Zlr. 232.-33. Jahrg. nbonnementS'Bedingungen: Hbonnctnentä» Preis pränumerando Bierieljährl. 3.S0 Ml, monall. I.Z0 MI, wöchenrlich M Vfg. ire> ins Haus. Einzelne Nunimer ö Pfz. Tonniags» nunnner mit Mustrierler Tonntaqs« Beilage»Die Neue Veln 10 Pja. Pöii. Abonnement: 1,30 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poir.Zeitungs- Breisliue. Umer Kreuzband siir Deuiichland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat Poslabonnemenls nehmen an Belgien. Täncmarh Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis erlcheiiil Wich. Verlinev Volksblnkk. s 5 Pfennig) Die Inlerklonz-i-ebü!)!' beträgt für die sechsaeipaltene Kolonel- geile oder deren Rgum 60 Pfg., für politische Uiid gcwcrlschaftlicbe LcreinS- und Berfammlungs-Anzsigen 30 Pig. „Kleine Anreisen", das fctlgcdrultie Wort 20 Pfg. uuiäifig 2 fcitgcdruclis Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlaistellenan- zeigen das erite Wort 10 Pfg., jedes weitere WorlöPjg. Sorte über lö Buchstaben z üblen für zwei Worte. Jnieraie für die nächire Nummer müssen bis & Uhr iiachnnilags in der Expedition ubgegeden werdcit Tic Expediiion ist bis 7 Uhr abend- geöffnet. Telegranim-Adresfe: .!epiölilews!!tiil iiellilT. Zentralorgan der foztaldemokrati fchen parte» Deutfchlands. Neüartion: SW. öS, Lindenftraßc 3. Scrnistrerster: Amt Morivpln«, S!r. 131 30— ISIS? Expeüition: EW. öS, Linüenstrahe S. rirn!pr:ch«r: Amt MoritZplav, Nr. 131Sst— 1ä1S7. Gefähröung öer Volksernährung öurch öranntwemerzeugung. Die Spiritusbrenner, die bekanntlich durch ihre Organi- sation, die Spirituszentrale, großen Einfluß auf die maß- gebenden Reichsämter besitzen, sind jetzt eifrig bemüht, das Kricgsernährungsamt dahin zu beeinflussen, daß es noch in größerem Maße, als es schon im Vorjahre geschah, den Brennereien Kartoffeln und Getreide zur Her- stcllung von Branntwein überläßt. Um dafür Stimmung zu machen, lvird behauptet, die Kartoffel- ernte und die Getreideernte übertreffe in diesem Jahre alle Erwartungen, es seien an M Millionen Tonnen Kartoffeln in sicherer Aussicht und die Getreideernte sei eine gute, stellenweise eine sehr gute, folglich könne es nicht im geringsten die Volks- ernährung beeinträchtigen, wenn mehr als im Vorjahre Kar- toffeln und für die Kornbrcnncrcicn Getreide abgegeben würde. Gegen eine solche Verwendung der für die menschliche Ernährung notwendigen Nahrungsmittel müssen wir ganz ent- schieden Widerspruch erheben! Freilich wäre eine Ernte von 60 Millionen Tonnen Kartoffeln ein noch niemals erzielter Ertrag, denn der bisher höchste wurde 1913 mit 54 Millionen Tonnen gewertet. Aber dieser Ertrag verringerte sich um 21/i Millionen Tonnen, da von der Ernte über 4 Proz. er- krankten, während 1914 von der geringeren Ernte, die aus 45,6 Millionen Tonnen geschätzt ist, nur 1,7 Proz. krank ivurden. Wenn also auch der Ertrag der diesjährigen Ernte höher wäre, könnte jetzt doch noch nicht mit Sicherheit festge- stellt werden, wie viel davon schließlich für die menschlieye Ernährung nutzbar bleibt und wie viel erkrankt. Andererseits steht der Ertrag jetzt noch keineswegs mit Sicherheit fest, ja nicht einmal zuverlässige Schätzungen sind möglich, da die bisher bekannt geivordenen sich sehr widersprechen. Soeben schreibt der bayerische Bauernführer Dr. Heim im„Berliner Tageblatt", daß für B a Y c r n die Kartoffelernte nach über- einstimmenden Berichten, die sich aber auch mit Bc- richten aus anderen deutschen Bundesstaaten decken, nicht so ergiebig aussalle wie im vorigen Jahre. Also schon weil noch gar nicht feststeht, ob die noch zu erntenden Kartoffeln auch für die Ernährung von Mensch und Vieh aus- reichen werden, kann und darf jetzt unter keinen Umständen den Kartoffclbrenncreien eine bindende Zusage gemacht werden. Noch viel weniger aber darf das bei den Getreide- brennercien der Fall sein. Im vorigen Jahre hatte die Kriegsgctreidcstclle der Kornspirituszcntralc zu Düsseldorf 45 666 Tonneu Roggen zum Schnapsbrcnneu überwiesen, von denen allerdings, als in unserer Parteipresse dagegen Protest eingelegt wurde, die Hälfte noch für die Volkscrnährung ge- rettet werden konnte, ivie Freiherr von Stein auf die An- frage des Genossen Tavidsohn im April d. I. im Reichstage mitteilte. Es wäre bei der großen Beschränkung, der die Ver- teilung von Brot und Mehl unterliegt, unverantwortlich, wenn etwa auch in diesem Jahre Getreide, das zur mensch- Uchen Ernährung dienen kann, zu Schnaps verarbeitet wird! Für technische Zivecke wird ja in diesem Jahre der Bedarf an Spiritus durch eine erfreuliche technische Neuerung zum Teil wenigstens gedeckt werden können und zwar durch Ablaugen der Zcllstoffabriken. Bei der Herstellung von Zell- stoff aus Holz wird dieses mit schwefligsaurcm Natron (Natriumsulfit) aufgeschlossen, es entstehen dabei Ablaugen, die man bisher nicht nur nicht verwenden konnte, sondern deren Beseitigung lästig und kostspielig war. Diese Sulfitlaugcn enthalten Zucker, der durch die Einivirkung der schwefligen Säure auf das Holz entsteht, und dieser Zucker wird in Schweden, wo die Zelluloseindustrie sehr entwickelt ist, schon seit Jahren auf Spiritus verarbeitet. Wie jetzt offiziell bekannt gegeben wird, hat die- deutsche Reichsregicrung die schwedischen Patente aufgekauft, und errichtet jetzt aus Reichsmitteln 14 Riesenbetriebe in Deutschland, die im Dezember fertig gestellt sein iverden, mit einer Pro- duktion von 466 666 Hektoliter Spiritus, der für technische Zwecke verwendbar ist. Das ist fast ein Viertel dessen, was im letzten Fricdcnsjahr für gewerbliche Zwecke verbraucht wurde. Die während des Krieges erfolgte Steigerung des Bedarfs an technischem Spiritus zur Herstellung von Munition und als Ersatz für Benzin kann also jetzt ohne vermehrte Verwendung von Kartoffeln gedeckt werden, und da die Er- zeugung von Trinkspiritus nur soweit unbedingt erforderlich ist, als dieser für medizinische Zwecke gebraucht wird, so ist im Interesse der Volkscrnährung zu erwarten, daß das Kriegsernährungsamt die eigensüchtigen Forderungen der Branntweinbrenner nach erhöhter Zuteilung von Kartoffeln abweist. Nur solche Kartoffeln, die weder zur menschlichen noch zur tierischen Ernährung mehr tauglich sind, also ver- faulte und erfrorene Kartoffeln sollten zur Herstellung von Branntwein dienen dürfen. Durchschnittlich sind es 16 Prozent der Kartoffelernte, die jedes Jahr durch Fäulnis, Frost oder Krankheit zugrunde gehen, so daß sie weder für Mensch noch Vieh zur Nahrung dienen können. Im Frieden wurden in den Brenne- reien etwa 2t/2 Millionen Tonnen Kartoffeln gebrannt. Zehn Prozent einer Ernte auch nur von 56 Milloncn Tonnen ergibt schon das Doppelte dessen, was die Brennereien' bei vollem Betriebe brauchten, und dort wäre dann die Ver- Wendung solcher Kartoffeln volkswirtschaftlich sogar sehr nütz- lich, da die beim Brennen zurückbleibende Schlempe ein gutes Viehfutter ist. Aber gesunde Kartoffeln oder gar Roggen darf unter keinen Umständen zur Erhaltung von Brennereien Ver- Wendung finden, sie müssen für die Ernährung von Mensch und Vieh vorbehalten bleiben— zu viel können es auch bei der besten Ernte nicht sein, denn der Bedarf ist bei dem Mangel anderer Nahrungsmittel geradezu unbegrenzt!— Prozeß Liebknecht. Ueber die gestern stattgehabte Verhandlung in der B e> rufungsin stanz gegen den Rcichstagsabgeordnetcn Genossen Dr. Karl Liebknecht geht uns folgender ofsiziellcr Bericht des Wölfischen Telegraphenburcaus zu: Berlin, 23. August. kannt: Das Unterseeboot]£23 ist aus der Nordsee zurückgekehrt und berichtet, daß es am 19. August morgens auf ein deutsches Schlachtschiff von der Nassau- klaffe einen erfolgreichen T o rp e d o a n g r i ff gemacht hat. Der Kommandant des Unterseeboots berichtet, während das Schiff von fünf Zerstörern in beschädigtem Zu- stände nach dem Hafen zurückgcleitet wurde, habe er wieder angegriffen und mit einem zweiten Torpedo getroffen. Er glaube, das Schiff sei gesunken. Es erübrigt sich festzustellen. daß die bereits widersprochene und heute wiederholte amtliche Berliner Meldung, wonach am Sonnabend ein britischer Zcr- störer versenkt und ein britisches Schlachtschiff beschädigt Worden sei, gänzlich unbegründet ist. Notiz deS W. T. B.: Die Meldung der Britischen Admira- lität über Angriffe des englischen Unterseebootes Ii 23 auf ein deutsches Linienschiff der Nassaullafie am 19. August ist i n s o f e r n zutreffend, als SMS»Westfalen* von dem Unterseeboot bei seinem e r st e n Angriff getroffen, aber so leicht b c- schädigt wurde, daft das Schiff gefechts« und manövrierfähig geblieben ist..Westfalen* wird in kürzester Zeit wieder voll verwendungsbereit sein; es ist auch richtig, daft das feindliche Unterseeboot nochmals auf das Schiff zu Schuft kam, der Torpcdo ging jedoch fehl.__ �KömginWilhelmma�aufemeMne gelaufen Amsterdam, 22. August.(SB. T. 83.) Der Schiffahrtsrat hat dahin entschieden, daft der Postdampfer»Königin Wilhelmina* auf eine Mine gelaufen sei. Explosion eines russischen Torpedobootes. Berlin, 28. August.(W. T. B.) Wie wir ous Memel erfahren, wurde am 22. d. M. an der kurländischen Küste beobachtet, wie etwa sechs Seemeilen nördlich Klein-Jrben ein russiiches Torpedoboot vom -Typ der neuesten großen Boote durch eine Explosion schwer des ch ä d i g t wurde. Das Boot wurde von anderen Torpcdobootcn nach der Küste von Oesel geschleppt. Äopü George über die Kriegslage. London, 22. August.(W. T. B.) Reulcrmeldung. Unter- Haus. Lloyd George erklärte, die Männer, die jetzt in die Armee eintreten, gehörten zu den körperlich besten Leuten, die seit Beginn des Krieges eingetreten seien Im wesentlichen seien sie geistig und körperlich ebenso tüchtig wie die angeworbenen, es seien erstllassige Leute. Er bitte das Haus, den Stand der Tinge vor wenigen Monaten mit der gegenwärtigen Lage zu ver- gleichen. Damals, sagte Lloyd George, war Verdun in der Schwebe; die Oesterreichcr schienen sich der italienischen Tiefebene zu nähern und machten große Beute; die Russen schienen mit Leichtigkeit von schwächeren Kräften zurückgehalten zu werden; die Deutschen quälten uns an der ganzen Front mit unaufhörlichen, zum Teil erfolgreichen Angriffen. Tie neu- ausgehoben«» russischen Truppen und in sehr großem Maßstabe unsere eigenen neuen Armeen waren uncrprobt und niemand wußte, wie sie, auf die Probe gestellt, bestehen würden. Das war die Lage vor zwei Monaten. Wie ist sie jetzt? An der ganzen Schlachtfront' im Osten und Westen ist die Initiative dem Feinde entwunden worden, fast zum ersten Male»an der ganzen Front, nur mit einer Ausnahme etwa in Mesopotamien, wo infolge des Klimas unsere Armee sich ruhig verhält. Da« ist keine gewichtige Ausnahme. Nehmen wir den Westen und Osten, so haben die Russen prächtige Siege errungen. Da find ferner die bemerkenswerten Siege Italiens und die großen Siege im Kaukasus. Die ganze Lage hat sich voll« kommen geändert. Lloyd George fuhr fort, er habe die englische Offensive vielfach kritisieren hören. Einige Kritiker schienen sich vorzustellen, daß die einzige Rechtfertigung der Offensive wäre, wenn wir durch- brächen. Nicht im geringsten. Ter Feind hatte zwei Möglichkeilen. Er entschied sich für die Möglichkeit. Geschütze und Truppen von Verdun heranzuschaffcn, um unseren Durchbruch zu verhindern. Das patzte uns: es erleichterte den Druck auf Verdun und hinderte den Feind, feine Streitkräfte zur Unterstützung der Oesterreicher gegen den großen Bormasch des Generals Brusfilow zu verwenden. Lloyd George hob dann die Bedeutung des englischen Vormarsches an der Somme hervor und sagte: Der deutsche Bericht über unsere Verluste ist lächerlich übertrieben gewesen. Unsere Verluste waren, wenn auch beklagenswert, so doch verhältnismäßig gering, während der Feind— zu Gegenangriffen auf einem Feld, das unserer Artillerie ausgesetzt ist, gezwungen— schwere Verluste erleidet. Wir drücken den Feind über ein Gebiet zurück, von dem jeder Meter von De- deutung ist, weil es eine beherrschende Stellung ist. Wir haben uns die Ueberlegenheit verschafft, wir bedrängen den Feind an der Somme und die Franzosen tun das gleiche. Bei Verdun gewinnen die Franzosen wieder Boden; wir haben die Höhe gewonnen und könncn den Verlauf de» Feldzuges sehen. Ich glaube. in undeutlicher Ferne können wir das Ende schon sehen. Frankreich ist gerüstet, Rußland ist in rascher Ausrüstung begriffen und die italienischen Rüstungen sind in einer Weise vonstatten gegangen, welche die besten Freunde Italiens in Erstaunen gesetzt hat. Deutsch« land hat seine Gelegenheil verpatzt und weitz dies. Es wäre ein Irrtum, die Natur unserer Ausgabe zu unterschätzen, die alle HilfS- mutet der Dominions und des Reiches erfordert. Wenn es auch ein Fehler wäre, einen zu leichten Sieg zu erwarten, so kann ich, schlotz der Minister, wenn ich die ganze Lage im Lichte der Vorhan- denen Talsachen überblicke, auf Grund des Rate» von Sachkundigen die Meinung ausdrücken, die ich ohne Zögern abgebe: Was unser Land und die Alliierten zu tun haben ist da», standhaft zusammen zu marschieren und aufrichtig zusammen zu arbeiten, wie sie das in der Vergangenheit getan haben, damit der Sieg auf ihren Fahnen rühr. *» « Ver», 22. August.(SS. T. 83.). T e m p S' erinnert heute gelegentlich der letzten Rede Lloyd Georges an das hohe Matz von Willenskraft, mit der die französischen Truppen feit ö Monaten vor Verdun unter einem Feuer von noch nie da- gewesener Heftigkeit ousgehalten hätten, obgleich die eigenen Mittel zweifellos ungenügend und besonders ihre schwere Artillerie der deutschen unterlegen sei. Leider koste ober die Ver« leidigung über mätzige Opfer; auch seien die Franzosen noch nicht am Ziel. Man dürfe nicht vergessen, dgtz, wenn dies Ziel erreicht sein werde, es unendlich viel zu leuer erkauft sei. Datz Deutschland nach 25 Monaten des Krieges Stellungen, die es im Lande des Gegners besetzt halte, ver« leidigen könne, obgleich es vier Grotzmächten gegenüberstehe, die ihm an Menschenzahl und Rohstoffen überlegen seien und autzerdem über die Sechcrrschaft verfügten, sei für die, welche die Geschicke Frankreichs leiteten, eine schlimme, demütigende Lehre. Die an- schlietzenden Ausführungen im Umfang von 30 Druckzeilen sind voll- ständig gestrichen. Der Schlutzabsatz betont, Frankreich Hobe den unvergänglichen Ruhm, 1?ls und 1Ol6 in den entscheidenden Augenblicken an der Marne, an der Dser und bei Verdun ein« gegriffen und die feindliche Stotzkrast gebrochen zu haben. Dieser Ruhm tilge aber nicht die Fehler, die cS habe wieder gut machen müssen. Der Abschluß öer englischen �tolei�e in Amerika. London, 23. August.(SB. T. 0.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Unterhaus. McKcnna teilte mit, datz die Verhandlungen über die Ausgabe fünfprozenliger zweifähriger britischer Regierungswechsel im Betrage von 250 Millionen Dollar durch die Firma Morgan in New Dorl zum Kurse von 90 abgeschlossen seien. Als Sicherstcllung für die Anleihe werden amerikanische, kanadische und andere Werl- Papiere bei Kuratoren hinterlegt werden. ReichstcäßsnenMahlen in Dänemark. Kopenhagen, 23. August.(W. T. 83.) Meldung von Ritzaus Bureau. Die Verhandlungen zwischen dem Ministerium und den Vertretern der politischen Parteien wurden heute fortgesetzt. Da eine Einigung weder über den Verlauf der westindischen Inseln noch über die Zusainniensctzung des neuen Ministeriums erzielt werden konnte, schlotz der Minister» Präsident die Verhandlungen mit dem Ausdruck des Bedauerns, datz diese Verhandlungen die Unmöglichkeit erwiesen hätten, neue ReichStagSwahlen durch die Bildung eines Koalition-!« Ministeriums zu vermeiden. DaS Landsthing hält morgen nach- mittag eine Sitzung über die Vsrlaufsfrage ab. ßrieöenshoffnungtn. Wien, 23. August.(W. T. 83.) Der amerikanische Botschafter P e n f i e l d hat sich einem Mitarbeiter der»Neuen Freien Presse' gegenüber über die politische Lage gcäutzert, wobei er erklärte, der Krieg sei auf einem Höhepunkt angelangt, der kaum mehr überschritten werden könne. Kämpfe, wie die gegenwärtig ge« führten, könnten in gleicher Heftigkeit nicht viel länger fortgesetzt werden, sondern mutzten in absehbarer Zeit zu einer Atempause führen. Er sei der Ansicht, datz diese Unterbrechung der Kampftätigkeit dann von den dem Frieden geneigten Gruppen, die in allen Staaten immer mehr erstarkten, dazu b e« nützt werden würde, Mittel und Wege zur Herbei« führung des Friedens zu finden. Nach nüchterner Bc- urteilung der Kriegslage dürfe man hoffen, datz der Krieg in nicht allzu ferner Zeit seinem Ende entgegengehen werde. Der Botschafter ist überzeugt, datz die österreichisch. ungarische Monarchie die Kraftprobe in voller Unversehrtheit überstehen werde; freilich werde in wirtschaftlicher Beziehung ungeheuer viel zu schaffen sein, um die durch den Krieg geschlagenen Wunden zu heilen. DieS sei jedoch eine Frage, die nicht von der Monarchie allein, sondern von ganz Europa zu lösen sei. Kleine Kriegsnachrichten. Ver», 22. August.(W. T. B.) Die heutigen italienischen Morgenbläller enthalten die amiliche Mtlteilung von der L u S« s ch i s f u n g italienischer Truppen in Saloniki. Nach »Eorriere della Sera' ist die italienische Abteilung infolge ihrer Stärke, Ausrüstung nud Zusammensetzung vollkommen selbständig. .Sccolo' und„Popolo d'Ztalia' machen darauf ousmcrtsam, datz nunmehr die Italiener unmittelbar gegen deutsche Truppen kämpfen werden..Popolo d'Jtalia' erwartet davon polilifchc Rückwirkungen. Bern, 22. August. lW. T. B.).Petit Parisien' meldet aus Rom: Am 4. August verhetz die erste italienische nach Salouili beslimmte Brigade Rom unter General Pctilil, der den Lberbesehl über die ilahemichen Truvpcn in Salomtl übernimmt.— Dasselbe Blatt«ifährl auS Saloniki: DaS vierte griechische Armee- korpö, mit je einer Division in Sercs, Troma und Cavalla, bat das seither besetzte Gebiet vollständig geräumt. Die Bul- garen stehen zurzeit in Hcrmanli. Bern, 22. August.«W. T. B.) Wie.Malm' aus Saloniki meldet, wurden bisher über zwo nzigrau send Italiener ausgeschifft. Slntstcidam, 23. August. lW. T. B.) Mit dem gestrigen Post« dampfer aus England sind s ü n s u n d d r e i tz i g internierte Deutsche und Lcsterrcicher angekommen. Tie holländischen Dampfer„Rijndam', von Rotterdam nach New Vor!, und„Peius Frederik Hendrik", von Westiudien nach Amsterdam, mutzlen ihre Post i n England zurücklassen. Lnlca, 22. August.(W. T. B.) Wie das Blatt„NorrSkenS- flamman' meldet, ist der deutsche Dampfer„Beslerro' am 18. August von einem russischen Unterseeboot zwei D i st a n z m i>i u l e n innerhalb der s ch w c d i s ch e n H o h e l ls- g e w ä s s e r in der Nähe von Hudilsvall, wo er vor Anker lag, aufgebracht und nach Abo geführt worden. Bern, 23. August.(W. T. B.) Einer Meldung des„Sccolo" auS Athen zufolge sollen die griechischen Militärbehörden erneut strenge Anweisuligeii an die bei Serres stehenden Truppen geg eben haben, ivonach sie sich zurückziehen und jeden Konflikt v e r in e i d c n sollen. Heule nachmittag um 4 Uhr sinder in Rom ein Ministerrat statt, dem.Sccolo" zufolge nach der Landung tlolienischer Truvpcn in Saloniit vom>»!er- nationalen Gesichtspunkte aus hohe Bedeutung beigemessen wird. politische Ueberstcht. Konservative und Nationalliberale. Tie„Badische Nationalliberale Korrespondenz" nimmt zu den Ausführungen Stellung, mit denen kürzlich die„Kreuzzeitung" es begrüßte, datz Herr Bassermairn und mit ihm der überwiegende Teil der Jlationalliberalcn Partei in den Fragen der äutzeren- Politik für Aufajsungen eintraten, die denjenigen der„Kreuzzeitung" durchaus naheständen. Tie„Badische Nationalkiberale Korrespou- dcnz" bgmerkle im Anschlutz hieran, datz eine konservativ-natiorinl- liberale Paarung ein baldiges Ende nehmen würde, man brauche nur an die Erbschaftssteuer, die Wahlrechtsreform und die Sozial- Politik zu denken. Hierzu schreibt das Berliner nationalliberale Organ, der „Deutsche Kurier": „Wir können zu diesen Auskührungen der badischen national- liberalen Korrespondenz nur bemerken, datz niemand inner- halb der Nationalliberalen Partei an eine ko n- servativ-nationalliberale Paarung denkt. Unter- schoben werden der Partei solche Tendenzen nur von einer gewissen demokratisch offiziösen Presse, die das Gewicht der Stellungnahme natioitalliberaler Politiker zu Fragen der äutzeren Politik dadurch abzuschwächen sucht, datz sie sie als„reaktionär" verdächtigen möchte. Sobald die großen Fragen der inneren Politik wieder zur Debatte stehen, werden sich die Geister scheiden, es sei denn, datz die Konser- vatlve Partei gewillt sei, den berechtigten Anforderungen nach frei- heitticher Geitaltung der politischen Verhältnisse in Teutschland und Preutzen sich mehr geneigt zu zeigen, als dies bisher aus den Sleutzerungen ihrer Führer und ihrer Organe herausklang. TaS schließt aber nicht aus, datz in den jetzt alles beherrschenden Fragen der äutzeren Politik beide Parteien wie bisher in denjenigen Fragen gemeinsam vor- gehen, in denen sie die gemeinsame Sorge um die Zukunft des Vaterlandes auf dieselben Bahnen führt. TaS gilt insbesondere für unser Verhältnis zu England und in bezug auf die Notwendigkeit der schärfsten Anwendung aller unserer Machtmittel gegen diesen Feind." TaS nationalliberale Organ hat hier noch hervorzuheben ver- gessen, datz die Nationalliberalen, wie ihre zahlreichen Kundgebun- gen beweisen, dieselben weitgehenden Kriegsziele vertreten wie die Konservativen. TaS im Verein mit ihrem gemeinsamen Vor- gehen in allen anderen Fragen der äutzeren Politik kennzeichnet auch ihre gegenwärtige innerpolitische Haltung. Ob man die konscrvaliv-nationalliberale Koalition als.Paarung" bezeichnet oder nicht ist unwesentlich. Ebenso unwichtig ist der Hinweis auf die„künftigen" Tivergenzen de- heutigen Bundesgenossen. Irgend- etwas darauf geben kann nur derjenige, der nationalliberale Zu- sicherungcn hinsichtlich einer„freiheitlichen Gestaltung" Teutschlands und PreutzenS heute noch ernst nimmt. Ein konservativer Zornergus;. Im„R e i ch s b o t e n" poltert ein Hauptmann a. D. Ernst A ö t t i ch c r gegen jene Leute, die einen Frieden auf der mittleren Linie erreichen wollen, wie er dem Nationalausschutz porkchwedt. Ter Herr Hauptmann a. T. findet, datz solche Ideen nur unter dem Einfluß des—• H ä n d I e r t u m S entstehen konnten; so sagt er: „Tie Händlerpresse, die stets die Pazifisten unterstützt hat, um den kriegerischen Sinn der Deutschen zu schwächen, ist mit dem Ausschutz für einen Berständigungsfrieden überaus zufrieden. Selbstverständlich! Nachdem die goldene Internationale aus Äriegslieferungen ungeheure Gewinne erbeutet hat. möchte sie wach dem Frieden, zu dem sie treibt, in allen durch den Krieg geschwächten Ländern ungebindert ihren Profit machen können, was die möglichste Schonung des Allerweltbankiers an der Themse bedingen würde. Aber die Rechnung wird nicht ohne den Wirt gemacht. Ter Wirt sind wir vom deutschen Blut, die wir Herr bleiben wollen im Lande unserer Väter, auf germanischem Boden. Wir wollen keinen anderen Frieden, als einen solchen, der unsere Feinde zwingt, ihn dauernd zu crbaltcn, der sie dazu zwingt, durch Mehrung unserer Macht und durch eine uns wirkliche Sicherheit verbürgende Ausdehnung unserer Grenzen in West und Ost." Was der Herr Hauptmann a. T. visber getan bat. um den Feind restlos niederzuzwingen, ist leider nicht bekannt, sein Zornergutz wird zur Erreichung dieses Zieles freilich nicht beitragen können. Nochmals Tr. Müller und das KriegSernäHrungsamt. Das sozialdemokratische Mitglied des Kriegsernährungs- amtes, Tr. August Mülle r. hat in letzter Zeit, im Anichlilb an sein verunglücktes„Beschlvichtigungs"-Nefcrat in Hamburg, die Oeffcntlichkcit recht lebhaft beschäftigt. iZein Auftreten fand bekanntlich nicht nur in der sozialdemokratischen, fondern auch in einigen bürgerlickien Blättern eine rccbt scharfe Kritik. Nun berichtet unser Waldenburger Parteiblatt, die„Z ch l e- fische Bergwacht", über einen Porfall, der die Rolle Tr. August Müllers im StriegSernährungsamt noch von einer anderen Teitc beleuchtet.„Ter Bürgermeister einer größeren Andustriegemeinde in unserem Waldenburger Kreise— erzählt das Blatt— befand sich dieser Tage im Kriegsernäh- rungsamt in Berlin, um vorstellig zu werden über die Art der Kartoffellieferung und die Höhe der Preise, die für die Arbeiterbevölkerung unseres Industriereviers fast unhalt« bare Zustände schaffen. Tarauf wurde dem Herrn Bürger- meister von einigen Beamten ziemlich erregt entgegengehalten. datz doch die Arbeitervertreter im K r i e g s er- nährungSamt diese Preispolitik mit be- schlossenundfürrichtiggehalten hätten., reife Frühbirnen 22<30). Frühzwelschcn 20<28), Spätäpfel 12 ll6), Reineclauden 25<35), Mirabellen 30<40) Pf.— Diese Preise können als angemessen betrachtet werden, wenngleich sie auch noch höber als zu Friedenszeiten sind. In anderen Ge- genden, wo die Obsternte nicht schlechter ist, müssen leider doppelt so hohe Preise gezahlt werden, ohne daß dagegen eingeschritten wird. Ter Staatsanwalt gegen widerspenstige Landwirte. Dr. Heim hat vor einiger Zeit in der Presse an das Kriegs- ernährungsamt die Frage gerichtet:.Ist es richtig, daß der Reichs- futtermitlelstelle, Gerstc-Abteilung, 40 oitelbische Großgrundbesitzer namhaft gemacht wurden, die entgegen der vorjährigen Gersten- Verordnung, 50 Prozent dieser Gersie abzuliefern, gar nichts ab- geliefert haben? Diese offene Frage Dr. Heims hat. wie die.Täg- liche Rundschau' erfährt, zur Folge gehabt, daß das KriegsernährungS- amt die betreffenden Betriebe zur Weilerverfolgung der Staatsanwalt- schaft namhaft gemacht hat. Man darf auf den Ausgang der Sache gespannt sein, insbe- sondere auch daraus, wer diese 40 ostelbischen Großgrundbesitzer sind, die gesetzliche Vorschriften,.als jür sie nicht ezistierend, einfach l ignoriert habe«.* Die Web-, Wirk- unö Strickwaren- Streckung. Die Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk- und Strickwaren für die bürgerliche Bevölkerung will den Bedarf an solchen Waren und an den daraus gefertigten Erzeugnissen sicherstellen. Die hierzu errichtete ReichSbekletdungSstelle hat die Ausgabe, die Vorräte zu verwalten und im besonderen für gleichmäßige Verteilung und spar- famen Verbrauch zu sorgen. Das soll dadurch erreicht werden, daß diese Waren und Erzeugnisse, von gewissen Ausnahmen abgesehen, im Kleinhandel und in der Maßschneiderei seit 1. August nur gegen Bezugsscheine erhältlich sind. Wie man einen Bezugsschein erlangt, darüber scheint in der Bevölkerung noch manche Unklarheit zu herrschen. Wir halten daher für nötig, aus den diesbezüglichen Bestimmungen das Wichtigste im Zusammenhang wiederzugeben. Der Bezugsschein wird dem Verbraucher nur auf seinen Antrag erteilt. Ausfertigung des Scheines erfolgt durch die zuständige Be- Hörde des Wohnortes. Das Stadtgebiet Berlin ist hierzu in 23 Aus- scrtigungsbezirke zerlegt worden, deren jederseine eigene Aueferiigungs- stelle hat. Ausfertigungsstellen sind: 1. Klosierstr. 47/49adtbaus) für Stadtbezirke 1— 14 und 143— 144, 2. Lindenstr. 97/98 für Stadlbezirke 15— 30, 3.Kursürstenstr.141fürStadtbezirke31— 49,4. Johanniter- straße 8 für Stadtbezirke 50—66, 5. Dieffenbachstr. 51 für Stadtbezirke 67—78, 6. Alexandrinenstr. 5,6 für Stadtbezirke 79—97 und 137—142, 7. Andreasstr. 1/2 für Stadtbezirke 93—113, 8. Bran- denburgstr. 37 für Stadlbezirke 114—136, 9. Langestr. 31 für Stadtbezirke 145—165, 10. Am Warschauer Platzö. 1. Zurückgestellt, Herzfehler. 1'. Die erste von Jbnen angegebene Bezeichnung steht im Wide,- spruch mit der zweiten, weshalb wir Zbiicn empfehlen würden, sich zur Musterimg zu nieldeu. 3. In, 4. Zurückgestellt, lungenleidend,— R. 10. Wenn Jhueu nichts an der Ueberiiahme der Vormundschast liegt, könuleii Sie dem Gericht mitteilen, daß Sie nicht gewillt sind, die Vormundschaft anzunehmen, da Sie jetzt an der Ausübung der Rechte Ihres Mündels bc- hindert sind.— T. kl. 49. Sic brauchen sich nicht zu stellen.— P. 40. Ja, 5T. 1896. 1. Hamburger LanbeSverein vom Roten Kreuz. Auslchuß für deutsche Kriegsgefangene, Hamburg, Ferdinaiidstr. 75. 2. Tie Löbniiiig kann Ihnen gezahlt werden. Der Antrag ist zu richten an das Ersatz- balaillon desjenigen Regiments, zu dem der Betreffende eingezogen wurde. — Olk. H. ll. Sic brauchen nicht zur Musterung.— 5k. G. 26. Sie und Ihre Schwester haben neben der-stietmuttcr Anrecht aus die Hülste des Erbteils, Der Nachlaß vom Bruder fällt ebenfalls Ihnen beiden zu. — F. B. 100. Sie müßten Ihre Ansprüche durch Klage geltend machen. — G. P. 74. Sic müssen sich zur Kontrolle melden.— ilmta 15. Nach der Umschreibung ans Jbren Namen würde daS Geld als Ihr Eigentum zu betrachten lein. Die Ilmlchreibung ist bei der NcichSbank rorzunchiiicn, M. A. 50. Sie bcsindcn sich im Irrtum. Eine solche Bundesrat". Verordnung gibt es nicht. Die Vorgesetzten haben die Lcrcchligmig dazu, 4L-c«tcrauSfich»en kür das nimlere SkorddeutlMIand dis Freitag mittag. Im Binncnlantc von Weilen nach Osten sorlschreitende Aujheiterung und langiame Erwärmung; lväter im Weilen neue Trübung, vereinzelte leichte Regensälle: im Küstengebiet ein wenig wärmer, vorherr- schend wolkig und öfter etwas Regen. IKIlifllil T mstfrei � nistfrei „Unsere Marine"-Zigarette 2% Pfg. einschließlich Kriegsaufschlag Trotz Steuererhöhung behalten unsere Zigaretten ihre alten anerkannten Qualitäten! Georor A. Tasmatzi Aktieneeseilschaft. Zisrarettenfabrik, Dresden- A.