Zlr. 233-33. Jahrg. Ndonnementz-keSIngungen! llbonnement-» Preis pränumerando" Bietteijährl. 3.30 Ml, monotl 130 Ml, wöchenilich 30 Vis. frei inS Hau!. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonmag!« Nummer mit illuiiri erler Sonmaq!» Beilage.Die Neue Well' 10 Pia. Vosi- Abonnement: 1,30 Marl vro Monat. Einsetragcn in die Post. Zeitung!» VrciSIiiie. Unter lirenzband für DeutiSland und Oeftermch. Ungarn 230, Marl, für da! übrige Ausland . Marl pro Monat. Vostadonncmcnt! nehmen an Belgien. Tänemarh Holland. Italien. Iluxcmburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis crlcheiBl lsgllch. ( 5 Pfennig) Die Inleptions-Gebiiljr beträgt für die sechSaefpallene llolonel- zeile oder deren Saum SO Big., für dolitische und gcwcrlschastliche Verein!» und Versammlung!»Anzeigen 30 Plg. �lilteine Znoeigen", da! fengedruclie Wort 20 Pig.(zulässig 2 ietlgcdruäte Wortes, jede! weitere Wort>0 Pig. Stellengesuche und Schlaiktellenan- zeigen das erste Wort 10»Lsg, ledc! wcucrc Wort ö Big. Worte über lö Puch- siaben zählen für zwei Worte. Inserate iür die nächiic Nummer müssctt bis & Uhr nachmittag! in der Expedition abgegedeu werden. Die Exveoiiion ist bis 7 Uhr abend! geöffnet. Verlinev VolKsblakt. relegrmnm-Adresse: .S»ris>ilsm»>i»i lierllii" ZenXvtiXovqxn der fodaldcmokrat» feben Parte» Deutfchlands. Neüaktion: SW. 6$, Linüenstraße 3. jrcrniprccher: Amt Btorttzplau, Rr. 131 90—151 97. Freitag, den 25. August 1916. LxpeöMon: SW. 68, Änöenftraße 3. Zsernipreche?: Amt Morit>t'lat!. Nr. 15190—15197. die dänische Krise. Die dänische Kilise ist durch die Unterhandlungen des Ministerpräsidenten Zahle mit den Führern der anderen Parteien nicht gelöst worden, und es ist wahrscheinlich, daß nunmehr Neuwahlen stattsinden, in denen das Bolk selbst über die Frage des Verkaufs von Dänisch-Wcstindien an die Vereinigten Staaten von Amerika entscheiden muß. Die Mehrheit des Landsthings war gegen den von der dänischen Regierung empfohlenen Verkauf. Im kritischen Stadium griff der König von Dänemark ein und ersuchte die Regie- rung, mit den Parteien auf folgender Grundlage zu ver- handeln: 1. Zustimmung zu dem Vcrkaufsvertrag, 2. Ver- schiebung der Reichstagswahlen, 3. Bildung eines Koalitions- Ministeriums. Der Ministerpräsident Zahle erklärte sich zu solchen Verhandlungen dereit und leitete sie auch ein: es er- wies sich jedoch als unmöglich, zu einer Einigung auch nur über die Zusammensetzung eines Koalitionsministeriums zu gelangen. Als der Gedanke an eine Koalitionsregierung zuerst aus- tauchte, wandte sich sowohl die sozialdemokratische wie die demokratische Presse Dänemarks entschieden dagegen: sie er- kannte jedoch an, daß Neuwahlen während des Krieges immer bedenklich sind. Die Parteien der Rechten stehen der ganzen Angelegenheit nicht einheitlich gegenüber.„Berlingske Di- dendc" und„Nationaltidende" verlangten, daß die drei besten Kräfte des Ministeriums: Minister des Auswärtigen Sca- ve'nius, Finanzminister Brandes und Verteidigungs- minister Münch geopfert werden sollten und die Jnselfrage vyn der Tagesordnung abgesetzt werde. Das war natürlich ausgeschlossen, denn gerade über die Jnsclsrage sollte sich ja ein Koalitionskabinctt einigen.— Tie Partei Christensens steht ebenfalls nicht geschlossen, auch sie ist in zwei Lager ge- spalten, von denen eins den Verkauf der Inseln gutheißt, während das andere ihn verurteilt, kurz und gut, die Lage in Dänemark ist augenblicklich außerordentlich verworren, und ös sieht nicht so aus, als ob sie sich ohne Ausschreibung von Neuwahlen klären würde. � Zahle hatte darauf hingewiesen, daß die Verschiebung des Inselverkaufs ernste Gefahren für das Land bedeuten würde: und in der Tat wäre es möglich, daß nicht jetzt, aber in absehbarer Zeit Dänemark in einen äußerst schweren Kon- flikt hineingezogen würde. Vor kurzem hat der amerikanische Admiral C. F. Goodrich in der„New Jork Times" die Gründe bekanntgegeben, die die Vereinigten Staaten veranlaßten, so energisch auf den Verkauf der Inseln zu dringen. Es hieß da u. a.: „Welche a merikanischen Interessen würden bedroht sein, falls Dänisch-Westindien in den Besitz einer feindlichen Macht gelangen würde* Versuchen wir es einmal, diese Frage richtig zu beantworten! Von den dänisch-westindischen Inseln bis zu unserem nächsten großen Hafen am Atlantischen Ozean, C h a r l e st o n, beträgt die Entfernung 1200 englische Meilen, bis Norfolk etwa 1300 Meilen. Diese Entfernungen würde eine Kampfflotte mit Leichtigkeit in drei— vier Tagen zurücklegen können. Ueberdlcs müßten wir auf Streifzüge feindlicher Kriegs- schiffe gefaßt sein, welche unsere Handelsverbindungen mit dem Auslände, selbst von so fernen Hafenstädten wie New Jork, Portland und Boston beeinträchtigen o»sr vollständig lahmlegen könnte. In der anderen Richtung liegt Colon am Einlauf des PanamakanalS, etwas über 1000 Meilen von St. Thomas. Es ist alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß ein feindlicher Angriff gegen Colon, welches den Kanalweg nach dem Stillen Meere beherrscht, gerichtet werden würde. ... Der Hafen von St. Thomas eignet sich dazu, als seemilitärische Basis zu dienen. Zwar ist der Hafen nicht sehr geräumig; wenn aber die Verhältnisie klug und tüchtig ausgenützt werden, wird der Hafen doch so eingerichtet werden können, daß er Platz für eine Flotte abgeben könnte, die groß genug wäre, üm uns Sorgen einzuflößen. Da der Hafen sich in das Land hinein erstreckt, und das dahinter liegende Territorium gebirgig ist, wird er ohne Schwierigkeiten stark befestigt werden können. Die Wichtigkeit einer derartigen Basis für Operationen gegen uns ist offenbar. Wir dürfen deshalb keine Anstrengung ver- meiden, um vorzubeugen, daß die dänisch-westindischen Inseln in feindliche Hände fallen." Die Sorge vor einer Besetzung der Inseln durch Javan hat neue Nahrung erhalten durch den russisch-japanischen Ver- trag, durch den sich Japan in Asien gesichert hat. Ter euro- päische 5llrieg zieht also imnier weitere Kreise, und es braucht vielleicht nur ein Funken hinüberzuspringen, so steht auch Amerika in Flammen, und es entsteht ein Weltbrand, in dem kein einziger Staat verschont bleibt. Zweifellos denkt das dänische Ministerium Zahle, daß es für Dänemark leichter sein wird, die Neutralität zu bewahren, wenn es seinen West- indischen Besitz verkauft, als wenn eine der Mächte, sei es nun Japan oder die Vereinigten Staaten, ihr kurzerhand besetzt. Und daß man sich um das Einspruchsrecht Dänemarks künimern wird, wenn eS erst einmal so weit ist, das wird wohl niemand annehmen, der in diesem Krieg erlebt hat, wie die kleinen Staaten sich vor den großen beugen müssen und wie wenig Federlesens man mit dem Recht der Neutralen macht. So wie sich die Tinge von der Ferne beurteilen lassen, scheint es vor allem der Wunsch zu sein, dem Lande kriegerische Verwicklungen zu ersparen, der die Politik des demokratischen Ministeriums Zahle bestimmt. t i l I e n übereinstimmend mit der von Christensen im Folkething eingebrachten Tagesordnung abgelehnt. Im Folkething war diese Tagesordnung abgelehnt worden. Sieben Mitglieder stimmten für den Verkauf, drei enthielten sich der Abstimmung, 13 waren ab- wefend. Am Freitag dieser Woche hält das Landsthing eine öffentliche Sitzung ab. Cm örief Grantings an die �tzumanite�. Die„Huinanits" bringt folgenden Brief Branlings, der sie ver- später erreicht hat, in ihrer Nummer vom 17. Arigust zum Ab- druck: '■'»London, 28. Juli. Lieber Genosie Renaudel! Auf dem Wege zur Konferenz der neutralen Sozialisten im Haag, lese ich hier in London in der»Humaiiito" vom 20. Juli den Bericht Ihres Schweizer Korrespondenten' über den Besuch gewisser slandi- navischer Genossen, von denen die nieisten eine bedeutende Stellung in unseren Gewerkschaften haben, in Berlin. Nichts ist berechtigter, als auch während dieses schrecklichen Krieges Beziehungen � der Arbeitersolidarität zwischen den Gewerk- schaflen der kriegführenden Länder beider Seilen und denen der neu- tralen Länder aufrechtzuerhalten. Und ich darf hinzufügen, daß nach dem Besuch mehrerer unterer sozialisiifwen Genosiett des Nordens, darunter ich selbst, in Frankreich und England ivährend des ver- gangenen Jahres, einem Besuch, während dessen wir, ohne jemals die Neulralnät zu verlasien, die uns durch die Siluaiivn unserer Länder auferlegt war, nicht im gcriitgsten unsere persönlichen An- sichten verborgen baben, es tat'ächlich wenig loyal wäre, von unserer Seite eine voreilige Kritik der Tatsache zu üben, daß gewisse unserer Freunde geglaubt baben, ein von den Männern der beul- schen Generalkommifsion der Gewerkschaften lommendeö Anerbieten nicht ablehtien zu sollen, ihre Arbeil gegen die Kriegsschäden zu bc- sichtigen und vielleicht selbst an irgend eine Front zu reisen— man Halle von Polen gesprochen— um dort die deutsche Organisation in der Nähe zu sehen. Deshalb haben wir geglaubt, im Stockbolmer„Sozialdemo- traten", als wir die Nacvrickt von dieser Reife gaben, nur die Gewißbeil ausdrücken zu sollen, daß unsere schwedischen Genossen, wenn sie nach Deutschland gingen, sich einer ebenso loyalen und gerechten Neulraliiäl befleißigten, die die schwedischen Sozialisten zu üben versucht hatten, als sie im vergangenen Jahre die Alliierten besuchten. Ich höre jetzt, daß der Parteivorstand der deutschen Sozial- demokralie es für richtig gehalten hat, den Reisenden gegenüber seine Ansichten über die Situation der Partei auseinanderzusetzen und die Politik der Majorität zu verteidigen. Das war sein unbe- streitbares Recht, scheint mir. Ich habe selbst, als ich im Sommer Iglö nach Schweden zurückkehrte, die Gelegenheit einer Aussprache mit dem Parleivorstand über die gleichen Angelegenheiten gehabt. Aber vielleicht ist es nicht unnützlich zu bemerken,— damit die französischen Gcnosien keine inkorrekten Schlüsse aus der Zustimmung ziehen, die unser Genosse Olsen im Nanien der dänischen Genossen zu den Ansichten der deutschen Majorität au»sgesprochen zu haben scheint—, daß der Gedankenaustausch, dem ich beigewohnt habe, im Gegenteil durch die Konsiituierimg eines unerschütterlichen Gegen- satzes beendet wurde zwischen der Auffassung der Majorität und derjenigen, deren Verfechter bei dieser Gelegenheit zu sein ich die Ehre halte— und die übrigens lebhaft von dem Genossen H a a s e und der Genossin Z i e y unterstützt wurde. Und ich weiß wohl, daß die Meinung, die ich damals verleidigt habe, jetzt von der großen Mehrheit der schwedischen sozialistischen Partei geteilt wird. Ihr aufrichtiger(z) Hjalmar Branting." Die französische Ninöerheit über öie Tagung öes Nationalrats. Die Kritik der französischen bürgerlichen Presse an den Ergeb nisten und Debatten des Nationalrats der französischen Sozialdemo- kralie hat zum Teil auch in den deutschen bürgerlichen Blättern Ausnahme gesunden. Wir sind nun in der Lage, auch die Meinung der französischen Parteimiitderheit über die Tagung wiederzugeben. Sie ist der Ansicht, daß die allgemeinen politischen Verbältnisse der Minderheit nichts weniger � als günstig waren. Die Offensive an allen Fronten habe den optimistischen Hoffnungen und den„Durch- Haltern" neue Kraft gegeben. Diejenigen AnHanger der Majorität, die bereits begonnen hatten, nachzudenken, ließen sich von neuem durch die Schimäre vom Neusozialismus des Krieges einlullen. Trotzdem war die Minderheit nie so zahlreich und geschlossen als auf dem letzten Nationalrat. Das fühlte die Mehrheit, und es irritierte sie. Sie hatte gesehen, wie die Minderheit im Seine- deparicntcitt Forlschritte machte, wie die Föderation Aubc, die aus dem Osterkongreß noch mit der Mehrheit stimmte, der Linken zu- fiel, wie SaSite-cl-Loire, Corrsze, Landes, Lozere zur Minderheit übergingen. ES wäre nicht mehr wie recht und billig gewesen, daß im Norden ein Teil der Delegationen der Minderheit übertragen worden wäre. Jedoch die Mandate wurden wieder fast allen sicheren Anhängern der Mehrheil überwiesen, so daß diese 480 Mandate, die Minderheit nur zwei erhielt. Ebenso ging es im Pas de Calais. In anderen Föderaiionen, in denen starke Miitoriläts- gruppcn existierten, erhielten sie zu schwache oder überhaupt keine Delegationen. So in Gard und Gtronde, in Tarn, Pyrenös- Orienlales, Avcyron, Somme, Seine-et-Otse. Aus dem ichttellcn Anwachsen der Minderheit, das die Partetleittntg mir Sorge be- trachtete, erklärt sich das Bestreben der Mchrhctt, sie zu spalten. Das ist ihr nicht gelungen. Zieht man nun die mehr oder minder fiktiven Slitttmcn ab. so stchett sich Mehrheit und Minderheit in Frankreich im Verhältnis von 1. 200 zu 1. 100 gegenüber! Man versiebt, daß die Minderheit nicht gewillt ist, den Kampf aufzugeben. Die Probleme, die sich dem Nationalrat und der Partei darboten, sind nicht gelöst worden. Sie werden ant dem nächsten Kongreß von neuem auftauchen, und es wird sich zeigen müssen, ob die Minderheit weiter anwächst und die Macht erringt, sich durch- zusetzen. � � Longue t spricht in seinem Artikel im.Popnlairc'. dem wir Kopeiihagen,-4. Augu>t.(W. T. B.) Meldung des Rttzauichen � 0[]e diese Angaben entnehmen, von den traurigen rednerischen Bureaus. Das als Ausschuß zusammengetretene Landsthing' Demonstrationen Renaudcls und fragt sich, ob das der gleiche hat mit SS Stimmeu de» Verkauf der däuischeu L»« sRenaudel sei, mit dem er stch zu Begma des Krieges m vollem Em- Verständnis befunden habe. Renaudel habe ihn im Oktober, No- ventber und Dezember 1914 aufgefordert, ihn in seinen Bemühungen zu nnterstützett: den'vagen Chauvinismus zu bekämpfen, der sich bei E. Vaillaul, Compsre-Morel, Dttbreuilh damals zeigte. Er fragt weiter: Bin ich talsächlich mit Renaudel während des Sommers 191S in Bern gewesen?... Und den Genossen Scmbat erinnert Longuet daran, daß er sich dem„TempS" gleichstelle, wenn er der Minderheit den Loriyurf der größeren Dulds'amlcit gegen die Deutschen als gegen die Franzosen mache. * In dem Versammlungsbericht, der sich dem Artikel Longueis anschließt, finden sich noch einige Angaben, die Lücken aus dem Be- richr der„Humanilö" ausfüllen können. Wir hören, daß Cachin die Kientaler angriff und behauptete, sie seien für einen bedin- g un gs losen Frieden eingetreten. So stehe eS im Texc der Kientaler Erllärung.„B r i z o n beweis: mit dem Text in den Händen, daß es sich um etiteu Frieden ohne Annexionen und nicht um einen bedingungslosen Frieden handele. Renaudel kommt Cachitt zu Hilfe: eS scheint, daß Brizon einen verslümmcltcn Text de» in der Schweiz redigierten Manifestes gegeben hat. Brizon rektifiziert diese zweite— Ungcnauigkeit. Cachin und Renaudel widerrufen. Die Gerechtigkeit ist hergestellt I" * „Populaiie" spricht auch im Gegensatz zur„Humamts" vom A u s- m a r t ch der Minderheit:„Wir gehen nicht(den Weg, den Renaudel für die AbstimmungSmethode gewählt hatte). Wir stimmen über das Ganze ab. Und wir verlassen den Saal indem wir die»Intel» nationale" singen." Lord Cecil über Kriegsfragen. London, 23. August.(W. T.B.) Unterhaus. In seinen Ausführungen über die auswärtige Politik sagte Lord Eecil: Ich lann unbedingt erklären, daß Eröfftttingen über den Frieden der englischen Regierung nicht gemacht worden sind. Es gibt nur eiueti einzigen Weg, auf welchem FriedenScröffnungen ge- macht werden können. Dies ist durch eine Mitteilung i eilen s einer feindlichen Regierung an unsere Regierung. Wenn irgend eine solche Mitteilung statisände, würden wir. denke ich. zueist mit unseren Alliienen beraten, und es hat' keine solche Eröffnung iir irgend einer Form stattgefunden. Wenn es geschieht, so wird es, wie ickt gesagt habe, untere Pflicht sein, mit den Alliierten darüber zu Rate zu gehen. Ich halte es nicht für wünschenswert, sich mit dieser Frage irgendwie weiter zu befassen. WaS die Lage auf dem Balkan betrifft, so glaube ich, daß gegeuwärlig in dieser Beziehung die militärischen Operationen, die in Salonilr begonnen haben, von wesentlichstem Interesse sind, und über diese irgend etwas diesem Hause zu sagen, würde, das ist ganz klar, für mich durchaus unangebracht sein. Was unsere Haltung gegenüber der griechtschen Regierung betrifft, so hat das Haus da- von Kenntnis, daß vor kurzem für uns unbedingt notwendig ivurde, an die griechische Regierung besiitnmle Fordermigen zu stellen. Sie wurden gestellt. im Einvernehmen mit unteren Alliierten und wurden angenommen, wie das Haus weiß. Die Regierung von Skuludis wurde entlaffen und eine neue Regierung wurde zur Macht berufen unter dem Vorsitz von Zaimis, der ein allgemein geachteter Mann in Griechenland ist und der nicht, wie sonst dorr üblich, an der Parleipolitik beteiligt ist. Er ist ein Mann, der große Achtung genießt und großen Einfluß hat, und unsere Beziehungen mit seiner Regierung sind, soviel ich weiß, zu einem durchaus befriedigenden Schluß ge- kommen. Im weiteren führte Lord Cecil aus: Die Politik der Schwarzen Liste war einfach die, daß unser Land es für ver- nüuftig hielt, daß sein Eigentum, sein Kredit und seine Schiffahrt nicht zur Verfügung seiner Feinde gestellt werden sollten und daß seine Uuterlattett und Bürger dazu angehalten werden sollten, nicht mit gewissen Persönen Handel zu treiben, wenn sie durch solche Handlungsweise die Feinde unseres Landes unterstützen und die Macht des Feindes erhöhen, daß ihre Soldaten unsere eigenen Soldaten, töten. Er glaube nicht, daß irgendein Land einschließlich der Vercinigten Staaten unter ähnlichen Umständen zögern würde. dieselbe Politik zu befolgen, und er sei überzeugt, daß, wenn sie verstanden würde, der Tadel daran als auf falscher Äuffässung be- ruhend und als unwesenilich criannt werden würde, und daß die Krittler einsehen würden, daß die Regierung bei dem. was sie tat. lediglich die Pflicht von Dttnistcrn eines Landes erfüllte, das in einem großen Kriege verwickelt sei. Lord Cecil sagte über den niederländischen Ueber» s e e t r u st, es bestehe aller Grund zu der Annahme, daß er im ganzen genommen gut arbeite. Einiges Durch- sickern könne nichr vermieden werden. Es sei da eine flache Grenze ohne jedes naiürlitbe Hindernis mit sehr hohen Preisen aus der einen und großen Vorrären aus der arideren Seile; was man auch für Vorsichtsmaßregeln treffe, es würde doch immer einige Schmuggelei geben. Nalürlich lömie die britische Regierrmg der holländischen nicht vorschreiben uttd wolle ihr nicht vorscktreiveit, was für SÄriite sie zu uttlernehmen habe. Das liege bei den Holländerii, und er müsse sagen, daß ihre Gesetze gut gefaßt seien, um den Schmuggel zu uiiterbiiiden, und eS sei ihre Sache, dafür zu sorgen, daß diese Gesetze orduungSgemäß ausgeführt würden. Wenn irgend ein Mangel bei der Ausführung zu seiner Kenntnis gebracht werden sollte, so werde er nach Möglichkeit dafür sorgen, daß dieser der rtiedcrländiscben Regierung mirgeieilr würde. Im allgemeinen habe der Trust gut gearbeitet, aber eS sei da ein Punkt in der Lage Hollands, der der Regierung große Sorge mache. Holland fei, was seine Landwirtschaft betreffe, ein aus« sührettdes Land, und vor dem Kriege habe es eine beträchtliche Menge seiner Erzeugnisse in verschiedener Gestalt ausgeführt. Un- zweifelhaft habe es vor dem Kriege einen viel größere» Teil nach England ausgeführt als seither. Die Holländer seien ein kauf- männisches Volk, und sie könnten in Deutschland sehr viel höhere Preise erzielen als im Vereinigten Königreich und in den alliierten Ländern, und deshalb verkauften sie ihre Waren nicht. Da? fei vom britischen Standpunkte auS keine befriedigende Lage. In ettttgen Waren habe England bei Beginn des Jahres fast die ganze Einfuhr aus Holland verloren, und das sei durchaus nicht be» jriedigend. EZ sei entschieden eine schwierige Frage. Er könne dem Hause nicht genau sagen, was die Regierung getan habe, um mit ihr fertig werden, aber er könne dem Hause versichern, datz die Dinge sehr viel bester ständen als bisher i es sei in den letzten Wochen eine cnt- schiedene Besserung eingetreten; er habe Veranlassung zu der Hoff- nung, das; die Besserung in Zukunft nicht geringer sein würde als bisher, und die Engländer würden nicht sehr viel Anlast zu ttlagen haben im Vergleich zur Lage vor dem Kriege. Cccil sagle, er wolle nicht versprechen, dost' England befriedigt sein werde, denn er werde niemals befriedigt sein, so lange ein Krümel an Lebens- miiieln nach Deutschland gelange. Die Negierung habe eine sehr schwierige Sache von einer Reihe von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten müssen. Sie habe sich bemüht, den Fischmcngen eine Grenze zu setzen, die aus Norwegen und Holland nach Deutschland gelangt seien, und er glaube, daß die ergriffenen Maßregeln im ganzen ihren Zweck erfüllen. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 24. August.(W. T. B.) Der General st ab meldet vom 23. August: Auf dem rechten Flügel haben die auf Lerina vordringenden Truppen gestern die Stadt K a st o r i a besetzt. Die hauptsächlich einem Freiwilligen- rcgiment augehörenden geschlagenen Serben zogen sich nach Süden zurück. Die in der Richtung Lerina, Banica, Cor- nitschewo und Ostrovosee operierenden Truppen rückten, nachdem sie ani 21. August eine stark befestigte Stellung des Feindes auf dem Kamm des Malkanidzeberges erobert hatten, am 22. August vor und griffen die serbische Donau- und die serbische Wardadivision in ihren neuen Stellungen Kloster des heiligen Spiridion— Höhe 2)7— TschcganSka Planina an. Bisher haben wir sieben Offiziere und zwei- hundert Wkann gefangen genommen. Wir er- beuteten 5 ganz neue französische Schnellseuergsfchütze, die voll- kommen unbeschädigt waren, mit ihren Lafetten und ihren Pferden, neun Itunttionswagen, sechs Maschinengewehre, einen Bombenwerfer, viele Gewehre Muster 1316 und fünf- zehn Waggons rollendes Material. Der Kampf geht weiter. Wir haben uns in entscheidender Weise auf der Höhe Dzcmaat Jen nördlich des Ostrovo-SeeS und im Moglenica-Tale ein- genistet. Bedeutende Kräfte der Schumadia-Division griffen den Abschnitt Ukuruz— Kowil an. Alle Angriffe wurden unter großen Verlusten für die Serben abgeschlagen. Im W a r d a r- Tale verlief der Tag im allgemeinen ruhig, nur an der Front südwestlich des Dojran-Sees suchte der Feind gegen 1O Uhr abends unsere vorgeschobene Stellung anzugreifen. Er wurde aber abgeschlagen. Er- gänzende Mitteilungen und Gefangenenaussagen ergeben, daß das 176. französische Regiment, das an dem Kampf am 21. August teilnahm, fünfzig vom Hundert seines Bestandes verloren hat. Zwcihundertsünfzig Leichen wurden auf dem Schlachtselde zusammen mit vielen militärischen Gegenständen gefunden. Auf dem linken Flügel säirberien wir im Tale der Struma das linke Ufer deS Flusses vollkommen vom Feinde. Die Zahl der gestern von uns begrabenen Feindes- leichen übersteigt fünfhundert. Zahlreiche Tote und eine große Menge von militärischen Gegenständen, die das Schlachtfeld bedecken, bezeugen die vollkommene Niederlage der Brigade Vrotier. Bei ihrem Vormarsch südlich von Drama begegneten vorgeschobene Abteilungen unserer Truppen einer englischen Schivadron, die von einer Radfahrerkompagnie begleitet war. Nach einem kurzen Feuerwechsel zogen sich die Engländer in der Richtung auf Orsano zurück, nachdem sie vorher zwei Brücken über dem Angistafluß zerstört hatten. Wir besetzten den Bahnhof von Angista. Gegenwärtig befindet sich die Eisenbahn st recke Oktschtkar— Buk— Drama— Angista— Seres— Demir Hifar in unseren Händen. 9u!ga?zsche Gegenoffensive. Sofia, 24. August.(W. T. B.) Gegenüber der Meldung des Reulerscheu Bureaus, daß der bulgarische Gesandte in Athen, Pazzarow, dem griechischen Ministerpräsidenten ZaimiS erklärt habe, datz die bulgarische Armee eine Offensive einleite, die auf die Be« setzung gewisser strategischer Punkte auf griechischem Gebiete abziele, und datz der englische und der französische Gesandte an den Minister« Präsidenten Zaiinis fortgesetzt die Anfrage gestellt haben, welche Schritte die griechische Regierung angesichts des Auszuges der vor den aarückendeu bulgarischen Truppen fliehenden griechischen Bcvöllerung zu ergreifen gedenke, ist die bulgarische Tele- graphenagentur zu folgender Erklärung ermächtigt: WaS den ersten Punkt der Meldung betrifft, hat Pazzarow in seiner Mitteilung nicht von einer bulgarischen Offensive gesprochen, sondern von einer bulgarischen Gegenoffensive, die durch die wenngleich vergeblichen unaufhörlichen Angriffe der Ententetruppen hervorgerufeu sei. Was den angebliiben Auszug der Bevölkerung anlangt, so liegt eine be- recbncnde Erfindung vor, denn die vom General Sarrail bedrückte einheimische Bevölkerung, weit davon entfernt, vor unseren Truppen zu fliehen, empfängt sie im Gegenteil als Befreier. Gericht öes türkischen Hauptquartiers. Konftantinopel, 23. August.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: Keine nennenswerte Veränderung an den verschiedenen Fronten._ Die feindlichen Heeresberichte. Ter französische Tagesbericht. Vom 23. A u g u st nachmittags. fW. T. B.) Nördlich der Somme beschoß die deutsche Artillerie, von der französischen energisch bekämpft, im Lause der Stacht die ersten Linien und Ver- bindungSstrahen nördlich und südlich von Maurepas heftig. Es folgte keine Jnfanterieunternehmung. Südlich der Somme griffen die Deutschen nach kräftiger Artillerievorbereitung am Abend südlich von EstrscS und westlich von Soyecourt an. Sie satzten an einigen Punkten in den Schützengräben Fuß, die sie am 21. verloren hallen. Ziemlich lebhafter Artilleriekampf in den Abschnitten Belloy, Asse- villerZ und Lihons. Im WaSgenwalde schlugen die Franzosen niir Handgranaten einen Handsteich der Deutschen südlich vom Hart- mannsweilerkopf zurück. Die Nacht war an der übrigen Front ver- hältnismäßig ruhig. Luftkrieg: An der Sommefroni schoß der Feldwebel Dorme sein fünftes dcuffcheS Flugzeug ab, das in der Genend von MoiSlinS lMoslins?) nordöstlich von Pöronne niederfiel. Vier andere deutsche Flugzeugs mußten ernstlich beschädigt in ihren Linien landen. Vom 23. August abends. sW. T. B.) Nördlich und süd- lich der Somme hielt der Artilleriekamps den ganzen Tag an; er war besonders lebhaft in den Abschnitten von Belloy und Estrses. Auf dem rechten Ufer der Maas ermöglichte uns ein von unseren Truppen gegen die deutschen Stellungen zwischen Fleurh und dem Werke Thiaumant glänzend geführter Angriff merlliche Fvich'chrilte zu erzielen. Wir machten ungefähr 200 Gefangene, darunter 2 Offiziere. Luftkrieg. Adjutant Dorme hat sein sechstes Flugzeug ab- aeschosien, das in der Richtung von Marchölepot(nordöstlich von Chaulnes) niederfiel. Ein anderes Flugzeug wurde in der Gegend von Rohe abgeschossen. Belgischer Bericht. Stellenweise Artilleriekampf in der Gegend nördlich von Dixmude. An der belgischen Front kein besonderes Ereignis. Orientarmee. Im Zentrum hielten die alliierten Armeen alle zwischen Moglenica und den Beles-Uergen xroberten Stellungen und befestigten sie. Die Serben rückten nördlich von Strupina Mlli ies WW AWWlllllS. Amtlich. GroßesHauptquartier, 24. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich der Somme find gesteru abend und nachtS neue Anstrengungen unserer Gegner zum Scheitern gc- bracht worden. Die Angriffe der Engländer richteten sich wieder gegen den vorspringenden Bogen zwischen Thicpval und PoziercS, sowie gegen unsere Stellungen um Guille- mout. Bei und besonders südlich von Maurepas wurden starke französische Kräfte nach teilweise ernstem Kamps zurückgeschlagen. Rechts der Maas nahm der Artilleriekampf nach- mittags im Abschnitt Thianmont— Flenry, im Chapitrc- und Bcrg-Walde an Heftigkeit bedeutend zu. Mehrfache französische Augriffe südlich des Werkes Thiaumont sind zusammengebrochen._ In den letzten Tage« ist je ein feindliches Flugzeug im Lustkainpf bei Bazentiu und westlich von Pcronnc, durch Abwehrfeuer in der Gegend von RichSbourg und La Baff�e abgeschossen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Abgesehen von kleineren erfolgreichen Unternehmungen gegen russische Bortruppcn, wobei Gefangene und Beute eingebracht wurde«, ist nichts von Bedeutung zu be- richte«. Balkan-Kriegsschauplatz. Auf den Höhen nordwestlich deS Ostrovo-SeeS setze« die Serben dem bulgarischen Angriff noch Widerstand ent- gegen; ihre Gegenangriffe gegen den Dzcmaat Irrt find gescheitert. Alle Berichte auS dem feindlichen Lager über serbisch- frvnzösisch-cnglische Erfolge sowohl hier wie am Wardar und Struma sind ftcie Erfindung. Ober st e HerreSlestuag. M WrreWW EeserMMderiA. Wien, 24. August 1916.(W. T. B.) Amtlich wird ver» lantbart: Russischer Kriegsschauplatz. Außer einigen kleinen erfolgreiche» Borfeldunternchmungen weder bei den Streitkräfte» des Generals der Kavallerie Erz- Herzogs Carl noch bei der Front des Generalfeldmarschalls von Hindenbnrg Ercigniffe von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. Nach heftiger Beschießung des Kammes der Fassaacr Alpen «ud unserer HöhenslcLuiigcn beiderseits deS Traviguolo-Tales setzten die Italiener gegen die Front Coltorondo— Cima di Cece mehrere Angriffe an, die abgoschlageu wurden. Sonst keine Er- eignisse von Belang. Südöstlicher Kriegsschauplatz. An der unteren Vojusa Geplänkel. Ter Stellvertreter deS Chefs des Grueralstabes: von Hoefer. Leldmarschalleutnant. weiter vor. An den bewaldeten Abhängen von Kukuruz schlugen die Franzosen einen nächllichen Angriff der Bulgaren auf das kürz« lich eroberte Dorf PalmiS(am Südabhange der Belcs-Verge) zurück. Auf dem rechten FtägzÄ an der Struma und auf dem linken Flügel in der Richtung deS Ostrovo-SeeS wurde ein feindlicher Angriff an- gehalten. Ein feindliches Flugzeug wurde bei Brest(an den Ufern deS Dojran-Sees) abssschossen. Die englische Meldung. Vom 28. August.(W.T.B.) Zwei Gegenangriffe de? Feindes südlich von Thiepval wurden mir schweren Verlusten zurückgewiesen. Südlich von Thiepval gewannen die Engländer weitere 200 Uards Gräben und befestigten ihre Linie. Die feindliche Artillerie, die große Tätigkeit zeigt?, wurde an drei verschiedenen Stellen durch das Feuer unserer schweren Geschütze zum Schweigen gebracht. Gestern abend ununterbrochene Lustlämpfe, da die seind- lichen Flugzeuge eine ungewöhnliche Tätigkeil entwickelten. Wenig- ftens vier feindliche Flugzeuge wurden zerstört, viele andere wurden beschädigt niedergerrieben, andere wurden nach ihren Flughallen verfolzr. Wir erlitten keine Verluste. Trotz anhaltenden Luft- kampfes führten wir an verschiedenen wichtigen Punkten Bomben- angriffe aus. Englischer Kriegsbericht aus Saloniki vom 23. A u g u st.(W. T. B.) Der die englischen Streitkräfte bei Saloniki befehligende Offizier meldet unter dem 23. August: An der Dojran-Fronr wurden gestern etwa zwei feindliche Bataillone in der Nachbarschaft von Dautli beobachte:, ihre Vorhut war bis Byns vorgeschoben. An der Slrumafront befestigte sich der Feind auf der Linie Uenikös, Culuk, Eliffan, Nevolen, Cavardamah, Ormanti. Ein Angriff auf französische Truppen, die die Komarjan-Brücke hielten, wurde zurückgeseblagen. Die serbischen Truppen halten jetzt die Linie in der Stahe des Ostropa-SeeS und bei Pozer. Ter russische Kriegsbericht. Kam 2 3. Aug» st nachmitlags.(W. T. B.) An der Westfront unternahm der Feind in der Nacht zum 22. August südlich von Krewo einen Gasangriff, der mit großen Verlusten für den Gegner abgewiesen wurde. Auf den Bahnhof von Maniewitschi warf der Feind auS Fluaaeuaen über hundert Bomben. In der Gegend des Flusses Sereth sudlich von Brody unternahm der Feind an verschiedenen Stellen Angriffe, die überall durch unser Feuer ab- gewiesen wurden. Nahe den Quellen des Pnrth südwestlich Ardzeluza bemächtigten wir unS zweier Anhöhen nördlich und südlich des Kowerlaberges an der ungarischen Grenze. An der Kaukasus- front wurden die Türken, die an der Front Ellen(El Levu?)— Chadimaden(Chobankala?) im Küstenbezirk einen Angriff unrer- nahmen, unter Mitwirkung unserer Flotte in ihre Stellungen zurück- geworfen. Westlich vom Wan-See entwickelte sich unsere Offensive günstig. Wir machten 3 Offiziere und 174 türkische Soldaten zu Gefangenen. Bei der Berfolzung der weichenden Abteilungen des FeindcZ machte unsere Kavallerie viele Türken nieder. Meldung der itslrenlschen Heeresleitung. V o m 23. Aug u st.(W. T. B.) In der Nachr vom 21. auf den 22. August machte der Gegner im Astach-Tale heftige Feuer- Überfälle auf unsere Siellungen im Talgrund, ohne einen Infanterie- angriff folgen zu lassen. In der gleichen Nacht wurden Versuche des Feindes, zwischen Casera Zingarolla und Casera Zebio-Pastorille auf der Hochfläche von Asiago vorzugehen, durch unser Feuer glatt ausgehalien. In der Geze«» von Tosana eroberten gestern nach kurzer aber wirsiamcr Artillerievorbereitung Jnfanteri'eabteilungen und Alpini in glänzendem Angriff die starken feindlichen Stellungen an den westlichen Abhängen der dritten Tofana, der Terza und des Travenanzes-Tales. Der Gegner, der schwere Verluste erlitt, ließ etwa 40 Gefangene. Waffen und Munition in unseren Händen. In der Gegend von Görz gegenseitige Artillerielaligkeit. Gestern nachmittag wurde eine feindliche Abteilung, die sich Benojbizza zu nähern versuchte, durch unser genaues Feuer zurückgeworfen; sie ließ zahlreiche Leichen auf dem Tvkstnde zurück. Zur Kriegslage. Tage der Spannung. Von Richard Gädke. Die starken Angriffe der Franko-. Engländer, die mit dem 7. und 8. August an der Somme einsetzten, sind vom 12. August an mit erhöhten: Nachdruck fortgeführt worden. Ein geringes Nach- lassen ihrer Anstrengungen am 13. und dann wieder am 15. August wurde vom 16. an durch eine erneute Wut und Hartnäckigkeil ihrer Stürme ausgeglichen. Drei Tage hindurch griffen sie unaufhörlich nördlich der Somme auf der gesamten Front von 26 Kilometer mit immer wieder aufgefrischten oder abgelösten Massen an und setzten ihre Angriffe bis lief in die Nacht hinein fort. Der Höbepunkr des verzweifelten Ringens wurde erst am 13. August erreicht. Erst am folgenden Tage ermatteten sie, aber bereits am 26. folgten neue, wenn auch weniger ausgedehnte und weniger gleichzeitige Vor- stoße. Die ungeheure Wut des Gcschützfeucrs, die Erbitterung der Kämpfenden, die zahllosen Nahkämpfe, zu denen es kam, verliehen dieser gewaltigen Schlacht einen Grad der Furchtbarkeit, der bisher kaum schon erreicht wurde. Auch die geringe Zahl von Gefangenen, die auf beiden Seiten gemacht wurde, legt Zeugnis ab von der ver- zweifelten Wildheit der Kämpfe. Sudlich der Somme fanden während dieser Tage nur kleinere Gefechte mehr örtlicher Bedeutung statt, vielleicht dazu bestimmt, die Aufmerksamkeit der deutschen Führung abzulenken. Dem enffcheidungsuchenden Angriffe nach Norden wie nach Süden eine größere Ausdehnung zu gcbeli, dazu langten offenbar die verfügbaren Geschützmassen und Gruppen unserer Gegner nicht hin. Vielleicht die Geschütze und der schieß- bedarf noch weniger als die Truppen! Ich glaube darum auch den gesteigerten Vorstößen feindlicher Abteilungen an anderen Tel.cn der Westftont keine besondere Bedeutung beilegen zu sollen. Daß die ungeheure Anstrengung unserer Gegner nicht ohne jeden Erfolg geblieben ist, daß sie an einzelnen Stellen des Schlacht- seldcs ihre Gräben vorrücken, eroberte deutsche ihrem System ein- verleiben konnten, haben die Berichte des Deutschen Hauptquartiers zugegeben. Im großen aber ist die deutsche Schlachtlune unver- sehrt geblieben, die Abwehr des Gewaltftsßes geglückt. Mehr und mehr nimmt auch hier wieder die Felbsch'achl den Charakter des langwierigen Stellungskrieges au. Trotzdem wird es einem be- sonnenen Urteil nicht entsprechen, schon jetzt von einem Scheitern der feindlichen Pläne zu reden. Es liegt im Wesen der Abwehr. daß sie selbst eine endgültige Entscheidung nicht zu geben vermag. Erst dann, wenn der Angreifer seinerseits seine Anstrengungen aufgibt, wenn er von der Wiederholung seiner Stürme Abstand nimmt, erkennt er an, daß seine Absichten gescheitert sind. Das werden wir also abwarten müssen. An sich wird zunächst noch mit neuen Versuchen zu rechnen sein. Wären die Franzosen auf ibrc eigenen Kräfte aitgswiesen, dann wäre der Krieg erledigt; die Engländer werden auS ihrem Volke neue Aufgebote in beschränktem Maße noch herausholen können. Was ihnen aber gegenwärtig noch Kraft verleiht, das sind die farbigen Truppen beider Gegner. Inder und Annamiten, Tuneser, Algerier, Marokkaner und Senc- galesen, die Portugiesen nicht ganz zu vergessen, sind die Helfer, die mit Kanadiern, Australiern, Buren und Neuseeländern zu- sammen wohl gegen eine Rillion Köpfe ausmachen mögen. Die Seeherrschaft Englands sucht uns nicht nur wirtschaftlich zu er- drosseln, sie alleine ermöglicht unseren westlichen Gegnern auch rein militärisch, den Kampf noch immer mit neuen Kräften im Ganzen zu erhalten. Die Bedeutung der Seegewalt ist selbst in den na- poleonischen Kriegen nicht so zutage getreten wie diesmal. Wo- bei wir übrigens die Waffenlieferungen der Vereinigten Staaten gebührend in Rechnung stellen wallen. Auch in der Maasgegend haben am 17., 18., 19. August— also ziemlich gleichzeitig mit den stärksten Angriffen unserer Gegner an der Sommefroni— heftige Vorstöße der Franzosen gegen die Front nordwestlich Thiaumont bis zum Bergwalde stattgefunden. Ihr Gewinn besteht in dem Eindringen in das Dorf Fleury. Auf der östlichen Front ging es am 14. August noch ziem- lich lebhast zu. Die russischen Heere der Mitte suchten der Armee Bothmer und dem rechten Flügel des Generaloberst Boohm-Ertnolli lebhaft nachzudrängen, sind aber überall abgewiesen worden. Stach- dem ihre vereinzelten Vorstöße am 16. und 17. August in der Gegend westlich Zalocze(72 Kilometer östlich Lemberg) und nördlich deS Njestr ebenso erfolgkos geblieben waren, ist an der Ostfront ver- bältnismäßize Ruhe eingetreten. Nur die äußersten Flügel des Gegners, einerseits westlich des Nobel-Sees und am unteren Stochod, bei Rudka Czerewisze, andererseits in den Karpathen, am Jablonika- oder Tartarxnpaß, suchten in örtlichen Angriffen vor- wärts zu kommen. Bei Czerewisze haben sie das westliche Stochod- ufer gewonnen, aber nicht weiter vorgeben können, am Tarlaren- paß irnd unsere Verbündeten auf die' Kammhöhe zurückgegangen. Andererseits haben deutsche Truppen weiter südlich,, um Zabie und östlich des Schwarzen Czeremocz in langwierigen Kämpfen Raum gewonnen. Im ganzen gewinnt man doch den Eindruck, daß an der öst- lichen Front nunmehr gefestigte Verhältnisse eingetreten sind. Die Heere der verbündeten Mittelmächte haben sich in ihren neuen Siel- lnngen eingerichtet und die russischen Angriffe zum Teil unter sehr blutigen Verlusten für den Gegner abgewiesen. So sieht sich Gc- neral Brussilow gezwungen, vorläufig von einer allgemeinen Wiederaufnahme seiner großen und anfänglich nicht erfolglosen Offenswunternehmung Abstand zu nehmen. Doch bleibt es un- gewiß, wie lange diese Zeit der Ruhe dauern wird, die wohl sehr gegen den Willen des Heerführers durch die ungewöhnliche Größe seiner'blusigen Einbuße erzwungen ist. Die Gesamtlage scheint doch darauf hinzudeuten, daß er seinen Versuch im größten Maß- stabe wiederholen wird, sobald er dazu wieder imstande zu sein glaubt. So wie im Osten ist auch auf dem italienischen Kriegs- schauplatz in den letzten Tagen eine Zeit der Windstille eingc- treten. General Cadbrna hat scheinbar seine Erfolge vom 7., 8., 9. August überschätzt, die er durch einen bis dahin von ihm un- erreichten Krästeeinsatz auch an schwerer Artillerie gewonnen hatte. lieber die Besitznahme von Görz und den Gewinn der Hochebene von Doberdo, am Unterlaufe des Jsonzo, ist er nicht hinauSgelangi. Seine heftigen Angriffe gegen die starken neuen Stellungen unserer Verbündeten vom 12. bis 16. August sind abgeschlagen worden und seitdem sichtlich abgeflaut. Er meldet bereits wieder Gegenstöße des Verteidigers und beruft sich im übrigen auf die schlechte Witte- rung— wie jchan oft. Der äußerst«, sinke Flügel der Oesterreich-Ungarn ist immer noch 20 Kilometer von Triyst entfernt; da die Italiener länger als ein Jahr gebraucht haben, um auf einer örtlich begrenzten Front einen höchsten Raumgewinn von 8 Kilometer zu machen, so kann man wirklich nicht sagen, daß Trieft— wie man manchmal hört — bereits bedroht sei. Man wird eher annehmen dürfen, daß die Schwierigkeiten für das italienische Heer jetzt erst recht beginnen — es müßten denn ganz unerwartete Verhältnisse eintreten. Die Nachrichten, die uns am meßten in Spanrurng versetzen, kommen vom Balkan, von der mazedonisch-griechischen Grenze her. In den Tagen vom 14. bis 16. August konnte man versucht. sein, anzunehmen, daß General Sarrail seine so oft angekündigte Offensive von Saloniki aus nun wirklich antreten werde. Die Verschiebung der wieder kampffähig gewordenen serbischen Heeres- trümmer, das Eintreffen von Russen und angeblich auch von Italienern, die Rührigkeit seiner»artruppen am Wardar und südlich des Dojran-Sees, vor allem aber politische Eowägunzen, ließen den Versuch einer Offensive in diesem AuasnÄftste nicht unw-ch»scheinlich erscheinen. Wenn er sie wirklich beabsichtigt bat. sind ihm die Bulgaren und die Deutschen mit raschem Entschlüsse zuvorgekommen. Während seine Mitte sich vergeblich gegen die bulgarischen Stellungen abmühte, trat am 17. August der rechte bulgarische Flügel am Ochrida- und Presba-See(zirka I7S Kilometer westlich Saloniki), am 18. auch ihr linker Flügel zwischen Strunia und Mester(85 bis 130 Kilometer nordfftlich Saloniki) vom Brundi-Balkan aus überraschend gegen feine wchtgespannte, gebrechliche Aufstellung an. Jener schlug die ssckffche Donau, und bann die Krina-Division, besetzte Florina und unterbrach die Ver- bindungen nach EpiruZ, während der linke Flüge! in Demirhissar eindrang, das die griechischen Truppen freiwillig räumten, und das östliche Siruma-Ufer, zwischen Butkovo- und Tachino-Sce(3l) Kilo- metcri. von englischen wie französischen Truppen säuberte. Lb wir darin bereits den Beginn einer allgemeinen Offensive zu sehen haben, wird abzuwarten sein; die bisherigen Meldungen aus bulgari'cher Quelle lassen noch nicht ganz klar sehen. Ein weiterer, erfolgreicher Fortgang dieses Vorgehens könnte in seiner militärischen wie politischen Bedeutung nicht leicht überschätzt werden.(z) Die Cntente und der �-9oot-Krieg. Dioni, 24 August.(28. T. 23.) Meldung der Agenzia Stefani. Man hat festgestellt, dost die Nachrichten über die Tätigkeit feiud- licher llutersceboote fern von ihrer Heimatlüste, dem Feinde sehr vorteilhaft sind, da er sich so über die Tätigkeit und den Ort seiner Unterseeboote unterrichtet, mit denen er keine unmittelbare Verbindung hat. Infolgedessen haben die Alliierten beschlossen, die Veröffentlichung solcher Nachrichten zu untersagen. Notiz des W. T. B.: Von uuterrichteter Seite erfahren wir hierzu: Selbstverständlich ist es Unsinn, zu behaupten, dah die deutsche Flotte und die ihrer Verbündeten aus den Meldungen Lloyds über versenkte Schiffe wichtige Nachrichten für die Operationen ihrer Unterseeboote erhielten.— Der wahre Grund für unsere Feinde, das Versenken von Schiffen in Zukunft nicht mehr zu ver- öffentlichen, liegt auf anderen Gebieten. Man will der eigenen Oeffentiichkcit die Erfolge der feindlichen Unterseeboote vorenthalten, um die Stimmung nicht noch weiter zu drücken, um die Schiffs- besatzungen nicht noch ängstlicher zu machen und damit das An- heuern der Mannschaften zu erschweren, um die Versicherungsprämien nicht noch weiter steigen zu lassen und so fort. Ilsßgknmißbrauch emes ruMchen�-Hootes. Stockholm, 24. August.(W. T. B.) Meldung des schwedischen Telcgraphenbureaus. Ter schwedische Lotse Hoegbom, der an Bord des deutschen Dampfers„Desterro" beim Kapern des Dampfers durch ein russisches Untrrseeboot nach Abo mit abgeführt wurde, ist jetzt nach Hndiksvall zurückgekehrt und hat auf Anfrage einer Zeitung bestätigt, daß das Kapern am Frei- lag vormittag 11 Uhr zwei Meilen innerhalb der schwedi- schen Hoheitsgewässer slallfand und dag daS russische Unterseeboot beim Kapern die schwedische Flagge führte. Die amtliche Unlcriuchung beginnt sofort. wieder ein Zeppelin-Mgriff auf England. London, 24. August.(W. T. B.) Amtlich. Ein feindliches Luftschiff kam kurz vor Mitternacht über die Ostküste. Es wurden mehrere Brandbomben und einige Hochexplosivbomben auf offenem Felde abgeworfen. ES wurde kein Schaden angerichtet und niemand verletzt. Das Luftschiff kehrte vor ein Uhr nach der See zurück. Gbftruktionssitzung im ungarischen Abgeordnetenhaus. Budapest, 23. Lluguft.(W. T. 23.) Tie Sitzung des Abge- ordnetcnhauses dauerte bis vier Uhr morgens Es war eine O b ft r u k t i o n s f i tz u n g im ärgsten Sinne des Wortes. Tie Oppositionellen aller Fraktionen hatten einundzwanzig �nter- pellationen angemeldet, von denen sieben auf die nächste Sitzung verschoben wurden. Ueber die Ursache der ausgebrochenen Lbstruk- iion gehen verschiedene Auslegungen um.„P e st e r Lloyd" erklärt dies« plötzlich vorgetretene schroffe Haltung der Opposition damit, dag der Versuch der Bildung eines Koalitionsministeriums gescheitert ist. Sodann sei die Opposition unzufrieden, weil ihre Vertrauensmänner laut der gestrigen Erklärung ihre Mission niedergelegt und die Verbindung mit der Regierung abgebrochen hatten.„Pesler Llovd" schreibt: Die Erwürgung des Burg- fr i e d c n k, welche sich über Nacht vollzogen bat, bleibt ein Ratsü. Im Lande draußen wird man das nickt verstehen. Aber das wird noch das kleinere Uebel sein. Viel schlimmer ist. daß man es im Auslande mißverstehen wird. TaS Land wird aus dieser ZLand- lung der Opposition sickerlich keinen Nutzen zieben, aber auch die Opposition wird bald erkennen müssen, daß sie mit dem Burgfrieden besser gefahren wäre. Budapest, 24. August. lW. T. B.) Auf eine Jnter- p e l l a t i a n der E raren Michael Karolyi über verschiedene Fragen der auswärtigen Politik sagte Ministerpräsident Graf Tisza: Ter Interpellant behauptet, die Offensive gegen Italien sei ohne Einflußnahme des Ministers des Aeußern bc- schloffen worden. Man mutz hier unterscheiden. Ueber die Vor- bereitungen zu der Offensive gegen Italien wurden wir zur rechten Zeit unterrichtet, in erster Linie der Minister des Aeußern und dann selbstverständlich alle diejenigen, die für die auswärtige Politik verantwortlich sind. Wir waren davon unterrichtet und hätten auch die Gelegenheit gehabt, wenn wir aus politischen Ge- sichtspunkten heraus gegen diese Offensive Bedenken gehabt hatten, diese geltend zu machen. Wir hatten jedoch naturgemäß keinerlei politische Bedenken; denn ein Erfolg dieser Offensipe wäre mit großen politischen Vorteilen verbunden gewesen. Auf die Eni- scheidung über die Frage, ob eine Offensive ergriffen werden soll oder nicht, kann weder der Minister des Aeußern noch ein airderer politischer Faktor Einfluß nehmen, da dies eine ausschließliche militärische Frage ist, und es gäbe keinen gefährlicheren Irrtum, als weiiu Minister sich als Strategen hinstellen würden. Dies wäre eine ebcns» gefährliche Vcrirrung, wie wenn eine militärische Funktion die politische Leitung übernehmen wollte. Was die Anfrage Äarolyis über den Abschluß deS Vertrages mit Bulgarien betrifft, erwiderte der Minister- Präsident, so sind dem formellen Abschluß des Vertrages längere Zeit in Anspruch iichmende iöerhandlungen vorausgegangen. Diese wurden ausschließlich von den diplomatischen Faktoren geführt» und in erster Reihe nahmen daran die in Sofia beglaubigten Gesandten Deutschlands und Ocsterreichs-Ungarns teil. Diese Verhandlungen wurden ausschließlich durch die verantwortlichen politischen Fak- toren geführt. Der endgültige Abschluß war, wie es in solchen Kriegszeiten zu geschehen pflegt, der folgende: Es gibt zwei Ver- lragsinstrumente. Das eine ist die Sttilhärkonvention, die mit Wissen und Zustimmung der zuständigen Staatsmänner und Di- 4'lomaten abgeschlossen wurde. Das andere ist der diplomatische Vertrag, der ebenfalls von den zuständigen Faktoren abgeschlossen wurde. Das Vorgehen ist in jeder Beziehung einwandfrei. '* Dudapcst, 23. August. Ju seiner Rede im Abgeordnetenhause führte Graf Stefan Tisza nock aus: Tie Herren Abgeordneten 'können mir glauben, niemand wird sich mehr freuen, als ich, wenn einmal die Zeit gekommen fein wird, um die Lage ganz aufdecken und dafür einstehen zu können, was die ungarische Regierung und der mit ihr solidarische Minister des Aeußeren inmitten der Er- eignfffe des Weltkrieges getan oder linterlassen haben, und um dann diese ganze Politik demRichtersprucheder restlos aufgeklarten öffentlichen Meinung unterbreiten zu können. Heule ist uns dies nicht möglich. Wir trugen, tragen und werden diese Verantwortung in dem Bewußtsein tragen, daß wir in schweren Zeiten im Dienste der Lebensinteressen der Nation zur Verteidigung unserer Interessen alles mögliche getan haben und, im innigen, unerschütterlichen BündnisverhältniS mit unseren Bundesgenossen und in erster Reibe mit dem Deutschen Reiche bleibend, werden wir auch den Aufgaben der Zukunft ins Auge blicken.(Lebhafter Beifall.) die Hukücestcr Vürhanölungen. Bukarest, 24. August.(T. II.) Ter russcnfreundliche„Adeverul" veiöffeutlichl über die diplomatischen Verhandlungen folgendes: Als Anfangs August verlautete, daß Bralianu einen Vertrag mit den Ententemächten abgeschlossen habe, verlangten die Gesandten Deutschlands und Oesterreich-llngarns Aufklärungen vom Ministerpräsidenten, der einen solchen Vertrag in Abrede stellte und erklärte, die von Rumänien getroffenen Maßnahmen dienten lediglich zur Durchführung der bewaffneten Neutralität. Später wurden beide Gesandten vom Könige in Lludienz empfangen, der ihnen sagte, daß seines Wissens Bratianu einen Vertrag mit den Vcrbandsmächten nicht abgeschlossen habe. Einige Zeit darauf erfuhren die Vertreter der Zentralmächte, daß die militärischen Vorbereitungen in gc- steigertem Maßstabe fortgesetzt würden und daß Bratianu tatsächlich einen Vertrag mit Rußland abgeschlossen habe. Ter deutsche Ge- sandte gab Bratianu zu verstehen, daß Rumänien sich in große Gc- fahren stürzen würde, wenn es einen übereilten Schritt unternähme. Inzwischen erschienen Marghiloman, Carp und Majorescu beim Könige, der sie mit der Erklärung beruhigte, daß die Regierungs- Politik so lange gebilligt werden müßte, als sie von den Grund- sätzen der Neutralität nicht abweiche. Ob mm wirklich ein Vertrag zwischen Bratianu und Rußland bestehe, meint der«Adcvcrnl", bleibe demnach ein nicht gelüstetes Geheimnis. der Kongreß der iwUenischen Anarchisten. In der vergangenen Woche fand in Li a v c n n a ein National- kvngreß der italienischen A n a r ch i st e n statt, über dessen Verlauf der.lllvanti" vorn 13. August solgente Einzelheiten berichtet. Der Kongreß hatte die Aufgabe, cme Verbindung aller Slnarchisten, die auf dem Boden der inlernationalen proletarischen Bewegung verblieben sind, herzustellen. Es wurde festgestellt, daß im wesentlichen alle anaichistischen Gruppen dem inteniationalen Gedanken treu geblieben und bis auf wenige LluLnahmen der Suggestion der kriegerischen Stimmung nicht unterlegen sind. Nach- dem der Kongreß allen Opfern der Reaktion und der polizeilichen Willkür seine Sympathie ausgedrückt hat, wird als Antwort auf die Rundgebimg der sogenannten Intellektuellen in Frankreich eine Erklärung ausgearbeitet und der Beschluß gefaßt, eine Verständi- gung zwecks einer künftigen gemeinsamen Aktion mit den Anarchisten aller Nationen, insbesondere denen Frankreichs anzubahiien, wo die Entartung und daS Renegatentum, sowie die Opposition der Treu- gebliebenen besonders üi Erscheinung getreten ist. Der Kongreß erklärt, daß die Anarchisten nichts gemein haben mit dem bürg er- l i ch e n Pazifismus, denn das stärkste Friedensbedürfiüs dürfe nicht vergessen lassen, daß ein Friede, der von den Staaten geschlossen werde, nie ein gerechter Friede im Sinne der wahren Freiheit sein könne. Den Genossen wird die schärsste Bekämpfung aller gegnerischen Parteien zur Pflicht gemacht, auch des Sozia- liSmnS, dessen sympathische Haltung während des Krieges übrigens vollauf gewürdigt wird. Ju der Polemik gegen diese Partei sei daher jede niinntze Schärfe zu vermeiden. Schließ- lich legt der Kongreß seine Stellung zur künftigen Internationale fest. Er erklärt, daß alle Versuche einer Wiederanknüpfung inler- nationaler Veziehungcii, so gut sie auch gemeint sein mögen, Schiff- brnch erleiden müssen, wenn sie nicht die volle Gloichberechti- gung aller proletarisch-sozialistischen Bestrebuligen innerhalb der neuen Internationale anerkeuncir rmd ihr einen freieren rcvo- lntiönärercn Geist einhauchen werden.(?.) Kleine Kriegsnachrichten. London, 24. August.(W. T. B.) Das Reuter sche Bureau meldet: Eine Mitteilung derLIdmirolität besagt, es sei nicht ein Fünkchcn Wahrheit in der phantastischen demickcn Bc- hauptung von der Beschädigung eincs briiischcn Kriegsschiffes am IS. Augllst. Es kei kein Schiff getroffen worden, außer den Krenzern.Nottingham" und.Fak- m o u t h deren Verlust bereits mitgeteilt worden sei. politische Uebersicht. „Hungerkcieg gegen Hungcrkrieg". Einen eigenartigen Vorschlag zur Bekämpfung der Entente und in erster Linie Englands macht die Handels-Ztg. der„Post": „Wenn England in Rumänien Getreide aufkauft und es verderben laßt, nur damit wir es nicht bekommen, so sollten wir genau so England gegenüber verfahren. Wir können das durch cutsprechende Maßnahmen an den Getreidebörsen, au denen unsere Feinde kaufen, und die uns zugänglich sind. Unsere Feinde sind solchen Angriffen naturgemäß weniger ge- wachsen als wir es waren. Wenn schon in Friedenszeiten sich in Chitago und New Uork„Corner" mit Erfolg bilden konnten, um die Preise gewaltig in die Höhe zu treiben, wie viel mehr muß das heute möglich sein, da der Getreidebedarf ein so brennender ist, und die Ernte in Amerika und bei unseren Feinden so schiechte Ergebnisse gezeitigt fyit. 23 ir könnten uns ruhig die Erschwerung der Ernährung unserer Feinde etwas kosten lassen. Das waren Kriegsausgaben, die sich wohl lohnen würden und Kriegsmitiel, die England zuerst au- gewandt hat. Valutarücksichten dürften uns von solchen Dl a ß n a h m c n ebenfalls nicht abhalten. Was nützt uns schließlich die schönste Valuta, wenn wir leiden oder gar verhungern. Wir könnten eine Schwächung der Valuta mit in Kauf nehmen, wenn wir dadurch den endgültigen Sieg über unsere Feiirde beschleunigen, zumal unsere Ernährung und Kriegführung von der Valuta nicht abhängt." Daß ein Handelsblatt mit einem solchen Vorschlag kommen kann, ist direkt erstaunlich, zumal in dem Artikel selbst ausführlich dargelegt wird, daß Frankreich auf«ine starke Getreidezufuhr an- gewiesen sei und England vier Fünftel seines Bedarfes aus Uebersee einführen müsse. Wie demgegenüber eine Parallele mit den englischen Getveideankäufen in Rumänien angestellt werden kann, zumal bei den gewaltigen Preissteigerugcn an den ameri- kanischen Getreidebörsen, ist einigermaßen rätselhaft. Die einfachste Berechnung ergibt, daß man unter?lufwcnduilg ungeheurer Mittel höchstens eine Verteuerung der Lebensmitielzusuhr Eng- lands und Frankreichs erzielen würde. Der praktische Wert eines solchen„Hungcrkrieges" gegen die Entente wäre also minimal, während die Folge für uns wäre, daß unsere Kriegskosten um viele Millionen vermehrt und unsere Valuta außerordentlich verschlechtert werden würde. Es ist bezeichnend, mit welcher Leichtigkeit die Herren aus der„Pvst mit so folgenschweren Dingen umspringen, lch Kriegsziele und Zensur. Ter nationalliberale Llbgeordnete Dr. I u n ck tritt im„Leipziger Tageblatt" für die Freigabe der Ä r i c g S z i c l e r ö r- t c r u n gen ein. Er schreibt(nach dem„Deutschen Kurier"): „In jüngster Zeit sind mehrfach Gesuche, die Erörterung der sogenannten KriegSziele � darum handelt es sich ja im wesentlichen— nun endlich freizugeben, unmittelbar aus der Reichskanzlei beantwortet worden. Leider immer ab- lehnend. So noch vorgestern. Die Antwort ist überall ab- gedruckt worden, sie„darf" also wohl frei besprochen werden, ja. sie fordert eine Besprechung geradezu heraus, wobei uns! gleichgültig ist, wer der Fra«er war, und zu welchem Ende die j Frage gestellt wurde..Wir bedauern diese Taktik nach! wie vor lebhaft, ohne damit unseren Standpunkt gegen- über der Politik der Reichsleitung im übrigen preiszugeben. Nur solche Erörterungen, so lesen wir, sollten zugelassen werden, und auch sie nur beschränkt, die vom Geiste entschlossenen Durch- Haltens nach außen und innen getragen sind. Also eine F i l- trierung der öffentlichen Meinung!"(z) Tie Sprache der Bcauitenzeitungcn. Die Schwierigkeiten, in die die untere und mittlere Veamtcn- schaft infolge der Teuerung gekommen ist, haben zu wiederholten scharfen Aeußcrungen in der Presse der Beamten geführt. Es hat mm, wie in mehreren Bcamtcnzeilnngen gemeldet wird, kürzlich eine Sitzung sämtlicher Vorsitzenden von Verbänden der Eisenbahner und Arbeiter stattgefunden. Etwa dreißig Vorsitzende waren dazu erschienen. In Anwesenheit des EisenbahndirektionSpräsidenien Riidlin besprach ObcrregierungSrat Dr. Llmelung den Inhalt der Verbands- zeitniigcn, die in letzter Zeit mehrfach zu Beanstandungen Anlaß gegeben hatten. Ilnicr Hinweis auf den Ernst der Kriegs- läge wurden die Vorsitzenden ermahnt, die Schreibweise der Zeitungen in mäßigendem Sinne zu bcein- f l u s s e n._ Tic Unterbeamten an den Reichskanzler. Ter Hauptailsschuß der vereinigten Untcrbeamienvereine Mag de- b u r g s hat dem Reichskanzler ein Lertranensvotum übermittelt, für das der Kanzler in einem längeren Schreiben seinen Tank aus- sprach._ Rcichsmittcl für die Lieferungsverbände. W. T. B. meldet: Tie Aufwendungen der Liefe- r u n g s V c r b ä n d e für die Ii n t e r st ü tz u n g v o n F a- Milien in den Dienst eingetretener Mannschaften haben gegenwärtig eine Höhe von mehr als 2000 Millionen Mark erreicht. Die Länge der Kriegsdauer und die Größe der aufgestellten Formationen belasten nun diese Verbände stark. In Würdigung dieser Sachlage hat daher die Reichs- rcgicrung in Aussicht genommen, obwohl eine Erstattung durch das Reich erst zu einem späteren, durch Gesetz zu be- stimmenden Zeitpunkt in Frage kommt, den Licfcrungsvcr- bänden 25 Proz. der bis zum LO. 6. 1916 an Mindestsätzen auf Grund des Famiticnunterslützungsgcsctzes geleisteten Bc- träge vorschußweise aus Neichsmitteln zu zahlen. Die Zahlung der mehr als 500 Millionen Mark betragenden Summe wird demnächst, und zwar in zwei Hälften, erfolgen. Tic Industrie alS Förderer der„Deutschen Soldaten- Zeitung." Wie die Industrie um tliiterstiitzung der„Deutschen Soldaten- Zeitung" ersucht wird, geht aus einem Schreiben hervor, das der Herausgeber dieser Zeitung, Generalleutnant v. Mül- m a n n" in Neiße, an eine industrielle Firma im August dieses Jahres gesandt hat. Zlns dem Briefe geben wir wieder: Sehr geehrte Herren! Aus einem Berichte meines Verlages ersehe ich, daß auch an Ihre Firma wie an eine Reihe anderer erster Firmen ein Brief gerichtet worden ist, der die Bitte enthielt, die von mir heraus- gegebene„Deutsche Soldaten-Zeitung" für Ihre im Felde si che n den Angestellten und Leute zu beziehen oder sich an der allgemeinen Verbreitung zu b e i e i l i g e n. Ich erlaube mir, mich persönlich in der Angelegenheit an Sie, sehr geehrte Herren, zu wenden, weil ich das Angebot meines Wer- laaes vor dem Schicksal bewahren möchte, überhaupt nicht an maß- gebender Stelle bekannt zu werden. Ich darf wohl hoffen, daß Sie die Bitte meiner„Deutschen Soldaien-Zcilung" freundlich aufnehmen und für das dritte Kriegkjabr in den Kreis unserer Förderer ein- treten. Die„Deuische Soldaten-Zeitung" ist zweifellos die bc- licbteste Zeitung bei unseren feldgrauen. Sie wurde anläßlich des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers begründet; die Ein- sührung im Heer ist wiederhol», seitens des Knegsministennms empfohlen worden... Mir find soviel Anerkennungen für mein vaterländisches Unter- nehmen zu teil geworden, ja, aus der Industrie klingt es mir so verständnisvoll entgegen, so hilfsbereit und meinen Gedanken entsprechend, daß ich in meiner Auffassung, auf dem richtigen Wege zu sein, indem ich mich an die Industrie wendete, durchaus bestärkt worden bin. Viele Herren haben'sich nicht allein durch die Bestellung von Zeitungen beteiligt, sie wollen auch tätig mitarbeiten durch Werbung. Empfehlung der Zeilimg und Lieserung von Beiträgen (Mineilungeu über besondere LluSzeichiinngen von Beamten und Arbeitern), oftmals mit der Erklärung, daß ein solches Blalt nötig sei. Es haben im Kriege viele Arbeiter als Feldgraue an eine vor- urleilslose Betrachtung der Dinge, wie wir sie in der„Deutschen Soldaten-Zeitung" pflegen, gewohnt, sie werden auch später gern eine Zeitung lesen, die sich freihält von Partcigeist und dergleichen. Jetzr ist die besteGelegenheit für die I n d ustric, die Führung auf geistigem Gebiet bei der Ver- s o r g u n g des a r b e l t c n d c ir D e n ts ch I a n d mit gutem Lesestoff zu übernehmen. Dazu ist sie, zu der nach dem Kriege die Millioucnheere zurückfluten, vor allen anderen Erwcrbs- ständen berufen. Tie jcpi gestifteten Zeitungen liefern wir während eine? Jahres nach Beendigung des Krieges an die Betriebe der Stifter weiter, wo die ZelUnig ihrem Friedenözwcck zngcsührt wird. Darauf müssen wir und ailck unsere Mitarbeiter, und als solche betrachten wir unsere Förderer, besrniders Wert legen. Wahrlich, es wäre ziim'Vorteil der Industrie selbst, wollte sie den Gedanken erwägen, der Arbciicrwclt, diesem mächtigen Glieds des heimatlichen HeereS, eine Zeitung zu schaffen, die ihr gerecht wird all ihren Lebensbedürfnissen und sich doch heraushielte aus dem Streit der Parteien irnd Konfessionen. Für diese hohe Aufgabe ivage ich es, Sic zu erwärmen und ich hoffe gern, Sie ebenfalls bald zu unseren Freunden zählen zu dürfen. E s b r a u ch t j a n i ch t viel zu se in, w a s S i e t ü r d i e s e n Z w c ck o p s e r n; die Hauplsache ist, daß Sie sich überhaupt an der Verbreitung beteiligen und so ein wahrhaft Vater- ländisckcs Unternehmen fördern, dessen große Ziele zu verfolgen. zweifellos als eine vaterländische Pflicht betrachtet werden kann. Es ivnre mir sehr angenehm, sehr geehrte Herren, auch im Falle Ihrer Ablehnung eine gütige 2l II t w 0 r t von Ihnen zu erhalten. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster v. M ü l m a ii ir, Generalleutnant z. D. Tie„Deuische Soldaten-Zeitung", die von der Industrie durch« gehallcn werden soll, kann man mit der gelben Werkprcsie auf eine Sinse stellen....(z) Ersatzwahl in Bricg-Namslau. Die Ersatzwahl für den verstorbenen Reichstagsabg. Dr. Oerie! wird(Hude Okiober oder Anfang November stattsinden. Die ionscr- varive Parle!, die das Mandat inil ganz knapper Mehrheit errang, cnvarter. daß im Zeichen des Bnrgsriedens ein Gegenkandidat nicht aufgestellt wird. Gewerkschaftliches. Verlin und Umgegend. Die Albnm-, Mappcn- und Galautcricarbcitcr und-Arlicilcrinnc», Miit>licdcr de-5 Dculschcu BuchbiudcrvcrbandeS, fjicltcii am DienZlax; ihre Braiichenvclsammluiig ab. Dem Bericht des Obmannes der Branche ist zu entnehmen, dag die am 1. April vereinbarte Tenc- rmiflszi'Iane überall qczablt wird, dasj aber eine Anzahl Firmen die Akkordprcise noch nicht alle nach dein am L<). Juni IVII abgc- schlossencn Tarifvertrage geregelt hat, so dag eingearbeitete Kollegen mit den 10 Proz. Teuerungszulagen nur 28, 30 und 33 M. pro Woche verdienen können statt laut Tarifvertrag mindestens 37,7öM. Ferner lvnrde festgestellt, dast die Beschäftigung von Arbeiterinnen mit Gchilfenaibcil zugenommen bat, obgleich noch genügend mann- lichc Arbeitskräfte hier sind, die aber, weil in der Brauche so wenig verdient wird, in anderen Berufen tätig sind. Nach längerer Aussprache wurde die Bianchenleitung beauftragt. geeignete Schritte zu unternehmen, um die festgestellten Miststände zu beseitigen, und folgende Resolutionen einstimmig angenommen: 1. Die am 22. August versammelten Album-, Mappen- und Galantcriearbcitcr und-Arbeiterinnen beanflragcn die Branchen- I eilung, mir den in Frage kommenden Fabrikanten und deren Bereinigung in Berbandlung zu treten, damit in Anbetracht der enorm gestiegenen Preise aller Lebcnsmitltel und notwendigen Bedarfsartikel, die im Tarif vorn 30. Juni 1911 festgesetzten Lohn- und Akkordvrciie um 50 Proz. erhöht werden. 2. Tie OrtSvcrwaltung ret'p. der Zcniralvorstand des Deutscheir Buebbindervcrbandcs wird ersucht, mit den in Frage tolnmendcn Bertretcril der freien Gewerkschaften(General- koinmiision) in Verhandlung au treten, damit in Anbetracht der Festsetzung der enormen Höchstpreise für Lebensrnittel und aller Bedarfsartikel, Miniinallvhne in entjprcchcndcr Höhe durch die Staatsbehörden festgesetzt werden. Deutsches Neich. Bom Militär entlassene Gewerkschaftsmitglieder sollten nicht ver- säumen, zur Fortsetzung ihrer Mitgl:cdschasr sich umgehend bei der Ortsvcrwaltung ihres Verbandes zu melden, damit sie der ihnen zustehenden Rechte als Mitglied der gewerkschaftlichen Organisation nicht verlustig gehen. In vielen Verbänden wird ihnen die Militär- zeit als Mitgliedschaft angerechnet und werden ihnen entsprechend Marken geklebt bezlv. werden die Wochen der Militärzeit als bezahlt abgestempelt. Die zur Arbeit beurlaubten oder kommandierten Mit- glieder haben die Pflicht, sich bei ihrer Organisation zu melden, da sie für die Zeit ihrer Erwcrbstätigkcit Beiträge leisten müssen. Die Kriegsunterstützung des �lcischcrverbundes. 59 062 M. Unterstützung hat der Fleischerverband während des Krieges bis Schlust des 2. Quartals(30. Juni) 1910 verausgabt. Rund 51000 M. sind davon an Familien im Felde befindlicher Mitglieder ausgezahlt worden, lieber 5100 M. sind arbeitslosen Milgliedern in bar zugute gekommen. Der Rest ist in Form von Reise-, Umzugs-, Sterbc-Ünterstützung und dergleichen zur Aus- zahlniig gelangt. Der Kricgssonds des Verbandes wird durch Kleben besonderer KriegSbilfsfondsmarken aufgebessert. An der Spitze der opferwilligen und Solidarität übenden Mitglieder des Verbandes marschieren im 2. Ougltal 1910 die Hamburger Kollegen und Kolleginnen. Diese allem haben im April— Mai— Juni d. I. für Kriegshilfsfoudsmarken 2280,25 M. abgeliefert._ Ms Industrie und Handel. Serienbau in der deutschen Schiffsbauindustrie. Unter der Führung der Hamburg— Amerika- Linie wird eine neue Schifföiverst gegründet, die den Namen: Hamburger Werst, Aktiengesellschaft, erhalten und zunächst mit einem Aktienkapital von einer Million Mark ausgestattet werden wird. Sie soll sich mit dem serienweisen Ban von rasazen Frachtdampfern gleichen Typs be- schäftigen, wie dies bisher in der englischen Werftindustrie der Fall war, während die deutsche den Bau hochwertiger Spezialschiffe pflegte. Durch diesen Serienbau nach einem ibc- stimmten Typ wird der Schiffsbau austcrordentlich verbilligt und namentlich die Kundschaft jener in- und ausländischen Unternehmungen herangezogen, die ihren Erwerb hauptsächlich in der sogenannten Trampschiffahrt suchen, bei dcni Mangel eigenen Schiffsbaues entsprechender Qualität beim Kauf von Schiffen aber vielfach das Ausland aussuchen mufften. Den Lorsitz im Aussichtsrat des Unternehmens überninimt General- direktor B a l l i n. Die Geschäftsführung liegt in den Händen des Ingenieurs Gactgens und von E. W a r n h o l tz. Die Anlagen werden auf dem Gelände Tollcrort errichtet. Verringerung der Anbaufläche in Frankreich. Nach„L'Oeuvre" vom 14. August waren anr 1. Mai 1910 gegen das Vorjahr weniger bestellt: mit Korn 513 788 Hektar, mit Hafer 315179 Hektar, mit Gerste 07312 Hektar, mit Kartoffeln 2879 Hektar, mit Topinambur 3393 Hektar, mit Futterpflanzen 85 889 Hektar. Nur der Maisanbau hat um 18 513 Hektar zugenommen. gegen 12 Proz. Die Abschreibungen betragen 1.2 Millionen(1.3). Je eine Million werden für die Umwandluin der Betriebe in den Fnedensziistand und einem Rücklagekoiiio für Bergschäden überwiesen. Wachsende Ausfuhr des spanischen Olivenöls. „El Porvenir" sTanger) voin 28. Juli schreibt: Das spanische Olivenöl bat sich den ausländischen Markt mehr und mehr zu erobern geivustt. In Argentinien zum Beispiel, das im Verhältnis zur Bevölkerung eines der gröstten Olivenöl- veibraucher ist, hat das spanische Olivenöl in den letzten süni Jahren die erste Stelle eingenommen. Argentinien hat in einem Jahre 10 Millionen Liier verbraucht. Spanien hat in drei Monaten des Jahres 1910 16 000 Kisten zu 10 Kilogramm und 1500 Fässer zu 200 Kilogramm ansgesührt uno nach den Verträgen tche nl cs, als ob für den Rest des Jahres die Ausfuhr noch gewaltiger sein wird. Soziales. Kriegsgewinn. Bei dem Eisen- und Stahlwerk Hoesch beträgt für 1915/16 der Rohgewinn 13 001 002 gegen 5 459 434 M., der Rcin- gewinn 0 005 835 gegen 3 781 518 M. und die Dividende 20 Proz. Eine Verordnung des Oberbefehlshabers in den Marken vom Gcwerbegcricht für ungültig erachtet. Nachdom durch Bundcsratsvororduung der Vertrieb und die Verarbeitung von Web- und Wirkstoffen gewissen Ein- schränknngcn unterworfen wurde, die auch eine Vcrniindc- rung der Arbeitsgelegenheit in den betreffenden Gewerben zur Folge haben mufften, crlieff der Oberbefehlshaber in den Marken im April d. I. eine Verordnung, welche unter anderem in ihreni§ 2 bestinimt, daff in den Webstoff verarbeitenden Betrieben in den ersten zwei Monaten nach dem Erlaff dieser Ver- ordnung nicht mehr als ffsi, später nicht mehr als V™ der im Februar in dem Betriebe beschäftigt gewesenen Personen ent- lassen werden dürfen. Auf diese Bestimmung berief sich ein Kläger vor dem Gcwerbegcricht, der als Mützenmacher bei einem Zwischenincister gearbeitet hatte und entgegen dem Z 2 der Verordnung des Oberbefehlshabers entlassen worden ist. Der Kläger forderte 250 M. Schadenersatz, weil er fünf Wochen arbeitslos war. Die Verhandlung, welche vor der Kammer 2 unter Vorsitz des I u st i z r a l s M a r c u s e geführt wurde, ergab folgenden Sachverhalt: Der Beklagte fertigt seit Beginn des Krieges für zwei Bekleidungsämter Militärmützen, wozu er die zugeschnittenen Stoffe von den Bekleidungsämtern erhält. Im Februar beschäftigte er 21 Perioncn. Er hätte also in den ersten zwei Monaten nach dem Erlaff der Verordnung des Oberbefehlshabers— das ist etwa bis Anfang Juni— nicht mehr als eine Person entlassen dürfen. Er hat aber bis Mai 10 Personen, darunter den Kläger als letzten, entlassen. Der Beklagte machte den Einwand, die Verordnung treffe aus seinen Betrieb nicht zu, denn er ici kein selbständiger Unter- nehmer, sondern Arbeitnehmer des BekleidungSanites, das ihm sämi- liches Arbeiismaterial liefere. Schon im Februar sei ihm vom Be- kleidungsamt gesagt worden, er solle sich darauf einrichten, daff die Arbeit in absehbarer Zeit aushöre. Tatsächlich habe er auch weniger Arbeit erbaltcu und seinen Betrieb deshalb vcrklc.iueni müssen. Gegenwärtig habe er etwa den dritten Teil des Arbeitsqnanlums, das er im Februar halte. Jetzt beschäftige er noch 11 Personen, obgleich er nur für 7 Personen Arbeit habe. Mehr Personen könne er nicht beschäftigen, denn er sei ja kein Fabrikant, der auf Lager arbeiten lassen könne, sondern er habe keine andere Arbeit als die ihm von den Bekleidnngsämtcrn zugewiesene. Das Gericht erkannte nach sehr langer Be- ratung auf Abweisung der Klage aus folgenden Gründen: An sich fällt der Betrieb des Beklagten unter die Ver- ordnung des Oberbefehlshabers, denn sie bezieht sich ausdrücklich auf alle Betriebe, in denen Webstoffe verarbeitet werden. Aber cs ist zu prüfen, ob die Verordnung rechtsgültig ist. Sie ist erlassen auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand. Sie beruft sich darauf, daff der Erlaff eisolgt sei im Interesse der öffentlichen Sicherheit. Das Reichsgericht steht auf dem Stand- punkt, in solchen Fällen habe der Richter nicht nachzuprüfen, ob der Erlaff der Verordnung zua Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit n otlv endig war. Diesen: Standpunkt des Reichs- gerichts kann sich das Gewerbegericht nicht an- schlieffen. Die Ausführungen des Reichsgerichts erscheinen nicht überzeugend. Sie würden zu der Konsequenz führen, daff die militärischen Befehlshaber unter Berufung auf die öffentliche Sicherheit alles Mögliche verordnen könnten, wodurch die durch die Verfassung des Reiches eingeführten gesetzgebenden Instanzen: Bundesrat und Reichslag, überflüssig würden. Diese Konsequenz glaubt das Gewerbcgerichr ablehnen zu müssen. Die Konsequenzen, die sich aus§'2 der Verordnung des Oberbefehlshabers ergeben sind derart, daff das Gericht ihm die Rechtsgülligkeit absprechen muff. Wenn die Beiordnung ein Verbot aus Grund des BelagerungsgeietzeS ist, so würde der Beklagte, der zu Arbeiterenilassungeu gezwungen ist, weil er leine Arbeit hat, sich eines Vergehens schuldig machen, welches mit Geiäiignis bestraft wird. Würde aber der Beklagte gezwungen sein, Arbeiter zu be- hallen für die er keine Beschäftigung hat, so würde er ruiniert werden. Das ist schon ausreichend, um hinter den§ 2 der Verordnung ein groffeS Fragezeichen zu fetzen. Aber die Arbeit- geber. deren Finanzmittel nicht ausreichen, um die Arbeiter, für die sie leine Beschäftigung haben, zu bezahlen, werden durch den§ 2 zu unmöglichen Leistungen verpflichtet. Das sind Koniequeuzen. die mir der RechtSausfassung des Gerichts in Wideripruch stehen und es dazu führen, dem Z 2 der Verordnung die Rechtsgülligkeit abzu- sprechen. Mir dem übrigen Teil der Verordnung hat sich das Gc- richl nicht zu befassen. Die Voraussetzung des Urteils, daff Arbeitgeber durch Befolgung der Vorschrift des§ 2 der Verordnung ruiniert iverdcn können, trifft nicht zu. Denn es wird ja nicht ver- langt, daff Arbeiter, die nicht beschäftigt werden, ihren Lohn erhalten. Der Zivcck der Verordnung ist vielmehr der, zu verhindern, daff ein Teil der Arbeiter völlig or- beits- und vcrdicnstlos wird, während der andere Teil mit vollem oder wenig gekürztem Verdienst in Arbeit bleibt. Die vorhandene Arbeit soll unter die Arbeiter möglichst gleichmäffig verteilt werden, so jedem ein. wenn auch erheblich geschmälertes Einkommen bleibt. Das ist der Sinn der Verordnung, mit dem man auch in Arbeiter- j sreiscu einverstanden ist. Der durch die Arbeitsbeschränkung j bedingte Lohnausfall soll— wie es zum Teil schon geschieht und im weiteren Maffe von der Arbeiterschaft gefordert wird — durch Unterstützung aus öffentlichen Mitteln gedeckt werden. Das Urteil ist unseres Erachtens ein Fehlurteil und dürfte schwerlich in der Berustingsinstanz aufrechterhalten werden zäunen._ Gerichtszeitung. Ausbeutung einer Blinde». Tiefes Mitleid muffte die Rcntencmpfängcrin Marianne ForowLka erregen, die gestern unter der Anklage des Diebstahls vor der 8. Strafkammer des Land- gerichts I stand. Die Angeklagte ist eine vollständig erblindete Person, die täglich von morgens bis abends vor der Markthalle in der Lindenstraffe steht und einen kleinen Handel mit Schnürsenkeln betreibr. Da sie ganz allein dasteht und als Blinde natürlich einer Hilfe bedarf. halle sie sich dem„Arbeiter" Hutz angeschlossen und war ichliefflich mit ihm zusammeiigezogeu. Damit begann, wie die Angeklagte unter Tränen und allen Zeichen der Aufrichtig- keit dem Gericht schilderte, für sie eine wahre Leidens- zeit. WaS sie an städtischer Unterstützung bezog, durch ihren Halrdel erwarb oder an Gaben empfing, hat er ihr nach ihrer Behauplung abgenommen. H. sübne sie nur morgens an ihren Platz vor der Lindenhalle und Holle sie abends wieder ab. Tann machle er mit ihr„Kasse" und steckte das Geld in seine Tasche. ebenso die Rente, die er monatlich für die Frau abholte. Wie sie sagte, erhielt sie nicht einen Piennig. sondern nur ein biffchen Essen. Sie will von ihrem„Beschützer" auf das brutalste miffhandelt worden sein. Schläge waren an der Tagesordnung, ja. manchmal soll er sie an der Bruit durch das Zimmer geschleift und nachts im Unterrock aus der Kellerwohnung geworfen haben, so daff sie bei einem hilfsbereiten Nachbar übernachten muffle. Schliefflich konnte sie dieses Leben nicht mehr ertragen. Sie wollte ihren Peiniger ver- lassen, und da sie kein Geld beiaff, nahm sie unter Beistand eines Nachbarn aus einem Reisekorb, der aufgeschnitten wurde und aus einer Kiste etwa 100 M. au sich und lieff sich fortführen. H. ging darauf zur Polizei und zeigte die Blinde wegen schweren Diebstahls an. Der Staatsanwalt beantragte selbst gegen sie die Freisprechung, da er ibren An- gaben vollen Glauben schenkte und zu ihren Gunsten annahm, daff sie sich für berechtigt halten konnte, das genommene Geld als von ihr verdient und somit als ihr eigenes zu belrachlen. D a s Gericht erkannte gleichfalls ohne Zeugen- Vernehmung auf Freisprechung. Die Blinde stammelte herzliche Dankesworte, als sie hmausgesührl wurde. Wird nun der sogenannte„Arbeiter" Hutz unter Anklage gestellt werden?_ Ucberforderung für Kleiderstoffe. Die Preisbeschränkuug im Handel mit Web-, Wirk- und Strick- waren bezweckt eine Anordnung des Oberkommandos in den Marlen. die auf Grund des Z 9b des Belagerungs-Gesetzes am 1. Februar 1910 ergangen war und welche bestiminl:„Ter Verkäufer darf für dieie Waren keinen höberen Preis vereinbare», als er am 31. Januar 1910 bei gleichen oder ähnlichen Verkäufen erzielt hat." Gegen die Anordnung sollte sich Herr Blum in Berlin vergangen haben. Eine Frau wollte in feinem Geschäft nach einer Probe zwei Meter Kleiderstoff kaufen. Der Stoff war mit 5,50 M. pro Meter ausgezeichnet und diesen Preis halle die Verkäuferin von der Frau verlangt. Als die zwei Meier bereits abgemessen waren, kam der Geschäftsinhaber Blum hinzu und sagte zu der Verkäuferin, daff er doch angeordner habe, die Preisbezeichnung solle in 8 M. umgewandelt werden. Zu der Käuferin sagte Blum: Der Stoff kostet jetzt 8 M. Die Zahlung dieses höhereu Preises lehnte die Käuferin ab. Das Landgericht Berlin sprach den Angeklagten frei. weil die Bekannimachung des Oberkommandos Vereinbarungen eines zu hoben Preises, nicht aber das bloffe Fordern verbiete. Das Kamniergerichr hob jetzt auf die Revision der Staatsanwaltschaft das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Ent- scheidung an das Landgericht zurück. Es tübrle aus: Dem Landgericht sei allerdings darin beizutreten, daff eine Ver- einbarung über einen zu hohen Preis nicht zustande gekommen sei. Die Strafkammer habe aber nicht beachtet, daff sich nach Z 9b des Belagerungsgesetzes auch strafbar mache, wer zur Uebertmung von Anordnungen, die auf Grund dieses Paragraphen ergangen seien, auffordere oder anreize. Wenn Blum die Käuferin zur Vereinbarung eines böhern Preises, als zulässig war. anreizen wollte, dann hätte er sich dadurck nach§ 9b strafbar gemacht. D'e Möglichkeit sei nicht auspeschloste». wenn auch das Geschäft zwisckcn Frau H. und der Verkäuferin zu dem geringeren Preiie schon perfekt war. Denn da der Stoff der Käuferin noch nicht übergeben war. so konnte noch eine andere Vereinbarung erfolgen.— Tie Sache- müsie darum das Landgericht noch mal beschäftigen. äinü s aie Augen, Geh' zu Ruhtike/ Friedenau: Sind Kugenglckser schädlich? Nur. wenn sie schief sitzen, nicht paffen oder verkratzt sind. Ein schief hängendes Bild ist den meisten Men- scheu ein Greuel; aber wenn deren Gläser in un- möglicher Siellung vor den Äugen sitzen, so finden sie nichts dabei. Doch lönneu darunter die Augen leiden. Meist wird dadurch Ermüdung und Nervo- siiär begünstigt. Sitzen die Gläser tchlecht, so ist Lies ebenso nachkcilig. als wenn sie schlecht Pasten. Aber häßlich und schädlich sind zerschrammte Glä- scr, die nicht mehr passen und schief sitzen. Wir haben elegante, fest und gut sitzende Augen- glqscr, deren Siellung vor den Äugen wir Ihnen ebenso genau anpassen werden wie die Gläser, die wir Ihnen auf Grund sorgfältiger Untersuchung jcrtigeu. Vielleicht genügt eS schon, wenn Sie sich ein Paar neue, punktuell abbildende Punktorilgläser für M. 3.— oder ein Paar Sanoskopgläser für M. 5.— in Ihre alte Fassung setzen lassen. Wir richten Ihnen dann das Gestell, wenn irgend möglich, genau grade und sorgen gewissenhait für schönen Sitz. Wir garantieren für paffende Gläser sowie für guien Sitz und für die Haltbarkeit der Fassung. Ihr Augenlicht ist unersetzlich. Bringe» Sie es nicht in Gefahr, nur um eine kleine Ausgabe für neue Gläser zu ersparen, sondern besuchen Sie uns recht bald. C. Am Alexander-Platz neben Aschingcr Neu: Joachimsthuler Str. 2, am Zoo. W Leipziger Str. 113. TPffW/ Friedrich-Sir. 160 > Ecke Maucr-Etr. 1NW.«rle Torotheen-Etr, Rhein-Sir. 18. ik-e««rch-etr. Oranien-Str. 11. . vegenttber der Naiser-Eiche.-» nahe Oranien-Ptn» Spittelmarkt. Ecke Wall-Str, Link-Str. 1. Eck« Potsbamer-Str � Chaussee-Str, 72 Friedrich-Str. 180, Ecke Taubcii-Ttr. '. r v- 5 rd.•-■.»•'•."o-,• 1;-■v- ,v-.."• Lerantwi Redakt.V Alfred Wielepv. Neukölln. Lni�atenteil verauuo. Tb. Glocke. Berltn. Druck». Vertag:BorwärtSBuchor.u.VerlagSanjtalt Paul Singer LrCo� Berlin LW. Hierzu 1 Beilage u. Untcrhaltungsbl, ilr. 233. 33. Zahrgallg. Ktill>i>e des Jramls" Kaüm Sdliüiilntt. Freitag, 25. August 1916. Chronik des Weltkrieges. 25. Sluguft 1914. Vier Joris der Festung Ramur find in deutschen Besch gefallen. Die Oesterreicher dringen beiderseits der Weichsel vorwärts. Ä«,i!ich des Flusses überschreiten österreichische Truppen im An- schluß an die deutschen Verbündeten die Lysagora und erreichten den Abschluß des Kamionkaflusses zwischen Kielze und Rodom. Oestlich der Weichsel warfen österreichische Streitkräfte auf dem Wege nach Lublin bei Krasnick eine starke Gruppe zweier russischer Korps zurück. Ueber IlZlX) Russen wurden gefangen genommen. Ein russischer Vorstoß, der mit 20 000 Mann gegen die Grenze der Bukowina unternommen wurde, konnte vollständig zurück- geschlagen werden. Auch hier verloren die Russen mehrere hundert Gefangene. Nach einer verspätet aus Schweden eintreffenden Meldung ist das britische Expeditionskorps in Frankreich bei Boulogne gelandet worden. 25. Zluquft 1915. In der Champagne und den Boges en Stellungskrieg. Im Osten weiterer Vormarsch der deutschen und österreichischen Armeen. Ueber 9000 Gefangene werden eingebracht. An den Dardanellen vergebliche Angriffe der Ententegruppen bei Annaforta und Aripogno. An der serbischen und montenegrinischen Grenze Geplänkel und Artilleriefeuer. vie Kriegsziele öes»Unabhängigen Ausschusses" Der»Unabhängige Ausschuß" Professor Schäfers der- sendet eine Flugschrift, in der zusammenfassend seine Kriegs- ziele festgelegt werden. Wir entnehmen darüber dem„Verl. Tageblatt" folgendes: .Wir wisten." heißl es in dem Aufruf,»daß Rußlands gewallig waibiende Volkszahl uns künftig zu erdrücken droht. Mit deni Reickskanzler wollen wir daher die Länder zwischen der Ballischen See und den Wolhynischcn Sümpfen seiner Herrschafl entziehen. Eingeordnet in den dculschen Macht« bereich, werden sie unserer Ostgrenze die unenlbehrlichc militärische Sicherung geben. Mir Frankreichs Rachcgedanken müssen wir fortgesetzt rechnen, mir der Gefahr, daß es sich immer wieder jedem Gegner Deutschlands zugesellen wird. Darum brauchen wir auch im Westen gegen Frankreich eine Mehrung unserer Macht. Sie allein gibt uns gleichzeitig Gewähr, daß unseres Hauptfeindes England' neidvolle Eüersucht nicht wieder unsere friedliche Entwicklung bedroht und stört. Belgien kann nur deutsches oder englisches Bollwerk sein. Daher fordern wir auch hier mit dem Reichskanzler. reale Garantien" für die deutsche Zukunft. Als Wortführer der großen Mehrheit des Reickstages hat der Abgeordnete Spahn, diese dahin un rissen, baß Belgien, m idi tari sH, wirk s ch ofiti ch un um« _____________________ Jb p o I i t i s ck in deutsche Hand zu l i e g en k o m m e n" müsse. Nur so erringen wir uns Gleichberechtigung in der Welt. Nur so gewinnen wir die Freiheit der Meere, Nur so gewinnen wir un» koloniale Macht. Mit politischem und wirtschaftlichem Helotentum bedrohen uns die offenen Pläne Englands. Es geht um unser Leben als Volk und Staat, um unsere Kultur und Wirtschaft. Darum gilt es, alle Macht« und Kampfmittel rücksichtslos einzusetzen, um den Feind zum Frieden zn zwingen. Um die gesickerte Arbeit- des Landmannes, um die freie Betätigung des Handels, um die Weiterentwicklung der Industrie, und nicht zuletzt um die Erhaltung und Besserung der Lebensbedingungen des deutschen Arbeiters geht unser Kampf." Unterzeichnet ist der Aufruf von einer Reihe Parlamentarier, Gelehrter, Beamter, ehemaliger Offiziere, Industrieller, Rtttergutsbesitzer, Oekonomieräte und Publi- zisten, unter anderem von dem Mitgliede des Herren- Hauses, Professor Hillebrandt, dem bayerischen Reichsrats- Mitglied Graf Preysing, dem Reichs- und Landtagsabgcord-� ncten Dr. Rösicke, dem Führer des Bundes der Landwirte, von dem Herrenhausmitglicde Fürst zu Salm-Horstmar, dem nationalliberalen sächsiichen Landtagspräsidcnten Vogel, dem Rcichstagsabgeordncten Stresemann, ferner von Ernst Hacckels!) und Wilhelm Wundt 0), Professor Eduard Mayer, Professor Kräpelin, Professor Schicmann, Professor Seeberg, Ober- bürgcrmcister Körte(Königsberg), Admiral V. Knorr, Generalleutnant z. D. Graf Roon, Konteradmiral Kalau vom Hofe, Staatssekretär a. D. v. Lindequist. Gchcimrat Kirdorf, General- sekrctär Dr. Bcumer(Düsseldorf) und endlich von den Chef- redakteuren der»Deutschen Tageszeitung" und der„Täglichen Rundschau" sowie von dem Grafen Rcventlow.— Soviel über den Inhalt und die Unterzeichner des Auf- rufes. Unter den letzteren finden wir die führenden Männer der Wirtschastsverbände, wie Dr. Rösicke, Geheimrat Kirdorf, Abg. Stresemann; Unterzeichner der sogen. Professorencingabe, wie Prof. S e e b c r g und Prof. Schäfer, Teilnehmer der alldeutschen Audienz bei König Ludwig von Bayern, wie überhaupt Vertreter der sogen. Münchencr Kanzler- fronde; Vertreter der Hauptorgane der alldeutsch-annexionisti- schen Richtung— mit einem Wort: sämtliche Elemente, die seit Monaten im Sinne einer„kraftvollen" Eroberungspolitik tätig find und offen wie insgeheim darauf hinarbeiten, die Reichslcitung unter ihren Willen zu beugen. Hierbei können sich diese Elemente bei der Formulierung ihrer Kriegs- ziele mit einer gewissen Berechtigung sowohl auf den Reichs- kgnzler wie auf den Abg. Spahn als den Sprecher der bürgerlichen Parteien im Reichstage berufen. Von der »mittleren Linie" des Nationalausschusses, von der man annehmen darf, daß sie jetzt den Anschauungen des Reichskanzlers wie des Wortführers des Zentrums eher entspricht als den früheren Deklarationen im Reichstage, untersö�iden sich die Kriegsziele des»Unabhängigen Ausschusses" einerseits in den Forderungen gegenüber Frankreich und Belgien, andererseits in der Betonung der Niederringung Englands durch rücksichtslose Einsetzung „aller Macht- und Kampfmittel". Nach dem O st e n schließt sich der„Unabhängige Ausschuß" den vom Reichskanzler prokla- mierten Zielen an. woraus freilich nicht gefolgert werden darf, daß in dem aus der gegenwärtigen politischen Lage sich ergebenden Programm nach Osten hin zwischen der Reichsleitung und den .Unentwegten" volle Uebereinstimmung herrscht. Dies zur vorläufigen Orientierung über die politische Bedeutung des dargelegten Eroberungsprogramms, das zu den Zielen, Wünschen nnd Interessen der werktätigen Bevölkerung in denkbar schärf st em Gegensatz steht. »Rechtsorientierung* und Wahlrecht. Herr Dr. Friedrich Thimme, Bibliothekar des Herrenhauses, verteidigt sich in den„G r e n z b o t e n" gegen die mannigfachen Vorwürfe, die ihm von konservativer Seite wegen der Herausgabe des Buches der Zwanzig, an dem bekanntlich die Genossen Scheidemann, Winnig, Legien, Heinrich Schulz u. a. mitgearbeitet haben, gemacht worden sind. Im Verlaufe seiner Darlegungen kommt er dann auf die Frage des preußischen Wahlrechts zu sprechen und macht Vorschläge zu einer Wahl- rechtsreform, die sich nicht etwa in der Richtung des Reichstags- Wahlrechts, sondern in der des Pluralwahlrechts bewegen. Jeder Wähler über 23 oder auch über 21 Jahren soll noch eine bis fünf Zusatzstimmen bekommen, und zwar in Ab- hängigkeit von der Leistung der militärischen Dienstpflicht, der Zahl der ehelichen Kinder oder militärdiensttauglichen Söhne, des mehr als zehnjährigen ehrenamtlichen staatlichen oder kommunalen Dienstes, der mehr als zehnjährigen Beitragszahlung als Arbeit- geber für Sozialversicherung und der mehr als zwanzigjährigen Beitragszahlung als Arbeiter für dieselben Zwecke, endlich in Ab- hängigkeit von der mehr als zehnjährigen nicht zu niedrigen direkten Steuerleistung. Trotz des ausgesprochen plutokratischen Charakters einiger dieser Vorschläge, die in ihren Einzelheiten noch dem Großgrundbesitz besonders entgegenkommen, meint Herr Thimme, daß mit der Verwirklichung dieser Vorschläge der Klassencharakter und die plutokratische Tendenz des heutigen Wahlrechts beseitigt sein würde. Er glaubt— und wohl nicht mit Unrecht—, daß alle bürgerlichen Parteien mit einem solchen Wahlrecht zufrieden sein würden und appelliert besonders an die Konservativen, bei einer solchen Reform mitzutun: „Ich wünsche— schreibt er— der konservativen Partei aus aufrichtigem Herzen eine große Zukunft. Nie waren die Aus- sichten dazu günstiger. Heller wie je strahlen die drei konser- vativen Hauptideale: Monarchie, Christentum, Staatsautorität am Himmel des deutschen Volkes. Auch in der Hinwendung der Sozialdemokratie zur Staatsgesinnung und Staatsbejahuna liegt doch, genau genommen, eine gewaltige Rechts- Orientierung. Rechtsorientierung könnte das Kennwort unserer ganzen innerpolitischen Zukunft sein. Aber es kann nur Wirklichkeit und Wahrheit werden, wenn auch die konservative Partei bedenkt, was zu ihrem Frieden dient, der zugleich der innere Frieden des deutschen Volkes, gegenseitiges Verstehen und Vertrauen im Sinne unseres Kaisers und Königs ist." In dieser Mahnung an die Konservativen tritt der Zweck der dargelegten Vorschläge so eindeutig hervor, daß jeder Kommentar überflüssig erscheint. Bloß zur Illustration des Abstandes zwischen dem Programm des Herrn Thimme und den Anschauungen, die nicht etwa von Uns, sondern von liberalen Blättern vertreten werden, sei nachstehend wiedergegeben, was die„Frankfurter Z e i t u n g" anknüpfend an die Rede Heydcbrands über die Wahl- rechtsreform sagt: „Herr v. Heydebrand sprach von einer Anpassung an die der- änderten Verhältnisse, fügte dann aber gleich hinzu, es müsse ein der Eigenart der preußischen Einrichtungen, dem ganzen Volkstum angepaßtes Wahlsystem erhalten bleiben. Das b e- deutet die Ablehnung einer grundlegenden Aenderung, während eine Anpassung an die veränderten Verhältnisse selbst vom konservativen Standpunkt aus einer Ver- änderung der ganzen ökonomischen Struktur, der immer stärkeren industriellen Entwicklung und so einer großen Bevölkerungsvcr- schiebung Rechnung tragen und damit ohne weiteres zu einer Aenderung des gar nicht mehr haltbaren Systems gelangen müßte." Die Selbständigkeit der Einzelstaaten würde durch ein ge- rechtes freies Wahlrecht nicht beeinträchtigt werden. „Leiden kann darunter höchstens der übergroße Einfluß einer Partei, die durch ein in die politische Rumpelkammer gehörendes Wahlrecht weit mehr Geltung hat, als ihrer Anhängerschaft im Lande und ihrer Bedeutung für den Staat entspricht. Wollen die Konservativen an einem unserem gesamten Volkstum angc- paßten Wahlsystem mitarbeiten, so müssen sie sich entschließen, es so freiheitlich und gerecht gestalten zu helfen, daß auch wirklich alle Teile des Volkes damit vollwichtig ihre Mitwirkung am Staat bekunden können. Nicht eine an der Oberfläche haftende Reform, sondern eine solche, welche die dringend notwendigen Aenderungen schafft, ist erforderlich, eine Reform, die den Gedgnkcn der vollen Anteilnahme aller Kreise und Berufe am Staatslebcn verwirklichen hilft.. Wenn die Konserva- tiven nicht dazu mithelfen, dann wird die Re- form eben gegen sie gemacht werden müssen." Das ist auch unsere Meinung, die klipp und klar auszusprechen für die unvermeidliche innerpolitische Umgestaltung weit förderlicher ist, als alles gutmeinte Zureden und alle durchsichtigen Spekula- tionen auf die„Rcchtsorientierung" der Sozialdemokratie. vom miiitärgerichtlichen Verfahren. Das kriegsgerichtliche Verfahren kennt zwei Arten von Ver- fahren: Das Verfahren vor einem Standgericht und das vor einem Kriegsgericht. Die Standgerichte sind für die Strafsachen der niederen Gerichtsbarkeit und die im Feld oder an Bord ihnen überwiesenen Vergehen zuständig. Die niedere Gerichtsbarkeit umfaßt die nur>„it Arrest Bedrohten militärischen Vergehen sowie die Ueberiretungen. DaS Standgericht darf auf keine höhere Strafe als auf Freiheitsstrafe bis zu 6 Wochen oder auf Geldstrafe bis 1ö0 M.. im Feld oder an Bord neben Versetzung in die zweite Klasse dcS SoldatcnstandeS nicht über 3 Monate und Geldstrafe bis 300 M. erkennen. DaS Standgericht besteht aus drei Ricktern: einem Stabsoffizier als Vor« sitzendem, einem Hauptmann und einem Oberleutnant. Die Be« rufung von den Standgerichten geht an die Kriegsgerichte. Diese bestehen aus fünf Richtern(einem Kricgsgerichtsrat und vier Offizieren). Die Kriegsgerichte entscheiden in erster Instanz in den Strafsachen, für die die Standgerichte nicht zuständig find. Wenn der Gerichtsherr annimmt, daß auf Todesstrafe oder auf Freiheits- strafe von mehr als sechs Monaten zu erlennen ist, so werden die Kriegsgerichte aus zwei KriegSgerichtsräten und drei Osfi- zieren zusammengesetzt. Tie Berufung gegen ein Urteil des Kriegsgerichts geht an bai Oberkriegsgericht. Die Oberkriegsgerichte bestehen auS zwei OberlriegSgerichtSräten und fünf Offizieren. Als Offiziere sind, wenn der Angeklagte ein Gemeiner oder ein Unteroffizier ist, zu berufen: ein Oberstleutnant, zwei Majore, ein Hauptmann oder Rittmeister und ein Oberleutnant. Gegen ein Urteil des Oberkriegsgerichts findet R e v i s i o n an daS Reichs« Militärgericht statt. Die Senate der Reichsmilitärgerichte ent« scheiden in der Besetzung von vier militärischen Mit- gliedern(ntindestens im Range der Stabsosfiziere) und drei juristischen Mitgliedern mit Einschluß des Vorsitzenden. Die Besetzung findet jedoch mit drei militärischen und vier juristischen Mitgliedern statt, wenn die Revision lediglich auf die Verletzung prozessualer Vorschriften, einer Vorschrift oder eines Rechtsgrundsatzes der all- gemeinen bürgerlichen Gesetze gestützt wird. Die Revision kann nur darauf gestützt werden, daß das Urteil auf einer Gesctzesverletzung beruhe. Gesetzesverletzung liegt vor, wenn eine ausdrückliche Vorschrift der Gesetze oder ein Rechtsgrund- satz oder eine militärische Dienstvorschrift oder ein militärdienstlicher Grundsatz nicht oder nicht richtig angewendet worden ist. AIS Straffccht kommt vor den Militärgerichten neben dem allgemeinen Straigefetzbuch das Militär-Strafgesetzbuch in Anwendung. Zum Beispiel kommen vor einem Kriegsgericht bei einem Verfahren wegen Landesverrats Vorschriften des Militär» Strafgesetzbuchs und des allgemeinen Strafgesetzbuchs in An» Wendung: Z 57 des Militär-StrafgesetzbucheS lautet: Wer im Felde einen Landesverrat begeht, wird wegen Krieg?« Verrats mit Zuchthaus nicht unter 10 Jahren oder mit lebenS« länglichem Zuchthaus bestraft. Nach dem auch auf das Militärstrafgesetzbuch geltenden Z 44 des Strafgesetzbuchs ist das versuchte Verbrechen milder zu be- strafen als das vollendete. Die Strafe kann bis auf ein Vier- teil des Mindest Betrages der auf das vollendete Ver« brechen oder Vergehen angedrohten Strafe ermäßigt werben. § 9 des Einsührungsgesetzes zum Militärstrafgesetzbuch be« stimmt unter anderem: Die in diesem Gesetz dem Militärstrafgesetz« buch für strafbare Handlungen im Felde gegebenen Vorschriften (Kriegsgesctze) gelten für die Dauer des nach Vorschrift der Ge» setze erklärten Kriegszustandes in den davon betroffenen Gebieten. Ueber Landesverrat bestimmt daS Allgemeine Strafgesetzbuch in Z 89: Ein Deutscher, welcher vorsätzlich während eines gegen daS Deutscke Reich ausgebrochenen Krieges einer feindlichen Macht Vorickub leistet oder der Kriegsmacht des Deutschen Reiches oder der Bundesgenossen desselben Nachteile zufügt, wird wegen Landes« Verrats mit Zuchthaus bis zu 10 Jahren oder mit Festungshaft von gleicher Dauer bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden so tritt Festungshait bis zu zehn Jahren ein. Neben der Festungs- Haft kann auf Verlust der bekleideten öffentlichen Aemter sowie der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Rechte erkannt werden. Ueber die Wirkung der Zuchthaus st rafe be- stimmen für das Militärstrafgesetzbuch und für das allgemeine Straf« gesetzbuch gleichmäßig ßZ 31, 32 und 33 des allgemeinen Strafgesetzbuchs: § 31. Die Verurteilung zur Zuchthausstrafe hat die dauernde Unfähigkeit zum Dienste in dem deutschen Heere und der Kaiser- licken Marine sowie die dauernde Unfähigkeit zur Bekleidung öffent» sicher Aemter von Rechts wegen zur Folge. Unter öffentlichen. Aemtern im Sinne dieses'Strafgesetzes sind die Advokatur, die An« walt'chaft und das Notariat sowie der Geschwornen« und Schöffen- dienst mitinbegrifsen. § 32. Neben der Zuchthausstrafe kann auf den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. Z 33. Die Aberkennung der bürge reichen Ehren- rechte bewirkt den dauernden V e r l u st der auS öffentlichen Wahlen für den Verurteilten hervorgegangenen Rechte. Eine Verurteilung eines Abgeordneten auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte würde also für den Abgeordneten den Verlust des Mandats zur Folge haben.(z) vas tägliche Srot. Eine Bcschwichtigungsrede Stcgcrwalds in Esten. Das Mitglied des Kriegsernährungsamtes, Generalsekretär der ckristlicken Gewerkschaften S t e g e r w a l d hielt in einer von etwa 2000 Männern und Frauen beiuckten Verbrauckerversammlung in Essen einen Vortrag über die Ernährungspolitik im Kriege. Die Rede des Herrn Stegerwald lief selbstverständlich auf eine Glorifizierung des Kriegsernährungsamtes hinaus, das er vor allem von der Schuld an den festgesetzten hohen Kartoffelgreisen zu entlasten suchte. Im übrigen versprach er, daß für die minder« bemittelten Schichten der Bevölkerung im kommenden Winter unter allen Umständen eine Erleichterung in der Beschaffung von Lebens« mitieln kommen wird, fei eS durch eine Staffelung von Lebens- mittelpreisen nach Einkommcnstufen oder durch Reichszuichüsse bei solchen notwendigen Lebensmitteln, die an sich sehr hoch im Preise stehen, deren Preise aber nicht plötzlich gesenkt werden können. Zum Sckluß gab er die Parole aus: Durch Entbehrung und Kampf zum endgültigen Siegl In der Aussprache, die auf die Rede StegeiwaldS folgte, fielen scharse Worte gegen die Spekulanten und Wucherer. Weiler be« richtet die„Kölnische Zeitung", der wir die obigen Mitteilungen ent- nehmen:„Die Aussprache benutzten radikale Genossen zu Streif- zügen nicht bloß in das Gebiet wirtschaftlicher Probleme, sondern auch in das Gebiet von Politik und Kriegszielen. Die Freunde dieser Redner, eine kleine Gruppe von etwa 200 Männern nnd Frauen, unterbrachen alle Sprecher mit Lärm und Zwischenrufen und verließen, als Stegerwald das Schlußwort nahm, unter neuem Lärm den Saal." Da uns kein parteigenössischer Bericht über den Verlauf der Essener Versammlung vorliegt, vermögen wir nicht zu sagen, in- wieweit die obige Darstellung in allen Einzelheilen zutrifft. Jeden- falls zeigt aber auch sie, daß die Rede des Herrn Stegerwald in der Versammlung keineswegs helle Begeisterung ausgelöst hat. flus der Vartei. Sozialdemokratische Kundgebungen. Im vollständig überfüllten Herkulessaal in Nürnberg sprach Ge« nosse Dr. David- Berlin vor mehr als 3000 Versammelten über die Friedensziele der Sozialdemokratie. David schloß mit der Hoff- nung, daß durch diesen Krieg die Friedensschnsucht in Millionen wächst und gestärkt worden ist und daß dieser Krieg der letzte ge- wescn sein möge. Eine im Sinne des Referats gehaltene Resolutton wurde einstimmig angenommen. Eine imposante Friedenskundgebung fand im städtischen„Deutsch- Haussaale" in Aschafscnburg statt. Als Redner war Reichstagsabge- ordneter Hoch erschienen. Die Versammlung, die stark von Bürger- ticken Kreisen besucht war, nahm einstimmig die vorgelegt« Resolution an. In Luckenwalde sprach am Mittwoch bor einer überan» stark besuchten Versammlung Reickstagsabg. Müller-Berlin über „Vollsernährung und Frieden". Die Versammlung stilnorte de» Ausführungen dcZ Redners, die sich im Rahmen deS Aufrufes des Parteivorstandes bewegten, lebhaft zu. In einer Volksversammlung, die am Sonntag in M ö r S(8e zirk Niederrhein)� tagte, wurde die vorgeschlagene Resolution, die unsere FricdenSfordcrungen enthielt, einstimmig angenommen. MaudatSnicdcrlegung. Genosse Peter, von dem wir bc- richteten, dag er sein Mandat zur Stadtverordnetenversammlung niedergelegt hat, war nicht in Danzig, sondern in Elbing Stadtverordneter. Strafkonto der Partciprcffe. Der verantwortlich: Redakteur der „Schleswig-Holsteinischen Lolkszcituiig", Genosse König, wurde von der Slrafkamn'.er in Kiel wegen Beleidigung des FlenSburgcr Magistrats zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. /tos Groß-Serltn. Eine Stange GsZö. Wie man eine Stange Gold verdienen kann, erzählt uns im Inseratenteil des„Berliner Tageblatt" eine chemische Fabrik in der Fidicinstraße. Diese Firma empfiehlt Rezepte und Anleitung zur Herstellung von allen möglichen Ersatz- Nutteln, denn wir leben im Zeichen der Surrogate. Die Firma hat für die einzelnen Rezepte einen bestimmten Tarif aufgestellt. Mit einem Pfennig fangt cS an, nämlich ein Rezept für Backpulver. 8 Pfennige kosten Rezepte für Her- stelluug von Himbcersastzucker und Puddingpulver. Für lO Pfennige sind Rezepte zu haben, die angeben, wie Benzin- Ersatz, Brühwürfelpulver, Gulasch-Tunke(Ers. Pulvers, und Würfelform) und Schuhcreme hergestellt werden. Dann steigen aber die Rezeptpreise wie folgt: Salatzusatz. Oelfrei 7, üb, Ledcr-Oel 10,00, Backpulver oh. Weinstein 7,30, Pa. Kleister(Kaltleini) 5,00, Blcichsoda 8,00, Buttcrstrcckpulver 5,00, Fufibodcn-Oel-Ersatz 12,50, Firnifi-Ersatz oh. Del 10,00, Kunstschmalz, Brotaufstr. 10,00, Honig, flüssig 5,00, Honig, schmalzartig 5,00, Honig, fest, Würfelpackg. 7,o0, Backpulver- Ersatz für Konditoreien, Bäcker 10,00, Vanilin-Zucker 3,00, rote Grütze 5,00, Marmelade-Pulver 3,00, Bouillonwürfel 15,00, Soda-Ersatz 10,00. Eine Stange Gold wird im vorliegenden Falle sicher der dient werden— von'dem Herausgeber der Rezepte, wenn sich genügend Abnehmer finden. Aus dem Kinderkrankenhaus der Stadt Berlin. Das Berliner Kindcrkrankcnhauö in der Reinickendorfer Strotze hatte in dem VcrwaltungSjahr 1. April 1914 bis 31. März 1915, aus dem erst jetzt der ärztliche Jahresbericht über die Krankenhäuser der Stadt vorliegt, unter den Säuglingen eine unge» wöhnlich grotze Sterblichkeit. An der Gesamtzahl der Kranken dieser Anstalt waren die Säuglinge in 1914/15 mit 911 be eiligt, das ist merklich mehr als in 1913/14 und in 1912/13, wo 797 und 765 Säuglinge behandelt wurden. Noch stärker haben sich die SIerbefälle von Säuglingen gemehrt: es starben diesmal V33 Säuglinge, gegenüber 285 und 222 in den beiden vorhergehenden Jahren. Tie Sterblichkeit der Säuglinge stellt sich für 1914/15 auf 86'/� Proz. der Behandelten, für die beiden vorhergehenden Jahre auf 290z Proz. und 29 Proz. Sehr grotz ist immer wieder die Fahl derjenigen Säuglinge, die schon in den allerersten Tagen ihres Krankenhausaufenthaltes st erben. Am ersten, am zweiten, am dritten Tage starben in 1914/15: 107, 84, 13, zusammen 159 von überhaupt 833 Gestorbenen, in 1913/14: 69, 33, 14, zusammen 107 von überhaupt 235 Gestorbenen, in 1912/13: 89, 81, 23, zusammen 93 von überhaupt 222 Gestorbenen. Man sieht, datz besonders die Sicrbefälle des ersten Tages sich sehr stark ge- niehrt haben. Datz so viele Säuglinge so rasch hingerafft werden, liegt gewitz nicht an Mängeln der KrankenhanSpflege, wie das vielleicht mancher m.eincn möchte. Es erklärt sich zum Teil aus der Art der Krankheiten, die ja bciSäulmgcn oft sehr schnell eine schlimme Wen- dung nehmen. Zum anderen Teil aber wird man eine Ursache auch darin sehen niüsicn, datz leider viele Kinder bei Erkrankungen viel zu spät in einem Krankenhause u n t e r g e b r a ch t werden. Es scheint, datz in 1914/15 solche Verzögerungen, die übrigens keines- wegs immer den Angehörigen zur Last zu legen sind, noch häufiger als sonst vorkamen. Da wäre eS dann kein Wunder, datz die schon am ersten Tage nach der Aufnahme eingetretenen Todesfälle sich so stark gemehrt haben und datz die Gesamtsterblichkeit der in dem Kinderkrankenhaus behandelten Säuglinge fich beträchtlich ge« steigert hat. Oder worauf sonst hätte man dies: ungünstigen Er- gebnisse zurückzuführen? Tie Bureauzcit der Brotkommissiouen ist an den Nach- mittagcn in der Woche von 5—8 Uhr anstatt wie bisher um 7 Uhr, Sonntags von �9— 0z 12 Uhr festgesetzt. Demnach hat unsere neuliche Anregung sofortige Berücksichtigung gefunden. Tic Explosion in der Wcllstratze 95 in Charlottenburg hat leider noch zwei weitere Opfer gefordert. Die Geschwister Erwin und Erna Wichcrt sind ihrer MMier und ihrem Bruder Hermann in den Tod gefolgt. TaS Befinden der übrigen Verletzten war gestern früh etwas besser, aber bei einigen die Leüensgesahr noch nicht aus- geschlossen. Mit der Ausräumung der Unfallstätte ist begonnen worden. Zunächst ist ein Gerüst am Hause und der Giebelwand errichtet, um das Dach zu stützen. Sowie diese Stützen angebracht sind, sollen die Trümmer mit dem Schutt und Balken usw. aus dem zweiten und drillen Stock entfernt werden, um die Leiche der ver- nützten Klara Wcitz zu bergen. Tie 22 Mieter des Hauses haben bis auf einige das Grundstück räumen müssen. Sie sind ander- wärts untergebracht worden. Geschäftsstatistik der Arbcitslosenfürsorge der Stadt Berlin für die Woche vom 7. bis 13. August 1916. Lei den 23 städtischen Geschäftsstellen sind 151 Gesuche ein- gegangen; es wurden abgelehnt 39, an die LandeSversichernngS- anstalt' Berlin verwiesen 3, bewilligt 1V3, ausgeschieden aus der Untersiützrmg<übcrwicgend wegen Wiedereintritts in Arbeil oder Erwerb) sind 113 Personen. 167 männliche und 2397 weidliche Per- sotten bezogen Unterstützung int Gesamtbeträge von 19 988 23?., davon je 4 23?. 2282 Porsonen, je 5 M. 102 Personen. Von der Stadt ivtirden an 283 Mitglieder von 15 Arbeiter- und A n g c st e l l t e n- O r g a n i i n t t o n e n, die selbst satzuttgS- gemätz Unterstützung gewähren, Zuschläge im Gesamtbeträge von 939,38 23!. gezahlt. Hiervon trafen ans die freien Gewerlschaften 257 Mitglieder mit 849,55 M.(und zwar Metallarbeiter 132,25 M., Holzarbeiter 88,95 SP?, usw.) Die, LandcSversichcriingsansialt Berlin hat von 22 399 bei ihr überhaupt bis 12. August 1916 eingegangenen, teils von den städtischen llmerstützungskommtsfionen ihr überwiesenen, teils von den Organisierten ihr eingereichten Gesuchen 15 477 genehmigt. Zwei Raubanfälle werden wieder ntts dem Tiergarten gemeldet. In etilem Falle wurde ein Mann aufgefunden, der an Händen und Beinen geknebelt war und ein fingerstarkes Stück Holz im Munde hatte. Der Mann gibt an, überfallen und beraubt worden zu sein. Seinen Angaben steht die Polizei skeptisch gegenüber.— Am Krummen Weg, nicht allzuweit von der Stelle des ersten lleberfallcs entfernt, sahen gestern srüh Leute ein Mädchen, das stark mit Blut besudelt war, neben einer Bank liegen. Man holte einen Schutz- mann ttttd bemühte sich um die anscheinend Hilflose. Das Mädchen erhob sich nun selbst mühsam und erzählte, datz es von einem jungen Burschen überfallen und beraubt worden sei. Nach der Darstellung des Mädchens, des 29 Jahre alten KindersräuleinS Meta Knauerbase aus der Barbarossa- slratze 51, befand sie sich in der zehnten Abendstunde auf dem Heimwege. Auf ciiiem Seitenwege �tng ein Mann in gleicher Höhe mit ihr. Plötzlich sprang er an sie heran und versetzte ihr einen Schlag ins Gesicht. Als sie sich zu Wehr setzte und mit dem llcbel- täter kämpfte und rang, erhielt sie einen zweiten wuchtigen Schlag ins Gesicht, so datz sie aus der Nase stark blutete. Der Angreifer entritz ihr die Handtasche. Es glang ihr aber, sie wieder an sich zu reitzen. Jetzt riß der Bursche die Tasche auf und holte das Porte- monnaie mit 2 M. beraiis. Autzerdem entritz er der Ueberfallenen den Velourhut, der 26 M. werk ist. Auf die Hilferufe der llebcr- fallenen hörte diese, datz sich Schritte näherten. Sie hörte auch, datz diese dem ffiehenden Räuber folgten. Dann brach sie neben der Bank besinnungslos zusammen und lag dort, bis sie gestern morgen aufgefunden wurde. Eine schwere Krankheit Hai den Metallarbeiter Waldemar Haustig in Neukölln veranlatzt, Hand an sich zu legen und nicht Arbeiislosig- keit und Nahrungstorgen, was die Angehörigen des Verstorbenen uns zu berichtigen bitten. Bcrkchrsnachrichtcn. Auf der Linie 1(Siadtring) der Großen Berliner Straßenbahn wird vom 26. August d. I. der Fahrabstand auf 70z Minuten verdichtet. Infolgedessen erfahren auch die Fahr- geiten"der Linien 2, 4, 52 und 114 geringfügige Verschiebungen. Das Nähere ist aus den in den Wagen angebrachten Aushängen zu ersehen. Die Straßenbahnlinien 6, 7, 11 und 15 werden in den Nächten vom 28. zum 29. und vom 29. zum 39. August wegen Bau« arbeiten an der Kreuzung Turm— ölalhenower Stratze ven 1 Uhr nachts ab umgeleitet. An den von der Umleitung betroffenen Haltestellen werden sich entsprechende Hinweise befinden. Der Volks- FeuerbcstattiiitgSvcreiil Groß- Berlin wird vom 1. Januar 1917 seinen Wirkungskreis über Deutichland ausdehnen. Der Verein besteht vier Jahre und besitzt eine Mitgliederzahl von 2l59. Sein VereinSvermögen beläust sich auf 29 999 M. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, seine Mitglieder im Todessalle kostenlos zu bestatten und alle Besorgungen zu erledigen, welche die Feuerbestattung vorschreibt. Nach einjähriger Mitgliedschaft und einem monatlichen Beitrag bei einem EinirittSalter bis zu 29 Jahren 25 Pf., 89 Jahren 35 Pf., 49 Jahren 45 Pf., 45 Jahren 55 Pf', 59 Jahren 79 Pf., 55 Jahren 85 Pf., 69 Jahren 1,19 M. hat jedes Mitglied Anrecht auf kostenfreie Bestattung durch Feuer. Wer für den Verein Jntereffe hat, wolle sich an Fritz Dietrich, Skeukölln, Kaiscr-Friedrich-Str. 197, wenden. Ms öen Gemeinden. Fleifcheinkäufe nach Nummern in Wilmersdorf. Vom 28. dieses Monats an wird der Fleischeinkauf in Wilmcrs- dort einer neuen Regelung unterworfen, von der erwartet wird, datz sie die Ansammlungen endgültig beseitigt und den Wünschen des Publikums nach glatter Abwickelung des Geschäftsverkehrs entspricht. Die in die neuen Kundenlisten der Fleischer eingetragenen HanS- Haltungen werden der Reihe nach in 25 gleiche Gruppen er bis z eingeteilt. Diese Gruppen sind bei allen Schlächicreigcschäften auf die Vcrkaufsstunden von 8—11 und 4—6 Uhr täglich gleich- mäßig verteilt. Gruppe er beginnt Montags von 8—9 Uhr, es folgt Gritppe b von 9—19 Uhr und so fort. In den nächsten Wochen erfolgt eine Verschiebung jeder Gruppe auf einen anderen Tag und eine andere Stunde, so datz nach Ablauf der der- zeitigen Fleischkartenperiode jede Gruppe einmal in jeder der festgesetzten Vcrkaussjiunden zum Einkauf aufgerufen worden ist. Für diejenigen Hausfrauen, die am Einkauf zu der für sie fest- gesetzten Stunde verhindert sind, sowie für diejenigen, welche ihren Fleijchbedarf an mehreren Tagen der Woche decken wollen, sind die täglichen Stunden von 11—1 und 6—8 Uhr(Sonnabends bis 9 Uhr) sreigelaffen, aber nur, wenn die festgesetzte Verkaufsstunde der be- treffenden Gruppe bereits verstrichen ist. Die Schlächtereigeschäfte müssen vom 27. d. M. ab in ihren Schaufenstern Plakate aushängen, die jeden Kunden über seine Einkaufszeit informieren. Städtischer Verkauf von Kaninchen in Neukölln. Freitag, den 25. August, nachmittags von 4—6 Uhr, gelangt in der Zuchtzentrale, Böhmische Sir. 4, eine weitere Anzahl von Kaninchen zur Mästung zum'Verlauf. Die Tiere werden nur an Neuköllner Einwohner, die sich durch Vorlegung der Steuerkarte aus- weisen können, abgegeben. Mehr als zwei Tiere können an eine Person nicht abgegeben werden. Aus der Pankower Gemeindevertretung. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung unter anderem mit der Aufhebung eines Gemeinde- beschlusses, betreffend Gewährung von Zu- s ch ü s s e n für die im Restaurant Linder bald nach Kriegsbeginn errichtete M i l t e l st a n d s k ü ch e. Nach diesem Beschlutz wurde für Mittagsgäste, welche von den Kricgsunterstützungökommissionen nach Prüfung der Bedürftigkeit dieser Küche zugewiesen wurden, die Hälfte des Essenpreises auf Gemeindekosten übernommen. Nachdem nunmehr die Kriegsküchcn errichtet und damit für ein billiges und gutes Essen gesorgt worden ist, fällt jeder stichhaltige Grund für die Son- dcrbchandlung der hier in Frage kommenden Kreise fort. Dem- gemätz beantragte aus Anregung der KricgSnnterstützungSkommissionen und unter Zustimmung der Finanzkomuttssion der Gemeindevorftand Aufhebung deS fraglichen BcschlusteS. In der aiisgedehnicn Debatte wurde mit einer einzigen Ausnahme allseitig die Aufhebung befürwortet. Von unseren Genossen traten Schmidt und Struck ebenfalls für Beseitigung dieser nicht mehr zeitgemäßen Bevor- zugung einer bestimmten Gruppe Kriegsnotleidcnder ein. Gegen zwei bürgerliche Stimmen wurde in der Abstimmung die Gewährung weiterer Zuschüsie an die Mutelstandsküche verneint.— Bezüglich der Kartoffelversorgung wurde vom Gemeindevorstand die Erklärung abgegeben, daß der in letzter Woche herrschende Mangel in der Zufuhr behoben und für ausreichende Anlieferung gesorgt sei. Bei dieser Gelegenheit trat der Dezernent der Kriegsküchcn, Gemeindeschöffe Körte, den unsinnigen Ausstreuungen entgegen, wonach der Kartoffelmangel durch die Gemeinde künstlich berbei- geführt worden sei, um die nachlassende Frequenz der Kriegsküchcn zu heben. Es wurde nachgewiesen, datz die Benutzung der Kriegs- lüchen fortgesetzt in raschem Steigen und gerade in der Zeit des Kartoffelübcrfluffes am lebhaftesten gewesen sei. Nur 175 Gramm Fleisch in Pankow. Infolge des geringen ViehaiiftricbeS sieht sich der Gemeinde- borstand veranlaßt, die Wochenfleischmenge auf 175 Gramm fest- zusetzen. Jeder Einzelabschnilt der Fletschkarte wird daher mit 35 Gramm bewertet.__ Bus oller Welt. Bootsunglück im Stcttincr Haff. Beim Versetzen des Ankers des Baggers VI auf dem Stettin er Haff wurde ein mit fünf Ma- trafen bemanntes Boot durch die Trosse des SLaggers unter SLasser gedrückt. Drei Mann ertranken, zwei konnten sich retten. Fraucnmord in der Altmark. Einem unaufgeklärten Ver- brechen ist man in der Wolfsbutg bei Gardelegen in der Alt- mark auf die Spur gekommen. Tort fand man die seit Ende Juli vermißte ledige Magd Hedwig Wähler aus Vorsfelde als Leiche aus, Uin den Hals der Toten war ein Strohseil geknüpft und im Munde steckte als Knebel ein Tuchlappen. Man nimmt an, daß die Wähler das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Beim Nctwngswerk tödlich verunglückt. Der Malrose Willi G o l n aus Berlin, der sich auf einein nach Küstrin fahrenden Dampfer befand, wollte an einer Brücke, als das Schiff gegen cinen Pieilcr anzurennen drohre, cinen Korkball zwiichen Schiff und Pfeiler werfen. Durch die Wuckir des Anpralls wurde G. über Bord gerissen und geriet zwischen Pfeiler und Bordleiste. Schwer verletzt wurde er nach dem Lazaretr in Landsberg a. W. ge- bracht, wo er noch an demselben Tage v e r st a r b. Raubmord. Aus Königsberg in Preußen wird berichtet: Der Gutsbesitzer Dolligkeit in Groß-Brittanicn (Reg.-Bez. Gumbinnen) wurde in seinem Wobnhause schwer ver- wundet aufgefunden! er starb bald darauf. Es liegt Raubmord vor. Die Explosion in einer englischen Munitionsfabrik. Im eng- tischen Untcrhause wurde von einem Rcgierungsvertreter erklärt, daß nach der Explosion in der MumtionSfabrik zwanzig Leichen geborgen worden seien. Wenn auch durch die Ex- plosion eine gewaltige Zerstörung angerichtet worden sei, so seien die Verluste doch nicht so schwer, wie man zuerst angenommen habe. Jugenöveranftaltungen. Schäneberg. Arbeiter-Fugend. Sonntag: Wandertahrt in dle Müggelberge. Treffpunkt 0�7 Uhr Bahnhof Schöncberg. Fahrgeld 79 Pf. Mittwoch: Spielabcnd im Lokal von Henkel, Mcininger Str. 8. An- fang 8 Uhr. Nachtfahrt nach Zehlcndorf, Gülcrgotz, Sicdcncr Eisbruch, Ärotz-Bceren. Abmarsch abends 8 und 0,19 Uhr Kaifcr-Wilhclm-PIatz. Fahrgeld 89 Pf. Mittwoch, den 39.: Liederabend. Anfang 8 Uhr, Haiiptstr. ü. Arbcitcr-lliadfahrer-Bnnd„Zoiidarität«, Mitgliedschaft Berlin und Umgegend. Sonntag: BercinStour nach Zchlcndorf bei Micklcy, Potsdamer Straße. Per Bahn bis Zehlcndorf-Mittc. Um rege Beteiligung ersuchen die Fmiltioiiärc. Allgemeine Familienltcrbekasse. Sonntag, den 27. August. Zahl- und Aufnahmetag von 3—6 Uhr im Ncstaurant Gerichtstr. 12/13 und Buckower Str. 14. Eingegangene Druckschriften. Bon der„Steilen Zeit- ist soeben das 21. Heft vom 2. Band des 34. Jahrgangs erichienen. Aus dem Inhalt des.Heftes heben wir hervor: 1866 bis 1914. Ein gcfchichlltcher Vergleich. Von Franz Mehring.— Georg Horm. Zu feinem sünsundfiebzigilen GebuAstag. Von Edmund Fifcher.— Vom Peifönlichen zum Sachlichen. Von Heinrich Schulz.— Wie ciiglifchc Arbeiter deutsche Sozialdemolralen von einem internationalen Kongreß ausschlössen. Von K. Kautsky.— Literarifchc Rundschau; Prof. Dr. Theodor schiemann, Nussische Köpfe. Won O.Blum. Maurice Fürneu- berg, Die Einführung der Soja, eine Umwälzung der Volkscrnährung. Von Lipschütz.— Notizen: Vom Einsiutz des Krieges auf die VoilSzadl und Vollsbcschaffcnheit. Von H. Fehlingcr. Driefkasten der Redaktion. Die luriflilche Sprechltunde findet für Stbonncnten Llndrngr. Z, IV. Hof cecktZ. varlerre. am Montag bis Freitag von 4 diS 7 U>tr, am Cotitiodons von 6 Bis 0 Uhr statt. Jeder ißt den Briefkasten Defltmmten Atlirage ist ein Buchstabe und ein« Labt als M-rlzetch-tt beizufügen. Drtciiich- Atttwort wird nicht erteilt. Antragen, denen leine AdonnementSauitiung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Svrechshinde vor. Dcrträge, Echristflücke und drrgtcichcn bringe mar ia die exrcchlinnde mit. Frage 200. Sie müssen innerhalb 2 Jahren mindesten 29 Marken der niedrigsten Lohnklasse kleben. Die Karle mutz am FälllgkeilStcrniiii, das ist zwei Jahre nach ibrcr Ausstellung, zum Umtausch beim Polizei- revler vorgelegt werden. Militärzeit wird als geklebte BcitiagSleistuug an- geikchnet.— Frage 201. Der Verlag der genannlen Zcitichnst, die jetzt „Leuchtturm" beitzt. ist in Grotz-Lichlci selbe, Hcdwigstr. 1. Wenden Sic iich dorthin.— K. H. 2. DaS Enkellind hat denselben Eibanspruch. Tic Frau dagegen erbt nicht.— 31. 3. 9. Zur Zahlung der Gemeinde- Einkommensteuer ist die Tochter verpflichtet, zur Staatsemkommensleuer dagegen nicht, weil das Einkommen nicht jährlich 3099 M. übersteigt. — Ä. 15. 1. Ja. 2. Es genügt der Besuch der Wakifortbildungsschuie. 3. Nein.— Nt. TP. Zur Zahlung der Kommunaistcuer sind Sic ver- pflichtet, zur StaatScintommenstcuer dagegen nicht.— 31. V. 19. 1. Wenn Sie noch trank sind, wird die Krankenkasse Sie als smwilliges Mitglied nicht aufnehmen. 2. Das riibtct sich nach dem Statut. 3. Die Invalidenrente wird mii Beginn der 27. Woche gezahlt. 4. Etwa 16 M. monatlich.— W. B. 22. Der Verwalter ist zur Ucbcrgabc der Lebens- mittelbezugskartcn verpflichlct. Wenn er Sic in Ihrer Wobnuug nicht an- trifft, sind Sie verpflichtet, sich die Karten von ihm zu holen. — F. F. 94. 1. Ja. Der Antrag ist an die Stcucrkassc zu stellen. 2. Die Unterstützung aus der Fabrik wird Ihnen leider angerechnet und deshalb haben Sie cinen Anspruch auf bühcrc MIctSunt-rstützung nicht. 3. Da Sie nicht mebr im H>ccrcsdienft stehen, bat Ihre Frau lcittcn Anspruch. 4. Von der Brotkommission.—(S. K. 95. 1. Laiidsturmpflichtig. Krankheiten der UntcrlcibSorgane. 2. Sie müssen zur Musterung.— K. D. 2. Die Frau ist zur Herausgabe der Sachen verpflichtet. Sic mützlen die Serausgabe evtl. durch Klage erwirken, die Sie aber nur mit Vollmacht Ihre» SobncS anihrenzen können.— O. 5S. Sie sind zur Zahlung der Kirchensteuer für Ihre Frau verpflichtet.— R. T. 47. Ncitt. — P. L. 28. Sie brauchen nicht zur Stellung.— Kl. 40. Wenn die Operation nicht Icbensgesäbrlich und nicht erheblich ist und Jbnen der Be- fehl dazu gegeben wird, so können Sie dieselbe nicht vcrioeigern.— A. B. 30. Den Eitern steht ein Anspruch aus Auswandsenischädiguitg zu, wenn. waS in Jbrcm Falle mit Bestimmtheit anzunehmen ist, sechs Jahre alllve Dienstzeit für die Söhne nachgewiesen werden kann. Der Antrag ist an die Polizeibehörde zu stellen unter Vorlegung des Nachweises über die Dienst- zeit und der Geburtsurkunden der Söhne.— H. 20. 1. Wenn die Mutter nicht mehr lebt, erben neben dein Vater auch die Geschwister. 2. Nein. 3. Nein.— W. 3. Morchel. Anspruch ans Zulage besteht nicht. Es liegt im Ermessen der Kommandobebörtc TvetterauSsichten kür das mittlere Norddentirttlaiid bis Sonnabend mittag. Weitere Erwärniung: im Binnenlandc vtelsach heiter, im Küstengebiet überwiegend bewöllt mit leichten Negcnsällcn. Verwaltung Berlin. Tetz-Amt Moritzplatz 10628, 3578. Bureau: Rungestratze 39 Heute Freitag, den 25. August, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelnfer 15: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Bcrwaltuug. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der Arbcitsvermittler und des Bibliothekars. 4. Ersatzwahl der Orts- Verwaltung und von Angestellten. 5. Anträge. 99/2 Mitgliedsbuch und Telcgicrtentartc legitimiert. Graneken- Versammlung. Hodenleger! Montag, den 88. August, abends 80z Uhr, bei Abcndroth, Adalbertstr. 61. Tagesordnung: Bericht von der Generalversammlung. Branchcnangelcgenheitcn. Auch sämtliche Kollegen, welche in anderen Betrieben arbeiten, werden gebeten, zu erscheuten. Kommisstoussitzung 8 Uhr. JHe Orts Verwaltung.