrücktheit immer wieder von neuem die Frage vorgelegt hat, ob wir nicht doch geirrt haben, ob wir nicht in bezug auf Mittel, die uns noch zur Verfügung standen, eine falsche Rechnung aufgestellt, sie zu gering eingeschätzt hatten? Erwägungen dieser Art haben mich zu einer Ansicht gc- führt, der auch Genosse Ströbel jüngst Ausdruck gegeben hat, nämlich zu einer höheren Wertung der sogenannten pazisi- stischen Bewegung, mit welchem Wort diejenige Bewegung verstanden wird, die sich speziell mit den Fragen des Völker- friedens beschäftigt und für ihn wirkt. Nicht, daß ich von dieser Bewegung Wunderwirkungen erwartete oder gegen ihre Mängel blind wäre. Auch die Möglichkeiten des Pazi- fismus sind begrenzt, und er hat, als politischer Faktor be- trachtet. Fehler, die allen auf eine bestimmte Frage zuge- spitzten Bewegungen eigen zu sein pflegen. Aber er hat auch die Vorzüge der Beschränkung auf bestimmte Fragen, die durchdringendere Behandlung ihrer Einzelheiten, den ge- übteren Blick für ihre Anwendungsformen und die größere Festigkeit in ihrer Vertretung. Namentlich durch letzteres ist er in dieser Zeit der opportunistischen Umlernerei in bezug auf die Grundbedingungen der Friedenspolitik ein Er- ziehungsfaktor von nicht zu unterschätzendem Wert. Gegen die Untergrabung der Rechtsbegriffe findet man in der Lite- ratur der Pazifisten vortreffliches Aufklärungsmaterial und in ihren Reihen Personen von einer Ueberzeugungstreue, die uns allen zum Muster dienen kann. *) Sieh« Nr. 222 und 225 bcS„Vorwärts". Nur eine erzieherische Arbeit ist jedoch dem Pazifismus heute möglich, eine Ausklärung der Geister hinsichtlich der Natur des zu erstrebenden Friedens. Jede darüber hinaus- gehende Propaganda ist ihm unmöglich gemacht. Und wenn die Pazifisten mit einem gewissen Recht darauf verweisen können, daß bei Verwirklichung und Befolgung ihres Pro- gramms, das ja durchaus der gegebenen Gesellschaftsordnung angepaßt ist, der Krieg hätte vermieden werden können, so ändert das daran nichts, daß ihre Bewegung eben noch nicht stark genug war, die Befolgung ihres Programms zu er- wirken. Zweifellos ist nur, daß wir durch kräftigere Unter- stützung des Pazifismus in der Vergangenheit seine und unsere Position für das zu verrichtende Werk sehr wesentlich gestärkt hätten. Gegenüber den Mächten, deren Einfluß es zu besiegen galt, hätte aber selbst dieses Bündnis wahrschein- lich nicht ausgereicht. Und so wendet sich der prüfende Blick einer anderen Kraft zu, die von bestimmter Seite als geeig- net propagiert worden war, den Frieden zu sichern, von uns aber als ungeeignet erachtet und deshalb unversucht gelassen wurde._(z) Infame Treibereien�. Unter dieser Stichmarke schreibt die„ N o r d d. A l l g. Zeitung": „Seit kurzem wird, wie eS scheint, in weiten Kreisen, eine für schonende Kriegführung gegen Eng- land eintretende Denkschrift verbreitet mit der Behauptung, daß der Stellvertreter des Reichskanzlers Staats- sekretär Dr. Helfferich der Verfasser sei. Der Staatssekretär Dr. Helfferich steht dieser Denkschrift gänzlich fern. Dasselbe gilt von allen übrigen leitenden Persönlichkeiten. Es handelt sich hier offenbar um eine jener infamen Treibe- reien, durch die eine kleine, aber skrupellose Clique immer wieder den gänzlich haltlosen Verdacht gegen die Reichsleitung zu verbreiten sucht, als ob sie sich aus schwächlicher Verständigungssucht scheue, gegen England die Kriegsmittel anzu- wenden, durch die England in kurzer Zeit zum Frieden gezwungen werden könnte. Da der Urheber dieser neuen Treiberei bisher nicht er- mittelt werden konnte, wird der Sachverhalt hiermit öffentlich festgestellt."_ Helgien will allseitige Unabhängigkeit. In einem Artikel der„Deutschen Tageszeitung" hatte Graf Reventlow gesagt, daß Belgien in Zukunft, selbst wenn Deutschland es wollte, nicht wieder unabhängig werden könnte, da es notwendig von der einen oder anderen Gruppe der Großmächte abhängig bleiben wende; dadurch seien auch die realen Garantien bestimmt, die Deutschland für die Zukunft von Belgien verlangen müsse. Hierauf antwortet Julius H o st e jr. im Leitartikel von„Vrij B e l g i e" vom 4. August: Der Artikel de? Grafen Reventlow zeigt, daß die Alldeutschen ihren Ton bereits merklich herabgestimmt haben, von einer unbe- dingten Annexion Belgiens ist selbst bei ihnen schon nicht mehr die Rede. Graf Reventlow kennt uns aber nicht, wenn er glaubt, daß wir nach diesem Kriege ein« Abhängigkeit von Frankreich und England ertragen würden. Unser Volk will sein LoS nicht an militärische und wirtschaftliche Bund- nisse mit Großmächten knüpfen; alle Opfer, die es bringt, bringt es für seine Freiheit und die Menschheit. Es hieße unsere Bundesgenossen beleidigen, wollte man ihnen die Absicht zuschreiben, das klein« Land zwischen Maas imd Schelde jemals zur Rolle eines Vasallen oder eines Trabanten zu erniedrigen. Würde ein Friede in diesem Sinne geschlossen, so würden ihn die Vlamen nach meiner Meinung nicht anerkennen; aber selbst, wenn sie es täten, würde er keine zwei Jahre standhalten gegn die Entrüstung des Volkswillens. Die vollkommene Wiederher st ellung der belgischen Unabhängigkeit soll uns aber auch von jeder Be- vormundung in bezug auf die Neutralität be- freien. Die Neutralität ist uns viel mehr im Interesse der Großmächte als in unserem eigenen aufgedrungen worden, sie ge- hörte zu dem sogenannten System des europäischen Gleichgewichts, das auf so jämmerliche Weise ein Ende genommen hat, weil man nach dem Prinzip der Geheimverträge das Gleichgewicht ausschließ- lich auf dem Gleichgewicht der Macht beruhen ließ, ohne sich um das Völkerrecht zu kümmern Eine solche vollkommene Wiederherstellung der belgischen Unabhängig. keit ist eine Bürgschaft für einen dauernden Frieden; die vollständige Lösung der Sprachenfrage ohne jede fremde Einmischung, nur durch eine vollkommene Selbstverwaltung der Vlamen und Wallonen, muß der Zement für das unabhängige Bestehen Belgiens sein. Norman �togell zu achtzehn Monaten Zuchthaus verurteilt. Wie der„Avanti" vom 2. August aus England berichtet, wurde Norman Angell, der bekannte Verfasser des Buches„Die große Illusion" nach mehrmonatiger Haft zu einer Zuchthaus, strafe von achtzehn Monaten verurteilt, weil er sich, getreu seinen theoretischen Ueberzeugungen, weigerte, in irgendeiner Weise am Kriege teilzunehmen. Der Gerichtshof, der zu entscheiden hatte, ob es sich hier um einen jener Fälle von Gewissensbedenken han- dcle, durch die eine Verweigerung des Militärdienstes gerechtfertigt werde, kam zu einer Verneinung dieser Frage, trotz der bekannten in den Schriften Norman Angells vertretenen Ansicht ihres Verfassers und trotz den mehrfach abgegebenen Gutachten Bern- Harb Shaws und anderer maßgebender Persönlichleiten, die den Nachweis erbrachten, daß Angells Weigerung nur eine Konse- quenz feines antimilitaristischen Standpunktes sei. Bei der Verhandlung gab Norman Angell an, daß er während seiner Haft sehr schlecht behandelt worden sei. Er sei in strengster Einzelhaft gehalten worden, habe ohne Matratze schlafen müssen und nicht die Erlaubnis zum Lesen und Schreiben erhalten. Auch habe er die schwersten Beschimpfungen von feiten des Gefängnisdirektors zu erdulden gehabt. Man fragt sich vergebens, welche Beweis« für tatsächliche Gc- Wissensbedenken gegen die Dienstpflicht noch erbracht werden müssen, wenn die ganze Arbeit Norman Angells nicht als beweiskräftig genug anerkannt wird! Militarisation von Sergarbeitern. Auf der Jahreskonferenz des scbottischen Bergarbeiterverbandes, die ani 10. d. M. in Edinburgh eröffnet wurde, hielt der Vorsitzende Genosse S m i l l i e eine Eröffnungsrnde, die an der RegierungS- Politik eine überaus scharfe Kritik übte. Wenn die Regierung daS Programm des Dreibunds der großen Verbünde nicht im Guten an- nehmen wolle, werde man eS mit Gewalt durchsetzen, entweder durch die Gewalt der öffentlichen Meinung oder nötigenfalls durch die Gc- walt der Organisation. Die heutigen AlterSpensionen im Bergbau nannte Smillie eine Schande. Ebenso heftig verurteilte er die Gleichgültigkeit; womit die Regierung dem LcbenSmittelwucher zu- sieht. Besonder« energisch wandte er sich weiter gegen die Weise, wie Soldaten den Privatunternehmern zur Verfügung gestellt werden. Man habe den Bergarbeitern wiederholt feierlich versprochen, daß die Soldaten, die zu einer Zivilbeschäftigung verwandt werden würden, nicht unter der militärischen Autorität und Disziplin bleiben würden. Derzeit seien Verhandlungen über die Rücksendung von Berg- arbeitern im Gang, aber das KriegSamt oder die lokalen Militär- behörden wollten manche unter der militärischen Disziplin belassen. Das dürfe nicht geduldet werden, da eS die ärgste Form industriellen Dienstzwangcs wäre. Die Bergleute seien zur schärfsten Opposition dagegen entschlossen.__ Der junger in Rumänien. Dem Züricher„Volksrecht" wird von einem rumänischen Ge- Nossen geschrieben: „Der Hunger schreitet durchs Land. Dieweilen die Natio- naliften und die vielen bezahlten Agenten der rumänischen Rc- gierung unter dem Rufe„Es lebe der Krieg" durch die Straßen ziehen, darben sechs Millionen Menschen unter der schrecklichsten Armut. Die Verpflegungsmagazine sind voll mit Getreide, die Bojaren machen wunderbare Geschäfte, und das Volk hat kein Brot; es bekommt aber dafür blaue Bohnen und Kavallerie- attacken. Wenn sich die Lage nicht bessern wird, so werden sich die Zwischenfälle von Galatz mit Sicherheit wiederholen. In den Hafenstädten, wo der Verkehr vollständig stockt, leiden die Prole- tarier unter dem Ungeheuer der Armut und der Arbeitslosigkeit entsetzlich. Die rumänische Aristokratie kann wegen des Weltkrieges nicht ins Ausland reisen, so bringt sie das patriotische Opfer im Lande zu bleiben und geht zum Sommerausenthalt nach Constanza. Da herrscht infolgedessen ein enormer Luxus. Die Proletarier dieser Stadt leiden aber unter der Arbeitslosigkeit entsetzlich; es kam zu Demonstrationen und Straßenkrawallcn. Die Zustände in den Dörfern lassen sich gar nicht beschreiben, da herrscht die Gendarmerie und jeder Schrei der Not der Bauern wird mit Kerker geahndet." Keine Neuwahlen in Dänemark. Kopenhagen, 17. August. jW. T. B.) In einem gestern abend ausgegebenen amtlichen Bericht über die Sitzung des Landsthings heißt es, daß die Sitzung unterbrochen Ivurde, weil der Finanzminister Brandes den Präsidenten des Landsthings sowie die Parteiführer aufgefordert hat, im Ministerzimmer eine Mitteilung des Ministerpräsidenten entgegenzunehmen. Wie Ritzans Bureau erfährt, hat der M i n i st e r p ä s i d e n t dabei mitgeteilt, daß er am Vormittag zum König gerufen worden ist, der ihm seine Besorgnisse, zurzeit ReichStagSwahlen vorzunehmen, ausgedrückt hat. Der König hat den Ministerpräsidenten gefragt, ob dieser durch Besprechungen mit den leitenden Männern im Reichstag feststellen könnte, in wie weit eine Möglichkeit zur Vildung eines Ministeriums aus allen Par- teien vorhanden sei. um so Neuwahlen zu ver- meiden. Der Ministerpräsident hat seiner Mitteilung hinzugefügt. daß eine Voraussetzung für diese Möglichkeit sein müsse, daß der Beschlutz des Folkethings wegen Verkaufes der westindischen Inseln nicht verworfen wird. Die Sitzungen des LandSthingS sind unter diesen Umständen auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Die Veratungen der Parteien finden am Freitag und Sonn- abend statt. Der bulgaristhe Kriegsbericht. Sofia, 16. August.(W. T. B.) Der General st ab berichtet: Am 14. August abends eröffnete die feindliche Artillerie ein heftiges Feuer auf unsere vorgeschobenen Stellungen südlich und westlich vom Doiransce. Unter dcni Schutze dieses Feuers griff die feindliche Infanterie in der Nacht diese Stellungen an, wurde aber zurückgeschlagen. Darauf setzte die gegnerische Artillerie das Feuer fort. Am 15. August vormittags griff der Feind von neuem die genannten Stellungen und zwar mit beträchtlichen Streitkräften an. Er wurde wieder zurückgewiesen und genötigt, sich in großer Unordnung zurückzuziehen. An der übrigen Front schwaches Geschützfeuer und Patrouillengefechte. Bericht ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 10. August.«W.T.B.» Amtlicher Bericht. Es ist nichts Wichtiges von den verschiedenen Fronten zu melden. Die feindlichen Heeresberichte. Der französische Tagesbericht. V o m 16. A u g u st n ach mittags.«W. T. B.) Die Nacht verlief aus dem größten Teil der Front ruhig. Die Franzoien zer- sprengten deutsche Patrouillen in der Champagne in der Richtung von Tahure, in den Argonnen in der Richtung von La Harazse. An der Front von Verdun ziemlich lebhasles Geschützfeuer in den Abschnitten von Thiaunionl, Fleury, Vaux und Chapilre. L u s t t r i e g. In der Nacht vom 15. zum 16. warfen deutsche Flugzeuge einige Bomben auf Belsort. ES wurde niemand getötet. Vom 16. A u g u st abends.«W. T. B.) An der «ommesront schritten wir nach einer kräftigen Artillerievorbe- reitung heute nachmittag zur Offensive, die uns nördlich von Maurepas bedeutenden Gcivinn eintrug. Unsere Truppen nahmen in Verbindung mit dem britischen Heere die ganze Linie der beul- scheu Gräben aus einer Front von ungefähr 1500 Meier und er- reichten einige Punkte der Straße Guillemont— Maurepas. Süd- lich dieses Dorfes wurden aus einer Front von zwei Kilo- meter und einer Tiefe von 300 bis 500 Meter alle Stellungen des Feindes östlich der Straße Maiircpas�Clery nach einein sehr heftigen Kamps, der dem Feinde erhebliche Verluste kostete, durch unsere Infanterie gleichfalls besetzt. Diese beiden glänzend geleiteten und schnell durchgeführten Kampfhandlungen ge- statteten uns, eine Anzahl Gefangener zu machen, deren Zahl noch nicht festgestellt ist. Südlich der Somme gingen um dieselbe Zeit unsere Truppen zum Angriff vor und bemächtigten sich in einein einzigen Schwünge eines Systems stark befestigter deutscher Gräben auf einer Länge von ungefähr 1500 Metern südlich von Belloy-en- Santerre. An 00 Gefangene blieben in unserer Hand. Aussetzender Geschützkampf auf dem übrigen Teile der Front. Belgischer Bericht: Heute herrschte sehr lebhaste Tätig- keit der Feldartillerie und der Grabengeschütze in der Gegend von Dixmude. Tie englische Meldung. Vom 16. August.10 Kilometer nördlich Kirlibaba) wurden die Angriffsversuche des Feindes durch unser Feuer abgewiesen. Nach abgeschlossener Zählung ist die Gesamtbeute der Truppen des Generals Brussilow in der Zeit vom 4. Juli bis 13. August im Laufe der Unternehmungen zur Eroberung der im Winter ausge- bauten deutschen und österreichischen Linien vom Prypec bis zur rumänischen Grenze folgende: Gefangene, Offiziere und Soldaten Feldtruppen, Etappentruppen, Train, Sanitätspersonal usw.), Gc- schütze und Maschinengewehre: 1. Armee des Generals Kaledin: 2384 Offiziere, 107 225 Sol- baten, 147 Geschütze, 459 Maschinengewehre, 146 Bomben- und Minenwerfer. 2. Armee des Generals) Letschitzki: 2139 Offiziere, 100 578 «oldaten, 127 Geschütze, 424 Mäschineiigewehre, 44 Bomben- und Minenwerfer und mehr als 35 Munitionswagen. 3. Armee des Generals Sacharow: 1967 Offiziere, 87 248 Sol- datcn, 76 Geschütze, 232 Maschinengewehre, 119 Bomben- und Minenwerfer und mehr als 128 Munitionswagen. 4. Armee des Generals Tscherbatschcw: 1267 Offiziere, 56 794 Soldaten, 55 Geschütze, 211 Maschinengewehre, 29 Bomben- und Mincnwerfer und 129 Munitionswagen. Im ganzen: 7757 Offiziere, 350 845 Soldaten, 405 Geschütze, 1326 Maschinengewehre, 338 Bomben- und Minenwerfer, 292 Muni- tionswagcn. Außerdem wurden eine große Anzahl Gewehre, 30 Werst Feldbahnmaterial, Telephongerät, mehrere Artillcricdcpots und Pioniergerät erbeutet. .Vom 1 6. A u g n st a b en d s(W. T. B.): Westfront: Die Lage ist unverändert. Kaukasusfront: In Persien schlugen wir die Angriffe von feindlichen Streitkräften westlich von Äalapasova(?) südwest- lich des Ilrmia-Sees ab. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom. 16. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Auf dem Karst und in dem Hügelgebiet östlich von Görz heftige Ar- tillerie- und Bombenwerfertätigkeit. Angriffe unserer Infanterie brachten uns in Besitz von feindlichen Gräben auf den Hängen des Monte Pecinka, auf dem Nordrand des Karst und in der Umgebung von Santa Catharina und San Marco östlich von Görz. Wir nahmen dem Feinde 353 Gefangene, darunter 11 Offiziere, ab. Auf der übrigen Front haben wir die üblichen kleinen Angriffe des Feindes abgeschlagen. Auf dem Plateau von Schlegen gelang es unseren Abteilungen, in heftigem Ansturm in einige feindliche Gräben an den Abhängen des Monte Mosciagh einzudringen. Unter heftiges feindliches Artilleriefeuer genommen, kehrten sie unbehelligt in die eigenen Stellungen zurück, nachdem sie die Verteidigungs- einrichlungen des Feindes zerstört hatten, und brachten einige Ge- fangene mit. Eins unserer Luftgeschlvader, bestehend aus 14 Capronifliegern, bewarf gestern in Begleitung von Nieuport-Jagdflugzeugen Eisen- bahn- und militärische Anlagen in der Umgebung der wichtigen Bahnhöse Prebacina und Dornberg. Unsere Flieger warfen 90 minenähnliche Bomben und ungefähr 2'/» Tonnen hochexplosiver Stoffe auf ihre Ziele. Die erzielten Ergebnisse waren sichtlich sehr bedeutend. Obwohl sie von zahlreickien Abwehrbattericn unter Feuer genommen wurden, kehrten unsere Flugzeuge alle nach ihren Stütz- punkten zurück._ C a d o r n a. vom �s-Soot-Krieg. Haag, 17. August.(W. T. B.) Gestern nachmittag 6 Uhr ist das Fischerfahrzeug„LotoS" in den Hafen von Scheveningen an- gekommen. Es hatte 15 Mann von der Besatzung von zwei n o r> w e g i s ch c n mit Holz Beladencn Schiffen an Bord. 10 Mann stammten von dem Barlschiff„Restip" und 5 Mann von dem Schoner. F r e w a r d die von Fredrickshald resp. Kristiania mit je einer Ladung Grubenholz nach Hartlcpool unterwegs waren. Die „Restip" ist am Sonntag mittag 12 Uhr und die„Freward"' Sonnlag nachmittag 4'/-z Uhr von einem deutschen Unter see- bootin Brand geschossen worden. Die Besatzungen wurden auf den„Lotos" gebracht. London, 17. August.(W. T. B.) Lloyds meldet, daß die ita- lienischen Segelschiffe„Iva" und„Guiseppe Pctriarca" gesunken sind. Neuer deutscher§lugzeugangriffgegen Gesel Amtlich. Berlin, 17. August.(23. T. 23.) Am 15. und 16. August haben unsere Sceflugzeugc erneut die Flugstation UIH m(Stögen(Mnottiets. Amtlich. GroßeSHauptquartier, 17. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Das feindliche Feuer erreichte westlich vou Wytschaete sowie am uud südlich vom Kanal vou La Bass6e zeitweise große Heftigkeit. Nachdem bereits am Morgen starke englische Angriffe aus der Linie Lvillers— Poziöres und westlich des Foureaux- Waldes abgewiesen warcu, sind abends nach starkem Vor- bereitungSfeuer und mit sehr erheblichen Kräften die Eng länder zwischen Guillemont und der Somme zum Sturm vorgegangen. Der Sturm ist gescheitert, ebenso wie die mehrfachen, von den Franzosen bis zu fünfmal versuchten nächtlichen Wiederholungen. Nach hartnäckigem Kampfe wurden westlich des Foureauxwaldcs«nd südlich von Maurepas eingedrungene Teile des Gegners wieder zurück- geworfen. Die feindlichen Verluste sind groß. Südlich der Somme wurde in der Gegend von Belloy gekämpft. Die Franzosen haben hier in unserem vordersten Graben in etwa 509 Meter Breite Fuß gefaßt. Ocstlich davon und bei Estrees ist der Gegner abgewiesen. Beiderseits der Maas war die Artillerietätigkeit wiederholt gesteigert. Ter Versuch eines feindlichen Au- griffs im Chapitre-Walde wurde durch Sperrfeuer unter- drückt. An zahlreichen Stellen der Front sind französische Patrouillenuuternchmungeu mißlungen. westlicher Kriegsschauplatz. Front des G c n e r al f e ld m a r s ch a l l s von Hindenburg. Heftige, bis in die Nacht fortgesetzte Angriffe der Russen gegen den Abschnitt Batkow— Harbuzow(westlich von Zalocze) wurden restlos abgewiesen. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Die Vorstöße des FcindcS nördlich des Dnjestr bei Toustobaby— Konczaki bliebe» auch gestern erfolglos. Es wurden 154 Gefangene eingebracht. In den Karpathen ist die Höhe Stara Obczyna(uörd- lich vom Capul) genommen. Balkan-Kriegsschauplatz. Südwestlich des Dojran-Sccs warfen schwache bulga- rische Vortruppcn feindliche 3lbteiluugen zurück, die aus Doldzoli vorzustoßen versuchten. Ober sie Heeresleitung. »» Zer ösiraeiiie GmiMOMW. Wien, 17. August 1916.(W.T.B.) Amtlich wird vcr- lautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Hccrcsfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Im Capulgebiet ist die Höhe Stara Obczyua genommen worden. Südlich von Moldova und an der oberen Bystosyca scheiterten russische Borstöße. Sonst bei der HecrcSfront nach den bereits gestern gemeldeten'Angriffen bei Horozanka keine brson- deren Ereignisse. Hecresfront des G e n e r a lf e ld w a r s ch a ll s v. Hindenburg. Bei der Armee des Generalobersten v. Bochm-Ermolli kam cS gestern zwischen Pcrcpcluiki und Pieniaki zu Kämpfen von größter Heftigkeit. Der Feind trieb durch mehr als zwölf Stunden ununterbrochen feine Massen gegen unsere Stellungen vor. Die meisten Anstürme brachen schon vor unseren Hinder- nisscn zusammen. Wo rS dem Gegner, wie bei fflkanajow, vorübergehend gelang, in unfe rc Gräben einzudringen, wurde er durch unsere Reserven zurückgeworfen. Die siegreiche Abwehr des russischen Stoßes ist ebenso sehr dem trefflichen Wirken deutscher und österreichisch-ungarischcr Batterien wie der tapferen Haltung der Infanterie namentlich der westnngarischcn Regimenter 12(Kauiaron) und 72 iPoszonx) zu danken. Unsere Verluste sind gering, die feindlichen außerordentlich schwer. Weiter nördlich nichts von Belang. Ztalicnischcr Kriegsschauplatz. Während die Italiener gestern ihre Tätigkeit an der Front zwischen Pl-va und der Wippach aus lebhaftes ArtiUcriefcuer be- schränkten, griffen sie zwischen diesem Fluffe und Oppacchiasella unsere Stellnngei» fünfuial tief gegliedert a». Rur an einer Stelle hatten unsere Truppen den Feind im Nahkampf zurückzu- werfen. Im übrigen brachen seine Stünnc unter besonders schwere» Verlusten schon in unserem Feuer zusammen. An der Tirolcrftont scheiterten kleinere feindliche Unter- nchmungcn am Monte Piano und Civaron. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Außer der gewöhnlichen Gcfcchtstätigkeit an der unteren Jovusa nichts Nenes. Der Stellvertreter de? Chefs des Generalstaies: v. H o c f c r, Feldmarschallcutnant. * Ereignisse zur See. In Erwiderung des fcindlichcn Fliegerangriffs auf Trieft hat in der Nacht vom 16. auf den 17. ein Flugzenggeschwddcr Venedig angegriffen. Es wurden der Bahnhof. Magazine, das Arsenal und militärische Objekte ausgiebig mit schweren, leichten und Branddomben belegt, viele Volltreffer erzielt und ein großer Brand in den Bahnhofsmagazinen erzeugt. Ein zweites Geschwader griff erfolgreich den Jnucnhafcn von Grado, eine Batterie am untere» Jsonzo und militärische Objekte von Monfalcoue an. Trotz heftigster Abwehr sind alle Flugzeuge unversehrt eingerückt. Flottenkommando. Papcnholm auf Oesel und am Strande der Insel Runoe stehende feindliche Flugzeuge mit gut deckenden Spreng- und 23randbomben angegriffen. Trotz heftigen Abwehrfeuers mit anschließendem Luftkampf kehrten unsere Flugzeuge sämtlich wohlbehalten zurück. Ein in derselben Nacht von vier feind- lichen Flugzeugen auf Angernsee ausgeführter Angriff hat nur geringen Sachschaden verursacht. Neue /lnstrengungen! Bon Richard Gädke. Während sich in der ersten Augustwoche eine gewisse Ab- schwächung der feindlichen Angriffe bemerkbar machte, die zum Teil wohl durch die großen Verluste der vorhergehenden Wochen, zum anderen Teil aber durch Vorbereitungen und Kräfteverschic- bungen verursacht war, entflammten sich die Kämpfe vom 7. August an rings um uns zu neuer Wut. Unsere Gegner sehen die Gunst der augenblicklichen Lage für sie in dem Umstände, daß sie nunmehr nach zweijähriger Kriegsdauer endlich dahin gelangt seien, auf allen Kriegsschauplätzen gleichzeitig vorzugehen und die Heere der Mittel- mächte überall, gleichzeitig und mit gleicher Wut anzufallen. Sie glauben— wie die englischen Staatsmänner ausplaudern— uns dadurch endgültig in die reine Abwehr mit allen ihren Nachteilen zurückgedrängt und das Hinüberwerfen unserer Streitkräfte von der einen zur anderen Front dauernd verhindert zu haben. Ob sie aber die geistigen und materiellen Hilfsmittel der deutschen Heeres- leitung nicht zu gering eingeschätzt haben, kann erst die Zukunft lehren. Soviel kann gesagt werden, daß an sich die Gleichzeitigkeit starker Angriffe auf allen Kriegsschauplätzen die Ausnutzung des großen Vorteils niemals verhindern kann, den ihre zentrale Lage den Mittelmächten in strategischer Beziehung gewährt. Für den Feldherrn handelt es sich niemals allein um die Gleichzeitigkeit feindlicher Angriffe, fondern in höherem Maße um die Einschätzung ihrer Bedeutung und ihrer Gefährlichkeit. Zu allen Zeiten hat es große Führer gegeben, die an einem Punkte Wagnisse auf sich nahmen, um au anderer Stelle doppelt stark zu sein und das stolze Vorrecht des Eingriffs an sich reißen zu können. Wie das für kleinere Nerhältnisse noch immer gegolten hat, so erst wohl für die riesigen Verhältnisse eines Weltkrieges. Ich darf an den entscheidenden Kampf zwischen Rom und Karthago erinnern. Im Jahre 207 vor Christi stand er auf seinem Höhepunkt; im Süden von Apulien her drohte der größte Feldherr des Altertums Hannibal, der eben erst wieder ein kaukasisches Heer geschlagen hatte, von Norden aber durch die italienische Ebene rückte sein Bruder Hasdrubal mit starken Streitkräften heran. Da ver- ließ der tüchtige Konsul Claudius Nero mit einem Teile seines Heeres die Front im Süden, er wagte ihre Entblößung gegenüber Hannibal und zog in Eilmärschen seinem Kameraden nach Norden zur Hilfe. Beide vereint, schlugen und vernichteten das Hasdrubal- Heer am Metaurus und wandten sich dann wieder nach Süden. Diese Schlacht bei Sena war die wahre Entscheidungsschlacht des weltbedeutenden Krieges zwischen Rom und Karthago und nicht erst die Schlacht bei Zama im Jahre 202, die ihm ein unmittelbares Ende setzte. In Wahrheit rechnen unsere Gegner auch weniger auf die Gleichzeitigkeit ihrer Zlngriffe, als vielmehr darauf, daß ihre Waffen überall so überlegen seien, daß unsere Streitkräfte im gün- stigsten Falle nur gerade noch hinreichten, sich mühsam in der Ab- wehr zu behaupten. Die Ansammlung ungeheurer Massen von Geschützen und Geschossen mit Hilfe Japans und der Vereinigten Staaten, die ungewohnt starke militärische Anstrengung Englands, die Rüstungen Italiens, die Ausschöpfung der russischen Volkskraft haben ihnen unzweifelhaft eine große Zahlenüberlcgeuheit ver- schafft. Die Gleichzeitigkeit der Angriffe von West und Ost ist auch schon früher mehrmals erreicht worden; der Unterschied von jetzt gegen früher liegt in den verhältnismäßig größeren Massen, die unsere Gegner diesmal auf die Beine gebracht haben. Und hier stehen wir wieder einmal vor der alten Streitfrage, welchen Einfluß die Zahl auf die Entscheidung der Schlachten und der Kriege ausübt. Offenbar handelt der sehr leichtfertig, der ihren Wert verkennt und seine Streitkräfte nicht so stark macht wie ihm irgend möglich ist.„Viele Hunde sind des Hasen Tod", aber nicht nur des Hasen, sondern auch des Bären! Doch ist es erfreulich für den in jeder Entwicklung tätigen Geist, daß nicht die tote Zahl an sich, cs� ist� die die Entscheidung gibt, sondern daß sie erst in der Hand des Foldherrn ihre fruchtbare und ihre furchtbare Bedeutung gewinnt.' Damit aber tritt der Vorteil einer zentralen Lage auch gegenüber der Zahl wieder in fein volles Recht. Und auch darauf darf sich unsere Zuversicht gründen, daß die unerhört großen Vcr- luste, die unsere Gegner bei ihren rücksichtslosen Massenstürmen er- litten haben und fortdauernd erleiden, das zeitweise Uebergewicht der Zahl immer wieder zu unseren Gunsten mildern. Darin liegt nun wieder der Vorteil, den eine tüchtige Truppe aus einer mit Bewußtsein und nicht im Gefühl der Schwäche gewählten Verteidi- gung zu ziehen vermag.??ur das dauernde Verbleiben in der reinen Abivehr ist bedenklich, aber nicht die Verteidigung, die sich zeitweise zurückhält, um zu stärkerem Schlage ausholen zu können. Wie dem auch sei: in jedem Falle heißt es die Gleichzeitigkeit des Angriffes auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen in sehr bc- schränktem Sinne deuten, wenn man schon darin einen Vorteil zu sehen glaubt, daß er überall am gleichen Tage und fast zu gleicher Stunde losbricht. In den gewaltigen Verhältnissen dieses Krieges, wo die einzelnen Kriegsschauplätze durch Taufende von Kilometern voneinander getrennt sind, kommt es auf den Unterschied einiger Tage gar nicht an. Fast aber scheint es, als ob unsere Gegner be- sondere Zuversicht daraus schöpfen, daß ihre Heere am 7. und 8. August überall im Angriff gefochteu haben: an der Somme wie vor Verdun, am Jsonzo wie am Stochod und zu beiden cseiten des Dnjestr. Der Erfolg dieses gleichzeitigen Druckes blieb im wesent- lichen doch aus, wie er ja aus die Maßnahmen der deutschen Heeres- leitung keinen irgendwie gearteten Einfluß ausüben konnte. Hoch- stens einen gewissen moralischen Einfluß auf die Stimmung der gegnerischen Völker und damit auf die Verlängerung des Krieges mag man ihm zugestehen. Im Westen scheiterten die Angriffe und ihre Wiederholung am. 12. und 13. August unter schweren Verlusten. Wenn die Gegner wirklich der Zlnsicht sind, daß auf diesem Kriegsschauplatze die Eni- scheidung fallen müsse, könnte man fast glauben, daß sie bereits gegen sie gefallen fei. Es ist unwahrscheinlich, daß unsere Front. die nunmehr sechs Wochen der größten Ueberlegcnheit und den wütendsten Stürmen standgehalten hat, jetzt noch durchbrochen werden könne. Der Verlust irgendeines Grabenstückes aber ist be- dcutungslos. Am Jsonzo hat Cadorna endlich einen unzweifelhaften Er- folg davongetragen, indem seine Scharen in den westlich des Jsonzo gelegenen Görzer Brückenkopf einbrachen und im weiteren Ver- laufe auch die heißumstrittene Hochfläche von Doberdo besetzten. Daß sie hierbei eine größere Zahl von Gefangenen machten, ist glaublich. Aber wenige Kilometer östlich sind sie bereits wieder zum Stehen gekommen; am 13. August find seine siebenmal wiederholten Stürme östlich des Valonatales völlig gescheitert. Auf dem Gc- biete nördlich von Görz hat sich sein Erfolg überhaupt nicht aus- gedehnt, hier halten unsere Verbündeten nach wie vor die Jsonzo- front. Im Osten sind alle russischen'Angriffe gegen die Stochod- front unter schwersten Verlusten zusammengebrochen, auch der Einsatz der Garde und der harten Sibirier hat daran nichts zu ändern vermocht, sie haben hier und da sogar Boden verloren. Auch westlich Zalocze haben sie sich gegenüber der Armee Boehm-Ermolli schließlich nicht durchzusetzen vermocht. Nur zu beiden Seiten deS Dnjestr auf ihrem Südflügel war ihnen noch ein Erfolg beschieden. Ter Druck sehr überlegener Kräfte hat die Armee Koeveß zur Auf- gäbe ihrer Stellungen bei Thswienica, Ottynia, Nadworna und Tclatyn veranlaßt(9. und 10. August). Sie gab auch Stanislau auf und bezog hinter der Bystrycica neue Stellungen, in denen sie russische Angriffe am 13. August mit Erfolg abgewehrt hat. Diese Umgruppierung mußte ihren Einfluß auch auf die Armee des Grafen Bothmer nördlich des Dnjestr ausüben, deren rechter Flügel über Monastcrczista hart angegriffen wurde und die vor der übrigen Front weit vorgeschoben war. In dieser Umgruppierung ist nur eine Folge und eine Be- reinigung der Lage zu sehen, die sich aus der vorhergehenden Eni- Wicklung ergeben hotte. Die ganze lange Front der verbündeten Heers Eilbct nunmehr eine fast gerade, völlig zusammenhängende l Front von Norden nach Süden und von etwa 3kl) Kilometer Länge zwischen den Pripjetsümpfen und den Karpathen, die sich fast über- all auf gute natürliche Abschnitte stützt. Entlang dem Karpathen- walle aber, im Besitze seiner Paßausgänge, dehnt sich eine Offensiv- flanke von 140 Kilometer Länge vom Jablonico-Passe bis zur ru- mänischen Grenze aus. In dieser Lage stehen die verbündeten Heere bereit zu neuen Entscheidungen.(z) Die Wirkung ües letzten Lustangriffs. Berlin, 17. August. einandersetzungen müssen gegebenenfalls Zensurmaßnahmen zur Folge haben. Zur Frage des Verbots von Zeitungen teilt der Herr Reichs- kanzler die Ansicht des Reichsverbandes, daß zu dieser Maßnahme nur im äußersten Falle gegriffen werden sollte. Er hat auch bei gegebenem Anlaß in diesem Sinne Einfluß geübt." Nach den vielen Enttäuschungen, die die verschiedentlichen Zu- sicherungen einer Milderung der Zensur verursacht haben, wird man auch die Ankündigung des Herrn Wahnschaffe mit einer großen Dosis Skeptizismus aufnehmen müssen. Ganz abgesehen davon, daß ihr materieller Inhalt so gering ist, daß er unseren grundsätzlichen Standpunkt in der Zensurfrage, wie ihn die sozialdemokratischen Redner im Reichstag und Landtag entwickelten, nicht im geringsten erschüttert._ Belagerungszustand ISTO/lSTl. Gegenüber vielfachen irrigen Ansichten über den Belage- rnngszustand während des deutsch-französischen Krieges möchten wir folgendes kurz feststellen: Der Kriegszustand wurde nur für die Bezirke des 1., 2., 9. und 10. Armeekorps ausgesprochen. Die Aufhebung des Kriegszustandes erfolgte am 27. März 1871, also l1/, Monate vor Friedensschluß. In allen nicht vom Kriegszuftand berührten Teilen des nord- deutschen Bundes gab es keinerlei Beschränkungen der persön- lichen Freiheit, der Presse, des Vereins- oder Versammlungs- rechts._ Eine Aufsehen erregende Haussuchung. Bei dem Stadtverordneten und Mitglied des Hessischen Land» tages Molthan in Mainz, einem ZentrumSmann, fand eine Haussuchung statt. Diese Maßnahnie steht im Zusammenhang mit der Verhaftung eines gewissen Giesel, der der Bestechung bei Holzlieferung für militärische Zwecke beschuldigt ist. Es dreht sich um Hunderttausende. Giesel führte über alle Ausgaben und Ein- nahmen Bucki. so kam die Jwgelegenheit, die noch weitere Kreise in Mitleidenschaft ziehen dürfte, ans Tageslicht.(zj Abgabe von Flaschenspiritus. Die Reichsbrannlweinstelle macht bekannt: Die Spirituszentrale ist ermächtigt worden, statt der bisherigen 25 Hundertteile vom 1. September 1916 an 40 Hunderttcile des früheren Verbrauchs an vollständig vergälltem Branntwein sür häus- liche Zwecke(Flaschenspiritus) in den Verkehr zu bringen. Bis zu 30 Hunderlteilen sind zu dem bisherigen Preise von 0,55 M. für das Liter gegen Bezugsmarken, die von den Gemeindeverwaltungen ausgegeben werden, zu Ileseru, während der Rest bis zu 10 Hundert- teilen zu dem gleichfalls unverändert gebliebenen höheren Preise von 1.50 M. sür das Liter verkauft werden darf. Die übrigen in der Bekanntmachung vom 13. Mai 1916 („Deutscher Reichsanzeiger* vom 26. Mai 1916 Nr. 124) enthaltenen Bestimmungen werden durch vorstehende Anordnung nicht berührt. Das tägliche Srot. Einheitliche Regelung der Fleischversorgung. Berlin, 17. August.(W. T. B.) Eine vom Bundesrat am 17. August 1916 beschlossene Acnderung des§ 10 Absatz 3 der Bekanntmachung über Fleischversorgung vom 27. März 1916 gibt dem Reichskarizler die Möglichkeit, die bisher den Gemeinden beztv. Landeszentralbehörden überlasscne Regelung der Fleischversorgung selbst vorzunehmen. Die Verordnung bietet die rechtliche Grundlage für die vom Kriegsernährungs- amt vorbereitete, binnen kurzem bevorstehende einheitliche Regelung der F I e i s ch v e r s o r g u n g und des Fleisch- Verbrauchs im ganzen Reiche. Rasche Ablieferung des neuen Getreides dringend notwendig. Amtlich wird folgende Mahnung an die Getreide- Produzenten gerichtet: Die vielfach vertretene Auffassung, daß »die noch vorhandenen Bestände an Brotgetreide alter Ernte so reichlich seien, daß die Ablieferungen aus der neuen Ernte einer Beschleunigung nicht bedürften, ist durchaus irrtümlich. Die Reichsgetrcide- stelle bedarf vielmehr dringend einer sofortigen Ab- licferung von Roggen und Weizen der neuen Ernte._ Warnung vor Preistreibereien auf dem Rindcrviehmarkt. Aus dem Kriegsernährungsamt wird geschrieben: Die günstige Rauhfulterernte und die derzeitigen hohen Preise für Schlachtrinder, verbunden mit der Knappheit an Magervieh zur Winterstallmast und an Jungvieh haben für dieses in manchen Bezirken in letzter Zeit eine bedenkliche Preis- treiberei bervorgerujeu. Mäster und Inhaber großer Heu- Vorräte suchen sich durch Zahlung übermäßiger Preise in den Besitz des nach Friedensgewohnheit sür den Winter erforderlichen Viehs zu setzen. Auch Abmelkwirte neigen bei der Knappheit an AbmelUühen zu wirtschaftlich unberechtigtem Preisangebot. Die Zahl der ins- gesamt für den Winter verfügbaren Rinder wird durch solche ungesunde Preistreiberei nicht vermehrt. Die zurückgegangene Gesamtzahl der Stindermachtcs unvermeidlich, daß mancheStälle zum Winter ungenügend besetzt bleiben und daß deren Inhaber ihre Futterverwertung und Stallmisterzeugung nicht in der gewünschten Art fördern können. Die gegenseitige Ueb-rbietung der Kauflustigen kann für sie zu schweren Verlusten führen, da sie nicht darauf rechnen können, daß übertriebene Preise, die sie für Nutz- und Magervieh gezahlt haben, bei künf- tiger Regelung der Verkaufspreise berücksichtigt werden.'Das KriegSernährungSamt sieht sich veranlaßt, vor solcher Preistreiberei er n st lich zu warnen. Wer diese Warnung unbeachtet läßt, wird unter Umständen die Folgen in Gestalt von Nerlusten bei der späteren Verwertung des Viehes tragen müssen._ Butterpostsendungen ans dem Auslande werden beschlagnahmt. Das Kriegs er nährung samt teilt mit: Jeder, der Butter aus dem Auslande erhält, mutz sie nach den bestehenden ge- setzlichen Bestimmungen sofort bei der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft in Berlin anmelden und nach erhaltener Anweisung abliefern. Diese Vorschrift bezieht sich auch auf Postsendungen. Die Unterlassung der Anmeldung und Slblieferung und insbesondere der Verbrauch der Butter sind mit schweren Strafen bedroht und haben bereits in zahl- reichen Fällen zur Einleitung von Strafverfahren geführt. Aus diese Bestimmungen wird wiederholt hingewiesen, weil neuerdings holländische Firmen versuchen, für Butterpostsendungen aus Holland deutsche Einzelläufer zu gewinnen, die natürlich vor der Absendung einen unerhörten Preis bezahlen müssen und dann durch die Beschlagnahme ihr Geld verlieren. Insbesondere wird vor der holländischen Firma„Cooperative Stoomzuivclfabrik Coneordia" in Kondum in dieser Hinsicht dringend gewarnt. Letzte Nachrichten. Erdbcbenwirkungen in Italien. Bern, 17, August.(W. T. B.) Mailänder Blätter melden, daß die Eisenbahnlinie an der Adria durch das Erdbeben unterbrochen wurde. Tie Präfetten von Pesora und Aneona berichten, di« Panik unter der Bevölkerung sei sehr groß. In Rimini wurde � der Bevölkerung verboten,»vicder in die Häuser zurückzukehren. Gewerkfthastliches. Berlin und Umgegend. 15 Mark Monatsmiete für eine Nähmaschine. Diesen geradezu unglaublichen Anspruch suchte der Vertreter eines Beklagten vor der Sdilichtungskommission zu verfechten, kam daselbst aber an die falsche Adresse. Der Vertreier, der übrigens selbst ein Unikum darstellt,— er vertrat einmal in einer Klage erst die Kläger und dann die Beklagten— versuchte allen Ernstes das Gericht von der Berechtigung dieser Forderung zu überzeugen, stieß aber dabei auf völlige Berständnislosigkeit. In der Sache selbst— die Klage richtete sich gegen den betreffenden Unternehmer— trat Vertagung bis zu einem späteren Termin ein. Ferner klagte eine Frau in Sachen Damm. Es ist dies jener Unternehmer, der 30 000 M. zu wenig gezahlt hatte und gegen den der Schneiderverband auf 45 000 M. Nachzahlung klagte und auch die Auszahlung dieser Summe erreichte. Von dieser Summe hatte die genannte Frau nichts erhalten, da sie sich nicht um die An« gelegenbeit gekümmert hatte, wie eS erforderlich gewesen wäre, auch dem Verband keine Angaben zukommen ließ. Sie gehört an« scheinend zu jenen gar nicht so seltenen Arbeitnehmern, die glauben, die Forderungen realisierten sich automatisch, ohne daß man sich selbst darum zu bemühen braucht. Als sie nun von der Verteilung des Geldes hörte, ging sie zum Verband und verlangte von Kunze nachträglich 400 M. Sie mußte abgewiesen werden, denn die Angelegenheit war bereits geregelt. Nunmehr wandte sie sich an die Schlichtungskommission. Aber auch hier hatte sie kein Glück. Wie Jovis den übergangenen Dichter, fragte auch das Ge- richt:„Wo warst Du denn, als man die Welt verteilet?' Es konnte ihr nicht mehr geholfen werden, es sei denn, sie begnügte sich mit dem Trost, den der Gott dem armen Poeten erteilte, näm- lich, daß ihm der Himmel jederzeit als Entgelt jür den entgangenen Besitz offen stehe. Böse Aussichten eröffnen sich für die Zeit nach dem Kriege, wenn man den folgenden Fall in Betracht zieht. Ein Schneider klagte gegen einen Unternchnier, der zurzeit einberufen ist. Er hatte zuerst als Geselle gearbeitet, dann einen Pachtvertrag mit dem Meister abgeschlossen, wonach er 20 M. Wochenlohn nnd noch Prozente erhalten sollte. Diese Abmachungen soll der Meister nun nichr eingehalten, vielmehr, als er von dem Gehilfen um Geld an- gegangen wurde, diesem mit einem Schlüsselbund ins Gesicht ge- schlagen haben. Als ein Arbcitgebcrbeisitzer Zweifel aussprach, ob die Kommission zuständig sei, da der Kläger Pächter des Geschäfts gewesen sei, wurde dieser rabiat, daß er zur Ruhe verwiesen werden nrußte. Er entschuldigte sich damit, daß er im Felde gewesen und daher sehr nervös sei. „Nehmen Sie sich ein Beispiel an mir', sagte Magistratsrat v. S ch u l z,„ich hätte bei Ihnen soeben viel eher Grund gehabt, erregt zu werden und bin doch ruhig geblieben'. Mir der Klage selbst muß sich der Kläger an das Gewerbegericht wenden. Die Transportarbeiter im zweiten Quartal. In der Generalversammlung der Bezirksverlvaltung Groß-Berlin des Transportarbeiterverbandes gab der Vorsitzende Werner den Geschäftsbericht für das zweite Ouartal, dem folgendes zu entnehmen ist. Die allgemeine wirtschafrliche Lage hat sich gegenüber dem ersten Quartal nichr gebessert. Infolge der fortgesetzten Steigerung der Lebensmittelpreise hat sich die Lebenshaltung der Mitglieder sogar noch verschlechtert. Deshalb war denn auch die Tätigkeit der Organisation darauf gerichtet, einen Ausgleich durch entsprechende Lohnaufbesserungen zu erreichen. Das ist auch für eine Reihe von Be« trieben und Branchen gelungen. Bei 107 Firmen mit 5917 Beschäftigten wurden Forderungen gestellt. Bei 197 Firmen wurden für 4591 Be- teiligte Lohnerhöhungen im Gesamtbeträge von 16 726,10 M. pro Woche erlangt. Nach Ablauf des Quartals wurde durch VerHand- lungen mit den Kohlengroßhändlern eine abermalige Teuerungs- zulage gewährt. Danach erhalten jetzt die Kohlenkutscher eine Ge- samtzulage von 10,50 M. und die Kohlenarbeirer eine solche von 11,50 M. wöchentlich. Verhandlungen mit dem Verein der Berliner Spediteure hatten kein Ergebnis. Die Arbeitgeber dieser Branche sind der Meinung, daß die bisher gewährten Teuerungs« zulagen genügen müßten. Außerdein schweben Verhandlungen in anderen Branchen, die noch nicht abgeschlossen sind. Die agitatorische' Täiigkeit wurde rege betrieben. Sie hatte zwar nicht den wünschen?- werten Erfolg, immerhin konnten 1042 Neuaufnahmen gemacht werden. Trotzdem ist unter der Einwirkung der Zeitverhältniffe die Mitgliederzahl von 16 839 auf 16 251 zurückgegangen. Diese Zahl setzt sich zusammen aus 13 892 männlichen, 792 jugendlichen und 1567 weiblichen Mitgliedern. Die Arbeitsgelegenheit war im zweiten Quartal weniger günstig als im ersten. Am Schluß des zweiten Quartals waren 95 Mitglieder arbeitslos. Das sind 6,6 Proz. der Gesamtzahl gegen 0,45 Proz. im ersten Quartal. In letzter Zeil hat sich der Arbeilsmarkt ein wenig gebessert, die Zahl der Arbeitslosen ist auf 65 zurückgegangen.— Die Kaffenverhälmisse sind nicht ungünstig, wenn sich auch infolge des Mitgliederrückgangs eine Verminderung der Einnahmen bemerkbar gemacht hat. Der Bestand beträgt rund 63 600 M. Für Unterstützungen wurden 20 324 Mark ausgegeben. Deutschet} Neich. Tie metrische Garnnnmerierung und die Textilarbeiter. Der Textilarbeiterverband und der Gewerlverein der Textil« arbeiter fH.-D.) haben gemeinsam in einer Eingabe an den Reichs« tag und die Reichsregierung um gesetzliche Einführung der metrischen Garnnumerierung in der gesamten Textilindustrie und der metrischen Garnnumcrierung entsprechende metriich-dezimale Maß« und Ge- Wichtsbezeichnungen im Garnhandcl gebeten. Sie verlangen weiter ein Verbot der Anwendung veralteter oder fremdländischer Maße und Gewichte bei Berechnung des Arbeitslöhne«. Der Streit um die metrische Garnnumerierung ist sehr alt. Fünf internationale Kongresse der Textilarbeiter haben sich mit der Frage beschästigt. Für die gesamte Volkswirtschaft ist die Sache außerordentlich wichtig. Trotzdem gibt es infolge der Kompliziert- heil der Angelegenhait nur wenig Leute, die der Frage einigermaßen VerstänldniS entgegenzubringen vermögen. Durch die Numerierung der Garne wird der Feinheilsgrad der Fäden bestimmt. Däe Art der Numerierung bestimmt wiederum die Art der Verpackmrg im Garnhandel und weiter die Methoden der Preisberechnungen im Webgeschäft. In weilerer Folge bestimmt die Art der Garnnumerierung zum großen Teil die Zugrunde- legung entsprechender Maße und Gewichle bei der Lohnberechnung für die Arbeiter. In der Praxis führen die englischen, österreichi- sehen, sächsischen, preußischen Numerierungen und so weiter zur Anwendung von englischen Pfunden, deutschen Pfunden, Zollpfunden, von französischen Zöllen, Leipziger Ellen, sächsi- schen Ellen usw. Die Ucbervorteilung der Arbeiter infolge der damit zusammenhängenden tausenderlei Lohnbcrechnungen mittels Maß- und Gewichtsbazeichnungen, nrit welchen sie nicht vertraut sind, sind enorm. Eine bestimmte Anzahl deutscher Pfunde werden z. B. in den Baumwotlspinnereien ohne weiteres einer bestimmten Anzahl englischer Püarde gleichgestellt, obwohl in Wirklichkeit beide Gcwichtsmengen sich»ich: decken. Die Berechnung dcS Lohnes auf der Grundlage der Dichtigkeit des Gewebes, das sich auf einen Raum von ein Viertel französischem Zoll ergibt, sowie die Be- rechnung des LohncS der Weber nach Weblängen von Ellen und„Banden' und„Schmitzen" und„Slückchen" und„Hälften" gibt gewcssenloien Fabrikanten zu betrügerischen Manipulationen den weitesten Spielraum. Wenn der eine für sechs Leipziger Ellen fertig gewelbter Ware eine Mark an Arbeitslohn zahlt, so zahlt der andere für sechs Berliner Ellen den gleichen Betrag. Während acher die Berliner Ellen einer Länge von 0,6699 Metern entspricht, entspricht die Leipziger Elle einer solchen von 0,6856 Metern. Die Bande und Schmitzen sind bei dem einen Fabrikanten sechs Leipziger Elle, bei dem anderen Fabrikanten zehn Berliner Ellen lang. Im einzelnen sind die �Lerantw. Redakteur i Alfred Scholz, Neukölln. Inseratenteil vercmtw. Arbeiter im Laufe der Jahre um hohe Summen betrogen worden. Durchgeführte Prozesse hatten kein den Arbeitern günstiges Resultat. Mit der gesetzlichen Einführung der metrischen Garnnumerierung, Vor allem in der Baumwollindustrie— alle anderen Branchen müßten notgedrungen folgen— wäre ein Weiterleben der schädlichen und nicht zeitgemäßen Meihoden der Lohnbcrechnungen ausgeschlossen. Die Ursache zahlreicher Uebelstände in der Produktion wie im Handel wäre mit einem Schlage beseitigt. Ausland. Wilson für den Achtstundentag. Präsident Wilson hat einen vollständigen Plan für die Bei- legung des Eisenbahnerstreites ausgearbeitet. Er sieht die An- nähme des Achtstundentages und die regelmäßige Bezahlung der Ueberstunden vor._ Mus der Partei. Reichskonfercnz der Minderheit der sozialdemokratischen Rcichstagsfraktion. Unter der Ueberschrift„Keine Reichskonferenz, aber eine Reichs- Richtungskonferenz' schrieb die. C h e m- nitzer Volks st imme': In der letzten Parteiausschußsitzung zu Berlin, wo die Frage der Einberufung eines Parteitages bezw. einer Reichskonferenz der Parteigenossen verhandelt wurde, sprachen und stimmten wohl fast alle Ausschußmitglieder, die Anhänger der Minderheits- onschauung sind, sowohl gegen die Abhaltung eines Parteitages, als auch einer Reichskonferenz Was soll man nun aber dazu sagen, daß nun von Genoffen der Minderheitsanschauung eingeladen wird zu einer Reichskonferenz der Genossen der Minderheit. Eine solche Konferenz beruft der Genosse Hoch-Hanau für die Minderheitsmitglieder der Rcichstagsfraktion ein für Sonntag, den 13. August 1916, nach Weimar. Wir sind der Meinung, daß es eine unerträgliche In- konsequenz ist, gegen eine Reichskonferenz aller Parteigenossen zu wettern und im gleichen Augenblick eine Reichskonferenz der Genoffen einer Richtung zusammenzuberufen. Zu solch' in- konsequentem Spiel ist die Partei doch wirklich zu schade. Es ist höchste Zeit, dag es zu einer Reichskonfercnz aller Partcigenoffen kommt. Hierzu bemerkt nun Gcnoffe Hoch in der„Leipziger Volkszeitung': Zu der Zusammenkunft hahe ich nur die Genossen der Minder- heit in der jetzigen Reichstagssraktion eingeladen, um die Borgänge in der Partei zu besprechen. Dabei war es, wie stets bei derartigen Besprechungen, ausgeschlossen, daß die Teilnehmer als die Vertreter irgend eines Kreises erschienen, sondern jeder war nur als Privat- Person anwesend und vertrat einzig und allein seine eigene Ansicht. Ebenso wurde keinem Teilnehmer eine Verpflichtung durch einen Mehrheitsbeschluß aufgezwungen. Wir haben uns verständigt, eine Erklärung zu veröffentlichen. Der Wortlaut der Erklärung ist von einzelnen Genossen nachträglich festgestellt und an die eingeladenen Genossen geschickt worden. Erst jetzt entscheidet jeder einzelne dieser Genossen, ob er die Erklärung unlerschreiben will, und dann wird die Erklärung mit den Namen der Genossen veröffentlicht, die dazu ihre Zustimmung gegeben haben. Die Erklärung ist daher nur eine Kundgebung der Genossen, die sie unterschreiben. Sie verpflichtet keinen andern Genossen, auch keine Richtung.— Ueber die Reichskonferenz haben wir noch nicht eingehend ge- sprechen. Soweit ich mit einzelnen Genosien darüber habe sprechen können, hat sich volle Einmütigkeit darin gezeigt, daß wir uns von einer solchen Konferenz nichts Gutes versprechen. Mus Industrie und Handel. DaS englische Bankwesen in den ersten zwei Kriegsjahren. Der„Economist" widmet in seiner Nummer vom 5. August einen seiner Rückblicke dem englischen Bankwesen und stellt dabei folgende Zahlcnverglciche in Pfund Sterling an: A. Die Bank von England: 22. Juni 1914 26. Juli ISlS Kapital usw... 17 999 453 17 923 643 Depositen... 55 920 690 133 281 152 Wertpapiere.. 44 297 501 117 407 221 Reserve.... 29297051 33 780 981 B. Bei den übrigen Banken: Ende Juni 1914 1915 1916 Depositen.... 734580753 930940731 971303326 Goldbestand(Cash>. 114 234 542 209 217 529 186 991 601 Anlogewcrle... 113 543 625 171 248 675 295 837 996 Darlehen und Diskon- lierungen.... 566 212 995 611 851 875 552 186 723 Kriegsgewinne. Die Zuckerfabrik Schroda ichlägt, wie aus Posen gemeldet wird, 28 Proz., im Vorjahre 15 Proz., Dividende vor. Die Böhmische Zucker-Jndustrie-Gcsellschaft in Prag weist für 1915/16 einen Reingewinn von 1 531 151 Kronen gegenüber dem Vorjahr 2 062 890 Kronen auf und verteilt 15 Proz. Dividende, im Borjahre 12'/, Proz. Unveränderte Kohlenpreise. Eine Sitzung der Oberschlesischen Kohlenkonvention beschloß, die Kohlenpreise für Oberschlesien unverändert zu belassen. Man darf daraus schließen, daß die Regierung in dieser Sitzung auf ihrem Standpunkte beharrte, höhere Kohlenpreise nicht zu bewilligen. Holländisches Ausfuhrverbot. Die Ausfuhr von lebenden und geschlachteten Gänsen und Truthühnern, ausgenommen gerupfte Wildgänse, ist, nach einer Meldung aus dem Haag, verboten. Schwedische Ausfuhrverbote. In Schweden sind Ausfuhrverbote für Strömlinge, Obst- beeren, wie Blaubeeren und Preiselbeeren und auch sür Kasein er- lassen worden._ Der Hafeuverkehr von Marseille. Laut.Temps' vom 10. August liefen im ersten Halbjahr 1916 im Hafen von Marseille ein: 8087 Schiffe mit 8 665 656 Tonnen veiicviedener Ware und 167 920 Passagieren; dagegen aus: 3115 Schiffe mit 1 093 112 Tonnen Ware und 110 622 Passagieren. Gegen- über dem ersten Halbjahr 1915 bedeutet dies eine Zunahme von 68 einsabrenden, 134 ausfahrenden Schiffen, 139 671 Tonnen Ware. 80 741 Passagieren._ Soziales. Kriegsausbruch ist kein Kündigungsgrund. Die strittig gewesene, von uns stets verneinte Frage, ob der Kriegsausbruch eine Firma berechtige, ihren Hand- lungsgehilfen kündigungslos zu entlassen, ist jetzt auch vom Sächsischen Oberlandesgericht verneint. Ein Handlungsgehilfe, der bis zum 31. März 1915 engagiert war, war wegen Kriegsausbruchs fristlos entlassen. Er klagte sein Gehalt mit 400 M. monatlich ein. Der Klage wurde stattgegeben. In der Entscheidung des Oberlandesgerichts wird ausgeführt: Die durch den Krieg geschaffene Geschäftslage ist kein wichtiger Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: LorwärlsBuchdr.u.PerlagSanltalt' Grund zur fristlosen Kündigung. Als ein solcher wichtiger Grund werde es in Friedenszeiten nicht angesehen, wenn der Prinzipal sein Geschäft aufgebe oder vorübergehend schließe, möge er hierzu auch durch Mangel an Geldmitteln oder durch Uneinträglichkeit des Betriebs gezwungen sein. Die Sachlage fei nun nicht anders zu beurteilen, wenn solche Betriebskrisen durch den Krieg hervor- gerufen werden. Auch in diesem Falle handle es sich lediglich um die Folgen einer schlechten Geschäftslage, die nach Treu und Glauben der Unternehmer tragen müsse, dem ja im entgegen- gesetzten Falle auch die Vorteile eines besonders günstigen"Ge- schäftsgangs zufallen.— Solange daher die Stillegung des Be- triebs nach Kriegsausbruch von dem eigenen, wenn auch Wirtschaft- lich noch so gerechtfertigten Willensentschlutz des Unternehmers selbst abhängt, dürfe er die Folgen nicht durch fristlose Kündigung auf seine Angestellten abwälzen. Nur dann, wenn ihm die Fort- setzung des Betriebes durch außerhalb seines Willens liegende Ereignisse, wie feindliche Einfälle, Inbrandsetzung oder durch militärische Anordnungen unmöglich gemacht werde, sei für den Unternehmer das Recht zur fristlosen Kündigung infolge des Krie- ges gegeben. In Abweichung der Ansicht des OberlandesgerichtS sind wir der Ansicht, daß auch in den vom Oberlandesgericht als Ausnahmen bezeichneten Fällen der Lohn zu zahlen ist. Das folgt aus§Z 293 und 615 B. G. B. Durch diese Vorschriften ist, wie die Verhandlungen in der zweiten Kommission zur Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuchs zweifelsfrei zeigen, der Grundsatz voll zum Ausdruck gebracht, daß beim Arbeits- vertrag der Arbeitgeber die Gefahr auch bei unverschuldeter Behinderung der Arbeit(wie Frost, Brand usw.) stets zu tragen hat._ Fahrpreisermäßigung nach Köln. Wie bereits mitgeteilt, wird den Teilnehmern an der in der Zeit vom 22. bis 25. August in Köln stattfindenden Tagung für Kriegsbeschädlgtenfürsorge Fahrpreisermäßi- gung gewährt, die zur Beförderung in der 2. und 3. Klasse zum halben Fahrpreis berechtigt. Nach der nunmehr ergangenen An- Weisung haben mißer dem Reichsausschuß und den Hanptfürsorge- organisationen auf die Fahrpreisermäßigung Anspruch: Die den Hauptfürsorgeorganisationen nachgeordneten Organe und örtlichen Fürsorgestellen sowie Aerzte und die Vertreter von Berufsvcrbän- den aus Industrie, Handel und Landwirtschaft nnd von Arbeitsver- bänden(Gewerkschaften und Arbeitervereine). Die Fahrpreis- ermätzigung wird nur für direkte Fahrt vom Wohnort des Teil- nehmers nach Köln und umgekehrt gewährt. Bei Benutzung von Schnellzügen ist der tarifmäßige Schnellzugszuschlag voll zu ent- richten. Personen unter 18 Jahren sind von der Fahrpreis- ermäßigung ausgeschlossen. Die Rückreise von Köln nach dem Wohnort in direkter Fahrt muh spätestens am 1. September 1916 angetreten sein. Die Vergünstigung kann nur gegen Vorzeigung eines von dem Rcichsausschuß oder einer Hauptfürsorgeorganisation aus ihren Namen ausgefertigten, mit einer Nummer ver- sehenen Ausweises in Anspruch genommen werden. Solche Aus- weise werden auf Verlangen von dem Reichsausschuß der Kriegs- beschädigtenfürsorge(Berlin W. 10, Königin-Augusta-Stratze 19) oder von den Hauptfürsorgeorganisationen(das sind in Preußen die einzelnen Provinzialverbände, in Berlin der Magistratskom- missar der Kriegsbeschädigtenfürsorge im Rathause, in den übn- gen Bundesstaaten die in der Regel beim Ministerium des Innern bestehenden Landesausschüsse für Kriegsbeschädigtenfürsorge) zu beziehen. Gerichtszeitung. Stinkender Talg. Als Prügelknabe für die Verfehlungen in einem großen Geschäftsbetrieb sollte der Schlächtermeister F ö r b s ch gelten, der gestern wegen Verkaufs verdorbener Nah- rungs mittel vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte unter Vorsitz des Landgerichtsrats v. Tresckow stand. In der Alexanderstraße 28 hatte sich unter der Firma Lhon u. Lewin, G. m. b. H., eine Konservenfabrik in großem Stile aufgetan, in welcher über 40 Gesellen unter Aufsicht eines Betriebsleiters und eines Schlächtermeisters Schaffarzyk arbci- tcten. Zur Verwertung der vielen Abfälle war in demselben Hause ein Laden eingerichtet worden, in dem massenhafte Verkäufe von Sülze, Rindstalg und dergleichen stattfand. Hier war der Auge- klagte gegen Gesellen-Swndenlohn angestellt. Ihm lag die Ver- arbcitung des Talges, der aus der Konservenfabrik in großen Bottichen nach dem Laden geschafft wurde, ob. Der Talg wurde zentnerweise verkauft, bis wiederholt Beschwerden über den jämmer- lichen Zustand der Ware bei der Polizei eingingen, die am 8. Ja- nuar zu einer Beschlagnahme durch den Polizeitierarzt Dr. Dar- meyer führten. Dieser fand nach seinem Gutachten Rindertalg vor, welchen er als„tolles Zeug" bezeichnete; denn er stank gewaltig und war zum menschlichen Genüsse absolut ungeeignet. Der Betrieb der Firma ist inzwischen von dieser eingestellt worden, es wurde aber gegen den Inhaber Lyon die Anklage er- hoben. Die Verhandlung vor dem Schöffengericht endete mit der Freisprechung des Lyon, da dieser behauptet«, daß er den jetzigen Angeklagten F ö r b s ch als verantwortlichen Meister für das Ladengeschäft angestellt gehabt habe. Nunmehr wurde dieser unter Anklage gestellt. Im gestrigen Termin bestritt Förbsch ent- schieden, die Verantwortung zu tragen, da er lediglich als G e- seile zu noch geringerem Lohn als andere Gesellen beschäftigt worden sei. Er habe sich wiederholt geweigert, den sehr bedenklichen Kram, der ihm aus der Konservenfabrik zugewiesen wurde, zu ver- arbeiten und Herrn Lyon einmal den Kram sogar vor die Füße ge- warfen mit dem Bemerken: so was könne doch unmöglich verkauft werden, da es ja stinke. Herr Lyon habe aber darauf bestanden, daß es verarbeitet und verkauft werden solle, er habe sogar nicht bloß schlechten Talg aus der Konservenfabrik zur Verarbeitung gegeben, sondern auch noch verdorbenen Talg hinzugekauft. Der Angeklagte behauptete, daß er sich habe fügen müssen, aber Herrn Lyon wieder- holt gesagt habe: er wälze alle Verantwortung auf ihn.— Diese Behauptungen des Angeklagten fanden Unterstützung durch mehrere Zeugen, insbesondere irnrch den Meister Schaf- f a r z y k, der ein abstoßendes Bild von dem ganzen Geschäftsbetrieb gab. Nach seiner Behauptung sei zentnerweise schlechter Talg ge- braten worden, der sehr übel roch; einmal habe der Gestank das ganze Haus angefüllt. Dieser Zeuge erklärte u. a.: in der langen Zeit, in der er als Schlächtermeister in Berlin lebe, sei ihm ein solcher Betrieb noch nicht vorgekommen.— Der als Zeuge vernommene, aber unvereidigt gebliebene Lyon widersprach diesen Aussagen entschieden und versicherte, daß er sich auf den Angeklagten habe verlassen müssen und ihn stets zu ganz einwand- freier Herstellung des Talges ermahnt habe.— Der Staats- anwalt erklärte nach Schluß der Beweisaufnahme, daß die Freisprechung Lyons zu unrecht erfolgt sei, da dieser als Haupttäter anzusehen und für den ganzen „schmutzigen Geschäftsbetrieb" verantwortlich sei. Der Angeklagte habe sich aber trotzdem strafbar gemacht, denn er hätte sich den Anordnungen Lyons in dieser Beziehung nicht fügen dürfen. Unter Zubilligung weitgehender mildernder Umstände beantragte der Staatsanwalt 50 M. Geldstrafe.— Das Gericht kam zu einer Freisprechung. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß der Angeklagte, der als einfacher Geselle für das Ladengeschäft gearbeitet hat, nicht die Aufficht über das Ladengeschäft führte und er durch die Herstellung des Talges auf Anordnung seines Arbeitgebers sich nicht verantwortlich gemacht habe, auch nicht wissen konnte, ob nicht der Talg zu technischen Zwecken verkauft werden sollte._ laut Singer&®0y Berlin S W, Hierzu 1 Beilage u. UnterhaltungSbl, Nr. 226. 33. Iahrgaug. ifilüflf des.AmSrls" Sttlintt Jolblilatt Freitag, 18. AuguS 1916. Chronik des Weltkrieges. 18. Auquft I»»4. Siegreiches Gefecht bei Siallupöneri. Mehr als 3000 Gefangene und 8 Maschinengewehre werden erbeutet. Der südöstlich von Soldau liegende russische Grenzort Mawa wird von deutschen Truppen besetzt. Der Bezirkspräsident im Oberelsaß hat eine Bekanntmachung er- lassen, in der es heißt: „Wenn Einwohner einer Gemeinde sich am Kampf gegen unsere Truppen beteiligen, so werden nicht nur sie, sondern auch die Bürgermeister der betreffenden Orte erschossen, die Ortschaft demoliert." Das deutsche U-Boot U 15 ist nach einer englischen Meldung vernichtet worden. Aus Peking wird gemeldet, daß Japan im Begriff stehe, ein Ultimatum au Deutschland wegen ßlaulschou zu stellen. 18. August 1915. In den Vogesen Stellungskämpfe. Im Osten weiteres Vordringen. Kowno ist mit allen Forts mit stürmender Hand genommen. Mehr als 400 Geschütze fallen in die Hand der deutschen Truppen. Bei Bowo-Georgiewsk werden zwei weitere Forts erstürmt, 800 Gefangene und 20 Geschütze erbeutet. Die Heeresgruppe des Generals v. Mackensen wirst den Gegner über den Bug in die Vorstellungen der Festung Brest-Litowsk zurück. Fünf deutsche Torpedoboote greifen überlegene englische See- streitkräfte bei Horns Riff-Feuerschiff an und versenken einen englischen kleinen Kreuzer und einen Torpedobootszerstörer. Deutsche Marinelustschifse belegen die City von London und Fabrikanlagen und Hochosenwerke bei Woodbridge und Zpswich mit Bomben. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktiou hat beschloffen, den geforderten neuen Kriegskrediten zuzustimmen. Mus Groß-öerlin. die neuen Lebensmittelkarten. Tie Speisefettkarte. Aus Anlaß der Neuausgabe der Lebensmittelkarten für die Zeit vom LI. August ab hat auch die bisherige Butterkarte einige äußere Veränderungen erfahren. Seitdem mit gewissen Zwischenräumen in einzelnen Wochen die Wochen Portion Fett zum Teil in Butter und zum kleineren Teil in Margarine gegeben wird, war die Butterkarte bereits sachlich zu einer Fettkarte geworden, weil auf sie auch die Abgabe von Margarine erfolgte. Dieser schon seit einiger Zeit bestehenden Bestimmung der Karte ist nunmehr dadurch im Aufdruck Rechnung getragen, daß sie als Speisefettkarte be- zeichnet wird. Irgend eine Aenderung in der Verteilung ist damit nicht eingetreten. Insbesondere sind die Gerüchte, als würde nunmehr überhaupt Butter nicht mehr zur Verteilung kommen, falsch! im Gegenteil wird wie bisher immer zwischen der Ausgabe der Wochen-Kopsportionen nur in Butter und der Teilung der Portion in Butter und Margarine abgewechselt werden. Voraussichtlich wird schon in der Woche vom 28. Augu st wiederum nur Butter zur Verteilung gelangen. Weg- gefallen ist dagegen der Unterschied der Karten in blaue und rote, also die Beschränkung der Gültigkeit der Karte für be- stimmte Wochentage. Da sich der Verkehr infolge des An- meldungssystemS und der Kundenliste glatt abwickelt, so er- schien es nicht mehr erforderlich, diese Beschränkung aufrecht zu erhalten. Nicht zutreffend ist daher, von einem„Ende der Groß-Berliner Butterkarte" zu sprechen. Hervorzuheben ist noch, daß neue Anmeldung und npue Eintragung in das Kundenverzeichnis im Gegensatz zu einzelnen Zeitungsnachrichten nicht e r f o r d e r- I i ch i st. Auch wer v e r r e i st, aber früher in einem Ge- schüft angemeldet war, braucht sich nicht von neuem an- zumcldcn. Nur wer neu zugezogen und bisher noch über- Haupt nicht in die Kundenliste eines Geschäfts eingetragen ist, muß sich an die Brotkommission wegen seiner neuen An- Meldung wenden. * Von der nächsten Woche ab wird der Verbrauch von Butter und Speisefetten in den Gast-, S ch a n k- und Spcisewirtschaften, Vereins- und Erfrischungsräumen, Hotels und Fremdenpensionen einer Einschränkung unter- worsen. Diese Betriebe dürfen vom 21. August ab Speise- fette nur noch z u r Z u b e r e i t u n g von Speisen verwenden, dagegen nicht mehr mit Fett gestrichene Brote oder sonstige Nahrungsmittel, oder Fett zum Zwecke des Aufstrichs abgeben. Nur an fleischfreien Tagen dürfen Speisefette als Ausstrich verabfolgt werden. Durch diese Ver- ordnung soll vorgebeugt werden, daß eine Bevorzugung des in Restaurants und Hotels verkehrenden Publikums hinsichtlich des Butterverbrauches gegenüber den privaten Haus- Haltungen stattfindet._ Die neue Meischkarte. Der Berliner Magistrat bat für die neue mit dem 21. d. M. beginnende und bis zum 1. Okiober d. I. einschließlich laufende Fleischkartenperiode eine Umschreibung bezw. Neuanlegung von Kundenverzeichnissen nicht in Aussicht genommen. Die neue Fleisch- karrenperiode umsatzl nur sechs Wochen; Anfang Oktober tritt die reichsgesetzliche Regelung ein. ES erschien daher nicht zweckmäßig, für den kurzen Zeitraum eine in die Abwicklung des Fleischverkaufs immerhin recht einschneidende Maßnahme anzu- ordnen, zumal die Kundenverzeichnisse erst im letzten Drittel des Monais Mai d. I. aufgestellt worden sind und bereits Ende Juni dieses Jahres Gelegenheit zur Umschreibung geboten war. Grundsätzlich steht der Magistrat aber auf dem Standpunkt, daß dem Publikum von Zeit zu Zeit die Möglichkeit gegeben werden soll, den Fleischlieferanten zu wechseln, und er wird dementsprechend Verfahren. Für die Milchvcrsorgung von Grosi-Berlin wird eine Verschlechterung befürchtet. Nicht allein, daß die zur Ver- sügung stehende Menge knapper zu werden droht, sondern auch die Beschaffenheit der Milch soll dadurch eine wesentliche Aenderung er- fahren, daß alle Milch nur abgerahmt als Magermilch verkauft werden darf, die Butter aber aufgespeichert wird, um sie im Winter zur Linderung der Fettnot zur Verteilung zu bringen. Magermilch enthält zwar noch das in der Vollmilch vorhandene Ei- weiß und ist daher für die Ernährung sehr wichtig und nützlich, aber das Fehlen des Fettgehalts ist selbstverständlich nicht ohne große Be- deutung, zumal ja ohnehin schon eine nur schwer erträgliche und auf die Dauer unerträgliche Knappheit an Fett herrscht! Welche Folgen es besonders für die Kind er Welt haben würde, wenn nur noch Magermilch zum Verkauf käme, darauf hat der Direktor des Säuglingsheims in Charlotten- bürg, Professor Lang st ein, wie wir gestern mitteilten, im „Lok.-Anz.* eingehend hingewiesen. Er forderte Vollmilch, nicht Magermilch, obwohl diese einen ausreichenden Eiwcißgehalt hat, weil ihr nicht allein jedes Fett fehle, sondern auch weil sie so viel Keime enthält,„daß sie nicht unter allen Umständen als ein für Kinder ungefähr- liches Nahrungsmittel angesprochen werden kann." Pro- feffor Langstein befürchtet mit Recht, daß die beim Verbuttern der Milch in diese gelangenden Spaltpilze, die ja auch das Ansäuern der Milch hervorrufen, Magen- und Darmstörungen veranlaffen könnten. Er erklärt die Magermilch infolge ihres KeimgehalteS für Kinder als ein Nahrungsmittel zweiten Ranges. Besonders beanstandet er, daß künftig nur die kleinen Händler für Liefern von Vollmilch herangezogen werden sollen, während die Großbetriebe nur Magermilch liefern dürfen und meint, daß dann gerade die musterhaften Be" rriebe, welche eine gesunde Vollmilch liefern können, von deren Verkauf ausgeschlossen sind, während die kleinen Betriebe, die eine unsauberer gehaltene Vollmilch in den Verkehr bringen, die alleinigen Lieferanten für Vollmilch bleiben würden. Die Bedenken LangsteinS sind vollends berechtigt, und wenn wirklich nur noch Magermilch in den Handel kommt, so ist dies für Kinder, aber auch für Erwachsene eine weitere schwer schädigende Einschränkung der Ernährung! In einer Reihe von Städten haben die Kommunalverwaltungen bereits den Zwischenhandel mit Milch ausgeschaltet und die direkte Versorgung der Bevölkerung in städtische Regie übernommen; die guten Erfahrungen, die sie damit machten, sollte Berlin an- spornen, ebenfalls an eine Verstadtlichung der Milch- v er sorgung heranzugehen und technisch und hygienisch gute Einrichtungen für den Vertrieb zu schaffen. Für die mehr als 200 000 Kinder bis zum sechsten Lebensjahre, die in der Stadt Berlin leben, ist dies von größter Wichtigkeit und entscheidet bei Zehn- taufenden über Leben und Tod! Verkauf von Schlachthühnern. Vom Magistrat Berlin find weitere 2500 ausgewachsene junge Hühner angekauft worden, die in den Markthallen an den durch Plakate kenntlich gemachten Ständen Freitag und Sonnabend an Berliner Einwohner zum Verkauf gelangen._ Mehr Platz für Heimstättcnbedürftige. Die sozialdemokratische Fraktion hat folgenden Antrag bei der Stadtverordnetenversammlung eingebracht: Die Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, schleunigst Vorkehrungen zu treffen, daß in den städtischen Heim- stätten mehr Platz für die Aufnahme insbesondere tuberkulös er- Irankter Frauen getroffen wird. Die gesteigerten Schuhtvarenpreise. Große Aufregung herrscht augenblicklich in einer Reihe von hiesigen Schuhwarengeschäften. Eine Art.Stiefelappell" von beson- derer Bedeutung rief sie hervor. Beim Kriegswucher-Dezernat des Polizeipräsidiums gingen wiederholt Klagen ein, daß im Schuh- Warenhandel nicht alles in Ordnung sei. ES seien Machenschaften im Gange, die Geschäftslage mit ungebührlich hohem Gewinn aus- zunutzen. Waren alter Bestände, bei deren PreiSbUdung die neuen Verhältnisse noch gar nicht in Betracht kämen, würden mit einem Preisaufschlage verkauft, als ob sie schon unter den neuen Verhältnissen der Rohstoffpreise, Arbeitslöhne usw. hergestellt worden seien. Dem- entsprechend erhielten die Waren neue Preisaufzeichnungen, während die alten beseitigt oder durch neue Deckblätter verborgen wurden. So schaffe man ganz willkürliche PreiSauf- schlüge, z. B. von 12 auf 18, von 10 auf 2t und 25 M. usw. Um diesen Dingen auf den Grund zu gehen, veranstaltet jetzt das Kriegs- wucher-Dezeruat überraschend und in großem Umfange die erforder- lichen Feststellungen, durch viele Beamte überall zu gleicher Zeit. Mittwoch abend kurz vor Geschästsschluß wurde mit diesen Auf- nahmen begonnen und gestern wurden sie fortgesetzt. Die Er- mittlungen sind jetzt in vollem Gange. Ueber das Ergebnis kann nichts mitgeteilt werden, bevor sie nicht zu einem gewissen Abschluß gekommen sind. Ob und in welchem Umfange die Klagen berechtigt sind, läßt sich also noch nicht sagen. Dort, wo die behaupteten wucherischen Machenschaften festgestellt werden, wird man die leiten- den Personen zur Verantwortung ziehen. Umtausch verdorbener Gemeinde-Eier. Wiederholt haben wir dargelegt, daß Händler, die aus Ge- mcindemitteln beschaffte Eier an gewiffen Tagen und zu bestimmten Preisen verkaufen, verpflichtet sind, abgegebene schlechte Eier umzu- tauschen. Hierzu macht jetzt der Gemeindevorstand von Berlin- Treptow öffentlich bekannt:„Verdorbene Eier werden von den Händlern umgetauscht, jedoch nur an dem Tage, an dem der Ankauf erfolgt ist." Das ist wohl auch nicht der richtige Weg und hat be- reitS in Treptow zu erheblichen Unannehmlichkeiten geführt. Zu- nächst wird auf den Lebensmittelkarten überhaupt nicht das Tages- datum, nur die Wochenzeit abgestempelt. Erlaubte handschriftliche Tagesvermerke zu machen, erfordert für die Händler zu viel Zeit. Weiter ist auch nicht jedem Käufer zuzumuten, daß er die gekauften wenigen Eier, mit denen doch eine ganze Woche lang hausgehalten werden soll, noch am Kauf- tage öffnet und benutzt. Sie aber zu öffnen und den Inhalt mehrere Tage unverbraucht stehen zu lassen, ist bei der Gering- Wertigkeit der meisten Gemeinde-Eier auch nicht gut möglich. Die Frist zum Umtausch sollte daher auf mindestens drei Tage ver- längert werden. Während der letzten Tage wurden in Treptow so viele verdorbene Eier von Käufern zurückgegeben, daß auch keine Prüfung der Gemeinde-Eier vor dem Verkauf durch die Händler er- folgt sein kann. Vielfach kamen noch Nachrichten, daß Eierhändler schlechte Eier nicht umtauschen. Kürzlich wurde uns ein Fall vorgetragen, daß eine Frau in der Eierhandlung von Breslauer in der Badstraße in Berlin fünf schlechte Eier erhallen hatte. Der Umtausch wurde verweigert, weil derselbe nicht sofort verlangt worden sei. Dabei wurde festgestellt, daß das Geschäft mehrere Tage lang geschloffen war, weil Eier nicht vorhanden waren. Die Arbeiterfrau war 1,10 M. IoS, ohne dafür etwas zu haben. Andererseits machen uns kleinere Händler darauf aufmerksam, daß sie in einer sehr mißlichen Lage sind. Wenn sie für ihre Kunden kleinere Quanten erwerben, so wird von ihnen ein Preis von 12,70 M. für 60 Stück gefordert. Sie hatten vor kurzem bei dem Preise von 22 Pf. pro Stück einen Erlös von 13,20 M., also nur 50 Pf. Verdienst. Dieser gestattet ihnen Umtausch nicht, und es sei unrichtig, wenn öffentlich behauptet werde, ihnen würden die Preise so gestellt, daß sie ohne weiteres schlechte Eier gegen gute umtauschen könnten. Hier müsse eine bessere Regelung erfolgen. Tatsächlich liegt die Eierverteilung für Groß-Berlin sehr im argen. So wie jetzt kann es auf die Dauer nicht weiter gehen. Der jetzige Zustand ist unhaltbar._ Die Formulare für Bezugsscheine für den Einkauf von Web-, Wirk- und Strickwaren durch das Publikum sollen nach einer der Handelskammer zu Berlin zugegangenen Mitteilung des Magistrats der Stadt Berlin nicht mehr unentgeltlich ge- liefert werden. Die Formulare sind vielmehr nur noch käuflich zu erhalten und zwar in der Hofbuchdruckerei I. S. Preuß, Dresdener Straße 43. Eike reiche Arme. In ärmlichsten Verhältnissen ist vor einigen Tagen in dem Hause Puttkamerstr. 20 die 78jährige Witwe Friederike Pfaffe geb. Schmidt gestorben. Die Beerdigung mußte auf Kosten der Stadt Berlin erfolgen. Frau Pf. wohnte seit etwa fünf Jahren in dem genannten Hause, sie hatte von einem Invaliden von dessen im Par- lerre des Seitenflügels gelegenen kleinen Wohnung ein Zimmer abgemietet. Die alte Frau war ein Sonderling; sie ging ständig in der denkbar schäbigsten, abgerissensten Kleidung umher. Täglich durchwühlte sie die Müllkästen und verwandte alle Abfälle zu ihrer Nahrung. Als vor etwa zwei Jahren die Eheleute Lklawe, bei denen sie wohnte, starben, hauste sie allein in der Wohnung und bezahlte die Miete stets pünktlich, obwohl sie weder von der Stadt noch von anderer Seite jemals eine Unterstützung be- zog. Aus diesem Umstände schloß man darauf, daß die Greisin trotz ihrer mehr als dürftigen Lebensweise über Geldmittel ver- fügxn müsse. Als deshalb nach ihrem Tode die Wohnung gründlich untersucht wurde, fand man zum allgemeinen Erstaunen in einem Marktnetz unter dem allen verschlissenen Sofa Wertpapiere in Höhe von fast 30 000 M. und schließlich entdeckte man auch unter einem Haufen alter Lumpen ein Sparkassenbuch der Stadt Berlin über einen ansehnlichen Betrag. Die Verstorbene hat früher in sehr guten Vermögensverhältnissen gelebt. Ihr Mann ist vor langen Jahren in einem Irrenhaus« gestorben. Am Sterbetage ihres Mannes mit ihrem Kinde in den Tod ge- gangen ist die Witwe Noack aus der Weserstr. 130 in Neukölln. Frau N. hatte vor einem Jahre plötzlich ihren Mann verloren und diesen Verlust vermochte sie nicht zu überwinden. Sie wurde schwer- mütig und äußerte wiederholt, daß sie ihrem Manne sofort in den Tod gefolgt wäre, wenn sie nicht das dreijährige Kind zurückhielte. Mittwoch nahmen nun Hausbewohner starken Gasgeruch wahr, der aus der N.'schen Wohnung drang. Der verständigte Hauswirt ließ die Korridortür öffnen und nun fand man in dem völlig mit Gas gefüllten Schlafzimmer Mutter und Kind leblos im Bette liegend auf. Sofort mir Sauerstoffapparaten angestellte Wiederbelcbungs- versuche waren leider erfolglos. Die beiden Leichen wurden be- schlagnahmt, die Wohnung geschlossen. Gestern jährte sich der Todes- tag des Gatten und diese Erinnerung scheint die schwermütige Frau zu der Tat veranlaßt zu haben. Ins Leben zurückgerufen hat die Feuerwehr die Fontanestr. 22 in Neukölln wohnende Frau Richter, die gestern früh an GaSver- giftung bewußtlos aufgefunden wurde. Frau Richter wurde nach dem Buckower Krankenhause gebracht. Zu der Familientragidie in der Ebcrtystraße, über die wir am Sonntag berichteten, ersucht uns Herr Fiebig, der Ehemann der mit ihrer elfjährigen Tochter in den Tod gegangenen Frau Fiebig, mit- zuteilen, daß die Angabe, er habe hinter dem Rücken feiner Ehe- frau ein Liebesverhältnis unterhalten, unrichtig sei. Seine Frau sei infolge geistiger Umnachtung zu dem BerzweiflungSschritr gekommen. Großfeuer kam in der letzten Nacht gegen 11 Uhr in der Oranienstr. 22 aus noch unbekannter Ursache zum Ausbruch. Als die zweite Kompagnie an der Brandstelle ankam, stand die Möbelfabrik von I. Bukowski auf dem letzten Hofe des großen Grundstückes total in Flammen. Sie müssen schon längere Zeit unbemerkt im vierten Geschoß gewütet haben. An den Vorräten, Hölzern und der Einrichtung der" Fabrik fand das Feuer reiche Nahrung. Die Flammen ergriffen die Dachkonstruktion und erlangten schnell eine solche Ausdehnung, daß Brandinspekior Teubner die erste Kompagnie nachkommen ließ. Mit fünf Schlauchleitungen wurde kräftig an- gegriffen und bis gegen Morgen unausgesetzt Wasser gegeben. Um 2 Uhr nachts wurden die ersten Löschzüge und um 6 Uhr die zweiten abgelöst. Gestern vormittag war der vierte Löschzug aus der Fischcrstraße noch mit der Ablöschung und Auf- räumung der Brandstelle beschäftigt. Der Schaden ist natürlich sehr beträchtlich. Die Fabrik im vierten Stock ist mir dem Dachstuhl des ausgedehnten Ouergebäudes abgebrannt.— Bei einem größeren Wohnungsbrand in der Beuffelftraße 3 schtvebten mehrere Personen in Gefahr. Ein Mann, der von den Flammen und dem Qualm ab- geschnitten war und den Rückweg versperrt fand, konnte von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden. Die Wohnung brannte fast aus. Die Entstehung wird auf Fahrlässigkeit zurückgeführt, Mus öen Gemeinöen. Zur Milchvcrsorgung in Neukölln. Von einem erkrankten Kassenmitgliede wird uns dazu geschrieben: Ich wurde am 31. Juli vom Kassenarzt für krank befunden und sollte auf ärztliches Rezept zur Wiederherstellung der Gesund- heit täglich einen Liter Milch trinken. Mit dem Rezept versehen, ging ich zum Milchhändler, um mich für die Entnahme von Milch anzumelden. Ich wurde hier abgewiesen mit dem Bemerken, daß Milch jetzt sehr knapp sei und ich keine erhalten könnte. Auch der Brotkommission trug ich mein Anliegen vor, jedoch ohne Erfolg. Nun ging ich wieder zum Arzt, klagte mein bisheriges Ergebnis und erhielt die Weisung, daß ich einen Versuch zur Erlangung der Milch in einem Berliner Milchgeschäft wagen sollte. Hier ange- kommen, erhielt ich die Mitteilung, daß ich mich des Morgens früh 6 Uhr anzustellen und warten müßte, bis ich an die Reihe wäre, ob ich aber Milch bekommen werde, fei eine andere Frage. Ich bemühte mich nun nach dem zuständigen Polizeirevier Neukölln und trug meine bis jetzt gemachten Erfahrungen vor mit der Bitte um Nachweisung eines für die Erhaltung der Milch geeigneten Geschäfts. Hier wurde mir bedeutet, ich möchte mich nach dem Rathaus bemühen. Dort angelangt, sagte ich mein Sprüchlein wieder her und erhielt die Auskunft, ein Attest(dieses Formular wurde mir sofort kostenlos ausgehändigt) vom Arzt ausfüllen zu lassen und wieder einzureichen, denn die Notwendigkeit der Ver- ordnung müsse erst nachgeprüft werden und würde mir dann der Bescheid in einigen Tagen zugchen. Jetzt ging die Reise vom Rat- haus, mit dem Formular ausgerüstet, zum Arzt, nebenbei bemerkt, derselbe wohnt in Treptow in der Graetzstraße. Die Ausfüllung war in wenigen Minuten erledigt und kostete„nur" 3 M. Froh, einen Schritt vorwärts gekommen zu sein, legte ich mein ausge- fülltes Formular auf den Tisch des hierfür eingerichteten Bureaus nieder. Am 8. August war ich glücklich in dem Besitz des Tut- achtens mit dem Bemerken, daß dieses abschlägig beschieden sei. Unterschrift unleserlich. Jetzt ging ich wieder zum Rathaus und erbat das von mir bezahlte und vom Arzt ausgestellte Attest zurück. Hierauf erhielt ich den guten Rat, den Arzt zu bitten, ob er sich mit der Zurückgabe desselben an mich einverstanden erkläre und dies schriftlich bekunden möge. Um nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben, also auf zum Arzt. Meinem Anliegen wurde sofort Folge gegeben. Als ich nun hungrig und halb erschöpft glücklich das Bureau erreicht hatte, die ärztliche Bescheinigung genau ge- prüft war, bekam ich dieses Dokument ausgehändigt. Ich war mein Geld los, Milch habe ich aber nicht erhalten. Soweit die Zuschrift. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Grundsätze für die Gewährung von Milch allen Aerzten be- kanntgemacht werden, damit den Kranken nicht unnütze Wege und Kosten entstehen. Auch sollte man ernstlich versuchen, den bureau- kratischen Weg zur Wiedererlangung des Attestes zu verkürzen. Kinderveranstaltung in Reinickendorf- Ost. Sonntag, den 20. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet im Jugendheim eine Märchen- Vorlesung statt. Es wird gebeten, nicht zu kleine Kinder hinzu- schicken. Der Zutritt ist frei. Zu den Parteidiffcrenzen in Teltow-Beeskow. Richtigstellung. Genosse G r o g e r verlangt von uns unter Berufung auf den § 11 des Preßgesetzes die Aufnahme nachstehender„Richtigstellung". Obwohl die Einsendung den Erfordernissen des§ 11 nicht ent- spricht, wollen wir sie den Lesern des„Vorwärts" nicht vorent- halten: Durch den Beschluß des Bezirksvorstandes Groß-Berlin„offi- zielle Mitteilungen des ftüheren Kreisvorstandes nicht mehr ab- zudrücken" ersuche ich zur Einsendung„Stellungnahme des Ber- liner Bezirksvorstandes" in Nr. 221 des„Vorwärts" auf Grund des 8 11 des Preßgesetzcs um Aufnahme nachfolgender Berichti- gung: Es ist nicht wahr, daß die Generalversammlung unseres Kreises am 18. Juni vom Vorsitzenden nach Verlesung einer Er- ktärung des engeren Vorstandes kurzerhand geschlossen wurde. Wahr ist, daß mit der vom Vorsitzenden verlesenen Erklärung gleichzeitig beantragt wurde, in namentlicher Ab st im- mung über die Zulassung der Neuköllner Dele- gierten zu entscheiden, lieber diesen Antrag ist abge- stimmt worden. Es ist nicht wahr, daß die vom geschäftsführenden Aus- schuß zum 23. Juli einberufene Generalversammlung in der Hauptsache von denselben Delegierten beschickt war, wie die vom Kreisvorstand am 18. Juni einberufene. Wahr ist, daß auf dieser Generalversammlung nur Delegierte der beitragssperrenden Ortsvereine anwesend waren, während alle Orte, die mit-der Bei- tragssperre nicht einverstanden waren, abgelehnt hatten, Dele- gierte dazu zu entsenden. Es ist nicht wahr, daß der Kreisvorstand seit Anfang Juni die Mitglieder des erweiterten Vorstandes und den Abge- ordneten des Kreises ausgeschaltet hat. Wahr i st, daß nur d i e Kreisfunktionäre nicht mehr geladen wurden, welche die Partei- zersplitterung guthießen und sich in dieser Richtung betätigten. Wahr ist auch, daß die übrigen Funktionäre nach wie vor zu'den Sitzungen des Kreises eingeladen wurden und daran teilnahmen. Wahr ist außerdem, daß der Abge- ordnete des Kreises schon zu Beginn dieses Jahres schriftlich zum Besuch der Vorstandssitzungen aufgefordert werden mutzte. Es i st nichtwahr, daß der Kreisvorstaitd nur ein Rumpfvorstand war, als er seine Maßnahmen beschloß. Wahr i st, daß das Statut des Kreises nur einen Vorstand von 7 Personen vor- sieht, welcher mit der Leitung der Organisation betraut ist. Esi st nichtwahr, daß der Kreisvorstand keinen Einspruch gegen die Einladung der seit dem 2ö. Juni zu den Sitzungen des Zentralvorstandes von Groß-Berlin Geladenen erhoben hat. Wahr ist, daß dieser Einspruch bereits am 13. Juli d. I. erboben wurde. Es ist nicht wahr, daß am 6. August eine Organisation „gegründet" wurde, welche sich als Sonderorganisation qualifU ziert, die nach dem Partetstahtt und nach den Parteitagsbeschlüssen unzulässig ist. W a h r i st'dagegen, daß die alte Kreis- organisation mit allen ihren Einrichtungen weiter besteht, und durch den Vorstand Thurow, Groger, Pagets usw. vertreten wird. Wahr ist ferner, daß die Befürworter der Beitragssperre und ihre Hintermänner sich aller Rechte gegenüber dieser Oganisation begeben haben. Wahr ist endlich, daß die ordentliche Kreis- generalversammlung am 6. August durch besonderen Beschluß die seit dem 18. Juni getroffenen Maßnahmen des Kreisvorstanides ausdrücklich gebilligt hat. Berlin, den 17. August ISIS. _ Max G r o g e r. Mitteilullg und Aufruf au die Mitglieder des Wahlvereius Neukölln. Der Vorstand des Wah lvereins Neukölln ersucht uns um Aufnahme folgenden Aufrufes: Genossen und Genossinnen! Die Vorstandswahlen in Groß- Berlin sind� vollzogen. Die Wahlen zum Zentralvorstand in den Germania-Sälen erfolgten nach scharfer, doch sachlicher Diskussion. Der geschäftsführende Ausschuß, die höchste Instanz für das Ber- liner Parteileben hat sich konstituiert. In sieben Groß-Berliner Wahlkreisen haben sich die Mitglieder in Ruhe und Sachlichkeit ausgesprochen und besteht somit wieder eine geordnete demokra- tische Verwaltung nach alten Grundsätzen. Alle Organisationen können wieder zum Wohle der Partei arbeiten. Anders ist es im Kreise Teltow-Beeskow. Hier versucht eine kleine Gruppe Unzuftiedener Spaltung und Zersplitterung in die Reihen der Mitglieder zu tragen. Unter Führung des früheren Kreisvorstandes sind ihnen alle Mittel zur Erreichung ihres verwerflichen Zieles recht. Als Gegendruck weist der geschäftsführende Ausschuß in Nr. 221 des„Vorwärts" in längeren Ausführungen darauf hin, daß trotz aller Machinationen für den Kreis Teltow-Beeskow nur ein Kreisvorstand besteht und anerkannt wird. Dieser ist nicht der um Thurow-Groger, son- dern der am 2 3. Juli 1916 unter Führung und Lei- tung des Zentralvorstandes von Groß-Berlin gewählte Kreisvorstand. Nur dieser erhält von Groß- Berlin Materml zur Vornahme agitatorischer und organisatorischer Matznahmen und Veranstaltungen. Nach den Bestimmungen des Statuts für Groß-Berlin erhalten die Ortsvorstände, somit auch Neukölln Beitragsmarken und sonstiges Material nur von dem neugewählten Kreisvorstand. Für Neukölln hat nur einzig und allein das Bureau des Wahlvereins, Neckar st ratze 3, das Vertriebrecht. Zur Feststellung der Ansicht und Willenskundgabe der 11 759 Neuköllner Mitglieder unterbreitete der Borstand im Auftrage einer erweiterten Vorstandssitzimg den im August-Zahlabend versammel- ten Genossen und Genossinnen folgende Resolution zur Diskussion und Abstimmung: Die Mitglieder des... Bezirks beschäftigen sich diskutierend mit dem in Nr. 215 des„Vorwärts" gegebenen Bericht der söge- nannten Kreisgeneralversammlung des Wahlvereins für Teltow- Beeskow vom Sonntag, den 6. August. Die Mitglieder nehmen Kenntnis von der Tatsache, daß, obgleich der Wahlverein Neukölln die Abrechnung mit dem Kreisvorstand Thurow-Groger für das 1. Quartal 1916 ordnungsgemäß vollzogen hat, Neukölln zur fraglichen Kreisgeneralverfammlung am 6. August keine Man- oate erhielt. Die Versammelten sprechen ihre größte Entrüstung und Miß- billigung darüber aus, daß diese Mandate einer kleinen Gruppe von Gesinnungsfteunden übergeben worden sind. Etwa 199 Freunde des alten Vorstandes Thurow-Groger bestimmten also in Neukölln 33 Delegierte und vertraten somit 11 759 Mitglieder. Die Versammelten erblicken in dieser Handlung der Thurow- Groger mit aller Deutlichkeit die statutenwidrige ungesetzmäßige Zusammensetzung der Veranstaltung und deren Beschlüsse. Die Versammelten erklären noch einmal mit allem Nach- druck, für die Mitgliedschaft des... Bezirks haben einzig die Beschlüsse der Kreisgeneralversammlung vom 23. Juli Be- deutung. Die Mitglieder erkennen nur den unter Leitung des Bezirks- Vorstandes von Groß-Berlin gewählten Kreisvorstaird an und führen an diesen die Beiträge ab. Nach dem jetzt aus allen 24 Bezirken vorliegenden Abstim- mungsrefultat stimmten in ganz Neukölln nur 64 Mitglieder gegen diese Resolution; davon entfallen auf zwei Bezirke aus besonderen Gründen allein 43 Stimmen. In allen anderen 22 Bezirken stimmten also insgesamt nur 17 Mitglieder gegen die Resolution. Mit der Kenntnisgabe dieses Tatsachenmaterials liefern wir den Mitgliedern das Rüstzeug zum Kampf gegen den Verleum- dungsfeldzug der Partei- und Organisationszersplitterer. Die weitere Tatsache der vollzogenen Abrechnung widerlegt aufs Beste das Schreckgespenst der Beitragssperre. Als einziger Grund für die Sonderbüirdelei bleibt ihnen nur der, daß sie unfähig sind, �sich dem Majoritätsprinzip zu unter- ordnen. Oder sollte die Sorge um die Existenz nicht wieder- gewählter Angestellten sie dazu geführt haben, jeden Hoheits- begriff der gewaltigen und hehren Aufgaben, die der Organisation gestellt sind, vermissen zu lassen? Wenn nun in dem neuesten Flugblatt des früheren Kreisvor- standes gesagt wird: Weist deshalb die Organisationszersplitterer weit von Euch! Verweigert ihnen die Gefolgschaft! so ist das wahrlich ein sehr starkes Stück und kennzeichnet die Anmaßungen und Auffassungen in. jenen Kreisen seit dem 18. Juni, die schon genügend Unheil in den Organisationen herbeigeführt haben. Mit vollem Recht können wir sagen, weist die Organisations- zersplitterer zurück, zahlt Eure Beiträge nur noch in den von der Organisation festgelegten Zahlabende,: an die ordnungsgemäß ge- wählten Funktionäre und an die mit grauer Legitimationskarte versehenen Hauskassierer. Die Legitimationskarte trägt zwei Stempel. Oben: Her- mann Radtke, Neukölln, Neckarstraße 3. Unten: Sozialdemokr. Wahlverein Neukölln, Bureau Neckarstratze 3, und das Datum des 15. August 1916. Alle anderen Beitragssammler weist entschieden zurück. Der Vorstand des Wahlvereins Neukölln, Neckarstraße 3. Ms aller Welt. Ter Bürgermeister als Weizenfälscher. Wegen einer haarsträubenden Lebensmiltelverfälschung hatte sich der Bürgermeister Gruber aus Seelbacki tBayern) vor Gerichl zu verantworten. Der Herr, der anderen mit gutem Beispiel voran- gehen sollte, vermischte guten Weizen bis zu einem Drittel mit feinem Sand und brachte ihn so zum Verkauf. Das Gericht sprach den tiefsten Abscheu gegen ihn aus und verurteilte ihn zu einem Monat Gefängnis nnd 599 M. Geldstrafe. Landwirte gegen die Sommerzeit. Der bayerische Land- w i r t s ch a f I s r a t hat sich in einer Vollsitzung mit allen gegen zwei Stimmen gegen die Beibehaltung der neuen S ommerzeit ausgesprochen. Sie habe keine Freude erregt in der Landwirtschaft; die Nachteile seien größer als die Vorzüge, eine Ersparnis an Licht sei nicht erzielt, sondern eher ein Mehrverbrauch. Eine Wiederholung dieser Zeitverschicbung sei unzweckmäßig und unvereinbar mit den landwirtschaftlichen Verhältnissen und Bedürf- nissen._ Zum Erdbeben in Italien. Die Agenzia Stefani meldet: Es bestätigt sich, daß in Pesaro bei dem Erdbeben niemand ums Leben gekommen ist. In Rimini ist der Schäden schwer. Die Zahl der Toten beträgt vier, die der Verwundeten etwa dreißig; einige Häuser sind eingestürzt, andere stark beschädigt._ Kinderepidemien in den Vereinigten Staaten. Aus New Dork meldet„Daily News", daß dort und in Städten in New Jersey und Connecticut seit zwei Monaten eine epidemische Kinderlähmung herrscht. Bis jetzt sind etwa 6999 Fälle vor- gekonunen, täglich ungefähr 1599. Verschiedene Erwachsene sind be- reits gestorben, darunter auch die Schwiegertochter des amerikanischen Botschafters in London. Die Epidemie brach in den Slumsl., Uhr, von der Leichen- Halle des Lichtenbergcr Gemeinde- friedhoses in Marzahn aus statt. Zug 3.41 ab Lichtenberg- Fried- richsjelde. 149Ab KännergesanpErein JaniEnlos" M. d. D. A. S. B. Tieserschüttert geben wir unseren Sangesbrüdern und Freunden die traurige Kunde, daß unser Sangesbruder Hugo Zannstori am 14. August 1916 iiisalge Unglückssalles plötzlich verschieden ist. Ein lieber Mensch ist aus unseren Reihen gerissen, dessen Andenken wir nie vergessen werden. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 18. August, nach- mittags 4ss, Uhr, aus dem Lichtenberger Gemcinde-Friedhoj in Marzalm statt. 59/2 Stumm schläst der Sänger. Abfahrt des Zuges um 3'/, Uhr Wriezener Bahnsteig. DEiitschEr TranspoFtarteitEF-YErtanl Bezirksverwaltung Gro6-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Jndusttie- arbeiter Heinrich Leh�euer den 9. d. Mts., 39 Jahren ver- am Mittwoch, im Atter von storben ist.. Ehre seinem Andenken! 67/6 Die Bezirksverwaltung. Für die oielen Beweise herzlicher Teilnahme und herrlichen Kranz- spenden anlässlich des HinscheidenS unseres lieben Bruders, Schwagers und Onkels l�ohert Roseraanu sagen hierdurch innigsten Dank. 142A Die Hinterbliebeuc». Berlin im August 1916. Am 15. d. Mls. verstarb nach kurzem, aber schwerem Leiden mein lieber, herzensguter Mann, der treuiorgcnde Vater unseres einzigen Kindes, unser unvergess- licher Schwiegersohn, der Schlosser Wilhelm Deister. Dies zeigen im tiefsten Schmerze an 149A Elise Deister geb. Brieger, Lichtenberg, Roederltr. 55, Garten- yauS parterre, Wilhelm Brieger nebst Frau, Hohenschönhausen, Berliner Straße 87, vorn III. Die Beerdigung sindel am Sonn- abend, den 19. d. Mts., nachm. 3ss„ Uhr. von der Leichenballe des Friedhofes in Marzahn aus statt veMtoMardEilEi'-VEklianl! Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Wilhelm Deister (Lichtenberg, Röderstr. 55J am 15. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. August, nach- mittags 3ss„ Uhr, von der Leichen. halle des Gcmeinde-Friedhojes in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Kollege, der! Dreher Wilhelm puppe (Kolberger Str. 27) am 15. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. August, nach- mittags 2*1, Uhr. von der Leichenhalle des städtischen Friedhoses, Müllerjtraße, Ecke seeslraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 121/14 Tie Orts Verwaltung. ManilllEi'GEMEinilE- n. Stsats- artiEiter, FilialE Groß-ßEFlin. Nachruf. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen IMmsm! Schmidt vom Ti esbauamt Neukölln. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits am Mltwoch, den 16. August, statt- gesunden. 34/8 Die Ortsverwaltung, g Am Tienslag, den 15. August. nachmittags 2ss. Uhr, verschied nach schwerem Leiden unser ge- lichter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Tischler Kar! Escke lurz vor Vollendung seines 59. Lebensjahres. Dies zeigen, um stille Teil- nähme bittend, an Die tiettrauernden Kinder. Neukölln, 17. August 1916. Die Beerdigung findet amSon», abend, den 19. August, nachm. 3 Uhr, von der Halle des Ge- meindc-Friedhoses, Mariendorfer Weg, aus stall. 1197b