Zlr. T30.-33. Jahrg. Udonnementz-Kecklngungtn: AdonnementS- BrciS vränumerando «icrlcljührt. S.SU Ml, nionatl. l.L0 Ml. Ivöchenllich 30 Bfg. frei wl faui. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonnmgK« nunnner nill Mufirierler EonnmgS- BcUage.Die Neue Welt' lO Pfa. Post- Abonnement: l,Z0 Marl vro Monat. Eingetragen in die Post. ZcitunaS- VreiSIiste. Unter Kreuzband tür Deutlchland und Lesierreich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnemcms nehmen an Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, lluxcmburg, Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. ( 5 Pfennig) vle lnlei'ttonz-Sebllhi' deirägt für die icchsacsvaltene kolonel- zetle oder deren Raum 60 Pfg,. für »olitilche und gewerlfchaftliche Vereins' und Persammlungs- Anzeigen SO Pfg, ,.AI«>n« Snreigen", das ,ellgedrullie Wort 20 Pfg.(zuiässig 2 fcllgedruilte crlldelni lZgNS. ?> H-. Verlinev Volksblelkt. Wortei, jede? weitere Wort 10 Pfg, �" ngemche und Schlafslellenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort 5Bsg, Worte über 15 Buch» Haben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächile Rümmer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition adgegeden werden. Die Erpedition ijl bis 7 Uhr abends geöffnet. Pclegramm-Adreffe: .Z»!iSl Noch vor wenigen Tagen begrüßte die„Deutsche Tages- zeitung" enthusiastisch die Kriegszieleingabc der»ationalen Arbeiter- verbände(siehe„Vorwärts" Nr. 2251, in der der naive Versuch ge- macht wurde, die kapitalistischen Wurzeln des Krieges auszuschalten und den Weltkrieg als ein„gegen die denliche Arbeit und damit gegen den deutschen Arbeiter" gerichletes Unternehmen hinzustellen. Wie inbaltslos ein solches Gerede ist. ergibt sich selbst auS der kurzen Bemerkung des Grafen Reventlow. Das Zentrum gegen die sozialdemokratische Friedens- Petition. Mit einer großen Volksversammlung in Mannheim, in der Reicbstagsabgcordneter Oskar Geck sprach, haben unsere badischen Parteigenossen die Aktion für den Frieden eingeleitet. Dem Zentrum ist diese Tätigkeit offenbar sehr unbezuem, denn das führende Organ des badischen Zentrums, der..Badische Beobachter" erhebt' energisch Widerspruch in emcin Ton, der dem alldeutschen Draufgängertum olle Ehre machen würde. Das badiscke Zentrumsblatt verfolgt ganz offensichtlich den Zweck, die Militärbehörde gegen die soziatdemokratische Friedenspropaganda scharf zu macheu. Tas neueste Pamphlet. Im Königreich Sachsen wird eine neue, in Schreibmaschinenschrift hergestellte Schrift verbreitet. Aus dem Inhalt teilt das „Bert. Tageblatt" folgende Sätze mit: „Da die Zensur den öffentlichen Ausdruck der wahren Gr- sinnung des Voltes verhindert, muß ein anderer Weg gesucht werden, ans dem ehrliche deutsch Denkende sich verständigen.... Unverkennbar wird von der Reichsregierung eine besondere Klasse von Staatsbürgern auffällig begünstigt.... Alle rechtsstehenden und deutsch empfindenden Kreise werden sichtlich zu- nickgesetzi.... Das deutsche Volk soll unter jüdische Bevor- miindung kommen. Ferner führt das Verhalten der Reichs- regicning gegenüber einzelnen Bundesstaaten dem längst ein- geschlafenen Partikularismus Nahrung zu.... Wir können daher nicht mit Vertrauen einer EntWickelung zusehen, die dem Abgrunde zustrebt. Wer Gelegenheit hat, die wahre Stimmung in unserem Volke kennen zu lernen, wird gewahren, daß sich überall verhängnisvoll der Unwillen gegen die jetzige vcrant- wörtliche Leitung der RcichSgeschäfte steigert.... Wer diese Ueberzeugung teilt, der mag durch Abschrift dieses Schreiben weiterverbreite»...." Eine Anzahl hochachtbarer Männer", heißt es am Schluß,„hat sich bereit erklärt, dieses Schreiben zu unterzeichnen. Gegebenen- fall» sind die Verfasser bereit, für das Gesagte einzutreten." Brauchen wir Botschafter? Diese Frage verneint ein Artikel, den wir, so unglaublich es sein mag, in der Zentrumspresse(Toitmunder„Tremonia" und „Essener Volkszeitung" vom 29. August) finden. Den Anlaß zu der Frage, ob wir künftig Botschafter gebrauchen, gibt dem Ar- tikelschreiber die in der„Nordd. Allg. Ztg." an Herrn Asquith erteilte halbamtliche Antwort, daß Deutschland gar nicht auf die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit England hrenne. Im- Anschluß daran stellt der Verfasser die„allgemeine Frage", „ob überhaupt für den Verkehr unter den Mächten die alte umständliche und kostspielige Einrichtung der ständigen Gesandtschaften noch notwendig ist. In früheren Zeiten war sie offenbar am Platze, da bei den schlechten Verkehrsmitteln, dem Mangel einer Presse usw. die Verbindung zwischen den Völkern und den Regierungen wesentlich ange- wiesen war auf die Information und Berichte der Gesandten. Unter den neueren, gehobenen Formen des Völkerverkchrs ist der reelle Wert-des Gesandtschaftswesens immer mehr gesunken." Nur bei„verbündeten oder engbeftenndeten Staaten" will der Artikel die ständigen Botschaften oder Gesandtschaften aus„Ge- fühlswerten" heraus gelten lassen; bei den anderen aber sei„der große Apparat der Botschaften ein Luxus, den man auch entbehren kan n". Daß das ganze Diplomatenhandwerk veraltet sei und daß auch der klügste Botschafter mit dem kostspieligsten Apparat an dem Ver- hältnis der Länder zueinander nichts ändern kann, weil dieses Verhältnis durch das Zusammenwirke» der politischen und durch die Interessen der beiderseitigen besitzenden Klassen bestimmt werde, bat die Sozialdemokratie stets gesagt, und zur Kontrolle der auswärtigen Beziehungen hat die Sozialdemokratie immer verlangt, daß die zwischenstaatliche Politik aus den Dunkelkam- mern der Diplomatie in die helle Ocffentlichkeit der Parlamente gehöre, denen die Entscheidung über das Verhältnis der Völker zueinander und über Krieg und Frieden zufallen müsse. Bei den großen Debatten vor acht Jahren war der damalige Zentrumssiihrer Freiherr v. H e r t l i n g schon zufrieden, wenn der Reichstag hinterher periodisch über die auswärtige Politik informiert werde, und noch nach Kriegsausbruch legte sich das Hauptorgan der badischen Zentrumspartei, der„Beobachter" (21. November 1911), für adlig« Diplomaten ins Zeug, die sich „glänzend bewährt" hätten. Demgegenüber ist der jetzt in den beiden Zentrumsblättern des Westens vertretene Standpunkt ein geradezu überraschender Umschwung. Zur polnischen Frage. Anläßlich der Besprechung der künftigen Gestaltung Polens rollt H. v. G e r l a ch in der„W. a. M." erneut die Frage auf, ob es nicht an der Zeit wäre, auch den deutsehen Polen entgegenzukommen. „Immerhin spielt auch heute noch die Stimmung der vielen Millionen von Polen eine erhebliche Nolle. Und da fragt es sich, ob es nicht wünschenswert wäre, wenn die Polen wüßten, daß dieser Krieg wie mit anderem Gerümpol so auch mit den A u»- n ah mege setzen gegen die Polen radikal auf- räumen muß. Der Sprachenparagraph des Vereinsgesetzes, das Snteignungsgesetz, die Bestimmungen gegen den polnischen Unterricht, die antipolnisdhe Ansiedlungs- und Rentengutsgesetz- gcbung, alles das ist unmöglich geworden durch die Tatsache, daß die polnisch sprechenden Preußen genau so ihr Blut für uns ver- gössen haben wie die deutschsprechenden. Wir wissen, daß alle Ausnahmegesetze und Ausnahmebestimmungen fallen müssen. Aber wäre es nicht zweckmäßig, das auch die Polen je eher je besser wissen zu lassen? Eine merkwürdige Gastrolle. Die Sonntagsnummer der„Täglichen Rundschau" bringt an ihrer Spitze einen Aufsatz des Genossen Engelbert Per- »erst orfer, Vizepräsidenten des österreichischen Abgeordneten- Haufes, über„Professor F. W. Förster und Oesterreich". Uober den Artikel selbst ist nicht viel zu sagen, er bewegt sich in den Bahnen jener Gedankenrichtung, die den Genossen Pcrnerstorfer schon früher in bedenkliche Nachbarschaft mit den Nationalisten gebracht hat. Mußte es aber sein, daß Genosse Perncrstorfer, nachdem er schon vielfach in der reichsdeutschen liberalen Presse schrieb, nun auch in einem Blatte gastiert, dessen politische Haltung die der un- entwcgtesten Alldeutschen ist? Briefgeheimnis. In der„Nationalliberalen Korrespondenz für die Rßein- Provinz" untersucht Dr. jur. de Ionge die Frage, ob der Bc- lagcrungszustand eine Verletzung des Briefgeheimnisses ohne richterliche Anordnung durch den Oberbefehlshaber zuläßt. Er verneint diese Frage unter Hiniveis auf die Verhandlungen in dem letzteren Abschnitt des Reichstags. Die llnperletzlich- keit des Briefgeheimnisses beruhe auf Reichs recht(ß 5 des Rcichspostgcsctzcs), Reichsrecht breche Landesrecht(Art. 2 der Reichsverfassung). Also lvcrde unzweifelhaft das Rcichspost- gcsctz durch das Belagerungszilstandsgesetz nicht berührt. Das exgebc sich auch ails anderen Reichsgesetzen. Da, wo ein Ein- griff in Rcichsgcsetze durch das Belagcrungsgesetz zulässig sein soll, ist das ausdrücklich im Reichs gcsctz selbst erwähnt, so im Reichspostgesetz(§ 30). Die Argumentation der Korrespondenz ist ebenso wie ähnliche Ausführungen im Reichstag durchaus schlüssig. Ter ehemalige Zentrumsabgeordnete Fritzen gestorben. Wie die„Kölnische Bolkszeitung" meldet, starb am 19. August im Düsseldorf der frühere langjährige Abgeordnete LandcSrat a. D- AlohS Fritzen, 77 Jahre alt. das tägliche Srot. Wild und Geflügel austcrhalb der lstcichsfleischkarte. Nachdem der Bundesrat in seiner letzten Vollversammlung die gesetzlichen Grundlagen für die Einführung einer Neichsfleisch» karte geschaffen hat, steht nunmehr die Veröffentlichung der vom Präsidenten des Kriegscrnährungsamtes ausgearbeiteten Verord- nung unmittelbar bevor. Wie verlautet, hat man entgegen der ursprünglichen Absicht davon abgesehen, den Verkehr mit Wild und Geflügel in die Fleischkartc cinzubeziehcn.— Wenn letzteres zutrifft, muß mit aller Entschiedenheit gegen diese Maßnahme pro- testiert werden. E» wird dadurch der Anschein erweckt, als solle den zahlungsfähigen Konsumenten der notgedrungene Verzicht ans Fleisch erleichtert werde». In der Bevölkerung herrscht aber die Meinung, daß bei der Einschränkung im Fleischgenuß— und Wild und Geflügel sind doch auch Fleisel)— kein Unterschied zwischen arm und reich gemacht werden dürfe. Praktisch läuft aber die Außerachtlassung von Wild und Geflügel bei der Rcichsflcischkarte darauf hinaus, daß sich die besser sitnierten Kreise anstelle de? fehlenden Fleische» außer mit teuren Fischsortcn»nd anderen nahrhaften, aber teuren Lebensmitteln auch noch mit Wildfleisch und Geflügel behelfen können. Für die ärnicre Bevölkerung koni- inen diese Lebensmittel wegen ihrer hohen Preise jedoch nicht in Betracht. Mehr Futter als Bich! Die Preise sür Futlermittel und Viel) werden von den Land- Ivirtcn zu einem sür sie recht erträglichen, sür die Bevölkerung aber immer unleidlicher werdenden Kreiielspicl benutzt; erst heißt es, die Futtermittel sind knapp, weil die Preise nicht hoch genug sind, um die ProdultionSkostcn zu decken. Sind dann aber die Preise für Futtermittel glücklich in die Höhe getrieben, dann müssen„natürlich" die Viehpreise erhöhl lverden, und sind die Viehpreisc gesteigert, io verlangt der Produzent von Fultennitteln, daß deren Preise wieder erhöht werden, denn bei den hohen Viebpreiscn mache sich das ja bezahlt, und warum solle gerade er Schaden leiden! Und so fort— wie wir dies seit Kriegsausbruch immer wieder erleben mußten. Nun muß aber jetzt das Kriegs- ernährungsamt davor warnen, die Preise auf dem Rindviehmarkt nicht noch höher zu treiben, wie dies jetzt geschehe, weil«Mäster und Inhaber großer Heuvorräle sich durch Zahlung übermäßiger Preise in den Besitz des nach Friedensgewohnheit sür den Winter erfordcr- lichen Viehs zu setzen." Das Kriegsernährungsamt stellt in Aussicht, daß es diese übertriebenen Preise bei der künftigen Regelung der Verkaufspreise nicht berücksichtigen werde. Wir wollen uns dieses Versprechen merken und zur gegebenen Zeit das K.E.A. daran wieder erinnern— falls cs etwa seine guten Vorsätze vergessen haben sollte. In seiner Warnung weist das K.E.A. aber auch daraufhin, daß infolge des Rückganges der Rinderzahl„manche Ställe zum Winter ungenügend besetzt bleiben und„daß deren Inhaber ihre Futter- Verwertung und Stallmisterzeugung nicht in der gewünschten Art fördern können." Das heißt also, wie die„Deutsche Tageszeitung' richtig her- ausliest,„daß es jetzt mehr Futter als Vieh gibt". Aber sie hütet sich selbstverständlich, daran» die erforderliche Schlußfolgerung zu ziehen, daß nun auch, entsprechend dem stets von der„D. T." ver- tretcnen Srandpunkt, bei gesteigertem Angebot ein Sinken der Preise erfolgen müsse! Gibt es mehr Fnlter als Vieh, ja dann ist es doch höchste Zeit, den Preis für das Futter herab- zusetzen und dadurch die Viehzüchter, welche Futter kaufen müssen, in die Lage zu bringen, reichlicher wie bisher füttern'zu können und dadurch das für die Volksernährung wertvolle Mastvieh zu züchten. Die Preise für Vieh und infolgedessen für Fleisch sind ja jetzt so hoch, daß große Massen der Bevölkerung nicht einmal die geringe Menge Fleisch sich kaufen können, die ihr durch die Fleischkarten zugeteilt wird. Da» Kriegs- ernährungsamt wird also hoffentlich bald die Konsequenzen von den großen Erträgnissen der Futtermittelernte ziehen und die Preise für Futtermittel und für Vieh herabsetzen! Tie Verteuerung und Verschlechterung der Lebens- Haltung. In voriger Woche hatten wir eine Berechnung veröffentlicht, welche an der Hand der Erhebungen von Brugcr über die Ver- teuerung der Lebensmittel in Berlin zeigten, daß sich die Aus- gaben einer viertöpstgen Familie(Mann, Frau und 2 Kinder gleich 8 Erwachsenen) von 614 M. im Jahre 1881 auf jetzt 1329 M. er- höhl haben, also um 9 3 Pro z. verteuerr würden, wenn c» der Familie möglich lväre, jetzt noch dieselben Mengen Lebens- mittet zu erhalten, die sie 1881 kaufen tonnte. Da aber durch die Rationierung der Verbrauch bedeutend eingeschränkt ist, kommen tag- lich auf den Kopf des Erwachsene« statt 179 Gramm Eiweiß, 47 Gramm Fett und 499 Gramm Äoblehydrate iMehl oder Zuckerl nur ö9 Gramm Eiweiß, 21 Gramm Fett und 239 Gramm Mehl oder Zucker, es ist mithin die sckion im Frieden viel zu geringe Nahrsloffmenge jetzt bedeutend zurückgegangen, und zwar von 2399 Wärmeeinheiten auf 1ö99, also um 39 P r o z., während der nor- male Verbrauch 3990 sein soll, so daß der jetzige Verbrauch nur die Hälfte de» normalen ist! Zu gleichem Ergebnis I»nimt jetzt eine Erhebung, die der Krieg sausschuß für K o n I u m enten i n l e r e s s e n in zehn deuilchcn Städten veransialiel hat, und zwar in Berlin, Hamburg, Frankfurt a. M.. Hannover, Karlsruhe, Münster i. W., Offenbadj, M.-Gladbach. Konstanz und Neuß. Er vergleicht seine Ergebnisse mit denen, ffie das Kaiserliche Statistische Amt 1908 feststellte, und findet eine Erhöhung der monatllicben Ausgaben um 47 Proz. beim Brot, 236 Proz. bei Kartoffeln, 68 Proz. bei Fett, Butter, Margarine, 29 Proz. bei Fleisch. 399 Proz. bei Fischen. 249Proz. bei Eiern, 25 Proz. bei Milch, 227 Proz. bei Käse und 189 Proz. bei Kaffee und Kaffee-Ersatz. Gleichzeitig aber war, trotz der so erhöhten Ausgaben, der Ve rbranch geringer, und zwar um 35 Proz. bei Brot, 47 Proz. bei Butter, Margarine und Fett, 56 Proz. bei Fleisch, 19 Proz. bei Eiern, 39 Proz. bei Käse, 36 Proz. bei Kaffee und Kaffee-Ersatz, und nur bei Kartoffeln war der Verbrauch um 59 Proz. g e st i e g e n I Das beißt aber, daß die an Nährstoff, besonders an Eiweiß reicheren Nahrungsmittel ersetzt werden mußten durch die eiweißarme Kartoffel und daß trotz des in Menge und Beschaffenheit so erheblich verminderten Verbrauchs bedeutende Mehrausgaben entstanden soweit sie von den Massen der Be- völkerung noch aufgebracht werden können. Lekte Nachrichten. Griechenland»nd die Kämpfe in Mazedonien. Athen, 29. August.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der bulgarische Gesandt« Passarow teilte heute ZaimiS mit. daß die bulgarisch? Lssensive mit der Besetzung mehr?-- rer strategischer Punkte ans griechischem Gebiet begonnen habe. Zaimis war am Nachmittag im Tatoipalast beim König. Athen, 29. August.(W. 7. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Gesandten E l l i o t und G n> l l e m i n richteten an Zaimis heute die Frage, welche Schritte die Regierung tue an- gesicht» der Tatsache, daß die Bevölkerung in Mazedonien vor den Bulgaren in alle Windrichtungen flüchte. Die Arbeitsbeschaffung für Kriegsbeschäüigtc in öen Setrieben üer Netallinöuftrie Groß-Serlins. Por mehr cilL Jahresfrist ist dem KrirgSausschust für dic Mctallbctrirbe Grpfz-Bcrliils auch die Erledigung der Für- sorge für solche Kriegsbeschädigte überwiesen worden, die vor ihrer Einziehung zum Militär � zulcht in einem Betriebe der Metallindustrie Grosz-VerliuS beschäftigt waren. Die Fürsorge sollte sich aber nur auf die Arbeitsbeschaffung und die Er- ledigung von Beschwerden der in der Metallindustrie bc- schästigten Kriegsbeschädigten erstrecken. Jetzt hat nun das Bureau des KricgsauLschusses für dic Mctallbetriebe eine Zusammenslclluug gemacht, aus der dic bisherige Tätigkeit deS Kricgsausschusscs, soweit die Kricgs- beschädigtenfürsorge in Frage kommt, ersichtlich ist. Wir geben diese Zusammenstellung nachstehend wieder: (ÄcsamtcrgcbniS| 2514| 1220| 1288| 1587| 927 Dic in der Tabelle angeführten 927 Mann, die zu anderen Berufen übergegangen sind, sind nicht etwa allster- halb der Metallindustrie untergebracht, sondern haben inner- halb der Metallindustrie ihren Beruf geivcchselt. Dic Zahlen sprechen ja schon an sich für dic erfreuliche Tätigkeit des Kriegsausschusscs auf diesen: Gebiete und er- langen noch eine erhöhte Bedeutung, da hinzugefügt werden kann, dast alle Kriegsbeschädigten, die sich gemeldet haben, untergebracht werden konnten, so dast also die Aufgaben, dic hier gestellt waren, restlos erfüllt sind. Eine Inanspruchnahme irgendeiner anderen Körperschaft, sei es Arbeitsnachweis oder sonstige Einrichtung, war absolut nicht nötig. Es würde auch ein Mangel an Verständnis für die Aufgaben eines Kriegsausschusses oder einer Arbeits- gemeinschaft bedeuten, wenn die Inanspruchnahme eines Arbeitsnachweises notwendig geworden wäre. Wenn schon eine Arbeitsgemeinschaft nicht in der Lage ist, die Kriegs» beschädigten unterzubringen, ein fernstehender Arbeitsnachweis könnte dies lange nicht, er wäre kaum in der Lage, den Kriegsbeschädigten seinen Fähigkeiten nach an die richtige Stelle zu setzen und seine Zukunft sicherzustellen. Vor Arbeitsnachtvciscn, die lediglich die Aufgabe haben, Kriegsbeschädigte unterzubringen, und die nur zu diefeni Zweck eingerichtet sind, kann gar nicht dringend genug gewarnt werden. Das werden Krüppelnachwcifc, die den Kriegsbeschädigten nur Enttäuschung bringen, und das ist der Sache wenig dienlich. ES ist dringend notwendig, dast von vorn- herein Einrichtungen getroffen werden, die die sicherste Gewähr für die gute und schnelle Unterbringung der Kriegsbeschädigten bieten. Das sind nach allen bisher gemachten Erfahrungen eben die Arbeitsgemeinschaften. Dast der Gedanke der Arbeitsgemeinschaften erfreulicher- weise an Boden gewinnt, beweist die grohe Zahl der seit reichlich einem Jahre errichteten Arbeitsgemeinschaften. In Berlin sind bis jetzt solche Einrichtungen für folgende Gewerbe errichtet: 1. ffürsorge für Kriegsbeschädigte der Berliner Holzindustrie: Rückerslr. 9. Meldestelle: Arbeitsnachweis der Berliner Holz» Industrie. H. Maas;. Rungestr. 00. 2. SkriegSauSschntz für die Metallbelriebe Grost-BerlinS. Meldestelle: N 4, Schlegelstr. 2. 3. Fürsorge-Arbeitsgemeinschaft für die kriegSbeschädigten Bcruisangehörigen des Saltler- und LederwarengewerbcS: L0 10, Engelufer 15 II, Zimmer 29. Verband der Buchbinder, (Äalanteriebranche: daselbst. 4. ÄriegSsürsorgeauSichust im Braugewerbe Grotz-Berlin?: 81V 11, Prinz-Llbrecht-Snaste 3. Meldestelle: C 54, Mulack- slraße 10. 5. Arbeitsgemeinschaft zur Fürsorge für KriegSIeilnebnier auS dem Transport», Handels- und Veilehrsgewerbe Grotz-BerlinS: C. 2, Neue Friedrichstr. 2. Meldestelle: 0, Alle Leipziger Slr. 1. 0. FürsorgeauSschuh für kriegsbeschädigte Gärtner: Gcneial» sclretär S. Braun, Jnvalidenstr. 42. 7. Verwaltungsstelle der Binnenschiffer: Michaelkirchplatz 2, II. 8. Kriegshilfe für technische B�russstände(StellennachweiSj I.-Nr. 2051 G, B. 1/15»r Betrieb über die Er- höhung der Verdienste nicht verständigen konnten. Nunmehr erfolgt eine Verstäiidigung auf der Grundlage, dast die Dreher auf jede Operation ihrer Arbeit 12>/z Proz. Zulage erhalten. Der Schlosser R. der Firma W. N. u. I. will einen Kriegs- schein wegen zu wenig Verdienst. Der Vertreter der Firma erklärt, dast die Firma nicht bereit ist, mehr Lohn zu zahlen: die Firma werde rm Gegenteil veranlasic», dast R. als lästiger Ausländer ausgewiesen werde. Gegen diese Aeusterung wird von den verschiedensten Mitgliedern des KriegSauSschusseS errt- r'chicden protestiert. Bei einem solchen Verhältnis sei eine Fort- sctzung der Arbeit für den Schlosser R. unmöglich und kommt unter diesen Umständen der KriegSauZschutz zu dem Ergebnis, dast R. s ofort den Kriegs schein erhält. Der Dreher K. der Firma N. M. F. in T. wünscht den Kriegs- schein, weil er aussetzen mustle, ohne für die Zeit Lohn bekommen zu haben. ES w>rd dahin entschieden, dast die Firma dem Dreher entweder die Zeit deS AnSsetzenS bezahlt oder einen Schern ausstellt. Der Werkzeugmacher P. der Firma H. u. Eo. war der Firma von der Militärbehörde überwiesen und diese hat den Werkzeugmacher mit 80 Pf. Lohn eingestellt. Da dieser Lohn in keiner Weile dem entspricht, was Werkzeugmacher zurzeit an Lohn beanspruchen können, die vom Militär überwresenen Arbeiter aber durchaus nicht schlechter bezahlt werden sollen, als die übrige Ar- beiterschast, wird das Verlangen des Werkzeugmachers nachcinemKriegschern a l s durchaus be- r e ch t i g t e r k l ä r t. Da die Firma nicht bereit ist, so wie dies notwendig, die Lohnansprüche deS Werkzeugmachers zn erfüllen, er- hält der Werkzeugmacher P. den KriegSschein. Der Tischler L. vom Flugzeugwerk A. will einen KriegSschein, da bei seiner Firma zurzeit leine Ueber stunden mehr gemacht werden und er dadurch einen Aussall an seinem Verdienst bat. Das Verlangen deS Tischlers wird als ganz unberechtigt zurückgewieien, da L. keinen An- spruch darauf erheben kann, Ueber st unden zu leisten. Ein KriegSschein wird nicht erteilt. Ter"Dreher E. von der Firma Schw. will einen KriegSschein, da er bei serner Arbeit nicht zurechtkommt und glaubt, dast dies am AkkordprerS liegt. Da aber festgestellt Ivird, dast andere Dreher bei denselben Preisen 1,55 M. pro Stunde ver- dirrien. wird die Erteilung deS KriegSschein-? abgelehnt. Veutsches Reich. Teuerungszulagen in der Hntiudustrie. Die sortschreitende Aerteuerung des LebeiiSunlerhalts mit ihren Wirkungen auf die Erirährring und die ArbeitSleistringeir der Maiicir haben Anlast gegeben, dast auf Arrlrag des Verbandes der Hur- arbciter mit dem Unlernehnrerverband rn der Huliirdustlie vereinbart worden ist: Born ersten Lohirragc im August an erhallen alle über 10 Jahre alten Arbeiler und Arbeilerinnen rn den Woll- mrd Haar- huljabrrien bei einem Wochenverdiensl bis einschliestlich 12 Mark= 20 Prozent Teuerungszulage 15 20 25 30 36 40 — 15 — 10 — 8 = 6 --- 4 = 3 Jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen, welche bis 9 M. ver- dienen, erhalten 10 Proz. Zulage. Früher bewilligte Teuerungszulagen werden durch diese Tcue- ruirgSzulagcn nicht berührt. Die Zulagen werden auf den Brullo- lohn rind neben sonstigen bererrs besteheirden gemeindlichen oder staatlichen Unterstützungen bezahlt. Sind von einer Gemeinde oder von einem Gemeindeverbande, unter Berusung auf die Zulage, die Unterstützungen der'SondereiwerbSloscirsürsorge gekürzt, so dast der Arbeiter trotz Zulage tein höheres Enikonimeir hat, so fällt die Zulage sür den betreffeudeir Arbeirer weg. Hoffenrlich findet sich keine Gemeinde, die aus klein- lichen Motiven den Zweck der Vereinbarungen vereitelt und die Ar- beiler schädigt. Unter den 1500 Arbeiierir und mindestens 2800 Arbeiterinnen, die dank dem Vorgehen des Hutarbeiterverbandes Zulagen erhalten, befindet sich ein erheblicher Teil Unorganisierter, die miternleir, ohne geiät zu haben. Sie haben alle Ursache, sich der Organisation anzuichlresten, die tatsächlich die Interessen aller BcrusSgenoficn und-genossinnen mit Erfolg vertritt. BergarbciterstrcikS im Ruhrrcvier. Am Mittwoch, den 10. August, war auf der Kruppschen Zeche „Emscher-Lrppe* im Kreise Recklrnghausen sowohl für die Morgen- lvie MittagSschicht die Belegschaft nicht angefahren. Der Grund der Arbeitseinstellung war die ungenügende Lieferung von Lebens- Mitteln, daneben auch die in der jetzigen Teuerung als unzuträglich empfundene Entlohnung. Nachdem die Zechenverwaltuitg die Ab- stellung der Mängel versprochen hatte, juhr andern Tags die ge- samte Belegschaft wieder an. AuS dem gleichen Grunde blieb am Freitag, den 18. August, die Belegschaft der Zeche.Ewald-Fortsetzung", eine halbe Stunde von der eistgenannteil Zeche entfernt, der Arbeit fern. Auch hier fuhr am folgcitdcn Tage dic Belegschaft wieder an, nachdem sich die Zechen- Verwaltung zu Zugeständnissen bereiterklärt hatte. Mus öer Partei. MandatSniederlegung. Stadtverordneter Genosse P e r e r rn Daiizig, der jüngst zum Stadlrat gewählt wurde, die Wahl aber ablehnte, hat jetzt sein Mandat zur Sladtverordttetenversammlung niedergelegt. Mus Industrie unö Handel. Ein Zuckermonopol in Rußland? Nachrichten über Zuckermonopolpläne in Rußland, dic neuerdings durch deutsche Zeitungeil gingen, beleuchtet dic Veröffentlichung eines Berichtes, nach dem bereits bor längerer Zeit von russischer amtlicher Seite solche Pläne bc- raten wurden. In der Kommission für indirekte Bestcuernng, die unter dem Vorsitz des Gehilfen des russischen Finanzministers A. I. N i k o I a e n k o, tagt, kam, tvic dic„Rnstkija Wjcdo- mvsti" zu berichten wissen, diese Frage allerdings nicht zur endgültigen Entscheidung, da sich die maßgebenden Stimmeil teilten, aber soviel sei immerhin erreicht worden, dast man deni Vorschlag genaue Bcachtling zu schenken und seine Einzelheiten auszuarbeiten beschlost. Die An- Hänger der Einführung des ZuckermonopolS weisen in erster Linie darauf hin, dast es mit seiner Hilfe möglich werden dürfte, aller mit der Zuckerversorgung Rustlands verbundenen Schwierigkeiten Herr zu werden und ein Gleich- gewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Zuckermarkt herzustellen. Die Gegner dieser Mastnahme glauben au dic Möglichkeit einer weiteren Vertcueruiig des Artikels: sie bc- fürchten nicht nur keine Verbesserung, sondern geradezu eine Verschlechterung der Lage der Konsumenten. Der Znckcrhandel ist gerade in Riihland im Kriege von privater Seite so weitgehend monopolisiert tvorden, dast auch dieses größte ProduktionSgebiet des Zuckers Zuckerteuerung und geradezu Zuckernot litt. Es gehört schon, so meint dic „Europäische Staats- und WirtschaftS-Zeitung", deren Wirt- schaftsarchiv Ivir diese Notiz entnehmen, ein Verwaltungsapparat wie der russische dazu, wenn der Oeffentlichkeit von einem Staatsmonopol eine weitere Verschlechterung der Lage in Aussicht gestellt werden kann. Sollte das Staatsmonopol nach den jüngsten Skandalen ctiva doch zur Ausführung kommen, so könnte es unter gewissen Voraussetzungen eine erhebliche Wirkung auf die Gestaltung des Zuckcrivcltmarktes gewinnen. Ausdehnung der Kuustlederfabritatlon. Die austerordentliche Generalversammlung der Deutschen Kunst. lederokliengesellickiast in Dresden beichtoh die Erhöbung des Aktien- kapitalS um 750 000 M. auf 3 750 000 M. zwecks Stärkung der Bc- rricbSmiltel. Der Umsatz im«rsten Halbjahr hat die Höhe des Aktienkapitals überschritten. Die Anstenstände wurden gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Die Verwaltung erwartet auch in FriedenSzeiten gute Erträgnisse. Mangel an Zucker in England. Die„Westnrinster Gazette' vom 10. August berichtet: Zucker ist in Eheshire so selten, dast der Obst- Handel hierdurch in ernste Mitleidenschaft gezogen wird. Groste Mengen von gesottenem Obst für Konserven verderben. Unter italienischer Koutrolle. Ali erste ouSIändtslbe Unternebmung in Italien ist die öfter- reichische Kcmrmgcirnsabrik Köster, Mayer u. Klinger in Prato vom Florenitner Präseklen unter Kontrolle gestellt worden. Der Betrieb wird aufrecht erhalten, um die Arbeilerichast, die zeitweise die Ziffer von 5000 erreicht, nicht brotlos zu machen. Eingegangene Druckschriften. Ratgeber für Angehörige von KriegStrilnehmern. Heran«. g-gebcn von Stadtselretär Volmer. 15 Ps.— Selbstverlag in Höhichcrd. Tic Glocke. Heft LI. Sozialislijche Wochculchrist. Herausgegeben von ParvuS. 20 Pf.— Verlag für Sozialwissenichajt. München. „Arbeiterpolitik-. Wochcuschrist lür wissenschaftlichen Sozialismus. Heft 9. 15 Pf.— Vertag in Bremen, Waller Hccrstr. 52. Wie bewahrt ihr euch vor Syphilis? Von Dr. E. Freund. 30 Vi.— I. A. Kienrcich, Otraj. Gesammelt« Dichtungen. Von H. Stein. In �3 Bänden bcrauS« gegeben von F. PoSle. Geh. 8 M., in Halhleinen 12 M.— Jtisel-Perlag, ____ Leipzig.________. 'kk?m1twZ>i?d"fs.>. Affreb SKseiepp. Ne'llöfln. Jnstratenteil verantw. Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: BorwürtS Buchor. u. VerlagSaitilal! Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltung»»!. ilr. 230. 33. ZahrMg. Chronik des Weltkrieges. ÄÄ. Slu�uft lSI4. Zu der Schlacht, die zwischen Meh und den Vogesen geschlagen wurde, wird amtlich gemeldet, daß der Rückzug der Franzosen in Flucht ausartete. Es wurden mehr als 10 VA) Gefangene gemacht und 30 Geschütze erobert. Die Stärke der geschlagenen französischen Kräfte wird auf mehr als 8 Armeekorps beziffert. Aach einer Londoner Meldung des Reuterfchen Bureaus er- reichte bereits am 20. August ein Husaren- und ein Ulanenregimcnt der deutschen Armee Brüssel. An der galizischen Grenze kam es zu größeren Zusammen- stoßen. Die russischen Truppen wurden geworfen und zogen sich fluchtartig zurück. An der serbischen Grenze wurde eine serbische Armee von etwa 30 Bataillonen mit zahlreicher Artillerie auf der ganzen Linie ge- warfen. 22. Auqust IS 15. Im Westen keine besonderen Ereignisse. ? n Osten dauerte das Vorrücken der deutschen und österreichi- schen Armeen an. Abermals wurden mehr als 2000 Gefangene ein- gebracht. Aus dem Tiroler Kriegsschauplatz und bei G ö r z er- gebnislose Vorstöße der Italiener. Im Rigaischcn Meerbusen kam es zu einem Vorpostengefecht zwischen leichten Streitkräften der deutschen und russischen Marine. Ein russisches Torpedoboot sowie zwei russische Kanonenboote wurden durch Artilleriefeuer und Torpedobootsangrisfe oersenkt. Auf deutscher Seite wurden drei Torpedoboote beschädigt, eins davon ist gesunken. Der italienische Botschafter in Konstantinopcl überreicht der Pforte eine Note, worin erklärt wird, das Italien sich als mit der Türkei im Kriegszustand befindlich betrachtet._ Die finnische parteiprefie über öen Wahlfleg öer Sozialöemokratie. Die finnische Parteipresse enthält trotz ihrer Knebelung durch die Zensur eine Fülle interessanter Betrachtungen, die den Sieg un- serer Partei bei den finnischen Landtagswahlen wirkungsvoll be- leuchten. Das Zentralorgan der Partei, der„T y ö m i e s', schreibt über die Niederlage der großen bürgerlichen Parteien solgendes: »Die Altfinnen brachten 1007 über 243 000 Stimmen auf, jetzt nur noch etwas über 140 000. Sie haben reichlich über 103 000 Stimmen eingebüßt. Die Stimmenzahl der Jungsinnen betrug 1907 121000, jetzt nur noch 98 300— Verlust über 23 000. Die »Schwedische Volkspartei"(eigentlich: schwedisch redende Herren- parteis hatte 1907 über 112 000 Stimmen, jetzt 93 600, Einbuße über 18 600 Stimmen. Die Gesamtzahl der Wählerstimmen dieser drei großen bürger- lichen Parteien betrug 1007 über 477 000, jetzt nur noch ca. 332 000. � Sie haben zusammen über 145 000, d. h. reichlich über 30 Proz. Stimmen verloren. Damals erhielten sie von je 100 stimmen 53,3, jetzt kaum noch 42! Damals zogen sie mit 109 Mandaten in die Volksvertretung, sie hatten die Majorität. Seitdem haben sie 32 Man- date verloren, mit ihren noch verbliebenen 77 Sitzen sind si.e in der Minderheit. Dagegen ist die Stimmenzahl der Sozialdemokratie seit 1907 um über 45 000 gestiegen.(Sie betrug ltX)7 329 946 37 Proz. mit 80 Mandaten; 1916 375 306~ 47,2 Proz. Stimmen und 193 Man- date.) »Was ist der Grund, gute Herren, daß die Wähler Ihnen den Rücken gekehrt haben und zu uns gekommen sind?" fragt das Blatt und warnt die Gegner davor, die Sache mit leeren Phrasen und mit gesuchten Verlcgenhcitsgründen erklären zu wollen. Es fährt dann date.)" „Nach den ersten Wahlen behielten diese drei Parteien die Macht einige Jahre in ihren Händen.(Zensurlücke.) Wir wollen nicht aus- führlich werden, nur einiges wollen lvir hervorheben. Angenommen, diese Parteien hätten damals das A l ko h o l v e rb o t s g e s e tz so weit gefördert, daß der Zar es sanktioniert hätte(man hat Grund zu der Annahme, daß das Gesetz bald nach der Annahme durch den Land- tag die monarchische Sanktion hätte erlangen können). Wenn sie als- dann die neue Kommunalordnung ebenso gefördert hätten— wenigstens in dem Maße, wie sie sich programmatisch selber gebunden hatten, und hätten sie dann noch das K l�e i n p ä ch t e r g e s e tz etwa in der Form angenommen, wie die Sozialdemokratie im letzten Winter eine Lösung in dieser Sache vorgeschlagen hat, so hätten sie sich gegenüber der bürgerlichen Gesellschaftsordnung keineswegs irgendwie schuldig gemacht, denn diese Gesetze bewegen sich ja alle im Rahmen der bürgerlichen Reformen und kommen— abgesehen von kleinen Kapitaliftenkreiscn— den bürgerlichen Klassen zugute. ES wäre dann noch angebracht gewesen, wenigstens diese Arbeiter- sckmtzgesetze vor den Wahlen von 1909 anzunehmen, die nach diesen Wahlen sowieso angenommen wurden. ES ist nicht anzunehmen, daß die bürgerlichen Parteien, wenn sie auch nur diese Reformgesetze durchgeführt hätten, heute dasselbe beklagen müßten, was sie jetzt zu beklagen haben. Wahrlich, es wäre nicht viel nötig gewesen, um sich oben zu halten. Freilich hätte auch das den Aufstieg der Sozialdemokratie nicht verhindern können. Aber vor derart großen Verlusten hätten sich die bürgerlichen Parteien wohl schützen können, und die Majorität hätten sie sich noch lange nicht entreißen lassen brauchen. Doch die Bourgeoisie Finnlands wählte einen anderen Weg. Der Weg der Reformen schien ihr nicht gangbar und das hat sie jetzt mit dem Verlust der Majorität bezahlen müssen. Aber was tuts? Be- hält sie nicht trotzdem ihre reaktionären Bestrebungen, wie auch die ganze politische und wirtschaftliche Macht außerhalb des Parlaments? Und es ist gar nicht ausgeschlossen, daß die Bourgeoisie die Majorität in der Volksvertretung viel geringfügiger einschätzt, als alle anderen Mittel und Wege, mit deren Hilfe sie die von ihr nicht gewünschte Reformarbeit im Parlament wirkungsvoll bekämpfen kann!"— Das Blatt wirft dann die Frage auf, ob es vielleicht gar die Absicht der Bourgeoisie gewesen sei, diesen Weg zur Verteidigung ihrer Interessen einzuschlagen. Es warnt die Arbeiter, die Wahl- resultate so auszulegen, als hätten die finnischen Bouraeoisklassen durch diesen Sieg der Sozialdemokratie ihre politische Macht und ihren Einfluß verloren. Eine solche Annahme wäre falsch und un- begründet. »Was haben sie wirklich verloren? Die Macht zur Klassengesetz- gebung?" fragt der..Tpömies" und fährt dann fort: »Die durch die Mehrheit der Volksvertretung auszuübende Macht haben sie allerdings eingebüßt. Aber diese Macht hat ja die Bour- geoisie auch vor zehn Jahren nicht besessen! Auch haben die bürger- lichen Parteien ihre Macht der Majorität auch nach 1907 nicht direkt dazu benutzt und benutzen können, um im Parlament Klassengesetze zu beantragen und durchzudrücken. Dazu waren s i e dank der sozialdemokratischen Opposition und ihrer Kritik denn doch nicht im- stände. Aber immerhin haben sie viel verloren, und die Arbeiterpartei erlangt durch ihren letzten Sieg erst ihren vollen Werl: wir besitzen jetzt eine viel breitere Basis zur politischen Wirksamkeit. Mit an- deren Worten:. Erst jetzt haben wir die volle Möglichkeit, im Namen n\m UMMM. Dlkilstag, 22. August 10 16. der Volksvertretung die notwendigsten sozialen Reformarbeiten in der Form der Gesetzgebung zu beschließen und auch noch einiges mehr.... Aber durchgeführt sind diese Reformarbeiten da- mit noch keineswegs." Damit meint das Blatt die außerhalb des Parlaments stehenden Hindernisse und Klippen, die jedes Gesetz in Finnland zu passieren hat, denn um in Kraft zu treten, müssen die Gesetze erst von dem Zar-Großfürsten sanktioniert werden. Bis jetzt sind die besten Ge- setze immer noch an dieser Klippe gescheitert. Durch den Sieg der Sozialdemokratie wird diese Klippe weder beseitigt, noch werden die bestehenden Gefahren gemildert. Dann fährt das Blatt fort: »So wertvoll der Sieg der Sozialdemokratie auch ist, verloren baben die kapitalistischen Klassen dadurch noch nichts, was ihren Klasseninteresscn und-zielen besonders wertvoll gewesen wäre. Sie behalten ihre ganze Macht ungeschmälert— sowohl in politischer wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Ihre wirtschaftliche Macht ist nicht im geringsten geschmökert, und diese ist doch die Grundlage ihrer politischen Macht." »Kansan Lehti", unser Tammerforser Parteiblatt, hebt folgendes hervor: „Die bürgerlichen Organe finden sich auch jetzt mit ihrer Siwa- Hon billig ab. Nach der bekannten Methode reden sie auch jetzt in herabwürdigender Weise von„Genossen" und von»Leuten, die mit ihren Zielen auf den Wollen schweben", und sie sagen, bloß die Agitation hätte ihre Wirkung getan.... Ebenso wenig wollen sie es anerkennen, daß der Sieg der Sozialdemokratie sozialen Ur- sprungs ist. Sie finden sich mit einigen witzig sein sollenden Phrasen ab.... „Freilich, zu einem solchen Verhalten haben sie ihre guten Gründe: Ihre Position wird durch den sozialdemokratischen Wahlsieg keines- Wegs gefährdet, die bürgerliche Gesellschaftsordnung wird dadurch nicht berührt, sie können daher noch ganz sorglos dahinleben.... unsere Bourgeoisie befindet sich inmitten der besten Konjunktur, sie hat die beste Möglichkeit, sich zu bereichern, die Aktien steigen fortgesetzt im Kurse und die Zukunft scheint ihnen eine Blütezeit des Geschäfts- lebens zu bringen. Sie gönnen uns unseren„moralischen Sieg", derweilen sie sich des besten materiellen Sieges erfreuen. Dabei ver- künden ihre Schriftgelehrten und Leuchten unablässig: Das Privat- eigentum und die darauf aufgebaute soziale Ordnung seien unver- gänglich...." Das Blatt verweilt dann bei der Differenz zwischen der großen Zahl der sozialdemokratischen Wähler und der kleinen Zahl der or- ganisierten Arbeiter.„Neben beinahe 400 000 sozialdemokratischen Wählern gibt es nur etwa 30 000 gewerkschaftlich und etwas über 50 000 politisch organisierte Arbeiter. Gewiß mühte der Sieg von unseren Gegnern höher gewertet werden, wenn die Arbeiterorgani- sationen mächtiger wären. Die eigentliche Kraftquelle der?lrbeiter- klasse bilden ihre Organisationen und nur diese. Nur kraft ihrer Or- ganisationen vermag die Arbeiterschaft vorwärts zu dringen. In anderen Ländern mit einem für die Arbeiter weniger günstigen Wahlgesetz haben die Arbeiter, gestützt auf ihre gut ausgebauten Or- ganisationen selbst die machtvollen bürgerlichen Klassen dazu ge- zwangen, den Arbeitern günstige soziale Einrichtungen zu schaffen und Gesetze anzunehmen. Eine anorganisierte Wählermasse im- paniert der Bourgeoisie wenig, zwincjhjie nicht einmal, von ihren banalen Witzen abzustehen.— Unsere Schwäche ist begründet in der Schwäche unserer Organisationen. Es ist daher bitter notwendig, nicht nur auf große Wählermassen zu sehen, sondern noch mehr zu trachten, daß unsere Organisationen stärker werden. Denn„der parlamentarische Kampf ist gut und notwendig, aber er bedeutet nicht alles". Ohne kräftige Organisationen als Stütze ist der parlamen tarische Kampf wie eine stumpfe Waffe, ohne große Schlagkraft. Auf alle Fälle bedeutet aber der Sieg der Sozialdemokratie einen klaren Schritt der Wühlermassen gegenüber der bürgerlichen Gesellschaftsordnung, der sie ihre Unzufriedenheit deutlich kundgetan haben. Indem die Wählcrmassen die Sozialdemokratie zu der parla- mcntarischen Mehrheit verhalfen, gaben sie ihr auch den ehrenvollen Austrag, nunmehr an die gesetzgeberische Arbeit zu gehen und Ge setze auszuarbeiten, die den Klasseninteressen der Arbeiter ent sprechen. Der Sieg ist kein Zufallssieg, er ist vielmehr ein Ergebnis der gesetzmäßigen Entwickelung: in den sieben Neuwahlen seit 1907 ist die Macht der Arbeiterklasse beständig gewachsen." Das Blatt schließt seine Betrachtungen mit dem Hinweis auf die äußeren Hindernisse der parlamentarischen Arbeit und warnt davor, trotz der'Mehrheit Unmögliches zu erwarten oder zu fordern. Ms Grofi-ßerlin. Tie hohen Obst- und Gemüsepreise. In den Nachrichten des Kriegsernährnngsamts ist zu lesen: „Die in der Oeffentlichkeit zurzeit viel beklagten, zweifel los hohen Obst- und Gemüsepreise haben ihre Ursache zum nicht geringen Teil in einer manchmal geradezu sinnlosen Hamsterei. Größere und kleinere Betriebe decken sich zu hohem Preise mit Gemüsemengcn ein und tragen so unbedingt zu Preistreibereien der schlimmsten Art bei, um so mehr, als die norniale Obst- und Gemüsecrnte noch lange nicht voll eingesetzt hat. Leider sind daran auch Militär- und Kom munalbehördcn beteiligt, indem sie sich bemühen, schon jetzt ihren Gemüse- bzw. Obstbedarf einzudecken, sehr oft ohne bei der Preisfestsetzung die nötige Vorsicht zu beobachten. Hinzu kommt, daß gewisse Händlerkreise diesen Umstand ge� schickt zu bcnützcn luissen, um nun auf ihre Weise dadurch Preispolitik zu treiben, daß sie auf die Erzeuger einivirken, ja nicht zu billig zu verkaufen, sie würden sicher jeden go forderten Preis erhalten. EL muß als in jeder Beziehung unzweckmäßig angesehen werden, jetzt schon seinen Gemüse bedarf für längere Zeit zu decken. Die Obst- und Gemüse ernte ist normal, die Gemüseernte zum Teil sehr gut, die eigentliche Ernte hat durchaus noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, warum also jetzt die Hast im Aufkauf, die unbedingt zu Preistreibereien führen muß?" Haferflocken für kleine Kinder. Die Stadt Berlin gewährt allen Kindern, welche das zweite Lebensjahr noch nicht überschritten haben, für den Monat August ein Pfund Haferflocken. Die zur Empfangnahme berechtigten Vorzugsschcine werden von den Brotkoniniissionen abgegeben, und zwar werden abgefertigt: Empfangsberechtigte, deren Namen mit den Buchstaben .A.— G beginnen, am Dienstag, den L2. August 1916, Empfangsberechtigte, deren Namen mit den Buchstaben H— L beginnen, am Mittwoch, den 23. August 1916, Empfangsberechtigte, deren Namen mit den Buchstaben ül— R beginnen, am Donnerstag, den 24. August 1916, Empfangsberechtigte, deren Namen mit den Buchstaben S—Z beginnen, am Freitag, den 23. August 1916. Die Haferflocken sind in den im Stadtbezirk Berlin ge- lcgcnen Apotheken gegen Abgabe der Vorzugsschcine erhältlich. Preise für Käse. In einer abgehaltenen größeren Versammlung von V c r t r c- tern der Käseprodukion und des Käse Handels, die kürzlich im Geschäftshause der Berliner Handelskammer stattfand, wurde nachstehende Vereinbarung getroffen: Solange der Herstellerpreis für T i l s i t e r, E l b i n g e r und ähnliche Hartkäse mit einem Fettgehalt von wenigstens 40 Proz. per Pfund 1,10 M. und solange der Ladenpreis 1,40 M. beträgt, ferner solange der Preis für diesen Käse mit niedrigeren, aber 20 Proz. nicht unterschreitendem Fettgehalt 80 Pf.(Hersteller- preis) und 1,10 M.(Ladenpreis) beträgt, sollen die Preise füc Lieferungen an W i e d e r v e r kä u sc r 1,25 M. bzw. 95 Pf. nicht übersteigen. Der Kistenpreis darf nicht erhöht werden, wenn die den Gegenstand des Geschäfts bildende Menge das Quantum ganzer Kisten erreicht, gleichgültig, ob die Ware ausgepackt oder nicht ausgepackt geliefert wird. Tie KriegsgescUschaft für Tauerkraut in Berlin, Potsdamer Straße 15. hat mit Zustimmung des Bevollmächtigten des Herrn Reichskanzlers auf Grund des Z 2 der Verordnung vom 3. August 1916 über die Ver- arbeitung von Gemüse bestimmt, daß Sauerkraut bis zum 1. September 1916 noch ohne ihre Genehmigung im Einzel- falle geliefert werden darf. Dadurch ist Vorsorge getroffen, daß in dem Handel mit Sauerkraut keine Stockung eintritt. Die Gesellschaft wird bis zum 1. September 1916 die Preise und die näheren Bedingungen für den späteren Absatz von Sauerkraut festsetzen.__ Einschränkung des Bricfverkchrs nach dem nichtfsind« lichen Sluslandc. Zur zweckentsprechenden Durchführung der während deS Krieges notwendigen militärischen llcberwachung des Nachrichten- Verkehrs mit dem Ausland ist es erforderlich, daß der Brieftext der offen aufzuliefernden Privatbriefe nach dem nichtfeind- lichen Ausland, mit Ausnahme der besetzten Teile Belgiens und Russifch-Polens, gleichviel ob die Briefe in deutscher oder in. einer für den Briefverkehr nach dem Auslande gestatteten fremden. Sprachen abgefaßt find, nicht über zwei Bogenseiten gewöhnlichen Briefformatz(Quart) hinausgeht. Die Briefe dürfen keine An- lagen enthalten, in denen sich Nachrichten befinden, sie müssen ferner in deutlicher, ohne weiteres gut lesbarer Schrift mit nicht zu engem Zeilenabstande geschrieben fein, auch dürfen keine Schriftzeilcn über Sckrisizeilen einer anderen Richtung quer hin- weglaufen. Bei Geschäftsbriefen kann, wenn sie im übrigen den vorstehenden Bedingungen entsprechen, der Inhalt den Raum von zwei Bogenseiten überschreiten und die Beifügung von Rechnungen, Preisverzeichnissen und dergleichen geschäftlichen Anlagen erfolgen. Zur Verpackung der Briefe nach dem Auslande dürfen nur Um- schlage verwendet werden, die aus einer einfachen Papier- oder Stosslage, also ohne Futtereinlage aus Seidenpapier oder anderen Stoffen, hergestellt sind. Bei Briefen, die den angegebenen Anforderungen nicht entsprechen, müssen die Absender damit rech- nen, daß sie infolge der Erschwerung des Prüsungsgeschäfts mit mehrwöchiger Verspätung am Bestimmungsort eintreffen, Bei dieser Gelegenheit wird besonders daraus hingewiesen, daß der Abfluß der nach dem Auslande gerichteten Briefsendungcn sich naturgemäß um so regelmäßiger und pünktlicher gestalten wird, je geringer die Zahl der zu bearbeitenden Sendungen ist. Es ist daher wünschenswert, daß die Zahl der Privatbriefe nach dem nicht- feindlichen Auslande auf das unabweisbare Bedürfnis beschränkt werde,_ Arbeiterbildungsschule. Donnerstag, den 24. August, abends 8>/z Uhr, findet im Hörsaale der Schule, Lindcnstr. 3, 4. Hof rechts 3 Treppen, der regelmäßige Wissenschaft- liche Einzelvortrag statt. Da vor 30 Jahren, am 23. August 1866, der Friede von Prag abgeschlossen wurde, ist das Thema: Preußen und Oesterreich gewählt worden. Vortragender ist Genosse A. Hofrichtcr. Eintrittspreis 10 Pf. Zur Verpackung von Paketen nach Bulgarien können bis auf weiteres außer Pack- oder Wachsleinlvand auch Oeltueb, Wacks- oder Teerpapier, Oelpackpapier, Wachsleinenpapier, Zellnlosepapier, Wellpappe oder ähnliche haltbare Stoffe verwandt werden. Un- bedingt notwendig ist, daß die Pakete besonders fest verschnürt und versiegelt oder verbleit sind. Spottet ihrer selbst und weist nicht wie! Die„WilmcrSdorfer Zeitung" renommiert in ihrer Sonntag?- nummcr, daß sie eS sei, aus welche die neuen Erlasse des Char« lottenburger und Schöneberger Polizeipräsidenten zurückzuführen wären. Denn sie sagt in einer Sonnabendbetrachtung: „Es scheint im Zusammenhange hiermit in der Groß- Berliner Oeffentlichkeit noch viel zu wenig bekannt zu sein, vaß die letzten beiden, so viel besprochenen und angefeindeten Erlasse der Polizei- Präsidenten von Wilmersdorj-Schöneberg und Charlottenburg auf einen Artikel der„Wilmersdorfer Zeitung" zurückzuführen sind, der sich zuerst mit dem nächtlichen Kaffechausireiben in Wilmersdorf befaßte, So kam der Stein iiiö Rollen. Es ist hiermit wohl der Beweis erbracht, daß auch ein Vororlblatt, das mir dem nötigen Ernst seine Aufgaben zu erfüllen gedenkt, an maßgebender und einflußreicher Stelle gewürdigt wird." Ob es richtig ist, daß die genannten polizcipräsidialcn Erlasse der„Wilmersdorfer Zeitung" zu danken sind, wollen wir nicht untersuchen. Es genügr aber, daß diese Zeitung sich das einbildet und auch noch stolz darauf ist. Spottet ihrer selbst und weiß nicht wie! Ein unverbesserlicher KautionS- und Stellenschwindler wurde wieder einmal festgenommen. Em 38 Jahre aller Alfred Rothe, der die Strafgerichte scbon oft beschäftig! hat, verspricht durch vffenl- liche Anzeigen alle möglichen Stellungen, beschränkt sich dann aber darauf, den Bewerbern möglichst hohe Bürgschaften abzunehmen. Ueber Stellen verfügt er nie. Vor vier Jahren ging es ibm esnes Tages sehr schlecht. Damals gab es in der Lindenslraße einen un- gewöhnlichen Austritt, über den wir seinerzeit ausführlich berichteten. Rothe halte wieder einmal eifrig„gearbeitet". Da entdeckten mehrere Betrogene die Wohnung des Schwindler?, überraschten ihn und prügelten ihn windelweich, als sie ihr Geld nicht wiederbekamen. Es blieb dem Gauner nicht« anderes übrig, als sich unmittelbar in die Hände der Polizei zu flüchten. Die schwere Strafe, die er er« hielt, besserle ihn aber auch nicht. Nach der Entlassung nahm er seine Betrügereien wieder auf. Inzwischen scheint ihm aber der Mut gewachsen zu sein. Denn er, der früher Schutz bei der Polizei suchen mußte, bedrohte jetzt in einem Lokal eine Frau mit dein Revolver. Bei dieser Gelegenheit wurde er festgenommen, nachdem man ihn schon länger wieder gesucht halte. Ein zwölfjähriger Knabe hat sich in Charlottenburg mit dem Revolver seines Vaters erschossen. Furcht vor Schulstrafe soll die Ursache des Schrittes sein._ Künstlerische Wcttbriverbe der Stadt Berlin. Der kurz vor dem Kriege ausgeschriebene Wettbewerb für eine städtische Plakette wurde auf den Rai des Vorsitzenden des Vereins Berliner Künstler für die Zeil nach dem Kriege vertagt, um den im Felde befindlichen Künstlern die Teilnahme hieran zu ermöglichen. Die in Aufsicht genommen en arKitektonischen Wettbeloerbe sollen jedoch nach dem Lcjchluj; der �usiändigen Kommission, weiche gestern unter Vorsitz deZ Geh. Baurals Hoffmann tagte, nicht weiter der- schoben werden, da nach Beendigung des Krieges eine lebbafte Bau- läligkcit erwartet werden kann. Die Konimission beschloß, der Kunst- deputalion vorzuschlagen, schon jetzt für zwei größere zeitgemäße und zehn kleinere Aufgaben Wettbewerbe auszuschreiben. Wegen Beraubung von Kindern, die zum Embolen ausgeschickt worden waren, wurde in Neukölln ein löjähriger Arbeilsbnrsche feil- genommen. Ein Mädchen, das 21 Jahre all ist und sich auf die Beraubung von Kindern vcilegt, wird noch gesucht. Die Eltern tun gut, ihre Kinder vor fremden Personen zu warnen, die sich an sie herandrängen. Straßenimfälle. In der Chausseestraße bS in Mariend orf lief am Sonntag der sechsjährige Fritz Waldow beim Spielen unmittel- bar vor einem ouö Berlin kommenden Siraßcnbahiiwagen der Linie 73 auf das Gleis und wurde umgestoßen. Ter Junge erlitt einen Bruch des rechten Schlüsselbeins und Quetschungen mehrerer Rippen. Ter Verunglückte wurde zunächst zu einem in der Näbe wohnenden Arzt und dann nach der elterlichen Wohnung gebracht. In der Dorfstraße in'Britz fuhr die Fahrerin Nitschke auf der eingleisigen Sirecke mit einem Zuge der Linie I gegen eilicn aus entgegengesetzter Richtung kommenden Zug derselben Linie, wobei die Plattformen beider Triebwagen stark beschädigt wurden. Mehrere Perionen klagten über Schmerzen, setzten jedoch ihren Weg fort. Eine Störung entstand nicht. Mus öen Gememöen. Lcbeiismitkclbcstaudsaufua�me in Charlotteuburg. Für die Besiandsaustiabme der wichtigsten Lebensmittel am 1. September 1016 sind in Cbarlottcnburg folgende Bestimmungen getroffen: Die Hausbesitzer haben die bei der Bestandsaufnahme zu vcrwendendcn Anzcigcvororncke am Monrag, den LI., und Dienstag, den L2. August, bei den Broikommissionen in Empfang zu nehmen und den in ihrem Hause befindlichen Haushaltungen, Anstalten. Handel- und Gewerbetreibenden bis zum L8. August auszuhändigen. Wer brS zu diesem Tage nicht im Be- sitze eines Anzcigcvordruckcs ist, hat sich einen solchen selbst bei der Brolloinmissioir, den Polizeirevieren oder im Statistischen Amt der Stadt Charloltcnburg(Raihans, Zimmer 131) zu verichaffen. Tie HauSballungsvorstände, Anstaltsleiter und Gewerbetreibenden haben die ausgeinllten Vordrucke an den Hausbesitzer bzw. Verwalter bis spätestens 2. September abzugeben. Die Abgabe kann auch in ver'chlossenem Briefumschläge er- folgen. Wer bis zu diesem Tage die Vordrucke nicht abgeliefert bat, muß die Ablieferung bei der zuständigen Brolkomnrission> c l d st bewirken. Die Vordrucke sind von den Haushaltungen auf jeden Fall auszufüllen und zu unterschreiben, auch wenn sie keine der er- fragten Waren in Gewahrsam haben. Die Anzeigcpflicht erstreckt sich auf alle erfragten Vorräte, gleichgültig, ob sie den Hausbai- tungen usw. gehören oder nicht. Der Magistrat ist berechtigt. Vor- rats- und Belriebsräume und sonstige Orte, wo Vorräte zu ver- muten sind, zu durchsuchen und die Geschäsisaufzeichnungen und Bücher der Anzeigeverpflichteten nachzuprüfen. Nachmusterung im Kreise Teltow. Die erneute Musterung der bei früheren Kriegsmustcrungen nur garnisonverwendungsfähigen oder arbeitsverwendungsfähigen oder zeitig untauglich oder zeitig garnison- und arbeitsverwendungsfähig erklärten Wehrpflichtigen bezinnl im Kreise Teltow am 23. August. Für den Aushebungsbezirk Teltow I findet die Musterung in Steg- litz, Schloßparkrestaurant, vom 23. August bis einschließlich 8. Sep- tember, vorm. 3>/z Uhr, und in Lichterfelde-Ost, Restaurant Hennig, vom 9. bis 13. September statt. Für den AuShebungsbczirk Teltow II ist die Nachmusterung in Mariendorf, Restaurant Karlshöhc am Bahnhof Mariendorf. vom 23. August bis einschließlich 4. September und in Grünau, Restaurant Buchholz, Friedrichstraße 27, vom 25. September bis 12. Oktober. Die hieriür in Betracht kommenden unausgebildcten Landsturmpflichtigen der Jahrgänge 1896 bis 1869, sowie die nur als garnisonverwendungsfähig ausgchobencn Rekruten erhalten vom Bezirkskommando zu den bestimmten MusterungStngcn besondere Gestellungsbefehle. Für die Militärpflichtigen, die in den Jahren 1896, 1895. 1394 und früher geboren sind und bei früheren Musterungen wegen zeiliger Uniauglichkeit zurück- gestellt worden sind, d. h. die die Entscheidung.zeitig untauglich", .vorläufig zurück",„weiter zurück" oder eine gleichbedeutende Eni- scheidung erhalten haben, sowie die Landslurmpflichtigen des Jahr- ganges 1897, die bei früheren Musterungen wegen zeiliger Unlaug- lichkeit zurückgestellt worden sind und eine der vorerwähnten Enl- scheidungcn erhallen haben, findet die Nachmusterung an folgenden Tagen statt: Für den Aushebungsbezirk Teltow I in Lichterfeldc- Ost, Restaurant Hennig, vom Donnerstag, 14. September bis Freitag, 22. Septemper; sür den Aushcbungsbezir k Teltow II in Mariendorf, Rcslanranl Karlshöhe am Bahnhof Martendorf, vom Dienstag, 5. September bis Montag. 11. September und in Grünau, Riestau- ranr Buchholz, vom Dienstag, 12. September bis Sonnabend, 23. September. Wir ersuchen in der nächsten Zeit genau die amtlichen Bekannt- machungen zu verfolgen. Weiftensee beteiligt sich nicht an der Milchgcmcinschaft. Vielfache Irrtümer herrschen in Weißensce zurzeit durch die in der Presse veröffentlichten Bekanntmachungen betreffs der zukünftigen Milchvcrsorgung. Zur Aufklärung diene, daß der Gemcindevorstand es abgelehnt bat, sich an der zukünftigen Milchversorgung Groß- Berlins zu betätigen, da er glaubt, die Einwohner Weißensces in genügender Weise mit Milch aus der bestehenden Milchkuranstall ver- sorgen zu können. Er gehl dabei von der Erwägung aus, daß durch die abgeschlossenen Verträge, die zu erfüllen garantiert sein soll, ausreichend Milch vorhanden ist, die leiliveise an die Händler abgegeben oder durch Errichtung neuer Verkaufsstellen direkt an die Bevölkerung verkauft wird. Es wäre an der Zeit, daß der Ge- meindevorstand seinen Plan möglichst bald bekannt gibt, damit das Publikum und auch die Milchhändler vor unnötigen Anfragen und Irrtümern geschützt werrden._ Bezugsbcschränkung sür Marmelade. Nachdem kürzlich schon die Gemeinde Tcmpelhof den Einkauf von Marmelade beschränkte, ist jetzt die Gemeinde Adlershos diesem Beisviel gefolgt. Dort ist das Quantum pro Person und Woche auf 259 Gramm festgesetzt worden, die Abgabe ertolgt nur noch gegen Eintragung in die jeweilig gültige Lebensmittelkarte. Die Abgabe von Süßstoff in Wilmersdorf erfolgt nicht, wie in Berlin, auf besondere Süßstoffkarle, sendern auf Nummer 6 der lila Lebensmittelkarte. Anträge auf Zuweisung von Süßstoffkarten, wie sie dem Wilmersdorfer Magistrat in großer Zahl zugehen, sind also zwecklos, können auch nicht einzeln beantwortet werden.— Dasselbe gilt von den immer noch einlaufenden Anträgen auf Zu- Weisung von Einmachzucker. Einmachzucker ist nicht mehr vor- Händen. Mitgliederversammlung in Wilmersdorf. In der Mitgliedei Versammlung am 16. August wurde bekannt gegeben, daß einige Anhänger des früheren Kreisvorstandes am Orte eine politische Sonderorganisation gebildet haben. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt die Frage: „Können Genossen, die keiner der Generalkommission angeschlossenen Gewerlschaft angehören, Funktionäre der Partei sein?" Nach mehrstündiger Aussprache wurde die folgende Resolution angenommen: „Die heutige Mitgliederversammlung erklärt, unentwegt an den Beschlüssen der Parteitage und an dem Statut der Groß-Berliner Wahlvereine festzuhalten. Mit Rücksicht auf die Stellung der Ge- werkschasten zum Kriege selbst und zu den Erscheinungen des Burg- sriedcns hält die Versammlung während der Kriegswirren Aus- nahmen für zuläisig, sofern sonst gegen einen für ein Amt vorge- schlagenen Genosseii nichts vorliegt." Eine Anzahl Genossen verließen nach der Abstimmung demon- straliv die Versammlung. Tie Ersatzwahlen zum Vorstand mußten der vorgerückten Zeit wegen vertagt werden. Ferienspiclc in Mariendorf Dienstag. Treffpunkt Rathaus um 2>/z Uhr._ Soziales. Wer bezahlt den Nachtportier des Rcsideuztheatcrs? Der Nachtportier im Rcsidcnztbeater halte sein GeHall für den Monat Juli— 100 M.— nicht erhalten und beanspruchte dasselbe durch Klage beim Gewerbegeiicht vom Direktor Viktor Hol- läuder. Die Forderung des Klägers war unstreitig. Aber dar- über, von wem er sein Gehalt zu bekommen babe, waren zwei Tbeaicrdircktorcn verschiedener Meinung. �Während der Kläger zur Begrülidung feiner Forderung kein Wort sagen brauchte, erörterten die Direktoren Holländer als Beklagter und Ferri Sikla lFerdinand Silberberg) als Zeuge in längeren Aus- führungcn ihr gegenseitiges VertragSverhälmis, aus dem sich auch die Pflichten gegen den Kläger ergeben sollen. Hiernach liegt die Sache so: Sitla, seit mehreren Jahren Direktor des Residenztheaters, hatte das Theater für die diesjährige Sommerspielzeit an Holländer verpachtet. Der Vertrag enthält eine Klausel, wonach das Theater, wenn Holländer vor einem be- stimmten Termin das Pachtverhällnis aufgibt, mit allxn Rechten und Pflichten wieder auf den Direktor Holländer übergeht. Während dieser Pachtvertrag bestand, trat Sikla als Darsteller in Düsseldorj auf. Tort war Holländer, der ihn engagiert.halte, sein Direktor. Im Juli ist Holländer von dem auf das Berliner Residenzlheater bezüglichen Pachtverträge zurückgetreten. Das Juligehalt des Nacht. Portiers hat er in der Meinung nicht bezahlt, diese Verpflichtung sei nun auf Sikla übergegangen. Das Gewerbegcricht verurteilte den Be- klagten Holländer zur Zahlung des Gehalts, weil dieser in den Monaten Mai und Juni uiibestritten der Arbeitgeber de» Klägers war und dem Kläger nicht mitgeteilt wurde und er auch sonst nicht erkennen konnte, daß ein Wechsel in der Person des Arbeitgebers eingetreten sei. Etwaige Regreßaniprüche des Be- klagten an den Direktor Sikla würden durch dies Urteil nicht berührt._ Ter unhöfliche Kellner. Vor der Kammer 6 des Gewerbegerichts stand die Frage zur Entscheidung, ob ein Kellner, der wegen UnHöflichkeit gegen einen Gast sofort entlassen wurde, Anspruch auf Schaden- ersatz hat. Der Kläger war zehn Tage als Kellner im Cafo Bauer be- fchäftigt. Ein Gast, der fo faß, daß dein Kellner der Zugang zu feinem Revier erschwert war, wurde vom Kläger ersucht, ein wenig Platz zu machen. Der Gast autworiele, der Kellner könne ja einen anderen Weg nehmen, worauf dieser erwiderte:„Ich werde doch Ihretwegen keinen Umweg machen." Der Gast beschwerte sich beim Geschäftsführer, der den Kellner zur Rede stellte und ihn sofort entließ. Bei dieser Gelegenheit äußerte der Kellner, es lue ihm leid, daß er dem Gast nicht eine runtergehauen habe.— Der Kellner beanspruchte durch die Klage 10� M. Schadenersatz, weil er im Laufe des Arbeitstages anstatt nach«chluß desselben entlassen worden ist. Das Gericht erkannte aus Zahlung des geforderten Betrages mit der Begründung: Selbstverständlich müßten die Gäste gegen unhöfliches Betragen der Kellner geschützt werden. Das Be- nehmen des Klägers im vorliegenden Falle in durchaus ungehörig, aber doch nicht so schwerwiegend gewesen, daß sich die sofortige Eni- lassung rechtfertige._ Gerichtszeitung. 20 000 Mark Geldstrafe. Fortgesetzte Ueberschreitung der Mctallhöchstprcise führten gestern den Inhaber der Messing werke Albert Laue vor die 1. Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hat einen ganz erheblichen Umsatz, der sich in Friedenszeite» schon auf drei Millionen Mark belief und im Kriege aus fünf Millionen steigerte. Während dieser Zeit hatte er wiederholt die Höchstpreise für Käufer Übcrschnltcu, indem er den Händlern höhere Preise als diese dafür zahlte. Der Staatsanwalt beantragte deshalb eine Geldstrafe in Höhe von 80 000 Mark. Das Gericht sah die Sache milder an, weil der Angeklagte nur Verpflichtungen erfüllen wollte, unwiderlegt Verluste und nur 10 000 M. Gewinn auS betreffenden Geschäften gezogen, vor allen Dingen aber nicht den Versuch ge- macht habe, die Sachlage zu verdunkeln. Wenn auch deshalb die Sacke anders als sonst zu beurteilen wäre, so müßte doch im Hin- blick auf den großen Umfotz die Strafe nicht zu niedrig sein und demgemäß sei auf 2 0 000 Mark Geldstrafe erkannt worden. Ter Preis eines Landhuhus. Vor dem Elbingcr Schöffengericht war die Besitzersrau Anna Lu st e n berger aus Groß-Wickerau fLandkreis Elbing) angeklagt, weil sie auf dem Wochenmarkt Preise gefordert habe, die unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Marktlage einen über- mätzigen Gewinn enthielten. Für zwei angeblich 6 und 8 Psund schwere lebende Hühner forderte die L. 12 und 15 Mark— 27 Mark. Der Zeuge Agent Karl Fröhlich, der früher Landwirt war, erllärte, daß die Hühner nur ein Gewicht von etwa 4 bezw. 5'/» Pfund gehabt hätten, zumal auch nach seiner reichen Erfahrung auf dem Gebiet der Hühnerzucht ein gewöhnliches Ländhuhn höch- siens 5 bis 6 Pfund schwer wird. Frau L. hat damals die Hühner, als sie sie auf dem Markt nicht los wurde, in einem Haushalt sür 19 M. verkauft. Während der A m l s a n w a I l eine Geldstrafe von 20 M. beantragte, sprach das Gericht die L. kostenlos frei. Das Gericht hat, so wurde ausgeführt, sich nicht überzeugen können, daß die geforderten Preise übermäßige waren. Mus aller Welt. Ter Lebensretter ohne Bezugsschein. Ueber das tragikomische Nachspiel einer wackeren Tat berichtet das„Kölner Tageblatt". Der Kölner Obertierarzt Dr. Meyer, der sich dieser Tage vorübergehend in Königswinter aufhielt, hatte dort Gelegenheit, einen Knaben den Fluten des Rheins zu entreißen. Glücklich brachte er den Kleinen an das Ufer und stellte Belebungsversuche an, die auch bald von Erfolg gekrönt waren. Nun war der wackere Obertierarzt gezwungen. sich im nächsten Wäschegeschäft mit neuer Unterkleidung zu versehen. Ein Oberhemd war für den geforderten Preis zwar zu haben, doch bezüglich eines Unterbeinkleides be- dauerte der Geschäftsinhaber, damit nicht dienen zu können, wenn der Käufer nicht auch einen Bezugsschein vorweisen könne. Der Lebensretter wies auf seine völlig durchnäßte Kleidung, er legitimierte sich, doch der Geschäftsinhaber mußte darauf bestehen, daß er sich strafbar mache, wenn er dieses notwendige Kleidungsstück ohne Bezugsschein verkaufe. Schließlich schickte man zu dem Bürgermeister von Königswinter, der denn auch veranlaßie, daß der Lebensretter fein Unterbeinkleid ohne Bezugsschein erhielt. Schweres Kleinbahnunglück bei Mansfeld. Als Sonntag abend der Kloster Mansfeld verlassende Wagen der elektrischen Kleinbahn Strecke Kloster Mausscld— Mansfeld nebst Anhängewagen, beide überfüllt, den sehr steilen Mansfelder Schloß- berg hinunterfuhren, versagten iämtliche Bremsen. Die Wagen drohten den Abgrund hinunterzustürzen, als an einer Kurve der Anhängewagen umstürzte; er wurde durch einen dort stehenden Mast in seinem oberen Teil der Länge nach ausgeschnitten. 22 Personen wurden verletzt, darunter viele sehr schwer. Von den Insassen des ersten Wagens ist niemand verletzt. Groftes Unwetter in Verona. Bei einem Unwetter in der Provinz Verona wurden dem „Sccolo" zufolge strichweise neunzig Prozent der Wein- ernte vernichret. Zu den Gctrcidcverschiebnngcn nach Berlin erfahren die„Donz. Neuest. Nachr.": Wie sich aus den weiteren Ermittelungen ergibt, bleiben die Getrcidefchicbungen nicht allein auf Westpreußen be- schränkt, sondern sie scheinen auch nach Posen hin über zu- greifen. An den Schiebungen sind hauptsächlich die Angehörigen der in Berlin v er Iki steten Leute beteiligt. Die Mühlen haben sich hauptsächlich dadurch schuldig gemacht, daß sie die scgniannlcn Metze»— das find die in FriedcnSzeite» für das Mahlen üblichen Abgaben, deren Annahme während der Kriegszeit verboten ist— nahinen. Weiter erfolgte besonders in den Mühlen und Gastwirt- fchaftcn das Vermengen de» Korn». Waffcrrohrliruch in Breslau. In der L blauer Straße zwischen der Poststraße und Neuegasse, den Hauptverkehrsstraßen der inneren Stadt, erfolgte in der Nacht zum Sonnabend ein Wasinrohrbruch. DaS Wasser wurde mit solcber Gewalt herausgeschleudert, daß der Asphalt völlig geborsten ist. Gramisteinplaneu der Bürgersteige wurden emporgehoben. Die Schienen der elektrischen Slraßenbabn ganz verbogen, die Keller der angrenzenden Häuser stehen voll Wasser. Auch an Läden ist großer Schaden angerichtet. Pilzvergiftung. Aus Sprottau wird gemeldet: Nach Genuß selbstgemchrer giftiger Pilze starb die Frau dcS als Zahlmeister zum Heeresdienst bei eincni hiesigen Ersatztruppenteil ein- gezogenen Steuersekretärs W e r n i ck aus Neukölln. Weruick selbst ist schwer, aber nicht hoffnungslos krank. Todcssturz des französischen Fliegers Briiidejonc. Einer Havas- meldnng zufolge ist der bekannte französische Flieger B r i n d e j o n c de» Moulinais einem Flugzengunfall zum£pser gefallen.— Brindcjonc» bervorragendste Leistung war sein Wettbewerb um den Pommery-Pokal; er flog damai» von dem Flugpiatz-bei Paris über Wanne nach Berlin, von hier nach Warschau, Petersburg, Stockbolm, Kopenlxigen, Hamburg, Brüssel und zurück nach Paris. Briiidejonc galt aber nicht nur als berühmter SportSmann, sondern genoß auch als Techniker hohe Achtung. Parteweranstaltungen. Maricndorf-Mariensclde. Tie Mitgliederversammlung nndet cnn Mittwocb, den 23. August, abend» 8>i- Uhr, im Lokal von Prcuh. Kurfürstcnstr. 44. statt. Es:sr Pflicht eines jeden Parteigenossen. pünkllicb zu erscheinen. Tie Marienfelder Genossen sind hiermit ausdrücklich eingeladen. Köpenick. Donnerstag, den 24. Auguit, abends S'l, Uhr: Wahl- vereinsocrsainmlung bei Rietz, Grünauer Str. 7. Tagesordnung: Stellung- nähme zu den Streitigkeiten am Ort. Wahlen zum Bontand. Verschiedenes, Alle Mitglieder, die aus dem Boden der Organisation Groß-Bcrlins stehen, müssen vollzählig erscheinc». Briefkasten Ser Reüaktion. Tie lurlltlschi Sprechllunde Iindel Mr Abonnenlen LindeaNr. 8, TV. Col cecktS. varlerre. am Montag biS Freitag von S bis 7 Uor, am Sonnsbend von 5 bis 6 Übt statt. Jeder für den B r, e t I- st e n bestimmten Antrage ist ein Buclistabe und eine Lahl als sUierlzeiSen beizufügen. BrieNl-de Antwort wird nicd: erteilt. Anfragen, denen leine AbonnemenISauiliung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tN der Svrechstunde vor. Vcrlräge, Schriftstültc und dcrglcichcn bringe mar in die Sbrechstnnde«it. K. P. 19. 1. Tie sofortige EnIIaflung ist aus diesem Grunde nicht zu- lässig. 2. Das Gcbalt ist uicht bis zum tS,, sondern bis Ultimo zu ver- langen, da bei Handelsailgeftellten eine vieriböchiac Kündigiingssriit immer von Ultimo bis Ultimo ersoigcn muß. Das(Kebalt ist eveiii. durch Klage beim Kauimaiinsgericht eiiizuwcibcn.— Leipzig. Diese Einwendungen bei Gericht tonnen nur durch den Anwalt der Ebesrau gemacht werden,—'vi. Sdu 141. Geringer Hei zscblcr, lanbsturmvsi'chtig.— — E. D. 27. Beides dieni dem Keim als Nahrung während seiner Eni- Wicklung,— Frau Cr. Aus Fälle, die schon über zwei Jahre zurückliegen, lönuen wir jetzt in unserem Blatte nicht gut clugeben, Be! Preis- Überforderungen wenden Sie sich an die Prcisprüsungsstclle für Groß- Berlin. Poststr, 16.— G. Z. 22. Wenden Sie sicki an Herrn OS'sr Schlayer. Tempclbos, Kaiserin-Augnsta-SIr, 70.—*5. K. 100. Man lägt frische Eier in einer Lösung von Salicvlsäure, 1: 300. eine dalbe Siunde liegen und stellt sie dann in einem Eierhaltcr aus,— G. M. 35. Durch unsere Buchhandbmg. Lindenstr. 3, gegen Einsendung von 90 Ps,— •f». 43. König!. E barste, Unter baumstr. 7. Montag und Freitag 4—7'/,, Sonntag 0—l2 Ulm— C. St.. Berlin. Bureau des Fabrikarbeiter- Verbandes, Engelufer 1ö. Wo sich die Zahlstellen desselben befinden, wiisen wir nicht,— Knabe 20 und Rosemann 58. Bon einem solchen Institut haben wir keine Kenntnis,— I. Z. 00. Derartiges gibt eS überbanvt nicht.— Schw. 13. Ist uns leider nicht bekannt. Vielleicht können Sie sich bei einem Vogelhändler Rat holen,— Sl. H. 100. Fußbodcnritzcn dicht vertitlen und peinlichste Reinlichleit üben. Bei zu großer lieber. handnobme müsicn Sie eincn Kammerjäger in Anspruch nehmen. — F. H. 05. Wenn Sie sür den Sohn Unterstützung erhalten, so stellen Sie den Aiitrag auf Zahlung der Löhnung an das Ersatzbataillon des Re- giments, zu dem der Sohn eingezogen wurde,— 80.<0. 5. 1. Sie haben neben der Rente leinen Aiisvnrch auf Griadcugebiidriiissc, Der Be- scheid der Behörde ist zulreffcnd. Wegen der amtlichen TodeSbescheimgung müssen Sie sich an das Kriegsministerium wenden, 2, Das wird in der gegenwärtigen Kriegszcit ichwer halten; es käme dafür nur England in Beirach«,— Reklam 27. 1. Geringer Herzschlcr, landsturmpflichtig. 2, Tie Zahl hat leine Bedeutung, sie ist jcdcnialls die Nummer der Vor- stellungslistc,— R. L. 2. 1. Beides ist nicht ein lranti,astcr Ziistand, sondern der normale, 2. Selbstlütipe Bewegung der Knieqelcnke.— M. 35. 1. Nervenlciderid, Iand'»»rmpfticht!g, 2. Das können wir nicht wissen, das lieal bei der Enticheidunq der Militärbehörde. B. R. 00. Die Pcnsionsbezüge stehen Jbncn zu— I. L. 4. Sie müssen Reichssiempelgebübren zahlen,— SÖ. R. 775. 1. Ja, 2. Rein. — vi. L. 51. Bei diesem Einkommen kann Ihnen die ganze Unter. slützung, auch die staatliche, verweigert werden,— 31. T. Sie müssen sich zur Musterung stellen.— 21. S- 9. 1. Die Hinierblicbenenrenie wird Ihnen auch dann gezahlt, wenn Sie Ihren Wohnsitz ändern, 2, Sie erben. da die Ebe kinderlos ist, die Hälfte von dem Nachlaß, 3. Ein Jabr, — K. St. 35. Da Sie nicht als dauernd dienstunsäbig ausgemustert sind. müssen Sie sich setzt stellen,— G. t. 54. 1. Nein. 2. Wenn es sich um die Pacht einer kleinen Landparzelle handelt, darf eine«Icigerung während des Krieges nicht eintreten.— M. G. 100. Die Ebe ist zulässig,— B. Nowawes 50. Die beiden Ziffern bedeuten nicht die Art der Kraut- best. Es sind wahrscheinlich die Nummern der Borffellungsliffe.— F. Zt. 34. 1. Wenden Sie sich an da« Ministerium de» Innern, Berlin. Unter den Linden 72/73. 2. Tägliw 1,S0 Mark. Brotration wird nicht ertra ge- wäbrt. 3. Der Ueberschuß stießt in eincn Fonds, der zuin Besten der Mann- schalt des betreffenden Regiments Verwendung finden soll.— T. 11. 20. Nein.— Gmünd. 1. Anspruch aus Krankenrcnte babcn Sie vom Be- ginn der 27. Woche an. 2. Es müssen mindestens 200 Pstichlmarken geklebt sein.— R. 3S. 25. 1. Anlprüche an die Kranlenkaffe be sieben nur dann. wenn Sie sich freiwillig weiter versichert haben oder wenn die Erkrankung innerhalb drei Wochen nach'Ausscheidung aus der oersicherungspflichligen Veschästigung eingetreten ist. 2. Die Frau bal Anspruch aus Unter- slützung, wenn die Bedürftigkeit als vorliegend erachtet wird. B.'ettcrauSiichten iür das nirtttere Itorddeutickiland bis Mittwoch mittag. Ziemlich tübl und zeitweise bester, aber sehr ver- änderlich mit öster wiederholten, meist leichten Regenschauern.